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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Berlichingen (Gemeinde Schöntal,
Hohenlohekreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts teilweise den
Herren von Berlichingen, teilweise dem Zisterzienserkloster Schöntal gehörenden
Berlichingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Erstmals werden 1561
Juden am Ort genannt. Im 17. Jahrhundert nahmen beide Ortsherrschaften Juden auf.
1632 hab es 26 jüdische Einwohner am Ort.
Um
1700 werden eine "Judengasse" mitten im Dorf (vermutlich
oberhalb/östlich der Kirche) und ein "Judenplan" genannt. In der
Judengasse befanden sich 1800 fünf jüdische Häuser. Ein ausschließlich von
Juden bewohntes Gebiet lässt sich jedoch nicht ausmachen; nach dem Dreißigjährigen
Krieg bauten Juden wohl an verschiedenen Stellen verlassene Hofstätten auf.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Herren von Berlichingen 25 "Schutzjuden"
am Ort, das Kloster Schöntal nur einen. Damals (um 1800) stand der Gemeinde Rabbiner
Jacob Bär vor.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie
folgt: 1807 128, 1824 169 jüdische Einwohner (12,9 % von insgesamt 1.314
Einwohnern), 1831 203, 1843 223, höchste Zahl um 1846 mit 249 Personen,
1854 gleichfalls 249 (16,3 % von insgesamt 1.524 Einwohnern), 1869 192, 1886 121, 1900 89, 1910
95 (9,4 % von 1.008). Zur jüdischen Gemeinde
Berlichingen gehörten als Filialgemeinde auch die im wenige Kilometer
entfernten Bieringen
lebenden jüdischen Personen (1854 50, 1883 16).
Häufige jüdische Familiennamen am Ort waren Kaufmann, Metzger, Gottlieb und Berlinger.
Aus der letztgenannten Familie gingen mehrere bekannte Rabbiner und Lehrer
hervor. Das Haus Nr. 150 - ehemaliges Haus der Familie Berlinger - zeigt
noch heute Spuren der ehemaligen jüdischen Geschichte (u.a. ein Anbau, dessen Dach per Seilzug aufgeklappt werden konnte, damit die Laubhütte am Laubhüttenfest unter freiem Himmel
war).
1832 wurde Berlichingen Sitz eines württembergischen Bezirksrabbinates,
das die jüdischen Gemeinden Berlichingen, Nagelsberg,
Ernsbach und Olnhausen
umfasste. Als Rabbinatsverweser beziehungsweise Rabbiner waren bis 1840 Maier
Hirsch Löwengart, bis 1851 Dr. Abraham Wälder am Ort. Nachdem Dr.
Wälder nach Laupheim wechselte, wurde das Rabbinat Berlichingen nicht mehr
besetzt. Berlichingen wurde dem Rabbinat Mergentheim, später dem
Rabbinat
Heilbronn zugewiesen.
Jüdische Gewerbetreibende waren von großer wirtschaftlicher Bedeutung für
das Dorf. Der Handel der zahlreichen jüdischen Viehhändler erstreckte sich bis
in die Oberämter Hall, Crailsheim und Ellwangen. Um 1860 gab es zwei
gutgeführte koschere Gaststätten: "Zum Löwen" und "Zur
Krone".
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde u.a. eine Synagoge,
eine jüdische Schule, ein rituelles Bad sowie einen großer Friedhof
(zentrale Begräbnisstätte der Region). Die
jüdische Schule (Elementarschule)
bestand bis 1840 und wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Dazwischen besuchten die Kinder die allgemeine Schule im Rathaus. Der
Schulraum war im oberen Stockwerk des Hauses von Marum Berlinger (Hauptstraße neben
Haus Nr. 71, abgebrochen). Zur Besorgung des Unterrichtes und der religiösen
Aufgaben war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. Anfang des 20. Jahrhunderts wird Lehrer Samuel Strauß
genannt; letzter jüdischer Lehrer war - mindestens seit 1915 - Samuel
Schloß (geb. 19. Mai 1881 in Oberlauringen, verheiratet mit Paula geb.
Lilienstrauss aus Homburg am Main; beide wurden Ende 1941 nach Riga deportiert
und ermordet).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Wilhelm
Metzger (geb. 29.12.1893 in Berlichingen, gef. 7.9.1914). Sein Name steht auf dem Gefallenen-Denkmal bei der
katholischen Kirche und auf einer aus der Synagoge Berlichingen stammenden Gedenktafel im Heimatmuseum Künzelsau.
Außerdem ist gefallen: Samson Hanauer (geb. 19.2.1882 in Berlichingen, vor 1914
in Nassau wohnhaft, gef. 19.7.1918).
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 100 Personen gehörten (10 % von
insgesamt etwa 1.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Lehrer Samuel
Schloß, Aron Berlinger, Leopold Metzger, Lazarus Metzger und Samuel Gottlieb.
Religionslehrer der jüdischen Kinder war der bereits genannte Lehrer Samuel Schloß. An jüdischen Vereinen
gab es u.a. die Wohltätigkeitsvereine Chewra Kadischa (Ziel und
Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Wanderfürsorge.
Schiurvorträge; gegründet ca. 1878, 1924/32 Leiter Israel Metzger mit sechs Mitglieder),
Chewras Naschim (Israelitischer Frauenverein) und Chewras Haneorim (1924 Leiter Adolf
Hanauer mit sieben Mitgliedern). Im Schuljahr 1931/32 gab es neun schulpflichtige jüdische Kinder,
die ihren Unterricht weiterhin durch Religionsoberlehrer Schloß
erhielten.
Bis nach 1933 waren noch mehrere
Viehhandlungen im Besitz jüdischer Familien vorhanden. Dazu gehörten jüdischen Personen auch eine
Gastwirtschaft mit Metzgerei und eine Buchdruckerei. Im einzelnen
handelte es sich bis nach 1933 um die folgenden Handels- und Gewerbebetriebe: Buchdruckerei Aron Berlinger und Söhne (Haus
Nr. 150, Ecke Tränkweg/Mühlgasse), Gemischtwarenhandlung Marum Berlinger (neben Haus
Nr. 71, Hauptstraße), Viehhandlung Samuel Gottlieb (Haus Nr. 71, Hauptstraße), Leder- und Kurzwarenhandlung Hanauer, Inh. Siegmund Gottlieb (Haus
Nr. 130,
Hauptstraße), Viehhandlung Zion Gottlieb (Haus Nr. 25, Gartenweg; später Haus
Nr. 132, Schlossgasse), Häusermakler Jakob und Siegmund Grünstein (Haus Nr.
126,
Hauptstraße), Kolonialwaren Emma Kaufmann (Haus Nr. 74, Alte Schulgasse), Wirtschaft und Viehhandlung Felix Kaufmann (Haus
Nr. 114,
Hauptstraße), Viehhandlung Lazarus Metzger (Haus Nr. 183, Hauptstraße), Viehhandlung und Metzgerei Siegfried Metzger (abgebrochen), Lumpen- und Alteisenhandlung Feodor Roberg (Haus
Nr. 163, unterhalb des Gasthauses Schwanen), Seifenhandel Sofie Rosenberg (Haus
Nr. 36,
Ziegeleistraße), Viehhandlung Salomon Strauß (Haus Nr. 158, Industriestraße).
