Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hörstein (Stadt Alzenau, Landkreis Aschaffenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge  
  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version)

In Hörstein bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. 1789 werden 17 "Schutzjuden" genannt, 1794 21.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1867 116 jüdische Einwohner (10,6 % von insgesamt 1.098 Einwohnern), 1880 Höchstzahl von 137 (11,9 % von insgesamt 1.154), 1900 128 (10,7 % von 1.191), 1910 125 (8,5 % von 1.467). Die Mehrheit der jüdischen Einwohner lebte vom Handel (insbesondere Viehhandel) und von der Brotbäckerei. Einige Familien hatten Landwirtschaft im Nebenerwerb.
   
Im Zusammenhang mit der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden auf 35 Matrikelstellen folgende jüdische Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Michael Geradwohl (Kramhandel und dergleichen), Jacob Geradwohl (Lumpen- und Landesproduktenhandel), Herz Geradwohl (Ellenhandel und dergleichen; Matrikelstelle geht 1825 an Raphael Bär Weil), Löb (Koppel) Rothschild alt (Viehhandel), Raphael Appel (Viehhandel und Krämerei), Löb (Samuel) Rothschild jung (Viehhandel), Morche Joseph Löwenthal (Kram- und Viehhandel), Kusel (Samuel) Rothschild (Viehhandel), Daniel (Samuel) Rothschild (Viehhandel), Simon Reis (Krämerei), Löser Weiler (Krämerei), Süsel (Koppel) Rothschild (Viehhandel), Moses Hamburger (Viehschlachten), Löser Reis (Viehhandel), Herz Reis (Viehhandel), Seligmann Straus (Viehhandel), Witwe von Löser Westheimer Emmerich (Handarbeit, Taglohn, lebt von Unterstützung), Simon Tugut (Mäkler), Koppel Haas (allerlei Handel), Affrom (Abraham) Neu (Viehschlachten, ab 1820 auf dieser Stelle sein Sohn Simon Neu, Metzer), Jessel Lang (Mäkler), Maier Grünebaum (Lehrer, Vorsänger und Handel), Löw Grünebaum (Lichter und Seifenfabrikation, ab 1824), Raphael Löw Weil (Handel mit Gewütz, Ellen- und Eisenwaren, ab 1825), Löb Löwenthal (Weber, Leinen und Baumwollweberei, ab 1825).   
    
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Elementarschule (jüdische Volksschule, ab 1931 noch jüdische Privatvolksschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 48 Jahre lang war bis 1894 Isaak Wahler Lehrer in Hörstein (gestorben 1912 im Alter von 98 Jahren); sein Nachfolger im Amt war von 1894 bis 1931 sein Sohn Israel Wahler (Verfasser von "Schulgeschichtlichen Aufzeichnungen 1913-1931"). Die Gemeinde war orthodox geprägt und gehörte zum Bezirksrabbinat Aschaffenburg
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde der Gefreite Meier Rothschild (geb. 9.8.1889 in Hörstein, gef. 2.10.1914), Jakob Steinhäuser (geb. 29.8.1882 in Oberlauringen, gef. 5.9.1916), Emil Strauß (geb. 17.6.1893 in Hörstein, gef. 22.8.1914) und Unteroffizier Raphael Strauß (geb. 10.6.1885 in Hörstein, gef. 7.6.1917). Außerdem fiel der Gefreite Emil Rothschild (geb. 28.6.1898 in Hörstein, vor 1914 in Freudenberg am Main wohnhaft, gef. 8.11.1918).   
     
