Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mainz Siegel 03.jpg (35028 Byte)  

   
Mainz (Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz) 
Jüdische Geschichte / Synagogen 

 

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Jüdische Gemeinde Mainz. Konto-Nr. 2244010 bei der Mainzer Volksbank BLZ 551 900 00. 
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Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagogen in Mainz  
Mittelalterliche Synagogen  
Die Synagogen im 16./17.Jahrhundert   
Die Synagogen des 18. Jahrhunderts   
Die 1853 eingeweihte Hauptsynagoge der "Israelitischen Religionsgemeinde"   
Die orthodoxen Betsäle/Synagogen der "Israelitischen Religionsgesellschaft"   
Die polnisch-orthodoxe Synagoge   
Die 1911/12 erbaute Hauptsynagoge der "Israelitischen Religionsgemeinde"         
Der Betsaal 1938/40   
Die Synagogen nach 1945       
Fotos / Darstellungen
Aktuelle Berichte: auf dem Weg zum Bau der neuen Synagoge in Mainz siehe weitere Seite    
Links und Literatur   

          

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

Mittelalter. In Mainz bestand eine bedeutende jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter (eine der drei SchUM-Gemeinden nach den Anfangsbuchstaben der Städten Speyer, Worms und Mainz). Möglicherweise gab es bereits zu römischen Zeiten eine jüdische Niederlassung in der Stadt. Die Entstehung der mittelalterlichen Gemeinde geht in die Zeit Mitte des 10. Jahrhunderts zurück. Unter anderem ließen sich noch vor der Jahrtausendwende Vertreter der berühmten jüdischen Familien Kalonymus aus Lucca/Italien in der Stadt nieder. Ein Angehöriger dieser Familie soll Kaiser Otto II. nach der Schlacht von Cotrone i.J. 982 das Leben gerettet haben. Aus der Kalonymus-Familie entstammten mehrere Gelehrte und Leiter der Mainzer jüdischen Gemeinde. Viele andere jüdische Gelehrte werden bereits im 10./11. Jahrhundert genannt (u.a. Rabbi Gerschom bar Jehuda). Eine erste Verfolgung traf die Gemeinde 1012. 1084 wurde bei einem Brand das jüdische Wohnviertel (im nordwestlichen Bereich der Altstadt gelegen, von der heutigen Betzelstraße und der Stadthausstraße über den Flachsmarkt unter Einschluss von Teilen der Schuster- und der Christofstraße) weitgehend zerstört; ein Teil der Gemeinde übersiedelte nach Speyer. Mit dem Beginn der Kreuzzüge 1096 begann die Zeit der schlimmen Verfolgungen. Mehrmals wurde ein großer Teil der Mainzer Judenschaft grausam niedergemetzelt, zuletzt während der Zeit des Pest (Sommer 1349). Dazwischen gab es auch Zeiten einer friedlichen Entwicklung der Gemeinde. Die jüdische Gemeindeverwaltung lag in den Händen des "Judenrates"; an seiner Spitze war ein vom Erzbischof ernannten "Judenbischof". Nach der Verfolgung 1349 werden Juden in Mainz erstmals wieder 1356 genannt. 1410 gab es etwa 20 jüdische Haushalte, 1432 14. Die Zahl der jüdischen Einwohner betrug 1460 nur etwa 110 bis 120 (vor 1096 und vor 1349 jeweils über 1.000 Juden in der Stadt). Die Juden lebten vom Handel mit Geld, Wein, Frucht und Waren, auch werden jüdische Ärzte und Gemeindebedienstete genannt. Im 15. Jahrhundert kam es mehrfach zur Vertreibungen (1438, 1462, 1471 und schließlich 1483).

