Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schnaittach (Kreis Nürnberger Land) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Schnaittach, das in früheren Jahrhunderten Hauptort der Herrschaft Rothenberg war, lebten Juden fast ununterbrochen vom 15. Jahrhundert bis 1939. 1478 ist die Ansässigkeit von Juden am Ort erstmals sicher bezeugt. 1499 wird der Jude Samuel von Schnaittach in Nürnberg genannt, 1502 erfährt man die Namen von drei jüdischen Männern, die damals in Schnaittach lebten (Zacharias, Ysaac und Feifelmann). Diese Juden lebten vom Geldverleih. Anfang des 16. Jahrhunderts studierte ein Schnaittacher Jude bei jüdischen Gelehrten in Krakau. Die Zahl der jüdischen Einwohner und die Bedeutung der Gemeinde für andere jüdische Gemeinden der Umgebung nahmen rasch zu. 
 
1761
wohnten in Schnaittach 63 jüdische Familien, dazu 14 Witwen, der Vorsänger und der Schulklopfer. Die in Schnaittach und Umgebung lebenden Juden bildeten gemeinsam die "Medinat OSchPaH", eine Art Verwaltungsgemeinschaft der Gemeinden Ottensoos, Schnaittach, Forth und Hüttenbach.
   
Ihre größte Blüte erlebte die Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert, als die Schnaittacher Rabbiner gleichzeitig Landrabbiner waren und eine Talmudschule unterhielten. Im 19. Jahrhundert ging - als Folge der Abwanderung in die Städte - die Zahl der jüdischen Einwohner stark zurück, sodass 1910 nur noch 48 jüdische Einwohner gezählt wurden. 1883 erlosch das Rabbinat Schnaittach. Die zu ihm bis dahin gehörenden Gemeinden wurden teilweise dem Rabbinatsbezirk Nürnberg, teilweise dem Rabbinatsbezirk Schwabach zugeteilt: Schnaittach selbst kam zum Bezirk Schwabach.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Unteroffizier Jakob Krämer (geb. 5.2.1892 in Schnaittach, gef. 10.5.1915), Moritz Prager (geb. 16.3.1882 in Forchheim, gef. 12.11.1916) und Julius Vetsburg (geb. 13.3.1889 in Schnaittach, gef. 15.10.1915).   
 
1925 hatte die Gemeinde noch 52 Gemeindeglieder. Damals bildeten Jacob Vetsburg, Fritz Hellmann und Bernhard Wolf den Synagogenvorstand. Drei jüdische Kinder erhielten in diesem Jahr ihren Religionsunterricht durch den für Ottensoos und Schnaittach zuständigen Lehrer, Kantor und Schächter Alex Gutmann. Bis 1932/33 war die Zahl der jüdischen Einwohner auf 42 zurückgegangen. Nun waren Mayer Wolf und Emil Metzger Synagogenvorstände.
 
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 änderte sich die Situation der jüdischen Einwohner. An den Zufahrtsstraßen nach Schnaittach waren Schilder mit der Aufschrift "Juden sind hier nicht erwünscht" aufgestellt worden. Dennoch konnten die jüdischen Vieh- und Hopfenhändler noch einige Zeit mit den Bauern der Umgebung geschäftliche Beziehungen unterhalten. Zunehmend verließen die jüdischen Einwohner den Ort, elf wanderten in die USA aus, zwei nach Frankreich und einer in die Tschechoslowakei. Im November 1938 waren noch 18 jüdische Einwohner in Schnaittach. Beim Novemberpogrom 1938 wurden ihre Häuser verwüstet. Lehrer Gutmann wurde misshandelt und erlitt schwere Verletzungen. Bis Ende 1938 verließen alle jüdischen Einwohner den Ort.  
  
Von den in Schnaittach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Flora Altbaier (1880), Hermann Altbaier (1877), Hannchen Fichtelberger (1873), Hannchen Forster (1876), Lina Grünthal geb. Lindner (1882), Hanni Haag geb. Altbaier (1879), Maria Heitlinger (1874), Amalie (Mali)  Herbst (1876), Marie Kairies geb. Springer (1870), Regina Lindner (1872), Hermann Mayer (1877), Helene Neuburger geb. Wolf (1868), Emma Swiadischz (1874), Emma (Elishewa) Ullmann (1884), Werner Wassermann (1925), Frida Wild geb. Fichtelberger (1880), Lina Wolf (1906), Mayer Wolf (1872). 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde       
    
Aus der Geschichte des Rabbinates 

Über Rabbiner Henoch (Chanoch) ben Jehuda Löb (Rabbiner in Schnaittach von etwa 1702 bis 1709) 
Der auf Grund seiner zahlreichen rabbinischen Abhandlungen bedeutende Rabbiner Henoch (Chanoch) aus Pfersee war seit etwa 1702 Rabbiner in Schnaittach als Nachfolger von Rabbiner Akiba Bär (Rabbiner von 1694 bis etwa 1701). Er blieb bis 1709 in Schnaittach und wurde danach Rabbiner in Gelnhausen, wo er 20 weitere Jahre als Rabbiner wirkte. 

Schnaittach Israelit 30101867.jpg (124080 Byte)Aus einer Reihe über verschiedene bedeutende Rabbiner in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1867: "Rabbi Chanoch Sohn des Rabbi Jehuda Lew. R. Henoch b. Jehuda Löb, Sohn des Pferseer Rabbiners wurde ums Jahr 1681 geboren. Da er sich von Jugend auf in der rabbinischen Gelehrsamkeit sehr auszeichnete, so wurde er frühe schon zum Oberhaupt der Synagoge von Schnaittach gewählt. Er war bereits Rabbiner in diesem Orte, als sein Vater 1705 starb; er betrachtete sich sogleich als Vollzieher des Willens seines Vaters hinsichtlich der Herausgabe der hinterlassenen Schriften seiner Vorfahren. Während drei Jahre beschäftige er sich mit der Redaktion zweier Sammlungen, eine den homiletischen und eine den kasuistischen Schriften gewidmet. Beide erschienen in Frankfurt am Main 1708 bei Mt. Andrä und Joh. Kellner. Die erste Sammlung führte den Titel Reschit Bachurim Das Früheste der Erstlinge, enthält Synagogal-Vorträge über die drei Hauptfeste von seinem Großvater Henoch ben Abraham, seinem Vater Jehuda Löb ben Henoch und von ihm Henoch ben Jehuda Löb. Die zweite Sammlung betitelt Fragen und Responsen Chinuch Beit Jehuda - Einweihung des Hauses Jehuda, besteht aus 145 Rechtsgutachten, nach den 4 Turim geordnet. Die meisten Gutachten sind von seinem Vater, viele von seinem Großvater, Großonkel und seinem Urgroßvater, die übrigen von ihm und etwa 20 anderen Rabbinern."  

   
Die Scheu des Rabbiners vor der Ablegung des Eides - Bericht aus Schnaittach (1928)  
Die Erzählung geht aus das Jahr 1721 zurück, als der damals auch für Schnaittach zuständige Fürther Rabbiner Baruch Kahana Rapoport sich weigerte, den Amtseid abzugeben. Damals war in Schnaittach selbst nur ein Vizerabbiner tätig (Salomo aus Kolin bei Prag). Rapoport selbst war bis 1736 zuständig, danach übernahm sein Sohn Arje Löb Rapoport die Stelle eines Schnaittacher Hauptrabbiners.    

