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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Bödigheim (Stadt Buchen, Neckar-Odenwald-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
 | Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde |
 | Berichte aus der Geschichte der jüdischen
Gemeinde
- Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer Schule
- Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
- Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
- Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe |
 | Zur Geschichte der Synagoge |
 | Fotos / Darstellungen |
 | Links und Literatur |
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton
Odenwald gehörenden und im Besitz der Familie Rüdt von Collenberg-Bödigheim
befindlichen Bödigheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre
Entstehung geht in das 14. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1345 Juden am
Ort genannt. Möglicherweise haben seitdem ununterbrochen bis in die NS-Zeit
Juden in Bödigheim gelebt. Besonders zahlreich waren im 16. und 17. Jahrhundert
Juden am Ort.
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich vor allem auf die ehemalige
"Judengasse" (heute Hindenburgstraße, Teilstück ab der Kreuzgasse).
Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Bödigheim
Sitz eines ritterschaftlichen Unterrabbiners, der dem würzburgischen
Oberrabbinat Heidingsfeld untergeordnet war. Die letzten Bödigheimer Rabbiner
waren Samuel Dellheimer (Hirsch Samuel Delem, gest. vor 1796) und Gedalja
Metz (gest. 1850) aus der Familie des R. Meir von Rothenburg. 1827 wurde die Gemeinde dem
Rabbinatsbezirk Merchingen zugeteilt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1825 91 jüdische Einwohner (11,7 % von insgesamt 777 Einwohnern),
1836 Höchstzahl mit 119 Personen, 1875 89 (10,3 % von 867), 1887 93, 1900 66
(8,9 % von 745), 1910 55 (7,5 % von 735). Die jüdischen Familien lebten vom
Handel mit Vieh und Waren aller Art.
Über Einrichtungen bis Anfang des 19. Jahrhundert ist nichts bekannt (zur
Synagoge siehe unten), doch waren solche mit Sicherheit vorhanden. Neben der Synagoge befand sich ein Badhaus mit rituellem Bad und einem Brunnen (besteht nicht mehr).
Eine israelitische Konfessionsschule bestand bis zum Anfang des 20.
Jahrhunderts. Auf dem Anwesen
Hindenburgstraße 12 stand das jüdische Schlachthaus (besteht nicht mehr).
Vermutlich aus dem Mittelalter stammt der große jüdische Verbandsfriedhof an der Straße nach Waldhausen.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Von den Lehrern ist insbesondere
zu nennen: Samuel Steinhardt (Lehrer von 1839 bis 1878) und Seligmann
Fleischmann (Lehrer von 1878 bis um 1915), danach Lehrer S. Schwarzenberger.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ferdinand Haas und
Edmund Salm. Ihre Namen finden sich auf den Gefallenendenkmalen des jüdischen
wie auch des christlichen Friedhofes. Auch auf dem Gefallenendenkmal 1870/71 auf
dem Kirchplatz finden sich Namen jüdischer Gefallener auf
Bödigheim.
Um 1925 (damals noch 35 Gemeindeglieder) waren die Vorsteher der
jüdischen Gemeinde Aaron Messinger und Julius Bravmann. Als Lehrer, Kantor und
Schochet wirkt S. Schwarzenberger. Er unterrichtete noch drei Kinder im
Religionsunterricht. 1932 war Gemeindevorsitzender Salomon Salm.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Metzger und Viehhändler Julius Bravmann
(Hauptstraße 45), Gemischtwarenladen Michael Eisenmann (Hausemer Weg 16), Leder- und Fellhandlung Ferdinand Haas
(Hauptstraße 43), Gemischtwarenhandlung und Tankstelle Max Neumann (Hauptstraße
26), Krämerladen Salomon Salm (Hindenburgstraße 6).
1933 lebten noch 16 jüdische
Personen in Bödigheim.
Von den in Bödigheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Edwin Haas (1904), Philipp
Ferdinand Haas (1871), Stefanie Haas
(1899), Ferdinand Hamburger (1879), Moses Hamburger (1880), Leopold Krauskopf
(1895), Jeanette Ladenburger geb. Marx (1883), Max Ludwig Marx (1896), Moses Marx
(1896), Siegmund Marx (1895), Max Neumann (1901), Rosa Neumann geb. Marx (1899),
Lina Rödelsheimer geb. Fleischmann (1883), Karoline Schlesinger
geb. Marx (1873).
