|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia Judaica
Die Mitglieder der
Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und bestehende) Synagogen
Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale
in der Region
Bestehende jüdische Gemeinden
in der Region
Jüdische Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur und Presseartikel
Adressliste
Digitale Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Unterfranken"
Oberthulba (Markt
Oberthulba, Kreis
Bad Kissingen) mit Thulba
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Oberthulba bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. In dem
zum Stift Fulda gehörenden Thulba (Oberthulba gehörte zum Hochstift
Würzburg) lebten Juden bereits im 16. Jahrhundert. Aus dem Jahr 1581 liegt ein
Schutzbrief des Deutschmeisters Heinrich von Bobenhausen für die Judenschaft
des Stiftes vor. Die Familien wohnten damals in Brückenau, Hammelburg
und Thulba. 1603 wird unter den Kurgästen in Kissingen
des "Juden Gumpen Frau aus Oberthulba"
genannt.
Seit Mitte des 17. Jahrhunderts finden sich Nennungen von Juden in Oberthulba:
1655 war "Isac zue Oberdulba" einer von acht Juden des Amtsbezirkes Trimberg. Er
hatte Frau und Kinder und handelte mit Juwelen, Wolle, Leinentuch und anderem
mehr. 1699 lebten zwei jüdische Familien in Oberthulba (Samuel und Jacob). Mitte
des 18. Jahrhunderts waren drei jüdische Familien am Ort (Abraham, Benedict und
Lößer Meyer). Bis um 1800 stieg die Zahl der jüdischen Familien auf acht an.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt:
1816 31 jüdische Einwohner (4,8 % von insgesamt 673), 1837 36 (3,8 % von 940),
1848 51 (in elf Familien), 1867 57 (6,7 % von 847), 1871 64 (7,5 % von 849), 1889 60, 1892 59 (in 12
Familien), 1893 63 (in 12 Familien), 1903 63 (in 16 Haushaltungen), 1910 55 (6,1 % von 908).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Oberthulba auf
insgesamt fünf Matrikelstellen die folgenden jüdischen
Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Jacob
Jüdla Liebenfried (Viehhändler), Jochanan Abraham Schiff (Viehhändler), Mayer
Jochanan Schiff (Viehhändler), Salomon Abraham Schiff (Viehhändler), Jacob
Meyer Schild (Viehhändler).
Die
jüdischen Familien lebten auch nach der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Handel mit Vieh und Landesprodukten. Noch 1933
gab es in Oberthulba fünf Händler (davon drei Viehhändler) und einen
Landwirt. Die meisten Familien hatten im Nebenerwerb eine kleine
Landwirtschaft.
An Einrichtungen waren vorhanden: eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule (in einem Schulhaus mit Lehrerwohnung) und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im
jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war
(vgl. Ausschreibungstexte unten). Bereits 1803 wird ein Judenschulmeister
Feibelmann (= Feibel Distelburger) genannt. Er hatte noch keine Lehrerausbildung
wie die später angestellten Lehrer. Um 1850 erhielten die jüdischen Kinder ihren
Unterricht durch den Lehrer in Westheim
Heinemann Schwab (bis 1857); als Vorbeter und Schächter war in Oberthulba Wolf
Stern tätig. Ab den 1860er-Jahren hatte Oberthulba eigene Lehrer: 1863/64
Michael Katz (aus Höllrich),
1864/67 Maier Mayer (genannt u.a. bei einer Spendensammlung anlässlich
seiner Verlobung mit K. Eisenfresser in "Der Israelit" vom 16.8.1865),
1867/68 Jakob Löbenfried (s.u.), 1868/79 Jacob Massenbacher
(genannt bei Spendensammlung durch Feibel Schiff "bei Verlobung des Lehrers J.
Massenbacher in "Der Israelit" vom 24.3.1869 S. 3; weitere Nachweise "Der
Israelit'" vom 29.6.1870 S. 498, "Der Israelit" 6.11.1878 S. 1108-1109: Nachruf
zum Tod von Distriktsrabbiner Seligmann Bär Bamberger vom "einstigen Zögling der
... israelitischen Lehrerbildungsanstalt" J.M. in Oberthulba); 1882/83
Emanuel Eldod (aus Höchberg, s.u.),
ab 1885
Lehrer Moses Meyer (Mayer; aus
Giebelstadt); um 1892 Lehrer N. Eldod (er unterrichtete 1892 9
Kinder an der Religionsschule der Gemeinde, vermutlich = Naphtali Eldod, geb.
ca. 1871 in Höchberg (?), 1893 nicht mehr in Oberthulba genannt), um
1895/97 Lehrer Roos, um 1898/99 Lehrer J. Wormser (unterrichtete 1898
9 Kinder an der Religionsschule der Gemeinde, vermutlich = Isak Wormser s.u.),
um 1901 hielt Lehrer Jonathan Uhlfelder aus
Burgsinn den Religionsunterricht in
Oberthulba, um 1903 wird Lehrer L. Uhlfelder in Oberthulba genannt (J.
Uhlfelder noch in Burgsinn; L. Uhlfelder unterrichtete 1903 17 Kinder in
Oberthulba); um 1905 ist Lehrer Sonn in Oberthulba tätig.
Die Gemeinde war dem Bezirksrabbinat Bad Kissingen
zugeteilt.
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1889 S. Distelburger,
um 1892 S. Distelburger und M. Schiff, 1893 Samuel Schiff, 1893/1903 Julius Schiff, um
1904/08 Abraham Schiff.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen
Gemeinde Oberthulba (beziehungsweise gelten als vermisst): Max Distelburger
(geb. 10.12.1889 in Oberthulba, gef. 24.10.1916),
Arnold Löbenfried (geb. 1.1.1895 in Oberthulba, gef. 28.10.1916) und Isidor
Schiff (geb. 13.2.1893 in Oberthulba, gef. 16.4.1917). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal
für die Gefallenen beider Weltkriege auf dem örtlichen Friedhof Oberthulba
neben der Friedhofskapelle.
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg konnten sich die weniger gewordenen
jüdischen Familien keinen eigenen Lehrer und Vorbeter mehr leisten.
Glücklicherweise konnte mit dem aus Rimesk (?, ostjüdischer Bereich? oder
Schreibfehler, z.B. für Rieneck?)
stammenden Samuel Kahn ein ehrenamtlicher Vorbeter gewonnen werden.
Um 1924 lebten 42 jüdische Personen am Ort (4,9 % von insgesamt etwa
860 Einwohnern), Die
Gemeindevorsteher waren S. Distelburger, Wolf Schiff und Max Schiff. Der
Religionsunterricht für die damals zwei schulpflichtigen jüdischen Kinder
wurde durch Lehrer Moses Rosenberger aus Hammelburg erteilt (auch 1932 waren es
noch zwei Kinder). 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Felix Schiff (1.
Vors.), Willi Schiff (2. Vors.) und Karl Adler (Schatzmeister).
1933 lebten noch 44 jüdische Personen in Oberthulba. Auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts und der zunehmenden Repressionen verarmten
die jüdischen Familien sehr schnell. Ende 1936 wurde den Viehhändlern
verboten, mit den Bauern der Umgebung Geschäfte abzuschließen. Einer der
Viehhändler - Ludwig Distelburger - wurde außerhalb des Ortes beim Besuch
eines Bauernhofes von einem Nationalsozialisten überfallen und durch Messerstiche
schwer verletzt; nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt konnte er mit seiner
Familie noch in die Vereinigten Staaten emigrieren. Die jüdischen Kinder wurden zunächst weiter durch den
Hammelburger Lehrer unterrichtet. Seit Schuljahresbeginn 1938/39 wurden
die damals vier Kinder dreimal wöchentlich nach Geroda geschickt, wo sie durch
den dortigen Lehrer Kahn unterrichtet wurden. Im Frühjahr 1937 war eine
religiöse Jugendgruppe mit zusammen 31 Personen aus dem Kibbuz
Altona-Blankenese in Oberthulba, um hier eine landwirtschaftliche Ausbildung zu
bekommen. Die Gruppe bereitete sich auf die Auswanderung nach Palästina vor.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und deren
Inneneinrichtung zerstört (s.u.), dazu wurden die Fenster der jüdischen
Häuser eingeschlagen, das Mobiliar zertrümmert und auf die Straße geworfen.
