Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wüstensachsen (Gemeinde Ehrenberg [Rhön], Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(Die Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer) 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Kennkarte aus der NS-Zeit   
Zur Geschichte der Synagoge   
Zur weiteren Geschichte des jüdischen Schulhauses nach 1941   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur    

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Wüstensachsen bestand eine relativ große jüdische Landgemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1630 werden erstmals Juden am Ort genannt; nach den Abgaberegistern der von Thüngen'schen Herrschaft waren 1660 drei jüdische Personen in Wüstensachsen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde auf 26 jüdische Familien an. Im 18. Jahrhundert hatte die jüdische Gemeinde zeitweise auch einen Rabbiner. 1755 war bei der Festlegung einer neuen Platzordnung in der Synagoge in Schwarza Rabbiner Moses aus Wüstensachsen anwesend. Um 1785 war Jakob Joseph Gersfeld Rabbiner in Wüstensachsen (nach 1794 Oberlandesrabbiner in Mergentheim, 1799 oberhessischer Landesrabbiner in Friedberg, 1802 bis zu seinem Tod 1814 Landesrabbiner in Bamberg). 
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts wie folgt: 1871 137 jüdische Einwohner (12,6 % von insgesamt 1.086 Einwohnern), 1885 136 (13,8 % von 985, in etwa 35 Familien), 1895 116 (12,1 % von 975), 1905 119 (11,9 % von 1.002). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Wüstensachsen auf insgesamt 38 Matrikelstellen (einschließlich der Nachträge bis 1825) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Löw Jacob Stiefel (Viehhändler), Jonas Jacob Herzberg (Viehhändler), Maier Jacob Nussbaum (Viehhändler), Feist Levi Birnbaum (Schmuser), Benjamin Abraham Adler (Lehrer und Schmuser), Itzig Maennlein Wohl (Krämer), Michel David Grünspecht (Krämer), Moises Haium Buchsbaum (Handelschaft), Samuel Löb Kirschbaum (Schlachter), Joel Katz Robinson (Schmuser), Haium Fromm Baerenfels (Schmuser), Itzig Mardche Hüflein (Krämer), Maier Marche Weinberger (Krämer), Keske Samuel Rosenstock (Viehhändler), Assur Maennlein Roedelheimer (Krämer), David Moises Olstermann (Federhändler), Hendel Hirsch Rabenstein (Schlachter), Leimann Levi Nordhäuser (Schmuser), Wolf Levi Rosenblatt (Viehhändler), Beile Gerson Weinstein (Krämer), Leimann Victor Stirn (Schmuser), Salomon David Türkenkopf (Schmuser), Maier Levi Apfelbaum (Viehhandel), David Hirsch Gold (Krämer), Salomon Levi Liebling (Viehhändler), Lob Levi Löbenstern (Viehhändler), Wolf Marx Wohlgemach (Schmuser), Jüdle Mardche Rotenstein (Federhändler), Abraham Behr Silberstein (Krämer), Löser Marcche Schneeberger (Federhändler), Abraham Levi Linz (Schmuser), Samuel Levi Schiff (Schmuser), Haium Moises Buchsbaum (Schmuser), Abraham Grünsprecht (Leinenweberprofession, seit 1822), Moses Bass (Schnittwarenhandlung, seit 1823(, Abraham David Gold (Kupferschmiedprofession, seit 1824), Samuel Rosenstock (Ackerbau, seit 1824(, Mardochäus Itzig Hüflein (Eisenhandel, seit 1925). Nicht in die Matrikelliste aufgenommen wurden Joseph Löb Lump (Lumpenhändler) und Viktor Levi Staatsburger (Schmuser).    
     
Die Gemeinde Wüstensachsen war über mehrere Jahrzehnte die stärkste jüdische Gemeinde im ehemals bayerischen Kreis Gersfeld (bestand bis 1866). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die im benachbarten Melperts lebenden jüdischen Einwohner (1932 3 Personen). 
  
Ihren Lebensunterhalt verdienten die jüdischen Gewerbetreibenden - wie aus der Matrikelliste hervorgeht - vor allem durch den Handel mit Vieh und landwirtschaftlichen Produkten. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten mehrere Ladengeschäfte am Ort jüdischen Inhabern. Die jüdischen Familien lebten fast alle an der heutigen Rhönstraße (frühere Hauptstraße). 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Religionsschule (beziehungsweise seit 1894 eine Israelitische Elementar-/Volksschule, für die 1899-1903 ein Schulhaus erbaut wurde; 1919 besuchten die Kinder vorübergehend die katholische Schule, wenig später und bis 1936 bestand wieder eine Israelitische Elementarschule) und ein rituelles Bad (auf einem Grundstück zwischen dem heutigen Fichtenweg und der Bundesstraße 278 an einem heute verrohrten Bach). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Weyhers beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer beziehungsweise ab 1894 ein Elementarlehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schächter tätig war. Im 19. Jahrhundert war von mind. 1839 bis 1848 Hirsch Hirschenberger Lehrer in der Gemeinde; einer seiner Nachfolger war Maier Weiler, der 35 Jahre lang (1855 bis 1890) in Wüstensachsen wirkt; nach ihm wurde die Stelle neu ausgeschrieben (siehe Ausschreibungstext von 1890). Im 20. Jahrhundert waren die Lehrer: Abraham Guntersheim (1900-1929), Iwan Goldschmidt (1930-1935), zuletzt Berthold Katz (1935-1938). Die jüdische Gemeinde gehörte von 1840 bis 1892 zum Distriktsrabbinat Gersfeld, nach dessen Auflösung zum Provinzialrabbinat Fulda. 
Bis zu seinem Tod 1851 wird als Ortsrabbiner in Wüstensachsen Mardochäus Löb Adler genannt. 

Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Julius Gärtner (geb. 27.12.1882 in Wüstensachsen, gest. 27.10.1915 in Kriegsgefangenschaft), Siegmund Nordhäuser (geb. 31.7.1894 in Wüstensachsen, gef. 10.3.1916) und Sally Weinberger (geb. 6.7.1890 in Wüstensachsen, gef. 3.11.1914). Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal des Ortes gegenüber der Einmündung der Rhönstraße in die B 278 unterhalb des christlichen Friedhofes.   
 
