Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Burgpreppach (Kreis Hassberge)
Texte/Berichte zur Geschichte der Israelitischen Präparandenschule "Talmud Thora"
(Präparanden- und Bürgerschule / Handels- und Bürgerschule)

Die nachstehend wiedergegebenen Texte wurden in jüdischen Periodika gefunden. Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. 
Neueste Einstellung am 20.7.2014.   
   
Übersicht:

Anzeigen 
Aufnahme in die Schule - Ausschreibungen 1915 -1937  
Aus der Geschichte der Lehrer an der Präparandenschule "Talmud Thora"  
Ausschreibungen von Lehrerstellen 1876 / 1899 / 1922 / 1925 / 1937  
Über den ersten Lehrer an der Präparandenschule Heinrich Ehrmann (1874-1885 an der Schule, gestorben 1931 in Friedberg)  
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers an der Präparandenschule Wolf Neumann (seit 1876 an der Schule; Bericht von 1901) 
Die israelitische Präparandenschule "Talmud-Thora" im Jahr 1902  
Ausschreibung der Lehrerstelle (1904)       
Lehrer Adler aus Georgensgmünd wird an die Präparandenschule berufen (1904)     
Zum Tod von Lehrer J. Braunold (seit 1897 an der Schule, Bericht von 1907)  
Todesanzeige für die Lehrerwitwe Rose Braunold geb. Mayer (1925)   
Zum Tod von Oberlehrer Wolf Neumann (seit 1876 Lehrer an der Schule; Bericht von 1908)   
Über Lehrer Jonathan Uhlfelder (bis 1909 an der Schule; Bericht anlässlich seines Todes in Nürnberg 1928)  
Über den im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer Aron Hirschmann (1918)  
Zum Tod des Lehrers Jakob Lichtenstädter (Lehrer an der Präparandenschule 1883-1886, gest. 1936)  
Über Lehrer Max Gutmann (geb. 1876 in Kleinsteinach, Lehrer in Burgpreppach seit 1908, gest. 1926)  
Über Rabbiner / Lehrer Fritz Nußbaum (geb. 1902 in Maßbach, umgekommen nach der Deportation 1942)  
Jahresberichte / Rechenschaftsberichte der Präparandenschule (beziehungsweise des Talmud-Thora-Vereins)   
2. Jahresbericht (1875/1876)   
3. Jahresbericht (1876/1877)  
Bericht des Schulleiters, Bezirksrabbiner Abraham Hirsch (Oktober 1879)  
4. Jahresbericht (1877/1878)   
7. Jahresbericht (1881/1882)  
8. Jahresbericht (1882/1883)   
11. Jahresbericht (1885/1886)  
12. Jahresbericht (1886/1887)  
15. Jahresbericht (1889/1890)  
Jahresbericht von 1892  
18. Jahresbericht (1892/1893)  
21. Jahresbericht (1895/1896)  
2
4. Jahresbericht (1898/1899)  
25. Jahresbericht (1899/1900)  
26. Jahresbericht (1900/1901) 
27. Jahresbericht (1901/1902)  
28. Jahresbericht (1902/1903)  
29. Jahresbericht (1903/1904)  
30. Jahresbericht (1904/1905)  
31. Jahresbericht (1905/1906)  
32. Jahresbericht (1906/1907)  
Kurze Mitteilung zum 42. Jahresbericht (1916/1917)  
44. Jahresbericht (1919/1920) 
45. Jahresbericht (1920/1921)  
47. Jahresbericht (1922/1923) 
Aus der Geschichte der Präparandenschule "Talmud Thora" / Israelitischen Präparanden- und Bürgerschule / Israelitische Handels- und Bürgerschule 
-  Purimspiel der Schüler (1884)  
-  Gründung des Vereins Doresch Tow in Baisingen (1889) - württembergischer Unterstützungsverein für die Ausbildung in Burgpreppach  
Über die Aktivitäten des Vereins Doresch Tow (1891)    
-  Über die Aufführungen der Schüler der Präparandenschule am Purimabend und grundsätzliche Überlegungen hierzu (1890)  
-  Der Burgpreppacher Abschluss berechtigt zur Aufnahme in allen staatlichen Schullehrerseminaren (1891)  
-  Kurze Berichte (Januar / Oktober 1892) 
Die israelitischen Präparandenschulen Burgpreppach und Höchberg sind den nichtjüdischen Präparandenschulen gleichgestellt (1898)  
B
ericht über die Schlussprüfung an der Talmud-Tora-Schule im Januar 1898 (1898  
A
nzeige der "Grabfelder Schulstiftung" (1902)      
Vergleich der Ausbildungen in den Präparandenschulen Burgpreppach, Höchberg und Münster sowie in den Seminaren Köln, Münster und Würzburg (1904)     
-  Allgemeiner Bericht über die drei Lehrerbildungsanstalten im Kreis Unterfranken (1911)   
-  Kurzer Bericht (Januar 1912)  
Beginn des neuen Schuljahres bereits zum 15. Juli 1915  
Mitteilung aus der Präparandenschule (1917)  
Veränderungen im Lehrplan (1921)  
Ankündigung des 50. Schuljubiläums (1925)  
W
iedereröffnung der Talmud Thora-Schule (1930)   
Die Präparandenschule soll in eine Bürgerschule umgebildet werden (1931)      
Eröffnung der "Handels- und Bürgerschule" (1931) und Beschreibung der Gemeindeverhältnisse 
Chanukkafeier Dezember 1931 
Bericht über die Schule (1932)   
Beitrag von Rabbiner Dr. Fritz Bloch (Aschaffenburg) über "Die Schule in Burgpreppach" (1933)  
Chanukkafeier Dezember 1933 (1934)    

   
   
Anzeigen 
Aufnahme in die Schule - Ausschreibungen 1915 -  1937  

Burgpreppach Israelit 18021915.jpg (43294 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1915: "Israelitische Präparandenschule Burgpreppach
Das Sommersemester beginnt - so Gott will - am 12. April. Gesuche um Aufnahme für den Vorkurs sind unter Beifügung von Zeugnissen an den Unterzeichneten zu richten. Distriktsrabbiner Dr. Cohn".
  
Burgpreppach Israelit 16021922.jpg (97561 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1922: "Israelitische Präparanden- und Bürgerschule Talmud Thora Burgpreppach (Unterfranken). Für den nach Schweinfurt gewählten Lehrer unserer Anstalt suchen wir zum 1. mai dieses Jahres einen streng frommen seminaristisch gebildeten Lehrer. Herren, deren Frau oder Schwester das Internat übernimmt, bevorzugt. Gehaltsverhältnisse in Angleichung an die staatlichen.  Die Vorstandschaft: Dr. Michalski.       

Israelitische Präparanden- und Bürgerschulen (Talmud Tora) Burgpreppach und Höchberg.  Das neue Schuljahr beginnt am 1. Mai 1922. Anmeldungen sind bis spätestens 1. März an die unterzeichneten Schulvorstände einzureichen; dabei ist für zugehende Präparanden zu beachten, dass die 1. und 3. Präparandenklasse im kommenden Schuljahr nur in Burgpreppach, die 2. nur in Höchberg geführt wird, für die Bürgerschulen an beiden Anstalten.   Für Höchberg: S. Steinhäuser, Hauptlehrer. Für Burgpreppach: Dr. Michaelski, Distriktsrabbiner."   
 
Burgpreppach Israelit 26031925.jpg (50556 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1925: "Für das neue Schuljahr können noch einige Schüler in unser seit über 50 Jahren bestens bewährtes Institut, sowohl zur Ausbildung für Präparandie, als auch in unseren Handelskursen, sowie für unsere höhere Bürger- und Volksschule aufgenommen werden. Streng religiöse Erziehung nach modernsten Grundsätzen. Beste Verpflegung. Einige Freiplätze stehen noch zur Verfügung. Die Talmud-Thora-Realschule, Burgpreppach." 
 
Burgpreppach Bayr GZ 09051925.jpg (18537 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9. Mai 1925: "Die israelitische Präparanden- und Bürgerschule Talmud-Tora zu Burgpreppach eröffnet am 23. April das Schuljahr und nimmt Schüler vom 10. Lebensjahre ab an. Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums ist die Zahl der Freiplätze vermehrt worden. Meldungen wolle man richten an den Schulleiter."
 
Burgpreppach Israelit 03031932.jpg (72788 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1932: "Israelitische Handels- und Bürgerschule 'TALMUD TORA' vormals Israelitische Präparandenschule, gegründet 1875. Burgpreppach (Unterfranken). Das neue Schuljahr beginnt am 7. April 1932.  Unterrichtsstoff: sämtliche hebräischen Fächer, Handelswissenschaften, Englisch und Französisch, sowie Stenographie, Schreibmaschine, Turnen und Gartenbau. Der Pensionspreis ist sehr mäßig gehalten. Aufnahme finden volks- und fortbildungschulpflichtige Kinder. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an den Vorstand, zu Händen von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Ephraim, Burgpreppach."   
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. März 1934
"Talmud-Tora Bürgerschule Burgpreppach. Jüdische Schule auf dem Lande  
alle biblischen und talmudischen Fächer. Neuhebräisch, Englisch, Französisch. 
spez. Talmud-Tora Abteilung. Schulleiter Bezirksrabbiner Munk."          
    
Burgpreppach Israelit 18021937.jpg (31634 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1937: "Talmud-Tora-Schule zu Burgpreppach.  
(Private Bürgerschule des Talmud-Tora-Vereins) alle biblischen und talmudischen Fächer, Englisch, Iwrith. 
Beginn des Schuljahres 7. April 1937. 
Rechtzeitige Anmeldung bei der Schulleitung." 

    

Aus der Geschichte der Lehrer an der Präparandenschule "Talmud Thora"    
Ausschreibungen von Lehrerstellen 1876 / 1899 / 1922 / 1925 / 1937    

Burgpreppach Israelit 21091876.jpg (28329 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1876: "Die hiesige Talmud Thora beabsichtigt noch einen Lehrer, der im Hebräischen und in den Elementarfächern tüchtig sein soll mit einem Gehalte von 1.000 Mark zu engagieren. Derselbe soll zugleich auch die Pension übernehmen. Geeignete Persönlichkeiten wollen ihre Zeugnisse dem Unterzeichneten senden. Burgpreppach im September 1876. A. Hirsch, Distrikts-Rabbiner."
 
Burgpreppach Israelit 06111899.jpg (61060 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1899: "An der israelitischen Präparandenschule 'Talmud Thora' zu Burgpreppach ist die Stelle eines dritten Präparandenlehrers sofort zu besetzen. Bewerber wollen sich unter Einsendung von Zeugnisabschriften und unter Mitteilung des Zeitpunktes, an welchem sie die Stelle eventuell antreten könnten, baldigst an den unterzeichneten Vorstand wenden, der über Anstellungsbedingungen usw. gerne Auskunft erteilen wird. Dr. Salomon Bamberger, Distrikts-Rabbiner." 
 
Burgpreppach Israelit 02031922.jpg (58158 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Israelitische Präparanden- und Bürgerschule Talmud Thora zu Burgpreppach. Streng frommem, jungem Ehepaar bietet sich durch Übernahme eines Schülerpensionates Existenzmöglichkeit. Wohnung mit Garten vorhanden. Zum 1. Mai dieses Jahres suchen wir streng frommen Lehrer. Gegenwärtige Gehaltsverhältnisse: Gruppe VII staatliche Besoldung. Die Vorstandschaft."
 
Burgpreppach Israelit 24091925.jpg (42089 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1925: "Gesucht wird zum sofortigen Antritt ein Lehrer mit guten Zeugnissen. Bevorzugt wird, wer englischen Anfangsunterricht übernehmen kann. Dienstwohnung vorhanden. Besoldung nach staatlichen Sätzen. Meldungen wolle man unverzüglich richten an Die Vorstandschaft der Israelitischen Präparandie und Bürgerschule Talmud-Thora, Burgpreppach."   
   
Burgpreppach Israelit 04111937.jpg (44789 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1937: "Wir suchen zum 1. Januar 1938 einen Junglehrer, der englischen und neuhebräischen Sprachunterricht erteilen kann. Bewerbungen mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften sofort erbeten. 
Talmud-Tora-Schule zu Burgpreppach
 
(Private Bürgerschule des Talmud-Tora-Vereins)." 

    

  
Über den ersten Lehrer an der Präparandenschule Heinrich Ehrmann (1874-1885 an der Schule, gestorben 1931 in Friedberg) 
Anmerkung: die beiden ersten Lehrer an der Talmud-Tora-Schule waren (vgl. auch den 3. Jahresbericht 1877/78 unten) die Lehrer Heinrich Ehrmann und Wolf Neumann. 

Poppenlauer Israelit 24091931.jpg (209248 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1931: "Trauerfeier für Lehrer Heinrich Ehrmann - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen. Friedberg, 17. September (1931). Eine Weihestunde mitten in den 'Tagen der Weihe' war Mittwochabend in unserer hell beleuchteten und von einer andächtigen Gemeinde angefüllten Synagoge dem Andenken Lehrer Ehrmanns gewidmet. Auch Vertreter der Stadt, der Geistlichkeit beider Konfessionen, der Lehrerschaft sowie auswärtige Delegationen nahmen an der Feier teil. Nach dem Maariwgebet (Abendgebet) sang Herr Lehrer und Kantor Betmann aus Bad Nauheim das "der Mensch - wie Gras sind seine Tage" (Psalm 103,15), worauf der für Friedberg zuständige Provinzialrabbiner Dr. Sander aus Gießen in einer Gedenkrede ein Bild des Heimgegangenen in seiner Bedeutung als Lehrer, Gelehrter und Mensch entwarf....  
Es folgte eine zweite Gedenkrede des Herrn Lehrer Seelig, Friedberg, der für den heimgegangenen Kollegen und Amtsvorgänger warme Töne der Würdigung fand. Er nannte unter anderem all die Vereine und Wohlfahrtseinrichtungen in Friedberg, die in Ehrmann ihren Freund und Förderer verlieren.   
Herr Ferdinand Krämer als erster Vorsitzender des Kultusvorstandes sprach dem geistigen und unermüdlichen Führer den Dank der Gemeinde aus. In besonders warmen und bewegten Worten brachte Herr Dr. Rosenthal zum Ausdruck, was ihm Ehrmann als Lehrer gewesen ist, wie er es durch seine Persönlichkeit und sein reiches Wissen verstanden hat, ihn und all seine Schüler Glauben und Wissen als eine harmonische Einheit begreifen zu lassen. Danken könne die Gemeinde ihrem Führer nur dadurch, dass sie die Jugend in seinem Sinne an die Quellen der jüdischen Lehre hinführe. Herr Leopold sprach den Dank der Mensa Academica aus, für die sich der Heimgegangene sehr verdient gemacht hat. Herr Lehrer Kaufmann, Schotten, sprach für den Hessischen Lehrerlandesverein und rühmte dabei, was Ehrmann als Erster zur Organisierung der jüdischen Lehrer in Hessen getan hat. Herr Lehrer Hirschberg, Frankfurt am Main überbrachte die letzten Grüße des Bundes gesetzestreuer Lehrer in Deutschland, dessen Vorstand der Heimgegangene angehörte, und schilderte dabei an Hand eines Satzes im Kohelet, wie er dienend das jüdische Erziehungsideal - als Religionslehrer nur - zur Herrschaft brachte. Herr Emil Rosenthal überbrachte die Grüße der Nachbargemeinde Bad Nauheim. Zuletzt sprach Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt am Main für einen Kreis Frankfurter Freunde und die Redaktion des Israelit, der Ehrmann als langjähriger Schriftleiter der Pädagogischen Beilage sehr nahestand. Er zeichnet die Persönlichkeit und das Wirken Ehrmanns als Schabbat - im Sinne von Schira (Gesang), Beracha (Segen) und Tefila (Gebet). Mit einem Gesang des Herrn Lehrer Selig nahm die in ihrer Schlichtheit äußerst wirkungsvolle Feier ihr harmonisches Ende. Die Gemeinde hatte sich noch einmal das Bild des Mannes, der sie durch ein halbes Jahrhundert betreut hat, vor die Seele geführt. Nun gilt es, sein Andenken in Tat    
Poppenlauer Israelit 24091931a.jpg (105889 Byte)und Handlung, in Gemeinde und Haus, in Ehren zu halten.   
Über die Persönlichkeit und den Werdegang Ehrmanns - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - wird uns zu unserem Nachrufe in jüngster Nummer aus Lehrerkreisen noch folgendes mitgeteilt. 
Herr Heinrich Ehrmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - ist in Poppenlauer (Unterfranken) geboren und von dem seligen Rabbiner Abraham Hirsch - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - , der ebenfalls von Poppenlauer stammt, veranlasst worden, sich dem Lehrerberufe zu widmen, für den er sich im Seminar zu Würzburg vorbereitete. Nach besonderer Prüfung wollte er eine Stelle in Westhofen übernehmen. Auf Zureden von Rabbiner Hirsch trat er jedoch als erster Lehrer (1874) in die neugegründete Präparandenanstalt 'Talmud Tora' in Burgpreppach ein, der er seine ganze Kraft widmete. Er unterrichtete zunächst 2 Klassen und war täglich von früh 7 Uhr bis abends 10 Uhr für die Anstalt tätig, indem er zu dem Unterricht und der Beaufsichtigung der Schule noch die Stelle eines Sekretärs ausübte. Er kannte schon damals keine Rücksicht auf seine eigene Person und arbeitete sich so herunter, dass der Arzt ihm dringend riet, eine andere Stelle zu suchen. Dabei nahm er noch seine Mutter und eine Schwester zu sich und sorgte für sie bis zu ihrem Ableben in rührendster Weise. Seine würdige Gattin geb. Pfeiffer war eine Tochter des Burgpreppacher Volksschullehrers Pfeiffer. Von Burgpreppach siedelte er später (1885) nach Friedberg über. Er nahm regelmäßig am Gomoro-Schiur des seligen Rabbiners Markus Horowitz teil, lernte aber auch an noch manchen anderen Stellen. Seine Selbstlosigkeit war ohnegleichen. Der edle Mensch opferte Kraft und Geld, wo es galt, jemandem zu helfen. Man könnte unzählige Beispiele erzählen, die zeigen, welch großer Mensch hier betrauert wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

   
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers an der Präparandenschule Wolf Neumann (seit 1876 an der Schule; Bericht von 1901)   

Neumann Wolf 011.jpg (19448 Byte)Foto links: Lehrer Wolf Neumann (1832-1908) - Foto erhalten im Juli 2011 von seiner Urenkelin Fredel Fruhman  
  
Burgpreppach Israelit 21101901.jpg (180848 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1901: "Burgpreppach, 17. Oktober (1901). Mit dem Beginne des neuen Schuljahres, das in dieser Woche mit einer Ansprache des Vorstandes, des Herrn Distrikt-Rabbiners Dr. A. Cohn an die versammelten Schüler eröffnet wurde, waren 25 Jahre verflossen, seit dem Tage, an welchem der älteste Lehrer an der hiesigen Präparandenschule Talmud Thora, Herr Wolf Neumann, durch den Begründer derselben, Herrn Rabbiner Hirsch seligen Andenkens, an dieselbe berufen wurde. Nahezu 600 Schüler, die heute selbst bereits als Lehrer oder in einem anderen Berufe eine segensreiche Wirksamkeit entfalten, wurden durch Herrn Neumann in diesen Jahren nicht nur unterrichtet, sondern fast alle haben während der Zeit ihres Aufenthaltes an der Präparandenschule auch in seinem Hause gewöhnt und somit auch außerhalb der Schule seine Erziehung genossen. Als Herr Rabbiner Hirsch seligen Andenkens sich in  den letzten Jahren genötigt sah, seine Tätigkeit an der Schule einzuschränken, führte Herr Neumann die Geschäfte der Vorstandschaft, die er auch später bis zur Neubesetzung des erledigten Rabbinats wiederholt übernahm. Zu allen Zeiten aber hat, wie Herr Rabbiner Dr. Cohn in seiner Ansprache, in der er die Verdienste des Jubilars nach Gebühr würdigte, hervorhob, derselbe den Satz betätigt 'Wo es keine Weisheit gibt, gibt es keine Gottesfurcht, und wo es keine Gottesfurcht gibt, gibt es keine Weisheit' und seinen Schülern somit als Muster eines, für die heilige Tora begeisterten, von Pflichteifer erfüllten Lehrers vorangeleuchtet. Zu dem Eröffnungsakte, der sich naturgemäß dieses Mal ganz besonders feierlich gestaltete, hatten sich außer den Schülern die Lehrer mit ihren Damen, die Familie des Herrn Lehrer Neumann und die Mitglieder der Verwaltung eingefunden, in deren letzteren Namen Herr Rabbiner Dr. Cohn im Anschluss an seine Ansprache ein Ehrengeschenk mit einer die Verdienste des Jubilars hervorhebenden Adresse überreichte.  
Darauf sprach Herr Lehrer Ochsenmann, ein früherer Schuler der Anstalt, im Namen der ehemaligen Schüler Herrn Neumann seine Glückwünsche aus, worauf dieser selbst, durch die ihm gewordenen Ehrungen, wie er betonte, tief gerührt, für dieselben dankte und hervorhob, dass, wenn es ihm gelungen sei, in den 25 Jahren manches Ersprießliche zu leisten, er das gewiss nur dem Umstande zu verdanken habe, dass im stets das Beispiel des unvergesslichen Rabbiners Hirsch seligen Andenkens, der ihn hierher berufen habe, voranleuchtete, das ihm auch in Zukunft stets Leitstern bleiben werde.  
Möge es Herrn Neumann und der Schule vergönnt sein, dass der Jubilar noch lange in ungeschwächter Schaffensfreude an derselbe zu deren weiterem Gedeihen wirken könne."  
Anmerkung: nach Strätz Biographisches Handbuch Würzburger Juden Bd. I S. 377 war Wolf Neumann verheiratet mit Sophie geb. Friedmann. Ihre Tochter Fanny (geb. 1899 in Burgpreppach) heiratete 1928 Max Massenbacher aus Burghaslach (siehe mehr auf der Seite zu Burghaslach).  
Burgpreppach Friedhof 220.jpg (105080 Byte)Das Grab des 1908 verstorbenen Lehrers Wolf Neumann befindet sich im jüdischen Friedhof in Burgpreppach. Siehe dort weitere In- formationen. Bericht zu seinem Tod weiter unten.   

