Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zu den "Synagogen im Kreis Hersfeld-Rotenburg"    
   

Baumbach (Gemeinde Alheim, Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   
Hinweis: Von der früheren AG-Spurensuche an der Jakob-Grimm-Schule Rotenburg an der Fulda wurde unter Heinrich Nuhn eine Dokumentation "Juden in Baumbach um das Jahr 1930" erstellt: Link zu dieser Dokumentation.    
    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Baumbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1744 und 1776 wurden jeweils vier jüdische  Familien im Ort gezählt.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 40 jüdische Einwohner, 1861 77 (10,9 % von insgesamt 708 Einwohnern), 1871 71 (11,9 % von 595), 1885 78 (12,6 % von 620), 1895 79 (13,8 % von 572), 1905 73 (13,2 % von 554), 1910 66 (11,6 % von 568). Verbreitete jüdische Familiennamen waren in Baumbach u.a. Neuhaus, Wallach und Jaffa, wobei der letztgenannte Name auf eine sephardische Herkunft der Familie hinweist. Von der Familie Wallach waren vier Generationen Kleinbauern, ein Samuel Wallach nahm an den Freiheitskriegen 1813-14 teil, ein anderer Samuel Wallach war 1870-71 Soldat in der Kompanie des Jungen Leutnants Hindenburg (zu letzterem siehe Mitteilung von 1928 unten).      

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (1881-1932 öffentliche Israelitische Elementarschule / Jüdische Volksschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Erster jüdischer Elementarlehrer war Nathan Jaffa (1865 genannt, Quelle). Die Schule hatte 1871 13 Schüler, 1882 18, 1888 18, 1891 23, 1899 18, 1905 14, 1911 8, 1912 2 Schüler. Unter den jüdischen Familien bestand die Tendenz, die Kinder zur höheren Schule nach Rotenburg zu schicken. Bereits 1917 sollte die jüdische Volksschule aufgelöst werden, da die Zahl der Schüler nach dem Ersten Weltkrieg wieder zunahm, blieb sie bestehen. Ein weiterer Antrag zur Aufhebung der Schule erfolgte im Oktober 1931, jedoch blieb die Schule bis 1934 bestehen. Die Gemeinde gehörte innerhalb des Kreises Rotenburg an der Fulda zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.       
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Samuel Neuhaus (geb. 12.2.1882 in Baumbach, gef. 31.3.1916). Außerdem ist gefallen: Gefreiter Siegfried Lotheim (geb. 22.2.1892 in Baumbach, vor 1914 in Homberg Bezirk Kassel wohnhaft, gef. 12.4.1918). Der Name von Samuel Neuhaus steht auf dem Denkmal für die Gefallenen der Weltkrieg im alten Teil des Gemeindefriedhofes in Baumbach.         
    
Um 1924, als zur Gemeinde noch 65 Personen gehörten (9,5 % von insgesamt 682 Einwohnern), war Gemeindevorsteher Josef Rosenbaum II. Als Kantor und Lehrer war Benjamin Stiefel angestellt (er war bereits in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg Lehrer in der Gemeinde). Er unterrichtete an der Jüdischen Volksschule damals zehn Kinder. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewro Gemiluth Chassodim (Verein der Wohltätigkeit; gegründet 1860; 1924/32 unter Leitung von Josef Rosenbaum II mit 15/16 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenfürsorge, Unterstützung mit Geld und Lebensmitteln, Bestattungswesen) und den Israelitischen Frauenverein (gegründet 1930, 1932 unter Leitung von Sara Neuhaus mit 14 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger). 1932 war Gemeindevorsteher weiterhin Josef Rosenbaum II. Lehrer Stiefel hatte im Schuljahr 1931/32 noch fünf Kinder an der Jüdischen Volksschule zu unterrichten. Die Jüdische Volksschule wurde 1932 aufgelöst (vgl. Bericht).  
   
Unter den jüdischen Haushaltsvorstehern gab es noch bis nach 1930 mehrere Kleinbauern mit einem Nebenerwerb (Viehhändler, Schuster, Schneider).    
  
1933 lebten noch 39 jüdische Personen in Baumbach (7,2 % von insgesamt 540 Einwohnern; in 14 Familien). In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1939 wurden noch acht jüdische Einwohner gezählt. 
  
