Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hünfeld (Kreis Fulda)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
(erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Sternberg-Siebert) 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Verschiedene Mitteilungen  
Spendenaufruf  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge  
Fotos 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur 

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
      
In Hünfeld bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Doch lebten bereits im Mittelalter vereinzelt jüdische Personen in Hünfeld (seit 1310 Stadtrecht). Sie unterstanden dem Kloster Fulda. Ein Salman von Hünfeld quittierte 1343 vor dem Gericht zu Frankfurt die Rückzahlung einer Schuld durch Jutta, Tochter Sannels von Mainz. 
  
1734 werden wieder wenige Juden in der Stadt genannt. 
 
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1822 31 jüdische Einwohner (1,7 % von insgesamt 1.800), 1827 42 (2,2 % von 1.833), 1861 32 (1,8 % von 1.793), 1871 60 (3,7 % von 1.630; seit 1868 Zuwanderung mehrerer Familien aus umliegenden Dörfern), 1885 126 (6,9 % von 1.828), 1895 74 (4,4 % von 1.668; die starke Abwanderung hatte im Zusammenhang mit den Stadtbränden 1886 und 1888 eingesetzt), 1905 65 (3,3 % von 1.979). Die jüdischen Familien lebten bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als kleine Händler, Hausierer usw. in armseligen Verhältnissen. Anfang der 1880er-Jahre lebten nur fünf der damals 16 jüdischen Familien in etwas besseren Verhältnissen. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.),  ein Gemeindehaus mit Schule und Lehrerwohnung sowie ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Burghaun beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer (ab 1889: Elementarlehrer) angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die jüdischen Kinder Hünfelds hatten gemeinsam mit denen aus Mackenzell zunächst die 1867 eröffnete jüdische Schule in Burghaun besucht, in Hünfeld gab es zunächst nur eine Religionsschule (1872-73 für 20 Kinder, 1879-82 für etwa 30 Kinder). In den 1870er-Jahren besuchten die jüdischen Kinder die katholische Schule. Nachdem diese in den 1880er-Jahren auf Grund der in dieser Zeit 36 bis 40 schulpflichtigen jüdischen Kinder überfüllt war, wurde 1889 eine einklassige jüdische Elementarschule eingerichtet. Als Elementarlehrer unterrichtete von 1889 bis 1904 Lehrer Isidor Lorge. Sein Nachfolger war Liebmann Braunschweiger. Dieser hatte seit der Zeit um 1900 nur noch wenige Kinder zu unterrichten (1900 8, 1902 4, 1905 3). 1924 wurde die jüdische Elementarschule aufgelöst, zuletzt waren noch fünf Kinder in der Schule (an der Religionsschule 12 Kinder). Lehrer Braunschweiger war nach Auflösung der Elementarschule in den folgenden Jahren weiterhin als Religionslehrer und Kantor tätig. - Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Fulda. Innerhalb des Rabbinatsbezirkes wurde für den Kreis Hünfeld ein jüdischer Kreisvorsteher gewählt.   
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Vizefeldwebel Adolf Kaufherr (geb. 10.8.1887 in Hünfeld, gef. 26.9.1918). Außerdem ist gefallen: Siegmund (Simon) Plaut (geb. 4.3.1877 in Hünfeld, vor 1914 in Fulda wohnhaft, gef. 29.10.1918). 
   
Um 1924, als noch 63 jüdische Einwohner gezählt wurden (2,5 % von insgesamt 2.482 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Hermann Katz. An jüdischen Vereinen bestanden der Männerverein (Männer-Chewroh, 1924 unter Leitung von Albert Katz, 16 Mitglieder; 1932 unter Leitung von Isack Steinberger) und der Frauenverein (Frauen-Chewroh, 1924 unter Leitung von Klara Katz, 19 Mitglieder; 1932 unter Leitung von Jeanette Tannenbaum). 1932 war Gemeindevorsteher weiterhin Hermann Katz. Im Schuljahr 1931/32 besuchten neun Kinder den jüdischen Religionsunterricht (weiterhin durch Lehrer Braunschweiger erteilt, der damals auch als Schatzmeister der Gemeinde genannt wird).
    
1933 lebten noch 55 jüdische Personen in Hünfeld (2,0 % von 2.773 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der in Hünfeld besonders starken Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die im November 1938 noch ortsanwesenden jüdischen Männer wurden nach dem Novemberpogrom in das KZ Buchenwand verschleppt, wo der 61-jährige Wolf Plaut am 12. Dezember 1938 ermordet wurde. 1939 waren nur noch zehn jüdische Personen am Ort. Neun Personen wurden 1941 von Hünfeld aus deportiert und in Vernichtungslager verschleppt.
    
Von den in Hünfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Czerne Bienstein geb. Drokoschunsky (1876), Meier Bienstein (1876), Helene Braunschweiger (1870), Clara Emanuel geb. Flörsheim (1886), Berta Frank geb. Steinberger (1875), Meta Meier geb. Strauss (), Ida Nussbaum geb. Mann (1873), Jenny Nussbaum geb. Plaut (1883), Julius Nussbaum (1869), Max Oppenheim (1892), Max Plaut (1874), Minna Plaut (1885), Nathan Plaut (1887), Wolf Plaut (1877), Dina Saalberg geb. Steinberger (1887), Hulda Steinberger geb. Rabenstein (1886), Isaak Steinberger (1882), Emilie Strauss (1927), Helene Strauss (1874), Josephine Strauss (1871), Marga Strauss (1928), Natan Strauss (1874), Jakob Weinberg (1881), Manfred Weinberg (1923), Rosele Weinberg (1907), Samuel (Salli) Weinberg (1906), Frieda Wertheim geb. Wertheim (1876), Isaak Wertheim (1867), Isaak Würzburger (1900), Klara Würzburger geb. Weinberg (1908). 
     
