Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)   
       
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts teilweise den Herren von Berlichingen, teilweise dem Zisterzienserkloster Schöntal gehörenden Berlichingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Erstmals werden 1561 Juden am Ort genannt. Im 17. Jahrhundert nahmen beide Ortsherrschaften Juden auf. 1632 hab es 26 jüdische Einwohner am Ort. 
 
Um 1700 werden eine "Judengasse" mitten im Dorf (vermutlich oberhalb/östlich der Kirche) und ein "Judenplan" genannt. In der Judengasse befanden sich 1800 fünf jüdische Häuser. Ein ausschließlich von Juden bewohntes Gebiet lässt sich jedoch nicht ausmachen; nach dem Dreißigjährigen Krieg bauten Juden wohl an verschiedenen Stellen verlassene Hofstätten auf.
    
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Herren von Berlichingen 25 "Schutzjuden" am Ort, das Kloster Schöntal nur einen. Damals (um 1800) stand der Gemeinde Rabbiner Jacob Bär vor.  
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1807 128, 1824 169 jüdische Einwohner (12,9 % von insgesamt 1.314 Einwohnern), 1831 203, 1843 223, höchste Zahl um 1846 mit 249 Personen, 1854 gleichfalls 249 (16,3 % von insgesamt 1.524 Einwohnern), 1869 192, 1886 121, 1900 89, 1910 95 (9,4 % von 1.008). Zur jüdischen Gemeinde Berlichingen gehörten als Filialgemeinde auch die im wenige Kilometer entfernten Bieringen lebenden jüdischen Personen (1854 50, 1883 16). 
    
Häufige jüdische Familiennamen am Ort waren Kaufmann, Metzger, Gottlieb und Berlinger. Aus der letztgenannten Familie gingen mehrere bekannte Rabbiner und Lehrer hervor.  Das Haus Nr. 150 - ehemaliges Haus der Familie Berlinger - zeigt noch heute Spuren der ehemaligen jüdischen Geschichte (u.a. ein Anbau, dessen Dach per Seilzug aufgeklappt werden konnte, damit die Laubhütte am Laubhüttenfest unter freiem Himmel war). 
        
1832 wurde Berlichingen Sitz eines württembergischen Bezirksrabbinates, das die jüdischen Gemeinden Berlichingen, Nagelsberg, Ernsbach und Olnhausen umfasste. Als Rabbinatsverweser beziehungsweise Rabbiner waren bis 1840 Maier Hirsch Löwengart, bis 1851 Dr. Abraham Wälder am Ort. Nachdem Dr. Wälder nach Laupheim wechselte, wurde das Rabbinat Berlichingen nicht mehr besetzt. Berlichingen wurde dem Rabbinat Mergentheim, später dem Rabbinat Heilbronn zugewiesen.   
       
Jüdische Gewerbetreibende waren von großer wirtschaftlicher Bedeutung für das Dorf. Der Handel der zahlreichen jüdischen Viehhändler erstreckte sich bis in die Oberämter Hall, Crailsheim und Ellwangen. Um 1860 gab es zwei gutgeführte koschere Gaststätten: "Zum Löwen" und "Zur Krone".   
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde u.a. eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad sowie einen großer Friedhof (zentrale Begräbnisstätte der Region). 
Die jüdische Schule (Elementarschule) bestand bis 1840 und wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dazwischen besuchten die Kinder die  allgemeine Schule im Rathaus. Der Schulraum war im oberen Stockwerk des Hauses von Marum Berlinger (Hauptstraße neben Haus Nr. 71, abgebrochen). Zur Besorgung des Unterrichtes und der religiösen Aufgaben war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1841 bis 1852 war Hermann Schlesinger in Berlichingen als Lehrer und Vorsänger tätig; Anfang des 20. Jahrhunderts wird Lehrer Samuel Strauß genannt; letzter jüdischer Lehrer war - mindestens seit 1915 - Samuel Schloß (geb. 19. Mai 1881 in Oberlauringen, verheiratet mit Paula geb. Lilienstrauss aus Homburg am Main; beide wurden Ende 1941 nach Riga deportiert und ermordet).     
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Wilhelm Metzger (geb. 29.12.1893 in Berlichingen, gef. 7.9.1914). Sein Name steht auf
dem Gefallenen-Denkmal bei der katholischen Kirche und auf einer aus der Synagoge Berlichingen stammenden Gedenktafel im Heimatmuseum Künzelsau. Außerdem ist gefallen: Samson Hanauer (geb. 19.2.1882 in Berlichingen, vor 1914 in Nassau wohnhaft, gef. 19.7.1918).    
   
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 100 Personen gehörten (10 % von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Lehrer Samuel Schloß, Aron Berlinger, Leopold Metzger, Lazarus Metzger und Samuel Gottlieb. Religionslehrer der jüdischen Kinder war der bereits genannte Lehrer Samuel Schloß. An jüdischen Vereinen gab es u.a. die Wohltätigkeitsvereine Chewra Kadischa (Ziel und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Wanderfürsorge. Schiurvorträge; gegründet ca. 1878, 1924/32 Leiter Israel Metzger mit sechs Mitglieder), Chewras Naschim (Israelitischer Frauenverein) und Chewras Haneorim (1924 Leiter Adolf Hanauer mit sieben Mitgliedern). Im Schuljahr 1931/32 gab es neun schulpflichtige jüdische Kinder, die ihren Unterricht weiterhin durch Religionsoberlehrer Schloß erhielten.       
   
Bis nach 1933 waren noch mehrere Viehhandlungen im Besitz jüdischer Familien vorhanden. Dazu gehörten jüdischen Personen auch eine Gastwirtschaft mit Metzgerei und eine Buchdruckerei. Im einzelnen handelte es sich bis nach 1933 um die folgenden Handels- und Gewerbebetriebe: Buchdruckerei Aron Berlinger und Söhne (Haus Nr. 150, Ecke Tränkweg/Mühlgasse), Gemischtwarenhandlung Marum Berlinger (neben Haus Nr. 71, Hauptstraße), Viehhandlung Samuel Gottlieb (Haus Nr. 71, Hauptstraße), Leder- und Kurzwarenhandlung Hanauer, Inh. Siegmund Gottlieb (Haus Nr. 130, Hauptstraße), Viehhandlung Zion Gottlieb (Haus Nr. 25, Gartenweg; später Haus Nr. 132, Schlossgasse), Häusermakler Jakob und Siegmund Grünstein (Haus Nr. 126, Hauptstraße), Kolonialwaren Emma Kaufmann (Haus Nr. 74, Alte Schulgasse), Wirtschaft und Viehhandlung Felix Kaufmann (Haus Nr. 114, Hauptstraße), Viehhandlung Lazarus Metzger (Haus Nr. 183, Hauptstraße), Viehhandlung und Metzgerei Siegfried Metzger (abgebrochen), Lumpen- und Alteisenhandlung Feodor Roberg (Haus Nr. 163, unterhalb des Gasthauses Schwanen), Seifenhandel Sofie Rosenberg (Haus Nr. 36, Ziegeleistraße), Viehhandlung Salomon Strauß (Haus Nr. 158, Industriestraße).   
      
1933 lebten noch 68 jüdische Personen in Berlichingen. Das religiöse Leben der jüdischen Gemeinde war auch nach Beginn der NS-Zeit zunächst noch weiterhin sehr rege. Die jüdische Gemeinde unterhielt am Ort eine Jüdische Jugendherberge, die später den Namen 'Jüdisches Übernachtungsheim' annehmen musste (13 Betten). Über sie kamen auch viele auswärtige Jugendliche nach Berlichingen (vgl. unten Anzeige vom Juni 1938).  Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert; jüdische Wohnhäuser wurden überfallen, Fensterscheiben und Wohnungseinrichtungen zerschlagen. Drei Männer wurden verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt. Nachdem Ende 1938 die letzten jüdischen Gewerbebetriebe hatten schließen müssen, verschlechterten sich die Lebensverhältnisse jüdischen Einwohner sehr schnell. Die Mehrzahl von ihnen konnte noch emigrieren beziehungsweise ist in andere Orte verzogen. Im Juli 1939 wurde die Gemeinde aufgelöst.    
       