Um 1924, als noch 103 jüdische Einwohner gezählt wurden (10,3 % von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Max Buchsbaum I, Nathan Dorrhäuser I, Theobald Gold, Max Buchsbaum II und David Grünspecht. An der israelitischen Volksschule unterrichtete inzwischen der schon genannte Lehrer Abraham Guntersheim (oder Gundersheim oder Güntersheim; bis zu seiner Zurruhesetzung 1929). Im Schuljahr 1923/24 hatte er sechs jüdische Kinder zu unterrichten. Zwischen 1924 und 1928 schwankte die Schülerzahl zwischen vier und neun Kindern, 1929 waren es wieder elf Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden: die Chewro Kadischa (Wohltätigkeits- und Bestattungsverein, 1932 Vorsitzender Liebmann Weinberger), die Chewra Gemilus Chasodim (zur Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker sowie Bestattungswesen, gegründet 1859, 1924 Vorsitzender Liebman Weinberger, 1932 Vorsitzender Levi Buchsbaum, 11 Mitglieder), der Israelitische Frauenverein (zur Unterstützung Armer, Krankenpflege, Bestattungswesen, gegründet 1890, 1932 unter Leitung von Zerline Grünspecht) und die Jugendgruppe Agudoh. 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde folgende sechs Herren: Max Buchsbaum I (1. Vorsitzender), Liebmann Weinberger, Jakob Weinberg, Max Buchsbaum II, Hermann Grünspecht und Leo Nordhäuser II. Lehrer, Kantor und Schochet war (von 1930 bis zu seinem Wechsel nach Fulda 1935; siehe Artikel unten) -  Iwan Goldschmidt; er unterrichtete damals 15 Kinder an der Israelitischen Schule. 
 
Die Adressen und Gewerbebetriebe der jüdischen Familien in Wüstensachsen vor 1938 waren: Theobald Gold (Stoffe, Schuhe, Kolonialwaren, Rhönstraße 27, heute neues Gebäude), Gebrüder Jonas Nordhäuser (Vertreter für Stoffe) und Nathan Nordhäuser (Viehhandel, frühere Hauptstraße 105, heute hier Rathaus), Arno Nordhäuser (Pferdehändler, frühere Hauptstraße 106 1/2, heute hier Bürgerhaus und Pfarrheim), Berthold Braunschweiger (Viehhandel, Rhönstraße 19), Schwestern Sarah und Johanna Gold (Verkauf von Backwaren, Kaffee, Kolonialwaren und Fisch; frühere Hauptstraße 106, hier heute Bushaltestelle; im gleichen Haus war die Arztpraxis von Dr. Seliger 1923-23, Dr. Lump 1925-30, Dr. Neuwahl 1930-33), Max Buchsbaum I (Stoffe und Versandgeschäft (Forsthausstraße 2, Gebäude steht nicht mehr), Moses Weinberger (Mehlhandel, Hüte und Mützen (Röhnstraße 14), Luis Grünspecht (Rhönstraße 13), Gebrüder Grünspecht (Rhönstraße 8, Gebäude steht nicht mehr; es wohnten hier: David Grünspecht, Metzger und Ladengeschäft; Hermann Grünspecht, Viehhandel; Selinde Grünspecht, Spielwaren und Backwaren); Max Buchsbaum II (Konfektions- und Schnittwarengeschäft, Fahrräder, Nähmaschinen, Rhönstraße 6), Bertel Braunschweiger (Hut- und Kleidergeschäft, Rhönstraße 4),  Hermann Nordhäuser (Viehhandel, Rhönstraße 11), Witwe Gärtner (Kolonial- und Schnittwarengeschäft, Rhönstraße 9), Tina Nordhäuser mit Sohn Arthur (Emaillgeschäft (Rhönstraße 5), Hugo Weinberger (Viehhandel, Fichtenweg 6), Markus Schneeberger (Kolonial- und Kurzwarengeschäft, Rhönstraße 2), A. Rödelheimer (Handelsvertreter, Gebäude an der Kreuzung B 278 steht nicht mehr), Dr. Neuwahl (Arztpraxis in Neubau 1930-33, Tanner Straße 11), Hermann Weinberger (Viehhandel, Mittelstraße 22), Siegfried Weinsberger (Viehhandel, Schafsteiner Straße 8), Jakob Weinberger (Schuh- und Schnittwarengeschäft, Mützen, Schafsteiner Straße 1), Leo Nordhäuser (Felle, Därme, Öle, Kochherde, Nähmaschinen, An der Kirche 8).    

1933 lebten noch 82 jüdische Personen in Wüstensachsen (6,6 % von insgesamt 1.236).
In den folgenden Jahren (verstärkt seit 1935) ist ein großer Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Nach 1933 kam es zu zahlreichen willkürlichen Verhaftungen und Misshandlungen durch SA- und SS-Leute, über die Alfred Grünspecht in seinen Memoiren berichtet ("fast jede Nacht wurden jüdische Häuser demoliert, Fenster und Türen eingeschlagen, jüdische Leute verprügelt, Gartenzäune weggeschleppt. Selbst ein Schornstein wurde umgeworfen. Drei - jüdischen Besitzern gehörige Scheunen - wurden ein Raub der Flammen"). 1938 musste die jüdische Schule geschlossen werden; die jüdischen Kinder mussten danach die Schule in Fulda besuchen (1938 vier Kinder). Letzter jüdischer Lehrer war von 1935 bis 1938 Berthold Katz (siehe Artikel unten). Die letzten jüdischen Einwohner wurden im November 1938 per Lastwagen nach Fulda abgeschoben. Diejenigen, die emigrieren konnten, fanden Aufnahme in Nord- und Südamerika, in Südafrika und Palästina.   
    
