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Bad Kreuznach
(Kreisstadt, Rheinland-Pfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge
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zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bad Kreuznach
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Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In (Bad) Kreuznach bestand eine jüdische Gemeinde bereits im
Mittelalter. Erstmals werden Juden in der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts genannt. Aus unbekannten Gründen erlitt am 31. März 1283
ein Ephraim ben Elieser ha-Lewi den Märtyrertod auf dem Rad. Mehrere jüdische
Einwohner sind als Geldverleiher genannt. Eine größere Gemeinde bildete sich
erst 1336. 1338 wird ein Rabbiner der Gemeinde genannt. Bei der Judenverfolgung
in der Pestzeit 1348/49 wurden auch in Bad Kreuznach Juden ermordet.
Danach wird erstmals wieder 1375 ein jüdischer Einwohner genannt. In der ersten
Hälfte des 15. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Familien von drei
auf etwa zehn zu. Unter den bekannten Juden der Stadt ist Gottschalk von
Katzenelnbogen zu nennen, der 1397 dem Frankfurt Rat 600 Gulden lieh, 1385
dem Mainzer Erzbischof 300 Gulden.
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| Erinnerung an die
mittelalterliche Geschichte: "Gottschalk des Juden Haus"
(Gottschalk starb ca. 1408 in Frankfurt/Main). Das Haus wurde in den folgenden Jahrhunderten
mehrfach umgebaut |
1525 wurde den Juden neben dem Geldverleih auch der Handel als
Erwerbsquelle gestattet. In der Mitte des 18. Jahrhunderts (1746) zählte die
jüdische Bevölkerung etwa 30 Familien.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts, als sich Bad Kreuznach zur
wichtigsten jüdischen Gemeinde der Region entwickelte, betrug die Zahl der
jüdischen Einwohner: 1808 286 1848 506, 1880
601 (bei einer Gesamteinwohnerschaft von
15.321).
Die jüdischen Einwohner hatten von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
bis zum Ende der Weimarer Republik eine hervorragende Rolle im
wirtschaftlichen Leben der Stadt inne. Mehrere Kaufhäuser und zahlreiche Gewerbe-
und Handelsbetriebe waren in jüdischem Besitz. Es gab mehrere jüdische Ärzte und
Rechtsanwälte.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Vorbeter, Schochet
und Lehrer angestellt (siehe Ausschreibungen der Stelle auf Textseite).
Bad Kreuznach war Sitz eines Bezirksrabbiners. Unter den Rabbinern werden
genannt: S. Bamberger (um 1863), Dr. Enoch (ca. 1885-1887), Dr. Abraham J. Tawrogi (1887-1927), Dr. Abraham Jacobs
(letzter Rabbiner von 1927 bis zur Auflösung der Gemeinde in der NS-Zeit).
Mitte der 1920er-Jahre gehörten etwa 600 Personen zur jüdischen
Gemeinde der Stadt (2,2 % von etwa 27.000 Einwohnern). Dem Synagogenvorstand gehörten
damals an: Adolf Marx, Isidor Haas, Nathan Levy, Adolf Rothschild; der Repräsentanz
gehörten an: Julius Vogel, Stadtrat Heinrich Wolff, Hugo Frank, Leopold Strauß,
Josef Haymann, Josef Strauß, Heinrich Lieben, Emil Wolff I., Max Dach, Dr. med.
Kullmann. Rabbiner war Dr. A. J. Tawrogi, Lehrer und Kantor R. Bachrach sowie
Lehrer und Hilfs-Kantor M. Brodreich. Die Religionsschule unter Leitung des
Rabbiners wurde von 43 Kindern besucht. Anfang der 1930er-Jahre war 1.
Vorsitzender der Gemeinde Karl Heymann, 2. Vorsitzender Isidor Haas, Schriftführer
Julius Wolf. Der Repräsentanz unter den Vorsitzenden Heinrich Lieben und Max
Bach gehörten insgesamt neun Mitglieder an. Inzwischen war als Rabbiner Dr.
