Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Abterode (Gemeinde Meißner, Werra-Meißner-Kreis)
mit Vockerode (Gemeinde Meißner)
Jüdische Geschichte / Synagoge
  
(bitte besuchen Sie auch die Website des Vereines der
"Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis" 
www.synagoge-abterode.de)

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
   
In Abterode bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/41. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück, als bereits eine jüdische Gemeinde am Ort entstanden war: 1600 wird mit Jeremias erstmals ein jüdischer Bewohner namentlich genannt; 1622 werden sechs jüdische Familien mit 27 Personen, 1630 7 und 1646 12 jüdische Familien gezählt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Abterode die größte jüdische Gemeinde im Bereich von "Niederhessen", dem nordöstlichen Teil des späteren Kurhessen. Bei der Landeshuldigung am 5. Dezember 1664 waren 16 jüdische Familien in Abterode. 1741 waren es 39 jüdische Familien mit zusammen 171 Personen, die 22,8 % der Gesamteinwohnerschaft von Abterode ausmachten.
    
Die jüdischen Familien lebten am Ende des 18. Jahrhunderts vor allem in der Ortsmitte (Kirchkranzbebauung, Steinweg).  
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1812 53 jüdische Familien, 1835 234 jüdische Einwohner, 1861 158 (1,4 % von insgesamt 1.096), 1871 139 (13,4 % von 1.040), 1885 183 (18,4 % von 997), 1893 170 (in 40 Familien), 1894 164 (in 40 Familien), 1897 147 (in 37 Familien, von 997 Einwohnern), 1903 135 (in 34 Familien, von 997 Einwohnern), 1905 131 (15,2 % von 860), 1910 122 (14,8 % von 826). Zur jüdischen Gemeinde Abterode gehörten im 19. Jahrhundert auch die in den umliegenden Orten Germerode (1835 3) und Vockerode (1835: 11, 1861: 11) lebenden jüdischen Personen.
   
Unter den in Vockerode lebenden jüdischen Personen wird 1869 Josef Stiefel in einer Spendenliste genannt (s.u.). Er entstammte der schon im 18. Jahrhundert in Vockerode ansässigen jüdischen Familie Stiefel: die Brüder Joel, Raben und Lazarus Joseph Stiefel bzw. Stiebel sind 1767, 1770 und 1775 in Vockerode geboren. Der in der Spendenliste genannte Joseph Stiefel ist am 21. März 1818 in Vockerode als Sohn von Lazarus Joseph Stiefel geboren und war hier als Viehhändler tätig.  
  
Die jüdischen Familienvorstände waren überwiegend Händler (Viehhandel, Lebensmittel-, Manufakturwaren- und Textilhandel) und waren Inhaber einiger für das wirtschaftliche Leben des Ortes wichtiger Handlungen/Geschäfte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auch mehrere jüdische Handwerker (drei Metzger, drei Schuhmacher, zwei Baumwollweber, zwei Färber, fünf Schneider, zwei Buchbinder und ein Schreiner). Die meisten jüdischen Familien hatten auch eine kleine Landwirtschaft. Vorangegangen war hierin in den 1820er-Jahren der Lehrer Levi Oppenheim (siehe Bericht unten). Die häufigsten jüdischen Familiennamen waren: Katzenstein, Kugelmann, Westheim, Wertheim u.a.m.

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische Elementarschule (im Gebäude Steinweg 47, Hinterhaus), eine Mikwe (hinter dem Haus Am Sand 3, abgebrochen) sowie ein eigener Friedhof. Die öffentliche Israelitische Elementarschule (bzw. Staatliche Israelitische Volksschule) hatte im 19. Jahrhundert einen hervorragenden Ruf in der weiteren Umgebung, der vor allem durch den seit 1. Januar 1842 hier wirkenden jüdischen Lehrer Beermann Westheim begründet wurde (siehe Berichte unten; sein 25-jähriges Ortsjubiläum war 1867). Vor der Gründung dieser Schule - bis 1841 - gab es eine traditionelle jüdische Religionsschule, an der zuletzt die Lehrer Levi Oppenheim und Aron Freudenberg unterrichtet hatten. Die Schule hatte 1868 26 Schüler, 1881 34, 1893 48, 1895 39, 1896 36, 1903 30. Nach dem Tod von Lehrer Westheim (1876) wurde ab 1877 sein Nachfolger Lehrer Heinemann Neumark. Er blieb bis 1884; sein Nachfolger wurde der von 1884 bis 1921 in Abterode wirkende Lehrer Joseph Bacharach. Zu seiner Zeit waren (um 1900) S. Seelig und L. Heilbrunn für die Schechita (das Schächten) in der Gemeinde zuständig. Nach Joseph Bacharach waren Mendel Heilbronn (1921-1927) und Hermann Spier (seit 1927) als Lehrer in Abterode. Zum 1. Januar 1934 wurde die öffentliche Schule aufgelöst, nachdem sie zuletzt noch von 10 jüdischen Kindern besucht worden war. Ab Dezember 1937 wurde nochmals eine private jüdische Schule eröffnet für die 1935 15, 1938 noch neun schulpflichtigen jüdischen Kinder in Abterode. Letzter jüdischer Lehrer war 1938 Sally Stern.    
 
Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen beziehungsweise Kassel und wurde vom Kreisrabbiner aus Eschwege betreut.
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1865 bis 1873 Levi Lautmann, um 1881 L. D. Ronsheim, um 1893/1903 J. M. Oppenheim, L. D. Ronsheim. 
  
An jüdischen Vereinen gab es einen Wohltätigkeitsverein (Chewro gemilus chasodim, Zwecke und Arbeitsgebiet: Unterstützung Armer, Verpflegung Kranker, Bestattungswesen; 1893/1903 unter Leitung von J.M. Oppenheim und J. Lautmann; 1924 unter Leitung von J.M. Oppenheim, 35 Mitglieder; 1932 unter Leiter von Meier Stern, 24 Mitglieder); eine Lern-Chewra (1893/1903 genannt); eine Chewrat Bachurim (Verein junger Männer; um 1893/95 genannt); der 1910 gegründete Israelitische Frauenverein (Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege, Bestattungswesen; 1924/32 unter Leitung von Dina Westheim, der Frau des Vorstehers David Westheim, 1924 25 Mitglieder).
 
Im Krieg 1870/71 war aus Abterode im Kriegseinsatz: Joseph Lautmann im Infanterieregiment 87. Er wurde 1870 verwundet (Zeitschrift "Im Deutschen Reich" 1896 Heft 1 S.42; "Die Juden in Deutschland. Bd. II Die Juden als Soldaten". Hrsg. Comité zur Abwehr antisemitischer Angriffe in Berlin. 1897² S.49.75.92).
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Kalmann Bloch (geb. 30.11.1880 in Abterode, gef. 4.2.1916), Unteroffizier Friedrich Goldschmidt (geb. 15.3.1889 in Frankershausen, gef. 29.7.1916), Siegfried Goldschmidt (geb. 23.8.1897 in Abterode, gef. 1.4.1917), Daniel Katzenstein (siehe Bericht unten, geb. 21.7.1894 in Abterode, gef. 17.7.1915), Meier Levy (bzw. Levi, geb. 1.8.1886 in Abterode, gef. 26.9.1917), Moses Joseph Oppenheim (geb. 28.11.1891 in Abterode, gef. 5.12.1917, siehe Foto unten), Ruben Robert Goldschmidt (19.12.1894 in Felsberg, gef. 18.11.1918), Moritz Plaut (geb. 26.6.1880 in Abterode, gest. an der Kriegsverletzung 11.2.1923) und Louis Schulhaus (geb. 7.3.1891 in Abterode, gest. an der Kriegsverletzung 23.5.1920). 
Mit dem Eisernen Kreuz II wurden für ihren Kriegseinsatz ausgezeichnet: Ersatzreservist Robert Goldschmidt und Musketier Arthur Schulhaus (Sohn von Jakob Schulhaus, in "Israelitisches Familienblatt" vom 24.11.1916 S. 2), Krankenträger Jakob Katzenstein ("Israelitisches Familienblatt" vom 14.12.1916 S. 2), Ersatzreservist Berthold Rothschild (Sohn von Isaak Rothschild, "Israelitisches Familienblatt" vom 25.1.1917 S. 2), Sanitätsunteroffizier Isak Stern (Sohn von Meier Stern) und Gefreiter Benno Oppenheim (Sohn von M. Oppenheim, "Israelitisches Familienblatt" vom 28.6.1917 S.3), Gefreiter Josef Katzenstein (Sohn von Jakob Katzenstein, "Israelitisches Familienblatt" vom 11.10.1917 S.2).
 
Um 1924, als noch 102 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (11,2 % von 798 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde David Westheim, Isak Stern. Als Lehrer und Kantor wirkte seit dem Weggang des Lehrers Bacharach 1921 der schon genannte Mendel Heilbrunn. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule 10 Kinder erteilte auch den jüdischen Kindern von Frankershausen den Religionsunterricht.  1932 waren Gemeindevorsteher weiterhin David Westheim (1. Vors.) und Isaak Stern (2. Vors.). Schatzmeister war Siegmund Stern. 

1933 lebten noch 80 jüdische Personen in Abterode (9,4 % von 850 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (überwiegend nach Kassel und Frankfurt am Main) beziehungsweise ausgewandert (6 nach Palästina, 10 in die USA, 7 nach Holland, 3 nach Afrika). Die jüdischen Geschäfte wurden zum größten Teil bereits 1935 geschlossen. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 kam es zu Verwüstungen der Synagoge, der jüdischen Wohnhäuser und zu Misshandlungen jüdischer Personen. Insgesamt wurden in einem jüdischen Laden sowie in sieben jüdischen Wohnungen Fenster und Türen eingeschlagen. Einen jüdischen Mann trieb man aus seinem Haus bis zur Synagoge; nur das entschlossene Auftreten des damaligen Pfarrers Albert Nolte verhinderte, dass er von der Empore der Synagoge gestürzt wurde. 1939 lebten noch 31 jüdische Personen, 1940 nur noch zehn am Ort. Bis 1941 sind offenbar alle jüdischen Personen von Abterode verzogen. 
 
Abterode Plaut Grete GBl.jpg (162811 Byte)Von den in Abterode geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Bertha Adler geb. Oppenheim (1888), Berta Blach (1878), Bruno Blach (1912), Bertha Cohen geb. Lautmann (1877), Paula Fränkel geb. Seelig (1887), Rosalie Frank geb. Lautmann (1873), Abraham Goldschmidt (), Jeanette Goldschmidt geb. Oppenheim (1890), Rosa Halbherr geb. Ronsheim (1892), Rieckchen Hauptmann geb. Bloch (1883), Alexander Heilbrunn (1881), Bernhard Heilbrunn (1870), Ida Heilbrunn geb. Goldschmidt (1881), Julius Heilbrunn (1869), Julius Heilbrunn (1906)*, Isaak Heilbrunn (1871), Hilde Höflich geb. Rothschild (1896), Sara Isenberg geb. Katzenstein (1889), Israel Jacobs (1892), Jettchen Jacobs geb. Oppenheim (1892), Berta Katz geb. Bachrach (1887), Else Katz (1887), Israel Katz (1884)*, Julie Katzenstein (1873), Meta Katzenstein geb. Blach (1878), Sara Katzenstein (1877), Isidor Lautmann (1891), Maier Lebensbaum (1886), Manfred Levi (1926), Markus Levi (1889), Rebekka Levi geb. Oppenheim (1897), Simon Levi (1884), Auguste Levinski geb. Bacharach (1890), Rahel (Riekchen) Levor geb. Rothschild (1887), Auguste Lewinsky geb. Bacharach (1894), Alice Mielzijnski (Mielczynski) geb. Westheim (1911), Wilhelm Löwenbach (1871), Setta Moos geb. Katzenstein (1876), Hannelore Nussbaum (1929), Levi Nussbaum (1899), Toni (Fani) Nussbaum geb. Katz (1899), Flora Oppenheim geb. Rothschild (1892), Hess (Hiskia) Oppenheim (1878), Jakob Oppenheim (1884), Josef Oppenheim (1895), Moses Oppenheim (1889), Grete Plaut geb. Rothschild (1912; vgl. Gedenkblatt links, Quelle: Yad Vashem Jerusalem), Emil Ronsheim (1888), Gustav Ronsheim (1879), Horst Ronsheim (1923), Berthold Rothschild (1894), Frieda Rothschild (1898), Harry Isidor Rothschild (1904), Ingrid Rothschild (1936), Isaak Rothschild (1863), Jettchen Rothschild geb. Schaumberg (1872), Julius Rothschild (1900), Leopold Rothschild (1893), Malchen Rothschild geb. Goldschmidt (1868), Samuel Rothschild (1868), Minna Samuelson geb. Katzenstein (1877), Fanny Schaumberg geb. Heilbrunn (1882), Arthur Schulhaus (1894), Berthold Schulhaus (1899), Bettina Schulhaus geb. Bachenheimer (1898), Margot Schulhaus (1929), Johanna Simons geb. Schulhaus (1896), Erwin Sittenfeld (1924), Erwin Sittenfeld (1924), Ida Sittenfeld geb. Seelig (1890), Lothar Sittenfeld (1923), Wolfgang Sittenfeld (1925), Alfred Stern (1926), Frieda Stern geb. Stern (1898), Herbert Stern (1921), Isaak Stern (1885), Johanna Stern geb. Moses (1871), Siegbert Stern (1928), Paul B. Stiefel (1893), Rosa Stiefel geb. Seelich (1880), Mathilde Urbach geb. Lautmann (1881), David Westheim (1878), Dina Westheim geb. Spangenthal (1884).      
    
*Hinweise: Für die 1883 in Abterode geborene Rieckchen Hauptmann geb. Bloch liegt in Hamburg (Bartelsstraße 30, Ecke Susannenstraße) ein "Stolperstein". 
Für den 1884 in Abterode geborenen Israel Katz liegt in Braunschweig (Jasperallee 22) ein "Stolperstein".  
Für den 1886 in Abterode geborenen Maier/Meier Lebensbaum ist im niederländischen Doesburg ein "Stolperstein" verlegt, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Doesburg  Meier Lebensbaum lebte seit ca. 1925 in Doesburg (Gelderland). Er war Knecht auf eine Pferdewagen (Firmen Roelofsen). Der Stolperstein für ihn liegt in der Straße Kloostertuin, Klostergarten (heute Parkplatz). 
Für die 1887 in Abterode geborene Berta Katz geb. Bachrach liegt In Hamburg-Eimsbüttel ein "Stolperstein" (Harvestuder Weg 1a).
Für den 1906 in Abterode geborenen Julius Heilbrunn liegt in Hamburg (Eppendorfer Baum 5) ein "Stolperstein". 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Bericht über die jüdische Gemeinde und ihren pädagogisch hoch qualifizierten Lehrer Beermann Westheim (1852)  

Abterode AZJ 08111852.JPG (83264 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1852: "In (der jüdischen Gemeinde in) Abterode am Fuße des Meisner traf ich einen Talmudverein an, vielleicht noch Trümmer eine Jeschiwa (Talmudhochschule), die in früheren Zeiten hier geblüht haben soll. Überhaupt wird in dieser Gegend noch ein Wenig "gelernt", so leben auch in dem benachbarten Frankershausen einige sehr talmudisch gebildete Männer. Abterode, aus dessen Mitte vielleicht mehr jüdische Lehrer stammen, als aus irgend einer andern Gemeinde Kurhessens, besitzt in der Person des ebendaher gebürtigen Herrn Westheim einen ausgezeichneten Lehrer, Seine Methoden erweisen sich so sehr praktisch und bewährt, dass der Schulinspektor des Sprengels häufig seine ihm untergebenen Lehrer veranlasst, die Schule des Herrn Westheim zu besuchen und sich dieselben ebenfalls anzueignen*). Übrigens findet sein Streben aber auch zu jeder Zeit volle Anerkennung von Seiten der Regierung, sowie des israelitischen Vorsteheramts zu Kassel, was die häufigen Belobungsschreiben als auch Gratifikationen zur Genüge beweisen." 
Abterode AZJ 08111852a.jpg (99885 Byte)(Anmerkung für Lehrer: Den Leseunterricht erteilt er ganz à la Jacotot (d.h. nach den Lehrmethoden des französischen Pädagogen Jean Joseph Jacotot, 1770-1840); er bedient sich hierbei selbstgeschriebener, großer, beweglicher Buchstaben, die er ihrer Gelungenheit und zweckmäßigen Anordnung und Aufstellung halber, wodurch das Kind zu gleicher Zeit mit der Deutschen Druck- und Kurrentschrift bekannt wird, für die Schulen der Umgegend liefert. Zum hebräischen Leseunterricht, der er ebenfalls nach der analytisch-synthetischen Lesemethode erteilt, bedient er sich auch großgeschriebener, beweglicher Buchstaben und für die Hand der Kinder Lewisohns "hebräische Lesefibel". Die Resultate, die er durch diese Unterrichtsweise erzieht, sind wahrhaft staunenerregend. 
Ebenso zweckmäßig ist die Art und Weise, wie er beim Übersetzen im Pentateuch in der Oberklasse zu Werke geht. Neben den Übersetzungen von Philippsohn, Zunz hat er auch das "Vokabularium" von Nathan vor sich und gibt den Kindern die Übersetzung des Wurzelwortes an, das diese sich neben Angabe des Kapitels und Verses in ihre Heftchen eintragen und auswendig lernen, sodann wird der jedesmalige Vers im Zusammenhange übersetzt. Kommt ein Wort öfters vor, so wird auf das erste Mal verwiesen. So erlangen die Kinder einen bedeutenden Wörtervorrat, dieser wird durch das Selbsteinschreiben dem Gedächtnisse nachhaltiger eingeprägt und der Mechanismus des ewigen Vor- und Nachsprechens vermieden."  
 
Anmerkung: in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1857 S. 562 wird angekündigt, dass Lehrer Westheim bei einer Lehrerkonferenz in Abterode "seine neu erfundene, seit 18 Jahren mit Erfolg angewandte Schreiblesemethode in seiner Schule praktisch veranschaulichen will..." 
 
