Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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   links: "Heilige Gemeinde Gersfeld" (aus der Widmung für Rabbiner Wormser 1890 s.u.)  

 

 

Gersfeld (Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Gersfeld bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung  geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. In der Zeit des Siebenjährigen Krieges (1762-1763) werden sechs jüdische Familien am Ort genannt. Die meisten Familien lebten damals in der "Judengasse", der späteren "Hochstraße". Da sich in der Judengasse auch die Synagoge befand, lebten bis zum 20. Jahrhundert hier mehrere jüdische Familien.  
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1800 50 jüdische Einwohner, 1871 119 (7,7 % von insgesamt 1.542 Einwohnern), 1885 91 (6,4 % von 1.402), 1895 104 (7,0 % von 1.476), 1905 114 (7,9 % von 1.440). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Gersfeld auf insgesamt 19 (bzw. 21 mit zwei Nachträgen bis 1823) Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): David Hirsch Stern (Viehhandel), Maier Michel Kupfer (Viehhandel, Schnittwarenhandel), Kusel Moises Barth (Viehhandel), Abraham Moises Nußbaum (Viehhandel), Maier Joseph Karpf (Handel mit rohem Leder), Witwe von Michel Salomon Gerber (Spezerei- und kurzer Warenhandel), Hirsch Nathan Grünbaum (Viehhandel), Moses Nathan Raab (Viehhandel), Seckel Salomon Kießmann (Viehhandel), Seckel Kalmann Hommel (Vieh- und Spezereihandel), Maier David Feuerstein (Vieh- und Spezereihandel), Moses Maier Tannbaum (Viehhandel), Baer Maier Blumhof (Viehhandel), Juda Maier Baumann (Viehhandel), Moses Juda Roßkopf (Pferdehandel), Juda Katz Waldhaus (Viehhandel), Abraham Katz Sichel (Waren- und Viehhandel), Kalmann Juda Lamp (Viehhandel), Salomon Juda Weinberg (Viehhandel), Moses Hommel (Feldbau, seit 1822), Abraham Morgenroth (Feldbau, seit 1823).   
  
Die jüdischen Familien lebten auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem vom Viehhandel (zwölf teilweise bedeutende Unternehmen) sowie vom Textilhandel. Mehrere Einzelhandelsgeschäften in der Stadt wurden von ihnen eröffnet und bis nach 1933 geführt.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische Elementarschule (Schulhaus Hochstraße 10, 1815-16 erbaut, bis Dezember 1933) und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem Friedhof in Weyhers beigesetzt. 
  
Von 1840 bis 1892 war Gersfeld Sitz eines Distriktrabbinates. Einziger Inhaber des Rabbinates war Rabbiner Samuel Wormser (geb. 1807; Sohn des 'Judenschulmeisters' Gabriel Wormser in Urspringen; Samuel Wormser war Rabbiner in Gersfeld von 1840 bis zu seinem Tod 1892, siehe die Berichte unten). Bereits 1866, als das Gebiet des Rabbinatsbezirkes zwischen Bayern und Preußen aufgeteilt wurde, zeichnete sich die Auflösung des Rabbinates ab. Dennoch blieb das Rabbinat bis zum Tod des Rabbiners bestehen. Nach Auflösung des Bezirksrabbinats Gersfeld 1892 kam die Gemeinde zum Provinzialrabbinat Fulda. Die bayerischen Gemeinden, die bis dahin zum Rabbinatsbezirk Gersfeld gehört hatten (Bad Brückenau, Oberelsbach, Unterleichtersbach, Geroda, Platz, Riedenberg, Schondra, Zeitlofs, Mellrichstadt, Mühlfeld, Mittelstreu, Oberstreu, Reyersbach, Bastheim, Oberwaldbehrungen, Nordheim v.d. Rhön, Hausen, Willmars, Weimarschmieden), kamen zum Distriktsrabbinat Bad Kissingen.      
    
Erster Lehrer an der 1832 begründeten jüdischen Israelitischen Elementarschule war Moses Wechsler aus Wüstensachsen (er war bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts Lehrer in Gersfeld, nahm 1817 den Namen Wechsler an). Die Zahl der Schüler schwankte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwischen 20 und 28; 1905 besuchten 15 jüdische Kinder die Elementarschule, 15 weitere die höheren Schulen. An weiteren Lehrern ist bekannt: nach Wechslers Tod 1837 bis 1851 Joseph Strauß. Sein Nachfolger war Simson Reuß. Ein kurzes Zwischenspiel gab Michael Goldberg (1868/69), seit 1869 versah Moses Windmüller die Lehrerstelle. Nach der Ausschreibung der Stelle 1878 (siehe unten) folgte 1879 Aron Roßmann, der 42 Jahre (bis 1921) in Gersfeld als Lehrer tätig war (gestorben 1929 siehe Bericht unten). Nachfolger Rossmanns wurde Lehrer Sally Katz (bis zur Aufhebung der Schule 1933).   
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Willi Hommel (geb. 2.5.1896 in Gersfeld, gef. 19.4.1916), Hermann Lorsch (geb. 22.12.1881 in Alsfeld, gef. 3.8.1915), Hermann Oppenheimer (geb. 5.10.1890 in Gersfeld, gef. 15.9.1914), David Wahlhaus (geb. 8.8.1893 in Gersfeld, gef. 15.9.1914), Jakob Julius Weinberg (geb. 18.4.1893 in Gersfeld, vor 1914 in Herborn wohnhaft, gef. 15.11.1914) sowie Simon Weinberg (geb. 7.10.1895 in Gersfeld, vor 1914 in Kitzingen wohnhaft, gef. 22.1.1917). Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal der Stadt. 
 
Um 1924, als 120 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (in 33 Familien, von 1.634 Einwohnern), bildeten den Gemeindevorstand: Moses Morgenroth I und Louis Hommel. Als Kantor, Lehrer und Schochet war weiterhin Simon Katz angestellt. Er unterrichtete an der israelitischen Volksschule damals 11 Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden: der Brautausstattungsverein Hachnossath Kallah (1924 unter Leitung von Louis Hommel, 14 Mitglieder). 
 
1933 lebten 114 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren ist ein großer Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Immer wieder kam es zu Misshandlungen jüdischer Einwohner - Gersfeld war eine Hochburg der Nationalsozialisten. Bereits im Februar 1933 herrscht Pogromstimmung in der Stadt: in jüdischen Wohnhäusern wurden die Fenster eingeworfen; jüdische Personen wurden brutal überfallen und verletzt (siehe Bericht unten). Im Dezember 1933 wurde ein jüdisches Ehepaar und die Familie des Viehhändlers Max Weinberger von drei maskierten Gestalten niedergeschlagen. Am 26. Dezember 1933 gab es einen Überfall auf die Familie des Bäckers Abraham Selig. Luise Morgenroth wurde wegen einer Bemerkung über den Nürnberger NSDAP-Parteitag misshandelt. Der bereits 1924 genannte Gemeindevorsitzende Moses Morgenroth I (von Beruf Viehhändler) blieb Vorsitzender des Gemeinde bis zu ihrer Auflösung. Auswandern konnten 15 Personen nach Palästina, 6 in die USA, 12 nach Südafrika, 2 nach Ecuador/Südamerika 1 nach England, 2 nach Frankreich, 2 in die Schweiz. Die meisten übrigen jüdischen Einwohner verzogen innerhalb Deutschlands, 18 nach Fulda, 16 nach Frankfurt. Drei jüdische Familien blieben in Gersfeld und wurden von hier im September 1942 deportiert. 
Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 siehe unten bei der Synagogengeschichte.   
        
Von den in Gersfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Friedberger geb. Hommel (1860), Rosa Grünbaum geb. Morzenrath (1884), Erna Grünebaum (1918), Adelheid Haas geb. Wahlhaus (1871), Selma Haas geb. Goldner (1902), Jettchen Hart geb. Hammel (1858), Josef Karpf (1873), Mali Katz (1927), Markus Katzmann (1870), Regina Katzmann geb. Hecht (1877), Johanna (Janchen) Lorsch geb. Katzmann (1877), Louis (Löser) Morgenroth (1878), Luise Morgenroth (1882), Moses Morgenroth (1863), Rosa Morgenroth geb. Kaufmann (1887), Irmgard Neumann (1924), Louise Nußbaum geb. Wahlhaus (1879), Irmgard Scheier (1922), Berta Sichel geb. Weinberg (1895), Frieda Simon geb. Oppenheimer (1892), Karoline Stern geb. Morgenroth (1866), Fanny Vasen geb. Barth (1859), Abraham J. Wahlhaus (1882), Alfred Wahlhaus (1933), Fränze Wahlhaus (1925), Paula Wahlhaus geb. Goldmeier (1897), Selmar Wahlhaus (1923), Isaac Weinberg (), Mina Weinberg geb. Rosenstock (1866), Herrmann Weinberger (1936), Manfred Weinberger (1927), Max Weinberger (1888), Rosa Weinberger geb. Oppenheimer (1894), Siegbert Weinberger (1924), Rosa Wetzlar geb. Rosenstock (1871).  
    
Von 1945 bis 1947 gab es vorübergehend in Gersfeld wieder eine jüdische Gemeinde, die von Überlebenden des Holocausts aus Osteuropa (sogenannte Displaced Persons) gegründet wurde. Die Gottesdienste wurden in der ehemaligen jüdischen Schule in der Hochstraße 10 gefeiert. In der Jugendherberge befand sich der 'Kibbuz Buchenwald', der vermutlich von Überlebenden des KZ Buchenwald gegründet wurde, die sich auf die Auswanderung nach Palästina vorbereiteten. Das Ende der jüdischen Gemeinde Gersfeld und des Kibbuzes Buchenwald kam mit der Gründung des Staates Israel, wohin die meisten der DPs hin auswanderten.   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
Ausschreibungen der Stelle(n) des Elementar-/ Religionslehrers, des Vorsänger und des Schochet 1878 und 1921 

Gersfeld Israelit 06111878.jpg (42587 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1878: "Die hiesige Elementarschulstelle, mit Vorsängerdienst, ist erledigt und soll bis zum 1. Dezember diesen Jahres besetzt werden. Das Einkommen beträgt jährlich 900 Mark bar nebst freier Wohnung und Beheizung und sind viele Nebenverdienste in Aussicht. 
Qualifizierte Bewerber wollen sich mit ihrem Gesuche baldigst wenden an Lokalschulinspektor Herr Distrikts-Rabbiner Wormser dahier oder an den Unterzeichneten. 
Kultus-Vorstand David Karpf in Gersfeld an der Rhön".
Auf die Ausschreibung der Stelle hin bewarb sich erfolgreich Aron Roßmann, der bis 1921 Lehrer in Gersfeld blieb. Erst danach erfolgte die nächste Ausschreibung der Stelle. 
Gersfeld Israelit 24021921.jpg (44317 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1921: "Die Elementarlehrerstelle der israelitischen Kultusgemeinde Gersfeld ist am 14. April diesen Jahres neu zu besetzen. Reflektiert wird auf guten Vorbeter und Schauchet. Bewerbungen sind an den Unterzeichneten einzureichen.
Gersfeld (Rhön), 16. Februar 1921. Maier Wahlhaus, Kultusvorstand".
Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich Simon Katz, der bis zur erzwungenen Schließung der jüdischen Schule Ende 1933 in Gersfeld blieb.

