Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mansbach (Gemeinde Hohenroda, Kreis Hersfeld-Rotenburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge   
   

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Mansbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Es war die zeitweise größte jüdische Gemeinde im Altkreis Hünfeld (um 1830). Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Bereits im 16. Jahrhundert lebten unter dem Schutz der Herren von Mansbach einzelne Juden im Dorf (seit 1571 genannt: Isaac 1571-1585, Moses/Mosche 1571, Joseph 1585, Saul 1599, Abraham, Sohn des Saul 1599 [später in Marköbel]). Auch die seit 1632 am Ort residierenden Herren von Geyso nahmen jüdische Familien auf. Neben den von den jüdischen Familien zu leistenden Abgaben an die Ortsherrschaft war auch die evangelische Kirchengemeinde beziehungsweise der Pfarrer zu beliefern (die Regel galt bis 1931): jedes Jahr zu Michaelis war von jedem "beweibten Juden" eine Gans und ein Pfund Gewürze oder ein umgerechneter Geldbetrag abzuliefern.  
 
Das jüdische Wohngebiet war das Viertel östlich des Ortszentrums in der "Judengasse", der heutigen Oststraße.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1823 290, 1835 204 jüdische Einwohner, 1861 199 (20,6 % von insgesamt 966 Einwohnern), 1871 162 (18,2 % von 891), 1875 148, 1885 122 (15,4 % von 791), 1895 92 (12,7 % von 725), 1905 83 (11,7 % von 709), 1910 63. Die jüdischen Haushaltsvorsteher lebten zunächst vom Handel mit Fellen und Wolle, Vieh oder Kramwaren, dazu gab es mehrere jüdische Metzger. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lagen die Haupterwerbszweige im Vieh- und Textilhandel. Einige waren als Makler tätig. Mehrere hatte Geschäften und Läden am Ort eröffnet, die für das Wirtschaftsleben des Ortes von großer Bedeutung waren (zwei Textilgeschäfte, ein Eisenwarenladen, zwei Lebensmittel- beziehungsweise Gemischtwarenläden, ein Schuhwarengeschäft, eine Metzgerei und eine Bäckerei mit Lebensmitteln). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Auswanderung nach Amerika oder Abwanderung in kleinere (z.B. Bad Hersfeld) oder größere Stadt kontinuierlich zurück. 
 
Die häufigsten Familiennamen am Ort waren Tannenbaum, Bacharach, Nußbaum und Grünebaum; dazu gab es je eine Familie Appel, Weiß, Schmidt und Rosenblatt. 
     
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule (öffentliche israelitische Elementarschule seit Mitte des 19. Jahrhunderts), ein rituelles Bad (im Keller der Synagoge) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet wirkte (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). An Lehrern sind insbesondere zu nennen: Hirsch Brandes (um 1841/42, stammte aus Witzenhausen), Jakob Boley (geb. 1825), der von 1854 bis 1894 als Lehrer in der Gemeinde tätig war (siehe Bericht zu seinem Tod unten), Simon Strauß, seit 1895 in Mansbach, 1902 nach Burghaun versetzt, Lehrer J. Stein (um 1915), Naftali Berlinger (aus Berlichingen, 1922 bis 1924 in Mansbach, dann in Burghaun), Lehrer Hatz (ab 1925). Die Schule war in einem eigenen Schulhaus untergebracht; die Schülerzahl ging seit Mitte des 19. Jahrhunderts ständig zurück: 1868 noch 37 Kinder, 1902 18, 1903/10 11). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Fulda.     
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Josef Nußbaum (geb. 14.2.1897 in Mansbach, gef. 25.3.1918), Isidor Tannenbaum (geb. 27.8.1896 in Mansbach, gef. 9.6.1918), Julius Tannenbach (geb. 11.5.1898 in Mansbach, gef. 15.7.1918), Marcus Max Tannenbaum (geb. 3.10.1898 in Mansbach, gef. 19.7.1918), Moritz Tannenbaum (geb. 3.5.1894 in Mansbach, gef. 9.8.1916) und Unteroffizier Arthur Weiß (geb. 26.8.1893 in Mansbach, gef. 23.1.1917). Außerdem ist gefallen der aus Mansbach stammende Unteroffizier Sally Nußbaum, Sohn des Gemeindevorstehers Jakob Nußbaum (siehe Bericht unten, geb. 2.6.1892 in Mansbach, vor 1914 in Zimmersrode wohnhaft, gef. 24.4.1915).   
 
Um 1924, als noch 50 jüdische Personen in Mansbach lebten (6,1 % von 831 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde der eben genannte Jakob Nußbaum sowie Moritz Bacharach. Als Lehrer wirkte noch der bereits genannte Naftali Berlinger. Er unterrichtete an der jüdischen Schule neun Kinder (die Schule wurde 1926 geschlossen; erwähnt im Bericht zum 25-jährigen Amtsjubiläum von Vorsteher Nußbaum, s.u.). An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den Wohltätigkeitsvereins Chevro Gemillus Chassodim (gegründet 1872, 1924 unter Leitung von Joh. Nußbaum und Th. Appel, 1932 unter Leitung von Simon Bacharach mit 12 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Krankenpflege, Bestattungswesen) sowie den Israelitischen Frauenverein (1924 unter Leitung von Hannchen Nußbaum und Ida Rosenblatt). 1932 war Vorsteher der Gemeinde Moritz Bacharach (1. Vors., seit 1929 siehe Bericht unten), als Schriftführer wird J. Grünebaum angegeben (gleichfalls seit 1929, siehe Bericht unten). Religionsunterricht erhielten im Schuljahr 1931/32 nur noch zwei Kinder der Gemeinde.    
  
1933 lebten noch elf jüdische Familien mit etwa 35 Personen am Ort. In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Viele verzogen nach Fulda, andere konnten nach Palästina Argentinien, Schweden und in die USA emigrieren. Bereits 1935 war es zu Gewalttätigkeiten gegenüber den jüdischen Ortsbewohnern gekommen. 1936 wurden noch 25, 1939 nur noch acht jüdische Personen gezählt; die letzten jüdischen Einwohner sind 1941/42 von Mansbach deportiert worden (vier Anfang Dezember 1941 nach Riga, die beiden letzten 1942 in das KZ Theresienstadt). 
  