Von den in Wüstensachsen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hedwig Bodenheimer geb. Weiler (1873), Berta Brunngässer geb. Weinberger (1886), Max Buchsbaum (1880), Max Buchsbaum (1883),Meta Buchsbaum geb. Abraham (1883), Rebekka Cahn geb. Stiefel (1859), Rosette (Recha) Cohn geb. Lump (1903), Anni Gold (1922), Ida Gold geb. Wildberg (1889), Johanna Gold (1877), Julius Gold (1883), Sara Gold (1874), Theobald Gold (1877), Mathilde Goldschmidt geb. Buchsbaum (1886), Regina Goldschmidt geb. Nordhäuser (1885), Guta Guntersheim (), Meta Heilbronn geb. Horn (1878), Karoline (Lina) Heinemann geb. Grünspecht (1888), Minna Hirschberg geb. Weinberger (1865), Renate Honi geb. Nordhäuser (1891), Emma Regina Lax geb. Lump (1877), Ilse Levi geb. Buchsbaum (1921), Bernhard (Baruch) Lump (1872), Emma Michaelis geb. Lump (1881),  Arthur Nordhäuser (1902), Beate Nordhäuser (1921), Hannelore Nordhäuser (1922), Jonas Nordhäuser (1883), Joseph Nordhäuser (1876), Ludwig Nordhäuser (1924), Max Nordhäuser (1882),  Moses Nordhäuser (1873), Nathan Nordhäuser (1880), Selma Nordhäuser geb. Bravmann (1896), Hedwig Schulmann geb. Weinberger (1882), Zeffi van der Sluis geb. Nordhäuser (1889), Betti Stern geb. Nussbaum (1875), Hedwig Strauß geb. Rödelheimer (1879), Klara Tannenbaum geb. Weiler (1864), Leopold Weiler (1867), Jakob Weinberg (1884), Erika Weinberger (1929), Herta Weinberger geb. Gundersheim (1905), Josef Weinberger (1861), Kurt Weinberger (1930), Max Weinberger (1887), Siegfried Weinberger (1895), Jeanette Wohl geb. Braunschweiger (1878).      
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers/Vorbeters/Schächters 1890 / 1900 / 1929 sowie eines Hilfsvorbeters 1924
Anmerkung: 1890 wurde noch ein Religionslehrer gesucht; die jüdische Elementar-/Volksschule bestand erst seit dem 1. April 1894; entsprechend die Ausschreibung aus dem Jahre 1900. 

Wuestensachsen Israelit 06031890.jpg (62981 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1890: "Die mit dem Kantor- & Schächterdienst verbundene Religionslehrerstelle dahier ist durch Wegzug des seit 35 Jahren an hiesigem Orte tätig gewesenen Lehrers bis zum 15. Mai neu zu besetzen. Fixum Mark 800.- nebst freier Wohnung mit schönem Garten und nicht unbedeutenden Nebeneinkünften. Die Schächterstelle bringt ca. Mark 250-300 ein und ist außerdem einem tüchtigen Manne durch Erteilung von Privatunterricht (es wohnen hier 30 Familien Juden), Gelegenheit geboten, die Stelle rentabel zu machen. Nur seminaristisch gebildete, mit besten Zeugnissen versehene Bewerber wollen sich bei Unterzeichneten bis längstens 1. April diesen Jahres melden.
Wüstensachsen, 1. März 1890. M. Nußbaum, Kultusvorsteher". 
  
Wuestensachsen Israelit 03051900.jpg (53996 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1900: "Offene Elementarlehrerstelle. Die hiesige Elementarlehrerstelle, verbunden mit Vorbeter und Schochet, ist bis zum 1. Juli dieses Jahres zu besetzen: 
Grundgehalt Mark 1000. 
Einheitssatz der Alterszulage Mark 120.  
Vergütung für Beheizung des Schulsaales Mark 60.  
Nebenverdienst ca. Mark 600.  
Freie Wohnung in einem neu erbauten Schulhause. Bewerber wollen Zeugnisse bis zum 20. Mai dieses Jahres an den Unterzeichneten einsenden. 
Wüstensachsen, den 29. April. Stiefel, Kultusvorsteher."
 
Wuestensachsen Israelit 21081924.jpg (42276 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1924: "Wir suchen für die hohen Feiertage einen stimmbegabten Hilfsvorbeter
Angebote mit Gehaltsansprüchen bei freier Verpflegung und Reisevergütung erbittet 
der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde 
Wüstensachsen (Rhön) bei Fulda."
  
Wuestensachsen Israelit 18041929.jpg (62478 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1929: "Da der bisherige Inhaber in Ruhestand tritt, ist in einigen Monaten die Stelle des Volksschullehrer an der öffentlichen israelitischen Volksschule in Wüstensachsen zu besetzen. Hiermit ist zugleich das Amt als Chasen (Vorbeter) und Schochet verbunden. Außer der staatlichen Besoldung besteht Nebeneinkommen durch die 2 Nebenämter. Orthodoxe Bewerber wollen sich alsbald unter Einsendung von Zeugnisabschriften und Angaben von Referenzen melden bei Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn, Fulda."  

  
Über Lehrer Hirsch Hirschenberger (von mind. 1839 bis 1848 Lehrer in Wüstensachsen)  

Nachfolgende Informationen zu Lehrer Hirschenberger von Elisabeth Böhrer:  Lehrer Hirsch Hirschenberger, verheiratet seit 1839 in Wüstensachsen, Religionslehrer am Ort (geb. 27. September 1810 zu Westheim b. Hammelburg) ist in Wüstensachsen bis Juli 1848 durch die Geburten seiner fünf Töchter nachweisbar. Er war verheiratet mit Esther geb. Goldberg von Obbach (geb. 8. Oktober 1809 als Tochter von Benedikt Goldberg, Uhrmacher in Obbach u. seiner Ehefrau Berle).
Zur Zeit der Tätigkeit von Lehrer Hirschenberger gab es auch einen Ortsrabbiner in Wüstensachsen, der Lehrer Hirschenberger und seine Frau getraut hat: es war Rabbiner Mardochäus Löb Adler (gest. 5. Juni 1851 in Wüstensachsen, nach Sterbeeintrag "Ortsrabbiner dahier", verheiratet, 76 Jahre 2 Monate alt, wurde am 6. Juni 1851 in Weyhers beerdigt.   