Um 1925, als noch 117 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (ca. 7,8 % von insgesamt etwa 1.500 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde: Moritz Rothschild, David Rothschild, R. Gradwohl, Samuel Rothschild und Julius Hamburger II. Lehrer der Gemeinde war der bereits genannte Hauptlehrer Israel Wahler. Dieser unterrichtete damals 14 Kinder an der Jüdischen Volksschule. Lehrer Wahler wechselte 1931 nach Bad Neustadt a.d. Saale. 1932 waren die Vorsteher weiterhin Moritz Rothschild (1. Vorsitzender), Wilhelm Rothschild (2. Vorsitzender). Als Lehrer war inzwischen Michael Berlinger angestellt. Dieser unterrichtete an der jüdischen Volksschule noch acht Kinder in vier Klassen. An jüdischen Vereinen gab es einen Israelitischer Wohltätigkeitsverein Gemilus Chesed (gegründet etwa 1830; Ziele: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattung). 
    
1933 lebten noch 98 jüdische Personen am Ort. Bereits in diesem Jahr kam es zu Übergriffen und schweren Misshandlungen von Juden durch die SS. Dadurch verließen zunehmend die Hörsteiner Juden den Ort. Anfang 1936 wurden auf dem jüdischen Friedhof 100 Grabsteine umgeworfen. Die nächste Friedhofschändung war im Januar 1937 (39 Steine umgeworfen, teilweise zerbrochen). Die letzten jüdischen Lehrer an der (seit 1931) privaten jüdischen Volksschule waren Joseph Galllinger und (ab Herbst 1936) Leopold Rose (siehe Mitteilungen unten).  Im Herbst 1938 wurden zu den Hohen Feiertagen die Fenster der Synagoge und der meisten jüdischen Häuser eingeworfen. Es kam zu weiteren Misshandlungen. 44 jüdische Einwohner konnten bis 1940 emigrieren, davon 21 in die Vereinigten Staaten; 46 verzogen in andere Städte in Deutschland, 35 davon nach Frankfurt.    
    
Von den in Hörstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Ludwig Emmerich (1895), Raphael Gradwohl (1867), Regina Gradwohl geb. Rothschild (1873), Adolf Moritz Hamburger (1875), Daniel Hamburger (1873), Julius Hamburger (1878), Julius Hamburger (1894), Mina Hamburger geb. Oppenheimer (1878), Nathan Hamburger (1871), Rita Hamburger (1920), Selma Hamburger geb. Hess (1884), Wolf Hamburger (1880), Sophie Heß geb. Hamburger (1869), Selma (Erna) Kanthal geb. Rotschild (1906), Else Levi geb. Rothschild (1895), Emanuel Löwenthal geb. Rotschild (1870), Eva Löwenthal (1881), Markus Löwenthal (1868), Sally Löwenthal (1872), Selma Neuhaus geb. Hamburger (1906), Ester Oppenheimer (1853), Markus (Max) Ring (1868), Paula Ring geb. Waller (1912), Else Rosenthal geb. Strauss (1912), Berta Rothschild (1909), Bertha Rothschild (1886), Daniel Rothschild (1881), Gustav Rothschild (1902), Hermann Rothschild (1885), Hermann Rothschild (1890), Isaak Rothschild (1878), Josef Rothschild (1853), Josef Rothschild (1891), Julius Rothschild (1888), Malli Rothschild (1892), Max Rothschild (1883), Max Rothschild (1887), Meta Rothschild (1904), Rosa Rothschild geb. Adler (1896), Salli Rothschild (1879), Samuel Rothschild (1875), Sarah Rothschild (1887), Selma Rothschild geb. Kleimann (1882). Siegfried Rothschild (1894), Berta Schubach geb. Rothschild (1886), Kathinka Sonneberg geb. Oppenheimer (1879), Mathilde Stern geb. Oppenheimer (1881), Leo Strauss (1887), Rafael Strauss (1875), Reni Paula Strauss (1917), Babette Strauß geb. Hamburger (1890), (1890), Klara Strauß (1895), Siegfried Strauß (1888), Amalie Stühler geb. Rothschild (1888), Selma Valk geb. Emmerich (1887), Israel Wahler (1875), Sigmund Wahler (1871), Ella Waller (1912).          
    