Schnaittach BayrGZ 15011928a.jpg (247373 Byte)Artikel aus der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Januar 1928: "Episoden aus der Geschichte der Juden in Bayern. Von Rabbiner Dr. M. Weinberg in Neumarkt (Oberpfalz). II. Die Scheu vor der Ablegung des Eides.   Wir besitzen noch die Reiseberichte, die vor über tausend Jahren Eldad aus dem Stamme Dan herausgegeben hat. In diesen schildert er die Erlebnisse, die er in Asien bei dem Besuche der '10 Stämme' hatte. Sie sind zum Teil fabelhafter Natur, zum Teil aber offenbar der Wirklichkeit entsprechend wiedergegeben. Hier erzählt er nun unter anderem auch von einer eigenartigen Beobachtung, die er gemacht hat. Er traf auf eine jüdische Bevölkerung, wo niemand zu bewegen gewesen wäre, einen Eid abzulegen. Diese Scheu vor dem Eide bestand zu allen Zeiten im Judentum und besteht noch heute. Der Eid bietet das letzte Mittel, die Wahrheit zu ermitteln und zu bekräftigen, dort wo neben Gott nur der Schwörende Aufklärung zu bieten vermag und damit letzten Endes das Fundament aller juridischen Rechtsprechung. Es entspricht daher dieser autokratischen Unfehlbarkeit des Schwures, dass Gott selbst, der über seine Richtigkeit allein zu entscheiden vermag, zum Zeugen seiner Wahrheit angerufen wird. Es müsste ein Jude sich schon sehr weit vom Urgrund seiner Religion entfernt haben, wenn die heilige Ehrfurcht vor der Gottheit nicht aufs das Tiefste in seinem innersten Wesen fundiert wäre. Weiß er doch, dass bei keinem der zehn Gebote die unmittelbaren sträflichen Folgen einer Übertretung so eindringlich gezeigt werden, wie im dritten. Dass ein Jude einen wissentlichen Falscheid leistet, erscheint undenkbar; aber auch wegen einer Bagatellsache einen Wahrheitseid zu leisten, weist man von sich. Gott zum Zeugen anzurufen -, das muss bei einer ganz großen, bedeutungsvollen Sache geschehen. Darum ist ja auch die Neigung der Juden erklärlich, wenn irgend möglich sich jedes Eides zu enthalten; und es ist oft genug in Gerichtsälen vorgekommen, dass Glaubensgenossen einen ihnen zugeschobenen, mit bestem Gewissen zu leistenden Eid verweigerten, obwohl sie dadurch den Gewinn ihrer wohlberechtigten Ansprüche aus der Hand gaben.  
Eine solche Eidesverweigerung, bei der es sich überdies um einen verpflichtenden allgemeinen Amtseid handelte, der mit bester Überzeugung hätte abgelegt werden können, beschäftigte vor etwa zweihundert Jahren bayerische Regierungsbehörden und erregte in weiten Kreisen berechtigtes Aufsehen. In Schnaittach befand sich der Sitz des einzigen bayerischen Rabbinates. Im Jahre 1721 war die Stelle zu zu besetzen. Aus Sparsamkeitsrücksicht beschloss der Bezirk, eine Personalunion mit der Gemeinde Fürth einzugehen und den dortigen berühmten Rabbiner Baruch Rapoport mit der Mitverwaltung des Schnaittacher Landrabbinates zu betrauen. In Schnaittach selbst waltete ein Vizerabbiner, während bei Rapoport die Erledigung aller autoritativen, besonders juridischen Angelegenheiten lag. Er galt tatsächlich als pragmatischer Staatsbeamter der unter der Hilfe und dem Schutze des Staates alle Zivilprozesse unter den Juden zu erledigen hatte und dabei nach Befinden Eide auferlegen konnte, Hierin, besonders auch auch in Steuersachen, trug er amtliche Verantwortung dem Staate gegenüber. Daher verlangte die Schnaittacher Amtsbehörde (Pflegamt) von Rapoport, dass er sich vereidigen lasse; die Regierung in Amberg schloss sich dieser Forderung an, umso mehr als Fürth Ausland sei. Rapoport  
Schnaittach BayrGZ 15011928b.jpg (95935 Byte)aber weigerte sich mit aller Entschiedenheit, diesen Eid zu leisten; die bayerischen Behörden aber, die sich diese Weigerung nicht zu erklären vermochten, bestanden ihrerseits auf ihrer Anordnung. Die Folge war, dass Rapoport sich nie in seinem Rabbinatsbezirk Schnaittach blicken ließ. Hierdurch fühlten sich die Gemeinden überaus benachteiligt, denn sie waren in allen Angelegenheiten dem Staate gegenüber um eine Instanz, dass Rabbinat, verkürzt, die denn auch das Pflegamt langsam an sich riss. Die Unbeugsamkeit des Rabbiners und die Beschwerden der Gemeinden verfehlten endlich nicht ihre Wirkung auf die Regierung, und diese befahl dem Pflegamt, Rapoport durch 'Handstreich' an Eidesstatt auf sein Amt zu verpflichten. Hiermit war Rapoport einverstanden. Doch der Ortsbeamte ruhte nicht; noch volle sieben Jahre hindurch bemühte er sich, 'im Staatsinteresse' seine Forderung des Amtseides durchzusetzen und erst im Jahre 1732 gelang es dem Königlich preußischen Oberhoffaktor Salomon Levi Gumpert unmittelbar beim kurfürstlichen Hof in München endgültig durchzusetzen, dass von der Vereidigung Rapoports abgesehen wurde. Seine unbeugsame Willenskraft hatte schließlich doch den Sieg davon getragen."   

  

Schnaittach Rapoport Israelit 05031900.jpg (218323 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1900: "Die Rabbinerfamilie Rapoport in Deutschland (Fortsetzung). Aus der Ehe des Baruch Kohn Rapoport (Anmerkung: derselbe war etwa 1668 geboren und nicht 1688, wie oben S. 6 irrtümlich angegeben ist; er stand demnach 1706 im 38. Lebensjahr) in Fürth und der Sara Chaja aus Grodno gingen drei Söhne und vier Töchter hervor. Der älteste Sohn Löb Rapoport wurde ums Jahr 1693 geboren. Wenn die Angaben Carmoly's stimmen (sc. Eljakim Carmoly: Ha-Orebim u-Bene Jona. Genealogie der Familie Rapoport. Rödelheim 1861 S. 18) richtig sind, so hatte er sich durch Heirat ein großes Vermögen erworben, das jedoch in der Geschäftsgemeinschaft mit dem Hofjuden Gabriel Fränkel in Fürth wieder verloren ging. Er musste deshalb nach einem Erwerbszweig sich umsehen und nahm das Rabbinat der vier Gemeinden Ottensoos, Schnaittach, Forth und Hüttenbach mit dem Sitz in Schnaittach an. Von da wurde er 1742 nach Heidingsfeld als Rabbiner des Würzburger Kreises berufen, nachdem die von sämtlichen Vorgängern der hochstiftlichen Judenschaft per vota majora geschehene Wahl am 10. August 1742 durch Fürstbischof Friedrich Karl bestätigt war. Dort stand er in hohem Ansehen und erwarb sich innerhalb seines Wirkungskreises die Anerkennung und Verehrung aller derjenigen, die unter seiner geistlichen Führung standen. 
Im hohen Alter von 87 Jahren ging er am Sonntag, den 16. Ijar (21. Mai) 1780 zu seinen Vätern ein und wurde in Allersheim beerdigt. 
Das Memorbuch in Heidingsfeld widmet ihm den ehrenvollen Nachruf..." .      


Der Schnaittacher Rabbiner (gemeint: Rabbiner Neckarsulmer) kann sich mit einer neuen Leichenordnung nicht durchsetzen (1842)  

Schnaittach AZJ 07051842.jpg (21136 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Mai 1842: "In Ansbach hat der allgemein beliebte Rabbiner Grünbaum ohne Widerspruch eine Leichenordnung eingeführt, der Rabbiner in Schnaittach hat bei einem solchen Versuch den Kürzeren gezogen."  

 
Bezirksrabbiner Juda Wolf Neckarsulmer besucht Remagen am Rhein (1861)  
Juda Wolf Neckarsulmer war von 1828 bis 1867 Bezirksrabbiner (Distriktsrabbiner) mit Sitz in Schnaittach. 

Remagen AZJ 28051861.jpg (119232 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Mai 1861: "Suum cuique! Wir können nicht umhin, hiermit öffentlich unseren tief gefühlten, herzlichsten Dank einem Manne auszusprechen, der uns manche wahrhaft angenehme, unvergessliche Stunde bereitete. 
Am 28. vorigen Monats hielt Herr Distrikts-Rabbiner Neckarsulmer aus Schnaittach (in Bayern) vor einer zahlreichen Versammlung eine Rede, die ihrem Verfasser nicht wenig Ehre machte. Fast jede Periode enthielt eine Fülle von Geist und Herz, 'zu schönster Harmonie geeint'. Einen besonders günstigen Eindruck machte es, als der beredte Mund des wackeren Predigers mit wahrhaft jugendlichem Pathos entwickelte, wie wir, fern von aller Kopfhängerei, die Lebensfreuden zu genießen haben. - Wir hatten auch das Glück, mit dem Biedermanne uns oftmals zu unterhalten, und mussten jedes Mal seinem reichen Wissen und seiner einnehmenden Gemütlichkeit gleiche Bewunderung zollen. 
Es nehme der liebenswürdige Geistliche, der, wie wir zu unserm größten Bedauern vernommen, die Ufer des Rheins, an denen er so gern weilte, bald verlassen und in seinen Wirkungskreis zurückkehren wird, unsern Dank wie auch die aufrichtige Versicherung mit in die Heimat, dass seine klaren und wahren, vom Geiste echter Humanität und Religiosität getragenen herzlichen Worte noch lange in unserem Innern nachklingen werden. Remagen bei Bonn am Rhein, im Mai 1861. 
Mehrere Wahrheitsfreunde. H. Löb."   

 
Rabbiner Juda Wolf Neckarsulmer verlässt die Gemeinde (1867)  

Schnaittach AZJ 10091867.jpg (77952 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. September 1867: "Schnaittach (Bayern), 19. August (1867). Unser bisheriger Rabbiner Herr Neckarsulmer, hat nach 42-jähriger Amtierung das Rabbinat quittiert und sich nach Fürth zurückgezogen. Hatte sein Temperament auch manches Kantige, so besaß er doch eine hohe allgemeine Bildung, einen scharfen Verstand und eine anerkannte talmudische Gelehrsamkeit. Wir rufen ihm mit aufrichtiger Dankbarkeit ein herzliches Lebewohl nach. Es handelt sich nun um Wiederbesetzung der Vakanz, und eine gewisse Partei, die bereits ihre stabil-orthodoxen Kandidaten in der Tasche hat, sucht Alles zu hintertreiben, was die Aufmerksamkeit anderer Bewerber auf diese Stelle lenken möchte; und dennoch ist es wohl ein simpler Akt der Gerechtzeit gegen Alle, die Wahl nicht hinter Schloss und Riegel vorzunehmen. Mögen daher diese Zeilen dazu dienen, der Vakanz mehr Öffentlichkeit zu verschaffen."      

   
Zum Tod von Rabbiner Juda Wolf Neckarsulmer (1880 in Fürth)
 
Juda Wolf Neckarsulmer war nach seinem Weggang von Schnaittach - privatisierend - als Stiftsrabbiner (Klausrabbiner) in Fürth tätig.    