   
Die Israelitische Präparandenschule "Talmud-Thora" im Jahr 1902    

Aus dem "Statistischen Amtshandbuch für den Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg" (Würzburg 1902) S. 122: "Israelitische Präparandenschule 'Talmud-Thora' in Burgpreppach. 
Dieselbe bezweckt, israelitische Jünglinge für den Beruf eines Lehrers vorzubereiten. Die Anstalt umfasst 3 Kurse. Nach bestandener Schlussprüfung treten die Schüler in die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg oder in ein anderes israelitisches Seminar, mitunter auch in ein königliches Schullehrer-Seminar über. Anzahl der Zöglinge: 62. 
Vorstand: Dr. Naphtali Kohn, Distriktsrabbiner. 
Präparandenlehrer
: W. Neumann, Jos. Braunold, K. Ochsenmann. 
Musiklehrer
: St. Deißenberger, S. Staab."  

  
Ausschreibung der Lehrerstelle (1904) 
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1904: "Israelitische Präparandenschule zu Burgpreppach. Infolge Berufung des bisherigen Inhabers der Stelle an die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main ist zum Beginn des Sommer-Semesters die Stelle eines Präparandenlehrers an unserer Schule neu zu besetzen. Reflektanten wollen sich baldigst mit dem unterzeichneten Vorstand in Verbindung setzen. 
Distriktsrabbiner Dr. Naphtali Cohn.
"   

  
Lehrer Adler wird zum Lehrer an die Präparandenschule Burgpreppach berufen (1904)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Georgensgmünd, 18. März (1904). Unser Herr Lehrer Adler ist zum Lehrer in der Präparanden-Schule (Talmud-Thora) in Burgpreppach berufen und bereits von der königlichen Regierung bestätigt worden. Da er es verstanden hat, durch treue Pflichterfüllung und leutseliges Wesen sich die ungeteilte Wertschätzung der ganzen Gemeinde zu erringen, so wird das Scheiden dieses strebsamen Beamten von hier allgemein bedauert. Sei erfolgreich und betreibe die Sache der Wahrheit".  
  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1904: "Burgpreppach. Als Nachfolger des an die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main berufenen Herrn K. Ochsenmann ist, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, Herr Salomon Adler, zur Zeit in Georgensgmünd, zum Lehrer an der Israelitischen Präparandenschule zu Burgpreppach gewählt worden. Die Wahl hat bereits die Bestätigung der Königlichen Kreisregierung zu Würzburg erhalten. Herr Adler ist gleich seinem Vorgänger ein ehemaliger Schüler der Burgpreppacher Schule."    

       
Zum Tod von Lehrer J. Braunold (seit 1897 an der Schule, Bericht von 1907)  

Burgpreppach Israelit 14111907.jpg (122095 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1907: "Burgpreppach, 10. November (1907). Vor kurzem wurde Herr J. Braunold, Lehrer an der hiesigen Präparandenschule, zu Grabe getragen. Die Anstalt, an der der Verblichene 10 Jahre wirkte, verliert in ihm einen mit seltenen Geisteseigenschaften ausgestatteten Lehrer. Treu und pflichteifrig im Berufe, verband er mit einem glänzenden Wissen eine große Bescheidenheit, die ihn seine eigene Persönlichkeit stets vor den anderen zurückstellen hieß. In seiner freundlichen Weise stand er den jungen Kollegen immer gerne mit Rat und Tat väterlich zur Seite. Den Schülern, die er durch seinen anregenden und interessanten Unterricht zu fesseln wusste, war er stets das vollkommenste Muster eines guten Jehudi. Groß ist die Zahl derer, denen er das Gotteswort vermittelte und die er hat bilden helfen zu tüchtigen Menschen und gesetzestreuen Juden. Sein Unterricht zeitigte treffliche Erfolge; dafür wurde ihm noch im letzten Jahre seiner Tätigkeit die Anerkennung der hohen Königlichen Regierung zuteil. Die Gemeinde Burgpreppach betrauert in ihm ein Mitglied, das ihre Interessen stets warm vertreten und gefördert hat. Er wusste sich die Zuneigung aller zu erwerben, die zu ihm in engere Beziehung traten. Unser ganzer Ort trauert denn auch um den trefflichen Mann. Eine große Schar von Freunden der Verstorbenen war herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Am Trauerhause hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn als Direktor der Präparandenschule und als Vertreter des Kuratoriums ein Hesped (Trauerrede), in dem er ein treues Bild von der von Pflichteifer erfüllten Persönlichkeit des Heimgegangenen entwarf. Im Namen des Lehrerkollegiums und als Vertreter des Vorstandes des Israelitischen Bayerischen Lehrervereins, dessen Mitglied der Verstorbene war, widmete Herr Lehrer Neumann dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf. Er beklagte den frühen Heimgang des Studienfreundes und Kollegen, der auf der Höhe des Lebens dahingerafft wurde. Am Grabe sprachen Lehrer Matthes - Ditterswind im Namen des Bezirkslehrervereins Burgpreppach, Herr Lehrer Ottensoser in Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde und Herr Lehrer Zeilberger, zur Zeit Burgpreppach, als ehemaliger Schüler des Heimgegangenen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."       

      
Todesanzeige für die Lehrerwitwe Rosa Braunold geb. Mayer (1925)  

Schweinfurt Israelit 23071925.jpg (49916 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1925: "Am 20. Tammus (12. Juli) verschied nach langem, schwerem Leiden im 66. Lebensjahre unsere liebe Mutter Frau Rosa Braunold geb. Mayer, Lehrerswitwe. Die Überführung nach Burgpreppach fand am Dienstag, 22. Tammus statt. Schweinfurt, Mainz, Fulda, Berlin, Wiesenfeld. Im Namen der Kinder.  Lehrer A. Berlinger und Frau geb. Braunold."  

    
Zum Tod von Oberlehrer Wolf Neumann (seit 1876 Lehrer an der Schule; Bericht 1908)  
Hinweis: Foto von Lehrer Wolf Neumann siehe oben im Bericht von 1901.    

Burgpreppach Israelit 29101908.jpg (30936 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1908: "Burgpreppach, 21. Oktober (1908). Gestern Vormittag verstarb dahier der weit bekannte und allbeliebte Oberlehrer Neumann der israelitischen Präparandenschule Burgpreppach, der genanntem Institut nahezu 30 Jahre als Lehrer und Oberlehrer vorstand und sich allgemeiner Hochachtung und Beliebtheit erfreute. - Wir behalten uns eine eingehendere Würdigung dieses verdienten Lehrers für die nächste Nummer vor."  
    
Burgpreppach Israelit 05111908.jpg (195914 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1908: "Das Andenken des Gerechten ist zum Segen. Burgpreppach, 2. November (1908). Noch nicht hat das Jahr seinen Lauf vollendet, in dem ein bewährter Lehrer, Herr Präparandenlehrer Braunold - seligen Andenkens - die Augen zum ewigen Schlaf geschlossen und schon wiederum hat der unerbittliche Tod eine schwere Lücke in den Lehrkörper der Talmud-Toraschule Burgpreppach gerissen. Herr Präparandenoberlehrer Wolf Neumann - seligen Andenkens - erlag nach kurzem, aber schwerem Krankenlager einem tückischen, körperlichen Leiden, das seit Jahresfrist seine Gesundheit unterwühlt hatte. In ihm verliert die Präparandenschule Burgpreppach einen ihrer treuesten Lehrer, der in uneigennütziger Weise fast vier Jahrzehnte mit großem Erfolge an derselben gewirkt hat. War der Verstorbene doch noch einer von den Lehrern, die an der Wiege der Anstalt gestanden, und bis zu seinem Lebensende galt sein Denken und Streben der Schule, die er mitbegründen geholfen. Hunderte von Lehrern, die nun in allen Gauen unseres Vaterlandes wirken, saßen einst zu den Füßen des großen Lehrers und lauschten begierig seinen Worten. Vor allem war sein Streben darauf gerichtet, die ihm anvertraute Jugend für unsere Heilige Tora zu begeistern; ihm war es nicht nur darum zu tun, seinen Schülern Kenntnisse mitzuteilen, er suchte sie nach dem Worte unserer Weisen: nicht das Lernen ist die Hauptsache, sondern das Tun zur Betätigung und Ausübung des Gelernten anzueifern. Er war aber nciht nur bedeutend als Lehrer, sondern er war auch groß und edel als Mensch; so erwarb er sich in allen kreisen der Bevölkerung, in denen er verkehrte, zahlreiche Freunde und Verehrer. Von seiner großen Beliebtheit zeugt auch die rege Beteiligung der Gesamtbevölkerung des hiesigen Ortes gelegentlich seiner Beerdigung; aber auch von weither strömten Bekannte und Verwandte, Freunde, Kollegen und Schüler, um dem teueren Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. vor dem Trauerhause hielt Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn einen tief empfundenen Nachruf, in dem er die Verdienste des Verstorbenen um Schule und Gemeinde schilderte. Hernach ergriff Herr Distriktrabbiner Dr. Stein - Schweinfurt das Wort, um dem Verewigten den Dank des Kuratoriums der Talmud-Toraschule auszusprechen. Am Grabe sprachen noch Herr Lehrer Ottensoser namens der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Lehrer Goldstein - Heidingsfeld im Auftrage des israelitischen Lehrervereins, dessen Mitbegründer der Heimgegangene gewesen, Herr Seminarlehrer Stoll - Würzburg für die Verwandten, Herr Präparandenlehrer Uhlfelder im Namen des Lehrerkollegiums der Präparandenschule Burgpreppach, Herr Dr. Bamberger - Nürnberg gab als ehemaliger Schüler des Entschlafenen der Liebe und Verehrung Ausdruck, die sich der Verblichene im Herzen seiner Schüler erworben. Auch Vertreter christlicher Vereine hielten ehrende Nachrufe. Nun ist seine sterbliche Hülle der Erde übergeben; der Talmud-Toraschule Burgpreppach und dem großen Kreise seiner Verehrer wird er unvergesslich bleiben. Das Andenken des Gerechten ist zum Segen!"   

        
Über Lehrer Jonathan Uhlfelder (bis 1909 an der Schule; Berichte anlässlich seines Todes in Nürnberg 1928)     

Heidenheim BayrGZ 15121928.jpg (204982 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Dezember 1928: "Jonathan Uhlfelder. Nürnberg. Wer den erschütternden Eindruck wiedergeben will, den der plötzliche Tod von Jonathan Uhlfelder seligen Andenkens hinterließ, kann es nicht bezeichnender tun als mit den Worten der Heiligen Schrift: 'Die Stadt war verstört!' Nach einem leichten Unwohlsein, ohne Ahnung von dem, was ihm bevorstand, aber auch ohne Schmerz, mitten aus seinem Schaffen und Planen heraus wurde er seiner Familie, seiner Schule, dem Kreise der Kollegen und Freunde entrissen.  
Jonathan Uhlfelder gehörte zu den stillen, gütigen Menschen, die aus einem reichen Innenleben schöpfend, in treuer Pflichterfüllung ihre Welt sehen. Sein Leben war ausgefüllt von der zärtlichsten Fürsorge für die Seinen und von dem unablässigen Bemühen, das Wohl der ihm Anvertrauten zu fördern und sicher zu stellen. Daneben war er voll des regesten Interesses für die materielle und geistige Hebung seines Standes, für das Wohl und Wehe seiner Kollegen, für das Glück seiner Freunde. Mit Recht rühmte ihm der 2. Vorstand des Vereins an der Bahre nach, wie er in der für die Religionslehrer schlimmsten Zeit, in den traurigen Jahren ihrer Rechtlosigkeit und einer völlig ungesicherten Existenz seinen Kollegen die Treue hielt, obwohl er selbst als staatlich angestellter Volksschullehrer dieser Sorgen enthoben war. 
Uhlfelders berufliches Wirken führte ihn von Burgsinn und Bechhofen, wo er als Religionslehrer Anstellung gefunden hatte, an die Präparandenschule nach Burgpreppach und nach einer erfolgreichen Tätigkeit an derselben in den Volksschuldienst nach Heidenheim (Mittelfranken). Vor fünf Jahren wurde er an die Volksschule der Adaß Israel in Nürnberg berufen. 
Schon als junger Lehrer hatte er die ernste, verantwortungsvolle Arbeit des Volksschullehrers erstrebt. Seine Tätigkeit im Dienste der Lehrerausbildung wie später an der Volksschule zeugten von seinem rastlosen Streben nach eigener Vervollkommnung, wie von seinem reinen Bemühen, die ihm anvertraute Jugend zu fördern. Es lag in seiner einfachen, selbstlosen, jedem Wichtigtun abholden Art, wenn dieses Streben nicht immer nach seiner ganzen Weite erkannt wurde.
Herr Rabbiner Dr. Klein widmete dem allzu früh Vollendeten einen tief empfundenen Nachruf, indem er, an ein Wort des Midrasch anknüpfend, rühmte, wie Uhlfelder stets der Mahnung der Weisen gerecht wurde, sein Gewand zu jeder Zeit weiß zu erhalten, das Gewand der Lauterkeit im Wandel und der Treue zu Gott. Mit Wärme schilderte er dann den Verblichenen als Gatte, Vater und Bruder. Für den bayerischen Volkschullehrerverein und für den Verein israelitischer Lehrer in Bayern überbrachte Herr Hauptlehrer Dr. Bamberger letzte Grüße und das Gelöbnis unverbrüchlicher tatbreiter Treue; namens des Lehrerkollegiums der israelitischen Volksschule der Adaß nahm Herr Oberlehrer Heß schmerzbewegten Abschied; ferner widmete Herr Oberstudienrat Dr. Tachauer als Vertreter der Adaß Israel, Herr Rechtsanwalt Feilchenfeld für die Maimonides Loge und Herr Dr. Löb im Namen der Elternschaft der jüdischen Volksschule dem Verewigten Worte des Gedenkens und des Dankes.
Ein zahlreiches Trauergefolge, darunter auch Herr Stadtschulrat Eder, begleiteten Uhlfelder zur letzten Ruhe. Viele Amtsbrüder waren zum Teil - trotz des Freitags - weither gekommen, um ihre Anteilnahme zu bezeugen. Ein Unglück, das so jähr hereinbrechend ein trautes Familienglück zerstört, wird immer erschütternd wirken, doch darüber hinaus werden alle, die den bescheidenen, jedermann gut gesinnten und allem Äußerlichen widerstrebenden Manne näher kannten, seinen Heimgang als einen schweren Verluste beklagen. J. Blum (Nürnberg). 
    
Burgsinn Israelit 06121928.jpg (118637 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1928: "Nürnberg, 30. November (1928). Am 21. dieses Monats verschied nach kurzer Krankheit unerwartet Hauptlehrer Jonathan Uhlfelder. Sein Tod erweckte in weiten Kreisen der hiesigen Gemeinde tiefste Teilnahme. Uhlfelder stammte aus einer Familie, in der der Lehrerberuf traditionell ist. Nach erfolgreicher Tätigkeit in Burgsinn, an der Präparandenschule in Burgpreppach und an der Volksschule in Heidenheim wurde er an die hiesige jüdische Volksschule berufen, an der er 6 1/2 Jahre wirkte.  
Uhlfelders stilles bescheidenes Wesen liebte es nicht, in der Öffentlichkeit sich bemerkbar zu machen. Aber alle, die in engeren Verkehr zu ihm traten, wussten seine Geradheit und Schlichtheit, sein reges Interesse an Berufs- und anderen Fragen, sein pädagogisches Wissen und Geschick zu schätzen. Die Bestattung fand am 23. dieses Monats unter großer Beteiligung statt. Am Grabe rühmte Herr Rabbiner Dr. Klein des Heimgegangenen Persönlichkeit als Familienvater und Erzieher, Herr Prof. Dr. Tachauer sprach den Dank der Adaß Israel für seine ersprießliche Tätigkeit an der Schule aus, Herr Oberlehrer Heß nahm im Namen des Lehrerkollegiums Abschied von dem treuen Freund und Kollegen, Herr Hauptlehrer Dr. Bamberger, der im Auftrag des bayrischen und jüdischen Lehrervereins sprach, hob seine Treue zu den Berufsorganisationen hervor, Herr Dr. Feilchenfeld dankte für die Maimonides-Loge und Herr Dr. Löb im Namen der Eltern. Möge der Allgütige der schwer geprüften Familie beistehen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

     
Über den im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer Aron Hirschmann (1918)

Burgpreppach FrfIsrFambl 06091918.jpg (13180 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. September 1918: "Burgpreppach. Aron Hirschmann, Lehrer an der israelitischen Präparandenschule, fiel als Leutnant im Westen."  

      
Zum Tod des Lehrers Jakob Lichtenstädter (Lehrer an der Präparandenschule 1883-1886, gest. 1936)  

Burgpreppach BayrGZ 15061936.jpg (44623 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1936: "Vereinsmitteilungen. Vor einigen Wochen verstarb in Hamburg, wo er seit 1886 tätig war, unser Vereinsmitglied Lehrer Jakob Lichtenstädter im Alter von 75 Jahren. Unseren älteren Kollegen wird der Verstorbene als Lehrer der Präparandenschule Burgpreppach, wo er von 1883 bis 1886 wirkte, in guter Erinnerung sein. Unserem Vereine hielt er auch in Hamburg die Treue. Stets war er ein vorbildlicher, eifriger Mitarbeiter und lieber Kollege. Wir werden ihm ein treues Gedenken bewahren."

  
Über Lehrer Max Gutmann (geb. 1876 in Kleinsteinach, Lehrer in Burgpreppach seit 1908, gest. 1926)

Kleinsteinach Bayr GZ 07101926.jpg (293777 Byte) Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Oktober 1926: "Präparandenlehrer Max Gutmann. Am ersten Abend des Rosch-Haschonoh, dessen Festtagsliturgie in erschütternder Weise die Gebundenheit des Menschenschicksals an den göttlichen Richterspruch uns zum Bewusstsein bringt, hauchte Max Gutmann seine edle Seele aus. Am zweiten Tage des Rosch-Haschonoh wurde, was sterblich an ihm war, auf dem Beis hachajim (Friedhof) zu Fulda der Erde übergehen. Mit Max Gutmann ist ein frommer Jude, ein ideal gesinnter Lehrer, ein guter Mensch ins Grab gesunken. Geboren im Jahre 1876 in Kleinsteinach und aufgewachsen in einem von tiefem religiösem Ernst durchwehtem Elternhause, wurde Gutmann schon in früher Jugend auf das alte jüdische Ideal eines Lehrers hingewiesen. Die in bayerischen Lehrerkreisen bekannten und geschätzten Jugendbildner, Lehrer Sichel s.A. (Kleinsteinach) und Lehrer Eschwege (Thüngen) waren die geistigen Führer seiner Jugend. Die Präparandenschule zu Höchberg und das Jüdische Lehrerseminar zu Würzburg zählten Gutmann mit zu ihren strebsamsten Absolventen. Seine Laufbahn als jüdischer Lehrer begann der junge Kollege in mehreren kleinen Gemeinden Unterfrankens, dann folgte er einem Rufe an die höhere Mädchenschule nach Hamburg. Seine reichen pädagogischen Erfahrungen, die er in 5jähriger Tätigkeit in Hamburg sich erwarb und als Hörer an der dortigen Hochschule erweiterte, konnte er als Lehrer an der Präparandenschule zu Burgpreppach vom Jahre 1908 an als Nachfolger des verewigten Hauptlehrers Neumann s.A. in reichem Maße verwerten. In 17jähriger Tätigkeit als Lehrerbildner hat sich Gutmann durch treue Hingabe die Dankbarkeit von Hunderten seiner Schüler, die Anerkennung und Achtung seiner Kollegen an der Schule und des Bezirks, sowie den Dank der Verwaltung und Leitung seiner Schule erworben. Fast untragbar erschien zeitweise das Maß der Arbeit, das in der Kriegs-, besonders aber in der Inflationszeit als Pflegevater, als Hausverwalter und als Lehrer auf seinen Schultern lastete. War er doch zuletzt fast der einzige und alleinige Träger der gesamten Schul- und Internatsaufgaben, welche aus dem Betrieb der zur Bürgerschule umgewandelten Burgpreppacher Anstalt erwuchsen. Seine Körperkraft, welche den großen Anstrengungen des ihm im letzten Jahrzehnt gestellten Aufgabenkreises nicht mehr gewachsen war, brach unter der Last zusammen, musste umso eher zusammenbrechen, als unerquickliche Verhältnisse an der Schule durch seelische Aufregungen seine ohnehin schon geschwächte Gesundheit stark beeinträchtigen. Obgleich erst am Ende der vierziger Jahre stehen, musste Gutmann jede weitere Berufstätigkeit aufgeben. Aber gerade jetzt musste er noch einmal die Tragik des jüdischen Lehrerstandes erfahren. Es zeigte sich, dass trotz der in Bayern gegebenen Versorgungsmöglichkeit für seine Ruhestands- und Hinterbliebenenbezüge nur unzulänglich gesorgt war. Dem Eintreten seiner Kollegen im Bayerischen Lehrerverein ist es noch in letzter Stunde dank der Fürsorgetätigkeit des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Verbindung mit den Opfern aus der Hilfskasse des Lehrervereins und aus der Kasse der Burgpreppacher Schule gelungen, die Ruhestandsversorgung im Rahmen der einmal gegebenen Verhältnisse noch einigermaßen befriedigend zu lösen. Aber nicht lange sollte Gutmann der Ruhe sich erfreuen. Nach etwas mehr als einjährigem Ruhestand machte ein Schlaganfall seinem leben ein Ende. An seinem Grabe trauert eine junge Witwe mit fünf Waisen. Möge es gelingen, die Hinterbliebenen für Not und Sorge zu bewahren. Wie sich der verewigte Jugendbildner in Hunderten von Herzen dankbarer Schüler ein Denkmal bleibender pietätvoller Verehrung gesetzt hat, wird sein Andenken in den Kreisen seiner Kollegen, die ihn als einen aufrechten Mann und freuen Freund schätzten, in liebevoller Erinnerung fortleben. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen! J.St."