    
   
Aus dem Leben der jüdischen Gemeinde 

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
Lehrer Wahler sucht den Besitzer von gefundenen Tefillin (1900)    

Hoerstein Israelit 04101900.jpg (34608 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1900: "Vom Vorstand der Königlich Preußischen Bahnstation Dettingen wurden mir ein Paar Tefillin - sehr schön und groß - übergeben, welche im Wartesaal gefunden wurden. Wahrscheinlich hat sie ein russischer Wanderer, der am 18. und 19. September in Hörstein gewesen, dort liegen lassen. Eigentümer möge sich bei mir melden. Hörstein bei Aschaffenburg, 21. September. Israel Wahler, Lehrer". 

    
25-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Israel Wahler (1919)
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1919: "Hörstein. Lehrer Israel Wahler beging sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar übernahm nach überstandener Prüfung am Würzburger Seminar die hiesige Lehrerstelle, die sein Vater 48 Jahre innehatte, der im gesegneten Alter von 98 Jahren vor kurzem verstarb. Wie der Vater, so verstand es auch der Sohn, sich durch volle Hingebung zu seinem Berufe die Liebe der Gemeinde zu erringen. Gemeinde sowohl wie Schule hat er in jeder Weise zu heben verstanden. Ihm gelang es auch in inniger Zusammenarbeit mit unserem Vorsteher Raphael Rothschild, die Religionsschulstelle zu einer staatlichen Elementarlehrerstelle umzugestalten, ein modernes Schulhaus zu errichten und einen Umbau der Synagoge herbeizuführen."   


Oberlehrer Israel Wahler aus Hörstein kommt zum 1. April 1931 nach Bad Neustadt an der Saale

Neustadt Saale BayrGZ 15041931.jpg (14370 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. April 1931: "Personalia. Oberlehrer Wahler (Hörstein) wurde ab 1. April (1931) an die Volksschule Neustadt a.d. Saale versetzt. Die Volksschulstelle Hörstein wurde eingezogen, wird aber, wie wir hören, als Privatvolksschule weitergeführt."
   
Alzenau Israelit 30041931.jpg (115605 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1931: "Alzenau (Unterfranken), 25. April (1931). Nach 37jähriger Wirksamkeit in seinem Heimatorte Hörstein schied Herr Oberlehrer Israel Wahler von uns, um als Nachfolger seines allzu früh in die Ewigkeit berufenen Bruders die Volksschullehrerstelle in Neustadt a.S. anzutreten. Wenn man solange Zeit an einem Platze wirkt, erhält dieser das Gepräge seines Amtsinhabers. So ist es dem unermüdlichen, kraftvollen Schaffen des Scheidenden zu verdanken, wenn in Hörstein heute noch alle jüdischen Institutionen in bester Verfassung sich befinden. Er wirkte die Umwandlung der Religionsschule in einer Volksschule, sorgte für die Renovierung der Synagoge und Mikwoh und suchte, begünstigt durch eine glänzende Rednergabe, durch allsabbatliche Vorträge die Religiosität seiner Gemeinde zu heben. Sein pflichteifriges Wirken in der Schule war vorbildlich und wurde bei den Prüfungen auch von der Staatsbehörde anerkannt. Kein Wunder, dass Oberlehrer Wahler bei seinem Abschiede große Ehrungen zuteil wurden. Der Bezirkslehrerverein Alzenau hielt eine Abschiedskonferenz in Hörstein, um ihm eine besondere Freude zu bereiten. Der Konferenzleiter, Herr Hauptlehrer Rosel von Großwelzheim, hob in seiner Ansprache die großen Verdienste Wahlers hervor, die er sich durch Vorträge im Vereine, seine Anregungen bei den Debatten und durch fleißigen Besuch der Konferenzen im großen bayrischen Lehrervereine erwarb. Der Gesangverein in Hörstein, dessen Gründer und Ehrenmitglied Wahler war, brachte ihm ein Ständchen, und die Kultusgemeinde sowie die christlichen Kollegen und andere Freunde ehrten den Scheidenden durch prächtige Geschenke. Möge Herrn Oberlehrer Wahler in seinem neuen Wirkungskreise gleiche Anerkennung und gleicher Erfolg beschieden sein. Die besten Wünsche seiner zahlreichen Schüler und Freunde begleiten ihn."