Von den in Mansbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jeanette (Jenny) Adler geb. Tannenbaum (1883), Jakob Appel (1885), Simon Appel (1866), Albert Bacharach (1906), Hedwig Bacharach geb. Gunzenhäuser (1884), Jettchen Bacharach geb. Oppenheim (1856), Lina Bacharach geb. Spier (1879), Moritz Bacharach (1885), Rosa Bacharach geb. Strauß (1886), Sally Bacharach (1883), Siegmund Süßmann Bacharach (1871), Simon Bacharach (1872), Walter Bacharach (1909), Alfred Boley (1872), Emmy Boley (1876), Ida Boley (1868), Jenny Boley (1870), Isaak Hecht (1886), Johanna Jacobson geb. Boley (1879), David Katz (1882), Jakob Katz (1884), Sofie Kempinski geb. Heilbrun (1904), Wolf Nussbaum (1862), Gertrud Rainowitz geb. Heilbrun (1905), Frieda Schleenbecker geb. Tannenbaum (1891), Emma Spangenthal geb. Heinemann (1857), Flora Spatz geb. Tannenbaum (1894), Meier (Maier) Spier (1865), Moritz Spier (1874), Betty (Betti) Tannenbaum (1901), Ida Tannenbaum geb. Rosenbach (1877), Max Markus Tannenbaum (1879), Frieda geb. Bacharach (1886), Henriette (Jettchen) Weiß (1894), Rosa Weiß geb. Katz (1858).   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde          
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1894, 1902 und 1921, dazu Ausschreibung der Stelle eines Hilfsvorbeters 1911

Mansbach Israelit 17121894.jpg (77283 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1894: "Die Stelle eines Elementarlehrers und Kantors in der israelitischen Gemeinde Mansbach ist bis zum 1. Januar 1895 zu besetzen. 
Das Einkommen der genannten Schulstelle beträgt neben einer Feuerungs-Vergütung von 90 Mark und freier Wohnung, deren Nutzungswert zu 100 Mark veranschlagt ist: 
a vom 1. bis einschließlich 5. Dienstjahre 750 Mark. 
b vom 6. bis einschließlich 10. Dienstjahre 800 Mark  
c vom 11. bis einschließlich 15 Dienstjahre 850 Mark  
d vom 16. bis einschließlich 20. Dienstjahre 900 Mark  
e vom 21. bis einschließlich 25. Dienstjahre 950 Mark  
f vom 26. Dienstjahre an uns ferner 1000 Mark. 
Hierzu kommen noch ca. 300 Mark Nebeneinkommen durch Versehung des Schächterdienstes. 
Bewerbungsgesuche und Zeugnisse - letztere zunächst in unbeglaubigter Abschrift - sind bis zum 20. dieses Monats an die unterzeichnete Behörde zu richten.  
Fulda, 6. Dezember 1894. Vorsteheramt der Israeliten: Dr. M. Cahn, Provinzial-Rabbiner."   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1902: "Die Stelle eines Elementarlehrers, Vorbeters und Schächters 
der israelitischen Gemeinde Mansbach, Kreis Hünfeld, ist alsbald wieder zu besetzen. Grundgehalt 1000 Mark. Einheitssatz der Alterszulage 120 Mark. Nebeneinkommen aus dem Schächterdienst ca. 300 Mark; Dienstwohnung vorhanden. Meldungen mit beglaubigten Zeugnisabschriften sind sofort an die unterzeichnete Behörde zu richten. 
Fulda, 29. September (1902). 
Vorsteheramt der Israeliten: (Gez.:) Dr. Cahn."     
 
Mansbach Israelit 07091911.jpg (41358 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1911: "Wir suchen für Rosch Haschana (Neujahrsfest) und Jom Kippur einen Hilfs-Vorbeter, der auch Schofar blasen kann. Offerten mit Gehalts-Ansprüchen erbittet die Synagogen-Gemeinde Mansbach (Bezirk Kassel). Jakob Nußbaum."  
 
Mansbach Israelit 08091921.jpg (39862 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1921: "Die Lehrerstelle an der öffentlichen israelitischen Volksschule  in Mansbach ist alsbald zu besetzen. Bewerber, die auch die Schechitah und den Vorbeterdienst versehen können, wollen sich bis zum 25. September unter Beilage von Zeugnisabschriften und Angabe von Referenzen melden bei Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda. 
Das Vorsteheramt der Israeliten."  

     
Antisemitische Veranstaltung in Mansbach (1890)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1890: "Aus dem Regierungsbezirk Kassel. Der Erlass der Königlichen Regierung zu Kassel an die Herren Kreisschulinspektoren, den ihnen unterstellten Lehrern zur Pflicht zu machen, religiöse Duldung zu üben und zu lehren, hat gewiss in jedem jüdischen Herzen aufrichtige Freude hervorgerufen. In dem Lager der Antisemiten herrscht darob Schrecken und Bestürzung, und mancher tritt den Rückzug an, der noch vor kurzer Zeit die Waffen der Verfolgung hochgeschwungen. Dass auch unter den Lehrern Antisemiten sich befinden, bedarf wohl kaum des Nachweises. Nichtsdestoweniger darf es als freche Anmaßung bezeichnet werden, wenn sogenannte Jugendbildner außerhalb der Stätte ihres Wirkens antisemitische Propaganda zu machen sich anschicken, indem sie neben den auswendig gelernten Phrasen, Schriften verbreiten, deren Inhalt eine Bewebe von Lug und Trug, geeignet, bei der ungebildeten Bevölkerung Haß und Verbitterung zu wecken und zu nähren. Vor einigen Wochen kam ein junger Lehrer aus dem Kreise Fritzlar nach dem im Kreis Hünfeld gelegenen Dorfe Mansbach. Der jüdische Lehrer, ein älterer, würdiger Mann, kam in das Wirtshaus, woselbst mehrere christliche Lehrer des Ortes und Umgebung anwesend, die dem Anstande Rechnung tragend, den fremden 'Kollegen' vorstellten. Dieser erlaubte sich ohne Weiteres zynische Bemerkungen gegen Juden ohne Unterschied des Standes und Berufs und schimpfte weidlich nach dem Vorbilde der 'Häuptlinge' auf die Nachkommen Sems. Doch gerade in Mansbach besteht ein seltenes einmütiges Verhältnis zwischen den verschiedenen Konfessionsgenossen - mehrere Juden sind Mitglieder des Gemeinderats - und so war der junge Pädagoge in der Wahl des Ortes nicht glücklich. In nächtlichem Dunkel musste er, gepeitscht vom Winde, wenn er sich nicht andern Peitschenhieben aussetzen wollte, das Dorf verlassen. Der jüdische Lehrer, Herr Boley, macht der Königlichen Regierung von dem Geschehenen Anzeige, und unterliegt es keinem Zweifel, dass dem betreffenden Agitator die Lust verleidet worden, in der Folge eine Agitationsreise zu unternehmen. Sp."     