Von den in Baumbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sarah Selma Alexander geb. Neuhaus (1879), Klara Boruchowitz geb. Moses (1885), Else Dannenberg geb. Kanthal (1897), Berta Frenkel geb. Neuhaus (1884), Frieda Frenkel geb. Neuhaus (1890), Frieda Gans geb. Sommer (1876), Rosa Grünewald geb. Neuhaus (1887), Berta Kaiser geb. Neuhaus (1870), Benjamin Katz (1872), Bertha Katz geb. Neuhaus (1879), Frieda Katz geb. Rosenbaum (1888), Rosa Kleeblatt geb. Neuhaus (1897), Brunhilde Neuhaus (1924), Felix Neuhaus (1889), Frieda Neuhaus (1895), Hannelore Neuhaus (1930), Isaak Neuhaus (1907) Jeanette (Anette) Neuhaus geb. Emmrich (1870), Julius Neuhaus (1887), Julius Neuhaus (1899), Leopold Neuhaus (1900), Max Neuhaus (1892), Moritz Neuhaus (1890), Moses Neuhaus (1865), Paula Neuhaus geb. Wallach (1898), Joseph Rosenbaum (1876), Else Rosengarten geb. Neuhaus (1909), Flora Scheier geb. Neuhaus (1892), Paula Speier (1905), Nanni Stern geb. Rosenbaum (1905), Abraham Tannenberg (1874), Jettchen Tannenberg geb. Wallach (1882), Goldine Wallach geb. Rosenbaum (1889), Jonas Wallach (1892), Julius Wallach (1885), Sally Wallach (1884), Settchen Wolf geb. Rosenbaum (1874).             
   

     
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Anzeige zum Tod von Lehrer Benjamin Stiefel (1945)   

Baumbach Aufbau 09031945.jpg (49219 Byte)Todesanzeige für Benjamin Stiefel in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Aufbau" vom 9. März 1945: "Am 1. März 1945 verschied im 73. Lebensjahr nach langem Leiden mein lieber Gatte, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel 
Benjamin Stiefel (früher Lehrer in Baumbach, Kassel) 
In tiefer Trauer: 
Henriette Stiefel geb. Katzenstein

Bruno Stiefel und Frau Frida geb. Katzenstein. 
Fritz Hamburger und Frau Alice geb. Stiefel. 
Joseph Stiefel und Frau   Stockholz. Cpl. 
Herbert Stiefel., U.S. Army. 
Julius J. Stiefel und Frau Flora geb. Hess, Leicester England 
und 3 Enkelkinder. 
529 W. 179th St., New York 33."    

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Goldene Hochzeit von Moses Neuhaus II und seiner Frau (1914)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. März 1914:  "Am 11. März begingen in voller körperlicher und geistiger Frische die Eheleute Moses Neuhaus II und Frau in Baumbach das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar wurde durch viele Geschenke und Telegramme von nah und fern erfreut. Auch aus dem Zivilkabinett des Kaisers ging ein Glückwunschschreiben und eine Gratifikation ein."      


Goldene Hochzeit von Moses Neuhaus II und Jettchen geb. Bloch (1928)  

Baumbach Israelit 16081928.jpg (18519 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1928: "Rotenburg, 14. August (1928). Heute begehen Moses Neuhaus II und Ehefrau Jettchen geb. Blach im nahen Baumbach ihre goldene Hochzeit in bester Rüstigkeit."   

   
83. Geburtstag des Kriegsveteranen Samuel Wallach (1928)   

Baumbach Israelit 16081928a.jpg (21521 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1928: "Rotenburg, 14. August (1928). Seinen 83. Geburtstag beging der Kriegsveteran Samuel Wallach im nahen Baumbach in größter Frische des Geistes und Körpers. Er ist Kriegsveteran von 1870-71."  

   
Hochzeit von Leopold Neuhaus und Paula geb. Wallach (1938)   

Aus den Familien-Nachrichten im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 1. Juli 1938: 
"Vermählung. Baumbach: Leopold Neuhaus mit Paula Wallach am 3.7.1938".  

  

    

Zur Geschichte der Synagoge          
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum vorhanden. 
  