1933 lebten noch 68 jüdische Personen in Berlichingen. Das religiöse
Leben der jüdischen Gemeinde war auch nach Beginn der NS-Zeit zunächst noch
weiterhin sehr rege. Die jüdische Gemeinde unterhielt am Ort eine Jüdische
Jugendherberge, die später den Namen 'Jüdisches Übernachtungsheim' annehmen
musste (13 Betten). Über sie kamen auch viele auswärtige Jugendliche nach
Berlichingen (vgl. unten Anzeige vom Juni 1938). Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert; jüdische
Wohnhäuser wurden überfallen, Fensterscheiben und Wohnungseinrichtungen
zerschlagen. Drei Männer wurden verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt.
Nachdem Ende 1938 die letzten jüdischen Gewerbebetriebe hatten schließen
müssen, verschlechterten sich die Lebensverhältnisse jüdischen Einwohner sehr
schnell. Die Mehrzahl von ihnen konnte noch emigrieren beziehungsweise ist in
andere Orte verzogen. Im Juli 1939 wurde die Gemeinde aufgelöst.
Von den in Berlichingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ernestine Beck
geb. Kaplan (1879), Fanny Bensinger geb. Ledermann (1856), Sheva Levie Berlinger
(1903), Gida Friedmann geb. Metzger (1883), Dora (Zipora) Fuchs geb. Weil
(1867), Isak Gottlieb (1854), Julius Gottlieb (1927), Karoline Gottlieb geb.
Marx (1895), Max Gottlieb (1935), Samuel Gottlieb (1893), Sophie Gottlieb geb.
Güthermann (1864), Emanuel Hanauer (1870), Jettchen Hanauer (1887), Isaak
Heidenheimer (1888), Lina Kahn geb. Gottlieb (1887), Mathilde Kahn geb.
Westheimer (1871), Adolf Schmul Jakob Kaplan (1886), Bella Kaufmann (1928), Emma
Kaufmann geb. Metzger (1879), Lore Kaufmann (1922), Minna Kaufmann geb. Israel
(1894), Thea Kaufmann (1923), Therese Liesel Kaufmann (1920), Rosl (Rosa)
Landeker geb. Metzger (1907), Schefa Levie geb. Berlinger (1903), Sara Jette
Levy geb. Hanauer (1865), Berta Lämle geb. Merzbacher (1869), Karolina
Merzbacher (1866), Alfred Metzger (1922), Arthur Metzger (1887), Gretel Metzger
(1937), Hedy Metzger (1926), Ida Metzger geb. Langgut (1881), Julchen Metzger
(1872), Julius Metzger (1881), Lilly Metzger geb. Gutmann (1900), Lothar Metzger
(1929), Simon Metzger (1892), Ferdinand Odenwald (1865), Helena Roberg (1908),
Babette Rosenbaum geb. Merzbacher (1861), Karoline Rosenberg (1881), Sofie
Rosenberg (1888), Sara Sali Rosenstein (1876), Irma Jettchen Ruthardt geb.
Strauß (1895), Grete Schloss (), Paula Schloss geb. Lilienstrauss (1891),
Samuel Schloss (1881), Menko Stern (1874), Salomon Strauss (1860), Hedwig
Thalheimer geb. Kaufmann (1889), Klara Wechsler geb. Metzger (1883), Sofie
Wechsler geb. Strauss (1879), Beatrice Blanka Westheimer (1926), Bedilla
Westheimer (1877), Ilse Ruth Westheimer (1920), Josef Westheimer (1878), Leopold
Westheimer (1869), Regina Westheimer
(1875).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus
der Geschichte des Rabbinates in Berlichingen
Über den Verlust des Rabbinatssitzes in Berlichingen und
wie der Mergentheimer Rabbiner Anerkennung in Berlichingen findet (1867)
Artikel
in der Zeitschrift "Chananja" vom 15. März 1867: "Die
Gemeinde Berlichingen war früher ein Rabbinatssitz, er ging ein und das
Rabbinat wurde gevierteilt, d.h. der Bezirk wurde unter die umliegenden
Rabbinate verteilt. Teilen und annektieren sind üble Fakta in der
Völker- und Ländergeschichte. Die Teilung Polens bildet noch immer
Wellenschläge auf dem Ozeane der Geschichte und die piemontesischen und
preußischen Annektierungen zucken noch schmerzvoll in Herzen und Gliedern
von Fürsten und Volksstämmen; so kann auch Berlichingen seine Teilung
nicht verschmerzen und will nie dem Staatsrabbiner in Mergentheim, dessen
Bezirk es einverleibt worden, recht hold werden. Dazu wohnt dort ein
würdiger emeritierter Rabbiner, Rabbi Hirsch Berlinger, der Nestor der
Hyperorthodoxie, und so ein moderner doktorierter Geistlicher der
mosaischen Theologie wird dort als Luxusartikel betrachtet. Wenn nun eine
solche malkontente Gemeinde ihrem Rabbiner den Zoll der Anerkennung
bietet, dann muss ein moralischer kategorischer Imperativ vorangegangen
sein. Wider Willen antwortet er Amen. Die
Jünglingsbrüderschaft stiftete eine Torarolle und Rabbiner Dr. Max
Sänger aus Mergentheim hielt auf seiner amtlichen Turnusreise die
Einweihungsrede:
Von einer Predigt öffentlichen Bericht zu erstatten, heißt 'Eulen nach
Athen' tragen, denn dass ein wissenschaftlich gebildeter Rabbine eine, den
Ansprüchen der Homiletik gerechte Predigt hält, darf wohl erwartet
werden. Aber vor einem hyperorthodoxen Publikum, wie die Gemeinde
Berlichingen, und vor den Professoren des nahe gelegenen
evangelisch-theologischen Seminars Schöntal, Autoritäten in theologicis,
zu reden, Gegensätze zu befriedigen, populär und wissenschaftlich,
religiös und nicht schwärmerisch, schön und nicht manieriert
darzustellen, das kann nur einem Manne, wie Dr. Sänger gelingen, der
durch ein glückliches Organ und Gedächtnis, durch wissenschaftliche
Bildung und rabbinische Gelehrsamkeit sich auszeichnet. Die Gemeinde
Berlichingen legte ihre Anerkennung durch Überreichung eines Pokals ihrem
Rabbiner dar. Wir müssen aber in den Kelch des Heils einen Tropfen Wermut
gießen und den Mann, der mit dem seligen Luzzatto gemeinschaftlich an der
Herausgabe des Efod gearbeitet, der viel wissenschaftliches Material
gehäuft und gesichtet hat, mahnen, warum stellt er sein Licht unter den
Scheffel und lässt sein literarisches Schiff als tüchtiger Orientalist
und Exeget nicht vom Stapel laufen! Möge er dem Literaturblatt des 'Ben
Chananja' von seinem reichen Proviant Nahrung bringen." |
Zum Tod von Rabbiner Aron Berlinger (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1915: "Rabbiner
Aron Berlinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen.