      
Zum Tod von Lehrer und Kantor Jakob Boley (1899)  

Mansbach Israelit 16031899.jpg (239307 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1899: "Mansbach, Regierungsbezirk Kassel. Am Heiligen Schabbat, den 8. Adar, verschied nach längerem Leiden, im Alter von 74 Jahren, unser allverehrter und unvergesslicher Lehrer und Kantor Herr Jakob Boley - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen. Seit seiner vor vier Jahren aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Pensionierung, war es leider dem Verstorbenen nicht vergönnt, sich seiner wohlverdienten Ruhe zu erfreuen. Trotz seiner körperlichen Beschwerden zeigte er stets eine Ruhe und Heiterkeit des Gemüts und nahm an allen Vorgängen seiner Familie und in hiesiger Gemeinde reges Interesse.  
In gerechter Würdigung seiner großen Verdienste wurden ihm anlässlich seines, vor zwei Jahren stattgefundenen 50-jährigen Amtsjubiläums vielfache Ehrungen und Anerkennungen zuteil. Unter Leitung des in unserer Heimat rühmlichst bekannten frommen Rabbiners Wetzlar - sein Licht leuchte - in Gudensberg, wurde der Verblichene früh in die Hallen der rabbinischen Wissenschaft eingeführt. Was er auf talmudischem Gebiet geleistet, wie er stets lernen um zu lehren auffasste und wirklich betätigte, davon zeugten am besten seine religiösen Vorträge, die er regelmäßig an den Sabbaten in unseren, teils von ihm begründeten Chawerot (Vereinen) gehalten hat.  
Mit hingebender Liebe hat er sich besonders während seiner 40-jährigen hiesigen Amtstätigkeit unserer Schule gewidmet und durch ein musterhaftes Lehrgeschick auch große Erfolge erreicht. Von einer seltenen Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue war der Dahingeschiedene erfüllt, da er die Ferien, welche jedem Beamten zur Erholung und Sammlung frischer Kraft dienen sollen, niemals ausnutzte, sondern stets im Interesse seiner Schule und Schüler abkürzte. Seine aufrichtige Frömmigkeit, die Anspruchslosigkeit seines Wesens und seine unbegrenzte Herzensgüte erwarben dem Verstorbenen die Liebe und Hochachtung derer, die das Glück hatten, zu ihm in nähere Beziehung zu treten.
Nicht bloß dem geistlichen Wohle unserer Gemeinde galt sein Streben, auch Andersgläubigen hat er freudig mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Seine Beerdigung gestaltete sich daher auch zu einer hier nie gesehenen Trauerkundgebung, an welcher sich nicht nur sämtliche Mitglieder unserer Gemeinde und eine große Zahl auswärtiger Glaubensgenossen, sondern auch seine Nachbarkollegen und viele Nichtjuden unseres Ortes beteiligten. 
Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn - Fulda hielt am Grabe eine ergreifende und eindrucksvolle Rede. Er schilderte das Wirken und Schaffen des Entschlafenen als Erzieher, der auf der dornenvollen Bahn des Lehramts stets zufrieden gewesen und es verstanden habe, sich die Anhänglichkeit und Liebe seiner Schüler zu erwerben, sowie seinen reichen schatz an talmudischem Wissen, das er besessen, und seinen guten Namen, den er hinterlassen hat. Redner erwähnt noch, dass der Verstorbene als frommer Mann gelebt und gestorben ist, dass er seinen Schülern nicht nur stets ein Lehrer, sondern auch ein Freunde und Vater gewesen und in seinem leben nur bedacht war, Wohltätigkeit zu üben. 
Möge der Allgütige seinen trauernden Hinterbliebenen reichen Trost spenden und sie in ihrem Schmerze wieder aufrichten. In unserer Gemeinde und bei Allen, die den Verstorbenen näher gekannt, wird sein Andenken stets in Ehren gehalten werden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
Lehrer Berlinger verlässt Mansbach (1924)  

Mansbach Israelit 04121924.jpg (48625 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1924: "Mansbach, 1. Dezember (1924). Heute verlässt uns der seit zwei Jahren hier tätige Lehrer Berlinger, der aus Berlichingen stammt und von der Regierung nach Burghaun versetzt wurde. Die Gemeinde sieht diesen tüchtigen und vorbildlichen Lehrer nur mit großem Bedauern scheiden und hofft, nachdem das MInisterium, trotz des ursprünglich ins Auge gefassten Abbaus der Stelle verfügt hat, dass dieselbe weiter erhalten werden soll, wieder einen so tüchtigen Lehrer und guten Jehudi zu finden."   

      
Lehrer Hatz aus Gladenbach kommt nach Mansbach (1925)  

Burghaun Israelit 26031925.jpg (24442 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1925: "Mansbach, 3. März (1925). Für die durch die Versetzung des Lehrers Berlin(g)er nach Burghaun erledigte hiesige Volksschullehrer- und Kultusbeamtenstelle wählte die Gemeinde Lehrer Hatz in Gladenbach als Nachfolger."  

     
     
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Hebamme gesucht (1871)   

Mansbach Israelit 26041871.JPG (155971 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1871: "Kassel, 18. April (1871). In Mansbach, Kreis Hünfeld, Regierungsbezirk Kassel, ward durch das Ableben der Hebamme eine Neuwahl erforderlich; bei derselben haben sich nebst dem Pfarrer und Bürgermeister die Frauen des Ortes zu beteiligen; bei Vornahme der Wahl ließ der Pfarrer mittelst Schelle die evangelischen, mit Ausschluss der lutherischen, katholischen und jüdischen, einladen. Letztere beschwerten sich darüber bei dem Bürgermeister; dieser ließ mündlich durch den Ortsdiener beim Pfarrer um die Ursache dieses Ausschlusses anfragen und erhielt folgenden schriftlichen Bescheid: 
Mansbach, 1. April 1871. An Herrn Bürgermeister Traul  Wohlgeb. hier. 
Der Herr Bürgermeister Traul wolle die Güte haben, den sich beschwerenden Israeliten kurz zu bedeuten, dass das Amt der Hebamme in erster Linie ein kirchliches Amt ist und dass die Hebamme in ihrem ganzen Dienste, soweit derselbe sich auf die Taufhandlung sowie auf die Anzeige der Geburten bezieht, lediglich dem Pfarrer unterstellt ist. Somit ist es für Leute, die noch ein wenig Besinnung haben, selbstverständlich, dass die Hebamme, die im Kirchendienst steht, nur von Gliedern unserer Kirchengemeinde gewählt werden kann. Gehören zu unserer Kirchengemeinde etwa Juden und Katholiken? 
Die Israeliten sind in unserem Staate eben nur geduldet und können froh sein, dass sie die christliche Hebamme benutzen dürfen. Wollen sie das aber nicht, so steht es ihnen ja frei, auf eigene Kosten eine Hebamme ausbilden zu lassen. 
Außerdem bitte ich den klugen Leuten begreiflich zu machen, dass ich nach ganz bestimmten kirchenrechtlichen Grundsätzen gehandelt habe, die sonst Jedermann kennt, und nicht nach eigener Willkür. 
Mit freundlichem Gruß F. Riebeling, Pfarrer.'
Die Sprache und der Ton dieses Briefes, den ich in wortgetreuer Kopie Ihnen mitteile, reiht sich würdig an den jüngst erfolgten Erlass des Berlinger Oberkirchenrates und ist die bloße Veröffentlichung derselben schon eine verdiente Züchtigung. Die hierdurch Beleidigten und in ihrem Recht Gekränkten haben sich in einer Beschwerde an den Oberpräsidenten Möller in Kassel gewendet. Den Erfolg werde ich Ihnen seinerzeit mitteilen."    

