Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weyhers (Gemeinde Ebersburg) mit Friesenhausen (Gemeinde Dipperz, Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In Weyhers bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1890/1905. Danach gehörten die hier noch lebenden jüdischen Einwohner zur jüdischen Gemeinde in Schmalnau.
  
Auch in Friesenhausen gab es im 19. Jahrhundert einige jüdische Familien. Nach den Eintragungen des protestantischen Pfarrers lebten diese hier von 1811 bis 1880. Die meisten jüdischen Familien seien bereits in den 1850er/1860er-Jahren von hier weggezogen, teils nach Amerika, teils in andere Orte Deutschlands. 1880 ist der letzte jüdische Einwohner in Friesenhausen gestorben.
 
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Weyhers auf insgesamt zwölf Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Löw Isaak Buchsbaum (geringer Viehhandel), Michel Levy Federkiel (Totengräber), Isaack Levi Rosengarten (Alteisenhändler) Löw Blumenthal (ohne Handel), Michel Liebmann Essen (Schlachter), Salomon Levy Goldschmitt (geringer Händler), Witwe des Salomon Roßkamm (ohne Erwerb), Moses Jacob Nußbaum (Schmuser), Wolf Liebmann Fenster (Spezerei- und Schnittware), Moses Liebmann Buchhalter (keine Angabe), Joseph Furchheim (keine Angabe) Scheule, Witwe des Löw Nordhäuser (Taglohn).       
   
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind die jüdischen Familien relativ schnell aus Weyhers in Städte der Umgebung abgewandert oder auch ausgewandert. Um 1880 waren noch sieben jüdische Familien am Ort, ab 1890 noch die beiden Familien Rosengarten und Steigerwald - 1905 waren es zusammen 12 Personen.   
   
An Einrichtungen bestanden - solange Gottesdienste abgehalten werden konnten - eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof, der zugleich als zentraler Friedhof für die umliegenden jüdischen Gemeinden diente. Einen eigenen jüdischer Lehrer, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war, gab es vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.  
    
Bis um 1930
lebten die beiden genannten Familien Rosengarten und Steigerwald am Ort. Einige Familienmitglieder verstarben noch in Weyhers. Gustav Steigerwald war Schneidermeister und hatte einen Kurzwarenhandlung. Jacob Rosengarten verzog nach Frankfurt und wurde von dort in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Eine Pflegetochter von ihm (Ortrud) lebte später in Ein Gev in Israel. Die Tochter Bertha Rosengarten hat in die Familie Steigerwald eingeheiratet. Auch sie wurde von Frankfurt aus deportiert und ist umgekommen. Aus der Familie Steigerwald wanderte Sohn Alfred nach Brasilien aus. 
       
Von den in Weyhers geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Rosengarten (1868), Jeanette Rosengarten (1866)*, Bertha Steigerwald geb. Rosengarten (1880).  
  
Jakob Rosengarten und Bertha Steigerwald sind im Gedenkbuch falsch unter Weyher statt Weyhers eingetragen.  
Jeanette Rosengarten ist im Gedenkbuch falsch unter Geburtsort Weikersheim eingetragen.    
      
   

     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde      

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhundert wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Weyhers gefunden.  

     

Einige genealogische Angaben zur Familie Jakob Rosengarten (Quelle)  
Jakob Rosengarten (1868 in Weyhers - 1942 im Ghetto Theresienstadt) ist in Weyhers als Sohn von Abraham Rosengarten und seiner Frau Amelia geboren. Er hatte zwei Geschwister: Jeanette und Moses. Jakob war verheiratet mit Bertha, mit der er vier Kinder hatte: Beni, Theodor, Julius und Alwin.  
Jeanette Rosengarten (1866 in Weyhers - 1942 im Ghetto Theresienstadt)


  
   

Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge unbekannten Baujahres bestand in Weyhers bis 1916. Sie war bis um 1900 genutzt und wurde 1916 wegen Baufälligkeit - es handelte sich um ein Holzgebäude - abgebrochen.   
  
Nach Auskunft von Klaus Füller (Kassel) befand sich die Synagoge auf einem heute (teilweise?) freien Grundstück gegenüber dem Gebäude Rhönstraße 3. Der Hof "Schmiedegasse 1" hinter dem betreffenden Grundstück ist der Stammsitz einer Schreiner-Familie, im Dorf "Dempel-Schrünner" (= Tempel-Schreiner") genannt, weil sich die Schreinerei neben dem "Tempel" (= Synagoge) befand. Ein anderer Schreiner, weiter oben in der heutigen Rhönstraße hieß im Unterschied dazu "Kirche-Schrünner".     

  
Adresse/Standort der Synagoge:   gegenüber Rhönstraße 3 

Fotos 
(Fotos: Klaus Füller, Kassel, Aufnahmen von Anfang Januar 2010)

Blick auf das Grundstück 
der ehemaligen Synagoge
Weyhers Synagoge 025.jpg (39927 Byte) 
  Die Synagoge stand bis 1916 auf der freien Fläche vor dem Fachwerkhaus 
        
Ehemaliges jüdisches Wohnhaus Weyhers Haus Steigerwald 010.jpg (24919 Byte) 
  Das Haus gehörte Familie Gustav Steigerwald. Er war Schneidermeister und betrieb einen Kurzwarenhandel. Sohn Alfred Steigerwald emigrierte nach Brasilien. 
     
    Anmerkung: das Haus der oben genannten Familie Rosengarten besteht nicht mehr.

   
    
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Ebersburg  

Website der Gemeinde Dipperz  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 383-384.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 593-594 (Kurznotiz im Artikel zu Schmalnau).  
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 254.   
  

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. Dezember 2010