Dabei kamen auch Plünderungen vor. Trotz dieser schlimmen Vorkommnisse blieben
vier jüdische Familien bis 1942 am Ort; bis dahin war 16 Personen die
Auswanderung gelungen (USA, England, Südafrika), vier waren am Ort verstorben,
vermutlich mehrere in andere Orte verzogen. Im April wurden 11 der letzten
jüdischen Einwohner über Würzburg nach Izbica bei Lublin deportiert, eine
ältere jüdische Frau wurde über Würzburg in das Ghetto Theresienstadt
verbracht.
Von den in Oberthulba geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", abgeglichen mit der
Namensliste am DenkOrt Deportationen in Oberthulba): Berta Adler geb. Löbenfried (1893), Justin Adler
(1924), Karl Adler (1891), Regina Berney geb. Schiff (1878), Ida Bravmann geb.
Löbenfried (1890), Adolf Distelburger (1887) mit seiner Frau Jeanette
Distelburger geb. Isaak (1881 in Mühlheim) und der Tochter Reni Distelburger
(1919 in Frankfurt), Sofie Frank geb. Löbenfried (1886), Jettchen Gans geb.
Schiff (1877), Ernestina Goldner geb. Jakob (1872), Betty Rothschild geb. Löbenfried (1903), Milton Rothschild
(1932), Siegfried Rothschild (1894), Adolf Schiff (1888), Benno Schiff (1894), Caroline Schiff geb. Goldner (geb. 1899),
Felix Schiff (1893), Käthe (Keta) Schiff (1930), Karoline Schiff geb. Goldner
(1899), Martha Schiff (1926), Moritz Schiff (1896), Wolf Schiff (1874), Jettchen Stark geb. Schiff (1887),
Helene Sterzelbach (1886), Frieda Vogel geb. Schiff
(1885),
Sophie Vogel geb. Schiff (1882).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1893 /
1904 / 1905 / 1906 / 1908
Anzeige
in der Zeitschrift "Jeschurun" vom 21. Juli 1893: "Die Religionslehrerstelle
in Oberthulba bei Bad Kissingen, verbunden mit dem Vorsänger- und
Schächterdienst, ist zu besetzen. Gehalt 500 Mk. und Nebenverdienste 300 Mk.
nebst freier Wohnung und Heizung. Bewerber wollen sich baldigst an Samuel
Schiff, Kultusvorstand dortselbst, wenden." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 20.11.1893: "Die Lehrer, Chasan-
(Vorbeter-) und Schochet- (Schächter-) Stelle zu Oberthulba, welche nebst
freier Wohnung 800 Mark einbringt, ist noch unbesetzt. Reflektanten wollen
sich an mich wenden.
Rabbiner Bamberger, Bad Kissingen." |
| |
Anzeige in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 18. Juli 1904: "Die hiesige Religionslehrerstelle,
verbunden mit dem Amte eines Vorbeters und
Schächters ist alsbald zu besetzen. Fixum Mark 600, garantierte
Nebenverdienste Mk. 300, sowie freier Wohnung und Beheizung. Bewerbungen
seminaristisch gebildeter Bewerber nimmt Unterzeichneter entgegen.
Oberthulba, Unterfranken, 15. Juli (1904).
Abraham Schiff,
Kultusvorstand". |
| |
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 8. Juni 1905: "Religionslehrer,
Vorsänger und Schächter in Oberthulba bei Bad Kissingen. Gehalt 600 Mk.,
Nebeneinkommen 300 Mk. und freie Wohnung. Offerten an Herrn Abraham Schiff,
Kultusvorsteher." |
| |
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juli 1906:
"Die mit der Vorsänger- und Schächterfunktion verbundene Religionslehrerstelle
Oberthulba bei Bad Kissingen ist vakant. Besoldung: 820 Mark. Fixgehalt
und 300 Mark garantierte Nebenverdienste bei freier Wohnung und freiem
Beheizungsmateriale.
Seminaristisch geprüfte Bewerber belieben sich zu wenden an
Abraham Schiff, Kultusvorstand." |
Links dieselbe Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1928. |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1908:
"Lehrer-Vakanz.
Die mit der Vorbeter- und Schächterfunktion
verbundene Religionslehrerstelle ist zu besetzen. Besoldung: Mark 820
fixer Gehalt; Mark 300 garantierte Nebenverdienste bei freier Wohnung und
Heizung. Bewerbungen nebst Zeugnisabschriften sind zu richten an
Abraham Schiff - Kultusvorstand, Oberthulba bei Bad Kissingen." |
Zum Tod von Lehrer Maier Mayer (1926; war von November 1864 bis 1867 Lehrer in Oberthulba)
Anmerkung: ausführliche genealogische Informationen zu Lehrer Maier Mayer und
seiner Frau Karoline geb. Eisenfresser siehe
https://judeninthemar.org/de/nachkommenliste-von-meier-u-karoline-geb-eisenfresser-mayer/
und
https://www.geni.com/people/Meier-Mayer/6000000100245189394 bzw.
https://www.geni.com/people/Karoline-Mayer/6000000100246837854 Demnach
ist Meier Mayer am 22. April 1836 in Aschbach
geboren und am 24. November 1926 in Themar
gestorben (s.u.). Seine Frau Karoline geb. Eisenfresser ist am 29. Januar 1847
in Oberthulba geboren und am 3. März 1940 in Berlin gestorben. Nach seiner Zeit
in Oberthulba und vorübergehend nach den Berichten unten auch in
Giebelstadt war Lehrer Maier Mayer 47
Jahre lang Lehrer in Schnaittach. Als Schwiegervater des Lehrers in Themar Moses Levinstein
verzog er dann nach seinem Eintritt in den Ruhestand nach
Themar.
Artikel
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar
1927: "Personalien. In Themar, wo ihm kindliche Dankbarkeit
und Liebe ein freundliches Heim geschaffen und einen sorgenfreien,
heiteren Lebensabend bereitet hatten, verstarb am 24. November (18.
Koslew) der Nestor und Mitbegründer unseres Vereins, Maier Mayer, im
Alter von 86 Jahren und 7 Monaten. Er wurde am 22. April 1839 in
Aschbach
geboren, erhielt seine Ausbildung in
Höchberg und
Würzburg und wurde
nach mehrjähriger Tätigkeit als Religionslehrer in Oberthulba und
Giebelstadt in die damals noch blühende Gemeinde Schnaittach berufen, wo
er nahezu ein halbes Jahrhundert in Schule und Gemeinde wirkte, bis er im
Jahre 1914 in den wohlverdienten Ruhestand trat und nach Themar
übersiedelte. Auch in dieser Gemeinde machte er sich besonders verdient,
indem er in gottbegnadeter, körperlicher und geistiger Rüstigkeit in den
Jahren 1916-1918, als sein Schwiegersohn, Lehrer Levinstein, zum
Kriegsdienste eingerufen wurde, dessen anstrengenden Dienst versah. Noch
als 86jähriges fungierte er am Rochhaschanah (Neujahr) und Jomkippur
als Scheliach Zibbur (Vorbeter). Die hohe Verehrung und Liebe, die
ihm aus allen Kreisen entgegengebracht wurde, fand noch besonderen
Ausdruck, als er im Vorjahre mit seiner Gattin unter Teilnahme der ganzen
Gemeinde, ohne Unterschied des Glaubens, der Vertreter aus seinem
vieljährigen Wirkungsorte und der Behörden - der Verband Bayerischer
Israelitischer Gemeinden sei hierbei eigens genannt - das seltene Fest der
diamantenen Hochzeit feiern konnte. Bezirksrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt
verlieh im anlässlich dieser Feier den Chower-Titel. Um den
Heimgegangenen trauern mit der Gattin 10 Kinder, 7 Söhne und 3 Töchter.
An seiner Bahre hielt der Schwiegersohn die Trauerrede, der älteste Sohn,
Lehrer Moses Mayer, widmete dem Vater tief ergreifende Worte des
Abschieds. Möge das Andenken des Zaddik zum Segen sein!
