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Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Witzenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42.
Die Anfänge der jüdischen Geschichte in der dem Landgrafen von Hessen gehörenden
Stadt gehen bereits auf das 15. Jahrhundert zurück. 1414 und 1415
erteilte Landgraf Ludwig I. von Hessen zwei in Witzenhausen wohnenden Juden je
einen individuellen Schutzbrief (Jud Heinemann, Jud Isak). 1458 entrichtete ein
Jude dem Witzenhausener Schultheißen 2 Gulden. 1461 bezahlte dieser dem Juden
Salman mehrfach für Lieferungen an die Küche.
Aus dem Mittelalter liegen ansonsten keine weiteren Quellen vor, zumal nur
wenige städtische Quellen die beiden großen Stadtbrände der Jahre 1479 und
1809 überstanden.
Nach vorübergehender Ausweisung der Juden aus der Landgrafschaft Hessen wurden
sie seit 1532 wieder aufgenommen. Landgraf Philipp der Großmütige
erteilte die ersten Schutzbriefe für die in Witzenhausen aufgenommenen Juden,
darunter "Lazarus jude gein Witzenhausen". doch erließ er zugleich
eine restriktive Judenordnung (1539), nach der u.a. durch Zwangspredigten Juden
zum christlichen Glauben zu missionieren seien. Im Laufe des 16. Jahrhunderts
nahm die Zahl der Juden in der Stadt dennoch zu.
Im 17. Jahrhundert bestand in Witzenhausen inzwischen eine bedeutende
Gemeinde mit dem Sitz eines Landrabbinates (seit 1625). Von großer und
überregionaler Bedeutung war vor allem die Talmudschule
(Talmud Tora-Schule, "Jüdische Landesuniversität"), deren
Ansehen vor allem Rabbiner Mardochai Süßkind Rotenburg (Rabbiner von 1665 bis
1686) zu verdanken ist. Auch die ihm folgenden Rabbiner
waren bedeutende Talmudgelehrte: Rabbiner Wolf Alexander Traub(e) (Rabbiner von
1686 bis 1712); Rabbiner Philipp Jonas (Rabbiner von 1712 bis 1716), Rabbiner
Veit Singer (bedeutendster Rabbiner in Witzenhausen; von 1716 bis 1756),
Rabbiner Hirsch Naphtali Kirchheimer (Rabbiner von 1754 bis 1779). 1772
wurde das Landrabbinat nach Kassel verlegt. Witzenhausen war danach nur noch
Sitz eines Kreisrabbiners.
Unter den Kreisrabbinern ist zu nennen:
- Dr. Meier Frenkel (geb. 1813 in Witzenhausen als Sohn des Bürgers und
Kaufmanns Eisemann Moses Bodenheim und der Täubgen Frenkel, gest. 1879 in
Frankfurt): studierte in Gelnhausen bei Rabbiner Hirsch Kunreuther, später an
der Universität Marburg mit Promotion in Gießen; war seit 1838 der letzte
Kreisrabbiner in Witzenhausen; ging 1874 in den Ruhestand.
Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Familien auf 26 (1776)
bis 28 (1812) an.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1835 175 jüdische Einwohner (von insgesamt 2.757 Einwohnern), 1861 168
(5,4 % von 3.088), 1871 201 (6,1 % von 3.301), 1885 144 (4,6 % von 3.132), 1905
117 (3,1 % von 3.788). Unter den jüdischen Familienvorstehern gab es zahlreiche
Handelsleute (Vieh- und Pferdehändler), seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch
Handwerker wie Tuchmacher, Schuhmacher, Baumwollweber, Färbermeister, Lohgerber
und Schneidermeister. Um 1855 war Israel Kugelmann als Baumwollwarenfabrikant tätig.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten jüdische Gewerbebetreibende
mehrere für den Ort wichtige Läden und Handelsbetriebe.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule
(nach 1823 bis 1933 Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad (dazu
privaten Mikwen) und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
(Israelitischer Elementarlehrer) angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war. An der jüdischen Schule / nach 1823 Volksschule
unterrichteten insbesondere: Lehrer Isaac Marcus Stettenheim, Joel
Silberstein (seit 1813 bis um 1855; Vater des Rabbiners Dr. Michael
Silberstein, siehe Bericht unten), Salomon Tannenbaum, Josef Brandes
(nach 1863; 1868 unterrichtete er 27 Kinder), Levi Plaut (1896
unterrichtete er 23 Kinder); Levi Katz (Lehrer von 1902 bis zu seinem Tod
1922, er unterrichtete jedoch kaum mehr als 10 Kinder), Hugo Blumenfeld
(ab 1922).
Die jüdische Schule war zunächst in gemieteten Räumen untergebracht;
im Frühjahr 1842 erbaute die jüdische Gemeinde ein eigenes Schulgebäude.
Das Gebäude (zugleich jüdisches Gemeindehaus) hatte die Adresse:
Langemarckstraße Nr. 22 (heute Bereich Steinstraße 22, wo sich der Gedenkstein
für die Synagoge befindet).
Die Gemeinde gehörte (wie erwähnt bereits seit 1772) zum Provinzialrabbinat in
Kassel.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Alfred Steinhardt
(geb. 19.1.1888 in Witzenhausen, vor 1914 in Bochum wohnhaft, gef. 15.9.1914).
Um 1924, als zur Gemeinde 134 Personen gehörten (2,9 % von insgesamt
4.566 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Markus Wallach (hat
bereits 1913 sein 25-jähriges Jubiläum als Vorstandsmitglied gefeiert, siehe
Bericht unten) und Levi Trepp (feierte 1928 sein 25-jähriges Jubiläum als
Vorstandsmitglied, siehe Bericht unten). Jüdischer Kreisvorsteher des Kreises
Witzenhausen im Blick auf die Aufgaben im Rabbinatsbezirk Niederhessen (Kassel)
war Salomon Nußbaum aus Witzenhausen. Als Lehrer und Schochet war der
bereits genannte Hugo Blumenfeld tätig. Er unterrichtete 1924 an der
Israelitischen Volksschule noch neun Kinder. An jüdischen Vereinen
bestanden u.a. der Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (gegründet
1832, 1924/32 unter Leitung von Moritz Jaffa; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung
Hilfsbedürftiger und Bestattungsweisen; 1932 28 Mitglieder), ein Verein für
jüdische Geschichte (1924 unter Leitung von L. Nußbaum), ein Jüdischer
Frauenverein (gegründet 1902; 1924 unter Leitung von Frau Kugelmann, 1932
unter Leitung von Anna Trepp mit 30 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet:
Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker). 1932 werden dazu ein Literatur-Verein
und ein Jüdischer Jugendbund genannt. An Stiftungen gab es u.a.
die Kreisgedächtnisstiftung der Synagogengemeinde Witzenhausen (1932
unter Moses Kugelmann; Zweck: Unterstützung jüdischer Kriegsteilnehmer; Beiträge
an jüdische Einrichtungen).
1932 waren die Gemeindevorsteher David Grünbaum (1. Vors.), Julius
Kugelmann (2. Vors.) sowie Schatzmeister Max Steinhardt. Im Schuljahr 1931/32
unterrichtete Lehrer Hugo Blumenfeld noch sieben Kinder an der Israelitischen
Volksschule, dazu erteilte er 12 Kindern, die an anderen Schulen waren, den
Religionsunterricht.
1933 lebten noch 111 jüdischen Personen in Witzenhausen (2,3 % von
insgesamt 4.922 Einwohnern). In den folgenden
Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien
weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Mehr als 30 Personen konnten auswandern
(nach England und Holland je 2 Personen, nach Belgien 6 Personen, in die Schweiz
und nach Argentinien je 1 Person, nach Palästina 10, in die USA 11 Personen),
mehr als 40 verzogen in größere Städte. Die Israelitische Elementarschule
wurde am 1. Dezember 1933 geschlossen, danach gab es noch eine Religionsschule,
zuletzt unter Lehrer J. Popper.
Wie in Kassel kam es zu Pogromaktionen gegen die jüdische Bevölkerung
bereits am 8. November 1938. Am Abend dieses Tages wurden von einer
großen Zahl von Menschen jüdische Geschäfte, die Synagoge und die jüdische
Schule völlig demoliert. Den ganzen 9. November über gingen die
Pogromaktionen weiter. Die Steinstraße und der Marktplatz waren schließlich
übersät von zerstörten Kultgegenständen. Am Abend des 9. November wurde die
Synagoge niedergebrannt. Auch das benachbarte Wohnhaus und die Jüdische Schule
wurden angezündet. Bewaffnete Schlägerbanden von SA und SS drangen gewaltsam
in jüdische Wohnungen und Geschäfte ein und trieben die jüdischen Bewohner
unter Verhöhnungen und Misshandlungen durch die Straßen. Die Wohnungen wurden
geplündert, das Mobiliar aus den Fenstern geworfen und zerstört. Viele der
jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald
verschleppt.
1939 wurden noch 71 jüdische Einwohner gezählt (1,4 % von 5.081 Einwohnern).
Im Dezember 1941 und im September 1942 wurden etwa 50 jüdische Einwohner
deportiert. Unter den Deportierten war auch der letzte Vorsteher der jüdischen
Gemeinde nach 1933: Julius Kugelmann. 1943 war Witzenhausen in der NS-Sprache
"judenfrei".