Von den in Berlichingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Ernestine Beck geb. Kaplan (1879), Fanny Bensinger geb. Ledermann (1856), Sheva Levie Berlinger (1903), Gida Friedmann geb. Metzger (1883), Dora (Zipora) Fuchs geb. Weil (1867), Isak Gottlieb (1854), Julius Gottlieb (1927), Karoline Gottlieb geb. Marx (1895), Max Gottlieb (1935), Samuel Gottlieb (1893), Sophie Gottlieb geb. Güthermann (1864), Emanuel Hanauer (1870), Jettchen Hanauer (1887), Isaak Heidenheimer (1888), Lina Kahn geb. Gottlieb (1887), Mathilde Kahn geb. Westheimer (1871), Adolf Schmul Jakob Kaplan (1886), Bella Kaufmann (1928), Emma Kaufmann geb. Metzger (1879), Lore Kaufmann (1922), Minna Kaufmann geb. Israel (1894), Thea Kaufmann (1923), Therese Liesel Kaufmann (1920), Rosl (Rosa) Landeker geb. Metzger (1907), Schefa Levie geb. Berlinger (1903), Sara Jette Levy geb. Hanauer (1865), Berta Lämle geb. Merzbacher (1869), Karolina Merzbacher (1866), Alfred Metzger (1922), Arthur Metzger (1887), Gretel Metzger (1937), Hedy Metzger (1926), Ida Metzger geb. Langgut (1881), Julchen Metzger (1872), Julius Metzger (1881), Lilly Metzger geb. Gutmann (1900), Lothar Metzger (1929), Simon Metzger (1892), Ferdinand Odenwald (1865), Helena Roberg (1908), Babette Rosenbaum geb. Merzbacher (1861), Karoline Rosenberg (1881), Sofie Rosenberg (1888), Sara Sali Rosenstein (1876), Irma Jettchen Ruthardt geb. Strauß (1895), Grete Schloss (), Paula Schloss geb. Lilienstrauss (1891), Samuel Schloss (1881), Menko Stern (1874), Salomon Strauss (1860), Hedwig Thalheimer geb. Kaufmann (1889), Klara Wechsler geb. Metzger (1883), Sofie Wechsler geb. Strauss (1879), Beatrice Blanka Westheimer (1926), Bedilla Westheimer (1877), Ilse Ruth Westheimer (1920), Josef Westheimer (1878), Leopold Westheimer (1869), Regina Westheimer (1875).        
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Berlichingen  
Rabbiner Wälder (Berlichingen) dankt den Synagogenräten in Bretten (1847)     

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1847: "Danksagung
Den verehrlichen Synagogenräten, den Herren Vorstehern B. Herzberger, S. Reis und J. Lämmle, sowie auch dem Herrn Bezirksvorsteher, Amtsaktuar Heinsheimer in Bretten, Großherzogtum Baden, welche mich zur Veranstaltung des solennen Erntedankfestes am 22. August dieses Jahres mit der Abhaltung eines religiösen Vortrags beauftragten, sage ich für die Überreichung eines silbernen Ehrenpokals in Begleitung einer herzlich ansprechenden Adresse im Namen der Gemeinde, auf diesem Wege meinen verbindlichsten Dank, und wird mir beides, Pokal und Adresse, Zeit meines Lebens zum ewigen Angedenken bleiben. 
Berlichingen
(im Königreich Württemberg), den 2. September 1847. Rabbiner Wälder".     

  
Über den Verlust des Rabbinatssitzes in Berlichingen und wie der Mergentheimer Rabbiner Anerkennung in Berlichingen findet (1867)  

Berlichingen Chananja 15031867.jpg (189710 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Chananja" vom 15. März 1867: "Die Gemeinde Berlichingen war früher ein Rabbinatssitz, er ging ein und das Rabbinat wurde gevierteilt, d.h. der Bezirk wurde unter die umliegenden Rabbinate verteilt. Teilen und annektieren sind üble Fakta in der Völker- und Ländergeschichte. Die Teilung Polens bildet noch immer Wellenschläge auf dem Ozeane der Geschichte und die piemontesischen und preußischen Annektierungen zucken noch schmerzvoll in Herzen und Gliedern von Fürsten und Volksstämmen; so kann auch Berlichingen seine Teilung nicht verschmerzen und will nie dem Staatsrabbiner in Mergentheim, dessen Bezirk es einverleibt worden, recht hold werden. Dazu wohnt dort ein würdiger emeritierter Rabbiner, Rabbi Hirsch Berlinger, der Nestor der Hyperorthodoxie, und so ein moderner doktorierter Geistlicher der mosaischen Theologie wird dort als Luxusartikel betrachtet. Wenn nun eine solche malkontente Gemeinde ihrem Rabbiner den Zoll der Anerkennung bietet, dann muss ein moralischer kategorischer Imperativ vorangegangen sein. Wider Willen antwortet er Amen.  Die Jünglingsbrüderschaft stiftete eine Torarolle und Rabbiner Dr. Max Sänger aus Mergentheim hielt auf seiner amtlichen Turnusreise die Einweihungsrede: 
Von einer Predigt öffentlichen Bericht zu erstatten, heißt 'Eulen nach Athen' tragen, denn dass ein wissenschaftlich gebildeter Rabbine eine, den Ansprüchen der Homiletik gerechte Predigt hält, darf wohl erwartet werden. Aber vor einem hyperorthodoxen Publikum, wie die Gemeinde Berlichingen, und vor den Professoren des nahe gelegenen evangelisch-theologischen Seminars Schöntal, Autoritäten in theologicis, zu reden, Gegensätze zu befriedigen, populär und wissenschaftlich, religiös und nicht schwärmerisch, schön und nicht manieriert darzustellen, das kann nur einem Manne, wie Dr. Sänger gelingen, der durch ein glückliches Organ und Gedächtnis, durch wissenschaftliche Bildung und rabbinische Gelehrsamkeit sich auszeichnet. Die Gemeinde Berlichingen legte ihre Anerkennung durch Überreichung eines Pokals ihrem Rabbiner dar. Wir müssen aber in den Kelch des Heils einen Tropfen Wermut gießen und den Mann, der mit dem seligen Luzzatto gemeinschaftlich an der Herausgabe des Efod gearbeitet, der viel wissenschaftliches Material gehäuft und gesichtet hat, mahnen, warum stellt er sein Licht unter den Scheffel und lässt sein literarisches Schiff als tüchtiger Orientalist und Exeget nicht vom Stapel laufen! Möge er dem Literaturblatt des 'Ben Chananja' von seinem reichen Proviant Nahrung bringen."

   
Zum Tod von Rabbiner Aron Berlinger (1915) 

