Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen" 
Zur Übersicht über die Synagogen im Kreis Fulda  
       

Eiterfeld mit Buchenau (Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
Hinweis: es besteht auch die Website http://juden-in-eiterfeld.de 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Eiterfeld bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1567 in einem Bericht an den Landgrafen Wilhelm von Hessen Juden am Ort genannt. 1701 gab es zwei jüdische Haushaltungen am Ort, die des Hirz Müller und des Jakob Katz.  

Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wie folgt: 1854 13 jüdische Haushalte mit 65 Personen, 1861 74 jüdische Einwohner (11,9 % von insgesamt 622 Einwohnern), 1871 81 (14,3 % von 565), 1875 83, 1885 105 (17,9 % von 588), 1893 101, 1895 84 (15,4 % von 544), 1905 64 (10,9 % von 587).
Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Buchenau und seit 1927 auch die in Erdmannrode lebenden jüdischen Einwohner (in Buchenau 1924 acht Personen, 1932 sieben Personen; zu Erdmannrode siehe auf der dortigen Seite).
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Religionsschule beziehungsweise von 1860 bis nach 1930 eine jüdische Elementar-/Volksschule sowie ein rituelles Bad. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern sind bekannt: Julius Schuster (1904 bis 1924) sowie sein Nachfolger Karl Oppenheimer (zuvor Lehrer in Lichenroth, in Eiterfeld ab Dezember 1924 bis nach 1932). 
   
Eiterfeld Ort 200.jpg (34081 Byte)Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren als Vieh- und Schnittwarenhändler tätig, auch gab es zwei jüdische Schuhmacher am Ort (noch 1930). Das Foto links zeigt den Laden von Moritz Rosenstock (Quelle).      
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Leopold Lomnitz (geb. 4.12.1898 in Eiterfeld, gef. 22.10.1918). Außerdem ist gefallen: Benjamin ((Benno) Rosenstock (geb. 26.3.1883, vor 1914 in Wiesbaden wohnhaft, gef. 3. September 1914). 
   
Um 1924, als noch 56 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (7,5 % von insgesamt 750 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Jakob Rapp. Als Lehrer war der bereits genannte Julius Schuster angestellt. Er unterrichtete an der jüdischen Volksschule damals 11 Kinder. 1932 war Vorsteher der Gemeinde Max Lomnitz. Als Lehrer und Schochet war inzwischen Karl Oppenheimer am Ort. An jüdischen Vereinen werden genannt: der Chewroh-Verein (Ziel: Wohltätigkeit und Bestattung; Vorsitzender Max Lomnitz) sowie der Frauen-Verein (1932 unter Leitung von Fanny Rapp). 

1933 lebten noch 45 jüdische Personen in Eiterfeld (5,9 % von 768). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. SA-Leute am Ort unter Federführung des Kreisbauernführers Salzmann errichteten bereits 1933 auf dem Marktplatz einen Galgen, an dem sich drei Schlingen und die Inschrift befand: "Hier gehören die Volksausbeuter hin: Lomnitz, Strauss und Rosenstock". Zum 1. September 1937 wurde in Burghaun eine private jüdische Volksschule eingerichtet, die auch von den Kindern in Eiterfeld besucht wurde. 
  
In Buchenau lebte nach 1938 lebte noch eine jüdische Familie (Geschwister Rosenstock); beim Novemberpogrom 1938 wurden in ihrem Haus durch SA und Helfeshelfer die Fenster eingeworfen. Die Geschwister Rosenstock wurden Anfang September 1942 über Kassel nach Theresienstadt deportiert. Dort sind Malchen und Veilchen Rosenstock umgekommen. Levi Rosenstock wurde in Auschwitz ermordet, Hannchen und Helene Rosenstock starben im Ghetto Minsk. Ludwig Rosenstock ist am 22. Juli 1942 im Alter von 29 Jahren im KZ Buchenwald umgekommen. 
    