  
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Abraham Güntersheim (Guntersheim?, 1925)  

Wuestensachsen Israelit 03091925.jpg (25875 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Wüstensachsen, 30. August (1925). Am kommenden Sonntag kann Herr Lehrer Güntersheim in Wüstensachsen auf eine 25-jährige Tätigkeit in der Kultusgemeinde zurückblicken. Der Tag wird durch eine kleine Feier gedacht."  

  
Verabschiedung von Lehrer Guntersheim - feierliche Einführung von Lehrer Iwan Goldschmidt (1930)  

Wuestensachsen Israelit 13031930.jpg (120175 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1930: "Wüstensachsen (Rhön), 11. März. Über ein Jahr mussten die Kinder der jüdischen Volksschule zu Wüstensachsen die hiesige katholische Volksschule besuchen, da Herr Lehrer Guntersheim wegen Krankheit und späterer Pensionierung das Amt nicht mehr versehen konnte. Nunmehr wurde am 17. Februar Herr Lehrer Iwan Goldschmidt, der seither in Ostpreußen amtierte, im Auftrage der Regierung zu Kassel durch den Hauptlehrer der hiesigen katholischen Volksschule in sein neues Amt eingeführt und vereidigt. - Am darauffolgenden Schabbos fand die feierliche Einführung des Herrn Goldschmidt in der Synagoge statt. Der Kultusvorsteher der Gemeinde, Herr Max Buchsbaum I, begrüßte den neuen Beamten im Namen der Gemeinde und sprach den Wunsch aus, dass sein Wirken nur segensreich für die Gemeinde sich gestalten möge. Dem in den Ruhestand getretenen Beamten widmete Herr Buchsbaum I Worte des Dankes und Anerkennung für seine fast 30jährige Tätigkeit in der Gemeinde, ebenfalls sprach er den Herren Grünspecht und Levy Buchsbaum für ihre ehrenamtliche Betätigung als Vorbeter den Dank der Gemeinde aus. Dann bestieg Herr Lehrer Goldschmidt die Kanzel. Seiner Predigt legte er folgenden Satz aus der Sidroh zugrunde: 'Ermüden musst sowohl du als auch das Volk, das bei dir ist, denn die Sache ist dir zu schwer, du kannst sie alleine nicht ausführen.' In längeren Ausführungen beleuchtete der Redner diesen Satz, bat um Unterstützung sämtlicher Gemeindemitglieder, von jung und alt, denn nur durch gemeinschaftliche Ausübung unserer religiösen Pflichten kann das hochheilige Ziel der Gottesannäherung erreicht werden. Mit einem Gebet um Gottes Schutz und einem Segen für die Gemeinde fand die feierliche Einführung ihren Abschluss."  

     
Lehrer Iwan Goldschmidt wechselt nach Fulda (1935)  

Wuestensachsen Israelit 28021935.jpg (68662 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1935: "Fulda, 20. Februar (1935). Herr Lehrer Abraham Sonn tritt nach zurückgelegtem 62. Lebensjahre mit dem 1. April dieses Jahres in den Ruhestand. Mit Bedauern sieht die Gemeinde den gewissenhaften Beamten der Schule und der Gemeinde aus dem Dienste scheiden, da Herr Sonn bei voller Rüstigkeit und jugendlicher Körper- und Geistesfrische das Feld seiner Tätigkeit verlässt. Zu seinem Nachfolger hat die Regierung zu Kassel Herrn Iwan Goldschmidt, Lehrer an der Jüdischen Volksschule zu Wüstensachsen zum 1. April ernannt...". 

   
Der letzte jüdische Lehrer: Berthold Katz (1935)

Burghaun Israelit 21031935.jpg (14242 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1935: "Wüstensachsen, 20. März (1935). Lehrer Berthold Katz, früher Burghaun, ist von der Regierung an die hiesige jüdische Volksschule versetzt worden."

    
Lehrer Berthold Katz wird nach Rhina versetzt (1938)

Wuestensachsen Israelit 01091938.jpg (28766 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1938 (!): "Wüstensachsen, 1. September (1938). Lehrer Berthold Katz ist, da die hiesige Schule durch ihre geringe Schülerzahl nicht mehr zu halten war, von der Regierung an die Schule seines Heimatortes Rhina versetzt worden. Er hat während dreier Jahre in Pflichttreue seines Amtes als Vorbeter und Lehrer gewaltet und es begleiten ihn die besten Wünsche der Gemeinde."



Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Gemeinde- und Synagogenbeschreibung 1865 - kritische Beobachtungen eines liberal-jüdisch gesonnenen Berichterstatters 