Von den in Witzenhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig
Abraham geb. Schiff (1874), Bernhard Ballin (1884), Mina Behrens (1877), Gela (Fann)
Bundheim geb. Wertheim (1885), Lucia Eckstein geb. Behrens (1909), Lucie Emanuel
geb. Goldschmidt (1881), Rudolf Grünbaum (1912), Hedwig Hammerschlag geb. Katz
(1879), Carl Hecht (1895), Markus Hecht (1858), Rita Hecht (1933), Sitta Hecht
geb. Stern (1902), Moritz Ingbert (1921), Hirsch Jakob (1868), Jacob Kahn
(1882), Joseph Kahn (1873), Sophie Kahn (1873), Amalie Katz geb. Levi (1869),
Beate Katz (1931), Hedwig Katz (1894), Johanna Katz geb. Lissauer (1868),
Johanna Katz (1876), Julius Katz (1887), Moritz Katz (1891), Pauline (Bela) Katz
(1872), Sara Katz (1857), Sonja Katz (1935), Sophie Katz geb. Hirnheimer (1899),
Edith Katzenstein (1907), Emma Katzenstein geb. Oppenheim (1885), Hermann
Katzenstein (1890), Ruth Katzenstein (1910), Sigmund Katzenstein (1879), Arthur
(Abraham) Kayser (1871), Arthur Kugelmann (1887), Frieda Kugelmann geb.
Goldschmidt (1897), Hannelore Kugelmann (19245), Ilse Fanny Kugelmann (1928),
Julius Kugelmann (1885), Leopold Kugelmann (1893), Ludwig Kugelmann (1928),
Paula Kugelmann geb. Kleeberg (1903), Siegfried Kugelmann (1884), Simon
Levinstein (1857), Josef Menko Lomnitz (1879), Johanna Magnus geb. Narewczewitz
(1902), Else (Ettel) Mandelstein geb. Kugelmann (1889), Adele Nathan geb. Jakob (1893), Hermann Nathan (1924), Ida Nathan (1891),
Jakob Nathan (1882), Lieselotte Nathan (1921), Lina Nathan geb. Spier (1892),
Lore Fanny Nathan (1930), Lucie Nathan geb. Isenberg (1901), Manfred (Fred)
Nathan (1926), Marion Nathan (1930), Max Nathan (1879), Norbert Nathan (1933),
Sally Nathan (1885), Ursel (Ursula) Nathan (1931), Levi Nussbaum (1878), Laura
(Rachel, Rosa) Plaut geb. Goldschmidt (1872), Flora Rosenbaum geb. Wertheim
(1858), Berthold (Benjamin) Rothschild (1894), Hans Rothschild (1932), Frieda
Ruhr (1885), Julchen (Giedel, Julie) Schiff geb. Wertheim (oder Westheim?,
1858), Emilie Schwabe geb. Gossels (1882), Alfred Steinhardt (1932), Max
Steinhardt (1886), Lothar Stockhausen (1929), Mathilde Stockhausen geb.
Kugelmann (1898), Ruth Stockhausen (1924), Siegmund Stockhausen (1893), Herta
Verständig geb. Bachenheimer (1905), Ruth Verständig (), Ida Weil geb.
Kugelmann (1889), Siegfried Winterberg (1900).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates in Witzenhausen
Erinnerung an Rabbiner Wolf Traub(e) in Witzenhausen - gest. 1712 (in einer
"Wochenchronik" von 1902)
Wochenchronik
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1902:
"Donnerstag, 25. Aw. Wolf Traub, Rabbiner in Witzenhausen,
gest. 25. Aw 5472 (27. August 1712)...." |
Artikel über Tefillin und Mesussaus (Mesusot) mit
Nennung von Landrabbiner Veit Singer aus Witzenhausen - um 1730 (Artikel von
1928)
Anmerkung:
Im nachfolgenden Text, der in die Zeit der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückführt,
geht es um eine damals unter Landrabbiner Veit Singer in Witzenhausen
angeordnete und durchgeführte Kontrolle der Tefillin und der Mesusot in den jüdischen
Häusern des Bezirks. Die Kontrolle wurde durch Toraschreiber aus Abterode
durchgeführt, die für die Kontrolle bzw. Erneuerung bestimmte Beträge
einziehen konnten.
Zu Veit Singer: er war von 1716 bis 1756 Landrabbiner und gilt als der
bedeutendste Landrabbiner der Stadt.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928: "Tefillin und
Mesussaus in Althessen. Dieser Überschrift soll den Leser nicht auf den
Gedanken führen, dass in einer Zeitung die vielen Ritualvorschriften über
die Erfüllung dieser heiligen Gebote gebracht werden, wenn es auch sehr nützlich
wäre. Eine Wochenzeitung ist eben kein ‚Chaje odom’ (Anm.: Chaje
Adam ist eine populär-halachische Schrift von Abraham Danzig [1748-1820]. Dennoch dürfte
man es gern lesen, welche Maßnahmen einst getroffen wurden, um die Gebote
ordnungsgemäß zu erfüllen. Eine Mahnung erließen die judenschaftlichen
Führer auf einer Tagung in Kassel am 20. Tewet 5490 (1726 [besser: 9.
Januar 1730]); und sie ist
unterzeichnet von dem Landrabbiner
Veit Singer aus Witzenhausen, Israel aus St. Goar, Joßel Lispenhausen;
Michael Katzenstein, Eschwege, Eisemann Levi und Moses Wolfhagen.
Niedergeschrieben ist sie im ‚Konstitutenbuch der althessischen
Judenschaft’ und lautet nach der dem hebräischen Original beigefügten
Übersetzung: ‚Wegen der Tefillin, welches ist das Handzeichen und
Stirngeschmeide, und Mesussoh, welches auf deinen Hauspfosten geschrieben
werden muss, haben alle Völker auf Erde gesehen, dass sie nicht gewarnt
sein, die Tefillin öffnen und lassen, ob dieselben richtig. Da aber
mehrmals dieselben unrichtig sind, den vorigen Landtag aber haben sie die
Tefillin nicht öffnen lassen, da ist ihre Missetat größer, denn dass
sie ihnen vergeben werden könnte. Also haben wir unsere Augen aufgetan,
dass die Gesetzesschreiber, so im Lande wohnen, namentlich Rabbi Salomon
und Rabbi Nathan in Abterode, Isaak Jestädt und der Bursch Feibes in
Abterode sollen im ganzen Lande herumgehen, nämlich ein jeder einige
Klassen (Bezirke), welche ihn durch das Los treffen werden, um die
Tefillin zu öffnen von denjenigen Männern, so ihre Tefillin beim
verflossenen Landtag 490 nicht besehen lassen und die Mesusaus an denen Türen
der sesshaften Juden zu besehen, ob sie richtig sind. Welcher nun von den
Gesetzschreibern in seiner Klasse nicht selbst herumreisen wollte, so soll
ein anderer an dessen Platz reisen und braucht dem Gesetzschreiber,
welcher nicht herum gegangen, nicht den geringsten Heller zu geben. Dies
ist die Belohnung der Gesetzschreiber: ‚Öffnen, besehen und schließen
der Tefillin 2 Albus; Öffnen eine Mesussoh und besehen 1 Albus. Für eine
neue Muesusso 1 Albus. Für eine Parschoh 6 Albus; für ein Paar
mittelgute Riesen ½ Kopfstück, für gute 4 Albus. Neue Battim (Gebäude)
½ Kopfstück (Kopfstück ist jede Münze mit dem Bruchbild des Münzherren
und hatte einen Wert von 20 Kreuzern oder 70,125 Pfennig der Thalerwährung.)
– Es werden nun die genannten Gesetzesschreiber ernsthaft gewarnt, dass
sie nicht über die festgesetzte Belohnung nehmen und in specie, dass sie
des Herren Werk nicht saumselig tun sollen, denn es ist geschrieben: ‚Du
sollst dich vor deinem Gott fürchten.’
Findet man aber, dass der Gesetzesschreiber nachlässig ist und den
Menschen betrügt, so sollen ihm Rabbiner und Vorsteher eine harte
Geldstrafe auferlegen, wovon der gnädigste Landesherr die Hälfte erhält.’
– Über sonstige soziale und religiöse Anordnungen aus jener Zeit
vielleicht später Näheres. L. Horwitz, Kassel." |
Festmahl zur Einsetzung des neuen Bürgermeisters mit
einer Rede von Rabbiner Dr. Frenkel (1850)
Artikel
in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 31. Mai 1850:
"Witzenhausen. Vor einigen Wochen fand hierselbst zur Ehre der
Einsetzung unseres neuen Bürgermeisters ein solennes Festmahl statt, zu
dem cirka 100 Teilnehmer eingeladen waren. Rabbiner Dr. Fränkel und
dessen würdiger Vater waren die einzigen geladenen Juden, die dem Feste
in der Tat auch beiwohnten. Während der Tafel brachte Rabbiner Dr.
Frenkel ein allgemein freudig aufgenommenen Toast aus, den wird, wegen der
Tendenz der von demselben solchen zu Grunde gelegt, unseren Lesern nicht
vorenthalten wollen:
Hochzuverehrender Herr Bürgermeister! und meine übrigen werten
Herren!