Neuzeit. Nach Zuzügen einzelner jüdischer Familien konnte sich 1583 eine neue jüdische Gemeinde bilden. Aus Frankfurt am Main, Worms, Hanau und anderen Orten zogen einzelne jüdische Familien zu. Sie lebten lange in sehr armseligen Verhältnisse. 1662 wurden durch ein Dekret von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn wurden die wirtschaftlichen Möglichkeiten der jüdischen Einwohner stark beschränkt. Ihnen war nicht mehr erlaubt, offene Läden zu betreiben. Sie durften nur noch mit bestimmten Waren handeln. Ihr Wohngebiet blieb auf die von beiden Seiten abgeschlossene Judengasse beschränkt (im 18. Jahrhundert wurde das Wohngebiet erweitert auf die seit Mitte des 19. Jahrhundert sog. "Vordere und Hintere Synagogengasse"). Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner bis auf etwa 550 Personen zu; im jüdischen Wohnviertel mit seinen schmalen Häusern herrschte drangvolle Enge. Als Frucht der Aufklärungszeit und der Französischen Revolution fielen am 12. September 1792 die Tore des Judenghettos.

Mainz Hochzeit 1690 010.jpg (51575 Byte) Mainz Judenwache 2 010.jpg (61601 Byte) Mainz Judengasse 1929 010.jpg (58909 Byte)
Hochzeitsfeier in der Mainzer Judengasse 1690 Die "Judenwache" am Eingang zur Judengasse Die Judengasse (Foto von 1929)
Die obigen Abbildungen sind mehrfach veröffentlicht, u.a. in: P. Arnsberg: Die jüd. Gemeinden in Hessen. Bilder und Dokumente. 1971. S. 136.138 oder Katalog "Juden in Mainz" s.u.

Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu: 1828 waren es 1.620 Personen, 1861 2.665, 1871 wurde die Höchstzahl von 2.998 erreicht. 1925 waren unter den damals ca. 109.000 Einwohnern noch etwa 2.800 jüdische Personen 1933: 2.730). Mitte des 19. Jahrhunderts trennten sich wie in vielen anderen Großstädten auch die Orthodoxen von den liberalen Juden, nachdem gottesdienstliche Reformen (deutsche Gebete, Orgel in der Synagoge) eingeführt wurden. Erster orthodoxer Rabbiner war Markus Lehmann. In der liberalen Gemeinde wirkte damals Rabbiner Joseph Aub. 

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten die jüdische Einwohner im Leben der Stadt eine große Bedeutung u.a. als Unternehmer und Gewerbetreibende, als Ärzte, Rechtsanwälte und Journalisten. Zwei bedeutende Rabbinerpersönlichkeiten verschafften der Mainzer Gemeinde zwischen 1880 und 1933 hohes Ansehen und Anerkennung in der gesamten Bürgerschaft ein: Prof. Dr. Siegmund Salfeld (1880-1918) und Dr. Sali Levi (1917-1941). Zur Vielgestaltigkeit des Mainzer Kulturlebens trugen zahlreiche jüdische Vereine bei.

Nach 1933 setzte wie im ganzen Deutschen Reich auch in Mainz die zunehmende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung durch die nationalsozialistische Politik ein. In der Pogromnacht im November 1938 kam es zu zahlreichen Übergriffen gegen die jüdische Bevölkerung, ihre Wohnungen und Gewerbebetriebe; das Schicksal der Synagogen wird unten geschildert. Am 17. Mai 1939 wurden noch 1.452 Juden gezählt. Im März und September 1942 wurde ein Großteil nach Polen und Theresienstadt deportiert. Die letzte Deportation am 10. Februar 1943 löschte vollends das jüdische Gemeindeleben in Mainz aus. Nur wenige Juden in sogenannter "privilegierter Mischehe" erlebten das Kriegsende in Mainz. Insgesamt wurden etwa 1.300 bis 1.400 Mainzer Juden ermordet.

Am 17. Oktober 1945 konnte von einigen wenigen Überlebenden von Konzentrationslagern eine neue Gemeinde gegründet werden. Erster Gemeindevorsteher war Max Waldmann.1948 gehörten 80 Personen, 1970 122 Personen der Gemeinde an. Durch den Zuzug von jüdischen Emigranten aus den GUS-Staaten nahm die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder bis 2005 auf etwa 1.000 Gemeindeglieder zu.
  