Am Rathaus in Hünfeld wurde 1985 eine Gedenktafel zur Erinnerung an die früheren jüdischen Einwohner angebracht mit der Inschrift: "In Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger von Hünfeld, die Opfer der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus 1933-1945 geworden sind. Hünfeld im Jahre 1985. Der Magistrat der Stadt Hünfeld."
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde    
  

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters /Schochet 1884 / 1885 / 1889 / 1903  

Huenfeld Israelit 18021884.jpg (61473 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1884: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters in der israelitischen Gemeinde der an der Bebra-Frankfurter Bahn gelegenen Kreishauptstadt Hünfeld, ist sofort zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein jährliches fixes Gehalt von Mark 500 und außerdem für das Schächten ein garantiertes Einkommen von jährlich Mark 350 verbunden. Auch steht geräumige Wohnung im Gemeindehause nebst Garten, zunächst gegen geringe Vergütung zur Verfügung. Bewerber wollen ihre Gesuche nebst nur beglaubigten Abschriften ihrer Zeugnisse an die unterzeichnete Stelle richten. 
Fulda, 14. Februar 1884. Provinzial-Vorsteheramt der Israeliten. Dr. M. Cahn, vt. Tannenbaum."
Offenbar war die Stelle nicht leicht zu besetzen. Im folgenden Jahr 1885 wurde sie erneut ausgeschrieben, diesmal mit einem höheren Gehaltsangebot von fixen 600 Mark:  
Huenfeld Israelit 27071885.jpg (82496 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1885: "Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters in der israelitischen Gemeinde der an der Bebra-Frankfurter Bahn gelegenen Kreishauptstadt Hünfeld ist sofort zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein jährliches fixes Gehalt von Mark 600 und außerdem ein für das Schächter garantiertes Einkommen von jährlich Mark 350 verbunden. Auch steht geräumige Wohnung im Gemeindehaus nebst Garten, zunächst gegen geringe Vergütung zur Verfügung. Bewerber haben ihre Gesuche nebst Zeugnisse, diese in beglaubten Abschriften (nicht in Original) an die unterzeichnete Stelle zu richten. 
Fulda, 22. Juli 1885. 
Provinzial-Vorsteheramt der Israeliten. Dr. M. Cahn". 
  
Während die Ausschreibung 1885 noch der Suche nach einem Religionslehrer galt, wurde nach Genehmigung eines israelitischen Elementarschule 1889 die Stelle für einen Elementar-/Volksschullehrer ausgeschrieben.   
Huenfeld Israelit 30091889.jpg (58580 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1889: "Die israelitische Elementarlehrer- und Vorbeterstelle in Hünfeld ist alsbald zu besetzen. Mit derselben ist ein fixer Gehalt von 900 Mark und freie Wohnung nebst Garten bei derselben verbunden. Die Versehung des Schächterdienstes bringt ca. 400 Mark jährlich ein. Meldungsgesuche und Zeugnisse (letztere können vorläufig unbeglaubigte Abschriften sein) sind an die unterzeichnete Stelle zu richten.
Fulda, 18. September 1889. 
Vorsteheramt der Israelit Dr. M. Cahn."
Auf die Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Isidor Lorge aus Borken, der bis zu seiner Zurruhesetzung Anfang 1904 in Hünfeld tätig war. Ende 1903 erfolgte daher eine Neuausschreibung:    
Huenfeld Israelit 12111903.jpg (44962 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1903: "Die Stelle eines Elementarlehrers und Vorbeters in der israelitischen Gemeinde Hünfeld ist sofort zu besetzen. Grundgehalt 1.200 Mark. Einheitssatz der Alterszulage 130 Mark. Dienstwohnung vorhanden. Die Neben-Einnahmen aus dem Schächterdienst usw. betragen etwa 300-400 Mark. Meldungen nebst Zeugnissen sind sofort an die unterzeichnete Behörde zu richten. 
Fulda, den 9. November. 
Vorsteheramt der Israeliten
."
   
Huenfeld FrfIsrFambl 20111903.jpg (19768 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. November 1903: "Hünfeld. Elementarlehrer und Vorbeter per sofort. Grundgehalt 1.200 Mark, Alterszulage 130 Mark und Dienstwohnung. Meldungen im Vorsteheramt der Israeliten in Fulda."
Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Lehrer Liebmann Braunschweiger, der bis zu seinem Tod 1935 in Hünfeld blieb.  

   
Lehrer Lorge engagiert sich für eine jüdische Patientin des Landeshospitals Merxhausen (1900)   

Niedenstein HESSEN Israelit 01021900.jpg (94694 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1900: "Niedenstein. Es dürfte die Leser des ‚Israelit’ interessieren, von einer großen Mizwah (hier: Erfüllung eines göttlichen Gebotes), die ein wahres Gemilus chesed schel Emet (wahrhafte Wohltätigkeit) genannt zu werden verdient, zu erfahren. Ende September 1898 starb im Landeshospital Merxhausen eine Insassin israelitischer Konfession und wurde, da dieselbe an einer ansteckenden Krankheit gelitten, die den Transport der Leiche aus sanitären Gründen unmöglich gemacht, auf dem Anstalts-Friedhof beerdigt. Auf eifriges Betreiben des Provinzial-Rabbinern, Herr Dr. Cahn – Fulda und des Herrn Lehrer Lorge – Hünfeld wurde seitens der Hospital-Verwaltung gestattet, dass, nachdem die sanitären bedenken geschwunden, die Ausgrabung der Toten vorgenommen und deren Überführung und Beisetzung auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe stattfinden könne. Heute wurde nun die große Mizwah zur Ausführung gebracht, um die sich noch Herr Gustav Spiegel – Naumburg bezüglich der eigentlichen Arbeiten sehr verdient gemacht hat. Die entstandenen Kosten hat Herr Dr. Cahn, da die Unglückliche kein Vermögen hinterlassen, durch milde Gaben gutherziger Menschen aufgebracht."  