   Rechts: Beitrag von Lehrer Westheim (Abterode) in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 2. August 1858 S. 432-434: "Literarischer Wochenbericht".
Lehrer Westheim stellt im Zusammenhang mit einer Besprechung des Buches von
Lehrer Emanuel Hecht 'Imrei Binah oder Versuch, das Hebräische durch
deutsche Wörter zu lernen" seine Schreiblesemethode vor. Das Buch von Emanuel Hecht online   
   

  
Anerkennung der Verdienste des Lehrers Beermann Westheim zum 25jährigen Dienstjubiläum (1858, in Abterode seit 1842)  

Anmerkung: Schullehrer Beermann Westheim (geb. 27. Juli 1810 in Abterode als Sohn von Lehmann Aron Westheim und der Frummet geb. Gottschalk) war seit 2. Juli 1844 (in Abterode) in erster Ehe verheiratet mit Sara geb. Schloss (geb. ca. 1820 in Stadtlengsfeld als Tochter von Handelsmann Aron Schloss und der Gelle geb. Kann), mit der er mehrere in Abterode geborene Kinder hatte, u.a. Lehmann (geb. 25. Oktober 1847). Nach dem frühen Tod von Sara Westheim am 18. Juni 1858 heiratete Lehrer Westheim in zweiter Ehe Jette geb. Müller aus Melsungen, Tochter des Lehrers Aaron Müller und der Thirza geb. Bär in Melsungen. Auch sie starb früh am 13. September 1861 im Alter von 37 Jahren. Lehrer Westheim starb am 18. Dezember 1876 in Abterode und wurde auf dem jüdischen Friedhof ebd. beigesetzt. 
Beermann Westheim war seit 1857 Schriftführer in dem in diesem Jahr gegründeten "Verein der israelitischen Lehrer im Kreise Eschwege", siehe "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 22. Juni 1857 S. 350f.
Zahlreiche Beiträge von Lehrer Westheim erschienen in den 1860er-Jahren u.a. in den Zeitschriften "Der israelitische Lehrer" und "Der Israelit" (u.a. Ausgaben vom 12./19.7.1865). 

Abterode AZJ 07021859.jpg (170669 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Februar 1859: "Kreis Eschwege, im Januar (1859). Dem Verdienste seine Krone! Das Vorsteheramt der Israeliten für die Provinz Niederhessen zu Kassel, das so manches Gute für das Judentum in unserem Vaterland geschaffen, und unter Anderem auch noch besonders sein Augenmerk auf die Hebung des jüdischen Schulwesens und die Besserstellung der Lehrer gerichtet ist, lässt keine Gelegenheit vorübergehen, dieses edle Streben zu betätigen. Der wackere Lehrer Westheim zu Abterode (den Lesern dieser Zeitung aus mehreren darin gelieferten Artikeln bekannt), der seit dem 4ten Dezember 1833 als von kurfürstlicher Regierung bestellter öffentlicher Lehrer mit seinen eigentlichen, größtenteils selbst erfundenen Lehrweisen aufs Erfolgreichste im Schulfache wirkt, ist von kurfürstlichem Vorsteheramt am 7. dieses Monats, als am Tage seines fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums mit folgendem schönen Schreiben überrascht worden:
"Wir haben in Erfahrung gebracht, dass am 7ten dieses Monats das fünfundzwanzigste Jahr Ihres Lehramts vollendet ist und benutzen diese Gelegenheit, Ihnen zu dem Ablauf eines Zeitraums Glück zu wünschen, welchen Sie durch eine anhaltende, fleißige, treue, pflichteifrige und zugleich mit schönem Erfolg gesegnete Dienstführung zu Ihrer Ehre und zum Frommen der dortigen Gemeinde erfüllt haben. - Indem wir zum Zeichen der Anerkennung Ihnen eine Gratifikation von fünfzehn Talern auf den Schulfonds anweisen, sprechen wir zugleich die Aufforderung zum weiteren Beharren in Ihrem achtbaren Streben für das Gedeihen der Schule und des Unterrichts und das dadurch geförderte bürgerliche und sittliche Wohl der Ihnen anvertrauten Jugend aus und verbinden damit den Wunsch, dass der Herr, vor dem kein Gutes verloren geht, auch gerner Ihrer Arbeit seinen Segen verleihen, Ihnen noch für lange Jahre Kräfte dazu gewähren und durch erfreuliche Früchte dieselben lohnen möge. Kassel, 6. Dezember 1858." 
Vorsteheramt der Israeliten dahier etc."

Solche liebevolle, aufmunternde Worte, begleitet mit den Zeichen der Anerkennung einer vorgesetzten Behörde, bekunden hinlänglich deren väterliche Fürsorge und verdienen Nachahmung in allen Kreisen von allen Schulvorständen."

    
Zum 25-jährigen Ortsjubiläum von Lehrer Beermann Westheim (1867)
Der Bericht wurde durch Westheims Kollegen Victor Müller (an der jüdischen Elementarschule in Frankershausen) verfasst. 
Der Bericht ist auf Grund einiger noch nicht übersetzter - teils aramäischer Wendungen - leicht abgekürzt wiedergegeben.

Abterode Israelit 27021867.JPG (268381 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1867: "Frankershausen, bei Eschwege. Der, den Lesern dieser geschätzten Zeitung durch Referate und sonstige Artikel wohl nicht unbekannte Lehrer B. Westheim in Abterode, in moralischer wie in intellektueller Beziehung einer der würdigsten Lehrer Kurhessens, der sich sowohl durch vielseitiges und gründliches Wissen als auch durch außergewöhnliches Lehrtalent auszeichnet, und schon seit 34 Jahren als vor der vormals kurfürstlichen Regierung bestellter Lehrer mit segensreichem Erfolge wirkt, die Achtung und Liebe aller seiner vorgesetzten Behörden und seiner Kollegen sich erworben, feierte am 1. Januar dieses Jahres das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit in Abterode. Siebzehn jüdische Lehrer aus der Nähe und Ferne und fünf christliche hatten sich, vom Unterzeichneten auf diesen Zeitpunkt aufmerksam gemacht, vereinigt, dem Jubilar durch die Widmung eines Ehrengeschenkes ihre Anhänglichkeit und Liebe zu beweisen, und mich mit der Ausführung beehrt.
Unser Herr Kreisrabbiner Goldmann zu Eschwege, der mit dem Jubilar stets in einem freundschaftlichen Verhältnisse gestanden und den ersten Impuls zur Feier gegeben, traf am gedachten Tage mit den Lehrern aus der Umgegend und drei entfernteren Kollegen aus dem Kreise Rotenburg - die Mehrzahl war leider! durch die schlechte Witterung an ihrer persönlichen Beteiligung verhindert - beim Jubilar gegen 11 Uhr vormittags ein, und eröffnete die Feier mit einer geist- und schwungreichen, von echt jüdischem Geiste getragenen, das Lehrerleben im Allgemeinen und das des Jubilars im Besonderen schildernde Rede - Worte, die aus dem Herzen kamen und wieder zum Herzen drangen - in welcher er den Jubilar mit Bezugnahme auf Daniel 12,3 und den talmudischen Ausspruch (hebräisch und deutsch:) "Die Lehrer, welche redlich und gewissenhaft ihre Pflicht erfüllen, werden einst im Schatten Gottes sitzen" - auf die göttliche Belohnung verwies. Als Beweis seiner besondern persönlichen Achtung behändigte derselbe dem Jubilar ein in den ehrendsten Ausdrücken abgefasstes Chower-Diplom; und nachdem er demselben noch ein Gratulationsschreiben Königlichen Vorsteheramtes zu Kassel, worin dem Jubilar die verdiente Anerkennung ausgesprochen und eine Gratifikation von 15 Talern übersendet war, übergeben hatte, überreichte ich, namens der beteiligten Kollegen, als wohl verdientes Ehrengeschenk einen wertvollen, mit passender Inschrift versehenen Pokal, wobei ich in der dabei gehaltenen Anrede unter anderem, ob der wohl verdienten aber ausgebliebenen Anerkennung seitens der Gemeinde in corpere, die Worte unseres Erzvaters Jakob (1. Mose 31,40): "Wo ich war am Tage, verzehrte mich die Glut, und der Frost in der Nacht: und es floh der Schlaf meiner Augen" auf den Jubilar anwendete und denselben darauf hinwies, dass, wenn auch die Undankbarkeit in allen Lebenssphären vielfach vorkomme, dies bei den jüdischen Gemeinden ihren Lehrern gegenüber eine nicht seltene Erscheinung sei; dass die Menschen in der Regel nur für einen Vorschub ihres leiblichen Wohls dankbar sind, den des geistigen aber kaum einer Anerkennung wert halten; dass die Mehrzahl die Mühen nicht kennt, unter denen Erkenntnisse gewonnen und anderen beigebracht werden, - den Wert der Wohltaten, die sie dem Lehrer zu verdanken haben, nicht zu schätzen verstehen -; dass nur, wer selbst edlen Geistes ist, geistige Wirksamkeit zu würdigen weiß und sich dazu gerungen fühlt; dass das Bewusststein der Pflichterfüllung - dieser Hochgenuss - schon des Lohnes reichste Fülle, - unabhängig vom Zufall der Anerkennung, - enthalte; dass der Friede, welcher mit dem Bewusststein geübter Pflicht ins Herz einzieht, 
Abterode Israelit 27021867aa.jpg (121092 Byte)diese wonnevolle Zufriedenheit, im Hinblick auf Gottes Vaterwohlgefallen, in welchem die Seele des Gläubigen trunken schwelgt, unser höchstes Entgelt, unsere Stütze und unser steter Antrieb zu weiterer rastloser Tätigkeit zur Ehre Gottes und unserer heiligen Religion sein müsse... 
Der zu Tränen gerührte Jubilar dankte alsdann in einer längeren, gehaltvollen und ergreifenden Rede. 
Hierauf wurde derselbe von einer Anzahl Gemeindemitglieder mit der Überreichung eines silbernen Vorlegelöffels und von verschiedenen Schülern mit anderen Geschenken, sowie durch eine Menge mit der Mittagspost eingetroffenen Gratulationen in Prosa und gebundener Rede erfreut. 
Bei dem hierauf vom Jubilar aufs beste hergerichteten Festessen herrschte die heiterste Stimmung. Toaste und pikante Auslegungen verschiedener Schriftstellen wechselten mit freundlichen Unterhaltungen. 
Da ein Teil der Festteilnehmer einen weiten Weg vor sich hatte, so verließ derselbe schon gegen 4 Uhr die frohe Versammlung und eilte der Heimat zu, während ein anderer Teil noch einige Stunden in ungezwungener Heiterkeit beisammen blieb, bis auch für ihn die Zeit zum Aufbruche gekommen. 
Der Allgütige wolle Seine Gnade und Barmherzigkeit auch fernerhin unserem gefeierten Kollegen zuteil werden lassen! V. Müller." 

  
Zum Tod des Lehrers Levi Oppenheim 1870 - Lehrer an der Schule gemeinsam mit Aron Freudenberg bis in die 1830er-Jahre 

Anmerkung: Levi Oppenheim (geb. 1769 in Abterode) wurde 1813 von der jüdischen Gemeinde Abterode neben Aron Freudenberg zum zweiten Lehrer in Abterode bestellt. 1823 unterrichtete er sieben Knaben und drei Mädchen. Levi Oppenheim war - nach dem Tod seiner ersten Frau Hanna geb. Katz am 30. Januar 1811 - in zweiter Ehe seit 21. August 1811 (in Abterode) verheiratet mit Sulka (Solke) geb. Levi (geb. ca. 1791 in Eschwege), die bereits am 17. April 1840 verstorben ist. Angaben nach Dokumentation des Friedhofes bei LAGIS https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/5038.  

Abterode Israelit 02031870n.jpg (124424 Byte) Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1870: "Abterode (Provinz Hessen), im Februar. Am 19. vorigen Monats (d.h. 19. Februar 1870) starb hier in einem Alter von 88 1/2 Jahren der frühere Lehrer Levi Oppenheim. Von seinem Vater, der hier das Amt eines More Zädäk ("Lehrer der Gerechtigkeit", Gelehrter, Beisitzer im Rabbinatsgericht) bekleidete, in Bibel, Mischna und Gemara unterrichtet, suchte er als Jüngling diese Kenntnisse in der heiligen Tora bei Rabbi Moses Marburg - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - in Kassel zu erweitern. Sodann fungierte er als Lehrer in einigen Gemeinden Westfalens. Später etablierte er sich hier, in seinem Geburtsorte Abterode (neben dem Lehrer Aron Freudenberg, der vor 15 Jahren in einem Alter von 89 Jahren verstorben [d.h. gestorben 1855, geboren 1766] ebenfalls als Lehrer, in welcher Funktion er verblieb, bis man vor 30 Jahren (d.h. 1840) damit umging, eine öffentliche israelitische Elementarschule nach der Hessischen Verordnung dahier zu gründen.
Um dem Spruche unserer Weisen "gut ist das Lernen der Tora verbunden mit der Alltagsarbeit" (übertragene Übs.) und um den Lebensunterhalt für sich und seine zahlreiche Familie, zu dem sein geringes Einkommen nicht hinreichte, besser zu erschaffen, machte er vor 48 Jahren unter den hiesigen israelitischen Einwohnern mit dem Betriebe des Ackerbaues, in kleinem Maßstabe den Anfang, den er nach und nach vergrößerte, und bei dem er mit Frau und Kindern mit eigener Hand tätig war. Diesem seinem Beispiele folgten bald die übrigen Juden unserer Gemeinde, sodass jetzt keiner derselben ohne eigentümlichen Besitz von Ackerland ist. - Sein Bestreben fand bei der Feier seines achtzigsten Geburtstages von dem Kurfürstlichen Vorsteheramt der Israeliten zu Kassel und der Humanitätsgesellschaft daselbst verdiente Anerkennung. 
Trotz seines hohen Alters versäumte der Hingeschiedene es nie, den öffentlichen Gottesdienst zu besuchen. Noch am Sabbat vor dem Tode wohnte er einer Versammlung des Wohltätigkeitsvereines (anlässlich einer überstandenen Krankheit), dessen Mitglied er war, mit einer gebotenen Mahlzeit in seinem Hause gefeiert wurde, bei."

   
Anzeige von Lehrer Heinemann Neumark (1878)  

Anmerkung: Heinemann Neumark war ein am 27. März 1856 in Rothenkirchen geborener Sohn des Lehrers Levi Neumark und der Fanni geb. Sternberg. Vor seiner Zeit in Rothenkirchen war Levi Neumark 1852 bis 1855 Lehrer in Burghaun. Sein Sohn Heinemann kam 1877 als Lehrer und Vorbeter nach Abterode, wo er am 15. Dezember 1880 Hannchen geb. Kupfer aus Unsleben heiratete, eine um 1857 geborene Tochter des Kaufmanns Meier Kupfer und der Veilchen geb. Adler in Unsleben. Nach seiner Zeit in Abterode war Heinemann Neumark bis zum 1. April 1900 Lehrer in Felsberg.   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1878: "Ein gut erzogenes 15-jahriges Mädchen soll nach Ostern in einer nicht sehr großen Stadt in einer religiösen und gebildeten Familie untergebracht werden, in welcher es wie ein Kind derselben behandelt wird, den Haushalt erlernen und namentlich durch gutes Beispiel die Formen des Umgangs und des Anstandes sich aneignen kann. Ein Kostgeld wird gern entrichtet. Auskunft erteilt Lehrer Neumark in Abterode, Reg.-Bez. Kassel."     

      
Zwei Berichte zum Abschied von Lehrer Joseph Bacharach, Lehrer in Abterode von 1884 bis 1921  
Anmerkung: Lehrer Joseph Bacharach war bis 1884 Lehrer in Beiseförth; er wechselte nach Abterode, als dort die jüdische Konfessionsschule geschlossen wurde; 1921 zog er nach Kassel.   

Abterode Israelit 15091921.jpg (18959 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1921: "Abterode, 15. August (1921). Herr und Frau Lehrer Bacharach übernahmen mit dem 1. September die Verwaltung des Israelitischen Altersheims in Kassel."    
  
Abterode Israelit 01091921.jpg (47616 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1921: "Abterode, 29. August. Am Schabbat Ekeb (d.i. der Schabbat mit der Toralesung Ekeb = 5. Mose 7,12 - 11,25, dieser Schabbat war am 27. August 1921) fand hier eine schlichte, stimmungsvolle Feier statt. Sie galt dem Lehrer der Gemeinde, Herrn Bacharach, der ihr siebenunddreißig Jahre lang (d.h. seit 1884) treuen Dienst tat und sie nun verlässt. Herr Kreisrabbiner Dr. Freier - Eschwege dankte ihm für seine seltene Hingabe an sein Amt, für seinen unermüdlichen Eifer, Alt und Jung auf dem Weg der Wahrheit zu erhalten und ihnen Freude für unseren heiligen Beruf des Gottesdienstes ins Herz zu gießen. Wegen seiner großen Gottesfurcht und Bescheidenheit wurde er von allen geliebt und verehrt. Auch die Kinder dankten ihrem Lehrer in schönen Abschiedsworten, worauf Herr Bacharach voll Rührung erwiderte. Herr Bacharach geht ins Altersheim in Kassel.  Gott mache lang seine Tage und seine Jahre. 
Abterode Israelit 22091921.jpg (46682 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. September 1921: "Abterode, 10. September (1921). Am vorletzten Sonnabend Nachmittag versammelte sich die hiesige jüdische Gemeinde, Eltern und Kinder, zu einer schlichten, stimmungsvollen Feier. Sie galt dem scheidenden Lehrer Bacharach, der 37 Jahre in unserer Mitte treuen Dienst tat und von alt und jung, um seiner gütigen, vornehmen Art, seiner innigen Demut willen, verehrt und geliebt wurde. Kreisrabbiner Dr. Freier dankte ihm als dem nimmermüden Führer und Bildner der Gemeinde und dem hingebendsten Lehrer der Kleinen. Auch die Schüler und Schülerinnen ließen schöne Abschiedsworte hören, worauf Lehrer Bacharach seine letzte Ansprache an die Gemeinde hielt. Herr Bacharach geht wie schon gemeldet, ans Altersheim in Kassel".     

  
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorsängers (1921)
  

Abterode Israelit 15091921a.jpg (56257 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1921: "In Abterode bei Eschwege ist die 
Stelle des Lehrers
 
an der öffentlichen israelitischen Volksschule zu besetzen. 
Lehrer, die auch den Vorsängerdienst versehen können, wollen sich bei uns bis zum 25. dieses Monats unter Beifügung der Zeugnisse und eines Lebenslaufes melden. 
Kassel, den 6. September 1921.
Vorsteheramt der Israeliten."    