Jacobs tätig, als Lehrer und Kantor Leo Jankelowitz. Zum jüdischen
Gemeindeleben gehörten auch mehrere Vereine, unter den sozial engagierten
Vereinen insbesondere der Armenunterstützungsverein, der Verein Biger
Cholim (gegründet 1803), eine Chevra Kaddischa (gegründet 1760 zur
Unterstützung Hilfsbedürftiger und für das Bestattungswesen) sowie der Israelitische
Frauenverein (gegründet etwa 1830). An weiteren Vereinen gab es einen Centralverein
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, einen Jüdischen
Jugendverein und den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Die Jüdische
Kinderheilstätte in der Roonstraße 50 hatte 118 Plätze. Der
Religionsunterricht wurde 1932 von 75 Kindern besucht.
1933 wurden 713 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der Boykottmaßnahmen
durch die Nationalsozialisten verließen alsbald zahlreiche der jüdischen
Einwohner die Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Synagoge sowie
zahlreiche jüdische Geschäfte und Häuser demoliert. Mitte 1939 waren noch 200
jüdische Einwohner in der Stadt. Von ihnen wurden zwischen 1942 und Anfang 1945
fast alle deportiert.
Neue Gemeinde nach 1945:
Nach 1945 wurde eine zunächst sehr kleine jüdische Gemeinde in Bad
Kreuznach wieder begründet. 1947 bestand sie aus 23 Mitgliedern. Zwischen 1950
und 1960 wuchs sie auf 150 Personen an, von denen die meisten in den folgenden
Jahren verstarben oder abwanderten, sodass 1980 nur noch 15 Gemeindeglieder in
der Stadt wohnten. Mit dem Zuzug von jüdischen Kontingentflüchtlingen aus den
GUS-Ländern nahm die Zahl in den 1990er-Jahren wieder zu. Eine neue Synagoge
für die im Bereich Bad
Kreuznach/Birkenfeld lebenden jüdischen Personen konnte am 20. September
2002 in einer früheren Kapelle der amerikanischen Streitkräfte in der Alzeyer Straße eingeweiht werden.
Die Kapelle wurde
bereits während der Garnisonszeit auch für jüdische Gottesdienste
verwendet. 2002 hatte die neue Gemeinde etwa 160 Mitglieder, im Februar
2007 waren es 204 Mitglieder, davon 95 % Zuwanderer aus den GUS-Ländern.
In der Stadt Bad Kreuznach finden immer wieder Veranstaltungen zur
Unterstützung der jüdischen Gemeinde und ihrer Integrationsarbeit statt, so
ein Benefizkonzert am 2. März 2007, veranstaltet von der Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Bad Kreuznach. Im Blick auf den Erlös
des Konzertes wurde bestimmt, dass Einrichtungen der jüdischen Gemeinde
gefördert werden (Treff für junge Familien, Klub für Senioren und für junge
Menschen, aber auch Religionsunterricht und dafür bestimmte
Unterrichtsmaterialien).
Zur Geschichte der Synagogen
Bereits vor der Verfolgung in der Pestzeit war vermutlich ein Betsaal
oder eine Synagoge vorhanden.
Anfang des 15. Jahrhunderts (1404) gab es beim Feiern der
Gottesdienste Schwierigkeiten, da nach einem
zeitgenössischen Bericht noch kein Minjan (zehn erwachsene jüdische Männer)
in der Stadt vorhanden war. Damals mietete die Judenschaft für die Festtage einen Vorsänger
und zusätzliche Männer aus Dörfern der Umgebung. Nach einem Bericht von 1482
war eine Synagoge ("Judenschule") vorhanden: der Betsaal der Männer
befand sich damals zusammen mit der
Frauensynagoge, der Wohnung der Synagogendieners und der Mikwe in einem
Gebäudekomplex. Möglicherweise stand diese Synagoge bereits auf dem Grundstück des Nachfolgebaus in
der Fährgasse 2.