   
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Liebmann Braunschweiger (1929)   

Huenfeld Israelit 28021929.jpg (82224 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929: "Hünfeld, 8. Februar 1929. Lehrer Braunschweiger hier feierte letzte Woche sein 25jähriges Ortsjubiläum. Vorher war er 14 Jahre in Godesberg (Rhein) und Erdmannrode tätig. Die Feier zeigte, welche großer Liebe und Achtung Herr Braunschweiger sich im Kreise seiner Gemeinde und Kollegen erfreut. Die vielen Geschenke und Blumenspenden legten Zeugnis hierfür ab. - Beim Sabbatgottesdienst feierte Synagogenältester Katz in einer längeren Ansprache Herrn Braunschweiger als Lehrer und Führer der Gemeinde. Am Sonntagnachmittag fand ein Festgottesdienst statt, bei der Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn - Fulda die Festrede hielt. Lehrer Oppenheimer - Rhina überbrachte die Grüße und Gratulation der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens und des Jeschurun; Herr Berlinger - Burghaun gratulierte im Namen seiner Gemeinde (der Heimatgemeinde des Jubilars). Ihnen allen dankte Herr Braunschweiger. Abends fanden theatralische Aufführungen und ein Festessen statt."  
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 1. März 1929:  "Hünfeld. (Persönliches). Lehrer Braunschweiger beging kürzlich sein 25-jähriges Jubiläum im Dienste der hiesigen Gemeinde, die ihrem Beamten durch Veranstaltung eines Festgottesdienstes mit später folgendem geselligen Beisammensein de Dank und die Anerkennung für seine treu geleistete Arbeit zum Ausdruck brachte. Provinzialrabbiner Dr. Kahn, Fulda, hielt die Festansprache, auch Gemeindeältester Katz sprach anerkennende Worte. Ebenso übermittelte ein Vertreter der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens dem Jubilar die Glückwünsche seiner Amtsgenossen."      
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 15. Februar 1929:   
Ähnlicher Bericht wie in der Zeitschrift "Der Israelit" siehe oben.        

     
Zum Tod des Lehrers Liebmann Braunschweiger (1935)  

Huenfeld Israelit 04071935.jpg (76717 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1935: "Hünfeld, 25. Juni (1935). Am Rosch Chodesch Siwan (Monatsanfang Siwan = 2. Juni 1935) trugen wir unseren Lehrer L. Braunschweiger zu Grabe. Sowohl in Hünfeld als auch in Burghaun, wo er zur letzten Ruhe kam, hatte sich eine außerordentlich große Trauergemeinde versammelt. Aber wir, seine Gemeinde sowie seine Familie, haben den Verlust besonders schmerzlich zu beklagen. Braunschweiger war 34 Jahre Lehrer am hiesigen Ort. Allezeit lebte er in Frieden und Freundschaft mit der Gemeinde, die in Ehrfurcht zu ihrem geliebten Führer aufsah; den Kindern war er ein treuer Lehrer. Seine berufliche Tätigkeit fand jederzeit die Anerkennung der ihm vorgesetzten Behörden. Schon an Schabbat Chanukka vorigen Jahres erhielt Lehrer Braunschweiger den Chawer-Titel von Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cahn verliehen. Die beiden Söhne des Verewigten weilen schon seit längerer Zeit in Erez Jisrael (sc. damaliges Palästina). Infolge des Rosch Chodesch konnten Nachrufe nicht gehalten werden. - Einfach, still und bescheiden, wie er gelebt hatte, schied er von uns. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. S.O.Rh. (sc. Lehrer Oppenheimer, Rhina). 

  
     
Verschiedene Mitteilungen
Abschaffung einer veralteten Bestimmung (1894)  

Huenfeld Israelit 10091894.jpg (102086 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1894: Hünfeld, 2. September (1894). In den Orten des früheren Stifts Fulda besteht noch folgende Juden-Ordnung in Kraft: ‚Von Gottes Gnaden wir Amandus des Heiligen Römischen Reichs Fürst und Abt des Stift Fulda pp fügen hiermit zu wissen: §§ 33. Nachdem denen Juden eine leichte Sache ist, mehrere christliche Untertanen zur Verbürgung und Expromission deren von Christen zu fordern habender Schulden zu bewegen, hierunter aber die zeitliche Wohlfahrt deren sich als Bürger oder Selbstzähler Darstellenden großen Teils verkürzt werden kann, so wird hiermit überhaupt verordnet, dass keiner Unserer christlichen Untertanen einige Bürgschaft oder Expromission einzugehen und über sich zu nehmen ermächtigt sein solle, es sei dann, dass dessen Frau dazu vor Gericht und anders nicht ausdrücklich einwillige, ohne dass der von selbiger äußernde Widerspruch von unseren Beamten durch ihre Gutbefinden ersetzet werden möge. – Gegeben Fulda, den 29. Juli 1751. Amandus.’ Diese veraltete Verfügung und Bevormundung wirkt überaus belästigend und benachteiligend auf den Geschäftsverkehr und um diese einseitige, wohl nur im Fuldaer Land bestehende Judenordnung zu beseitigen, wird seitens der Stadt Hünfeld an den Herrn Justizminister eine Eingabe gerichtet werden, um denen Unterstützung auch die Handelskammer zu Hanau angegangen ist."

