Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eschwege (Werra-Meissner-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Eschwege 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
  
Im mittelalterlichen Eschwege, das im 13. Jahrhundert Stadtrechte erhielt, lebten vermutlich bereits in dieser Zeit jüdische Personen. 1295 wird im Zusammenhang mit Verfolgungen gegen die jüdische Bevölkerung auch Eschwege genannt. 1301 wird in einer Urkunde ein Sifridus Judeus in der Stadt genannt und als "geachtete und wohlhabende Persönlichkeit" bezeichnet. Ob es zur Bildung einer jüdischen Gemeinde kam, ist unklar. Während der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden wohl auch in Eschwege Juden ermordet.  1367 ist in einer Geldangelegenheit der Priorin des Konvents von Germerode wiederum von Juden in Eschwege die Rede. 1398 lieh Landgraf Balthasar von Thüringen bei einem Eschweger Juden eine größere Summe. Dieser Jude wird als "Hasen" (= Chasan, Vorbeter) bezeichnet, ein Indiz für eine damals bestehende jüdische Gemeinde in der Stadt. 1457 wird eine "Judengasse" genannt. 1507 ist vom "vicus iudaicus" die Rede. Die Judengasse befand sich im Stadtzentrum zwischen "Marktplatz" und "Alter Steinweg" (heutige Kniegasse). 

1580
werden 30 jüdische Einwohner in der Stadt genannt. Um 1600 lebten mehrere Jahre keine Juden in der Stadt; 1622 waren es wieder sechs jüdische Familien. 1637 - im Jahr des großen Stadtbrandes - wurden 12 jüdische Familien in der Stadt, 1638 fünf Familien. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wohnten jüdische Familien insbesondere im Bereich Wallgasse / Töpfergasse. Weitere jüdische Familien lebten in dieser Zeit in dem Straßenzug Unter dem Berge, außerhalb der Stadtmauern am Ufer der Werra. Als nach 1687 eine neue Synagoge erbaut wurde, umfasste die Gemeinde 15 Familien.     
   
Bis Mitte des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner in der Stadt auf 171 zu (4,9 % der Gesamtbevölkerung). Die jüdischen Familien lebten zunächst fast ausschließlich vom Vieh- und Warenhandel (Textilien). 
   
Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche jüdische Handels-, Gewerbe- und Industriebetriebe, die eine überaus große Bedeutung für das Wirtschaftsleben der Stadt hatten. Auch im öffentlichen Leben zeigte sich eine rege Beteiligung der jüdischen Einwohner. 
  
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Niederhessen (Kassel), hatte jedoch ein eigenes Kreisrabbinat. Unter den Rabbinern der Stadt sind zu nennen: Simon Isaak Kalkar (1754-1812, "Departementrabbiner" in Eschwege), 1827 bis 1831 Dr. Salomon Herxheimer aus Dotzheim (danach Landrabbiner für Anhalt-Bernburg), 1831 bis 1894 Philipp Goldmann, ab 1896 Dr. Joseph Cohn, von 1918 bis 1923 Dr. Moritz Freier; von 1923 bis 1938 Dr. Heinrich Bassfreund. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 236 jüdische Einwohner, 1855 369, 1861 470 (6,7 % von insgesamt 6.969), 1871 509 (6,8 % von 7.431), 1885 549 (5,8 % von 9.942), 1895 487 (4,7 % von 10.285), 1905 511 (4,3 % von 11.841). 1858 trennte sich eine orthodoxe Gruppe von der liberal geprägten Hauptgemeinde und begründete ihren eigenen minjan.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (bestand seit 1827; das Gebäude Schulstraße 3 wurde 1839 eingeweiht; die Schule bestand bis 1939), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (neben dem Rabbiner) ein Lehrer angestellt, der teilweise zugleich als Kantor/Vorbeter und Schochet tätig war. Der erste Lehrer der jüdischen Gemeinde nach 1827 war der bereits genannte Dr. Salomon Herxheimer, der bis 1831 auch das Amt des Kreisrabbiner innehatte. Er unterrichtete 1827 41 Kinder der jüdischen Gemeinde. Längere Zeit waren die Ämter des Rabbiners und Lehrer auf zwei Personen verteilt. An Lehrern und Kantoren werden neben dem Kreisrabbiner genannt: bis 1851 ein Lehrer Schloß, von 1851 bis 1870 Kantor M. Engelbert (1866 hatte es in der jüdischen Schule 28 Schüler), von 1870 bis 1907 oder 1917 Kantor Werthan, von 1907 bis 1931 Lehrer Simon Glauberg, 1893 bis 1933 Kantor Levi Bacharach, ab 1931 Lehrer Sally Wiesenfelder. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Hugo Benjamin (geb. 3.9.1897 in Eschwege, gef. 18.11.1916), Karl Eichenberg (geb. 7.6.1894 in Eschwege, gef. 7.10.1914), Alfred Goldmann (geb. 28.4.1887 in Eschwege, gef. 28.11.1914), Btl. Arzt Dr. med. Siegmund Kahn (geb. 3.5.1876 in Eschwege, gef. 3.5.1917), Arthur Levi (geb. 7.9.1898 in Eschwege, gef. gef. 4.10.1917), Alfred Levy (geb. 7.3.1883 in Eschwege, gef. 10.5.1915), Adolf Luss (geb. 11.3.1892 in Eschwege, gef. 31.8.1914), Arthur Meyer (geb. 18.8.1893 in Hann. Münden, gef. 15.4.1916), Arthur Pappenheim (geb. 29.6.1897 in Eschwege, gef. 23.10.1917), Gefreiter Isfried Stein (geb. 27.6.1889 in Eschwege, gef. 21.5.1915), Abraham Stiefel (geb. 15.12.1889 in Abterode, gef. 28.12.1916), Carl Werner (geb. 21.2.1894 in Eschwege, gef. 25.9.1916), Ludwig Katzenstein (geb. 15.8.1890 in Eschwege, gest. an der Kriegsverletzung 16.11.1919), Moritz Oppenheim (geb. 18.11.1873 in Bebra, gef. 29.11.1918).     
     