Eine Synagoge in der Fährgasse 2 (damals "kleine Eselsgass")
wird erstmals 1715 genannt.
An ihrer Stelle wurde 1737 eine barocke Synagoge erbaut. Es
handelte sich um einen einfachen Putzbau mit zwei hohen Rechteckfenstern und
einem kleinen Oculus an der Seite zur Fährgasse.
Patriotische Feier in der Synagoge - Tag der
Erbhuldigung und des Geburtstagesfestes des Landesvaters (1840)
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1844 wurde die Synagoge renoviert und sollte
eigentlich am Tag vor dem Neujahrstag 5605, das heißt am 13. September 1844
feierlich eingeweiht werden, was jedoch auf Grund einer Intervention des
Rabbiners unterblieb.
Die (unterbliebene) Einweihung der Synagoge nach der umfassenden Renovierung
1844
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7 Oktober 1844:
"Kreuznach, 16. September (1844). Mit wahrer Freude sehen wir heute,
wie unsere noch vor sieben Monaten im verfallenen Zustande befundene
Synagoge durch neue Restauration sehr schön geordnet ist, und alles, was
zur Verschönerung und Zweckmäßigkeit derselben geschehen ist, lässt
nichts mehr zu wünschen übrig. Dank dem neuen Vorstande für seine
Regsamkeit, die er dabei gezeigt, und wünschenswert wäre es, wenn der
Gottesdienst recht bald ebenso schon geregelt würde, wie es das
freundlich schöne Bethaus geworden ist. So rasch auch die Arbeiten der
Synagoge betrieben wurden, so konnte der Ausbau doch erst in der Woche vor
Rosch Haschana (Neujahrstag) beendigt werden und zur Einweihung des
Tempels, worin Rosch Haschana der Gottesdienst unumgänglich zu
halten nötig war, blieb keine andere Zeit, als am Vorabende des Rosch
Haschana, nämlich Freitags vor Sman HaMincha (Freitags vor der
Zeit des Nachmittagsgebetes). Mehrere Sänger und Musiker aus der
israelitischen Gemeinde, mit ihnen an der Spitze der treffliche Vorsänger
Herr Ochs erhielten von dem löblichen Vorstande die Erlaubnis, einen Chor
zu bilden um die Einweihung durch Absingen einiger Psalmen mit
Musikbegleitung zu verherrlichen.
Als man sich mit der Anordnung dieser Festesbegehung beschäftigen wollte,
kam das Verbot des Herrn Rabbiners, 'er könne die Einweihung des Tempels
durch Gesang mit Musikbegleitung am Erew Rosch Haschana
(Vorabend/Vortag vor dem Neujahrstag) nicht erlauben', an. Daraufhin
unterblieb jede Zeremonie einer Einweihung und die Synagoge wurde an Erew
Rosch Haschana zum erstenmal besucht, um den Gottesdienst abzuhalten, was
die Herzen vieler Gutgemeinten wirklich betrübte. Man beruhigte sich zwar
mit dem Verbot des Rabbiners, weil er dasselbe doch ohne Grund nicht
erlassen haben würde; da er einen solchen aber nicht namhaft gemacht hat,
so dürfte es wohl nicht unangemessen sein, denselben zu bitten, 'er möge
so gefällig sein und uns in der Zeitung des Judentums gütigst anzeigen,
aus welcher Ursache es nicht erlaubt werden könnte, am Erew Rosch
Haschana kodem Mincha (am Nachmittag des Tages vor dem Neujahrsfest)
eine Synagoge durch Gesang und Musikbegleitung einzuweihen? Namens
mehrerer Gemeindemitglieder." |
| Die Antwort von Rabbiner Joseph Hirsch |
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25.