     
70. Geburtstag von Lehrer / Inspektor (seit 1920 Leiter des Israelitischen Altersheimes in Kassel) Joseph Bacharach (1928)  

Abterode Israelit 31051928.jpg (82921 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1928: "Kassel, 16. Mai (1928). Am Erew Schawuoth (Vortag vor dem Wochenfest = Donnerstag, 24. Mai 1928) feiert der Lehrer a.D., Joseph Bacharach, jetzt Leiter des Israelitischen Altersheims, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar war 37 Jahre segensreich als Lehrer in Abterode, Kreis Eschwege, tätig und hat es verstanden, auch seinen neuen Wirkungskreis mit echt jüdischem Geist zu beleben. Durch seine tiefe Frömmigkeit, seine Liebe zur Tora, seine im Verborgenen geübte Wohltätigkeit und seine Bescheidenheit erfreut er sich auch hier in allen Kreisen der größten Wertschätzung. Immer bestrebt, zu lernen und sch weiterzubilden, nahm er bereits von Abterode aus unter den größten Schwierigkeiten allwöchentlich an den von Rabbiner Cahn - das Andenken an den Gerechten ist zu Segen - geleiteten Schiurim teil und gehört auch hier zu den ständigen Besuchern der Schiurim. Mögen ihm noch viele Jahre körperlicher und geistiger Frische im Kreise seiner Familie vergönnt sein." 
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 25. Mai 1928: "Kassel. Am 24. Mai vollendete Herr Inspektor Bachrach sein 70. Lebensjahr. Nach Absolvierung der Volksschule in seinem Geburtsort Frielendorf besuchte er das Kasseler Lehrerseminar und trat dann seine erste Lehrerstelle in Beiseförth an, um später einem Ruf nach Abterode Folge zu leisten. Dort wirkte er 37 Jahre und verstand es, sich die Liebe und Anhänglichkeit aller Gemeindemitglieder zu erwerben. Vor allem aber bei der durch die lange Dienstzeit bedingten großen Anzahl der Schüler. Sie haben ihm allzeit Verehrung und Treue gegeben und werden sie ihm bewahren. Denn Herr Bachrach versah sein Amt nicht als einen Beruf, dem er sich zufällig gewidmet hat, und der ihm eine Quelle des Erwerbes bedeutete, sondern seine ganze Wesensart führte ihn hin zu der jüdischen Jugend, die er führen, leiten und belehren wollte, auf die seine wahrhaftige Frömmigkeit er einwirken ließ, sodass er ihnen zeigte, dass es nicht das Wissen allein ist, sondern dass das Wesentliche das Tun nach dem Wissen ist. Er war kein "Bildungsschuster", der alle Schüler nach seinem Leisten formen wollte und bei dem das "Versohlen" ein Haupterziehungsmittel war, auch kein Donnerer, der mit der Gewalt seiner Stimme als Schultyrann sich aufspielte; er war im Sinne der heiligen Schrift Lehrer, das heißt Führer. Er konnte es sein, denn sein frommer Sinn blieb kindlich bis heute, so fühlte er die Seele des Schülers und formte sie und lehrte den Geist und machte den Stoff lebendig, den er seinen anvertrauten Kindern nahe brachte. Nur wer die Jugend liegt, nur wer selbst an sich die größten Anforderungen stellt, nur wer den Kindern gegenüber, immer sich gleichbleibend wie ein Vater mahnt, wenn es sein muss, wie ein Vater straft, und wie ein Vater verzeiht, nur wer die Innigkeit und Zusammengehörigkeit der Familie selbst so betont, dass der Familientisch und die eigene Häuslichkeit eine unantastbare heilige Erinnerung bleibt auch für die Kinder, die schon lange dem Elternhaus entwachsen sind, kann ein so vorbildlicher Erzieher sein, wie es der Jubilar gewesen ist.   
Und wenn nun sein Lebensabend einer ganz anderen Arbeit gewidmet wurde, so ist dies kein Widerspruch. Wer so die Jugend liebte, hat auch für das Alter volles Verständnis; denn alles in allem ist es ja die Hintenansetzung der eigenen Persönlichkeit und die Achtung vor dem Brudermenschen, die zu der Einhaltung des Bibelwortes "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" führt. Nicht der beschaulichen Ruhe widmete er sich nach seiner Pensionierung im Jahre 1920, sondern er übernahm die Leitung des israelitischen Altersheimes in Kassel, die er, unterstützt durch seine tüchtige Frau, durch seine warmherzige Tochter, in mustergültiger Weise durchführt. 
Wie ihn in Abterode die Jugend liebte, so tun es heute die ihm anvertrauten Greise und Greisinnen, gegen die er sich noch manchmal wie ein Jüngling fühlen muss, ganz gewiss aber, wenn ihm der 96-jährige Herr Oppenheim, ein Insasse, der diesen Geburtstag am Sonnabend feiern wird, seine Glückwünsche darbringt. 
Unter all den vielen Ehren, die ihm heute zuteil geworden sind, wird ihm wohl das Höchste bedeuten, dass Herr Landrabbiner Dr. Walter in Anerkennung seiner tiefen Frömmigkeit und seines Talmudstudiums ihm den Chowertitel verliehen hat. Möge er ihn noch lange in geistigrer Frische und körperlicher Gesundheit tragen, seiner Familie der liebende Vater und allen ihm Anvertrauten ein Freund erhalten bleiben. 
Eugenie Wertheim."     

   
Lehrer Mendel Heilbrunn verlässt die Gemeinde (1927)  

Abterode Israelit 19051927.jpg (17814 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1927: "Dinslaken, 8. Mai (1927). Lehrer Heilbrunn, bisher in Abterode, wurde zum 1. Juli die hiesige Lehrerstelle übertragen."   
 
 Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 6. Mai 1927: "Abterode. Wir erhalten von den Herren Gemeindeältesten von Abterode nachstehende Mitteilung: Unter der Spitzmarke "Vom Sterbelager der jüdischen Volksschule" bringen Sie eine Mitteilung aus Abterode, die der Wirklichkeit nicht entspricht. Unser Lehrer Heilbrunn ist nicht versetzt, sondern er hat sich um die ausgeschriebene Lehrerstelle in Dinslaken beworden und auch seine Anstellung zum 1. Juli erhalten. Von einer Auflösung der hiesigen Schulstelle seitens der Regierung ist uns bis heute nichts bekannt und wir rechnen bestimmt auf Erhaltung derselben."          

       
Ausschreibung der Lehrerstelle im Mai 1927  

Abterode Israelit 05051927.jpg (33187 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1927: "Bewerber um die alsbald zu besetzende Lehrer- und Vorsängerstelle an der öffentlichen israelitischen Volksschule zu Abterode, Kreis Eschwege werden aufgefordert, ihre Meldungsgesuche mit beglaubigten Zeugnisabschriften und kurzem Lebenslauf bis Ende Mai dieses Jahres hierher einzusenden. 
Kassel, den 2. Mai 1927. Vorsteheramt der Israeliten."  

     
Über den jüdischen Lehrer Hermann Spier (von 1927 bis 1934 Lehrer in Abterode)     
(erstellt unter Mitarbeit von Waltraut Zachhuber, Magdeburg)  

Willingshausen Hermann Spier YVS.jpg (58184 Byte)Hermann Spier ist am 20. Januar 1899 in Merzhausen geboren. Er hat sich am Lehrerseminar in Kassel ausbilden lassen und dort im Februar 1920 seine erste Lehrerprüfung abgelegt. Er war seit 1924 verheiratet  mit Caroline (Lene) geb. Nussbaum, geb. 1900, gest. 1938; zur Familie von Caroline geb. Nussbaum siehe Seite über Sara Nußbaum bei Regiowiki Kassel). Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Henriette genannt Henny (geb. 1924) und Berna (geb. 1928, Geburtsanzeige siehe unten). Nachdem Hermann Spier einige Zeit in Northeim unterrichtete, war seine erste ständige Stelle in Abterode, wo er seit dem 1. Oktober 1927 tätig war. Hier in Abterode hat Spier im Mai 1929 seine zweite Lehrerprüfung abgelegt. Nachdem Anfang 1934 die Israelitische Elementarschule in Abterode aufgelöst worden war, bewarb sich Hermann Spier auf die Lehrerstelle im ostfriesischen Leer, die er im April 1935 antreten konnte. Bis 1938 blieb Spier in Leer. Seine Frau Caroline starb Anfang Oktober 1938 an Multipler Sklerose. Nach dem Novemberpogrom 1938 meldete Hermann Spier, der inzwischen die Lehrerstelle in Hildesheim übernommen hat, seine Kinder für einen Kindertransport nach England an. Am 6. Januar 1939 verließen Henny und Berna Spier Deutschland. Hermann Spier wurde im März 1942 nach Warschau deportiert und in Treblinka ermordet. 
Foto links aus dem Fotoarchiv von Yad VaShem Jerusalem (Link).   
   
Lehrer Hermann Spier 
um 1936 in Leer
(Quelle der beiden Fotos: 
Website der Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit Ostfriesland)  
Leer HSpier 010.jpg (45909 Byte) Leer HSpier 011.jpg (62842 Byte)  Abterode Spier Dok010.jpg (99203 Byte)
   Ehepaar Spier mit Landrabbiner 
Dr. Samuel Blum (Emden)
Lehrer Hermann Spier 
mit Familie
 Personalkarte für Lehrer 
Hermann Spier in Abterode 

    
Lehrer Hermann Spier wechselt von Northeim nach Abterode (1927)      

 Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Juni 1927: "Abterode. Herr Lehrer Spier, bisher in Northeim in Hannover tätig, wurde von der Israelitischen Gemeinde einstimmig - vorbehaltlich der Bestätigung durch die Regierung und Vorsteheramt - zum Lehrer und Vorbeter in unserer Gemeinde gewählt."           
 
 Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 26. August 1927: "Abterode. Herr Lehrer Spier aus Northeim, der vor einigen Wochen von der hiesigen Gemeinde einstimmig zum Lehrer und Chasan gewählt worden ist, hat nunmehr die Bestätigung durch die Regierung gefunden, sodass er am 1. Oktober sein neues Amt antritt."           
 
 Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 9. September 1927: "Northeim. Am 1. Oktober wird Herr Lehrer Spier Northeim verlassen, um sein neues Amt in Abterode anzutreten. Nur ungern sieht ihn die Gemeinde scheiden, denn er hat in den vier Jahren seiner hiesigen Wirksamkeit viel Gutes geschaffen. Er hat den Mincho- und Maariv-Gottesdienst neu eingeführt, eine Männerchewra, einen Frauenverein und einen Literaturverein gegründet. Er hat auch oft Vorträge gehalten und ist vor allem mit vielem Erfolg dem Antisemitismus in politischen Versammlungen entgegengetreten."        
 
 Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 9. August 1929:  "Abterode. Herr Lehrer Spier, der seit zirka zwei Jahren hier amtiert, erhielt von der Regierung seine definitive staatliche Anstellung."  

      
Geburtsanzeige einer Tochter (Berna) von Lehrer Hermann Spier und seiner Frau Lene geb. Nußbaum (1928)         

 Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. Juli 1928:   
"Die Geburt einer Tochter zeigen an 
Lehrer Herm. Spier und Frau Lene geb. Nußbaum 
Abterode 13. Juli 1928   zur Zeit Kassel Schäfergasse."       

   
Lehrer Sally Stern wechselt von Breitenbach am Herzberg nach Abterode (1938) 

Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. Februar 1938: "Breitenbach am Herzberg. Lehrer Sally Stern wurde an die jüdische Volksschule nach Abterode Kreis Eschwege, versetzt."   
 
Mitteilung im "Israelitischen Familienblatt" vom 27. Januar 1938: "Abterode, Bez. Kassel. Lehrer i. R. Sally Stern (Breitenbach a. H.) wurde seitens des Vorsteheramtes der Israeliten in Kassel an die private jüdische Volksschule in Abterode berufen." 

      
       
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Toraschreiber aus Abterode werden im Jahr 1730 zur Begutachtung der Tefillin und Mesusot ausgesandt (Artikel von 1928)    
Anmerkung: Im nachfolgenden Text, der in die Zeit der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückführt, geht es um eine damals unter Landrabbiner Veit Singer in Witzenhausen angeordnete und durchgeführte Kontrolle der Tefillin und der Mesusot in den jüdischen Häusern des Bezirks. Die Kontrolle wurde durch Toraschreiber aus Abterode durchgeführt, die für die Kontrolle bzw. Erneuerung bestimmte Beträge einziehen konnten.   

Witzenhausen Israelit 15031928.jpg (213130 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928: "Tefillin und Mesussaus in Althessen. Dieser Überschrift soll den Leser nicht auf den Gedanken führen, dass in einer Zeitung die vielen Ritualvorschriften über die Erfüllung dieser heiligen Gebote gebracht werden, wenn es auch sehr nützlich wäre. Eine Wochenzeitung ist eben kein ‚Chaje odom’ (Anm.: Chaje Adam ist eine populär-halachische Schrift von Abraham Danzig [1748-1820]. Dennoch dürfte man es gern lesen, welche Maßnahmen einst getroffen wurden, um die Gebote ordnungsgemäß zu erfüllen. Eine Mahnung erließen die judenschaftlichen Führer auf einer Tagung in Kassel am 20. Tewet 5490 (1726 [besser: 9. Januar 1730]); und sie ist unterzeichnet von dem Landrabbiner Veit Singer aus Witzenhausen, Israel aus St. Goar, Joßel Lispenhausen; Michael Katzenstein, Eschwege, Eisemann Levi und Moses Wolfhagen. Niedergeschrieben ist sie im ‚Konstitutenbuch der althessischen Judenschaft’ und lautet nach der dem hebräischen Original beigefügten Übersetzung: ‚Wegen der Tefillin, welches ist das Handzeichen und Stirngeschmeide, und Mesussoh, welches auf deinen Hauspfosten geschrieben werden muss, haben alle Völker auf Erde gesehen, dass sie nicht gewarnt sein, die Tefillin öffnen und lassen, ob dieselben richtig. Da aber mehrmals dieselben unrichtig sind, den vorigen Landtag aber haben sie die Tefillin nicht öffnen lassen, da ist ihre Missetat größer, denn dass sie ihnen vergeben werden könnte. Also haben wir unsere Augen aufgetan, dass die Gesetzesschreiber, so im Lande wohnen, namentlich Rabbi Salomon und Rabbi Nathan in Abterode, Isaak Jestädt und der Bursch Feibes in Abterode sollen im ganzen Lande herumgehen, nämlich ein jeder einige Klassen (Bezirke), welche ihn durch das Los treffen werden, um die Tefillin zu öffnen von denjenigen Männern, so ihre Tefillin beim verflossenen Landtag 490 nicht besehen lassen und die Mesusaus an denen Türen der sesshaften Juden zu besehen, ob sie richtig sind. Welcher nun von den Gesetzschreibern in seiner Klasse nicht selbst herumreisen wollte, so soll ein anderer an dessen Platz reisen und braucht dem Gesetzschreiber, welcher nicht herum gegangen, nicht den geringsten Heller zu geben. Dies ist die Belohnung der Gesetzschreiber: ‚Öffnen, besehen und schließen der Tefillin 2 Albus; Öffnen eine Mesussoh und besehen 1 Albus. Für eine neue Muesusso 1 Albus. Für eine Parschoh 6 Albus; für ein Paar mittelgute Riesen ½ Kopfstück, für gute 4 Albus. Neue Battim (Gebäude) ½ Kopfstück (Kopfstück ist jede Münze mit dem Bruchbild des Münzherren und hatte einen Wert von 20 Kreuzern oder 70,125 Pfennig der Thalerwährung.) – Es werden nun die genannten Gesetzesschreiber ernsthaft gewarnt, dass sie nicht über die festgesetzte Belohnung nehmen und in specie, dass sie des Herren Werk nicht saumselig tun sollen, denn es ist geschrieben: ‚Du sollst dich  vor deinem Gott fürchten.’ Findet man aber, dass der Gesetzesschreiber nachlässig ist und den Menschen betrügt, so sollen ihm Rabbiner und Vorsteher eine harte Geldstrafe auferlegen, wovon der gnädigste Landesherr die Hälfte erhält.’ – Über sonstige soziale und religiöse Anordnungen aus jener Zeit vielleicht später Näheres. L. Horwitz, Kassel." 

    
Zur Gründung des Vereins "Ez Chajim" unter Lehrer Westheim (1868)   

Abterode Israellit 25031868.jpg (99640 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. März 1868: "Bischhausen (Kreis Eschwege) in Hessen, im März (1868). Am 23. vorigen Monats, also am 1. Adar, besuchte ich meinen lieben Freund und Kollegen Westheim in Abterode und erfuhr bei dieser Gelegenheit, dass daselbst für das Verständnis und das geistige Eindringen in unsere Heilige Tora Rühmenswertes geschieht. So hat sich vor etwa 4 Monaten ein Verein, bestehend aus jungen, unverheirateten Leuten gebildet, der sich unter der trefflichen Leitung des Herrn Westheim die Aufgabe stellt, in einer wöchentlich dreimaligen Versammlung einen Vortrag aus den Kommentarien über den Pentateuch anzuhören, von welchen letzteren der von Raschi bevorzugt wird. Das Bemerkenswerteteste bei der Sache ist, dass Rabbi Leb Oppenheim in Abterode den ersten Impuls dazu gegeben und als Mann von 86 Jahren von Haus zu Haus gegangen und die Leute persönlich zur Beteiligung an diesem löblichen Unternehmen eingeladen. Der Verein zählt 15 Mitglieder und führt den ebenso bedeutungsvollen, als hübschen Namen "Ez Chajim" (= Lebensbaum). Möchte es dem würdigen Greis noch viele Jahre gegönnt sein, die segensreichen Früchte seines Werkes ernten zu können und möchten auch anderwärts ähnliche Institute ins Leben gerufen werden!   J. Werthan, Lehrer."   

   
Ergebnisse von Spendensammlungen in der Gemeinde (Beispiele aus den Jahren 1869 / 1872 / 1893 / 1894 / 1898)     
Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig Spendensammlungen durchgeführt und die Ergebnisse immer wieder in jüdischen Periodika bekannt gegeben.