Wuestensachsen AZJ 03011865.JPG (229125 Byte) Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Januar 1865: "Unterfranken, im Dezember. Erlauben Sie einige Verhältnisse meines Bezirks zu besprechen. Es sind solche lokaler Natur; aber auch diese müssen oft in die Öffentlichkeit dringen, wenn sie Missstände betreffen, die gerügt und beseitigt werden müssen. 
Trotz der gegenteiligen Phrasen der Orthodoxie, paart sich Indifferentismus gegen das Heilige auch oder besonders mit der fanatischen Buchstabenkleberei. Dieses nehmen wir bei den Israeliten der Rhön deutlich wahr. Schon seit vielen Jahren ist die Synagoge zu Wüst..... (gemeint Wüstensachsen) so baufällig, dass es in doppelter Beziehung frevelhaft erscheint, hier seine Andacht zu verrichten. Betritt ein Fremder aber erst die inneren heiligen Räume, so schauert er vor dem sich ihm bietenden Anblick - und höhnisch klingen ihm die gedankenlos hingesprochenen Worte seiner Begleiter 'Ma towu, eloheicha Jaakow... Wie lieblich (sind die Wohnungen) deines Gottes, Jakob' - ein kleiner finsterer Raum, schwarze Wände, große und kleine, mitunter zerbrochene 'Ständer' im Kreis oder besser im Chaos! Wahrlich, da bebt man vor Entrüstung über die Gleichgültigkeit einer Gemeinde, über die Saumseligkeit eines Vorstandes, wenn man hört, dass schon bei 2.000 Gulden zum Zwecke eines Neubaues gesammelt worden und dass die Gemeinde das Fehlende ohne fremde Hilfe leicht aufbringen könnte!
Es harmoniert dieses Gebaren mit den religiösen Zuständen unseres Bezirks. Wurde ja im vorigen Jahr in Gersf... (gemeint: Gersfeld) ein jüdischer Handlungsreisender, der in einem dortigen christlichen Gasthofe am Samstage eine Zigarre geraucht haben sollte, unter Verwünschungen und beinahe Tätlichkeiten aus der Synagoge gewiesen! Bei solchen Fällen können unsere Dunkelmänner gleich den ultramontanen Blättern bei Besprechung der im diesseitigen Bayern sich immer mehr bildenden katholischen Vereine wohl auch sagen; es ist noch viel tiefer, religiöser Sinn im Volkes. Was aber dieser einseitig aufgefasste religiöse Sinn wert, welcher Beschaffenheit derselbe ist - das weiß der Wahrreligiöse und dem geistigen Fortschritte der Zeit Huldigende. - 
Sehr erwünscht wäre es, in diesen Blättern auch einmal einen klareren Einblick in die Statuten und Verhältnisse des Würzburger israelitischen Lehrer-Seminars zu erhalten. wie wir bloß wissen, ist diese Anstalt. Im Widerspruche zu den christlichen, die nach drei Vorbereitungsjahren von nun an aus drei Kursen bestehen; der der ersten am 2. und 3. November abgehaltenen Aufnahmeprüfung sollen 12 Schullehrlinge aufgenommen worden sein. Ob aber diese unglücklichen Jünglinge unserm Volke Heil bringen und dem Lehrerstande Ehre machen werden - diese Frage wird die Zukunft beantworten!"

  
Aufruf zur Wohltätigkeit für eine in Not geratene Familie (1890)

Wuestensachsen Israelit 03031890.jpg (184645 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1890: "Edle Glaubensgenossen! Ein hiesiger, sehr geachteter, Frommer und braver Familienvater ist durch ein schreckliches Missgeschickt zur gänzlichen Armut herabgesunken und somit leider der öffentlichen Wohltätigkeit preisgegeben.
Obgleich seit mehreren Jahren in kärglichen Verhältnissen lebend, gelang es ihm doch, da er im Vollbesitze seiner Gesundheit war und mit unermüdlichem Gleiße arbeitete, von sich und den Seinigen die äußerste Not abzuhalten. Nun ist jedoch der Bedauernswerte von einem schrecklichen Unglück heimgesucht worden. Durch ein bösartiges Gesichtsleiden musste sich derselbe einer schweren und gefahrvollen Operation unterziehen, wobei ihm der recht Ober- und Unterkiefer, sowie ein Teil des Gaumens herausgenommen wurde. Die Operation war in ihren Folgen furchtbar, da derselbe hierdurch ganz entstellt und der Sprache fast beraubt ist, auch das Augenlicht hat gelitten. In diesem Zustande wird es ihm voraussichtlich für alle Zukunft unmöglich sein, ein Geschäft zu betreiben, um sich und die Seinigen ernähren zu können. 
Die unglückliche Familie von acht Personen, welche einst bessere Tage gesehen, befindet sich in Folge dessen in einer unbeschreiblich traurigen Lage, denn es fehlt ihr an Nahrung, an Kleidung, kurz an Allem. 
Die hiesige Gemeinde, welche zwar nach Kräften zur Linderung der Not beigetragen, ist leider nicht in der Lage, die Anforderungen für die Folge in genügender Weise zu bekämpfen. 
Angesichts dieser großen Notlage richten wir an alle edle Menschenfreunde die herzlichste Bitte, sich der schwergeprüften Familie durch reichliche Unterstützungen gütigst annehmen zu wollen und wer ein Herz für Unglückliche hat, wird gewiss durch so viel unverschuldetes Missgeschick zur raschen und tatkräftigen Hilfe veranlasst werden. Wenn je eine Familie der Hilfe bedürftig und würdig, so ist es diese Familie. Die Unterzeichneten sind zur Annahme von milden Gaben dankbarst bereit, auch nehmen die Herren Wormser in Gersfeld und Dr. Cahn in Fulda Gaben bereitwilligst entgegen. 
Wüstensachsen, 10. Februar 1890. Maier Nußbaum, Kultusvorsteher, David Schneeberger. Maier Weiler, Lehrer.
Überzeugt, dass vorstehende Bittangabe nach ihrem ganzen Inhalte auf Wahrheit beruht, sowie, dass die leidende Familie der Unterstützung würdig, die betreffende Gemeinde aber nicht der Art situiert ist, dieselbe aus eigenen Mitteln zu unterhalten, vereinigt der Unterzeichnete seine Bitte mit den Oberstehenden. 
Gersfeld, 13. Februar 5650 (1890). Wormser, Distrikts-Rabbiner.
Gerne schließe ich mich der vorstehenden Bitte an und erkläre mich zur Entgegennahme und Weiterbeförderung der eingehenden Spenden bereit. Mögen sie recht reichlich fließen. 
Fulda, 20. Februar 5650.  Dr. M. Cahn.
Auch die Expedition dieses Blattes ist gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern.

 
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Über Nachkommen von Assur Männlein Rödelheimer (geb. 1768 in Wüstensachsen)  
(Quelle: Susanne Pappiér geb. Rödelheimer, Informationen und Fotos erhalten im April 2011) 

Der in der Matrikelliste 1817 (s.o.) genannte Assur Männlein Rödelheimer ist 1768 in Wüstensachsen geboren. Seine Vorfahren dürften aus Rödelheim bei Frankfurt stammen, weswegen er diesen Familiennamen angenommen hat.
   
Bamberg Friedhof R010.jpg (129871 Byte)Ein Sohn (6. Kind) von Assur Rödelheimer war der 1816 in Wüstensachsen geborene Isaac Rödelheimer, der später Marianne geb. Rosenheimer heiratete (geb. 1827 in Wüstensachsen) und mit ihr vier Kinder hatte. Isaac Rödelheimer starb 1886 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Bamberg beigesetzt (Foto links: Grabstein für Isaac Rödelheimer; Quelle: Website des Historisch-jüdischen Vereins Augsburg).   
  