   
Lehrer Aron Roßmann geht in den Ruhestand (1921)   

Gersfeld Israelit 07041921.jpg (53032 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1921: "Gersfeld, 26. März (1921). Nach mehr als 50-jähriger Amtstätigkeit, von denen 42 auf die hiesige Kultusgemeinde entfallen, tritt der Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Aron Roßmann, trotz körperlicher und geistiger Rüstigkeit am 1. April auf Grund des neuen Pensionsgesetztes in den Ruhestand. Durch stets gewissenhafte Ausübung all seiner dienstlichen Obliegenheiten in Schule und Gotteshaus hat er sich die Wertschätzung sämtlicher Ortsbewohner und seiner Vorgesetzen zu erwerben und zu erhallten verstanden."
   
Gersfeld Israelit 05051921.jpg (59624 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1921: "Gersfeld, 3. April (1921)..." Es erschien noch einmal derselbe Artikel wie am 7. April 1921.

   
Zum Tod von Lehrer Aron Roßmann (1929)  

Gersfeld Israelit 15081929.jpg (56531 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. August 1929: "Gersfeld, 30. Juli (1929). Einen großen Verlust hat unsere Gemeinde durch den Tod des seit 8 Jahren im wohl verdienten Ruhestand lebenden Lehrers Aron Roßmann erlitten. Vierzig Jahre hat er als tüchtiger Lehrer und Vorbeter in unserer Gemeinde gewirkt und es verstanden, durch seine Vorbild als Jehudi das religiöse Leben zu erhalten und zu vertiefen. Seinem einfachen, bescheidenen Wesen war der Wunsch entsprungen, bei seiner Beisetzung keinerlei Trauerrede zu veranstalten. - Unter uns wird sein Andenken als das eines wahrhaft Frommen noch lange zum Segen fortdauern. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 23. August 1929: "Gersfeld. Im Alter von 74 Jahren starb nach kurzer Krankheit der seit 8 Jahren im Ruhestand lebende Lehrer Aron Roßmann. Vierzig Jahre hat er das Amt des Lehrers und Vorbeters in Gewissenhaftigkeit und Treue verwaltet und durch sein bescheidenes, friedfertiges Wesen das leuchtende Vorbild allen Gemeindeangehörigen gegeben. Seiner Einfachheit und Schlichtheit entsprang auch die letztwillige Verfügung, dass an seinem Grabe keine Trauerrede gehalten werden dürfte. Das Andenken des um die Erhaltung des religiösen Lebens verdienten wackeren Mannes wird von der dankbaren Gemeinde stets in Ehren fortbestehen."      

   
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Gersfeld 
        
Schmähbriefe gegen den Rabbiner (1863)  
Anmerkung: auf Grund der Darstellung lässt sich vermuten, dass die Briefe aus liberalgesinnten Kreisen der Gemeinde verschickt wurden, die die konservativ-orthodoxe Linie ihres Rabbiners nicht unterstützen wollten. Diese Spannung wird auch im Bericht unten (von 1869) deutlich, als der Vorstand einen "liberal geprägten" Lehrer einstellt, mit diesem jedoch schlechte Erfahrungen macht.    

Gersfeld Israelit 20051863.jpg (108370 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1863: "Aus dem Rhönbezirke. In der dritten Woche des Monats April wurden wir Israeliten des Rhönbezirks in eine sehr düstere Stimmung versetzt; denn mit größter Entrüstung erhielten wir die Nachricht, dass in dem Orte Gersfeld, wo der Sitz unseres Herrn Rabbiners Wormser ist, Schmähbriefe gegen denselben gelegt waren, durch die dessen Namen verunglimpft werden sollte; allein um so viel höher steigt derselbe nun bei uns in seinem Werte, weil die Quelle dieses sehr gemeinen Benehmens sich gar leicht erraten lässt. Die Sünde schleicht im Finstern, der redliche und rechtschaffene Mann wählt nur die öffentlichen und geraden Wege. Ohne aber weitläufig zu werden, rufen wir unserem Herrn Rabbiner zu, sich hierdurch ja nicht beirren zu lassen und gegen alle Eingriffe, gegen alle Verfälschung unserer Heiligen Tora sowie gegen das Abbringen eines jeden Minhag (d.h. Abbringen von einer Tradition) mit aller Energie aufzutreten, denn schon ist es soweit in unserem Rhönbezirke gekommen, dass man sich nicht scheut, öffentlich nichtkoscheren Wein zu trinken, am Schabbat aus dem abgegrenzten Bereich zu gehen und zu tragen etc.   
Wir aber rufen unserem Herrn Rabbiner die Worte zu, welche der Herr zu seinem Propheten gesprochen: "Und du Menschensohn, fürchte dich nicht vor ihnen, und vor ihren Worten fürchte dich nicht, und vor ihrem Angesicht fürchte dich nicht  (Ezechiel 2,6)."

   
Bericht über eine Lehrerkonferenz unter Rabbiner Samuel Wormser (1864)   

Gersfeld Israelit 07091864.JPG (265650 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1864: "Von der Rhön. Auch in diesem Jahre wurde am 17. August von dem Distrikts-Rabbiner Wormser in Gersfeld eine Lehrerkonferenz daselbst abgehalten, und obgleich die meisten Beteiligten einen langen und beschwerlichen Weg zu machen hatten, wurde die Konferenz dennoch von sämtlichen Lehrern mit Freuden besucht. Nach gemütlicher Begrüßung der Lehrer unter sich sowohl, wie von Seiten des Vorstandes, sprach dieser, bevor zur Besprechung der Konferenzgegenstände geschritten wurde, sich ungefähr also aus: 'Wenn auch durch den sichtlich zunehmenden Materialismus der Zeit die Geistes- und Herzenspflege der Jugend immer weniger Anerkennung findet, namentlich auf dem Lande, wo die Intelligenz immer mehr Boden verliert, und ihre Jünger immer weniger werden, und man nur gerne noch begreift, was man greifen kann – so lassen wir uns dennoch durch diese ominösen und in der Tat traurigen Erscheinungen der Zeit unseren Beruf nicht verleiden, und möge Sie, meine Herren, die Mühe und Plage nicht verdrießen, die durch die heute hier tagende Konferenz Ihnen verursacht wird! Suchen wir uns gegenseitig aufzumuntern im frommen Hinblick zur allweisen Vorsehung, die für die ganze Schöpfung väterlich sorgt, und keines ihrer Geschöpfe vergisst! Suchen wir uns aufzumuntern, als Männer zu arbeiten im Weinberge des Herrn und unsern Berufspflichten fromm und gottergeben obzuliegen, bis wir von denselben abgerufen werden! Es scheint fast, als ob die Gottheit wolle, dass das Gute unter Schmerzen erst gedeihen solle. Und unser Beruf ist Gottes. Seien wir nur desselben uns stets bewusst! Unser Tagwerk ist ein segensreiches, unsere Arbeit ist des Herrn. Die Seelen der Jugend zu Gott zu führen, Erkenntnis zu streuen in die Herzen der Kinder Gottes, den Odem zu pflegen, den der Herr in die Menschen gehaucht, das ist viel und weit mehr, als die Schätze der Reichen und Großen. Gegenseitige Aufmunterung sei unser Losungswort, und wenn wir diese erreicht haben, so war das schon der Mühe wert, eine Konferenz gehalten zu haben. Der Beruf eines Lehrers ist mit dem eines Rabbiners identisch, beide Faktoren haben die Religion zu pflegen, und beide finden so selten Anerkennung von ihren Religionsgenossen. Lassen wir uns nicht beirren in unserer Wirksamkeit; mit des Sehers Blick, der in die Zukunft gerichtet ist, gehen wir freudig und besonnen zur Besprechung der uns gestellten Aufgaben über!' 
Zur Beratung waren folgende 3 Punkte aufgestellt: 1) Wie ist der Religionsunterricht in der Elementarschule zu behandeln, wenn er durch den Elementarunterricht nicht in den Hintergrund gedrängt werden soll? 2) Ist die Kenntnis des jüdischen Kalenders (Luach), beziehungsweise unserer Zeitrechnung als ein obligater Gegenstand der Religionsschule zu betrachten, und wie ist die Verfahrungsart hierbei zu behandeln? 3) Worin liegt der Grund, dass die meisten Religionslehrer oft nur getrübten Mutes ihren Berufspflichten obliegen? 
Ad 1 erklärten sich sämtliche Lehrer einstimmig dahin, der Lehrer müsse, je mehr es zuweilen durch die nicht selten maßgebenden Prüfungen der christlichen Inspektoren den Schein hat, dass die Präpoderanz der Schule in den Elementargegenständen liegt, um so mehr dem Lehrgegenstande der Religion seine ganze Aufmerksamkeit zuwenden, und habe die Pflicht, wie er die Überzeugung hat …, dass eine Schule, so sie nicht in der Religion ihre Grund-
Gersfeld Israelit 07091864a.jpg (167027 Byte)lage fände, ihre besten Früchte verwelken zu sehen, gezwungen sei, diese auch der Jugend beizubringen, wozu ihm Mittel genug in die Hand gegeben sind. 
Ad 2 war man darin einverstanden, diesen Gegenstand dem Religions-Unterrichte beizuzählen, und dass bei dem jüdischen Schreibunterricht die Schüler das hebräische Datum gebrauchen sollen. Ad 3 fand man den Grund in der geringen Besoldung des Lehrers einerseits, wodurch derselbe ein sorgenvolles und oft kummervolles Leben hat, andererseits in der Ausschließung von allen Unterstützungen seitens des Staates, worüber bei der höchsten Stelle Schritte geschehen sollen. - 
Schließlich teile ich Ihnen noch ein Faktum mit, aus dem Sie, geehrter Herr Redakteur, unsere trüben Landverhältnisse zur Genüge bemessen können. Als vor Kurzem unser ehrwürdiger Herr Distrikts-Rabbiner Wormser um eine bescheidene Aufbesserung seiner spärlichen Besoldungen, die jährlich nur 450 Gulden beträgt, nachsuchte, wodurch ein Kultusmitglied eine jährliche Mehrausgabe von höchstens 6-8 kr., sage mit Worten sechs bis acht Kreuzern hätte, trat die Gemeinde Gersfeld, in welche der Sitz des Rabbiners ist, und die zu den wohlhabendsten des Distrikts zählt, in den Vordergrund und erklärte sich bei Gericht einstimmig – dagegen. Was sollen nur erst andere Angestellte erwarten, wenn man einem Manne, dessen kleiner Finger stärker ist, als die Lende des Anderen, der in seinem Berufe auch seinen Feinden gegenüber makellos dasteht, nach 24jährigen gewissenhafter Wirksamkeit (als Jubiläumsgeschenk) eine so kleine Forderung abschlägig zurückweist? Was können erst die jungen Bäumlein hoffen, wenn selbst die ehrwürdige Eiche nicht verschont bleibt? Steht ja diese Kränkung der Gemeinde Gersfeld gegen ihren Rabbiner nicht vereinzelt da, doch – sapienti sat! Hoffen wir, dass solche Erscheinungen nie mehr vorkommen, und dass sie Leute endlich einsehen möchten, welchen Vorteil ihnen die Schulen und deren Leiter bringen!"  

