Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
-  Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer Schule    
-  Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
-  Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
-  Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton Odenwald gehörenden und im Besitz der Familie Rüdt von Collenberg-Bödigheim befindlichen Bödigheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in das 14. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1345 Juden am Ort genannt. Möglicherweise haben seitdem ununterbrochen bis in die NS-Zeit Juden in Bödigheim gelebt. Besonders zahlreich waren im 16. und 17. Jahrhundert Juden am Ort.  
 
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich vor allem auf die ehemalige "Judengasse" (heute Hindenburgstraße, Teilstück ab der Kreuzgasse). 
     
Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Bödigheim Sitz eines ritterschaftlichen Unterrabbiners, der dem würzburgischen Oberrabbinat Heidingsfeld untergeordnet war. Die letzten Bödigheimer Rabbiner waren Samuel Dellheimer (Hirsch Samuel Delem, gest. vor 1796) und Gedalja Metz (gest. 1850) aus der Familie des R. Meir von Rothenburg. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Merchingen zugeteilt. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 91 jüdische Einwohner (11,7 % von insgesamt 777 Einwohnern), 1836 Höchstzahl mit 119 Personen, 1875 89 (10,3 % von 867), 1887 93, 1900 66 (8,9 % von 745), 1910 55 (7,5 % von 735). Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh und Waren aller Art.
 
Über Einrichtungen bis Anfang des 19. Jahrhundert ist nichts bekannt (zur Synagoge siehe unten), doch waren solche mit Sicherheit vorhanden. Neben der Synagoge befand sich ein Badhaus mit rituellem Bad und einem Brunnen (besteht nicht mehr). Eine israelitische Konfessionsschule bestand bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf dem Anwesen Hindenburgstraße 12 stand das jüdische Schlachthaus (besteht nicht mehr). Vermutlich aus dem Mittelalter stammt der große jüdische Verbandsfriedhof an der Straße nach Waldhausen. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Von den Lehrern ist insbesondere zu nennen: Samuel Steinhardt (Lehrer von 1839 bis 1878) und Seligmann Fleischmann (Lehrer von 1878 bis um 1915), danach Lehrer S. Schwarzenberger.    
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ferdinand Haas und Edmund Salm. Ihre Namen finden sich auf den Gefallenendenkmalen des jüdischen wie auch des christlichen Friedhofes. Auch auf dem Gefallenendenkmal 1870/71 auf dem Kirchplatz finden sich Namen jüdischer Gefallener auf Bödigheim.  
   
Um 1925 (damals noch 35 Gemeindeglieder) waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Aaron Messinger und Julius Bravmann. Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkt S. Schwarzenberger. Er unterrichtete noch drei Kinder im Religionsunterricht. 1932 war Gemeindevorsitzender Salomon Salm.     
    
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Metzger und Viehhändler Julius Bravmann (Hauptstraße 45), Gemischtwarenladen Michael Eisenmann (Hausemer Weg 16), Leder- und Fellhandlung Ferdinand Haas (Hauptstraße 43), Gemischtwarenhandlung und Tankstelle Max Neumann (Hauptstraße 26), Krämerladen Salomon Salm (Hindenburgstraße 6).          
      
1933
lebten noch 16 jüdische Personen in Bödigheim.    
        
Von den in Bödigheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Edwin Haas (1904), Philipp Ferdinand Haas (1871), Stefanie Haas (1899), Ferdinand Hamburger (1879), Moses Hamburger (1880), Leopold Krauskopf (1895), Jeanette Ladenburger geb. Marx (1883), Max Ludwig Marx (1896), Moses Marx (1896), Siegmund Marx (1895), Max Neumann (1901), Rosa Neumann geb. Marx (1899), Lina Rödelsheimer geb. Fleischmann (1883), Karoline Schlesinger geb. Marx (1873).  
    
    
  
Weitere Spuren der jüdischen Geschichte: Außer den beim Friedhof bestehenden FN gab es die Bezeichnungen "Vorderer" und "Hinterer Judenbuckel" (heute Weinbergstraße und Hausemer Weg). Unweit der Kirche heißt ein alter Schöpfbrunnen im Volksmund "Judenbrunnen".   
   