Um 1925 - als noch 410 jüdische Einwohner gezählt wurden (etwa 3,15 % von insgesamt ca. 13.000 Einwohnern) - gehörten dem Synagogenvorstand an die Herren Abraham Goldbach, Dr. med. Bacharach und David Weinstein. Kreisrabbiner in Eschwege war (von 1923 bis 1938) Dr. Heinrich Levi Bassfreund. Als Lehrer wirkte Simon Glauberg. Er hatte an der jüdischen Volksschule noch 10 jüdische Kinder zu unterrichten (1932: 28 Kinder), dazu 40 Kinder in der Religionsschule, die die allgemeinen höheren Schulen des Ortes besuchten. Als Kantor und Schochet war Levi Bacharach angestellt, als Synagogendiener Rafael Frenkel. An jüdischen Vereinen bestanden: der Israelitische Wohltätigkeitsverein Chewra Gemilus Chassodim (gegründet 1857), der Israelitische Frauenverein e.V. (gegründet 1877), die Chewra Talmud Tora (Talmud-Tora-Verein gegründet 1727), die Chewra Zeira Kadischa (gegründet 1925, Ziel: Wohltätigkeit und Lehrvorträge), die Israelitische Wanderarmenkasse (gegründet 1908), eine Ortsgruppe des Central-Vereines sowie eine Ortsgruppe des Bundes jüdischer Frontsoldaten. 1932 umfasste die jüdische Gemeinde noch 390 Gemeindeglieder. 

     
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 421 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert, ein größerer Teil von ihnen in die USA (80 Personen). 1941-42 wurden die letzten etwa 100 jüdischen Einwohner in die Vernichtungslager deportiert. 
 
Die Namen der aus Eschwege stammenden, dort geborenen oder längere Zeit in der Stadt wohnhaften, und nach den Deportationen der NS-Zeit umgekommenen beziehungsweise ermordeten jüdischen Personen können über das Gedenkbuch des Bundesarchives recherchiert werden:   http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html.de.  

Seit 2009 wurden in Eschwege sogenannte "Stolpersteine" zur Erinnerung an einen Teil der aus Eschwege deportierten Personen verlegt (Verlegungen fanden statt im März 2009, August 2009, Mai 2010, Mai 2013, geplant November 2013). 
     
Nach 1945 bestand für einige Jahre ein Lager für jüdische KZ-Überlebende in der Stadt (DP-Lager unter Aufsicht der UNRRA), doch sind fast alle Lagerinsassen nach Gründung des Staates Israel dorthin ausgewandert. Die in Eschwege wieder lebenden jüdischen Bewohner waren jedoch zu wenige, um auf Dauer wieder eine Gemeinde bilden zu können.    
    
    
   
Zur Geschichte der Synagoge   
     
Ob im Mittelalter bereits ein Betsaal oder eine Synagoge vorhanden war, lässt sich nicht sicher nachweisen. Immerhin spricht die Erwähnung eines Juden mit dem Beinamen "Hasen" (= Chasan, Vorsänger) im Jahr 1398 für die Einrichtung zumindest eines Betsaales in dieser Zeit. Auch im 16./17. Jahrhundert dürfte ein Betsaal vorhanden gewesen sein. Beim Neubau einer Synagoge nach 1687 wird jedenfalls ein alter Betsaal als baufällig bezeichnet.   
        
1687 wollte die Judenschaft der Stadt eine neue Synagoge bauen und bat um Genehmigung, einen Platz hierfür kaufen zu dürfen. Landgraf Ernst von Hessen-Rotenburg zeigte sich von seiner großzügigen Seite und schenkte der Judenschaft einen hierzu gut geeigneten Bauplatz (Grundstück Unter dem Berge 20). 1692 konnte auf diesem Platz eine Synagoge, neben ihr ein rituelles Bad eingerichtet werden. Dieses Bethaus bestand - vermutlich immer wieder renoviert - bis zum Neubau einer Synagoge 1838. Diese wurde von Landbaumeister Johann Friedrich Matthei erstellt. Über den bevorstehenden Bau der Synagoge liegt ein Bericht vor in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. August 1837:   