Fuerth AZJ 24081880.jpg (134399 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. August 1880: "Man schreibt uns aus Fürth den 12. August 1880: Dienstag Mittags den 10. dieses Monats verschied hier Herr Rabbiner Wolf Neckarsulmer im nicht vollendeten 80. Lebensjahre. Geboren zu Fürth, befasste sich Neckarsulmer frühzeitig mit dem Studium der talmudischen Wissenschaft, auf welchem Gebiete er als Koryphäe ersten Ranges bezeichnet wird. Im 24. Lebensjahr empfing Neckarsulmer die Morenu (Autorisierung zum Rabbiner), bekleidete sodann die Stelle eines Rabbi am Beth-Hamidrasch zu Bamberg, wurde etwa um 1826 als Rabbiner von Schnaittach installiert, welche Stelle er fast 40 Jahre bekleidete. Seine Abstimmungen in der Synode zu Ansbach in den 30er-Jahren brachten ihn in den Ruf des religiösen Freisinns, galt ja schon die Eliminierung des Jekum Purkan zu jener Zeit als Reform im Kultus, und so hatte Neckarsulmer manch harten Strauß auszufechten, obwohl er durch und durch orthodox gesinnt war und gelebt hat. Neckarsulmer war Autodidakt, wenn er auch u.a. bei Dr. Martinet in Bamberg Unterricht im Hebräischen und in den neueren Sprachen nahm. Seit etwa 1866 privatisierte Neckarsulmer hier, von einem Kreis von Schülern stets umgeben. Die von ihm arrangierten Vorträge der sogenannten 'Klaus-Schule' wurden gern gehört, sie waren exegetischen, religiösen und sittlichen Inhaltes, basiert auf die mosaisch prophetischen Grundlehren, deren praktische Anwendung auf das Leben sie erörterten, hie und da von der Hagada getragen. Die Wirkung der Vorträge war dadurch erhöht, dass Neckarsulmer in einem nur in Gedanken gefassten Entwurf frei vortrug. Seine Wohltätigkeit, der angenehme mit Witz und Scharfsinn gepaarte Umgang und sein versöhnliches Wesen werden ihm ein dankbares Andenken bewahren."          

 
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1868)  

Schnaittach Israelit 11111868.jpg (72879 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1868: "Bekanntmachung. (Die Besetzung der Rabbinerstelle in Schnaittach betreffend). 
Die erledigte Distrikts-Rabbinerstelle in Schnaittach ist wieder zu besetzen. Mit derselben ist ein fixer Geldgehalt von 500 Gulden, dann freie Wohnung und eine anständige Einnahme im ohngefähren jedoch nicht garantierten Betrage von 150 Gulden verbunden. Bewerber um diese Stelle haben ihre Meldungen mit den Nachweisen 
a. der bayerischen Staatsangehörigkeit, 
b. der Kenntnis der deutschen Sprache und wissenschaftlichen Bildung und 
c. der bürgerlichen und gesellschaftlichen Unbescholtenheit binnen 6 Wochen anher einzureichen. 
Hersbruck, den 20. Oktober 1868. Königliches Bezirksamt. Regierungsrat Steurer."  

 
Einsetzung von Distriksrabbiner Dr. M. Salzer (1870)  

Schnaittach Israelit 09021870.jpg (157399 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Februar 1870: "Schnaittach (Bayern), den 30. Januar. Montag, den 24. dieses Monats fand die Installation unseres neu ernannten Distriktsrabbiners Dr. M. Salzer in feierlichster Weise statt. Nicht nur der hiesige Ort nahm allgemeinen Anteil, sondern auch die übrigen Gemeinden des Distrikts Hüttenbach, Forth und Ottensoos beteiligten sich ebenfalls in großer Anzahl daran. Schon der frühe Morgen des 24. brachte uns die fremden Gäste im festlichen Schmucke, welche sich alsbald in der schön dekorierten Synagoge versammelten. Nach Ankunft des königlichen Kommissärs, des Herrn Bezirksamtsassessor Herrmann von Hersbruck, ging der Festzug unter Musikbegleitung zur Synagoge, deren Räume von den Magistratsherrn, Gemeindebevollmächtigten, Geistlichen und anderen Gästen bereits angefüllt waren. Nachdem von einem Männerchore ein Choralgesang vorgetragen war, hielt der königliche Kommissär eine warme Anrede an die Gemeinde und den Rabbiner und nahm den Akt der Einweisung und Beeidigung des Herrn Rabbiners vor. Derselbe beantwortete nun die Rede und bestieg alsdann während des Absingens eines weiteren Chorals die Kanzel und hielt eine treffliche Rede über den Vers 3 Kap. 24 des Wochenabschnitts. Mit dem Gebete für Seine Majestät den König und dem Schlussgesang Psalm 150 schloss die Feier in der Synagoge. 
Bei der Gratulation wurden dem Herrn Rabbiner von den Vorständen der vier Distriktsgemeinden schöne und wertvolle Ehrengaben überreicht. 
Mittags fand ein Festdiner statt, das in angenehmer Unterhaltung und mit schönen Toasten gewürzt bis gegen Abend währte. 
Den Schluss bildete gesellige Abendunterhaltung mit Musik und Gesang unter Beteiligung der angesehensten Bürger der christlichen Bevölkerung Schnaittachs, als auch der auswärtigen Gäste. Möge dieses Fest, das in schöner Einigkeit seinen Anfang und Abschluss fand, den Grundstein zu einem ferneren, religiösen und friedlichen Leben in unserer Gemeinde bilden." 

   
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer       
Lehrer Reckendorf wird Agent des Institutes zur Förderung der israelitischen Literatur (1859)     

Anzeige in der "Allgemeinen Jüdischen Zeitung" vom 18.4.1859: "Als neue Agenten haben wir zu bezeichnen: 
Herrn L. Löwenthal in Wormditt. 
Wolf Joseph, Religionslehrer in Großrohrheim, Kreis Bensheim, Großherzogtum Hessen. 
Lehrer Reckendorf in Schnaittach (Bayern)
Institut zur Förderung der israelitischen Literatur."       

 
Ausschreibung der Stelle des Vorsängers und Schächters (1866)  

Schnaittach Israelit 15081866.jpg (50182 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. August 1866: "Bei der hiesigen Gemeinde ist die Stelle eines Vorsängers und Schächters auf drei Jahre provisorisch zu besetzen. 
Nebst freier Wohnung beträgt der jährliche Gehalt inklusive der Emolumente circa 400-450 Gulden, welcher jedoch bei entsprechenden Fähigkeiten noch erhöht wird. 
Qualifizierte Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnisse innerhalb 4 Wochen franco an unterfertigte Verwaltung einsenden. 
Schnaittach bei Nürnberg, den 8. August 1866. Die israelitische Kultusverwaltung."   

  
Zum 70. Geburtstag von Lehrer Maier Mayer (1909)  
Auf die obige Ausschreibung von 1866 bewarb sich erfolgreich Lehrer Maier Mayer, der noch nach 42 Amtsjahren seinen 70. Geburtstag in Schnaittach feiern konnte (weiteres zu seinem Lebenslauf siehe unten Bericht zu seiner Diamantenen Hochzeit und Bericht  zu seinem Tod von 1927).

Schnaittach Israelit 15041909.jpg (35949 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1909: "Schnaittach, 14. April (1909). Am 22. April feiert der hiesige Lehrer und Vorsänger, Herr Mayer, seinen 70. Geburtstag; derselbe amtiert bereits über 42 Jahre hier und blickt auf ein arbeitsreiches Leben zurück. Herr Lehrer Mayer ist noch sehr rüstig. Möge demselben vergönnt sein, auch fernerhin seinen Beruf wie bisher ausüben zu können."  

   
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochet 1925  

Schnaittach Israelit 07051925.jpg (33166 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1925: "Seminaristisch gebildeter Religionslehrer, Vorbeter und Schochet gesucht. Gehalt nach der staatlichen Besoldungsordnung. Dienstwohnung vorhanden. 
Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Schnaittach, bei Nürnberg."  

   
Diamantene Hochzeit des in Themar im Ruhestand lebenden Lehrers a.D. Maier Mayer und Karolina geb. Eisenfresser (1926)  
Anmerkung: Lehrer Maier Mayer war 47 Jahre lang Lehrer in Schnaittach; er war der Schwiegervater des Lehrers in Themar Moses Levinstein. Daher lebte er seit seiner Zurruhesetzung in Themar.     

Themar Israelit 09041926.jpg (154674 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1926: "Themar, 16. März (1926). Das Fest der diamantenen Hochzeit feierten unter Anteilnahme weiter Kreise am 16. März - dem 1. Nisan [Rosch Chodesch Nisan] - Herr Maier Mayer, Lehrer a.D. und dessen Gattin Karolina geb. Eisenfresser in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische in Themar (Meiningen). Ein feierlicher Festgottesdienst versammelte die ganze Gemeinde in der festlich geschmückten Synagoge. Es war erhebend, als der ehrwürdige Greis von 87 Jahren mit wohlklingender Stimme den Segensspruch über die Thora aussprach. Im Anschlusse an den Gottesdienst fand die Feier statt, die durch einen sinnreichen Prolog, vorgetragen von drei Enkelkindern, eingeleitet wurde. Darauf folgte die eindrucksvolle Festrede des Schwiegersohnes des dortigen Lehrers, Herrn M. Levinstein. Lehrer S. Blumenthal, Neustadt a. Aisch als Neffe schloss sich den Worten des Festredners an und überbrachte die Glückwünsche der weiteren Verwandtschaft und die des 'Israelitischen Lehrervereins in Bayern', dessen Nestor der Jubilar ist. Namens der Kultusgemeinde Schnaittach, woselbst der Jubilar 47 Jahre wirkte, überbrachte Herr Freimann Glückwünsche, ein Ehrengeschenk nebst einer kunstvoll ausgeführten Ehrenurkunde. Mit Verlehrung eines ehrenden Glückwunschschreibens des Reichspräsidenten Hindenburg, des 1. Bürgermeisters der Marktgemeinde Schnaittach, des Präsidiums des D.J.G.B., des 1. Vorsitzenden des israelitischen Lehrervereins in Bayern, des Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in Deutschland, sowie der Mitteilung von der Verleihung des Chowertitels ('Ehrenrabbiner') durch den Herrn Distriktsrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt und herzlichen Dankesworten an die Festversammlung seitens des ältesten Sohnes des Jubelpaares Herrn Lehrer M. Mayer, Fürfeld namens seiner 6 Brüder und drei Schwestern schloss der feierliche Akt, der auf alle Teilnehmer einen erhebenden Eindruck macht.  Nicht unerwähnt sei, dass der greise Jubilar beim Festmahle eine sinnreiche Rede hielt, die mit Dank für Gottes Gnade ausklang, und dass derselbe mit klangvoller Stimme die Birchas hamoson vortrug. Mögen dem ehrwürdigen Ehepaare noch viele Jahre der Freude und des Glückes mit Gottes Hilfe im Kreise der Kinder und Enkel beschieden sein."    