Blumenthal, Neustadt a.d.A." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1926: "Neustadt
a. Aisch, 13. Dezember. Ein alter Lehrerveteran, der Nestor und
Mitbegründer des Israelitischen Lehrervereins in Bayern, Lehrer M. Mayer,
verschied im hohen Alter von beinahe 87 Jahren in
Themar Thüringen), wo er seit 1914 im
Ruhestande lebte. Er stammte aus Aschbach in Oberfranken und erhielt seine
berufliche Ausbildung in Höchberg und Würzburg. Nach mehrjähriger
Wirksamkeit in den Gemeinden Oberthulba und
Giebelstadt wurde er nach
Schnaittach bei Nürnberg berufen, wo
er beinahe 50 Jahre in vorbildlicher Weise segensreich sich betätigte. Im
Jahre 1914 trat er in den wohlverdienten Ruhestand, gleichzeitig nach
Themar übersiedelnd. An dem stets
lebensfrohen Greis, der stets in den Wegen der Thora wandelte, erfüllte sich
des Pfalmisten Wort. Bis zu den letzten Tagen seines Lebens, konnte er sich
körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische, erfreuen. In den Kriegsjahren
1916 bis 1918 versah er in noch rüstiger Weise das anstrengende Amt seines
zum Heere einberufenen Schwiegersohnes, des Lehrers Levinstein in
Themar und noch als 86-jähriger Greis versah er in der dortigen Gemeinde
den Dienst des Schliach Zibbur (Vorbeter). Sein Leben war reich an
Arbeit und Last, aber auch viele Tage der Freude und des Glückes waren dem
Verlebten beschert. Er hatte das Glück, mit seiner getreuen Gattin nicht nur
das Fest der goldenen, sondern auch die seltene Feier der diamantenen
Hochzeit erleben zu dürfen. Letztere fand am 1. Nissan unter Teilnahme
weiter Kreise und hoher Behörden statt. Aus diesem Anlass wurde ihm durch
den Herrn Distriktsrabbiner Weinberg in
Neumarkt a.O. der Chower-Titel
(Ehrenrabbiner-Titel), den er früher aus Bescheidenheit verschwieg,
erneuert. Am 18. Kislew entschlief der Selige ohne Kampf und wurde im nahen
Marisfeld zur letzten Ruhe bestattet. Sieben Söhne und drei Töchter beweinen
mit ihren Familien und mit der greisen Gattin sowie ein großer Kreis von
Verehrern den Verlust des Frommen. An dessen Bahre schilderte sein
Schwiegersohn in beredten Worten das Leben des Verblichenen und dessen
ältester Sohn, Lehrer M. Mayer, widmete dem Vater tief ergreifende Worte des
Abschieds. Möge das Andenken des Zaddik zum Segen sein! Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
| Es gibt weitere Artikel zum Tod von
Lehrer Maier Mayer im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. Dezember 1926
S. 12 (Bericht
als Bilddatei eingestellt) sowie in den "Mitteilungen des Israelitischen
Lehrervereins für Bayern" vom 7. Januar 1927 S. 2 (nicht eingestellt).
|
Der Schuldienstaspirant Jakob Löbenfried wird
Religionslehrer und Vorsänger in Oberthulba (1867)
Anmerkung: Jakob Löbenfried (auch Löwenfried) war von November 1867 bis Oktober
1868 Lehrer in Oberthulba
Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von
Unterfranken und Aschaffenburg" vom 23. November 1867:
"Durch Regierungs-Entschließung vom 16. November laufenden Jahres ad
Nr. 42119 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Oberthulba,
königlichen Bezirksamts Hammelburg, beschlossene Übertragung ihrer
Religionslehrers- und Vorsängerstelle an den israelitischen
Schuldienstabspiranten Jakob Löbenfried daselbst genehmigt worden. |
Über Lehrer Jakob Massenbacher
(1868 bis 1879 Lehrer in Oberthulba)
Anmerkung: Jakob Massenbacher kam als Lehrer im November 1868 nach Oberthulba
und blieb hier bis Februar 1879.
Angaben teilweise nach
https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/datenbank-jued-lehrer/datenbank:
Jakob Massenbacher, auch Jacob Maßenbacher, stammte aus
Burghaslach, wo er um 1849 geboren
ist. Er gehörte 1867 zu den ersten Absolventen der
Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA)
in Würzburg. Massenbacher war anschlließend (1868/79)
israelitischer Religionslehrer in Oberthulba und trat in dieser Zeit
(am 22. April 1870) in den Bayerischen Lehrerverein ein. Er wurde auch
Mitglied im Jüdischen Lehrerverein für Bayern. 1879 übernahm er die vakante
Lehrerstelle in Cronheim. 1881 trat er die Stelle des
Elementarlehrers an der Israelitischen Volksschule in
Hüttenbach bei Nürnberg an. Ende 1906
oder Anfang 1907 wurde er zum Hauptlehrer ernannt. Bis zu seinem Tod 1925
war er insgesamt 44 Jahre für die Kultusgemeinde in Hüttenbach tätig. Nach
seiner Pensionierung wurde die Elementarschule aufgelöst.
Jakob Massenbacher starb in hohem Alter 1925 an einem Schlaganfall. Das
Mitteilungsblatt des jüdischen Lehrervereins schreibt im Oktober 1925: "Im
hohen Alter verschied Hauptlehrer Massenbacher (Hüttenbach), der letzte
Volksschullehrer der einst stattlichen, nun zur Zwerggemeinde
zusammengeschmolzenen Landgemeinde. Zwei Lehrer wirkten an dieser Schule:
1828-1881 Isak Bernhard Lamm, der nach 54jähriger Lehrtätigkeit mit 78
Jahren in Pension trat; 1881-1925 Massenbacher, der 44 Jahre seiner Schule
und Gemeinde diente. In einem Jahrhundert zwei Lehrer, die getreu bis in den
Tod in Gotteshaus und Schule ihre Pflicht erfüllten." |
Über Lehrer Emanuel Eldod (1882/83
in Oberthulba)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1933:
"In Höchberg feierte Studienlehrer
Emanuel Eldod im engsten Kreise seiner Familie seinen 70. Geburtstag.
Der Jubilar ist 1863 in Höchberg
geboren, absolvierte 1882 an der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt Würzburg und nahm dann eine Lehrerstelle in
Oberthulba an, die er im darauffolgenden Jahr mit einer Stelle als
Aushilfslehrer an der Schule in Halberstadt vertauschte. Dort hatte er auch
Gelegenheit, bei Rabbiner Dr. Auerbach zu 'lernen' und sich sein
großes talmudisches Wissen anzueignen. Im Jahr 1887 nahm Eldod eine Stelle
als Lehrer an der Bürgerschule in
Fürth an und kehrte 1895 als Lehrer an die
Präparandenschule nach Höchberg
zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung in segensreicher Weise tätig war.
Wer Emanuel Eldod in seinem tiefen Wissen und seiner tiefen G'ttesfurcht
kennt, muss ihn achten und hochschätzen. Mögen ihm noch viele Jahre in
frommem und edlen Wirken vergönnt sein." |
Über Lehrer J. Wormser (um
1898/99 Lehrer in Oberthulba)
| Das "Statistische Jahrbuch des
Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" 1898/99 nennt als jüdischer Lehrer in
diesem Jahr in Oberthulba Lehrer J. Wormser. Dabei dürfte es sich im Isak
Wormser handeln. Nach
https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/datenbank-jued-lehrer/datenbank
war Isak (später auch Isaak) Wormser der Sohn des Lehrers und Kaufmanns
Moses Wormser aus Zeitlofs und seiner
Frau Karolina geb. Adler. Er absolvierte wie sein Vater ein Studium an der
Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA)
in Würzburg, das er 1896 abschloss. Möglicherweise war er danach auf
einer ersten Stelle in Oberthulba. Am 18. Juli 1899 trat er in die
Lehrer-Kompagnie des 21. Infanterie-Regiments der Bayerischen Armee ein und
wurde am 25. September 1899 zur Reserve entlassen (er diente gleichzeitig
mit Max Levite aus Forth). Er war 1,68 m groß. Am 31. Dezember 1908 war in
der Zeitung "Der Israelit" die Stelle des Volksschullehrers, Vorbeters und
Schächters in Uehlfeld ausgeschrieben,
da der Lehrer der Gemeinde gestorben war. Ob Wormser sich bereits auf diese
Anzeige bewarb, ist nicht sicher, belegt ist aber, dass er während der Zeit
des Ersten Weltkrieges Lehrer in Uehlfeld
war. Am 10. September 1914 rückte er zum Kriegsdienst ein. Nach etwas mehr
als einem Jahr wurde der Lehrer am 26. Oktober 1915 entlassen zur
Schulbehörde. Im Sommer 1916 diente er wieder vom 25. Juli bis 27. August.