  

   
Zur Geschichte der Synagogen in Mainz  
Mittelalterliche Synagogen

1093 wird eine erste Synagoge in der damaligen Unterstadt im Bereich der nach 1288 erbauten St. Quintinskirche genannt. Sie wurde im Zusammenhang mit der Judenverfolgung beim 1. Kreuzzug am 29. Mai 1096 durch den jüdischen Gemeindevorsteher angezündet. Er wollte damit möglicherweise einer Schändung des Hauses durch die Christen beziehungsweise die Kreuzfahrer zuvorkommen. Neben der Synagoge gab es bereits im 11. Jahrhundert kleinere Bet- und Lehrstätten. Nachdem sich einige Jahre nach dem Pogrom von 1096 wieder eine Gemeinde bilden konnte, wurde am selben Ort ein Bethaus errichtet. Die Juden der Oberstadt trafen sich aus Furcht vor der Stadtbevölkerung im Lehrhaus des Rabbi Juda bar Kalonymos.
1188 wird eine neue Synagoge im Bereich der Stadthaus- und der Schusterstraße erwähnt (Schusterstraße 41-43/Ecke Stadthausstraße), die vermutlich schon einige Jahre oder Jahrzehnte zuvor erbaut worden war. 1271 wurde diese Synagoge renoviert. Dabei ist ein kunstvoll gepflasterter Fußboden eingebracht wurden. Beim Judenpogrom von 15. Juni 1281 wurde diese Synagoge niedergebrannt. Einige Jahre später scheint dieses Bethaus wieder aufgebaut worden zu sein. Im Zusammenhang mit den Verfolgungen in der Pestzeit wurde sie am 23. August 1349 von verzweifelten Juden in Brand gesetzt.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde wiederum eine Synagoge erbaut oder ein Betsaal eingerichtet. 1433 und 1442 wird eine "Judenschule" genannt, die wahrscheinlich in der Nähe der späteren Stadionerhofstraße lag. Nach der Vertreibung der Juden 1438 wurde in ihr ein städtisches Kohlenlager eingerichtet. 1445 konnte die Mainzer Juden wieder zurückkehren; die Synagoge erhielten sie zurück. Nach der Ausweisung 1470/71 wurde die Synagoge vom Erzbischof in eine christliche Kapelle "Omnium Sanctorum" ("Allerheiligen") umgewandelt (1473).
   
   

Die Synagogen im 16./17.Jahrhundert   
     
In der 1568 erstmals genannten "Judengasse", die nichts mit dem mittelalterlichen jüdischen Viertel zu tun hat, befand sich ein Haus, das 1620 als "Zur Judenschule" bezeichnet wird. Auch im Haus des Jospe Menz (gest. 1623) war ein Betsaal eingerichtet. 1594 wird eine Synagoge im Haus "Zum Kalten Bad" genannt.
1639 wurde eine Synagoge auf dem Grundstück Klarastraße/Ecke Stadionerhofstraße (neben dem Bleidenstädter Hof) eingeweiht. Nach einer Judenordnung von 1671 wurde verordnet, dass diese Synagoge binnen eines Jahres verkauft werden musste. Es gelang der Judenschaft, diese Vorschrift bis 1672 hinauszuzögern. Dann konnte auch der Grundstein für eine neue Synagoge zwischen Margaretengasse (spätere "Judengasse", Judenviertel) und Rechengasse gelegt werden.    
    
   

Die Synagogen des 18. Jahrhunderts  
    
Diese neue Synagoge innerhalb des nach 1671 eingerichteten Judenviertels wurde an Stelle des von der Judenschaft erworbenen das Hauses "Zur goldenen Eichel" erstellt und 1673 eingeweiht. Im Vorderhaus wurde das Rabbinat, im Keller 1684 ein rituelles Bad (Mikwe) eingerichtet. 1715/17 wurde das Bethaus vergrößert. Es handelte sich nach der Vergrößerung um ein viergeschossiges Gebäude, worin im Erdgeschoss der Betsaal eingerichtet war, zu dem einige Stufen herabführten. Im ersten Stock waren ein Sitzungssaal und die Geschäftszimmer der Gemeinde, im zweiten Stock die "Hochschule" (kleinerer Betraum) und Wohnungen; gleichfalls gab es im dritten Stock Wohnungen.  
Die am Ende des 18. Jahrhunderts aus der Umgebung nach Mainz zugezogenen jüdischen Familien richteten sich einen eigenen Betsaal ein (im "Homburgischen" oder dem "Ledeburgischen Haus").  
1846 wurde die Synagoge des Judenviertels abgebrochen. Bis zur Einweihung der neuen Synagoge wurden die Gottesdienste der jüdischen Gemeinde in einem Privathaus gegenüber der abgebrochenen Synagoge gefeiert.   
  