November 1844: "Kreuznach, 24. Oktober (1844). Auf die Anfrage
einiger Mitglieder meiner Gemeinde in No. 41 dieses Blattes, kann ich
Ihnen schriftlich nur dieselbe Antwort erteilen, die ich auch mündlich
gegeben. Ich hielt es nämlich aus religiösen Gründen, gestützt auf die
Stelle im Traktat Rosch Haschana fol. 32b für unstatthaft, am
Vorabende des Rosch Haschana, am Tage des göttlichen Gerichtes
über Leben und Tod, vor dem allmächtigen Weltenrichter mit Musik zu
erscheinen. Auch Erew Rosch Haschana ist ein Fast-, Buß- und
Bettag. - Lieb, sehr lieb wäre es mir daher gewesen, wenn man nach meinem
Wunsch die Einweihung am Tage vor Erew Rosch Haschana (gemeint also
Donnerstag) abgehalten hätte, und noch lieber - wenn das bescheidene X
statt schriftlich mich mündlich um meine Meinung ersucht hätte, obgleich
ich das Licht der Öffentlichkeit nicht scheue. Joseph Hirsch,
Rabbiner." |
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Gottesdienstregelungen unter Rabbiner Dr.
Enoch (1885)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1885:
"Kreuznach, im Juli (1885), Unser Rabbiner, Herr Dr. Enoch, Sohn des
verstorbenen Provinzialrabbiners Dr. Enoch - das Andenken an den Gerechten
ist zum Segen - in Fulda, hat es schon in der kurzen Zeit seiner hiesigen
Wirksamkeit verstanden, den religiösen Sinn in der Gemeinde zu wecken.
Während sonst in den Wochentagen unser Gotteshaus verschlossen blieb
findet nunmehr jeden Nachmittag und am Montag und Donnerstag auch in der
Frühe Gottesdienst statt. Ich rufe unserem Rabbinen auf aufrichtiges 'sei
stark und fest' zu; bei dem reichen Feld segensreicher Tätigkeit, das
unsere Gemeinde bietet, unterliegt es keinem Zweifel, dass ein
beharrliches und ernstes Streben im Sinne unserer altehrwürdigen Religion
von dem besten Erfolg gekrönt sein wird." |
Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es mehrfach Pläne, eine
neue Synagoge zu erstellen. Doch wurden die Pläne nicht ausgeführt - die
barocke Synagoge wurde bis 1938 als Gotteshaus der jüdischen Gemeinde
verwendet. 1935 wurde die Synagoge als Kulturdenkmal erfasst.
1937 konnte noch die 200-Jahrfeier der Synagoge in bescheidener
Weise gefeiert werden:
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1937:
"Synagogenjubiläum in Bad Kreuznach. Bad Kreuznach, 18. Dezember
(1937). Am Schabbos wajechi (Schabbat mit der Toralesung wajechi,
das war 18. Dezember 1937) nach Nacht, traf pünktlich im eleganten
Reiseauto der Synagogenchor der Frankfurter Israelitischen
Religionsgesellschaft zu einem Gastspiel hier ein. Die altehrwürdige
zweihundertjährige Synagoge war von Einheimischen und Gästen aus der
Umgegend dicht gefüllt. Mit dem Ma towu-Gesang überreichte uns
der Chor zunächst seine Visitenkarte. Dann sprach Herr Rabbiner Dr.
Jakobs kurze Begrüßungsworte an die Frankfurter Gäste und die
erschienenen Zuhörer. Anlehnend an die heute verlesene Sidro gab
der Herr Rabbiner Erklärungen hierzu so wieder, wie Herr Dr. Jakobs sie
selbst teilweise von seinem verewigten Lehrer, Rabbiner Dr. Salomon Breuer
- das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - vernommen hat und ermahnte
dabei die Anwesenden, trotz der schweren Zeit so wie Jaakow owinu
(Jakob unser Vater) nie zu verzagen, auf Gottes Beistand zu bauen, eine
Religion der Tat zu leben, um so Trost für die ferneren Zeiten zu finden.