Zu dieser Zeit war Wormser verheiratet mit Laura geb. Nordheimer. Sie hatten
ein Kind. Am 12. November 1921 heiratete er Lina Dingfelder, geb. am 13.
Januar 1886 in Uehlfeld. Nach dem Krieg blieb Wormser bis 1925 in Uehlfeld.
Im Juli 1925 suchte die Gemeinde einen neuen Lehrer. Bernhard Kolb nennt in
seinem Bericht "Die Juden in Nürnberg 1839-1945" unter den Lehrern, die
während der NS-Zeit in Nürnberg tätig waren und deportiert wurden, "Isaak"
Wormser.". |
Über Lehrer Jonathan Uhlfelder
(um 1903 Lehrer in Oberthulba;
siehe weitere Informationen auf der Seite zu Burgsinn)
Über Lehrer Louis Uhlfelder
Anmerkung: Ein Lehrer "L. Uhlfelder" wird um 1903 im "Statistischen Jahrbuch
des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" genannt. Es handelt sich um den
späteren Lehrer an der Jüdischen Konfessionsschule Nürnberg.
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. September 1904: "Die Religionslehre
auf den unteren Stufen der Volksschule. Von Louis Uhlfelder -
Oberthulba.
Von den Disziplinen des jüdischen Religionsunterrichtes wird wohl keine mit
solch geteilten Meinungen betrachtet, als die systematische Religionslehre.
— Während gewichtige Stimmen ihr ohne weiteres die Existenzberechtigung
absprechen, weisen ihr andere wieder eine zu hohe Stellung zu, indem sie ihr
das Recht eines selbständigen Unterrichtsgegenstandes gestatten..."
Bei Interesse am weiteren Text bitte Textabbildungen unten anklicken
|
| |
Fortsetzung des obigen
Artikels im
"Israelitischen Familienblatt"
vom 1. September 1904 und
rechts vom 8. September 1904 |
 |
 |
|
Über Lehrer Sonn (um 1905 Lehrer in
Oberthulba)
Im "Statistischen Handbuch" von 1905 wird
als Lehrer in Oberthulba Lehrer Sonn genannt. Vermutlich
handelt es sich um den am 4. September 1881 in
Mainstockheim geborenen Moses
(Moritz) Sonn, ein Sohn von Jakob Sonn (1840-1932), der selbst Lehrer
und einer der ersten Absolventen der ILBA in
Würzburg war (Quelle für die nachfolgenden Informationen
https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/datenbank-jued-lehrer/datenbank.
Die beiden Brüder von Moses - David und Abraham - wurden beide Lehrer wie
der Vater. Vermutlich wurden sie zunächst von ihrem Vater unterrichtet, der
in Mainstockheim an der jüdischen
Volksschule arbeitete.
Moses Sonn war möglicherweise zunächst in Oberthulba, dann - nach den
Geburtsorten der ersten Kinder - um 1912/14 in
Thalmässing als Lehrer tätig. Von
1919 bis 1932 war er dann Lehrer, Kantor und Schächter an der israelitischen
Volksschule Buttenwiesen, zeitweise
Gemeindesekretär. Moses Sonn war seit dem 20. Juni 1909 in Würzburg
verheiratet mit Brüna geb. Eschwege. Das Paar bekam fünf Kinder: Leri
(1912-1913), Lilly Lea (1913-2001), Fanny (1914, lebte in Israel), N.N.
(1918-1919), Eugenie (1921, lebte in Schweden). Ende 1929 wurde Moses Sonn
Obmann der Schwäbischen Bezirkskonferenz des Jüdischen Lehrervereins für
Bayern. Er führte 1930 vier Bezirkskonferenzen durch. Als die Schule in
Buttenwiesen wegen Schülermangels schließen musste, wurde Moses Sonn ab 1.
Juli 1932 nach Regensburg versetzt an
die dortige Volksschule. Zu dieser Zeit hatte die Kultusgemeinde Regensburg
noch ca. 500 Mitglieder. Die israelitische Volksschule in der Schäffnerstr.
2 besuchten 20 Kinder, Religionsunterricht erhielten 22. Als Kollegen hatte
Sonn zwei Kantoren, Gedaljah Winter und Jakob Lewkowitz. Rabbiner war Dr.
Magnus Weinberg. Moses Sonn starb am 6. Februar 1969 in Kfar Pines (Israel).
|
Zum Tod des Vorbeters Samuel Kahn (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1935: "Oberthulba,
2. Juli (1935). Einen unersetzlichen Verlust hat die kleine Kultusgemeinde
Oberthulba durch den in Frankfurt verstorbenen Samuel Kahn erlitten. Einer
frommen Familie in Rimesk entstammend, hat er immer genau auf die
Einhaltung der Gebote geachtet. Seit vielen Jahren
versah er ehrenamtlich in der Gemeinde die Ämter des Vorbeters (und des) Baal
Tokea (Schofarbläser) und war bemüht, das Minjan in der Gemeinde zu
erhalten, sowie die sonstigen Institutionen zu fördern. Sein Interesse
für das Heilige Land war bewundernswert. Herr Neustädter, Buckingen,
brachte auf dem alten Friedhofe in Pfaffenhausen seine menschlichen und
religiösen Tugenden zum Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Gemeinde
Ergebnisse von Spendensammlungen in
der Gemeinde (1872)
Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurde regelmäßig für unterschiedliche
Zwecke gesammelt und die Ergebnisse der Sammlungen in jüdischen Periodika
bekannt gegeben.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1872 - Spendensammlung
"zur Unterstützung unserer durch Hungersnot bedrängten Glaubensbrüder
in Persien": "Oberthulba. Durch Rabbiner Bamberger in
Kissingen von Jacob Maßenbacher 2 fl. 42 kr., Feiber Schiff 1 fl. 45 kr.,
Nathan Schiff 1 fl., Seligmann Distelberger 1 fl., Samuel Schiff 3 fl., Frau
Babett Schiff 1 fl. 45 kr., Salomon Schiff II 24 kr., Julius Schiff 3 fl.,
Anschil Schiff 1 fl., Salomon Schiff I 1 fl. 10 kr., Bendit Lebenfried 1
fl., Hannchen Schiff 12 kr., Feiber Eisenfresser 24 kr., Lazarus
Distelberger 1 fl. 45 kr. Summa 20 fl. 7 kr."
|
| |
Mitteilung
in "Blätter, herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und
der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland" vom 11. August
1921 - Spendensammlung für das 'Ukraine-Hilfswerk': "Oberthulba:
Sammlung S. Kahn, Kultusvorstand: Samuel Kahn 10, Sally Distelburger 10,
Gabriel Schiff 5, Salomon Distelburger 5, Samuel Schiff 5. Max Schiff 5,
Seligmann Schiff 5, Feibel Distelburger 5, Frl. Karoline Linz 5, Abraham
Schiff 3. Salomon Schiff I 1, Therese Eisenfresser 1, Wolf Schiff 2."
|
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Über den aus Oberthulba stammenden Lehrer und
Kantor Heinrich Schiff
Anmerkung: Heinrich (Heinemann) Schiff ist am 27.Mai 1868 in Oberthulba
geboren. Er besuchte die Präparandenschule in Burgpreppach und ließ sich am
Israelitischen Seminar in Köln zum Lehrer ausbilden. Im Juli 1887 bestand er
die Prüfung als Volksschullehrer im Königlichen Seminar in Boppard in
sämtlichen Fächern für die Volksschule. Seit April 1891 war Heinrich Schiff in
Oppenheim tätig. Er war in der dortigen jüdischen Gemeinde bis 1930 Vorbeter (Kantor), Schochet und
Religionslehrer, dazu jüdischer Religionslehrer an den Schulen der Stadt. In
der NS-Zeit konnte er in die USA emigrieren.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. August 1891 aus der Zeit des
ersten Jahres von Lehrer Schiff in Oppenheim:
"Suche auf 10
Wochen, und zwar vom 25. August bis zum 5. November, gegen gutes Honorar
einen Vertreter, da ich zu einer militärischen Übung eingezogen werde.