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1869 - Sammlung "zur Unterstützung der notleidenden Glaubensgenossen in West-Russland": "Aus Abterode: Lehrer Westheim 20 Sgr., Gemeindeältester Levi Lautemann 1 Thlr., Perez Rothschild 1 Thlr., Moses Lautemann 2 Sgr., Levi Schulhaus  2 1/2 Sgr., David Ronsheim 10 Sgr., Levi David Ronsheim 15 Sgr., Samuel Blach 3 Sgr., Moses Oppenheim 10 Sgr., Aron Katzenstein 2 Sgr., David Westheim 15 Sgr., Moses Heilbrunn 1 Thlr., Gottschalk Westheim 1 Thlr., Levi Wertheim 2 Sgr., Itzig Rothschild 6 Sgr., David Katzenstein 6 Sgr., Levi Katzenstein 2 Sgr., Menke Katzenstein 5 Sgr., Moses Blauenstein 3 Sgr., Abraham Heinemann 3 Sgr., Aron Goldschmidt 5 Sgr., Lehmann Oppenheim und Sohn Joseph 7 1/2 Sgr., Itzig Heilbrunn 7 1/2 Sgr., Elias Ronsheim 15 Sgr., Levi Meier Ronsheim 2 1/2 Sgr., Lazarus Ronsheim 7 1/2 Sgr., Samuel Goldschmidt Synagogenpedell 15 Sgr., Levi Oppenheim 5 Sgr., Markus Heilbrunn 15 Sgr, Levi Wolf Ronsheim 5 Sgr., Meier Stiefel 2 1/2 Sgr, Aron Oppenheim 4 Sgr., Levi Geisel Ronsheim 2 1/2 Sgr., Meier Katz 5 Sgr., Joseph Stiefel in Vockerode 2 1/2 Sgr., aus der Gemeinde-Kasse 1 Thlr. 17 Sgr., zusammen 12 Thlr 15 Sgr."     
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1872 - Sammlung "für die Notleidenden in Ismail, Cahul etc.": "Durch Kreisrabbiner Dr. Frenkel in Witzenhausen von der Gemeinde Harmuthsachsen 4 Thlr., von der Gemeinde Abterode (3. Sendung), gesammelt durch den Lehrer Westheim daselbst: Aron Goldschmidt 10 Sgr., Markus Heilbrunn 1 Thlr., Menke Katzenstein 6 Sgr., Moses Oppenheim 15 Sgr., Lehmann Oppenheim und Sohn Joseph 15 Sgr., David Katzenstein 6 Sgr., David Westheim 20 Sgr., Lazarus Ronsheim 5 Sgr., Levi Wolf Ronsheim 7 Sgr. 6 Pf., Mo­ses Heilbrunn 1 Thlr. 15 Sgr., Gottschalk Westheim 21 Sgr., Samuel Goldschmidt 6 Sgr., Abraham Heinemann 5 Sgr., Ungenannt 6 Sgr., Perez Rothschild 20 Sgr., Samuel Bloch 2 Sgr., Lehrer Westheim 1 Thlr.. zusammen 8 Thlr. 4 Sgr.   Zusammen 12 Thlr. 4 Sgr. "    
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Juni 1893 - "Spenden für das Heilige Land": "Abterode. Durch Vorstand J. M. Oppenheim: Aus der Synagogenbüchse 41.55, Hannchen und Bertha Oppenheim 6, Rosa Lautmann 5.20, Rosa Westheim 3. Pauline Oppenheim 3, zus. 58.75 M., wovon 2.75 M. für die Beit Cholim (Krankenhaus) und 3 M. für R. IV."    
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1894 - "Spenden für das Heilige Land": "Abterode. Durch Vorstand J. M. Oppenheim: Aus der Synagogenbüchse 44.90, Rosa Lautmann 5.20, Hannchen Oppenheim 5, zus. 55.10 M., wovon 7.10 M. für Zwecke im Heiligen Land."  
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1894 - "Spenden für das Heilige Land": "Abterode. Durch Lehrer J. Bachrach, Challah-Geld von nachgenannten Frauen: Dorette Katzenstein 0.50, Betti Katz 4, Lina Stern 3, Rickchen Oppenheim 4.20, Witwe Jettchen Rothschild 3.25, Jettchen Rothschild 2.90, Marianne Ronsheim 3, Rebecka Blauenstein 1.05, Hannchen Katzenstein 0.88, Schöne Heilbrunn 3.50, Rosa Westheim 3, Pauline Oppenheim 2 , Moses Heilbrunn Witwe 0.72, J. Appel Witwe 1.75, Fräulein Goldine Goldschmidt 1.13, Malchen Rothschild 5.40, Rosalie Katzenstein 3. zus. abz. Porto 43.08 M., wovon 2.08 M. für R. VII und 2 M. für M'S."   
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1898 - "Spenden für das Heilige Land": "Abterode. Durch Lehrer J. Bachrach: Chalah-Geld von den Frauen: Mirjam Ronsheim 1, Rosa Westheim 3, Betti Katz 4, Pauline Oppenheim 3, Wwe. Rothschild 1.50, Malchen Rothschild 1.50, Rosa Goldschmidt 3, Schöne Heilbrunn 2.20, Lina Stern 2, S. Heilbronn 0.75, N.N. 1.50, zus. 23.45 M., wovon 2.45 M. für die B'CH'."  

     
Generalversammlung des Jüdischen Frauenvereins (1928)  

Abterode Israelit 27121928.jpg (36596 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Dezember 1928: "Abterode, 19. November (1928). Am 11. November fand unter Vorsitz der Frau (von) David Westheim die Generalversammlung des Jüdischen Frauenvereins statt. Nach Besprechung über die Anschaffung verschiedener ritueller Gegenstände fand die Vorstandswahl statt. Zur 1. Vorsitzenden wurde Frau David Westheim, zur 2. Frau Lehrer Spier gewählt."   
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. November 1928: "Abterode. Am Sonntag, den 11. dieses Monats fand die Generalversammlung des Jüdischen Frauenvereins statt. Die Vorsitzende, Frau D. (= Dina) Westheim, eröffnete die Versammlung und begrüßte die erschienenen Damen. Nach kurzer Besprechung über die Anschaffung verschiedener rituelles Gegenstände fand die Vorstandswahl statt. Die Wahl ergab: erste Vorsitzende Frau (von) David Westheim, zweite Vorsitzende Frau (von) Lehrer Spier."   

     
Chanukkafeier in der Gemeinde (1929)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. Dezember 1929: "Abterode. Wie alljährlich, findet auch in diesem Jahre am 29. dieses Monats eine Chanukkahfeier mit Ball statt, zu der die in hiesiger Gegend sehr beliebte Kapelle ‚Lulu‘ aus Eschwege konzertieren wird. Der für dieses Vergnügen sich gebildete Ausschuss hat sich um die Ausgestaltung die größte Mühe gegeben und wird mit allerlei Überraschungen alle Besucher angenehm unterhalten"           

 
20-jähriges Stiftungsfest des jüdischen Frauenvereins (1930)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. November 1930: "Abterode. 20-jähriges Stiftungsfest des jüdischen Frauenvereins. Am Sonnabendabend fand hier im festlich geschmückten Schulzimmer die 20-jährige Stiftungsfeier des jüdische Frauenvereins statt, zu der zirka 60 Personen aus der Gemeinde erschienen waren. Herr Lehrer Spier hielt die Festrede. Ausgehend von dem Prophetenwort Jesaias: "Erhebe ringsum deine Augen und siehe, sie sind alle gekommen‘, schilderte Herr Spier, wie der Verein in den 20 Jahren seines Bestehens stets seinen hohen Idealen treu geblieben ist und auch heute noch, trotz der Nöte der Zeit, keine Stimme des Elens unbeachtet lässt. Mit der Ermahnung, diese ideale Gesinnung, die bisher in den Reihen des Vereins vorherrschend war, auch in Zukunft in demselben walten zu lassen, schloss Herr Spier seine mit großem Beifall aufgenommene Rede. Hierauf begrüßte Frau Dina Westheim die Anwesenden mit herzlichen Worten und erstattete den Rechenschaftsbericht. Die notwendig gewordene Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzende Frau Dina Westheim, 2. Vorsitzende Frau (von) Lehrer Spier, Schriftführer Lehrer Hermann Spier. Unter Leitung ihres Lehrers trugen hierauf die Schulkinder einige Gedichte und Singspiele vor, die den Erwachsenen viel Freude bereiteten. Der übrige Teil des Abends wurde aufgefüllt mit Deklamationen ernsten und heiteren Inhalts, die von Herrn und Frau Lehrer Spier sowie von Frl. Ellen Westheim ausgewählt und zu Gehör gebracht wurden. Als man um 1 Uhr nachts aufbrach, gingen alle mit dem Bewusstsein nach Hause, einen recht angenehmen Abend verbracht zu haben.' "     

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Über den Vorbeter Jehuda Löb ben Mose in Abterode (Ende 17. Jahrhundert, gest. 1711 in Altona oder Hamburg; Beitrag von 1898) 
Verschiedene Namensvarianten, Löb ben Moses Minden, Judah ben Moses Selichower.
Vgl. Artikel  https://www.jewishencyclopedia.com/articles/10848-minden-lob-b-moses und https://en.wikipedia.org/wiki/Löb_ben_Moses_Minden (beide haben Todesjahr 1751, ohne Nennung von Abterode)
Vgl. Seite https://ubffm.hds.hebis.de/Author/Home?author=gnd_from%3A173700845&type=allfields&filter%5B%5D=%7Ematerial_access%3A%22physical%22  (hier Todesjahr 1711)
Vgl. auch Artikel "Minden" in "Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe" Münster 2013 S. 550 (hier auch Todesjahr 1711).   

Artikel in der Zeitschrift "Israelitische Cantor und Lehrer" 1899 5 S. 34-35: "Die Entstehung des Vorbeterdienstes. Von Dr. A. Berliner in Berlin. 
IV.  Auch die hebräische u. jüdisch-deutsche Schrift 'Schire Jehuda', welche 1696 in Amsterdam erschien, bietet eine Fülle von Beobachtungen und Bemerkungen in Betreff des synagogalen Gottesdienstes. Der Verfasser, Jehuda Löb ben Mose, war ehedem Chasan in Abterode und nachher in Minden an der Weser. Er beschäftigt sich in diesem Buche viel mit seinen Berufsgenossen, denen er wegen ihrer gesanglichen Ausschreitungen oder Willkürlichkeiten oft den Text liest. Er prägt ihnen ein, bei festlichen Versammlungen statt der fremden, profanen Gesänge die von ihm verfassten und in seinem Buche in hebräischer und deutscher Sprache mitgeteilten Tischlieder zu singen, und zwar nach benannten Melodien aus dem Gottesdienste an den heiligsten Tagen des Jahres, Hierdurch würden die Chasanim die Teilnehmer an der Tafel zu einer religiösen Hebung führen, welche 'eine andachtsvolle Stimmung hervorruft und vor dem Ausbruch des Übermuts, der sich oft bis zur Zügellosigkeit steigert, bewahrt'. Die Chasanim seien berufen, dem heillosen Unwesen bei öffentlichen Tafeln zu steuern. Denn auf sie dürfe man in unserer Zeit den Schriftvera anwenden; wenn der Priester, der gesalbte, sündiget usw. - das ist der Vorbeter der in seiner Sendung die Versöhnung für die Gemeinde zu fördern habe, — Interessant ist es, was Jehuda Löb hierbei aus dem bewegungsreichen Jahre 1666 mitteilt, in welchem die sabbatianische Hochflut nach den entferntesten Gegenden sich ausbreitete und alles mit sich fortriss. Damals war man überall voller Erwartung auf die Ankunft des Messias. Auch die verstocktesten Sünder fingen an, daran zu glauben, und erfüllten ihr Herz mit aufrichtiger Buße. Die Freude über das bevorstehende Ereignis wuchs mit jedem Tage: sie wurde von einer sich stetig steigernden Begeisterung für die erhoffte Neugestaltung aller Dinge getragen. Eines Tages traf der Verfasser seinen Lehrer, den Rabbiner Wolf Levi, der zur Zeit zugleich das Landrabbinat von Hessen versah (später in Witzenhausen und dann in Friedberg) und längere Zeit in Abterode sich aufhielt, in einer Stimmung, die wesentlich von der allgemein herrschenden Freude sich unterschied. Auf dringendes Verlangen erklärte er den Wechsel in seinen Gefühlen aus der Betrübnis, die sich seiner bemächtigt, wenn er an die beiden Amen denke, welche in der Gemeinde vernachlässigt werden, was um so schmerzlicher empfunden werden müsse, da sie gerade das Gebet um das Erscheinen der Messiaszeit betreffen, und ihre Missachtung die endliche Erlösung verhindern könnten. Nämlich das Amen am Schlusse des hamach'sir Sh'chinato leZion 'wenn du nach Zion zurückkehrst' wo die Gemeinde sofort, ohne Amen zu sagen, mit modim (wir danken) beginnt und dasjenige am Schlusse des sabbatlichen Abendgebetes, hapores sukkat schalom - 'Breite die Hütte des Friedens aus', wo die Gemeinde ebenfalls ohne Amen mit weschamru - und sie sollen achten einzufallen pflegt. Der Verfasser nahm sich diesen Hinweis sehr zu Herzen; er war fest überzeugt, dass diese Unachtsamkeit die Erfüllung der an allen Orten bereits fieberhaft gehegten Erwartung, das Kommen des Messias, vereitelt habe. Er wendet sich daher an die Vorbeter, die er dafür verantwortlich machen will, dass sie durch ihr übermäßig ausgedehnten schnörkelhaften Gesang der Schlussworte es verschulden, dass die Hörer die Geduld verlieren und um so mehr eilen, die folgenden Gebetsworte zu sprechen. 'Auch in der Keduscha, in den Kadeschim und im Borchu am Sabbat und Festtag zerren die Chasonim die Wörter und Silben derart auseinander, dass nicht eins zum andern gehöre. Mögen die Vorsänger auch hierbei von den besten Absichten geleitet sein, den Gottesdienst durch ihren Gesang feierlicher zu gestalten, sie erreichen das gerade Gegenteil. Denn während des übermäßig hingezogenen Gesangsvortrages, langweilt sich das Publikum am meisten und treibt unterdes eitles, sündhaftes Geschwätz. Der fromme, von seinem Beruf erfüllte Chasan, muss es verstehen, durch einen gekürzten, aber würdevollen Gesang, der von allem Beiwerk frei bleibt, die Gemeinde andachtsvoll zu stimmen'. Hierauf nimmt der Verfasser Veranlassung, in weitläufiger Weise über die Pflicht, im Gotteshause die Andacht zu pflegen und den Anstand zu wahren, sich auszulassen und die Gefahren zu schildern, welche dem religiös-sittlichen Leben aus dem vernachlässigten Gottesdienste erstehen. Im weiteren Verlaufe seiner Darstellung warnt er auch vor der Aufnahme fremder Melodien, zumal aus nichtjüdischen Bethäusern, aus dem Theater, oder von Bänkelsängern, in den jüdischen Gottesdienst. 'Gerade die alten, tradierten Melodien dringen tief in das Gemüt des Zuhörers ein und stimmen sein Inneres zur Erbauung und Andacht', was dann an mehreren Beispielen über die Wirkung des frommen Gesanges, besonders bei gewissen Stellen im Gebetritual (Anmerkung) dargetan wird.
Aber auch' gegen das zu schnelle Vorbeten wendet sich Jehuda Löb, welches manche Chassanim sich angewöhnen, um dem Willen der ungeduldigen Zuhörer nachzugeben und sich hierdurch in ihren Augen beliebt zu machen. Auf eine solche Weise die Gunst der Menschen sich sichern zu wollen, müsse als eine schwere Versündigung gegen Gott betrachtet werden, die sich früher oder später bitter rächen würde. Der Vorbeter habe nur zu beherzigen (hebräisch und deutsch:) 'Wisse, vor wem Du stehst', dann wird er zu allen Zeiten seinen Hochberuf richtig auffassen und ihn auch erfüllen.
Anmerkung: Schreiber dieses (Beitrages) hat vor mehreren Jahren aus dem jüdischen Friedhof in Krakau einen Grabstein gesehen, dessen Inschrift von einem Vorbeter kündet, der von den Worten ... am Versöhnungstage in seinem Vortrage so ergriffen ward, dass er hierbei seine Seele aushauchte."   

   
Ein Vorfahr der Hildesheimer Familie Goldschmidt kommt aus Abterode (Artikel von 1901)  
Anmerkung: ein sicher mit dem aus Abterode stammenden Moses Goldschmidt in Hildesheim stiftete dort 1707 eine Torarolle, die in feierlichem Umzug in die Synagoge Hildesheim gebracht wzrde. Siehe: Ein Aktenstück zur Geschichte der Juden in Hildesheim aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts. Von Dr. Lewinsky. https://www.jstor.org/stable/44852347    

Aus einem Artikel in den "Blätter für jüdische Literatur und Geschichte" September 1901 S. 113f: "
Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Stadt und Hochstift Hildesheim im 18. Jahrhundert.

(Protokolle des Kgl. Staatsarchivs in Hannover (Anm. 1). Von Dr. Lewinsky.
Praes.  H. H.-Rath Dauber    Hildesh. statt Juden betreffend   (Anm. 2 ) ...
1. Moises Goldtschmidt (Anm.3) etzliche 70 jahr aldt. bürtig auss dem Hessenlandt von Abterode, seine Frau wehre auss Hildesheim Borchardt Canters (Anm. 4) Thochter, hette 46 jahr hieselbst gewohnet, hette 3 Kinder, sein ältester sohn nennete sich Borcherdt Goldtschmidt undt wehre verheyrahtet, wohnete bey ihm (am Rande: mit der frauen) im Hausse, dan wehre seine Tochter an David Leff verheiratet. Der dritte Sohn wehre 22 jahr aldt, aber noch nicht geheyrahtet, hette Ein Juden Magdt; undt Ein Eigenes Hauss, was Er am Rath auff der neustatt geben musste, belieffe sich fast auff 12 thlr, handelte mit pferden.
Anm. 1: Hildesheim Des. 1. Teil 51. Abschnitt 1. Nr. 2.
Anm. 2: Fol. 54 ff. Mit Bleistift ist links am Rande vermerkt: 19/5 1732״.“
Anm. 3: s. Monatsschrift f. Geschichte und Wissenschaft des Judentums 45. Jahrg., 1901, S. 487 sub 'Hildesheim', woselbst er unter ״Leipziger Messgäste“ a. 1691—99 mit D. (= Diener) genannt wird. Vgl. auch Monatsschr. a.a.0. S. 179 ff. (Ein Aktenstück zur Gesch. d. Jud. in Hildesh. u.s.w.).
Anm. 4: Monatsschr. a. a. 0. S. 487 'Burkhardt Cantor 1697'
."   
In demselben Beitrag in den "Blättern für jüdische Geschichte und Literatur" November 1902 S. 150f: "Zur Statistik der jüdischen Bevölkerung in Stadt und Hochstift Hildesheim im 18. Jahrhundert" von Dr. Lewinsky wird "Hirsch Chaim Wittib" genannt, 43 Jahre alt, gebürtig von Abterode. Ihr Mann war Salomon Chaim aus Hildesheim, mit dem sie sechs Kinder hatte...  