Ein Sohn (1. Kind) von Isaac und Marianne Rödelheimer war der 1859 noch in Wüstensachsen geborene Julius Rödelheimer, der später nach München zog, hier Regina geb. Stiefel heiratete (geb. 1872 in München) und mit ihr drei Kinder hatte (Hans [1895], Marianne [1897] und Johanna [1898]). Julius Rödelheimer starb 1925 in München und wurde im neuen israelitischen Friedhof in München beigesetzt; seine Frau wurde 1941 deportiert und ist umgekommen. Die weitere Geschichte der Kinder: 
Hans Rödelheimer heiratete Greta geb. Fuchs (geb. 1897 in Köln). Die beiden sind 1923 nach Spanien ausgewandert und lebten später in Marokko, Spanien und ab August 1945 in Brasilien (Kinder Klaus und Susanne [verh. Pappiér]). Hans Rödelheimer ist 1975 in Brasilien gestorben, seine Frau 1984. Nachkommen von Hans Rödelheimer leben heute in Brasilien (Familie Reichhardt in São Paulo) beziehungsweise in Brasilien und Deutschland (Familie Rödelheimer und Nachkommen). 
Marianne Rödelheimer heiratete Arthur Kahn, mit dem sie eine Tochter Liesel hatte; Marianne Rödelheimer lebte später bis zu ihrer Deportation 1941 in Berlin (umgekommen im Ghetto Kowno/Kaunas).
Johanna Rödelheimer und ihre 1936 in München geborene Tochter Ilse sind nach der Deportation 1941 im Ghetto Kowno/Kaunas umgekommen.          
          
 Fotos aus der Familie Rödelheimer      
Wuestensachsen Roedelheimer Isaac 010.jpg (51384 Byte) Wuestensachsen Roedelheimer Marianne 010.jpg (47385 Byte) Wuestensachsen Roedelheimer Julius-Regina 010.jpg (84111 Byte) Wuestensachsen Roedelheimer Kinder 010.jpg (62357 Byte) Wuestensachsen Roedelheimer Hans 010.jpg (43249 Byte)
Isaac Rödelheimer Marianne Rödelheimer 
geb. Rosenheimer
Julius Rödelheimer und
Regina geb. Stiefel
Marianne, Hans und
 Johanna Rödelheimer
Hans Rödelheimer 
um 1945
    

  
  

90. Geburtstag von Hirsch Gold (1928)      

Wuestensachsen Israelit 23021928.jpg (21766 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1928: "Wüstensachsen, 18. Februar (1928). Unser ältestes Gemeindemitglied, Herr Hirsch Gold, feiert am 4. März seinen 90. Geburtstag. Er ist noch rüstig und geistig frisch und Mitbegründer der Chewra Kadischa, (Alles Gute) bis 120 Jahre."

  
Über den Lehrer Jonas Löbenstern (geb. 1844 in Wüstensachsen, gest. 1936 in Würzburg)

Wuestensachsen BayrIsrGZ 15091936.jpg (111381 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1936: "Jonas Löbenstern seligen Andenkens. In der vorletzten Juliwoche, gerade in den neun Trauertagen, wurden uns drei liebe und geschätzte Kollegen durch den Tod entrissen. Am 19. Juli, am Tage unserer diesjährigen Mitgliederversammlung, verschied in Würzburg im 93. Lebensjahre der Senior unseres Vereins, Hauptlehrer a.D. Jonas Löbenstern. Der Heimgegangene war am 23. Januar 1844 in dem ehemals bayerischen Rhöndorfe Wüstensachsen geboren. Nachdem er die erste Vorbereitung für seinen künftigen Beruf bei sogenannten Vorbereitungslehrern in Hersfeld und Unsleben erhalten hatte, besuchte er das Königliche Schullehrerseminar in Bamberg, das er als Zwanzigjähriger im Juli 1864 absolvierte. Schon wenige Monate hernach erhielt er seine erste Anstellung als Lehrer der jüdischen Volksschule in Burgkunstadt, zunächst als Verweser, dann nach sechsjähriger Dienstzeit als definitiver Lehrer. Er wirkte in dieser einst sehr stattlichen Gemeinde über 48 Jahre als Erzieher und Lehrer, wie als Berater und Betreuer seiner Gemeindeglieder, wie über diesen Kreis hinaus als Freund und Helfer aller. Die hohe Anerkennung die ihm in der Gesamtbürgerschaft der Stadt gezollt ward, fand ihren sichtbaren Ausdruck, als er anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Bei der Beerdigung, die unter überaus zahlreicher Beteiligung stattfand, schilderte Bezirksrabbiner Dr. Hanover in beredten Worten das eine ganze historische Entwicklung umspannende Leben des Dahingeschiedenen, sein reiches Wirken wie seine kraftvolle und zugleich von hoher Liebenswürdigkeit getragene Persönlichkeit. Namens des Vereins sprach der aus Anlass unseres Fortbildungskurses in Würzburg weilende 1. Vorsitzende Worte des Dankes und herzliches Verbundenheit."    

    
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
 
Eine Verkäuferin sucht eine neue Stelle (1900)  

Wuestensachsen Israelit 09081900.jpg (45223 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900: 
"Eine junge Dame, welche die Zuschneide-Akademie mit gutem Erfolge absolvierte und perfekte 
Verkäuferin
 
in der Weiß-, Manufaktur- und Konfektionsbranche ist, sucht, gestützt auf prima Zeugnisse Stellung, in einem Schabbat und Feiertag geschlossenen Geschäfte. Offerten an 
L. Horn, Witwe,
Wüstensachsen (Rhön)."  