Über Rabbiner/Lehrer Fritz Nußbaum (geb. 1902 in Maßbach, umgekommen nach Deportation 1942)  

Fritz Nußbaum, Rabbiner und Lehrer in Burgpreppach ist  am 14. März 1902 in Maßbach geboren, vermutlich als Sohn des dortigen Lehrers Moses Nußbaum. Fritz Nußbaum wurde mit Frau und Kindern 1942 von Nürnberg nach Izbica deportiert und ermordet. 
Fritz Nußbaum ist im Gedenkbuch des Bundesarchivs unter Maßbach und Nürnberg verzeichnet (Geburtsort bzw. letzter Wohnort). Vor der Deportation 1942 lebte Familie Fritz Nußbaum in Nürnberg Knauerstraße 27, vgl.:  http://www.jewishgen.org/yizkor/nuremberg/nur009.html  
Lehrer Nußbaum ist in diesem Bericht genannt: http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20142/Burgpreppach%20Bayr%20GZ%2015041936.jpg  

    
  
    

     

Jahresberichte der Schule (beziehungsweise des Talmud-Tora-Vereins)  

2. Jahresbericht (1875/1876) 

Burgpreppach Israelit 27091876.JPG (218295 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1876: "Aus Unterfranken. Der Talmud-Thora-Verein in Burgpreppach gibt soeben seinen zweiten Rechenschaftsbericht aus. Wenn wir bei der Beurteilung einer für das Gemeinwohl bestimmten Institution drei Hauptfaktoren als Maßstab anlegen, nämlich die Ziele, die sie sich gestellt, die Leistungen, die dieselbe erzielt, und die Aufnahme, die diese Institution von Seiten des Publikums gefunden, so müssen wir beim Durchlesen des erwähnten Rechenschaftsberichtes mit freudiger Genugtuung erfüllt werden und die Überzeugung gewinnen, dass der Verein sehr viel Ersprießliches leistet. Die Ziele des Talmud-Thora-Vereins sind, jungen Leuten, die sich dem Lehrfache oder dem Kaufmannstande widmen, die für ihren zukünftigen beruf notwendige gediegene Vorbildung in der deutschen, französischen und englischen Sprache und in allen nötigen Wissensgegenständen beizubringen und ihnen aber zugleich und hauptsächlich eine solch gründliche religiöse Bildung zu verschaffen, die sie nicht nur befähigt, selbständig aus dem reichen Borne der jüdischen der jüdischen Literatur zu schöpfen, sondern die auch zugleich auf ihren Charakter derart bestimmend einzuwirken sicht, dass aus ihnen dereinst echte von aufrichtiger Gottesfurcht durchdrungene Jehudim werden. Für die Erfüllung dieses großen und erhabenen Zieles hat der Verein im abgelaufenen Jahre in sehr anerkennenswerter Weise gewirkt. In der Talmud-Tora-Schule wurden im verflossenen Sommer 35 auswärtige Zöglinge aus den verschiedensten Gegenden Bayerns und des Auslandes unterrichtet. Der Rechenschafts-Bericht sagt uns, dass diejenigen Zöglinge, die sich dem Lehrfache widmen, die von einem königlichen Seminar-Direktor geleitete Kurs-Prüfung mit recht gutem Erfolge bestanden haben und dass ferner in diesem Jahre der erste sich dem Geschäftsfache widmende Zögling, nachdem derselbe die Schule zwei Jahre besucht, entlassen wurde, und dass derselbe befähigt ist, eine schwierige Abhandlung des Talmud recht gut zu begreifen. Wenn derartige Resultate nur möglich sind bei großem Eifer und bei einer begeisterten Hingebung, wie sie den Vorständen dieses Vereins und namentlich dem nie ermüdenden Leiter derselben, dem Herrn Rabbiner Hirsch eigen sind, so muss andererseits auch anerkannt werden, dass der Verein den richtigen Boden zu seiner Wirksamkeit gefunden hat. Von allen Seiten wird demselben das reichste und edelste Wohlwollen entgegengebracht und reichliche und kräftige Unterstützung gewährt.    Seitdem vor zwei Jahren ein Aufruf erlassen worden, sind an Spenden 10.710 Mark 96 Pfennig eingegangen. Dieselben wurden teilweise zur Bezahlung des angeschafften Hauses, auf das jetzt nur noch 2.400 Mark abzutragen sind, und teilweise zur Honorierung eines eigens für die Talmud-Thora angestellten Lehrers verwendet. Wir wünschen dem schönen und edlen vereine auch ferner glückliches Gedeihen."

  
3. Jahresbericht (1876/1877)  

Burgpreppach Israelit 23011878.jpg (249642 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1878: "Aus Bayern. Der Talmud-Tora-Verein in Burgpreppach versendet soeben einen Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr. Die Mitteilungen, die wir demselben entnehmen, sind im hohen Grade erfreulich. 
Es sind kaum 3 Jahre her, seitdem vom Vorstande des erwähnten Vereins ein Aufruf erlassen wurde, in welchem eine Förderung der Vereinszwecke und besonders um Unterstützung für die Reorganisation der seit langen Jahren zu Burgpreppach bestehenden Talmud-Thora-Schule gebeten wurde. Der allseitigen Teilnahme, die dieser Aufruf gefunden hat, ganz besonders aber dem unermüdlichen Eifer des Direktors Herrn Rabbiner Hirsch, der eine seltene Tätigkeit dieser Sache widmet und mit einer bewunderungswürdigen Begeisterung für dieselbe wirkt, ist es zu danken, dass heute in Burgpreppach eine Talmud-Thora-Schule blüht, die 53 Schüler zählt und die als eine Musterschule dieser Art gelten kann.  Der Rechenschaftsbericht bezeichnet als Zweck der Anstalt eine gediegene Ausbildung der ihr anvertrauten Zöglinge nicht nur in allen deutschen Unterrichtsgegenständen, wie sie an einer gehobenen Schule unterrichtet werden, in der französischen und englischen Sprache, sondern ganz besonders eine Erzielung von gründlichem jüdischem Wissen und spricht die Hoffnung aus, dass dadurch in erster Linie Lehrer herangebildet werden, die mit ausreichender Vorbildung in das Lehrerseminar übertreten und dadurch umso sicherer Berufstüchtigkeit und allseitige Bildung erlangen können, und dass zweitens auch diejenigen sich in der Talmud-Thora-Schule befindenden jungen Leute, die sich dem Kaufmannsstande widmen, sich nicht nur umfassende Vorkenntnisse für ihren zukünftigen Beruf aneignen, sondern auch im Jüdischen soviel erlernen, dass sie befähigt werden in den Quellen der jüdischen Literatur weiterforschen zu können. Von unschätzbarem Werte aber ist, was der Rechenschaftsbericht mit besonderer Vorliebe betont (wir kennen diese Anstalt und bestätigen dies daher umso freudiger) die Erzielung echt-jüdischer Gesinnung, die wahre Gottesfurcht, die in dieser Anstalt herrscht, und die Begeisterung, die in derselben für unsere Heilige Tora geweckt wird. – Außer dem Direktor wirken an der Schule zwei Lehrer, die Herren Ehrmann und Neumann. – Die Einnahmen des Talmud-Thora-Vereins betragen bis jetzt an Spenden 14.157 Mark 12 Pfennig. Die Ausgaben inklusive einer noch auf dem Hause der Talmud-Thora haftenden Hypothek 13.689 Mark 97 Pfennig, sodass ein Überschuss von 467 Mark 15 Pfennig vorhanden ist. Außerdem wurde an regelmäßigen Jahresbeiträgen der Vereinsmitglieder (ein jährlicher Beitrag von 6 Mark erwirkt die Mitgliedschaft) in verflossenem Jahre eingenommen 1.315 Mark, womit teilweise die Lehrergehalte gezahlt wurden, da nur von Kindern sehr reicher Eltern ein Schulgeld erhoben wird. – In dem Maße, wie die Wirksamkeit des Vereins sich erweitert, vergrößern sich natürlich auch die Bedürfnisse. Dieselben werden in der nächsten Zeit ganz besonders groß sein, da ein Umbau der Schullokale nötig ist.   
Möchten daher diese Zeilen für manchen wohltätigen Glaubensgenossen eine Veranlassung sein, eine so äußerst nützliche Institution, die die Förderung der heiligsten Interessen des Judentums bezweckt, zu unterstützen. – Wir aber wünschen dem Talmud-Tora-Verein Glück und ferneres Gedeihen."            

    
Bericht des Schulleiters, Bezirksrabbiner Abraham Hirsch (Oktober 1879)    

Burgpreppach Israelit 29101879.jpg (147134 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1879: "Burgpreppach (Bayern). Der Unterzeichnete als Präsident des Vorstandes des hiesigen Talmud-Thora-Vereins, als Gründer und Leiter desselben erachtet sich für verpflichtet, den Mitgliedern dieses Vereins, den zahlreichen Gönnern und edlen Freunden dieses Unternehmens hierdurch mitzuteilen, dass es nun endlich gelungen ist, nachdem viele Schwierigkeiten, die hindernd in den Weg getreten, beseitigt worden sind, in Anerkennung des besagten Vereins von dem Königlichen Bezirksgerichte in Schweinfurt zu erlangen. Es wird nun der Grundbesitz des Vereins, der in 2 Häusern besteht, die einen Wert von mehr als 25.000 Mark haben, nunmehr auf dessen Namen eingetragen werden, und kann jetzt in jeder Weise eine größere Tätigkeit entfaltet werden. Der Vorstand hat daher den Beschluss gefasst, ein Anlehen von 5.000 bis 6.000 Mark bei einer Bank auf Annuitäten aufzunehmen, um mit dieser Summe alle noch vorhandenen Schulden und notwendigen Ausgaben zu berichtigen, welche teils von einer Hypothek, die noch auf dem früher schon akquirierten Hause haftet, teils von dem im vorigen Jahre begonnenen und in diesem Jahre vollendeten Neubau eines in jeder Beziehung vollkommen entsprechenden Unterrichtslokals herrühren, damit von jetzt an und weiter alle Beiträge, Spenden etc., nachdem das Honorar der Lehrer entrichtet, der Unterstützung von würdigen, unbemittelten Zöglingen gewidmet werden können. Die Anstalt, die sich einer Frequenz von mehr als 60 Zöglingen aus allen Gegenden Deutschlands erfreut, die jedenfalls die besuchteste derartigen israelitischer Schulen in unserem Vaterland ist, war zu unserem großen und innigen Bedauern durch die beschränkten Mittel, über die sie disponierte, sehr häufig in der traurigen Lage, Gesuche um Aufnahme von braven, gut empfohlenen Eltern, von mittellosen Witwen und total verlassenen Waisen zurückweisen zu müssen. Um dieser Kalamität zu beseitigen, um unseren engen Wirkungskreis zu erweitern, um kräftiger dazu beitragen zu können, dass der noch immer große Mangel an tüchtigen  
Burgpreppach Israelit 29101879a.jpg (186104 Byte)und charakterfesten Lehrern rasch aufhört und die vielen vakanten Elementar- und Religionslehrerstellen bald besetzt werden, erlauben wir uns die bisherigen Mitglieder des Talmud-Tora-Vereins, die würdigen Freunde und Gönner dieses Unternehmens zu bitten, uns für die Folge des Wohlwollens und die edle Opferbereitwilligkeit, die sie bisher uns gewidmet, ungeschwächt erhalten zu wollen, und an alle teuren Brüder und Schwestern, die wahre und opferbereitwillige Sympathien hegen für die Förderung solcher Anstalten, deren Tendenz ist, Religiosität, Wissenschaft und Bildung zu verbreiten, die aber bisher unserer Anstalt ferne standen, richten wir das dringende Ersuchen: tragen Sie nach Kräften ihr Scherflein dazu bei, dass ein Unternehmen, das seine Existenz nur den erhabensten und heiligsten Motiven verdankt, das nur nach allgemeiner Verbreitung der größten und edelsten Güte strebt, so situiert werde, dass es den Kreis seines Wirkens stets erweitern könne. Wir haben auch Ursache mit den bisher erzielten Resultaten zufrieden sein zu dürfen. So haben 8 von unseren Zöglingen, die sich teils in der Vorbereitungsklasse und teils im ersten Seminarkurs der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg befinden, nach einem vor Kurzem erhaltenen Berichte, 3 ihre Jahresprüfung mit Note I und 5 mit der Note II bestanden. Herr Rabbiner Dr. Plato, Direktor des jüdischen Seminars für Rheinland und Westfalen ließ vor wenigen Wochen durch ein Mitglied des Kuratoriums des erwähnten Seminars, das einen Anverwandten zu seiner Ausbildung hierher brachte uns mitteilen, er sei mit 3 Zöglingen unserer Anstalt, die dort ihre Fortbildung erhalten, in jeder Weise sehr zufriedne. Herr Distrikts-Rabbiner J. Adler in Kitzingen, der vorige Woche 1 ½ Tage lang in allen hebräischen Disziplinen eine sehr eingehende Prüfung mit allen Klassen vorgenommen, versicherte uns, dass er mit den Leistungen in jeder Beziehung sehr zufrieden sei.     
Unsere Herren Kollegen und die Kultusvorstände, die uns so oft Knaben aus ihren Distrikten und bezüglichen Gemeinden zur Aufnahme und besonderer Berücksichtigung empfohlen, müssen wir darauf aufmerksam machen, dass wir nur dann ihre Intentionen erfüllen können, wenn sie sich mit allem Eifer bemühen, für eine kräftige und allseitige Unterstützung unserer Anstalt zu agitieren. Wir sind von der erhebenden Überzeugung beseelt, dass bei dem überall lebhaft pulsierenden Wolltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen ihre Bemühungen für einen solchen Zweck sich bald des erwünschten Erfolges rühmen können. 
A. Hirsch, Distrikts-Rabbiner."    

  
4. Jahresbericht (1878/1879)  

Burgpreppach Israelit 12031879.jpg (156046 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1879: "Burgpreppach. Dem vierten Rechenschaftsbericht der Talmud-Thora-Schule zu Burgpreppach für das Jahr 1878 entnehmen wir:  
Ein Aufruf, mit welchem wir uns um Unterstützung zur Erbauung eines neuen Schulgebäudes bittend an unsere Brüder und Schwestern gewandt, fand allenthalben trotz der so äußerst ungünstigen Zeitverhältnisse günstige Aufnahme und man beeiferte sich in vielen Gemeinden, nach Kräften ein Scherflein zu der sofortigen Ausführung dieses Gebäudes, das für die Erhaltung unserer Anstalt zur Notwendigkeit geworden, beizutragen.    
So ist es mit der Hilfe des Allgütigen gelungen, in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit ein neues Unterrichtslokal nach einem Plane, der auf der Königlichen Regierung selbst entworfen wurde, errichten zu lassen. Wir besitzen nun sehr gesunde, helle, freundliche und geräumige Schulzimmer, die sowohl in technischer als auch in hygienischer Beziehung allen Anforderungen vollkommen Rechnung tragen, Schulzimmer, die für mehr als 100 Zöglinge Raum bieten, die unserer Tätigkeit keine so enge Grenze mehr stecken, die uns erlauben, sobald wir über die erforderlichen Mittel disponieren, einer noch weit größeren Anzahl von lernbegierigen Jünglingen Aufnahme zu gewährten.   
Überdies besitzt das erwähnte Haus noch 8 recht hübsche Zimmer, die teils zur Wohnung eines Lehrers, teils als Logis für Zögling dienen. Wir sind nun in der angenehmen Lage, dass wir einer sehr großen Anzahl der Zöglinge, die sich zu ihrer Ausbildung hier befinden, Logis in den beiden Häusern, welche dem Talmud-Thora-Vereine gehören, anweisen können. Wir sind nun nicht mehr den vielen und lästigen Unannehmlichkeiten ausgesetzt, die ein ununterbrochener Wechsel der Wohnungen verursacht.    
Es wurde in dem verflossenen Jahre unsere Anstalt von mehr als 50 Zöglingen aus den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes besucht, 11 derselben haben die Präparanden-Prüfung des 1. Kurses gemacht, 6 jene für den 2. Kursus und sind von den erwähnten Schülern 5 in die Lehrer-  
Burgpreppach Israelit 12031879.jpg (113048 Byte)bildungsanstalt in Würzburg und 1 in das jüdische Seminar für die Rheinprovinz in Köln eingetreten.  Obwohl eine hübsche Anzahl unserer Zöglinge reich oder gut bemittelt sind, so befinden sich unter denselben doch viele, deren Eltern über sehr geringe Mittel disponieren, die daher kräftig unterstützt werden müssen, auch solche, die vollkommen mittellos sind, für deren Existenz wir ganz und gar zu sorgen haben. Einige dieser Knaben sind Waisen, stehen ganz hilflos und verlassen da. Solchen unglücklichen, doppelt bedauernswürdigen Jünglingen durch eine kräftige Unterstützung zu einer würdigen Ausbildung behilflich zu sein, ist eine hochherzige Handlung, die von dem Vater der Witwen und Waisen reichlich belohnt wird.   
In der jüngsten Zeit sind ganz besonders sehr zahlreiche Gesuche um Aufnahme in unsere Anstalt von würdigen, unbemittelten Eltern, von hilflosen Witwen und von vollkommen verlassenen Waisen an uns gerichtet worden.    
Da wir aber früher schon, um die Aufnahme verschiedener, armer Zöglinge zu ermöglichen, uns verpflichtet haben, privatim für deren Existenz sorgen zu wollen, und da es uns kaum gelungen ist durch die kräftige Unterstützung unserer Freunde und Bekannten, sowohl in der hiesigen Gemeinde, als auch außerhalb, diese schwierigen Verbindlichkeiten erfüllen zu können, indem wir noch eine ziemliche Schuldenlast, die auf diese Weise entstanden ist, zu berichtigen haben, so waren wir zu unserem großen Bedauern vorläufig gezwungen, diese Bitten zurückweisen zu müssen.    
Die Einnahmen betrugen 10.235 Mark, die Ausgaben 14.168 Mark."   