    
Rechtsstreit der Kirchengemeinde Mansbach gegen die Judenschaft wegen der überkommenen Abgabe von Martinigänsen (1927)           

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 1. April 1927:    
 
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 27. Mai 1927:  
 

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod des aus Mansbach stammenden Lehrers Tannenbaum (geb. 1807 in Mansbach, gest. 1866 in Wanfried)  

Mansbach Israelit 13061866.jpg (278043 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1866: "Aus Niederhessen, am 4. Juni (1866). Erst wenige Wochen sind verstrichen, seitdem ich dem verewigten teuren Kollegen Silberberg zu Volkmarsen in diesen Blättern (Nr. 18) ein Denkmal gesetzt und schon wieder tritt die traurige Pflicht an mich heran, ein gleiches dem geschätzten - am 30. vorigen Monats entschlummerten - Amtsbruder Tannenbaum zu Wanfried zu stiften. Von dem so nahe aufeinander erfolgten Tod dieser beiden Freunde könnte man in mehrfacher Beziehung die Worte Davids sagen: 'Die Geliebten und Holden in ihrem Leben, auch in ihrem Tode sind sie nicht getrennt' (2. Samuel 1,23). Sie waren von der Zeit ihres gleichzeitigen Besuches der israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Kassel miteinander befreundet; beiden waren von echtem Schrot und Korn, gediegen in Kenntnissen unserer heiligen Tora und in den weltlichen Wissenschaften; beide gottesfürchtige Männer..., echt-religiös und von ihrem heiligen Berufe als Lehrer in Israel erfüllt; beide für die Schule rastlos tätig, welche übermäßige Anstrengung vielleicht ihren frühen Tod (denn auch Tannenbaum hat noch nicht das 60. Lebensjahr erreicht) teilweise herbeigeführt; beide waren wegen ihrer Kenntnisse bei Juden und Christen geschätzt, und in Folge ihres menschenfreundlichen bescheidenen Benehmens geliebt. Sie gingen kurz nacheinander in die friedlichen Räume der Seligen ein, um mit diesen von ihren Arbeiten auszurufen und die süßen Früchte ihrer Taten zu genießen. 'Rühmet den Gerechten, denn ihm geht es gut, denn die Frucht ihrer Werke werden sie essen' (Jesaja 3,10). Auch bei Tannenbaums Leichenbegängnis, das am 1. dieses Monats - Gerade an dem nämlichen Tage, an welchem vor zwei Jahren seine 25jährige Amtstätigkeit in der Gemeinde Wanfried gefeiert wurde (siehe das Referat über dieses Jubiläum im Jahrgang 1864 dieser geschätzten Zeitschrift) - stattfand, zeigte sich eben dieselbe allgemeine Teilnahme an dem Heimgange des treuen Lehrers, Freundes und trefflichen Mitbruders. 
Tannenbaum, im Jahre 1807 zu Mansbach in der Provinz Fulda geboren, bekleidete als angehender Jüngling schon - natürlich in alter Weise, eine Privatlehrerstelle in der kleinen israelitischen Gemeinde Malsfeld Kreis Melsungen. Er war dabei auf Vermehrung seiner Kenntnisse stets bedacht, studierte fleißig die Bibel mit den gangbarsten Kommentaren, sowie auch andere Schriften der rabbinischen Literatur; und um sich für das damals gegründete israelitische Seminar zu Kassel vorzubereiten, erhielt er auf sein Ansuchen von dem Pfarrer des Ortes, der dem liebenswürdigen, ebenso lerneifrigen, als talentvollen Jüngling sehr gewogen war, einen erweiterten Unterricht in den deutschen Fächern. Mit guten Kenntnissen ausgerüstet, meldete er sich zur Aufnahme in das Kasseler Seminar, die man ihm aber, weil diese Anstalt nur für Niederhessen und nicht auch für die anderen 3 Provinzen Kurhessens, da sie nichts zu den Kosten derselben beitragen, vorhanden, nicht gewährt hätte, wenn nicht der damalige Oberlehrer Herr Rosenbach seligen Andenkens, der bei der Rezeptionsprüfung die gediegenen Kenntnisse und die guten Anlagen Tannenbaums wahrgenommen, ihm die unentgeltliche Aufnahme bewirkt hätte. In dieser Pflanzstätte bildete er sich zu einem tüchtigen Lehrer aus, als welcher er, nachdem am Ende des dreijährigen Kursus bestandenen Examen, für die israelitische Gemeinde Spangenberg von Kurfürstlicher Regierung bestellt wurde. Nach neunjähriger erfolgreicher Amtswirksamkeit daselbst, - während welcher Zeit er sich mit einer braven Jungfrau aus seiner Gemeinde verheiratete, - wurde er in folge seiner Bewerbung nach der Stadt Wanfried versetzt, in welcher Gemeinde er 27 Jahre lang segensreich wirkte, bis ihn der Herr abrief. Von seinen eklatanten Leistungen zeugen die vielen Belobungsschreiben und Gratifikationen, die ihm in Folge der Schulvisitationsberichte von den hohen Behörden geworden. Vom Herrn Kreisrabbiner Wetzlar - sein Licht leuchte - zu Gudensberg wurde ihm, als er noch Lehrer in Spangenberg war, der Chower-Titel verliehen. Bei seiner     
Mansbach Israelit 13061866b.jpg (45287 Byte)Funktion als Chasan (Vorsänger) wurden die Betenden durch seinen ebenso andachts- als klangvollen Vortrag mit ihm zur Andacht gestimmt. 
Von seinen 4 Söhnen haben 3 sich dem Berufe des Vaters gewidmet. Leider sind 2 derselben kurze Zeit nach dem Eintritt ins Lehramt, der eine nach 1 1/2 - und der andere nach kaum einjähriger Dienstzeit aus dem Erdenleben geschieden; nur einer noch fungiert als Lehrer im Königreich Hannover; der vierte Sohn ist jetzt im Begriff, sich als Buchbinder zu etablieren, und die einzige Tochter, einige und zwanzig Jahre alt, ist noch bei der Mutter. Westheim." (sc. Lehrer in Abterode)  

    
Spendenaufruf für die Witwe Tannenbaum (1881)   

Mansbach Israelit 13061881.jpg (73424 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1881: "Aufruf! Die aller Mittel entblößte Witwe Tannenbaum hier, Mutter von fünf unmündigen Kindern, hat ihren Sohn, ihre einzige Stütze, als Bäcker lernen lassen. Derselbe will dieses Jahr sein Geschäft eröffnen und bedarf zur Herstellung eines neuen Backofens und Anschaffung der erforderlichen Geräte mindestens 600 Mark. Unsere Gemeinde ist nicht in der Lage, die Witwe Tannenbaum derartig zu unterstützen, dass wir an die Mildtätigkeit unserer auswärtigen Glaubensgenossen nicht zu appellieren brauchten und ergeht daher an alle edlen Menschenfreunde die Bitte, durch Beiträge, die die Unterzeichneten sowie die Expedition dieses Blattes entgegen nehmen, die Lage der armen Witwe zu erleichtern. 
Mansbach (Kreis Hünfeld, Regierungsbezirk Kassel), den 6. Juni 1881. 
Synagogen-Ältester Moses Tannenbaum. J. Boley, Lehrer. 
Wir sind gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern. Die Expedition des 'Israelit'." 