Verargen Sie es mir nicht, wenn ich mir erlaube, das Wort zu nehmen und zu
sagen, dass ich stolz darauf bin, einen Platz unter dieser verehrten
Gesellschaft einzunehmen; verargen Sie es mir nicht, wenn ich es
ausspreche, dass ich mit inniger Freude dem Rufe und der freundlichen
Einladung eines so biederen Ehrenmannes gefolgt bin. Und wenn ich auch nur
zwei meiner Glaubensgenossen unter diesen zahlreich Versammelten hier
sehe, so gewährt mir dies dennoch eine große Genugtuung, denn es kömmt
mir nicht auf das wie viel an, es ist mir nicht um das Persönliche, als
vielmehr um das Prinzip zu tun! und Sie sind es, geehrter Herr
Bürgermeister, der die bis jetzt bestandene schroffe Wand niedergerissen,
und gleich nach ihrem Amtsantritt mit der ersten Handlung auf eine so
humane Weise die Bahn gebrochen und eine so schöne uns willkommene
eröffnet haben. Wohl kühn darf ich es behaupten, so lange unsere
geliebte und uns allen teuere Vaterstadt Witzenhausen steht, ist noch
keinem meiner Glaubensgenossen die Ehre zuteil geworden, bei einem solchen
Fest- und Ehrenmahle zugegen sein zu dürfen. Es ist hier nicht der Ort,
und ich bin weit davon entfernt, es untersuchen zu wollen, auf welcher
Seite die Schuld oder Unschuld ist, genug, Ihre erste Handlung bekundet
eine von allen anzuerkennende Humanität, Ihnen waren sicher die Worte des
großen Königs David eingedenk, die er im 133. Psalm also
ausspricht.
'Wie schön und wie lieblich ist's, wenn Brüder zusammen
wohnen.' |
So
finden wir diese Worte in fast allen Übersetzungen und Bibeln,
vergleichen wir aber den Urtext, so muss die Übersetzung wortgetreu
vielmehr so heißen: 'Wie schön und wie lieblich ist's das Wohnen, das
Brüder auch vereint'.
Nicht nur das Zusammenwohnen von Brüdern gibt den Maßstab des Schönen
und Lieblichen ab, sondern nur, wenn sie auch vereint, d.h. wenn sie bei
allen Gelegenheiten, besonderen Veranlassungen und Vereinigungen auch da
sich als Brüder erkennen, auch da vereint als solche harmonieren, nicht
aber der Eine oder der Andere des Glaubens halber hinten an- oder
zurückgesetzt werden, sondern jeder gleichberechtigt mit seinem Bruder
erscheint, das gibt Zeugnis des Schönen und des
Lieblichen.
In diesem Augenblick beseelt mich nur ein Wunsch, und zwar der, dass wie
Sie, wertgeschätzter Herr Bürgermeister, auf die Bahn der Humanität
einher zuschritten, und überzeugt davon, dass Sie auch darauf fort
wandeln, dass sie in allen Ihren Unternehmungen von den Sie umgebenden
Räten, ich meine von den geehrten Herren Stadtratsmitgliedern und dem
Ausschusse auch unterstützt werden mögen, dann erreichen wir unser
Ziel. Für sie selbst hege ich dann noch einen kleinen Wunsch, das
Gott, der Allgütige in Ihnen sei, Sie in seinen Schutz nehme und Sie in
allen Ihren Vorhaben und Handlungen geleite, Ihnen Kraft und Ausdauer
verleihe, auf dass Sie das neue übernommene Amt nach Ihrer Herzensgute
und allbekannten Rechtlichkeit verwalten, und diese Tugenden überall hin
betätigen mögen, dazu helfe Gott, auf dass sich an Ihnen das Wort der heiligen
Schritt bewähre:
'So Gott das Haus nicht bauet, umsonst mühen sich dessen Erbauer daran;
so Gott die Stadt nicht schützet, umsonst wachet deren Hüter, deren
Bürgermeister!' Also Gott mit Ihnen.
Nun bitte ich Sie, meine geehrten Herren erheben und leeren Sie mit mir
das Glas auf das Wohl des Gefeierten dieses Tages, des Gefeierten dieses
Abends!
Unser würdiger Bürgermeister H. v. B. - lebe hoch, nochmals hoch und
abermals hoch!" |
Kurzbericht über Kreisrabbiner Dr. Meier Fränkel und die
Gemeinde Witzenhausen (1852)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1852: "In
Witzenhausen fungiert Herr Dr. Fränkel, ein sehr freundlicher und würdiger
Mann, der der orthodoxen Richtung angehört, als Kreisrabbiner. Auch hier
herrscht ein reges Gemeindeleben, auch hier existiert ein jüdisches
Kasino, auch hier besteht, wie in Eschwege, die schöne Einrichtung, dass
die durchreisenden jüdischen Bettler und Handwerksburschen aus einer zu
diesem Zwecke errichteten Kasse eine nach gewissen Abstufungen
festgesetztes Geschenk erhalten, hingegen aber die einzelnen Familien mit
ihren Besuchen nicht weiter behelligen dürfen." |
Zum Tod von Rabbi Eisemann Frenkel (1855)
Rabbi Eisemann Frenkel stammte aus Abterode,
wo er als Eisemann (Eisigmann) Moses Bodenheim geboren ist. Er war seit 1812
verheiratet mit Täubchen, Tochter von Rabbi Mosche Witzenhausen
(Familienname seit 1806 Frenkel; dieser Familienname wurde auch vom
Schwiegersohn Rabbi Eisemann Moses Bodenheim angenommen).
Rabbi Mosche Witzenhausen Frenkel (geb. 1747 als Sohn von Jacob Salman
Witzenhausen und Lea Cappel) entstammte einer Familie, deren Vorfahren aus dem
fränkischen Baiersdorf stammten (daher Frenkel),
von dort aber auf der Flucht vor den Schweden um 1630/35 nach Wien gekommen
sind; um 1670 Übersiedlung nach Prag, später nach Westfalen und durch Heirat
nach Witzenhausen. Mosche Witzenhausen war in Witzenhausen seit 1803
Inhaber eines Kleidergeschäftes, war Verfasser von astrologischen Schriften,
gab Kalender heraus und war Vorsteher der Judenschaft im ganzen
Kreis.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Mai 1855. "Witzenhausen,
im März 1855. Nekrolog. Wenn vorzugsweise in unserer Zeit das Beispiel
wahrhaft frommer, vom väterlichen Glauben begeisterter Männer ein so
wichtiger, ja fast unentbehrlicher Hebel zur Erhaltung des jüdisch-religiösen
Lebens in den Gemeinden ist: so ist unverkennbar der Verlust solcher Männer
umso beklagenswerter und schmerzlicher, da das Judentum unserer Zeit
leider! an solchen Männern keinen Überfluss hat. Auch die hiesige
Gemeinde hat einen solchen herben Verlust erlitten und der Unterzeichnete
fühlt sich gedrungen, dem Manne, den uns der unerbittliche Tod nach
Gottes unerforschlichem Ratschlusse vor Kurzem entrissen, in diesen so
verbreiteten Blättern ein Denkmal der Liebe und Verehrung zu setzen.
Rabbi Eisemann Frenkel, der Nestor unserer Gemeinde, entschlummerte am 12.
Februar dieses Jahres nach achttägigem Krankenlager in einem Alter von 72
Jahren. Wer jenes stille, geräuschlose und doch so segensreiche Wirken
des Verklärten zu betrachten Gelegenheit hatte, wird sicherlich mit mir
ausrufen: (hebräisch und deutsch:) ‚Wehe! Wir haben verloren, was wir
nicht wieder finden!’ Jene innige, kindliche Gläubigkeit, jene ungekünstelte
Gottesfurcht, jene rege Teilnahme an anderer Schicksale machten den
Dahingeschiedenen zu einem wahrhaft patriarchalischen Charakter.
Unberechenbar ist der wohltätige Einfluss, den der Verblichene durch sein
frommes Beispiel auf die Erhaltung und Pflege des religiösen Sinnes
inmitten unserer Gemeinde geübt hat. Jenes herrliche Psalmenwort (hebräisch
und deutsch:) ‚Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf
meinem Wege’ (Psalm 119,105), das der Selige noch auf dem
Schmerzenslager aussprach, diente ihm zur Richtschnur während seines
ganzen inhaltsreichen Lebens. – Noch in den letzten Wochen vor seinem
Tode beteiligte er sich mit dem rühmlichsten Eifer an dem rabbinischen
Unterricht seines Sohnes (Anmerkung:
Sein Sohn, der würdige Kreisrabbiner Herr Dr. Frenkel hierselbst, erteilt
nämlich allwöchentlich dreimal mehreren Gemeindemitgliedern Unterricht
in Mischna, Chaje Odom und im Raschikommentar). Mit welchem
gesteigerten Interesse, mit welcher nachahmungswürdigen Aufmerksamkeit
folgte der Entschlafene dem Vortrage desselben. Doch was den
Menschen erst zum Menschen, den Sohn Israelis erst zum wahren Israeliten
erhebt, was in der Wage, mit der Gott wiegt, schwerer ist, denn die Lehre,
das sind seine frommen vortrefflichen Werke. Das war des Verklärten
Schmuck und Zier, das war die strahlendste Krone seines ehrwürdigen
Hauptes. Ob wie vielen Notleidenden und Dürftigen reichte er Unterstützung,
und auf welche zarte, schonende Weise! Er war ein Vater der Witwen und
Waisen. – Vorzugsweise waren es auch die palästinensischen Hilfsbedürftigen,
die sich seines wohltätigen Sinnes zu erfreuen hatten. Von diesen wurde
er daher auch in dankbarer Anerkennung der Wohltaten häufig mit
Seltenheiten beschenkt. Auch bekleidete er über 20 Jahre das Amt eines
Gabbai für die Armen im gelobten Land. Außerdem verwaltete er über 30
Jahre das Amt eines Kreisvorstehers, sowie 5 Jahre das eines Klassen-
(Bezirks-) und 20 Jahre das Alt eines Gemeindevorstehers mit seltener
Treue und rühmlichem Eifer.