  
7. Jahresbericht (1881/1882)

Burgpreppach Israelit 08111882.jpg (147077 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1882: "Burgpreppach. Dem siebenten Rechenschafts-Bericht der Talmud-Tora-Schule zu Burgpreppach für das Jahr 1881/82 entnehmen wir: 
Wir haben mit dem Beginne des verflossenen Schuljahres einen 3. Schulsaal, der zu diesem Zwecke neu eingerichtet wurde, benützt. Allen Anforderungen, die in technischer Beziehung an solche Anstalten gestellt werden können, und in welcher Beziehung die hohe bayerische Regierung in edler Sorgfalt für das physische und intellektuelle Wohl unserer Jugend sehr rigorös ist, wurde in geeigneter Weise Rechnung getragen, wie dies von dieser Behörde selbstrühmend anerkannt wurde. Nachdem wir nun mehr als 30.000 Mark auf Herstellung der notwendigen Gebäude und auf entsprechende Einrichtung verwendet, so werden wir in dieser Beziehung hoffentlich für eine Reihe von Jahren Ruhe erhalten und werden der Subvention hilfloser Knaben und verlassener Waisen eine umso größere Beachtung schenken können. Es ist hierin in erfreulicher Weise auch in diesem Jahre schon ein Fortschritt zu verzeichnen. Wir haben diesem Zwecke die Summe von 860 Mark zugewiesen. Wir konnten nicht nur die früher übernommenen Verpflichtungen erfüllen, sondern noch neue übernehmen, ja sogar auf warme Empfehlung der Hohen Herren Rabbinen Dr. Klein in Libau und Dr. Rülf in Memel einem talentvollen, russischen Waisenknaben Aufnahme gewähren. Wir sind mit demselben in jeder Weise so weit recht zufrieden und konstatieren gerne, dass er zu guten Hoffnungen berechtigt.   
Die Frequenz der Anstalt hat sich wieder gehoben. Während des Jahres wurde dieselbe von 68 Zöglingen besucht. Einige Schüler wurden zum Austritt veranlasst, weil sie so gering talentiert sind und nach der Überzeugung des Lehrerkollegiums nicht erreichen können, tüchtige Lehrer zu werden und wir prinzipiell das Judentum mit unqualifizierten nicht bereichern wollen.   
Am 5. Juni dieses Jahres wurde die Anstalt mit dem Besuche des Kreisschulinspektors Herrn Erbshäuser beehrt, welcher nach genauer Besichtigung der Unterrichtssäle und Schlafzimmer, dem Unterrichte in den 3 Kursen beiwohnte, die schriftlichen
Burgpreppach Israelit 08111882c.jpg (335497 Byte)Arbeiten und die Quartalsaufgaben einer genauen Durchsicht unterwarf. Dem Vorstande der Anstalt gegenüber äußerte sich derselbe, nachdem er seine vollkommene Zufriedenheit über die geeigneten Lokalitäten ausgesprochen, er habe sich überzeugt, dass sich die hiesige Präparandenschule einer sorgfältigen und guten Leitung erfreue. In dem diesbezüglichen Referate an die hohe königliche Regierung, welches der Vorstandschaft zur Kenntnisnahme übersandt wurde, wurde der besagten Befriedigung in folgender Weise Ausdruck verliehen:  
'Die Unterrichts-, Aufenthalts- und Schlafräume sind durch mehrere in den jüngsten Jahren ausgeführt Neubauten, zu denen die Pläne schulaufsichtlich genehmigt wurden, so erweitert, dass sie allen billigen Anforderungen Genüge leisten.'  'Höchst erfreulich ist der Geist der Ordnung und Reinlichkeit, der seinen Einzug in die Anstaltsräume gehalten hat'. 'Auch das Aussehen der Zöglinge zeugt von Ordnungssinn und Gesundheit.' 'Ich konnte überall wahrnehmen, dass sowohl von Seite der Lehrer als der Schüler mit Ernst und Eifer gearbeitet wird.'   
12 Schüler des 3. Kursus haben an der Aufnahmeprüfung in die israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg unter der Leitung des Herrn Seminar-Direktors Huber teilgenommen und sämtliche dieselben bestanden. Wegen Mangel an Raum soll aber nur 10 von den Erwähnten Aufnahme gewährt werden. Einige der übrigen des 3. Kurses beabsichtigen, in das israelitische Seminar zu Köln nach den Feiertagen einzutreten, die anderen sich in einem Simultan-Seminar fortzubilden.   
Es wird den Mitgliedern des Talmud-Tora-Vereins sowohl als den vielen Gönnern der Anstalt von hohem Interesse sein, zu vernehmen, dass in der kurzen Zeit des Bestandes dieser Schule, in dem Zeitraum von 7 Jahren nämlich, 176 Zöglinge, inklusive der in der Anstalt verbleibenden, ihre Ausbildung in derselben erhalten haben. 25 wirken bereits als Lehrer und Erzieher in den verschiedenen Gemeinden Deutschlands und haben wir sowohl von Kultusvorständen, als auch von würdigen Mitgliedern der betreffenden Gemeinden schön häufig recht erfreuliche Berichte über die ersprießliche Tätigkeit und über den Charakter dieser noch jugendlichen Lehrer erhalten. 27 befinden sich noch in diversen Seminarien behufs ihrer weiteren Ausbildung. 3 befinden sich in einem Gymnasium behufs ihrer weiteren Ausbildung als Rabbiner. 45 haben noch in der Anstalt, exklusive der zahlreich Angemeldeten zu verbleiben und 76 haben sich dem geschäftlichen Leben oder verschiedenen handwerken gewidmet. Viele von den letzteren sind mit der Absicht in die Anstalt eingetreten, sich für den Lehrerberuf vorzubereiten, konnten jedoch den hohen Ansprüchen, die jetzt an denselben gestellt werden, nicht entsprechen und waren genötigt, einen anderen Beruf zu ergreifen.   
Wir glauben nun zu der Behauptung berechtigt zu sein, dass wir mit aller Energie und Konsequenz uns beeifern, das Versprechen, welches wir dem Judentum bei Gründung unserer Anstalt erteilt, nämlich alles, was in unseren schwachen Kräften liegt, aufbieten wollen, um dem allgemein so bitter empfundenen großen Mangel an tüchtigen, charakterfesten jüdischen Lehrern abzuhelfen, so rasch als möglich erfüllten. Wir werden uns wohl nicht gegen die Bescheidenheit vergehen, wenn wir hinzufügen, dass wir schon dazu beigetragen haben, dass dieser für die religiöse und sittliche Ausbildung der israelitischen Jugend so schädliche Mangel schon bedeutend sich reduziert hat, besonders in Süddeutschland, indem hier durch die Kontrolle, welche der Staat ausübt, dem jüdischen Lehrer auch eine sichere und festere Existenz begründet wird. Wir können mit Zuversicht erwarten, dass in nur noch wenigen Jahren der Lehrermangel vollkommen beseitigt sein wird. Es werden selbst die kleineren Gemeinden in die angenehme Lage kommen, von befähigten, tüchtigen und gehörig ausgebildeten Lehrkräften ihre Kinder unterrichtet und erzogen zu sehen. Es muss rühmend hervorgehoben werden, dass diese durch die traurigen Erfahrungen der jüngsten Dezennien den Wert eines solchen Unterrichts würdigen gelernt haben und dass sie, um diesen ihren Kindern zu verschaffen und für die Dauer zu erhalten, Opfer bringen, welche in ihrer außergewöhnlichen Größe nicht harmonieren mit den Mitteln, über welche sie disponieren. Es wird diese große Änderung sicher bald ihren heilsamen Einfluss auf Norddeutschland, wo diese Missstände mit dem jüdischen Lehrerstande noch mehr im Argen liegen, als im Süden, ausüben. Die furchtbare Unwissenheit in religiösen Angelegenheiten, der schreckliche Mangel an wahrer Religiosität, der einen großen Teil unserer Glaubensgenossen beherrschende Indifferentismus, sowie verschiedene andere Untugenden, die leider in jüdischen Kreisen tiefe Wurzeln geschlagen haben, deren Wirkung wir in der Gegenwart so traurig empfinden, diese können alle nur durch die richtige, würdige Erziehung, durch geeigneten, gewissenhaften Unterricht vermindert und nach und nach beseitigt werden.   
Da wir nun aus den edelsten Absichten so für die allgemeine Verbreitung der heiligsten Nationalgüter Israels eintreten, da wie überdies Gelegenheit bieten, die Humanität, das lautere, jüdische, allgemein anerkannte Gemiluth Chesed (Wohltätigkeit) in seiner würdigsten Weise und noch zum Frommen der ganzen Nation zu betätigen, so richten wir hiermit an unsere unermüdeten, edlen Förderer das innigst
Burgpreppach Israelit 08111882b.jpg (44641 Byte)ergebene Ersuchen, uns auch für die Folge das Wohlwollen, welches sie uns bisher in kräftiger Weise verliehen, widmen und im Kreise ihrer Freunde und Bekannten Propaganda im Interesse des Judentums für unsere Anstalt machen zu wollen. So wird edle Religiosität im Verein mit gründlichem Wissen, mit wahrer Bildung, in enger Verbindung mit allen idealen Bestrebungen immer weitere Verbreitung finden, von allen Menschen die gerechte Anerkennung und Würdigung erhalten und bald Gemeingut der jüdischen Nation werden.   
Die Einnahmen betrugen 8.379 Mark, die Ausgaben 6.964 Mark."

   
8. Jahresbericht (1882/1883)   

Burgpreppach Israelit 07011884.jpg (210471 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1884: "Burgpreppach. Dem achten Rechenschaftsbericht der Talmud-Thora-Schule zu Burgpreppach für das Jahr 1882/83 entnehmen wir: 
Mit freudiger Genugtuung können wir auf das verflossene Schuljahr zurückblicken, denn dasselbe brachte unserer Anstalt reiche Erfolge, sowohl äußere als auch innere. Es gereicht uns zu großer Befriedigung, konstatieren zu können, dass die diesjährigen Spenden die des Vorjahres um ein Bedeutendes übersteigen, trotzdem die Ansprüche, die an die Wohltätigkeitsliebe unserer Glaubensgenossen gestellt werden, sich mit jedem Tage mehren. Die Anstalt hat sich nicht nur alle früheren Freunde und Gönner erhalten, sondern sich noch viele neue dazu erworben.   
Infolge der reicheren Zuflüsse konnten wir eine größere Anzahl armer oder wenig bemittelter Zöglinge unterstützen und hauptsächlich diese Tatsache erfüllt uns mit großem Vergnügen. Die auf diesen Zweck verwendete Summe hat sich gegen das Vorjahr fast verdoppelt.  
Die Anmeldungen und Bitten um Aufnahme laufen so zahlreich ein, dass sie unmöglich alle berücksichtigt werden können. Dieselben kommen nicht nur aus allen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes, sondern auch aus außerdeutschen Ländern, ein Beweis, dass sich der Ruf der Anstalt immer mehr ausbreitet.   
Da nur wenige der eintretenden Schüler diejenigen Vorkenntnisse besitzen, die wir verlangen müssen, eine Vereinigung derselben mit denen des I. Kurses immer mit großen Nachteilen verbunden ist, so entschlossen wir uns, dieselben zu einem Vorkurs zu vereinigen und ihnen einen getrennten Unterricht angedeihen zu lassen.    
Es wurde im Laufe des Jahres eine ziemlich bedeutende Summe für die Anschaffung von Lehrmitteln verwendet. Käfer-, Schmetterlings- und Mineraliensammlungen, Gräser- und Cryptogamen-Herbarien, Modelle des Auges, des Ohres, des Herzens, des menschlichen Schädels, Tierskelette, Wandkarten und kolorierte Bilder für Naturgeschichte wurden angeschafft. Wir werden auch fortan jährlich eine entsprechende Summe für die Ergänzung der vorhandenen Lehrmittel einsetzen.    
Acht unserer Schüler beteiligen sich an der diesjährigen Aufnahmeprüfung an der israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Von denselben wurden nur 5, die mit Note II bestanden aufgenommen. Wir halten diese Rigorosität bei der Aufnahme ebenfalls für einen glücklichen Fortschritt in dem israelitischen Schulwesen Bayerns. Es werden nicht mehr so leicht nur notdürftig ausgebildete Lehrer, die dem Lehrerstande gewöhnlich nicht zum Ruhme gereichen, das Seminar verlassen. Die ungeprüften, nicht seminaristisch gebildeten Lehrer dagegen werden hoffentlich bald durch tüchtige, gut ausgebildete Lehrkräfte ersetzt werden.   
Die Einnahmen betrugen 9.374 Mark, die bis auf 635 Mark verausgabt wurden."

  
11. Jahresbericht (1885/1886) 

Burgpreppach Israelit 21021887a.jpg (339410 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit' vom 21. Februar 1887: "Burgpreppach. Dem elften Rechenschaftsbericht über die Talmud-Tora-Schule zu Burgpreppach für das Jahr 1885/86 entnehmen wir: 
Die Verwaltung der hiesigen Talmud-Tora-Schule ist lange mit sich darüber zu Rate gegangen, ob sie auch in diesem Jahre, in welchem die Anstalt ihres eigentlichen Führers und Leiters beraubt war, einen Jahresbericht veröffentlichen soll oder nicht. Sie hat sich für das erste entschieden und zwar aus folgenden Gründen. Zunächst glaubt sie dass die edlen Glaubensbrüder, die der Anstalt nach wie vor ihre tätige Teilnahme zugewendet haben, gerade für die Zeit, in welcher der Anstalt der eigentliche Leiter fehlte, ein umso größeres Recht haben, über das Tun und Lassen, Wirken und Schaffen in derselben Aufschluss zu verlangen und zu erhalten; dann soll durch die Darlegung der inneren und äußeren Verhältnisse der Anstalt während jener traurigen prüfungsreichen zeit von neuem die Wahrheit bekräftigt werden, dass Gottes gnädiger Beistand selbst unter den ungünstigsten Zeiten und Verhältnissen niemals einem Werke fehlt, das in reinster Absicht unternommen, in edlem Sinne aufgeführt und in gottgefälligem Geiste verwaltet worden ist. Es soll dies einerseits ein ehrendes Zeugnis sein für diejenigen, die ihre tatkräftigen Sympathien unserer Anstalt auch in diesem Jahre zugewendet haben, wie es andererseits den Beweis soll erbringen, ob wir dieser Sympathien auch würdig gewesen sind. letzteres dürfte dann das Vertrauen auf fernere hochherzige Teilnahme und Unterstützung als nicht unbegründet erscheinen lassen.    
Bei der Wiederbesetzung des Rabbinats musste selbstverständlich das Bestreben der leitenden kreise darauf gerichtet sein, einen Mann zu gewinnen, dessen Vergangenheit nicht allein die Forterhaltung des religiösen Geistes und Lebens in den ihm unterstellten Distriktsgemeinden verbürgt, sondern der auch die Kraft und den Willen hat, mit dem Aufgebote aller seiner Fähigkeit und geistigen Machtmittel für die Forterhaltung unserer Talmud-Thora einzutreten. Die Regierung, die unsere Anstalt seit ihrem Bestehen die wärmste Fürsorge widmet, unterstützte auch ihrerseits die Verwirklichung unserer Absichten dadurch, dass sie in der Ausschreibung der Distriktsrabbinerstelle geeigneten Bewerbern die Übertragung der Vorstandschaft der Präparandenschule in Aussicht stellte. Die Wahl der Distriktsgemeinden fiel auf Herrn Dr. Hermann Deutsch aus Frauenkirchen, damals Religionslehrer in Frankfurt am Main, den auch die Regierung bestätigte und vermittelst hoher Regierungsentschließung vom 21. Oktober dieses Jahres mit der Vorstandschaft der Präparandenschule, deren provisorische Leitung mit Beginn des vorigen Wintersemesters von der Regierung dem Lehrer Herrn Wolf Neumann übertragen worden war, betraute. -  
Was die inneren Verhältnisse unserer Anstalt im verflossenen Schuljahre betrifft, so können wir nur Angenehmes und Erfreuliches darüber berichten. Fünf Zöglinge des 3. Kurses beteiligen sich an der Aufnahmeprüfung der israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg und bestanden mit gutem Erfolge: drei andere des 2. und einer des 3. Kurses haben Aufnahme im Lehrerseminare zu Köln am Rhein gefunden; ein Zögling des 1. Kurses konnte in die 3. Klasse der Lateinschule in Schweinfurt eintreten. Mehrere andere haben sich, ausgerüstet mit den für das Leben nötigen allgemeinen und religiösen Kenntnissen, einer nützlichen gewerblichen Tätigkeit zugewendet.    
Am 13. Juli beehrte der Regierungsrat Herr Kreisschulreferent Lermann die Schule mit seinem Besuche. In dem diesbezüglichen berichte der Regierung wurde der Stand der Schule als ein geordneter und befriedigender bezeichnet. Dem neuen Leiter bleibt es vorbehalten, die infolge jener Visitation von der Regierung ergangenen Anordnungen und Entschließungen nach Möglichkeit zur Ausführung zu bringen, sowie auch dem Verlangen nach Erweiterung und mehr methodischer Behandlung des Unterrichts in jüdischer Geschichte durch Übernahme dieses Faches zu entsprechen.    
Die Verwaltung ist auch in diesem Jahre bemüht gewesen, die technischen Lehrmittel der Anstalt zu erweitern und zu vervollkommnen. Von wohltätigem Einflusse auf den gymnastischen Unterricht  verspricht der neu erworbene, der Anstalt gegenüberliegende, große Turnplatz zu werden, welcher, ausgestattet mit den nötigen Geräten baldigst seiner Bestimmung übergeben werden wird.
Burgpreppach Israelit 21021887b.jpg (254978 Byte)Durch die hingebungsvolle Bereitwilligkeit der Anstaltslehrer wird es uns mit dem Beginne des neuen Schuljahres möglich erden, außer den für die Präparandenschulen des Königreichs Bayern vorgeschriebenen Unterrichtsgegenständen auch solchen, die für das kaufmännische Leben von besonderer Wichtigkeit sind, Aufnahme in den Unterrichtsplan – wenn auch nur in fakultativer Weise und außerhalb der für den obligaten Unterricht festgesetzten Stunden – zu gewähren. Hierzu wurden wir hauptsächlich durch die Wahrnehmung veranlasst, dass mehrere Schuler nach dem Verlassen unserer Schule sich nicht dem Lehrfache, sondern einem kaufmännischen oder gewerblichen Berufe widmeten oder deshalb mit den für diesen Beruf nötigen Fachkenntnissen ausgerüstet zu sein wünscht. Vom religiösen Gesichtspunkte aus kann uns diese Wahrnehmung nur freuen. Das 'Lernen' wieder zum Selbstzwecke zu machen ist das erhabene Ziel, dem Anstalten, die auf religiöser Grundlage sich aufbauen, zustreben müssen. Dieses sollte auch an unserer Anstalt dadurch zum Ausdrucke gebracht werden, dass ihre Stifter sie 'Talmud-Thora' nannten, die Kenntnis der Thora also als Mittel und Zweck zugleich hinstellten. Nicht um die Erreichung eines außer der Anstalt liegenden Nutzens willen sollte Unterricht in den Religionsquellen erteilt werden, sondern des Gewinnes und Nutzens wegen, der in diesem Unterrichte selbst schon liegt. Und wenn ja die Erreichung irgendeines Zweckes sich mit dem Besuche der Anstalt verbindet, so sollte der sein, sich die Befähigung zu holen, die gewonnene religiöse Erkenntnis weiter zu tragen, zu verbreiten und im praktischen leben durch fromme Gesinnung und Handlungsweise zur Darstellung zu bringen. Die religiöse Bildung und Führung des Geschäftsmannes aber sind eindrucksvoller und vorbildlicher, als die des in seinem berufe tätigen Lehrers. Möge darum der Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder zu religiösen und gebildeten Geschäftsleuten zu erziehen, immer mehr Nachahmung finden; darin liegt die Hauptbürgschaft für die Forterhaltung des religiösen Geistes und Lebens innerhalb des Judentums. -    
Die Erfahrungen des abgelaufenen prüfungsreichen Jahres haben uns in dem Vertrauen bestärkt, dass das der Anstalt bisher bewiesene Interesse ihr auch in Zukunft ungeschmälert erhalten bleiben und es derselben ermöglichen werde, das angestrebte Ziel, Tora und Wissen zu verbreiten, immer würdiger und vollkommener zu erreichen. 
Die Einnahmen betrugen 10.196 Mark, die bis auf 3.245 Mark verausgabt wurden.     
Am 19. Kislew (16. Dezember), an dem Todestages des verstorbenen Gründer der Anstalt, versammelte, einer alten, frommen Sitte gemäß, der derzeitige Leiter, Herr Distriktsrabbiner Dr. Deutsch, die Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinden des Distrikts, sowie die Lehrer und Schüler der Anstalt in die hiesige Synagoge behufs Abhaltung eines feierlichen Gottesdienstes. Die hieran sich anschließende Gedenkrede, die ein Bild der segensreichen Tätigkeit des Verstorbenen, seines Wirkens und Schaffens um die Anstalt in getreuer Darstellung entfaltete, ist dem Jahresberichte auf Wunsch der Verwaltung beigedruckt; sie soll den zahlreichen Freunden und Verehrern des Verewigten, sowie den dankbaren Schülern der Anstalt ein Erinnerungsblatt sein."     

 
12. Jahresbericht (1886/1887)  

Burgpreppach Israelit 28121887.jpg (384464 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1887: "Burgpreppach. Dem zwölften Rechenschafts-Bericht über die Talmud-Thora-Schule zu Burgpreppach für das Jahr 1886/87 entnehmen wir: 
Die Freunde und Gönner der Anstalt werden mit Freude und Genugtuung die Tatsache vernehmen, dass die Schule im abgelaufenen Jahre nicht allein den ihr zugewiesenen Standpunkt mit Erfolg behauptet hat, sondern dass es ihr auch gelungen ist, denselben wie in materieller so auch in ideeller Beziehung zu erweitern und zu befestigen. Sie hat sich nicht allein darauf beschränkt, ihre Zöglinge für den Lehrerberuf vorzubereiten und ihnen das hierzu nötige Wissensmaß zu übermitteln, sondern war auch – eingedenk des im vorjährigen Rechenschaftsberichte gegebenen Versprechens – fortgesetzt bemüht, ihre Zöglinge mit einem auch für andere Verhältnisse des bürgerlichen Lebens möglichst hohen Grad intellektueller Durchbildung und sittlicher Reife auszustatten. Das Ziel, das sie sich hierbei gesteckt, ist ein ebenso hohes wie schwieriges. Denn je vielgestaltiger das Leben ist, in welches die Jugend nach dem Verlassen der Schule tritt: je mannigfacher und verschlungener die Verhältnisse sind, mit denen sie zu rechnen hat: desto größer und schwieriger ist die Aufgabe, die der Schule und Erziehung zufällt, sie für diese mannigfachen Verhältnisse zu rüsten und vorzubereiten. Dazu tritt noch an unserer Schule als besondere Aufgabe hinzu die Pflege und Förderung des religiösen Moments bei den ihr anvertrauten Zöglingen; das Gottesbewusstsein im Herzen derjenigen, die später als Lehrer an dem Fortbau des Menschen- und Volkslebens zu arbeiten berufen sein werden, zu pflegen, sowie auch diejenigen, die sich in ihr zum Eintritt in einen andere Beruf vorbereiten, der Gleichgültigkeit gegen ihre Religion und Geschichte zu entreißen und für die Erkenntnis und Verwirklichung des Religionsgesetzes heranzuziehen. Die Leitung ist es sich keinen Augenblick unbewusst geblieben, dass in dem zuletzt Erwähnten die Hauptaufgabe liegt, die der Anstalt vermöge ihres Gründungszweckes zufällt, und dass das Maß des Wohlwollens, das ihr so viele Brüder und Schwestern in so hochherziger Weise zuwenden, von dem Maße ihrer Leistungen auf diesem Gebiete, dem der religiösen Erziehung nämlich, abhängt, und sie hat darum den größten Teil ihrer Anstrengungen und Bemühungen nach dieser Richtung hin verwandt. 
Eine weitere nennenswerte Berücksichtigung ist dem Unterrichte in der jüdischen Geschichte im abgelaufenen Schuljahre zuteil geworden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass eine genaue Kenntnis dieses Unterrichtsfaches dem einstigen Religionslehrer dringend Not tut und deshalb nicht früh genug angebahnt werden kann. Aber auch für den religiös gebildeten Kaufmann ist die Kenntnis der Geschichte seines Volksstammes in Rücksicht auf ihre Bedeutung für die sittliche und moralische Stärkung und Festigung im Glauben von größter Wichtigkeit.   
Von dem Unterrichte in der jüdischen Geschichte konnte der partielle geographische Unterricht, der auf Palästina Bezug habende nämlich, nicht getrennt werden. Schon der Vortrag in der Bibel kann nur selten fruchtbringend sein, wenn der Schauplatz der Begebenheiten auf der Karte nicht in Betracht gezogen wird. Die Geschichte erst und die Geschehnisse, welche sie erzählt, können nur dann voll und ganz gewürdigt werden, wenn die Stätten, welche der Schauplatz dieser Begebenheiten gewesen, den Kindern wenigstens im Umrisse bekannt sind. Die elementare Kenntnis der physischen und politischen Geographie Palästinas wurde deshalb in den Unterrichtsplan aufgenommen.   
Von den Schülern der Anstalt haben sich 12 dem Lehrfache zugewendet, mehrere andere haben sich einem kaufmännischen Berufe oder einer nützlichen gewerblichen Tätigkeit gewidmet. Von ersteren haben 9 in der israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, 2 in der zu Köln am Rhein, 1 in dem Seminar zu Hannover Aufnahme gesucht und gefunden.    
Auch die finanziellen Verhältnisse der Schule haben, Dank einer tatkräftigen Unterstützung, einen wesentlichen Fortschritt gemacht, wodurch es möglich ward, die auf dem Anstaltsgebäude lastende hypothekarische Schuld zurückzuzahlen, um mit desto froherem Mute an die – wenn auch langsame, jedoch allmähliche – Begründung eines Schulfonds gehen zu können. Unsere Freunde, von der Aufrichtigkeit und Selbstlosigkeit unserer Bestrebungen überzeugt, werden, wie sie uns bisher zu Seite gestanden, uns auch in Zukunft, in welcher es sich um Sicherstellung des mit Erfolg begonnenen Werkes handelt, ihre Beihilfe nicht versagen.    
Der Zweck der hier befördert wird, ist kein geringer; er betrifft die religiöse und weltliche Ausbildung armer Kinder, die Erziehung und Heranbildung der einstigen Jugendlehrer. 
Die Einnahmen betrugen 16.483 Mark, die bis auf 4.468 Mark verausgabt wurden." 
  