      
Zusätzlich eingestellt die Mitteilung: Moses Wormser aus Gersfeld wird Religionslehrer und Vorsänger in Zeitlofs (1867)   
Anmerkung: bei Moses Wormser wird es sich um einen Sohn von Rabbiner Samuel Wormser handeln, zumal zum 50. Dienstjubiläum des Rabbiners im Jahr 1890 sein 12-jähriger Enkel Isak Wormser aus Zeitlofs genannt wird (siehe Bericht unten). Somit dürfte Moses Wormser bis mindestens 1890 in Zeitlofs geblieben sein.     

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 30. Januar 1867: "Durch Regierungs-Entschließung vom 19. Januar laufenden Jahres ad Nr. 11321 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Zeitlofs, königlichen Bezirksamts Brückenau, beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrer- und Vorsängerstelle an den israelitischen Schuldienst-Exspektanten Moses Wormser aus Gersfeld in provisorischer Weise genehmigt worden."         


Politische Umwälzungen (1867)   

Gersfeld Chananja 01021867.jpg (55982 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Chananja vom 1. Februar 1867: "Ein eigenes Geschick steht dem Distriktsrabbiner Wormser in Gersfeld bevor. Der Sprengel desselben bestand aus den Gerichtsbezirken Brückenau, Mellrichstadt, Bischofsheim v.d. Rhön, Gersfeld und Weichers (d.i. Weyhers) mit dem Herrschaftsgerichte Tann. Die drei letzteren Bezirke sind von Preußen annektiert worden, die ersteren sind Bayern verblieben.
Wie wird es mit dem Rabbinatsdistrikte? Wie mit dem Distrikts-Rabbiner? Die Gemeinden des Bezirkes sind nicht so wohlhabend, dass der eine Teil für sich die Kosten bestreiten kann und man ist auf den Ausgang sehr gespannt."

   
Schilderung der Gemeindeverhältnisse (1868)   

Gersfeld Israelit 02091868an.jpg (205987 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1868: "Von der Rhön. Wenn man schon lange von unseren Bergen keine Nachrichten in diesem geschätzten Blatte gelesen, so ist die Ursache, weil des Erfreulichen nicht viel zu berichten ist. – Auch bei uns wird leider das Religiöse immer mehr eine Modeware, die je nachdem sie gefällt, Absatz findet, und bei dem überhand nehmenden Materialismus, will man nur greifen, was man greifen kann. In dem östlichen Teile der Rhön gibt es noch wenige Gemeinden, in welchen außer dem 9. Aw an den Fasttagen wejachel (2. Mose 35,1 - 38,20) gelesen werden könnte, an vielen Orten ist von Sabbat zu Sabbat die Synagoge geschlossen. 
Ein freundlicheres Bild bietet uns der westliche Teil. Gersfeld, der Sitz des Rabbiners, auf die Nachbargemeinden Einfluss übend, folgt großenteils der orthodoxen Richtung; es wird dort auch Wohltätigkeit geübt. Es besteht daselbst durch Vermittlung des Rabbiners ein Armenverein schon über ein Jahr, der leider jetzt, weil der Hausbettel dadurch nicht aufhört, trotz der Gegensprache des Rabbiners sich wieder auflösen wird. Durch den Abzug seines noch bayrischen Lehrers, hat die Gemeindevertretung freilich ohne alle vorherige Erkundigung einen Herrn als Lehrer und Vorsänger aus Westfalen kommen lassen; man hat diesen Herrn gewählt, weil er Musik und Französisch zu unterrichten versteht. Herr G. hat nach seinem eigenen Geständnis nur deklamierend aus der Tora vorgelesen, macht kein Hehl daraus, dass er sich bis jetzt nur rasiert habe, indem er sich im Hause des Vorstehers, wo die Gemeinde später zur Besprechung über die Anstellung des Lehrers sich versammelte, öffentlich rasieren ließ. 
Doch Musik und Französisch sind nicht so veraltet wie das Religiöse, gehören vielmehr zu den beliebten Bedürfnissen der Jetztzeit; übrigens soll Herr G. versichert haben, dass er, solange er in Gersfeld sein werde, sich seinen Bart stehen und sich nicht rasieren lassen werde…  
Gelegentlich eine Mitteilung, die ich einem guten Freunde zu verdanken habe, und die ich der Sache willen referiere. Herr Rabbiner Wormser hielt den 5. diesen Monats eine Lehrerkonferenz, und ehe das gegebene Thema besprochen wurde, hielt derselbe folgende Ansprache an die versammelten Lehrer: Wie im vorigen Jahre beginnen wir auch unsere jetzige Konferenz mit dem Zurufe: Gott Euch Allen zum Gruße. Es war dies der traute Gruß der Väter im heiligen Lande, und ist auch jetzt noch der Gruß aller Menschen, die in Liebe und Wohlwollen sich begegnen. Befassen wir uns nicht mit den brennenden Fragen, die an dem religiösen Horizont Israels als schwarze Wolken auf-
Gersfeld Israelit 02091868bn.jpg (143795 Byte)steigen, und die noch niemals Israels heiligen Boden erquicklich befeuchteten. 
Es ist das Israels tausendjähriger Fluch, dass seine Einreißer und Zerstört aus seinem eigenen Schoße kommen, und nicht selten von denjenigen, die sich als die Diener der Religion gerieren. Solche Erscheinungen auf dem Gebiete der Religion, und wenn sie auch nur vorübergehend sein werden, sind immerhin beklagenswert. 
Eine andere, wenn auch nicht von dem Judentum hervorgerufene, darum doch nicht minder beklagenswerte Erscheinen ist, dass durch die immer stärker werdende Übersiedlung von dem Lande in die Stadt für Synagoge und Schule der Landgemeinden immer mehr Gefahr droht, sodass deren Existenz hie und da in Frage kommt. Dieser von uns im vorigen Jahre ventilierte Übelstand ist neuerdings in einem geschätzten Organ besprochen worden, allein die desfalls angegebenen Abhilfsmittel gehören nach dem eigenen Geständnis des Berichterstatters in das Reich der pia desideria (frommen Wünsche); das einzige Mittel wodurch diesem Übelstande großenteils gesteuert werden könnte, scheint mir zu sein, wenn im Bewusststein Israels Zusammengehörigkeit, die Gemeindevertretung in den Städten von den Zuzüglern aus dem Lande nur den Mehrbetrag ihrer früheren Steuerpflicht auf dem Lande zu den Kultuslasten heranzögen, den übrigen Teil aber in die  Gemeindekasse zurückfließen ließe, wo eben die Übersiedler früher ansässig waren. 
Aber hinc illae lacrimae ('daher die Tränen'; lateinische Redewendung, gemeint: darin liegt der eigentliche Grund)), und diese Tränen der Zeit werden noch so lange nicht aufhören zu fließen als noch Egoismus, Eigennutz, Selbstvergötterung den Impuls aller Lebensbewegungen bleiben, und, wir können es uns nicht verhehlen, das jetzige Israel ist wohl noch reich an weichen, warmen, barmherzigen, aber leider arm an edlen Seelen. Doch schweifen wir nicht zu weit ab. 
Es wurde dann die eigentliche Konferenzaufgabe besprochen, auf die wir hier jedoch nicht näher eingehen können."    

  
Der Gemeindefriede wird vorübergehend durch einen neu eingestellten Lehrer gestört (1869)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1869: "Gersfeld. Von unserer Gemeinde wurde nur höchst selten in jüdischen Blättern berichtet, es ereignete sich fast nie etwas Außergewöhnliches, was der öffentlichen Besprechung würdig wäre. In der Gemeinde herrschte fortwährend Frieden, unser orthodoxer Rabbiner, der bereits seit 29 Jahren segensreich dahier wirkt, hatte sich stets der Liebe und Achtung der Gemeindeglieder zu erfreuen, denn er leitete die Gemeinde und überwachte die religiösen Institutionen immer mit der größten Gewissenhaftigkeit und ermüdete nie in der Erfüllung seiner Pflichten. Das Alles hat sich im Laufe des verflossenen Jahres geändert, seitdem der Vorstand einen Herrn Goldberger aus Westfalen als Lehrer und Vorsänger angestellt. Dessen Bestreben war es hauptsächlich, gegen den Herrn Rabbiner aufzutreten. Er lasse sich beim Toravorlesen nicht korrigieren, erklärte er öffentlich, er sei nur da um das Volk aus seiner Dummheit herauszubringen; er musizierte am Sabbat, das Verbot des Musizierens, behauptete er, sei nur ein örtlicher Minhag (Brauch). In der Schule erzählte er den Kindern, Israel sei früher das auserwählte Volk gewesen, aber jetzt nicht mehr. Auf eine Belehrung von Seiten des Rabbiners ging er nicht ein. 
Trotz alledem wusste er sich bei dem Vorstande zum Liebling zu machen, gerade weil er religionswidrige Dinge beging. Bei einer Gemeindeversammlung erklärte der Rabbiner, dass er, so lange Herr Goldberger als Vorbeter fungiere, den Gottesdienst nicht besuchen könne, man möge ihm eine Torarolle aus der Synagoge geben, um einen Privatgottesdienst einrichten zu können; aber dies wurde verweigert. 
Wie sehr der Rabbiner Recht hatte, so zu verfahren und das größte Misstrauen in den Lehrer zu setzen, beweiset, dass eines schönen Morgens Herr Goldberger verschwunden, d.h. nach Amerika abgereist war, nachdem er zuvor von bewährten Zeugen überführt worden, dass er seine Schülerinnen zu unsittlichen Dingen missbraucht hatte!!! 
Hoffen wir, dass der Vorstand bei der Wiederbesetzung der Stelle auf eine Persönlichkeit reflektiert, die bei Religiosität sich bemühen wird stets in Einklang mit dem Rabbiner zu leben."     

  
Rabbiner Wormser setzt sich für eine Spendensammlung zugunsten der hungernden Juden in Persien ein (1872)   

Gersfeld Israelit 21021872.jpg (130689 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1872: "Von der Rhön. Als kaum in Deutschland der Hilferuf unserer hungernden Glaubensbrüder in Persien durch dieses geschätzte Blatt vernommen ward, ließ der hochwürdige Herr Rabbiner Wormser in Gersfeld, der stets bemüht, Hungernde im Stillen zu sättigen, Notleidenden nach Kräften zu helfen, ein eigenhändiges Zirkular an sämtliche Kultusvorstände seines Bezirkes ergehen, in welchem herzzerreißend die große Not unserer darbenden Brüder in Persien geschildert, die dringendste Bitte an alle Gemeindemitglieder gestellt wird, nach Kräften Gaben zu spenden, dass Keiner, mit dem Namen 'Israelit' sich nennend, Hand und Herz hier verschließen möge, alle Vorstände aufgefordert werden, alsbald in ihren Gemeinden Kollekten für genannten Zweck zu veranstalten, mit dem Bemerken, dass der Herr Rabbiner gern bereit sei, Spenden entgegenzunehmen. Wir hoffen nun, dass die so dringende Bitte unseres verehrten Herrn Rabbiners gewiss bei allen Israeliten des Bezirks Gersfeld gerne erfüllt ward, dass durch sie reichliche Gaben für unsere in Kummer und Drangsal lebenden Brüder gespendet wurden und werden, dass hierdurch nicht nur zur Linderung des Elendes unserer bedauernswerten Brüder beigetragen wird, sondern auch, dass der ehrwürdige Herr Rabbiner Wormser hierdurch seine edle Tat und Absicht, die stets nur zur Ehre Gottes, herrlich gekrönte sehe, und rufen wir zum wiederholten Male allen Israeliten des Gersfelder Distriktes zu: 'Sammelte gerne zum zweiten und dritten Male für unsere hungernden Brüder in Persien, denn sehr groß ist ihre Not! 'Verhärtet nicht eure Herzen und verschließt nicht eure Hände (vor euren dürftigen Brüdern)' (nach 5. Mose 15,7) - 'es bezahlt euch der  Ewige Eure Taten und Euer Lohn sei vollkommen (vor dem Ewigen) (nach Ruth 2,12)."    