  
Satirischer Artikel auf den Antisemitismus (1895)  

Huenfeld Israelit 23051895.jpg (89585 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1895. "Hünfeld bei Fulda. Was Gutes ist an dem Antisemitismus, das muss man ihm trotz Allem doch lassen. Die zarte Rücksichtnahme auf das jüdische Kapital, die derselbe hier bekundete, möchten wir allen Judenfeinden im Deutschen Reiche auf das Wärmste zur Nacheiferung empfehlen. Wurde dahier vor einiger Zeit eine Zuckerfabrik mit einem Aktienkapital von zwei Millionen begründet. An Juden wurden Aktien des neuen Unternehmens nicht angegeben und einem Nachkommen Sems war es selbst bei Aufwendung der größten Mühe nicht möglich, sich in den Besitz eines solch viel versprechenden Papieres zu setzen. Die Zuckeraktien-Gesellschaft, deren Leitung vollständig in antisemitischen Händen lag, ist heute in Konkurs, den Passiven von Mark 2,000,000 stehen nur etwa Mark 100,000 Aktiva =  5 % gegenüber. 95 % des arisch teutonischen Geldes ist futsch. So mögen untergehen alle deine Feinde, Ewiger (Richter 5,31)."

  
Versammlung (Ortsgruppe) des "Centralvereins des deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung" für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 23. Dezember 1927: "Hünfeld. Die am 5. Dezember hier stattgefundene Versammlung des Centralvereins wies außerordentlich zahlreiche Teilnahme aus der Gemeinde auf. Ferner waren eine Anzahl Herren aus Burghaun erschienen. Herr Syndikus Baer - Frankfurt am Main sprach über 'Das sichtbare und unsichtbare Hakenkreuz' und schilderte eingehend die Schächtfragen die nationalsozialistische Propaganda im besetzten Gebiet und unter der Jugend sowie von antisemitischer Seite getroffenen Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen. Die Herren Tannenbaum und Braunschweiger beteiligten sich an der Aussprache. Herr Tannenbaum forderte die noch Außenstehenden auf, nicht zu vergessen, was der C.V. vor wenigen Jahren gerade für die Gemeinde Hünfeld geleistet hat. Daraufhin meldeten sich neue Mitglieder an."                

 
   
Spendenaufruf
Bitte um Spenden für eine arme jüdische Familie in Hünfeld (1885)   

Huenfeld Israelit 11051885.jpg (103057 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1885: "Edle Glaubensgenossen! Mit verzagtem Herzen wage ich es, bei der jetzt so anspruchsvollen Zeit die Mildtätigkeit Eurer edlen Herzen wieder einmal in Anspruch zu nehmen. In dem nahe von hier gelegenen Städtchen Hünfeld befindet sich die ohnehin sehr arme Familie Jacob Steinberger mit Frau und fünf Kindern, von welchen das älteste kaum 12 Jahre alt ist, in einer sehr armseligen Wohnung und leidet Mangel an Allem. Dazu kömmt nun, dass vorige Woche Herr Steinberger durch einen Sturz von einem Wagen sich am Fuß derart verletzte, dass er auf lange Zeit hin unfähig ist, seinem Gewerbe – Makler – nachzugehen. Dies Elend wurde aber damit noch gesteigert, dass schon am folgenden Tag auch die Frau an Lungenentzündung sehr schwer erkrankte, wodurch Mann und Frau geradezu hilflos daliegen und die armen Kinder schreien um Brot; es ist keines da.
Die gerade nicht sehr bemittelte Gemeinde tut ja dabei ihr Möglicher, aber das reicht noch lange nicht für das Brot der armen Kinder, viel weniger für Arzt und Apotheke.
'Geben sollst du ihm und lass dich nicht leid sein deinem Herzen, indem du ihm gibst' (5. Mose 15,10)
Die edlen wohltätigen Spender werden ersucht, ihre Gaben an den Unterzeichneten anher zu schicken, Burghaun am Lag Baomer (18. Ijjar) 5645 (3. Mai 1885). H. Strauß, Lehrer.
Auch wir sind gern bereit, Gaben entgegenzunehmen und weiterzubefördern."

    
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod von Betty Katz (1884)  

Burghaun Israelit 13101884.jpg (60620 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Oktober 1884: "Nekrolog. 
Burghaun
, 12. Tischri 5645. Am 1. Oktober verschied als achttägige Wöchnerin die in unserer Gegend dahier weithin berühmte fromme Frau Betty Katz in dem noch so jugendlichen Alter von kaum 30 Jahren. Kaum 8 Jahre verheiratet, erwarb sich dieselbe in dem Städtchen Hünfeld, woselbst sie wohnte, einen solchen guten Namen bei Juden und Nichtjuden, wie es selten bei jungen Leuten jetzt zu finden ist. Noch viel ausgedehnter aber ist ihr guter Name durch die Gerechtigkeit und Wohltätigkeit, welche diese stets und zwar immer im Verborgenen ausübte. Nie versagte sie einem Klagenden ihre Hilfe und ihren beistand. Nach all diesem war sie eine liebevolle, fromme Mutter ihren pflegebefohlenen Kindern. Möge sie dorten im Reiche der Seligen den Lohn für ihre guten Taten erhalten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

    
Wahl von Nathan Nußbaum (Rhina) zum Vorsteher des Kreises Hünfeld im Rabbinatsbezirk Fulda (1913) 
Anmerkung: Der Rabbinatsbezirk Fulda umfasste die Kreise Fulda, Gersfeld, Hünfeld, Hersfeld, Schmalkalden. In den einzelnen Kreisen wurden von den jüdischen Gemeinden "Kreisvorsteher" gewählt. 