Um den Verblichenen trauern eine würdige,
edle Gattin und vier ebensolche Kinder, von denen sein oben erwähnter
Sohn, der Herr Kreisrabbiner Dr. Frenkel, die Trauerrede hielt, die auf
alle Zuhörer den erschütterndsten Eindruck machte. (hebräisch und
deutsch:) Möchte meine Seele den Tod dieses Frommen sterben! Möchte mein
Ende dem seinen gleichen! Silberstein, Lehrer." |
Zum Tod von Rabbiner Dr. Meier Frenkel (1879)
Dr. Meier Frenkel (geb. 1813 als Sohn von Rabbiner Eisemann Frenkel
(siehe oben) und seiner Frau Täubchen, war seit 1839 verheiratet mit Hannchen
Ballin aus Rotenburg a.d. Fulda. Er war der letzte Kreisrabbiner in
Witzenhausen.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1879: "Frankfurt am
Main.
Kaum ist die Trauerkunde von dem Hinscheiden des ehrwürdigen Rabbiner
Wetzlar – seligen Andenkens
– verhallt, so haben wir einen nicht minder schmerzlichen Verlust zu
beklagen: Rabbiner Dr. Frenkel weilt nicht mehr unter den Lebenden. In
seiner Bescheidenheit hat er jede Trauerrede, jeden Hesped
untersagt, und nur den Wunsch ausgesprochen, dass seine Schüler und
Freunde für ihn lernen mögen, umso mehr fühlen wir uns veranlasst, sein
nur der Tora, dem Gottesdienst und der Wohltätigkeit gewidmetes Leben
in möglichster Kürze zu skizzieren. Von seinen frommen Eltern schon frühzeitig
dem Tora-Studium bestimmte,
widmete er sich demselben mit allem Eifer und besuchte längere Zeit die
Jeschiwa des berühmten Rabbiner Hirsch Kunreuther – seligen
Andenkens – in Gelnhausen und dann die des nicht minder berühmten
Rabbiner Jacob Ettlinger – seligen
Andenkens – in Altona, damals noch in Mannheim, welchen beiden er
ein vielgeliebter Schüler war und von denen er auch Hattarat
Horaah (Rabbinerdiplom) erhielt. Um sich auch wissenschaftlich
auszubilden, besuchte er sodann die Universität in Marburg. Aber auch
dort wie in seinem ganzen Leben setzte er seine Tora-Studien folgt und
hielt fest an einen streng religiösen Grundsätzen, was ihm große
Entbehrungen auferlegte. Da er der dortigen Schechita
kein Vertrauen schenkte, so verzichtete er während der ganzen Zeit seiner
dortigen Aufenthalts auf warme Fleischkost, nur in dem benachbarten Amöneburg
konnte er sich am Schabbat solche verschaffen. Nach seiner Geburtsstadt
Witzenhausen zurückgekehrt, übernahm er dort das Kreisrabbinat und
verwaltete dasselbe 37 Jahre lang mit seltener Berufstreue. - Erst als er
daselbst durch den Wegzug verschiedener Familien keine genügende
Wirksamkeit mehr fand, entschloss er sich, nach Frankfurt, wo seine Kinder
sich inzwischen ansässig gemacht, überzusiedeln und sich lediglich dem
Tora-Studium und guten Werken zu widmen. Schon in Witzenhausen verband ihn
innige Freundschaft mit Rabbiner Wetzlar – seligen
Andenkens – in Gudensberg, und vereint suchten sie den destruktiven
Tendenzen verschiedener anderer kurhessischen Rabbinen entgegen zu wirken.
Als beide nach Frankfurt übergesiedelt waren, verbanden sie sich umso
inniger und blieben die treuen Berater ihrer kurhessischen Freunde, die
fortfuhren, sich in allen religiösen Angelegenheiten an sie zu wenden.
Nichts geschah in Kurhessen ohne ihre Mitwirkung, und wenn auch ohne
weitere amtliche Stellung, so ist es doch ihrem vereinten Einflusse zu
danken, dass mehrere tüchtige und religiöse Junge zu Rabbinern dort gewählt
wurden und |
nun
mit bestem Erfolg in ihrem Sinne wirken. In Frankfurt schlossen sich beide
der Religionsgesellschaft an und wollten nichts weiter sein als einfache Baale
Batim. Da Dr. Frenkels leidende Gesundheit ihm nicht den regelmäßigen
Besuch der Synagoge gestattet haben würde; so errichtete er, um nie das öffentliche
Gebet zu versäumen, ein Minjan
in seinem Hause, dennoch besuchte er zuweilen, namentlich aber wenn
gepredigt wurde, die Synagoge, wie er überhaupt mit Rabbiner Hirsch –
sein Licht leuchte – auf freundschaftlichem Fuße stand. Es ist kaum zu
sagen, mit welcher Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt er allen religiösen
Pflichten nachkam und mit welchem Eifer er Mizwot (hier: Gelegenheiten,
religiöse Pflichten zu erfüllen) aufsuchte, und wie sehr
er bemüht war, Armen und Hilfesuchenden beizustehen und ihnen zu helfen.
In Witzenhausen war er der Vater der Waisen aus der ganzen Umgegend, er
ließ sie erziehen, nahm sie häufig in sein Haus auf, unterrichtete sie,
sorgte für ihr weiteres Fortkommen, und seine Empfehlung begründete
nicht selten ihr Lebensglück. In Frankfurt war es neben seinem
Torastudium namentlich das unter Leitung des Herrn Dr. Plato stehende
Lehrerseminar in Köln, früher in Düsseldorf, dem er als Mitglied des
Kuratoriums wie als Kontribuent und als Sammler von Beiträgen große
Dienste leistete, seiner mit bescheidener Liebenswürdigkeit vorgetragenen
Bitte konnten auch ganz Indifferente die Zeichnung eines Beitrags nicht
versagen. Schon einige Zeit schwer leidend, hatte er sich aufgerafft, um
seinem Freunde Rabbi Mordechai Wetzlar die letzte Ehre zu erweisen und
seine Leiche wenigstens eine kurze Strecke zu begleiten. Es sollte sein
letzter Gang sein. Am Donnerstag hat man ihn unter Teilnahme einer großen
Anzahl hiesiger und auswärtiger Verehrer, die rasch hierher geeilt waren,
an die Seite seines teuren Freundes auf dem Friedhofes der israelitischen
Religionsgesellschaft gebettet. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1902
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar 1902: "Die israelitische
Gemeinde Witzenhausen (Hessen-Nassau) beabsichtigt per 1. April dieses
Jahres einen seminaristisch gebildeten Lehre rund Vorbeter anzustellen.
Anfangsgehalt 1.200 Mark nebst freier Wohnung. Anmeldungen bitte an den
Vorstand der israelitischen Gemeinde baldigst einzureichen.
Witzenhausen, 2. Februar 1902. Der Vorstand der israelitischen
Gemeinde." |
70. Geburtstag von Lehrer Joel Silberstein (1865)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1865: "Witzenhausen (Kurfürstentum
Hessen). Vor einigen Wochen feierte die hiesige Gemeinde ein seltenes
Fest. Es beging dieselbe nämlich den 70. Geburtstag ihres nunmehr
pensionierten Lehrers, des Herrn Joel Silberstein, der mehr als ein halbes
Jahrhundert in ihrer Mitte lebt und nahe an 50 Jahre das heilige Lehramt
mit steter Pflichttreue verwaltet hat. Der greise Jubilar zählt fast sämtliche
männlichen Mitglieder und einen großen Teil der Frauen der Gemeinde zu
seinen Schülern, die mit Innigkeit noch heute an ihm hangen und in ihm
ihren würdigen Lehrer verehren. Am Morgen des Festes erschien denn auch
eine Deputation der Gemeinde, bestehend aus dem ehrwürdigen Kreisrabbinen
Dr. Frenkel nebst dem Vorstande, um ihrem früheren Lehrer – denn auch
diese zählen zu seinen ehemaligen Schülern – namens der Gemeinde einen
wertvollen, mit passender Inschrift versehenen Pokal nebst einer Adresse
zu überreichen, welche die Verdienste des greisen Lehrers um die hiesige
Gemeinde in angemessener Weise hervorhob und die Gefühle der Hochachtung
und Verehrung, der Liebe und Hingebung schilderte, die seine ehemaligen
Schüler noch jetzt ungeschwächt dem würdigen Jubilar bewahren. Tief gerührt
von diesen Beweisen der Achtung und Liebe seitens seiner ehemaligen Schüler
rang der greise Lehrer vergebens nach einem Worte des Dankes. Ein zu Ehren
des Jubilars veranstaltetes Festessen, an dem sämtliche Gemeindeglieder
teilnahmen, beschloss den schönen Tag, der dem Gefeierten sicherlich
stets im Gedächtnisse bleiben und den Abend seines mühe- und
sorgenvollen Lebens verschönern wird. Die erhebenden, von echter
Gottesfurcht zeugenden Worte, die der würdige Rabbine Dr. Frenkel bei
dieser Gelegenheit an den verehrten Lehrer gerichtet, werden gewiss nicht
minder demselben unvergesslich bleiben und die Anhänglichkeit an die
Gemeinde, in der er so segensreich wirkte und die Liebe zu seinen Schülern,
deren geistige wie sittliche Bildung er stets zu seiner heiligsten
Lebensaufgabe gemacht, in seinem Herzen niemals erlöschen.