  
Lehrer Josef Gallinger verlässt die Gemeinde - sein Nachfolger wird Lehrer Leopold Rose (Herbst 1936)   

Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Lehrer Josef Gallinger in Hörstein erhielt eine Lehrerstelle am Philanthropin in Frankfurt am Main. Schulamtsbewerber Leopold Rose in Oettingen, übernimmt die Stelle an der privaten Volksschule in Hörstein."  
 
Mitteilung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1936: Lehrer Leopold Rose, bisher in Oettingen, übernahm die private Volksschule in Hörstein."   

   
           
Aus dem jüdischen Gemeindeleben

Hoerstein Israelit 21091876.jpg (68722 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1876:  "Aufruf! Daniel Löb Strauß, Handelsmann in Hörstein, welcher sich mit dem Kälber-Handel ernährte, hatte das Unglück, dass er mehrere Monate schwer krank danieder lag. Als er wieder genesen war, wurden seine sämtlichen Kinder krank, und so hat er seine paar Gulden, welche er zum Handel braucht, verzehrt. Die kleine jüdische Gemeinde hat schon Alles aufgeboten, aber es reicht nicht. Demselben ist nun auch das Kapital auf sein Haus gekündigt worden. Alle Handels- und Geschäftsleute werden um milde Haben höflichst ersucht; und wenn nur 300 Mark zusammen kommen, ist dem armen Manne geholfen. Die Gaben können an der israelitischen Kultusvorstand Herrn J. M. Löwenthal zu Hörstein bei Aschaffenburg (Bayern) zugeschickt werden. Veröffentlichung in diesem Blätter. Vorstehendes beglaubigt der Wahrheit gemäß  Der Kultusvorstand J.M. Löwenthal".  

   
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde      
Zum Tod von Löb Grünebaum (1876)   

Hoerstein Israelit 07061876.jpg (43791 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1876: "Hörstein (Bayern). Wir beklagen den Verlust eines frommen und eines der edelsten Mitglieder unserer Gemeinde. Löb Grünebaum, Seifenfabrikant ist am 21. Nissan im 77. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abgerufen worden. Derselbe verdient es, dass sein Name veröffentlicht wird und der Nachwelt zum ehrenden Andenken bleibt. Er war ein echter Jehudi, übte das (Lernen der) Tora, den Gottesdienst und die Wohltätigkeit, studierte fast Tag und Nacht in der heiligen Lehre und belehrte auch andere darin. Möge Gott denselben belohnen in einer Welt, wo der Lohn ein wahrer ist."   

           
Goldene Hochzeit von David Oppenheimer und Esther geb. Rothschild (1924)  

Hoerstein Israelit 03071924.jpg (29775 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1924: "Hörstein bei Aschaffenburg, 1. Juli (1924): Das Ehepaar David Oppenheimer und Frau Esther geborene Rothschild feierten am Samstag, den 21. Juni, in körperlicher und geistiger Frische im Kreise ihrer Kinder und Enkel das Fest der Goldenen Hochzeit."    

