Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Geroda (Kreis Bad Kissingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
       
In Geroda bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht mindestens in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Durch die Vertreibung der Juden aus dem Hochstift Fulda 1671 dürften mehrere Familien nach Geroda gekommen sein.  
   
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Geroda auf insgesamt 15 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Salomon Heß (Vieh- und Schnittwarenhandel), Samuel Heß (Vieh- und Schnittwarenhandel), Nathan Heß (Vieh- und Schnittwarenhandel), Samuel Stern (Lehrer und Schlachter), Maier Straus (Schlachten und Kramwarenhandel), Löb Neumann (Viehhandel und Schmusen), Nathan Stern (Schnittwarenhandel) Abraham Gärtner (Schmusen), Menke Straus (Schlachten und Schnittwarenhandel), Maier Kalmann (Schnittwarenhandel), Jacob Schiff (Viehhandel), Maier Goldschmied (Schmusen), Manes Hecht (Lumpensammler), Laser Hofmann (Viehhandel), Männlein Schiff (Ackerbau, Matrikel seit 1824). 
  
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1867 59 jüdische Einwohner (8,8 % von insgesamt 674 Einwohnern), 1880: 63 (9,1 % von 691), 1900 55 (8,8 % von 624), 1910 49 (7,7 % von 637). 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule mit Schulhaus, eine Mikwe sowie seit 1911 einen eigenen Friedhof. Um 1910 wurden nicht nur die Synagoge neu erbaut, das Schulhaus umgebaut, sondern auch ein neuer Friedhof angelegt. Über diese Maßnahmen informiert ein Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1911: 

Geroda Israelit 02031911.JPG (112337 Byte)"Geroda (Unterfranken), 20. Februar 1911. Die großen materiellen Anforderungen, mit der die hiesige Gemeinde den Neubau einer Synagoge und den Umbau des Schulhauses bewerkstelligte, hielten sie doch nicht ab, auch für eine würdige Grabstätte zu sorgen. Die Überführung der Metim (Toten) nach dem ca. 6 Stunden entfernten Pfaffenhausen war mit großen Opfern verbunden. Nach den neuen Bestimmungen des Begräbnisplatzes Pfaffenhausen wurden den Gemeinden noch größere Anforderungen gestellt, die namentlich für die entlegenen Gemeinden im Winter nicht leicht zu erfüllen waren. Deshalb entschloss sich die hiesige Gemeinde in Verbindung mit der Kultusgemeinde Unterriedenberg, ein eigenes Beit Chajiim (Friedhof) anzulegen, das am Mittwoch, 1. Februar (1911) seiner Bestimmung übergeben wurde. Nachdem man zu Schacharit (Morgengebet) die Slichot von Scheni Kama gesagt hatte, war Mittags die eigentliche Weiherede in der Synagoge. Die herrlichen Ausführungen des Herrn Distriktsrabbiner Dr. S. Bamberger aus Bad Kissingen machten auf die Gemeinde den tiefsten Eindruck. Die Einweihung des Beit Olam (Friedhof) war im Anschluss an diese Synagogenfeier gleichzeitig mit der Beerdigung der Frau Mirjam Fleischhacker von Platz, einer wahren Eschet Chajal (tüchtigen Frau), die als erste den Boden weihte. Nach einer tiefdurchdachten Rede des Herrn Distriktsrabbiners wurden die sterblichen Überreste dem frisch geweihten Boden übergeben. Unter Vornahme der üblichen Hakefot schloss die ernste eindrucksvolle Weihe."

Für die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war. 1817 wird bei der Erstellung der Matrikelliste Lehrer Samuel Stern genannt. Immer wieder war die Stelle neu zu besetzen (siehe die Stellenanzeigen unten; aus den Anzeigen gehen u.a. auch die Namen einiger Vorsteher der jüdischen Gemeinde hervor: um 1872 Wolf Strauß, um 1878 Jonas Hoffmann, um 1902 J. Sussmann Heß, um 1904 M. Strauß). 
  
Die Gemeinde gehörte bis 1892/93 zum Rabbinatsbezirk Gersfeld, danach zum Distriktsrabbinat in Bad Kissingen
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gustav Katzmann (geb. 1.7.1886 Schondra, gef. 24.12.1918), Isak Hess (geb. 29.8.1892 in Geroda, gef. 20.9.1917), Nathan Hess (geb. 22.8.1894 in Geroda, gef. 10.9.1917) und Max Strauss (geb. 23.6.1896 Geroda, gef. 5.9.1916; Schüler der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, siehe Bericht unten). Ihre Namen stehen auf einer zusätzlich angebrachten Tafel auf dem Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege vor der Kirche.  
  
Um 1924, als zur Gemeinde noch 54 Personen gehörten (8,3 % von insgesamt etwa 650 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Moses Strauß, Simon Goldschmidt, Samuel Frank, Bernhard Strauß und Max Mandelbaum, letzterer aus Platz. Die damals 12 in Platz und die 3 in Schondra lebenden jüdischen Personen gehörten auch zur Gemeinde in Geroda. An jüdischen Vereinen bestanden der Verein Ez Chaijim (1924 Leiter: Karl Strauß) und der Israelitische Frauenverein (Leiterin 1924: Benjamina Goldschmidt). Als Lehrer, Kantor und Schochet wirkte Siegfried Strauß. Er erteilte damals 13 jüdischen Kindern den Religionsunterricht. 
 