Weitere Spuren der jüdischen Geschichte: Außer den beim Friedhof bestehenden FN gab es die Bezeichnungen
"Vorderer" und "Hinterer Judenbuckel" (heute Weinbergstraße und Hausemer Weg). Unweit der Kirche heißt ein alter Schöpfbrunnen im Volksmund
"Judenbrunnen".
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Anerkennung für den seit 1839
wirkenden Lehrer Samuel Steinhardt in Bödigheim (1875)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1875: "Bödigheim
in Baden. Die israelitische Gemeinde zu Bödigheim hat jüngst auf eine
erfreuliche Weise kundgegeben, wie sie treue Pflichterfüllung, sowie tüchtige
Leistungen im Unterrichtsfache, zu würdigen und anzuerkennen versteht.
Dorten wirkt seit 26 Jahren mit unermüdetem Eifer Herr Samuel Steinhardt
als Lehrer. Die Gemeinde wollte ihrem Lehrer auch durch ein äußeres
Zeichen ihre Liebe und Verehrung für sein langjähriges, verdienstliches
Wirken beweisen. Am 13. dieses Monats versammelte sich der
Synagogenvorstand, an ihrer Spitze Herr Elias Lindheimer, um Herrn
Steinhardt im Namen der Gemeinde ihre Anerkennung auszusprechen, bei
welcher Gelegenheit ihm ein schöner silberner Pokal aus Dankbarkeit überreicht
wurde." |
Artikel zum Tod von Lehrer
Samuel Steinhardt (1878)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1878: "Bödigheim.
Ein schwerer Verlust hat unsere Gemeinde, ja unsere ganze Gegend
betroffen. Am 17. Oktober laufenden Jahres starb dahier unerwartet schnell
an einem Hirnschlage Herr Lehrer Steinhard. Derselbe war in Dittigheim
geboren, widmete sich von frühester Jugend an dem Torastudium. 39 Jahre
war er Lehrer am hiesigen Platze, seine Liebe zu seinem Berufe, seine großen
Kenntnisse, sein liebevolles Benehmen gegen Jedermann, verschafften ihm
ein hohes ansehen und Achtung in der ganzen Gemeinde und Umgegend. Die
Beerdigung fand Freitag den 18. statt, die Beteiligung war eine sehr große;
nicht allein seitens der israelitischen Einwohner der ganzen Umgegend,
auch die angesehensten christlichen Bürger gaben ihm das letzte Geleite.
Möge der Allgütige die trauernde Familie trösten und ihr seinen Schutz
und Beistand nicht versagen. An den Dahingeschiedenen mögen sich die
Worte unserer heiligen Schrift erfüllen: Deine Frömmigkeit wird vor Dir
hergehen und die Herrlichkeit Gottes Dich aufnehmen. Einer seiner Schüler."
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Lehrer Seligmann Fleischmann wirbt für seine
Knabenpension (1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1884: "Annonce.
2 Knaben, welche sich für den kaufmännischen Beruf vorbereiten wollen,
finden auf Ostern unter sorgfältiger Ausbildung Aufnahme in meiner
Schule. Gute und sehr billige Pension im Privathause. Beste Referenzen. S.
Fleischmann, Lehrer, Bödigheim (Baden)."
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Berichte über Prüfungen an der israelitischen Schule in Bödigheim durch Rabbiner Dr. Löwenstein
(1892/1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai
1892: "Bödigheim, 27. April (1892). Heute wurde von
Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein in Mosbach die alljährliche Prüfung der
hiesigen Religionsschule vorgenommen; sowohl hier als auch im Nachbarort
Eberstadt (Filiale) war das Ergebnis ein befriedigendes und wurde unser
Lehrer Herr Fleischmann, welcher bereits seit 10 Jahren in hiesiger
Gemeinde segensreich wirkt, von dem Herrn Rabbiner öffentlich belobt. Wir
verdanken den Bemühungen des Herrn Fleischmann, dass unsere Synagoge und
unser großer Bezirksfriedhof restauriert worden sind.