Von den in Eiterfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch die Liste von Elisabeth Sternberg-Siebert s.Lit.): Maria Abt geb. Waiter (1895), Rosa Fichtelberger geb. Rosenstock (1902), Mina Goldstein geb. Wiesenfelder (1879), Julchen Klebe geb. Strauß (1889), Inge Marx (1926), Mali (Mally, Wally) Marx geb. Rosenstock (1903), Kallmann Müller (1883), Rosa Neumann geb. Wiesenfelder (1883), Julius Nussbaum (1869), Siegfried Rapp (1889), Ludwig Rosenstock (1913), Frieda Rothschild geb. Nussbaum (1867), Minna Scherbel geb. Wiesenfelder (1877), Rebekka Scherbel geb. Wiesenfelder (1873), Lina Sommer geb. Strauss (1885), Minna Sommer geb. Rapp (1877), Johanna Stern geb. Kapp (1865), Sara Stern geb. Nussbaum (1862), Adolf (Abraham) Strauss (1890), Amalie (Alice) Strauss (1923), Fritz Strauß (), Hulda Strauss geb. Lorge (1892), Bella Weinberg (1904), Emma Weinberg geb. Lebrecht (1871), Lina Weinberg geb. Rapp (1894), Bertha Wiesenfelder (1928), Dewara Wiesenfelder (1939), Herbert Wiesenfelder (1926), Martha Wiesenfelder (1923), Rosa Wiesenfelder geb. Klebe (1896), Salomon Wiesenfelder (1875), Selig Wiesenfelder (1877, siehe Kennkarte unten), Siegmund Wiesenfelder (1890), Paula Zander geb. Wiesenfelder (1891).         
    
Von den in Buchenau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch die Liste von Elisabeth Sternberg-Siebert s.Lit.): Lisa Back (1914), Bernhard Löbenstein (1880), Helene Rosenstock (1871), Levi Rosenstock (1885), Malchen (Malge) Rosenstock (1881), Manchen Rosenstock (1869), Veilchen (Feilchen) Rosenstock (1873).
Hinweis: es kommt immer wieder zu Verwechslungen mit Buchenau (Gemeinde Dautphetal, Kreis Marburg-Biedenkopf), wo mehrere Familien mit dem Familiennamen Isenberg lebten.   
   
Im Mai 2012 wurden für die oben genannten fünf Geschwister Rosenstock vor deren früherem Wohnhaus in Buchenau (Hermann-Lietz-Straße 3) sog. "Stolpersteine" verlegt . Die Geschwister betrieben am Ort einen gut gehendenden Handelsbetrieb mit Gastwirtschaft und Schlachterei, was sie (vor allem Manchen Rosenstock) bereits von ihrem Vater Hesekiel übernommen haben (vgl. Artikel in der Fuldaer Zeitung vom 16.12.2011; zur Verlegung siehe Hinweis auf Presseartikel unten).     
 
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schächters 1870 / 1904 / 1924  

Eiterfeld Israelit 12071870.jpg (41480 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1870: "Zur Wiederbesetzung der Stelle eines Religions- und Elementarlehrers nebst Vorbeters und Schächters bei der israelitischen Gemeinde zu Eiterfeld mit Buchenau (Kreis Hünfeld), mit welcher ein fester Gehalt von 150 Talern und 70 Talern Akzidenzien verbunden sind, wollen Bewerber sich an die unterzeichnete Stelle unter Vorlage ihrer Atteste wenden. 
Fulda, am 19. Juni 1870. Vorsteheramt der Israeliten."
   
Eiterfeld Israelit 01091904.jpg (51627 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1904
"Die israelitische Elementarlehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle 
in Eiterfeld Kreis Hünfeld ist zum 1. Oktober diesen Jahres (1904), zu besetzen. Grundgehalt 1.000 Mark, Einheitssatz der Alterszulage 120 Mark, Mietsentschädigung 125 Mark, Nebeneinnahmen durch den Vorbeter- und Schächterdienst etwa 300 Mark. Bewerbungen nebst Zeugnissen sind sofort an die unterzeichnete Behörde zu richten. 
Fulda, 29. August 1904. 
Vorsteheramt der Israeliten." 
  
Eiterfeld FrfIsrFambl 09091904.jpg (30181 Byte)Anzeige im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 9. September 1904: "Eiterfeld (Kreis Hünfeld). Elementarlehrer, Vorbeter und Schächter per 1. Oktober. Grundgehalt 1.000 Mark, Einheitssatz der Alterszulage 120 Mark, Mietsentschädigung 125 Mark, Nebeneinkommen 300 Mark. Meldungen an das Vorsteheramt der Israeliten in Fulda." 
  