1933 lebten noch 43 jüdische Personen am Ort (7,5 % von 575). Bis 1938 verzogen nur wenige von ihnen vom Ort. Fünf konnten in die USA auswandern, drei nach England, fünf weitere verzogen in Ort in Deutschland. Ende März 1938 wurden noch 34 jüdische Gemeindeglieder gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurden von SS-Leuten aus Geroda und Mithelfern die Inneneinrichtungen von Synagoge und jüdischem Gemeindehaus zerstört, sämtliche jüdischen Wohnungen wurden überfallen und verwüstet. Am 10. September 1939 fand ein weiterer Pogrom statt: die jüdischen Familien wurden im Schlaf überfallen, aus ihren Häusern gezerrt und brutal geschlagen. Fünf von ihnen erlitten schwere Verletzungen und wurden nur dank der raschen Hilfe des nichtjüdischen Arztes Dr. Staab aus Burkardroth gerettet, der unter persönlicher Gefährdung dafür sorgte, dass sie in das jüdische Krankenhaus von Würzburg überführt wurden. Die übrigen, auch unter ihnen drei Verletzte, flohen aus dem Ort, um ihr Leben zu retten. Unter dem Eindruck dieses Pogroms zogen fünf jüdische Gemeindeglieder Anfang 1940 in andere deutsche Orte, zwei konnten noch im Mai 1941 in die USA emigrieren. 16 jüdische Personen wohnten im Februar 1942 noch in Geroda. Von ihnen wurden neun Ende April über Würzburg nach Izbica bei Lublin deportiert. Fünf weitere kamen im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt. 
 
Von den in Geroda geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Meta Frank geb. Hess (1889), Samuel Frank (1886), Selma Frank (1914), Babetta Frey geb. Frank (geb. 1888), Benjamina Goldschmidt geb. Strauss (1874), Regine Goldschmidt geb. Strauss (1866), Simon Goldschmidt (1870), Jette Hamburger geb. Kallmann (1875), Abraham Hess (1895), Berta Hess (1910), Berthold Hess (1933), Fanni Hess geb. Rauh (1873), Gidda (Gitta) Hess geb. Goldschmidt (1913), Gustav Hess (1898), Hilde Hess (1902), Isaak Hess (1893), Jakob Julius Hess (1892), Karl Hess (1902), Leo Hess (1935), Lina Hess geb. Hahn (1896), Meta Hess (1898), Meta Hess (1911), Paula Hess (1900), Regina Hess (1897), Samuel Hess (1863), Selma Hess (1896), Siegbert Hess (1929), Lina Katz geb. Strauß (1904), Abraham Katzmann (1878), Emanuel Katzmann (1884), Max Katzmann (1889), Moritz Katzmann (1880), Rosa Katzmann geb. Hess (1894), Berta Nussbaum (1873), Minna Nussbaum geb. Edelstein (1888), Thekla Lehmann (1897), Adelheid Schlössinger geb. Katzmann (1882), Klara Schlössinger (1889), Fanny Stern geb. Strauß (1905), Siegfried Strauss (1900).   
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochet 1872 / 1878 / 1900 / 1901 / 1902 / 1904 

Geroda Israelit 15051872.jpg (44760 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1872: "Die Religionslehrer- und Schächterstelle in Geroda bei Kissingen ist erledigt. Dieselbe trägt 274 Gulden Gehalt; 70 Gulden für Schächterfunktion wird garantiert, nebst sehr schöner freier Wohnung und Garten, sowie 600 Dez. Grasgarten mit vielen Obstbäumen, auch kann auf 100 Gulden Nebenverdienste gerechnet und 15 Gulden aus einer Stiftung jährlich dazu gegeben werden. Bewerber wollen sich an Kultus-Vorsteher Wolf Strauß wenden."  
     
Geroda Israelit 30011878.jpg (60533 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1878: "Die israelitische Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle der kombinierten Gemeinden Geroda, Platz und Schondra (Bayern), mit dem Sitze in Geroda, ist seit 1. Januar dieses Jahres vakant und wird hierdurch zur Wiederbesetzung ausgeschrieben. Die Stelle trägt an fixem Gehalt M. 514 29 Pf., Vergütung für Beheizung M. 34. 29 Pf. sowie ca. M. 200 an Nebenverdiensten. Qualifizierte Bewerber wollen sich gefälligst innerhalb 4 Wochen mit Einsendung ihrer Zeugnisse an unterzeichneten Vorstand wenden. Gerade in Bayern (Unterfranken), 22. Januar 1878. Jonas Hoffmann, Kultusvorstand."  
  
Geroda Israelit 13061900.jpg (76509 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1900: "Durch den Tod unseres langjährigen Herrn Lehrers ist die hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle neu zu besetzen. 
Der Lehrer bezieht einen fixen Gehalt von 520 Mark und außerdem freie Wohnung mit großem Gras- und Obstgarten. 
Durch Nebenverdienste, wie Schächten etc. werden ungefähr 200 Mark erzielt. 
Bewerber um diese Stelle, welche die Reichsangehörigkeit besitzen, wollen ihre mit Zeugnissen belegten Gesuche bis längstens 1. Juli dieses Jahres bei dem Unterfertigten einreichen. 
Geroda, Bezirksamt Brückenau, 10. Juni Samuel Heß, Kultus-Vorstand."   
  
