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Synagogen im Kreis Fulda
Weyhers (Gemeinde
Ebersburg) mit Friesenhausen (Gemeinde Dipperz, Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Weyhers bestand eine jüdische
Gemeinde bis um 1890/1905. Danach gehörten die hier noch lebenden
jüdischen Einwohner zur jüdischen Gemeinde in Schmalnau.
Auch in Friesenhausen gab es im 19. Jahrhundert einige jüdische Familien.
Nach den Eintragungen des protestantischen Pfarrers lebten diese hier von 1811
bis 1880. Die meisten jüdischen Familien seien bereits in den
1850er/1860er-Jahren von hier weggezogen, teils nach Amerika, teils in andere
Orte Deutschlands. 1880 ist der letzte jüdische Einwohner in Friesenhausen
gestorben.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Weyhers auf
insgesamt zwölf Matrikelstellen die folgenden jüdischen
Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Löw
Isaak Buchsbaum (geringer Viehhandel), Michel Levy Federkiel (Totengräber),
Isaack Levi Rosengarten (Alteisenhändler) Löw Blumenthal (ohne Handel), Michel
Liebmann Essen (Schlachter), Salomon Levy Goldschmitt (geringer Händler), Witwe
des Salomon Roßkamm (ohne Erwerb), Moses Jacob Nußbaum (Schmuser), Wolf
Liebmann Fenster (Spezerei- und Schnittware), Moses Liebmann Buchhalter (keine
Angabe), Joseph Furchheim (keine Angabe) Scheule, Witwe des Löw Nordhäuser
(Taglohn).
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind die jüdischen Familien relativ schnell
aus Weyhers in Städte der Umgebung abgewandert oder auch ausgewandert. Um 1880
waren noch sieben
jüdische Familien am Ort, ab 1890 noch die beiden Familien Rosengarten und
Steigerwald - 1905 waren es
zusammen 12 Personen.
An Einrichtungen bestanden - solange Gottesdienste abgehalten werden
konnten - eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof, der zugleich als zentraler
Friedhof für die umliegenden jüdischen Gemeinden diente. Einen eigenen
jüdischer Lehrer, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war, gab es
vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Bis um 1930 lebten die beiden genannten Familien Rosengarten und
Steigerwald am Ort. Einige Familienmitglieder verstarben noch in Weyhers. Gustav
Steigerwald war Schneidermeister und hatte einen Kurzwarenhandlung. Jacob
Rosengarten verzog nach Frankfurt und wurde von dort in das Ghetto
Theresienstadt deportiert. Eine Pflegetochter von ihm (Ortrud) lebte später in
Ein Gev in Israel. Die Tochter Bertha Rosengarten hat in die Familie Steigerwald
eingeheiratet. Auch sie wurde von Frankfurt aus deportiert und ist umgekommen.
Aus der Familie Steigerwald wanderte Sohn Alfred nach Brasilien aus.
Von den in Weyhers geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Rosengarten
(1868), Jeanette Rosengarten (1866)*, Bertha Steigerwald
geb. Rosengarten (1880).
Jakob Rosengarten und Bertha Steigerwald sind im Gedenkbuch falsch unter
Weyher statt Weyhers eingetragen.
Jeanette Rosengarten ist im Gedenkbuch falsch unter Geburtsort Weikersheim
eingetragen.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
| In jüdischen Periodika des 19./20.
Jahrhundert wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in
Weyhers gefunden. |
| Einige
genealogische Angaben zur Familie Jakob Rosengarten (Quelle) |
| Jakob Rosengarten (1868 in Weyhers -
1942 im Ghetto Theresienstadt) ist in Weyhers als Sohn von Abraham
Rosengarten und seiner Frau Amelia geboren. Er hatte zwei Geschwister:
Jeanette und Moses. Jakob war verheiratet mit Bertha, mit der er vier
Kinder hatte: Beni, Theodor, Julius und Alwin. |
| Jeanette Rosengarten (1866 in Weyhers
- 1942 im Ghetto Theresienstadt) |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge unbekannten Baujahres bestand in Weyhers bis
1916. Sie war bis um 1900 genutzt und wurde 1916 wegen Baufälligkeit - es
handelte sich um ein Holzgebäude - abgebrochen.
Nach Auskunft von Klaus Füller (Kassel) befand sich die Synagoge auf einem
heute (teilweise?) freien Grundstück gegenüber dem Gebäude Rhönstraße 3.
Der Hof "Schmiedegasse 1" hinter dem betreffenden Grundstück ist der
Stammsitz einer Schreiner-Familie, im Dorf "Dempel-Schrünner" (=
Tempel-Schreiner") genannt, weil sich die Schreinerei neben dem
"Tempel" (= Synagoge) befand. Ein anderer Schreiner, weiter oben in
der heutigen Rhönstraße hieß im Unterschied dazu "Kirche-Schrünner".
Adresse/Standort der Synagoge: gegenüber
Rhönstraße 3
Fotos
(Fotos: Klaus Füller, Kassel, Aufnahmen von Anfang Januar 2010)
Blick auf das
Grundstück
der ehemaligen Synagoge |
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Die Synagoge stand
bis 1916 auf der freien Fläche vor dem Fachwerkhaus |
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| Ehemaliges jüdisches
Wohnhaus |
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Das Haus gehörte
Familie Gustav Steigerwald. Er war Schneidermeister und betrieb einen
Kurzwarenhandel. Sohn Alfred Steigerwald emigrierte nach Brasilien. |
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Anmerkung:
das Haus der oben genannten Familie Rosengarten besteht nicht mehr. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 383-384. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 593-594 (Kurznotiz im Artikel zu Schmalnau). |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 254.
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