Huenfeld FrfIsrFambl 28111913.jpg (21637 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. November 1913: "Hünfeld. An Stelle des von Burghaun verzogenen Kreisvorsteher H. Speier wurde Nathan Nussbaum in Rhina von den Gemeindeältesten einstimmig zum Kreisvorsteher gewählt."

  
Zum Tod von Sophie Strauß geb. Rothschild (1936) 
  

Huenfeld Israelit 04061936.jpg (106344 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1936: "Hünfeld, 29. Mai (1936). Eine wahrhaft fromme Frau hat am 23. Ijar (= 15. Mai 1936) ihre reine Seele ausgehaucht. Frau Sophie Strauß, die der altjüdischen und vornehmen Familie Rothschild in Schlüchtern entstammt. Im Sinne ihres eigenen Elternhauses hat sie an der Seite ihres gleichgesinnten Gatten, den sie vor 16 Jahren verlor, ihre Kinder, 4 Söhne und 3 Töchter - ein Sohn ging leider frühzeitig dahin - zu braven Jehudim und geachteten Menschen erzogen. Ihre Anspruchslosigkeit, Bescheidenheit und tiefe Gottesfurcht waren vielen ein Vorbild. Ob es ihre Tefila (Beten) war, die sie täglich gewissenhaft verrichtete, oder das -Gebet war, das sie allabendlich sprach, bevor sie ihr müdes Haupt zur Ruhe legte, all das floss aus ihrer reinen Gottesfurcht. Ebenso ihre weitgehende Wohltätigkeits-Ausübung, die sich mit einer inbrünstigen Liebe zum Land Israel schon vor Jahren zu einer herrlichen Mizwe-Tat (Ausübung eines religiösen Gebotes) vereinte, indem sie Jahre hindurch von ihrer Heimat aus einen bestimmten Jehudi im Land Israel sehr reichlich unterstützte. - Jetzt stand sie einige Wochen vor dem Abschluss ihres 80. Lebensjahres, als Gott sie zu sich nahm. Am 25. Ijar, Sonntag, fand unter großer Beteiligung in Burghaun (Kreis Fulda), die Beisetzung statt, bei der Herr Lehrer Oppenheimer, Rhina, zugleich als Freund des Hauses warme Worte sprach. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      
 

Huenfeld Sophie Rothschild 010.jpg (92965 Byte) 

Foto links: Sophie Strauß - vermutlich vor dem Gebäude der Hünfelder Synagoge. Das Foto wurde von Elisabeth Sternberg-Siebert zur Verfügung gestellt. Nach ihren Informationen (Mitteilung vom 12.9.2013; teilweise über eine Urenkelin von Sophie Strauß) hat Sophie Strauß, die mit Julius Strauß verheiratet war und in der Schloßstraße in Burghaun wohnte (ca. 1907 von Rothenkirchen), als Witwe die letzte Zeit bei ihren beiden Kindern (Witwe Ida Kaufherr und Salomon Strauß) in Hünfeld gelebt. Diese betrieben am Niedertor eine Metzgerei.  

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
     
Kolonialwarenhandlung Braunschweiger wirbt für koscheren gebrannten Kaffee (1887)     

Huenfeld Israelit 15091887.jpg (113955 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1887: "Rein koscherer gebrannter Kaffee: Ich erlaube mir den geehrten israelitischen Familien die ergebene Anzeige zu machen, dass ich vom 1. September dieses Jahres an durch Anschaffung einer vervollkommneten neuen Kaffee-Brenn-Maschine instand gesetzt bin, einen rein koscher gebrannten Kaffee zu liefern, und zwar in ½ und ¼ Pfr.-Paketen, das Pfund zu Mark 1.60 bis Mark 1.80, also in 3 verschiedenen Qualitäten, täglich frisch gebrannt in Portfolie von 5 bis 9 Pfund franco gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages nach jeder Station des deutschen Postgebietes. Bei größeren Quantitäten an Wiederverkäufer entsprechender Rabatt nach Übereinkunft. Es ist von Seiten so vieler echt jüdischer Hausfrauen Zweifel laut geworden und die Frage aufgeworfen worden, und das mit Recht: ‚Ist der gebrannte Kaffee überall richtig koscher?’ Dieser Zweifel und diese Frage wird hinfällig, wenn die religiösen jüdischen Hausfrauen ihren Bedarf an gebranntem Kaffee bei mir decken, und wie aus den oben angeführten preisen zu ersehen ist, trotzdem die edelsten Kaffees brenne und billiger verkaufe als jede Konkurrenz. Ein Versuch damit ist sicher zufrieden stellend und für jede Hausfrau lohnend."