Geroda Israelit 26071900.jpg (51272 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1900: "Wir suchen per sofort einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer, der zugleich als Vorbeter und Schochet funktionieren muss. Gehalt bei freier Wohnung inklusive hübschen Gärten 700 Mark nebst 200 Mark Nebenverdienste. 
Geroda bei Brückenau. Samuel Heß, Kultusvorstand."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1901: "Wir suchen per sofort einen 
Religionslehrer

welcher den Kantor- und Schächterdienst mit zu versehen hat. Gehalt 700 Mark, Nebenverdienst 300 Mark, nebst hübscher Wohnung und schönem großen Garten. 
Der Vorstand
: Süßmann Heß, Geroda (Unterfranken)."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle als Religionslehrer, Schochet und Kantor sofort zu besetzen, bei einem jährlichen Einkommen von 1000-1100 Mark nebst schöner Wohnung mit hübschem großen Garten. bewerber wollen sich beim Unterzeichneten gefälligst melden. 
Sußmann Heß,
Vorstand, Geroda, Unterfranken."    
 
Geroda Israelit 23011902.jpg (39113 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1902: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines 
Lehrers

verbunden mit Schächter- und Kantordienst zu besetzen. Einkommen 1000-1100 Mark nebst schöner Wohnung mit hübschem, großen Garten. 
J. Sussmann Heß, Vorstand, Geroda, Unterfranken". 
   
Geroda Israelit 25071904.jpg (47106 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juli 1904: "Die hiesige Religionslehrer-, Kantor- und Schochetstelle ist zu besetzen. Der Gehalt beträgt bei freier Wohnung, sehr hübschen und großen Garten, 700 Mark fix und cirka 400 Mark Nebenverdienste. Reflektanten wollen sich an den Unterzeichneten wenden. 
Geroda, 20. Juli. M. Strauss. Kultusvorstand"
 
Geroda Israelit 27101904.jpg (62526 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1904: "Durch Berufung unseres Herrn Lehrers an die Präparandenschule nach Höchberg, ist die hiesige Stelle als Lehrer, Schochet und Kantor per sofort zu besetzen. Gehalt beträgt bei freier Wohnung mit großem, hübschen Garten, incl. Nebenverdienste, nachweislich 11 bis 1200 Mark. Seminaristisch gebildete Lehrer wollen ihr Gesuch umgehend an den Unterzeichneten einreichen. 
Geroda (Unterfr.), 24. Oktober (1904) M. Strauß, Kultusvorstand."  

     
Lehrer Leopold Freudenberger wechselt von Geroda nach Hammelburg (1906) 

Geroda FrfIsrFambl 09111906.jpg (19280 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. November 1906: "Hammelburg (Bayern). Zum Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde wurde Herr Leopold Freudenberger aus Veitshöchheim, zurzeit in Geroda, gewählt". 

        
Zum Tod von Jettchen Strauß geb. Katz, Frau des Lehrers Siegfried Strauß (1928)  

Geroda Israelit 14061928.jpg (145352 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1928: "Geroda, 10. Juni (1928). Am Erew Schawuoth (Tag von der Wochenfest Schawuoth = 24. Mai 1928) verschied, nachdem sie einige Tage vorher ihrem ersten Kinde, einem Jungen, das Leben gegeben, Frau Jettchen Strauß - sie ruhe in Frieden, die Gattin des Lehrers Siegfried Strauß in Geroda. Eine Stunde vor Beginn des Festes der Tora hauchte sie, deren ganze Lebenstätigkeit auf die Formel eingestellt war: 'alles, was Gott gesagt hat, wollen wir tun und darauf hören' ihre edle Seele aus und einige Stunden, nachdem eine fromm betende Gemeinde die Verbindlichkeit der 613 Gebote anerkannte, wurde das, was sterblich an ihr, deren Lebensziel auf das 'Aufrichten aller Worte der Tora' gerichtet war, dem kühlen Boden anvertraut. 
Frau Jettchen Strauß - sie ruhe in Frieden - entstammt dem als fromm bekannten Hause Katz in Rhina. Ihr Gottvertrauen und ihre Frömmigkeit war ein Erbteil ihres Vaterhauses. Die frommen Lehren, die ihr von ihrer frühestens Kindheit an zuteil wurden, das fromme Leben, das sie stets vor sich sah, gruben sich tief in ihr empfängliches Herz und bildeten einen Menschen, der in Freud und Leid, im Glück und Unglück, in Gottesfurcht und Liebe sein Leben verbrachte. Die drei Geschenke, die dem jüdischen Volk geworden:  Barmherzige, Verschämte, Wohltätige - besaß sie in großem Maße. Dass sie besonders zu den Wohltätigen gehörte, das werden viele Arme bestätigen, die sie in Liebe verpflegt und unterstützt hat, das werden alle die sagen, die mit ihr je in Berührung gekommen waren. Ihre Liebe zu Gott und zu den Menschen blieb nicht Theorie, sondern sie wurde zur heiligen Tat. Nie fehlte sie, wo es galt, Tränen zu trocknen, Leid zu trösten, Liebestaten an Lebenden und an Toten zu vollbringen. Die gottgewollte Tat leitete und beeinflusste ihr ganzes Leben. Den Gerechten wird der reinste Lohn in jener Welt zuteil, dort werden sie die Früchte ihrer guten Taten genießen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
   
Geroda Israelit 14061928a.jpg (50751 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1928: "Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer geliebten, unvergesslichen Frau Jettchen Strauß geb. Katz - seligen Andenkens - sagen wir nur auf diesem Wege unseren allerherzlichsten Dank. Geroda bei Brückenau. Lehrer S. Strauß und Angehörige."  
  
Geroda BayrGZ 01071928.jpg (32212 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1928: "Personalien. In tiefe Trauer wurde Kollege Strauß (Geroda) durch den Verlust seiner Gattin versetzt, die ihm nach kurzer Ehe am Erev Schewuos, nachdem sie einige Tage zuvor einem Söhnchen das Leben geschenkt hatte, durch den Tod entrissen worden ist. Dem schwer geprüften Kollegen sei auch an dieser Stelle die herzlichste Teilnahme zum Ausdruck gebracht." 