  
15. Jahresbericht (1889/1890) 

Burgpreppach Israelit 08011891.jpg (239414 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1891: "Burgpreppach. Dem fünfzehnten Rechenschafts-Bericht über die Israelitische Präparanden-Schule 'Talmud-Thora' zu Burgpreppach für das Jahr 1889-1890 entnehmen wir:    
Zu den erfreulichsten und verheißungsvollsten Wandlungen, welche im Laufe der letzten Jahrzehnte innerhalb der deutschen Judenheit sich vollzogen haben, gehört unstreitig in erster Linie die Anerkennung des Bedürfnisses einer gründlichen religiösen Erziehung der israelitischen Jugend. Allmählich bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass religiöses Fühlen und Empfinden kein unwesentlicher Faktor sei für die Gemütsbildung des Menschen, und dass die Bildung des Geistes und des Charakters nur gewinne durch eine auf Kenntnis der religiösen Urkunden des Judentums und seiner Geschichte sich aufbauende religiöse Überzeugung und Übung. Soll aber die in langsamem Werden begriffene Wandlung von wirksamer Dauer sein, so bedarf es zunächst eines gründlich vorgebildeten Lehrerstandes, der, ausgerüstet mit umfassender allgemeiner Bildung und Gesittung, auch in der Wissenschaft des Judentums tiefer eingeweiht ist und die Pflichten und Vorschriften der Religion, die er zu lehren hat, aus den Religionsquellen selbst zu schöpfen im Stande ist. Eine solche Kenntnis der Religion kann aber nicht in Anstalten mit 3-4-wöchentlichen Religionsstunden vermittelt werden, dazu bedarf es vielmehr solcher Institute, in welchen der gesamte Lehrplan und seine Einteilung zur Unterstützung des Religionsunterrichts herangezogen werden kann. Macht ja die Erweiterung des vorschriftsmäßigen Lehrstoffes, wie er bei der allgemeinen Zunahme des Wissens und des Bildungsbedürfnisses für Lehrerpräparandien sich allmählich ausgebildet hat, selbst für solche Schulen einen gründlichen religiösen Unterricht ohnehin schwer genug. Kein Vernünftiger wird aber bestreiten wollen, dass dem jüdischen Lehrer, der in kleineren Gemeinden die Stelle des Rabbiners oft vertreten muss, eine religiöse Ausbildung, wie wir sie eben gezeichnet haben, dringend Not tut. Diesem Bedürfnisse zu genügen, ist unsere Schule seit Jahren bemüht, und wenn auch sonst der greifbare Erfolg nicht immer der Maßstab ist, nach welchem das Edle und Gute gemessen werden darf, so glauben wir doch in der erfreulichen Entwicklung und in dem steten Wachstum, auf welche die Schule während ihres nunmehr 16-jährigen Bestehens zurückweisen kann, einen Beweis für die Würdigung und Anerkennung ihrer Leistungen finden und Mut und Zuversicht für die Zukunft schöpfen zu dürfen. Die Eingänge des abgelaufenen Jahres haben uns nicht nur in den Stand gesetzt, allen an uns herantretenden Anforderungen genügen, sondern auch den geringen Fonds der Schule vermehren zu können, damit endlich auch unsere Lehrer, nachdem sie das Möglichste geleistet, unbesorgt um des Daseins Not in die Zukunft zu blicken vermögen. Auf diesen Segen hat ihr mühevolles Arbeiten wohl vollen und berechtigten Anspruch.     
Von den Zöglingen der Anstalt sind im abgelaufenen Jahre 6 in die israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg, 3 in das israelitische Lehrerseminar zu Köln am Rhein, 1 in das königliche Seminar zu Würzburg und 1 in das jüdische Seminar zu Hannover nach bestandener Prüfung übergetreten. Mehrere andere haben sich, ausgerüstet mit den für das Leben nötigen allgemeinen und religiösen Kenntnissen, einer nützlichen gewerblichen Tätigkeit zugewendet."  
   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Dezember 1890: "Die israelitische Präparanden-Schule 'Talmud-Thora' in Burgpreppach veröffentlicht ihren fünfzehnten Jahresbericht. Die Anstalt zählte im letzten Jahre 53 Schüler, von denen nach bestandener Prüfung sechs in das israelitische Seminar zu Würzburg, drei in das israelitische Seminar zu Köln, je einer in das königliche Seminar zu Würzburg und das israelitische Seminar zu Hannover eingetreten sind."     

  
17. Jahresbericht von (1891/1892)    

Burgpreppach Israelit 01121892.jpg (297413 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1892: "Aus Unterfranken. Es dürfte sicherlich die Leser Ihres geschätzten Blattes interessieren, zu erfahren, dass die Frage nach den für den Unterricht in der israelitischen Religion eingeführten Lehrmitteln die Königlich Bayerische Regierung bereits im Dezember vorigen Jahres im Zusammenhang mit der geplanten Unterrichtsreform beschäftigt hat. Schon damals ergingen an die Vorstände der höheren Unterrichtsanstalten in Bayern die auf den betreffenden Unterrichtszweig bezüglichen Anfragen mit der Aufforderung, die beim Unterrichte in der israelitischen Religion benützten Lehrbücher vorzulegen. In dem soeben zur Ausgabe gelangenden Schulbericht der israelitischen Lehrer-Präparandie zu Burgpreppach teilt der Vorstand jener Schule, Herr Dr. Deutsch, hierüber das Folgende mit:     
Am 16. Dezember richtete die königliche Regierung eine Anfrage an uns bezüglich der für den Unterricht in der Religion eingeführten Lehrmittel. Die Anfrage erledigten wir durch nachfolgenden Bericht, welchem wir Exemplare der beim Religionsunterrichte benützten Lehrbücher beifügten. Der Bericht lautete:    Auf zuletzt ergangene Aufforderungen hoher königlicher Regierung teile ich gehorsamst mit, dass ein eigentliches, systematisch und methodisch geordnetes Lehrbuch der israelitischen Religion in hiesiger Präparandenschule nicht eingeführt ist, weil 1. keines der bisher erschienenen Lehrbücher dieser Art dem Bedürfnisse für Schulpräparanden entspricht, und weil 2. der eingehende Unterricht in den Quellenschriften der Religion, den wir erteilen, es als überflüssig erscheinen lässt, die religiösen Lehren noch nach einem systematisch geordneten Kompendium vorzutragen.    Die wichtigste religiöse Belehrung erfolgt beim biblischen Unterricht, welcher in der Übersetzung des Pentateuch, der ersten und zum Teil der späteren Propheten in der Ursprache besteht. Im Anschluss an diesen Übersetzungsunterricht wird wie die Glaubens- und Sittenlehre ebenso auch der größte Teil der sonstigen Pflichtgebote gelehrt, und es liegt in dieser ältesten und sozusagen unmittelbarsten Art der religiösen Unterweisung der doppelte Vorteil, dass 1. die Kinder das Hebräische, dessen Kenntnis ihnen als künftige Lehrer unentbehrlich ist, gründlich erlernen, und 2. dass sich ihnen die Lehren der Religion dadurch, dass der Unterricht sie sowohl durch ästhetische wie linguistische Erklärung länger festhalten muss, tiefer einprägen und Herz und Verstand für die gewissenhafte Erfüllung wirksamer befruchten.    Außer dem Unterrichte in der Bibel ist als Anleitung für Kenntnis der ritualen Gebräuche der Israeliten ausnahmslos in allen Kursen das hebräisch geschriebene Werk Kizzar Schulchan Aruch (kurzgefasster Leitfaden der schriftlichen und mündlichen Pflichtgebote) eingeführt, in den oberen Kursen wird noch Stern, 'Die Vorschriften der Tora usw.', welcher mit den religiösen Pflichtgeboten auch deren Grundbegriffe (meist nach dem Werke 'Choreb' des S.R. Hirsch) mitteilt, benutzt. Von den genannten Werken liegen Exemplare zur Ansicht bei.    Zur Repetition des biblischen und Erlernung des nachbiblischen jüdischen Geschichtsunterrichts ist den Schülern der Leitfaden des Dr. D. Cassel und die Geschichte des jüdischen Volkes von Dr. S. Bäck in die Hand gegeben.     Einen Teil der ritualen und religionsgeschichtlichen Unterweisung bilden noch die Durchnahme leichter Kapitel in Mischna und Talmud.'    Der Bericht wurde von Königlicher Regierung ohne Erinnerung zur Kenntnis genommen.      Die oben mitgeteilte Tatsache sowohl, als auch die Antwort, mit welcher Herr Dr. Deutsch der Aufforderung seiner vorgesetzten Behörde begegnet ist, und welche in den Worten Dittes' gipfelt: 'Nicht aus Katechismus und Bekenntnisschriften, sondern aus religiösen Quellenschriften hat die Schule ihren Bildungsstoff zu entnehmen; denn sie soll nicht das Abgeleitete, statt des Ursprünglichen, die erstarrte Form statt des lebendigen Wesens bieten' – dürfte gewiss das Interesse weiterer israelitischer Schulkreise in Anspruch nehmen."     

     
18. Jahresbericht (1892/1893)   

Burgpreppach Israelit 04121893a.jpg (261763 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1893: "Burgpreppach, 30. November (1893). Dem soeben zur Ausgabe gelangenden Jahresbericht über die Israelitische Präparandenschule 'Talmud Thora' zu Burgpreppach für das Schuljahr 1892/93 entnehmen wir: Die außerordentliche Entwickelung, welche alle Verhältnisse des geistigen, sittlichen und sozialen Lebens der Menschheit in den letzten Jahrzehnten genommen haben, ließen die Notwendigkeit einer Neugestaltung derjenigen Unterrichtsanstalten, welche für diese Verhältnisse vorbereiten, immer mehr erkennen. Die Reform des Unterrichts bildete darum im abgelaufenen Jahre einen wichtigen Beratungsgegenstand der hierfür maßgebenden Faktoren. Auch die Lehrerbildung, welche zuletzt durch die Bestimmungen des Normativs vom 29. September 1866 geregelt worden ist, wurde eingehender Beratung einer vom königlichen Staatsministerium hierfür einberufenen Kommission unterstellt. Die Vorbildung der Schulamtskandidaten an der Präparandenschule soll erweitert und vertieft werden. Unter den bestehenden Verhältnissen müsste naturgemäß das eine das andere ausschließen. Denn je größer die Summe von Kenntnissen ist, die der Schüler seinem Gedächtnisse einzuprägen hat, umso geringer wird die intuitive Kraft des Geistes, die hierbei zur Bewährung kommt, sein können; und je mehr Ausdehnung die Unterrichtsfächer erhalten, umso weniger Zeit wird für die eigentliche Erziehung und Bildung übrig bleiben. Uns ist es schon jetzt, bei der zeitlichen Ausdehnung, die dem Musikunterricht im Rahmen des Lehrplanes gegeben werden muss, nur sehr schwer möglich, dem religiösen Unterricht diejenige Stellung zu erhalten, die er an unserer Schule bisher behauptet hat, und aus welcher er nicht verdrängt werden darf, wenn die Schüler als einstige Lehrer befähigt sein sollen, die Lehre ihres Bekenntnisses mit Erfolg lehren und vertreten zu können. Die in der Kammer der Abgeordneten bereits angekündigte Einführung eines vierten Präparandenkurses, welche für den Beginn des Schuljahres 1894/95 in Aussicht genommen ist, wird darum im allgemeinen, insbesondere aber für die von uns erstrebten Ziele, sich nur dann als ersprießlich erweisen, wenn nach dem Grundsatze multum non multa verfahren und an dem bisherigen Bestande des Unterrichtsplanes festgehalten wird, sodass die verlängerte Bildungszeit an der Präparandenschule bloß zum Zwecke der Vertiefung und einer besseren Verteilung des Lehrstoffes wird nutzbar gemacht werden können. Immerhin stellt die geplante Neueinrichtung uns vermehrte Ausgaben in persönlicher und sachlicher Beziehung in Aussicht, die wir nur im Vertrauen auf die Unterstützung der edlen Kräfte, welche unserm Bemühen bisher helfend zur Seite gestanden, zu übernehmen den Mut finden können. Mögen unsere teilnehmenden Freunde, welche die Entwicklung unserer Schule bisher mit hilfsbereitem Sinne gefördert haben, uns ihre Zuwendungen in umso reicherem Maße zufließen lassen, je größer und schwieriger die Aufgaben sind, die wir in dem kommenden Jahre zu lösen haben werden.    
Die steigende Frequenz an unserer Schule durch den Besuch solcher Kinder, welche sich nicht für das
Burgpreppach Israelit 04121893b.jpg (393290 Byte)Lehramt, sondern für einen kaufmännischen oder gewerblichen Beruf weiterbilden wollen, war für uns Veranlassung, für solche Kinder einige Abendstunden für den Unterricht in kaufmännischem Rechnen und Aufsatz einzusetzen. Wiederholt bereits ist an dieser Stelle darauf hingewiesen worden, dass unsere Unterrichtsökonomik, wiewohl sie mit den für Präparandenschulen gegebenen Normen und Satzungen zu rechnen hat, dennoch stets darauf gerichtet war, auch solchen Schülerkategorien Rechnung zu tragen, die für einen kaufmännischen Beruf vorbildet sein und die für diesen Zweck notwendigen Kenntnisse und moralischen Fähigkeiten sich aneignen wollen. Der Kampf ums tägliche Brot, der heutzutage nur wenigen erspart bleibt, erfordert von jedem ein tüchtiges Maß solider Kenntnisse und Fertigkeiten für die Ausführung des erwählten Berufs und einen durch gründliche Unterweisung gefestigten religiös-sittlichen Charakter, um unter den Versuchungen des Erwerbslebens von der Rechtschaffenheit und Treue nicht zu lassen. Mit Ausschluss der Musikfächer gibt der Präparandenschulunterricht der in der Volksschule gewonnenen Grundlage der bürgerlichen Allgemeinbildung die nötige Erweiterung und Vertiefung und ist besonders geeignet, für das praktische Leben vorzubereiten; und die tiefere, nach ethischen Gesichtspunkten geleitete Erziehung und religiöse Unterweisung, die wir hier bieten, schaffen in den Kindern Überzeugungen von so festem Grund und Boden, wie sie besonders der mitten im Weltgetriebe stehende Kaufmann oder Gewerbetreibende zur standhaften Überwindung der Lebensversuchungen nötig hat. man wende ja nicht ein, ein Religionsunterricht, der an die urtextliche Behandlung der heiligen Schrift sich anlehnt, sei für Schüler dieser Kategorie zu hoch. Verlangt ja eine nutzbringende Teilnahme an dem Gottesdienste von jedem Israeliten die Kenntnis der hebräischen Sprache als geweihtes Mittel der Erhebung beim Gebet, auch wird das Kind eine klare Anschauung von der Gedankenhoheit der heiligen Schrift nur dann zu empfangen vermögen, wenn es dieselbe in der Ursprache zu lesen versteht. An der Hand des Urtextes ist auch dem Lehrer ein Eingehen auf die einzelnen Glaubenslehren und Religionsvorschriften leichter, als an der eines so genannten Leitfadens, und auch der Schüler wird die vorgetragenen Lehren tiefer und bleibender erfassen, wenn er sie durch das Mittel einer fremden Sprache sich erwerben und erringen muss. Damit der auf diesem Wege gewonnene Reichtum an religiösen Lehren und Anschauungen ein geordnetes Besitztum im Kopfe des Kindes werde, wird die Befestigung und Wiederholung des aus den Religionsquellen Gewonnenen an der Hand eines guten Leitfadens vorgenommen; doch bleibt das Studium der heiligen Schrift und deren Erläuterung die Hauptquelle für den Vortrag der Pflichten und Glaubenslehren an unserer Schule.    
Die Erwählung des Vorstandes unserer Schule, des Dr. Deutsch, zum Oberrabbiner von Altona und die Ablehnung dieser Stelle von Seiten desselben war im abgelaufenen Jahre ein für unsere Vereinsverwaltung so schwerwiegendes Ereignis, dass es wohl verdient durch geeignete Beurkundung an dieser Stelle in der Erinnerung festgehalten zu werden. Die Mitglieder der Verwaltung danken ihrem Vorsitzenden für diesen in opferbereiter idealer Selbstlosigkeit gefassten Entschluss. Wolle ein barmherziger Gott den Einsatz an Kraft und hehrer Begeisterung, die freudig und gern auf irdische Vorteile und materiellen Gewinn verzichtet, durch segensvoll Erfolge lohnen und dem zur Ehre seines Namens errichteten Werke auch ferneres Gedeihen schenken.    
Die Zahl der Schüler im abgelaufenen Jahre betrug 48. 7 Zöglinge des Oberkurses erhielten die Reife für den Eintritt ins Seminar zuerkannt. Die Einnahme und Ausgabe beziffern die Summe von Mark 16.699,65.     
Die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres lassen wieder den gedeihlichen Fortgang des aus winzigen Anfängen hervorgegangenen Instituts erkennen. Das Bemühen, das Interesse wohltätiger Kreise auf unsere Bestrebungen zu lenken, ist wieder von Erfolg begleitet gewesen. Mit Stolz und Freude werden alle unsere Gönner, mit hohem Interesse die Freunde unserer Sache davon Kenntnis nehmen, dass wir wieder einen tüchtigen Schritt nach vorwärts zurückgelegt haben. Aber noch ist die Zeit des Kampfes und der Mühen nicht vorüber. Noch sind unsere Mittel im Verhältnis zu der Größe der Aufgabe, die wir zu erfüllen haben, leider sehr beschränkte. Aber gleich groß wie die uns gestellte Aufgabe ist unser Vertrauen auf deren glückliche Lösung. Die unschätzbaren Kräfte, die uns bisher helfend und stützend zur Seite gestanden, werden uns auch in Zukunft nicht verlassen, damit die gute Sache gedeihe und weiteren nutzbringenden Fortgang nehme. 'Alles, was zur Ehre Gottes unternommen und durchgeführt wird, hat Zukunft, Dauer und Bestand.'   
Möge die Schule, aus der schon seit vielen Jahren der Segen des Wissens und der Erkenntnis in so reichem Maße ausgegangen, sich auch fürder in der Fülle ihrer wohltätigen Wirkungen zum Heil und Nutzen unseres Glaubens erweisen können.

     
21. Rechenschaftsbericht über die Israelitische Präparanden-Schule (1895/96)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Februar 1897:    
Der Text ist noch abzuschreiben     

 
24. Rechenschaftsbericht über die Israelitische Präparandenschule (1898/1899)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. März 1900: "Burgpreppach, 8. März (1900). Der 24. Rechenschaftsbericht über die Israelitische Präparanden-Schule ('Talmud-Thora') hier macht die erfreuliche Mitteilung, dass die Frequenz der Anstalt wiederum gewachsen ist. Von den Schülern des dritten Kurses traten im Frühjahr fünf in das israelitische Seminar zu Ca (Kassel?) und im Herbst einer in die Kölner Anstalt ein. Für den Unterrichtsbetrieb war das abgelaufene Jahr insofern von besonderer Bedeutung, als mit dessen Anfang die neue Lehrordnung vom 30. Juli 1898 in Wirksamkeit trat. Die finanzielle Berichterstattung ist auch in diesem Jahre eine angenehme Pflicht; die Anstalt konnte den wiederum gesteigerten Anforderungen an die Unterstützungstätigkeit ihrer Kasse nachkommen und haben dabei - zum ersten Male seit dem Bestehen der Anstalt - den Betrag von 3000 Mark überschritten. Außerdem hat sie nach Tilgung der vom vorigen Jahre verbliebenen Bauschuld dem Pensionsfonds einen Betrag von 1000 Mark zugeführt. Allerdings ist dieser Fonds noch lange nicht imstande, selbständig seinem Zwecke zu dienen, vielmehr müssen seine Pflichten einstweilen noch von der Hauptkasse erfüllt werden. Der Vorstand der Präparandenschule ist Dr. Salomon Bamberger, die Verwaltung des Talmud-Thora-Vereins besteht aus den Herren Dr. S. Bamberger, Vorsitzender, M. G. Ullmann, Burgpreppach, M. Neumann, Burgpreppach, H. Lippstädter, Aidhausen, M. Reus, Lendershausen. Das Lehrpersonal besteht aus den Herren: Distrikts-Rabbiner Dr. S. Bamberger, Vorstand, W. Neumann, Jos. Braunold, Is. Bamberger, Präparandenlehrer, St. Deißenberger, S. Staab, Musiklehrer. Die Einnahmen im laufenden Jahre betrugen 20.028,18 Mk., die Ausgaben 16.487,82 Mark, das Vermögen 68.640,35 Mk."           