          

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Wüstensachsen geborenen 
Frieda Schloß geb. Schneeberger
 
 Wuestensachsen KK MZ Schloss Frieda.jpg (95322 Byte)  
   Kennkarte (Mainz 1939) für Frieda Schloß geb. Schneeberger Witwe (geb. 28. Februar 1885 in Wüstensachsen)    

        
         
   
      
Zur Geschichte der Synagoge      
   
Über die Geschichte der Synagoge ist wenig bekannt. Aus der Gemeindebeschreibung von 1865 (siehe oben) wird deutlich, dass sie sich damals in baulich sehr schlechtem Zustand befand. Im Betsaal waren noch die "Ständer" = Stehpulte üblich. Freilich hatte die jüdische Gemeinde damals bereits 2.000 Gulden für einen Neubau gesammelt. Dieser wird in den folgenden Jahren (um 1870?) ausgeführt worden sein. 
       
Nach 1933 kam es zu mehrfachen Schändungen und Beschädigungen der Synagoge (Alfred Grünspecht S. 14: "Eines Nachts wurden die Fenster der Synagoge eingeschlagen, der Almemor und die Bänke mit Kot besudelt, eine Thorarolle, eine Bibel und verschiedene religiöse Utensilien weggeschleppt...)". Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Truppe geschändet und angezündet. Die Mauerreste der Synagoge wurden später abgetragen. 
   
Das Grundstück der früheren Synagoge ist heute unbebaut. Ein Gedenk- oder Hinweisstein ist nicht vorhanden.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:   Rhönstraße (vergleiche unten Plan: die Synagoge stand zwischen dem Gebäude Rhönstraße 8 [Punkt 11] und dem Gebäude Rhönstraße 14 [E], vgl. Fotos unten)
    
    
Zur weiteren Geschichte des jüdischen Schulhauses nach 1941  
       
Das frühere jüdische Schulhaus kam 1941 in den Besitz der bürgerlichen Gemeinde, die darin noch in diesem Jahr das Bürgermeisteramt und die Gemeindebücherei einrichtete. Bis 1985 wurde das Gebäude aus solches verwendet. Danach wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut. 
Es handelt sich beim Gebäude um ein typisches Schulhaus aus der Zeit um 1900. Der hohe Sockel ist aus Basaltsteinen mit einer Eckquaderung aus Buntsandsteinen sowie Backsteinsegmentbögen (Kellerluken) errichtet. Die Umfassungswände bestehen aus verputztem Backsteinmauerwerk.   
   
   
   
Fotos 
(Fotos: Elisabeth Böhrer, Aufnahmedatum: 20.5.2009)    

Plan mit Eintragung der Standorte der
 Synagoge und der ehemaligen jüdischen
 Schule sowie Gedenktafel im Rathaus
(Plan erhalten von G. Neubauer,
 Wüstensachsen)
Wuestensachsen Plan 010.jpg (180640 Byte) Wuestensachsen Gedenktafel 010.jpg (66751 Byte)
        "Zur Erinnerung an die ehemalige jüdische
 Gemeinde Wüstensachsen und deren 
Opfer in den Jahren 1933-1945"
     
Grundstück der Synagoge an der 
heutigen Rhönstraße
Wuestensachsen Synagoge 010.jpg (82246 Byte) Wuestensachsen Synagoge 011.jpg (75258 Byte)
    Das Grundstück der ehemaligen Synagoge an der Rhönstraße (früher: Hauptstraße) blieb
 unbebaut. Beim Foto oben ist links im Bild die Mauer des Hauses Rhönstraße 14 zu
 erkennen, rechts davon war ein inzwischen abgerissenes Haus; rechts von diesem stand 
die Synagoge, dann das im Bild rechts zu sehende Haus Rhönstraße 8. 
     
Die ehemalige jüdische Schule in der Schafsteiner Str. 4, jetzt Wohnhaus Wuestensachsen Schule 010.jpg (107257 Byte) Wuestensachsen Schule 011.jpg (102162 Byte)
     Das ehemalige jüdische Schulhaus, heute Wohnhaus. Auffallend sind die charakteristischen
 Segmentbögen über den teilweise relativ hohen Fenstern. 
      
Wuestensachsen Schule 012.jpg (104545 Byte) Wuestensachsen Schule 014.jpg (106261 Byte) Wuestensachsen Schule 013.jpg (108487 Byte)
      Eingang zur früheren jüdischen Schule     Die originale Eingangstür  
      