   
Zum Tod von Ruben Stern (geb. in Mansbach, mit Unterbrechungen bis 1877 in Mansbach tätig, danach in Fulda, wo er 1894 starb)    

Fulda Israelit 06091894a.jpg (370921 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1894: "Fulda, Menachem Aw. Ein überaus schmerzlicher Schlag hat unsere Gemeinde getroffen: Herr Ruben Stern ist im Alter von 55 Jahren aus dem Leben abberufen worden. In diesem Manne war eine seltene Fülle von Vorzügen vereinigt. Von frühester Juden gemäß den Segnungen der Tora und der Lehre erzogen, hatte er sich schon als Jüngling eine so reiche und gründliche Kenntnis von Talmud und rabbinischen Autoritäten, eine so musterhafte Gewandtheit in der Auffassung und Behandlung selbst der schwierigsten Partien der talmudischen Literatur angeeignet, dass selbst seine zu den ersten zeitgenössischen Größen auf diesem Gebiete zählenden Lehrer ihn bewunderten. Ein Bruderssohn des unvergesslichen hohen Gelehrten, Oberrabbiners Stern zu Hamburg wurde er als Knabe von 9 Jahren von diesem herrlichen Manne, der damals Rabbiner zu Homburg war, in die Pfade unserer Heiligen Tora eingeführt. Die Charaktergröße, die Herzensreinheit und Geistesstärke dieses Edlen war dem hochbegabten Knaben das leuchtende Vorbild, das ihm sein ganzes Leben hindurch vorschwebte. Die Eigenart seines großen Jugendlehrers spiegelte sich in dem Leben des Verblichenen in mannigfacher Beziehung wieder. Wie oft konnte man in verwickelten Verhältnissen ein kurzes, entschiedenes Wort aus seinem Munde hören, das wie ein Blitz die dunkle Situation erhellte und jeden Zweifel schwinden ließ, ganz so, wie es dem 'Hamburger Raw' zu Gebote stand. - 
Nachdem er bei seinem Onkel die Grundlage jüdischen Wissens erlangt, bezog er die damals in schönster Blut befindliche Jeschiwa des Rabbi Jonah Rosenbaum - sein Licht leuchte - zu Zell, wo er mit gleichgesinnten und von demselben Feuereifer für das Studium der Heiligen Tora beseelten Genossen mehrere Jahre sich weiterbildete. Mit vorzüglichen Vorkenntnissen ausgerüstet, wanderte er dann nach dem Ungarlande, um sich in Eisenstadt bei dem Altmeister jüdischer Gelehrsamkeit, Rabbiner Dr. Hildesheimer - sein Licht leuchte - den höheren Fächern talmudischen Wissens zu widmen. Von da wanderte er endlich nach Preßburg, wo er bei dem weltberühmten Gaon R. Abr. S. Benjamin Sofer - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - seine Studien vollendete und mit dem höchsten Ehrendiplom (Hattarat Horaah = rabbinische Autorisation) entlassen wurde. 
Achtzehn Jahre waren verflossen, seitdem er die Heimat verlassen hatte, um Thora zu lernen, und er hatte neben der Beschäftigung mit der Bibel (Tanach = hebräische Bibel), Talmud und den rabbinischen Autoritäten sich auch mannigfache Kenntnisse auf anderen Gebieten angeeignet. - Da, als er im 27. Lebensjahr sich schlüssig machen wollte, einen Studienberuf für die Dauer zu wählen, starb ihm plötzlich der Vater. Er musste infolgedessen nach seinem Heimatorte Mansbach zurück, um der kranken Mutter wie den jüngeren Geschwistern, zur Stütze zu werden. So sah er sich genötigt, sich in das kaufmännische Leben hineinzuarbeiten. 
Im Jahre 1877 zog er hierher (sc. nach Fulda), um ein bereits in Mansbach eröffnetes Nähmaschinen- und später ein Buttergeschäft zu betreiben. Er war ein nose wenoten be'emunah. Reine unbedingte Reellität gewann ihm die Hochschätzung aller derer, die mit ihm in Verbindung traten. - Selbst ausgesprochene Antisemiten konnten nicht umhin, ihm die volle Anerkennung zu spenden, die einen wahrhaften Kiddusch Haschem (Heiligung des Gottesnamens) bedeuten. 
Am Torastudium hing ihm das Herz. In schwierigen und verwickelten Fällen nach einer Entscheidung zu suchen (frei übersetzt), war ihm Hochgenuss. Er entwickelte dabei einen immensen Scharfsinn und verstand es, sich schnell über eine weitverzweigte Materie zu orientieren. Obgleich er schon lange an Mattigkeit und Erschlaffung litt, die ihn sehr häufig überkam und seine Arbeitskraft wesentlich beeinträchtigte, so raffte er sich dennoch mit aller Kraft auf, um mit jungen Leuten regelmäßige Schiurim (= Lernstunden) zu 'lernen'. - Wo es sich um Besserung allgemeiner Überstände auf dem Gebiete des religiösen Lebens handelte, was sein Rat von außerordentlichem Wert. Er hatte sich durch autodidaktische Belehrung tüchtige Kenntnisse in naturwissenschaftlichen, technischen, juristischen, medizinischen Dingen, auch in Mathematik erworben, sodass Fachmänner der verschiedensten Geistesgebiete, die ihn kennen lernten, ihre Bewunderung aussprachen.   -  
Wenn nun diese Fülle des Wissens, verbunden mit einer gewaltigen Schärfe des Denekns ihn befähigten, in schwierigen Verhältnissen den rechten Weg zu treffen, so stellte er doch sein Wissen und Können am liebsten in den Dienst unserer Tora und der Mizwot (religiöse Gebote). So hat er eine Mikwe-Einrichtung getroffen, die hervorragende Autoritäten als nachahmungswürdig für alle Mikwaot erklärten, die nicht durch Quellwasser gebildet sind; einen Niederlegeapparat für zu schächtende Tiere erfunden, den der berufenste Gelehrte, Hofrat Dr. Dembo, nach persönlicher Prüfung im hiesigen Schlachthause für den besten unter allen Niederlege-Apparaten erklärte, wie er dies in seinem Buche über das Schächten ausspricht: 'Das Schächten im Vergleich mit anderen Schlachtmethoden. Leipzig, Slawische Buchhandlung 1894 S. 47; einen Stempel-Apparat, der die beste Garantie gegen Verwechslungen der           
Fulda Israelit 06091894b.jpg (396080 Byte)einzelnen Stücke von vielen geschächteten Tieren in Schlachthäusern bietet; auch an der Erfindung des Meziza (Beschneidungs)- Röhrchens hatte er hervorragenden Anteil.   
Seiner praktischen Klugheit und Besonnenheit gelang es, manche hochwichtige Angelegenheit zum Guten der Gesamtheit zu regeln, manches Drohende abzuwenden. Wo es einem idealen Zwecke galt, stand er stets bereit. Da riss er sich los mitten aus seinem geschäftlichen Tun, da war ihm ein Opfer an Zeit und Mühe zu groß, da schonte er seine Gesundheit nicht, da erglühte er in Begeisterung um zu tun den Willen seines Schöpfers.   
Seit einer Reihe von Jahren war er Kreisvorsteher und Vorsteheramtsmitglied, welche Ämter er mit peinlichster Gewissenhaftigkeit versah. Ferner war er Vorsitzender der Fleischkommission, als welcher er alle administrativen Angelegenheiten des Schächtwesens und Koscher-Fleisch-Verkaufs in musterhafter, selbstloser Weise ordnete und leitete. Als die hiesige Synagoge zu eng geworden war, verstand es es, durch Änderung der Subsellien und ihrer Aufstellung, wozu er den Plan, an dem sich Fachmänner erfolglos versucht hatten, entwarf, der Gemeinde die bedeutende Ausgabe für Erweiterung der Synagoge zu ersparen. Bei all' dieser inneren Größe und außerordentlichen Schaffenstüchtigkeit war der Verklärte von rührender Einfachheit und Anspruchslosigkeit. Nur wer längere Zeit mit hm Umgang hatte, konnte von seiner glänzenden Begabung und seinem goldlauteren Charakter Kenntnis erlangen. - Seit 4 Jahren von wiederholten Anfällen heimgesucht, hatte er sich zwar einige Male wieder ziemlich erholt, doch nahmen seine Kräfte immer mehr ab. Seit Monaten musste er das Bett hüten. Schon vor Jahresfrist sprach er sich seiner Frau gegenüber dahin aus, dass er wohl bald aus dem Erdenleben scheiden werde und fügte hinzu: 'Haschem Jisborach (Gott, er sei gesegnet) wird Dir die Kraft verleihen, es ertragen zu können.' Am 17. Menachem Aw ist dann das Schmerzensereignis eingetreten, das, obgleich seit lange befürchtet, dennoch wie ein lähmender Schrecken ale Herzen durchzuckte. Am Dienstag, den 19. Menachem Aw, fand unter zahlreicher Beteiligung die Beerdigung statt. Die Leiche ward in den Synagogenhof gebracht, da man sie wegen der Kohanim nicht in die Synagoge selbst bringen konnte. Vor der Eingangstür sprach der Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn - sein Licht leuchte - Worte der Erinnerung, in denen er ein Bild des Verklärten entwarf, welches die Größe des entsetzlichen Verlustes Allen zu Herzen führte. Der Redner , welcher hervorhob, welch' treuen Freund er verloren habe, war so sehr erschüttert, dass ihn der heiße Schmerz wiederholt übermannte. Anknüpfend an verschiedene Talmud- und Midraschstellen schilderte er unter Zugrundlegung von Deuteronomium 8,2.3 den Inhalt des so früh vollendeten Lebens, wodurch Allen die Pflicht erwachse, nach ihrer besten Kraft einzutreten, um durch gemeinsame Arbeit, soweit dieses möglich sei, die entstandene Lücke auszufüllen. So erklärte der Redner den Ausspruch unserer Weisen, ..., wer mit müßiger Wehklage dastehe, wo eine Seele aus der irdischen Schaffenstätigkeit zu Gott zurückkehre, der sei verpflichtet, sich des Risses bewusst zu werden, um an seinem Teile in den Riss einzutreten, einer im Riss stehender zu sein. Er schloss mit dem Worte des königlichen Sängers Der Gerechte sprosst wie die Palme... wer in des Herrn Haus eingepflanzt wurde, wird sprießen in den Höfen unseres Gottes' (Psalm 92,13-14) und sprach die Hoffnung aus, dass auch der in das Heiligtum des Gotteswortes eingepflanzte Lebensbaum des Entschlafenen die Blüten seines Geistes und die Früchte seines hiniedigen Schaffens in die 'Vorhöfe unseres Gttes', in die das Gotteshaus umgebenden und von ihm als Mittelpunkt bestimmten Kreise des Lebens in immer sich verjüngender Frische und Kraft entsenden möge.   
Hierauf setzte sich der Leichenkondukt in Bewegung nach dem Friedhof. Dort angelangt, erhob der Schwager des Verblichenen, Provinzial-Rabbiner Dr. Koref - sein Licht leuchte - aus Hanau, seine Stimme, um dem Entschlafenen ein Liebesdenkmal zu setzen durch die Vorführung der herrlichen Eigenschaften, die sein Leben als Gatte, als Vater und als Freund schmückten. Er legte die Anfangsverse der Haphtorah "Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat mein vergessen..." (Jesaja 49,14) zu Grunde und schilderte, selbst aufs Tiefste ergriffen, den unaussprechlich schmerzlichen Verlust, den insbesondere seine Familie erlitten habe.    
Er hob als eine der besten Tröstungen hervor, dass der Heimgegangene den schönsten Lohn seiner hingebenden Kindererziehung schon in seinem Leben genossen, indem seine Söhne und Töchter von frühester Kindheit an durch Gottesfurcht, Fleiß und ernsteste Pflichterfüllung ihm stets mit aller Kraft nachgestrebt und den Eltern dadurch die innigste Freude bereitet hätten. Habe sich so der Beistand Gottes dem edlen Heimgegangenen in seinem Familienleben bewährt, so liege gerade in seinem Tod die Mahnung für seine Söhne und Töchter..., dass sie umso eifriger danach streben sollten, der von Gott ihnen bestimmten Pflicht sich mit ganzer Hingebung zu widmen, dass alle Anregungen von innen und von außen, die das glorreiche Bild des Vaters zu trüben imstande sein könnten, ihrem Leben fern bleiben möge... Der Allbarmherzige werde sich ihrer annehmen. Er werde der so schwer betroffenen Witwe beistehen, dass sie sich in den Verlust des        
Fulda Israelit 06091894c.jpg (25127 Byte)treuen, geliebten Mannes hineinfinden könnte. Ich aber vergesse dich nicht. Möchte doch der herbe Verlust, den wir und ganz Israel mit uns durch den frühen Heimgang dieses vorzüglichen Jehudi erlitten haben, uns und alle, die davon erfahren, mit dem heiligen Vorsatz durchdringen, dem Herrn, deinem Gott zu dienen mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Seele und mit seiner ganzen Kraft. Amen. Sela."    