Eschwege AZJ 26081837.JPG (181949 Byte)Aus Eschwege, im August (1837). Erlauben Sie, verehrtester Herr Redakteur, Ihnen, zur gefälligen Aufnahme in Ihr sehr geschätztes Blatt, das sich auch in hiesiger Gegend der allgemeinsten Teilnahme erfreut, eine Mitteilung zu machen, aus welcher jeder Menschenfreund mit Vergnügen entnehmen wird, wie sehr sich der Sinn für alles Bessere und Heilige immer allgemeiner unter unsern Glaubensgenossen verbreitet, und wie dieser heilige Sinn kein Opfer scheut, sich in der Wirklichkeit zu betätigen.
Seit einigen Jahren wurde in der hiesigen israelitischen Gemeinde das lebhafte Bedürfnis gefühlt, ein Gotteshaus zu besitzen, das die edelsten Bedürfnisse des Geistes und des Herzens befriedigen, das Stärkung im Glauben, Trost im Leiden, und Wonne in höhern Freuden gewähren könne. - Dass die alte Synagoge, an einem sehr dumpfen Orte liegend, für die hiesige Gemeinde viel zu klein, zudem sehr baufällig, dieses alles nicht genügend gewähren konnte, sah jeder Humane ein. - Ebenso war an hiesigem Orte ein geeignetes Lokal für die öffentliche israelitische Schule, welche von 50 Kindern besucht wird, sehr wünschenswert. - Um nun allen diesen geistigen Bedürfnissen Genüge zu leisten, wurde von dem Vorstande der Gemeinde, Herrn Kreisvorsteher Kugelmann und Herren Ältesten J.V. Plaut und J.C. Plaut mit höherer Genehmigung, ein sehr geeigneter Platz, mitten in der Stadt gelegen, für circa 600 Reichstaler angekauft, und zwei herrliche Gebäude, ein Gotteshaus und ein Schulhaus, welches letztere zugleich Wohnungen für die Lehrer enthält, werden dermalen dort aufgeführt.
Wenn auch diesem, für die hiesige kleine Gemeinde allerdings kostspieligen Bau, in pekuniärer Hinsicht sich manche Schwierigkeit darbot: so wurden doch alle diese Hindernisse, durch die tätige und umsichtvolle Ausdauer genannten Vorstandes glücklich überwunden, und wir sehen nun freudig und hoffnungsvoll der baldigen Erfüllung unseres sehnlichen Wunsches, wieder ein anderes und herrlicheres, seinem heiligen Zwecke angemessenes Gotteshaus zu besitzen, entgegen. Seiner Zeit werde ich Ihnen, wenn Sie es gütigst erlauben, von der innern Einrichtung beider Gebäude, von der Einrichtung, von der zu erwartenden Umgestaltung des Gottesdienstes Mitteilung machen. Doch darf ich am Schlusse dieses Schreibens nicht vergessen, der liebevollen Sorgfalt unserer väterlichen Regierung, welche alles Edle und Gute zu befördern sucht, lobend zu erwähnen. Nicht nur, dass von derselben, der angekaufte Platz, ein früheres Lehen, sogleich zu diesem Behufe zu verwenden, gestattet wurde, sondern sie bot auch Alles auf, um das, zur Ehre Gottes beabsichtigte Vorhaben des Vorstandes reüssieren zu lassen. Gott erhalte unsere Regierung! 

Zeitgleich mit dem Bau der Synagoge wurde ein jüdisches Schulhaus unmittelbar unterhalb der Synagoge in der Schulstraße erstellt.   
   
Die Einweihung der Synagoge war am 14. Dezember 1838 durch Rabbiner Philipp Goldmann, der 1838 bis 1894 Kreisrabbiner in Eschwege war. Über das Fest erschien ein kurzer Bericht in der Zeitschrift "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 12. Januar 1839:  

Eschwege AZJ 12011839.jpg (70881 Byte)Eschwege, 21. Dezember (1838). Lange fühlte die hiesige israelitische Gemeinde den Mangel eines entsprechenden Gotteshauses. Der Zahn der Zeit hatte einesteils an der alten Synagoge sehr genagt, andernteils war sie der Gemeinde zu beschränkt worden. Nach langem Zögern endlich ergriffen die Gemeindevorsteher, die Herren J. V. Plaut und und J. C. Plaut den Plan zur Erbauung eines neuen Gotteshauses mit wahrhaftem Eifer, und ihren Bemühungen verdankt man die glückliche Realisierung des Planes - ein neues Gotteshaus, zur Ehre der Religion, zur Verschönerung der Stadt. Ich sende Ihnen anbei einen Bericht über die Einweihung, die am 14. Dezember statt fand, ein schönes Fest, das ohne Störung und zur Befriedigung aller Teilnehmer gefeiert ward. Hervorheben dürfen wir wohl auch eine für dieses Fest vom katholischen Seelsorger hiesigen Orts, Herrn Ritz gedichtete Ode, deren Mitteilung gewiss interessieren und erfreuen wird.

Der in dem obigen Bericht angekündigte ausführliche Bericht über die Einweihung wurde leider nicht in der "Allgemeinen Zeitschrift des Judentums" veröffentlicht. Monate später findet sich in der Ausgabe vom 26. Oktober 1839 allerdings die Ode, die der katholische Pfarrer Ritz zur Einweihung der Synagoge vorgetragen hatte:

Eschwege AZJ 26101839.JPG (234844 Byte)Eschwege. Sie haben, Herr Redakteur, in einer frühern Nummer dieser Zeitung versprochen, einen nähern Bericht über die Einweihung des israelitischen Tempels allhier, die am 14. Dezember 1838 statt fand, zu geben. Ist nun auch hierzu die günstige Zeit vorüber, so ward doch der Umstand, dass der hiesige katholische Geistliche, Herr Ritz, uns mit einer Ode zu diesem Feste beschenkte, von Ihnen selbst als besonders bezeichnend für unsre Zeit hervorgehoben, dass Sie nicht, erinnert daran durch die Einweihung der Synagoge zu Kassel, dieses Gedicht noch nachträglich geben sollten, welches hier unten folgt. Die Predigt des Herrn Kreisrabbinen Goldmann zu diesem Feste, ist im Druck erschienen. Der Herr Ritz leitete sein Gedicht durch folgendes Schreiben ein.

Geehrter Herr Kreisrabbiner!
Wenn Feste der Religion gefeiert werden, wie Ihnen ein solches bevorsteht, so kann ein Diener der Religion nicht leicht müßiger Zuschauer bleiben. Auch ich vermochte dies nicht und habe den Anteil, welchen ich an Ihrer Freude nehme, in einer kurzen Ode ausgesprochen, welche ich mir erlaube, Ihnen, und durch Sie, Ihrem Gemeinde-Vorstand zum Geschenke zu machen. Ich ergreife die Gelegenheit, Ihnen meine vollkommenste Hochachtung auszudrücken, mit welche ich bestehe Ihr ergebenster Ritz, katholischer Seelsorger.
Eschwege, den 13. Dezember 1838.