Berlichingen (Württemberg), 5. November (1915). Am 5. Cheschwan (=
13. Oktober 1915) wurde hier Rabbi Aron Berlinger - das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen - zu Grabe getragen, der zu den Großen der
Tora gehörte. Von der Größe des Verlustes, die unsere Gemeinde und die Allgemeinheit
erlitt, legte die Beerdigung dieses Frommen beredtes Zeugnis ab, zu
der sich ein großer Kreis von Freunden und Bekannten einfand. Man brachte
den Sarg in die Synagoge. Dort entwickelte Herr Lehrer Schloß ein
getreues Bild von dem Leben, Wirken und Schaffen des Verstorbenen auf dem
Gebiete der Tora, Aboda (Gottesdienst) und Gemilluschasodim
(Wohltätigkeit). Rabbi Aron Berliner - das Andenken an den Gerechten
ist zum Segen - ging von hier aus, wo in sein Vater, Rabbi Hirsch
Berlinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in die
Torawissenschaft einführte, nach Zell
bei Würzburg, wo er Schüler des Rabbi Mendel Rosenbaum - das
Andenken an den Gerechten ist zum Segen - wurde und dann nach
Würzburg zu Rabbi Seligmann Bär Bamberger - das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen - , um zu gleicher Zeit die Universität zu
besuchen. Dann ging er nach Berlin und wurde Schüler von Rabbi Jsrael
Hildesheimer - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Nach
beendigtem Studium fand er eine Anstellung als Stiftsrabbiner an der Klaus
in Hannover, um nach wenigen Jahren als Lehrer an der Talmud-Tora-Schule
in Hamburg angestellt zu werden. Überall fand sein Wirken ob seines
lauteren, friedlichen Charakters, seiner echten, reinen Gottesfurcht,
seines feinen, würdigen Auftretens und wegen seines pädagogischen
Geschickes, das er in der Schule entfaltete, allgemeine Anerkennung
seitens seiner Lehrer und Schüler. Leider zwang ihn körperliches Leiden
seinen, ihm so lieb gewordenen Beruf, bald aufzugeben - und so siedelte
Rabbi Aron Berlinger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen
- vor 23 Jahren wieder in seine Heimat über, um daselbst in seiner
stillen Klause sich ganz der Tora, Aboda (Gottesdienst) und dem
Gemilluschasodim (Wohltätigkeit) zu widmen. Bald genoss der stille
Gelehrte hier in in weiten Kreisen großes Ansehen, überall wurde er um
Entscheidungen in religiösen Fragen angegangen, denn Tag und Nacht
forschte er in der Tora, früh und spät fand man ihn, wenn es ihm seine
körperlichen Kräfte erlaubten, in der Synagoge und die ausländischen
armen Talmide Chachomim (Gelehrten) fanden bei ihm stets freudige Aufnahme
und Unterstützung. Besonders förderte er auch die Interessen unserer
armen Brüder in Palästina. Am Eingange zum Friedhof widmeten der
Neffe, Herr Rabbiner Dr. Berlinger, Hall, Herr Gutmann aus der
Nachbargemeinde Olnhausen, Herr
Rabbiner Dr. Kahn, Mergentheim, dem
Dahingegangenen innige und herzliche Worte der Wehmut, des Schmerzes und
treuen Gedenkens.
Am Grab fanden Lehrer Wißmann, Künzelsau,
Kaufmann Aron Berlinger, Berlichingen und insbesondere Lehrer M.
Berlinger, die geeigneten Worte, nochmals das wahrhaft edle und fromme
Leben des Verklärten durch verschiedene Stellen aus Tora und Midrasch zu
beleuchten und den Verlust, den die Familie, Gemeinde und die Gesamtheit
erlitten hat, zu schildern. Das Andenken an den Gerechten ist zum
Segen." |
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1877
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1877: "Berlichingen,
Oberamt Künzelsau, Württemberg.
Die hiesige Religionslehrer- und Vorsängerstelle soll sofort besetzt
werden. Der Gehalt beträgt Mark 936 fix und ca. Mark 400 Nebeneinkünfte,
sowie freie Wohnung; auch hat ein befähigter Bewerber Aussicht, das
Schächteramt, welches ca. Mark 300 einträgt, zu erwerben. Bewerber
wollen sich alsbald, längstens bis 1. Januar 1878, bei unterzeichneter
Stelle, unter Vorlage ihrer Zeugnisse, melden. Polen und Russen werden
nicht berücksichtigt.
Israelitische Kirchenvorsteheramt Berlichingen." |
Aus
dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
"Skandal" in Berlichingen - Der Bezirksrabbiner
aus Mergentheim raucht am Schabbat eine Zigarre (1890)
Anmerkung: Der Bericht ist aus der konservativen, orthodox-jüdischen
Zeitschrift "Der Israelit" entnommen.
Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1890: "Aus
Württemberg, im Juni. Unsere Tagespresse beschäftigt sich gegenwärtig
in mehrfachen Kundgebungen mit Vorkommnissen in jüdischen Kreisen. Von
der Tauber wurde berichtet, der Bezirksrabbiner von Mergentheim habe auf
einer amtlichen Turnusreise zur Abhaltung des Sabbatgottesdienstes in
Berlichingen sich einer Sabbatentweihung zuschulden kommen lassen; er soll
nämlich von zwei dortigen Israeliten am Sabbat betroffen worden sein, wie
er eine Zigarre schmauchte. Eine Versammlung von Notabeln aus dem Bezirke
Mergentheim beschloss, gegen den Bezirksrabbiner bei der Königlichen israelitischen
Oberkirchenbehörde im Beschwerdewege vorzugehen und hat eine Deputation
an dieselbe nach Stuttgart entsendet. Die Sache erregt auch in
nichtjüdischen Kreisen Aufsehen, und man ist auf das Vorgehen der
Zentralbehörde gespannt.