 
25. Jahresbericht (1899/1900)  

Burgpreppach Israelit 07031901.jpg (306592 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1901: "Aus Unterfranken. Die wackere 'Israelitische Präparandenschule Talmud-Thora' zu Burgpreppach versendet soeben ihren 25. Jahresbericht. Sie sieht von einer öffentlichen Feier dieses silbernen Jubiläums ab, der allgemeinen Weise ihre Huldigung versagend. Indessen entschädigt der Berichterstatter, der inzwischen als Provinzialrabbiner nach Hanau berufene, verdienstvolle Leiter der Anstalt während der letzten sechs Jahre, Herr Dr. Bamberger, die Freunde und Gönner der Anstalt durch einen geschichtlichen Überblick über die Entstehung, das Werden und Wachsen dieser zum Segen der Gesamtheit gewordenen Lehranstalt.   
Referent hörte einmal seinen unvergesslichen Lehrer, Rabbi Israel Hildesheimer seligen Andenkens in einer feurigen, der Erziehung gewidmeten Predigt das prophetische Wort des Jeremias (hebräisch und deutsch:) 'Sieh, ich  helfe dir in der Ferne' in geistreicher Weise in der Art deuten, dass der Allgütige durch den Mund des Propheten darauf hinweisen wollte, dass die Früchte der Erziehung erst in der Zukunft reifen, dass darum in diesem Beruf ungeduldiges Erwarten, stürmisches Verlangen gerade im Interesse des Fortschrittes und der gedeihlichen Entwicklung vermieden werden muss, das Saatkorn wird schon aufgehen, die Frucht reifen. Gewiss kann die Lehranstalt zu Burgpreppach jetzt nach 25 Jahren mit Befriedigung jedem Unparteiischen das Urteil überlassen, ob das von dem selbstlosen, unermüdlichen Begründer, Rabbiner Abraham Hirsch seligen Andenkens, in den Boden gelegte Saatkorn eine Hilfe in der Ferne gezeitigt hat. Ihm, dem Unvergesslichen, auf dessen Grund seine Nachfolger, die Herren Dr. Deutsch und Dr. Bamberger, eifrig und gewissenhaft weiter gebaut haben, war es leider nicht vergönnt, den immer weiter sich vervollkommnenden Ausbau der Anstalt, ihren geistigen und materiellen Fortschritt, selbst zu schauen; die Anstalt selber und ihre jetzigen Beamten laden ihre Freunde mit diesem Bericht ein, die Verwirklichung des 'Siehe, ich helfe dir in der Ferne', dieser in der Ferne erfolgten 'Hilfe' selbst zu konstatieren.   
Nicht nur, dass die Anstalt von der stattlichen Zahl ihrer 550 Schüler ungefähr der Hälfte eine gründliche Vorbildung für ihren künftigen heiligen Lehrerberuf gegeben hat, sodass dieselben in die verschiedenen Lehrerseminarien Deutschlands aufgenommen wurden und andauernd aufgenommen werden, und nach erfolgter Absolvierung des vorgeschriebenen seminaristischen Lehrganges als treue Wächter der Gemeinden und bewährte Jugendbildner wirken, hat sie vielmehr in die Herzen einer ebenso großen Anzahl von Jünglingen, die in anderen Lebensstellungen tätig sind, eine echte Gottesfurcht zu pflanzen sich bemüht und in deren Seelen einen Fonds von Torawissen zu senken verstanden, dessen Vorhandensein in unserer an Torawissen armen Zeit in den einzelnen Gemeinden gewiss ebenso wohltätig als heilsam empfunden wird, wie die Erfüllung der erstgenannten Aufgabe.   Das segensreiche Wirken der Anstalt wurde denn auch erkannt und anerkannt. Das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wird, zeigt sich in dem materiellen Wachsen der Mittel. So erfreulich die immerhin stattliche Summe des vorhandenen Anstaltsvermögens indessen auch sein mag, es reicht nicht aus, um noch harrende Aufgeben der Lösung zuzuführen. So ist eine fast unabweisbare Notwendigkeit die durch hygienische Rücksichten gebotene Neueinrichtung von Schlafsälen, der Ausbau, die Fundierung der Lehrerpensionskasse, deren Verpflichtungen zurzeit noch durch die Hauptkasse zu decken sind.   Es wird daher die Aufgabe des neu erwählten Distriktsrabbiners und Schulvorstandes sein, das Interesse der bisherigen Freunde zu erhalten und neue Freunde zu gewinnen; er wird sie für die treffliche Anstalt gewiss finden.    
Der Bericht gedenkt in dankbarer Anerkennung des früh verstorbenen tüchtigen Lehrers M. Laut seligen Andenkens und widmet den jetzt in anderen Stellungen wirkenden früheren Lehrern der Schule herzliche Worte des Dankes. Die Anstalt hat im Berichtsjahr die stattliche Anzahl von 59 Schülern zu verzeichnen. Der Bericht bringt eine Übersicht über die Lehrbücher, Lehrpensen, über den Bestand der Bibliothek und naturwissenschaftlichen Lehrmittel, Beigaben, die gewiss vielseitiges Interesse in Anspruche nehmen werden.   
Der finanzielle Teil schließt bei einem Kassebestand von Mark 2.506,50 und einer Bankanlage von Mark 1.000, mit Mark 17.419,04 in Einnahme- und Ausgabe-Konto ab. Als Unterstützung an bedürftige Zöglinge wurden im Rechnungsjahr Mark 2.640,30 verausgabt. – Wir schließen mit dem Wunsche, dass die Anstalt unter Gottes Schutz bei fortdauerndem Vertrauen ihrer Freunde weiterhin nach Innen und Außen wachsen und gedeihen möge. S."      

    
26. Jahresbericht (1900/1901)  

Burgpreppach Israelit 17021902.JPG (301543 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1902: "Burgpreppach. Dem sechsundzwanzigsten Rechenschaftsbericht über die 'Israelitische Präparanden-Schule' (Talmud-Thora) zu Burgpreppach, für das Jahr 1900 bis 1901 entnehmen wir: 
Zu Beginn des Kalenderjahres sah sich der bisherige, um die Anstalt überaus verdiente Leiter derselben, Herr Dr. Salomon Bamberger, in Folge seiner Berufung zum Provinzialrabbiner in Hanau, genötigt, zugleich mit dem hiesigen Rabbinate auch das von ihm verwaltete Schulamt niederzulegen. 5 ½ Jahre hat die Leitung der Schule in seinen bewährten Händen gelegen, und der Aufschwung, den dieselbe trotz der sehr gesteigerten Anforderungen, die sich übrigens voraussichtlich in nächster Zeit noch weiter steigern werden, auch in diesem Zeitraum genommen hat, zeigt zur Genüge, mit welchem Geschick und welchen Erfolgen er seine enorme Arbeitskraft in den Dienst der heiligen Sache zu stellen wusste. Aber nicht nur in der äußeren Verwaltung hat sich seine hingebungsvolle Tätigkeit glänzend bewährt. Gründe sehr materieller Natur verlangen von dem Vorstande der Anstalt selbst eine ausgedehnte Unterrichtstätigkeit, und wenn deshalb heute nach 26 Jahren derselbe Geist der Gottesfurcht in der Anstalt lebt, mit dem sie dereinst ins Leben gerufen worden, und wenn die Leistungen der Schule auch in jüngster Zeit wiederholt von berufensten Seiten mit anerkennenden Worten gerühmt wurden, so ist auch das nicht zum wenigsten dem Umstande zuzuschreiben, dass es Herrn Dr. Bamberger gleich seinem Vorgänger gelungen ist, in schönstem Einklange mit den in dem gleichen Streben unter ihm und mit ihm wirkenden Herren des Lehrerkollegiums im Sinne des unvergesslichen Begründers der Schule dessen Werk fortzuführen und auszugestalten. So darf denn Herr Dr. Bamberger sicher sein, dass ihm die Dankbarkeit der Verwaltung, wie die aller Freunde der Anstalt für alle Zeit erhalten bleiben wird. An dessen Stelle ist Herr Rabbiner Dr. Naphtalie Cohn getreten.    
Von den Schülern des dritten Kurses meldeten sich im Frühjahr zwei zur Aufnahmeprüfung in das israelitische Seminar zu Kassel, die sie gut bestanden. Von den acht in der Klasse verbliebenen Schülern traten zwei in das israelitische Seminar zu Köln ein, während die sechs übrigen sich der vorschriftsmäßigen Schlussprüfung unterzogen. Fünf dieser Schüler fanden Aufnahme in die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, einer in das königliche Seminar zu Schwabach. Außerdem traten nach einjährigem Besuche des zweiten Kurses ein Schüler in das Lehrer-Seminar zu Karlsruhe, zwei in das israelitische Seminar zu Köln ein.   
Der durchgearbeitete Lehrstoff entspricht nunmehr ganz der neuen Lehrordnung vom 30. Juli 1898, wie auch die neu einzuführenden Lehrbücher mittlerweile alle an die Stelle der alten getreten sind. Es soll auch in diesem Jahre nicht unterlassen werden, die Eltern und Lehrer der bei uns anzumeldenden Schüler, im eigenen Interesse dieser Schüler, wiederholt darauf hinzuweisen, dass schon rechtzeitig darauf Bedacht genommen werden möge, dass die Schüler mit den nötigen Vorkenntnissen bei uns eintreten. Der eigentlich selbstverständliche, erst jüngst wiederum ausgesprochene Satz, dass zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen der Lehrstoff des Seminars sich auf dem der Präparandenschule, der der Präparandenschule auf dem der Volksschule aufbauen müsse, gilt natürlich auch für die hebräischen Lehrfächer, ist aber in diesen noch nicht genügend durchgeführt. Die beim Eintritt in unsere Schule erforderlichen Vorkenntnisse sind im Allgemeinen aus der beigedruckten Übersicht der durchgenommenen Pensa zu entnehmen. Andererseits sollte aber zum Beispiel von Schülern, die die Volksschule absolviert haben, füglich auch erwartet werden, dass sie die wichtigsten Gebete bereits übersetzen können. Es würde dann immer noch der Präparandenschule, die ja in den Lehrern meistens zugleich die künftigen Vorbeter ausbildet, die unendlich wichtige Aufgabe verbleiben, das Verständnis der Gebete zu vertiefen, was mit dem rechten Erfolge nur dann geschehen kann, wenn der Schüler über die Form vorher Herr ist. Bisher ist das oft in so wenig genügender Weise der Fall, dass wir uns genötigt gesehen haben, in dem inzwischen bereits begonnenen Schuljahr diesem wichtigen Gegenstande auch im zwei-  
Burgpreppach Israelit 17021902a.jpg (147918 Byte)ten Kurs noch unsere Sorgfalt zuzuwenden. Dass es auch für den Musikunterricht von Vorteil ist, wenn die Schüler bei ihrem Eintritt davon wenigstens schon einen Begriff haben, ist ebenfalls früher wiederholt betont worden. Der fakultative Unterricht in der Gabelsberger'schen Stenographie, der infolge des Wechsels in der Vorstandschaft ausgesetzt werden musste, ist mittlerweile wieder aufgenommen worden.    
In materieller Hinsicht hatte die Schule sich auch im verflossenen Jahre vielseitiger Förderung zu erfreuen. So haben wir dankbar der Unterstützung zu gedenken, die das königliche Staatsministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten wiederum für einige in Bayern beheimatete Zöglinge wohlgeneigtest gewährt hat. Diesem, wie allen verehrlichen Kultusverwaltungen, vereinen und Privaten, die unsere Bestrebungen gefördert haben, gilt der innige Danke der Verwaltung. Wir waren dadurch in der Lage, eine stattliche Summe zur Unterstützung von bedürftigen Zöglingen zu verwenden und auch einen Betrag von 2.000 Mark dem Pensionsfonds zuzuweisen. Jedoch sind die Anforderungen, die an uns in dieser Hinsicht gestellt werden, fortwährend im Steigen begriffen. Gern möchten wir den Schülern, die sich mit Eifer ihren Studien hingeben, die Unterstützungen in der vollen Höhe bewilligen, in der sie von uns erbeten werden, und andererseits ist sich die Verwaltung auch sehr wohl ihrer Pflichten gegenüber den Herren Lehrern bewusst, die ihre volle Kraft der Schule widmen. Es muss darum immer wieder die Bitte um reichliche Zuwendungen an alle diejenigen wiederholt werden, die mit uns den Wunsch teilen, dass auch den Söhnen der weniger Bemittelten eine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung im Tora- und profanen Wissen, wie sie unsere Schule vermitteln möchte, zuteil werden könne. Wenn uns unsere bisherigen Freunde treu bleiben und auch in ihren Bekanntenkreisen uns neue gewinnen möchten, dann wird es uns mit der göttlichen Hilfe gelingen, die Schule nicht nur auf der Höhe zu erhalten, sondern ihr auch eine immer festere Grundlage zu schaffen.      

    
27. Jahresbericht (1901/1902)  

Burgpreppach Israelit 08011903.jpg (311191 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1903: "Burgpreppach. Die hiesige, israelitische Präparandenschule 'Talmud-Thora' hat soeben mit dem Versand ihres Rechenschaftsberichtes für das Schuljahr 1901/02 begonnen. Nachdem zunächst des verdienstvollen Wirkens des ältesten Lehrers der Anstalt, Herrn Wolf Neumann, der, wie seinerzeit von uns berichtet wurde, im Oktober 1901 auf eine 25-jährige reich gesegnete Tätigkeit an der Anstalt zurückblicken konnte, und der aus diesem Anlasse veranstalteten Feier gedacht worden, wird mitgeteilt, dass im Berichtsjahre 11 Schüler, nach Absolvierung der Präparandenschule, in verschiedene preußische und bayerische Lehrerseminare entlassen werden konnten, während 1 Schüler, protestantischen Bekenntnisses, der die Schule durch alle drei Kurse besucht hat, in eine Baugewerkschule übergetreten ist. Sämtliche 6 Schüler, die sich der am 6. und 7. August abgehaltenen schriftlichen, und der am 28. desselbigen Monats, unter dem Vorsitze des königlichen Regierungskommissärs, Herrn Kreisschulinspektor Dr. Weber, und in Anwesenheit Seiner Ehrwürden des Herrn Distriktsrabbiners N. Bamberger aus Würzburg abgehaltenen mündlichen Schlussprüfung zu unterziehen hatten, haben dieselbe bestanden, zum Teil mit dem Erfolge, dass sie von dem größten Teil der mündlichen Prüfung dispensiert werden konnten. Vier von diesen Schülern sind in die israelitische Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg eingetreten, einer beabsichtigt, seine Studien in Halberstadt fortzusetzen, während einer in dem königlichen Schullehrerseminar Würzburg Aufnahme fand. Letzterer wurde auf ein von ihm eingereichtes Gesuch durch das königliche bayerische Staatsministerium, auf Grund der an der Präparandenschule mit Erfolg abgelegten Prüfung, von einer erneuten Aufnahmeprüfung dispensiert, was mit Recht, wegen der prinzipiellen Bedeutung der Sache, von der Vorstandschaft mit Freuden als ein neuer Erfolg der Schule begrüßt wird. Ist ja damit die Gleichwertigkeit von deren Leistungen mit denen der königlichen Präparandenanstalten, die im Prinzip schon durch die, auf Grund einer früheren Regierungsentschließung, eingeführte Schlussprüfung ausgesprochen war, auch de facto anerkannt worden. Ein dem Berichte beigelegtes Zirkular gibt davon Kenntnis, dass die Schule auch fernerhin Schülern, die in ein preußisches Seminar einzutreten beabsichtigen, Gelegenheit geben wird, auch die nach den neuen preußischen Lehrplänen erforderlichen, zum Teil gesteigerten Kenntnisse sich auf der Schule zu erwerben, sodass es erfreulicherweise nicht nötig sein wird, dem einmal früher von anderer Seite erteilten Rate, dass solche Schüler eine nichtjüdische Präparandenschule besuchen sollen, Folge zu leisten, denn keinesfalls kann der religiöse Sinn eines Schülers einer nichtjüdischen Anstalt, selbst im nebenher erteilten jüdischen Unterricht, die gleiche Förderung erfahren, wie auf einer jüdischen Anstalt, die, ohne in den profanen Fächern Geringeres zu leisten, dem Unterrichte in der Thora eine entsprechende Stellung zuweist.    Der Bericht gedenkt im Weiteren der mannigfachen Zuwendungen im verflossenen Jahre. Zahlreiche Kultusverwaltungen, Stiftungen, Vereine und Private haben es der Schule durch ihre Beiträge ermöglicht, zu einem günstigen Abschlusse, auch in materieller Beziehung zu gelangen. Auch das königliche bayerische Staatsministerium hat für einige in Bayern beheimatete Zöglinge wiederum eine Unterstützung gewährt. Nichtsdestoweniger sieht sich die Verwaltung auch in diesem Jahre genötigt, mit der innigen Bitte zu schließen, dass die vielen Freunde der Anstalt treu bleiben, und den Kreis der Gönner durch Anwerbung neuer Freunde vergrößern möchten. Denn die Anforderungen, die an die Anstalt gestellt werden, sind fortdauernd sehr große. Viele Väter von Söhnen, die die Neigung und die Fähigkeit in sich fühlen, sich dem Lehrerberufe zu widmen, wenden sich an die Verwaltung, durch ihre Vermögenslage gezwungen, mit der Bitte um Gewährung von ganzen oder teilweisen Freiplätzen. Aus der Grabfelder Schulstiftung können diese Wünsche nur teilweise erfüllt werden. Es ist deshalb wünschenswert, dass die Beiträge so reichlich fließen, dass sie Unterstützungen solcher Schüler möglichst hoch bemessen werden können. Außerdem muss aber der Pensionsfonds, der jetzt 8.000 Mark beträgt, noch eine sehr wesentliche Erhöhung erfahren, um lebenskräftig zu werden.   Das Gesamtvermögen beträgt 80.000 Mark. Die Schule wurde im Berichtsjahre von 51 Schülern besucht."