   
Programm zum 50-jährigen Dienstjubiläum des Rabbiners Wormser (1890)  

Gersfeld Israelit 06031890.jpg (67194 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" am 6. März 1890: "Zu der am 10. März diesen Jahres zu Gersfeld v.d. Rhön stattfindenden 50jährigen Jubiläumsfeier des Herrn Distrikt-Rabbiners Wormser zu Gersfeld ladet freundlichst ein und bittet um allseitige Beteiligung der Fest-Ausschuss
Festprogramm
1. Empfang der Gäste im Gasthause 'zum Stern' dahier. 
2. Festgottesdienst in der Synagoge, geleitet von Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn. Beginn 11 Uhr. 
3. Überreichung der Ehrengeschenke im Festsaale. 
4. Nach Beendigung des Gottesdienstes Festessen im Festsaale (2 Uhr). 
5. Gesellige Unterhaltung."

  
Bericht über die Feierlichkeiten zum 50. Dienstjubiläum von Rabbiner Wormser (1890) 

Gersfeld Rhoen Israelit 24031890.jpg (122910 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1890: "Aus der Rhön. Dass auch in unseren kalten Bergen die Herzen noch warm schlagen für alles Gute und Edle, das zeigte sich deutlich bei der Feier des 50jährigen Dienstjubiläums, welches unser verehrter Herr Rabbiner Wormser – sein Licht leuchte – am 10. März diesen Jahres zu Gersfeld beging. Gewiss eine höchstseltene Feier! Ist es doch nur Wenigen vergönnt, bis ins hohe Greisenalter mit jugendlicher Kraft und Ausdauer durch des Allmächtigen Gnade ein so verantwortungsvolles Amt zu bekleiden und treu zu verwalten! So war es denn auch vorauszusehen, dass man zur festlichen Begehung des Ehrentages unseres Herrn Rabbiners sicher auf allgemeine Beteiligung rechnen durfte, wenngleich dieselbe verhältnismäßig nur sehr kurze Zeit vorher projektiert war. – Schon der Vorabend der eigentlichen Feier hatte die bereits eingetroffenen Festgäste, meist Lehrer des Rabbinatsbezirks, zu gemütlichem, geselligen Beisammensein im Gasthofe 'zum Stern', dem Festlokale, vereint, Es war der Vorgenuss des morgigen Tages. Dieser führte in den frühesten Stunden von Nah und Fern die Lehrer des Rabbinatssprengels und Deputierte fast sämtlicher Gemeinden an den Festort, wo durch die trefflich organisatorische Tätigkeit des Vorsitzenden vom Festkomitee, des Herrn Lehrer Levi zu Riedenberg, bereits alle näheren Vorbereitungen zur Feier in geschickter Weise getroffen waren. Um 11 Uhr begann der Festgottesdienst. Bereits eine Stunde vorher war die höchst geschmackvoll dekorierte Synagoge, ein herrlicher Neubau, bis auf den letzten  
Gersfeld Rhoen Israelit 24031890a.jpg (212048 Byte)Platz gefüllt. Die Spitzen der Behörden, voran der Herr Landrat, die Beamtenwelt, sowie zahlreiche nichtjüdische Ein- und Umwohner Gersfelds hatten sich hier mit den übrigen Verehrern des Jubilars in schöner Einmütigkeit zu dieser seltenen Feier zusammengefunden. Ein offizieller Festzug zur Synagoge wurde auf Wunsch des bescheidenen Jubilars vermieden. Feierliche Stille herrschte im Gotteshaus, als die Hochwürden Provinzialrabbinen Dr. Cahn – sein Licht leuchte – Fulda und Dr. Munk – sein Licht leuchte – Marburg, den greisen Jubilar in der Mitte, eintraten. Der Synagogenchor begrüßte sogleich denselben, mit einem gut vorgetragenen Baruch Haba. Nach Rezitation der Psalmen 111 und 112 bestieg Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk die Kanzel, um – in Vertretung seines Kollegen Herrn Dr. Cahn, der wegen Heiserkeit am lauten Reden verhindert war – die Festpredigt zu halten. Und wahrlich, Herr Dr. Cahn hätte keinen würdigeren Vertreter wählen können! In meisterhafter, fast ¾-stündiger Rede wusste Herr Dr. Munk die Aufmerksamkeit der Versammelten zu fesseln, und gar manches Auge wurde feucht, als der gewandte Redner die volle Bedeutung der Feier, als eine gerechte und der Sache würdige, klarlegte. Anknüpfend an die Bemerkung des Midrasch zur Stelle … des laufenden Wochenabschnittes, dass unter den dreierlei Namen, die dem Menschen beigelegt werden, derjenige der beste ist, den man sich selbst gibt, führte der Redner des weiteren aus, wie wahr und richtig dieser Midraschspruch auf den ganzen Lebenswandel des Gefeierten anzuwenden sei, da der Jubilar ganz aus eigenem Wirken und Streben das geworden, was er heute ist, wie er in seiner Jugend, wo ihm die Sonne des Glückes keineswegs gelächelt, mutig den Kampf mit allen Entbehrungen und Hindernissen aufgenommen und sich so zu einer Achtung gebietenden Lebensstellung emporgeschwungen habe. Aber auch bei seinem gesamten amtlichen Wirken habe ihn dieser freudige Schaffensgeist immer beseelt, sodass er stets für die gerechte Sache die gerechten Mittel fand, um nach göttlichem Willen seinem verantwortungsvollen und pflichtenschweren Berufe vollends gerecht zu werden; und es erfüllte ihn der Geist Gottes denn nur von göttlichen Geiste erfüllt und gestählt ist es ihm gelungen, nicht nur um es mit Gold und Silber zu machen die leichteren Amtspflichten treulich zu erledigen, sondern auch siegreich den Kampf mit den zahllosen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten zu bestehen, wie solche besonders häufig einem Seelsorger unserer Tage unliebsam sich bieten. Redner schloss mit dem tief gefühlten und
Gersfeld Rhoen Israelit 24031890b.jpg (264464 Byte)von den Anwesenden mitgefühlten Wunsche, dass dem ehrwürdigen Greise noch lange Jahre das Glück beschieden sein möge, in Rüstigkeit seinem Amte vorzustehen. Herr Dr. Cahn ließ es sich nicht nehmen, das nun folgende Gebet für den Landesvater selbst vorzutragen. Nach Rezitation der Psalmen 116, 117 und 118 schloss der Synagogenchor mit einem Halleluja den erhebenden und feierlichen Festgottesdienst. Rührend war jetzt der Anblick, wie der geehrte Jubilar von allen Seiten, besonders von seinen lieben Kindern, die herzlichsten Gratulationen entgegennahm. Im Festlokale überreichte Herr Lehrer Weiler aus Wüstensachsen als Senior der Lehrerschaft das Festgeschenk, bestehend in einem eleganten silbernen Sederservice aus der Silberwarenfabrik Posten Witwe zu Frankfurt am Main. Der Jubilar dankte mit wenigen aber herzlichen Worten für alle die liebevolle Aufmerksamkeit, die man ihm für den heutigen Tag entgegengebracht, die er aber keineswegs verdient habe, die Pflichterfüllung ja nicht ei Verdienst zu nennen sei. In sinniger Weise knüpfte nun Herr Dr. Cahn eine Betrachtung an das Sederservice, indem er vom baldigen Pessachfeste auf die Festesfeier anspielte und überreichte dem Jubilar im Namen der Stadt Fulda eine Widmung im Prachteinband. Nachdem das Minchagebet verrichtet war, begann das Festessen, wobei es natürlich nicht an Toasten fehlte. Wir heben zunächst den von echtem Patriotismus durchglühten Toast auf Kaiser Wilhelm II. hervor, den Herr Dr. Cahn ausbrachte. Der Sohn des Jubilars, der Waisenhausdirektor zu Dinslaken, dehnte seine Tischrede zu einer förmlichen Predigt aus, wies trefflich in seiner Betrachtung über … und über das strenge Verbot der Einzelzählung Israels auf die darin ausgesprochene Idee der Zusammengehörigkeit unserer Glaubensbrüder in Freud und Leid hin und schloss dementsprechend mit einer Sammlung für die Armen im heiligen Land.  Als ehemaliger Lehrer vergaß der nunmehrige Direktor aber auch nicht, die Verdienste und die hohe Bedeutung der jüdischen Lehrer für Israels Jugend in das rechte Licht zu stellen. Als Vertreter der Enkel des Jubilars feierte in gebundener Rede der 12jährige Isak Wormser von Zeitlofs die Tugenden des Großvaters, dessen Lebensabend sie noch lange erheitern möchten. Eine Unzahl von Glückwunschschreiben aus Nah und Fern war angekommen und kamen über 40 Telegramme zur Verlesung. Das Tischgebet verrichtete der Jubilar selbst. In ungezwungener, gemütlicher Unterhaltung blieben nun die Festteilnehmer in heiterer Stimmung bis spät in die Nacht beisammen. Jeder hatte beim Scheiden das Bewusstsein, einer wahren Freude über eine Mizwa (Weisung) beigewohnt zu haben. Möge unser greiser Seelenhirt da Glück haben, noch eine lange Reihe von Jahren, als 'stolze Zier' in unserer Mitte zu 'blühen' und zu wirken!  A.M. in Z.
(Auch wir senden Herrn Rabbiner Wormser – sein Licht leuchte – zu seinem stattgehabten 50jährigen Dienstjubiläum unsere herzliche Gratulation mit dem Wunsche, dass es ihm vergönnt sein möge, seine segensreiche Wirksamkeit ungeschwächt bis ins höchste menschliche Alter fortsetzen zu können. Die Redaktion des 'Israelit u. Jeschurun'.)"
       
Rechts: Widmungsblatt von Provinzialrabbiner Dr. Cahn und 
der Israelitischen Gemeinde in Fulda
(vgl. Bericht oben): 
"Als Zeichen der Hochachtung und Verehrung
 Seiner Höchwürden Herrn Distrikts-Rabbiner Wormser zu Gersfeld 
zu seinem 50jährigen Jubiläum. 
Fulda, 18. Ador 5650 - 10. März 1890.
Das Provinzial-Rabbinat und die Israelitische Gemeinde zu Fulda." 
(erhalten von Amichai Dreifuss)
Wormser1.jpg (163689 Byte) Wormser2.jpg (115458 Byte)

     
Moses Wormser aus Gersfeld wird Religionslehrer und Vorsänger in Zeitlofs (1867)       

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 30. Januar 1867: "Durch Regierungs-Entschließung vom 19. Januar laufenden Jahres ad Nr. 11321 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Zeitlofs, königlichen Bezirksamts Brückenau, beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrer- und Vorsängerstelle an den israelitischen Schuldienst-Exspektanten Moses Wormser aus Gersfeld in provisorischer Weise genehmigt worden."         