   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
  
Anerkennung für den seit 1839 wirkenden Lehrer Samuel Steinhardt in Bödigheim (1875)

Boedigheim Israelit 03111875.jpg (54401 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1875: "Bödigheim in Baden. Die israelitische Gemeinde zu Bödigheim hat jüngst auf eine erfreuliche Weise kundgegeben, wie sie treue Pflichterfüllung, sowie tüchtige Leistungen im Unterrichtsfache, zu würdigen und anzuerkennen versteht. Dorten wirkt seit 26 Jahren mit unermüdetem Eifer Herr Samuel Steinhardt als Lehrer. Die Gemeinde wollte ihrem Lehrer auch durch ein äußeres Zeichen ihre Liebe und Verehrung für sein langjähriges, verdienstliches Wirken beweisen. Am 13. dieses Monats versammelte sich der Synagogenvorstand, an ihrer Spitze Herr Elias Lindheimer, um Herrn Steinhardt im Namen der Gemeinde ihre Anerkennung auszusprechen, bei welcher Gelegenheit ihm ein schöner silberner Pokal aus Dankbarkeit überreicht wurde."  

  
Artikel zum Tod von Lehrer Samuel Steinhardt (1878)

Boedigheim Israelit 30101878.jpg (74457 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1878: "Bödigheim. Ein schwerer Verlust hat unsere Gemeinde, ja unsere ganze Gegend betroffen. Am 17. Oktober laufenden Jahres starb dahier unerwartet schnell an einem Hirnschlage Herr Lehrer Steinhard. Derselbe war in Dittigheim geboren, widmete sich von frühester Jugend an dem Torastudium. 39 Jahre war er Lehrer am hiesigen Platze, seine Liebe zu seinem Berufe, seine großen Kenntnisse, sein liebevolles Benehmen gegen Jedermann, verschafften ihm ein hohes ansehen und Achtung in der ganzen Gemeinde und Umgegend. Die Beerdigung fand Freitag den 18. statt, die Beteiligung war eine sehr große; nicht allein seitens der israelitischen Einwohner der ganzen Umgegend, auch die angesehensten christlichen Bürger gaben ihm das letzte Geleite. Möge der Allgütige die trauernde Familie trösten und ihr seinen Schutz und Beistand nicht versagen. An den Dahingeschiedenen mögen sich die Worte unserer heiligen Schrift erfüllen: Deine Frömmigkeit wird vor Dir hergehen und die Herrlichkeit Gottes Dich aufnehmen. Einer seiner Schüler."   

     
Lehrer Seligmann Fleischmann wirbt für seine Knabenpension (1884)  

Boedigheim Israelit 10031884.jpg (50213 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1884: "Annonce
2 Knaben, welche sich für den kaufmännischen Beruf vorbereiten wollen, finden auf Ostern unter sorgfältiger Ausbildung Aufnahme in meiner Schule. Gute und sehr billige Pension im Privathause. Beste Referenzen. S. Fleischmann, Lehrer, Bödigheim (Baden)."    
 

   
Berichte über Prüfungen an der israelitischen Schule in Bödigheim durch Rabbiner Dr. Löwenstein (1892/1893)

Boedigheim Israelit 05051892.jpg (63497 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1892: "Bödigheim, 27. April (1892). Heute wurde von Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein in Mosbach die alljährliche Prüfung der hiesigen Religionsschule vorgenommen; sowohl hier als auch im Nachbarort Eberstadt (Filiale) war das Ergebnis ein befriedigendes und wurde unser Lehrer Herr Fleischmann, welcher bereits seit 10 Jahren in hiesiger Gemeinde segensreich wirkt, von dem Herrn Rabbiner öffentlich belobt. Wir verdanken den Bemühungen des Herrn Fleischmann, dass unsere Synagoge und unser großer Bezirksfriedhof restauriert worden sind.   M—r."
 
Boedigheim Israelit 15051893.jpg (53868 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1893: "Bödigheim, 7. Mai (1893). Am verflossenen Montag fand dahier und dem Filialort Eberstadt die Prüfung der israelitischen Religionsschule durch unseren Rabbiner Herrn Dr. Löwenstein aus Mosbach statt. Das Resultat war ein sehr günstiges. Herr Dr. Löwenstein tat am Ende derselben den Ausspruch: Ich wünsche, dass alle Schulen meines großen Bezirks so wären wie hier und Eberstadt, dann stände es gut um die jüdische Jugend. Bemerken will ich noch, dass unser Lehrer schon zum wiederholten Male von der obersten Schulbehörde öffentlich belobt wurde. M..r."  