    
80. Geburtstag von Esther Oppenheimer geb. Rothschild (1933)  

Hoerstein BayrGZ 15031933.jpg (25406 Byte) Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. März 1933: "80. Geburtstag. Am 17. März begeht Frau Esther Oppenheimer in Hörstein bei Aschaffenburg in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin ist wegen ihrer aufrichtigen Frömmigkeit und ihrer Mildtätigkeit, die sie besonders armen jüdischen Leuten gegenüber ausübt, überall geachtet und geehrt. Möge ihr noch ein langer und glücklicher Lebensabend im Kreise ihrer ganzen Familie beschieden sein!"  
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1933: "Hörstein, 7. März (1933). Am 17. März begeht Frau Esther Oppenheimer in Hörstein bei Aschaffenburg in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin ist wegen ihrer aufrichtigen Frömmigkeit und ihrer großen Mildtätigkeit, die sie besonders armen jüdischen Menschen gegenüber ausübt, überall geachtet und geehrt. Möge ihr noch ein langer und glücklicher Lebensabend im kreise ihrer ganzen Familie beschieden sein. (Alles Gute) bis 120 Jahre!". 

      
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeige der Bäckerei Mathes Gradwohl (1865)  

Hoerstein Israelit 22111865.jpg (14645 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1865: "Ein Bäckerlehrling wird zum sofortigen Eintritt gesucht von Mathes Gradwohl, Bäcker in Hörstein, Post Dettingen (Bayern)."  

   
Anzeige der Weinhandlung M. Grünebaum (1877)

Hoerstein Israelit 07021877.jpg (29467 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1877": "Hörsteiner Koscherer Wein Hörsteiner echten Rießling, empfiehlt Unterzeichneter auf Pessach in Flaschen und Gebinden, 1876er per Liter 1 Mark, 1874er per Liter 1 Mark 50 Pf., Rothen per Liter 1 Mark 50 Pf., mit der Versicherung, dass der Wein nur durch mich behandelt und abgekeltert wurde.  
M. Grünebaum in Hörstein bei Aschaffenburg."

    
Anzeigen des Gemischtwarengeschäftes Jos. Math. Löwenthal (1900 / 1901)    

Hoerstein Israelit 23081900.jpg (32266 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1900: "Suche für mein gemischtes Warengeschäft, Samstags und Feiertage geschlossen, einen Lehrling
Kost und Logis im Hause. 
Jos. Math. Löwenthal, Hörstein, Bayern."    
  
Hoerstein Israelit 31101900.jpg (33927 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1900: "Lehrling und ein angehender Commis gesucht. 
Mathias Löwenthal, Manufakturwaren-, Herren- und Knaben-Kleider-Fabrik- und Maß-Geschäft, Hörstein, Bayern."
    
Hoerstein Israelit 28031901.jpg (25863 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1901: "Lehrling gesucht. 
Mathias Löwenthal,
Manufaktur- und Herrenkleider-Geschäft, Hörstein, Bayern."      

   
Anzeige des gemischten Warengeschäftes von Jacob Rothschild I (1903)

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1903: "Suche für mein gemischtes Waren-Geschäft, samstags und Feiertage streng geschlossen, einen Lehrling
Jacob Rothschild I., Hörstein in Bayern."    

   
Lehrlingsstelle gesucht - Anzeige von Kusel Rothschild (1904)
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1904: "Lehrling sucht Stelle in Samstags geschlossenem Hause. Derselbe besuchte 3 Jahre die Handelsschule; Stellung in einer kleineren Stadt mit Kost und Logis im Hause gewünscht. Manufakturwarenbranche bevorzugt. Offerten an 
Kusel Rothschild, Hörstein bei Aschaffenburg
."   

      
Todesanzeige von Max Rothschild (1925)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1925: "Gestern starb in Düsseldorf nach kurzem, schweren Leiden mein geliebter Sohn, unser guter Bruder, Schwager, Onkel und Neffe 
Herr Max Rothschild
im Alter von 33 Jahren. 
Hörstein
/Bayern, Halberstadt, Oberseemen den 21. Juli 1925. 
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen
Jeanette Rothschild."   

   
Verlobungsanzeige von Nelli Löwenthal und Martin Lehmann (1928)

Hoerstein Israelit 29121927.jpg (24604 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1927: "Nelli Löwenthal - Martin Lehmann - Verlobte. Hörstein (Unterfranken) - Dieburg (Hessen) - Neujahr 1928."