 
Gabenverzeichnis für Rabbiner Wormser und seine Dankesanzeige 

Gersfeld Israelit 1731890.jpg (116285 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1890: "Gabenverzeichnis zu Gunsten des 50jährigen Jubiläums des Herrn Distrikts-Rabbiners Wormser zu Gersfeld a.d. Rhön. 
Rabbiner Dr. Grünebaum in Ansbach 10, Lehrer Wechsler in Aschbach 4, Rabbiner Dr. Neustadt in Breslau 5, Kultusgemeinde Brückenau 16.30, Freiherr Jacob von Mayer in Coburg 25, Lehrer Heß in Ermreuth 3, Lehrer Halle in Geroda 5, Kultusgemeinde Gersfeld 30, Rabbiner Dr. Koref in Hanau 40, Hauptlehrer Eschwege in Höchberg 5, Lehrer Strauß in Kitzingen 4, Kultusgemeinde Mellrichstadt 10, Kultusgemeinde Nordheim a.d. Rhön 10.80, Kultusgemeinde Oberelsbach 7.50.
Riedenberg: Isaak Edelstein 3, Löb Edelstein 1, Frl. Hannchen Edelstein 1, Jakob Engel 3, Viktor Engel 2, Jakob Goldbach 2, Frl. Lina Goldbach 2, Maier Goldbach 10, Salomon Goldbach 5, Fr. Nanni und Hirsch Hecht 3, Maier Hecht 2, H. Michaelowsky 2, Gideon Sitzmann 2, Maier Sitzmann 4, Viktor Sitzmann 2, Frl. Fanny Strauß 1 und Lehrer Levi 25.
Kultusgemeinde Schmalnau 40, Kultusgemeinde Steinach a.d. Saale 16.85, Kultusgemeinde Tann a.d. Rhön 29,80, Lehrer Eschwege in Thüngen 2, Kultusgemeinde Willmars 4, Kultusgemeinde Wüstensachsen 25, Seminarlehrer Weisbart in Würzburg 2, Kultusgemeinde Zeitlofs 15.50, Nathan Grünebaum in Züntersbach 4.  Summa Mark 387.25.
Allen Freunden, den verehrlichen Teilnehmern und den Leitern des Festes, Herrn Dr. Cahn – sein Licht leuchte – Provinzialrabbiner zu Fulda und Herr Dr. Munk – sein Licht leuchte - Provinzialrabbiner zu Marburg, dankt bestens und fleht den Segen des Allgütigen für sie an.  
Das Fest-Komitee".
  
Öffentliche Danksagung von Rabbiner Wormser  
Gersfeld Israelit 17031890.jpg (45890 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1890: "Öffentliche Danksagung. Da es mir nicht möglich ist, für die vielen Beweise inniger Teilnahme zu meinem fünfzigjährigen Amtsjubiläum jedem einzeln zu danken, sage ich hiermit Allen, die mich an diesem Tage erfreut haben, besonders dem Festkomitee, dem Rabbinat Fulda für die überreichte kunstvolle Adresse, sowie den Herren Dr. Cahn Fulda und Dr. Munk Marburg meinen herzlichen Dank. 
Gersfeld im Adar des Jahres 5650. Wormser, Distriktsrabbiner".

   
Zum Tod von Rabbiner Samuel Wormser (1892)  

Gersfeld Israelit 07041892.jpg (41334 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1892: "Gersfeld. Mittwoch verschied Herr Distrikts-Rabbiner Wormser das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Der Verstorbene hat gewünscht, dass die jüdischen Zeitungen nur diese kurze Notiz bringen, ohne ein Wort des Nachrufs, wie auch jede Trauerrede erbeten ist. Seine früheren Schüler hingegen möchten einen biblischen Schiur (Lernstunde) lernen."
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. April 1892: "In Gersfeld verschied Herr Distrikts-Rabbiner Wormser am vorigen Mittwoch."       
 
Nekrolog    
Gersfeld Israelit 19051892.jpg (166715 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1892: "Nekrolog. Anfangs April brachten diese Blätter die traurige Kunde von dem Ableben des Gersfelder Distriktrabbiners Wormser – das Andenken an den Gerechten ist zu Segen -. Der ausdrückliche Wunsch des bescheidenen Entschlafenen verbot der kurzen Notiz einen wohlverdienten Nekrolog beizufügen. Heute, nachdem die Trauertage verflossen, können wir es uns jedoch nicht versagen, des edlen Toten nochmals in kurzen Worten zu gedenken.
Was Rabbiner Wormser für die große Welt gewesen, das aufzuführen ist wohl unnötig. Jedermann weiß, mit welch aufopfernder Liebe er vierzig Jahre lang sich den Sammlungen von Beiträgen für palästinische Zwecke unterzogen. Selbst hervorgegangen aus einer wenig bemittelten Lehrerfamilie, kannte er aus eigener früherer Erfahrung das Herz der bedürftigen Armen und nie verließ ein Armer unbeschenkt sein Haus und ohne, dass der Verschiedene ihn nach Maßstab der eigenen Vermögensverhältnisse beschenkt hatte. Trotz des bescheidensten Gehalts überwies der Edle seine Trauungsgebühren meist der verschämten Armut, sich persönlich nur das unumgänglich Notwendigste gönnend. Obwohl er durch seine 50jährige Amtstätigkeit zur Überweisung der 'Ludwigsmedaille' berechtigt war, machte er von einer diesbezüglichen Bewerbung keinen Gebrauch.
Zu Urspringen in Unterfranken geboren, erreichte Rabbiner Wormser – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – das hohe Alter von 85 Jahren. Der Verstorbene hinterließ 6 Kinder, von denen einer, Herr Lehrer Leopold Wormser der rührige Direktor des Dinslaker Waisenhauses ist. Gott möge die trauernden Hinterbliebenen trösten. Die Gersfelder Gemeinde aber, deren Seelenhirt der Verblichene während seiner ganzen Amtsdauer war, ist durch doppelte Weise Gelegenheit geboten, ihren heimgegangenen Rabbiner zu ehren und zwar einerseits durch Beherzigung der Lehren und des Lebens desselben und andererseits, indem sie der Witwe desjenigen, der so lange für sie gearbeitet – den Abend ihres Lebens durch ausreichende Pension erheitern."

   
Konsequenzen des Todes von Rabbiner Wormser für das Rabbinat (1893)  

Gersfeld Israelit 20031893.jpg (79934 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1893: "Gersfeld, 4. März (1893). Das Ableben des Distrikt-Rabbiners Wormser hatte die Auflösung des 52 Jahre bestandenen Rabbinats Gersfeld zur Folge. Die bayerischen Kultusgemeinden, welche zum hiesigen Rabbinatsbezirk gehörten, wurden in das Distrikts-Rabbinat Kissingen einbezogen und verblieben noch die preußischen israelitischen Gemeinden Gersfeld, Tann a.d. Rhön, Wüstensachsen und Schmalnau -Hettenhausen -Weyhers, welche auf den Anschluss an ein in Hessen gelegenes Rabbinat angewiesen waren. Nunmehr ist auch diese Frage entschieden. In der vergangenen Woche fand vor dem königlichen Landratsamt dahier durch je zwei Vertreter der betreffenden Kultusgemeinden die Wahl eines Rabbiners statt und wurde als solcher Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda gewählt, dem hiermit die Wahrnehmung der religiösen Angelegenheiten und die seelsorgerliche Leitung übertragen ist. Ein die Rechte und Pflichten des Rabbiners bestimmender Vertrag wird der königlichen Regierung zu Kassel behufs Genehmigung zur Vorlage gebracht werden."

   
    
Weitere Berichte aus der Gemeinde 
Bericht eines jüdischen Erholungssuchenden aus Gersfeld 1930 - mit Beschreibung des Hotels Grünebaum

Gersfeld Israelit 14081930.jpg (234284 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1930: "Brief aus der Rhön. Es ist Tischobeaw (9. Aw = Fasttag zur Erinnerung an die Tempelzerstörung) Nachmittag. Großen Geistern sagt man nach, dass sie am besten mit hungrigem Magen geschrieben haben, da Sattheit nicht gut für den Geist sei. Ich maße mir nicht an, zu den Großen zu gehören, wohl aber zu denen, die zur Zeit hungrigen Magens sind und bei dieser Gelegenheit möchte ich Betrachtungen darüber anstellen zu Nutz und Frommen aller Erholungsbedürftigen, denen es so geht wie mir. Sie möchten ausspannen. Schön soll es sein, aber – kosten nicht viel. Diese Armen im Beutel möchte ich kostenlos beraten und ihnen sagen, dass ich in Gersfeld in der Rhön ein derartig ideales Plätzchen gefunden zu haben glaube, das den an ihn gestellten Ansprüchen in jeder Weise gerecht wird. Man kann ruhig sagen, es ist von verschiedenen Seiten zu erreichen, sowohl durch Bahn als auch durch Postomnibusverbindung; liegt mitten im Herzen Deutschlands und ist berühmt – (soweit es dies aber noch nicht sein sollte, es durch mich werden soll) – durch seine erstklassige Verpflegung in der Metzgerei, Pension oder wenn man sogar sagen will, in dem Hotel Grünebaum, dem erstklassigsten und einzigen Unternehmen dieser Art am Platze, das, ausgestattet wie ein städtischer Betrieb, sogar mit Kühlraum – für seine Gäste sorgt. Da wetteifert die ganze Wirtsfamilie miteinander in der Sorge um das Wohl ihrer Leute. Mama Grünebaum zerbricht sich von früh bis spät den Kopf, was sie noch und noch in ihre Treuumsorgten hineinpropfen kann. Papa Grünebaum, ein stiller aber nichtsdestoweniger lieber Mann, oder gerade deshalb so beliebt, kommt bloß auf ausdrückliches Bitten auf den Platz, berät aber dann Interessenten umso besser. Ein erstklassiger Einkäufer der zum 'Dickwerden für Gäste' (soweit sie es werden wollen, wenn sie sich nicht durch doppelte Fleischportionen, sondern von allem Guten doppelt reichen lassen) auch notwendigen Kälber usw. ist der Sohn des Hauses. Er spricht außer Deutsch noch Englisch, Französisch und sogar etwas Spanisch, ist imstande, die größte Gästeversammlung wirklich geistreich und gut zu unterhalten und wo immer er erscheint, herrscht Frohsinn. Die Gäste rekrutieren sich aus allen Lagern und Gegenden und sind trotzdem alle harmonisch aufeinander abgestimmt. Sie stellen sogar Rekorde im Szemiraus-Singen (Liedersingen) auf, wer die meisten und schönsten Nigunim (Lieder ohne Worte) zu bringen versteht. Andererseits dürfen alle, wenn auch schon ziemlich abgetragenen und aus der Mode gekommenen Kleider Revue passieren, man braucht sich also zu einem Aufenthalt hier nicht extra neu einzukleiden. Gersfeld zählt ca. 30 jüdische Familien. Eine große Anzahl derselben stellt sich gern zur Aufnahme von Fremden aus der Pension, die dort keinen Platz mehr zum Schlafen finden, zur Verfügung. Die Ortsansässigen sind stolz auf ihre so schöne Schule (= Synagoge) und können dies auch ruhig sein. Schabbosnachmittag können sie dieselbe aber nicht schnell genug verlassen. Sie schenken sich sogar den im Sommer in anderen Kehillaus (jüdische Gemeinden) üblichen jeweiligen 'Perek'. Dann eilen sie, wir mir gesagt wurde, geschlossen hinaus in das grüne Freier, die herrliche Gottesnatur. Da winkt die Wasserkuppe, der Reesberg, die Schwedenschanze, der Wachtküppel, die Eube und wie all die schönen Berge, die bezwungen werden wollen, mit Namen alle heißen. Wer sich aber andere Kehillaus (jüdische Gemeinden) in der Nähe von hier ansehen will, wie Wüstensachsen, Fulda usw., der findet Postauto- und Bahnverbindung dahin. Er kann nach dreiviertelstündiger Wanderung von Fulda aus das jüdische Landgut Rötges besichtigen, wenn er sich vorher ankündigt. Mehrstündige Fußwanderungen über Berg und Tal bis Wildflecken und von da aus per Bahn nach Brückenau ist auch möglich, ganz abgesehen von dem wundervollen Skigelände im Winter. Wer hier baden will, kann dies sogar mit Sole und Moor tun, und wer nicht weit gehen will, der kann schon nach 5 Minuten immer wieder eine Bank, mit oder ohne Sonne, je nach eintretendem Bedarf finden. – Ich denke, ich habe alles, was ich Schönes von hier zum Ausdruck bringen wollte, gesagt und hoffe, dass viele, die dadurch Lust bekommen sollten, sich von der Richtigkeit dieser Behauptungen zu überzeugen, mir begeistert zustimmen werden nach hier verlebtem Urlaub."  
    
