Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Witzenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. 

Die Anfänge der jüdischen Geschichte in der dem Landgrafen von Hessen gehörenden Stadt gehen bereits auf das 15. Jahrhundert zurück. 1414 und 1415 erteilte Landgraf Ludwig I. von Hessen zwei in Witzenhausen wohnenden Juden je einen individuellen Schutzbrief (Jud Heinemann, Jud Isak). 1458 entrichtete ein Jude dem Witzenhausener Schultheißen 2 Gulden. 1461 bezahlte dieser dem Juden Salman mehrfach für Lieferungen an die Küche.  
Aus dem Mittelalter liegen ansonsten keine weiteren Quellen vor, zumal nur wenige städtische Quellen die beiden großen Stadtbrände der Jahre 1479 und 1809 überstanden.    
 
Nach vorübergehender Ausweisung der Juden aus der Landgrafschaft Hessen wurden sie seit 1532 wieder aufgenommen. Landgraf Philipp der Großmütige erteilte die ersten Schutzbriefe für die in Witzenhausen aufgenommenen Juden, darunter "Lazarus jude gein Witzenhausen". doch erließ er zugleich eine restriktive Judenordnung (1539), nach der u.a. durch Zwangspredigten Juden zum christlichen Glauben zu missionieren seien. Im Laufe des 16. Jahrhunderts nahm die Zahl der Juden in der Stadt dennoch zu.   
 
Im 17. Jahrhundert bestand in Witzenhausen inzwischen eine bedeutende Gemeinde mit dem Sitz eines Landrabbinates (seit 1625). Von großer und überregionaler Bedeutung war vor allem die Talmudschule (Talmud Tora-Schule, "Jüdische Landesuniversität"), deren Ansehen vor allem Rabbiner Mardochai Süßkind Rotenburg (Rabbiner von 1665 bis 1686) zu verdanken ist. Auch die ihm folgenden Rabbiner waren bedeutende Talmudgelehrte: Rabbiner Wolf Alexander Traub(e) (Rabbiner von 1686 bis 1712); Rabbiner Philipp Jonas (Rabbiner von 1712 bis 1716), Rabbiner Veit Singer (bedeutendster Rabbiner in Witzenhausen; von 1716 bis 1756), Rabbiner Hirsch Naphtali Kirchheimer (Rabbiner von 1754 bis 1779). 1772 wurde das Landrabbinat nach Kassel verlegt. Witzenhausen war danach nur noch Sitz eines Kreisrabbiners.     
 
Unter den Kreisrabbinern ist zu nennen: 
- Dr. Meier Frenkel (geb. 1813 in Witzenhausen als Sohn des Bürgers und Kaufmanns Eisemann Moses Bodenheim und der Täubgen Frenkel, gest. 1879 in Frankfurt): studierte in Gelnhausen bei Rabbiner Hirsch Kunreuther, später an der Universität Marburg mit Promotion in Gießen; war seit 1838 der letzte Kreisrabbiner in Witzenhausen; ging 1874 in den Ruhestand.
    
Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Familien auf 26 (1776) bis 28 (1812) an.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1835 175 jüdische Einwohner (von insgesamt 2.757 Einwohnern), 1861 168 (5,4 % von 3.088), 1871 201 (6,1 % von 3.301), 1885 144 (4,6 % von 3.132), 1905 117 (3,1 % von 3.788). Unter den jüdischen Familienvorstehern gab es zahlreiche Handelsleute (Vieh- und Pferdehändler), seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch Handwerker wie Tuchmacher, Schuhmacher, Baumwollweber, Färbermeister, Lohgerber und Schneidermeister. Um 1855 war Israel Kugelmann als Baumwollwarenfabrikant tätig. In der Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten jüdische Gewerbebetreibende mehrere für den Ort wichtige Läden und Handelsbetriebe.    

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (nach 1823 bis 1933 Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad (dazu privaten Mikwen) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer (Israelitischer Elementarlehrer) angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An der jüdischen Schule / nach 1823 Volksschule unterrichteten insbesondere: Lehrer Isaac Marcus Stettenheim, Joel Silberstein (seit 1813 bis um 1855; Vater des Rabbiners Dr. Michael Silberstein, siehe Bericht unten), Salomon Tannenbaum, Josef Brandes (nach 1863; 1868 unterrichtete er 27 Kinder), Levi Plaut (1896 unterrichtete er 23 Kinder); Levi Katz (Lehrer von 1902 bis zu seinem Tod 1922, er unterrichtete jedoch kaum mehr als 10 Kinder), Hugo Blumenfeld (ab 1922). 
Die jüdische Schule war zunächst in gemieteten Räumen untergebracht; im Frühjahr 1842 erbaute die jüdische Gemeinde ein eigenes Schulgebäude. Das Gebäude (zugleich jüdisches Gemeindehaus) hatte die Adresse: Langemarckstraße Nr. 22 (heute Bereich Steinstraße 22, wo sich der Gedenkstein für die Synagoge befindet).   
Die Gemeinde gehörte (wie erwähnt bereits seit 1772) zum Provinzialrabbinat in Kassel. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Alfred Steinhardt (geb. 19.1.1888 in Witzenhausen, vor 1914 in Bochum wohnhaft, gef. 15.9.1914).          
   
Um 1924, als zur Gemeinde 134 Personen gehörten (2,9 % von insgesamt 4.566 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Markus Wallach (hat bereits 1913 sein 25-jähriges Jubiläum als Vorstandsmitglied gefeiert, siehe Bericht unten) und Levi Trepp (feierte 1928 sein 25-jähriges Jubiläum als Vorstandsmitglied, siehe Bericht unten). Jüdischer Kreisvorsteher des Kreises Witzenhausen im Blick auf die Aufgaben im Rabbinatsbezirk Niederhessen (Kassel) war Salomon Nußbaum aus Witzenhausen. Als Lehrer und Schochet war der bereits genannte Hugo Blumenfeld tätig. Er unterrichtete 1924 an der Israelitischen Volksschule noch neun Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden u.a. der Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (gegründet 1832, 1924/32 unter Leitung von Moritz Jaffa; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungsweisen; 1932 28 Mitglieder), ein Verein für jüdische Geschichte (1924 unter Leitung von L. Nußbaum), ein Jüdischer Frauenverein (gegründet 1902; 1924 unter Leitung von Frau Kugelmann, 1932 unter Leitung von Anna Trepp mit 30 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker). 1932 werden dazu ein Literatur-Verein und ein Jüdischer Jugendbund genannt. An Stiftungen gab es u.a. die Kreisgedächtnisstiftung der Synagogengemeinde Witzenhausen (1932 unter Moses Kugelmann; Zweck: Unterstützung jüdischer Kriegsteilnehmer; Beiträge an jüdische Einrichtungen).  
   
1932 waren die Gemeindevorsteher David Grünbaum (1. Vors.), Julius Kugelmann (2. Vors.) sowie Schatzmeister Max Steinhardt. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete Lehrer Hugo Blumenfeld noch sieben Kinder an der Israelitischen Volksschule, dazu erteilte er 12 Kindern, die an anderen Schulen waren, den Religionsunterricht.       
  
1933 lebten noch 111 jüdischen Personen in Witzenhausen (2,3 % von insgesamt 4.922 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Mehr als 30 Personen konnten auswandern (nach England und Holland je 2 Personen, nach Belgien 6 Personen, in die Schweiz und nach Argentinien je 1 Person, nach Palästina 10, in die USA 11 Personen), mehr als 40 verzogen in größere Städte. Die Israelitische Elementarschule wurde am 1. Dezember 1933 geschlossen, danach gab es noch eine Religionsschule, zuletzt unter Lehrer J. Popper

 
Wie in Kassel kam es zu Pogromaktionen gegen die jüdische Bevölkerung bereits am 8. November 1938. Am Abend dieses Tages wurden von einer großen Zahl von Menschen jüdische Geschäfte, die Synagoge und die jüdische Schule völlig demoliert. Den ganzen 9. November über gingen die Pogromaktionen weiter. Die Steinstraße und der Marktplatz waren schließlich übersät von zerstörten Kultgegenständen. Am Abend des 9. November wurde die Synagoge niedergebrannt. Auch das benachbarte Wohnhaus und die Jüdische Schule wurden angezündet. Bewaffnete Schlägerbanden von SA und SS drangen gewaltsam in jüdische Wohnungen und Geschäfte ein und trieben die jüdischen Bewohner unter Verhöhnungen und Misshandlungen durch die Straßen. Die Wohnungen wurden geplündert, das Mobiliar aus den Fenstern geworfen und zerstört. Viele der jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt.   

1939 wurden noch 71 jüdische Einwohner gezählt (1,4 % von 5.081 Einwohnern). Im Dezember 1941 und im September 1942 wurden etwa 50 jüdische Einwohner deportiert. Unter den Deportierten war auch der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde nach 1933: Julius Kugelmann. 1943 war Witzenhausen in der NS-Sprache "judenfrei".       
     