Wir aber möchten
hierbei den Gemeinden Israels es laut und eindringlich entgegen rufen:
Seid bemüht, ein Band der Liebe und Anhänglichkeit zwischen Euch und
Euren Lehrern, denen ihr das Teuerste, Eure Kinder, anvertraut, zu
flechten, bewahrt Euch einen dankbaren Sinn für ihr Wirken, dann, aber
auch nur dann, wird es mit Israel immer besser werden." |
Unklarheiten um die Zukunft der Schule der jüdischen
Gemeinde (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1901: "Aus
dem Regierungsbezirk Kassel. Während eine größere Anzahl jüdischer
Gemeinden die Errichtung eigener Elementarschulen erstreben, andere die
Erhaltung derselben durch Aufwendung pekuniärer Opfer sich in
anerkennenswerter Weise angelegen sein lassen, hat die jüdische Gemeinde
in Witzenhausen ihre seit Jahren bestehende, von einer guten
Lehrkraft geleitete Schule preisgegeben.
Der Vorgang der sich hierbei abspielte, dürfte auch weitere Kreise
interessieren. Witzenhausen ist ein Kreisstädtchen. Auf Grund des
preußischen Besoldungsgesetzes von 1897 erhalten die Lehrer an den
Volksschulen in Witzenhausen 1.200 Mark Grundgehalt. Der jüdische
Lehrer erhielt aber nur 1.000 Mark und bemühte sich vergebens, eine
Gleichstellung mit den übrigen Lehrern herbeizuführen. Die Gemeinde
blieb Siegerin. die Königliche Regierung in Kassel erblickte in der
'Nichtgleichstellung' des jüdischen Lehrers mit den christlichen eine
Härte und gewährte mit Genehmigung des Herrn Ministers, eine
Staatsbeihilfe von 200 Mark pro Jahr. Das genügte dem Vorstande der
jüdischen Gemeinde nicht, weil die Staatsbeihilfe unter der Bedingung des
Widerrufes gegeben wurde, und das Anerbieten der Königlichen Regierung
wurde abgelehnt. Kommentar überflüssig. Der Herr Regierungsrat hat in
gerechter Entrüstung über dieses Gebaren die Auflösung der Schule in
sichere Aussicht gestellt.
In Witzenhausen wirkte Jahrzehnte lang der durch sein Wohl tun weit
bekannte Rabbiner Dr. Fränkel seligen Andenkens. Solche Vorkommnisse
zeugen leider von dem Rückgange der religiösen Gesinnung auf dem Lande
und geben Veranlassung zu ernsten Besorgnissen um die Erhaltung unserer Heiligen
Wahrheit." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1901: "Witzenhausen,
5. Juni (1901). Der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde schreibt
uns:
'Es ist nicht richtig, dass die israelitische Gemeinde in Witzenhausen
ihre Schule preisgegeben hat, die Gemeinde hofft im Gegenteil, dass ihre
Schule noch recht lange erhalten bleibt. Sollte die Regierung dennoch
wegen der augenblicklichen geringen Schülerzahl uns die gute Lehrkraft
wegnehmen, so wurde die Gemeinde solches außerordentlich bedauern,
obgleich man dem Herrn Lehrer allseitig ein besseres Fortkommen
wünscht." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901: "Aus
dem Regierungsbezirk Kassel. Wie uns von durchaus zuverlässiger Seite
mitgeteilt wird, entspricht das in Nr. 42 des 'Israelit' mitgeteilte
Vorkommnis der vollen Wahrheit. Nicht nur wegen der geringen Schülerzahl
- es gibt in Hessen an Zahl noch kleinere Schulen - sondern wegen des
unerklärlichen Benehmens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Witzenhausen
der Königlichen Regierung gegenüber, hat diese die Auflösung der
Schule, welche eine der ältesten Hessens ist, in sichere Aussicht
gestellt. Bemerkt sei noch, dass die Gemeindeältesten das Anerbieten der
Königlichen Regierung, mit der vom Herrn Minister bereitwilligst gewährten
Staatsbeihilfe von 200 Mark das Grundgehalt des jüdischen Lehrers mit dem
der christlichen gleichzustellen, zurückgewiesen haben, ohne vorher die
Gemeinde zu befragen, worüber ein Teil der Gemeinde sehr entrüstet ist.
Die Bemerkung des Synagogenvorstandes zu Witzenhausen in Nr. 45 dieses
Blattes, welche sich auf die bevorstehende Versetzung des Stelleninhabers
bezieht, ist doch nur der Ausdruck der Verlegenheit. Wer sich einmal in
eine Sackgasse verrannt hat, kommt so leicht nicht wieder
heraus.
(Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Witzenhausen hat nunmehr
wieder das Wort. Redaktion des
'Israelit')." |
Die Israelitische Volksschule erhält einen
Unterhaltungszuschuss von der Stadt (1921)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. November 1921: "Die
Stadtverordneten Witzenhausens bewilligten einen Zuschuss in Höhe von jährlich
5.000 Mark zur Unterhaltung der dortigen israelitischen
Gemeindevolksschule." |
25jähriges Jubiläum von Lehrer Hugo Blumenfeld (1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Witzenhausen, 20. Mai
(1928). Sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte Herr Lehrer H.
Blumenfeld. 15 Jahre wirkte er in Frankenau, 5 Jahre dahier, die übrige
Zeit in Westfalen, Überall genoss er das Vertrauen seiner Gemeinden." |
Wissenschaftlichee Beiträge von Lehrer J. Popper in
Witzenhausen (1937)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Über
die Paitanim mit besonderer Berücksichtigung Elasar Hakalirs.
Von J. Popper, Lehrer in Witzenhausen..."
Da der sich über mehrere Ausgaben des "Israelit"
erstreckende Beitrag nicht in direktem Zusammenhang mit der jüdischen
Geschichte in Witzenhausen steht, wird er hier nicht abgeschrieben. |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1937: "Nochmals:
Die Pijutim.
Die Frage, in welcher Weise die Piutim in die Sabbat- und Festgebete usw.
eingereiht worden sind, ist bedeutsam genug, einige Erörterungen an die
Einsendung des 'L' in Nr. 23 dieser Blätter zur Aufklärung zu knüpfen.
Gewiss ist der Bericht des Rabbi Jehudo ben Barsolai hanossi aus Barcelona
zutreffend, dass diese Dichtungen aus einer Zeit stammen, da infolge von
Judenverfolgungen halachische und midraschische Vorträge beim
Gottesdienst verboten waren und man daher (ähnlich wahrscheinlich wie die
Entstehung der Haftora) besondere Gebetstücke mit entsprechendem Inhalte
verfasst und eingeführt habe....
J. Popper, Witzenhausen."
Auch dieser Artikel wird nicht weiter ausgeschrieben, da er keine
direkten Bezüge zur jüdischen Geschichte in Witzenhausen enthält. Bei
Interesse: zum Lesen bitte Textabbildung anklicken." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
75jähriges Bestehen des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1908: "Witzenhausen,
15. August (1908). Dieser Tage feierte der hiesige ‚Israelitische Wohltätigkeitsverein’,
dem fast sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde angehören, das
Fest seines 75jährigen Bestehens. Das Fest wurde durch einen
Festgottesdienst mit Predigt eingeleitet. Ein Festessen mit Bankett
beschloss die in allen Teilen schön verlaufene Feier." |
700-Jahr-Feier der Stadt Witzenhausen unter Beteiligung
der jüdischen Gemeinde (1925)
Artikel
in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 21. August 1925: "Witzenhausen.