Nach einem weiteren Gesang machte der Dirigent, Herr Max Neumann, in einem
kurzen, klar gefassten Referat die Hörer bekannt mit der Entwicklung der
synagogalen Musik und Gesangesweisen. Als Chordirigent lieferte er den
Beweis, wie Gesang und Religion, harmonisch vereint, den Menschen über
sich selbst hinaus erheben kann. Es folgten dann die verschiedenen
Gesangsvorträge und es ist erstaunlich, mit welcher Meisterschaft Herr
Neumann seinen aus etwa 20 Herren und 30 Knaben bestehenden Chor leitet.
Die Darbietungen werden mit größter rhythmischer Präzision,
ausgezeichnet gegeneinander abgestimmter Tonstärke der einzelnen Stimmen
und tiefstem Verständnis für die Eigenart der verschiedenen
Gesangsstücke gegeben. Ernste Chöre wechselten mit Solodarbietungen
frohen Charakters ab, wobei die Solostimmen bald von Erwachsenen, bald von
Knaben gesungen, vom Chor eine feinsinnige Untermalung
erhielten.
Es war ein auserlesener Abend für die Gemeinde und auch den Fernstehenden
ging eine Ahnung auf von der Kraft und der Innigkeit unserer Gebete, und
so wurde die Veranstaltung hier zu einer wertvollen jüdischen
Bereicherung. Diesem Empfinden gab auch Herr Karl Heymann als Vorstand mit
kurzen Dankesworten Ausdruck. Bei einem kleinen Imbiss blieb man nachher
im Gemeindehaus noch einige Zeit gemütlich zusammen, bis dann die
älteren Mitglieder wegen der vorgerückten Zeit auf Heimfahrt drängten.
Wir sagen auf diesem Wege nochmals Herrn Neumann und allen Chormitgliedern
für das uns so wunderbar Gegebene unseren innigsten Dank. S-r." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge
völlig zerstört, nach nicht eindeutigen Aussagen von Zeitgenossen kam es auch
zu einer Brandstiftung. Einen Monat später ging das Gebäude in den Besitz des
Mühlenbesitzers Thress über. Er plante zunächst einen Umbau des Gebäudes zu
Wohn- und Lagerzwecken (Baugesuch vom 5. August 1939), doch kam es offenbar
nicht zur Ausführung. Im Zweiten Weltkrieg (1943) wurde die ehemalige
Synagoge als Kriegsgefangenenlager zweckentfremdet. Gegen Kriegsende
wurde das Gebäude durch einen Bombentreffer offenbar weitgehend zerstört. Um
1950 stand nur noch ein Teil der Umfassungsmauern. 1953/54 brach der
Eigentümer das Gebäude bis auf einen Mauerrest ab; 1975 wurde auch dieser Rest
beseitigt. Eine Gedenktafel wurde angebracht. Die Gedenktafel für die
jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus der Synagoge wurde an einer
Außenwand der Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Fährgasse 2
Fotos
(schwarz-weiße Fotos aus "und dies ist die Pforte des
Himmels" s.Lit. S. 87-88;
farbige Fotos Hahn, Aufnahmedatum 30.3.2005)
| Die 1737 erbaute Synagoge in
der Fährgasse |
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| Die barocke Synagoge in der
Fährgasse |
Blick in die Synagoge |
Toraschrein der Synagoge |
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Die Zerstörung der Synagoge: 1938 -
1953/54 - 1975
(siehe Text oben) |
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Reste der Umfassungsmauer der
Synagoge (um 1950) |
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| Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge 2005 |
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| Blick auf das ehemalige
Synagogengrundstück |
Gedenkstein mit
Inschrift: "An dieser Stelle stand seit 1737 die Synagoge der
Jüdischen Kultusgemeinde Bad Kreuznach. Sie wurde in der Nacht vom 8. auf
den 9. November 1938 durch Brandlegung zerstört. Diese Tafel wurde
angebracht zum Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, die in den Jahren
des Dritten Reiches vertrieben oder umgebracht wurden. Rat und
Bürgerschaft der Stadt Bad Kreuznach". |
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| Die neue Synagoge 2002 |
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Innenansicht der Synagoge mit
der Inschrift "Sch'ma Jisrael..." |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juli 2009: Denkmal
mit den Namen der in der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Bad Kreuznacher
auf der Alten Nahebrücke beschlossen |
Artikel vom 14. Juli 2009 in der
"Allgemeinen Zeitung" (Artikel)
Stele mit Namen der Opfer.