Reflektierende müssen Religionslehrer, Vorbeter und wenn möglich
Schochet sein. Sofortige Offerten wolle man an den Unterzeichneten
richtigen.
H. Schiff, Lehrer und Kantor, Oppenheim am Rhein." |
| |
Anzeige
in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Der Aufbau" vom 14. Mai 1948:
"Unser lieber Vater und
Großvater
HEINRICH SCHIFF
(früher Oppenheim, Rhein, Pforzheim, Hamburg) feiert am 27. Mai 1948 seinen
80. Geburtstag.
Die Kinder und Enkelkinder. 2341 Chestnut Street, San Francisco, Calif. |
| Literatur: Wolfgang Kemp: |
Zum Tod von Karoline Schiff, Frau von
Salomon Schiff (1914)
Anmerkung: Karoline Schiff geb. Distelburger ist 1844 in
Oberthulba geboren als Tochter des Kaufmanns Markus Distelburger und seiner Frau
Hanna geb. Goldvogel. Karolina heiratete 1872 in Oberthulba Salomon Schiff
(siehe unten), geb. 5. Januar 1846 in Oberthulba als Sohn von Feibel (?)
Schiff und seiner Frau Karolina. Salomon Schiff war als Kaufmann in Oberthulba
tätig. 1906 zogen er und seine Frau zu ihrer Tochter Hanna verheiratete
Rindskopf nach Würzburg (wohnte Theresienstraße 8). Er starb am 21. Dezember
1924 in Würzburg.
Artikel
in "Das jüdische Blatt" vom 30. Januar 1914: "Würzburg. Frau
Karoline Schiff, Gattin des Herrn Salamon Schiff hierselbst, ist in
einem Alter von 71 Jahren heute ihrem Gatten und ihren Angehörigen durch den
Tod entrissen worden. Dieselbe war eine sehr fromme Frau, deren
Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit und Wohltätigkeit hier allgemein bekannt
war, obwohl sie erst vor einigen Jahren aus Oberthulba nach Würzburg
übergesiedelt war. Auf Wunsch der Verstorbenen fand deren
Bestattung in Pfaffenhausen bei
Hammelburg statt, woselbst Herr Distriktsrabbiner Dr. Bamberger aus
Bad Kissingen ein getreues Bild der
Entschlafenen entrollte und den die Familie betroffenen Verlust schilderte.
Möge der Allvater den betagten Gatten und die übrigen Hinterbliebenen ob
ihres großen Verlustes trösten." |
Zum Tod von Salomon Schiff (1925)
Anmerkung: Salomon Schiff ist am
5. Januar 1846 in Oberthulba geboren. Er war verheiratet mit Karoline geb.
Distelberger (siehe oben). Die Tochter Hanna (Hannchen) ist am 15. Juli 1874
in Oberthulba geboren und heiratete 1899 (in Oberthulba) Moritz Rindskopf, der
am 19. Januar 1871 in Großlangheim geboren ist. Moritz und Hanna Rindskopf
konnten in die USA emigrieren. Moritz starb am 19. oder 16. Juni 1942 in den
USA, seine Frau Hanna am 2. August 1964.
Foto und Grab von Hanna Rindskopf in den USA
https://de.findagrave.com/memorial/209809270/hanna-rindskopf (siehe
unten)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1925: "Würzburg, 21.
Dez. Unmittelbar vor dem Anzünden des 1. Chanukkolichtes, wenige Tage vor
der Vollendung seines 79. Lebensjahres ist Salomon Schiff
hinübergeschlummert. Einer unserer Besten ist mit ihm von hinnen gegangen.
Vor mehr denn einem Jahrzehnt war er von seinem Geburtsort Oberthulba
zu seiner mit Herrn Moritz Rindskopf verheirateten Tochter nach Würzburg
übergesiedelt. Wegen seiner aufrichtigen Frömmigkeit, seiner Friedensliebe
und seiner strengen Reellität. im Geschäftsleben sahen ihn seine Mitbürger —
ohne Unterschied der Konfession — nur ungerne scheiden.
Auch in Würzburg erwarb sich Salomon Schiff schon nach kurzer Zeit
allgemeine Beliebtheit und Verehrung. Bescheidenheit, Freundlichkeit gegen
jedermann, Zuvorkommenheit, regelmäßiger pünktlicher Gottesdienstbesuch,
bewundernswerte Vertiefung und Andacht im Gebet, Gastfreundschaft gegen Arme
— fast täglich hatte er einen Gast am Tische — Geben im
Verborgenen, das waren die Grundzüge seines Wesens. Bei seinen Kindern
und Enkeln, die ihn stets mit aufopfernder Liebe umgaben, verbrachte er
einen glücklichen Lebensabend.
Die Beisetzung fand auf seinen Wunsch auf dem
Friedhof zu Pfaffenhausen
bei Hammelburg an der Seite seiner bereits 11 Jahre hier ruhenden Gattin
statt. Im Trauerhause schilderte Herr Rabbiner Dr. Hanover vor einem großen
Zuhörerkreise die Salomon Schiff ewig unvergesslich machenden Verdienste und
betonte dabei, dass sein Name ihm mit Recht zugekommen sei, war er doch
stets bestrebt, den Frieden zu fördern und ihn zu erhalten.
Am Grabe widmete ihm sein Schwiegersohn. Herr Moritz Rindskopf,
herzergreifende Abschiedsworte und dankte für seine unsagbar große Liebe und
vortrefflichen Ratschläge, sowie ganz besonders für die liebevolle und
erfolgreiche Unterweisung seiner Enkelkinder auf den Wegen der Tora und
des Gottesdienstes und der Wohltätigkeit. Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens." |
Gräber von Moritz und Hanna Rindskopf in den USA: Quelle
https://de.findagrave.com/memorial/209809269/moritz-rindskopf
|
Zum Tod des ehrenamtlichen
Vorbeters Samuel Kahn (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1935: "Oberthulba,
2. Juli. Einen unersetzlichen Verlust hat die kleine Kultusgemeinde
Oberthulba durch den in Frankfurt verstorbenen Samuel Kahn
erlitten. Einer frommen Familie in Rimesk entstammend, war ein genauer
Befolger der heiligen Weisungen. Seit vielen Jahren versah er
ehrenamtlich in der Gemeinde die Ämter des Vorbeters, Baal Tokea (Schofarbläser)
und war er bemüht, das Minjan in der Gemeinde zu: erhalten, sowie die
sonstigen Institutionen zu fördern. Sein Interesse für das Heilige Land war
bewundernswert. Herr Neustädter, Buckingen brachte auf dem alten
Friedhofe in Pfaffenhausen seine
menschlichen und religiösen Tugenden zum Ausdruck. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Feibel Distelburger (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1901:
"Suche
für meinen Sohn in religiösem Hause (inklusive Kost und
Logis) Stelle als Kaufmannslehrling.
Feibel Distelburger,
Mehlhandlung.
Oberthulba in Bayern." |
Anzeige von Salomon Schiff II -
Lehrlingsstellensuche für seinen Sohn (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1902: "Für meinen 14 Jahre
alten Sohn suche ab 1. Mai dieses Jahres eine Stelle als
Lehrling
in einem Buchbindereigewerbe, wo Samstags und jüdische Feiertage
geschlossen.
Salomon Schiff II,
Oberthulba bei Bad Kissingen." |
Todesanzeige für Salomon
Schiff II (1920)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1920: "Statt besonderer
Anzeige!