Berlichingen Israelit 25111915.jpg (213340 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1915: "Rabbiner Aron Berlinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.  Berlichingen (Württemberg), 5. November (1915). Am 5. Cheschwan (= 13. Oktober 1915) wurde hier Rabbi Aron Berlinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - zu Grabe getragen, der zu den Großen der Tora gehörte. Von der Größe des Verlustes, die unsere Gemeinde und die Allgemeinheit erlitt, legte die Beerdigung dieses Frommen beredtes Zeugnis ab, zu der sich ein großer Kreis von Freunden und Bekannten einfand. Man brachte den Sarg in die Synagoge. Dort entwickelte Herr Lehrer Schloß ein getreues Bild von dem Leben, Wirken und Schaffen des Verstorbenen auf dem Gebiete der Tora, Aboda (Gottesdienst) und Gemilluschasodim (Wohltätigkeit). Rabbi Aron Berliner - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - ging von hier aus, wo in sein Vater, Rabbi Hirsch Berlinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in die Torawissenschaft einführte, nach Zell bei Würzburg, wo er Schüler des Rabbi Mendel Rosenbaum - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - wurde und dann nach Würzburg zu Rabbi Seligmann Bär Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - , um zu gleicher Zeit die Universität zu besuchen. Dann ging er nach Berlin und wurde Schüler von Rabbi Jsrael Hildesheimer - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Nach beendigtem Studium fand er eine Anstellung als Stiftsrabbiner an der Klaus in Hannover, um nach wenigen Jahren als Lehrer an der Talmud-Tora-Schule in Hamburg angestellt zu werden. Überall fand sein Wirken ob seines lauteren, friedlichen Charakters, seiner echten, reinen Gottesfurcht, seines feinen, würdigen Auftretens und wegen seines pädagogischen Geschickes, das er in der Schule entfaltete, allgemeine Anerkennung seitens seiner Lehrer und Schüler. Leider zwang ihn körperliches Leiden seinen, ihm so lieb gewordenen Beruf, bald aufzugeben - und so siedelte Rabbi Aron Berlinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - vor 23 Jahren wieder in seine Heimat über, um daselbst in seiner stillen Klause sich ganz der Tora, Aboda (Gottesdienst) und dem Gemilluschasodim (Wohltätigkeit) zu widmen. Bald genoss der stille Gelehrte hier in in weiten Kreisen großes Ansehen, überall wurde er um Entscheidungen in religiösen Fragen angegangen, denn Tag und Nacht forschte er in der Tora, früh und spät fand man ihn, wenn es ihm seine körperlichen Kräfte erlaubten, in der Synagoge und die ausländischen armen Talmide Chachomim (Gelehrten) fanden bei ihm stets freudige Aufnahme und Unterstützung. Besonders förderte er auch die Interessen unserer armen Brüder in Palästina. Am Eingange zum Friedhof widmeten der Neffe, Herr Rabbiner Dr. Berlinger, Hall, Herr Gutmann aus der Nachbargemeinde Olnhausen, Herr Rabbiner Dr. Kahn, Mergentheim, dem Dahingegangenen innige und herzliche Worte der Wehmut, des Schmerzes und treuen Gedenkens. 
Am Grab fanden Lehrer Wißmann, Künzelsau, Kaufmann Aron Berlinger, Berlichingen und insbesondere Lehrer M. Berlinger, die geeigneten Worte, nochmals das wahrhaft edle und fromme Leben des Verklärten durch verschiedene Stellen aus Tora und Midrasch zu beleuchten und den Verlust, den die Familie, Gemeinde und die Gesamtheit erlitten hat, zu schildern. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen."

    
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877   

Berlichingen Israelit 05121877.jpg (61182 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1877: "Berlichingen, Oberamt Künzelsau, Württemberg. 
Die hiesige Religionslehrer- und Vorsängerstelle soll sofort besetzt werden. Der Gehalt beträgt Mark 936 fix und ca. Mark 400 Nebeneinkünfte, sowie freie Wohnung; auch hat ein befähigter Bewerber Aussicht, das Schächteramt, welches ca. Mark 300 einträgt, zu erwerben. Bewerber wollen sich alsbald, längstens bis 1. Januar 1878, bei unterzeichneter Stelle, unter Vorlage ihrer Zeugnisse, melden. Polen und Russen werden nicht berücksichtigt. 
Israelitische Kirchenvorsteheramt Berlichingen."  

     
Lehrer Hermann Schlesinger tritt in den Ruhestand (1889 in Mergentheim, war von 1841 bis 1852 Lehrer in Berlichingen)  
Anmerkung: Lehrer Hermann Schlesinger (geb. 24. Juni 1817 in Hochberg als Sohn von Louis/Löw Schlesinger und seiner Frau Besle/Lisette Babette geb. Engel) besuchte die Lehrerbildungsanstalt am Königlichen Waisenhaus in Stuttgart. Er war von Dezember 1837 bis März 1838 Schulgehilfe in Hochberg. Danach war er Vorsängeramtsverweser in Unterdeufstetten und ab Ende Januar 1839 in Korb. Im Juli 1841 erhielt er die Vorsänger- und Lehrerstelle in Berlichingen. Am 1. Dezember 1841 heiratete er Chawa geb. Berlinger (eine 1813 geborene Tochter des Benjamin Berlinger und seiner Frau Höfle). 1852/53 war er in Mühlen am Neckar tätig und seit 1853 in Mergentheim. Nach dem Tod seiner ersten Frau am 14. Mai 1876 heiratete er in zweiter Ehe am 22. Januar 1877 Karoline geb. Fränkel (geb. am 21. November 1841 in Obernbreit als Sohn des dortigen Lehrer David Fränkel und seiner Frau Emilie). Aus erster Ehe entstammten die Kinder Löb (geb. 1842, wanderte 1862 aus und was später Lehrer in New York), Benjamin (1844), Rösle (1845, heiratete 1869 ins Badische), Tobias (1847, wanderte 1867 nach Amerika aus), Veit (1853). Aus zweiter Ehe entstammte der Sohn und spätere Rabbiner Dr. Abraham Schlesinger: geb. 20. März 1882 in Mergentheim, gest. 1961 in Jerusalem (war 1916-1938 Rabbiner in Bad Buchau). 

Mergentheim Israelit 31011889.jpg (169636 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1889: "Mergentheim. Nach zurückgelegter 54-jähriger Amtstätigkeit wurde am 1. Oktober vorigen Jahres der hiesige Lehrer und Vorsänger Herr Hermann Schlesinger seinem Ansuchen entsprechend wegen leidender Gesundheit von der israelitischen Oberkirchenbehörde in den Ruhestand versetzt. Herr Schlesinger hat sich während seiner Lehrtätigkeit als eifriger und pflichtgetreuer Beamter die Anerkennung und Zufriedenheit sowohl seiner ihm vorgesetzten Behörde als auch den Gemeinden, welche er als Lehrer vorgestanden, im vollsten Maße erworben. Im strengsten Sinne des Wortes genommen, war derselbe ein treuer Winzer im Weinberge des Herrn - im Weinberge des Herrn Zebaoth. Das Ziel seines Wirkens ging stets dahin, seinen Schülern eine feste religiöse Grundlage zu geben, und eine gute Erziehung zu befördern; dass dieses Prinzip von Herrn Schlesinger hochgehalten wurde, beweist auch der Umstand, dass eine große Anzahl seiner einstigen Schüler in der jetzigen religiösen sturmbewegten Zeit ihre treue Anhänglichkeit für das angestammte heilige Erbgut Israels, nur ihrem musterhaften Lehrer zu verdanken haben, der es verstanden hatte, die jugendlichen Gemüter für das religiöse Leben zu gewinnen und die Wahrheiten der Gotteslehre derselben fest einzuprägen. Seine erste Anstellung als Lehrer erhielt Herr Schlesinger in der Gemeinde Korb, im badischen Bezirksamt Adelsheim; später wirkte derselbe als Lehrer in den württembergischen Gemeinden Deufstetten, Berlichingen und Mühlen am Neckar. Von letztem Orte aus, einem Rufe der hiesigen Gemeinde folgende, wurde ihm, im Jahre 1853 die hiesige Lehrer- und Vorsängerstelle übertragen, welche er volle 36 Jahre innehatte. In dankbarem Andenken an seine hiesige Lehrtätigkeit, wurde kürzlich ein Bankett veranstaltet, wobei die Ehrengaben, von der hiesigen Gemeinde gewidmet, bestehend in einem Pokal, einem Regulateur, sowie einem fein gepolsterten Lehnsessel vom Herrn Rabbiner in Gegenwart der ganzen Gemeinde mit warmen Worten des Dankes und der Anerkennung dem Jubilar überrecht wurden. Möge Herr Schlesinger lange noch im Kreise seiner Familie und Gemeinde ein heiterer und froher Lebensabend mit stetiger Gesundheit und Wohlergehen beschieden sein!"  

  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
"Skandal" in Berlichingen - Der Bezirksrabbiner aus Mergentheim raucht am Schabbat eine Zigarre (1890) 
Anmerkung: Der Bericht ist aus der konservativen, orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit" entnommen. 