Die hiesige Stadt beging in den Tagen vom 15. bis 18. August die Feier des
700jährigen Bestehens, an der auch die jüdischen Einwohner lebhaften
Anteil nahmen. In der Geschichte der kurhessischen Juden hat Witzenhausen
eine wichtige Rolle gespielt, weil dort der Sitz des Landrabbinats war und
namhafte Gelehrte aus ihr hervorgegangen sind. Im 18. Jahrhundert erfolgte
die Verlegung des Landrabbinats nach Kassel. Besondere Bedeutung erlangte
aber der hiesige Ort durch die jüdische Landesuniversität, wie die hier
errichtete Jeschiwa genannt wurde. Bemerkenswert ist, dass alle
steuerzahlenden Israeliten Hessens zur Bestreitung der Kosten für die
Talmudschule verpflichtet waren, und dass der auf diese Weise gesammelte
Talmud-Torafonds, der wie vieles andere in der Inflationszeit wertlos
wurde, religiösen Bildungszwecken nutzbar gemacht wurde. Interessante
Einzelheiten über Einrichtung der Schule und Unterbringung der Zöglinge
teilt Lehrer Horwitz, Kassel, in einer Spezialabhanglung mit, deren
Angaben dem ‚Konstitutenbuch der althessischen Judenschaft’ entnommen
sind. Der innige Kontakt, der zwischen den Bekennern aller Bekenntnisse
hier herrschte, kann auch heute noch erfreulicherweise festgestellt
werden. Kommerzienrat Wertheim aus Kassel, der hier geboren wurde, hat
durch ein Geldgeschenk von 1.000 Mark seine Anhänglichkeit an die alte
Heimat bewiesen." |
Überfall jüdischer Jugendlicher durch Schüler der staatlichen Kolonialschule
in Witzenhausen (1932)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1932: "Der Überfall auf
das Lager des Brith Haolim in Wendershausen (sc. Stadtteil von
Witzenhausen) vor dem Reichsgericht.
Leipzig, 24. Oktober (1932). In der
Nacht zum 5. August wurden Teilnehmer des Jüdischen Wanderbundes ‚Brith
Haolim’ von etwa 30 bis 40 Nationalsozialisten, die zum größten Teil
Schüler der staatlichen Kolonialschule zu Witzenhausen waren, überfallen.
Durch die entschlossene Abwehr der Mitglieder des ‚Brith Haolim’
wurden die Angreifer in die Flucht geschlagen. In erster Instanz (Schöffengericht)
wurden 5 Angeklagte wegen Landfriedensbruchs zu vier Monaten Gefängnis,
einer wegen Vergehens des Waffenmissbrauchs zu 50 Mark Geldstrafe
verurteilt und zwei freigesprochen. Gegen dieses Urteil legten die
Angeklagten sowie der Staatsanwalt Berufung ein. Die Große Strafkammer
des Landgerichts in Kassel verwarf in ihrer Verhandlung im April 1932 die
Berufung der 5 Angeklagten, verurteilte die in erster Instanz
freigesprochenen zwei Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis und ändere
die Strafe wegen Waffenmissbrauch von 50 Mark in drei Monate Gefängnis
um. Das Reichsgericht zu Leipzig bestätigte am 12. Oktober dieses Urteil." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod eines Kriegsveteranen (1875)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1875: "Witzenhausen
(Provinz Hessen). Heute fand hier eine seltene Feierlichkeit statt. Ein
israelitischer Veteran, dem es vergönnt gewesen, nach Beendigung der
Freiheitskriege 1813 mit den siegreichen Deutschen in Frankreich
einzuziehen, wurde zu Grabe getragen. Unter den ergreifenden Klängen
eines Trauermarsches, intoniert von der Kapelle des 83. Linienregiments
und unter Vorantritt der Mitglieder des Kriegervereins bewegte sich der
Zug, gefolgt von vielen Bürgern der hiesigen Stadt nach dem Friedhofe.
Hier ergriff – vom israelitischen Gemeindevorstande darum ersucht –
Herr Dr. Silberstein, Bezirksrabbiner zu Mühringen
in Württemberg, der gerade besuchsweise hier anwesend, das Wort, um in
ergreifender, schwungvoller Rede den Gefühlen der so zahlreich Anwesenden
Ausdruck zu geben. Der Redner nahm hier besonders Gelegenheit, die
Errungenschaften einer lichtvolleren Zeit hervorzuheben, die sich nicht
besser bekundeten, als wenn, wie heute Deutschlands Krieger, fern von
jedem religiösen Vorurteile, ihrem israelitischen Mitbruder auf eine so
feierliche Weise ihre Achtung und Liebe bekundeten. Drei Ehrensalven über
das geöffnete Grab beschlossen die Feier.
Welch tiefen Eindruck die ganze Feier gemacht, geht wohl aus dem Umstande
hervor, dass derselbe in der Chronik der Stadt eines Weiteren Erwähnung
getan worden ist." |
Spendenaufruf für den Kaufmann Noa Gans (1884)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1884: "Aufruf!
Am 10. März dieses Jahres starb plötzlich der frühere Kaufmann Noa
Gans. Seine hinterlassene Familie, aus Frau und 9 Kindern in dem Alter
von 4-18 Jahren bestehend, befindet sich in einer so traurigen Lage, dass
auch nicht die geringsten Existenzmittel für dieselbe vorhanden sind.
Vier der älteren Kinder sind soweit untergebracht, nun aber hat die Frau,
die ganz erwerbslos ist, noch für 5 Kinder so sorgen. Ohne Nahrung.
Die hiesige Gemeinde ist gering und kann wenig tun. Ich bitte daher
freundlichst um milde Beiträge, um der Frau ein kleines Kapitel zuzuführen,
welches ihr ermöglicht, ein kleines Geschäft zu gründen, um ihre Kinder
vor Not und Elend zu sichern. 'Wer einen Menschen rettet..."
Es könnte hier eine große Mizwa (Befolgung eines göttlichen Gebotes)
geschehen, denn es würde dadurch eine Familie, die noch ärmer als arm,
gerettet werden.
Witzenhausen, Regierungsbezirk Kassel. J. Brandes,
israelitischer Lehrer.
Wir sind gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern.
Die Expedition des ‚Israelit’." |
Zum Tod von Moses Frenkel (1909)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Dezember 1909: "Frankfurt
am Main. Kurz vor seinem 70. Geburtstag verschied Herr Moses Frenkel,
eine Zierde unserer Orthodoxie in seiner Frömmigkeit, seiner
Selbstlosigkeit und seiner Bescheidenheit. Jahrelang gehörte er dem
Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft und dem Synagogenkomitee
dieser Gemeinde an und war bis zuletzt eines der tätigsten Mitglieder der
Kippe (Wohltätigkeitsverein), der Verwaltung des Versorgungshauses
und des Schulrates der Israelitischen Volksschule. Von seiner
Bescheidenheit legt sein Wunsch, dass an seinem Grabe nicht gesprochen
werde, ein schönes Zeugnis ab.
Der Verstorbene wurde zu Witzenhausen als Sohn des Rabbiners
Frenkel geboren." |
Zum Tod des aus Witzenhausen stammenden Stadt- und
Bezirksrabbiners Dr. Michael Silberstein (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1910: "Wiesbaden,
20. Oktober (1910). Am Abend des Versöhnungstages entschlief infolge
einer Arterienverkalkung im 76. Jahre seines Lebens der seit nunmehr zwei
Jahren emeritierte Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein. Als
Sohn eines Lehrers am 1. November 1834 in Witzenhausen, Bezirk
Eschwege, geboren, wurde der Verewigte zunächst zum Kaufmannsstande
bestimmt. Sein ideales Streben aber ließ ihn in diesem Berufe nicht die
wahre Befriedigung finden, sodass es ihm gestattet wurde, im Jahre 1850
die eben erst begründete Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in
Hannover zu beziehen, welche er nach dreijährigem besuche mit einem
geradezu glänzenden Zeugnis verließ. Sein rastloser Bildungsdrang führte
ihn nach zwei Jahren schon nach Berlin, wo er bis zum Jahre 1858
theologischen und philosophischen Studien oblag. Die Veitel Ephraimsche
Stiftung war die Stätte, an der er sich zum Rabbiner heranbildete und die
Universität der Born seiner profanen Bildung. Sein Vorbild und Lehrer war
der Altmeister Dr. Michael Sachs seligen Andenkens, dessen Bild in
seinem Arbeitszimmer an hervorragender Stelle zu sehen ist, und der
Oberrabbinat Aub. Leopold Ranke weckte und förderte seinen historischen
Sinn. Als der Verblichene im Jahre 1858 seine Studien mit gutem Erfolge
beendigt hatte, nahm er eine erste Stellung als Lehrer in Pleschen an,
wurde aber schon nach kaum anderthalb Jahren 1860 als Rabbiner nach Lyck
(Ostpreußen) berufen. Hier wusste er durch sein mannhaftes Auftreten in
der Öffentlichkeit unserer Glaubensgenossenschaft Anerkennung und
Beachtung zu verschaffen. Nach achtjähriger, segensreicher Wirksamkeit
siedelte er dann 1868 nach Württemberg über. Im Jahre 1874 wurde er nach
Mühringen im Schwarzwald versetzt,
wo er bis 1885 wirkte. 1869 berief die württembergische Regierung eine
Delegiertenversammlung zwecks Beratung eines Verfassungsentwurfs für die
israelitische Glaubensgemeinschaft. Silberstein, als geistliches Mitglied
dieser Kommission, trat damals mit einem längeren Exposé vor das Plenum
und hatte die Genugtuung, dass seine Vorschläge fast sämtlich angenommen
wurden. Die Hochachtung und Wertschätzung, die sich der Verblichene durch
sein mannhaftes würdiges Auftreten sowohl, wie durch den Glanz seiner
Beredsamkeit erwarb, erreichte durch seine Rede am Grabe Berthold
Auerbachs ihren Höhepunkt. Damals wurde Dr. Silberstein in der breitesten
Öffentlichkeit bekannt, und als der Rabbinatssitz in Wiesbaden vakant
wurde, berief man den gefeierten Mann in unsere Bäderstadt. Hier wirkte
er in einer ununterbrochenen fast 25-jährigen Tätigkeit für das Wohl
der Juden Wiesbadens, derer seines Bezirks wie auch der jüdischen und außerjüdischen
Allgemeinheit. Wiesbaden hat sich in den letzten Jahren zu Großstadt
entwickelt und die jüdische Gemeine ist auf dem besten Weg, eine Großgemeinde
zu werden. Wenn die Institutionen mit der Entwicklung gleichen Schritt
gehalten haben, so ist dies ein Hauptverdienst des Entschlafenen. Ihm ist
zu danken: die Gründung des Israelitischen Unterstützungsvereins, des
Israelitischen Waisenfonds, der Gemeindebibliothek usw. Besondere Fürsorge
widmete er den Bestrebungen der Alliance und des Deutsch-Israelitischen
Gemeindebundes. Hier hat er vor einigen Jahren eine größere Stiftung
zwecks Unterstützung jüdischer Studierender, die Dr. Michael und Rebekka
Silberstein-Stiftung errichtet und sich dadurch unsterblich gemacht. Die
Haupttätigkeit des Entschlafenen war der jüdischen Schule und deren
Lehrer gewidmet. Hier zeigte er so recht sein Können und sein Herz. Auch
als geistreicher Schriftsteller ist der Entschlafene weit bekannt
geworden. Seine Schriften beziehen sich auf das Gesamtgebiet des jüdischen
Wissens, Lebens und Unterrichtes. In seinen Bestrebungen wurde Dr.