   
28. Jahresbericht (1902/1903)  

Burgpreppach Israelit 28011904.jpg (124899 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1904: "Aus Unterfranken. Die israelitische Präparandenschule 'Tamud-Thora' zu Burgpreppach versendet in diesen Tagen ihren 28. Rechenschaftsbericht für das Anstaltsjahr 1902/03. Der Berichterstatter, Vorstand der Schule, Distriktsrabbiner Dr. N. Cohn, Burgpreppach, bemerkt einleitend sehr richtig, dass, da in letzter Zeit die Frage der Ausbildung jüdischer Lehrer so vielfaches Interesse erregte, auch vorliegender Bericht des Lebens wert erachtet werden möge. Bezüglich der allgemeinen Lehrfächer gilt für die 'Talmud-Thora' die gleiche Lehrordnung wie für die staatlichen Präparandenschulen. Dass der Lehrstoff erfolgreich durchgearbeitet wird, erhellt die Tatsache, dass bisher jedes Mal sämtliche Teilnehmer an der unter Leitung eines Regierungskommissärs abgehaltenen Schlussprüfung das Reifezeugnis zum Eintritt ins Seminar ausgestellt werden konnte. Die beigedruckte Lehrstoffübersicht zeigt aber auch deutlich, dass in den, für die Ausbildung jüdischer Lehrer so wichtigen jüdisch-religiösen Lehrfächern Ersprießliches geleistet wird, und es lässt sich ein ganz hübsches Maß jüdischen Wissens erlangen, wenn in den folgenden drei Seminarjahren auf dieser Grundlage entsprechend weiter gebaut wird.   
Wohl zeigt sich, wenn man die Jahresberichte von 25 Jahren zurück mit den heutigen vergleicht, eine Einschränkung der Pensa; das hat zum Teil seinen Grund in den erhöhten Anforderungen, die heute an die allgemeine Ausbildung des jüdischen Lehrers gestellt werden, zum guten Teil aber auch darin, dass die eintretenden Schüler weniger gut vorbereitet sind als früher. Was hier in frühester Jugend versäumt wurde, ist bei der weiteren Ausbildung hemmend. Der Lehrplan der 'Talmud-Thora' muss diesem Umstande Rechnung tragen, einem Umstande, der aber nicht, wie 
Burgpreppach Israelit 28011904a.jpg (278045 Byte)es so oft und gerne geschieht, ausschließlich dem Religionslehrer zur Last gelegt werden darf, denn es ist auch das Haus zum großen Teile schuld daran, wenn die Schule hier keinen Rückhalt findet. Jedenfalls können die Schüler umso mehr gefördert werden, je besser sie vorbereitet sind.    
Abgesehen über diese Klage über zuweilen mangelhafte Vorbereitung für den Eintritt in die Anstalt erklärt der Vorstand die Pflicht der Berichterstattung über das verflossene Schuljahr für eine angenehme. Fleißige zielbewusste Arbeit bei Lehrern und Schülern ist von schönen Erfolgen gekrönt worden.   Das Schuljahr wurde am 29. Oktober 1902 in üblicher Weise durch Ansprache und Gesang eingeleitet und in gleicher Weise am 1. September 1903 geschlossen. Die Gesundheitsverhältnisse waren bei Lehrer und Schülern die denkbar besten. Der Vorstand war im Januar von der Hohen Königlichen Regierung auf 14 Tagen beurlaubt, ein Anstaltslehrer musste leider wegen Trauerfalles den Unterricht eine Woche aussetzen. Unterricht fiel jedoch nicht aus, da die übrigen Lehrer in dankenswerter Weise vertretungsweise die betreffenden Stunden übernahmen.   
Am 8. November 1902 beehrten der Königliche Bezirksamtmann, Herr Neubert von Hofheim, und der Königliche Bezirksarzt die Schule mit ihrem Besuche, nahmen mit großem Interesse Einsicht von deren Einrichtungen und Sammlungen und äußerten sich sehr anerkennend über das Gesehene.   Die allerhöchsten Geburts- und Namensfest wurden in der üblichen Weise begangenen und die Festrede am 1. November in der Synagoge, am 12. März in der Anstalt gehalten. Ein größerer Ausflug wurde im abgelaufenen Jahre nicht unternommen, dagegen häufig Ausflüge und Spaziergänge in die Umgegend gemacht. Die Schlussprüfung wurde in ihrem schriftlichen Teil am 3. und 4. August, in ihrem mündlichen Teile am 20. desselben Monats abgehalten. Sämtliche 5 Prüflinge bestanden, den meisten konnte ein Teil der mündlichen Prüfung sogar erlassen werden. Diese 5 Absolventen traten alle in das jüdische Lehrerseminar zu Würzburg ein, während 2 Schüler des Oberkurses schon im Frühjahre in das israelitische Seminar zu Kassel Aufnahme gefunden hatten. Als Regierungskommissar bei beredter Prüfung war von der Königlichen Regierung in Würzburg der Vorstand des dortigen Königlichen Schullehrerseminars, Königlicher Seminardirektor Herr Königbauer entsandt worden; mit ihm war der Leiter des jüdischen Seminars zu Würzburg, Herr Distriktsrabbiner Nathan Bamberger, erschienen. Dem nunmehr in den Ruhestand getretenen Kreisschulinspektor Herrn Dr. Weber, der früher stets als Regierungskommissär fungierte, wird für stets bewiesenes Wohlwollen gedankt. Die Schule sah sich veranlasst, ein durch Todesfall frei gewordenes, angrenzendes Grundstück zu erwerben einerseits zum Zweck etwa notwendig werdender Erweiterung, dann auch, um zu verhüten, dass durch andere Erwerber des Grundstückes Betriebsstörende Anlagen, Werkstätten etc. dort errichtet würden. Der Kostenaufwand von 1.500 Mark für diesen Zweck gestaltete natürlich den Rechnungsabschluss weniger günstiger als in den Vorjahren, immerhin ist er befriedigend.   
Das Königliche Bayerische Staatsministerium hat wiederum eine Unterstützung für einige in Bayern beheimatete Schüler gewährt, zahlreiche Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Private haben ihr Wohlwollen bewiesen. Zwar hat die Summe der Legate nicht die Höhe des Vorjahres erreicht, doch kann erfreulicherweise mitgeteilt werden, dass ein, während des Jahres dahingeschiedener Gönner letztwillig ein ansehnliches Kapital der Schule vermachte, sodass die Zinsen den früheren jährlichen Beitrag wesentlich übersteigen werden. Möge dies Beispiel Nachahmung finden, möge überhaupt die Anstalt stets vom Wohlwollen unserer Freunde und Brüder getragen werden, möge auch Gottes Segen stets auf ihr ruhen, auf dass sie ihre hohe und heilige Aufgabe zu lösen vermöge: 'Männer heranzubilden, die mit den erforderlichen Kenntnissen ausgestattet, als begeisterte Anhänger ihres Glaubens und treue Söhne des Vaterlandes sich bemühen, zum Segen der Gesamtweit zu wirken.'    
Die Verwaltung des Talmud-Thora-Vereins besteht außer dem Berichterstatter, Distrikts-Rabbiner Dr. Cohn, noch aus den Herren: Ullmann und Neumann – Burgpreppach, Reus – Hofheim und Stern – Aidhausen.    
Als Lehrer wirken außer dem Berichterstatter die Präparandenlehrer Neumann, Braunold und Ochsenmann, sowie die Musiklehrer Deißenberger und Meisner.   
An Stiftungen (Kapitalzuwendungen) gingen 900 Mark ein, Beiträge und Spenden beliefen sich auf 8.770,64 Mark. Für Lehrergehälter und Pensionen wurden ca. 7.000 Mark verausgabt. Der Pensionsfond, dem wieder wie alljährlich 100 Mark überwiesen wurden, beziffert nun 9.000 Mark; das Gesamtvermögen einschließlich des Pensionsfonds 81.145,18 Mark.   M."        

  
29. Jahresbericht (1903/1904)  

Burgpreppach FrfIsrFambl 23121904.jpg (309621 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 23. Dezember 1904: "Burgpreppach (Bayern). In dem soeben veröffentlichten 29. Rechenschaftsbericht der hiesigen israelitischen Präparanden-Schule 'Talmud-Thora' lesen wir: 
Seit dem Erscheinen unseres jüngsten Jahresberichts hat die Frage der Ausbildung der jüdischen Lehrer in den Religionsfächern in Wort und Schrift wiederum vielfache Erörterung gefunden. Wir müssten den uns zur Verfügung stehenden Raum weit überschreiten, wollten wir an dieser Stelle auf diese in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzende Frage im Allgemeinen näher eingehen. Es ist das in früheren Jahresberichten wiederholt geschehen, und überdies hat die Schule in den 29 Jahren ihres Bestehens gezeigt, wie sie mit schönstem Erfolge bestrebt war, die seit ihrer Gründung unveränderten Prinzipien hochzuhalten und durchzuführen. So wird es mit Gottes Hilfe auch weiter bleiben. In den allgemeinen Fächern die gleiche Lehrordnung mit den staatlichen Präparandenschulen innehaltend, werden wir im übrigen bemüht sein, unsere Schüler mit einem möglichst umfassenden und gründlichen Wissen in den biblischen und talmudischen Disziplinen auszustatten, um ihnen den erhabenen Lehrinhalt des Judentums und damit zugleich die glühende Begeisterung für dasselbe aus seinen Quellenschriften selber zu vermitteln. Damit tragen wir zugleich, soweit es an uns ist, bei zur Hebung des Ansehens der künftigen Lehrer; denn je größeres Wissen der jüdische Lehrer, zumal in dem ihm eigensten Gebiete, aufzuweisen hat, umso gründlicher und erfolgreicher wird der von ihm zu erteilende Unterricht sein, umso höher wird er aber auch in der Achtung bei seiner Gemeinde und seinen Vorgesetzten stehen.     
Diese Ausführungen über das Lehrziel unserer Schule mögen genügen, und nur soweit bei den erwähnten Erörterungen auch unsere Schule in der Öffentlichkeit genannt wurde, sei noch mit wenigen Worten auf dieselben zurückgegriffen. Dass ein einheitlicher Lehrplan in den Religionsfächern wenigstens für diejenigen Lehrerbildungsanstalten, die annähernd die gleichen Forderungen für das Wissensmaß des ins Amt tretenden Lehrers aufstellen, sehr wünschenswert wäre, ist auch von uns schon früher betont worden; andererseits sei darauf hingewiesen, dass jener Zusammenstellung der Bericht von 1901 zugrunde liegt, während aus neueren Berichten ersichtlich ist, dass durch eine zweckmäßigere Verteilung, wie sie sich aus der Erfahrung ergeben hat, der Stoff zum Teil erweitert werden konnte.    
Dass aber die Biblische Geschichte in der Präparandenschule überhaupt nicht mehr behandelt werden sollte, erscheint uns durchaus ungerechtfertigt. Denn abgesehen davon, dass sich oft genug zeigt, dass die Kenntnis in diesem Fache, trotzdem sie beim Eintritt in die Präparandenschule vorausgesetzt werden sollte, viel zu wünschen übrig lässt, ist doch eine Vertiefung und Erweiterung des auf der Volksschule Erlernten sehr wohl möglich und auch angebracht. Allerdings kann – und, weil das bei uns stets geschah, war Biblische Geschichte bisher nicht unter den durchgearbeiteten Pensen mit aufgeführt – die Biblische Geschichte im Anschluss an den Bibelunterricht, der den gesamten historischen Teil umfassen soll, behandelt werden. Das für Mischna vorgeschlagene Pensum erscheint zu gering, manches andere zu hoch gegriffen. Dem Grundsatze, dass es weniger auf die Menge des Durchgenommenen, als darauf, wie es behandelt wird, ankommt, huldigen auch wir.'"      

  
30. Jahresbericht (1904/1905)     

Burgpreppach FrfIsrFambl 05011906.jpg (106614 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Januar 1906: "Burgpreppach. Der 30. Rechenschaftsbericht der rühmlichst bekannten 'Israelitischen Präparanden-Schule 'Talmud-Thora' veröffentlicht eine Entschließung der Regierung, erlassen nach einer Visitation der Kreisschulreferenten Freiherr von Gumppenberg, die wir folgt lautet: 
'Die am 31. vorigen Monats durch einen Regierungskommissär vorgenommene Besichtigung der israelitischen Präparandenanstalt in Burgpreppach hat den erfreulichen Beweis geliefert, dass die Anstaltsleitung bestrebt ist, nach allen Richtungen für das geistige und leibliche Wohl ihrer Zöglinge zu sorgen und dass insbesondere Zucht und Ordnung, Reinlichkeit, Pflichteifer und Wohlanständigkeit dort eine Stätte gefunden haben. Namentlich befriedigte die gute Haltung der Zöglinge und deren vortrefflicher Gesundheitszustand, die Fürsorge der Leitung für Beschaffung der erforderlichen Lehrmittel und für Freilegung des Anwesens, für Anlage eines Turnplatzes usw. ..."  
Des weiteren ersehen wir aus dem Bericht, dass die Schule von 50 Schülern besucht wurde und dass das Anstaltsvermögen Mark 93.500 (einschließlich Mark 11.000 Pensionsfonds) beträgt."   

    
31. Jahresbericht (1905/1906)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Januar 1907: "Burgpreppach. Der 31. Bericht der Israelitischen Präparanden-Schule verzeichnet eine Frequenz von 52 Schülern. Die Anstalt hat ein Vermögen von 96.400 Mark. Ihre Einnahmen im Rechnungsjahre 1905/06 beliefen sich auf 15.305 Mark und ihre Ausgaben auf 12.450 Mark (Lehrergehälter und Pension 7.642 Mark, Unteerstützungen an bedürftige Schüler 2.340 Mark usw.).      
  
Burgpreppach Israelit 28021907.jpg (189043 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1907: "Die israelitische Präparandenschule 'Talmud-Thora' in Burgpreppach. Der Rechenschaftsbericht der Talmud-Thora-Schule in Burgpreppach für das Schuljahr 1905/06 – es schließt bekanntlich in Bayern im Herbst ab – liegt uns vor und wir wollen uns nicht damit begnügen, aus demselben trockene Zahlen anzuführen, sondern wir wollen vor allem darauf hinweisen, welch hohe sozialen Aufgaben unsere Präparandenschulen erfüllen. Sie sind die Bildungsstätten unserer minderbemittelten Glaubensgenossen. 'Unterstützt die Söhne der Armen, dass von ihnen ausgehe die Tora an Israel', das war der Grundsatz, der den edlen Stifter der oben genannten Schule, den leider so früh verstorbenen Rabbiner Abraham Hirsch – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – bei der Gründung leitete und seine Nachfolger sind in seine Fußstapfen getreten und sehen es als eine Hauptaufgabe an, den Besuch der Anstalt auch den Söhnen der armen Eltern zu ermöglichen durch niedrigen Pensionspreis und durch direkte Unterstützungen an bedürftige Schüler. Dafür wurden im Berichtsjahr 2.340 Mark aufgewandt und es wäre zu wünschen, dass der warme Appell, den der verdienstvolle Leiter der Schule, Herr Distriktsrabbiner Dr. Naftali Cohn insbesondere an die früheren Schüler der Anstalt richtet, ihm zu diesem Zwecke größere Mittel zur Verfügung zu stellen, nicht ungehört verhallen möchte.   
Auf die vorzüglichen Leistungen der Schule in den jüdischen Fächern wurde schon bei früheren Gelegenheiten hingewiesen. So wurde beispielsweise im 2. Kurs in Talmud Traktat Bezah III, IV und V, im 3. (Ober)Kurs Traktat Rosch haschonok, Folio 2a bis 25b durchgenommen.   
Von den 10 Zöglingen des Oberkursus traten 5 in das Würzburger Seminar, die übrigen in norddeutsche Seminare ein. Im Ganzen wurde die Anstalt von 52 Schülern besucht.  Sie ist aber nicht ausschließlich eine Präparandenschule, sie bereitet für jeden praktischen Beruf mindestens ebenso gut vor, wie etwa eine gehobene Bürgerschule, denn sie gewährt, wie ein Blick auf das Pensenverzeichnis beweist, eine durchaus harmonische Ausbildung und im bürgerlichen Rechnen, Schön- und Rechtschreiben, Fächer, die für den angehenden Kaufmann besonders wichtig sind, übertrifft sie viele andere Schulen. Französisch und Stenographie fehlen nicht und Musik (Gesang, Harmonielehre, Violine und Klavier) wird recht gründlich betrieben.   
Dabei herrscht in den Präparandenschulen ein vorzüglicher Geist: Fleiß und zielbewusstes Streben erfüllen Lehrer und Schüler und Erziehungsnieten gehören hier zu den Seltenheiten, denn auch der zur Lässigkeit Neigende wird mitgerissen.  
Möge die Talmud-Thora-Schule sich auch fernerhin das Wohlwollen weiter Kreise bewahren und zu den bisherigen Gönnern neue hinzugewinnen."

    

31. Jahresbericht der Israelitischen Präparandenschule (1907)      

  

   
32. Jahresbericht (1906/1907) 

Burgpreppach FrfIsrFambl 17011908.jpg (86198 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Januar 1908: "Burgpreppach. Israelitische Präparanden-Schule. – Der 32. Rechenschaftsbericht verzeichnet die Zahl der Schüler am Anfang des Schuljahres mit 36 und bei Beendigung desselben mit 39. Dem Lehrerkollegium trat Herr Jonathan Uhlfelder aus Weisendorf (Oberfranken), zuletzt in Bechhofen, bei; dagegen verlor das Kollegium nach Schluss des Schuljahres Herrn J. Braunold durch den Tod. Der Tod des letzteren hat dem Kuratorium der Anstalt schwere Sorgen aufgebürdet, denn die Ausgaben werden um die Witwen- und Waisengelder für die hinterbliebene Familie vermehrt, - und der Pensionsfonds beträgt nur 14.000 Mark."    

     
Kurze Mitteilung zum 42. Jahresbericht 1917  

Burgpreppach FrfIsrFambl 01031918.jpg (27120 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. März 1918: "Burgpreppach. Die Israelitische Präparandenschule verausgabte in ihrem letzten Berichtsjahre 13.151 Mark für Lehrergehälter und Pensionen, und 3.373 Mark für Unterstützungen an bedürftige Schüler. Die Zahl der Schüler betrug 46."    

  
44. Jahresbericht (1919/1920)  

Burgpreppach Israelit 20051920.jpg (224750 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1920: "Burgpreppach. Die Israelitische Präparanden- und Bürgerschule versendet ihren 44. Jahresbericht, demzufolge die Anstalt im Berichtsjahr von 68 Schülern besucht wurde. Die Pläne, die im vorigen Bericht angedeutet wurden, sind in die Tat umgesetzt worden. 
Der Thora- und Talmudunterricht wurde erweitert und vertieft. 2 Aufnahmen zeigen die Schüler beim Talmudunterricht, über dessen überaus intensives Lernen die Übersicht der Pensen und die Schulaufgaben Aufschluss geben. Das Erfassen und Erlernen der jüdischen Wissenschaften in weitestem Umfange, die sanfte, aber starke Gewöhnung an religiöse Pflichterfüllung in der Anstaltserziehung, sind der gemeinsame Unterbau der Präparandie und der neu angegliederten Bürgerschule. Auf dieser Grundlage bildet der Lehrplan der Präparandie die künftigen Lehrer, die der Bürgerschule nach gleichfalls von der Regierung genehmigter Anordnung die zukünftigen Handels- und Gewerbetreiben vor. Alle Elementarkenntnisse, Fremdsprachen, Musik, Staatsbürgerkunde, Handelslehre, Bürgerliches und Kaufmännisches Rechnen, Korrespondenz, Buchführung, Stenographie, Maschinenschreiben, Ackerbau und Handfertigkeitsunterricht, sind die vielseitigen Lehrzweige dieses Lehrplanes, über die der Bericht genaueres mitteilt, besonders die Unterweisung im Ackerbau und in der Handfertigkeit die die vielerörterte Berufsumschichtung anzubahnen bestimmt sein sollen, werden durch Photographien veranschaulicht. Das harmonische Ineinandergreifen des jüdischen und profanen Unterrichts beleuchtet in hervorragender Weise die Mitteilung des Berichts, dass nach Durchnahme des Mischna-Traktates 'Sanhedrion' im deutschen Unterricht ein Aufsatzthema gegeben wurde: 'Eine Gerichtssitzung in Alt-Israel', dass die Vorschriften des Traktates zur Aufgabe stellten. Eine Bearbeitung dieses Themas war so anschaulich, dass sie in den Blättern der Agudas Jisroel, Jugendorganisation Februarheft 1920 veröffentlicht und aus diesem in das Hamburger Familienblatt Nr. 17 übernommen wurde.    
Dank der kräftigen Kost und waldreichen Gegend war der Gesundheitszustand der Schüler ein sehr guter. So gibt der Bericht ein übersichtliches Bild von dem regen und geistigen Leben dieses jüdischen Erziehungswerkes. Es dürfte daher die Bitte des Berichtes um ungeminderte Förderung der Anstalt (Israelitische Präparandenschule Burgpreppach, Postscheckkonto 4565 Nürnberg), zu der die ungeheuren Aufgaben – trotz aller pekuniären Schwierigkeiten wurden die Gehälter der Anstaltslehrer denen der staatlichen Volksschullehrer angeglichen, werden viele unbemittelte Schüler mit Subventionen und Stipendien bedacht – bei allen Freunden der Jugend unseres Volkes weitgehendste Berücksichtigung finden."

  
45. Jahresbericht (1920/1921)

Burgpreppach Israelit 03031921.jpg (153884 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1921: "Burgpreppach, 1. März (1921). Der 45. Jahresbericht der unter Leitung des Herrn Distriktrabbiner Dr. Michalski stehenden Präparanden- und Bürgerschule 'Talmud-Thora' Burgpreppach für das Jahr 1920 teilt mit, dass im Berichtsjahre die Schule von 60 Schülern besucht war. Lerngruppen, zusammengestellt aus Schülern mit gleichen Vorkenntnissen und Anlagen, traten auch im Berichtsjahr in den jüdischen Disziplinen an Stelle der Klasseneinteilung und überbrückten die Unterschiede der Vorbildung. Aus der Mitte der Schüler bildete sich ein Lernverein, der des Abends sich zu gemeinsamen Sonderschiurim (Sonder-Lernstunden) zusammenfand. Auch waren die Schüler im Sommer bei den allsabbatlichen Tehillimvorträgen zugegen. Das praktische Studium der Tefillin, soweit es für die Schüler erlernbar, das Schwärzen und Knüpfen der beiden Knoten wurde im Berichtsjahr neu eingeführt. Für letzte wurden von Herrn Lehrer Berlinger Zeichnungen angefertigt, die das Knüpfen der Knoten in den einzelnen Phasen zeigen. Interessenten stehen die Zeichnungen, soweit noch Vorrat, zur Verfügung. Der Handelsunterricht wurde in drei Abteilungen für Anfänger und Fortgeschrittene erteilt und setzte die im vorigen Berichtsjahr angegebenen Pensen in einfach und doppelter Buchführung, kaufmännischem Rechnen, Handels- und Wechsellehre, Stenographie und Maschinenschreiben fort.   
Auch in diesem Berichtsjahr erhielten die Schüler von den Kultusgemeinden München und Nürnberg, von der Oppenheimer-, der Artur Sondheimerschen Stiftung, der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Frankfurt am Main, von der Grabfelder Judenlandschaftsstiftung und der Verwaltung des Talmud Thora-Vereins in Burgpreppach Präbenden. Der Bericht schließt mit einem Appell an die jüdische Öffentlichkeit, der Anstalt weiter zu gedenken." 

  
47. Jahresbericht (1922/1923)

Burgpreppach Israelit 26071923.jpg (94744 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1923: "Burgpreppach, 1. Juli (1923). Die Israelitische Präparanden- und Bürgerschule 'Talmud-Thora' zu Burgpreppach versendet ihren 47. Jahresbericht. In der Schule wurden im Berichtsjahr 60 Knaben in der Präparandie für den Lehrerberuf vorgebildet und in der Bürgerschule mit den Kenntnissen des allgemeinen Wissens und besonders der Handelskunde vertraut gemacht. Am Schluss des Schuljahres fand eine mehrtägige schriftliche und mündliche Prüfung statt, die alle Schüler bestanden. Die Zukunft der Anstalt macht den Leitern schwere Sorge und sie bitten alle diejenigen, die früher 5 Mark als Beitrag gesandt, annähernd den jetzigen Wert der früheren Spende zu senden und nicht zu verschütten 'den Brunnen, den Geistesfürsten begraben, den sich erworben haben die Hochherzigsten im Volke, dem Gesetztragenden zur Stütze werdend.' (IV. Buch Mose 21,18 nach der Erklärung des Wilnaer Gaon. Siehe auch 'Israelit' Nr. 25 dieses Jahres.).