 
Zum Tod von Lehrer Maier Mayer (1927)  

Schnaittach BayrGZ 07011927.jpg (129582 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar 1927: "Personalien. In Themar, wo ihm kindliche Dankbarkeit und Liebe ein freundliches Heim geschaffen und einen sorgenfreien, heiteren Lebensabend bereitet hatten, verstarb am 24. November (18. Koslew) der Nestor und Mitbegründer unseres Vereins, Maier Mayer, im Alter von 86 Jahren und 7 Monaten. Er wurde am 22. April 1839 in Aschbach geboren, erhielt seine Ausbildung in Höchberg und Würzburg und wurde nach mehrjähriger Tätigkeit als Religionslehrer in Oberthulba und Giebelstadt in die damals noch blühende Gemeinde Schnaittach berufen, wo er nahezu ein halbes Jahrhundert in Schule und Gemeinde wirkte, bis er im Jahre 1914 in den wohlverdienten Ruhestand trat und nach Themar übersiedelte. Auch in dieser Gemeinde machte er sich besonders verdient, indem er in gottbegnadeter, körperlicher und geistiger Rüstigkeit in den Jahren 1916-1918, als sein Schwiegersohn, Lehrer Levinstein, zum Kriegsdienste eingerufen wurde, dessen anstrengenden Dienst versah. Noch als 86jähriges fungierte er am Rochhaschanah (Neujahr) und Jomkippur als Scheliach Zibbur (Vorbeter). Die hohe Verehrung und Liebe, die ihm aus allen Kreisen entgegengebracht wurde, fand noch besonderen Ausdruck, als er im Vorjahre mit seiner Gattin unter Teilnahme der ganzen Gemeinde, ohne Unterschied des Glaubens, der Vertreter aus seinem vieljährigen Wirkungsorte und der Behörden - der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden sei hierbei eigens genannt - das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern konnte. Bezirksrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt verlieh im anlässlich dieser Feier den Chower-Titel. Um den Heimgegangenen trauern mit der Gattin 10 Kinder, 7 Söhne und 3 Töchter. An seiner Bahre hielt der Schwiegersohn die Trauerrede, der älteste Sohn, Lehrer Moses Mayer, widmete dem Vater tief ergreifende Worte des Abschieds. Möge das Andenken des Zaddik zum Segen sein! Blumenthal, Neustadt a.d.A."  

  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Über ein Hausgebetbüchlein aus Schnaittach, geschrieben 1755    

Schnaittach BayrGZ 01051928.jpg (173232 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1928 (Ausschnitt aus einem längeren Abschnitt über "Jüdische Buchmalerei im 18. Jahrhunder"): "Von einer anderen Kunstauffassung, die allerdings von der böhmischen Kunstschreibeschule nicht unbeeinflusst blieb, zeugt ein ebenfalls sehr kleines Gebetbüchlein mit den gebräuchlichsten Segenssprüchen und kleinen Gelegenheitsgebeten, das am ersten Kislev 5516, d.i. 5. November 1755 von Moses, Sohn des verstorbenen Herrn Jakob Moses aus Schnaittach vollendet wurde. Es ist im Auftrage des Jünglings, des Bräutigams David Lewi, Sohnes des Herrn Naftali aus Schnaittach geschrieben worden und war als Geschenk an seine Braut, die Jungfrau Chanah aus Baiersdorf bestimmt. Das Büchlein (Format 10,5 x 7 Zentimeter) befindet sich heute in Münchener Privatbesitz (Abb. 9). Durch die stärkere Deckung des Hintergrundes wird eine weniger klare Wirkung erzielt, das Ganze erscheint schwerfälliger und primitiver. Dennoch ist das Bild der Kutsche (Abb. 10) , das als Illustration zum Gebet auf einer Reise gewählt ist, nicht nur in der Wahl des Vorwurfs reizvoll, sondern auch in der Durchführung entsprechend. Das in hübschem Original-Lederband erhaltene Büchelchen ist uns wegen seines Verfertigers besonders wertvoll, weil wir ihn wohl mit einer Sfoferim-Familie in Zusammenhang bringen dürfen, aus der um die Wende zum 19. Jahrhundert Moses Schnaittach in Fürth hervorging, der u.a. auch das Kriegshaberer Memorbuch schrieb und mit einer linear-dekorativen Eingangsseite schmückte. Während die meisten Memorbücher eine nur ganz einfache Verzierung aufweisen, erweist sich das in Fischach aufbewahrte als das Werk  
Schnaittach BayrGZ 01051928a.jpg (173327 Byte)eines Künstlers. Z'vi Hirsch, Sohn des verstorbenen R. Bezalel aus Lemberg hat es im Jahre 1738 unter der Regierung Karls (VI.) mit zierlich hervorgebogenen Initial-Worten und mit ganz eigenartigen Federzeichnungen geschmückt, die vom europäischen Kunstcharakter auffällig abweichen..." 

  
Reisebericht aus Schnaittach (1851)  

Schnaittach AZJ 10111851.jpg (121052 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. November 1851 (Teil eines längeren Reiseberichtes - nur der Schnaittach betreffende Abschnitt wird zitiert): "...Länger weilten wir in Schnaittach, welches mit den Gemeinden Ottensoos, Forth und Hüttenbach ein Rabbinat Medinat Oschpah bildet. Auf dem Wege dahin ward ich von Freundes Mund gefragt, ob es ratsam sei, einen Sohn dem jüdischen Schulfache zu widmen. Ich nannte solches Beginnen ein ... (?) Schnaittach, eine der ältesten bayerischen Gemeinden, wohlhabende und dem Fortschritte huldigende Gemeindeglieder in großer Menge zählend, lebt in beständigem Unfrieden mit seinem Rabbiner Herrn Neckarsulmer und tragen, wie immer in solchen Fällen, beide Teile die Schuld. Derselbe entwarf seiner Zeit die für Mittelfranken gültige Synagogenordnung und doch wird sie nirgends weniger gehandhabt, als gerade hier. Da herrscht völlige Ungeniertheit und noch Etwas mehr, und der Rabbiner wendet sein Antlitz beharrlich der Wand zu. Rühmliche Erwähnung verdient die Gnade der königlichen Regierung, welche auf die Dauer der Krankheit des dasigen Lehrers - und sie wird leider lang andauern - den Gehalt des Verwesers ganz aus Staatsmitteln leistet. In Ermangelung eines jüdischen Kandidaten musste mehrere Monate ein christlicher als Verweser verwendet werden."   

   
Über die von der jüdischen Gemeinde jährlich abzugebenden Martinigänse und andere Sitten und Gebräuche im 17./18. Jahrhundert (1878)  