Silberstein durch seine Gemahlin wacker unterstützt und gefördert. Sie
ist ihm im Tode um kaum fünf Wochen vorausgegangen. Die beiden Gatten führten
eine geradezu ideale Ehe in ihrem gemeinsamen Schaffen und Streben. Der
hohen Bedeutung Dr. Silbersteins entsprach seine Wertschätzung, welche
gelegentlich seines 70. Geburtstages so recht zum Ausdruck kam. Vorstände,
Korporationen sowie auch viele Private wetteiferten damals in Darbringung
von Ovationen. Seine Majestät verlieh ihm den roten Adlerorden IV.
Klasse. Die am Sonntag, 16. Oktober, stattgehabte Beerdigung gab abermals
den Beweis der großen Wertschätzung für den Verblichenen. Die
Kultusgemeinde ließ es sich nicht nehmen, die Leiche ihres Seelsorgers
nochmals an die Stätte seiner Wirksamkeit zu führen. Eine stattliche
Versammlung, bei der auch die staatlichen und kommunalen Behörden vollzählig
vertreten |
waren,
erfüllte das herrliche Gotteshaus in allen seinen Räumen. Im Mittelpunkt
der Trauerfeier in der Synagoge Michelsberg, eingeleitet durch Orgelpräludium
und weihevolle Gesänge des Synagogenchors, stand die glänzende
Leichenrede der Stadt- und Bezirksrabbiners Dr. Kobers, des Nachfolgers
des Entschlafenen. Der Redner sprach über die Versöhnlichkeit, den
Hauptcharakterzug des Verklärten und gab ein umfassendes Lebensbild des
Dahingeschiedenen. Es sprachen außerdem die Herren Simon Heß im Namen
der Kultusgemeinde Wiesbaden, Rabbiner Dr. Salfeld – Mainz für die für
den Rabbinerverband sowie für den liberalen Rabbinerverband, Dr. Landau
– Weilburg für die nassauischen Bezirksrabbiner, Dr. Goldschmidt –
Offenbach als Freund und Kollege, Benedikt Strauß für den
Synagogen-Gesangverein, Oberkantor Nussbaum im Namen des Vereins
israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau, deren Ehrenpräsident
der Verstorbene war und Lehrer Capell im Namen der Lehrer des Bezirks
Wiesbaden. Nach ergreifendem Gesang des Oberkantors Nussbaum wurde der
Sarg von Lehrern an den Wagen getragen, und in langem Zuge folgte die
Gemeinde. Am Grabe sprach noch Rabbiner Dr. Weingarten – Ems
einige herzliche Abschiedsworte – darauf ergriff Rabbiner Dr. Kober
nochmals das Wort, um dem Entschlafenen den Dank des D.J.G.B.
(Deutscher jüdischer Gemeindebund) und der A.J.U. auszusprechen. Zuletzt
gedachte der Redner in danken Worten der Gründung des Waisenfonds durch
den Dahingeschiedenen und sprach ihm für alle Liebe und väterliche Führung
seinen persönlichen Dank aus. So schloss sich denn das Grab über der
irdischen Hülle eines edlen Mannes, dessen Andenken da, wo er gewirkt,
unvergessen bleiben wird. – Auch wir werden dem Verblichenen, der ein
fleißiger Mitarbeiter unserer Zeitung war, ein treues Gedenken bewahren.
Die Redaktion."
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25jähriges Jubiläum von Markus Wallach als
Gemeindeältester (1913)
Artikel im
"Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 22. August 1913: "Witzenhausen.
Markus Wallach feierte letzten Samstag sein 25-jähriges Jubiläum als Ältester
der Synagogengemeinde". |
Goldene Hochzeit von Markus Wallach und Fanny geb. Nußbaum
(1927)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1927: "Witzenhausen,
24. Juli (1927). Heute feierte der Gemeindeälteste Markus Wallach und
Gemahlin Fanny geb. Nussbaum in größter Frische die goldene Hochzeit.
Der Jubilar bekleidet seit fast 40 Jahren das Amt des Gemeindeältesten.
Wallach ist stets der erste beim Gottesdienst in der Synagoge." |
80. Geburtstag von S. Nußbaum (1928)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1928: "Witzenhausen,
20. Februar (1928). Seinen 80. Geburtstag begeht heute Herr S. Nussbaum in
seltener Rüstigkeit und Geistesfrische. Seit 40 Jahren steht er im
Dienste der Gemeinde und ist als Kreisvorsteher tätig. Er ist ebenfalls
Gründer und Leiter des hiesigen Literaturvereins und steht mehr als 25
Jahre an der Spitze des Vereins." |
25jähriges Jubiläum von Levi Trepp als
Gemeindeältester (1928)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Witzenhausen, 20.
Mai (1928). Sein 25-jähriges Jubiläum als Gemeindeältester feierte Herr
Levi Trepp hier, der sich bei seiner vorgesetzten Behörde und seiner
Gemeinde des besten Ansehens erfreut." |
85. Geburtstag von Meier Lomnitz
(1928)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1928: "Witzenhausen,
4. November (1928). Seinen 85. Geburtstag beging heute Herr Meier Lomnitz,
das älteste Mitglied der hiesigen Gemeinde. Trotz seines hohen Alters und
verminderter Sehkraft geht er noch seinen Geschäften
nach." |
Weitere Dokumente
Anzeigen und Briefe
Umschlag
eines Briefes (aus der
Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries) |
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Briefumschlag
eines Schreiben der (jüdischen) Weingroßhandlung Frank & Cie in Kitzingen.
Der Brief wurde am 18. Februar an M. Katz in Witzenhausen
geschickt. |
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Zur Geschichte der Synagoge
Eine erste Synagoge wurde 1622 erbaut.
Bei einem großen Stadtbrand in Witzenhausen (1809) wurden auch die
Synagoge und das Schulgebäude der Talmud-Toraschule zerstört. 1810
konnte ein neues Synagogengebäude erstellt werden. Charakteristisch für die
Synagoge war ein kleiner Turm auf der Dachspitze. 1842 wurde neben der Synagoge
ein Schulgebäude erstellt.
In einer Beschreibung der Synagoge von 1906 heißt es: "(Die Synagoge in
Witzenhausen) ist durch die klare klassische Einfachheit des Grundrisses
bemerkenswert. Die Anordnung ist eine durchaus symmetrische. Almemor und im
Osten der Aron Hakodesch in einer Achse, seitlich davon das Gestühl, die Empore
an drei Seiten... Eine schlichte Einfachheit ist innen und außen zu finden. Ein
Baldachin, der über dem Allerheiligsten... steht, ist wegen der sechs mit Palmenkapitel
geschmückten Holzstützen bemerkenswert. Die Frauenemporen sind von dem an
einer Ecke anstoßenden Schulhaus zugänglich, getrennt von denen der Männer:
Die Absonderung wird noch dadurch charakterisiert, dass auf der Brüstung der
Frauenempore ein hübsches Holzgitter aufgesetzt ist."
Opferstock in der Synagoge in Witzenhausen (1908)
Die
Abbildung fand sich in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2.