         
Verlobungsanzeige von Feny Hahn und Willi Rothschild (1928)

Kuelsheim Israelit 09021928.jpg (27595 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1928: "Feny Hahn - Willi Rothschild. Verlobte. 
Külsheim (Baden) - Hörstein (Unterfranken)."     

               

   

          

Zur Geschichte der Synagoge 

Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war ein Betsaal beziehungsweise eine Synagoge vorhanden. 1824 musste die jüdische Gemeinde in Hörstein die Baufälligkeit ihres Bethauses feststellen. Im Hinblick auf einen notwendigen Neubau waren zu dieser Zeit schon 1.400 Gulden an Spenden gesammelt worden. Somit dürfte der Synagogenbau in den folgenden Jahren verwirklicht worden sein. Ein Bericht zur Einweihung und das genaue Datum der Einweihung ist nicht bekannt.
   
1909 wurde die Synagoge umfassend renoviert. Architekt war Adolf Scholl aus Aschaffenburg. Vom 3.-5. September 1909 waren die Einweihungsfeierlichkeiten. Die Einweihung und die Festpredigt übernahm Rabbiner Dr. Breuer aus Aschaffenburg. Die Zeitschrift "Der Israelit" berichtete in ihrer Ausgabe vom 23. September 1909 über das Ereignis:

Hoerstein Israelit 23091909.jpg (215906 Byte)Hörstein, 9. September (1909). Am 3.,4. und 5. dieses Monats fand dahier eine seltene Feier, die Einweihung der renovierten Synagoge statt, an welcher alle Ortsbürger regen Anteil nahmen. Die Häuser der Hauptstraßen hatten Festschmuck angelegt. Von nah und fern waren zahlreiche Festgäste erschienen, darunter der Herr Königlicher Bezirksamtmann und Herr Königlicher Geistlicher Rat und Dekan von Alzenau.
Nachmittags 3/4 4 bewegte sich der Festzug, an dem sich die ganze Kultusgemeinde, die Gemeinde- und Kirchenverwaltung, sämtliche Vereine und eine große Anzahl anderer Bürger Hörsteins, sowie die auswärtigen Festgäste beteiligten, von einem Musikchor, der Schuljugend und den Festdamen eröffnet, zur Wohnung des Herrn Kultusvorsteher Raphael Rothschild III., von wo die feierlich geschmückten Torarollen abgeholt und in die Synagoge getragen wurden. Vor dem Synagogeneingang hielt der Kultusvorsteher eine kleine Ansprache, in welcher er Herrn Lehrer Israel Wahler den Dank der Gemeinde zum Ausdruck brachte für die großen Verdienste, die sich dieser um die Renovierung erworben. Der Bezirksamtmann beglückwünschte nach einem vorgetragenen Prologe die Kultusgemeinde zu ihrem schönen Gotteshause, sprach seine Anerkennung über ihre Opferwilligkeit aus und übergab hierauf den Schlüssel Herrn Rabbiner Dr. Breuer - Aschaffenburg.
Herr Dr. Breuer ging in seiner meisterhaft durchgeführten Festpredigt von dem Psalmvers aus: "Kommt in seine Tore mit Dank, in seine Höfe mit Lob, danket und segnet seinen Namen!" und sprach über die Bedeutung des Gebetes.
Nach dem Festgottesdienst begaben sich alle Teilnehmer im Zuge zum Festbankett in die Gartenwirtschaft "Zum Ritter". Hier hielt Herr Lehrer Wahler eine längere Ansprache, in der er alle Anwesenden begrüßte und allen Mitarbeitern an dem Renovierungswerk, besondern dem verdienstvollen Leiter des Ganzen, Herrn Architekten Adolf Scholl in Aschaffenburg, dem Kultusvorstand und den zahlreichen Spendern den Dank der Gemeinde übermittelte. Herr Pfarrer Klement wies auf das harmonische Zusammenleben der hier wohnenden Konfessionen hin und beglückwünschte die Kultusgemeinde namens der katholischen Kirchengemeinde. Herr Lehrer B. Wechsler aus Alzenau überbrachte die Grüße und Glückwünsche unserer Nachbargemeinde. Herr Salli Löwenthal brachte einen Toast auf Herrn Lehrer Wahler aus.