Berlichingen Israelit 03071890.jpg (106541 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1890: "Aus Württemberg, im Juni. Unsere Tagespresse beschäftigt sich gegenwärtig in mehrfachen Kundgebungen mit Vorkommnissen in jüdischen Kreisen. Von der Tauber wurde berichtet, der Bezirksrabbiner von Mergentheim habe auf einer amtlichen Turnusreise zur Abhaltung des Sabbatgottesdienstes in Berlichingen sich einer Sabbatentweihung zuschulden kommen lassen; er soll nämlich von zwei dortigen Israeliten am Sabbat betroffen worden sein, wie er eine Zigarre schmauchte. Eine Versammlung von Notabeln aus dem Bezirke Mergentheim beschloss, gegen den Bezirksrabbiner bei der Königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde im Beschwerdewege vorzugehen und hat eine Deputation an dieselbe nach Stuttgart entsendet. Die Sache erregt auch in nichtjüdischen Kreisen Aufsehen, und man ist auf das Vorgehen der Zentralbehörde gespannt. 
(Anmerkung der Redaktion. Obschon uns diese Nachricht schon vor Wochen von verschiedenen Seiten zugegangen, unterließen wir in Anbetracht der überaus schweren Anklage eine Veröffentlichung derselben. Da aber nunmehr die Sache durch alle jüdischen und viele nichtjüdische Blätter gegangen, ohne dass von Seiten des Beschuldigten eine Entgegnung bekannt geworden, stehen auch wir nicht mehr an, dieselbe unseren Lesern mit dem Ausdruck unseres tiefsten Bedauerns über diesen großen Chilul Haschem (Gotteslästerung) mitzuteilen".   

    
Gründung einer Ortsgruppe des "Verbandes der Sabbatfreunde" (1907)  

Berlichingen Israelit 07031907.jpg (72832 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1907: "Berlichingen (Württemberg), 4. März (1907). Nach einem eindrucksvollen und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag des Herrn Paul M. Aron aus Stuttgart konstituierte sich auch in hiesiger Gemeinde eine Ortsgruppe des 'Verbandes des Sabbatfreunde', welcher fast sämtliche Gemeindemitglieder beitraten. Auch in der Nachbargemeinde Olnhausen gelang es den Bemühungen des Herrn Aron, eine Ortsgruppe ins Leben zu rufen. Mögen beide Zweigvereine den bei der Gründung in sie gesetzten Hoffnungen gerecht werden und auch ihr Scherflein beitragen, dass dem immer mehr um sich greifenden Sabbatschändung durch zielbewusste Bekämpfung wirksam entgegengearbeitet werden kann."

  
Generalversammlung der Israelitischen Frauenvereins (1907)  

Berlichingen Israelit 19121907.jpg (65059 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1907: "Berlichingen, 9. Dezember (1907). Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige  Frauenverein Chewrat Naschim unter zahlreicher Beteiligung seine Generalversammlung ab. Die Präsidentin Frau S. Gottlieb erstattete den Kassenbericht. Herr Lehrer Strauß beleuchtete hierauf in kurzer Rede die Bedeutung und Ziele der israelitischen Frauenvereine im allgemeinen und schloss mit einem warmen Appell an die Anwesenden, getreu den Prinzipien des Vereins, zur Unterstützung Hilfsbedürftiger stets bereit zu sein. Einige Damen veranstalteten schließlich eine Sammlung zugunsten der notleidenden Juden in Palästina, die einen ansehnlichen Betrag ergab."      

  
Aus dem Ersten Weltkrieg (1914) 

Berlichingen Frf IsrFambl 04091914.jpg (10682 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. September 1914: "Stuttgart. Eine jüdische Familie in Berlichingen hat fünf Söhne im Feld."    

   
Einladungen für die jüdische Jugend nach Berlichingen (1937 / 1938!)     

Berlichingen Israelit 01071937.jpg (46737 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1937: "Fröhliche Ferien im Gebirge. Berlichingen im herrlichen Jagsttal. Spiel, kleine Wanderungen - erstklassige Verpflegung, mäßiger Pensionspreis. (Kinder von 6 bis 14 Jahre). Wer kommt mit? Deka. D. Katz, Lehrer, Frankfurt am Main, Oberer Atzemer 9 I."
  
Berlichingen Israelit 02061938.jpg (66514 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1938: "Fröhliche Ferien im Gebirge. Berlichingen im herrlichen Jagsttal. Spiel, kleine Wanderungen, erstklassige Verpflegung, mäßiger Pensionspreis (Kinder von 6 bis 15 Jahre). 
Wer kommt wieder mit? Deka. D. Katz, Lehrer, Frankfurt am Main. Oberer Atzemer 9, I."

   
Aufenthalt in der jüdischen Jugendherberge in Berlichingen (Sommer 1937)
  

Berlichingen Israelit 02091937.jpg (227379 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1937: "Berlichingen im herrlichen Jagsttal. Ihr werdet Euch sicher noch an den Aufruf unseres lieben Deka in einer der letzten Nummern erinnern, in dem er Euch auffordert, mit ihm nach Berlichingen im herrlichen Jagsttal zu reisen. - Mein liebe Vater (Rabbiner Dr. Alexander) und ich verbrachten unsere Ferien auch in Berlichingen und lernten dort Herr Katz kennen. Wir haben mit noch anderen Gästen eine so herrliche Zeit verbracht, dass ich mich veranlasst fühle, hier in Eurem Blatte einiges von dem, was wir erlebten, wiederzugeben.   
Foto: Auf der Wiese unseres Wirtes.  
Berlichingen ist ein Dorf wie alle Dörfer: klein, mit kleinen, höchstens zweistöckigen Häusern. Vor fast jedem Haus befindet sich ein schöner großer Misthaufen; neben beinahe jedem Haus ist ein Stall mit Kühen oder Pferden sowie Geißen. In der Mitte des Dorfes ist die Kirche; um zu unterscheiden wie beim israelitischen Lager in der Wüste: in der Mitte aller Zelte stand das Stiftszelt. - In Berlichingen gibt es außer einem 'Cafè' und einigen Gastwirtschaften auch eine von der Aguda sehr fein eingerichtete Jüdische Jugendherberge. Da die Umgegend Berlichingens wundervoll ist, ist solch eine Herberge wirklich am Platze. - Die älteren unter Euch werden nun fragen: 'Hat der Name 'Berlichingen' etwas mit dem von Goethe beschriebenen 'Götz von Berlichingen' zu tun?'  O, ja. Denn dieser Ritter Götz hatte hier sein Stammschloss, so dass später der um dieses Schloss entstandene Ort nach dessen Besitzern 'Berlichingen' genannt wurde. Auch die Familie Berlinger erhielt ihren Namen nach diesem Ort. Etwa 2 km von Berlichingen entfernt war der eigentliche Wohnsitz des Götz, das Schloss Jagsthausen, und 2 km nach der anderen Seite von Berlichingen liegt Götz begraben. Während das Schloss in Jagsthausen ein prächtiger Bau ist, dem man das Schloss ansieht, und in dem heute noch ein Freiherr von Berlichingen wohnt, sieht das Schloss in Berlichingen wie ein größeres Bauernhaus aus, das ein Fremder nie als die Stammburg der großen 'Berlichinger' erkennen würde, wenn die Einheimischen es ihm nicht sagten. In Jagsthausen wird übrigens in einem kleinen Museum oder, wie die Leute dort sagen, Archiv, unter anderem die berühmte 'Eiserne Hand' des Götz gezeigt. - Die Stätte, wo Götz begraben liegt, ist das Kloster Schöntal. Dieses Kloster besteht heute aus einer katholischen Kirche und einem evangelischen Priesterseminar. Für uns Juden ist folgendes interessant: Über dem Portal der Klosterkirche steht in großen, goldenen, hebräischen Buchstaben, sogar mit Vokalen (punktiert), der  
Berlichingen Israelit 02091937b.jpg (152324 Byte)unaussprechliche Gottesname. Gibt es für jüdische Menschen  einen größeren Stolz, als dass man den ihnen so heiligen Namen zur Zierde und zur Krönung nichtjüdischer Gotteshäuser nimmt? 
So habt Ihr einiges über die historisch-wertvollen Orte um Berlichingen herum erfahren. 
Nun zur Bevölkerung. Die meisten Nichtjuden sind Bauern: schlichte, einfache und außerordentlich gemütliche Menschen. Von diesen unterscheidet sich die jüdische Bevölkerung kaum. Die Berlichinger Juden sind sämtlichst Viehhändler. Unser Wirt ist auch gleichzeitig Metzger und hat eine Gastwirtschaft. Man kann von ihm sagen: wie sein Name ist er (er heißt nämlich Metzger). Aber sowohl er, wie seine Familie und die anderen jüdischen Einwohner sind nette, gastfreundliche, fromme Menschen. Keiner von ihnen ist einer, der den Sabbat entweiht. Sie waren sehr erfreut, dass sie durch uns Minjan hatten (d.h. 10 religionsmündige Männer zum Gottesdienst). Die Andachten waren für mich sehr interessant; denn ich habe viele Gebräuche kennen gelernt. 
Am Schabbat Chason hielt mein Vater einen Lehrvortrag, dem alle, Männer und Frauen, sehr interessiert zuhörten.   
Eine halbe Stunde vom Orte entfernt liegt friedlich und ruhig am Waldesrand der jüdische Friedhof. Vor mehr als 300 Jahren bekam die Gemeinde dieses Feld (5 Morgen groß) und den Platz, auf dem die Synagoge steht, vom Ritter 'Götz von Berlichingen' zum Geschenk.  
Berlichingen - ich sehne mich nach deinen Weinbergen, nach deinen Wäldern! Nach deinen Familien, die ich grüße aus der Ferne mit dem Wunsche einer guten Einschreibung und Besiegelung! (= gute Neujahrswünsche).  
Eduard Alexander, Berlin."  