Schnaittach Israelit 11121878a.jpg (143544 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1878: "Schnaittach, 2. Dezember (1878). Nach dem Berichte aus Preßburg in Nr. 48 des 'Israelit' walten über den Ursprung der dortigen Sitten, von Seiten der Kultusgemeinde alljährlich dem Staatsoberhaupt 'Martinigänse' zu überreichen, verschiedene Erklärungen. 
Man wird jedoch nicht fehlgehen, wenn man in diesem Gebrauch einen Überrest der alten Judensteuern erblickt, welcher nach Aufhebung des Zwanges von der jüdischen Loyalität freiwillig beibehalten und später als ein Vorrecht aufgefasst worden ist. 
Diese Ansicht wird in mir wachgerufen durch zwei in dem hiesigen israelitischen Gemeindearchiv sich befindliche Schutzbriefe aus den Jahren 1645 und 1665. 
Der erstere, nur in Abschrift vorhanden, ist von dem fränkischen Gan-Erben (einem mittelalterlichen Adelsverband) ausgestellt, welche damals Herren des Rothenberg waren, einer Festung (jetzt Ruine) auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges, an dessen Fuße Schnaittach liegt.  
Der Schutzbrief vom Jahre 1665 ist von dem bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria und den Gan-Erben gemeinschaftlich gegeben, da Kurbayern zu dieser Zeit die Oberhoheit über den Rothenberg hatte. 
In diesen beiden Schutzbriefen spielt nun die Martinsgans als Judenabgabe keine unbedeutende Rolle. Man begnügt sich hier keineswegs mit einem halben Dutzend Alles in Allem. Im Eingange wird ausgesprochen, dass 'nachdem der Schnaittachischen Judenschaft gehabte Schutz und Freiheit sich geendiget' und die Judenschaft um ferneren Schutz 'gehorsamst und untertänigst wieder angehalten', Ihre Kurfürstliche Durchlaucht (Schutzbrief d. 1665: Ihre Kurfürstliche Durchlaucht und die wohladeligen Herrn Gan-Erben) 'sich gnädigst (und gnädig) resolviert, Ihnen wiederum, wie vor 
Schnaittach Israelit 11121878b.jpg (380349 Byte)diesem geschehen', einen Schutzbrief auf drei Jahre zu erteilen. 'Dagegen' habe jeder Jude jährlich vierzig Gulden zu entrichten. (Die Vorauszahlung von 40 Gulden wird in dem Brief von 1645 ihnen 'auf ihr untertänig Supplizieren und in Erwägung der noch konditionierten beschwerten Kriegsläuften, doch zu keiner Konsequenz, in Gnaden nachgelassen. Es folgt dann die Aufzählung, der den Juden bewilligten 'Freiheiten', unter Anderem: dass 'Ihnen vergönnt und zugelassen worden, einen Schulmeister und Schulklopfer, die Sie zu Ihrem Handel brauchen, zu Ihnen zu nehmen'. Nachdem noch für die Verstattung, ihren Begräbnisplatz weiter benützen zu dürfen, kleinere Gebühren bei Sterbefällen festgesetzt worden, kommen unsere Martinigänze an die Reihe. 
In beiden Dokumenten heißt es - bis auf den Namen des Empfängers - gleichlautend: 'Und soll ein Jeder Jud jährlich dem Burggrafen (1665: Beiden Herrschaften) auf Martini eine gut gemästete Gans, dazu auf Weihnachten einen Opfergulden, dann dem Burgvogten alle miteinander eine gemästete Gans und ein Opfergulden, desgleichen ein jeder Jud dem Richter zu Schnaittach auf Martini eine gemästete Gans und auch ein jeder besonders denen des Rats zu Schnaittach eine gemästete Gans und alle miteinander dem Büchsenmeister zum Rothenberg einen halben Gulden zu geben schuldig sein.' 
Man sieht, unsere alten schutz- und Zwingherren wussten nicht nur das Geld, sondern auch die gemästeten Gänse der Juden zu würdigen. Es hatte also jeder jüdische Hausvater zu den hohen Geldabgaben noch eine erkleckliche Zahl gemästeter Gänse jährlich zu liefern. Doch brauchten, wie es scheint, nur die an die höchsten Herrschaften zu liefernden Gänse gut gemästet zu sein. 
Dafür wurden die Juden auch geduldet und beschätzt. Aber mit einer Einschränkung. 'Jedoch behält man sich von Seiten Ihrer Kurfürstlichen Durchlaucht usw. ausdrücklich bevor', heißt es am Schlusse, 'dass wo im Römischen Reich der Juden halb Änderung sich begeben sollte, dass man mit dieser gegebenen Freiheit gegen Ihnen nit verbunden sein solle noch wolle. Ohne Gefährde.'  
Es ist jedoch den Schnaittachischen Juden diese 'Freiheit' gegen klingende Münze und schnatternde Gänse stets verblieben und erneuert worden. Wenigstens ist in der sehr alten Gemeinde kein Bericht von einer Verfolgung auf die Nachwelt gekommen. Wohl aber sieht man aus noch vorhandenen abschriftlichen Dekreten aus dem 17. Jahrhundert, dass die damaligen Gewalthaber ernstlich einschritten, die Juden gegen Gewalttätigkeiten in Schutz zu nehmen und ihnen von kleineren Nachbarherrschaften 'arretierte Schulen und Waren' wieder zu verschaffen.
Erheischte dies ja auch der eigene Vorteil. Wie hätten sonst die armen Geplagten die hohen Abgaben erschwingen können? 
Besonders interessant ist ein diesbezügliches Schreiben von Seiten der Gan-Erben, dato Nürnberg, den 13. März 1666, an den Landpfleger, sich der Juden in Schnaittach anzunehmen, 'weil hin und wieder ein falsches Geschrei im Lande erschalle, als wollten sie Alles verkaufen und ihrem Propheten Nathan zulaufen, und die Untertanen, welchen sie mit Geld und anderen Sachen geholfen haben, dadurch ganz irre gemacht werden, dass sie ihnen nicht wiederum erstatten und bezahlen wollen', 'und da wir dies ihr bittlich Gesuch und Begehung den Rechten und der Billigkeit nicht zu entgegen erkennen.' Dieser 'Prophet' Nathan war der Leibprophet des damals aufgetretenen falschen Messias, Sabbathai Zewi. Es scheint demnach sein Name zur gedachten Zeit hier von stärkerem Klange gewesen zu sein, als der seines Herrn und Meisters. 
Ein Schutzbrief von dem Belgradstürmer, Kurfürsten Max Emanuel, aus dem Jahre 1717 verpflichtet die 3 Gemeinden: Schnaittach, Ottensoos und Hüttenbach zu einer Zahlung von 3.000 Gulden für fünfzehnjährigen weiteren Schutz; von einer Gänselieferung ist jedoch darin keine Rede. Diese war aber durchaus noch nicht ganz verschwunden. Denn in den Schutzbriefen von 1762 und 1777, in welchen den zwei Gemeinden, Schnaittach und Ottensoos für 15jährige weitere Duldung die Zahlung von 11.250 Gulden, resp. 9.750 Gulden auferlegt ist, wird ausgesprochen, dass die Juden keine weitere Staatssteuer zu zahlen haben, wohl aber Sporteln, Leibzoll und Gefälle, welche auf 'Gewohnheit und Herkommen beruhen; unter Letzterem figuriert auch 'das, was dem Gerichtsschreiber für die gemästete Gans zu erstatten üblich gewesen.'    
Die 'gemästete Gans' taucht also noch im letzten Schutzbrief, der bis 1792 Geltung hatte, auf, aber nur in einem einzigen Exemplare, und dieses in Geld metamorphosiert. Die französische Revolution bereitete alsdann, wie es scheint, mit den Schutzbriefen auch unserer bereits schwach gewordenen Steuergans ein seliges Ende. Ältere Dokumente als die erwähnten, sowie die dazwischen liegenden Schutzbriefe, finden sich hierselbst nicht mehr vor. Die älteren Schriftstücke sind wahrscheinlich während des 30jährigen Krieges verloren gegangen. Nur die Synagoge trägt, in Stein gemeißelt, die Jahreszahl 5330 (1570). 
Schnaittach Israelit 11121878c.jpg (182066 Byte)Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, hier zu erwähnen, dass nach einer Überlieferung in der hiesigen christlichen Bevölkerung die Synagoge einstens eine Kirche (Johanniskirche) gewesen, auf welche sich die Johanniskirchweihe gründen soll, welche lediglich der Stadtteil, in welchem sich die Synagoge befindet, heute noch begeht. In der Tat ist die Frauensynagoge ein späterer Anbau, und auch die Bauart der Synagoge schließt aus, dass ursprünglich in dieser eine Frauenabteilung gewesen. 
Wenn solche vergilbte Papiere, wie die hier erwähnten, vor uns liegen und uns als authentische Zeugen aus alter Zeit von dem harten Lose unserer Väter erzählen, da drängt sich uns mit unumstößlicher Überzeugung besonders das Eine als geschichtliches Ergebnis auf, dass heute, wo die Wucherfrage in Deutschland wieder in den Vordergrund tritt, nicht unausgesprochen bleiben darf - nämlich: dass die alten Gewalthaber die Juden wissentlich und geflissentlich wucherischen Geschäften in die Arme trieben, um an ihnen, falls man nicht vorzog, sie zu berauben und dann zu verjagen, eine ergiebige Melkkuh zu haben. Anstatt nun in der heutigen, klarer schauenden Zeit, die alten Vorurteile und Gehässigkeiten abzuwerfen und für den Wucher, den leider noch manche Juden treiben, die Jahrhunderte lang währende Beschränkung, Bedrückung und Auspressung, welche die Juden von ihren christlichen Herren erfuhren, verantwortlich zu machen: schämen sich selbst intelligente Volksvertreter nicht, den Wucher für ein dem jüdischen Stamme anhaftendes Gebrechen zu erklären. 
Ich bin mehrmals, zu allerdings naheliegenden Exkursen gekommen. Es mag aber für die heutige jüdische Generation, welche sich einer wahren äußeren Freiheit erfreut, in mehr als in Einer Beziehung recht heilsam sein, von Zeit zu Zeit einen Blick auf die weniger glückliche Vergangenheit unserer Altvordern zu werfen. Und da ist das eben Besprochene gegenüber den Verfolgungen und Bedrückungen, welche hundert andere jüdische Gemeinden zu erleiden hatten und in asiatischen Ländern noch heute erleiden, immerhin als eine milde Behandlung anzusehen. S-."  

  
Aus einer Reisebeschreibung nach Schnaittach und Ottensoos (1885)  

Schnaittach Israelit 16111885.jpg (35762 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1885 (aus einem längeren Reisebericht): "Reisebeschreibung eines Israeliten (Fortsetzung). Von Nürnberg bin ich gereist auf Ottensoos nach Schnaittach. Dieses ist die Geburtsstadt meines Vaters. Hier wohnen etwa 50 Hausgesind Juden und sind auch ohne Judengasse."  

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Mord an Handelsmann Wolf Himmelswunder (1869)  

Schnaittach Israelit 29091869.jpg (65083 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1869: "Amberg, 7. September (1869). Gestern früh wurde im Walde zwischen Köfering und Haag die Leiche eines israelitischen Handelsmannes namens Wolf Himmelswunder aus Schnaittach aufgefunden. Dieselbe trug eine Reihe schwerer Verwundungen am Kopfe, und scheint an dem Getöteten, dessen Körper Spuren herftiger Gegenwehr an sich trug, ein Raubmord verübt worden zu sein. Wenigstens fehlen Uhr und Geld. Eine gänzliche Beraubung fand jedoch nicht statt, da mehrere Waren, u.a. einige Silbergeräte, bei der Leiche aufgefunden wurden."  