Nach langem schweren Leiden verschied am 21. Mai unser innigstgeliebter
Vater, Schwiegervater, Großvater
Herr Salomon Schiff II.
im Alter von 76 Jahren.
Oberthulba (Unterfr.), Frankfurt am Main, New-York,
den 25. Mai i920-
Die trauernden Hinterbliebenen." |
Grabstein für Samuel Schiff in Pfaffenhausen
(1937)
Verlobungsanzeige von Kläre
Distelburger und Ernst Vyth (1937) und
Geburtsanzeige des Kindes Sandre Bernice (1948)
Hinweis: die genannte Kläre/Claire Vyth geb. Distelburger war eine Tochter
des unten bei der Synagogengeschichte 1909 als Spender einer Torarolle genannten
Salomon Distelburger (geb. am 5. Februar 1874 in Oberthulba, gest. am 3. April
1941 in Würzburg). Er war verh. mit Sophie geb. ? (geb. am 6.
Dezember 1882), die im Februar 1939 nach Südafrika emigrieren konnte. Die
Tochter Klara (bzw. Kläre/Claire) Distelburger ist am 28. August 1913 in Oberthulba
geboren und war
in Würzburg nach 1933 (vermutlich bei der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt) als Küchenmädchen tätig. Sie emigrierte 1936
nach Südafrika. Informationen nach Strätz Biographisches Handbuch I S.
123-124.
Anzeige
in der "Jüdischen Rundschau" vom 27. August 1937:
"Kläre Distelburger - Ernst Vyth
Verlobte
Johannesburg, Südafrika / Oberthulba Germiston,
Südafrika P.O.Box 450
28. August 1937." |
| |
Anzeige
in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Der Aufbau" vom 9.Juli 1948:
"We are happy to announce the the arrival of Joyce's baby sister
Sandre Bernice
on the 27th of June.
Ernst and Claire Vyth née Distelburger
43, Derrick Avenue, Cyrildene
Johannesburg, South Africa
formerly Frankfurt/Main Calcar/Niederrhein - formerly Oberthulba."
|
Auf
Foto (1980er-Jahre?) von links: Claire Vyth geb. Distelburger, Sandra
Bernice verh. Kaplan, Ernst Kaplan.
Quelle:
https://www.geni.com/people/Ernst-Vyth/6000000006237357704 und
https://www.geni.com/people/Claire-Klara-Vyth/6000000006238500226. Hier
auch Angaben zur Genealogie von Ernst Vyth (1909-1996) und
Klara/Claire geb. Distelburger (1913-2004). Das in der Anzeige links
genannte erste Kind Joyce Helen ist 1939 in Johannesburg geboren und
heiratete Leibe Nachman Shapiro.
https://www.geni.com/people/Joyce-Shapiro/6000000006236694881
|
Todesanzeige für Mina Schiff geb.
Guldmann (1938)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. Juli 1938: "Unsere liebe Mutter
und Großmutter, Frau
Mina Schiff geb. Guldmann
ist am 9. Juli nach einem segensreichen Leben im 84. Lebensjahre sanft
entschlafen.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Sally Schiff
Rosetta Schiff geb. Meyer u. Enkelkinder Herbert und Rudolf
Oberthulba, Hamburg, den 10. Juli 1938
Die Beerdigung hat bereits am 11. Juli auf dem
isr. Friedhof in Würzburg-Heidingsfeld
stattgefunden." |
Nach 1945 - in den USA: Hochzeitsanzeige von Ludwig
Distelburger und Bertie geb. Reiss (1946)
Anzeige
in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Der Aufbau" vom 25.
Oktober 1946:
"Ludwig Distelburger - Bertie Distelburger née Reiss.
Married October 20, 1946
R.F.D. No. 4 Middletown, N.Y.
(formerly Oberthulba, Bayern)
(formerly Catskill, N.Y., Ulrichstein,
Hessen) |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine erste Synagoge beziehungsweise ein Betsaal
wurde bereits im 18. Jahrhundert eingerichtet (1790 ?). Eine neue Synagoge wurde
1871/72 erbaut. Sie wurde am 13. Adar (22. Februar 1872) durch Distriktsrabbiner
Bamberger aus Bad Kissingen eingeweiht. Die Zeitschrift "Der Israelit"
berichtete:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1872: "In
Oberthulba (Bayern) fand am 13. Adar (22. Februar 1872) die Einweihung der
dortigen, neuerbauten Synagoge statt. Herr Distriktsrabbiner Bamberger aus
Kissingen hielt die Festrede in sehr erhebenden Weise". |
Von außergewöhnlichen Ereignissen in der Geschichte
der Synagoge wird in den überregionalen Zeitungen nur selten etwas aus
Oberthulba berichtet. Immerhin erfährt man aus dem Bericht vom April 1909 von
der Stiftung einer neuen Torarolle für die Synagoge der Gemeinde:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1909:
"Oberthulba bei Bad Kissingen, 22. April (1909). Herr Salomon
Distelburger stiftete unserer Gemeinde eine prachtvoll ausgeführte Sefer
Tora (Torarolle), die am Schabbat Paraschat Schemini (Schabbat mit der
Toralesung Schemini = 3. Mose 3,1-11 47; d.h. am Schabbat, 17. April 1909)
eingeweiht wurde. Herr Rabbiner Dr. Bamberger, der uns an diesem Schabbat
mit seinem Besuche beehrte, hielt zu Ehren des Tages und des Stifters eine
Ansprache, die die Gemeinde begeisterte und dem Gottesdienste ein
festliches Gepräge verlieh. Von einer größeren Feier wurde mit
Rücksicht darauf, dass der Stifter zur Zeit awal (leidtragend)
ist, abgesehen." |
Vor der NS-Zeit wurde die Synagoge letztmals 1931
renoviert.
Regelmäßige Gottesdienste sind in der Synagoge bis zum Sommer 1938 abgehalten
worden. Beim Novemberpogrom 1938 wurden in der Synagoge die
Inneneinrichtung, die Ritualien und Gebetbücher zerstört und verbrannt. Das
Gebäude selbst blieb erhalten. 1940 bis 1945 wurde es als Gefangenenlager
zweckentfremdet. 1945 wurden Fliegergeschädigte, dann fünf Flüchtlingsfamilien
(mit bis zu 30 Personen) im Haus untergebracht. Auf Grund zahlreicher Umbauten ist das Gebäude
jedoch als solches kaum mehr als ehemalige Synagoge erkennbar. Es wird vom
Bayerischen Roten Kreuz als Übungsraum genutzt, 1999 waren in dem Gebäude
vorübergehend auch Kindergartengruppen untergebracht, bis neue Räume für den
Kindergarten Oberthulba eingeweiht werden konnten.
Eine Gedenktafel ist vorhanden und hat die Inschrift: "Dieses
Gebäude diente unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgern bis 1938 als Synagoge
und Schule". Eine zweite Tafel hat die deutsche und hebräische
Inschrift: "Der Markt Oberthulba gedenkt seiner jüdischen Bürger, die
unter der NS-Herrschaft Opfer von Verfolgung und Deportation wurden. Zum
ewigen Gedenken - Den jüdischen Personen, die Opfer der Shoa wurden, Einwohner
von Oberthulha, die verfolgt wurden, vertrieben und ermordet unter der
nationalsozialistischen Herrschaft - es sei Ihnen ein ewiges
Gedenken".
Adresse/Standort der Synagoge: Ledergasse 12 (alte
Anschrift Judengasse Gebäude Nr. 113)
Fotos/Abbildungen
|
Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge im Frühjahr 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum
31.5.2007)
|
|
 |
 |
 |
| Von der
ehemaligen Synagoge ist nichts mehr zu erkennen - durch Umbauten ist die
Vergangenheit unkenntlich gemacht. |
| |
| |
 |
 |
| |
Die beiden
Erinnerungstafeln |
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|
Aus dem
Familienalbum der Familie Distelburger
(Fotos / Dokumente erhalten von Bert Distelburger)
|
|
|
Hinweis: 1) Lazarus Distelburger
(geb. 1808 in Oberthulba, gest. 1902 in Oberthulba) war der Vater von
Feibel Distelburger.