     
     
Berichte zu einzelnen Personen/Familien aus der Gemeinde   
Beziehungen der Familie Berlinger zu Sabbataj ben Meir HaKohen (Artikel von 1867)   
Bei dem im Artikel genannten "Schach" bzw. SchaCH handelt es sich um den großen Gelehrten Sabbataj ben Meir HaKohen, geb. 1621 in Wilna, gest. 1662 in Holleschau (Mähren). Von ihm erschien 1647 in Krakau das Werk 'Sifte Kohen', ein bekannter Kommentar zum zweiten Teil des 'Schulchan Aruch'. Bei den Judenverfolgungen unter Chmielnicki floh er aus seiner Heimat und wurde Rabbiner in Dresin und Holleschau, wo er in der Folgezeit zahlreiche halachische Werke schrieb. Bei dem unten genannten Werk Oruch Mischach handelt es sich um das 'Sefer haaruch mi-SchaCH'.

Berlichingen Israelit 18121867.jpg (156046 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1867: "Aus Unterfranken. Am Schlusse der in diesen geschätzten Blättern in mehreren Nummern fortgesetzten Erzählung 'des Königs Eidam' sind mehrere Städte in weiter Ferne genannt, in denen sich noch Sprößlinge aus der Familie des Schach befinden. 
Nun wird es gewiss den verehrlichen Lesern dieser Blätter von Interesse sein, zu erfahren, dass auch unsere Nähe noch würdige Abkömmlinge des großen Gesetzeslehrers Schach aufzuweisen hat, und zwar in den Familien der berühmten Gelehrten Rabbi Hirsch Berlinger zu Berlichingen und Rabbi Josef Ahron Ellinger zu Niederstetten, und entnehmen wir den desfallsigen Stammbaum dem Werke Oruch Mischach Teil I. 
Der Schach hatte noch einen Schwiegersohn namens Rabbi Ahron, Rabbiner zu Luntschitz. Dieser hatte einen Sohn namens Rabbi Mosche, welcher der Vater des Rabbi Ahron, des Verfassers der Hagohas Minchas Ahron (Erläuterung zu genanntem Oruch Mischach), und welch' letzerer Rosch beth Din zu Berlin war. Dieser Rabbi Ahron zeugte mehrere berühmte Söhne, von denen der Eine, namens Rabbi Elieser Dajan zu Mainbernheim war. Ein Sohn des Rabbi Elieser war Rabbi Moscheh, Rabbiner zu Trier, dessen Tochter mit Rabbi Hirsch Berlinger verehelicht ist. Die Frau des Rabbi Hirsch und dessen Kinder sind also aus der Familie des Schach. Die Mutter des genannten Rabbi Josef Ahron Ellinger war eine Tochter des erwähnten Rabbi Elieser; sohin gehörte auch dieser ehrwürdige Mann und seine Kinder diesem Stamme an. 
Höchst wichtig wird noch Folgendes zu erfahren sein. Es erschien nämlich von Schach's Werken Oruch Mischach nur der erste Teil im Drucke. Rabbi Hirsch Berlinger besitzt nun noch ein Manuskript genannten Werkes, das zwar nicht auf den ganzen Joreh Deah, doch auf einen größten Teil desselben sich erstreckt. - Vielleicht findet sich ein entsprechender Verleger hiezu, und wird sich Rabbi Hirsch Berlinger vermutlich mit Vergnügen bereit erklären, eine Abschrift dieses Manuskriptes zum Behufe des Druckes desselben abzugeben. A."

  
Zum Tod von Julius Hanauer (1870)  
Anmerkung: Der Handelsmann Julius (Judas) Hanauer ist am 26. Januar 1808 als Sohn des Asser Löb Hanauer und seiner Frau geb. Hirsch; er war seit dem 26. Mai 1834 verheiratet mit Hanna geb. Hänlein. Er starb am 15. Januar 1870 in Berlichingen und wurde am 17. Januar auf dem dortigen jüdischen Friedhof beigesetzt.  Das Ehepaar Hanauer hatte sechs Kinder, von denen drei früh verstorben sind.      

Berlichingen Israelit 02021870.jpg (135227 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1870: "Nekrolog.   
Berlichingen
, ('Württemberg) im Schebat. 
Wir haben vergangene Woche einen Mann zu Grabe geleitet, dessen Andenken allen denen teuer sein wird, die ihn näher gekannt, und sein Streben zu würdigen in die Lage gesetzt waren: 
Julius Hanauer wurde plötzlich nach zweitägigem Krankenlager unserer Mitte entrissen, nachdem er 15 Jahre hier segensreich als Vorsteher wirkte. An ihm verliert die Familie einen liebevollen Gatten und Vater, die jüdische Gemeinde einen gewissenhaften Annehmer, die Gesellschaft einen braven, treuen Bürger. 
Acht Tage vor seinem Tode feierte er seinen 62. Geburtstag.  
Wie herzensvergnügt war er noch vergangenen Sommer, als er, begleitet von seinen Kollegen, zur Delegiertenwahl nach Mergentheim beschieden wurde, so einstimmig Herr Stern aus Würzburg, ein Mann nach dem Sinne und Geiste des Dahingeschiedenen gewählt, und kurz vor seinem Hinscheiden vernahm er noch durch den 'Israelit' die ritterlichen Kämpfe, welche seine Gesinnungsgenossen für das alte Judentum kämpften. 
Noch einige Tage und der unerbittliche Tod stellte sich ein. 
Willenskräftig wie wenige, war ihm kein Opfer zu groß, wenn es galt, seiner Familie eine Freude zu bereiten. 
Er war aber nicht nur Vater der Seinigen, sondern auch Vater der Armen. Wo es galt, Hilfsbedürftige zu unterstützen, Trauernde zu trösten, Notleidenden zu helfen, war er bereit, und nie glaubte er, darin genug getan zu haben; in ihm verlieren viele einen freundlichen Helfer, einen treuen Ratgeber. Ohne Ansehen der Personen führte er sein Amt streng rechtlich. 'Oheb Schalom, werodeb Scholem' (er hat den Frieden geliebt und ist dem Frieden nachgestrebt'). 'Suchet den Frieden und erstrebet ihn', waren seine letzten Worte, und diese werden in unser aller Herzen einen Wiederklang finden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

    
Lehrer Samuel Strauß von Berlichingen kommt nach Sulzburg (1905)
  
Anmerkung: Samuel Strauß war der 1874 geborene Sohn des Berlichinger Lehrers Abraham Strauß. Er war seit 1905 Lehrer in Sulzburg, von 1908 bis zu seinem Tod 1937 Lehrer in Freiburg im Breisgau. Sein Bruder Hermann Strauß war viele Jahre Lehrer in Nördlingen.  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim nach Eubigheim, Kantor Simon Metzger von Sulzburg nach Bretten, Samuel Strauß von Berlichingen nach Sulzburg, Jakob Schloß von Talheim nach Malsch bei Ettlingen. Auf Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor Weiß in Gailingen und Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach, letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d. Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach."   