Tempelweihe
Psalm 26,9 (hebräisch zitiert): "Ewiger, ich liebe die Stätte deines Hauses, und den Ort, wo deine Herrlichkeit thront".
Freundlich schwebte herab einst Weltbeherrscher Jehova,
Streute Segen und Glück häufig in Israels Haus;
Hörte der Kinder Gebet, das flehende Sehnen der Väter,
Machte die flehende Brust himmlischer Seligkeit voll,
Als durch Salomos Hand, des weisesten Herrschers von Juda,
Zions Heiligtum hoch glänzende Zinnen erhob.
Wie wenn das freundliche Wort des liebenden Vaters erschollen,
Söhne und Töchter vereint eilen mit kindlicher Lust,
um zu schließen den Kreis, der liebend von Liebe umschlungen
Lauschet dem mahnenden Wort, höret die sehnende Lehr:
1. Könige 8,65 (hebräisch zitiert): "eine große Versammlung, von der Gegend um Hamat".
Also strömten heran die Gottgeheiligten Stämme
Wogend in brünstiger Flut, pilgernd zum heiligen Haus.
Sidons blühend Gestad, wie Libanons luftige Höhen
Sandten von Andacht erfüllt jubelnde Scharen dahin;
Hermon's schattiges Haupt und Jordans üppige Gauen
Waren von Wallern erfüllt strömend nach Israels Stadt;
Dort von heiliger Glut aufwalleten liebliche Düfte
Zu Jehovas Sitz, welcher in Herrlichkeit thront.
eben dort Vers 36 (hebräisch zitiert: "Und es opferte Salomo das Opfer".
Duftend wogte nach oben des Opfers dampfende Wolke; 
Also schwebte das Herz brünstiger Beter empor.
Hymnen erfüllten mit Jubel des Heiligtums glänzende Hallen, 
Lieder priesen den Herrn laut im begeisterten Chor. - 
Dich auch Jakobs erzeugte Gemeinde in Hassias Gauen,
Lächelt im festlichen Schmuck prangend ein Heiligtum an.
Feierlich tönet sein Ruf zum heiligen Werke des Glaubens,
Freundlich erschallet das Wort: "Israel eile heran,
"Höre begeisterte Lehre verkünden, die Weisheit von oben, 
"Wachse an Weisheit und Kraft, werde des Himmlischen voll.
"Werfe die kindliche Brust voll Demut im Staube danieder
"Stimme mit Seraphen ein, preisend den Namen des Herrn:
Jesajas 6,3 (hebräisch zitiert): "Und es rief einer dem anderen zu: Heilig, Heilig, Heilig ist der Herr Zebaoth..."
"Heilig, erhabener Gott bist du, dessen Herrlichkeit füllet,
"Deine Geschöpfe Mund, das unermessliche All. - 
Freude durchglühe das Herz Euch eifrige Söhne des Ostens, 
Wonne durchstrahle die Brust, Jubel verkünde der Mund;
Denn noch preisen die Lippen des Enkels die Andacht der Väter,
Dankend glühet das Herz, segnend der Vater im Grab. -
Eschwege, den 14. Dezember 1838.   Ritz

Die Synagoge war 100 Jahre lang Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Eschwege. Von den vielen Höhepunkten im Leben der Gemeinde seien die Feierlichkeiten zur fünfzigjährigen Amtstätigkeit von Rabbiner Philipp Goldmann hervorgehoben. Dieser hatte 1838 die Synagoge eingeweiht und konnte nach einer gründlichen Restaurierung des Gebäudes 1881 sein 50-jähriges Amtsjubiläum in dem Gebäude feiern. Darüber liegt ein Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1881 vor:    