(Anmerkung der Redaktion. Obschon uns diese Nachricht schon vor Wochen von
verschiedenen Seiten zugegangen, unterließen wir in Anbetracht der
überaus schweren Anklage eine Veröffentlichung derselben. Da aber
nunmehr die Sache durch alle jüdischen und viele nichtjüdische Blätter
gegangen, ohne dass von Seiten des Beschuldigten eine Entgegnung bekannt
geworden, stehen auch wir nicht mehr an, dieselbe unseren Lesern mit dem
Ausdruck unseres tiefsten Bedauerns über diesen großen Chilul Haschem
(Gotteslästerung) mitzuteilen". |
Gründung einer Ortsgruppe des "Verbandes der
Sabbatfreunde" (1907)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1907:
"Berlichingen (Württemberg), 4. März (1907). Nach einem
eindrucksvollen und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag des Herrn
Paul M. Aron aus Stuttgart konstituierte sich auch in hiesiger Gemeinde
eine Ortsgruppe des 'Verbandes des Sabbatfreunde', welcher fast sämtliche
Gemeindemitglieder beitraten. Auch in der Nachbargemeinde Olnhausen
gelang es den Bemühungen des Herrn Aron, eine Ortsgruppe ins Leben zu
rufen. Mögen beide Zweigvereine den bei der Gründung in sie gesetzten
Hoffnungen gerecht werden und auch ihr Scherflein beitragen, dass dem
immer mehr um sich greifenden Sabbatschändung durch zielbewusste Bekämpfung
wirksam entgegengearbeitet werden kann." |
Generalversammlung der Israelitischen Frauenvereins
(1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1907: "Berlichingen,
9. Dezember (1907). Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige
Frauenverein Chewrat Naschim unter zahlreicher Beteiligung seine
Generalversammlung ab. Die Präsidentin Frau S. Gottlieb erstattete
den Kassenbericht. Herr Lehrer Strauß beleuchtete hierauf in
kurzer Rede die Bedeutung und Ziele der israelitischen Frauenvereine im
allgemeinen und schloss mit einem warmen Appell an die Anwesenden, getreu
den Prinzipien des Vereins, zur Unterstützung Hilfsbedürftiger stets
bereit zu sein. Einige Damen veranstalteten schließlich eine Sammlung
zugunsten der notleidenden Juden in Palästina, die einen ansehnlichen
Betrag ergab." |
Aus dem Ersten Weltkrieg (1914)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. September
1914: "Stuttgart. Eine jüdische Familie in Berlichingen hat
fünf Söhne im Feld." |
Einladungen für die jüdische Jugend nach Berlichingen
(1937 / 1938!)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1937: "Fröhliche
Ferien im Gebirge. Berlichingen im herrlichen Jagsttal. Spiel, kleine
Wanderungen - erstklassige Verpflegung, mäßiger Pensionspreis. (Kinder
von 6 bis 14 Jahre). Wer kommt mit? Deka. D. Katz, Lehrer,
Frankfurt am Main, Oberer Atzemer 9 I." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1938: "Fröhliche
Ferien im Gebirge. Berlichingen im herrlichen Jagsttal. Spiel, kleine
Wanderungen, erstklassige Verpflegung, mäßiger Pensionspreis (Kinder von
6 bis 15 Jahre).
Wer kommt wieder mit? Deka. D. Katz, Lehrer, Frankfurt am Main.
Oberer Atzemer 9, I." |
Aufenthalt in der jüdischen Jugendherberge in Berlichingen (Sommer 1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1937: "Berlichingen
im herrlichen Jagsttal. Ihr werdet Euch sicher noch an den Aufruf
unseres lieben Deka in einer der letzten Nummern erinnern, in dem er Euch
auffordert, mit ihm nach Berlichingen im herrlichen Jagsttal zu reisen. -
Mein liebe Vater (Rabbiner Dr. Alexander) und ich verbrachten unsere
Ferien auch in Berlichingen und lernten dort Herr Katz kennen. Wir haben
mit noch anderen Gästen eine so herrliche Zeit verbracht, dass ich mich
veranlasst fühle, hier in Eurem Blatte einiges von dem, was wir erlebten,
wiederzugeben.
Foto: Auf der Wiese unseres Wirtes.
Berlichingen ist ein Dorf wie alle Dörfer: klein, mit kleinen, höchstens
zweistöckigen Häusern. Vor fast jedem Haus befindet sich ein schöner
großer Misthaufen; neben beinahe jedem Haus ist ein Stall mit Kühen oder
Pferden sowie Geißen. In der Mitte des Dorfes ist die Kirche; um zu
unterscheiden wie beim israelitischen Lager in der Wüste: in der
Mitte aller Zelte stand das Stiftszelt. - In Berlichingen gibt es
außer einem 'Cafè' und einigen Gastwirtschaften auch eine von der Aguda
sehr fein eingerichtete Jüdische Jugendherberge. Da die Umgegend
Berlichingens wundervoll ist, ist solch eine Herberge wirklich am Platze.
- Die älteren unter Euch werden nun fragen: 'Hat der Name 'Berlichingen'
etwas mit dem von Goethe beschriebenen 'Götz von Berlichingen' zu
tun?' O, ja. Denn dieser Ritter Götz hatte hier sein Stammschloss,
so dass später der um dieses Schloss entstandene Ort nach dessen
Besitzern 'Berlichingen' genannt wurde. Auch die Familie Berlinger erhielt
ihren Namen nach diesem Ort. Etwa 2 km von Berlichingen entfernt war der
eigentliche Wohnsitz des Götz, das Schloss Jagsthausen, und 2 km nach der
anderen Seite von Berlichingen liegt Götz begraben. Während das Schloss
in Jagsthausen ein prächtiger Bau ist, dem man das Schloss ansieht, und
in dem heute noch ein Freiherr von Berlichingen wohnt, sieht das Schloss
in Berlichingen wie ein größeres Bauernhaus aus, das ein Fremder nie als
die Stammburg der großen 'Berlichinger' erkennen würde, wenn die
Einheimischen es ihm nicht sagten. In Jagsthausen wird übrigens in einem
kleinen Museum oder, wie die Leute dort sagen, Archiv, unter anderem die
berühmte 'Eiserne Hand' des Götz gezeigt. - Die Stätte, wo Götz
begraben liegt, ist das Kloster Schöntal. Dieses Kloster besteht heute
aus einer katholischen Kirche und einem evangelischen Priesterseminar.
Für uns Juden ist folgendes interessant: Über dem Portal der
Klosterkirche steht in großen, goldenen, hebräischen Buchstaben, sogar
mit Vokalen (punktiert), der |
unaussprechliche
Gottesname. Gibt es für jüdische Menschen einen größeren
Stolz, als dass man den ihnen so heiligen Namen zur Zierde und zur
Krönung nichtjüdischer Gotteshäuser nimmt?
So habt Ihr einiges über die historisch-wertvollen Orte um Berlichingen
herum erfahren.
Nun zur Bevölkerung. Die meisten Nichtjuden sind Bauern: schlichte,
einfache und außerordentlich gemütliche Menschen. Von diesen
unterscheidet sich die jüdische Bevölkerung kaum. Die Berlichinger Juden
sind sämtlichst Viehhändler. Unser Wirt ist auch gleichzeitig Metzger
und hat eine Gastwirtschaft. Man kann von ihm sagen: wie sein Name ist
er (er heißt nämlich Metzger). Aber sowohl er, wie seine Familie und
die anderen jüdischen Einwohner sind nette, gastfreundliche, fromme
Menschen. Keiner von ihnen ist einer, der den Sabbat entweiht. Sie
waren sehr erfreut, dass sie durch uns Minjan hatten (d.h. 10
religionsmündige Männer zum Gottesdienst). Die Andachten waren für mich
sehr interessant; denn ich habe viele Gebräuche kennen gelernt.
Am Schabbat Chason hielt mein Vater einen Lehrvortrag, dem alle,
Männer und Frauen, sehr interessiert zuhörten.
Eine halbe Stunde vom Orte entfernt liegt friedlich und ruhig am
Waldesrand der jüdische Friedhof. Vor mehr als 300 Jahren bekam die
Gemeinde dieses Feld (5 Morgen groß) und den Platz, auf dem die Synagoge
steht, vom Ritter 'Götz von Berlichingen' zum Geschenk.
Berlichingen - ich sehne mich nach deinen Weinbergen, nach deinen
Wäldern! Nach deinen Familien, die ich grüße aus der Ferne mit dem
Wunsche einer guten Einschreibung und Besiegelung! (= gute
Neujahrswünsche).