    
Die 1853 eingeweihte Hauptsynagoge der "Israelitischen Religionsgemeinde"  

      
1844 beschloss der jüdische Gemeindevorstand den Neubau einer Synagoge am bisherigen Standort zwischen der Vorderen und der Hinteren Synagogenstraße (heute: zwischen Klarastraße und Rechengasse). Auf Grund der politisch unruhigen Zeiten (Revolutionsjahr 1848) konnte der Synagogenbau erst 1853 abgeschlossen und das Gotteshaus am 11. März 1853 eingeweiht werden. Architekt war der Regierungs- und Mainzer Dombaumeister Ignaz Opfermann. Er baute die Synagoge im maurischen (neu-islamischen) Stil. Charakteristisch war eine monumentale, dreigeschossige Fassade. Eine breite Treppe zwischen hohen Podesten führte zum Portal des Mittelrisalits. Im Betsaal gab es 764 Sitzplätze. 
Nach der Einweihung der neuen Hauptsynagoge (1912) wurde die alte verkauft und bis 1937 als eine städtische Lagerhalle genutzt. In der Pogromnacht im November 1938 wurde das Gebäude geschändet, 1945 bei einem Bombenangriff weitgehend zerstört. Nach 1945 wurde die Ruine abgebrochen. Bei Bauarbeiten 1993 wurde ein Werkstein von einer der Turmspitzen entdeckt und 1999 zur Erinnerung an die Synagoge im Innenhof der Landesbausparkasse Rheinland-Pfalz aufgestellt. 
    

Die orthodoxen Betsäle/Synagogen der "Israelitischen Religionsgesellschaft"  
  
Da in der 1853 eingeweihten Hauptsynagoge auch eine Orgel geplant war und weitere Reformen durchgeführt wurden (Almemor nicht mehr in der Mitte des Betsaales u.a.m.), beschlossen die Orthodoxen der Gemeinde, einen eigenen Betsaal einzurichten. Zunächst traf man sich in einem Betsaal. Seite 1855 wurden die Gottesdienste vorübergehend im Gasthaus "Zur Stadt Darmstadt" gefeiert (Vordere Judengasse/Synagogenstraße 20). 
1856 konnte auf dem Eckgrundstück Flachsmarkt-/Margarethenstraße eine orthodoxe Synagoge eingeweiht werden. Der Entwurf stammt von Architekt Albert. Nach 20 Jahren zeigten sich allerdings erhebliche Bauschäden, sodass 1877 mit den Planungen für einen grundlegenden Um- beziehungsweise Neubau begonnen wurde. Die neue orthodoxe Synagoge wurde nach Plänen von Stadtbaumeister Eduard Kreysig im maurischen Stil erbaut. Sie bot 300 Personen Platz. Der Zugang erfolgte zwischen den Gebäuden Margarethenstraße 19 und Flachsmarktstraße 25.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch einen Brand beschädigt, die Inneneinrichtung völlig zerstört. 1939/40 wurde das Gebäude abgebrochen. Ein hebräischer Inschriftenstein ist erhalten, das 1983 auf dem jüdischen Friedhof entdeckt wurde. Es enthält ein Zitat aus Psalm 102,15: "Denn deine Knechte haben lieb die Steine und es jammert sie seines Schuttes".   
  
     
Die polnisch-orthodoxe Synagoge   
  
1908 gründeten polnisch sprechende jüdische Zuwanderer den "Israelitischen Humanitätsverein". Man traf sich zu Gottesdiensten nach orthodoxem polnischem Ritus in einem Betsaal in der Margarethenstraße 13. Dieser Betsaal wurde beim Novemberpogrom 1938 geplündert und verwüstet.   
   