Eschwege Israelit 14121881a.jpg (149725 Byte)Eschwege, 2. Dezember (1881). Die gestrige Feier der fünfzigjährigen Amtstätigkeit des Herrn Kreisrabbinen Goldmann dahier war, den allseitig anerkannten Verdiensten des hochgeehrten Mannes entsprechend, eine sehr würdige und hat sicherlich bei den vielen Teilnehmern einen bleibenden tiefen Eindruck hinterlassen. - Eine vortreffliche Morgenmusik begrüßte den Jubilar in der Frühe seines Ehrentages. Um 10 Uhr empfing derselbe die Glückwünsche der Deputationen, zu welchem Akte sich u.A. auch der Königliche Landrat, Herr Groß, Vertreter der städtischen Behörden, die Geistlichkeit der christlichen Kirche, die Vorstände unserer sämtlichen Lehranstalten eingefunden hatten, um ihrer Teilnahme an dem Jubeltage in trefflichen, bewegten und bewegenden Worten gleichfalls Ausdruck zu geben. - Besonders feierlich war der am Mittag beginnende Festgottesdienst in der schön restaurierten, reich geschmückten Synagoge, welche die Versammelten, darunter die erwähnten Deportationen usw., Mitglieder des Stadtrates und Bürgerausschusses und andere christliche Mitbürger, kaum zu fassen vermochte. Hier hielt Herr Landrabbiner Dr. Adler aus Kassel, die Festpredigt, welche mit einer an den Jubilar gerichteten, dessen amtliche Wirksamkeit in glänzendes Licht setzenden Ansprache und mit warmen Glück- und Segenswünschen endigte. Bescheidenen Sinnes drückte der Gefeierte seinen Dank für die ihm gewordene reiche Anerkennung aus und sprach in seiner darauf folgenden, Rückblicke in sein Leben enthaltenden Rede ergreifende Worte und flehte zum Schluss dankerfüllten Herzens den Segen herab auf unseren Kaiser und sein Haus, auf die Stadt, auf seine Gemeinde. Der Vortrag einer Motette durch den Sängerchor, welcher durch seine Gesänge die festliche Stimmung erhöhen half, beschloss die Feier in der Synagoge. 
Die Beteiligung an dem Festmahle im Stadtbausaale am Abend war ebenfalls eine sehr zahlreiche; auch Herr Landrabbiner Dr. Adler, Herr Landrat Groß, städtische Beamte, Mitglieder des Stadtrates und des Bürgerausschusses und andere der israelitischen Gemeinde nichtangehörige Bürger waren erschienen. Und nicht nur für das leibliche Wohl war hier vortrefflich gesorgt, auch der Geist erhielt fortwährend Anregung und Nahrung durch unzählige Ansprachen und Toaste, bald ernsten, bald launigen Inhaltes, auf Zustände der Gegenwart und Vergangenheit sich beziehend, sehr beherzigenswerte Worte auch enthaltend über das einträchtige Zusammenleben konfessionell geschiedener Bürger. Das erste, begeistert aufgenommene Hoch wurde nach gutem altem Brauch Seiner Majestät dem Kaiser durch Herrn Vizebürgermeister Döhle gewidmet; ihm folgte der Toast des Herrn Landrabbinen auf den Jubilar. 
Eschwege Israelit 14121881b.jpg (120263 Byte)Unserer Stadt und der städtischen Behörden wurde unter anderem von Herrn Landrat Groß und Herrn Dr. med. Stern, welch ersterer damit ein ihm von Herrn Aron Levy in schmeichelhaften Ausdrücken dargebrachtes Hoch erwiderte, in trefflicher Weise gedacht. Herr Lehrer Werthahn feierte den Herrn Landrabbinen, Herr Seminardirektor Dr. Stein aus Kassel verdienter Weise die unermüdliche Fürsorge des Festkomitees. Der Bedürftigen in der Freude des Tages nicht zu vergessen, regte Herr M. Plaut den bewährten Wohltätigkeitssinn der Versammlung an und konnte als Resultat der Sammlung - in einem der beiden dem Jubilar von seiner Gemeinde und der Stadt gewidmeten Pokale - 70 und einige Mark dem Herrn Vizebürgermeister, an Stelle des infolge längeren Unwohlseins abwesenden Herrn Bürgermeisters Gebhard, überreichen. Auch die hiesige Kinderbewahranstalt wurde durch eine spätere Sammlung riech bedacht.
Der Verlauf der ganzen Feier, welche zahlreiche Glückwünsche und Gäste auch aus weiter Gerne herbeigeführt hatte, wird ein die Veranstalter und Teilnehmer in hohem Grade befriedigender gewesen sein. Überall fand die Verehrung für den Gefeierten schönen Ausdruck. Möge ihm der Tag der Ehren nicht nur eine beglückende, frohe Erinnerung, sondern auch eine Quelle sein: neuen Mutes und mit frischer Kraft für die Fortsetzung seiner Amtstätigkeit in dem nun begonnenen sechsten Jahrzehnt. 

Von der Architektur her handelte es sich bei der Synagoge um einen zweigeschossigen, verputzten Massivbau mit einem Walmdach. Charakteristisch ist bis heute die Straßenansicht mit dem Säulenportikus, der von Rundbogenfenstern im Obergeschoss und Rechteckfenstern im Untergeschoss flankiert wird. Die Fenster waren ursprünglich mit Glasmalerei versehen. 
    
Anschläge auf die Synagoge gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts, als sich der Antisemitismus vielerorts bemerkbar machte. So wurden 1890 in der Synagoge zahlreiche Fensterscheiben eingeworfen.      
  
In der Synagoge wurden Fensterscheiben eingeschlagen (1890)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Dezember 1890: "In Eschwege geht die christlich-soziale Friedenssaat auf. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag ist nämlich in der hiesigen Synagoge eine größere Anzahl Fensterscheiben eingeworfen, wobei die Ampel zertrümmert wurde. Vom Bürgermeisteramt ist auf die Ermittlung der Täter eine Belohung ausgesetzt worden."            

        
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA-Leuten geschändet und demoliert. Dabei wurden die Fenster eingeschlagen sowie die Inneneinrichtung vollkommen zerstört. Einige Torarollen konnten von Gemeindeglieder rechtzeitig versteckt werden, doch sind dies später verloren gegangen. Nach dem Novemberpogrom wurden die Fenster des Gebäudes von der Stadt mit Brettern geschlossen und sind später wieder verglast worden, um das Gebäude im Krieg als Depot für die Fliegerabteilung zu verwenden. Nach 1945 wurde das Gebäude vorübergehend von den wenigen überlebenden Rückkehrern und den KZ-Überlebenden des DP-Lagers wieder als Synagoge verwendet. Mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde die Synagoge wieder geschlossen.  
      
Im März 1954 konnte durch den damaligen Vorsteher der Neuapostolischen Kirchengemeinde in Eschwege, Priester Willi Pempel, nach längeren Verhandlungen mit maßgeblichen Mitgliedern der früheren jüdischen Gemeinde, unter Federführung von Herrn Moritz Werner die ehemalige Eschweger Synagoge käuflich erworben werden. Das Gebäude wurde in den folgenden Monaten umfassend renoviert und als Neuapostolische Kirche eingerichtet. Bis heute gilt die ehemalige Synagoge als eine der schönsten neuapostolischen Kirchen im Bezirk Hessen. Am 30. September 1954 fand durch Bezirksapostel Gottfried Rockenfelder die feierliche Einweihung im Beisein der Bischöfe Seibert und Weine sowie der Bezirksältesten Schäfer und Tromp, der Bezirksevangelisten Karl Isenberg, Ernst und Rudolf Schilling sowie vieler Amtsträger aus dem damaligen großen Ältestenbezirk Kassel statt. 50 Jahre nach Einrichtung der Kirche in der ehemaligen Synagoge wurde das Gebäude zuletzt im Jahr 2004 umfassend renoviert
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:   Ecke Straße "Vor dem Berge" 4 /Ecke Schulstraße     
   
Fotos
(neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2009)   

Die mittelalterliche "Judengasse", 
die heutige "Kniegasse"
Eschwege Kniegasse 170.jpg (91262 Byte) Eschwege Kniegasse 171.jpg (74517 Byte)
   Blick vom Marktplatz in die Kniegasse   Straßenschild 
     