Von den in Witzenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Abraham geb. Schiff (1874), Bernhard Ballin (1884), Mina Behrens (1877), Gela (Fann) Bundheim geb. Wertheim (1885), Lucia Eckstein geb. Behrens (1909), Lucie Emanuel geb. Goldschmidt (1881), Rudolf Grünbaum (1912), Hedwig Hammerschlag geb. Katz (1879), Carl Hecht (1895), Markus Hecht (1858), Rita Hecht (1933), Sitta Hecht geb. Stern (1902), Moritz Ingbert (1921), Hirsch Jakob (1868), Jacob Kahn (1882), Joseph Kahn (1873), Sophie Kahn (1873), Amalie Katz geb. Levi (1869), Beate Katz (1931), Hedwig Katz (1894), Johanna Katz geb. Lissauer (1868), Johanna Katz (1876), Julius Katz (1887), Moritz Katz (1891), Pauline (Bela) Katz (1872), Sara Katz (1857), Sonja Katz (1935), Sophie Katz geb. Hirnheimer (1899), Edith Katzenstein (1907), Emma Katzenstein geb. Oppenheim (1885), Hermann Katzenstein (1890), Ruth Katzenstein (1910), Sigmund Katzenstein (1879), Arthur (Abraham) Kayser (1871), Arthur Kugelmann (1887), Frieda Kugelmann geb. Goldschmidt (1897), Hannelore Kugelmann (19245), Ilse Fanny Kugelmann (1928), Julius Kugelmann (1885), Leopold Kugelmann (1893), Ludwig Kugelmann (1928), Paula Kugelmann geb. Kleeberg (1903), Siegfried Kugelmann (1884), Simon Levinstein (1857), Josef Menko Lomnitz (1879), Johanna Magnus geb. Narewczewitz (1902), Else (Ettel) Mandelstein geb. Kugelmann (1889), Adele Nathan geb. Jakob (1893), Hermann Nathan (1924), Ida Nathan (1891), Jakob Nathan (1882), Lieselotte Nathan (1921), Lina Nathan geb. Spier (1892), Lore Fanny Nathan (1930), Lucie Nathan geb. Isenberg (1901), Manfred (Fred) Nathan (1926), Marion Nathan (1930), Max Nathan (1879), Norbert Nathan (1933), Sally Nathan (1885), Ursel (Ursula) Nathan (1931), Levi Nussbaum (1878), Laura (Rachel, Rosa) Plaut geb. Goldschmidt (1872), Flora Rosenbaum geb. Wertheim (1858), Berthold (Benjamin) Rothschild (1894), Hans Rothschild (1932), Frieda Ruhr (1885), Julchen (Giedel, Julie) Schiff geb. Wertheim (oder Westheim?, 1858), Emilie Schwabe geb. Gossels (1882), Alfred Steinhardt (1932), Max Steinhardt (1886), Lothar Stockhausen (1929), Mathilde Stockhausen geb. Kugelmann (1898), Ruth Stockhausen (1924), Siegmund Stockhausen (1893), Herta Verständig geb. Bachenheimer (1905), Ruth Verständig (), Ida Weil geb. Kugelmann (1889), Siegfried Winterberg (1900).       
     
    
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte des Rabbinates in Witzenhausen  

Erinnerung an Rabbiner Wolf Traub(e) in Witzenhausen - gest. 1712  (in einer "Wochenchronik" von 1902) 

Witzenhausen Israelit 21081902.jpg (39342 Byte)Wochenchronik in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1902: "Donnerstag, 25. Aw. Wolf Traub, Rabbiner in Witzenhausen, gest. 25. Aw 5472 (27. August 1712)...."

     
Artikel über Tefillin und Mesussaus (Mesusot) mit Nennung von Landrabbiner Veit Singer aus Witzenhausen - um 1730 (Artikel von 1928)    
Anmerkung: Im nachfolgenden Text, der in die Zeit der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückführt, geht es um eine damals unter Landrabbiner Veit Singer in Witzenhausen angeordnete und durchgeführte Kontrolle der Tefillin und der Mesusot in den jüdischen Häusern des Bezirks. Die Kontrolle wurde durch Toraschreiber aus Abterode durchgeführt, die für die Kontrolle bzw. Erneuerung bestimmte Beträge einziehen konnten.   
Zu Veit Singer: er war von 1716 bis 1756 Landrabbiner und gilt als der bedeutendste Landrabbiner der Stadt. 

Witzenhausen Israelit 15031928.jpg (213130 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1928: "Tefillin und Mesussaus in Althessen. Dieser Überschrift soll den Leser nicht auf den Gedanken führen, dass in einer Zeitung die vielen Ritualvorschriften über die Erfüllung dieser heiligen Gebote gebracht werden, wenn es auch sehr nützlich wäre. Eine Wochenzeitung ist eben kein ‚Chaje odom’ (Anm.: Chaje Adam ist eine populär-halachische Schrift von Abraham Danzig [1748-1820]. Dennoch dürfte man es gern lesen, welche Maßnahmen einst getroffen wurden, um die Gebote ordnungsgemäß zu erfüllen. Eine Mahnung erließen die judenschaftlichen Führer auf einer Tagung in Kassel am 20. Tewet 5490 (1726 [besser: 9. Januar 1730]); und sie ist unterzeichnet von dem Landrabbiner Veit Singer aus Witzenhausen, Israel aus St. Goar, Joßel Lispenhausen; Michael Katzenstein, Eschwege, Eisemann Levi und Moses Wolfhagen. Niedergeschrieben ist sie im ‚Konstitutenbuch der althessischen Judenschaft’ und lautet nach der dem hebräischen Original beigefügten Übersetzung: ‚Wegen der Tefillin, welches ist das Handzeichen und Stirngeschmeide, und Mesussoh, welches auf deinen Hauspfosten geschrieben werden muss, haben alle Völker auf Erde gesehen, dass sie nicht gewarnt sein, die Tefillin öffnen und lassen, ob dieselben richtig. Da aber mehrmals dieselben unrichtig sind, den vorigen Landtag aber haben sie die Tefillin nicht öffnen lassen, da ist ihre Missetat größer, denn dass sie ihnen vergeben werden könnte. Also haben wir unsere Augen aufgetan, dass die Gesetzesschreiber, so im Lande wohnen, namentlich Rabbi Salomon und Rabbi Nathan in Abterode, Isaak Jestädt und der Bursch Feibes in Abterode sollen im ganzen Lande herumgehen, nämlich ein jeder einige Klassen (Bezirke), welche ihn durch das Los treffen werden, um die Tefillin zu öffnen von denjenigen Männern, so ihre Tefillin beim verflossenen Landtag 490 nicht besehen lassen und die Mesusaus an denen Türen der sesshaften Juden zu besehen, ob sie richtig sind. Welcher nun von den Gesetzschreibern in seiner Klasse nicht selbst herumreisen wollte, so soll ein anderer an dessen Platz reisen und braucht dem Gesetzschreiber, welcher nicht herum gegangen, nicht den geringsten Heller zu geben. Dies ist die Belohnung der Gesetzschreiber: ‚Öffnen, besehen und schließen der Tefillin 2 Albus; Öffnen eine Mesussoh und besehen 1 Albus. Für eine neue Muesusso 1 Albus. Für eine Parschoh 6 Albus; für ein Paar mittelgute Riesen ½ Kopfstück, für gute 4 Albus. Neue Battim (Gebäude) ½ Kopfstück (Kopfstück ist jede Münze mit dem Bruchbild des Münzherren und hatte einen Wert von 20 Kreuzern oder 70,125 Pfennig der Thalerwährung.) – Es werden nun die genannten Gesetzesschreiber ernsthaft gewarnt, dass sie nicht über die festgesetzte Belohnung nehmen und in specie, dass sie des Herren Werk nicht saumselig tun sollen, denn es ist geschrieben: ‚Du sollst dich  vor deinem Gott fürchten.’ Findet man aber, dass der Gesetzesschreiber nachlässig ist und den Menschen betrügt, so sollen ihm Rabbiner und Vorsteher eine harte Geldstrafe auferlegen, wovon der gnädigste Landesherr die Hälfte erhält.’ – Über sonstige soziale und religiöse Anordnungen aus jener Zeit vielleicht später Näheres. L. Horwitz, Kassel."

   
Festmahl zur Einsetzung des neuen Bürgermeisters mit einer Rede von Rabbiner Dr. Frenkel (1850)      