   
Verlobungsanzeige von Klara Braunschweiger und Arthur Stern (1930)   

Huenfeld Israelit 24041930.jpg (24290 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1930: 
"Klara Braunschweiger - Arthur Stern.  Verlobte.   
Hünfeld  -  Bad Schwalbach.   Nissan 5690 (= März/April 1930)

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge       
   
Zunächst fanden die Gottesdienst in Beträumen jüdischer Wohnhäuser statt. 1860 war der Betsaal in einem alten, baufällig geworden Haus. In diesem Jahr wurde ein Synagogenbau genehmigt, doch waren die Gemeindemitglieder so arm, dass sie die Mittel dafür nicht aufbringen konnten. 1868 baten die Gemeindeältesten Israel Weinberg und Heinemann Plaut den preußischen König um eine finanzielle Beihilfe zum Bau der Synagoge. Wenig später konnten eine Synagoge sowie ein Gemeinde-Schulhaus erstellt werden. Beides fiel allerdings einem Brand am 28. September 1886 zum Opfer:    
  
Brand der Synagoge am 28. September 1886 und Spendensammlung für den Wiederaufbau 1887  

Huenfeld Israelit 24031887.jpg (131783 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1887: "Hünfeld, Datum des Poststempels. Teuerste Glaubensgenossen. Wohl sind wir uns bewusst, wie so oft die jüdische Wohltätigkeit in Anspruch genommen wird und wie mannigfach der Ruf um Unterstützung an Euch herantritt. Aber wann hätten sich die Kinder Israels Grenzen setzen lassen, um fürder wohltätig zu wirken. Es ist ja bekannt, Israel Wohltätigkeit kennt keine Grenzen, besonders da nicht, wo es einsieht, dass Hilfe in Wirklichkeit Not tut.
In dieser hilfsbedürftigen Lage befindet sich unsere Gemeinde.
Am 28. September vorigen Jahres gerade am Vorabend zu Erew Rosch Haschana (Tag vor dem Neujahrsfest) bei dem ersten großen Brande, der hier wütete, hat uns das große Unglück getroffen, dass unsere Synagoge, sowie Gemeinde-Schulhaus ein Raub der Flammen geworden sind. Beide Gebäude sind bis zum Grunde niedergebrannt und konnten mit knapper Not und Lebensgefahr nur die heiligen Torarollen gerettet werden. 
Teuere Glaubensbrüder und Schwestern! unser Los ist sehr traurig: wir sind nicht imstande, wenn nicht fremde Hilfe kommt, das Gotteshaus und Schulhaus wieder aufzubauen. Wir waren stets bemüht, wo sich Not zeigte, zu helfen, unsere Hände waren stets offen bei jedem allgemeinen Aufruf und nun sind wir leider in der sehr traurigen Lage, unseren teueren Glaubensbrüdern die Hand bittend und hilfesuchend entgegenstrecken zu müssen. Jede Gabe wird dankend angekommen, die Unterzeichneten sind sämtlich berechtigt und bereit, Gaben in Empfang zu nehmen. Den Empfang werden wir seinerzeit mit Gottes Hilfe in jüdischen Blättern quittieren.
J. Plaut, Kontrolleur.  H. Fürst, Kassierer.  M. Stern, Vorsteher der israelitischen Gemeinde.
Ich bestätige den geschilderten Notstand der israelitischen Gemeinde Hünfeld und die Dringlichkeit allseitiger Unterstützung zur Ausführung ihres Werkes. 
Fulda, im März 1887.   Dr. M. Cahn.
Auch wir sind gern bereit, Gaben entgegenzunehmen und weiterzubefördern. Die Expedition des 'Israelit'.
In Anzeigen der Zeitschrift "Der Israelit" wurde regelmäßig von eingehenden Spenden für den Wiederaufbau der Synagoge in Hünfeld berichtet:
Huenfeld Israelit 10021887.jpg (20415 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Februar 1887: "Für den Wiederaufbau der abgebrannten Synagoge in Hünfeld. Von Ungenannten 20 Mark."
Huenfeld Israelit 31031887.jpg (21685 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1887: "für den Synagogenneubau in Hünfeld. Durch Frau Eva Baumblatt in Würzburg gesammelt bei der Verlobung der Fräulein Sophie Freudenthal von Theilheim mit J.A. Lock in Mussenhausen 10 Mark. (An den Kultusvorstand zu Hünfeld eingesandt.).
Huenfeld Israelit 05051887.jpg (20132 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1887: "Für den Wiederaufbau der abgebrannten Synagoge in Hünfeld.   Anonym 5 Mark.   Stuttgart. J.M. Levi 5 Mark."

Nicht bekannt ist, wie weit der Neubau der Synagoge war, als der verheerende Stadtbrand in Hünfeld am 29. Oktober 1888 den gesamte Stadtkern zerstörte. Jedenfalls dürfte die Einweihung einer neuen Synagoge dadurch wesentlich verzögert worden sein.
  
Aus der Geschichte der schließlich wieder erbauten Synagoge (auch das Einweihungsdatum konnte noch nicht festgestellt werden) wird in den überregionalen jüdischen Zeitschriften einmal von einem besonderen Ereignis berichtet, der Einweihung einer neuen Torarolle 1904: 
      
Einweihung einer Torarolle 1904 

Huenfeld FrfIsrFambl 21101904.jpg (48333 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. Oktober 1904: "Fulda. Nur selten liest man in ihrer geschätzten Zeitschrift einen Bericht über das jüdische Leben berührende Ereignisse in unserer Stadt und in unserem Rabbinatsbezirke und doch gibt es hin und wieder Interessantes zu verzeichnen. Am ersten Tage Chol-Hamoed schel Sukkos (Halbfeiertag von Sukkot) wurde in der Nachbargemeinde Hünfeld durch Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn hier eine Toraweihe vollzogen. An der Feier in der Synagoge nahm auch der Königliche Herr Landrat teil." 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 niedergebrannt. Die anwesende Feuerwehr beschränkte ihren Einsatz auf den Schutz der Nachbargebäude. 
  