Die Töpfergasse, wo in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts mehrere jüdische Familien lebten     
Eschwege Toepfergasse 171.jpg (72371 Byte) Eschwege Toepfergasse 172.jpg (81215 Byte) Eschwege Toepfergasse 170.jpg (57535 Byte)
Blick in die Töpfergasse  Alte Fachwerkhäuser in der Töpfergasse  Straßenschild 
     
     

Historische Aufnahmen der Synagoge 
(Fotos: Website der Neuapostolischen Kirche in Eschwege; Foto erste Zeile rechts: P. Arnsberg) 

Eschwege Synagoge 002.jpg (37462 Byte) Eschwege Synagoge 102.jpg (47402 Byte) Eschwege Synagoge 003.jpg (76760 Byte)
Außenansichten der Synagoge  Das klassizistische Eingangsportal 
   
Eschwege Synagoge 101.jpg (40599 Byte) Eschwege Synagoge 001.jpg (53069 Byte) Eschwege Synagoge 272.jpg (68996 Byte)   
Die Synagoge in ihrer 
Umgebung 
Innenansicht der Synagoge mit 
Blick zum Toraschrein 
  Innenaufnahme, vermutlich vor 1899;
 Quelle: Kullmann/Wiegand S. 52. 
     
Die geschändete Synagoge nach dem Novemberpogrom 1938 
Eschwege Synagoge 271.jpg (81975 Byte) Eschwege Synagoge 1938a.jpg (66925 Byte) Eschwege Synagoge 270.jpg (84460 Byte)
 Die eingeworfenen Fenster sind 
notdürftig verschlossen 
Innenansicht: Quelle: 
Pinkas Hakehillot s.Lit. S. 374  
  Quelle: 
Kullmann/Wiegand S. 67 
  Obiges Foto in höherer Auflösung   
     
Seit 1954: die ehemalige Synagoge
als neuapostolische Kirche
Eschwege Synagoge 106.jpg (54228 Byte) Eschwege Synagoge 107.jpg (78141 Byte)
   Die ehemalige Synagoge als 
neuapostolische Kirche 
Die neuapostolische Kirchengemeinde 
vor der ehemaligen Synagoge 
     
2004: 50 Jahre Neuapostolische Kirche in 
der ehemaligen Synagoge. Das Gebäude 
wird umfassend renoviert und neu eingeweiht
Eschwege Synagoge 105.jpg (167122 Byte) Eschwege Synagoge 100.jpg (98842 Byte)
    Art. vom 21.09.2004: "Synagoge 
in guten Händen" 
"Neuapostolische Kirche 
weihte ihr Gotteshaus" 
       
      
Die ehemalige Synagoge 
im Frühjahr 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 8.4.2009)
     
Eschwege Synagoge 178.jpg (75123 Byte) Eschwege Synagoge 173.jpg (79603 Byte) Eschwege Synagoge 174.jpg (68878 Byte)
Die ehemalige Synagoge (rechts) 
in ihrer Umgebung 
Blick auf die ehemalige Synagoge, seit 1954 Neuapostolische Kirche 
 
     
Eschwege Synagoge 171.jpg (76677 Byte) Eschwege Synagoge 172.jpg (72410 Byte) Eschwege Synagoge 170.jpg (80288 Byte)
Charakteristisch für die Eschweger Synagoge: ein vorgesetzter Mittelrisalit mit 
einem Schauportal, das an einen Tempel des klassischen Altertums erinnert: 
vier Sandsteinsäulen tragen einen griechischen Dreiecksgiebel. 
Hinweistafel: "Ehemalige Synagoge.
 Klassizistischer Bau der Jahre 1837-38.
 Am 9. November 1938 geschändet und
 verwüstet. Heute Neuapostolische Kirche.
 Im Mittelalter befand sich hier der 
Burgsitz der Familie von Keudell". 
  
     
Das Schulgebäude der jüdischen
 Gemeinde in der Schulstraße 3 
Eschwege Schule 173.jpg (72267 Byte) Eschwege Schule 171.jpg (70394 Byte)
    Die ehemalige jüdische Schule, dahinter 
die ehemalige Synagoge 
 Das Schulhaus wurde gleichzeitig 
mit der Synagoge erbaut (1837/38) 
         
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    Hinweistafel. "Schulgebäude der jüdischen
 Gemeinde Eschwege. Erbaut 1839. Schule
 aufgehoben am 1.10.1939, bis 1952 im
 Besitz der israelitischen Gemeinde,
 seitdem in Privatbesitz." 
Rückseite des Schulgebäudes 
 
 
     
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  Gebäudes eines der früheren jüdischen Geschäfte: "Stad 27/29". Es handelte sich um das 1882 von den Kaufleuten Bernhard und Philipp Goldmann erworbene Gebäude Stadt 27 sowie das 1931 dazu übernommene Gebäude Stadt 29. 1933 war das Kaufhaus Goldmann ein Hauptziel des NS-Boykotts. Wenig später wurde es "arisiert" (Textilkaufhaus Eduard Messerschmidt, 1967 Kaufhaus Karstadt, seit 2007 Hertie)
     
"Denkmal gegen Gewalt" gegenüber der Synagoge  
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Informationstext zum "Denkmal gegen Gewalt": "Erinnern - Widerstehen - für Menschenwürde. Denkmal gegen Gewalt von Christ K. Bayer 2008, Bronze. Die Skulptur erinnert an alle Menschen, die in der Vergangenheit unter Demütigungen, Verachtung, Misshandlungen und Folter litten, und an alle, die in der Gegenwart alltäglicher Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt sind. Die Skulptur lässt die 1657 als Hexe verbrannte Eschwegerin Catharina Rudeloff als ein Beispiel für Widerstand und Würde erkennen... Das Denkmal soll Mut machen, gegen Gewalt einzutreten, Zivilcourage zu zeigen und sich aktiv für Selbstbestimmung, Freiheit und Menschenwürde einzusetzen."
      