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 31. Mai 1850: "Witzenhausen. Vor einigen Wochen fand hierselbst zur Ehre der Einsetzung unseres neuen Bürgermeisters ein solennes Festmahl statt, zu dem cirka 100 Teilnehmer eingeladen waren. Rabbiner Dr. Fränkel und dessen würdiger Vater waren die einzigen geladenen Juden, die dem Feste in der Tat auch beiwohnten. Während der Tafel brachte Rabbiner Dr. Frenkel ein allgemein freudig aufgenommenen Toast aus, den wird, wegen der Tendenz der von demselben solchen zu Grunde gelegt, unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: 
Hochzuverehrender Herr Bürgermeister! und meine übrigen werten Herren! 
Verargen Sie es mir nicht, wenn ich mir erlaube, das Wort zu nehmen und zu sagen, dass ich stolz darauf bin, einen Platz unter dieser verehrten Gesellschaft einzunehmen; verargen Sie es mir nicht, wenn ich es ausspreche, dass ich mit inniger Freude dem Rufe und der freundlichen Einladung eines so biederen Ehrenmannes gefolgt bin. Und wenn ich auch nur zwei meiner Glaubensgenossen unter diesen zahlreich Versammelten hier sehe, so gewährt mir dies dennoch eine große Genugtuung, denn es kömmt mir nicht auf das wie viel an, es ist mir nicht um das Persönliche, als vielmehr um das Prinzip zu tun! und Sie sind es, geehrter Herr Bürgermeister, der die bis jetzt bestandene schroffe Wand niedergerissen, und gleich nach ihrem Amtsantritt mit der ersten Handlung auf eine so humane Weise die Bahn gebrochen und eine so schöne uns willkommene eröffnet haben. Wohl kühn darf ich es behaupten, so lange unsere geliebte und uns allen teuere Vaterstadt Witzenhausen steht, ist noch keinem meiner Glaubensgenossen die Ehre zuteil geworden, bei einem solchen Fest- und Ehrenmahle zugegen sein zu dürfen. Es ist hier nicht der Ort, und ich bin weit davon entfernt, es untersuchen zu wollen, auf welcher Seite die Schuld oder Unschuld ist, genug, Ihre erste Handlung bekundet eine von allen anzuerkennende Humanität, Ihnen waren sicher die Worte des großen Königs David eingedenk, die er im 133. Psalm also ausspricht. 
'Wie schön und wie lieblich ist's, wenn Brüder zusammen wohnen.'     
Witzenhausen DtrZionsw 31051850a.jpg (186690 Byte)So finden wir diese Worte in fast allen Übersetzungen und Bibeln, vergleichen wir aber den Urtext, so muss die Übersetzung wortgetreu vielmehr so heißen: 'Wie schön und wie lieblich ist's das Wohnen, das Brüder auch vereint'. 
Nicht nur das Zusammenwohnen von Brüdern gibt den Maßstab des Schönen und Lieblichen ab, sondern nur, wenn sie auch vereint, d.h. wenn sie bei allen Gelegenheiten, besonderen Veranlassungen und Vereinigungen auch da sich als Brüder erkennen, auch da vereint als solche harmonieren, nicht aber der Eine oder der Andere des Glaubens halber hinten an- oder zurückgesetzt werden, sondern jeder gleichberechtigt mit seinem Bruder erscheint, das gibt Zeugnis des Schönen und des Lieblichen.   
In diesem Augenblick beseelt mich nur ein Wunsch, und zwar der, dass wie Sie, wertgeschätzter Herr Bürgermeister, auf die Bahn der Humanität einher zuschritten, und überzeugt davon, dass Sie auch darauf fort wandeln, dass sie in allen Ihren Unternehmungen von den Sie umgebenden Räten, ich meine von den geehrten Herren Stadtratsmitgliedern und dem Ausschusse auch unterstützt werden mögen, dann erreichen wir unser Ziel.  Für sie selbst hege ich dann noch einen kleinen Wunsch, das Gott, der Allgütige in Ihnen sei, Sie in seinen Schutz nehme und Sie in allen Ihren Vorhaben und Handlungen geleite, Ihnen Kraft und Ausdauer verleihe, auf dass Sie das neue übernommene Amt nach Ihrer Herzensgute und allbekannten Rechtlichkeit verwalten, und diese Tugenden überall hin betätigen mögen, dazu helfe Gott, auf dass sich an Ihnen das Wort der heiligen Schritt bewähre: 
'So Gott das Haus nicht bauet, umsonst mühen sich dessen Erbauer daran; so Gott die Stadt nicht schützet, umsonst wachet deren Hüter, deren Bürgermeister!'  Also Gott mit Ihnen. 
Nun bitte ich Sie, meine geehrten Herren erheben und leeren Sie mit mir das Glas auf das Wohl des Gefeierten dieses Tages, des Gefeierten dieses Abends!  
Unser würdiger Bürgermeister H. v. B. - lebe hoch, nochmals hoch und abermals hoch!"       

 
Kurzbericht über Kreisrabbiner Dr. Meier Fränkel und die Gemeinde Witzenhausen (1852)

Witzenhausen AZJ 08111852.jpg (78903 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. November 1852: "In Witzenhausen fungiert Herr Dr. Fränkel, ein sehr freundlicher und würdiger Mann, der der orthodoxen Richtung angehört, als Kreisrabbiner. Auch hier herrscht ein reges Gemeindeleben, auch hier existiert ein jüdisches Kasino, auch hier besteht, wie in Eschwege, die schöne Einrichtung, dass die durchreisenden jüdischen Bettler und Handwerksburschen aus einer zu diesem Zwecke errichteten Kasse eine nach gewissen Abstufungen festgesetztes Geschenk erhalten, hingegen aber die einzelnen Familien mit ihren Besuchen nicht weiter behelligen dürfen."

 
Zum Tod von Rabbi Eisemann Frenkel (1855)
Rabbi Eisemann Frenkel
stammte aus Abterode, wo er als Eisemann (Eisigmann) Moses Bodenheim geboren ist. Er war seit 1812 verheiratet mit Täubchen, Tochter von Rabbi Mosche Witzenhausen (Familienname seit 1806 Frenkel; dieser Familienname wurde auch vom Schwiegersohn Rabbi Eisemann Moses Bodenheim angenommen). 
Rabbi Mosche Witzenhausen Frenkel (geb. 1747 als Sohn von Jacob Salman Witzenhausen und Lea Cappel) entstammte einer Familie, deren Vorfahren aus dem fränkischen Baiersdorf stammten (daher Frenkel), von dort aber auf der Flucht vor den Schweden um 1630/35 nach Wien gekommen sind; um 1670 Übersiedlung nach Prag, später nach Westfalen und durch Heirat nach Witzenhausen. Mosche Witzenhausen war in Witzenhausen seit 1803 Inhaber eines Kleidergeschäftes, war Verfasser von astrologischen Schriften, gab Kalender heraus und war Vorsteher der Judenschaft im ganzen Kreis.    

Witzenhausen AZJ 07051855.jpg (218708 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Mai 1855. "Witzenhausen, im März 1855. Nekrolog. Wenn vorzugsweise in unserer Zeit das Beispiel wahrhaft frommer, vom väterlichen Glauben begeisterter Männer ein so wichtiger, ja fast unentbehrlicher Hebel zur Erhaltung des jüdisch-religiösen Lebens in den Gemeinden ist: so ist unverkennbar der Verlust solcher Männer umso beklagenswerter und schmerzlicher, da das Judentum unserer Zeit leider! an solchen Männern keinen Überfluss hat. Auch die hiesige Gemeinde hat einen solchen herben Verlust erlitten und der Unterzeichnete fühlt sich gedrungen, dem Manne, den uns der unerbittliche Tod nach Gottes unerforschlichem Ratschlusse vor Kurzem entrissen, in diesen so verbreiteten Blättern ein Denkmal der Liebe und Verehrung zu setzen.
Rabbi Eisemann Frenkel, der Nestor unserer Gemeinde, entschlummerte am 12. Februar dieses Jahres nach achttägigem Krankenlager in einem Alter von 72 Jahren. Wer jenes stille, geräuschlose und doch so segensreiche Wirken des Verklärten zu betrachten Gelegenheit hatte, wird sicherlich mit mir ausrufen: (hebräisch und deutsch:) ‚Wehe! Wir haben verloren, was wir nicht wieder finden!’ Jene innige, kindliche Gläubigkeit, jene ungekünstelte Gottesfurcht, jene rege Teilnahme an anderer Schicksale machten den Dahingeschiedenen zu einem wahrhaft patriarchalischen Charakter. Unberechenbar ist der wohltätige Einfluss, den der Verblichene durch sein frommes Beispiel auf die Erhaltung und Pflege des religiösen Sinnes inmitten unserer Gemeinde geübt hat. Jenes herrliche Psalmenwort (hebräisch und deutsch:) ‚Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege’ (Psalm 119,105), das der Selige noch auf dem Schmerzenslager aussprach, diente ihm zur Richtschnur während seines ganzen inhaltsreichen Lebens. – Noch in den letzten Wochen vor seinem Tode beteiligte er sich mit dem rühmlichsten Eifer an dem rabbinischen Unterricht seines Sohnes (Anmerkung: Sein Sohn, der würdige Kreisrabbiner Herr Dr. Frenkel hierselbst, erteilt nämlich allwöchentlich dreimal mehreren Gemeindemitgliedern Unterricht in Mischna, Chaje Odom und im Raschikommentar). Mit welchem gesteigerten Interesse, mit welcher nachahmungswürdigen Aufmerksamkeit  folgte der Entschlafene dem Vortrage desselben. Doch was den Menschen erst zum Menschen, den Sohn Israelis erst zum wahren Israeliten erhebt, was in der Wage, mit der Gott wiegt, schwerer ist, denn die Lehre, das sind seine frommen vortrefflichen Werke. Das war des Verklärten Schmuck und Zier, das war die strahlendste Krone seines ehrwürdigen Hauptes. Ob wie vielen Notleidenden und Dürftigen reichte er Unterstützung, und auf welche zarte, schonende Weise! Er war ein Vater der Witwen und Waisen. – Vorzugsweise waren es auch die palästinensischen Hilfsbedürftigen, die sich seines wohltätigen Sinnes zu erfreuen hatten. Von diesen wurde er daher auch in dankbarer Anerkennung der Wohltaten häufig mit Seltenheiten beschenkt. Auch bekleidete er über 20 Jahre das Amt eines Gabbai für die Armen im gelobten Land. Außerdem verwaltete er über 30 Jahre das Amt eines Kreisvorstehers, sowie 5 Jahre das eines Klassen- (Bezirks-) und 20 Jahre das Alt eines Gemeindevorstehers mit seltener Treue und rühmlichem Eifer. 
Um den Verblichenen trauern eine würdige, edle Gattin und vier ebensolche Kinder, von denen sein oben erwähnter Sohn, der Herr Kreisrabbiner Dr. Frenkel, die Trauerrede hielt, die auf alle Zuhörer den erschütterndsten Eindruck machte. (hebräisch und deutsch:) Möchte meine Seele den Tod dieses Frommen sterben! Möchte mein Ende dem seinen gleichen! Silberstein, Lehrer."