Eduard Alexander, Berlin." |
Berichte
zu einzelnen Personen/Familien aus der Gemeinde
Beziehungen der Familie Berlinger zu Sabbataj ben Meir
HaKohen (Artikel von 1867)
Bei dem im Artikel genannten "Schach" bzw. SchaCH handelt
es sich um den großen Gelehrten Sabbataj ben Meir HaKohen, geb. 1621 in
Wilna, gest. 1662 in Holleschau (Mähren). Von ihm erschien 1647 in Krakau das
Werk 'Sifte Kohen', ein bekannter Kommentar zum zweiten Teil des 'Schulchan
Aruch'. Bei den Judenverfolgungen unter Chmielnicki floh er aus seiner Heimat
und wurde Rabbiner in Dresin und Holleschau, wo er in der Folgezeit zahlreiche
halachische Werke schrieb. Bei dem unten genannten Werk Oruch Mischach
handelt es sich um das 'Sefer haaruch mi-SchaCH'.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1867:
"Aus Unterfranken. Am Schlusse der in diesen geschätzten
Blättern in mehreren Nummern fortgesetzten Erzählung 'des Königs Eidam'
sind mehrere Städte in weiter Ferne genannt, in denen sich noch
Sprößlinge aus der Familie des Schach befinden.
Nun wird es gewiss den verehrlichen Lesern dieser Blätter von Interesse
sein, zu erfahren, dass auch unsere Nähe noch würdige Abkömmlinge des
großen Gesetzeslehrers Schach aufzuweisen hat, und zwar in den Familien
der berühmten Gelehrten Rabbi Hirsch Berlinger zu Berlichingen und Rabbi
Josef Ahron Ellinger zu Niederstetten,
und entnehmen wir den desfallsigen Stammbaum dem Werke Oruch Mischach Teil
I.
Der Schach hatte noch einen Schwiegersohn namens Rabbi Ahron, Rabbiner zu
Luntschitz. Dieser hatte einen Sohn namens Rabbi Mosche, welcher der Vater
des Rabbi Ahron, des Verfassers der Hagohas Minchas Ahron (Erläuterung zu
genanntem Oruch Mischach), und welch' letzerer Rosch beth Din zu Berlin
war. Dieser Rabbi Ahron zeugte mehrere berühmte Söhne, von denen der
Eine, namens Rabbi Elieser Dajan zu Mainbernheim
war. Ein Sohn des Rabbi Elieser war Rabbi Moscheh, Rabbiner zu Trier,
dessen Tochter mit Rabbi Hirsch Berlinger verehelicht ist. Die Frau des
Rabbi Hirsch und dessen Kinder sind also aus der Familie des Schach. Die
Mutter des genannten Rabbi Josef Ahron Ellinger war eine Tochter des
erwähnten Rabbi Elieser; sohin gehörte auch dieser ehrwürdige Mann und
seine Kinder diesem Stamme an.
Höchst wichtig wird noch Folgendes zu erfahren sein. Es erschien nämlich
von Schach's Werken Oruch Mischach nur der erste Teil im Drucke. Rabbi
Hirsch Berlinger besitzt nun noch ein Manuskript genannten Werkes, das
zwar nicht auf den ganzen Joreh Deah, doch auf einen größten Teil
desselben sich erstreckt. - Vielleicht findet sich ein entsprechender
Verleger hiezu, und wird sich Rabbi Hirsch Berlinger vermutlich mit
Vergnügen bereit erklären, eine Abschrift dieses Manuskriptes zum Behufe
des Druckes desselben abzugeben. A." |
Zum Tod von Julius Landauer (1870)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1870: "Nekrolog.
Berlichingen, ('Württemberg) im Schebat.
Wir haben vergangene Woche einen Mann zu Grabe geleitet, dessen Andenken
allen denen teuer sein wird, die ihn näher gekannt, und sein Streben zu
würdigen in die Lage gesetzt waren:
Julius Hanauer wurde plötzlich nach zweitägigem Krankenlager unserer
Mitte entrissen, nachdem er 15 Jahre hier segensreich als Vorsteher
wirkte. An ihm verliert die Familie einen liebevollen Gatten und Vater,
die jüdische Gemeinde einen gewissenhaften Annehmer, die Gesellschaft
einen braven, treuen Bürger.
Acht Tage vor seinem Tode feierte er seinen 62. Geburtstag.
Wie herzensvergnügt war er noch vergangenen Sommer, als er, begleitet von
seinen Kollegen, zur Delegiertenwahl nach Mergentheim beschieden wurde, so
einstimmig Herr Stern aus Würzburg, ein Mann nach dem Sinne und Geiste
des Dahingeschiedenen gewählt, und kurz vor seinem Hinscheiden vernahm er
noch durch den 'Israelit' die ritterlichen Kämpfe, welche seine
Gesinnungsgenossen für das alte Judentum kämpften.
Noch einige Tage und der unerbittliche Tod stellte sich ein.
Willenskräftig wie wenige, war ihm kein Opfer zu groß, wenn es galt,
seiner Familie eine Freude zu bereiten.
Er war aber nicht nur Vater der Seinigen, sondern auch Vater der Armen. Wo
es galt, Hilfsbedürftige zu unterstützen, Trauernde zu trösten,
Notleidenden zu helfen, war er bereit, und nie glaubte er, darin genug
getan zu haben; in ihm verlieren viele einen freundlichen Helfer, einen
treuen Ratgeber. Ohne Ansehen der Personen führte er sein Amt streng
rechtlich. 'Oheb Schalom, werodeb Scholem' (er hat den Frieden
geliebt und ist dem Frieden nachgestrebt'). 'Suchet den Frieden und
erstrebet ihn', waren seine letzten Worte, und diese werden in unser aller
Herzen einen Wiederklang finden. Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens." |
Lehrer Samuel Strauß von Berlichingen kommt nach Sulzburg (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember
1905: "Karlsruhe: "Das neueste Verordnungsblatt des
Großherzoglichen Oberrates der Israeliten meldet folgende Veränderungen
in der Besetzung der Religionsschullehrerstellen: Jakob Lewin seither in Lorsch
nach Randegg, Sally Rosenfelder in Eubigheim
nach Buchen, Nathan Adler von Külsheim
nach Eubigheim, Kantor Simon Metzger
von Sulzburg nach Bretten,
Samuel Strauß von Berlichingen nach Sulzburg,
Jakob Schloß von Talheim nach Malsch
bei Ettlingen. Auf Ansuchen wurden von ihren Stellen enthoben: Kantor
Weiß in Gailingen und
Religionslehrer Jakob Lorch in Untergrombach,
letzterer behufs Übernahme der Verwalterstelle der M.A. d.
Rothschild'schen Lungenheilstätte in Nordrach." |
Zum Tod von Hirsch Gotthilf (1907)
Anmerkung: zur Person von Hirsch Gotthilf siehe mehr unten zur
Synagogengeschichte - Bericht von 1898.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1907: "Würzburg,
7. Februar (1907). Am 2. Februar schied hier Herr Hirsch Gotthilf, ein
durch seine edle Gesinnung allgemein geschätzter Mann, aus dem Leben. In
dem württembergischen Orte Berlichingen geboren, der von jeher als eine
Pflanzstätte wahrer Frömmigkeit galt, hat der Verewigte die ihm im
Elternhause anerzogenen Tugenden sein Leben lang in schönster Weise
betätigt. Ihn leitete stets der Grundsatz, den von Gott verliehenen
Wohlstand dadurch zu adeln, dass er den edelsten Gebrauch davon machte.