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   

Zum Soldatentod von Max Strauß, gefallen 5. September 1916   

Geroda AZJ 11101916.jpg (115775 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Oktober 1916: "Geroda, 6. Oktober (1916). Vom Kultusvorstand der Synagogengemeinde Geroda geht uns nachstehende Abschrift mit dem Ersuchen zu, dieselbe als Bericht zu veröffentlichen: 'Im Felde, 16. September 1916. Abschrift. An das hochwohllöbliche Bürgermeisteramt Geroda. Es ist mir ein dringendes Bedürfnis, der Gemeinde Geroda mitzuteilen, welch schmerzlichen, unersetzlichen Verlust die Batterie durch den Heldentod des Kanoniers Max Strauß, eines Mitgliedes ihrer Gemeinde, erlitten hat. Ich fühle mich umso eher dazu verpflichtet, indem ich dem Helden noch den letzten Liebesdienst erweisen kann, indem ich der gesamten Gemeinde klarlege, wie stolz sie auf ihren Angehörigen sein darf. Max Strauß war einer der unerschrockensten, tapfersten Leute meiner Batterie. Er war ein ganzer Mann, furchtlos und treu wie Gold, ein Mann mit hochanständigem Charakter, mit einwandfreier Gesinnung, mit kindlich anhänglichem Gemüt, ein Musterbeispiel für die ganze Batterie in Bezug auf strengste Pflichterfüllung, auf tadellose kameradschaftliche Führung. So steht er noch vor mir, so habe ich ihn gern gehabt, so habe ich ihm vertraut als einem meiner Besten, so werde ich ihn in treuer Erinnerung behalten, dankbar für das, was er mir, meiner Batterie und damit dem ganzen Vaterlande geleistet hat. Schon manchem habe ich den letzten Gruß und Dank nachgerufen, noch nie aber ist mir der Abschied, das Bewusststein der endgültigen Trennung so schwer gefallen. Er starb, mir mehr als Kanonier. Er empfing den Schicksalsstreich, als er während eines schweren französischen Angriffs der stark unter Feuer liegenden Batterie die nötige Munition über freies Gelände herantrug, und so die Feuerkraft aufrecht hielt. Er gab uns allen, Offizieren wie Mannschaften, nochmals ein Beispiel deutschen Mutes; dann ging er von uns und ließ uns mit blutendem Herzen zurück. Seine Verdienste wurden auch von höherer Seite anerkannt. Er ist der einzige Angehörige der Batterie, der gleichzeitig zum Eisernen Kreuz zweiter Klasse und zum Bayerischen Militärverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. Ersteres ist seinen Angehörigen bereits zugegangen, das Besitzzeugnis zum letzteren wird demnächst zugeleitet werden können. Sie aber, hocherehrter Herr Bürgermeister, bitte ich, der Gemeinde Geroda Kenntnis geben zu wollen, welchen Verlust sie erlitten hat. Möge die Erinnerung an Max Strauß in Geroda fortleben als die eines tüchtigen, edlen, lieben Menschen. Mögen die jungen Männer ihrer Gemeinde an seinem Beispiel lernen die Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, den rücksichtslosen Einsatz für unsere große, heilige Sache, treueste Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug. Gez. Hollidth, Hauptmann und Batteriechef.'"   
 
Geroda AZJ 09031917.jpg (63607 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. März 1917 (nur der Anfang dieses Artikels wird zitiert): "Würzburg, 2. März (1917). Die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg versendet den Rechenschaftsbericht für das zweiundfünfzigste Jahr ihres Bestehens (1915/16), dem wir die folgenden Mitteilungen entnehmen: Fast alle Schüler der sechsten Klasse sowie ein großer Teil der fünften Klasse stehen noch im Felde, mehrere von ihnen liegen teilweise schwer, teilweise leicht verwundet in verschiedenen Lazaretten. Tief zu beklagen hat die Anstalt den Tod eines braven, fleißigen, im Schul- und Militärleben besonders beliebten Schülers, Max Strauß aus Geroda, der vor einigen Monaten auf dem Felde der Ehre gefallen ist...."  

     
Moses Strauß ist 25 Jahre Gemeindevorsteher (1929)  

Geroda Israelit 10011929.jpg (36869 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1929: "Geroda, 7. Januar (1929). Herr Moses Strauß sieht auf eine 25jährige Amtswirksamkeit als zuverlässiger Gemeindevorsteher der Gemeinde zurück. Was dieser treffliche Mann zur Erhaltung des gutreligiösen Charakters der Gemeinde in diesem Vierteljahrhundert geleistet hat, wird ihm an diesem Tage von seinen Freunden aufrichtig gedankt. (Alle Gute) bis 100 Jahre."  

   
80. Geburtstag von Fanni Halle (1930) 

Geroda Israelit 16011930.jpg (25866 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar 1930: "Geroda (Unterfranken), 14. Januar (1930). In voller Rüstigkeit feiert am 21. Januar Frau Fanni Halle, früher wohnhaft in Hanau, im Kreise ihrer Angehörigen ihren 80. Geburtstag. Wir wünschen der Jubilarin einen recht frohen Lebensabend! (Alles Gute) bis 120 Jahre."  