Zum Tod von Röschen Spier (1902)  

Mannsbach Israelit 21081902.jpg (99714 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1902: "Mansbach (Regierungsbezirk Kassel). Eine herrliche, edle Frau, eine Esches Chajil (wackere Frau) in des Wortes weitgehendster Bedeutung, Frau Röschen Spier, Gattin des Herrn Wolf Spier, hier, ist nicht mehr. Am Freitag Erew Schabbos Chasan (= Freitag, 8. August 1902) hauchte sie ihre reine Seele aus. Welche Liebe und Verehrung sie in allen Schichten der Bevölkerung genoss, davon legte die Sonntag stattgefundene Beerdigung beredtes Zeugnis ab. Von Fern und Nah - Juden und eine große Anzahl Christen - waren sie herbeigeeilt, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauerhause schilderte in beredter Weise Herr Lehrer Strauß die trefflichen Eigenschaften und vielen Tugenden der Dahingeschiedenen. Auf dem Friedhofe widmete der älteste Sohn, Herr Lehrer Spier aus Groß-Zimmern, schmerzlich bewegt in tief ergreifenden Worten seiner Mutter einen zu Herzen gehenden Nachruf. Wohl kein Auge blieb tränenleer, als er Abschied von der Mutter nahm, gelobend, in ihrem Geiste zu wirken und zu leben. Einen innigen Abschiedsgruß rief auch der zweite Sohn, Herr Lehrer Spier aus Bad Schwalbach, der Verklärten zu. M.M. aus F."    