M—r." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai
1893: "Bödigheim, 7. Mai (1893). Am verflossenen Montag fand
dahier und dem Filialort Eberstadt die Prüfung der israelitischen
Religionsschule durch unseren Rabbiner Herrn Dr. Löwenstein aus Mosbach
statt. Das Resultat war ein sehr günstiges. Herr Dr. Löwenstein tat am
Ende derselben den Ausspruch: Ich wünsche, dass alle Schulen meines großen
Bezirks so wären wie hier und Eberstadt, dann stände es gut um die jüdische
Jugend. Bemerken will ich noch, dass unser Lehrer schon zum wiederholten
Male von der obersten Schulbehörde öffentlich belobt wurde. M..r." |
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Seligmann
Fleischmann (1912)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Mai 1912: "Bödigheim.
Am 25. Mai (1912) feierte unter Teilnahme der gesamten Gemeinde Lehrer
Seligmann Fleischmann sein 50-jähriges Dienstjubiläum." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Herrn
Bernhard Messinger (1894))
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1894: "Bödigheim,
1. Januar (1894). Am 23. Tewet
hauchte Herr Bernhard Messinger dahier seine reine fromme Seele aus. Der
Verlebte erreichte ein Alter von 79 Jahren, er gehörte noch zu den alten
genossen des letzten hiesigen Rabbiners, Rabbi Gedalje Metz. Von seiner
Beliebtheit gab dessen großartiges Leichenbegängnis Zeugnis. Von Nah und
Fern, Jung und Alt, auch viele Christen, die Ortsbehörde nahmen daran
Teil. Auf dem Friedhof hielt unser Rabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach
– sein Licht leuchte – eine ergreifende Leichenrede und rühmte in
herrlichen Worten die guten Eigenschaften des nun zum ewigen Frieden
eingegangenen Toten." |
Erinnerung an Rabbiner Gedalja Rothenburg (1902)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1902: "Wochenchronik. Sabbat
Achre. Erster Perek. Elfter Omertag. Samstag, 26. Nissan. An diesem Tage
…. Gedalja Rothenburg,
Rabbiner in Bödigheim Verfasser mehrerer handschriftlicher Werke, gest.
26. Nissan 5606 (22. April 1846)." |
Zum Tod von Dina Marx (1920)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1920: "Bödigheim
(Baden), 7. November (1920). Am vergangenen Mittwoch wurde im Alter von
nahezu 68 Jahren Frau Dina Marx, Gattin des J. Salomon Marx, zur letzten
Ruhe bestattet. Mir ihr erleidet nicht nur ihre Familie einen schweren
Verlust, sondern auch die hiesige Gemeinde. Mit ihrem gleich gesinnten
Manne hatte sie ein echt jüdisches Haus gegründet, in dem sie ihre
Kinder zu braven Menschen und frommen Jehudim heranzog. Mit hoher
Befriedigung konnte sie auf die Erreichung dieses ihres Lebenszieles zurückblicken.
Ihre Kinder nehmen nicht nur eine geachtete Stellung ein – die drei Söhne
sind Lehrer, die einzige Tochter an einen Lehrer verheiratet – sondern
stehen auch in Lehre und Leben auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums.
Die außergewöhnliche rege Beteiligung bei der Beerdigung aus allen
Schichten der Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfession, war ein
beredtes Zeugnis für die Wertschätzung der Heimgegangenen. Vor dem
Trauerhause hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach einen
tief empfundenen Hesped
(Trauerrede) und auf dem Friedhofe sprachen Lehrer Schwarzenberger von
hier und der älteste Sohn, Waisenhaus-Verwalter in Frankfurt am Main, der
tief ergriffen der innigst geliebten Mutter die letzten Abschiedsworte
zurief. Das Andenken der Frau Dina Marx wird zum Segen sein.
Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
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Julius Bravmann wird Verwalter des Bezirksfriedhofes
(1935)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1935: "Bödigheim
in Baden, 31. Januar (1935). Herr Julius Bravmann wurde zum Verwalter
unseres Bezirksfriedhofes ernannt." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen
Die Witwe von Josef Strauß verpachtet ihre Wirtschaft und
Bäckerei (mit Mazzot-Bäckerei) (1886 / 1891)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1886: "Wirtschaft und Bäckerei
zu verpachten. Ich beabsichtige, meine Wirtschaft und Bäckerei nebst gut
eingerichteter Mazzoth-Bäckerei mit guter und fester Kundschaft sofort
unter sehr günstigen Bedingungen zu verpachten. Da in aller Bälde mit
dem Bau der Eisenbahn von Seckach nach Walldürn beginnen wird und das geräumige
Anwesen in unmittelbarer Nähe des zu erbauenden Bahnhofs liegt, so wäre
einem tüchtigen Geschäftsmanne zu einer guten Existenz Gelegenheit
geboren.
Bödigheim bei Buchen (in Baden), 12. April 1886. Joseph Strauß Witwe."
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Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1891: "Eine gangbare
Wirtschaft und Bäckerei nebst eingerichteter Mazzoth-Bäckerei in der Nähe
des Bahnhofes ist unter sehr günstigen Bedingungen per 1. Juli laufenden
Jahres zu verpachten.
Bödigheim (Baden), 20. März 1891. Josef Strauß Witwe." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Das jüdische Wohngebiet
konzentrierte sich vor allem auf die ehemalige "Judengasse" (heute
Hindenburgstraße, Teilstück ab der Kreuzgasse).
Über Einrichtungen bis Anfang des 19. Jahrhundert ist
nichts bekannt. Die Gemeinde verfügte vermutlich über eine Synagoge oder
zumindest einen Betsaal.
Um 1820 begannen Überlegungen zum Bau einer neuen
Synagoge, verbunden mit einer jüdischen Schule und einem beheizbaren rituellen
Bad. Die behördliche Genehmigung zum Bau wurde im Herbst 1823 erteilt.
Dennoch verging nochmals einige Zeit, bis man mit dem Bau beginnen konnte. Die
Pläne wurden von einem "Werkmeister Huber" ausgeführt. 1828 wurde der
Grundstein zu der neuen Synagoge gelegt. Dieser Grundstein ist bis heute mit
folgender Inschrift erhalten: "Diese Sinagog wurde Erbaut unter der Regierung
der Durchlaucht Grosherzog Ludwig von Baden dem Israelitischen Vorsteher Ms.
Behr durch Werckmeister Huber 1828", Mit dem Großherzog ist Ludwig I.
Wilhelm August von Baden gemeint, der von 1818 bis 1830 regierte. Da auch in Bödigheim
die finanziellen Mittel der jüdischen Gemeinde zum Bau nicht ausreichten, bat
man bei den Behörden um die Genehmigung einer Kollekte bei den jüdischen
Gemeinden des Landes. Sie wurde Ende Oktober 1829 bewilligt und in den folgenden
Monaten durchgeführt. Ob die Synagoge noch 1829 oder erst 1830 eingeweiht
wurde, ist nicht bekannt (Standort in der heutigen Hindenburgstraße 14). Im
Synagogengebäude war auch ein Unterrichtsraum für die Kinder und die
Lehrerwohnung untergebracht.
Im
Laufe des Sommers 1911 wurde die Synagoge gründlich renoviert und
zählte danach "zu den schönsten Gotteshäusern des Mosbacher
Rabbinatsbezirks" (siehe unten: Artikel aus der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 26.10.1911). Bis dahin waren noch die traditionellen Ständer
in der Synagoge vorhanden, die nun durch Bänke ersetzt wurden. Zu den hohen
Feiertagen im Herbst 1911 konnten wieder Gottesdienste in der Synagoge
stattfinden. Wenig später wurde die Synagoge offenbar auch mit elektrischem
Licht ausgestattet. Für die Finanzierung der Umbauten hatte sich vor allem
Lehrer Fleischmann verdient gemacht.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1911: "Bödigheim,
16. Oktober (1911). Im Laufe des Sommers wurde unsere Synagoge einer
gründlichen Renovierung unterzogen und zählt jetzt zu den schönsten
Gotteshäusern des Mosbacher Rabbinatsbezirks. Seither hatten wir noch die
alte Einrichtung mit den alten, einzelnen Ständen, die jetzt durch schön
moderne Bänke ersetzt sind. Zu den ehrfurchtgebietenden Tagen
konnten wir wieder Gottesdienst in der Synagoge abhalten, welcher während
der Arbeiten im Schulsaale stattfand. In nächster Zeit bekommen wir auch
elektrisches Licht, dann wir unsere Synagoge auch mit solchem versehen.