  
Zum Tod von Fanni Halle (1930)  

Geroda Israelit 08051930.jpg (94965 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1930: "Geroda, 2. Mai (1930). In unserer Gemeinde wurde am Pessach-Fest die Feiertags-Stimmung in trauriger Weise durchbrochen- Frau Fanni Halle verschied am siebenten Festtage (= 19. April 1930), nachdem sie vor drei Monaten noch ihren 80. Geburtstag hatte begehen könnten. Seit drei Jahren lebte sie in unserer Mitte im Hause ihres Neffen, des Kultusvorstandes M. Strauss. Die ganze Gemeinde blickte mit heiliger Ehrfurcht zu dieser frommen Erscheinung empor. Sie war in Poppenlauer (Unterfranken) geboren und eine Schwester des Rabbiners Hirsch, des noch heute in Bayern und darüber hinaus unvergesslichen Begründers der Präparandenschule Burgpreppach. Verheiratet war sie mit dem Lehrer Simon Halle in Hanau, der ihr im Jahre 1919 ins Jenseits vorausgegangen...  Am Tag nach dem Fest kam die edle Frau an der Seite ihres Gatten hier in Geroda zur ewigen Ruhe. Lehrer Siegfried Strauß konnte ihr in Hinsicht auf diesen Tag nur wenige Worte des Nachrufes widmen. Die Anteilnahme der Gemeinde aber war allgemein. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

         
Zum Tod von Sara Heß im November 1935 

Geroda Israelit 05121935.jpg (45385 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1935: "Geroda Ufr., 24. November. Im Alter von 71 Jahren ging Frau Sara Heß von uns. Sie war Vorbild der ganzen Gemeinde in ihrer Schlichtheit, tiefen Frömmigkeit und echt jüdischen Häuslichkeit. Anspruchslos und genügsam, war sie Anderen gegenüber stets opferbereit und überaus wohltätig. Viele und schwere Prüfungen waren ihr auferlegt, aber alle hatte sie, wie unsere Stammmutter Sara, mit Heldenmut und Standhaftigkeit ertragen; nie kam ein lauter Klageton über ihre Lippen. Der Heimgang dieser überaus geachteten und liebevollen Frau bedeutet einen schweren Verlust für die Familie und für die Gemeinde. Möge ihre sakut (ihre Lauterkeit) ihren 8 Kindern und uns allen beistehen.  Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Leben. 

   
Zum Tod von Moses Strauß im September 1937 - 30 Jahre lang Gemeindevorsteher

Geroda Bayr 15091937.jpg (85919 Byte)Artikel aus der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. September 1937: "Moses Strauß s.A.  Geroda. Am 2. September haben wir Moses Strauß, den Vorstand unserer Gemeinde, zu Grabe gebracht. Eine der markantesten Persönlichkeiten der unterfränkischen Kleingemeinden ist mit ihm dahingegangen, ein wahrhaft frommer und charaktersvoller Mensch, der jede freie Minute seines Lebens seiner Gemeinde, die er über 30 Jahre lang leitete, widmete. Zeugen seiner Wirksamkeit in Geroda sind die neue Synagoge, der Friedhof und die Mikwoh, die er geschaffen, bevor der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden seine segensreiche Tätigkeit entfaltete. Solche Einrichtungen in einem kleinen Rhöndorfe zu schaffen, ohne Unterstützungen von Verbänden und Organisationen, das erfordert Energie und ein unbeugsames Vertrauen. Diese Eigenschaften besaß Moses Strauß; sie erwiesen sich als Segen für seine Gemeinde und für den Bezirk Bad Kissingen, dessen Kassier er lange Jahre war. Zu seiner Beerdigung waren von nah und fern die Freunde herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. An seinem Grabe sprachen Worte des Schmerzes und der Erinnerung: Rabbiner Dr. Ephraim, Bad Kissingen, Rabbiner Dr. Weinberg, Würzburg, ein Verwandter der Familie, Hauptlehrer Adler, München, der Neffe des Heimgegangenen, Lehrer Strauß, Mittelsinn, der Sohn und Lehrer Katz, Frankfurt, der Schwiegersohn des Verstorbenen, Lehrer Kahn, Geroda und ein Vertreter der Gemeinde Mittelsinn, Herr Herz.    Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.  
    