   
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Seligmann Fleischmann (1912)  

Boedigheim FrfIsrFambl 31051912.jpg (16834 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Mai 1912: "Bödigheim. Am 25. Mai (1912) feierte unter Teilnahme der gesamten Gemeinde Lehrer Seligmann Fleischmann sein 50-jähriges Dienstjubiläum."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Herrn Bernhard Messinger (1894))

Boedigheim Israelit 22011894.jpg (47041 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1894: "Bödigheim, 1. Januar (1894). Am 23. Tewet hauchte Herr Bernhard Messinger dahier seine reine fromme Seele aus. Der Verlebte erreichte ein Alter von 79 Jahren, er gehörte noch zu den alten genossen des letzten hiesigen Rabbiners, Rabbi Gedalje Metz. Von seiner Beliebtheit gab dessen großartiges Leichenbegängnis Zeugnis. Von Nah und Fern, Jung und Alt, auch viele Christen, die Ortsbehörde nahmen daran Teil. Auf dem Friedhof hielt unser Rabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach – sein Licht leuchte – eine ergreifende Leichenrede und rühmte in herrlichen Worten die guten Eigenschaften des nun zum ewigen Frieden eingegangenen Toten."   

 
Erinnerung an Rabbiner Gedalja Rothenburg (1902)  

Boedigheim Israelit 30041902.jpg (63366 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1902: "WochenchronikSabbat Achre. Erster Perek. Elfter Omertag. Samstag, 26. Nissan. An diesem Tage ….  Gedalja Rothenburg, Rabbiner in Bödigheim Verfasser mehrerer handschriftlicher Werke, gest. 26. Nissan 5606 (22. April 1846)." 

  
Zum Tod von Dina Marx (1920)   

Boedigheim Israelit 11111920.jpg (113784 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1920: "Bödigheim (Baden), 7. November (1920). Am vergangenen Mittwoch wurde im Alter von nahezu 68 Jahren Frau Dina Marx, Gattin des J. Salomon Marx, zur letzten Ruhe bestattet. Mir ihr erleidet nicht nur ihre Familie einen schweren Verlust, sondern auch die hiesige Gemeinde. Mit ihrem gleich gesinnten Manne hatte sie ein echt jüdisches Haus gegründet, in dem sie ihre Kinder zu braven Menschen und frommen Jehudim heranzog. Mit hoher Befriedigung konnte sie auf die Erreichung dieses ihres Lebenszieles zurückblicken. Ihre Kinder nehmen nicht nur eine geachtete Stellung ein – die drei Söhne sind Lehrer, die einzige Tochter an einen Lehrer verheiratet – sondern stehen auch in Lehre und Leben auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums. Die außergewöhnliche rege Beteiligung bei der Beerdigung aus allen Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfession, war ein beredtes Zeugnis für die Wertschätzung der Heimgegangenen. Vor dem Trauerhause hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach einen tief empfundenen Hesped (Trauerrede) und auf dem Friedhofe sprachen Lehrer Schwarzenberger von hier und der älteste Sohn, Waisenhaus-Verwalter in Frankfurt am Main, der tief ergriffen der innigst geliebten Mutter die letzten Abschiedsworte zurief. Das Andenken der Frau Dina Marx wird zum Segen sein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
Julius Bravmann wird Verwalter des Bezirksfriedhofes (1935)  

Boedigheim Israelit 07021935.jpg (12417 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1935: "Bödigheim in Baden, 31. Januar (1935). Herr Julius Bravmann wurde zum Verwalter unseres Bezirksfriedhofes ernannt." 