Das Grundstück der ehemaligen Synagoge ist heute ein privates Grundstück mit Garage.
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:    Gartenstraße 21     (bei Arnsberg und im Gefolge anderer Publikationen ist noch Bahnhofstraße 7 angegeben)  
   
   
Fotos  

 Synagogenstandort und Gedenktafel 
(Fotos: Hartmut Zimmermann, Hünfeld)  
 Huenfeld Synagoge 092.jpg (220994 Byte)  Huenfeld Synagoge 091.jpg (206534 Byte)
   Text der Gedenktafel: "Ehemalige Synagoge - Gartenstraße. Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde von Hünfeld. 
In der sogenannten Reichskristallnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Synagoge durch das von den Nationalsozialisten in ganz Deutschland organisierte Pogrom zerstört. 
Heute erinnert eine Gedenktafel in der Rathausstraße (ehemaliges Judengäßchen) an die jüdischen Mitbürger der Stadt Hünfeld vor dem Zweiten Weltkrieg. STADT HÜNFELD".   
     
Gedenktafel am Rathaus (von 1985) 
(Fotos: Hartmut Zimmermann, Hünfeld)    
 Huenfeld Gedenktafel 021.jpg (139138 Byte) Huenfeld Gedenktafel 020.jpg (186482 Byte) 
  Text der Gedenktafel: "In Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger von Hünfeld, die Opfer der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus geworden sind. 1933-1945. Der Magistrat der Stadt Hünfeld. 1985".     
     

    
 Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Juli 2009: Auch in Hünfeld sollen "Stolpersteine" verlegt werden  
Artikel in der "Fuldaer Zeitung" vom 7. Juli 2009 (Artikel):      "Stolpersteine" künftig auch in Hünfeld. 
HÜNFELD Künftig sollen auch in Hünfeld so genannte Stolpersteine im Pflaster an die früheren jüdischen Mitbürger der Stadt erinnern.
Die "Stolpersteine" mit einer Metallplatte, die auf eine Idee des Künstlers Gunter Demnig zurückgehen, finden sich inzwischen in über 400 deutschen Städten und Gemeinden. In Osthessen waren sie im vergangenen Jahr in Lauterbach verlegt worden, vor wenigen Wochen entschlossen sich auch die Gemeindevertreter in Flieden, die Idee zu verwirklichen...". 
Zu den "Stolpersteinen" siehe Informationen über: www.juedspurenhuenfelderland.de/die-opfer-des-holocaust/   
 
Oktober 2009: Die ersten "Stolpersteine" werden verlegt 
Artikel von Claudia Köhler in der "Fuldaer Zeitung" vom 19. Oktober 2009 (Artikel):  "Pflastersteine sollen an ermordete Juden erinnern
HÜNFELD In Hünfeld werden 14 neue Stolpersteine verlegt, die an die antisemitischen Verbrechen an Juden erinnern sollen..."  
  
Artikel von Johannes Heller in der "Fuldaer Zeitung" vom 23. Oktober 2009 (Artikel mit zahlreichen weiteren Fotos): 
"14 "Stolpersteine" erinnern an Hünfelder Juden.
HÜNFELD
Er arbeitet beinahe wie am Fließband: der Künstler Gunter Demnig, der mit seiner Idee der Stolpersteine inzwischen in vielen Städten in ganz Europa Spuren hinterlassen hat – und am Freitag auch in Hünfeld Station machte..."     
     
August 2010: Die "Stolpersteine" werden offiziell präsentiert 
Anmerkung: Die Stadt Hünfeld übergab die im Jahr zuvor verlegten "Stolpersteine" im Rahmen des Gaalbern-Festes in einer Feierstunde offiziell der Öffentlichkeit. Dies war eine Besonderheit wegen des Ehrengastes Alfred Strauss.    
Artikel von Sabrina Mehler in der "Hünfelder Zeitung" vom 22. August 2010 (Artikel): "Zuschauer zu Tränen gerührt
HÜNFELD
Mehr als 25 000 Stolpersteine erinnern in über 500 Städten in ganz Europa an die Opfer des Nazi-Regimes. Am Sonntag wurden in Hünfeld 14 weitere Stolpersteine offiziell präsentiert. Die etwa 100 Zuhörer waren sichtlich gerührt, als der gebürtige Hünfelder Alfred Strauss vom Schicksal seiner Familie sprach. 'Wir können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen', sagte Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel (CDU) bei der Präsentation der Plaketten in der Töpferstraße. Das grausame Unrecht dürfe jedoch niemals in Vergessenheit geraten, die Steine seien deshalb Mahnung und Aufforderung, niemals wieder einen Holocaust zuzulassen..."   
  