BAD KREUZNACH. GEDENKEN - Dauerhafte Erinnerung an jüdische Mitbürger auf der Alten Nahebrücke
(red). Die namentliche Erinnerung an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger von Bad Kreuznach, die Opfer des Naziterrors wurden, erhält einen festen Ort auf der Alten Nahebrücke. "Wir möchten an einer exponierten Stelle mitten in unserer Stadt an diese Menschen dauerhaft erinnern", erläuterte Kulturdezernentin Helga Baumann dem Kulturausschuss in seiner letzten Sitzung einen
Gestaltungsentwurf. Auf der alten Nahebrücke wird eine Stele installiert. Auf ihr werden die Namen von 155 Männern, Frauen und Kindern erfasst, die nachweislich ihr Leben durch die national-sozialistische Gewaltherrschaft verloren. Um den visuellen Eindruck in den Abendstunden zu betonen, wird die Stele von innen beleuchtet. Dieses Konzept fand die einhellige Zustimmung der Mitglieder des Kulturausschusses.
Ausgangspunkt der Überlegungen innerhalb eines Arbeitskreises war der Vorschlag von Dr. Michael Vesper, die alte Nahebrücke als verbindendes Element der Stadt auch zum Ort der Erinnerung an Zelemochum zu machen.
Der Leiter der Bauverwaltung und Arbeitskreismitglied, Bernhard Unholtz, präsentierte dem Ausschuss seine Planung. Auf einer 2,30 bis 2,50 Meter großen Stele aus Stahl (60 Zentimeter Durchmesser) werden die 155 Namen zu lesen sein. "Die Werkstatt der Lebenshilfe in Bad Kreuznach ist für eine solche Arbeit bestens ausgestattet", so Unholtz. Installiert werden soll die Stele auf dem alten Teil der Nahebrücke neben dem Eckhaus zur Kurhausstraße.
Die Ausschussmitglieder drängten darauf, mit einer Realisierung nicht auf die Brückensanierung zu warten und wollen dieses Anliegen in ihren Fraktionen vertreten.
Diese Planung ist das Resultat eines Abstimmungsprozesses in einem von der Kulturdezernentin einberufenen Arbeitskreis. Ihm gehören die "kreuznacher diakonie" und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit an. Dazu wirkten Vertreter der Förderschule am Ellerbach, der Berufsbildenden Schule Wirtschaft, des Lina-Hilger-Gymnasiums, des Gymnasiums am Römerkastell, der Alfred-Delp-Schule, der Stadt und der TuM mit. Der Arbeitskreis setzte sich mit der Frage auseinander, ob eine persönlich namentliche Erinnerung - wie sie schon seit Jahren am 9. November zu den Gedenkstunden gehört - mit einer dauerhaften Stätte verbunden werden kann.
Schnell war man sich einig, dass im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Deutschland nicht die "Stolpersteine" gewählt werden sollen, sondern man nach einem eigenen Weg suche, so Helga Baumann. Letztlich entschied sich der Arbeitskreis für den Standort Alte Nahebrücke und den daraufhin entwickelten Gestaltungsvorschlag.
Die "kreuznacher diakonie" begrüßt diese Entscheidung: "In anderen Städten werden Stolpersteine ins Pflaster eingelassen", kommentierte Sprecher Georg Scheffler-Borngässer im Ausschuss, "für Bad Kreuznach finden wir unsere Lösung schöner, wir erinnern an jeden einzelnen Menschen, von dem wir wissen. Wir schaffen neben den anderen Gedenkstätten einen würdigen Platz in der Stadt."