Geroda Israelit 09091937.jpg (194865 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1937: "Geroda, 3. September (1937). Am 27. Elul haben wir Moses Strauß zu Grabe gebracht, diesen edlen, charaktervollen und klugen Menschen, der als Vorsteher seiner Gemeinde allen Mitgliedern stets mit Rat und Tat und Hilfe zur Seite stand und der jede freie Minute seines Lebens die ganze Kraft seines Körpers und Geistes seiner Gemeinde widmete. In seiner mehr als dreißigjährigen Tätigkeit als Vorsteher der Gemeinde Geroda schuf er eine neue Synagoge, einen Friedhof und eine neue Mikwe und das alles zu einer Zeit, als der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden seine segensreiche Tätigkeit noch nicht entfaltet. Aber er stellte nicht nur eine Synagoge hin, er sorgte auch dafür, dass in ihr Tag für Tag gebetet wurde. Es ist sicher vor allem sein Werk, dass Geroda eine vorbildlich fromme Gemeinde wurde und blieb. Sein Beispiel riss die Gemeinde mit, wohl nie versäumte er einen Gottesdienst, wenn seine Körperkräfte gerade noch ausreichten, dass er sich ins Gotteshause schleppen konnte. So sorgte er für seine Gemeinde, so sorgte er als Kassier der Bezirksgemeinden Bad Kissingen für seinen Bezirk, so sorgte er auch für jedes einzelne Mitglied seiner Gemeinde. Er war der Freund und Berater jedes Einzelnen, an dessen Freude und an dessen Leiden er den regesten Anteil nahm. Wahrlich, solange noch eine jüdische Seele in Geroda haust, wird man von Moses Strauß sprachen und mit Stolz von ihm erzählen.   
Aber in der großen Arbeit für die jüdische Gesamtheit vergaß er doch nie daran, dass der jüdische Mensch auch Pflichten gegen sich selbst hat, nämlich zu lernen'. In jeder freien Minute nahm er sein Sefer (Buch, Tora) und lernte, und wenn ihm schon vor vielen Jahren der Chower-Titel (Ehrenrabbiner) verliehen wurde, so beweist das mehr als alle Ausführungen es vermögen, wie ernst er dies Lernen genommen hatte.  
Aus nah und fern waren die Freunde herbeigeeilt. Vor seinem Hause, in dem er seine segensreiche Tätigkeit entfaltet, sprachen der Lehrer der Gemeinde Geroda, Herr Kahn, der Sohn Lehrer (Siegfried) Strauß, Mittelsinn, Herr Rabbiner Dr. Weinberg, Würzburg, und der Schwiegersohn Lehrer Katz in Frankfurt Worte des Dankes und der Erinnerung. Auf dem Friedhof, den der Heimgegangene ja selbst geschaffen, widmeten ihm Nachrufe Herr Bezirksrabbiner Dr. Ephraim, Bad Kissingen für den Bezirk und den Verband, der Neffe Herr Hauptlehrer Adler, München, für die Familie und Herr Herz, Mittelsinn, für die Gemeinde Mittelsinn. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Anzeigen des Schneidermeisters Sal. Heß jr. (1901 / 1904)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1901: "Suche für meine an Schabbat und Feiertage geschlossene Maßschneiderei bis Mai einen Lehrling. Garantiert gute Ausbildung, sowie sofort einen Gehilfen
Salomon Heß junior
, Schneidermeister, Geroda, Unterfranken."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1904: "Zwei Schneidergehilfen suche per sofort. Schabbos und Feiertage geschlossen. 
Sal. Heß
, Geroda (Bayern)."        

    
Verlobungsanzeige für Meta Weinberg und dem aus Geroda stammenden Lehrer Willi Strauss (1928)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Gott sei gepriesen.  
Bezirksrabbiner Dr. M. Weinberg und Frau, Neumarkt (Oberpfalz) - M. Strauss und Frau, Geroda, beehren sich die Verlobung ihrer Kinder Meta und Willi bekannt zu geben:  Meta Weinberg - Willi Strauss, Lehrer. Verlobte. Neumarkt (Oberpfalz) - Frankfurt-Main, Zobelstraße 9II.  Juni 1928 / Siwan 5688."
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1928: "Die - so Gott will - Montag, den 15. Oktober 1928 - 1. Cheschwan 5689 - in Würzburg, Alhembra-Saal stattfindende Vermählung ihrer Kinder 
Meta und Willi beehren sich anzuzeigen  
Bezirksrabbiner Dr. M. Weinberg und Frau   Neumarkt (Oberpfalz) - 
Moses Strauss und Frau  Geroda (Unterfranken)."  

  
Verlobungsanzeige von Rosa Hess und Abraham Katzmann (1923)  

Geroda Israelit 29111923.jpg (21559 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1923: "Statt Karten. Rosa Hess - Abraham Katzmann. Verlobte. 
Geroda, Kislew 5684 - 18. November 1923."    

   
Stellensuche von Samuel Frank für seine Tochter (1929)

Geroda Israelit 14111929.jpg (41095 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1929: "Suche für meine Tochter, geprüfte Kindergärtnerin 2. Klasse mit guten Zeugnissen passende Stelle. Samuel Frank, Geroda bei Bad Kissingen."    

           
Heiratsanzeige von Isaak Hess und Lina Hahn (1928)  

Geroda Israelit 06121928.jpg (28959 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1928: "Isaak Hess - Lina Hess geb. Hahn. Vermählte. 
Geroda - Nenzenheim /Bayern. Trauung, 16. Dezember, Hotel Katzmann, Würzburg."     

    
Verlobungsanzeige von Ilse Katzmann und Esra Stein (1934) 
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Oktober 1934: "Gott sei gepriesen. 
Ilse Katzmann - Esra Stein
. Verlobte. 
Geroda - 1. Cheschwan (= 10. Oktober 1934) - Schwäbisch Hall."   

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge        
    
Zunächst war eine erste Synagoge unbekannten Baujahres vorhanden. Die 1904 von Kultusvorstand Moses Strauß per Anzeige gesuchte gut erhaltene Torarolle dürfte noch für den Gottesdienst in der alten Synagoge gesucht worden sein. Ob eine neue gefunden und - wie üblich - mit einem großen Fest und Prozession eingeweiht werden konnte, ist nicht bekannt: 

Geroda Israelit 21011904.jpg (40200 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1904: "Die in geringen Verhältnissen sich befindende Kultusgemeinde Geroda, Rabbinat Kissingen, sucht eine gut erhaltene koschere Sefer Thauro (Torarolle) billigst zu kaufen. Offerten an Herrn Moses Strauß, Kultusvorstand."