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen  
Die Witwe von Josef Strauß verpachtet ihre Wirtschaft und Bäckerei (mit Mazzot-Bäckerei) (1886 / 1891)  

Boedigheim Israelit 29041886.jpg (81729 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1886: "Wirtschaft und Bäckerei zu verpachten. Ich beabsichtige, meine Wirtschaft und Bäckerei nebst gut eingerichteter Mazzoth-Bäckerei mit guter und fester Kundschaft sofort unter sehr günstigen Bedingungen zu verpachten. Da in aller Bälde mit dem Bau der Eisenbahn von Seckach nach Walldürn beginnen wird und das geräumige Anwesen in unmittelbarer Nähe des zu erbauenden Bahnhofs liegt, so wäre einem tüchtigen Geschäftsmanne zu einer guten Existenz Gelegenheit geboren. 
Bödigheim bei Buchen (in Baden), 12. April 1886. Joseph Strauß Witwe."     
  
Boedigheim Israelit 23031891.jpg (36430 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1891: "Eine gangbare Wirtschaft und Bäckerei nebst eingerichteter Mazzoth-Bäckerei in der Nähe des Bahnhofes ist unter sehr günstigen Bedingungen per 1. Juli laufenden Jahres zu verpachten. 
Bödigheim (Baden), 20. März 1891. Josef Strauß Witwe."

  

  
   

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge 

Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich vor allem auf die ehemalige "Judengasse" (heute Hindenburgstraße, Teilstück ab der Kreuzgasse). 

Über Einrichtungen bis Anfang des 19. Jahrhundert ist nichts bekannt. Die Gemeinde verfügte vermutlich über eine Synagoge oder zumindest einen Betsaal. 

Um 1820 begannen Überlegungen zum Bau einer neuen Synagoge, verbunden mit einer jüdischen Schule und einem beheizbaren rituellen Bad. Die behördliche Genehmigung zum Bau wurde im Herbst 1823 erteilt. Dennoch verging nochmals einige Zeit, bis man mit dem Bau beginnen konnte. Die Pläne wurden von einem "Werkmeister Huber" ausgeführt. 1828 wurde der Grundstein zu der neuen Synagoge gelegt. Dieser Grundstein ist bis heute mit folgender Inschrift erhalten: "Diese Sinagog wurde Erbaut unter der Regierung der Durchlaucht Grosherzog Ludwig von Baden dem Israelitischen Vorsteher Ms. Behr durch Werckmeister Huber 1828", Mit dem Großherzog ist Ludwig I. Wilhelm August von Baden gemeint, der von 1818 bis 1830 regierte. Da auch in Bödigheim die finanziellen Mittel der jüdischen Gemeinde zum Bau nicht ausreichten, bat man bei den Behörden um die Genehmigung einer Kollekte bei den jüdischen Gemeinden des Landes. Sie wurde Ende Oktober 1829 bewilligt und in den folgenden Monaten durchgeführt. Ob die Synagoge noch 1829 oder erst 1830 eingeweiht wurde, ist nicht bekannt (Standort in der heutigen Hindenburgstraße 14). Im Synagogengebäude war auch ein Unterrichtsraum für die Kinder und die Lehrerwohnung untergebracht. 
     
Im Laufe des Sommers 1911 wurde die Synagoge gründlich renoviert und zählte danach "zu den schönsten Gotteshäusern des Mosbacher Rabbinatsbezirks" (siehe unten: Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26.10.1911). Bis dahin waren noch die traditionellen Ständer in der Synagoge vorhanden, die nun durch Bänke ersetzt wurden. Zu den hohen Feiertagen im Herbst 1911 konnten wieder Gottesdienste in der Synagoge stattfinden. Wenig später wurde die Synagoge offenbar auch mit elektrischem Licht ausgestattet. Für die Finanzierung der Umbauten hatte sich vor allem Lehrer Fleischmann verdient gemacht.

Boedigheim Israelit 26101911.jpg (49380 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1911: "Bödigheim, 16. Oktober (1911). Im Laufe des Sommers wurde unsere Synagoge einer gründlichen Renovierung unterzogen und zählt jetzt zu den schönsten Gotteshäusern des Mosbacher Rabbinatsbezirks. Seither hatten wir noch die alte Einrichtung mit den alten, einzelnen Ständen, die jetzt durch schön moderne Bänke ersetzt sind. Zu den ehrfurchtgebietenden Tagen konnten wir wieder Gottesdienst in der Synagoge abhalten, welcher während der Arbeiten im Schulsaale stattfand. In nächster Zeit bekommen wir auch elektrisches Licht, dann wir unsere Synagoge auch mit solchem versehen. Die sehr bedeutenden Renovierungskosten wurden durch Liebesgaben aufgebracht. Um das Zusammenkommen der Gelder hat sich ganz besonders unser Lehrer, Herr Fleischmann, verdient gemacht, und sei ihm und allen, die sich an dem schönen Werke beteiligt haben, auch an dieser Stelle öffentlich Dank ausgesprochen." 