Auf (hebräisch und deutsch:) die schöne Ausführung der Gebote pflegte
der Verblichene den größten Wert zu legen. Keinem gemeinnützigen oder
wohltätigen Werke hat er seine Mitwirkung und Förderung versagt.
Unausgesetzt suchte er allenthalben Not und Elend zu lindern, manchem
strebsamen Talente, das durch Mittellosigkeit zu verkümmern drohte, half
er empor. In den Worten, die Herr Distriktsrabbiner vor zahlreicher
Trauerversammlung an der Bahre Gotthilfs sprach, fand das segensreiche
Wirken, das er im Leben entfaltete, anerkennenden Ausdruck. Seine Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Adolf Hanauer (1924)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1924:
"Berlichingen, 5. November (1924). Eine schmerzliche Lücke
wurde der hiesigen Gemeinde durch den Heimgang des Herrn Adolf Hanauer,
der Simchas Thora unter großer Anteilnahme zur Beisetzung gebracht
wurde. Aus frommem Hause stammend, hielt der Verblichene treu an der
Tradition fest. Er gehörte zu den wenigen hier, der - war der Vorbeter
verhindert, als ehrenamtlicher Vorbeter fungieren konnte und wie
oft vertrat er dieses Amt mit Würde. Er war ein selten edler Charakter,
welcher mit allen guten Gaben ausgestattet war. So passen auf den
Entschlafenen all die herrlichen Worte, die Herr Lehrer Schloß in so
trefflicher Weise an seiner Bahre erläuterte. Selten gibt es einen
besseren Familienvater und reelleren Geschäftsmann, als es Herr Hanauer
war. Möge sein Verdienst seinen Lieben beistehen und Gott
der schwergeprüften Gattin und den Töchtern Trost spenden. Amen." |
Zum Tod von Feodor Roberg (1933)
Anmerkung: der Kaufmann Feodor Roberg war verheiratet mit
Ernestine geb. Hanauer. Die beiden hatten zwei Söhne, die Lehrer wurden:
Alexander (Alex) Roberg (geb. 2. April 1914 in Berlichingen, nach dem Examen an
der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg Lehrer in Niederstetten und
Stuttgart; nach seiner Emigration war er Leiter der United Hebrew Schools in
Detroit sowie Executive Director der Congregation Gemilluth Chassodim Detroit;
gest. 22. Februar 1998) und der im Text unten genannte Julius Roberg (Lehrer
in Würzburg; zu ihm Weiteres bei der Verlobungsanzeige unten von 1934).
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1933: "Berlichingen
(Württemberg), 7. Mai (1933). Nach kurzem, schwerem Krankenlager verstarb
im Alter von 60 Jahren im Heilbronner Krankenhaus Feodor Roberg.
Mit dem Hinscheiden dieses aufrichtigen Jehudi wurde die Gemeinde um eine
ihrer stärksten Säulen beraubt. Die Familie klagt um den stets sorgenden
Familienvater. Er war bestrebt, sich ohne Rücksicht auf Opfer an Zeit und
Geld noch in späteren Jahren Torawissen stets und ständig anzueignen.
Und seine Tauroh (Tora) führte zur Tat, sodass seine genaue
Beobachtung der Gebote geradezu staunenswert war. Als Vorbeter und
Schochet waltete er für seine Gemeinde, und war jederzeit mit Rat und Tat
zur Stelle. Wohltätigkeit und Gastfreundschaft waren in seinem Hause
Selbstverständlichkeiten. - Bei der Beerdigung kam die Beliebtheit, die
sich der Verstorbene auch in weiten, nichtjüdischen Kreisen erwarb, zum
sichtbaren Ausdruck. Seine Persönlichkeit wurde von Lehrer Flamm, Heilbronn,
sowie von einem Bruder des Heimgegangenen, von Lehrer Berlinger, Hörstein
und Herrn Aron Berlinger, Berlichingen in treffenden Worten gezeichnet. Am
Grabe dankte ein Sohn, Lehrer Roberg, Würzburg,
dem teuren Vater für seine Liebe und gelobte, in dessen Sinne
weiterzuwirken. Möge der Geist des Verewigten in seiner Gattin und den
Kindern weiterleben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod von Menki Berlinger (1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 3. Januar 1935: "München, 31. Dezember (1934). Vor kurzem
wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der sich weit über den Kreis
seiner engeren Gemeinde hinaus allgemeiner Achtung erfreute. Menki
Berlinger zeichnete sich durch lauteren Charakter, leutseliges Wesen und
tiefe Frömmigkeit aus. Mit allen Fasern seines Herzens war er bestrebt,
jede einzelne religiöse Vorschrift im Leben zu betätigen. Seinen
Mitmenschen durch Rat beizustehen, betrachtete er als eine seiner
vornehmsten Aufgaben. Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu zeichnete in seiner
Trauerrede in packenden Worten das Lebensbild des Heimgegangenen. Die
großen Verdienste, die der Verstorbene sich erworben hat, hervorhebend,
wies er auf den großen Verlust hin, den die Familie sowohl als auch die
Gemeinde erlitten hat. Tief ergriffen war die außergewöhnlich starke
Trauerversammlung, als Herr Rabbiner den von tiefinnerster Frömmigkeit
zeugenden Abschiedsbrief verlas, den der Verstorbene an seine Gattin, an
seinen einzigen in Erez Jisrael wohnenden Sohn und an seine treuen
Geschwister richtete. - Im Namen des 'Reichsbundes Jüdischer
Frontsoldaten' ergriff dessen Vorsitzender, Herr Dr. Bretzfelder, das
Wort, um dem treuen Bundesbruder und aufrichtigen Kameraden Worte warmen
Gedenkens nachzurufen. Nach ihm nahm der Bruder des Verstorbenen, Herr
Oberlehrer a.D. Moses Berlinger, Trier,
im Namen der zahlreichen Verwandten von dem Heimgegangenen Abschied. Seine
Seele sein eingebunden in den Bund des Lebens." |
85. Geburtstag von Kela Metzger geb. Kaufmann (1935)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
1. August 1935: "Berlichingen, 18. Juli (1935). Frau Kela
Metzger geb. Kaufmann von hier, beendet am 10. August dieses Jahres ihr
85. Lebensjahr in noch guter körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Sie
ist das älteste Mitglied der hiesigen Gesamtgemeinde. Wir wünschen der
Greisin einen weiteren frohen Lebensabend. (Alels Gute) bis 100 Jahre."
|
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von L. Berlinger (1904)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. Januar 1904: "Feinsten Steppen-Rahmkäse empfiehlt
L. Berlinger, Berlichingen (Württemberg).
Preis bei Abnahme von 9 Pfd. Mark 1.- per Pfund.
Referenz für Kascherut: Seiner Ehrwürden Herr Distriktsrabbiner
Bamberger, Würzburg. - Vertreter für Bayern: Jacob Berlinger,
Würzburg, Domerpfarrgasse.
Wiederverkäufer Vorzugspreise." |
Verlobungs- und Heiratsanzeige von Schefa Berlinger und Jakob Lurie
(1929/30)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1929: "Gott
sei gepriesen.