Die alte Synagoge wurde nach dem Neubau der Synagoge 1907 an den Geschäftsmann Bernhard Strauss "Manufakturwaren und Maschinen" verkauft und von diesem nach einem Um- und Anbau als Geschäftshaus genutzt. In den 1970er-Jahren wurde das Gebäude abgebrochen und durch ein neues Wohnhaus ersetzt. Im Blick auf die Renovierung oder den Bau einer neuen Synagoge und einer neuen Schule erschienen 1904 Spendenaufrufe in jüdischen Periodika:   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1904: "Werte Glaubensgenossen!  
Die hiesige israelitische Kultusgemeinde, bestehend aus 19 Mitgliedern, befindet sich jetzt in großer Verlegenheit. Sie muss nämlich die Synagoge sowie auch das Schulhaus vom Grunde auf renovieren oder beide durch Neubauten ersetzen. Da es nun der Gemeinde, wie Sie aus den unten abgedruckten Zeugnissen ersehen können, unmöglich ist, diesen bedeutenden Kostenaufwand zu leisten, so ist erstere gezwungen, an den Wohltätigkeitssinn edler Glaubensgenossen zu appellieren. 
Wir bitten Sie deshalb ergebenst, uns durch einen Zuschuss oder durch Sammlungen für diesen hehren und heiligen Zweck unterstützen zu wollen. Indem wir Sie ersuchen, von den unten abgedruckten Zeugnissen gefälligst Notiz nehmen zu wollen, zeichnen, Ihnen im Voraus besten Dank sagend   
Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Geroda. 
M. Strauss,
Vorstand.     
--- 
Bad Kissingen, 12. Februar 1904. Distrikts-Rabbinat Bad Kissingen
Der Wahrheit gemäß wird andurch bezeugt, dass die Kultusgemeinde Geroda-Platz-Schondra größtenteils aus Mitgliedern besteht, die teilweise ganz unvermögend, teilweise wenig leistungsfähig sind. Nur mit großer Anstrengung vermag die genannte Gemeinde die regelmäßigen jährlichen Bedürfnisse aufzubringen. Gegenwärtig ist jedoch die Gemeinde gezwungen, große Reparaturen bezw. Neubauten auszuführen, die einen Kostenaufwand von ca. 10.000 Mark erfordern, weshalb dieselbe gezwungen ist, an größere Gemeinden um Beihilfe sich zu wenden.  Das Distriktsrabbinat. Dr. S. Bamberger.  
---
Zeugnis
.  
Auf Wunsch wird gerne bezeugt, dass sowohl die Synagoge, als auch das Schulhaus der israelitischen Kultusgemeinde Geroda in einem sehr baufälligen Zustande sich befinden und dass die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde absolut nicht im Stande sind, die Kosten für Herrichtung obiger Gebäude aus eigenen Mitteln aufzubringen. 
Geroda, den 1. Februar 1904. 
Die Gemeindeverwaltung. Kohl,
Bürgermeister."       

Die neue Synagoge wurde 1906/07 erbaut und am 16. August 1907 feierlich eingeweiht. Der Aron-Ha-Kodesch stammte aus der ehemaligen Synagoge von Werneck und war aus Sandstein gefertigt und in Ölfarbe gefasst. Über die Synagoge und die anderen Einrichtungen wird 1927 berichtet: 
    
Über den guten Zustand der Gemeinde und ihrer Einrichtungen (1927)  

Geroda Israelit 18081927.jpg (112467 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1927: "Geroda (Unterfranken), 10. August (1927). Aus unserem ruhigen, in einem lieblichen Talkessel gelegenen Rhöndorfe an der Strauße Bad Kissingen - Brückenau dringt nur selten ein Bericht in die große Welt. Die kleine jüdische Gemeinde zählt ungefähr 60 Seelen. Trotzdem pulsiert hier wahres jüdisches Leben. Mustergültig sind alle Einrichtungen. Die neue, hübsche ausgestattete Synagoge, abseits vom Lärm des Tages, ist von einem blühenden Garten umgeben. Nur wenige Schritte davon entfernt befindet sich das Schulhaus, neu hergerichtet und praktisch eingerichtet mit einer neuen, zeitgemäß eingerichteten Mikwah. Der neue, vor fünfzehn Jahren angelegte Friedhof, von schattigem Laubwald umrauscht, ist etwa 15 Minuten vom Orte entfernt. Früher wurden die Leichen nach dem ca. 20 Kilometer von hier entfernten jüdischen Friedhof Pfaffenhausen bei Hammelburg überführt. Alle diese Institutionen verkünden den Opfersinn der kleinen, in Frieden und Eintracht lebenden Gemeinde. Das hervorragendste Verdienst an ihrer Errichtung gebührt dem langjährigen, unermüdlichen, tatkräftigen und selbstlosen Kultusvorstand Herrn Moses Strauß, der die Förderung seiner Gemeinde als das Ziel seines Lebens betrachtet."   

Beim Novemberpogrom 1938 wurde von SS-Leuten aus Geroda und Helfern in die Synagoge und das jüdische Gemeindehaus eingebrochen und die Inneneinrichtung zerstört. Die Torarollen und die Ritualien wurden im Garten der Synagoge verbrannt. Es konnte nur eine Megilla (Rolle des Buches Ester) und ein Schofar gerettet werden. 
  
Das Gebäude der Synagoge blieb nach 1945 bestehen. Der Gesamteindruck des Gebäudes, u.a. mit den Rundbogenfenster ist trotz einiger Umbauten (zuletzt einer gelungenen Renovierung 1998/99 und dem dabei erfolgten Umbau zu einem Gemeindehaus) weitgehend erhalten geblieben (nach kurzer Baubeschreibung des Denkmalamtes: "tonnengewölbter Saalbau mit Satteldach"). Am Gebäude befindet sich eine Gedenktafel mit folgendem Text: "Dieses Gebäude, erbaut im Jahre 1907, die Inneneinrichtung wurde 1938 in der Pogromnacht zerstört, diente der Jüdischen Kultusgemeinde Geroda als Synagoge. Zur Erinnerung und Mahnung".  
  
Nach 1945 wurden einige ehemalige SS-Leute aus Geroda wegen ihrer Beteiligung beim Novemberpogrom 1938 vor Gericht gestellt. Sie wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. 
  