2) Feibel Distelburger (vgl.
Anzeige oben von 1901) hatte mit seiner Frau Regina sechs Kinder. Drei
davon sind bereits früh verstorben, drei Söhne überlebten die
Kindheit:
3) Seligmann (geb. 1885 in Oberthulba, nannte sich nach der
Emigration in die USA Simon): war in erster Ehe verheiratet mit
Rose geb. Linz (gest. 1929 in Oberthulba und beigesetzt im Friedhof
Pfaffenhausen), war in zweiter Ehe verheiratet mit Thekla geb. Reinstein.
Die Familie konnte in die USA emigrieren.
Adolf (geb. 1887 in Oberthulba): war verheiratet mit Jeanette geb.
Isaak (geb. 1881 in Mühlheim); das Ehepaar wohnte später in Frankfurt,
wo 1919 die Tochter Reni geboren ist; Adolf und Jeanette wurden 1942 in
das Ghetto Theresienstadt deportiert, 1944 in das Vernichtungslager
Auschwitz, wo beide umgekommen sind; Reni Distelburger wurden 1943 von
Berlin aus nach Auschwitz deportiert und ist umgekommen.
Max (geb. 1889 in Oberthulba), im
Ersten Weltkrieg in der Schlacht bei Verdun am 24.10.1916 gefallen (oben genannt).
4) Ein Sohn von Seligmann [Simon] Distelburger und seiner ersten Frau Rose
war Ludwig Distelburger (geb.
1911 in Oberthulba, gest. 1999 in Circleville N.Y.; Heiratsanzeige 1946
mit seiner ersten Frau Bertie Reiss s.o. (früh verstorben); war nach 1945
Viehhändler in Mechanicstown, N.Y.; die beiden Söhne von Seligmann
[Simon] Distelburger waren Bert und Joseph.
5) Bert Distelburger (geb. 1949; vgl. Pressebericht unten) ist in
den USA verheiratet mit Cathy. Das Ehepaar hat drei Kinder: Brian, Rachel und
Lisa und inzwischen drei Enkel Dylan, Shaya und Ami (Stand: Mai
2010).
|
 |
 |
 |
Das Haus der
Familie Distelburger in Oberthulba mit der heutigen Anschrift Ledergasse
21 -
am Fenster des Fotos links: Seligmann [Simon] Distelburger |
Ludwig Distelburger
auf einem Bauernhof |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Rosa (gest. 1929) und
Seligmann [Simon] Distelburger in Oberthulba um 1920 |
Thekla geb. Reinstein (zweite
Frau) und
Seligmann [Simon] Distelburger |
Seligmann [Simon] Distelburger
in Oberthulba |
| |
|
|
| |
 |
|
| |
Thekla geb. Reinstein und
Seligmann [Simon] Distelburger |
|
| |
|
|
Karte von 1920,
versandt von
Jeanette Distelburger |
 |
 |
Karte von
Jeanette Distelburger an ihren Schwiegervater "Herrn Feibel
Distelburger Oberthulba bei Hammelburg", abgeschickt in Frankfurt
am Main am 21. Mai 1920, zwei Tage vor dem Wochenfest (Schawuoth), daher
der Briefschluss: "haltet gut Jontef (= den Feiertag)". Der
Text der ganzen Karte: "Frankfurt am Mai, 21. Mai 1920. Meine Lieben. Noch kurz vor
.?. will ich Euch noch eine Karte schreiben, und hoffen wir unsern jüngsten Brief in Eurem Besitz. Wir hoffen Euch alle gesund und es geht uns, ebenso
(der) lieben Reni Gott lob gut. Der Karton mit den Beizes (= Eier) ist gut angekommen, es war nichts defekt.
(Der) liebe Adolf geht nach Pfingsten auf die Reise und kommt vielleicht nach dorten wenn er in der Nähe sein sollte. Habt ihr das Bild von
unserer lieben Kleinen erhalten? haltet gut Jontef (= den Feiertag) und seid alle recht herzlich gegrüßt von mir ebenso vom lieben Adolf Eure Jeanette".
Hinweis: die genannten Personen: Jeanette, Adolf und die damals erst
einjährige Tochter Reni sind
nach den Deportationen 1942/43 (von Frankfurt bzw. Berlin aus) in
Auschwitz ermordet worden. |
| |
|
|
Einzelne Presseberichte
| Juni
2009: Nachkommen der Familie Distelburger
besuchen Oberthulba |
Foto
links: Bert und Cathy Distelburger vor dem Haus ihrer Vorfahren in
Oberthulba.
Artikel in der "Main-Post" vom 23. Juni 2009 (Artikel):
"HAMMELBURG - Auf den Spuren der Vorfahren
(si) Auf den Spuren ihrer Vorfahren wandelten Bert und Cathy Distelburger aus New York im Altlandkreis Hammelburg. Bert Distelburger ist der Sohn beziehungsweise Enkel von Ludwig und Seligmann Distelburger, die bis 1938 ein Viehhandelsgeschäft in der Ledergasse 21 in Oberthulba betrieben. Durch die rechtzeitige Warnung eines Polizisten, bevor im Oktober 1938 die Pässe der jüdischen Bürger eingezogen und mit dem Juden-Stempel gekennzeichnet wurden, gelang damals Vater und Sohn die Flucht nach USA.
Bert Distelburger kann sich lebhaft an seine Kindheit in New York erinnern, als viele Emigranten sein Elternhaus besuchten, die nur in Ausnahmefällen in der fremden Welt zu Wohlstand gekommen waren.
Das erste Ziel der Besucher aus den Staaten war der Friedhof in Pfaffenhausen, wo sie die Gräber der Urgroßeltern und anderer Vorfahren besuchten. Die Grabsteine von sechs Personen der Distelburger Familie sind dort noch zu finden.
Der nächste Anlaufpunkt war Oberthulba und zwar das Distelburger-Haus in der
Ledergasse. Obgleich sich das Haus und die Ledergasse sehr verändert haben, zeigten sich Bert und Cathy Distelburger sehr bewegt. Auch der naheliegende Wäscheplatz an der Thulba, an dem über Jahrhunderte die Distelburger- Frauen Schwerarbeit leisteten, war von großem Interesse. Am Kriegerdenkmal konnte das Ehepaar dem im Ersten Weltkrieg gefallenen Max Distelburger gedenken." |
| |
|
Februar 2019:
Beteiligung am "DenkOrt Aumühle"
https://denkort-deportationen.de/ |
Artikel von Isolde Krapf in der
"Main-Post" von 8. Februar 2019: "Bad Kissingen. Warum die Erinnerung
wichtiger denn je ist
Die Würzburger Initiative zum Gedenken an die 2069 deportierten Juden aus
Unterfranken hat in den vergangenen Jahren Kreise gezogen. Es fanden vor Ort
etliche Gedenkveranstaltungen statt. So machten sich zum Beispiel im Mai
2011 mehr als 3000 Menschen, darunter auch etliche aus dem Landkreis Bad
Kissingen, auf den 'Weg der Erinnerung': Die Juden mussten nämlich damals,
streng bewacht von der Gestapo, von den Sammelplätzen aus- das war meist der Platz'sche Garten am heutigen Friedrich-Ebert-Ring– zum Bahnhof Aumühle
laufen. Auch in den Ratsgremien der Kommunen im Landkreis Bad Kissingen
stößt der geplante DenkOrt Aumühle inzwischen auf allgemeines Interesse...
Rucksack vor der Synagoge in Oberthulba. Im Gemeinderat Oberthulba
kam man schnell überein, dass die Kunstschmiede Georg Mützel aus Eibelstadt
zwei Rucksäcke aus Kupferblech anfertigen soll, sagt Bürgermeister Gotthard
Schlereth. Eines dieser Gepäckstücke soll dann vor der ehemaligen Synagoge
in der Ledergasse platziert werden, wenn die geplante Gartenanlage dort
fertig ist. An die Gräueltaten von damals mahnend zu erinnern, hält
Schlereth in einer Zeit, in der Individualisierung und Egoismus zunehmen,
'für wichtiger denn je'. Junge Leute hätten jetzt bald keine Bezugspunkte
mehr zu dieser Zeit über ihre eigenen Familien. Deshalb müsse man das
Gedenken an damals hochhalten..."