  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Meier Frenkel (1879)
Dr. Meier Frenkel (geb. 1813 als Sohn von Rabbiner Eisemann Frenkel (siehe oben) und seiner Frau Täubchen, war seit 1839 verheiratet mit Hannchen Ballin aus Rotenburg a.d. Fulda. Er war der letzte Kreisrabbiner in Witzenhausen. 

Witzenhausen Israelit 15011879.jpg (203933 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1879: "Frankfurt am Main. Kaum ist die Trauerkunde von dem Hinscheiden des ehrwürdigen Rabbiner Wetzlar – seligen Andenkens – verhallt, so haben wir einen nicht minder schmerzlichen Verlust zu beklagen: Rabbiner Dr. Frenkel weilt nicht mehr unter den Lebenden. In seiner Bescheidenheit hat er jede Trauerrede, jeden Hesped untersagt, und nur den Wunsch ausgesprochen, dass seine Schüler und Freunde für ihn lernen mögen, umso mehr fühlen wir uns veranlasst, sein nur der Tora, dem Gottesdienst und der Wohltätigkeit gewidmetes Leben in möglichster Kürze zu skizzieren. Von seinen frommen Eltern schon frühzeitig dem Tora-Studium bestimmte, widmete er sich demselben mit allem Eifer und besuchte längere Zeit die Jeschiwa des berühmten Rabbiner Hirsch Kunreuther – seligen Andenkens – in Gelnhausen und dann die des nicht minder berühmten Rabbiner Jacob Ettlinger – seligen Andenkens – in Altona, damals noch in Mannheim, welchen beiden er ein vielgeliebter Schüler war und von denen er auch Hattarat Horaah (Rabbinerdiplom) erhielt. Um sich auch wissenschaftlich auszubilden, besuchte er sodann die Universität in Marburg. Aber auch dort wie in seinem ganzen Leben setzte er seine Tora-Studien folgt und hielt fest an einen streng religiösen Grundsätzen, was ihm große Entbehrungen auferlegte. Da er der dortigen Schechita kein Vertrauen schenkte, so verzichtete er während der ganzen Zeit seiner dortigen Aufenthalts auf warme Fleischkost, nur in dem benachbarten Amöneburg konnte er sich am Schabbat solche verschaffen. Nach seiner Geburtsstadt Witzenhausen zurückgekehrt, übernahm er dort das Kreisrabbinat und verwaltete dasselbe 37 Jahre lang mit seltener Berufstreue. - Erst als er daselbst durch den Wegzug verschiedener Familien keine genügende Wirksamkeit mehr fand, entschloss er sich, nach Frankfurt, wo seine Kinder sich inzwischen ansässig gemacht, überzusiedeln und sich lediglich dem Tora-Studium und guten Werken zu widmen. Schon in Witzenhausen verband ihn innige Freundschaft mit Rabbiner Wetzlar – seligen Andenkens – in Gudensberg, und vereint suchten sie den destruktiven Tendenzen verschiedener anderer kurhessischen Rabbinen entgegen zu wirken. Als beide nach Frankfurt übergesiedelt waren, verbanden sie sich umso inniger und blieben die treuen Berater ihrer kurhessischen Freunde, die fortfuhren, sich in allen religiösen Angelegenheiten an sie zu wenden. Nichts geschah in Kurhessen ohne ihre Mitwirkung, und wenn auch ohne weitere amtliche Stellung, so ist es doch ihrem vereinten Einflusse zu danken, dass mehrere tüchtige und religiöse Junge zu Rabbinern dort gewählt wurden und  
Witzenhausen Israelit 15011879b.jpg (151684 Byte)nun mit bestem Erfolg in ihrem Sinne wirken. In Frankfurt schlossen sich beide der Religionsgesellschaft an und wollten nichts weiter sein als einfache Baale Batim. Da Dr. Frenkels leidende Gesundheit ihm nicht den regelmäßigen Besuch der Synagoge gestattet haben würde; so errichtete er, um nie das öffentliche Gebet zu versäumen, ein Minjan in seinem Hause, dennoch besuchte er zuweilen, namentlich aber wenn gepredigt wurde, die Synagoge, wie er überhaupt mit Rabbiner Hirsch – sein Licht leuchte – auf freundschaftlichem Fuße stand. Es ist kaum zu sagen, mit welcher Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt er allen religiösen Pflichten nachkam und mit welchem Eifer er Mizwot (hier: Gelegenheiten, religiöse Pflichten zu erfüllen) aufsuchte, und wie sehr er bemüht war, Armen und Hilfesuchenden beizustehen und ihnen zu helfen. In Witzenhausen war er der Vater der Waisen aus der ganzen Umgegend, er ließ sie erziehen, nahm sie häufig in sein Haus auf, unterrichtete sie, sorgte für ihr weiteres Fortkommen, und seine Empfehlung begründete nicht selten ihr Lebensglück. In Frankfurt war es neben seinem Torastudium namentlich das unter Leitung des Herrn Dr. Plato stehende Lehrerseminar in Köln, früher in Düsseldorf, dem er als Mitglied des Kuratoriums wie als Kontribuent und als Sammler von Beiträgen große Dienste leistete, seiner mit bescheidener Liebenswürdigkeit vorgetragenen Bitte konnten auch ganz Indifferente die Zeichnung eines Beitrags nicht versagen. Schon einige Zeit schwer leidend, hatte er sich aufgerafft, um seinem Freunde Rabbi Mordechai Wetzlar die letzte Ehre zu erweisen und seine Leiche wenigstens eine kurze Strecke zu begleiten. Es sollte sein letzter Gang sein. Am Donnerstag hat man ihn unter Teilnahme einer großen Anzahl hiesiger und auswärtiger Verehrer, die rasch hierher geeilt waren, an die Seite seines teuren Freundes auf dem Friedhofes der israelitischen Religionsgesellschaft gebettet. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

      
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1902    

Witzenhausen Israelit 06021902.jpg (63246 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Februar 1902: "Die israelitische Gemeinde Witzenhausen (Hessen-Nassau) beabsichtigt per 1. April dieses Jahres einen seminaristisch gebildeten Lehre rund Vorbeter anzustellen. Anfangsgehalt 1.200 Mark nebst freier Wohnung. Anmeldungen bitte an den Vorstand der israelitischen Gemeinde baldigst einzureichen.  
Witzenhausen, 2. Februar 1902. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde."

  
70. Geburtstag von Lehrer Joel Silberstein (1865)

Witzenhausen Israelit 24051865.JPG (171216 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Mai 1865: "Witzenhausen (Kurfürstentum Hessen). Vor einigen Wochen feierte die hiesige Gemeinde ein seltenes Fest. Es beging dieselbe nämlich den 70. Geburtstag ihres nunmehr pensionierten Lehrers, des Herrn Joel Silberstein, der mehr als ein halbes Jahrhundert in ihrer Mitte lebt und nahe an 50 Jahre das heilige Lehramt mit steter Pflichttreue verwaltet hat. Der greise Jubilar zählt fast sämtliche männlichen Mitglieder und einen großen Teil der Frauen der Gemeinde zu seinen Schülern, die mit Innigkeit noch heute an ihm hangen und in ihm ihren würdigen Lehrer verehren. Am Morgen des Festes erschien denn auch eine Deputation der Gemeinde, bestehend aus dem ehrwürdigen Kreisrabbinen Dr. Frenkel nebst dem Vorstande, um ihrem früheren Lehrer – denn auch diese zählen zu seinen ehemaligen Schülern – namens der Gemeinde einen wertvollen, mit passender Inschrift versehenen Pokal nebst einer Adresse zu überreichen, welche die Verdienste des greisen Lehrers um die hiesige Gemeinde in angemessener Weise hervorhob und die Gefühle der Hochachtung und Verehrung, der Liebe und Hingebung schilderte, die seine ehemaligen Schüler noch jetzt ungeschwächt dem würdigen Jubilar bewahren. Tief gerührt von diesen Beweisen der Achtung und Liebe seitens seiner ehemaligen Schüler rang der greise Lehrer vergebens nach einem Worte des Dankes. Ein zu Ehren des Jubilars veranstaltetes Festessen, an dem sämtliche Gemeindeglieder teilnahmen, beschloss den schönen Tag, der dem Gefeierten sicherlich stets im Gedächtnisse bleiben und den Abend seines mühe- und sorgenvollen Lebens verschönern wird. Die erhebenden, von echter Gottesfurcht zeugenden Worte, die der würdige Rabbine Dr. Frenkel bei dieser Gelegenheit an den verehrten Lehrer gerichtet, werden gewiss nicht minder demselben unvergesslich bleiben und die Anhänglichkeit an die Gemeinde, in der er so segensreich wirkte und die Liebe zu seinen Schülern, deren geistige wie sittliche Bildung er stets zu seiner heiligsten Lebensaufgabe gemacht, in seinem Herzen niemals erlöschen. 
Wir aber möchten hierbei den Gemeinden Israels es laut und eindringlich entgegen rufen: Seid bemüht, ein Band der Liebe und Anhänglichkeit zwischen Euch und Euren Lehrern, denen ihr das Teuerste, Eure Kinder, anvertraut, zu flechten, bewahrt Euch einen dankbaren Sinn für ihr Wirken, dann, aber auch nur dann, wird es mit Israel immer besser werden."