Eiterfeld Israelit 28081924.jpg (36420 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1924: "Für die durch Versetzung des Lehrers frei gewordene Lehrerstelle an der israelitischen Volksschule zu Eiterfeld wird sofort ein orthodoxer Nachfolger gesucht, der gleichzeitig Vorbeter und Schächter sein soll. Bewerber mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Referenzen sind bis spätestens 14. September zu richten an das Vorsteheramt der Israeliten, Fulda."  

   
Lehrer Julius Schuster verlässt die Gemeinde (1924)  

Eiterfeld Israelit 14081924.jpg (105676 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1924: "Eiterfeld, 28. Juli (1924). Nach 20jähriger segensreicher Tätigkeit verlässt leider Herr Lehrer Schuster unsere Gemeinde, in der er sich ein Denkmal der Verehrung und Hochachtung gesetzt hat, um seinen Wirkungskreis nach Groß-Krotzenburg zu verlegen. Wehmütig lassen wir ihn von uns scheiden, begleitet mit den besten Wünschen. Hat er doch eine Schule geschaffen, die als Vorbild für alle jüdischen Schulen dienen kann. Voll Begeisterung lauschen Schüler und Schülerinnen seinen Worten, in innigster Verehrung blicken sie zu ihm empor und so gelang es ihm leucht, seine ihm anvertrauten Schüler in die Lehren der heiligen Tora einzuführen. Wie innig und treu er mit seiner Gemeinde verbunden, das zeigten seine von Herzen zu Herzen gehenden Abschiedsworte (hebräisch und deutsch:) Seid fernerhin stark und fest zu Gott und untereinander. Diese Worte seien der Treueid, mit dem die Gemeinde das Andenken ihres scheidenden Lehrers achten und ehren will. Möge es dem pflichteifrigen Lehrer vergönnte sei, mit Gottes Hilfe auch im neuen Wirkungskreis die Herzen aller zu erschließen, recht viele, viele Jahre im Kreise seiner Lieben und seiner Gemeinde für die Gemeinde und für die Öffentlichkeit zu wirken!"   

     
Lehrer Karl Oppenheim wird Nachfolger von Lehrer Schuster (1924)  

Eiterfeld Israelit 04121924.jpg (26393 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1924: "Eiterfeld, 1. Dezember (1924). Durch die Regierung ist Herr Lehrer Oppenheim von Lichenroth nach hier versetzt worden. Die Gemeinde hofft in ihm einen würdigen Nachfolger für Herrn Lehrer Schuster, der nach Groß-Krotzenburg versetzt wurde, gefunden zu haben."   


Errichtung einer privaten jüdischen Volksschule in Burghaun - auch für die Kinder aus Eiterfeld (1937!)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1937: "Burghaun, 9. August (1937). Dieser Tage ist die Errichtung einer privaten jüdischen Volksschule in unserer Gemeinde vom Ministerium unter Gewährung eines Staatszuschusses genehmigt worden. Die Schule soll am 1. September eröffnet und von den Kindern der Gemeinden Burghaun, Hünfeld und Eiterfeld besucht werden. Der Unterricht wird durch den Lehrer Hermann Adler aus Nürnberg erteilt werden."    

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  

Die Synagogengemeinde Erdmannrode wird aufgehoben - die Gemeinde Eiterfeld übernimmt die Vermögensverwaltung (1927)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 15. Juli 1927: "Aus Erdmannrode (Kreis Hünfeld). Der Regierungspräsident hat zunächst auf die Dauer von drei Jahren angeordnet, dass vom 1. Juli 1927 ab die Synagogengemeinde Erdmannrode aufgehoben und die Verwaltung des Vermögens der Synagogengemeinde Eiterfeld übertragen wird."      