Januar 2011: Eine Publikation über die "Stolpersteine" in Hünfeld ist erschienen 
Pressemitteilung des Magistrats der Stadt Hünfeld vom 10. Januar 2011 (Quelle: pressemeldung-hessen.de): 
"Hünfeld: Dr. Fennel – Nicht dem Vergessen preisgeben. Stadt Hünfeld stellt kleinen Führer zum Projekt 'Stolpersteine' vor
Hünfeld.
Zu dem Projekt 'Stolpersteine', mit dem an die 14 Hünfelder Juden erinnert werden soll, die während der NS-Diktatur ermordet wurden, hat die Stadt Hünfeld jetzt einen kleinen Führer herausgegeben. Wie Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel dazu betont, sollen diese Stolpersteine an jüdische Mitbürger erinnern, die durch ihre Ermordung während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft keine Gräber haben.
Der kleine Führer ist kostenlos im Bürgerbüro sowie im I-Punkt am Bahnhof erhältlich.
Der kleine Führer zeigt die Standorte der Wohnhäuser der früheren jüdischen Familien im Stadtgebiet auf, vor denen im Gehweg in Form von kleinen Messingwürfeln 'Stolpersteine' durch den Künstler Gunter Demnig verlegt worden waren. Die Initiative dazu hatte der junge Hünfelder Bastian Nitzschke ergriffen. Unterstützt wurde er dabei von Elisabeth Sternberg-Siebert aus Burghaun, die sich um die Erforschung des jüdischen Lebens im Hünfelder Land große Verdienste erworben hat, berichtet der Bürgermeister.
Der Flyer erinnert auch an die bewegende Gedenkfeier im Rahmen des 700-jährigen Jubiläums der Stadtrechte Hünfeld, mit der die Gedenksteine seinerzeit der Öffentlichkeit übergeben worden waren. Damals sprach der heute in New York lebende gebürtige Hünfelder Jude Alfred Strauss das Totengebet.
Bürgermeister Dr. Fennel, der gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Dietmar Weidenbörner damals zu Ehren der Opfer Rosen an den Stolpersteinen niedergelegt hatte, erklärte seinerzeit, dass man das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen könne. Niemand könne dieses unbeschreibliche, grausame Unrecht an Millionen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Europa wiedergutmachen. 'Was wir tun können und tun müssen, ist, all dies nicht in Vergessenheit geraten zu lassen – zur Mahnung und zugleich als Auftrag für Generationen, nie mehr einen Holocaust in Deutschland und darüber hinaus zuzulassen'.
Es sei schmerzvoll, aber wichtig, sich auch dieses Teils der Geschichte zu erinnern. Deshalb würden die Stolpersteine künftig auch bei Stadtführungen in Hünfeld ein Thema sein. Er sei dankbar, dass auch das Konrad-Zuse-Museum mit Stadt- und Kreisgeschichte einen eigenen Ausstellungsbereich dem jüdischen Leben im Hünfelder Land gewidmet habe. Wer diese Ausstellung besuche, werde feststellen, dass mit den Verbrechen in der Nazizeit auch ein Teil des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Stadt unwiederbringlich ausgelöscht worden sei. Jüdische Mitbürger hätten über Jahrhunderte auch in Hünfeld Verantwortung in der Gesellschaft übernommen, hätten gelebt, gearbeitet, gefeiert und Kinder groß gezogen. Viele freundschaftliche Kontakte hätten christliche und jüdische Hünfelder Bürger miteinander verbunden. Nur aufgrund der religiösen Unterschiede seien die jüdischen Mitbürger in der Zeit des Dritten Reichs schikaniert, entrechtet, in den Tod getrieben und schließlich ermordet worden. Für ihn sei es ein tief beeindruckendes Erlebnis gewesen, dass trotz dieser Geschichte der gebürtige Hünfelder Jude Alfred Strauss aus tiefer Überzeugung bekannt habe, dass Hünfeld nach wie vor bis heute seine Heimatstadt sei."      
  

             

       
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Hünfeld  
Website "Stolpersteine in Hünfeld"  
Website von Elisabeth Sternberg-Siebert zu Hünfeld  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Hünfeld 

Quellen

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Hünfeld 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Hünfeld sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,469   Geburtsregister der Juden von Hünfeld  1819 - 1887  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3553163        
HHStAW 365,470   Trauregister der Juden von Hünfeld  1839 - 1873      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289879    
HHStAW 365,471   Sterberegister der Juden von Hünfeld  1839 - 1886   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v289945       

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 372.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 403-405.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 22-23.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 448-449. 
Monica Kingreen: Von Hünfeld über Kassel in das Ghetto Riga, in: Jahrbuch 2004, hrsg. Vom Kreisausschuss des Landkreises Kassel, Kassel 2003, S. 134-140. 
Burghaun Lit 01.jpg (13757 Byte)Elisabeth Sternberg-Siebert: Jüdisches Leben im Hünfelder Land: Juden in Burghaun.  Verlag Michael Imhof, Petersberg 2008. ISBN 978-3-932526-14-5 (2. erweitere Auflage). 320 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. 22.00 €  Weitere Informationen auf pdf-Datei.  
vgl. auch Website von Elisabeth Sternberg-Siebert.  
Burghaun Lit 02.jpg (22338 Byte)dies.: Jüdisches Leben im Hünfelder Land - Die Familie Joseph Strauss in Hünfeld / Jewish Life in the County of Huenfeld - The Joseph Strauss Family in Huenfeld. Verlag Parzeller. Fulda 2006, zweisprachig mit zahlreichen Abbildungen. ISBN 978-3-7900-0387-1.  15.80 €  
vgl. auch Website von Elisabeth Sternberg-Siebert
Fulda Lit 140.jpg (118420 Byte)Juden in Deutschland und 1000 Jahre Judentum in Fulda
hrsg. von Michael Imhof.  Zukunft Bildung Region Fulda e. V. 
Erschienen im Michael Imhof Verlag Petersberg 2011.  
24 x 30 cm, 440 Seiten, 700 S/W und 200 Farbabbildungen, Hardcover. ISBN 978-3-86568-673-2 
(D) 44,00 €   CHF 62,90  (A) 45,25 €   
Zu Hünfeld Beitrag nach Elisabeth Sternberg-Siebert S. 334-339.     

          
    
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Huenfeld  Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the community rebuilt its synagogue after a fire in 1886 and numbered 126 (7 % of the total) in 1885. A branch of the Jewish War Veterans Association was established in 1925. Twenty jews were arrested by the Gestapo in 1935 and the community (numbering 55 in 1933) experienced a reign of terror. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was destroyed. By 1939 only 12 Jews remained, 25 having emigrated. The last 11 Jews were deported to the Theresienstadt ghetto in September 1942. 
    
      

                   
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Stand: 30. November 2016