Am 10. November 1938 wurde die Synagoge demoliert. Ein Gendarm aus Waldhausen schlug die Fenster und die Betpulte zusammen. Die Torarollen waren zu dieser Zeit bereits dem Oberrat der Israeliten in Karlsruhe übergeben worden, da die Gemeinde in Auflösung begriffen war. Bis 1945 stand das Gebäude leer. Nach gewerblicher Nutzung des Synagogenraums und zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien 1946 bis 1950 wurde das ganze Gebäude 1951 zu einem bis heute bestehenden Wohnhaus umgebaut. Durch den Umbau wurde die ehemalige Synagoge völlig unkenntlich gemacht. Erhalten blieb der beschriftete Grundstein am Gebäude.  
   

   

Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Boedigheim Synagoge 007.jpg (81899 Byte) Boedigheim Synagoge 006.jpg (97929 Byte)
     Die ehemalige Synagoge - umgebaut zu einem Wohnhaus Grundstein der Synagoge von 1828 mit Inschrift (s.u.) 
        
    Boedigheim Synagoge 008.jpg (98148 Byte) Boedigheim Synagoge 005.jpg (56435 Byte)
       Südansicht des Synagogengebäudes Eingang
     
 Fotos 2003/05:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 19.3.2005, mit * vom 5.9.2003)
    
Boedigheim Synagoge 233.jpg (40696 Byte) Boedigheim Synagoge 231.jpg (38142 Byte) Boedigheim Synagoge 235.jpg (45209 Byte)
Blick in die Hindenburgstraße, frühere "Judengasse" (Synagoge im Hintergrund links) Die ehemalige Synagoge 
      
Boedigheim Synagoge 232.jpg (60175 Byte) Boedigheim Synagoge 153.jpg (45280 Byte) Boedigheim Synagoge 234.jpg (44319 Byte)
Grundstein der Synagoge von 1828 mit Inschrift (s.u.)  Eingang mit Ritze für die Mesusa* Eingang zur ehemaligen Synagoge; über dem Eingang war vermutlich eine Inschrift vorhanden
        
    Boedigheim Synagoge 236.jpg (58444 Byte)    
    Südansicht des Synagogengebäudes    

Inschrift auf dem Synagogen-Grundstein: "Diese Sinagog wurde Erbaut unter der Regierung der Durchlaucht Grosherzog Ludwig von Baden dem Israelitischen Vorsteher Ms. Behr durch Werckmeister Huber 1828".   
   
  

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Buchen: hier anklicken  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Bödigheim (interner Link)  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 47-49.
Germania Judaica II,1 S. 90-91.
Karl Schimpf: Bödigheim, in: 700 Jahre Buchen. 1980. S. 343ff.
M. Walter: Die Volkskunst im badischen Frankenland, in: Heimatblätter, Vom Bodensee zum Main 33 (1926) S. 85.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 259-261.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
Rudolf Landauer, Reinhart Lochmann: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis. Herausgegeben vom Landratsamt NOK, 2008, ISBN: 978-3-00-025363-8. 200 S., 284 Fotos, 19,90 Euro.  Informationen zu dieser Publikation auf Seite zum Friedhof Mosbach.  

         

        

 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Boedigheim  Baden. The Jewish settlement began in 1345 and continued to grow thanks to the favorable attitude of the nobility to Jewish refugees from Wuerzburg. In the early 18th century, the Jews lived in a separate quarter and enjoyed extensive trade rights. A synagogue was erected in 1818 and the local cemetery served more than 30 communities for hundreds of years. The 1848 revolution was accompanied by anti-Jewish violence. Jews maintained a stable population of around 90 through the 19th century (10 % of the total) but dropped to 14 in 1933. Eight left by 1939 and six were deported to the Gurs concentration camp in 1940.

     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. Dezember 2008