       
Gedenken Eschwege Rathaus 172.jpg (51178 Byte) Eschwege Rathaus 171.jpg (67091 Byte)
    Sehr versteckt befindet sich im Treppenhaus des Rathauses (2. Stock) eine Gedenktafel mit dem Text: "Zum Gedenken. Seit dem 13. Jahrhundert lebten in dieser Stadt Menschen jüdischen Glaubens. Während der nationalsozialistischen Herrschaft in den Jahren von 1933 bis 1945 wurden die Mitglieder der ehemaligen jüdischen Gemeinde gedemütigt, entrechtet, vertrieben, verschleppt und ermordet. Ihr Schicksal darf nicht vergessen werden. Es mahnt uns, auch der anderen Opfer der Hitlerdiktatur zu gedenken. Die Kreisstadt Eschwege 1997."

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Mai 2013: Die Verlegung von "Stolpersteinen" soll noch in 2013 abgeschlossen werden   
Artikel in der Hessisch-Niedersächsichen Allgemeinen (hna.de) vom 14. Mai 2013 (Link zum Artikel): 
"Projekt Stolpersteine: Verbeugung vor den Opfern
Eschwege.
Noch in diesem Jahr soll das bereits seit vier Jahren laufende Projekt zur Verlegung von Stolpersteinen für jüdische Nazi-Opfer aus Eschwege abgeschlossen werden. Einen weiteren wichtigen Schritt dorthin markierte die jüngste Aktion des Erinnerungskünstlers Gunter Demnig.
Am Samstag ließ er in der Friedrich-Wilhelm-Straße insgesamt zehn Namenstafeln für Deportierte und Ermordete vor ihren letzten, selbstgewählten Wohnsitzen in den Bürgersteig ein. Möglich gemacht hatte das die Sparkassen-Stiftung, die für die Finanzierung der Stolpersteine gesorgt hatte: 'Für uns war das keine Frage', so Sparkassen-Chef Frank Nickel während der Verlegung, 'wir verstehen uns in der Verantwortung zur Etablierung einer angemessenen Erinnerungskultur als Partner und Wegbegleiter der Stadt Eschwege und haben daher nicht gezögert, hier zu helfen.' Das Haus Nummer 44, vor dem zwei Stolpersteine für Martha Cahn und ihre Tochter Toni Clara verlegt worden waren, befindet sich heute im Besitz der Sparkasse. 'Wir wollen diesen Menschen ihre Namen zurück geben und uns an sie erinnern', so Frank Nickel, der im Hinabbeugen zu den Steinen eine 'Verbeugung vor den Opfern' sieht. Es gehe nicht darum, Täter zu benennen und Wohnhäuser zu brandmarken, sondern allein um die Ehrung der Opfer.
Auch Landrat Stefan Reuß, hier als Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, unterstrich die Notwendigkeit, sich den dunklen Kapiteln der Vergangenheit zu stellen und dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wiederholten. Mitunter sei er erschreckt darüber, dass gerade junge Menschen zu wenig über die Geschichte Deutschlands wüssten und auch die Demokratie als Errungenschaft nicht angemessen zu würdigen wüssten.
In diesem Zusammenhang bemerkte er ebenfalls, dass auch im Werra-Meißner-Kreis rechtsgesinnte Menschen leben würden, die sich immer weiter formierten. 'Diesen Menschen dürfen wir keine Chance geben, sich hier zu etablieren', so Stefan Reuß. Auch deswegen sei die lebendige Erinnerungskultur, die in Eschwege so erfolgreich auf den Weg gebracht worden sei, unbedingt unterstützenswert. Anfang November soll nach Angaben von Stadtarchivar Karl Kollmann eine abschließende Stolpersteinverlegung stattfinden."   
 
 

  
   

Links und Literatur

Links:  

Stadtverwaltung Eschwege 
Nicolas-Benzin Stiftung zur Förderung der Bildung auf den Gebieten der Kulturgeschichte des Judentums und der Geschichte der Medizin  
Neuapostolische Kirche in Eschwege  
Seiten der NAK (Neuapostolischen Kirche) in Eschwege zur Geschichte des Synagogengebäudes  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 226; III,1 S. 332.
Joseph Cohn: Das Eschweger Memorbuch. Hamburg 1930.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 1 S. 167-170.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. 1971 S. 49.
Erich Hildebrand: Die Juden in Eschwege, in: Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung. Bd. 9. Gießen 1979.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 73-74.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch).
Anna Maria Zimmer: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Eschwege. In: Geschichte der Stadt Eschwege. Eschwege 1993 S. 341-357.
dies.: Juden in Eschwege - Entwicklung und Zerstörung der jüdischen Gemeinde von den Anfängen bis zur Gegenwart. Eschwege 1993.  

   

Spuren Lit 010.jpg (37810 Byte)Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis. Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S. 81-85 u.ö.

   

Eschwege Lit 05.jpg (31861 Byte)Karl Kollmann: Jüdisches Eschwege - Einladung zu einem Rundgang. Hg. vom Geschichtsverein Eschwege. Verlag Medien und Dialog Haigerloch 2007.