   
Zum Tod von Hirsch Gotthilf (1907)  
Anmerkung: zur Person von Hirsch Gotthilf siehe mehr unten zur Synagogengeschichte - Bericht von 1898. 

Berlichingen Israelit 21021907.jpg (105604 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1907: "Würzburg, 7. Februar (1907). Am 2. Februar schied hier Herr Hirsch Gotthilf, ein durch seine edle Gesinnung allgemein geschätzter Mann, aus dem Leben. In dem württembergischen Orte Berlichingen geboren, der von jeher als eine Pflanzstätte wahrer Frömmigkeit galt, hat der Verewigte die ihm im Elternhause anerzogenen Tugenden sein Leben lang in schönster Weise betätigt. Ihn leitete stets der Grundsatz, den von Gott verliehenen Wohlstand dadurch zu adeln, dass er den edelsten Gebrauch davon machte. Auf (hebräisch und deutsch:) die schöne Ausführung der Gebote pflegte der Verblichene den größten Wert zu legen. Keinem gemeinnützigen oder wohltätigen Werke hat er seine Mitwirkung und Förderung versagt. Unausgesetzt suchte er allenthalben Not und Elend zu lindern, manchem strebsamen Talente, das durch Mittellosigkeit zu verkümmern drohte, half er empor. In den Worten, die Herr Distriktsrabbiner vor zahlreicher Trauerversammlung an der Bahre Gotthilfs sprach, fand das segensreiche Wirken, das er im Leben entfaltete, anerkennenden Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
Zum Tod von Adolf Hanauer (1924) 

Berlichingen Israelit 13111924.jpg (79811 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  13. November 1924: "Berlichingen, 5. November (1924). Eine schmerzliche Lücke wurde der hiesigen Gemeinde durch den Heimgang des Herrn Adolf Hanauer, der Simchas Thora unter großer  Anteilnahme zur Beisetzung gebracht wurde. Aus frommem Hause stammend, hielt der Verblichene treu an der Tradition fest. Er gehörte zu den wenigen hier, der - war der Vorbeter verhindert, als ehrenamtlicher Vorbeter fungieren konnte und wie oft vertrat er dieses Amt mit Würde. Er war ein selten edler Charakter, welcher mit allen guten Gaben ausgestattet war. So passen auf den Entschlafenen all die herrlichen Worte, die Herr Lehrer Schloß in so trefflicher Weise an seiner Bahre erläuterte. Selten gibt es einen besseren Familienvater und reelleren Geschäftsmann, als es Herr Hanauer war. Möge sein Verdienst seinen Lieben beistehen und Gott der schwergeprüften Gattin und den Töchtern Trost spenden. Amen."  

 
Zum Tod von Feodor Roberg (1933) 
Anmerkung: der Kaufmann Feodor Roberg war verheiratet mit Ernestine geb. Hanauer. Die beiden hatten zwei Söhne, die Lehrer wurden: Alexander (Alex) Roberg (geb. 2. April 1914 in Berlichingen, nach dem Examen an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg Lehrer in Niederstetten und Stuttgart; nach seiner Emigration war er Leiter der United Hebrew Schools in Detroit sowie Executive Director der Congregation Gemilluth Chassodim Detroit; gest. 22. Februar 1998) und der im Text unten genannte Julius Roberg (Lehrer in Würzburg; zu ihm Weiteres bei der Verlobungsanzeige unten von 1934). 

Berlichingen Israelit 11051933.jpg (127114 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1933: "Berlichingen (Württemberg), 7. Mai (1933). Nach kurzem, schwerem Krankenlager verstarb im Alter von 60 Jahren im Heilbronner Krankenhaus Feodor Roberg. Mit dem Hinscheiden dieses aufrichtigen Jehudi wurde die Gemeinde um eine ihrer stärksten Säulen beraubt. Die Familie klagt um den stets sorgenden Familienvater. Er war bestrebt, sich ohne Rücksicht auf Opfer an Zeit und Geld noch in späteren Jahren Torawissen stets und ständig anzueignen. Und seine Tauroh (Tora) führte zur Tat, sodass seine genaue Beobachtung der Gebote geradezu staunenswert war. Als Vorbeter und Schochet waltete er für seine Gemeinde, und war jederzeit mit Rat und Tat zur Stelle. Wohltätigkeit und Gastfreundschaft waren in seinem Hause Selbstverständlichkeiten. - Bei der Beerdigung kam die Beliebtheit, die sich der Verstorbene auch in weiten, nichtjüdischen Kreisen erwarb, zum sichtbaren Ausdruck. Seine Persönlichkeit wurde von Lehrer Flamm, Heilbronn, sowie von einem Bruder des Heimgegangenen, von Lehrer Berlinger, Hörstein und Herrn Aron Berlinger, Berlichingen in treffenden Worten gezeichnet. Am Grabe dankte ein Sohn, Lehrer Roberg, Würzburg, dem teuren Vater für seine Liebe und gelobte, in dessen Sinne weiterzuwirken. Möge der Geist des Verewigten in seiner Gattin und den Kindern weiterleben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

  
Zum Tod von Menki Berlinger (1934)

Berlichingen Israelit 03011935.jpg (98978 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1935: "München, 31. Dezember (1934). Vor kurzem wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der sich weit über den Kreis seiner engeren Gemeinde hinaus allgemeiner Achtung erfreute. Menki Berlinger zeichnete sich durch lauteren Charakter, leutseliges Wesen und tiefe Frömmigkeit aus. Mit allen Fasern seines Herzens war er bestrebt, jede einzelne religiöse Vorschrift im Leben zu betätigen. Seinen Mitmenschen durch Rat beizustehen, betrachtete er als eine seiner vornehmsten Aufgaben. Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu zeichnete in seiner Trauerrede in packenden Worten das Lebensbild des Heimgegangenen. Die großen Verdienste, die der Verstorbene sich erworben hat, hervorhebend, wies er auf den großen Verlust hin, den die Familie sowohl als auch die Gemeinde erlitten hat. Tief ergriffen war die außergewöhnlich starke Trauerversammlung, als Herr Rabbiner den von tiefinnerster Frömmigkeit zeugenden Abschiedsbrief verlas, den der Verstorbene an seine Gattin, an seinen einzigen in Erez Jisrael wohnenden Sohn und an seine treuen Geschwister richtete. - Im Namen des 'Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten' ergriff dessen Vorsitzender, Herr Dr. Bretzfelder, das Wort, um dem treuen Bundesbruder und aufrichtigen Kameraden Worte warmen Gedenkens nachzurufen. Nach ihm nahm der Bruder des Verstorbenen, Herr Oberlehrer a.D. Moses Berlinger, Trier, im Namen der zahlreichen Verwandten von dem Heimgegangenen Abschied. Seine Seele sein eingebunden in den Bund des Lebens."      

  
85. Geburtstag von Kela Metzger geb. Kaufmann (1935)

Berlichingen Israelit 01081935.jpg (31711 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1935: "Berlichingen, 18. Juli (1935). Frau Kela Metzger geb. Kaufmann von hier, beendet am 10. August dieses Jahres ihr 85. Lebensjahr in noch guter körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Sie ist das älteste Mitglied der hiesigen Gesamtgemeinde. Wir wünschen der Greisin einen weiteren frohen Lebensabend. (Alels Gute) bis 100 Jahre."    

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von L. Berlinger (1904)   

Berlichingen Israelit 28011904.jpg (55896 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1904: "Feinsten Steppen-Rahmkäse empfiehlt 
L. Berlinger, Berlichingen (Württemberg). 
Preis bei Abnahme von 9 Pfd. Mark 1.- per Pfund. 
Referenz für Kascherut: Seiner Ehrwürden Herr Distriktsrabbiner Bamberger, Würzburg. - Vertreter für Bayern: Jacob Berlinger, Würzburg, Domerpfarrgasse. 
Wiederverkäufer Vorzugspreise."    