Ritualmordhetze nach einem Kindesmord in Eiterfeld (1928)  

Eiterfeld Israelit 27091928.jpg (132920 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1928: "Ritualmordhetze an der Arbeit. Über den von der Tagespresse mitgeteilten Fall eines Kindesmordes in Eiterfeld, Kreis Fulda, erfrecht sich der hier (Frankfurt) erscheinende völkische 'Frankfurter Beobachter' unter der Überschrift: 'Ritualmord in Eiterfeld' wie folgt zu berichten: 
'Im Kreis Fulda liegen drei Ortschaften: Rhina, Burghaun und Eiterfeld, in denen fast die ganze Bevölkerung sich aus Juden zusammensetzt. Ich habe gelegentlich einer Wahlversammlung in Eiterfeld am 29. April 1928 die Juden von Eiterfeld kennen gelernt, die damals ein paar Dutzend Arbeiter eines benachbarten Steinbruches auf mich hetzten, sodass es nahe daran lag, dass ich nicht mehr gesund aus diesem Judenkaff herausgekommen wäre. Was hat nun die jüdische Bevölkerung von Eiterfeld ein Interesse daran, dass der Mord nicht aufgeklärt wird? Wir behaupten nicht, dass es sich hier um einen Ritualmord handelt. Aber die amtlichen Stellen sollten so was nicht als Märchen betrachten, sondern den Fall einmal von diesem Gesichtspunkt aus betrachten. Wer sind die, die da bei der Untersuchung Schwierigkeiten machen? Sind es Juden? Was wird geschehen, um die Sache aufzuklären? Die christliche Bevölkerung hat ein Recht, zu verlangen, dass die Angelegenheit nicht in der Vergesslichkeit verschwindet, sondern dass radikal durchgegriffen wird.'    
Der Fall ist bekanntlich inzwischen von der Kriminalpolizei als Lustmord aufgeklärt worden. Davon hat der 'Frankfurter Beobachter' bisher noch nichts beobachtet."   
 
Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 5. Oktober 1928: "So sehen Ritualmorde aus! In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen völkische Zeitschriften und rechtsstehende Blätter unaufgeklärte Mordfälle und vor allem Sexualverbrechen dazu benutzen, um Ritualmordgerüchte auszustreuen. Wir unterlassen es, alle die Fälle aufzuzählen, in denen in den letzten Monaten so verfahren wurde, und wo auch wir eingreifen musste. Wir wollen hier nur eingehen auf den Mord an einem vierjährigen Mädchen Anfang September dieses Jahres in Eiterfeld bei Hanau. Kurz nach Bekannt werden dieses Mordes schrieb der völkische 'Frankfurter Beobachter' vom 2. September 1928 wie folgt: '...Im Kreis Fulda liegen drei Ortschaften, Rhina, Burghaun und Eiterfeld, in denen fast die ganze Bevölkerung sich aus Juden zusammensetzt... Was hat nun die jüdische Bevölkerung von Eiterfeld für ein Interesse daran, dass der Mord nicht aufgeklärt wird? Wir behaupten nicht, dass es sich hier um einen Ritualmord handelt. Aber die amtlichen Stellen sollten so was nicht als Märchen betrachten, sondern den Fall einmal von diesem Gesichtspunkt aus betrachten. Wer sind die, die da bei der Untersuchung Schwierigkeiten machen? Sind es Juden?...' Die amtlichen Stellen haben sich dieses Märchens angenommen und die Pressestelle des Oberstaatsanwalts in Hanau ließ einer großen Anzahl von Zeitungen des dortigen Bezirks folgende Berichtigung zugehen: 'Zu dem Lustmord an einem vierjährigen Mädchen in Eiterfeld. Gegenüber Erörterungen im 'Frankfurter Beobachter' teilt der Oberstaatsanwalt in Hanau mit, dass nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen, insbesondere der Leichenöffnung, die Tat aus geschlechtlichen Beweggründen begangen und der Tod durch Erwürgen eingetreten ist, sodass zweifellos Lustmord vorliegt.' Wir haben bisher nicht feststellen können, dass der 'Frankfurter Beobachter' diese Berichtigung in seinen Spalten veröffentlicht hätte".   

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
 
Unter den Gefallenen des Ersten Weltkrieges ist auch Lehrer Benno Rosenstock in Wiesbaden (geb. 1883 in Eiterfeld, gefallen 1914)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1914: "Von jüdischen Beamten, die in den Krieg gezogen, sind auf dem Felde der Ehre gefallen: Lehrer Max Strauß von der Israelitischen Religionsgesellschaft in München (aus Hofheim stammend); Lehrer H. Isenberg von Andernach am Rhein; Lehrer Benno Rosenstock, Lehrer und Kantor in Wiesbaden; Lehrer Ludwig Neumann an der städtischen Gemeindeschule in Frankfurt am Main; Lehrer John Horwitz in Koesfeld, Westfalen. Der Sekretär der Berliner jüdischen Reformgemeinde, Lehrer H. Blumenthal, wurde in den Kämpfen an der Ostgrenze leicht verwundet."           