  
Unklarheiten um die Zukunft der Schule der jüdischen Gemeinde (1901)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1901: "Aus dem Regierungsbezirk Kassel. Während eine größere Anzahl jüdischer Gemeinden die Errichtung eigener Elementarschulen erstreben, andere die Erhaltung derselben durch Aufwendung pekuniärer Opfer sich in anerkennenswerter Weise angelegen sein lassen, hat die jüdische Gemeinde in Witzenhausen ihre seit Jahren bestehende, von einer guten Lehrkraft geleitete Schule preisgegeben.   
Der Vorgang der sich hierbei abspielte, dürfte auch weitere Kreise interessieren. Witzenhausen ist ein Kreisstädtchen. Auf Grund des preußischen Besoldungsgesetzes von 1897 erhalten die Lehrer an den Volksschulen in Witzenhausen 1.200 Mark Grundgehalt. Der jüdische Lehrer erhielt aber nur 1.000 Mark und bemühte sich vergebens, eine Gleichstellung mit den übrigen Lehrern herbeizuführen. Die Gemeinde blieb Siegerin. die Königliche Regierung in Kassel erblickte in der 'Nichtgleichstellung' des jüdischen Lehrers mit den christlichen eine Härte und gewährte mit Genehmigung des Herrn Ministers, eine Staatsbeihilfe von 200 Mark pro Jahr. Das genügte dem Vorstande der jüdischen Gemeinde nicht, weil die Staatsbeihilfe unter der Bedingung des Widerrufes gegeben wurde, und das Anerbieten der Königlichen Regierung wurde abgelehnt. Kommentar überflüssig. Der Herr Regierungsrat hat in gerechter Entrüstung über dieses Gebaren die Auflösung der Schule in sichere Aussicht gestellt. 
In Witzenhausen wirkte Jahrzehnte lang der durch sein Wohl tun weit bekannte Rabbiner Dr. Fränkel seligen Andenkens. Solche Vorkommnisse zeugen leider von dem Rückgange der religiösen Gesinnung auf dem Lande und geben Veranlassung zu ernsten Besorgnissen um die Erhaltung unserer Heiligen Wahrheit."   
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1901: "Witzenhausen, 5. Juni (1901). Der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde schreibt uns: 
'Es ist nicht richtig, dass die israelitische Gemeinde in Witzenhausen ihre Schule preisgegeben hat, die Gemeinde hofft im Gegenteil, dass ihre Schule noch recht lange erhalten bleibt. Sollte die Regierung dennoch wegen der augenblicklichen geringen Schülerzahl uns die gute Lehrkraft wegnehmen, so wurde die Gemeinde solches außerordentlich bedauern, obgleich man dem Herrn Lehrer allseitig ein besseres Fortkommen wünscht."       
   
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1901: "Aus dem Regierungsbezirk Kassel. Wie uns von durchaus zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, entspricht das in Nr. 42 des 'Israelit' mitgeteilte Vorkommnis der vollen Wahrheit. Nicht nur wegen der geringen Schülerzahl - es gibt in Hessen an Zahl noch kleinere Schulen - sondern wegen des unerklärlichen Benehmens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Witzenhausen der Königlichen Regierung gegenüber, hat diese die Auflösung der Schule, welche eine der ältesten Hessens ist, in sichere Aussicht gestellt. Bemerkt sei noch, dass die Gemeindeältesten das Anerbieten der Königlichen Regierung, mit der vom Herrn Minister bereitwilligst gewährten Staatsbeihilfe von 200 Mark das Grundgehalt des jüdischen Lehrers mit dem der christlichen gleichzustellen, zurückgewiesen haben, ohne vorher die Gemeinde zu befragen, worüber ein Teil der Gemeinde sehr entrüstet ist. Die Bemerkung des Synagogenvorstandes zu Witzenhausen in Nr. 45 dieses Blattes, welche sich auf die bevorstehende Versetzung des Stelleninhabers bezieht, ist doch nur der Ausdruck der Verlegenheit. Wer sich einmal in eine Sackgasse verrannt hat, kommt so leicht nicht wieder heraus.  
(Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Witzenhausen hat nunmehr wieder das Wort. Redaktion des 'Israelit')."       

          
Die Israelitische Volksschule erhält einen Unterhaltungszuschuss von der Stadt (1921)

Witzenhausen AZJ 25111921.jpg (24151 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. November 1921: "Die Stadtverordneten Witzenhausens bewilligten einen Zuschuss in Höhe von jährlich 5.000 Mark zur Unterhaltung der dortigen israelitischen Gemeindevolksschule."

  
25jähriges Jubiläum von Lehrer Hugo Blumenfeld (1928) 

Witzenhausen Israelit 07061928.jpg (23551 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Witzenhausen, 20. Mai (1928). Sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte Herr Lehrer H. Blumenfeld. 15 Jahre wirkte er in Frankenau, 5 Jahre dahier, die übrige Zeit in Westfalen, Überall genoss er das Vertrauen seiner Gemeinden."

     
Wissenschaftlichee Beiträge von Lehrer J. Popper in Witzenhausen (1937) 

Witzenhausen Israelit 07051937.jpg (110088 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Über die Paitanim mit besonderer Berücksichtigung Elasar Hakalirs
Von J. Popper, Lehrer in Witzenhausen..." 
Da der sich über mehrere Ausgaben des "Israelit" erstreckende Beitrag nicht in direktem Zusammenhang mit der jüdischen Geschichte in Witzenhausen steht, wird er hier nicht abgeschrieben. 
  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1937: "Nochmals: Die Pijutim. 
Die Frage, in welcher Weise die Piutim in die Sabbat- und Festgebete usw. eingereiht worden sind, ist bedeutsam genug, einige Erörterungen an die Einsendung des 'L' in Nr. 23 dieser Blätter zur Aufklärung zu knüpfen. Gewiss ist der Bericht des Rabbi Jehudo ben Barsolai hanossi aus Barcelona zutreffend, dass diese Dichtungen aus einer Zeit stammen, da infolge von Judenverfolgungen halachische und midraschische Vorträge beim Gottesdienst verboten waren und man daher (ähnlich wahrscheinlich wie die Entstehung der Haftora) besondere Gebetstücke mit entsprechendem Inhalte verfasst und eingeführt habe....
J. Popper, Witzenhausen." 
Auch dieser Artikel wird nicht weiter ausgeschrieben, da er keine direkten Bezüge zur jüdischen Geschichte in Witzenhausen enthält. Bei Interesse: zum Lesen bitte Textabbildung anklicken. 

  
      
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
75jähriges Bestehen des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins (1908)  

Witzenhausen Israelit 27081908.jpg (36433 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1908: "Witzenhausen, 15. August (1908). Dieser Tage feierte der hiesige ‚Israelitische Wohltätigkeitsverein’, dem fast sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde angehören, das Fest seines 75jährigen Bestehens. Das Fest wurde durch einen Festgottesdienst mit Predigt eingeleitet. Ein Festessen mit Bankett beschloss die in allen Teilen schön verlaufene Feier."  


700-Jahr-Feier der Stadt Witzenhausen unter Beteiligung der jüdischen Gemeinde (1925)  

Witzenhausen JuedlibZtg 21081925.jpg (126898 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 21. August 1925: "Witzenhausen. Die hiesige Stadt beging in den Tagen vom 15. bis 18. August die Feier des 700jährigen Bestehens, an der auch die jüdischen Einwohner lebhaften Anteil nahmen. In der Geschichte der kurhessischen Juden hat Witzenhausen eine wichtige Rolle gespielt, weil dort der Sitz des Landrabbinats war und namhafte Gelehrte aus ihr hervorgegangen sind. Im 18. Jahrhundert erfolgte die Verlegung des Landrabbinats nach Kassel. Besondere Bedeutung erlangte aber der hiesige Ort durch die jüdische Landesuniversität, wie die hier errichtete Jeschiwa genannt wurde. Bemerkenswert ist, dass alle steuerzahlenden Israeliten Hessens zur Bestreitung der Kosten für die Talmudschule verpflichtet waren, und dass der auf diese Weise gesammelte Talmud-Torafonds, der wie vieles andere in der Inflationszeit wertlos wurde, religiösen Bildungszwecken nutzbar gemacht wurde. Interessante Einzelheiten über Einrichtung der Schule und Unterbringung der Zöglinge teilt Lehrer Horwitz, Kassel, in einer Spezialabhanglung mit, deren Angaben dem ‚Konstitutenbuch der althessischen Judenschaft’ entnommen sind. Der innige Kontakt, der zwischen den Bekennern aller Bekenntnisse hier herrschte, kann auch heute noch erfreulicherweise festgestellt werden. Kommerzienrat Wertheim aus Kassel, der hier geboren wurde, hat durch ein Geldgeschenk von 1.000 Mark seine Anhänglichkeit an die alte Heimat bewiesen."  