    
Die 1911/12 erbaute Hauptsynagoge der "Israelitischen Religionsgemeinde"

Die 1853 eingeweihte Hauptsynagoge war um 1900 zu klein geworden. Ein Neubau sollte in zentraler Lage in der Mainzer Neustadt entstehen. Beim Architektenwettbewerb 1910 gingen 131 Bewerbungen ein. Der Stuttgarter Architekt Willy Graf bekam den Auftrag. Die Grundsteinlegung war am 4. August 1911; bereits ein gutes Jahr später konnte am 3. September 1912 die Einweihung gefeiert werden. Es handelte sich um einen monumentalen Zentralbau mit niedrigeren Seitenflügeln. Der zentrale Kuppelraum hatte einen Durchmesser von 27 m und war 25 m hoch. Es wären 580 Sitzplätze für Männer, 482 für Frauen vorhanden. Über dem Toraschrein befand sich eine von Orgelbauer Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder konzipierte Orgel.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am frühen Morgen des 10 November von SS-Trupps geschändet. Mit Brandsätzen wurde Feuer gelegt. Durch Sprengungen sollte das Gebäude zerstört werden, was jedoch nur teilweise gelang, da sonst die Nachbarhäuser in Mitleidenschaft gezogen worden wären. 1939/40 musste die jüdische Gemeinde auf Polizeibefehl für den Abbruch und das Abräumen der Trümmer sorgen. Nach 1945 wurde auf dem Grundstück das Hauptzollamt erbaut. 1988 fand man Reste der Säulenhalle wieder, die man als Mahnmal von vier Säulen mit Architrav aufstellen konnte.     
  
      
Der Betsaal 1938/40

Nach der Zerstörung der Hauptsynagoge konnte die jüdische Gemeinde ihre Versammlungsräume noch im Haus Forsterstr. 2 (damals "Horst-Wessel-Straße") einrichten. Bis zu den Deportationen der Mainzer Juden traf man sich hier zu Gottesdiensten. Das Gebäude wurde im Krieg teilweise ausgebombt. Eine Gedenktafel ist am Nachfolgebau (seit 1952 jüdisches Gemeindezentrum) angebracht.   
  
      
Die Synagogen nach 1945

Nach Kriegsende 1945 kamen zunächst nur wenige Juden nach Mainz zurück. Als erster Betsaal diente die Trauerhalle auf dem neuen jüdischen Friedhof. 1947 konnte vorübergehend eine Synagoge in einer früheren Turnhalle der Feldbergschule am Feldbergplatz eingerichtet werden. 1952 wurde ein neues Gemeindezentrum mit Betsaal auf dem Anwesen Forsterstraße 2 erbaut, wo sich das frühere jüdische Gemeindezentrum befand. 1966 wurde der Betsaal erweitert. 
  
Seit 1996 bestehen Pläne für ein neues jüdisches Gemeindezentrum. Den Architektenwettbewerb gewann 1999 Manuel Herz, Köln. Der Neubau wird 2008-2010 auf dem alten Synagogengrundstück Hindenburgstraße 44 (künftige Adresse des Gemeindezentrums: Synagogenplatz) ausgeführt.     
   


Fotos 
Historische Fotos/Abbildungen: 
(Quelle: Sammlung Hahn bzw. Repros aus den unten genannten Veröffentlichungen bzw. Bildsammlungen Stadtarchiv Mainz)

Die Synagogen des 17./19. Jahrhunderts    
Mainz Synagoge a001.jpg (53275 Byte) Mainz IsrVolksschullehrer 031853 01.jpg (79486 Byte) Mainz Synagoge a010.jpg (58298 Byte)
Alte Synagoge in der Unteren Judengasse (später Synagogenstraße 12): Aufriss der Vorderansicht vor dem Abbruch 1846. Die 1853 eingeweihte Hauptsynagoge (Quelle links: "Der israelitische Volkslehrer": Heft März 1853.
   