        
Zum Soldatentod des aus Mansbach stammenden Lehrers Salli Nußbaum (1915)   

Zimmersrode Israelit 10061915.jpg (112757 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1915: "Salli Nussbaumseligen Andenkens. Mansbach, 4. Juni. Wieder hat der Krieg eine schmerzliche Lücke in der Lehrerwelt gerissen. Herr Salli Nussbaum ist nicht mehr. Eine feindliche Kugel hat ihn, der voll glühender Begeisterung für das Vaterland in das Feld zog, tödlich getroffen. Im blühenden Alter von 23 Jahren ist der Brave seinen Eltern und Geschwistern, seiner ihm in Liebe ergebenen Gemeinde und seinen zahlreichen Freunden, die ihn ob seiner Tugenden schätzen, entrissen worden. Sein Heimgang weckt Gefühle der Trauer und des Schmerzes bei allen, die ihn kannten. Nussbaum war in Mansbach am 2. Juni 1892 als Sohn des Synagogenältesten Jacob Nussbaum geboren. Nachdem er von dem Lehrerseminar zu Köln, von der mündlichen Prüfung befreit, abgegangen war, übernahm er, nach kurzer Vertretungsstelle das Lehreramt in Zimmersrode. Mit seinem Infanterie-Regiment 167, bei dem er 1 Jahr gedient hatte, zog er mutig und voll Gottvertrauen in den Kampf, wo er sich als ein Held erwies. Für seine Tapferkeit wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Verwundet kehrte er in die Heimat zurück. Nach erfolgter Heilung zog er wieder ins Feld und wurde wegen wiederholt bewiesener Tapferkeit zum Unteroffizier befördert. Leider sollten wir ihn nicht wieder sehen; ein Grabeshügel bei St. Julien wölbt sich über seine entseelte Hülle. Seine Seele sein eingebunden im Bund des Lebens."

   
25-jähriges Amtsjubiläum von Jakob Nußbaum als Gemeindeältester (1926)  

Mansbach Israelit 08101926.jpg (124090 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1926: "Mansbach Kreis Hünfeld, 2. Oktober (1926). Am 1. Oktober waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Jakob Nußbaum das Amt eines Gemeinde-Ältesten in hiesiger Gemeinde übernommen. Sein selbstloses Wirken und großes Ansehen, dessen er sich in weiten Kreisen erfreut, veranlassten die Gemeinde, den Tag festlich zu begehen. Während das Vorsteheramt Fulda ein Glückwunschschreiben sandte, hielt Herr Lehrer Stein beim Morgengottesdienst in der festlich geschmückte Synagoge eine Festrede, in der er, anknüpfend an die Haftora des Tages, zeigte, wie ein Führer in der Gemeinde sein soll, und wie unser Jubilar diese Aufgabe in den 25 Jahren seiner Wirksamkeit glänzend erfüllt hat. Die eigentliche Feier ging abends in dem nach Auflösung der Schulstelle leider leerstehenden Schulhauses vor sich, wo Herr Lehrer Stein wieder der Gemeinde und seine eigenen Glückwünsche darbrachte und als Andenken einen mit Widmung versehenen silbernen Becher überreichte. Dann kam die Jugend zu ihrem Recht und verschönte die Feier durch allerlei gelungene Vorträge. Sichtlich gerührt dankte der Jubilar in einfacher, herzlicher Weise allen, die ihn an dem Tage so sehr erfreut."  

    
Kaufmann Moritz Bacharach wurde zum Vorsteher der Synagogengemeinde gewählt, J. Grünebaum wird Rechnungsführer (1929)      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 20. Dezember 1929:    

   
Zum Tod von Rudi Bacharach (1936)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1936: "Mansbach, 11. September (1936). Im blühenden Alter von 22 Jahren starb auf dem Weg nach Erez Jisrael der Chaluz (Pionier) Rudi Bacharach. Leider sollte sein Hoffen und Sehnen nicht in Erfüllung gehen. Zwei Jahre lang stand er als Chaluz in vorderster Reihe und war seines schlichten Wesens wegen ein guter Chawer (Kamerad). Der Lenker der Geschicke hat in seinem Walten es nicht gewollt, dass ein hoffnungsvoller Mensch, ein treuer Sohn seiner Eltern, auf dem heiligen Buden weiterkämpft für sein Ideal, dass er es erlebe, wie sich seine Sehnsucht auf palästinensischer Erde erfüllte. Wenn einmal von den Pionieren Erez Jisroels gesprochen wird, dann wird auch Rudi Bacharach genannt werden, dessen Leben sich für Erez Jisroel voillendete. Das sei den Eltern, Geschwistern und Verwandten zum Trost und seinen Chawerim (Kameraden) Ansporn zur neuen Tat. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.  H.O."       

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Anzeige der Metzgerei Aron Tannenbaum (1893)  

Mansbach Israelit 28121893.jpg (21450 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1893: "Schwartemagen, Cervelatwurst koscher und Kochwurst prima Qualität offeriert Aron Tannenbaum, Mansbach (Hessen-Nassau)." 

    
Anzeige der Bäckerei Sally Tannenbaum (1900)  

Mansbach Israelit 08111900.jpg (30920 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1900: "Für meine Bäckerei suche einen Lehrling per 15. Dezember dieses Jahres. Schabbat und Feiertag streng geschlossen. 
Sally Tannenbaum
, Mansbach bei Kassel."  

  
Anzeige des Manufaktur- und Schuhwarengeschäftes H. Tannenbaum Wwe. (1901)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1901: 
"Suche für mein Manufaktur- und Schuhwarengeschäft, Schabbat und Feiertag geschlossen, per sofort oder später einen Lehrling 
mit guten Schulkenntnissen aus guter Familie. 
H. Tannenbaum Wwe.

Inhaber: Marcus Tannenbaum
Mansbach (Bezirk Kassel)."    