 
Überfall jüdischer Jugendlicher durch Schüler der staatlichen Kolonialschule in Witzenhausen (1932)  

Witzenhausen Israelit 27101932.jpg (100668 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1932: "Der Überfall auf das Lager des Brith Haolim in Wendershausen (sc. Stadtteil von Witzenhausen) vor dem Reichsgericht
Leipzig, 24. Oktober (1932). In der Nacht zum 5. August wurden Teilnehmer des Jüdischen Wanderbundes ‚Brith Haolim’ von etwa 30 bis 40 Nationalsozialisten, die zum größten Teil Schüler der staatlichen Kolonialschule zu Witzenhausen waren, überfallen. Durch die entschlossene Abwehr der Mitglieder des ‚Brith Haolim’ wurden die Angreifer in die Flucht geschlagen. In erster Instanz (Schöffengericht) wurden 5 Angeklagte wegen Landfriedensbruchs zu vier Monaten Gefängnis, einer wegen Vergehens des Waffenmissbrauchs zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt und zwei freigesprochen. Gegen dieses Urteil legten die Angeklagten sowie der Staatsanwalt Berufung ein. Die Große Strafkammer des Landgerichts in Kassel verwarf in ihrer Verhandlung im April 1932 die Berufung der 5 Angeklagten, verurteilte die in erster Instanz freigesprochenen zwei Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis und ändere die Strafe wegen Waffenmissbrauch von 50 Mark in drei Monate Gefängnis um. Das Reichsgericht zu Leipzig bestätigte am 12. Oktober dieses Urteil."  

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod eines Kriegsveteranen (1875)  

Witzenhausen Israelit 24031875.jpg (107017 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1875: "Witzenhausen (Provinz Hessen). Heute fand hier eine seltene Feierlichkeit statt. Ein israelitischer Veteran, dem es vergönnt gewesen, nach Beendigung der Freiheitskriege 1813 mit den siegreichen Deutschen in Frankreich einzuziehen, wurde zu Grabe getragen. Unter den ergreifenden Klängen eines Trauermarsches, intoniert von der Kapelle des 83. Linienregiments und unter Vorantritt der Mitglieder des Kriegervereins bewegte sich der Zug, gefolgt von vielen Bürgern der hiesigen Stadt nach dem Friedhofe. Hier ergriff – vom israelitischen Gemeindevorstande darum ersucht – Herr Dr. Silberstein, Bezirksrabbiner zu Mühringen in Württemberg, der gerade besuchsweise hier anwesend, das Wort, um in ergreifender, schwungvoller Rede den Gefühlen der so zahlreich Anwesenden Ausdruck zu geben. Der Redner nahm hier besonders Gelegenheit, die Errungenschaften einer lichtvolleren Zeit hervorzuheben, die sich nicht besser bekundeten, als wenn, wie heute Deutschlands Krieger, fern von jedem religiösen Vorurteile, ihrem israelitischen Mitbruder auf eine so feierliche Weise ihre Achtung und Liebe bekundeten. Drei Ehrensalven über das geöffnete Grab beschlossen die Feier.     
Welch tiefen Eindruck die ganze Feier gemacht, geht wohl aus dem Umstande hervor, dass derselbe in der Chronik der Stadt eines Weiteren Erwähnung getan worden ist."

  
Spendenaufruf für den Kaufmann Noa Gans (1884)  

Witzenhausen Israelit 12061884.jpg (87479 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1884: "Aufruf
Am 10. März dieses Jahres starb plötzlich der frühere Kaufmann Noa Gans. Seine hinterlassene Familie, aus Frau und 9 Kindern in dem Alter von 4-18 Jahren bestehend, befindet sich in einer so traurigen Lage, dass auch nicht die geringsten Existenzmittel für dieselbe vorhanden sind. Vier der älteren Kinder sind soweit untergebracht, nun aber hat die Frau, die ganz erwerbslos ist, noch für 5 Kinder so sorgen. Ohne Nahrung. Die hiesige Gemeinde ist gering und kann wenig tun. Ich bitte daher freundlichst um milde Beiträge, um der Frau ein kleines Kapitel zuzuführen, welches ihr ermöglicht, ein kleines Geschäft zu gründen, um ihre Kinder vor Not und Elend zu sichern. 'Wer einen Menschen rettet..." Es könnte hier eine große Mizwa (Befolgung eines göttlichen Gebotes) geschehen, denn es würde dadurch eine Familie, die noch ärmer als arm, gerettet werden. 
Witzenhausen, Regierungsbezirk Kassel. J. Brandes, israelitischer Lehrer. 
Wir sind gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern. Die Expedition des ‚Israelit’."  

 
Zum Tod von Moses Frenkel (1909)  

Witzenhausen FrfIsrFambl 31121909.jpg (80530 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Dezember 1909: "Frankfurt am Main. Kurz vor seinem 70. Geburtstag verschied Herr Moses Frenkel, eine Zierde unserer Orthodoxie in seiner Frömmigkeit, seiner Selbstlosigkeit und seiner Bescheidenheit. Jahrelang gehörte er dem Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft und dem Synagogenkomitee dieser Gemeinde an und war bis zuletzt eines der tätigsten Mitglieder der Kippe (Wohltätigkeitsverein), der Verwaltung des Versorgungshauses und des Schulrates der Israelitischen Volksschule. Von seiner Bescheidenheit legt sein Wunsch, dass an seinem Grabe nicht gesprochen werde, ein schönes Zeugnis ab.     
Der Verstorbene wurde zu Witzenhausen als Sohn des Rabbiners Frenkel geboren."  

   
Zum Tod des aus Witzenhausen stammenden Stadt- und Bezirksrabbiners Dr. Michael Silberstein (1910)  