  
Zum Beisetzung von Fanny Rapp (1935)  

Burghaun Israelit 12121935.jpg (24874 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1935: "Burghaun, 8. Dezember. Heute kam hier Frau Fanny Rapp aus Eiterfeld unter außerordentlich großer Beteiligung zur Bestattung. Herr Rabbiner Dr. Cahn und Lehrer Schuster, früher Eiterfeld, gedachten ihrer Tugenden in ehrenden Worten.   Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 

Anzeige von M. Wiesenfelder (1891)  

Eiterfeld Israelit 12031891.jpg (29301 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1891: "Für meinen 14 Jahre alten Sohn, der die Reife für Untertertia einer Realschule erreicht hat, suche Lehrlingsstelle in einem Eisenwarengeschäft, wo Schabbat und Feiertag geschlossen ist. M. Wiesenfelder, Eiterfeld (Hessen-Nassau)."

   
Anzeige von David Rosenstock (1911)   

Eiterfeld FrfIsrFambl 10031911.jpg (35130 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. März 1911: "Suche für meine Tochter, 15 Jahre alt, welche die Handelsschule besucht, per 1. oder 15. April dieses Jahres Stellung als angehende Buchhalterin. Samstags und Feiertage geschlossen. David Rosenstock. Eiterfeld, Kreis Hünfeld."

  
Anzeige von Schuhmachermeister Selig Wiesenfelder (1912)      

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. November 1912: 
"Suche per sofort einen tüchtigen Schuhmachergesellen
Schabbos und Jomtof (Feiertage) geschlossen. Angenehme dauernde Stellung. 
Selig Wiesenfelder.
Schuhwarenlager. Eiterfeld, Kreis Hünfeld".          


Hochzeitsanzeige von Else Adler und Max Lomnitz (1925)    

Eiterfeld Israelit 29101925.jpg (21760 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1925: "Gott sei gepriesen.  
Else Adler - Max Lomnitz. Verlobte. 
Fulda, Rhönstraße 17 - Eiterfeld."  

     

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für den in Eiterfeld 
geborenen Seelig Wiesenfelder
 
 Eiterfeld KK MZ Wiesenfelder Seelig 02.jpg (93406 Byte)   
   Kennkarte (ausgestellt in Dieburg 1939) für Seelig Wiesenfelder (geb. 16. April 1877 in Eiterfeld), 
Kaufmann, wohnhaft in Frankfurt am Main, am 22. November 1941 deportiert ab Frankfurt 
nach Kowno (Kauen) Fort IX, wo er am 25. November 1941 ermordet wurde 
  

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge    
   
Die Synagoge in Eiterfeld, ein Fachwerkbau, ist zwischen 1827 und 1830 erbaut worden. Sie hatte 52 Plätze für Männer und 24 für Frauen. Es bestand bereits vor 1827 eine Synagoge, die in diesem Jahr als baufällig bezeichnet wurde und durch einen Neubau ersetzt werden sollte. 
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört und zum Einsturz gebracht. Auf dem Synagogengrundstück wurde in den 1950er-Jahren ein Kolonialwarenladen (Flachdachbau) erstellt. Diese Flachdachbau wurde im Mai 2011 abgebrochen. An der Stelle ist u.a. die Anlage eines Parkplatzes geplant.      
  
Die zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde am 22. November 2005 in Anwesenheit von Martin Löwenberg angebrachte kleine Gedenktafel wurde zwischen Gründonnerstag und Ostersamstag 2008 abgeschraubt und in einen Container geworfen. In der Tatortnähe wurden damals Flugblätter der "NPD" gefunden. Drei Jugendliche aus der rechten Szene konnten ausfindig gemacht und im August 2008 in Hünfeld vor Gericht gestellt werden. Die Gedenktafel wurde wieder angebracht.    
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:    Fürstenecker Straße 3   
   
   
Fotos   

 Fotos der ehemaligen Synagoge sind noch nicht vorhanden; über Zusendungen oder Hinweise
 freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite
  