     
Aufruf um Hilfe für den in Not geratenen Bäcker Sally Tannenbaum (1915)  

Mansbach Israelit 29041915.jpg (79664 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1915: "Dringende Bitte! S. T., der einzige jüdische Bäcker am hiesigen Platze wurde durch die Ungunst der Zeiten und weil sein ihn unterstützender Sohn in den Krieg zog, zur Anmeldung des Konkurses gezwungen. Gelingt es nicht, ihm eiligst mit Mitteln an Hand zu gehen, dann wird sein Häuschen gerichtlich verkauft. Da die hiesige jüdische Gemeinde zu klein und leistungsschwach ist, so sehen wir uns gezwungen, uns mit der herzlichen Bitte an wohltätige Herzen zu wenden: Helfet, damit eine brave Familie vor dem Untergange bewahrt bleibt! Der liebe Gott wird alle Wohltäter belohnen. 
Mansbach, Bezirk Kassel. J. Stein, Lehrer.  
Die Richtigkeit obenstehender Angaben bestätigt, und obige Bitte befürwortet wärmstens. Geldsendungen erbitte an Lehrer Stein. 
Fulda, den 22. April 1915. Der Provinzial-Rabbiner Dr. M. Cahn."    

    
    
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Salomon Lewald aus Mansbach (1821-1860)       
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Mansbach New York Salem 1673.jpg (136799 Byte)   Grabstein für 
"our beloved 
Salomon Lewald
  
Native of Mansbach, Kurhessen. 
Died August 27th 1860  
Aged 39 years, 5 months 
and 18 days."     

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge          
   
Eine Synagoge unbekannten Alters - vermutlich aus dem 18. Jahrhundert - beziehungsweise das jüdische Gemeindezentrum war in der Hauptstraße. Am Haus befand sich eine Balkeninschrift von 1717. Ob das Gebäude bereits als Synagoge gebaut oder erst später dazu umgebaut wurde, ist nicht bekannt. Im Synagogengebäude gab es einen Betsaal mit Frauenempore sowie ein rituelles Bad im Keller und andere Räume, die für die Krankenpflege und die Unterstützung von Bedürftigen sowie für die Treffen der jüdischen Vereine und sonstigen Versammlungen der Gemeindeglieder genutzt wurden.   
   
Das Gebäude selbst hatte einen T-förmigen Grundriss. Es war ein Fachwerkgebäude über einem Steinquadersockel. Der Zugang zur Synagoge war von der Hauptstraße aus.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge auf Grund der engen Bebauung nicht niedergebrannt.  
 
Nach 1945 ist in das Synagogengebäude eine Schreinerei/Tischlerbetrieb eingezogen, zeitweilig war auch eine Strumpffabrik in dem Haus untergebracht. 
   
Das Synagogengebäude wurde 1973 gegen viele Proteste der Ortsansässigen von der Ortsgemeinde, insbesondere dem damaligen Bürgermeister, zur Straßenverbreiterung abgebrochen.  
  
Die Anbringung eines Gedenksteines beziehungsweise Aufstellung eines Gedenksteines ist geplant (Stand 2009).   
    
  
Adresse/Standort der Synagoge:     Straße Elsfeld (frühere Haupstraße) / Ecke mit dem Ostweg (frühere Judengasse) 
   
   
Fotos    
(Quelle: obere Fotozeile links: Arnsberg Bilder S. 145; rechts Altaras 1988 S. 13)   

Das ehemalige Synagogengebäude 
um 1970
Mansbach Synagoge 110.jpg (89321 Byte) Mansbach Synagoge 111.jpg (103321 Byte) 
    Das Gebäude wurde wenige Jahre nach diesen Aufnahmen abgebrochen 
(Foto links vor 1970, rechts im Februar 1973)
            
 Nach Abbruch der ehemaligen Synagoge (Foto vom Juli 1985; Quelle: Altaras) Mansbach Synagoge 120.jpg (44312 Byte)    
          
        
Das Synagogengrundstück im April 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 7.4.2009)
Mansbach Synagoge 170.jpg (91927 Byte) Mansbach Synagoge 172.jpg (93550 Byte)
  Blick auf das Synagogengrundstück, links 
die Oststraße, rechts die Straße Elsfeld
Blick von der Oststraße auf das
 Synagogengrundstück (links)
     
     
Die heutige Oststraße, frühere "Judengasse"  
Mansbach Judengasse 170.jpg (57723 Byte) Mansbach Judengasse 171.jpg (91303 Byte) Mansbach Judengasse 172.jpg (85437 Byte)
      
       
         
Erinnerung an einen 
jüdischen Mansbacher
(JudaicaMuseum Schenklengsfeld)
Schenklengsfeld Museum 200.jpg (80446 Byte) Schenklengsfeld Museum 201.jpg (56837 Byte)
  1908 starb in Philadelphia Augustus
 Bacharach,
ein durch seine Wohltätigkeit
 bekannter Geschäftsmann Philadelphias
 (geboren 1840 in Mansbach, 1857 
nach Amerika ausgewandert)
Ein Nachkomme von Augustus Bacharach 
ist der bekannte Komponist und Pianist 
Burt Bacharach
(geb. 1928 in Kansas City,
 Missouri)
    
     

  
  
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Hohenroda  
Website von Elisabeth Sternberg-Siebert zu Mansbach   
Seiten zur jüdischen Geschichte von Mansbach auch bei www.hassia-judaica.de  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Mansbach 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Mansbach sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,552   Geburtsregister der Juden von Mansbach  1825 - 1847    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319775    
HHStAW 365,556   Sterberegister der Juden von Mansbach   1825 - 1859    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1675014     
HHStAW 365,554   Trauregister der Juden von Mansbach  1825 - 1868      https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5135974          
HHStAW 365,553   Geburtsregister der Juden von Mansbach  1847 - 1902    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4971259       
HHStAW 365,557   Sterberegister der Juden von Mansbach  1859 - 1902     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030587   
HHStAW 365,555   Trauregister der Juden von Mansbach  1868 - 1897 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3500084     

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 47-48 
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 145.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 40-41.  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 42 (keine weiteren Informationen) 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 62.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 497-498.  
Adolf Gebauer: Die jüdischen Bürger von Mansbach. In: Chronik Mansbach-Oberbreitzbach. 1971 S. 14-15. 
ders.: Die jüdischen Bürger von Mansbach. In: 'Mein Heimatland' 4/1979.   
Burghaun Lit 01.jpg (13757 Byte)Elisabeth Sternberg-Siebert: Jüdisches Leben im Hünfelder Land: Juden in Burghaun.  Verlag Michael Imhof, Petersberg 2008. ISBN 978-3-932526-14-5 (2. erweitere Auflage). 320 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. 22.00 €  Weitere Informationen auf pdf-Datei.  
vgl. auch Website von Elisabeth Sternberg-Siebert.    
Miriam Hahn: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Mansbach unter besonderer Berücksichtigung der Nationalsozialistischen Diktatur. Unveröffentlichte Hausarbeit.  

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Mansbach (now part of Hohenroda) Hesse-Nassau. Established in the 18th century, the Jewish community had a large synagogue dating from 1717 and numbered 199 (21 % of the total) in 1861 but had dwindled to 50 (6 %) by 1925. An annual "gift" to the Evangelical pastor remained obligatory until 1931. Most Jews left after 1935; six were deported in 1941-42. 
       
         

                   
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Stand: 02. Juni 2017