Link zum Artikel https://www.mainpost.de/regional/bad-kissingen/Warum-die-Erinnerung-wichtiger-denn-je-ist;art766,10173741
. |
| |
Januar 2023:
Einweihung des "DenkOrtes
Deportationen" in Oberthulba
Artikel von Hilmar Ruppert in der "Main-Post" vom 22. Januar 2023: "Oberthulba.
Auf dem Weg ins KZ: Der Rucksack von Regina Berney
Bewegende Reden bei der Einweihung des 'Denkorts' Aumühle vor der früheren
Synagoge in Oberthulba.
Vor der früheren Synagoge in Oberthulba wurde mit einer würdigen Feier der
Denkort Aumühle eingeweiht. Das Gebäude steht im direkten Umfeld zur Kirche.
Auf der rückwärtigen Seite verläuft die Ledergasse, in der auch die meisten
jüdischen Familien gewohnt haben.
Synagoge als Gefangenenlager missbraucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg und
am Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sei die Synagoge
zunächst als Gefangenenlager genutzt worden, so Bürgermeister Mario Götz in
seiner Ansprache. Ab 1956 beinhaltete es die Gefrieranlage und seit den
1980er Jahren wird es vom Gesangverein und vom Roten Kreuz als Vereinsheim
genutzt.
Der Rucksack von Regina Berney. 2019 beschloss der Gemeinderat
einstimmig, sich am Projekt 'Denkort Deportationen' zu beteiligen, und zwar
mit einem Rucksack mit der Aufschrift 656. Das Original wurde von einem
einheimischen Sattler für Regina Berney gefertigt, die ihn im Alter von 64
Jahren auf dem Weg zur Deportation getragen haben soll. Dieser Rucksack und
viele andere Gepäckstücke symbolisieren den Verlust und das Verschwinden von
Jüdinnen und Juden aus ihren Heimatgemeinden. 'Keiner von uns trägt die
Verantwortung für das, was geschehen ist', sagte Götz. Aber es sei unsere
Verantwortung als Gesellschaft, die Erinnerung an diese schrecklichen Taten
stets wach zu halten. 'Wir lebten in Deutschland seit 1945 in Frieden', aber
der aktuelle Krieg auf europäischem Boden und die kriegerischen
Auseinandersetzungen auf der ganzen Welt würden zeigen, wie fragil die
aktuelle Lage sei.
Erinnerung und Mahnung. Die Generation der Zeitzeugen werde es bald
nicht mehr geben, deshalb sei es wichtig, die Erinnerung und die Mahnung zu
wahren. Der Rucksack wurde 2019 auf der Rückseite der ehemaligen Synagoge
aufgestellt. Gleichzeitig habe er sich dann zusammen mit Gotthard Schlereth
, Kreisheimatpfleger Roland Heinlein, sowie Kolleginnen und Kollegen der
Verwaltung und des Staatsarchivs um die Ausarbeitung von drei Gedenktafeln
gekümmert, erklärte Götz. Der Bürgermeister bedankte sich bei den
Verantwortlichen für die mühevolle Recherchearbeiten. Im Rahmen der
Planungen für die Tafeln habe man sich dann dazu entschieden, den Gedenkort
an diese Stelle zu verlegen.
Heinlein erinnerte an die Befreiung des größten Vernichtungslagers
Auschwitz. Unter den Opfern seien auch vier jüdische Menschen gewesen, die
in Oberthulba geboren wurden. 1942 seien die letzten Juden, darunter auch
Kinder, auf einem Lastwagen zur Sammelstelle in Würzburg und von dort per
Bahn in den Osten Polens verbracht worden, wo sie dann umgekommen seien.
Viele gebürtige jüdische Bürger Oberthulbas hätten versucht, durch Umzug
eine Auswanderung zu ermöglichen oder unterzutauchen.
Hinter den Namen stehen Schicksale. Mit Schiff, Löbenfried und
Distelburger habe es drei Familien gegeben, deren Spuren sich 100 Jahre
zurückverfolgen ließe. Hinter jedem Namen auf der Liste stehe ein Schicksal,
exemplarisch dafür Rudy Sally Schiff: Rudy und seine Stiefmutter Frieda
verkauften 1937 ihr Haus am Marktplatz und zogen nach Frankfurt, dort
heiratet Frieda erneut, stirbt aber schon 1939. Sie ruht auf dem gleichen
Friedhof wie Simon. Ihr zweiter Mann wird ohne Rudy abtransportiert, von
Rudy gibt es danach kein Lebenszeichen mehr. Ludwig Englisch, ein Verwandter
von Rudy und Nachfahre der Familie Schiff wäre gerne bei dem Termin dabei
gewesen, konnte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen.
Wichtigstes Gebet gesprochen. Der stellvertretende Landrat Gotthard
Schlereth erinnerte an die Veranstaltung '1700 Jahre Jüdisches Leben in
Deutschland', sowie an die 25 Jahre bestehende Partnerschaft des Landkreises
Bad Kissingen mit dem Partnerlandkreis Tamar in Israel. 'Das Christentum ist
ohne das Judentum nicht vorstellbar', sagte Schlereth. Mit dem Kaddischgebet
– eines der wichtigsten Gebete im Judentum – gedachte Bernd Bös den
deportierten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürgern von Oberthulba
. Es werde vor allem auch zum Totengedenken gebetet. In diesem Gebet hieß
es: 'Sein großer Name sei gepriesen in Ewigkeit, in Ihm seid ihr geborgen,
obwohl euer Leben vernichtet wurde, als sei es nichts wert…'
Zur Gedenkfeier begrüßte Bürgermeister Götz noch Dr. Riccardo Altieri vom
Dr. Johanna Stahlzentrum in Würzburg, sowie Benita Stolz vom Verein Denkort
Deportationen e.V. Zum Austausch fand anschließend ein kleiner Empfang im
Rathaus statt." |
| Link:
https://denkort-deportationen.de/jg-oberthulba/
https://denkort-deportationen.de/personenliste/?location=1213
https://jufged.rotraud-ries.de/juedische-orte/jg-oberthulba-2/
|
Erinnerungstafeln am
"DenkOrt Deportationen"
(Abbildungen erhalten von Roland Heinlein) |
 |
 |
 |
| |
Namensliste der in
der NS-Zeit ermordeten/umgekommenen
jüdischen Personen aus Oberthulba |
Informationstafel
am
"DenkOrt Deportationen"
|
Informationstafel
zur jüdischen
Geschichte in Oberthulba |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 380-382. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 101. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 388-389.
|
 | Volker Rieß: Jüdisches Leben in und um Hammelburg.
Katalog zur Ausstellung im Stadtmuseum Herrenmühle 12. Oktober – 10.
Dezember 2000, Hammelburg 2001.
|
 | Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces /
Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen.
Schweinfurt 1992. |
 | dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von
Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt
1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the
abministrative district of Bad Kissingen focusing on the period
1800-1945. Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den
Autoren/obtainable from: E-Mail.
Info-Blatt
zu dieser Publikation (pdf-Datei). |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 115. |
 |
Mehr
als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern. Herausgegeben von Wolfgang Kraus,
Hans-Christoph Dittscheid und Gury Schneider-Ludorff. Teilband für
Unterfranken, Teil 2.1 Landkreise Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld.
Kunst-Verlag Josef Fink Lindenberg 2021. ISBN 978-3-89870-450-2. Zu
Oberthulba S. 239-253. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Oberthulba Lower Franconia.
The 19th century community reached a peak population of 64 in 1871 (total 849),
dropping to 44 in 1933. Most Jews ran auxiliary farms, where a group of
religious youth was sent in 1937 for pioneer training. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue and Jews homes were vandalized. In the
1936-40 period, 16 Jews left Oberthulba, 13 for the United States. The last 11
Jews were expelled via Wuerzburg at the end of April 1942 and from there
deported to Izbica in the Lublin district (Poland).

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|