        
Gedenken vor Ort
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 6.4.2009)
     
Eiterfeld Gedenktafel 173.jpg (82216 Byte) Eiterfeld Gedenktafel 170.jpg (84318 Byte) Eiterfeld Gedenktafel 171.jpg (60839 Byte)
Die (kaum erkennbare) kleine Gedenktafel in Eiterfeld "Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Eiterfeld 1701-1939"    
      
Namenstafel (seit  2009)  
(Foto: Margaretha Reifert-Lutz)  
 Eiterfeld Gedenktafel n010.jpg (414273 Byte) Eiterfeld Gedenktafel n010a.jpg (184699 Byte) Eiterfeld Gedenktafel n010b.jpg (175651 Byte) 
  2009 wurde die bisherige Gedenktafel (links) durch eine Namenstafel (rechts) ergänzt mit dem Text: "Wir gedenken unserer jüdischen Mitbürger. Katz - Lomnitz - Müller - Nussbaum - Oppenheimer - Rapp - Rosenstock - Schuster - Strauss - Weinberg - Wiesenfelder".  

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Mai 2012: In Buchenau werden "Stolpersteine" verlegt   
Artikel in der "Hersfelder Zeitung" vom 29. Mai 2012: "Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine gegen das Vergessen in Buchenau. Verbeugung vor Opfern. 
Buchenau
. Vor 70 Jahren, im Jahr 1942 wurden von den Nazis fünf jüdische Buchenauer verschleppt. Zum Gedenken sind jetzt vor ihrem ehemaligen Wohnhaus an der Hermann Lietz Straße 3 Stolpersteine verlegt worden - fünf Gedenksteine mit der Namen der später Ermordeten wurden in den Boden gepflastert: Helene, Feilchen, Berta, Malchen und Levi Rosenstock..." 
Link zum Artikel       

 
   


Links und Literatur

Links: 

Website der Gemeinde Eiterfeld  
Website von Margaretha Reifert-Lutz zur jüdischen Geschichte in Eiterfeld:  http://juden-in-eiterfeld.de/    
Liste der jüdischen Bürgerinnen und Bürger des Altkreises Hünfeld, die Opfer des Holocaust wurden  
Website von Elisabeth Sternberg-Siebert zu Buchenau und Eiterfeld    
Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter "Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Rosenstock in Buchenau (unter Forschungen Horst Rosenstock)   
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Eiterfeld (Kibbuz Betzenrod)  

Quellen:    

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Eiterfeld mit Buchenau 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Buchenau sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,115   Trauregister der Juden von Buchenau   1825 - 1864      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3926559    
HHStAW 365,116   Sterberegister der Juden von Buchenau  1825 - 1877     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289743    
HHStAW 365,114   Geburtsregister der Juden von Buchenau  1825 - 1881   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900682    

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 153-154.
Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 12. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 363-364.
Elisabeth Sternberg-Siebert: Jüdisches Leben im Hünfelder Land - Juden in Burghaun. Petersberg 2001. online: Liste der Opfer des Holocaust.  
Seite zu Eiterfeld mit Fotos 
Fulda Lit 140.jpg (118420 Byte) Juden in Deutschland und 1000 Jahre Judentum in Fulda
hrsg. von Michael Imhof.  Zukunft Bildung Region Fulda e. V. 
Erschienen im Michael Imhof Verlag Petersberg 2011.  
24 x 30 cm, 440 Seiten, 700 S/W und 200 Farbabbildungen, Hardcover. ISBN 978-3-86568-673-2 
(D) 44,00 €   CHF 62,90  (A) 45,25 €  
Zu Eiterfeld Beitrag von Elisabeth Sternberg-Siebert S. 291-297.  Zu Buchenau Beitrag von ders.. S. 283. 

      
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Eiterfeld  Hesse-Nassau. The Jewish community, numbering 105 (18 % of the total) in 1885, maintained an elementary school (1861-1933) and absorbed the last Jews in Buchenau and Erdmannrode, shouldering the burden of their debts (1928). The once larger Erdmannrode community - numbering 1928 in 1861 - dwindled to one family in 1927. Owing to Nazi persecution, Eiterfeld's expanded community disbanded ten years later und by November 1938 most of the Jews had left. 
   
     

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                    

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. August 2017