   
Reformvorschläge in einem Brief an von Dr. jur. Steinfeld in Abterode "an die Rabbinen Deutschlands" (1848) 
Anmerkung: der Brief an die Rabbinen in Deutschland ist mitten im Revolutionsjahr 1848 geschrieben. Die baldige jüdische Emanzipation schien damals gewährleistet, da in den neuen deutschen Parlamenten einige namhafte Juden mitarbeiteten. In der Frankfurter Paulskirche kam es am 28. August 1848 zu einer Debatte über die Grundrechte und ihre Geltung für Juden, die Moritz Mohl aus Württemberg wegen ihrer "Fremdstämmigkeit" bezweifelt hatte. Der bekannte Lauenburger Abgeordnete Gabriel Riesser wies dies mit Erfolg zurück. Im Monat vor der Versammlung in der Frankfurter Paulskirche schrieb Dr. jur. Steinfeld aus Abterode in der liberalen und gegenüber dem traditionellen Judentum kritischen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" ("Sprachrohr der jüdischen Reformbewegung") seinen Beitrag. Der Kommentar dazu dürfte vom Redakteur der Zeitung, Rabbiner Dr. Ludwig Philippson (Magdeburg):  https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Philippson.
Dr. jur. L. Steinfeld war als  Advokat in Abterode tätig (mindestens seit 1845). Er war verheiratet mit Fanny geb. Windecken, mit der er vier Kinder hatte: Tekla (geb. 3. September 1845), Ida (geb. 27. September 1846), Albert (geb. 8. Oktober 1848) und Max (geb. 12. Juli 1851).
Der Brief Steinfelds "an die Rabbinen Deutschlands" wurde auch abgedruckt in der Zeitschrift "Der Orient" vom 5. August 1848 S. 252f.     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juli 1848: "Abterode, 9. Juli.  Aufruf an die Rabbinen Deutschlands.
Als eine der edelsten Früchte, welche in dem 'Boden des neuen Staats- und Rechtslebens kräftige Wurzeln schlagen werden, begrüßen wir das Recht der Religions­ und Glaubensfreiheit. Soll dieses kostbare Gut nur eine Errungenschaft der Bekenner des christlichen Glaubens sein, und sind alle übrigen Konfessionen von dem Genusse dieses Rechtes ausgeschlossen? Bei unbefangener Betrachtung können wir nur mit einem entschiedenen Nein antworten. Die Völker Deutschlands haben eine allgemeine Religionsfreiheit angesprochen, die Fürsten haben diesen Anspruch für begründet erklärt; und da man für die Bekenner des Judentums eine exzeptionelle, den allgemeinen Grundsatz modifizierende Bestimmung nicht getroffen hat, so können wir die lange gehegte Hoffnung, von den drückenden Fesseln des Glaubens- und Gewissenszwangs befreit zu werden, als erfüllt ansehen. Mögen auch die Anhänger des abgestorbenen Regierungssystems eine andere Ansicht heraufzubeschwören versuchen, mag auch in einzelnen Staaten das Bestreben sich rege machen, unsere begründeten Rechte zu verkümmern, man wird es nicht vermögen, uns langer als bloß geduldete Einwohner an der Schwelle des politischen Lebens stehen zu lassen. Das Recht und die öffentliche Stimme sind die mächtigen Pfeiler, auf welche wir gleich einem jeden Deutschen unsre Zukunft gründen. Die deutsche Reichsversammlung zählt, was nicht bestritten werden kann, Freiheit des Glaubens und der Religionsübung, Gleichheit aller Religionsparteien in bürgerlichen und politischen Rechten zu den Grundrechten des deutschen Volks. Beschränkungen dieses Fundamentalgesetzes zum Nachteil der Juden können, wenn das deutsche Parlament nicht ein leeres Phantom sein soll, von den einzelnen Regierungen nicht ausgehen. Hiernach kann man die Furcht, dass wir, was unsere politische Emanzipation betrifft, noch weit vom Ziele entfernt stehen, als unbegründet bezeichnen.
Wenn wir nun aber auch hoffen dürfen, dass unser Religionsbekenntnis auf unsre bürgerliche und politische Rechtsfähigkeit in der Zukunft nicht den geringsten Einfluss zu äußern im Stande sein wird, so wird diese Hoffnung doch durch die Besorgnis getrübt, dass wir von einem andern höchst wichtigen Ziele noch weit entfernt sind; es ist dies die Befreiung von der jetzt noch im Judentum herrschenden Geistesknechtschaft, welche unter der tausendjährigen Tyrannei des Rabbinismus so fest gewurzelt ist, dass an eine Erlösung fast nicht zu denken ist. Ist noch ein Nachweis darüber erforderlich, dass die jüdische Religion unter dem Drucke jener Geistestyrannei, welche jeder freiem Entwickelung, jedem hohem Aufschwung von jeher hemmend entgegengetreten ist, in eine endlose Masse von unnützen Formen und schädlichen Zeremonien gehüllt wurde, so dass jeder Versuch einer freien Regung auf dem Gebiete der Religion vor dem undurchdringlichen Zeremonienpanzer zurückbeben musste? Der Inhalt unsrer Religion wird von dem orientalischen Formelkrame bedroht; der Kern läuft Gefahr, von der Schale zerdrückt zu werden.
Schon längst hat man die gefahrvolle Stellung des Judentums erkannt, manche ernste Stimme hat sich erhoben, um unsre Religion von schmachvollem Untergange zu retten. Haben aber die bittenden und mahnenden Stimmen einigen Anklang gefunden? Haben insbesondere die Rabbiner den Notruf so vieler Tausende ihrer Glaubensbrüder gehört? Wenn man sagt, unsere Lehrer und Seelsorger hätten die Zeit und ihre Stellung nicht begriffen, sie hätten nicht ihrem Berufe gemäß gewirkt, sie hätten zur Belebung des fast abgestorbenen Judentums wenig oder gar Nichts beigetragen, dann dürfen diese hierin keinen sie kränkenden Vorwurf finden. Ihr Verfahren lässt sich wohl rechtfertigen durch die Verhältnisse der jüngst verflossenen Zeit. Von oben her wurde ja jeder Weg, der zum Lichte führen konnte, versperrt, man wollte keine Reform, keinen Fortschritt, sondern Alles war auf das Zurückgehen berechnet. Eine gefährliche Partei umstrickte ganz Deutschland mit dem Netze des Mystizismus, alle jesuitischen Ränke wurden benützt, um das Volk in dumpfe Versunkenheit zu bringen. Was Wunder, dass auch auf die ohnehin schwache Zahl der Juden der Mystizismus seinen unheilvollen Einfluss äußerte!
Jene Zeit ist aber vorüber; das politische System, welches den Völkern das Lebensmark austrocknete, die Blüte alles geistigen Lebens mit eisiger Hand erstarren machte, ist zertrümmert, und hiermit ist auch für die Wiedergeburt des Judentums eine neue Ära aufgegangen. Was kann uns jetzt noch hindern, neue Lebenskeime unsrer der Auflösung nahen Religion zuzuführen, und diese auf den ihr gebührenden Standpunkt zu setzen? Wir sind freie Deutsche, lasst uns als Solche frei sein im Glauben und im Handeln, lasst uns das Joch abwerfen, welches eine knechtende Geistesherrschaft uns aufbürdete!    
An Euch, Lehrer des Judentums, ist es besonders, wieder gut zu machen, was Eure Amtsvorfahren an uns verbrochen haben; vereinigt Euch zu einer konstituierenden Versammlung und bedenkt, dass jeder Verzug gefahrvoll ist. Schaffet ein im Boden des Judentums wurzelndes Religionsgrundgesetz, und erklärt Euch entschieden gegen alle Satzungen, die weder dem wahren Geiste unsrer Religion, noch den Anschauungen der jetzigen Welt entsprechen! Diesen großartigen Plan zu verwirklichen, ist Männern wie Philippson, Geiger u.A. vorbehalten.
Die nicht zu verkennende Schwierigkeit der zu lösenden Aufgabe wird hinlänglich aufgewogen durch die hohe Bedeutung des zu erstrebenden Ziels. Jede Furcht vor dem Misslingen des Plans muss um so mehr schwinden, wenn man bedenkt, dass in der jetzigen Zeit für den Dienst der guten Sache viele Kräfte sich sammeln werden, und dass man da kein Opfer scheuet, wo es sich um die heiligsten Interessen der Menschheit handelt.
Auf also! Beherziget die gewichtigen Worte eines trefflichen Lehrers: 'Die Reformfrage ist sehr drängend, sie ist unabweisbar, sie ist die höchste Notwendigkeit. — Der ganze Bestand unsrer Religion ist dabei interessiert, und wir erblicken keine Zukunft für dieselbe, Falls sie sich nicht aufrichtig und ganz der Reform in die Arme wirft." Dr. jur. Steinfeld.
Bemerkung des Redakteurs. Wir haben im Obigen den Abfasser sich unumwunden aussprechen lassen. Wir nehmen auch die Schlussworte, die derselbe zitiert, und welche die unsrigen sind (s. No. 23 leitender Artikel), in ihrem vollen Sinne an. Ist hier und da in diesem Aufrufe etwas stark aufgetragen, so ist es jetzt keine Zeit, um Worte zu feilschen. Wahrheit, und nur Wahrheit muss unser Streben, unser Ziel sein. Aber in dem Einen können wir dem geehrten Herrn nicht beistimmen, wenn er die Lösung der großen Aufgabe den Rabbinen überweisen will. Die Rabbinen im Ganzen taugen hiezu nicht. Die Rabbinen als Solche sind selbst zerspaltet und zerrissen nach allen Richtungen der Zeit. Auch ist die Gegenwart nicht angetan, solches Werk den Geistlichen zu überlassen, und von ihnen entgegenzunehmen. Nein! die Zeit allgemeiner Rabbinerversammlungen ist vorbei, sie würden eben so Weniges Hervorbringen als nützen. Jetzt gilt es, von allen Seiten die Steine zum Neubau heranzubringen. Wir kennen nur zwei Wege: die Presse und die freie Assoziation. Die Erstere wird schon, so wie sie in der allgemeinen Bedrängnis wieder Raum gewinnt, die Fragen ventilieren: die Andere ist herzustellen, wo und wie es möglich ist. Man hat allerdings in den jüngsten Jahren die Assoziation auf dem Gebiete des Judentums in Anwendung gebracht. Wir haben Rabbinerversammlungen, Reformvereine, Genossenschaften u.dgl. gehabt. Woran sie aber scheiterten, das war erstens der Geist der Formalitäten, der überall über sie kam. Immer kam man mit Paragraphen, Geschäftsordnungen, Abgeschlossenheit etc., worunter der Geist und Zweck erdrückt wurden. Das war zweitens die Gleichgültigkeit, die Lauheit. Es hatte Alles einen Anklang nur in sehr beschränktem Raume. Nein! versammelt euch überall und oft. Wo Einer die Befähigung hat, sich an die Spitze einer Bewegung zu stellen, da tue er es. Was der Gesamtheit Not tut, das kann jetzt — noch dazu auf rein geistigem Gebiete — kein Einzelner vollbringen und der Gesamtheit zur Morgengabe bringen — mag es X oder Y heißen — sondern die, vom Geiste durchdrungene Gesamtheit vermag es allein. Also überall müssen Versammlungen gehalten, muss geweckt und angeregt werden — dann werden sich die Tonangeber, die natürlichen Vertreter schon herausstellen. — Von einem Alp nur hat uns die Neuzeit erlöst, wie der Verfasser selbst sehr passend andeutet, von der Herrschaft von oben, dass die Regierungen jeder frischen Geistesregung die Zukunft absprachen, so wie von der Herrschaft von unten, dass die Massen selbst der Bewegung entgegentraten und deren Träger knechteten. Nun, dann muss es sich jetzt herausstellen, was die Massen unserer Glaubensgenossen in geistiger Beziehung wert sind. Sie können nicht vom einzelnen Genius fordern: gib uns, was wir brauchen mögen, um es hinterdrein wie ein verzogenes Kind fortzuwerfen — sondern sie müssen selbst herausschaffen aus dem Chaos, was ihr inneres Leben ist, und haben dann nur die Frage frei: stimmst du mit uns überein?
Ja, dies ist die Verteilung der Rollen. In der Presse spricht der Einzelne zur Gesamtheit, in der Assoziation, der Versammlung spricht die Gesamtheit zum Einzelnen. Fordere man vom Einzelnen in Zukunft nicht mehr, als man von ihm anzunehmen gesonnen ist. Also noch einmal: Versammlung und Vereinigung aller Orten! Aber nicht von Rabbiner allein, sondern innerhalb der Gesamtheit! — Dies ist unsre Meinung."
 

      
Zum Tod von Kaufmann M. Stiefel (1901)   

Anmerkung: Meyer Stiefel ist um 1811 geboren und Anfang Juni 1901 in Abterode gestorben. Er war verheiratet mit Adelheid geb. Grünheit, die um 1817 in Rotenburg an der Fulda geboren und am 14. November 1890 in Abterode gestorben ist. Die beiden hatten sieben in Abterode geborene Kinder: Joseph (geb. 10. Mai 1845), Koppel (geb. 10.Mai 1846), Elias (geb. 5. August 1847), Male (geb. 30. April 1850), Mirjam (geb. 31. Mai 1853), Lena (Lea, geb. 8. Januar 1855) und Hirsch (geb. 6. Januar 1858, gest. 4. Juni 1932 in Eschwege). Der im Abschnitt genannte K. = Koppel Stiefel war zunächst Schuhmacher in Abterode und verzog nach Eheschließung mit Elise geb. Cohen (geb. 6. November 1841 in Hamburg, gest. 18. Dezember 1913 in Hamburg) in die Heimatstadt seiner Frau. Mit ihr hatte er sieben in Hamburg geborene Kinder, vgl. https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I1164&lang=de  Koppel Stiefel starb am 9. Mai 1913 in Hamburg. Über Tochter Selma Zwienick geb. Stiefel (1882 Hamburg - ermordet 1938 Bremen siehe  https://www.bremerfrauengeschichte.de/2_Biografien/Zwienicki.html)          

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 10. Juni 1901: "Abterode. Unser ältester Ortsbürger, der frühere Kaufmann M. Stiefel, hier, in weiten Kreisen bekannt (derselbe ist der Vater des in Hamburg wohnhaften Herrn K. Stiefel), ist in voriger Woche im hohen Alter von fast 90 Jahren verschieden. Bis zu seinem Tode eine Zierde des gesetzestreuen Judentums, war er geradezu ein Wunder der Menschlichkeit, indem es ihm vergönnt blieb, bis in die letzten Stunden, von etwas Schwerhörigkeit abgesehen, die Rüstigkeit des mittleren Mannesalters zu behaupten; sein Augenlicht blieb ungetrübt. Zittern kannte er nicht und zu jedem Gottesdienst der Erste im Andachtshause zu sein, darin sah er eine besondere göttliche Verehrung. Meilenweite Wege zu Fuß über den hohen Meißner (sein Geschäft befand sich hier) unternahm er bis in die 80er Jahre tagtäglich und durch seine eiserne Kraft und Gesundheit war er als der Simson des Kreises Eschwege bekannt. Welche Verehrung der Verklärte genossen, bewies die Teilnahme der gesamten jüdischen Bevölkerung aus Ort und Land an dem Leichenbegängnis der Kantor Lehrer Bachrach aus Abterode hielt die ergreifende Trauerrede."   

    
Gefallen im Ersten Weltkrieg: Daniel Katzenstein (aus Abterode, Lehrer in Kassel, 1915)      

Abterode Israelit 05081915.jpg (94587 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1915: "Abterode, 29. Juli (1915). Wieder ist einer unserer hoffnungsvollsten jungen Lehrer im Feindesland gefallen. Daniel Katzenstein hauchte am 17. vorigen Monats auf den Feldern Russlands im Alter von 21 Jahren seine reine Seele aus. Katzenstein stammte von hier und genoss seine Ausbildung in der Präparandenanstalt in Burgpreppach und im Lehrerseminar zu Kassel. Durch rastlosen Eifer eignete er sich vielseitige und gründliche Kenntnisse auf allen Gebieten der Schule an. Dabei schmückten ihn die schönsten menschlichen Tugenden. Im Besitze eines für sein Alter großen jüdischen Wissens, war er auch als Vorbeter und Vorleser sehr geachtet. Nach seinem Abgang vom Seminar fand er Anstellung an der dreiklassigen Israelitischen Volksschule in Kassel und erwarb sich Liebe und Vertrauen der Vorgesetzten und Kollegen. Freudig, voll Mut und Begeisterung, trat er im Januar 1915 in die Reihen der Tapferen, um die heiligste Pflicht fürs geliebte Vaterland zu erfüllen, der er nun das Leben geopfert. Tief betrauert wird er von den gottergebenen frommen Eltern und Geschwistern, aber auch von seiner Heimatgemeinde. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    
 
Artikel in der Zeitschrift "Jüdischer Volkslehrer" vom 28. Januar 1916: "Heldentod israelitischer Lehrer. (Den Gefallenen ist die betreffende Nummer, mit der sie in der 'Jüdischen Volkszeitung' in der Rubrik 'Heldentod' aufgeführt sind, in Parenthese beigefügt).
... Kassel ... Von den im hiesigen israelitischen Lehrerseminar ausgebildeten Lehrern haben die nachfolgenden den Heldentod fürs Vaterland erlitten:
- H. Abraham aus Schenklengsfeld (Heldentod Nr. 376), zuletzt Lehrer in Niedenstein, Unteroffizier in einem Reserve-Regiment (Inhaber des Eisernen Kreuzes II, Kl. Nr. 71)
- J. Blumenfeld aus Momberg, zuletzt Lehrer in Petershagen in Westfalen, (Nr. 697), Gefreiter in einem Reserveregiment.
- W. Rosenstock aus Eiterfeld, Lehrer in Wiesbaden (Nr. 2255)
- W. Rothschild aus Eisenach. Lehrer in Bad Driburg (Nr. 1524).
- D. Katzenstein aus Abterode, Ersatzreservist im Infanterie-Regiment Nr. 83, (Nr. 1523). Letzterer hat nach abgelegter Prüfung an der öffentlichen Volksschule zu Kassel unterrichtet. Die Anstalt hat das Andenken des jungen Helden dadurch geehrt, dass sie seine vergrößerte Photographie in dem Klassenzimmer, in welchem er zuletzt lehrte, anbringen ließ."   
 
Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. August 1915: "Auf den Schlachtfeldern Russlands hat unser Kollege
Daniel Katzenstein den Heldentod fürs Vaterland erlitten.