Werbung der Pension Grünebaum für Wintersport in Gersfeld und hausgemachter Landwurst
Gersfeld Rhoen Israelit 01011925.jpg (46933 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Januar 1925: 
"Wintersport in Gersfeld (Rhön). Pension Grünebaum 
unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Kahn, Fulda. 
Bekannt gute Verpflegung. 
Mäßige Preise. 
P.S. Empfehle gleichzeitig Postkolli Ia. Landwurst à 18 Mark.- franco".
  
Gersfeld Israelit 07081924.jpg (46377 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1924: 
"Luftkurort Gersfeld - Rhön. Pension Grünebaum 
unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Kahn, Fulda. 
Vorzügliche Verpflegung. Volle Pension pro Tag Mark 6.-. 
Emanuel Grünebaum, Gersfeld
Rhön."
    
Anmerkung zur nächsten Anzeige: nach den obigen Anzeigen von 1924 und 1925 hatte Rabbiner Dr. Leo Kahn aus Fulda die rituelle Aufsicht über die Pension Grünebaum in Gersfeld. 1929 wurde von der Pension ein neuer ritueller Aufseher (Schaumeres) gesucht:  
Gersfeld Israelit 03051929.jpg (35680 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1929: "Für meinen Pensionsbetriebe suche einen streng frommen erfahrenen Schaumeres. Meldungen, Zeugnisse und 1a Referenzen an Pension Grünebaum Gersfeld (Rhön)." 

     
"Winterlager" einer jüdischen Jugendgruppe in der Jugendherberge in Gersfeld (1928)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 6. Januar 1928: "Unser Winterlager. Von Lutz Capell. 
Bei Sprühregen und Glatteis fuhren wir am 22. Dezember hier los - nach Gersfeld - in unser Winterlager. - Zum Winterlager gehört allerdings auch die Reise dahin - und da erlebten wir auch schon allerhand. Außer über das Wiedersehen mit unseren Wetzlarern und Frankfurtern, freuten wir uns noch über einen lieben Glaubensgenossen, der sich gedrungen fühlte, einen unserer kleinen Jungens beim Bahnvorstand anzuzeigen, weil er über die Schienen gegangen war, mit der Bemerkung: 'Juden brauchen sich nicht überall hervorzutun'. - Das sagte er allerdings nur dem höchlichst erstaunten Jungensführer, den er zu diesem Zweck rücklings überfallen und am Rockkragen festgehalten hatte. - Anstatt uns darüber aufzuregen, lachten wir und - na ja - die Jugend von heute. Also - wir kamen froh und quietschfidel in Gersfeld an. - Zum Unterschied von daheim war hier anstatt des Glatteises zentimeterhoher matschiger Schnee - matschig zwar, aber immerhin Schnee! Gleich vor dem Bahnhof versuchten einige ihre Schlitten ungeachtet der unter Wickelgamaschen, Breeches und Knickerbockers verborgenen Beine der kleineren Jungens, die daheim so fürsorglich eingemummelt worden waren. So kamen wir denn mit Kind und Kegel - mit Schlitten und Skiern in der Jugendherberge an, die (uns zu Ehren?) mit einem großen Hakenkreuz verziert war. Nichtsdestotrotz waren die Leute dort sehr freundlich. Im Mädelsschlafsaal gab's einen herrlich beheizten und wärmenden Ofen und 25 1/2 Decken, die wir alle mit Beschlag belegen durften. Nebenan bei den Jungens war's weniger schön, die hatten keinen Ofen, sondern nur einen kleinen, umso mehr rauchenden Herd - und so viele freie warme Decken wir wir hatten sie auch nicht - aber wir waren gutmütig und gaben ihnen welche ab! Neben dem Mädelsschlafraum war ein Schuppen - da hielten die Skier ihren Winterschlaf - denn die brauchten wir wirklich nicht! - Am ersten Mitte hatte je der drei Backschaften (so waren wir eingeteilt) versucht, ein zusammenhängendes Stück Schnee zu finden, um darauf die verschiedenen Schneekünste zu probieren. Am besten hatten wir's noch in der Rodelbackschaft - die anderen konnten mit ihren Skiern auf dem kleinen Hügel vor der Herberge recht wenig anfangen und zum Weiterwandern war es schon zu spät. Als wir uns um 5 Uhr am Kaffeetisch versammelten, war unser Winterlager zu Ende. Es begann nur der Hauptteil, das (verfrühte) Osterlager. Der Schnee schmolz immer mehr und am nächsten Morgen konnte man ohne Mantel auf grünen Wiesen spazieren gehen. Das taten wir denn auch ausgiebig; allerdings nahmen wir, zum Schutz gegen den drohenden Regen, unsere Windjacken mit. So stiegen wir denn in den Wäldern herum - einmal war's ein Geländespiel, bei dem man gut auf-     
Gersfeld JWz Wiesb 06011928a.jpg (166249 Byte)passen musste, ein anderes Mal krabbelten wir durch Dick und Dünn auf die Wasserkuppe und flogen beinahe ohne Flugzeug wieder herunter - so blies der Wind da droben! - Wenn es dunkel wurde, gingen wir in die warme Herberge zurück - da wurde dann 'Feierabend' gemacht - die Chanukkalichter angezündet, gespielt, erzählt und vorgelesen! - Auch 'Vereine' wurden in unserem Winterlager gegründet - es gab da einen A.K., was der bezwecken wollte, konnte ich nur raten - soviel ich merkte, sollte das A wohl der erste Buchstabe des Wortes 'ärgern' - na - dass die Leute sich nicht selbst ärgern wollten, ist wohl klar. - Ein zweiter 'Verein' war das 'Olymp'. Seine Mitglieder fanden sich bei jeder Gelegenheit auf höchstmöglicher Basis zusammen. Man saß auf Treppen, Leitern, Schränken und ließ von da höchst vergnügt die Beine über den Köpfen der anderen baumeln. Diese Sache hatte ganz besondere Vorzüge, besonders, dass man gemeinsame Gelage abhielt - wozu jeder 'Olympier' nach Können beisteuerte. Zusammenstellungen wie: Pfefferkuchen mit Ölsardinen sollen da nicht unbekannt gewesen sein. - Am ersten Weihnachtstag kam dann unser Bundesleiter, dessen ästhetisches Gefühl durch solche Dinge beleidigt wurde, und brachte durch eine kräftige Hilfeleistung unsere 'Fresskasse' auf nie geahnte Höhen. Wir waren nun in der Lage, nachdem wir noch einige finanzkräftige Leute angebettelt hatten, uns die herrlichsten Dinge der ersten und einzigen Konditorei Gersfelds zu kaufen. Durch solche und ähnliche Handlungen neidisch gemacht, gründete der Restder Winterlager-Bewohner ein Konkurrenzunternehmen, 'Walhall' genannt. Sie handelten aber ziemlich 'unfair', schröpften ihre Leute allzu sehr und luden einige Mitglieder des 'Olymp' zu einem heimlichen 'Fraß' ein, um sie vor verschlossenen Türen mit dem Ruf: 'Kommt zum Essen, wenn ihr könnt!', zu begrüßen. - Am zweiten Weihnachtstag stiegen wir auf den Kreuzberg - guckten uns den Nebel von oben an und beschlossen, von nun an noch fauler zu werden. Man beschränkte seine Arbeit am letzten Tage auf Schlafen, Essen und Herumstrolchen. Wir spazierten bei herrlichstem Regenwetter in Gersfeld herum und amüsierten uns köstlich. Dienstag machten wir dann Schluss wegen Überanstrengung der Lach- und Kaumuskeln. - Hoffentlich wird's das nächste Mal wieder so schön!"        

   
Pogromstimmung in Gersfeld (Februar 1933) 

Gersfeld Israelit 16021933.jpg (56456 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1933: "Fulda. In Gersfeld in der Rhön wurden an einem der letzten Abende in mehreren jüdischen Geschäftshäusern die Fensterscheiben eingeschlagen. Ein Jude, der die Verfolgung der Täter aufnehmen wollte, wurde durch Messerstiche verletzt. Am Samstagmittag drangen SA-Leute in das Haus des angesehenen Kaufmanns Bachrach und verletzten in in Gegenwart seiner Familie so schwer, dass er sich in ärztliche Behandlung begeben musste. Die Hetze in Stadt und Umgebung hat bereits eine wahre Pogromstimmung und eine Panik unter den Juden erzeugt."     

    
    
Meldungen zu einzelnen Gemeindegliedern
  
   
Samuel Hommel von Gersfeld, Religionslehrer in Baiersdorf, wechselt nach Schweinfurt (1867)      

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 4. Mai 1867: "Durch Regierungs-Entschließung vom 25. April laufenden Jahres Nr. 20643 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrer- und Vorsänger-Stelle an den Religionslehrer Samuel Hommel von Gersfeld, zur Zeit in Baiersdorf, genehmigt worden."       


Zum Tod von J. B. Kupfer (1872)  

Gersfeld Israelit 06031872.jpg (61043 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1872: "Gersfeld, 23. Februar (1872). Einen herben Verlust hat die hiesige Gemeinde erlitten. Gestern starb nach langen Leiden der allgemein geachtete Herr J.B. Kupfer dahier, der zu den besten seines Volkes zählte. Herr Kupfer gehörte zur orthodoxen Judenheit, und je schmerzlicher wir es in unserer Zeit fühlen, wenn die Frommen dahinschwinden, die Reihen der Gerechten gelichtet werden, so ist dieser Todesfall für die Gemeinde umso bedauernswerter, als der Verblichene zu den Wohlhabenden derselben gehörte. Herr Kupfer war zwar kinderlos, aber durch seine wohltätigen Stiftungen hatte er sich ein ewiges Denkmal errichte, das besser ist, als alle in Stein und Erz gegrabenen Monumente."   