Auch die christlich-jüdische Gesellschaft sieht ihr Anliegen in dem Planungsentwurf verwirklicht: "Hervorzuheben ist die Gesamtkonzeption, die Präsentation der jüdischen Namen, die materiell und visuell gelungene Darstellung und der Standort auf der alten Nahebrücke", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft, Wolfgang Piechota, dem Kulturausschuss. Die Stele eigne sich als Anschauungsort für Lerngruppen, etwa aus Schulen, und als Ausgangspunkt für entsprechende Stadtrundgänge.
Im Arbeitskreis will man dafür an einem Konzept arbeiten. "Es ist ganz wichtig, dass wir weiterhin für die Gedenkarbeit junge Menschen gewinnen", wünscht sich die Kulturdezernentin, dass der von ihr eingeschlagene Weg fortgesetzt wird." |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 |
Germania Judaica II,1 S. 456f und II,1 S. 782-783 (Art. zu Sponheim);
III,1 S. 686-690. |
 | Andrea Fink: Jüdische Familien
in Kreuznach. Vom 18. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Bad Kreuznach
2001. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 69-72 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 |
Artikel in der Allgemeinen Zeitung vom 23.2.2007 "Hilfe für
jüdische Gemeinde. Erlös aus Benefizkonzert fließt in Integrationsarbeit und
Schulungen").
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Bad Kreuznach Rhineland.
A number of Jewish moneylenders were present in the 13th century. In 1336 Count
Sponheim was authorized to settle 60 Jews on his estate and in 1338 the
community had its own rabbi. The community ended in the Black Death persecutions
of 1348-49, when the Jews were murdered or expelled. Jews were again present in
the last quarter of the 14th century but in 1404 all were arrested and their
property confiscated. Jews were arrested again 1434, when the community included
around ten families.
In 1525, the Jews were allowed to engage in trade in addition to moneylending. A
new cemetery was opened in 1661 and a synagogue that remained in use for 200
years was constructed in 1737. In 1746, the Jewish population reached 30
families.
In 1808, under French rule, the number of Jews increased to 286 with the
community becoming one of the most important in the region. In the same year it
was attached to the Bonn Consistory. A private Jewish school was opened in 1820
but it soon closed and other attempts to establish Jewish schools failed. A
community center was built in 1844-45. Most Jews engaged in trade. The Jewish
population subsequently grew to 506 in 1848 and 601 (total 15,321) in 1880. In
the Weimar period, the economic position of the Jews remained satisfactory.
Although there were doctors, lawyers, artisans, and brokers, most remained
tradesmen, selling textiles, shoes, furniture, hardware, musical instruments,
household silver, and antiques. There were also butchers and wine and grain
merchants. Jews were members of local choirs and sports clubs, the Baruch
brothers winning national and European championships in weightlifting and
wrestling. A Jewish school for religious education enrolled 75 children in 1932.
The communities of Muenster am Stein and Planig were attached to the
congregation.
In 1933, the Jewish population was 713 but already in the first months of Nazi
rule about 200 Jews left the city. A children's sanatorium founded in 1920
became one of the two largest in Germany for Jewish children with 118 beds in
1933. Social and cultural life continued to flourish in the Nazi era. A Zionist
group was founded in 1933 and numerous courses were offered in the community. A
Jewish public school was opened in 1937 with 34 schildren. However, unrelenting
anti-Jewish agitation accompanied daily life. On Kristallnacht (9-10
November 1938), the children's sanatorium was shut down for good and SA troops
and Hitler youth wrecked the synagogue and caused serious damage to at least 22
Jewish homes and stores. Jewish men were sent to the Buchenwald and Dachau
concentration camps. Jewish emigration continued throughout the period. In
mid-1939, barely 200 Jews remained. Those who stayed were deported to the east:
58 on 1 May 1942; 16 on 14 June; 50 on 28 July; and two in January 1945.

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