Am 24. vorigen Monats traf die erschütternde Nachricht ein, dass wieder einer der hoffnungsvollsten unserer Kollegen und Freunde im Feindesland gefallen sei. Es war unser lieber Freund Daniel Katzenstein, der auf den Feldern Russlands seine reine Seele aushauchte. 'Ach, der Krieg verschlingt die Besten!' Katzenstein ist am 21. Juli 1894 in Abterode (Kreis Eschwege) geboren. Nach fleißiger Arbeit in der dortigen israelitischen Volksschule besuchte er drei Jahre die Präparandenschule in Burgpreppach und dann, wohl vorbereitet, das Lehrerseminar in Kassel. Durch rastlosen Eifer eignete er sich vielseitige und gründliche Kenntnisse an. Dabei schmückte ihn ein tadelloses Betragen, vereint mit großer Bescheidenheit. Sein Wissen im Jüdischen war für sein Alter besonders lobenswert, als Chason (Vorbeter) und Balkore (Vorleser) waren seine Leistungen vortrefflich. In einigen Gemeinden, in denen er aushilfsweise diese Funktionen verrichtete, fand er große Anerkennung. Infolge seiner Tüchtigkeit fand er Ostern 1914 nach seinem Abgang vom Seminar alsbald Anstellung an der dreiklassigen israelitischen Volksschule in Kassel. Seine Vorgesetzten und Kollegen an derselben wissen am besten, wie pflichtgetreu und erfolgreich er seiner Tätigkeit oblag. Sie sollte leider von nur kurzer Dauer sein! Bald nach dem Ausbruch des Krieges trat er in das 83. Infanterieregiment ein, mit dem er im Monat Januar ins Feld zog. Freudig, voll Mut und edler Begeisterung, trat er in die Reihen der Tapferen, um die heiligste Pflicht fürs geliebte Vaterland zu erfüllen. Schwere Kämpfe hat er mitgemacht, viel erlitten, bis ihn am 17. d. Mts., vier Tage vor seinem 21. Geburtstag, die tödliche Kugel traf. Tief betrauert wird er von den Eltern und Geschwistern, allseitig betrauert auch von seiner Heimatgemeinde. Der Geistliche des Ortes, Herr Pfarrer Paulus, gedachte seiner in ebenso ehrender wie ergreifender Weise beim Kriegsgottesdienst. Die andächtige Gemeinde war tief bewegt. Das Andenken des Gefallenen sei zum Segen! Bachrach - Abterode."   

 
Goldene Hochzeit von Levi Ronsheim und Marianne geb. Goldschmidt (1915)  

Abterode Israelit 16091915.jpg (36593 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1915: "Abterode, 12. September (1915). In körperlicher und geistiger Rüstigkeit begingen Herr Levi Ronsheim und Frau Marianne geb. Goldschmidt dahier das Fest der goldenen Gochzeit. Von den noch lebenden 10 Kindern des Jubelpaares stehen 4 unter den Fahnen. Herr Kreisrabbiner Dr. Cohn - Eschwege überreichte die vom Kaiser verliehene Jubiläumsmedaille."   

  
Diamantene Hochzeit von Levi Ronsheim und Marianne geb. Goldschmidt (1925)  

Abterode Israelit 03091925a.jpg (37621 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Abterode bei Eschwege, 31. August (1925). Die Eheleute Levi Ronsheim und Marianne geb. Goldschmidt, 87 beziehungsweise 81 Jahre alt, konnten heute im Kreise ihrer großen Kinder, Enkel und Urenkel die Diamantene Hochzeit feiern. Das Ehepaar hatte 12 Kinder; 8 sind noch am Leben. Herr Ronsheim war über vier Jahrzehnte Gemeindeältester."   

   
Zum Tod von Rickchen Plaut (1925)  

Abterode Israelit 14051925.jpg (22026 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1925: "Abterode (Kreis Eschwege), 10. Mai (1925). Im Alter von 84 Jahren verschied hier Fräulein Rickchen Plaut, die älteste Einwohnerin des Ortes. Seit einigen Jahren war die Verstorbene erblindet und an beiden Seiten gelähmt."  

   
Zum Tod von Joseph Oppenheim (1925)    

Abterode Israelit 03091925.jpg (100664 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Abterode bei Eschwege, 31. August (1925). Im 75. Lebensjahr starb hier Joseph Oppenheim, ein Mann von seltenen Gaben des Herzens und des Geistes. Vier Jahrzehnte Gemeindeältester, sorgte er Vorbildlicherweise für das Wohl der Gemeinde. Er wirkte als Hilfsvorbeter an allen Festtagen und Mohel (Beschneider) eines großen Bekanntenkreis, eine Mizwoh (religiöse Weisung), die er unentgeltlich geübt und für die sich viel Geld kosten ließ. Selten groß in Gottesfurcht und Gottvertrauen, hatten die frei Säulen des Judentums: Thauroh (Tora), Awaudoh (Gottesdienst) und Gemilus chasodim (Wohltätigkeit) einen ausgezeichneten Vertreter an ihm, wie solche in den kleineren Gemeinden zur großen Seltenheit geworden sind. Der Lehrer der Gemeinde, sowie sein Vorgänger schilderten in ihren Gedenkreden das vielseitige Wirken dieses Gottesdieners. Seine 8 Kinder, darunter 5 Söhne, einer derselben Mohel (Beschneider), wandeln in seinen Wegen. Der jüngste Sohn, der an der Vorbereitung hierzu stand und ein besonderer wichtiger Mann war, fiel im Weltkrieg. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

     
70. Geburtstag des langjährigen ehrenamtlichen Vorbeters Heß M. Oppenheim (1927)  

Abterode Israelit 23061927.jpg (34583 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927: "Abterode, 15. Juni (1927). Seinen 70. Geburtstag begeht heute in körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische Herr H. M. Oppenheim dahier. Seit 50 Jahren versieht er ehrenamtlich das Amt eines Vorbeters und ist bei Juden und Christen in höchstem Maße beliebt und angesehen. Jahrzehntelang bekleidet er schon das Amt eines Gemeindeverordneten."  
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 10. Juni 1927: "Abterode. Am 15. Juni vollendet Herr H. M. Oppenheim in Abterode sein 70. Lebensjahr. Seit Jahrzehnten ist derselbe Gemeindeverordneter der Gemeinde Abterode. Auch in der jüdischen Gemeinde nimmt er eine geachtete und führende Stellung ein. So versieht er seit fünfzig Jahren ehrenamtlich das Vorbeteramt. Wir wünschen ihm, noch eine Reihe von Jahren in Gesundheit zu verbringen."     

    
Zum Tod von Jakob Katzenstein (1927)         

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 23. Dezember 1927: "Abterode. Von einem tragischen Schicksal wurde hier Herr Jakob Katzenstein betroffen. Am vorigen Sabbat, als er sich anschickte, anlässlich der Barmizwah seines Enkels zur Synagoge zu gehen, wurde er plötzlich durch einen Schlaganfall dahingerafft."          


70. Geburtstag von Rosa Westheim (1928)   

Abterode Israelit 21061928.jpg (9750 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1928: "Abterode, 10. Juni (1928). Ihren 70. Geburtstag beging Frau Rosa Westheim in größter Geistesfrische."  

    
90. Geburtstag von Levy Ronsheim, 82. Geburtstag von seiner Ehefrau Marianne geb. Goldschmidt (1928)   

 Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 13. Juli 1928: "Abterode. Am 10. Juli feierten Herr Levy Ronsheim und dessen Ehefrau Marianne geb. Goldschmidt, ihren Geburtstag. Der Ehemann wurde 90, die Ehefrau 82 Jahre alt. Beide Ehegatten sind geistig noch sehr rüstig; die Ehefrau versieht ihren Haushalt allein ohne jede Hilfe. Vor drei Jahren feierten die Hochbetagten ihre diamantene Hochzeit."          

 
Zum Tod von Levi Ronsheim (1929)  

Abterode Israelit 31011929.jpg (55782 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929: "Abterode, 21. Januar (1929). Hier starb Levi Ronsheim im 91. Lebensjahr, das älteste Mitglied der hiesigen Gemeinde. 40 Jahre wirkte er als Gemeindeältester in segensreicher Weise, bis er aus Altersrücksichten gezwungen war, sein Amt niederzulegen. Mit seiner jetzt 84jährigen wackeren Gattin lebte er 63 Jahre in harmonischer Ehe. Vor 3 Jahren noch konnte er mit seiner Frau in größter Rüstigkeit und geistiger Frische die diamantene Hochzeit feiern. An seiner Bahre schilderte Herr Lehrer Spier das wechselvolle Leben des Dahingeschiedenen. Eine große Trauergemeinde folgte seiner Bahre. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 25. Januar 1929: "Abterode (Persönliches). Hier ist im Alter von 91Jahren der älteste Einwohner des Ortes, der ehemalige Gemeindeälteste Ronsheim, gestorben. Vier Jahre hat er die Gemeindeinteressen mit Umsicht und Eifer vertreten. Lehrer Spier widmete dem Entschlafenen am Grabe einen ehrenden Nachruf". 

  
Goldene Hochzeit von Heß M. Oppenheim und seiner Frau (1934)         

Artikel in der Zeitschrift vom 28. Dezember 1934: "Abterode, 22. Dezember (1934). Am 25. Tebet, dem 31. Dezember, können bei seltener geistiger und körperlicher Frische Herr Heß M. Oppenheim und Frau das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Der Jubilar übt seit ungefähr 50 Jahren ehrenamtlich das Amt des Vorbeters an den Feiertagen und an den ehrfurchtgebietenden Tagen aus und viele, die diese Zeilen lesen, werden sich erinnern, mit welcher Andacht Herr Oppenheim die Gebete zu verrichten versteht. Auch andere Ehrenposten innerhalb der jüdischen und früher auch in der politischen Gemeinde sind dem Jubilar seit Jahrzehnten übertragen. - Möge es dem Jubelpaar vergönnt sein, noch viele Jahre zu wirken. (Alles Gute) bis 120 Jahre."     

   
Kleine Mitteilungen
-  Bericht über die Jacobsohn-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium in Seesen am Harz 1895-96 S. 16: an Ostern 1895 macht das Abitur: Benjamin Weinberg (geb. 18.2.1878 in Abterode, Sohn des verstorbenen Schuhmachers Weinberg), Berufsziel: Kaufmann.   
-  Spendensammlung bei der Verlobung von Fräulein Ronsheim (Abterode) mit Herrn Holstein aus Gensungen durch Herrn Bachrach (in: Rechenschafts-Bericht von Achawa. Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer usw. 1897 S. 8).
-  Im "Israelitischen Centralwaisen- und Mädchenheim" in (Bad) Ems ist ein Kind aus Abterode (in: "Der Gemeindebote" vom 11. Januar 1901 S. 3)
-  Bei einer Religionsdisputation im kurfürstlichen Schloss in Hannover zu Beginn des 18. Jahrhunderts (1704) war auch ein im jüdischen Lehrhaus in Hannover lebender Aron aus Abterode beteiligt (in: "Der Israelit" vom 24. November 1902 S. 1962) 
- 70. Geburtstag von Bertha Oppenheim geb. Löbenstein (Abterode) am 3. Dezember 1920 (im "Israelitischen Familienblatt" vom 27. November 1920
- 70. Geburtstag von Malchen Rothschild geb. Goldschmidt (Abterode) am 17. Mai 1938 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 12. Mai 1938 S.16)
- 60. Geburtstag von David Westheim (Abterode) am 30. Mai 1938 (in "Israelitisches Familienblatt" vom 19. Mai 1938 S. 16).
  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige von Färbermeister L. Lautmann (1878)
  

Anmerkung: Der Färbermeister Levi Lautmann ist am 16. März 1813 in Abterode geboren als Sohn des Joseph Lautmann und der Rahel geb. Heilbrunn. Am 14. Dezember 1841 heiratete er Betty geb. Katz aus Diemerode. Levi Lautmann war von 1867 bis 1873 einer der Gemeindevorsteher in Abterode. Er starb am 4. Februar 1901 und wurde im jüdischen Friedhof Abterode beigesetzt: siehe https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/4730

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1878: "Einen kräftigen Lehrling sucht
L. Lautmann,
Färbermeister, Abterode, Reg.-Bezirk Kassel.
Samstag und Feiertage geschlossen."   

   
Anzeige der Witwe Rahel Katzenstein (1889)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1889: 
"Suche für meine 16-jährige Tochter in religiösem Hause Stellung als Dienstmädchen. 
Witwe Rahel Katzenstein
, Abterode". 

  
Anzeige der Witwe von J. Rothschild (1897)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1897: "Suche für meine 16jährige Tochter ein strengreligiöses Haus behufs gründlicher, häuslicher und gesellschaftlicher Ausbildung, geeigneten Falls gegen entsprechendes Honorar.
Witwe J. Rothschild, Abterode bei Eschwege."    

    
Anzeige der Frau von Markus Heilbrunn (1898)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1898: "Suche für meine 16jährige Tochter in einem streng-religiösen Hause Stellung, wo sie sich im Häuslichen, sowie im Gesellschaftlichen ausbilden könnte, eventuell gegen Vergütung.
Frau Markus Heilbrunn, Abterode, Kr. Eschwege."    

    
Anzeige von J. M. Oppenheim - Stellensuche für seinen Sohn (1899)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1899: "Suche für meinen Sohn, Lehrlingsstelle in einem Manufaktur- oder Kolonial-Waren-Geschäft, wo am Schabbat und an Feiertagen streng geschlossen
streng geschlossen.
J. M. Oppenheim, Abterode.
"   

   
Anzeige des Metzgermeisters Lehmann Heilbrunn (1902)  
Anmerkung: Lehmann Heilbronn ist am 30. Juni 1876 in Abterode geboren. Zur Familie: https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I90163&lang=de   Er starb am 1. Januar 1935 in Abterode und wurde auf dem dortigen jüdischen Friedhof begraben: https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/4928_heilbrunn-lehmann-ii-1935-abterode    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. Oktober 1902: "Suche für meine Metzgerei und Wurstlerei einen
kräftigen Lehrling

aus achtbarer Familie, unter günstigen Bedingungen. Samstag und Feiertage streng geschlossen.
Lehmann Heilbrunn,
Abterode
bei Eschwege."    

       
Anzeige von H. M. Oppenheim - Stellensuche für seinen Sohn (1903)   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. Januar 1903: "Suche für meinen Sohn zu Ostern
Lehrstelle 

in einem flotten, Sabbat- u. Festtage streng geschlossenen Manufakturwaren-Geschäft. Pension im Hause erwünscht.
H. M. Oppenheim, Abterode.
"   

  
Anzeige von Samuel Rothschild - Stellensuche (1916)    

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 16. November 1916: "Junges Mädchen aus bestem Hause sucht
Stellung in Haushalt 

eventuell auch im Geschäft.
Gefällige Angebote zu richten an
Samuel Rothschild
Viehgeschäft
Abterode
bei Eschwege."    

      
Anzeige von Isaak Rothschild - Stellensuche für seine Tochter (1917)     

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. März 1917: "Suche für meine Tochter
Stelle als Stütze

in Geschäft und Haushalt in nur rituellem Hause. Gutes Zeugnis und Referenzen zu Diensten. Familienanschluss erwünscht.
Isaak Rothschild,
Abterode
(Bez. Kassel)."    

       
Anzeigen der Buchbindermeister Leiser Heilbrunn (1875) und Levi Heilbrunn (1934) 
 
Anmerkung: Leiser Heilbrunn ist am 25. Juli 1843 geboren. Er war zunächst Buchbinder in Wichmannshausen (1869), danach in Abterode. Sein Sohn Levi Heilbrunn ist am 2. Februar 1885 in Abterode geboren und wurde wie sein Vater Buchbinder und Buchdrucker. Genealogisches siehe https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I90221&lang=de und https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I90223&lang=de Grab von Leiser Heilbrunn (gest. 1922)  https://lagis.hessen.de/resolve/de/juf/4931  
 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1875: "Als Buchbinderlehrling
kann ein gesunder, kräftiger Jüngling beim Unterzeichneten, dessen Geschäft am Sabbat und an Festtagen streng geschlossen, unter günstigen Bedingungen sofort eintreten.
Leiser Heilbrunn
,  Buchbindermeister
in Abterode, Prov. Hessen."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1934: 
"Buchbinderarbeiten 
und sämtliche Drucksachen 

preiswert und gut bei 
Levi Heilbrunn

Abterode, Bezirk Kassel".  

  
Verlobungsanzeige von Thea Grünebaum und Semi Plaut (1936)    

Kirchhain Israelit 10121936.jpg (24749 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1936: "Gott sei gepriesen. 
Thea Grünebaum - Semi Plaut.  Verlobte.  
Neukirchen Krs. Ziegenhain - Kirchhain, Bez. Kassel / Abterode, Kreis Eschwege."

       
       
       
Zur Geschichte der Synagoge        
   
Bereits im 17. Jahrhundert dürfte ein Betsaal vorhanden gewesen sein. Danach bestand eine erste Synagoge. Aus dem Jahr 1729 wird von der Einweihung einer neuen Torarolle berichtet, die mit einer üblichen Prozession vom Haus des Stifters zur Synagoge durchgeführt wurde. Nach einem Bericht von 1791 war die Synagoge damals im Gebäude Hinterweg 7. Das heute hier stehende breit gelagerte Fachwerkhaus weist einen für die Synagogenräume der Region typischen quadratischen Grundriss auf.  
   
Das bis heute erhaltene Synagogengebäude wurde um 1830 erbaut (nach älteren Angaben um 1870/71). Es steht inmitten des Ortes an einer Kreuzung mehrerer Straßen. Bei diesem Bau handelt es sich (Beschreibung nach Altaras s. Lit. 1988 S. 70-71) um einen zweigeschossigen Massivbau in Quadermauerwerk aus rotem Sandstein mit einem Walmdach. Der Bau wurde vollkommen symmetrisch gestaltet, in dem sich jeweils die gegenüberliegenden Seiten gleichen. Die Nord- und Südseite sind durch Eck- und Mittellisenen auf zwei, die Ost- und Westseite durch zwei Mittellisenen auf drei Felder unterteilt. Der Zugang ist von Westen her durch ein großes Rundbogen-Eingangsportal in der Mittelachse. Gegenüber, in der mittleren Fläche des Erdgeschosses an der Ostseite, findet sich ein schmales Hufeisenbogen-Portal.  
 
1929 wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Abterode angebracht. Über die gottesdienstliche Feier zur Einweihung liegt folgender Bericht vor: 
   
Einweihung einer Ehrentafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges (1929) 

Abterode Israelit 30051929.jpg (79999 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1929: "Abterode, 21. Mai (1929). In unserer nur 86 Seelen zählenden Gemeinde fand die Einweihung einer Ehrentafel für die neun im Weltkrieg gefallenen Heldensöhne aus unserem Orte statt, die von Regierungsbaumeister Sichel - Kassel entworfen und von der Firma Gebr. Halle - Kassel hergestellt worden war. Die schlichte Feier wurde eingeleitet durch einen Psalmgesang, gesungen von Herrn Lehrer Spier. Daraufhin hielt Herr Kreisrabbiner Dr. Baßfreund - Eschwege die Weiherede. Anknüpfend an die Sefira-Zeit der Erinnerung an jüdische Glaubenshelden, die selbst den Tod nicht gescheut haben, um der Gesamtheit zu dienen, verglich er diese Märtyrer mit den Helden der Neuzeit, die ebenfalls dem Tode mutig entgegen gingen, um die Heimat zu schützen. Mit der Mahnung an die Gemeinde, die Ehrentafel in ihre besondere Obhut zu nehmen, schloss er seine tief empfundene Weiherede. In eindrucksvoller Weise sang Herr Kantor Bacharach Eschwege das "der Mensch - wie Gras sind seine Tage (Psalm 103,15)"".     
  