 
Zum Tod von Isaak Karpf (1879)  

Gersfeld Israelit 17091879.jpg (140982 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1879: "Nachruf! Isaak Karpf, geboren in Gersfeld an der Rhön, seit den fünfziger Jahren in Nürnberg wohnend und einer bedeutenden Zigarrenfabrik als Mitchef vorstehend, ein frommer und religiöser Mann, der es mit Gott und den Menschen ehrlich und gut meinte, ein treuer Gatte, liebevoller Vater, teilnehmender Verwandte und hingebender Freund, war leidend und zum fünfwöchentlichen Kurgebrauche im Bad Kissingen. Nachher wollte er sich noch eine Erholung und 14tägige Nachkur bei seinen Kindern in Blankenburg a.Harze gönnen. Kaum einige Tage dort angekommen, machte ein Herzschlag seinem viel bewegten leben, fern von Frau und Kindern, die seine Genesung hofften, ein plötzliches schnelles Ende. Freitagmittag um drei Uhr am dritten diesen Monats wurde in Halberstadt dessen irdische Hülle, begleitet von Rabbiner Dr. Auerbach, von seinen zwei ältesten Söhnen, zwei Schwiegersöhnen, einem Neffen und dem größten Teile und der Elite der Gemeinde zur Erde bestattet. Da der Verblichene sehr religiös war, auch seinen Kindern eine religiöse Erziehung geben ließ und so gewissenhaft sein Maiserbuch, wie sein Hauptbuch führte, für seine beiden verheirateten Töchter sich religiöse Schwiegersöhne aussuchte, ein Mitbegründer der Adas-Jisroel-Gemeinde (gemeint: orthodoxe Gemeinde) war, so war die Leichenrede eine äußerst würdige und trostreiche. Seine Familie verliert an ihm einen treuen Gatten, liebenden Vater; Verwandte und Freunde einen teilnehmenden Berater und Helfer; sein weit verzweigtes Geschäft eine tüchtige Arbeitskraft. Nun ruht er in fremder, kühler Erde, fern von der Heimat und seinen Lieben. Sein Name bleibt jedoch zum Segen. Gott aber, der Vater der Witwen und Waisen, tröste und beschütze die so sehr des Trostes bedürftige Familie, und sei fortan ihr Vater, Helfer und Freund! Seine Seele ruhe in Frieden und die Erde sei ihm leicht. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

  
Zum Tod von Jeanette Weinberg (1909)  

Gersfeld FrfIsrFambl 19111909.jpg (110130 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. November 1909: "Gersfeld a. Rhön. 'Esches chajil', das hohe Lied des jüdischen Idealweibes, das der Hausherr vor Beginn des ersten Sabbatmahles nach traditionellem Brauche rezitiert, singt Strophe für Strophe das Lob einer Frau unserer Gemeinde, Frau Jeanette Weinberg Wwe., die letzten Samstag im hohen Greisenalter ihr arbeits- und segensreiches Leben beschlossen hat. Auch bei dieser prächtigen Frau war kein Augenblick des Tages ungenützt, und nur die Weihe des Sabbats bot ihrem rastlosen Schaffen halt. Auch sie leitete Gottesfurcht, auch ihr Mund sprach nur Worte der Weisheit, auch ihre Hand war stets bereitwillig den Armen geöffnet. Lebensklug, fleißig und gut und als eine gewissenhafte Beobachterin des unscheinbarsten jüdischen Brauches steht Frau Jeanette Weinberg allen, die sie kannten, vor Augen, und in dieser harmonischen Ganzheit des jüdischen Idealweibes wird sie weiter leben und wirken, nachdem ihre sterbliche Hülle uns verlassen hat."

    
Zum Tod der aus Gersfeld stammenden Witwe Adelheid Stern geb. Gerber (1924)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1924: "Fulda, 25. Juli (1924). In der Nacht zum Schabbat Behar schloss hier Frau Witwe Adelheid Stern geb. Gerber im 85. Lebensjahre ihre müden Augen. Von Jugend an war ihr ganzes Schaffen und Streben in erster Linie der genauesten Befolgung auch der kleinsten Mizwoh gewidmet und in ihrer Heimatstadt Gersfeld war sie schon als junges Mädchen als Trägerin edler jüdischer Tugenden bekannt gewesen. In ihrer Ehe war sie ihrem Gatten eine wahrhafte wackere Frau, von der man mit Recht ausrufen durfte und sie stand noch in der Nacht auf. In aller Sorge um den Alltag aber hat sie in unerschütterlicher Gottesfurcht jedes Gebot des jüdischen Pflichtenkreises geübt. Und als sie nach dem Tode ihres Gatten von Hammelburg nach Fulda zu ihren Kindern übersiedelte, war auch hier der Kreis ihrer Verehrer und Bewunderer bald ein großer geworden. Und in der Tat war es staunenswert und rührend zugleich, wie diese Frau als 83-jährige das Gebot des Krankenbesuches und der wahrhaften Wohltätigkeit übte, wie sie in den Slichaustagen (Slichot-Tage) allmorgendlich in 'Schul' zu sehen war. Aber auch zu Hause sah man sie in ihren Greisentagen nicht müßig sitzen und wenn sie sich nicht im Haushalt noch irgendwo nützlich machen konnte, so las sie in irgendeinem Buch, sei es Mossad oder Psalmen. All diese Eigenschaften der heimgegangenen echten und treuen Jüdin schilderte Herr Provinzialrabbiner Dr. Leo Cahn, Fulda, in ergreifenden Worten bei der Beisetzung. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

  
Zum Tod von Mathilde Oppenheimer (1928)  

Gersfeld Israelit 07061928.jpg (73682 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Gersfeld (Rhön), 21. Mai. Eine Eschet Chajil (wackere Frau) in der wahrsten Bedeutung des Wortes, Frau Witwe Mathilde Oppenheimer, hauchte vor kurzem in Mainstockheim, wo sie bei ihrer Tochter zu Besuch weilt, im 73. Lebensjahre ihre reine Seele aus. Ihr Haus war ihre Welt, in der sie in streng religiöser Weise lebte und wirkte. Ihre Güte und Milde, ein Ausfluss der edlen Gesinnung erwarb ihr viele Freunde. Vor dem Trauerhause pries Herr Lehrer Friedmann in formvollendeter, inhaltsreicher Rede den ausgezeichneten Charakter der bedeutenden Frau. Der Sohn der Verblichenen dankte mit bewegten Worten für die den Kindern in reichem Maße erwiesene Liebe und Treue. Auch Herr Lehrer Katz in Gersfeld - die Dahingeschiedene wurde nach Weyhers bei Gersfeld überführt - fand schöne Worte des Gedenkens für die selten gottesfürchtige Frau. Ihre Seele sie eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
Zum Tod des aus Gersfeld stammenden Sanitätsrates Dr. Salomo Weinberg (1931; bis 1911 Arzt in Gersfeld, danach in Herborn) 

Gersfeld Israelit 22011931.jpg (106924 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Januar 1931: "Herborn, 16. Januar (1931). Am 12. Januar verschied hier unerwartet im 66. Lebensjahr - aus einem selten arbeitsreichen und fruchtbaren Wirken jäh hinweggerissen - der praktische Arzt, Sanitätsrat Dr. Salomo Weinberg. 
Der Verblichene, einem angesehenen gesetzestreuen Haus in Gersfeld (Rhön) entstammend, übte zuerst seine Praxis in seinem Heimatsorte aus und siedelte dann vor 20 Jahren nach Herborn über. Schön früh erwarb er sich durch seine ungewöhnliche berufliche Tüchtigkeit, verbunden mit hohen menschlichen Qualitäten, in seltenem Maße die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger. Trotz seines anstrengenden Berufes eignete er sich schon in jungen Jahren ein großes religiöses Wissen an, sodass ihm schon bald die Chowerwürde zuteil wurde. 
Mit Dr. Weinberg ist ein Mann dahingegangen von eigenem Gepräge, eine geschlossene Persönlichkeit, ein fester Charakter, der, in sich beruhend, still und gerade seinen Weg ging. Treue zum Gesetze in sich und über sich, Gewissenhaftigkeit und Ehrfurcht, das machten das Wesen dieses Mannes aus. Aus dieser Grundhaltung heraus versteht sich - nur einem nicht tief genug gehenden, unverständlich - die Synthese von streng gesetzhaftem naturwissenschaftlichem Handeln, die auch im kleinsten Detail zur gewissenhaften Durchführung der Gebote und Vorschriften der jüdischen Lehre führt. 
Tiefe Religiosität erfüllte die Seele dieses adligen und starken Menschen, dessen seltener kritischer und überlegener Geist demütig Halt machte vor den Rätseln des Unerforschlichen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

        
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     

Anzeigen der Brot- und Feinbäckerei A. Selig (1902 / 1904)    

Gersfeld Israelit 24071902.jpg (29134 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1902: "Ein kräftiger Junge  
kann gründlich und unentgeltlich die Brot- und Feinbäckerei erlernen. 
Näheres A. Selig, Gersfeld an der Rhön."   
   
Gersfeld Israelit 24081903.jpg (19422 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1903: "Ein tüchtiger 
Bäckergehilfe und Lehrling 
wird sofort gesucht. A. Selig, Bäckerei, Gersfeld (Rhön)" (nicht Rhein)         
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1904: "Ein kräftiger Junge  
kann unter günstigen Bedingungen bei mir sofort in die Lehre treten. 
A. Selig,
Bäckerei. Gersfeld (Rhön)."    

      
Anzeige von Frau J. Weinberg - Matzen gesucht (1905)  

Gersfeld FrfIsrFambl 19051905.jpg (24787 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905: "Zu kaufen gesucht. 
30 Pfund gut gebackene Mazzes

Offerten mit Preisangabe an Frau J. Weinberg, Witwe, 
Gersfeld an der Rhön."    

    
Werbung für Gersfeld (1905)   

Gersfeld FrfIsrFambl 23061905.jpg (33242 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1905: "BädernachrichtenGersfeld, das so herrlich in der waldgekrönte Rhön gelegene Städtchen, findet von Jahr zu Jahr immer mehr die Beachtung, die es als Luftkurort verdient. Es ist namentlich Nervösen sehr zu empfehlen."     

      
Anzeigen des Restaurants von David Hommel (1903 / 1905)      

Gersfeld Israelit 25061903.jpg (28121 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Juni 1903
"Höhenluftkurort Gersfeld (Rhöngebirge). 
Streng rituelle Küche. - Ganze Pension pro Tag Mark 4.-.  
David Hommel, Gersfeld."    
 
Gersfeld FrfIsrFambl 30061905.jpg (31943 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. Juni 1905: "Höhenluftkurort Gersfeld (Rhöngebirge). Gute Bedienung. Mäßige Preise.  Beste Referenzen.   Vorzügliche, streng rituelle Küche.  David Hommel."     
 
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Juni 1906: "Höhenluftkurort Gersfeld (Rhöngebirge)
Gute Bedienung. Mäßige Preise. Beste Referenzen. Vorzügliche, streng rituelle Küche. David Hommel."      

     
Verlobungsanzeige von Pauline Pfeuffer und Moritz Katz (Giebelstadt / Gersfeld) (1911)  

Giebelstadt Israelit 05101911.jpg (18228 Byte)Die Anzeige erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1911
Pauline Pfeuffer - Moritz Katzmann. Verlobte  
Giebelstadt, Bayern.   Gersfeld, Rhön".     