Witzenhausen AZJ 281011910.jpg (371952 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1910: "Wiesbaden, 20. Oktober (1910). Am Abend des Versöhnungstages entschlief infolge einer Arterienverkalkung im 76. Jahre seines Lebens der seit nunmehr zwei Jahren emeritierte Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein. Als Sohn eines Lehrers am 1. November 1834 in Witzenhausen, Bezirk Eschwege, geboren, wurde der Verewigte zunächst zum Kaufmannsstande bestimmt. Sein ideales Streben aber ließ ihn in diesem Berufe nicht die wahre Befriedigung finden, sodass es ihm gestattet wurde, im Jahre 1850 die eben erst begründete Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover zu beziehen, welche er nach dreijährigem besuche mit einem geradezu glänzenden Zeugnis verließ. Sein rastloser Bildungsdrang führte ihn nach zwei Jahren schon nach Berlin, wo er bis zum Jahre 1858 theologischen und philosophischen Studien oblag. Die Veitel Ephraimsche Stiftung war die Stätte, an der er sich zum Rabbiner heranbildete und die Universität der Born seiner profanen Bildung. Sein Vorbild und Lehrer war der Altmeister Dr. Michael Sachs seligen Andenkens, dessen Bild in seinem Arbeitszimmer an hervorragender Stelle zu sehen ist, und der Oberrabbinat Aub. Leopold Ranke weckte und förderte seinen historischen Sinn. Als der Verblichene im Jahre 1858 seine Studien mit gutem Erfolge beendigt hatte, nahm er eine erste Stellung als Lehrer in Pleschen an, wurde aber schon nach kaum anderthalb Jahren 1860 als Rabbiner nach Lyck (Ostpreußen) berufen. Hier wusste er durch sein mannhaftes Auftreten in der Öffentlichkeit unserer Glaubensgenossenschaft Anerkennung und Beachtung zu verschaffen. Nach achtjähriger, segensreicher Wirksamkeit siedelte er dann 1868 nach Württemberg über. Im Jahre 1874 wurde er nach Mühringen im Schwarzwald versetzt, wo er bis 1885 wirkte. 1869 berief die württembergische Regierung eine Delegiertenversammlung zwecks Beratung eines Verfassungsentwurfs für die israelitische Glaubensgemeinschaft. Silberstein, als geistliches Mitglied dieser Kommission, trat damals mit einem längeren Exposé vor das Plenum und hatte die Genugtuung, dass seine Vorschläge fast sämtlich angenommen wurden. Die Hochachtung und Wertschätzung, die sich der Verblichene durch sein mannhaftes würdiges Auftreten sowohl, wie durch den Glanz seiner Beredsamkeit erwarb, erreichte durch seine Rede am Grabe Berthold Auerbachs ihren Höhepunkt. Damals wurde Dr. Silberstein in der breitesten Öffentlichkeit bekannt, und als der Rabbinatssitz in Wiesbaden vakant wurde, berief man den gefeierten Mann in unsere Bäderstadt. Hier wirkte er in einer ununterbrochenen fast 25-jährigen Tätigkeit für das Wohl der Juden Wiesbadens, derer seines Bezirks wie auch der jüdischen und außerjüdischen Allgemeinheit. Wiesbaden hat sich in den letzten Jahren zu Großstadt entwickelt und die jüdische Gemeine ist auf dem besten Weg, eine Großgemeinde zu werden. Wenn die Institutionen mit der Entwicklung gleichen Schritt gehalten haben, so ist dies ein Hauptverdienst des Entschlafenen. Ihm ist zu danken: die Gründung des Israelitischen Unterstützungsvereins, des Israelitischen Waisenfonds, der Gemeindebibliothek usw. Besondere Fürsorge widmete er den Bestrebungen der Alliance und des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Hier hat er vor einigen Jahren eine größere Stiftung zwecks Unterstützung jüdischer Studierender, die Dr. Michael und Rebekka Silberstein-Stiftung errichtet und sich dadurch unsterblich gemacht. Die Haupttätigkeit des Entschlafenen war der jüdischen Schule und deren Lehrer gewidmet. Hier zeigte er so recht sein Können und sein Herz. Auch als geistreicher Schriftsteller ist der Entschlafene weit bekannt geworden. Seine Schriften beziehen sich auf das Gesamtgebiet des jüdischen Wissens, Lebens und Unterrichtes. In seinen Bestrebungen wurde Dr. Silberstein durch seine Gemahlin wacker unterstützt und gefördert. Sie ist ihm im Tode um kaum fünf Wochen vorausgegangen. Die beiden Gatten führten eine geradezu ideale Ehe in ihrem gemeinsamen Schaffen und Streben. Der hohen Bedeutung Dr. Silbersteins entsprach seine Wertschätzung, welche gelegentlich seines 70. Geburtstages so recht zum Ausdruck kam. Vorstände, Korporationen sowie auch viele Private wetteiferten damals in Darbringung von Ovationen. Seine Majestät verlieh ihm den roten Adlerorden IV. Klasse. Die am Sonntag, 16. Oktober, stattgehabte Beerdigung gab abermals den Beweis der großen Wertschätzung für den Verblichenen. Die Kultusgemeinde ließ es sich nicht nehmen, die Leiche ihres Seelsorgers nochmals an die Stätte seiner Wirksamkeit zu führen. Eine stattliche Versammlung, bei der auch die staatlichen und kommunalen Behörden vollzählig vertreten   
Witzenhausen AZJ 281011910a.jpg (146462 Byte)waren, erfüllte das herrliche Gotteshaus in allen seinen Räumen. Im Mittelpunkt der Trauerfeier in der Synagoge Michelsberg, eingeleitet durch Orgelpräludium und weihevolle Gesänge des Synagogenchors, stand die glänzende Leichenrede der Stadt- und Bezirksrabbiners Dr. Kobers, des Nachfolgers des Entschlafenen. Der Redner sprach über die Versöhnlichkeit, den Hauptcharakterzug des Verklärten und gab ein umfassendes Lebensbild des Dahingeschiedenen. Es sprachen außerdem die Herren Simon Heß im Namen der Kultusgemeinde Wiesbaden, Rabbiner Dr. Salfeld – Mainz für die für den Rabbinerverband sowie für den liberalen Rabbinerverband, Dr. Landau – Weilburg für die nassauischen Bezirksrabbiner, Dr. Goldschmidt – Offenbach als Freund und Kollege, Benedikt Strauß für den Synagogen-Gesangverein, Oberkantor Nussbaum im Namen des Vereins israelitischer Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau, deren Ehrenpräsident der Verstorbene war und Lehrer Capell im Namen der Lehrer des Bezirks Wiesbaden. Nach ergreifendem Gesang des Oberkantors Nussbaum wurde der Sarg von Lehrern an den Wagen getragen, und in langem Zuge folgte die Gemeinde. Am Grabe sprach noch Rabbiner Dr. Weingarten – Ems einige herzliche Abschiedsworte – darauf ergriff Rabbiner Dr. Kober nochmals das Wort, um dem Entschlafenen den Dank des  D.J.G.B. (Deutscher jüdischer Gemeindebund) und der A.J.U. auszusprechen. Zuletzt gedachte der Redner in danken Worten der Gründung des Waisenfonds durch den Dahingeschiedenen und sprach ihm für alle Liebe und väterliche Führung seinen persönlichen Dank aus. So schloss sich denn das Grab über der irdischen Hülle eines edlen Mannes, dessen Andenken da, wo er gewirkt, unvergessen bleiben wird. – Auch wir werden dem Verblichenen, der ein fleißiger Mitarbeiter unserer Zeitung war, ein treues Gedenken bewahren. Die Redaktion."        

 
25jähriges Jubiläum von Markus Wallach als Gemeindeältester (1913)  

Witzenhausen Frf IsrFambl 22081913.jpg (15444 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 22. August 1913: "Witzenhausen. Markus Wallach feierte letzten Samstag sein 25-jähriges Jubiläum als Ältester der Synagogengemeinde". 

  
Goldene Hochzeit von Markus Wallach und Fanny geb. Nußbaum (1927)  

Witzenhausen Israelit 04081927.jpg (31942 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1927: "Witzenhausen, 24. Juli (1927). Heute feierte der Gemeindeälteste Markus Wallach und Gemahlin Fanny geb. Nussbaum in größter Frische die goldene Hochzeit. Der Jubilar bekleidet seit fast 40 Jahren das Amt des Gemeindeältesten. Wallach ist stets der erste beim Gottesdienst in der Synagoge."

  
80. Geburtstag von S. Nußbaum (1928)  

Witzenhausen Israelit 01031928.jpg (34305 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1928: "Witzenhausen, 20. Februar (1928). Seinen 80. Geburtstag begeht heute Herr S. Nussbaum in seltener Rüstigkeit und Geistesfrische. Seit 40 Jahren steht er im Dienste der Gemeinde und ist als Kreisvorsteher tätig. Er ist ebenfalls Gründer und Leiter des hiesigen Literaturvereins und steht mehr als 25 Jahre an der Spitze des Vereins."

  
25jähriges Jubiläum von Levi Trepp als Gemeindeältester (1928)   

Witzenhausen Israelit 07061928a.jpg (19927 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Witzenhausen, 20. Mai (1928). Sein 25-jähriges Jubiläum als Gemeindeältester feierte Herr Levi Trepp hier, der sich bei seiner vorgesetzten Behörde und seiner Gemeinde des besten Ansehens erfreut."  

  
85. Geburtstag von Meier Lomnitz (1928)    

Witzenhausen Israelit 15111928.jpg (26820 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1928: "Witzenhausen, 4. November (1928). Seinen 85. Geburtstag beging heute Herr Meier Lomnitz, das älteste Mitglied der hiesigen Gemeinde. Trotz seines hohen Alters und verminderter Sehkraft geht er noch seinen Geschäften nach."   

    
  
Weitere Dokumente 

Anzeigen und Briefe       

Umschlag eines Briefes (aus der 
Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Kitzingen Dok 0150.jpg (107964 Byte) Kitzingen Dok 0150a.jpg (114395 Byte)
   Briefumschlag eines Schreiben der (jüdischen) Weingroßhandlung Frank & Cie in Kitzingen. Der Brief wurde am 18. Februar an M. Katz in Witzenhausen geschickt.  
       


  

   
Zur Geschichte der Synagoge     
  
Eine erste Synagoge wurde 1622 erbaut. 
 
Bei einem großen Stadtbrand in Witzenhausen (1809) wurden auch die Synagoge und das Schulgebäude der Talmud-Toraschule zerstört. 1810 konnte ein neues Synagogengebäude erstellt werden. Charakteristisch für die Synagoge war ein kleiner Turm auf der Dachspitze. 1842 wurde neben der Synagoge ein Schulgebäude erstellt.   
In einer Beschreibung der Synagoge von 1906 heißt es: "(Die Synagoge in Witzenhausen) ist durch die klare klassische Einfachheit des Grundrisses bemerkenswert. Die Anordnung ist eine durchaus symmetrische. Almemor und im Osten der Aron Hakodesch in einer Achse, seitlich davon das Gestühl, die Empore an drei Seiten... Eine schlichte Einfachheit ist innen und außen zu finden. Ein Baldachin, der über dem Allerheiligsten... steht, ist wegen der sechs mit Palmenkapitel geschmückten Holzstützen bemerkenswert. Die Frauenemporen sind von dem an einer Ecke anstoßenden Schulhaus zugänglich, getrennt von denen der Männer: Die Absonderung wird noch dadurch charakterisiert, dass auf der Brüstung der Frauenempore ein hübsches Holzgitter aufgesetzt ist." 
   
Opferstock in der Synagoge in Witzenhausen (1908)

Witzenhausen Israelit 02071908.jpg (38089 Byte)Die Abbildung fand sich in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1908. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge bereits am Abend des 8. November 1938 geschändet und völlig demoliert. Am Abend des 9. November wurde sie niedergebrannt.   
 
Bereits 1946 wurde am Platz der Synagoge (Park des Stadtkrankenhauses) ein Gedenkstein aufgestellt mit der Inschrift: "Nach unmenschlichen Grausamkeiten mussten 55 Männer, Frauen und Kinder der jüdischen Gemeinde Witzenhausen in Konzentrationslagern ihr Leben lassen. An dieser Stätte fiel am 9.11.1938 die Synagoge dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer."  Der Gedenkstein wurde 1951 auf den jüdischen Friedhof an der Fährgasse versetzt, wo er seitdem geblieben ist. Ein später errichteter kleiner Gedenkstein zur Erinnerung an die Synagoge steht heute im Bereich des Grundstückes des ehemaligen, nicht mehr bestehenden jüdischen Schul-/Gemeindehauses, nicht im Bereich des Synagogengrundstückes.      
    