Schefa Berlinger - Jakob Lurie.
Verlobte.
Berlichingen / Württemberg - Lodz -, Frankfurt am Main, Obermainanlage 20
p.
23. Ijar 5689 - 2. Juni 1929." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1930:
"Statt Karten
Jacob Lurie - Schefa Lurie geb. Berlinger.
Vermählte. Frankfurt-Main - Berlichingen.
Trauung: Sonntag, den 12. Tewet 5690 1 Uhr, Schwäbisch Hall, Hotel
Pfeifer.
Ablösungs-Telegramme: zu Gunsten der
Palästina-Zentrale." |
Verlobungsanzeige von Gretel Hirschheimer und Wolf (Seev) Berlinger (1934)
Anmerkung: Gretel (Margarete, Margalit) Hirschheimer ist am 12. August 1912
in Lehrensteinsfeld als Sohn des
Viehhändlers Wolf Hirschheimer und der Sofie geb. Henle geboren. Sie ließ sich
1929 bis 1932 an der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg zur Lehrerin ausbilden. Sie verlobte sich
1934 mit Wolf (Seev) Berlinger (geb. 31. Januar 1909 in Berlichingen als Sohn
von Aron Berlinger und der Betty geb. Sulzbacher). Berlinger hatte verschiedene
Lehrerstellen inne, u.a. in Freudental.
1938 sind die beiden nach Palästina ausgewandert, später studierten beide noch
an der Columbia University New York. Nach Rückkehr nach Israel arbeitete
Margalit Berlinger als Beraterin für die Erziehung begabter Kinder in Israel;
Seev Berlinger als Lehrer für Naturwissenschaft und Aufsichtsbeamter für die
naturwissenschaftliche Erziehung.
Angaben nach Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden S.
86-87.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1934:
"Statt Karten - Gepriesen sei Gott.
Gretel Hirschheimer - Wolf Berlinger. Verlobte.
Lehrensteinsfeld -
Stuttgart, Hospitalstraße 36 / Berlichingen.
Schabbat Chaje Sara." (= Schabbat, 3. November
1934) |
Verlobungsanzeige von Julius Roberg und Hannchen Berlinger (1934)
Anmerkung: Julius Roberg ist als Sohn von Feodor Roberg (siehe oben Bericht
zu seinem Tod 1933) und Ernestine geb. Hanauer am 23. April 1907 in Berlichingen
geboren. Er besuchte die Volksschule in Berlichingen, 1921-24 die Israelitische
Präparandenschule in Höchberg,
danach die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg.
Er war nach 1927 Volksschullehrer in Höchberg, dann Aushilfslehrer in Thüngen.
Nach seinem Staatsexamen unterrichtete er bis 1938 an der Jüdischen Volksschule
in Würzburg. Beim Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und für mehrere
Wochen in das KZ Dachau verschleppt. Im Februar 1939 konnte er mit Frau Hannchen
geb. Berlinger (geb. 7. Oktober 1897 in Berlichingen) nach London emigrieren. Er
war zuletzt Leiter der Broughton Jewish Primary School (1976 400 Schüler),
ausgezeichnet mit dem Moreinu-Titel (Rabbiner). 1982 lebte er im Ruhestand in
London; seine Frau Hannchen ist bereits 1976 in London gestorben. Sohn Nathan
(geb. 1939, lebte 1982 in Jerusalem). Angaben nach Strätz Biographisches
Handbuch Würzburger Juden S. 464.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1934:
"Gott sei gepriesen.
Hannchen Berlinger - Julius Roberg. Verlobte.
Chust C.S.R. / Berlichingen - Würzburg Franziskanerplatz 3,I
/ Berlichingen.
Marcheschwan 5695". |
Werbung für die rituell
geführte Gaststätte von Simon Metzger (1937)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1937: "Berlichingen
- Württemberg - im herrlichen Jagsttal. Gaststätte Simon Metzger.
Beste Verpflegung. Pensionspreis 4.50 Mark inklusive Bedienung.
Badegelegenheit. Ruhiger Ort. Auch während der Feiertage
geöffnet." |
Verlobungsanzeige von Friedel Roberg und Manfred Stern (Juni 1938)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1938:
"Friedel Roberg - Manfred Stern. Verlobte.
Schawuot 5698.
Berlichingen - Haifa, Bezalelstr. 28 / Brückenau
- Petach Tikwah, Nordaustr. 20". |
| Anmerkung: nach Strätz Biographisches
Handbuch Würzburger Juden lebte Friedel (Frieda) Stern geb. Roberg (geb.
1911) 1982 noch in Israel. |
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge
Im 18. Jahrhundert befand sich ein
Betsaal im Haus Nr. 150,
dem Haus der Familie Berlinger (Ecke Tränkweg/Mühlgasse, im oberen Stockwerk).
Dieses Gebäude war zunächst 1730 als Scheune erbaut und nach 1735 zu einem
Wohnhaus umgebaut worden. 1793 wurde das Gebäude an mehrere jüdische Familien
verkauft; ein Viertel kam an Rabbi Jacob Bär (Berlinger). Ein unter dem Dach
eingerichteter Betsaal wurde von der jüdischen Gemeinde gekauft. In diesem Raum
befanden sich noch in den 1920er Jahren teilweise gut erhaltene Schriften an den
Wänden, die wahrscheinlich mit der Nutzung als Betsaal in Verbindung standen.
1796 beschloss die jüdische Gemeinde, eine neue Synagoge
zu bauen. Dieser Plan konnte zunächst aus finanziellen Gründen nicht
verwirklicht werden. Auch war noch kein geeigneter Bauplatz vorhanden. Dieser
konnte schließlich in der Mühlgasse gefunden werden, wo ein abbruchreifes älteres
Wohnhaus stand. Die Finanzierung der neuen Synagoge sollte durch verschiedene
Abgaben und Umlagen gesichert werden: Aus Schlachtungen waren, je nach Größe
des Tieres, sechs, zwei oder ein Kreuzer zu entrichten; wer zur Messe nach
Frankfurt bzw. Fürth reiste, musste 1 Gulden 30 Kreuzer bzw. 1 Gulden zahlen;
wer sonstigen Handel betrieb, hatte 24 Kreuzer und jeder zur Tora Aufgerufene
einen Kreuzer zu spenden. Nur wenige Monate konnte dieses Abgabesystem durchgeführt
werde, dann musste sich der Gemeindevorstand etwas Neues einfallen lassen, da
viele Gemeindeglieder nicht einverstanden waren. Die neue Beitragsverordnung vom
Juli 1797 legte jährliche Beiträge der einzelnen Familien fest und Abgaben je
nach Höhe der Steuerabgaben u.a.m. Trotz aller Anstrengungen der Gemeinde
reicht das unter Opfern eingesammelte Kapital jedoch immer noch nicht aus, um
den Bau durchzuführen. Erst mit Hilfe eines Kredites durch Freifrau Charlotte
von Berlichingen in Höhe von 600 Gulden konnte die nötige Summe erbracht
werden, um 1805/06 den Bau der neuen Synagoge durchzuführen. Im Synagogengebäude
war auch eine Armenstube untergebracht, die später als Wohnung benutzt
wurde. An der Rückseite befand sich (der Jagst zu) das rituelle Bad.