  
Lehrstellensuche von Markus Katzmann (1915) 

Gersfeld Israelit 28011915.jpg (31408 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1915: "Suche für meinen 14jährigen Sohn, der 3 Jahre höhere Schule besucht hat, zu Ostern Lehrstelle in Samstag und Feiertage geschlossenem Geschäft. 
Markus Katzmann, Gersfeld, Rhön."   

  
Anzeige der Handlung Oscar Liebstädter (1921)  

Gersfeld Israelit 09061921.jpg (51545 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1921: "Aromatischen Rasier-Ruder im Gebrauch angenehm und gefahrlos. Dose von 350 gr. Inhalt Mk. 8,-  8 Dosen geben ein Postkolli. Versand gegen Nachnahme ab Hier. Probedosen umsonst und portofrei, empfiehlt Oscar Liebstädter, Gersfeld, Rhön."  

   
Hochzeitsanzeige von David Wahlhaus und Therese geb. Katz (1923)  

Gersfeld Israelit 14061923.jpg (29063 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1923: "David Wahlhaus - Therese Wahlhaus geb. Katz.  - Vermählte - Gersfeld - Sontra.  Trauung: Sonntag, 7. Juni, Deutsches Haus, Fulda."

       
Hochzeitsanzeige von Leopold Wahlhaus und Betty geb. Goldner (1925)  

Gersfeld Israelit 30071925.jpg (27436 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1925: "Leopold Wahlhaus - Betty Wahlhaus geb. Goldner. 
Vermählte.  Gersfeld, 2. August 1925.  
Trauung: Hotel Birkenruth, Fulda, Sonntag, 2. August, mittags 12 1/2 Uhr."    


Verlobungsanzeige von Gitta Rothschild und Moses Morgenroth (1929)   

Zwingenberg Israelit 05041929.jpg (23161 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1929: "Gitta Rothschild - Moses Morgenroth
Verlobte.  Zwingenberg - Gersfeld."     

    
Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen von Sussmann Moses und Elly geb. Goldner (1930)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 16. Mai 1930: 
"Wir haben uns verlobt   
Elly Goldner  Sußmann Moses  
Gersfeld Rhön - Frielendorf Bezirk Kassel".    
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 19. Dezember 1930:  
"Sussmann Moses  Elly Moses geb. Goldner   
Vermählte   
Frielendorf / Gersfeld, den 25. Dezember 1930."       

  
Hochzeitsanzeige für Betti Freund und Nathan Haas (1931)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1931: "Betti Freund - Nathan Haas zeigen ihre - Gott sei gepriesen - Dienstag, 5. Elul (18. August) 1 Uhr, Synagoge Herzog-Rudolf-Straße stattfindende Trauung an.  
München Klenzestraße 30 - Gersfeld (Rhön)."  

   
Goldene Hochzeit von Juda Wahlhaus und Veilchen geb. Wahlhaus in Petach Tikwa (1937)
  

Gersfeld Israelit 01101937.jpg (12669 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1937: "Goldene Hochzeit: Juda Wahlhaus und Frau Veilchen geb. Wahlhaus, Gersfeld, jetzt Petach Tikwah, Rechow Nordau. Im Monat Marcheschwan."      

     
     
     

Zur Geschichte der Synagoge    
      
    
Eine erste Synagoge wurde in der früheren "Judengasse" (Hochstraße) Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Sie ist 1814 abgebrannt. Eine zweite Synagoge wurde 1816 erbaut. Auch sie ist Anfang Mai 1886 ein Opfer des Feuer geworden, wie einem Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" zu entnehmen ist:     
    
Brand der Synagoge 1886   

Gersfeld Israelit 17051886.jpg (74992 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1886: "Gersfeld (Rhön), 8. Mai (1886). Gestern Abend um 7 Uhr entstand ein Feuer in einer Scheune, das binnen kurzer Zeit acht Hauptgebäude, worunter die Synagoge, das israelitische Schulhaus, die Tabakfabrik von Karpf und Frank und 5 Nebengebäude in Asche legte. Erst gegen 10 Uhr galt die  Gefahr für beseitigt. Der entstandene Schaden entzieht sich vorläufig jeder Berechnung; von besonders erheblichem Werte waren die in der Tabakfabrik aufgespeicherten Vorräte an Zigarren und Tabak, von denen auch nicht das Geringste gerettet werden konnte. Die Ersatzpflicht trifft die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank und die Magdeburger Versicherungsgesellschaft. Das Feuer soll von einem 10jährigen Knaben gelegt worden sein."

1887 wurde eine neue Synagoge in maurischem Stil erbaut. Das Gebäude hatte 84 Männer- und 40 Frauenplätze. 
   
Aus der Geschichte der Synagoge wird einmal als besonderem Höhepunkt von der Einweihung einer neuen Torarolle im Juni 1926 berichtet:  
   
Einweihung einer neuen Torarolle 1926   

Gersfeld Israelit 01071926.jpg (102641 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1926: "Gersfeld, 22. Juni (1926). Im einfach, aber sinnig geschmückten Gotteshause wurde die Einweihung eines neuen Sefer gefeiert. Nach dem Absingen einiger Psalmen wurden alle Torarollen ausgehoben, die neuen Torarollen hereingeholt und die Zeremonie wie am (Feiertag) Simchat Tora vorgenommen, worauf Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn – Fulda das Mi Scheberach-Gebet für die Gemeinde sprach. Auf das Einheben der Torarollen folgte das Mincha-Gebet, und nun erreichte die schlichte Feier ihren Höhepunkt in der eindrucksvollen, tief durchdachten und doch volkstümlich gehaltenen Predigt unseres Herrn Rabbiners. Die Feier nahm einen erhebend schönen Verlauf. Nach Beendigung des Gottesdienstes vereinigte ein geschmackvoll zubereitetes Gastmahl einen großen Teil der Gemeinde in der Restauration des Herrn Grünebaum, wobei ebenfalls Worte der Tora mit hebräischen Gesängen abwechselten. Hervorgehoben sei aus der Ansprache des Herrn Lehrers Katz, dass durch den Sammeleifer der Kinder selbst bei geringer Beitragsleistung schon der größte Teil des Betrages für das Sefer aufgebracht worden ist. Gar zu schnell verflossen bei solcher Anregung die Nachmittagsstunden und hinterließen in uns den nachhaltigen Eindruck einer Freude über eine Weisung."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die gesamte Inneneinrichtung der Synagoge geschändet und zerstört. Die Gebetbücher und Ritualien wurden auf die Straße geworfen. Dann wurde Feuer gelegt. In der Chronik der Stadt Gersfeld findet sich handgeschrieben folgender Eintrag von Altbürgermeister S.: "Am Morgen des 10.11. 1938 wurde die ganze Schuljugend von ihren Lehrern zu und in die Synagoge geführt, um ehrfurchtsvoll die große Tat der Zerstörung eines Gotteshauses zu bewundern!".
   
Das Grundstück der ehemaligen Synagoge ist heute unbebaut. Ein Gedenkstein zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde befindet sich seit Juni 2003 am Eingang der Hochstraße.   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeHochstraße 10-12 (ehemals Judengasse)  - der Gedenkstein zur Erinnerung an die jüdischen Gemeinden ist auf der dem Synagogengrundstück gegenüberliegenden Seite am Eingang der Hochstraße  
    
    
Fotos
(Quelle des historischen Fotos: Arnsberg Bilder S. 72)   

Historische Aufnahme 
der Synagoge 1938
Gersfeld Synagoge 120.jpg (67369 Byte)  
   Die nach dem Novemberpogrom 1938
 zerstörte Synagoge  
 
     
     
Das Grundstück der ehemaligen Synagoge
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 5.4.2009)  
Gersfeld Synagoge 170.jpg (96909 Byte) Gersfeld Synagoge 173.jpg (97602 Byte)
      

Gedenken

 
Gersfeld Synagoge 174.jpg (120874 Byte) Gersfeld Synagoge 175.jpg (119520 Byte) Gersfeld Synagoge 177.jpg (102501 Byte)
Gedenkstein am Eingang der Hochstraße mit dem Text: "Wissen - Erinnerung - Verständnis - Toleranz - Versöhnung. Wir erinnern an unsere jüdischen Mitbürger. Stadt Gersfeld 11.06.2003. F
amilien  Adler - Bacharach - Barth - Federlein - Goldberg - Goldner - Goldschmidt - Grünebaum - Hommel - Heymann - Isselbächer - Kamm - Katzmann - Katz - 
Liebstädter - Lorsch - Morgenroth - Posen - Selig - Silbermann - Schaumburger - Stahl - Vasen - Wahlhaus - Weinberg - Weinberger."

    
     
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Gersfeld  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Gersfeld 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Gersfeld 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Gersfeld sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,364  Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Gersfeld/Rhön  1811 - 1875: Jüdisches Geburtsregister  1811 - 1870,  Jüdisches Trauregister  1816 - 1869,  Jüdisches Sterberegister  1811 - 1875, Auflistung der Zeugen bei der Beerdigung verschiedener Gemeindemitglieder; darin auch unvollständiges alphabetisches Namensverzeichnis zu einem unbekannten Register  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2100841     
   
Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Weyhers 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Weyhers sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,803   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Weyhers, aufgenommen 1936 von Jacob Leopold, Lehrer in Ingolstadt   1858 - 1935; enthält ein Verzeichnis der Verstorbenen, geordnet nach Gräberfeldern und Grabnummern auf dem jüdischen Friedhof in Weyers; enthält auch Angaben zu Personen aus Gersfeld, Hettenhausen, Lütter, Poppenhausen, Schmalnau, Wüstensachsen    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319785         
HHStAW 365,804   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Weyhers  1900 - 1936: enthält ein Verzeichnis der Verstorbenen, geordnet nach Gräberfeldern auf dem jüdischen Friedhof in Weyhers; enthält auch Angaben zu Personen aus Gersfeld, Hettenhausen, Schmalnau und Wüstensachsen   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v290091          

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 251-254.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 72.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 20-21.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 417-418. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 95-96.  
Fulda Lit 140.jpg (118420 Byte) Juden in Deutschland und 1000 Jahre Judentum in Fulda
hrsg. von Michael Imhof.  Zukunft Bildung Region Fulda e. V. 
Erschienen im Michael Imhof Verlag Petersberg 2011.  
24 x 30 cm, 440 Seiten, 700 S/W und 200 Farbabbildungen, Hardcover. ISBN 978-3-86568-673-2 
(D) 44,00 €   CHF 62,90  (A) 45,25 € .  
Zu Gersfeld Beitrag von Michael Imhof S. 314-321.   

      
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gersfeld  Hesse-Nassau. Established around 1750, the community numbered 119 (8 % of the total) in 1871. A new synagogue (its third) was built after a distrous fire in 1886. Jews played a major role in commerce and were elected to the town council. Nazi violence and boybott measures reduced their number from 114 (7 %) in 1933  to 20 on Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was destroyed. At least 39 Jews emigrated (15 to Palestine). Some of the 56 who moved to other German towns later perished in death camps. Jewish survivors of the Buchenwald concentration camp, housed in Gersfeld after Wordwar II mostly left for Israel in 1948. 
    
      

                   
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Stand: 19. März 2017