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 17. Mai 1929: "Abterode. Einen treffenden Beweis gegen den Vorwurf der jüdischen Drückebergerei im Kriege bot die Einweihung der Ehrentafel in der hiesigen Gemeinde. Auf einer vom Herrn Regierungsbaumeister Sichel – Kassel entworfenen und von der Firma Gebr. Hall hergestellten Tafel sind in Goldschrift die Namen von neun Todesopfern aufgezeichnet, die der Krieg uns entrissen. Neun Gefallene in einer Gemeinde, die insgesamt 86 Seelen zählt, und dennoch erlebten wir es, dass in einer hiesigen Wahlversammlung des vergangenen Jahres das Märchen von der Drückebergerei der Juden auflebte und scharf zurückgewiesen werden musste. Die schlichte Feier wurde eingeleitet durch das "Adon moh Odom", gesungen von Herrn Lehrer Spier. Daraufhin hielt Herr Kreisrabbiner Dr. Baßfreund Eschwege die Weiherede. Anknüpfend an die Sefirahzeit, der Zeit der Erinnerung an jüdische Glaubenshelden, die selbst den Tod nicht gescheut haben, um der Gesamtheit zu dienen, verglich er diese Märtyrer mit den Helden der Neuzeit, die ebenfalls dem Tod mutig entgegen gingen, um die Heimat zu schützen, um der Gesamtheit zu dienen. Sie haben damit eine der Hauptforderungen des Judentums erfüllt, die darin besteht, der Gesamtheit die größten Opfer zu bringen. Mit der Mahnung an die Gemeinde, die Ehrentafel in ihre besondere Obhut zu nehmen, schloss Herr Dr. Baßfreund seine tiefempfundene Weiherede. In eindrucksvoller Weise sang nun Herr Kantor Bacharach Eschwege das "Enosch k’chozir jomow", worauf Herr Lehrer Spier als ehemaliger Kriegsteilnehmer und Mitglied des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten die Zuhörer ermahnte, überall und in jedem Falle für unsere Gefallenen einzustehen, dafür zu sorgen, dass ihr Name und ihr Geschlecht so lebendig bleiben, so weihevoll und so rein, wie Name und Geschlecht all ihrer toten Kameraden. Mit einem Schlussgesang des Herrn Bacharach fand die ernste Feier ihren Abschluss.".     

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge im Inneren völlig demoliert. Das Gebäude selbst wurde nur leicht beschädigt. Nach den vorliegenden Berichten (Quelle: Heimatgeschichtlicher Wegweiser s. Lit. S. 233) wurde die Synagoge bereits am Abend des 8. November 1938 demoliert.  An diesem Abend brannte keine Straßenbeleuchtung im Ort; die Polizei befand sich weit entfernt außerhalb des Ortes, Menschen aus anderen Orten der Umgebung waren in großer Zahl nach Abterode gekommen und die Bürgermeister nahmen an einer Sitzung in Eschwege teil. Die organisierte Menge demolierte die Synagoge. und die Wohnungen der jüdischen Einwohner, die auch misshandelt wurden. Während dieser Ereignisse befand sich die SA und ihre Leitung zu einer Besprechung in der Gastwirtschaft von Zimmermann, um über die kurzfristig geplanten Aktionen zum reichsweiten Novemberpogrom zu beraten. Die Abteröder Juden wurden verhaftet und nach Eschwege transportiert. 1944 kaufte der Spar- und Darlehnskassenverein das Gebäude und verwendete es als Lagerraum. 
   
Auch nach 1945 wurde das Synagogengebäude als Lagerraum für Futtermittel verwendet. Zur Verwendung als Lager wurden eine Rampe und ein Vordach im Westen angebaut. Ein kleiner moderner Neubau der Raiffeisenbank wurde an der Nordseite angebaut. Anlässlich der 900-Jahrfeier von Abterode im Jahr 1976 wurde die Synagoge im Außenbereich renoviert. Die Nutzung der ehemaligen Synagoge als Lager wurde Anfang der 1990er-Jahre eingestellt, die Räumlichkeiten wurden insgesamt zu einer Bankstelle umgebaut. Hierzu war der Einbau einer Zwischendecke notwendig. Im Zusammenhang mit dem Umbau erfolgte eine Renovierung des gesamten Gebäudes, bei der das Landesamt für Denkmalpflege mit integriert war. Gefunden wurde beim Umbau eine Genisa mit zahlreichen Schriften, Gebetbüchern und rituellen Gegenständen (u.a. Gebetsriemen, Megilat Ester, Torawimpel). Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten der Wand- und Deckenmalereien sind noch nicht abgeschlossen. Die Funde aus der Genisa waren jahrelang verschollen, wurden jedoch 2018 wiederentdeckt (siehe Presseartikel unten).  
 
Die Hinweis- und Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge enthält den Text (siehe unten): "Ehemalige Synagoge der jüdischen Gemeinde Abterode. Erbaut 1871. Seit 1944 im Besitz des Spar- und Darlehenskassenvereins Abterode. Niederlassung der Raiffeisenbank Meißnervorland eG., die das bis dahin als Zahlstelle und Lager genutzte Gebäude in 1992/93 grundlegend renovierte. Dem Schicksal der Abteröder Synagoge und ihrer Gemeinde gedenkt die Eintragung Abterodes im Tal zerstörter jüdischer Gemeinden "Yad Vashem" in Israel." 
  
2019 wurde im Obergeschoss des Synagogengebäudes ein "Lern- und Gedenkort" für jüdisches Leben eingerichtet (siehe Presseartikel unten).  
    
    
Adresse/Standort der SynagogeNähe der Ortskirche  (Hinterweg 1)     
     
     
Fotos
(Quelle: Fotos in den mit *) markierten Zeilen aus der Publikation von Kollmann/Wiegand s.Lit.;  Fotos vom März 1985 aus: Altaras s. Lit. 1988 S. 71; neuere Fotos von Jürgen Hanke, Kronach aus www.synagogen.info

Lage der jüdischen Wohnhäuser 
um 1791 in Abterode*
Abterode Ort Pl 170.jpg (74865 Byte)   
   Die jüdischen Familien wohnten in der
 Kirchkranzbebauung und am Steinweg
  
      
Die Synagoge in Abterode      
Abterode1.jpg (72452 Byte) Abterode Synagoge 270.jpg (116929 Byte) Abterode Synagoge 271.jpg (90560 Byte)
  Die Synagoge auf einer Postkarte 
um 1900 (mit freundlicher Erlaubnis von 
F. Bányai, Website www.judaica.cz)   
Die Synagoge um 1900*   Decken- und Wandmalerei der Abteröder
 Synagoge (im Obergeschoss der heutigen
 Bankfiliale, Aufnahme 1996) 
 
     
 Die Synagoge nach dem
Novemberpogrom 1938
   
   Die Inneneinrichtung wurde völlig demoliert  
     
Die ehemalige Synagoge in 
den 1980er-Jahren
Abterode Synagoge 105.jpg (67024 Byte) Abterode Synagoge 106.jpg (59656 Byte)
    Das Gebäude von Norden mit dem 
angebauten Bau der Raiffeisenbank
Die Laderampe an der Westseite
 mit dem Vordach
        
Die ehemalige Synagoge
nach der Restaurierung (2004)
Abterode Synagoge 111.jpg (37564 Byte) Abterode Synagoge 110.jpg (34465 Byte)
        
     
Die ehemalige Synagoge 
im April 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 8.4.2009)
Abterode Synagoge 170.jpg (104570 Byte) Abterode Synagoge 171.jpg (100023 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge mit 
dem heutigen Eingang in das Gebäude 
links auf der Nordseite
Im Hintergrund die Pfarrkirche 
(1867/68 erbaut); rechts die Nordseite
der ehemaligen Synagoge 
     
Abterode Synagoge 180.jpg (95494 Byte) Abterode Synagoge 174.jpg (102480 Byte) Abterode Synagoge 179.jpg (123864 Byte)
Die ehemalige Synagoge von zwei Seiten: deutlich ist der vollkommen symmetrische Bau: 
die Ost- und Westseite (siehe oben) sind durch Mittellisenen in drei Felder unterteilt; 
die Gurtgesimse ergeben eine Aufteilung in jeweils sechs Flächen: jede Fläche hat eine 
Tür- und Fensteröffnung.  
Detailaufnahme mit dem umlaufenden 
Fries im Zahnschnittprofil unter dem
 Dachgeschoss; zweiteiliges Fenster 
mit Mittelsäule
     
Abterode Synagoge 175.jpg (114974 Byte) Abterode Synagoge 176.jpg (107266 Byte) Abterode Synagoge 181.jpg (68971 Byte)
Ostseite  Links Südseite, rechts Ostseite 
des Gebäudes mit Blick zur Pfarrkirche
Eingang in das Gebäude
 (von innen gesehen)
        
Abterode Synagoge 175a.jpg (46525 Byte) Abterode Synagoge 177.jpg (110897 Byte) Abterode Synagoge 172.jpg (122863 Byte)
 Inschrift - Zitat aus Jesaja 2,3: "lasset uns
 hinaufgehen zum Berge des Ewigen, zum
 Hause des Gottes Jakobs" (die markierten
 Buchstaben ergeben das Jahr des
 Synagogenbaus). 
 Dekorative Schmuckelemente 
unter den Fenstern 
   
 Gedenktafel 
(Text siehe oben)
  
     
        
Funde aus der Genisa*    
Abterode Gen 170.jpg (77911 Byte) Abterode Gen 171.jpg (65872 Byte) Abterode Gen 172.jpg (95832 Byte)
Fragment einer Megilla (Buch Esther) Torawimpel: Hochzeitspaar unter der 
Chuppa und entrollte Tora mit Schrift:
 "Dies ist die Tora, die Mose gegeben hat"
Hebräische Schriften
    
     
Ehemaliges
 jüdisches Schulhaus*
Abterode Schule 170.jpg (109740 Byte)  
  Das ehemalige jüdische Schulhaus 
im Steinweg 47, Hinterhaus
 
     
Andernorts entdeckt: Gedenken an den 
Gefallenen Moses Oppenheim aus Abterode 
 (Foto erhalten von Hans Lesage
www.weltkriegsgraeber.be
Abterode M Oppenheim Menen.jpg (310014 Byte) Abterode M Oppenheim Menen s.jpg (148109 Byte)   
  Der Name von Moses Oppenheim ist eingetragen auf einer 
Gedenktafel im deutschen Soldatenfriedhof in Menen (Belgien) 
 

Weitere Fotos im "Wissenschaftlichen Bildarchiv"  
   
   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

Juni 2017: Besuch von Nachkommen der Familie Westheim in Abterode    
Abterode 2017 Westheim Foto 4.JPG (174526 Byte)Am Grab des Vorfahrs Lehmann David Westheim: Dr. Alan Westheim mit Ehefrau Adrienne, Tochter Sara und Sohn Jares im jüdischen Friedhof Abterode. 
Dazu Bericht von Thomas Beck in der Website des Heimatvereins Datterode e.V. 
http://www.heimatverein-datterode.de/de/component/content/article/29-de/veranstaltungsarchiv-2017/372-im-dorf-der-vorfahren
  
 
März 2018: Genisa (wieder-)entdeckt     
Artikel in der HNA.de (Lokales - Witzenhausen) vom 8. März 2018: "Fund soll teilweise restauriert und ausgestellt werden. Abterode: Verschollene jüdische Schriften aufgetaucht.   
Abterode. Verschollen geglaubte jüdische Schriften und Kultusgegenstände sind jetzt durch Zufall in Abterode wiederentdeckt worden.
Pfarrer Andreas Heimann hatte diese beim Aufräumen des alten Archivs der evangelischen Kirchengemeinde gefunden. Für Dekan Dr. Martin Arnold ist das ein 'unglaublicher Glücksfall'. Er wisse nur von einer weiteren solchen Entdeckung dieses Umfangs in Hessen. Der Fund beinhaltet neben ein- und zweisprachigen Bibelausgaben unter anderem auch eine große Pergamentschriftrolle, die Teil der Esther-Geschichte ist. Die handelt laut Arnold auch davon, wie schwer es jüdische Gemeinden als Minderheiten in der Ferne hatten und sie dennoch dank Gott behütet waren. 'Es ist interessant, dass ausgerechnet ein Pergament-Stück mit dieser Geschichte in Abterode gefunden worden ist', erzählt Arnold und spielt damit auf die Zeit des Nationalsozialismus’ an.
Als zweite große Besonderheit des Fundes nennt er einen Tora-Wimpel, auch Mappa genannt. 'Das war das Beschneidungstuch der Jungen, das bestickt wurde', erklärt der Dekan. Viele persönliche Informationen seien deshalb auf diesem Tuch enthalten, die nun entschlüsselt werden sollen. 'Das ist ein interessanter Forschungsansatz.'
Denn wieder in der Versenkung verschwinden sollen die Schriften und die Gegenstände nicht: 'Wir würden die gerne von einem Experten sichten, katalogisieren und einzelne Stücke dann restaurieren lassen', spricht Arnold das weitere Vorgehen an, wie mit dem Fund umgegangen werden soll. Ausgestellt werden könnten die Exponate dann in dem gerade entstehenden Lern- und Gedenkort im Obergeschoss der ehemaligen Synagoge in Abterode, den der Verein Aufwind derzeit aufbaut und im Sommer 2019 eröffnen will. 'Der wird sehr eindrücklich werden', sagt Vereinsvorsitzender Matthäus Mihm..."  
Link zum Artikel    
Vgl. auch Bericht in der Seite http://www.kirchenkreis-eschwege.de/scripts/news/912/63874?layout=9&hom=hom  
sowie Bericht in lokalo24.de vom 14. Juli 2018:  https://www.lokalo24.de/lokales/werra-meissner-kreis/markt-spiegel/alte-juedische-schriften-gegenstaende-abterode-entdeckt-10031763.html  
 