 
Kultusvorstand J. Lichtenstädter übersiedelt nach Nürnberg (1892)   

Schnaittach Israelit 25011892.jpg (131961 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Januar 1892: "Schnaittach, 20. Januar (1892). Gestern ist Herr J. Lichtenstädter, Kultusvorstand hier, nach Nürnberg übergesiedelt und wird der Verlust dieses Mannes hier allgemein empfunden und bedauert. Herr Lichtenstädter ist ein gottesfürchtiger und wohltätiger Mann im eigentlichen Sinne des Wortes, er war Vorbeter beim Morgengebet an den beiden Tagen Rosch-Haschono (Neujahr) und Jom-Kippur und wusste sowohl durch seine (klangvolle) Stimme, als auch durch seine Andacht beim Gebet die Andacht bei seinen Zuhörern zu erwecken. Seit bereits 26 Jahren war er Kultusvorstand und Vorstand des Friedhofverbandes und versah diese Ämter mit großer Umsicht, Gewissenhaftigkeit und in selbstloser Weise. Durch Klugheit, Offenheit und unparteiisches Vorgehen ist es ihm gelungen, den Frieden in der Gemeinde während seines Amtes als erster Kultusvorstand aufrecht zu erhalten.
Sein Bestreben war auch, eine Kasse für durchreisende Arme zu errichten; die Armen waren seine Hausgenossen, denn umsonst fragte selten ein Hungriger bei ihm an, stets verließ der Dürftige gesättigt sein Haus. Bei all diesen guten Werken stand ihm seine, seit bereits 1 1/4 Jahren in Gott ruhende, fromme und biedere Gattin als treue Gehilfin zur Seite. 
Dass er aber auch bei den nichtjüdischen Mitbürgern in hoher Achtung stand, beweist, dass er schon seit vielen Jahren in das Gemeindekollegium und später als Magistratsrat gewählt wurde. 
Möge es Herrn Lichtenstädter gegönnt sein, seine Tage bis 100 Jahre in seinem neuen Domizil in steter Gesundheit und Zufriedenheit zu verleben und stets recht glücklich zu sein."     

      
Heinemann Strauss wird 90 Jahre alt (1937)  

Schnaittach CV-Zeitung 27051937.jpg (18630 Byte)Mitteilung in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 27. Mai 1937: "Heinemann Strauss (Markt Schnaittach) begeht am 30. Mai seinen 90. Geburtstag."  

  
   
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
J. Lichtenstädter sucht für sein Kurz- und Schnittwarengeschäft einen Lehrling (1869)  

Schnaittach Israelit 24021869.jpg (39268 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1869: "Offene Lehrlingsstelle. In mein Kurz- und Schnittwaren- en gros et en détail-Geschäft kann ein gut gesitteter Junge unter annehmbaren Bedingungen als Lehrling eintreten. Am Schabbat und Feiertag streng geschlossen. 
J. Lichtenstädter in Schnaittach bei Nürnberg."  

 
Todesanzeige für Regina Altbaier geb. Eckmann (1937)  

Schnaittach CV-Ztg 15071937.jpg (50296 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 15. Juli 1937: "Am 5. Juli entschlief im Alter von 87 Jahren, infolge eines Schlaganfalles, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante, Frau Regina Altbaier geb. Eckmann. Die trauernden Hinterbliebenen Gustav Altbaier und Frau Frieda geb. Haag. Adolf Haag und Frau Hanni geb. Altbaier. Flora Altbaier. Schnaittach Markt, Mittelfranken."  

     
    
Sonstiges 
Hinweis auf jüdische Familien mit dem Herkunftsnamen "Schnaittacher" in Holland 
(Hinweis: Informationen und Abbildungen erhalten von Lucus Bruijn, Groningen, vom 25.9.2012)   

Zutphen Friedhof 020.jpg (42623 Byte)In Holland gab es jüdische Familien, deren Familiennamen auf eine Herkunft aus Schnaittach hinweist: Snatich und Snatager
Zum Doppelgrabstein links auf dem jüdischen Friedhof in Zutphen (Provinz Gelderland): 
- zum einen (auf der rechten Seite) mit Inschrift für Jette van Gelder (geb. 1805/06 in Zutphen als Tochter von Jacob Abraham van Gelder und Flora de Wolff). Sie war (seit dem 28. April 1830) verheiratet mit  Ber Snatich (niederländisch: Barend Snatager; (geb. 1803/04 in Zutphen als Sohn von Levi Mozes Snatager und Maria Kets). Sie starb am 11. Juni 1842. 
 - zum anderen (auf der linken Seite) der Grabstein für Flora (Froemet) de Wolf, Frau von Jacob van Gelder. Sie war zwei Monate vor Jette am 18. April 1842 gestorben.      
   
  Zutphen Dok 020.jpg (233972 Byte)  Zutphen Dok 022.jpg (96516 Byte) Zutphen Dok 021.jpg (285497 Byte)
 Todesanzeige für Jette 
geb. van Gelder (1842) 
Todesanzeige für Flora (Froemet) 
de Wolf, Frau von Jacob van Gelder (1842) 
  Todesanzeige für Vogeltje (Feygele) Moses, Tochter von Moses Salomon und Sara Nathan, alle aus "Snatich" (= Schnaittach), verheiratet mit Salomo Selig (geboren in "Snatich")   
   
   
Der bekannteste Vertreter der Familie Snatich in Holland war der Rabbiner Gerson Abraham Snatich, Sohn des bekannten Rabbiners Abraham Snatich und der Hester Steinschneider aus Prossnitz (Prostejov), der seit 1775 in Groningen lebte. Link zu weiteren Informationen.  

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge             
   
Eine erste Synagoge (Betsaal) wurde wohl bereits vor 1529 eingerichtet. In diesem Jahr wird erstmals ein "Judenschulmeister" in Schnaittach genannt. Dass es sich bei den in Schnaittach aufgenommen jüdischen Familien vor allem auch um aus Nürnberg vertriebene Personen handelt, zeigte die noch im 19. Jahrhundert feststellbare Übereinstimmung der Synagogengebräuche mit denen im mittelalterlichen Nürnberg. 
   
Übereinstimmung der Synagogengebräuche zwischen Schnaittach und den mittelalterlichen Nürnberger Bräuchen (Artikel von 1842)  

Schnaittach AZJ 03091842.jpg (99595 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. September 1842: "In den Judengemeinden zu Schnaittach, Ottensoos und Hüttenbach zeigt sich die größte Übereinstimmung der Synagogengebräuche mit denen, welche die Juden vor ihrer Vertreibung aus Nürnberg daselbst beobachteten, von denselben weichen die übrigen Juden in Mittelfranken ab. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die aus Nürnberg vertriebenen Juden in der Nähe sich niederließen und die dort von früherer Zeit bestehenden Gemeinden verstärkten; für diese Ansicht spricht eine Angabe des Schnaittacher Zinsbuchs von Jahr 1560, welches eine Grabstätte und mehrere Häuser der Juden zu Schnaittach und Ottensoos angibt, die schon im 15. Jahrhundert dort vorgekommen sind. Die Verfolgungen, welche die Juden im 13ten und 14ten Jahrhundert zu Nürnberg erduldeten, möchte sie veranlasst haben, Wohnsitze aufzusuchen, die, in der Nähe ihrer früheren Verbindungen, den Schutz eines fremden Landesherrn gewährten. In Schnaittach und Ottensoos (Otimissaz) konnte dies leicht erreicht werden." 

1570 wurde eine neue Synagoge ("Judenschulhaus") erbaut (bis heute ist die Jahreszahl "1570" an der Synagoge zu lesen). Dieses Gebäude - in der Substanz möglicherweise eine mittelalterliche Kirche (Johanneskirche) - wurde in den folgenden Jahrhunderten immer wieder umgebaut und renoviert. 1858 wurde die Synagoge durchgreifend renoviert und mit einer neuen Ausmalung geschmückt. Über die Wiedereinweihung der Synagoge am 28. August 1858 liegt ein Bericht aus der "Allgemeinen Zeitung der Judentums":     

Schnaittach AZJ 18101858.JPG (85611 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Oktober 1858: "Schnaittach, 7. September (1858). Am 28. August wurde die hiesige schön restaurierte Synagoge eingeweiht. Wenn auch derartige Feierlichkeiten jetzt so häufig vorkommen, dass sie längst das allgemeine Interesse verloren haben, so verdient doch genannte Feierlichkeit um so mehr Erwähnung, als in dieser Einweihung zugleich der Sieg der guten Sache nach jahrelangem Kampfe gefeiert wurde. Die Einweihung selbst wurde aus pekuniären Rücksichten in einfachster Weise gehalten. Den Glanzpunkt bildete die Einweihungsrede des Herrn Distrikt-Rabbiners Neckarsulmer, der, anknüpfend an 1. Buch Mose 28,17, den Zweck und die eigentliche Weihe des Gotteshauses, sowie unsere Verpflichtungen gegen dasselbe in gelungenster Weise darlegte. Möchten die Worte des Redners, die namentlich auch von dem anwesenden nichtjüdischen Auditorium sehr beifällig aufgenommen wurden, nicht ungehört verhallen und in unser, nun äußerlich schön geziertes Gotteshaus auch ein anderer Geist der Ordnung und Andacht, des Friedens und der Eintracht einziehen.  

Auch 1932 wurde die Synagoge nochmals renoviert. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Inventar der Synagoge völlig zerstört. Zu der Aktion gegen die Synagoge waren der Kreisleiter der NSDAP aus Lauf mit weiteren SA-Leuten nach Schnaittach gekommen. Sie hatten zunächst vom Bürgermeister verlangt, die Synagoge niederbrennen zu lassen. Da freilich damals schon der Plan bestand, das Gebäude in ein Museum zu verwandeln, ordnete der Kreisleiter die Zerstörung des gesamten Inventars an. Ein Trupp von SA-Leuten warf anschließend Möbel, Geräte, Gebetbücher und andere religiöse Schriften auf einen Haufen und zündete ihn an. Auf Grund der Intervention eines nichtjüdischen Einwohners, der Ausstellungsstücke für das Museum von Schnaittach suchte, wurden die Torarollen und die Ritualien vor der Zerstörung bewahrt. 1939 wurde die ehemalige Synagoge in ein Heimatmuseum umgewandelt. 1985 bis 1996 wurde das Gebäude renoviert. Seitdem befindet sich in ihm neben dem Heimatmuseum eine Dauerausstellung zum Landjudentum des Jüdischen Museums Franken in Fürth & Schnaittach

 

Hinweis auf den "Synagogenleuchter von Schnaittach". Mehr als 60 Jahre nach der Verwüstung der Schnaittacher Synagoge Beim Novemberpogrom 1938 erhielt das Jüdische Museum Franken in Schnaittach einen von ursprünglich neun Synagogenleuchtern für die Museumssammlung zurück. Die Synagogenleuchter von Schnaittach galten lange als zerstört oder verschollen. 202 Jahre lang erfüllte er in der Synagoge seine Bestimmung. 68 Jahre lang, seit der Pogromnacht, befand er sich an wechselnden Orten in privaten Händen. Ein Vermächtnis sicherte 2006 seine Rückkehr. Seine Existenz wirft die Frage nach dem Schicksal der weiteren Synagogenleuchter von Schnaittach auf.
    