Aufnahmen der orthodoxen Synagoge in der Flachmarktstraße Mainz Synagoge Fl001.jpg (15423 Byte) Mainz Synagoge Fl002.jpg (14693 Byte)
vgl. Artikel von Leo Trepp auf Seite der Jüdischen Gemeinde Mainz: hier anklicken
   
Die 1911/12 eingeweihte Hauptsynagoge
Mainz Synagoge 045.jpg (60000 Byte) Mainz Synagoge 070.jpg (155248 Byte) Mainz Synagoge n 010.jpg (45051 Byte)
Historische Ansichtskarten der neuen Synagoge
 
Mainz Synagoge 03.jpg (62395 Byte) Mainz Synagoge 05.jpg (31817 Byte) Mainz Synagoge 04.jpg (17801 Byte)
Weitere Ansichten der neuen Synagoge Die Synagoge bei den Abbrucharbeiten 1939/40

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.3.2005)

Mainz Synagoge 204.jpg (81983 Byte) Mainz Synagoge 202.jpg (79564 Byte) Mainz Synagoge 200.jpg (58174 Byte)
Die Reste der Säulenhalle der Synagoge in der Hindenburgstraße; 1988 als Denkmal aufgestellt
 
Mainz Synagoge 201.jpg (70805 Byte) Mainz Synagoge 203.jpg (58287 Byte)   
   Gedenkstein mit Darstellung der Synagoge  
     
     
Pläne für die neue Synagoge (1999) Mainz Synagoge Plan 05.jpg (10978 Byte) Mainz Synagoge Plan 06.jpg (19698 Byte)


  
Aktuelle Berichte: auf dem Weg zum Bau der neuen Synagoge in Mainz    siehe weitere Seite   

    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Mainz      
Website der Jüdischen Gemeinde in Mainz          
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Mainz (interner Link)  
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz IAK Jüdische Studien - Jüdische Bibliothek  

Literatur:

Germania Judaica I,174-228; II,2 512-521; III,2 786-831 (jeweils mit Lit.). 
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. 1971 Bd. II,7-46 (Lit.).  
Rolf Dörrlamm: Magenza. Die Geschichte des jüdischen Mainz, Festschrift zur Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes der Landes-Bausparkasse Rheinland-Pfalz. Mainz 1995.  
Franz Dumont/Ferdinand Scherf, Friedrich Schütz (Hrsg.): Mainz. Die Geschichte der Stadt. Mainz 1999.  
Juden in Mainz, Katalog zur Ausstellung der Stadt Mainz im Rathaus-Foyer im November 1978, bearbeitet von Friedrich Schütz. Mainz 1978. (Lit.).  
Friedrich Schütz: Skizzen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Weisenau bei Mainz. Mit einer besonderen Würdigung der Familie Bernays, in: Mainzer Zeitschrift. Mittelrheinisches Jahrbuch für Archäologie, Kunst und Geschichte, Jg. 92, 1987, Mainz 1987, S. 151-179.  
Bernd A. Vest: Der alte jüdische Friedhof in Mainz. Mainz 2000.  
Als die letzten Hoffnungen verbrannten, 9./10. November 1938, Mainzer Juden zwischen Integration und Vernichtung, herausgegeben von Dr. Anton Maria Keim und dem Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V., Hermann Schmidt Verlag Mainz. 1988. 
Erschienen in 2008: Sonderheft der Mainzer Geschichtsblätter: Die Mainzer Synagogen. Ein Überblick über die Mainzer Synagogenbauwerke, mit ergänzenden Beiträgen über bedeutende Mainzer Rabbiner, das alte Judenviertel und die Bibliotheken der jüdischen Gemeinden. 
Mit Beiträgen von Dieter Krienke, Andreas Lehnardt, Leo Trepp, Ingrid Westerhoff und Gabriele Ziethen, hrsg. von Hedwig Brüchert im Auftrag des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V.  Mainz 2008, ISSN 1435-8026, 186 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Hardcover, Preis: 12,00 €. 
Kurzbeschreibung:  Dieses Buch will die aus dem Mainzer Stadtbild verschwundenen Synagogen und damit einen wichtigen Teil der Geschichte der traditionsreichen Mainzer jüdischen Gemeinde dokumentieren. Gleichzeitig wird an wichtige Rabbiner, die in vergangenen Jahrhunderten in dieser Stadt wirkten, und an die bedeutenden jüdischen Bibliotheken in Mainz erinnert. Unter den Baumeistern der prächtigen Mainzer Synagogen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts finden sich bekannte Namen, wie Ignaz Opfermann, Eduard Kreyßig und Willy Graf. Die meisten dieser Gotteshäuser wurden im November 1938 geschändet und zerstört; die niedergehenden Bomben im Krieg machten dann auch noch die Reste der Bauwerke dem Erdboden gleich. Abgesehen von der restaurierten kleinen Weisenauer Synagoge künden heute nur noch einige Gedenktafeln von den früheren Gebetsstätten und Lehrhäusern der Mainzer Juden. Doch der Band ruft nicht nur Verlorenes in Erinnerung, sondern bietet auch einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Vorgestellt wird der Entwurf des Architekten Manuel Herz für ein neues jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge, das schon bald am Standort der früheren Hauptsynagoge in der Hindenburgstraße entstehen wird.   