Adresse/Standort der Synagoge  Gelsterstraße 18, daneben war das Synagogendienerhaus in der Gelsterstraße 16.   
   
     

Fotos
(Quelle: obere Fotozeile links: Arnsberg Bilder S. 207; obere Fotozeile rechts: Stadtarchiv Witzenhausen; zweite Fotozeile: Kollmann / Wiegand s.Lit. S. 26.53.112; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 28.4.2011)   

Die Synagoge Witzenhausen Synagoge 010.jpg (74827 Byte) Witzenhausen Synagoge 190.jpg (150419 Byte) 
   Die 1810 erbaute Synagoge in Witzenhausen
 hatte einen kleinen Turm auf der Dachspitze
  Foto der 
Synagoge 1928
     
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   Grundriss der Synagoge mit Toraschrein (1),
 Almemor und Eintragung der dreiseitigen
 Frauenempore (3)
Die zerstörte Synagoge 
am 8. (!) November 1938 
  (Foto rechts: Stadtarchiv Witzenhausen)
        
Das Synagogendienerhaus 
bei der Synagoge 
(Fotos: Stadtarchiv Witzenhausen) 
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  Auf dem linken Foto ist rechts der Synagoge das Synagogendienerhaus 
Gelsterstraße 16 zu sehen; auf dem rechten Foto ist die Demolierung auch 
dieses Hauses am 8. (!) November 1938 festgehalten.  
     
Das Denkmal für die Synagoge 
von 1946, seit 1951 im Friedhof 
der Gemeinde 
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    Hebräischer Text: Jüdisches Gebet "El Male Rachamim...", darunter: "An dieser Stätte fiel am 9.11.1938 die Synagoge dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer" sowie
"Nach unmenschlichen Grausamkeiten mussten 55 Männer, Frauen und Kinder der jüdischen Gemeinde Witzenhausen in Konzentrationslagern ihr Leben lassen." 
        
Das Denkmal beim 
Grundstück des nicht mehr 
bestehenden jüdischen 
Schul- / Gemeindehaus
Witzenhausen Synagoge 170.jpg (180760 Byte) Witzenhausen Synagoge 171.jpg (198134 Byte)
  Der Gedenkstein mit der Inschrift: "Hier stand bis zum Jahre 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde Witzenhausen" steht im Bereich des Grundstückes des nicht mehr bestehenden jüdischen Schul-/Gemeindehauses (Adresse ungefähr Steinstraße 22). Die Synagoge war an anderer Stelle in der Gelsterstraße, im Hintergrund jeweils Gebäude des Klinikums Witzenhausen (Adresse Steinstraße 18-26). 
     
Andernorts entdeckt: auf dem 
jüdischen Bergfriedhof 
in Heidelberg
Heidelberg Friedhof 209124.jpg (125480 Byte)  
  Grabstein für Selma Lichtenthal 
geb. Kugelmann (geb.1900 in Witzenhausen -
 gest. 1974 in Heidelberg, "fern ihrer 
Heimat in Israel")
 
     

        

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Oktober 2009 - "Stolpersteine" - auch in Witzenhausen? 
Artikel von Stephan Strotkötter in der "Hessischen Allgemeinen" vom 4.10.2009 (Artikel):      
"Stolpersteine erinnern an jüdische Bürger. Initiative will Projekt in Witzenhausen verwirklichen
Witzenhausen.
In Eschwege gibt es sie schon, jetzt sollen sie auch nach Witzenhausen kommen: Stolpersteine gegen das Vergessen, die an die deportierten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt erinnern. 
"Ziel des Projektes ist es, den Menschen wieder einen Platz in ihrem alten Wohnort zu geben, sie aus der Vergessenheit zu holen", sagen Peter-Paul Klinger und Danielle Feigenbaum von der Stolperstein-Initiative Witzenhausen. "Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele Witzenhäuser unser Anliegen unterstützen." Unterstützung erhofft sich die Initiative auch von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung. 
Das Erinnerungsprojekt "Stolpersteine" hat der Kölner Künstler Gunter Demnig 1993 ins Leben gerufen. Die Stolpersteine gegen das Vergessen sind goldfarbene Pflastersteine. Sie werden in den Bürgersteig vor der letzten selbstgewählten Wohnstätte eingelassen. Sie sollen nicht nur an jüdische Bürger, sondern auch an andere Opfer des NS-Terrors wie Sinti und Roma, Homosexuelle und Zeugen Jehovas erinnern. In Witzenhausen nahm die Zahl der jüdischen Bürger seit dem 17. Jahrhundert beständig zu. 1924 bestand die jüdische Gemeinde aus 134 Personen. In Folge des Erstarkens der Nationalsozialisten, wurden sie mehr und mehr ausgegrenzt, ihrer Rechte beraubt, vertrieben und verfolgt. 1941/42 wurden die letzten 55 jüdischen Bürger der Stadt in Konzentrationslager deportiert und ermordet. 
Kontakt: Peter-Paul Klinger, Tel: 05542 507616, E-Mail  -   Danielle Feigenbaum, Tel: 05542 5465, E-Mail   
 
Dezember 2011: Presseartikel zur Erinnerung an die jüdische Geschichte in Witzenhausen  
Artikel von Matthias Roeper in der "Hessischen / Niedersächsischen Allgemeinen" (HNA.de) vom 5. Dezember 2011: "1414  zog der erste jüdische Mann nach Witzenhausen - er hieß Heinemann. Acht Gulden für die Stadt.  
Witzenhausen. Mit drei Transporten wurden die noch verbliebenen 59 jüdischen Mitbürger am 8. Dezember 1941 (43 Personen), am 7. (15 Personen) und am 24. September 1942 (eine Person) zuerst nach Kassel, dann nach Riga und Theresienstadt und von dort in die Vernichtungslager deportiert..."  
Link zum Artikel     
 
Hinweis auf die aktuelle Forschungsarbeit von Manfred Baumgardt (eingestellt November 2010)    
Der aus Witzenhausen stammende Dipl.-Pol. Manfred Baumgardt erforscht seit ungefähr drei Jahren u.a. anhand von Akten des Stadtarchives Witzenhausen die jüdische Geschichte von Witzenhausen. Es ist nach Abschluss der Arbeiten an eine Publikation der Forschungsergebnisse gedacht. Manfred Baumgardt ist dankbar für die Mitteilung oder Zusendung von Erzählungen, Berichten und Dokumenten (von Zeitzeugen oder Nachkommen jüdischer Familien der Stadt), die für seine Arbeit von Interesse sein können. 
Kontaktadresse: Manfred Baumgardt  Großbeerenstr. 90  10963 Berlin  Tel.: 030-2512735  E-Mail bzw. Manfred.Baumgardt[et]online.de        
  
 

 

    
   
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Witzenhausen  

Seite beim Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS) zum Monument zum Gedenken an die zerstörte Synagoge und die ermordeten Juden aus Witzenhausen mit Kurzbiografien zu den genannten jüdischen Personen  

Literatur:  

Germania Judaica III,2 S. 1665. 
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 408-412.   
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 207.  
Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994, auch nicht in Neubearbeitung der beiden Bände 2007.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirk Gießen und Kassel. 1995 S. 237-238.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 475-477.    
Spuren Lit 010.jpg (37810 Byte)Karl Kollmann / Thomas Wiegand: Spuren einer Minderheit. Jüdische Friedhöfe und Synagogen im Werra-Meissner-Kreis. Hrsg. von der Historischen Gesellschaft des Werralandes. Kassel 1996. S. 108-112 u.ö.
Anke Schwarz: Jüdische Gemeinden zwischen bürgerlicher Emanzipation und Obrigkeitsstaat. Studien über Anspruch und Wirklichkeit jüdischen Lebens in kurhessischen Kleinstädten im 19. Jahrhundert. Hrsg. von der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen. Bd. XIX. 2002.
Albrecht Eckhardt / Herbert Reyer: Die jüdischen Gemeinden in Witzenhausen und Hebenshausen. Unveröffentlichtes Manuskript bei der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.  
Egelsbach usw Lit 020.jpg (149631 Byte)Andrea von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel. Geflohene Frauen erzählen ihr Leben. Gütersloher Verlagshaus 2011.  
In diesem Buch findet sich S. 156-164 die Lebensgeschichte von Shoshanna Friedländer, geboren als Susi Katz am 7. Oktober 1930 in Witzenhausen, lebt 2011 in Beit Yitzhak / Israel.    
    

       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Witzenhausen Hesse-Nassau. The community opened a synagogue in 1622 and then became the seat of a chief rabbinate between 1665 and 1772. Its first incumbent, Mordekhai Suesskind Rothenburg, founded the duchy's only yeshiva; Moses Witzenhausen-Fraenkel, a district rabbi, served as advisor to the head of Westphalia's consistory (1807-13). After building a new synagogue in 1810, the Jews converted their talmud torah into an elementary school in 1863. They numbered 201 (6 % of the total) in 1871. Originally peddlers and petty trades, they now owned stores and factories and participated in civic affairs. The community, which was affiliated with Kassel's rabbinate, still numbered 134 (3 %) in 1925 but closed its Jewish school in 1933. Shortly after Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was burned down and 49 Jews emigrated. In all, 55 deportees perished in the Holocaust.   
   

  

                   
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Stand: 05. Mai 2012