Standort der Synagoge: Museumsgasse (frühere Judenschulgasse) 12, 91220 Schnaittach 

Hinweise auf Führungen in Schnaittach durch das Jüdische Museum Franken

Landjudentum Museumsrundgang: jeden ersten Sonntag im Monat, 14 Uhr (ohne Anmeldung)
Folgende drei Themen sind als Gruppenführung buchbar: 
Jüdisches Leben in Schnaittach - Stadtführung
Der Rundgang führt von der ehemaligen Synagoge zum jdischen Friedhof und durch die Marktgemeinde Schnaittach.
Medinat Aschpa - Geschichte der Jüdischen Gemeinde Schnaittach. Kombiführung durch die Männer- und Frauenschul und zum jüdischen Friedhof
Der jüdische Friedhof in Schnaittach. Führung am jüdischen Friedhof in Schnaittach 
  
  

Fotos 
Historische Fotos: 
(die Fotos in der oberen Zeile links und Mitte wurden von Theodor Harburger am 8. Mai 1928 erstellt, veröffentlicht in: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler Bd. 3 S. 677f; das rechte Foto ist aus: Siehe der Stein schreit aus der Mauer. s. Lit. S. 230) 

Schnaittach Synagoge 012.jpg (65142 Byte) Schnaittach Synagoge 011.jpg (45572 Byte) Schnaittach Synagoge 010.jpg (95022 Byte)
Gitter zum Frauenraum in der 
Synagoge in Schnaittach.
Deckendekoration 
der Synagoge
Gebotstafeln aus Schnaittach, die ursprünglich 
den Toraschrein der Synagoge flankierten.

   

Neuere Fotos: 
(Fotografien der oberen beiden Fotozeilen wurden von Klaus Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht hinterlegte Bilder können per Mail bei Klaus Kurre angefordert werden). 

Schnaittach Synagoge 104.jpg (64060 Byte) Schnaittach Synagoge 102.jpg (47649 Byte) Schnaittach Synagoge 100.jpg (57816 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Schnaittach in der früheren "Judenschulgasse", jetzt Museumsgasse
 
Schnaittach Synagoge 101.jpg (33261 Byte) Schnaittach Synagoge 103.jpg (34969 Byte) Schnaittach Synagoge 180.jpg (48708 Byte)
Informationstafel Die Jahreszahl 5330 
für 1569/70
Gefallen-Gedenktafeln 
(Foto: Jürgen Hanke, Kronach)
  
        
Fotos Frühjahr 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 12.4.2007)
     
Schnaittach Synagoge 350.jpg (110192 Byte) Schnaittach Synagoge 351.jpg (121692 Byte) Schnaittach Synagoge 352.jpg (77836 Byte)
Hinweistafel: "Vorsängerhaus. Gemeinsam 
mit dem sich anschließenden Rabbinerhaus 
1687 als Dienstwohnung für den Vorsänger
 erbaut. Im Keller hat sich ein Ritualbad 
erhalten, bis 1938 befand sich in diesem 
Haus eine Laubhütte und das Sitzungszimmer 
der Kultusgemeinde Schnaittach". 
  
Hinweistafel: "Synagoge. 1570 im Stil
 mittelalterlicher Synagogen errichtet, 1736
 erweitert und 1858 grundlegend renoviert. 
Die hebräische Inschrift nennt das Erbauungsjahr
 (5)330 nach dem jüdischen Kalender. In der
 Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 
wurde diese Synagoge geschändet und wenig
 später zu einem Heimatmuseum umgebaut."
Hinweistafel: "Frauenschul. 1735/36 
als Frauenabteilung der Synagoge errichtet, 
1858 umgebaut. Die Frauenschul war nur 
über einen abgetrennten Eingang mit eigener
 Vorhalle erreichbar. Kleine Sichtfenster zur
 Männerabteilung wurden 1858 durch
 arkadenartige Durchbrüche ersetzt."
  
     
Schnaittach Synagoge 362.jpg (87214 Byte) Schnaittach Synagoge 355.jpg (73642 Byte) Schnaittach Synagoge 354.jpg (65637 Byte)
Blick auf die Synagoge    Eingang zur Frauen- und Männersynagoge
        
Schnaittach Synagoge 356.jpg (90638 Byte) Schnaittach Synagoge 357.jpg (98033 Byte) Schnaittach Synagoge 358.jpg (86122 Byte)
Fenster des Betsaales der jüdischen Gemeinde  
   
Schnaittach Synagoge 359.jpg (53335 Byte)Schnaittach Synagoge 361.jpg (63211 Byte) Schnaittach Synagoge 360.jpg (110432 Byte) Schnaittach Synagoge 353.jpg (102837 Byte)
Hinweisschild "Jüdische Museum 
Schnaittach & Fürth" 
mit Veranstaltungshinweis
Hinweistafel: "Rabbinerhaus. 1687 auf einem
 von der jüdischen Gemeinde um 1570
 erworbenen Grundstück als Dienstwohnung des
 Rabbiners errichtet. Schnaittach war seit 
dem 17. Jahrhundert Sitz eines Rabbinats,
 das bis 1883 bestand."
Blick auf das ehemalige
 jüdische Gemeindezentrum
   
     
        

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

September 2010: Vortrag und Exkursion zur jüdischen Geschichte   
Artikel aus nordbayern.de vom 28. September 2010 (Artikel): "Als Juden noch bei uns lebten
Exkursion von Birgit Kroder-Gumann in Schnaittach- Friedhof und Synagoge
- 28.09. 12:58 Uhr 
Schnaittach - Wie Juden in Schnaittach, Hüttenbach, Forth und Ottensoos lebten – dies wurde ein Stück weit wieder lebendig bei der Exkursion, zu der die Kreisheimatpfleger im Rahmen der 'Entdecker-Wochen 2010' nach Schnaittach eingeladen hatten. Etliche Interessierte hatten sich zu der Tour eingefunden, die von Birgit Kroder-Gumann, Mitarbeiterin im Jüdischen Museum Schnaittach, und Pfarrerin Barbara Eberhardt aus Fürth geleitet wurde. 
So erfuhren die Teilnehmer etwa, dass Schnaittacher Kinder stets willkommene Gäste bei den Gottesdiensten in der Synagoge waren und auch gerne zu den Feiern der jüdischen Schnaittacher kamen, weil ihnen die dort gesungenen Lieder gut gefielen. Von 1570 bis 1938 hatten die Schnaittacher in der Synagoge ihr Gemeindezentrum, kamen Männer und Frauen durch getrennte Eingänge, um von getrennten Räumen aus Gottesdienst zu feiern.
Die Frauen verfolgten die Lesungen und Gebete der Männer, und immer wieder ging der Blick zum Thoraschrein unter dem ovalen Fenster aus buntem Glas, das noch heute Richtung Jerusalem weist. Beim Novemberpogrom wäre das Synagogengebäude abgebrannt worden, wenn nicht der damalige Bürgermeister darauf hingewiesen hätte, dass man das Haus doch noch gut für Zwecke des Heimatmuseums brauchen könne. So wurde nur die Inneneinrichtung entfernt, dies freilich gründlich.
Mit Freude jedoch stellt Birgit Kroder-Gumann fest, dass in den letzten Jahren immer mehr Gegenstände, die 1938 aus der Schnaittacher Welt verschwanden, ihren Weg zurück finden. So auch viele Grabsteine, die jahrhundertelang auf den jüdischen Friedhöfen standen. Immer wieder taucht einer in einem Wassergraben auf, unter einer Garageneinfahrt oder als Baumaterial einer Mauer. Mittlerweile hat sich auf der grünen Wiese, die der zweitälteste jüdische Friedhof Schnaittachs heute ist, wieder ein kleines Karree aus diesen Totengedenksteinen gebildet und erinnert an die Menschen aus Schnaittach, Ottensoos, Forth, Hüttenbach und auch Fürth, die hier einst beerdigt wurden, darunter berühmte Rabbiner der Schnaittacher Talmudhochschule. 
Einblicke in die Geschichte der Gemeinden Ottensoos, Forth und Hüttenbach, die zum Rabbinat Schnaittach gehörten, gab anschließend Pfarrerin Eberhardt, die Mitautorin des Synagogen-Gedenkbandes Mittelfranken ist, bei einem Vortrag im Sparkassensaal."    
   