Wuestensachsen Ort 178.jpg (118188 Byte) Wuestensachsen Ort 176.jpg (118814 Byte) Wuestensachsen Ort 176a.jpg (86763 Byte)
Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges unterhalb des allgemeinen Friedhof der Gemeinde gegenüber der Einmündung 
der Rhönstraße in die B 278 mit den Namen der jüdischen Gefallenen: Saly Weinberger, Julius Gärtner und  Sigmund Nordhäuser 
(Foto: Hahn: Aufnahmedatum 6.4.2009)  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Mai 2014: Ein Gedenkort für die jüdische Gemeinde wird eingerichtet   
Artikel von Wolfgang Hohmann in der "Fuldaer Zeitung" vom 13. Mai 2014: "Gedenkort für jüdische Mitbürger in Wüstensachsen feierlich übergeben. 
Wüstensachsen
. Mit einer ergreifenden Feierstunde hat der Rhönklub Wüstensachsen einen von Bildhauer Johannes Kirsch geschaffenen Gedenkort für die von den Nazis vertriebenen oder ermordeten jüdischen Wüstensachsener Bürger der Öffentlichkeit übergeben. Zwischen Rathaus und Kirche gelegen, soll der Ort an ein 300-jähriges konfliktarmes Miteinander von Christen und Juden im Ulstertal erinnern.
Vor mehr als 70 Zuhörern gab der Erste Beigeordnete der Gemeinde Ehrenberg, Hubert Hocke (SPD), einen Überblick über die Entstehung des Projektes, das viele Jahrzehnte nach dem Ende der jüdischen Gemeinde ein Zeichen setzen will.
Hocke erinnerte an die Initiative des örtlichen Rhönklub-Zweigvereins, im Zusammenhang mit der Aufnahme des Themas "Judentum in der Rhön" die Schirmherrschaft zur Errichtung eines Gedenkortes zu übernehmen. Der war von einem anonym bleiben wollenden Sponsor bei dem aus dem Ort stammenden Bildhauer Johannes Kirsch (Petersberg) in Auftrag gegeben worden. Dem Spender gebühre Dank und Anerkennung für ein Werk, das auffordere: "Nicht vergessen, Achtung, Respekt, Erinnerung."
Anschaulich erweckte Margitta Knacker–Köhler das jüdische Leben um 1930 in ihrem Heimatort unter Einbeziehung von Namen und Berufen, Religionsausübung und Festen zum Leben. Erschütternd war die Nennung der Familien, die ermordet wurden, durch die Hinzufügung von Namen und Alter ihrer Kinder. Die Rednerin, die sich bereits in einer Schrift mit dem Schicksal jüdischer Wüstensachsener befasst hatte, schloss mit einem Teil eines Zitats von Richard von Weizsäcker: "Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird."
"Nur wer sich Vergangenes bewusst macht, kann die Zukunft lebenswert gestalten", schloss der sichtlich gerührte Künstler Johannes Kirsch seine Ansprache. Als ein 1930 geborener Wüstensachsener, der "noch viele Erinnerungen an unsere jüdischen Mitbewohner" hat freute sich der Künstler, "dass gerade ich in der Mitte meines geliebten Heimatdorfes diesen Gedächtnisort schaffen durfte".
Notburga Klüber bezeichnete die Gedenkstätte als einen geschichtsträchtigen Ort, da genau auf diesem Platz seit 1732 die erste Schule des Dorfes gestanden habe, in der christliche und jüdische Wüstensachsener Kinder über lange Zeit gemeinsam unterrichtet worden seien. Die Namen zahlreicher jüdischer Mitglieder des Rhönklub-Zweigvereins Wüstensachsen nannte dessen Vorsitzender Lothar Schmitt, weshalb sein Verein auch die Schirmherrschaft übernommen habe.
Inge Hohmann erinnerte an Dr. Herbert Löbl und seine Familie, dem es zu verdanken sei, dass die Noten für die originale, nur in Wüstensachsen gesungene Synagogalmusik zurückgekehrt seien: Linde Weiland (Fulda) sang den jüdischen Kaddisch, ein Totengebet, ganz so, wie er einst in der örtlichen Synagoge erklungen war, bevor sie später mit dem Lied eines KZ-Opfers Hoffnung vermittelte.
Die Einladung zu einer Kaffeetafel im Bürgerhaus wurde gerne von vielen Besuchern angenommen."  
Link zum Artikel     
 
Fotos zum "Gedenkort" (erhalten von Elisabeth Böhrer, Aufnahmen vom 1.11.2014) 
 Wuestensachsen Denkmal 024.jpg (240802 Byte) Wuestensachsen Denkmal 020.jpg (215974 Byte) Wuestensachsen Denkmal 021.jpg (171683 Byte) Wuestensachsen Denkmal 023.jpg (159199 Byte) Wuestensachsen Denkmal 022.jpg (164855 Byte)
Der Gedenkort liegt unterhalb der Kirche von Wüstensachsen. Er enthält die Inschriften: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" und: "Zum Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, die durch den Nationalsozialitischen Rassenhass verfolgt und getötet wurden".   


    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Ehrenberg (Rhön)   
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Rosenstock in Wüstensachsen (unter Forschungen Horst Rosenstock) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Wüstensachsen 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Wüstensachsen 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Wüstensachsen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,881  Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Wüstensachsen  1812 - 1883   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3282891        
   
Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Weyhers 
Zu Weyhers sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,803   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Weyhers, aufgenommen 1936 von Jacob Leopold, Lehrer in Ingolstadt   1858 - 1935; enthält ein Verzeichnis der Verstorbenen, geordnet nach Gräberfeldern und Grabnummern auf dem jüdischen Friedhof in Weyers; enthält auch Angaben zu Personen aus Gersfeld, Hettenhausen, Lütter, Poppenhausen, Schmalnau, Wüstensachsen    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319785         
HHStAW 365,804   Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs in Weyhers  1900 - 1936: enthält ein Verzeichnis der Verstorbenen, geordnet nach Gräberfeldern auf dem jüdischen Friedhof in Weyhers; enthält auch Angaben zu Personen aus Gersfeld, Hettenhausen, Schmalnau und Wüstensachsen   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v290091          

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 441-442.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 11.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 474-475.
Die jüdische Gemeinde in Wüstensachsen. Erinnerungen von David Grünspecht, Metzgermeister und dessen Sohn Alfred Grünspecht - der Verfolgung durch die Nationalsozialisten 1936 nach New York entkommen. Auszüge aus den Memoiren von Alfred Grünspecht, des Sohnes von David Grünspecht, der seine Jugend und Kindheit in Wüstensachsen verbracht. Er lebt heute in New York. 
Zusammengestellt und verfasst von Margitta Köhler-Knacker. Hrsg. von der Gemeinde Ehrenberg 1998. 
(Hinweis: Die Alfred Gruenspecht Family Collection, 1748-2003 befindet sich im Leo Baeck Institut New York, Informationen zu dieser Sammlung; das komplette Manuskript der 152 Seiten umfassenden Memoiren findet sich unter der Archivsignatur A 615 im Jüdischen Museum in Frankfurt). 
Fulda Lit 140.jpg (118420 Byte)Juden in Deutschland und 1000 Jahre Judentum in Fulda
hrsg. von Michael Imhof.  Zukunft Bildung Region Fulda e. V. 
Erschienen im Michael Imhof Verlag Petersberg 2011.  
24 x 30 cm, 440 Seiten, 700 S/W und 200 Farbabbildungen, Hardcover. ISBN 978-3-86568-673-2 
(D) 44,00 €   CHF 62,90  (A) 45,25 €   
Zu Wüstensachsen Beitrag von Michael Imhof S. 378-385.  

      
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wuestensachsen (now part of Ehrenberg) Hesse-Nassau. Dating from the 18th century, the Jewish community numbered 137 (13 % of the total) in 1871 and was affiliated with the rabbinate of Fulda. It maintained an elementary school from around 1860 until 1935. The 75-80 Jews living there in 1933 fell victim to Nazi persecution and the synagogue was destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938). By Januar 1939 no Jews remained, 22 emigrated (mostly to the United States) and 30 perished in the Holocaust. 
   
     

                   
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Stand: 18. Mai 2016