Juli 1908. |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
bereits am Abend des 8. November 1938 geschändet und völlig demoliert. Am
Abend des
9. November wurde sie niedergebrannt.
Bereits 1946 wurde am Platz der Synagoge (Park des Stadtkrankenhauses) ein
Gedenkstein aufgestellt mit der Inschrift: "Nach unmenschlichen
Grausamkeiten mussten 55 Männer, Frauen und Kinder der jüdischen Gemeinde
Witzenhausen in Konzentrationslagern ihr Leben lassen. An dieser Stätte fiel am
9.11.1938 die Synagoge dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer."
Der Gedenkstein wurde 1951 auf den jüdischen Friedhof an der Fährgasse
versetzt, wo er seitdem geblieben ist. Ein später errichteter kleiner
Gedenkstein zur Erinnerung an die Synagoge steht heute im Bereich des
Grundstückes des ehemaligen, nicht mehr bestehenden jüdischen
Schul-/Gemeindehauses, nicht im Bereich des Synagogengrundstückes.
Adresse/Standort der Synagoge: Gelsterstraße
18, daneben war das Synagogendienerhaus in der Gelsterstraße 16.
Fotos
(Quelle: obere Fotozeile links: Arnsberg Bilder S. 207; obere Fotozeile rechts:
Stadtarchiv Witzenhausen; zweite Fotozeile:
Kollmann / Wiegand s.Lit. S. 26.53.112; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum
28.4.2011)
| Die Synagoge |
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Die 1810 erbaute Synagoge in
Witzenhausen
hatte einen kleinen Turm auf der Dachspitze |
Foto der
Synagoge
1928 |
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Grundriss der Synagoge mit
Toraschrein (1),
Almemor und Eintragung der dreiseitigen
Frauenempore (3) |
Die zerstörte Synagoge
am 8. (!) November 1938 |
| (Foto
rechts: Stadtarchiv Witzenhausen) |
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Das
Synagogendienerhaus
bei der Synagoge
(Fotos: Stadtarchiv Witzenhausen) |
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Auf dem linken
Foto ist rechts der Synagoge das Synagogendienerhaus
Gelsterstraße 16 zu sehen; auf dem rechten Foto ist die Demolierung auch
dieses Hauses am 8. (!) November 1938 festgehalten. |
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Das Denkmal für die Synagoge
von 1946, seit 1951 im Friedhof
der Gemeinde |
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Hebräischer Text:
Jüdisches Gebet "El Male Rachamim...", darunter: "An
dieser Stätte fiel am 9.11.1938 die Synagoge dem nationalsozialistischen
Terror zum Opfer" sowie
"Nach unmenschlichen Grausamkeiten mussten 55 Männer, Frauen und Kinder
der jüdischen Gemeinde Witzenhausen in Konzentrationslagern ihr Leben
lassen." |
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Das Denkmal beim
Grundstück des nicht mehr
bestehenden jüdischen
Schul- / Gemeindehaus |
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Der Gedenkstein
mit der Inschrift: "Hier stand bis zum Jahre 1938 die Synagoge der
jüdischen Gemeinde Witzenhausen" steht im Bereich des Grundstückes
des nicht mehr bestehenden jüdischen Schul-/Gemeindehauses (Adresse
ungefähr Steinstraße 22). Die Synagoge war an anderer Stelle in der
Gelsterstraße, im Hintergrund jeweils Gebäude
des Klinikums Witzenhausen (Adresse Steinstraße 18-26). |
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Andernorts entdeckt: auf
dem
jüdischen Bergfriedhof
in Heidelberg |
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Grabstein für
Selma Lichtenthal
geb. Kugelmann (geb.1900 in Witzenhausen -
gest. 1974 in
Heidelberg, "fern ihrer
Heimat in Israel") |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Oktober 2009
- "Stolpersteine" - auch in
Witzenhausen? |
Artikel von Stephan Strotkötter in der
"Hessischen Allgemeinen" vom 4.10.2009 (Artikel):
"Stolpersteine erinnern an jüdische Bürger. Initiative will
Projekt in Witzenhausen verwirklichen
Witzenhausen. In Eschwege gibt es sie schon, jetzt sollen sie auch nach Witzenhausen kommen: Stolpersteine gegen das Vergessen, die an die deportierten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt erinnern.
"Ziel des Projektes ist es, den Menschen wieder einen Platz in ihrem alten Wohnort zu geben, sie aus der Vergessenheit zu holen", sagen Peter-Paul Klinger und Danielle Feigenbaum von der Stolperstein-Initiative Witzenhausen. "Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele Witzenhäuser unser Anliegen unterstützen." Unterstützung erhofft sich die Initiative auch von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung.
Das Erinnerungsprojekt "Stolpersteine" hat der Kölner Künstler Gunter Demnig 1993 ins Leben gerufen. Die Stolpersteine gegen das Vergessen sind goldfarbene Pflastersteine. Sie werden in den Bürgersteig vor der letzten selbstgewählten Wohnstätte eingelassen. Sie sollen nicht nur an jüdische Bürger, sondern auch an andere Opfer des NS-Terrors wie Sinti und Roma, Homosexuelle und Zeugen Jehovas erinnern.
In Witzenhausen nahm die Zahl der jüdischen Bürger seit dem 17. Jahrhundert beständig zu. 1924 bestand die jüdische Gemeinde aus 134 Personen.
In Folge des Erstarkens der Nationalsozialisten, wurden sie mehr und mehr ausgegrenzt, ihrer Rechte beraubt, vertrieben und verfolgt. 1941/42 wurden die letzten 55 jüdischen Bürger der Stadt in Konzentrationslager deportiert und ermordet.
Kontakt: Peter-Paul Klinger, Tel: 05542 507616, E-Mail
- Danielle Feigenbaum, Tel: 05542 5465, E-Mail |
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| Dezember 2011:
Presseartikel zur Erinnerung an die jüdische
Geschichte in Witzenhausen |
Artikel von Matthias Roeper in der
"Hessischen / Niedersächsischen Allgemeinen" (HNA.de) vom 5.
Dezember 2011: "1414 zog der erste jüdische Mann nach
Witzenhausen - er hieß Heinemann. Acht Gulden für die Stadt.
Witzenhausen. Mit drei Transporten wurden die noch verbliebenen 59
jüdischen Mitbürger am 8. Dezember 1941 (43 Personen), am 7. (15
Personen) und am 24. September 1942 (eine Person) zuerst nach Kassel, dann
nach Riga und Theresienstadt und von dort in die Vernichtungslager
deportiert..."
Link
zum Artikel |
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| Hinweis auf die
aktuelle Forschungsarbeit von Manfred Baumgardt
(eingestellt November 2010) |
Der aus Witzenhausen stammende Dipl.-Pol.
Manfred Baumgardt erforscht seit ungefähr drei Jahren u.a. anhand von
Akten des Stadtarchives Witzenhausen die jüdische Geschichte von Witzenhausen. Es ist nach Abschluss der Arbeiten
an eine Publikation der
Forschungsergebnisse gedacht. Manfred Baumgardt ist dankbar für die
Mitteilung oder Zusendung von Erzählungen, Berichten und Dokumenten (von
Zeitzeugen oder Nachkommen jüdischer Familien der Stadt), die für seine
Arbeit von Interesse sein können.
Kontaktadresse: Manfred Baumgardt Großbeerenstr. 90
10963 Berlin Tel.: 030-2512735 E-Mail
bzw. Manfred.Baumgardt[et]online.de |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica III,2 S. 1665. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 408-412. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 207. |
 | Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994, auch nicht in Neubearbeitung
der beiden Bände 2007. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S.
237-238. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 475-477. |
 | Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer
Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis.
Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S.
108-112 u.ö. |
 | Anke Schwarz: Jüdische Gemeinden zwischen
bürgerlicher Emanzipation und Obrigkeitsstaat. Studien über Anspruch und
Wirklichkeit jüdischen Lebens in kurhessischen Kleinstädten im 19.
Jahrhundert. Hrsg. von der Kommission für die Geschichte der Juden in
Hessen. Bd. XIX. 2002. |
 | Albrecht Eckhardt / Herbert Reyer: Die
jüdischen Gemeinden in Witzenhausen und Hebenshausen. Unveröffentlichtes
Manuskript bei der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen im
Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. |
 | Andrea
von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel.
Geflohene Frauen erzählen ihr Leben. Gütersloher Verlagshaus 2011.
In diesem Buch findet sich S. 156-164 die Lebensgeschichte von Shoshanna
Friedländer, geboren als Susi Katz am 7. Oktober 1930 in Witzenhausen, lebt
2011 in Beit Yitzhak / Israel.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Witzenhausen
Hesse-Nassau. The community opened a synagogue in 1622 and then became the seat
of a chief rabbinate between 1665 and 1772. Its first incumbent, Mordekhai
Suesskind Rothenburg, founded the duchy's only yeshiva; Moses
Witzenhausen-Fraenkel, a district rabbi, served as advisor to the head of
Westphalia's consistory (1807-13). After building a new synagogue in 1810, the
Jews converted their talmud torah into an elementary school in 1863. They
numbered 201 (6 % of the total) in 1871. Originally peddlers and petty trades,
they now owned stores and factories and participated in civic affairs. The
community, which was affiliated with Kassel's rabbinate, still numbered 134 (3
%) in 1925 but closed its Jewish school in 1933. Shortly after Kristallnacht
(9-10 November 1938) the synagogue was burned down and 49 Jews emigrated. In
all, 55 deportees perished in the Holocaust.

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