  

Datterode Lit 050.jpg (27137 Byte)York-Egbert König / Christina Prauss / Renate Tobies: Margarete Kahn und Klara Löbenstein. Mathematikerinnen, Studienrätinnen, Freundinnen. Hrsg. von Hermann Simon.  Verlag Henrich & Hentrich. 2011 (Jüdische Miniaturen Bd. 108). 
Zu dieser Publikation (Informationen von Verlagsseite): "Margarete Kahn und Klara Löbenstein gehören zu einer kleinen Elite junger Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Abitur extern an Knabenschulen ablegen. Danach studieren sie in Berlin und Göttingen zunächst als Hörerinnen, weil das Land Preußen Frauen erst zum Wintersemester 1908/09 das reguläre Studium gewährt. Die AutorInnen zeichnen die Wege dieser beiden Pionierinnen des Frauenstudiums nach, die bei einem der bedeutendsten Mathematiker, David Hilbert, zeitgleich zur Doktorwürde streben. Sie rekonstruieren ihre herausragenden Leistungen, berichten über die Hürden, die Gegner des Frauenstudiums errichteten, über ihre Tätigkeit als Studienrätinnen im preußischen Schuldienst, sowie über das Ende ihrer Karrieren und das Schicksal ihrer Familien im Nationalsozialismus. " 
Der Bezug zu Eschwege:  Margarete Kahn ist am 27. August 1880 in Eschwege als Tochter des Fabrikanten Albert Kahn und seiner Frau Johanne geboren. Sie besuchte von 1887 bis 1896 die Volksschule, dann die Höhere Töchterschule in Eschwege und legte 1904 die Reifeprüfung am Königlichen Gymnasium Hersfeld ab. Vgl. weitere Informationen auf einer Seite der Universität Kaiserslautern

   

Eschweger Geschichtsblätter Jg. 23 2012. Hrsg. vom Geschichtsverein Eschwege e.V.. Mit mehreren Beiträgen zur jüdischen Geschichte. 104 S. 10,00 €. Bezugsmöglichkeit auf einer Seite von vhghessen.de.   
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Beiträge: Dietfrid Krause-Vilmar: Die Vernichtung der Firma Herzog & Co. und die Erinnerungen Werner Kahns 
York-Egbert König: 'Ich habe nichts zum Leben …' Zum Schicksal der Familie Ferdinand Heilbrunn in Eschwege, Wallgasse 18 
ders.: 'Zwei Paar Schuhe … ganz verbraucht …' Dr. Margarete Kahn (1882–1942) aus Eschwege erklärt ihr Vermögen 
Jochen Schweitzer Nachforschungen über das Schicksal der Eschweger Familie Julius und Selma Klara Kahn 
York-Egbert König und Karl Kollmann: Anwälte ohne Recht. Zum Schicksal jüdischer Juristen in und aus dem Werraland 
dies.: 'In Vierbach versteckt …' Hedwig Schlier und Else Vocke – zwei Frauenschicksale in bewegter Zeit 
Christina Prauss: Vom Untergang bürgerlicher Lebenswelten – Der Kaufhausgründer Lehmann Löbenstein aus Datterode und seine Kinder. 

       
  
Karl Kollmann / York-Egbert König: Namen und Schicksale der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Eschwege. Ein Gedenkbuch. Hrsg. von der Nicolas-Benzin-Stiftung. Eschwege 2012. 254 S. 11,00 €. Bezugsmöglichkeit auf einer Seite von vhghessen.de.   
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Eschwege Lit 0141.jpg (32886 Byte)York-Egbert König / Dietfrid Krause-Vilmar / Ute Simon: Ludwig Pappenheim. Redakteur - Sozialdemokrat - Menschenfreund. Reihe Jüdische Miniaturen Bd. 140. Verlag Hentrich & Hentrich 2014. 98 Seite, Broschur, 25 Abbildungen. ISBN: 978-3-942271-94-3. € 9.90. 
Informationen in der Website des Verlages  
Ludwig Pappenheim (1887–1934) gehörte aufgrund seiner familiären Herkunft und seiner politischen Tätigkeit zu den Ersten, die bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1933 verhaftet und wenig später ermordet wurden.
Die Autoren zeichnen den Lebensweg dieses aufrechten Demokraten nach, der schon früh zur SPD gestoßen war. Seine aktive politische Laufbahn beginnt in der Stadtverordnetenversammlung seiner hessischen Heimatstadt Eschwege. Allerdings entscheidet er sich schon bald für das damals ebenfalls noch hessische Schmalkalden am südlichen Rand des Thüringer Waldes, wo er neben seinem kommunal- und sozialpolitischen Engagement noch die Leitung einer Tageszeitung übernimmt

    
    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

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Teachers and students at Hebrew school in Eschwege

Eschwege  Hesse-Nassau. Jews living in Eschwege are mentioned from the end of the 13th century. They numbered 30 in 1580 and later established a synagogue in 1687. After the kingdom of Westphalia's establishment (1807), Jews obtained civil rights and Shimon Yitzhak Kalkar (1754-1812), the ristrict rabbi, was a member of the Kassel consistory. During the 19th century, the community grew from 236 (in 1835) to 549 (6 % of the total) in 1885. It built a handsome new synagogue in 1838 and maintained an elementary school from 1839 to 1939. From 1858, it had a separate Orthodox minyan. While fostering their own institutions, the Jews displayed an increasing interest in public affairs. During the Weimar Republic, B'nai B'rith, the Central Union (C.V. ) and the Jewish War Veterans Association established local branches. Jews were elected to the city council and Jewish-owned industrial firms (especially in textiles) employed 80 % of the labor force. Affiliated with the rabbinate of Kassel, the community had declined to 421 (1 %) when Nazi boycott regulations were imposed in 1933. Over the next six years, as unemployed Jewish professionals and businessmen left Eschwege, cultural, educational, welfare, and Zionist activity expanded. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA troops destroyed the synagogue's interior; a mob looted and vandalized Jewish property; and, after being paraded through the street, Jewish men were imprisoned in concentration camps. Of the 535 Jews registered there after 1933, 222 emigrated (chiefly to the United States, Latin America, and Palestine); the last 190 were deported in 1941-42. After Worldwar II, most of the Jewish Displaced Persons housed in a local United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) camp emigrated to Israel. 
    
     

                   
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Stand: 11. Dezember 2014