Die Synagoge blieb Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens bis 1938. 
    
Der nationalsozialistische Terror richtete sich schon bald nach 1933 gegen die Hörsteiner Synagoge. Im Februar und Mai 1936 wurden die Fenster der Synagoge eingeworfen. Anfang Juni 1938 wurden - am Tage vor dem Wochenfest Schawuoth - die meisten Silberschmuckstücke der Torarollen gestohlen. Am Neujahrsfest 1938 (26. September) wurden wiederum die Fenster der Synagoge eingeworfen; in den Straßen wurde "Schneidet den Juden die Hälse ab!" gerufen. Da in der Synagoge kein Gottesdienst mehr abgehalten werden konnte, brachten die in Hörstein noch lebenden Juden eine Torarolle aus der Synagoge in ein Privathaus, um hier Gottesdienst abhalten zu können. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet, blieb jedoch insgesamt erhalten. Die Inneneinrichtung und die Ritualien wurden völlig vernichtet. Wenig später wurde sie von der Ortsverwaltung beschlagnahmt. 
  
Nach 1945 wurde das Gebäude zunächst als Feuerwehrhaus zweckentfremdet. 1982 wurde es abgebrochen. Das Grundstück wurde teilweise von einer Bäckerei überbaut. Die steinernen Gebotstafeln vom Giebel der Synagoge wurden gesichert und in das Heimatmuseum Alzenau verbracht.
    
Adresse/Standort der Synagogefrüheres Haus Nr. 37, heute Grundstück Hauptstraße 29.

Fotos

Die Synagoge in Hörstein 
(Quelle: www.hoerstein.info
Hoerstein Synagoge 110.jpg (30171 Byte) Hoerstein Synagoge 111.jpg (95048 Byte)
        Außenansicht Innenansicht
        
Die Gebotstafeln der
 ehemaligen Synagoge 
(Fotos: Gerhard Sittinger, Hörstein, www.hoerstein.info)
Hoerstein Gebotstafeln 010.jpg (62224 Byte) Hoerstein Gebotstafeln 011.jpg (63409 Byte)
Die Gebotstafeln der ehemaligen Synagoge in Hörstein, die in den Giebel der Außenwand eingemauert waren (heute im  Museum der Stadt Alzenau; rechts die dortige Erklärungstafel; Seite zum Museum auf www.alzenau.de). 
     
Aktuelle Fotos vom Synagogengrundstück usw. werden noch erstellt; über Zusendungen freut sich der Webmaster; 
Adresse auf der Eingangsseite

     
     

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Alzenau   
Website des Vereinsrings der Gemeinde Hörstein: www.hoerstein.info mit Seite zur jüdischen Geschichte / Synagoge
Informationen zum jüdischen Friedhof in Hörstein (interner Link)

Literatur:  

Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 468-469.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 323-324.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 67.
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 86.   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hoerstein  Lower Franconia. The community was founded in the mid-18th century. A synagogue was built around 1817. The Jewish population remained stable and even grew in the 19th century, numbering 128 in 1900 (total 1,191). In 1933, 98 remained, living in traditional religious life. Jews were beaten by the SS in 1933; the cemetery was desecrated in 1936 and 1937; and the windows of the synagogue and Jewish homes were smashed in September 1938. Most Jews left in 1938. In the 1935-40 period, 44 emigrated, including 21 to the United States, and 46 left for other German cities, including 35 for Frankfurt.   
     

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Februar 2010