Juni 2019: Pergamentrolle (Megillat-Ester) wieder zurück in der Synagoge
Artikel von Tobias Stück in der "Werra-Rundschau" vom 18. Juni 2019: "Pergamentrolle ist nach der Restauration zurück in Abterode
Die Reste einer Pergamentrolle, die im vergangenen Jahr in Abterode wiederentdeckt wurde, ist aus der Restauration zurückgekehrt.
Restaurator und Konservator Hans-Dieter Lomp (Schlitz-Queck) hat das Schriftstück in einem speziellen Verfahren geglättet und gereinigt. Das Dokument hatte sich noch vor einigen Monaten 'in einem beklagenswerten Zustand' befunden. Es war sehr zerknittert. Brandflecken, Mäusefraß und Dreck hatten der hebräischen Handschrift auf dem Dachboden arg zugesetzt. Lomp gehört zu den wenigen Spezialisten, die über das dazu nötige Fachwissen verfügen. Bei seinen Untersuchungen konnte Lomp feststellen, dass es sich bei diesem Pergament um Kalbshaut handelt, die mit Eisen-Gallus-Tinte beschrieben wurde. Die Löcher im Pergament sind durch Brand entstanden. 'Wir haben bewusst auf eine Restauration verzichtet', sagte Dekan Dr. Martin Arnold, 'man soll die Schäden und Gebrauchsspuren weiterhin sehen können.'
Pfarrer Andreas Heimann hatte die Schriftrolle beim Aufräumen des alten Archivs der evangelischen Kirchengemeinde gefunden. Sie ist Teil der Esther-Geschichte. Die handelt laut Arnold auch davon, wie schwer es jüdische Gemeinden als Minderheiten in der Ferne hatten und sie dennoch dank Gott behütet waren. 'Es ist interessant, dass ausgerechnet ein Pergament-Stück mit dieser Geschichte in Abterode gefunden worden ist', erzählt Arnold und spielt damit auf die Zeit des Nationalsozialismus’ an. In der ehemaligen Synagoge in Abterode soll am 2. November 2019 ein Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben in der Region Werra-Meißner eröffnet werden. Die restaurierte Pergamentrolle gehört zu den Exponaten dieser Ausstellung.
Die Arbeiten an der Schriftrolle haben etwa 1500 Euro gekostet. Bisher sind dafür 1100 Euro an Spenden eingegangen. Wer mithelfen möchte, die Restkosten aufzubringen, kann dies mit einer Spende auf das Konto des Kirchenkreisamtes Eschwege, IBAN DE91 5206 0410 0001 2001 00, unter dem Verwendungszweck 'Pergamentrolle Synagoge Abterode' tun."
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November 2019: In der ehemaligen Synagoge wurde ein Lern- und Gedenkort eröffnet   
Artikel von Kristin Weber in der "Werra-Rundschau" vom 5. November 2019: "'Das Schweigen brechen'. Lern- und Gedenkort in Abteroder Synagoge ist eröffnet
Im Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben, der in der ehemaligen Synagoge Abterode eröffnet wurde, können Gruppen von rund 20 Personen, vor allem Schüler, Einblicke in die Zeit bekommen, als Juden und Christen in den Dörfern des Werra-Meißner-Kreises als Nachbarn zusammenlebten.
Medial zeitgemäß aufbereitet am großen Wandbildschirm, können sie historische Fotos betrachten oder Videos mit Zeitzeugenberichten ansehen. Zur Eröffnungsfeier drängten sich mehr als 200 Menschen in den Raum mit den erhaltenen Wandmalereien und zeigten damit, wie groß das Interesse ist und wie wichtig das Thema, denn viele andere Besucher passten gar nicht mehr hinein und mussten in der Kirche auf den nächsten Programmpunkt warten.
Dachstuhl saniert. Matthäus Mihm hatte das Projekt als Vorstand des Vereins 'Aufwind' einst angestoßen – der Verein hat das Gebäude gepachtet und betreibt im Untergeschoss einen Laden –, jetzt hat Aufwind-Vorstand Andrea Röth das Heft übernommen. Das Lager unter dem Dach wurde leergeräumt, der Dachstuhl fachgerecht saniert und der Lern- und Gedenkort mit Fördermitteln des Modellvorhabens Land(auf)Schwung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft umgebaut und medial eingerichtet. Inhaltlich hat Dekan Dr. Martin Arnold das Zepter übernommen, der Verein 'Freunde und Freundinnen des jüdischen Lebens', dem er vorsitzt, wird das Projekt tragen, mit Leben und Expertise füllen.
Viele Menschen aus dem Kreis stellten historische Dokumente zur Verfügung, die digitalisiert wurden. 'Es hat viel Zeit gebraucht, bis wir über das Thema der einstigen jüdischen Mitbürger im Kreis wieder offen miteinander sprechen können', sagte Landrat Stefan Reuß. 'Jetzt müssen wir das Schweigen brechen.' Der Meinung ist auch Bürgermeister Friedhelm Junghans: 'Wenn wir erkennen, dass heute ein Viertel der Bevölkerung antisemitische Gedanken hegt, dann müssen wir sagen: Das ist zu viel!' Sie alle wollen dem Negativtrend entgegentreten. Ruth Bar Ilan aus Israel, deren jüdische Vorfahren einst in Eschwege gelebt hatten, bedankte sich bei den Machern des Projekts.
Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde. Dr. Karl Kollmann gab als Historiker Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde in Abterode im 17. Jahrhundert, während Sabine Knappe im Gemeindehaus einen Imbiss mit jüdischen Spezialitäten zubereitet hatte: Für die musikalische Untermaltung sorgten die 'Landstreicher'. Anschließend zeigte die Klezmer-Band 'Aufwind' aus Berlin, die fröhliche Seite der jiddischen Musik bei einem Konzert in der Kirche. Mitwippen war angesagt. Beifall spendete das Publikum am Ende einer rundum gelungenen Eröffnungsfeier."
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Januar 2020: Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag 
Artikel von Kristin Weber in der "Werra-Rundschau" vom 29. Januar 2020: "Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung: Auschwitz ist immer noch ganz nah.
Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust und die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau kamen am Montagabend Hunderte Menschen in die Synagoge Abterode.
Abterode – Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz in Polen. Doch dieses war kurz zuvor geräumt worden, nur 7500 deportierte Lagerinsassen konnten befreit werden. Zum Gedenken an die Opfer lud der Verein 'Freunde und Freundinnen des jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis' in die ehemalige Synagoge in Abterode ein. Und wieder einmal war der Gedenkraum zu klein für das große Interesse. Zwar scheint Auschwitz weit weg zu sein, mit ihren Vorträgen holten Dr. Martin Arnold und seine Mitstreiter die Schrecken von damals jedoch ganz nah heran – als Mahnung. 'Auschwitz ist das Symbol für den schauerlichsten Abgrund der Menschheit', sagte Arnold. 'Dort wurden neben Juden auch die polnische Intelligenz, die Homosexuellen und die Zeugen Jehovas ermordet. Heute wollen wir an die Opfer aus dem Werra-Meißner-Kreis erinnern.' Denn weit über 500 Menschen aus dem Kreis wurden in Auschwitz umgebracht.
Ein Koffer am Bahnhof Eschwege. Wie erschütternd die Fakten sind, zeigte Anna Maria Zimmer eindrücklich in ihrem Vortrag. Auschwitz begann buchstäblich vor der Haustür. Dr. Walter Schulz, NSDAP-Mitglied und Gauleiter, war Landrat von Eschwege von 1937 bis 1945. Er setzte 1941 ein Schreiben mit Bestimmungen auf, wie mit den Juden, die 'umgesiedelt' werden sollten, zu verfahren sei und verteilte es an die Bürgermeister. 'Man kann also nicht sagen, dass niemand davon gewusst habe', hielt Anna Maria Zimmer fest. Darin stand, wie die Juden ihren Hausrat zurücklassen sollten (die Möbel ordentlich zusammengestellt) von wo aus die Züge abfahren (Eschwege), und was jeder mitnehmen darf (einen Koffer), was darin enthalten sein darf (Löffel, Becher, warme Kleidung, Schuhe und Essen für drei Tage). Einer Liste entsprechend wurden 100 Menschen jüdischen Glaubens aus Eschwege, Reichensachsen und den umliegenden Dörfern zum Eschweger Bahnhof getrieben und dort in Viehwagons verfrachtet. Das Denkmal des Koffers erinnert heute an sie.
Zeitzeugenberichte aus der Region. Schließlich las Anna Maria Zimmer die Erinnerungen von Sonia Habler, geboren in Eschwege, und Kurt Mayer, geboren in Herleshausen, vor. Beide hatten die Konzentrationslager überlebt und berichteten, wie sie entmenschlicht wurden und in Baracken gepfercht, wo ihnen jeden Tag der Tod in Form von Kälte, Hunger, Krankheiten oder dem Erschießungskommando drohte. Anna Maria Zimmer präsentierte die Fakten ohne emotionale Hinzufügungen, die Texte allein zeigen das Grauen so schonungslos, dass im Publikum immer wieder entsetztes Aufstöhnen erklang.
Pfarrer singt und spricht jüdische Gebete. Pfarrer Martin von Frommershausen sang anschließend ein jüdisches Gebet für die Opfer. York Egbert König stellte vor, wie er im Stadtarchiv Eschwege über 500 Kennkarten von Juden aus dem Werra-Meißner-Kreis digitalisiert und archiviert hat. Über Hundert Namen der Opfer aus dem Kreis, die in Auschwitz ermordet wurden, lasen Paula Polowczyk, Simon Exner, Nelly Metzger und Daniel Codorie vor, Schüler der Anne-Frank-Schule.
Zahlen des Schreckens. 7500 befreite Gefangene, die das Glück hatten, die Hölle von Auschwitz zu überleben, das hört sich nach viel an, aber nur so lange, bis man die Zahl in Relation stellt. Die Zahlen des wahren Schreckens haben ganz andere Dimensionen: Als die rote Armee im Januar 1945 kurz vor Auschwitz stand, evakuierte die SS in wenigen Tagen das Lager und transportierte rund 56.000 Lagerinsassen in Frachtwaggons nach Westen in andere Einrichtungen. Insgesamt hatten die Nazis 1,3 Millionen Menschen nach Auschwitz deportiert, von denen die unbeschreibliche Zahl von 1,1 Millionen Menschen in den Gaskammern ermordet wurde. Die Opfer waren zum größten Teil Juden und stammten aus 20 Nationen. Aber auch Polen, Roma und sowjetische Kriegsgefangene wurden umgebracht.
Polizeischutz. Während der Gedenkveranstaltung stand vor der Tür ein Polizeiwagen als Schutz und zeigte deutlich: Solange die Polizei solche Veranstaltungen schützen muss, ist Auschwitz nicht weit weg, sondern immer noch ganz nah..."
Link zum Artikel   https://www.werra-rundschau.de/lokales/meissner-berkatal/gedenken-holocaust-synagoge-abterode-13507885.html
 
Juni 2020: In der Synagoge ist eine virtuelle Zeitreise möglich  
Artikel in der "Werra-Rundschau" vom 25. Juni 2020: "Verein erschafft virtuelle 3-D-Rekonstruktion. Zeitreise ins Innere der Abteröder Synagoge
Die Zukunft der Technik hat im Verein 'Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens' bereits begonnen.
Und zwar, um mit ihrer Hilfe eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen: 'Unserem Verein ist es gelungen, den Innenraum der ehemaligen Synagoge in Eschwege auf dem Schulberg neu entstehen zu lassen', sagt der Vorsitzende Dr. Martin Arnold. 'Virtuell, mit einer Datenbrille, ist der Raum wieder so begehbar, wie er bis zur Zerstörung im Jahr 1938 ausgesehen hat.'
Alte Innenaufnahmen als Vorlage. Die Besucher des Lern- und Gedenkorts in der ehemaligen Synagoge in Abterode können so die Synagoge in Eschwege dreidimensional betreten und sie auf eindrucksvolle Weise erleben, wie die jüdische Gemeinde in Eschwege den Ort vor dem Zweiten Weltkrieg gesehen hat. Alte Innenaufnahmen dienten als Vorlage. Daraus hat die Kreativagentur Dorfmeyster aus Kassel den Raum virtuell rekonstruiert. Gefördert wurde die Maßnahme durch den Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner mit mehr als 12.000 Euro aus dem Regionalbudget 2020. Der Lions-Club Eschwege-Werratal hat das Projekt durch eine Spende in Höhe von 1500 Euro unterstützt. Weitere 1500 Euro sind noch offen und sollen durch Spenden gedeckt werden. 'Unser Verein hat das Ziel, die Spuren des jüdischen Lebens dem Vergessen zu entreißen', sagt Dr. Martin Arnold. 'Damit stehen wir im Kontrast zum Nationalsozialismus, der versucht hat, alle Spuren auszulöschen.'
Begeistert vom Ergebnis. Sabine Wilke vom Verein für Regionalentwicklung ist begeistert vom Ergebnis der virtuellen Rekonstruktion. Auf diese Weise könne jugendlichen Besuchern das Wissen erlebbar nahegebracht werden – und zwar auf eine moderne Weise, die sie anspricht. 'Ich finde es auch genau richtig, dass man sich in der Synagoge in Abterode per Datenbrille in die Synagoge in Eschwege begeben kann, denn das stellt zwei Orte zueinander in Beziehung und somit den Bezug zur Region her', sagte sie. Auch Gudrun Kühnemuth, Vorsitzende des Lions-Clubs Eschwege-Werratal, ist nach dem Blick in die Brille sehr beeindruckt. 'Für Schüler und Konfirmanden ist es wichtig, dass sie mit diesem Teil der Geschichte vertraut gemacht werden, und die Technik bietet ihnen dabei ein Erlebnis.' Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans fungiert im Verein der Freunde als Kassenwart, und betont, welche Herkulesaufgabe die Finanzierung des Projekts für den jungen Verein gewesen sei. 'Ich hoffe deshalb, dass noch mehr Mitglieder in den Verein eintreten, um damit unsere wichtige Arbeit zu unterstützen', sagte er. Und auch während der Corona-Pandemie möchte der Lernort sein Angebot weiterführen, allerdings mit begrenzten Programmen, denn der Gesundheitsschutz sei wichtig, wie Dr. Martin Arnold betonte.
Angebot für Familien. Ein erster Schritt besteht in einem Angebot für ein bis zwei Familien mit Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren. Ab dem 1. Juli sind diese eingeladen, in Abterode jüdisches Leben in der Region zu entdecken: Welche Feste haben die jüdischen Gemeinden gefeiert? Wie sah es in einer Synagoge aus? Was haben die Kinder miteinander gespielt? Diese Fragen und Eindrücke werden kindgerecht vermittelt.
Anmeldung. Wegen der Corona-Bedingungen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Ein Wunschtermin kann mit Dr. Martin Arnold vereinbart werden (Tel. 05651/339281 oder Email: martin.arnold@posteo.de)." 
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August 2020: Über den Lern- und Gedenkort ehemalige Synagoge Abterode  
Artikel von Anna Schellhase in der "Werra-Rundschau" vom 22. August 2020: "Lern- und Gedenkort. In der ehemaligen Synagoge Abterode erlebt man jüdische Geschichte interaktiv
Der Verein der 'Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens in der Region Werra-Meißner' verspricht in der ehemaligen Synagoge spannenden Einblick in das Judentum .
Abterode - Nicht als klassisches Museum, sondern als moderne, interaktive und zum Teil digitale Lernmöglichkeit. In der Region Werra-Meißner gab es in 14 Dörfern Synagogen, jüdische Friedhöfe und Schulen. Während des Nationalsozialismus wurde das jüdische Leben in der Region ausgelöscht. Das Obergeschoss des ehemaligen Synagoge diente in der Vergangenheit unter anderem als Düngemittellager. Heute befindet sich dort eine Sitzecke mit Blick auf einen großen Bildschirm. Im Untergeschoss befindet sich seit 2011 das 'Lädchen für alles'.
Führungen. Die Führungen finden entweder als Präsentation auf dem großen Bildschirm, auch mit kindgerechten Erklärvideos, statt, oder die Besucher informieren sich über Tablets, die dort zur Verfügung stehen. Die Inhalte auf den Tablets geben Einblicke in viele Bereiche wie jüdische Feste, Bildung, Orte jüdischen Lebens und Antisemitismus. Das Lösen von Rätseln hilft bei den Entdeckungstouren.
Erinnerungskultur. Zum Thema Erinnerungskultur hat der Verein Stimmen von Zeitzeugen gesammelt und präsentiert diese in einem Video. 'Digitale Formate sind sicherlich interessanter für Jugendliche als Vitrinen. Wenn man all das, was wir in unserer Datenbank haben, in einem Museum ausstellen würde, wäre das Museum unvorstellbar riesig', sagt Vereinsvorsitzender Dr. Martin Arnold.
Museum digital. Das technische Highlight dürfte wohl eine VR-Brille sein, mit der man die ehemalige Synagoge auf dem Eschweger Schulberg vor ihrer Zerstörung im Jahr 1938 besichtigen kann. Der Innenraum wurde mithilfe historischer Aufnahmen virtuell rekonstruiert.
Museum analog. Aber natürlich gibt es auch 'analoge' Ausstellungsstücke. Die Esther-Rolle, die 2018 auf dem Dachboden in Abterode wiederentdeckt wurde, stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und enthält die Geschichte der schlauen Esther, die das jüdische Volk vor der Vernichtung durch den persischen König rettete.
Eine weitere Geschichte verbirgt sich auch hinter einem alten Fenster der Synagoge. Dort befindet sich ein Thorawimpel von 1775, der als Wickelband für die Thora bestimmt ist, bestehend aus einer Windel, die als Beschneidungswindel gedient haben könnte, in drei Teile geschnitten und zusammengenäht wurde. Der Wimpel ist kunstvoll bestickt mit dem Geburtsdatum des Trägers, einer Thora und einer Hochzeitsszene. 'Die Kinder mögen besonders solche Geschichten, denn dann fängt das Judentum an zu leben', findet Ludger Arnold.
Antisemitismus. Aber auch das Thema Antisemitismus findet Dr. Martin Arnold sehr wichtig. Das digitale Programm zeigt unter anderem das Kinderbuch 'Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid' von Elvira Bauer aus dem Jahr 1936. Durch dieses Buch sollte schon kleinen Kindern ein antisemitisches geprägtes Weltbild vermittelt werden. Im Programm werden sowohl die Folgen des Antisemitismus als auch unkompliziertes Miteinander von Juden und Christen gezeigt. 'Die Botschaft dahinter soll sein, dass Juden Menschen sind wie wir alle. Juden und Christen sind eng miteinander verbunden und ihre Kulter enthält Elemente, auf die man stolz sein kann', so Dr. Arnold.
Führungen. Der Lern- und Gedenkort jüdischen Lebens kann derzeit nur Führungen bis zehn Personen anbieten. Nähere Infos: www.synagoge-abterode.de."          
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Links und Literatur

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Meißner 
bulletWebsite des Vereins der "Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis" www.synagoge-abterode.de   
Hinweis:
der Verein wurde 2019 unter dem Vorsitz von Dr. Martin Arnold gegründet. Die Mitglieder möchten die Erinnerung an jüdisches Leben in der Region wachhalten, der jüngeren Generation vermitteln und gegen Antisemitismus eintreten. Informiert wird über jüdische Geschichte, Kultur und Religion. Mitglieder sind Institutionen wie der Werra-Meißner-Kreis, der Evangelische Kirchenkreis Werra-Meißner, Kommunen und Kirchengemeinden sowie zahlreiche Privatpersonen. Auf der Homepage www.synagoge-abterode.de kann man sich über die Aktivitäten informieren und Mitglied werden
bulletSeite zum jüdischen Friedhof in Abterode (interner Link)  
bulletStammbaum der Familie Plaut (mehrere Linien in Abterode)  

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Abterode  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Abterode sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,39    Verzeichnis der jüdischen Einwohner von Abterode und Frankershausen mit Benennung von Vorstehern, Lehrern und Gemeindedienern  1735 - 1824  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289716   
HHStAW 365,33    Verzeichnis der jüdischen Einwohner von Abterode und Frankershausen mit Benennung von Vorstehern, Lehrern und Gemeindedienern  1735 - 1824  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1230080   
HHStAW 365,40    Jüdisches Personenstandsregister von Abterode  1809 - 1813        https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245100              
HHStAW 365,34    Verzeichnis aller Juden in der Kultusgemeinde Abterode   1823 - 1823    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4250800            
HHStAW 365,37    Geburtsregister der Juden von Abterode und Vockerode  1824 - 1851  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2719759     
HHStAW 365,38    Sterberegister der Juden von Abterode  1824 - 1852   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2126642     
HHStAW 365,35    Trauregister der Juden aus der Synagogengemeinde in Abterode  1829 - 1935  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4782861    
HHStAW 365,36    Trauregister der Juden von Abterode  1852 - 1935   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4101075   
HHStAW 365,41    Sterbereister der Juden von Abterode  1852 - 1937  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1230081         
 
unter den Familienregistern zu Wolfhagen findet sich:  
HHStAW, 365, 868 Heiratsurkunden jüdischer Eheleute aus Wolfhagen und Abterode (3 Blatt) 1889 - 1892: Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Salomon Kleeblatt aus Röhrenfurth und Helene geb. Alexander aus Wolfhagen 1892, Heiratsurkunde der jüdischen Eheleute Heinemann Loewenstein aus Iserlohn in Westfalen und Bertha geb. Weilbrunn aus Abterode 1889  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245495    

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 1 S. 25-26.
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 70-72. 
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 68 (keine Ergänzungen zum Band von 1988).  
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 233-234.  
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 353-355. 
bulletSpuren Lit 010.jpg (37810 Byte)Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis. Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S. 73-76 u.ö.
bulletMartin Arnold: Die jüdische Gemeinschaft in Abterode. Von der Entstehung im 17.Jh. bis zur Auslöschung im Jahr 1941, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 121/2016, S. 53-74. Online zugänglich (pdf-Datei) - Weitere Download-Möglichkeit   
bulletAndreas Lehnardt: Die Genisa aus der ehemaligen Synagoge in Abterode. In: Eschweger Geschichtsblätter 31/2020, S. 5-14. Online eingestellt (zusammen mit dem nächsten Beitrag; pdf-Datei).  
bulletKarl Kollmann: Warum Abterode? Bemerkungen zur jüdischen Gemeinde Abterode im 17. und 18. Jh. In: Eschweger Geschichtsblätter 31/2020, S. 15-20. Online eingestellt (zusammen mit dem vorigen Beitrag; pdf-Datei).  

        
         


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Abterode  Hesse.  Jews lived there from the mid-17th century and established the largest rural community in the duchy of Hesse, numbering 39 families (23 % of the total) in 1744 and 234 individuals in 1835. Many of the duchy"s teachers were first educated at the local Jewish elementary school (1840-1934). Affiliated with the Kassel rabbinate, the community dedicated a new synagogue (1871), which was vandalized with other Jewish property on Kristallnacht (9-10 November 1938). Most of the 97 Jews registered there during the Nazi period left before 1940; at least 17 perished in the Holocaust. 
  
     

                   
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Stand: 31. Januar 2026