Die Synagoge war in den 1890er Jahren in einen sehr
schlechten Zustand geraten. So beschloss die Gemeinde 1896 eine unvermeidlich
gewordene Renovierung des gesamten Gebäudes. Dabei wurden die Wände innen und
außen gestrichen, neue Böden verlegt, ein neues Gestühl für die Erwachsenen
und die Kinder angeschafft sowie diese, der Toraschrein und das Vorbeterpult mit
einem Anstrich versehen. Auch die Eingangstür musste gerichtet werden. Die
Arbeiten kosteten insgesamt etwa 2.700 Mark, von denen ein Teil durch den
Baufonds (208 Mark), freiwillige Beiträge (324 Mark) sowie einen staatlichen
Beitrag (200 Mark) zusammengebracht wurde. Für den restlichen Betrag wurde ein
Darlehen aufgenommen.
Spende eines Toraschrein-Vorhanges für die Synagoge durch Hirsch Gotthilf (1898)
Anmerkung: im nachstehenden Abschnitt wird Hermann (ursprünglich Hirsch)
Gotthilf genannt. Dieser ist am 21. Juli 1843 in Berlichingen geboren und am 2.
Februar 1907 in Würzburg gestorben. Er war seit 1868 verheiratet mit der am 14.
August 1844 in Oberdorf geborenen Helene geb. Gutmann (gest. 12. Oktober 1905 in
Würzburg). Seit 1877 war er in Würzburg, wo er aus kleinen Anfängen einer
Lumpenhandlung die Rohproduktengroßhandlung H. Gotthilf & Co.
aufbaute, die mit zeitweise bis zu 100 Beschäftigten um 1900 eine der größten
Firmen in Würzburg war.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1898: "Berlichingen,
9. Juni (1898). Unsere erst vor Kurzem restaurierte Synagoge wurde wieder
um einen schönen Schmuck bereichert. Herr Hirsch Gotthilf aus Würzburg,
welcher schon zur Reparatur einen erheblichen Geldbetrag gespendet hatte,
weilte mit seiner Gemahlin Helene am vergangenen Wochenfest (Schawuot)
in unserer Mitte und übergab ein prachtvolles Proches
(Toraschrein-Vorhang) aus blauem Samte, reich mit Gold gestickt im Wert
von 600 Mark. Für dieses herrliche Geschenk, womit die edlen Spender aufs
Neue ihre Anhänglichkeit und Opferwilligkeit für ihren Heimatort
bewiesen, sei auch an dieser Stelle der geziemende Dank ausgesprochen.
S.-s." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung
der Synagoge unter der Führung von SA-Leuten aus Schöntal und Neuhof
demoliert. Weitere SA-Leute und sonstige Nationalsozialisten aus Sindringen, Öhringen
und Berlichingen waren erschienen. Sie nahmen zunächst an der Linde in
Berlichingen Aufstellung, teils in Uniform, teils in Zivil. Bewaffnet mit Äxten,
Ochsenziemern und anderem Handwerkszeug marschierten sie zur Synagoge.
Die Straße wurde oben und unten abgesperrt. Die Synagogentüre wurde gewaltsam
geöffnet, das Innere völlig demoliert, die Torarollen auf die Straße gezerrt
und im Dreck liegen gelassen. Danach führten sie auf barbarische Weise in
verschiedenen jüdischen Häusern ihr Zerstörungswerk fort.
Das Synagogengebäude wurde nach 1939 abgebrochen. Das Grundstück
ist teilweise neu bebaut worden, teilweise ein Lagerplatz. Eine Gedenk- oder
Hinweistafel ist nicht vorhanden.
Auf
einer aus der Synagoge Berlichingen stammenden Gedenktafel im Heimatmuseum Künzelsau
(derzeit nicht geöffnet) findet sich auch der Name des im Ersten Weltkrieg gefallenen Wilhelm Metzger.
Standort der Synagoge: Mühlgasse (Link
zu den Google-Maps)
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: links aus S. Berlinger s. Lit. S. 82; Mitte aus Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S.
58; rechts SM Jerusalem)
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Haus Nr. 150 in Berlichingen (erbaut 1730), in dem im Dachgeschoss der
alte Betsaal der Gemeinde war (Bleistiftzeichnung um 1920) |
Die Synagoge in Berlichingen um 1930 |
Innenansicht mit Blick zur
Frauenempore |
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Foto nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Foto: Hahn) |
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Das ehemalige Synagogengrundstück - neu überbaut. Das Haus
im Hintergrund ist identisch mit dem beim historischen Foto (s.o.)
sichtbaren Haus (ehemaliges Haus Berlinger). |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.9.2003) |
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| Das ehemalige
Synagogengrundstück war im Bereich des Schuppens |
Das ehemalige Haus Nr. 150, in
dem sich im 18. Jahrhundert der Betsaal der Gemeinde befand |
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Fotos
2009:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.1.2010) |
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| Blick entlang der Mühlgasse;
mittig im Hintergrund das ehemalige Haus Berlinger |
Das Synagogengrundstück |
Ansicht des ehemaligen Hauses
Berlinger wie oben |
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Gefallenendenkmal
an der Kirche |
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Geschichtstafel
am Rathaus |
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Tafel zur
Geschichte Berlichingens mit Erwähnung von "Juden in
Berlichingen" und dem "Judenfriedhof"; Ereignisse in der
NS-Zeit wie die Zerstörung der Synagoge oder die Deportation der
jüdischen Einwohner bleiben leider unerwähnt. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 49-51. |
 | Heinrich Kühner: Das Ende der Berlichinger Judengemeinde, in: Schöntaler Heimatbuch. 1982.
S. 132-142. |
 | Esther Schwarz-Kaufmann: Eine Berlichingerin erzählt, in:
Feiertagsschrift 5724 (1963) S. 26-27. |
 | Fritz Elieser Bloch: Vor 45 Jahren in Berlichingen, in: Pessach 5723
(1963) S. 18. |
 | Simon Berlinger: Synagoge und Herrschaft: 400 Jahre jüdische
Landgemeinde Berlichingen. Sigmaringendorf 1991. |
 | Naftali Bar-Giora Bamberger: Die jüdischen Friedhöfe im
Hohenlohekreis. 2002. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Berlichingen
Wuerttemberg. The Jewish community, founded in 1632 by descendants of Jews
expelled from Spain, contributed to making the town a center of commercial life.
Jews dealt in sheep, cattle and fish, engaging in moneylending, and ran inns.
The population reached a peak of 249 in 1854 (total 1,524), with another 50 from
Bieringen attached to the community and 218
in neighboring Ernsbach (ultimately attached
as well when the population dwindled to two in 1925). Due to emigration, the
Jewish population of Berlichingen declined steadily, but after Worldwar I public
life intensified. A pioneer training farm, one of the first in Germany, was set
up on a nearby estate. In 1933, 68 Jews remained in Berlichingen. Anti-Jewish
propaganda intensified and Jewish commercial life increasingly suffered. The
synagogue was vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938) and later
dismantled. Out of 70 Jews remaining in 1939, 43 Jews saved themselves by
emigrating, mainly to Palestine, the United States and Switzerland; nearly all
the others died in the Holocaust.

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