  
Verlobungs- und Heiratsanzeige von Schefa Berlinger und Jakob Lurie (1929/30)  

Berlichingen Israelit 06061929.jpg (26070 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1929: "Gott sei gepriesen.  
Schefa Berlinger - Jakob Lurie
.  Verlobte.  
Berlichingen / Württemberg - Lodz -, Frankfurt am Main, Obermainanlage 20 p. 
23. Ijar 5689 - 2. Juni 1929."    
   
Berlichingen Israelit 09011930.jpg (37769 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1930: "Statt Karten  
Jacob Lurie - Schefa Lurie geb. Berlinger.
  Vermählte.  Frankfurt-Main - Berlichingen.  
Trauung: Sonntag, den 12. Tewet 5690 1 Uhr, Schwäbisch Hall, Hotel Pfeifer.   
Ablösungs-Telegramme: zu Gunsten der Palästina-Zentrale."  

  
Hochzeitsanzeige von Elieser Berlinger und Klara geb. Roberg (1930)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1930: "Statt Karten - Gott sei gepriesen - 
Elieser Berlinger I - Klara Berlinger geb. Roberg. Vermählte. 
Trauung: Berlichingen/Württemberg 28. Siwan 5690 / 24. Juni 1930"    

 
Hochzeitsanzeige von Julius Levie und Schefa geb. Berlinger (1934) 
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1934: 
"Statt Karten - Gott sei gepriesen.  
Julius Levie - Schefa Levie geb. Berlinger. Vermählte.
 
Amsterdam Sarphatistraat 127  -  Amsterdam / Berlichingen/Württemberg. 
Trauung: 6. März / 19. Adar. Tel.- Adr. Hotel Agulnik, Eberhardstraße".       

  
Verlobungsanzeige von Gretel Hirschheimer und Wolf (Seev) Berlinger (1934)
   
Anmerkung: Gretel (Margarete, Margalit) Hirschheimer ist am 12. August 1912 in Lehrensteinsfeld als Sohn des Viehhändlers Wolf Hirschheimer und der Sofie geb. Henle geboren. Sie ließ sich 1929 bis 1932 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg zur Lehrerin ausbilden. Sie verlobte sich 1934 mit Wolf (Seev) Berlinger (geb. 31. Januar 1909 in Berlichingen als Sohn von Aron Berlinger und der Betty geb. Sulzbacher). Berlinger hatte verschiedene Lehrerstellen inne, u.a. in Freudental. 1938 sind die beiden nach Palästina ausgewandert, später studierten beide noch an der Columbia University New York. Nach Rückkehr nach Israel arbeitete Margalit Berlinger als Beraterin für die Erziehung begabter Kinder in Israel; Seev Berlinger als Lehrer für Naturwissenschaft und Aufsichtsbeamter für die naturwissenschaftliche Erziehung. 
Angaben nach Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden S. 86-87.   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934: 
"Statt Karten - Gepriesen sei Gott.  
Gretel Hirschheimer - Wolf Berlinger.  Verlobte.  
Lehrensteinsfeld  -  Stuttgart, Hospitalstraße 36 / Berlichingen.  
Schabbat Chaje Sara
." (= Schabbat, 3. November 1934)     

  
Verlobungsanzeige von Julius Roberg und Hannchen Berlinger (1934) 
  
Anmerkung: Julius Roberg ist als Sohn von Feodor Roberg (siehe oben Bericht zu seinem Tod 1933) und Ernestine geb. Hanauer am 23. April 1907 in Berlichingen geboren. Er besuchte die Volksschule in Berlichingen, 1921-24 die Israelitische Präparandenschule in Höchberg, danach die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Er war nach 1927 Volksschullehrer in Höchberg, dann Aushilfslehrer in Thüngen. Nach seinem Staatsexamen unterrichtete er bis 1938 an der Jüdischen Volksschule in Würzburg. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und für mehrere Wochen in das KZ Dachau verschleppt. Im Februar 1939 konnte er mit Frau Hannchen geb. Berlinger (geb. 7. Oktober 1897 in Berlichingen) nach London emigrieren. Er war zuletzt Leiter der Broughton Jewish Primary School (1976 400 Schüler), ausgezeichnet mit dem Moreinu-Titel (Rabbiner). 1982 lebte er im Ruhestand in London; seine Frau Hannchen ist bereits 1976 in London gestorben. Sohn Nathan (geb. 1939, lebte 1982 in Jerusalem). Angaben nach Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden S. 464. 

Berlichingen Israelit 18101934.jpg (28259 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1934: 
"Gott sei gepriesen
Hannchen Berlinger - Julius Roberg. Verlobte.  
Chust C.S.R. / Berlichingen  -  Würzburg Franziskanerplatz 3,I / Berlichingen.  
Marcheschwan 5695
".  

   
Werbung für die rituell geführte Gaststätte von Simon Metzger (1937)  

Berlichingen Israelit 12081937.jpg (47925 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1937: "Berlichingen - Württemberg - im herrlichen Jagsttal. Gaststätte Simon Metzger
Beste Verpflegung. Pensionspreis 4.50 Mark inklusive Bedienung. Badegelegenheit. Ruhiger Ort. Auch während der Feiertage geöffnet."   

  
Verlobungsanzeige von Friedel Roberg und Manfred Stern (Juni 1938)  

Berlichingen Israelit 16061938.jpg (25978 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1938: 
"Friedel Roberg - Manfred Stern. Verlobte. 
Schawuot 5698.  
Berlichingen - Haifa, Bezalelstr. 28  /  Brückenau - Petach Tikwah, Nordaustr. 20".  
Anmerkung: nach Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden lebte Friedel (Frieda) Stern geb. Roberg (geb. 1911) 1982 noch in Israel.

     
     
   
  
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge              
     
Im 18. Jahrhundert befand sich ein Betsaal im Haus Nr. 150, dem Haus der Familie Berlinger (Ecke Tränkweg/Mühlgasse, im oberen Stockwerk). Dieses Gebäude war zunächst 1730 als Scheune erbaut und nach 1735 zu einem Wohnhaus umgebaut worden. 1793 wurde das Gebäude an mehrere jüdische Familien verkauft; ein Viertel kam an Rabbi Jacob Bär (Berlinger). Ein unter dem Dach eingerichteter Betsaal wurde von der jüdischen Gemeinde gekauft. In diesem Raum befanden sich noch in den 1920er Jahren teilweise gut erhaltene Schriften an den Wänden, die wahrscheinlich mit der Nutzung als Betsaal in Verbindung standen. 
       
1796 beschloss die jüdische Gemeinde, eine neue Synagoge zu bauen. Dieser Plan konnte zunächst aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht werden. Auch war noch kein geeigneter Bauplatz vorhanden. Dieser konnte schließlich in der Mühlgasse gefunden werden, wo ein abbruchreifes älteres Wohnhaus stand. Die Finanzierung der neuen Synagoge sollte durch verschiedene Abgaben und Umlagen gesichert werden: Aus Schlachtungen waren, je nach Größe des Tieres, sechs, zwei oder ein Kreuzer zu entrichten; wer zur Messe nach Frankfurt bzw. Fürth reiste, musste 1 Gulden 30 Kreuzer bzw. 1 Gulden zahlen; wer sonstigen Handel betrieb, hatte 24 Kreuzer und jeder zur Tora Aufgerufene einen Kreuzer zu spenden. Nur wenige Monate konnte dieses Abgabesystem durchgeführt werde, dann musste sich der Gemeindevorstand etwas Neues einfallen lassen, da viele Gemeindeglieder nicht einverstanden waren. Die neue Beitragsverordnung vom Juli 1797 legte jährliche Beiträge der einzelnen Familien fest und Abgaben je nach Höhe der Steuerabgaben u.a.m. Trotz aller Anstrengungen der Gemeinde reicht das unter Opfern eingesammelte Kapital jedoch immer noch nicht aus, um den Bau durchzuführen. Erst mit Hilfe eines Kredites durch Freifrau Charlotte von Berlichingen in Höhe von 600 Gulden konnte die nötige Summe erbracht werden, um 1805/06 den Bau der neuen Synagoge durchzuführen. Im Synagogengebäude war auch eine Armenstube untergebracht, die später als Wohnung benutzt wurde. An der Rückseite befand sich (der Jagst zu) das rituelle Bad.  
     