Um 1830 wurde eine jüdisches Gemeindezentrum erstellt. In ihm wurden die Synagoge, die Schule und die Lehrerwohnung sowie das rituelle Bad eingerichtet. Das Gebäude konnte an einer Straßenkurve der Lindengasse (dem früheren Dorfweg) erstellt werden. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges, schlichtes Fachwerkhaus auf einem Steinsockel. Die Synagoge befand sich in der östlichen Hälfte des Gebäudes. Eine dreiseitige Frauenempore war eingezogen. Platz hatten in der Synagoge (zuletzt) 40 Männer und 36 Frauen. In der westlichen Hälfte befand sich im Erdgeschoss die Lehrerwohnung, im Obergeschoss die Schulstube. Das rituelle Bad war ursprünglich in einem Anbau an der Südseite. Bei einer größeren Renovierung des Synagogengebäudes 1931 wurde in diesem Anbau die Küche der Lehrerwohnung eingerichtet und das rituelle Bad in ein kleines Häuschen am Vorplatz neben dem Eingang zur Synagoge verlegt.    
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die (Inneneinrichtung der) Synagoge nach vorliegenden Berichten zerstört. Nähere Details werden in den vorliegenden Darstellungen jedoch nicht angegeben.  
  
Spätestens nach 1945 wurde das ehemalige jüdische Gemeindezentrum zu einem Wohnhaus umgebaut. Es gab mehrere Besitzerwechsel. Insgesamt ist das Gebäude in sehr gutem und gepflegtem Zustand. Es steht unter Denkmalschutz.  Eine Hinweistafel ist angebracht.   
   

Adresse/Standort der Synagoge:  Lindengasse    
    

Fotos
(Pläne: Thea Altaras s.Lit. 1988 S. 37; Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 7.4.2009)   

Pläne / Rekonstruktionen zur Synagoge 
in Baumbach nach Umbauplänen
 von 1930 von Thea Altaras
Baumbach Synagoge P010.jpg (28597 Byte) Baumbach Synagoge P013.jpg (71241 Byte)
  Lage des jüdischen Gemeindezentrums 
an der Straßenkurve der Lindengasse mit 
den Einrichtungen: 1) Synagoge, 2) Küche 
der Lehrerwohnung, ursprünglich Mikwe, 
3) neue Mikwe ab 1931, 4) Hof
Nordansicht der Synagoge (von der
 Lindengasse aus gesehen) mit Eingang für 
die Männer. Die Fenster links gehörten zur
 Synagoge (oben Empore), rechts zur
 Lehrerwohnung, im Obergeschoss Schulsaal.
     
  Baumbach Synagoge P011.jpg (44206 Byte) Baumbach Synagoge P012.jpg (41219 Byte)
  Grundriss des Erdgeschosses des
 Synagogengebäudes: F: Fraueneingang 
mit Treppenaufgang zur Empore; 
M: Männereingang mit Zugang über 
Flur zur Synagoge.
Querschnitt A-A im Bereich der Synagoge
 (vergleiche Grundriss links); erkennbar die
 Frauenempore; rechts Stufen des Eingangs 
für die Männer, links am Anbau die Tür 
mit dem Eingang für die Frauen
      
     
Das Gebäude des ehemaligen jüdischen Gemeindezentrums im Frühjahr 2009     
Baumbach Synagoge 175.jpg (68524 Byte) Baumbach Synagoge 174.jpg (85670 Byte) Baumbach Synagoge 177.jpg (66894 Byte)
Unterschiedliche Ansichten des ehemaligen Synagogen- und Schulgebäudes der jüdischen Gemeinde Baumbach, jetzt Wohnhaus  
      
Baumbach Synagoge 170.jpg (81328 Byte) Baumbach Synagoge 171.jpg (61632 Byte) Baumbach Synagoge 172.jpg (73199 Byte)
Hinweistafel: "Ehemalige Synagoge. Das Gebäude von 1830 ist Kulturdenkmal aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung als Synagoge. Es beinhaltete außer dem Synagogensaal mit dreiseitiger Empore auch die im Obergeschoss untergebrachte Schulstube und die Lehrerwohnung. Seit 1881 öffentliche israelitische Elementarschule, aufgehoben im Jahre 1934 und später zum Wohnhaus umgebaut."    
        

      
     
Links und Literatur

Links:     

Website der Gemeinde Alheim  
Seiten zur jüdischen Geschichte Baumbach auch bei www.hassia-judaica.de   
Einige Fotos zur jüdischen Geschichte / Familiengeschichte in Baumbach siehe Website www.vor-dem-holocaust.de - Seite zu Baumbach  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 55.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 37-38. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 42 (ohne neue Informationen)  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 51.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 389-390.   

     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Baumbach  Hesse-Nassau. The community, which had a synagogue (1830) and an elementary school (1860-1934), numbered 79 (14 % of the total) in 1895. The synagogue was burned down on Kristallnacht (9-10 November 1938). Thirteen of the 39 Jews (1933) emigrated; at least 11 others perished in the Holocaust.  
     

    

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                   

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. März 2012