 
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

MAINZ. Established by Italian immigrants in the early tenth century, this community - one of the oldest in Germany - was temporarily banished in 1012. Its growth in importance and numbers (to over 1,000 in 1090) resulted from Mainz's strategic position on trade routes. Many Jewish scholars were born or settled there. Amnon of Mainz, a legendary tenth-century martyr, is associated with the U-Netanneh Tokef prayer; Yehuda ben Meir founded a great yeshiva in 980; members of the Kalonymus family became halakhic authorities, poets, and communal leaders while Yitzhak ben Judah (d. 1080) and Yaakov ben Yakar (d. 1060) taught Rashi. Gershom ben Yehuda Me'or ha-Golah (960-1028) wrote historic takkanot (e.g., prohibiting a wife's divorce against her will and the Herem de-Rabbenu Gershom enforcing monogamy) which the Aschkenazi world accepted. Other sages of Mainz were Shimon bar Yitzhak the Great, Eliezer ben Natan, and Yehuda ben Kalonymus ben Moshe, whose son Eleazar ben Yehuda Roke'ah was a leading figure in the Hasidei Ashkenaz. After the proclamation of the First crusade (1096), Emperor Henry IV ordered the nobles and bishops to defend the Jews, but Crusaders attacked the archbishops's palace in Mainz, where the vastly outnumbered Jews fought a heroic but hopeless battle on 27th May, many preferring suicide to apostasy. The massacre claimed 1,100 victims in all and details are preserved in several Hebrew works (especially an elegiac poem by Kalonymus ben Yehuda). The community soon revived and in 1150 the rabbinates of Speyer, Worms and Mainz (known thereafter as the "Shum" communities after the acronym of their names) were empowered to serve as a high court for the Jews of Germany. Bernard of Clairvaux prevented another tragedy in 1146 and on the eve of the Third Crusade in 1188 many Jews took refuge in the fortress on Muenzenberg. In 1281, the synagogue was burned down; Jews were slaughtered following a blood libel in 1283; and harsh taxation drove some in 1286 to join R. Meir of Rothenburg's group of would-be emmigrants to the Holy Land. When the Black Death struck the region in 1349 and Jews were charged with "poisoning the wells," they defended themselves against an enraged mob and killed 200 of there assailants, but several thousand Jews perished in the burning ghetto. Survivors returned in 1357 and the community's prestige was temporarily restored when Yaakov ben Mishe Moellin ("Maharil"; 1355-1427), the era's leading talmudist, served as chief rabbi. The Jews were repeatedly expelled (1439, 1462, 1470), their synagogue being converted into a chapel in 1473. While Johannes Reuchlin, Germany's foremost Christian Hebraist, was defending the Talmud against clerical obscurantists, the enlightened archbishop prohibited an mass burning of Jewish books in Mainz in 1513. In 1579, however, Jews were banished from Rhineland. Following its restoration in 1583, the community built a new synagogue and grew to over 100 families around 1690. The new Age of Enlightenment and improved economic conditions enabled Jews to engage in a wider range of occupations (including medicine), and by 1800 they numbered 1,156 (5 % of the total). During the period of French rule (1792-1814), when Jews were first granted civil rights, they sent delegates to Napoleon's Assembly of Jewish Notables and the French Sanhedrin (1806-07) and a regional consistory was established under Herz David Scheuer, who declined the title of Grand Rabbin and opposed attempts to "modernize" religious life. Three distinguished Jews born in Mainz were Yitzhak Bernay (1792-1849), the Orthodox rabbi of Hamburg; Ludwig Bamberger (1823-99), economist and Liberal member of the Reichstag; and Michael Creizenach (1789-1842), who ran a Jewish boy's school on Reform lines (1814-33) and later tought