Die Synagoge war in den 1890er Jahren in einen sehr schlechten Zustand geraten. So beschloss die Gemeinde 1896 eine unvermeidlich gewordene Renovierung des gesamten Gebäudes. Dabei wurden die Wände innen und außen gestrichen, neue Böden verlegt, ein neues Gestühl für die Erwachsenen und die Kinder angeschafft sowie diese, der Toraschrein und das Vorbeterpult mit einem Anstrich versehen. Auch die Eingangstür musste gerichtet werden. Die Arbeiten kosteten insgesamt etwa 2.700 Mark, von denen ein Teil durch den Baufonds (208 Mark), freiwillige Beiträge (324 Mark) sowie einen staatlichen Beitrag (200 Mark) zusammengebracht wurde. Für den restlichen Betrag wurde ein Darlehen aufgenommen. 
        
Spende eines Toraschrein-Vorhanges für die Synagoge durch Hirsch Gotthilf (1898)  
Anmerkung: im nachstehenden Abschnitt wird Hermann (ursprünglich Hirsch) Gotthilf genannt. Dieser ist am 21. Juli 1843 in Berlichingen geboren und am 2. Februar 1907 in Würzburg gestorben. Er war seit 1868 verheiratet mit der am 14. August 1844 in Oberdorf geborenen Helene geb. Gutmann (gest. 12. Oktober 1905 in Würzburg). Seit 1877 war er in Würzburg, wo er aus kleinen Anfängen einer Lumpenhandlung die Rohproduktengroßhandlung H. Gotthilf & Co. aufbaute, die mit zeitweise bis zu 100 Beschäftigten um 1900 eine der größten Firmen in Würzburg war.  

Berlichingen Israelit 16061898s.jpg (78588 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1898: "Berlichingen, 9. Juni (1898). Unsere erst vor Kurzem restaurierte Synagoge wurde wieder um einen schönen Schmuck bereichert. Herr Hirsch Gotthilf aus Würzburg, welcher schon zur Reparatur einen erheblichen Geldbetrag gespendet hatte, weilte mit seiner Gemahlin Helene am vergangenen Wochenfest (Schawuot) in unserer Mitte und übergab ein prachtvolles Proches (Toraschrein-Vorhang) aus blauem Samte, reich mit Gold gestickt im Wert von 600 Mark. Für dieses herrliche Geschenk, womit die edlen Spender aufs Neue ihre Anhänglichkeit und Opferwilligkeit für ihren Heimatort bewiesen, sei auch an dieser Stelle der geziemende Dank ausgesprochen. S.-s."   

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge unter der Führung von SA-Leuten aus Schöntal und Neuhof demoliert. Weitere SA-Leute und sonstige Nationalsozialisten aus Sindringen, Öhringen und Berlichingen waren erschienen. Sie nahmen zunächst an der Linde in Berlichingen Aufstellung, teils in Uniform, teils in Zivil. Bewaffnet mit Äxten, Ochsenziemern und anderem Handwerkszeug marschierten sie zur Synagoge. Die Straße wurde oben und unten abgesperrt. Die Synagogentüre wurde gewaltsam geöffnet, das Innere völlig demoliert, die Torarollen auf die Straße gezerrt und im Dreck liegen gelassen. Danach führten sie auf barbarische Weise in verschiedenen jüdischen Häusern ihr Zerstörungswerk fort. 
      
Das Synagogengebäude wurde nach 1939 abgebrochen. Das Grundstück ist teilweise neu bebaut worden, teilweise ein Lagerplatz. Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht vorhanden.  
   
Auf einer aus der Synagoge Berlichingen stammenden Gedenktafel im Heimatmuseum Künzelsau (derzeit nicht geöffnet) findet sich auch der Name des im Ersten Weltkrieg gefallenen Wilhelm Metzger. 
     
     
Standort der Synagoge:    Mühlgasse   (Link zu den Google-Maps)   
     
     

Fotos 
Historische Fotos: 
(Quelle: links aus S. Berlinger s. Lit. S. 82; Mitte aus Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S. 58; rechts SM Jerusalem)

Berlichingen Synagoge a01.jpg (98485 Byte) Berlichingen Synagoge 001.jpg (85359 Byte) Berlichingen Synagoge 021.jpg (48321 Byte)
Haus Nr. 150 in Berlichingen (erbaut
 1730), in dem im Dachgeschoss der 
alte Betsaal der Gemeinde war
 (Bleistiftzeichnung um 1920)
Die Synagoge in Berlichingen 
um 1930  
Innenansicht mit Blick 
zur Frauenempore
    


Foto nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Foto: Hahn)
 Berlichingen Synagoge 010.jpg (77601 Byte)
   Das ehemalige Synagogengrundstück - neu überbaut. Das Haus im Hintergrund ist identisch 
mit dem beim historischen Foto (s.o.) sichtbaren Haus (ehemaliges Haus Berlinger).
   
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.9.2003)
  
Berlichingen Synagoge 150.jpg (63690 Byte) Berlichingen Synagoge 151.jpg (57716 Byte) Berlichingen Synagoge 152.jpg (72034 Byte)
Das ehemalige Synagogengrundstück war im Bereich des Schuppens Das ehemalige Haus Nr. 150, in 
dem sich im 18. Jahrhundert der
 Betsaal der Gemeinde befand
  
     
Fotos 2009: 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.1.2010)
  
Berlichingen HaBerl 201002.jpg (82471 Byte) Berlichingen HaBerl 201003.jpg (65251 Byte) Berlichingen HaBerl 201001.jpg (93483 Byte)
Blick entlang der Mühlgasse; mittig im
 Hintergrund das ehemalige Haus Berlinger
Das Synagogengrundstück Ansicht des ehemaligen Hauses
 Berlinger wie oben
  
      
     
Gefallenendenkmal 
an der Kirche
Berlichingen Ort 2010012.jpg (98686 Byte) Berlichingen Ort 2010013.jpg (96180 Byte)
     
     
Geschichtstafel 
am Rathaus
Berlichingen Ort 2010010.jpg (80436 Byte) Berlichingen Ort 2010011.jpg (84096 Byte)
  Tafel zur Geschichte Berlichingens mit Erwähnung von "Juden in Berlichingen" und
 dem "Judenfriedhof"; Ereignisse in der NS-Zeit wie die Zerstörung der Synagoge 
oder die Deportation der jüdischen Einwohner bleiben leider unerwähnt.
        

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Schöntal     
Liste der 1815 in Berlichingen wohnhaften jüdischen Personen (mit alten und neuen Namen): hier anklicken     
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Berlichingen (interner Link)  

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 49-51. 
Heinrich Kühner: Das Ende der Berlichinger Judengemeinde, in: Schöntaler Heimatbuch. 1982. S. 132-142. 
Esther Schwarz-Kaufmann: Eine Berlichingerin erzählt, in: Feiertagsschrift 5724 (1963) S. 26-27. 
Fritz Elieser Bloch: Vor 45 Jahren in Berlichingen, in: Pessach 5723 (1963) S. 18. 
Simon Berlinger: Synagoge und Herrschaft: 400 Jahre jüdische Landgemeinde Berlichingen. Sigmaringendorf 1991. 
Naftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe im Hohenlohekreis. 2002.     
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Berlichingen  Wuerttemberg. The Jewish community, founded in 1632 by descendants of Jews expelled from Spain, contributed to making the town a center of commercial life. Jews dealt in sheep, cattle and fish, engaging in moneylending, and ran inns. The population reached a peak of 249 in 1854 (total 1,524), with another 50 from Bieringen attached to the community and 218 in neighboring Ernsbach (ultimately attached as well when the population dwindled to two in 1925). Due to emigration, the Jewish population of Berlichingen declined steadily, but after Worldwar I public life intensified. A pioneer training farm, one of the first in Germany, was set up on a nearby estate. In 1933, 68 Jews remained in Berlichingen. Anti-Jewish propaganda intensified and Jewish commercial life increasingly suffered. The synagogue was vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938) and later dismantled. Out of 70 Jews remaining in 1939, 43 Jews saved themselves by emigrating, mainly to Palestine, the United States and Switzerland; nearly all the others died in the Holocaust.   
      
        

                   
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Stand: 16. März 2014