Die sehr bedeutenden Renovierungskosten wurden durch Liebesgaben
aufgebracht. Um das Zusammenkommen der Gelder hat sich ganz besonders
unser Lehrer, Herr Fleischmann, verdient gemacht, und sei ihm und allen,
die sich an dem schönen Werke beteiligt haben, auch an dieser Stelle
öffentlich Dank ausgesprochen." |
Am 10. November 1938 wurde die Synagoge demoliert.
Ein Gendarm aus Waldhausen schlug die Fenster und die Betpulte zusammen. Die
Torarollen waren zu dieser Zeit bereits dem Oberrat der Israeliten in Karlsruhe
übergeben worden, da die Gemeinde in Auflösung begriffen war. Bis 1945 stand
das Gebäude leer. Nach gewerblicher Nutzung des Synagogenraums und zur
Unterbringung von Flüchtlingsfamilien 1946 bis 1950 wurde das ganze Gebäude
1951 zu einem bis heute bestehenden Wohnhaus umgebaut. Durch den Umbau wurde die
ehemalige Synagoge völlig unkenntlich gemacht. Erhalten blieb der
beschriftete Grundstein am Gebäude.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Die ehemalige Synagoge - umgebaut zu einem Wohnhaus |
Grundstein der Synagoge von 1828 mit Inschrift (s.u.) |
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Südansicht des
Synagogengebäudes |
Eingang |
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Fotos 2003/05:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 19.3.2005, mit * vom
5.9.2003) |
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| Blick in die
Hindenburgstraße, frühere "Judengasse" (Synagoge im
Hintergrund links) |
Die ehemalige Synagoge |
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Grundstein der Synagoge von 1828 mit Inschrift (s.u.) |
Eingang mit Ritze für die
Mesusa* |
Eingang zur ehemaligen
Synagoge; über dem Eingang war vermutlich eine Inschrift vorhanden |
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Südansicht des
Synagogengebäudes |
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Inschrift auf dem Synagogen-Grundstein: "Diese Sinagog wurde Erbaut
unter der Regierung der Durchlaucht Grosherzog Ludwig von Baden dem
Israelitischen Vorsteher Ms. Behr durch Werckmeister Huber 1828".
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 47-49. |
 | Germania Judaica II,1 S. 90-91. |
 | Karl Schimpf: Bödigheim, in: 700 Jahre Buchen. 1980. S. 343ff. |
 | M. Walter: Die Volkskunst im badischen Frankenland, in: Heimatblätter,
Vom Bodensee zum Main 33 (1926) S. 85. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 259-261. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |
 | Rudolf Landauer, Reinhart Lochmann: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis. Herausgegeben vom Landratsamt NOK, 2008, ISBN: 978-3-00-025363-8. 200 S., 284 Fotos, 19,90 Euro.
Informationen zu dieser Publikation auf Seite
zum Friedhof Mosbach. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Boedigheim Baden. The
Jewish settlement began in 1345 and continued to grow thanks to the favorable
attitude of the nobility to Jewish refugees from Wuerzburg. In the early 18th
century, the Jews lived in a separate quarter and enjoyed extensive trade rights.
A synagogue was erected in 1818 and the local cemetery served more than 30
communities for hundreds of years. The 1848 revolution was accompanied by
anti-Jewish violence. Jews maintained a stable population of around 90 through
the 19th century (10 % of the total) but dropped to 14 in 1933. Eight left by
1939 and six were deported to the Gurs concentration camp in 1940.

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