Adresse/Standort der Synagoge

alte Synagoge in der Dorfstraße 11 (abgebrochen)   
die neue Synagoge von 1907 Kirchberg 6, zu erreichen über das Grundstück Kirchberg 3 (= ehemaliges jüdisches Gemeindehaus mit Schulräumen, Lehrerwohnung, daneben die Mikwe)   

    

Über den alten Toraschrein der Synagoge Geroda (erstellt mit Hilfe von Recherchen von Manfred Fuchs, Werneck): In der Synagoge in Geroda ist nach dem Neubau 1907 vermutlich der Toraschrein aus Werneck und nicht der Toraschrein aus der alten Synagoge Geroda aufgestellt worden. Dieser alte Toraschrein (beziehungsweise Toraschrank) aus Geroda kam in das damalige Fränkische Luitpoldmuseum in Würzburg (heute Mainfränkisches Museum):   
Quelle: August Stöhr: Bericht über die Neuerwerbungen des Fränkischen Luitpoldmuseums zu Würzburg für die Jahre 1914 und 1915 S. 19: "Die israelitische Gemeinde der Rhönorte Geroda, Platz und Schondra übergaben als Geschenk einen reich geschnitzten, bunt gemalten und vergoldeten Toraschrank vom Ende des 17. Jahrhunderts aus der Synagoge in Geroda". 
Die Angabe, dass es sich um den Schrein aus der alten Synagoge in Geroda gehandelt hat, ist allerdings nicht ganz eindeutig. Möglicherweise war dies doch der Toraschrank aus Werneck, nachdem er einige Jahre in der Synagoge Geroda gestanden hat. Im damaligen Fränkischen Luitpoldmuseum befand sich auch der Toraschrein aus Platz - oder ist mit der Angabe von Stör die Übergabe des Toraschreines aus Platz und nicht die Übergabe eines Toraschrankes aus Geroda gemeint?  Der oder die Toraschränke sind bei den Luftangriffen auf Würzburg im Zweiten Weltkrieg verbrannt. Die beiden Fotos auf den Seiten zu Geroda und Platz zeigen jedenfalls unterschiedliche Toraschränke.       

   
   

Fotos
  

Historisches Foto des Toraschrankes
 (ursprünglich aus Werneck?) 
(Quelle Foto links: The Encyclopedia of 
Jewish Life s. Lit. Bd. 1 S. 427) 
Geroda Synagoge 110.jpg (77262 Byte)
           
       
Fotos aus den 1980er-Jahren
(Quelle: Schwierz s.Lit. S. 56-57) 
Geroda Synagoge 111.jpg (61166 Byte) Geroda Schule 100.jpg (48510 Byte)
      Die ehemalige Synagoge  Das Gebäude der ehemaligen Schule 
     
Neueres Foto von 2004
(Foto: Jürgen Hanke, Kronach 
aus www.synagogen.info
Geroda Synagoge 120.jpg (26870 Byte)
     
     
Fotos von 2007
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 31.5.2007)  
Geroda Ort 05.jpg (78108 Byte)
  Blick auf das Gebäude Dorfstraße 11 (mit Balkonen), an dessen Stelle sich 
bis 1907 die alte Synagoge befand.
   
Geroda Synagoge 130.jpg (84038 Byte) Geroda Synagoge 131.jpg (68505 Byte) Geroda Synagoge 132.jpg (68681 Byte)
  Heutiges Eingangsportal   Seitenfenster  
     
Geroda Synagoge 135.jpg (72379 Byte) Geroda Synagoge 133.jpg (81987 Byte) Geroda Synagoge 134.jpg (89406 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge   Das Foto zeigt die unmittelbare Nähe
 zwischen evangelischer Kirche (links) 
und ehemaliger Synagoge (rechts)  
   
    
    
Die ehemalige 
jüdische Schule  
Geroda Ort 06.jpg (75853 Byte) Geroda Ort 09.jpg (81695 Byte)
Blick auf die ehemalige jüdische Schule
     
Das jüdische Bad 
(Mikwe)  
Geroda Ort 07.jpg (91365 Byte) Geroda Ort 08.jpg (94341 Byte)
  Blick auf das jüdische Badehaus (Mikwe)  
   
Vor der Kirche: 
Gefallenendenkmal  
Geroda Ort 10.jpg (124983 Byte) Geroda Ort 11.jpg (79825 Byte)
Die Namen der vier jüdischen Gefallenen sind ergänzt  

     
      

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Geroda  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Geroda (interner Link)

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 297-298.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 55-58.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 442-445.  
Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces / Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen. Schweinfurt 1992. 
dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt 1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the administrative district of Bad Kissingen focusing on the period 1800-1945.  Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den Autoren/obtainable from: E-Mail.    Info-Blatt zu dieser Publikation (pdf-Datei).  
Dirk Rosenstock (Bearbeiter): Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg. Band 13. Würzburg 2008. S. 98.   

      
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Geroda  Lower Franconia. The Jewish community numbered 63 in 1880 (total 691) and 43 in 1933, mostly engaged in farming. The community maintained a synagogue, rebuilt in 1907, and a cemetery, consecrated in 1910, which served other communities as well. On Kristallnacht (9-10 November 1938), jews were severely beaten and two were murdered in the Dachau concentration camp and the synagogue was wrecked. In all 29 Jews managed to leave Geroda in 1936-1941, ten emigrating from Germany. The rest were went to the Dachau and Buchenwald concentration camps, Izbica in the Lublin district (Poland) and the Theresienstadt ghetto in 1941-42.  
      
        

                   
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Stand: 19. August 2014