in Frankfurt. After the confirmation ceremony was adopted in 1840, traditionalists opposed further changes (especially an organ in the new synagogue) and the appointment of a Reform rabbi, Joseph Aub (1852-66). Without seceding from the main community, they established an Orthodox congregation with Dr. Marcus Lehmann as its first rabbi (1854-90). Lehmann founded Der Israelit (an Orthodox journal) and a coeducational school, both of which survived until the Nazi era. Numbering 2,665 (6 %) in 1861, the Jewish population grew to 3,500 (4,9 %) in 1890. Immigrants from Eastern Europe (Ostjuden) formed a Jewish proletariat and an independent congregation. Joseph Derenbvourg, the son pf a Hebrew teacher, mobed to Paris and became a world-famous Orientalist; Adolf Reinach was a renowned philosopher; and Dr. Siegmund Salfeld, the Liberal rabbi (1880-1918), published an edition of the community's ancient Memorbuch in 1898. During the Weimar Republik, a central welfare agency was establised and all the national Jewish organizations had active branches: B'nai B'rith, the Central Union (C.V.) and Jewish War Veterans Association, Agudat Israel, the Union for Liberal Judaism, the German Zionist Organization, Blau-Weiss, Mizrachi, WIZO, and various youth movements. Jews comprised a high percentage of the city's physicians and were prominent in civil affairs, commerce, the arts, law, and journalism. Anna Seghers (Netty Radvanyi) won fame as a novelist and Carl Zuckmayer (descendant of old Jewish families) as a playwright. After Worldwar I, French occupation authorities curbet Nazism in the Rhineland, but rioters celebration the French withdrawal attacked Jews and anti-Nazis in 1930. Hitler's incitement led to more violence in 1932.
The community numbered 2,609 (2 %) when the Nazi regime was established in 1933. The eradication of Jewish influence began with the dismissal of city officials and others in the public sector. From 9 March, patrons were deterred from entering Jewish business premises and on 1 April, SA troops and police inaugurated a boycott of Jewish lawyers, physicians, and stores. A ceremonial burning of condemned books took place on 23 June. The last Jewish bank was forced to close in 1935, gas and electricity supplies were cut off, and Jews were barred from hotels, cafes, and places of entertainment. In its eneavor to sustain Jewish moral, the community organized various welfare schemes and arranged cultural programs with an increasing emphasis on life in Palestine and on aliya. A regional community school, opened in 1934, later amalgamated with that of the Orthodox congregation. By 1938, however, 1,074 Jews had left - 640 (mostly young people) emigrating - and the remainder (2,073) had to cope with a stream of refugees from outlying townships. The East European Jews were expelled in October 1938 and on Kristallnacht (9-10 November 1938) a wholesale pogrom was organized in Mainz. SS troops burned down the main (Liberal) synagogue. Nazis also destroyed the community center and the Orthodox synagogue, though some ancient documents were rescued and later transferred to London. Jewish homes were vandalized, a Jew was trampled to death, and about 60 others were sent to the Buchenwald concentration camp. The office established by the Union of Jewish communities in Hesse was transformed into a branch of the Union of Jews of Germany (Reichsvereinigung der Juden in Deutschland) (July 1939) and served as a tool of the Gestapo. Emigration was finally halted in October 1941, by which time the community had virtually disintegrated, and from September 1942 the remaining 1,336 Jews were mostly deported to the Theresienstadt ghetto and Poland. 
A small community was established after Worldwar II, numbering 133 in 1966.

 

 

 

 

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Stand: 06. Dezember 2009