Mai 2011: Charlotte Knobloch besucht das jüdische Museum   
Artikel von "mz" in der "Pegnitz-Zeitung" vom Mai 2011 (Artikel): "Knobloch in Schnaittach: "Kein Millimeter für Nazis"
SCHNAITTACH
— Der Besuch von Charlotte Knobloch und die Sitzung des Rates der Metropolregion gestern waren eine der Sternstunden im Schnaittacher Jubiläumsprogramm. Die streitbare 78-jährige ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland stattete dem Jüdischen Museum einen Kurzbesuch ab, sprach sich im Rathaus vor der Presse mit gewohnt deutlichen Worten gegen zuviel Toleranz des Rechtsstaates gegenüber Neonazis aus und hielt anschließend im 'Tausendschön' vor den 50 Ratsmitgliedern eine Rede zum selben Thema. 
Seit sechs Jahren besteht der Rat der Metropolregion und seitdem bereist das Gremium für seine Sitzungen das 22 Landkreise und 12 freie Städte umfassende Gebiet. So wie gestern in Schnaittach befassen sich Verwaltungschefs und weitere Experten verschiedener Gebiete mit politisch-strategischen Fragen. Aus diesem Netzwerk heraus bildete sich vor zwei Jahren auch die 'Allianz gegen Rechtsextremismus' – sozusagen aus der Not geboren, um alleine überforderten Städten wie Gräfenberg gemeinsam gegen neonazistische Umtriebe helfen zu können. 
Schnaittach ist wie 126 weitere Gebietskörperschaften Mitglied des Bündnisses. Vor zwei Jahren hatte dann der Schnaittacher Harald Leupold, der wie auch Peter Ottmann dem Rat der Metropolregion angehört, den Gedanken, wie gut das passen würde: Die 'Allianz' an einem Ort zu thematisieren, der über vier Jahrhunderte eine blühende jüdische Gemeinde barg und deren Ende – wie vielerorts – die Nazis erzwangen. Deshalb passe das schwierige Thema ideal ins Jubiläumsprogramm, fand er. Der fachliche Sprecher für Verkehr und Planung überzeugte den Rat vom Sitzungsort, die Marktgemeinde hatte Erfolg mit der Einladung Charlotte Knoblochs. 
Als sie zusagte, war sie noch Zentralratspräsidentin, heute ist sie Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Die Frau hat Einiges gesehen und da hat es natürlich Gewicht, wenn sie das Museum nach einem 20-minütigen Rundgang mit Leiterin Daniela Eisenstein und dem Vorsitzenden des Trägervereins für Fürth und Schnaittach, Alexander Küßwetter, als 'einmalig' bezeichnet. 
Eine Sammlung zum Landjudentum dieser Art mit dem erhaltenen Komplex aus Rabbinerhaus, Synagoge, 'Frauenschul' und Ritualbad gebe es zumindest in Oberbayern nicht. Nach ihren Empfindungen dort gefragt, sagte sie, sie habe sich ein wenig an ihre Kindheit in der jüdischen Gemeinde in München erinnert. Zu ihrem ersten Besuch nach Schnaittach gekommen war sie aber, um die 'Allianz gegen Rechtsextremismus' zu unterstützen. Es gebe viele Initiativen, aber eine weitere, die sich so eindeutig verhalte und 'mit Hand und Fuß' agiere, kenne sie nicht. Rechtsradikale Aktivitäten zu verschweigen sei keine Lösung. Das habe sich schon 1920 bis zur Machtübernahme der Nazis 1933 gezeigt. 'Auch meine Verwandtschaft dachte, die braunen Verbrecherbanden sind ein vorübergehendes Phänomen', mahnte Knobloch. 
Sie kritisierte die deutsche Gerichtsbarkeit und die Gesetzgebung der Gegenwart. Es dürfe nicht sein, dass 'Menschen mit verbrecherischem Gedankengut' Polizeischutz für Demonstrationen bekommen oder sich für Treffen in öffentliche Säle einklagen können. 'Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit werden hier zu hoch gehalten', sagte sie. Sie forderte dazu auf, endlich eine Möglichkeit gegen öffentliche rechte Umtriebe zu finden. Wenn der Staat hier nicht weiterkomme, dann sei eben die Zivilcourage der Bürger gefragt. 'Wir dürfen Neonazis nicht die Straße überlassen – keinen Millimeter', forderte sie. 
Sie erinnerte daran, dass der Antisemitismus keine deutsche Erfindung ist. Deshalb und auch wegen des Internets bedürfe es einer internationalen Zusammenarbeit. Es sei schlimm, welche Propaganda im Netz verbreitet werde. Um gegen entsprechendes Material auf Servern im Ausland vorgehen zu können, brauche es aber eine einheitliche Rechtssprechung international. Zum leidigen Thema NPD-Verbot meinte sie etwas kryptisch, es gebe schon Hinweise darauf, dass es 'in gewisser Zukunft' einen haltbaren Verbotsantrag geben würde. 
Der Ratsvorsitzende und Nürnberger OB Ulrich Maly ging konkret auf die Arbeit der 'Allianz' ein. Der Gedanke sei: Während es in Gemeinden nicht unüblich sei, eine rechtsradikale Unterwanderung im Ort unter den Teppich zu kehren, wolle es die Allianz genau andersherum machen. Die jeweilige Gemeinde habe die Rechten ja nicht gerufen. Auch er sei klar für ein NPD-Verbot. Rechtsradikales Gedankengut in den Köpfen könne man zwar nicht verbieten, aber den Zugriff verfassungsfeindlicher Parteien auf öffentliche Kassen."    
  
  

 
  
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Markt Schnaittach  
Jüdisches Museum Franken in Fürth & Schnaittach 
Website des "Vereins zur Förderung des Jüdischen Museums Frank  Fürth und Schnaittach e.V." 
Zur Seite über die Friedhöfe in Schnaittach (interner Link)    
Toraschild aus der ehemaligen Synagoge Schnaittach   
Artikel bei haGalil.com (eingestellt Mai 2017): Schnaittach - ein halbes Jahrtausend jüdische Geschichte     

Literatur:  

Germania Judaica III,2 S. 1327ff.
Magnus Weinberg: Geschichte der Juden in der Oberpfalz. Bd. III Der Bezirk Rothenberg (Schnaittach, Ottensoos, Hüttenbach, Forth). Selbstverlag Sulzbürg 1909. Online-Ausgabe Frankfurt am Main Universitätsbibliothek (als pdf-Datei: Download 11,83 mb)  
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 178-180.
Siehe der Stein schreit aus der Mauer. Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Ausstellungskatalog der Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 1988/89 (hierin werden zahlreiche rituelle Gegenstände aus Schnaittach beschrieben bzw. vorgestellt).
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 224-225.
Michael Trüger: Art. Schnaittach/ Mittelfranken". In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jahrgang Nr. 84 vom Dezember 2000 S. 12f.
Michael Schneeberger: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Schnaittach. In: Jüdisches Leben in Bayern. 17. Jahrgang Nr. 89 September 2002. S. 31-36.
Bernhard Purin: Jüdisches Schnaittach. Einladung zu einem Rundgang. Haigerloch 1999.
ders.: Judaica aus der Medina Aschpah. Die Sammlung des Jüdischen Museums Franken in Schnaittach. Fürth 2003.
Jüdisches Museum Franken Fürth & Schnaittach. Museumsführer, München-London-New York (Prestel) 1999.
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Schnaittach S. 575-596. 
Franken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Schnaittach S. 132-136. 
Synagogen Schwaben Lit 201605.jpg (66457 Byte)Benigna Schönhagen (Hrsg.) im Auftrag der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben: Wiederhergestellte Synagogen. Raum - Geschichte - Wandel durch Erinnerung. 136 S. 40 Abb. ISBN: 978-3-95565-141-1. 14,90 €  Verlag Hentrich & Hentrich Verlag Berlin www.hentrichhentrich.de; Informationen und Bestellmöglichkeit auf Verlagsseite.  
In diesem Sammelband präsentieren erstmals elf Expertinnen und Experten aus dem Bereich der jüdischen Museen und Gedenkstätten Sanierungs- und Nutzungskonzepte, die im deutschsprachigen Raum seit den 1980er Jahren für Synagogengebäude entwickelt wurden, die die Zeit des Nationalsozialismus überdauert haben, aber ihrer Gemeinde beraubt wurden. Die Beispiele zeichnen den Bewusstseinswandel für den Umgang mit dem gebauten jüdischen Erbe in den letzten 30 Jahren nach und geben einen Überblick über die Entwicklung der nationalen Erinnerungs- und Gedenkkultur. Ein besonderes Augenmerk gilt der angemessenen Sicherung von Spuren der Geschichte in den Gebäuden wie den Möglichkeiten und Herausforderungen der musealen Arbeit und historischen Vermittlung an einem authentischen Ort.
Mit Beiträgen von Fritz Backhaus (Jüdisches Museum Frankfurt/Main), Ines Beese (Alte Synagoge Erfurt), Martina Edelmann (Jüdisches Kulturmuseum Veitshöchheim), Daniela Eisenstein (Jüdisches Museum Franken: Beitrag S. 62-72 über "Jüdische Museen in historischen Häusern am Beispiel des Jüdischen Museums Franken in Schnaittach"), Karlheinz Geppert (Gedenkstätte Synagoge Baisingen), Felicitas Heimann-Jelinek (xhibit.at, Wien), Martha Keil (Institut für jüdische Geschichte Österreichs, St. Pölten), Hanno Loewy (Jüdisches Museum Hohenems), Hansfried Nickel (Synagoge Memmelsdorf), Benigna Schönhagen und Souzana Hazan (Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben)   

   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Schnaittach Middle Franconia. Jews arrived from Nuremberg after the 1499 expulsion but may have been present earlier. From the late 16th century Schnaittach was the seat of an association of four communities (including Ottensoos, Huettenbach and Forth). Many left after suffering greatly in the Thirty Years War (1618-48). Until the 1660s the community was under the auspices of the margrave of Rothenberg and thereafter under Bavarian rule. R. Shemuel Baermann of the well-known Fraenkel family served as rabbi of the community and chief rabbi of the Ansbach principality in the late 17th century. In the 18th century, Court Jews like Seligman Loew and Anschel Levi were active there. In 1837 the Jewish population stood at 262 (total 1,490), thereafter declining steadily to 42 in 1933. Under the Nazi regime, Jews continued to deal in cattle and beer hops, trading with local farmers despite the economic boycott. By November 1938, 17 had left, including 11 to the United States. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the contents of the synagogue were piled up and burned. The last 18 Jews left by the end of the year.  
      
       

                   
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Stand: 07. Mai 2017