    
    
Aus der Geschichte der Talmud-Tora-Schule / Israelitischen Präparanden- und Bürgerschule / Israelitische Handels- und Bürgerschule (ab 1931) 

Purimspiel der Schüler (1884)    

Burgpreppach Israelit 20031884.jpg (72770 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1884: "Eingesandt. Aus Unterfranken. Am zweiten Purim-Abende wurde von den Zöglingen der Israelitischen Präparandenschule in Burgpreppach unter Leitung ihrer Herren Lehrer ein Purimspiel in Form einer theatralischen Posse aufgeführt, deren Durchführung in allen Stücken allgemein als äußerst gelungen bezeichnet wurde. Bühneneinrichtung, Dekoration, Wahl des Stückes, Vortrag – nichts ließ zu wünschen übrig. Wir sagen nun auf diesem Wege dem allverehrten Leiter der Anstalt, Herrn Rabbiner Hirsch, den geehrter Herrn Lehrern, sowie den mitwirkenden Schülern herzlichen Dank für den uns bereiteten, genussreichen Abend, der gewiss den zahlreichen Zuschauern noch lange im Gedächtnisse bleiben wird."   

   
Gründung des Vereins Doresch Tow in Baisingen (1889)
  - württembergischer Unterstützungsverein für die Ausbildung in Burgpreppach 

Baisingen Israelit 20051889.jpg (124275 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1889: "Baisingen. Die Herren Moses Kahn, Hermann Marx, Isaac Kahn, Hirsch Kahn in Baisingen, Veit Kahn in Cannstatt und Heinrich Herz in Hall haben einen Verein 'Doresch Tow' gegründet, um die Ausbildung eines jüdisch religiös gebildeten Lehrerstandes (innerhalb Württemberg) für das Königreich Württemberg zu erstreben.  
Zu diesem Zwecke sollen Württemberg Kinder, die sich dem Lehrerfache widmen wollen und die durch Lust und Liebe, durch Begabung und Leistungsfähigkeit, durch Moralität und sittlichen Ernst sich dazu qualifizieren, aus den Mitteln der Vereins materiell unterstützt werden.   
Die Unterstützung findet nur dann statt, wenn die Zöglinge zu ihrer Ausbildung eine solche Anstalt (Präparandie und Seminar) besuchen, in welcher gründliches jüdisches Wissen, echte Religiosität in Verbindung mit wahrer, allgemeiner Bildung gelehrt und anerzogen wird.   
Da eine solche Lehranstalt in Württemberg vorerst nicht besteht, so sind die Zöglinge, welche aus Mitteln des Vereins unterstützt sein wollen, gehalten, ihre Vorbildung an der israelitischen Präparandenschule zu Burgpreppach in Bayern, welche den Charakter der Öffentlichkeit hat und die bekanntermaßen ihre Zöglinge in der oben bezeichneten Weise erzieht, zu genießen.   
Wir wünschen dem Verein das beste Gedeihen; sein Streben wird dazu beitragen, in religiöser Beziehung einen bessern Geist in die Württemberger Judenheit zu bringen."  

    
Über die Aktivitäten des Vereins Doresch Tow (1891)  

Baisingen Israelit 26031891.jpg (82978 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1891: "Baisingen in Württemberg, 15. März (1891). Der hiesige Verein Doresch Tow hat sich zur Aufgabe gemacht, Knaben, die sich als Elementar-Lehrer für Württemberg heranbilden wollen, durch ansehnliche Unterstützung zu veranlassen, dass sie hierzu die Präparandie Burgpreppach und das Seminar Köln oder Würzburg wählen, wo sie nebst dem profanen auch das jüdische Wissen besser als in dem württembergischen Seminar (sc. Esslingen) lernen und als gute Jehudim herangezogen werden. Wenn man bedenkt, wie in unserem Württemberg unsere heilige Religion im Zerfall ist, dagegen erwägt, wie schon ein einziger echt religiöser Lehrer hunderte von Kindern streng religiöse erziehen kann, so dürfte jeder, dem unsere Religion gleichgültig ist, diesem Verein beitreten. Beitrittserklärungen, wozu wir auch Nichtwürttemberger dringend einladen, sind mit Angabe eines beliebigen jährlichen Beitrags an den Doresch Tow Verein in Baisingen in Württemberg zu richten."



Über die Aufführungen der Schüler der Präparandenschule am Purimabend und grundsätzliche Überlegungen hierzu (1890) 
  

Burgpreppach Israelit 17031890.JPG (249423 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1890: "Burgpreppach, 6. März (1890). Ein Bild friedlichen und einträchtigen Zusammenlebens der drei verschiedenen Konfessionen angehörigen Bürger unseres Ortes und seiner Umgebung bilden alljährlich die theatralischen und musikalischen Aufführungen, welche die Zöglinge der hiesigen israelitischen Präparandenschule am Purimabend zu veranstalten pflegen. Zu dieser erscheinen nicht nur die Beamten und Familien des Ortes und der Umgebung, ohne Rücksicht auf Stand und Glauben, sondern auch die Geistlichen beider Konfessionen, sowie der der Nachbarorte. Mit richtigem Takt verhindert es die Leitung, dass Stücke zur Aufführung gelangen, in welchen jüdische Karikaturen, bestimmt die altjüdische Sitte und Sprechweise lächerlich zu machen, vorkommen; wir meinen, derartige Zoten, die leider in vielen Kreisen noch zu sehr üblich sind, sollten überhaupt unterbleiben, auf dass nicht ehrwürdige Sitten und Gebräuche, die mit Gemüt und Verständnis aufgefasst sein wollen, zum Gegenstande lächerlicher Gaukeleien herabgewürdigt werden. Wir wissen der Leitung hierfür besonderen Dank, dass sie die Kinder vor derartigen Verstößen gegen den Geschmack und die gute Sitte stets zu bewahren weiß. Es gibt doch wahrhaftig unschuldigen Humoresken genug, als das ewige Wiederkäuen von 'Schalet' und Ähnlichem. Als einst geistvolle Talmudjünger die Lehrweise der Gemara in Witzsprühender Parodie umzugestalten sich vermaßen, welches Produkt in geradezu unbegreiflichem Missverständnis des Zulässigen und Schicklichen noch immer als Talmud Schachorim in zahllosen Auflagen von polnischen Druckern verbreitet wird, soll der unsterbliche Chasam Sofer jene Schüler von sich gejagt haben, wiewohl die Urheber der geistsprühenden satirischen Arbeit die Sache sicher von der unschuldigsten Seite aufgefasst haben. Die Gegenstände unserer Literatur, sowie die von unserer Religion bedingten Bräuche und Überlieferungen sind von zu heiligem Ernst, als dass es gestattet werden könnte, sie als Folie zur Erregung der Lachmuskeln zu benützen. – Doch kehren wir nach dieser, durch mehrfache unliebsame Wahrnehmungen uns diktierte Abschweifung zu den gewählten und musterhaften Aufführungen unserer Präparandenschüler zurück. Da war alles so schön, so gemütvoll und bezaubernd, dass wir, wenn wir auch den strengsten, prüfenden Maßstab anlegen wollten, nur rückhaltlos zu loben vermöchten. Dieses Empfinden beherrscht auch das gesamte anwesende jüdische wie nichtjüdische Publikum, und es erregte lebhafte Zustimmung und Befriedigung, als gegen Schluss der Vorstellungen sich der in weitesten Kreis hochgeschätzte Herr Pfarrer Schwenk aus Leutzendorf erhob und in anerkennenden Worten für die Leistungen der Schule in seinem und seiner Kollegen Namen der Vorstandschaft Dank und Lob für die gebotenen Genüsse spendete. Seinen Worten schlossen sich die Herren Pfarrer Meißner und Benkert an. Der Vorstand, Herr Distriktsrabbiner Dr. Deutsch, erwiderte schön und angemessen am Schlusse seiner Rede den Wunsch aussprechend, 'dass die harmonische Zusammenstimmung wie sie in diesen Gesängen und Liedern, sowie in diesem schönen geselligen Kreise zutage getreten, stets und immer alle Bürger des Ortes und des Vaterlandes erfüllen möge, den Einzelnen zum Segen, der Gesamtheit zum Heil!' Möchte dieser Wunsch sich im weitesten Ausmaße erfüllen!"  


Der Burgpreppacher Abschluss berechtigt zur Aufnahme in allen bayerischen Schullehrerseminaren (1891)    

Burgpreppach Israelit 02071891.jpg (224689 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1891: "Aus Unterfranken, 20. Juni (1891). Die von allerhöchster Stelle angeregte Unterrichtsreform, welche jetzt den Gegenstand ernstester vorbereitender Erwägungen der hervorragendsten Schulmänner Preußens ausmacht, hat bekanntlich in Bayern seit Anfang dieses Jahres bereits ihre teilweise praktische Verwirklichung gefunden. Die Reformen erstrecken sich sowohl auf das höhere, als auch auf das mittlere Schulwesen, einschließlich der Seminarien und Lehrpräparandien. Zu den Neuerungen, welche die letztere Kategorie von Schulen betreffen, gehört die mit höchster Entschließung vom 27. April 1891 ergangene Verfügung, wonach für Zöglinge, welche die 3 Kurse einer Präparandenschule mit Erfolg besucht haben, die bisher üblich gewesene Seminaraufnahmeprüfung zu unterbleiben habe, wogegen ihr solche Zöglinge unterworfen bleiben, die den ordnungsgemäßen Besuch einer öffentlichen Präparandenschule nachzuweisen nicht imstande sind.'  Gleich nach Publizierung jenes Erlasses wandte sich Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Deutsch in Burgpreppach an die königliche Regierung mit einer Eingabe des Inhalts, es möge gestattet sein, die in jener Entschließung den staatlichen Präparanden gewährte Vergünstigung auch auf diejenigen israelitischen Zöglinge auszudehnen, die ihre Ausbildung in den der staatlichen Aufsicht unterstellten und nach dem staatlichen Normativ geleiteten und eingerichteten israelitischen Lehrerpräparandien empfangen haben, worauf mittels genereller Entschließung von 15. Juni Z. 11735 die Eröffnung zurückfolgte, 'dass auch für die Aufnahme der in den beiden israelitischen Präparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg vorgebildeten israelitischen Schulamtszögling bis auf Weiteres die Bestimmungen zu gelten haben, die mit höchster Ministerialentschließung vom 27. April für die bayerischen staatlichen Schullehrerseminarien bekannt gemacht worden sind. Eine Aufnahmeprüfung habe nur noch für solche israelitischen Schulamtszöglinge stattzufinden, welche weder eine bayerisch-staatliche Präparandenanstalt, noch eine der beiden Präparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg vollständig absolviert haben.   Eine schönere Anerkennung ihres Wertes hätte diesen, auch von der jüdischen Gesamtheit mit Recht gewürdigten Schulen nicht zuteil werden können, als sie in der oben angeführten Entschließung hoher königlicher Regierung angegeben ist. Möchten die zahlreichen Gönner derselben hierin einen neuen Ansporn zu fortgesetzter tatkräftiger Unterstützung jener Anstalten erblicken!"  

    
Kurze Berichte (Januar / Oktober 1892)     

Burgpreppach Israelit 11011892.jpg (39235 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Januar 1892: "Burgpreppach, 30. Dezember (1892). Die hiesige israelitische Präparandenschule 'Talmud-Thora', an welcher außer dem Vorstande, Herrn Dr. H. Deutsch, noch 5 Lehrkräfte wirken, war im abgelaufenen Jahre von 45 Zöglingen, wovon 20 aus Bayern, 25 Nichtbayern, unter letzteren je 1 aus Jerusalem, Ungarn, Schlesien und 3 aus dem Elsass, besucht. Die Spenden und Jahresbeiträge beliefen sich auf 11.624 Mark, die Einnahmen und Ausgaben beziffern sich 16.214. Die Königlich bayerische Staatsregierung leistete einen Zuschuss für arme Zöglinge."
  
Burgpreppach Israelit 04101892.jpg (65264 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1892: "Burgpreppach, 26. September (1892). Die israelitische Präparandenschule 'Talmud Thora' dahier war in dem abgelaufenen Schuljahre 1891/92 von 46 Zöglingen besucht, welche sich auf 3 Kurse verteilen. Von den Schülern sind 26 aus Bayern, 9 aus Preußen, 5 aus Württemberg und je 2 aus Sachsen-Meiningen, Hessen-Darmstadt und den Reichslanden. Gewiss ein Beweis, dass die hiesige Anstalt auch außerhalb Bayerns sich eines guten Rufes erfreut. Außer dem Vorstande, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Deutsch, wirken noch 5 Lehrkräfte, hierunter 3 Präparanden- und 2 Volksschullehrer, letztere für den Unterricht in der Musik an der Schule."

   
Die israelitischen Präparandenschulen Burgpreppach und Höchberg sind den nichtjüdischen Präparandenschulen gleichgestellt (1898)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1898: "Burgpreppach, 30. Ab (= 18. August 1898). Vor Jahresfrist... (Text noch nicht abgeschrieben)   

     
Bericht über die Schlussprüfung an der Talmud-Thora-Schule im Januar 1898 (1898)     

  Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  27. August 1903:      

    
Anzeige der "Grabfelder Schulstiftung" (1902)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1902:       

 
Vergleich der Ausbildungen in den Präparandenschulen Burgpreppach, Höchberg und Münster sowie in den Seminaren Köln, Münster und Würzburg (1904)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1904:        
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Hoechberg Israelit 21041904d.jpg (96195 Byte)   

  
Allgemeiner Bericht über die drei Lehrerbildungsanstalten im Kreis Unterfranken (1911)
 
Es handelt sich um die zwei Präparandenschulen in Burgpreppach und Höchberg sowie das Lehrerseminar in Würzburg. In der nachfolgenden Darstellung wird u.a. ein ausführlicher Vergleich der Lehrinhalte der Präparandenschulen vorgenommen. 

Burgpreppach Israelit 08061911.jpg (194258 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1911: "Die 3 Lehrerbildungsanstalten im Kreise Unterfranken. Die beiden Präparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg und das Seminar zu Würzburg, auf verhältnismäßig engem Raume zusammengedrängt, haben eine weit über den Rahmen des Kreises und Königreiches hinausreichende Bedeutung. Die beiden Präparandenschulen sind die einzigen selbständigen derartigen Anstalten im ganzen Reiche. Sie sind zwar in erster Linie auf die bayerischen Anforderungen für den Übertritt in das Würzburger Seminar zugeschnitten, liefern aber auch alljährlich Schülermaterial für andere Seminarien, besonders insofern ein immerhin beträchtlicher Teil ihrer Schüler Nichtbayern sind und in die heimatlichen Seminarien eintreten; das Würzburger Seminar aber, die einzige orthodoxe derartige Anstalt in ganz Süddeutschland, hat schon die fernsten Gegenden, weit über Bayern und selbst Deutschland hinaus, mit Lehrern versorgt. Die Jahresberichte dieser Anstalt dürfen darum ein ganz besonders reges Interesse bei der großen Öffentlichkeit erwarten. Wenn trotzdem gar mancher die Berichte nur flüchtig durchblättert, sich vielleicht damit begnügt, seinen Namen in der Spenderliste gefunden zu haben, so mag die Ursache darin liegen, dass jedem solchen Berichte in seiner Knappheit und Kürze eine gewisse Trockenheit anhaftet. Und doch könnte ein solcher Bericht so viel und so mancherlei erzählen, wenn er gründlich und mit Interesse gelesen würde und gar viel Ungesagtes ließe sich aus dem Gesagten erschließen. Versuchen wir darum einmal, gleichsam zwischen den Zeilen zu lesen und anstatt trockener Rekapitulation der Berichtsangaben eine lebensvolle Darstellung des Ringens und Schaffens, des Strebens und der Erfolge zu geben. Nicht aber charakterlose Lobhudelei soll es sein, nein, ehrliche Überzeugung komme zum Ausdruck und wo hie und da eine Änderung gewünscht wird, ist dies nur dem Streben entsprungen, der guten Sache zu dienen. Und schon eingangs sei hier hervorgehoben, dass wohl manche der zu gebenden Anregungen vorerst nur frommer Wunsch bleiben wird, weil sich materielle Schwierigkeiten in den Weg stellen, weil die Anstalten alle nicht genügend pekuniär fundiert sind, teilweise mit Defizit arbeiten müssen, weil die große jüdische Öffentlichkeit, für die doch die Anstalten einzig und allein arbeiten, ihre diesbezügliche moralische Verpflichtung nicht in vollem Maße erfüllt. Kann der Berichterstatter einer Anstalt nicht in dieser Deutlichkeit sprechen, um nicht auch noch seinen Spendern vor den Kopf zu stoßen, so ist es umso mehr Pflicht der interessierten Presse, vor allem also auch der Fachpresse, hier einmal ganz offen zu reden. Tagtäglich liest man von Vermächtnissen und Stiftungen für Zwecke aller Art; für Monumentalbrunnen und Denkmäler werden Tausende gespendet, nur an die Lehrerbildungsanstalten, die doch fundamental sind für die Erhaltung des ganzen Judentums, scheint niemand zu denken und ich kann hier absolut keinen Unterschied machen zwischen den Glaubensbrüdern orthodoxer und liberaler Richtung. Die orthodoxen Anstalten sind am ärmsten und registrieren es schon als ein Ereignis, wenn ihnen einmal eine Jahrzeitstiftung mit ganzen 300 Mark zugewiesen wird. Möge dieser Bericht auch nach dieser Richtung anregend und bessernd wirken."   
  
Burgpreppach Israelit 22061911.jpg (82491 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1911 (Fortsetzung): "Die Frequenz der Anstalten bewegt sich seit einer Reihe von Jahren in ziemlich gleich bleibendem Rahmen, nur innerhalb der einzelnen Kurse zeigen sich oft merkwürdige Zahlenunterschiede. Kleinere Jahrgänge werden dann durch größere nachfolgende wieder ausgeglichen. 
Im Bestand des Lehrkörpers weisen die Berichte der Präparandien Wechsel und Veränderungen auf, am Seminar ist hinsichtlich der ordentlichen Lehrer keine Veränderung eingetreten. Die Ziffern der Ausgabeposten für Lehrerbesoldung zeigen erfreulicherweise steigende Tendenz. Die Kuratorien verdienen hierfür volle Anerkennung, ebenso für die Schaffung von Pensionskassen. Wünschenswert wäre volle Gleichstellung der Lehrpersonen hinsichtlich ihrer Besoldungsverhältnisse mit den Lehrern der staatlichen Anstalten. Dadurch würden auch diverse Unstimmigkeiten bezüglich der Gehaltsverhältnisse beseitigt und Verstimmungen bei den ohne Grund stiefmütterlicher Bedachten behoben, die Berufsfreudigkeit gemehrt. Für das Notwendigste, den Nervus rerum, müsste natürlich wieder die jüdische Gesamtheit eintreten. Einzelne Entwürfe der in Bayern angestrebten Revision der Judengesetze
Burgpreppach Israelit 22061911a.jpg (327820 Byte)wollen auch die Obsorge für die Lehrerbildung als Aufgabe einer Zentralkasse einbeziehen. Wenigstens hoffnungsvolle Aussichten für eine, so Gott will, nicht zu ferne Zukunft.  
Die Berichtsangaben über Schulfeiern, Ausflüge, Gesundheitsverhältnisse etc. bewegen sich im Rahmen des Normalen und bedürfen hier keiner besonderen Registrierung.   
Umso wichtiger sind die Verzeichnisse der Lehrpensen. In den Profanfächern sind die gesetzlichen Normen für die Lehrerbildung in Bayern maßgebend. In den Religionsfächern ist eine entsprechende Stoffverteilung zwischen Präparandenschule und Seminar auf mehreren gemeinsamen Konferenzen der beteiligten Lehrkörper vor einigen Jahren beschlossen und seitdem durchführt worden. Seit mehreren Jahren fanden keine solchen Besprechungen mehr statt. Und doch wäre es vielleicht nicht unwichtig, solche wieder hie und da abzuhalten.     
Die Lehrstoffberichte zeigen im Großen und Ganzen bei beiden Präparandenschulen ziemliche Übereinstimmung. Kleinere Abweichungen beweisen, dass bei aller Uniformität doch der Individualität Rechnung getragen werden kann. Denn für das Gesamtbild ist es wohl belanglos, ob hier die Mischnahtraktate Bezah, Rosch-haschanah, Megillag, Berachoth, Suckah oder dort für Bezah bei sonstiger Übereinstimmung Taanis gelernt wurden. Und doch mögen für die Auswahl und Reihe ganz bestimmte Verhältnisse maßgebend gewesen sein, Imponderabilien, die sich nur aus dem lebendigen Unterrichtsbetrieb heraus erklären und verstehen lassen. Das deutlichste Bild der Leistungen dürfte sich wohl ergeben, wenn jedes einzelne Lehrfach in seiner Entwicklung durch alle 6 Bildungsjahre hindurch verfolgt wird. Wünschenswert wäre, wenn auch aus den Berichten der Präparandensschulen die auf jedes Fach entfallende Stundenzahl sich ersehen ließe; beim Seminarbericht ist dies der Fall.   
Im Pentateuchunterrichte wird im Verlauf der 3 Präparandenjahre der ganze Pentateuch durchgearbeitet, außerdem noch die Wochensidrah kursorisch. (Daß im Berichte Burgpreppach das 5. Buch Moses fehlt, dürfte wohl nur Irrtum oder Druckfehler sein). Im 2. und 3. Kurs geht neben dem Pentateuchübersetzen ein selbständiger Unterricht in Raschi einher. Das Seminar setzt diesen Raschiunterricht fort, vertieft ihn durch besondere Berücksichtigung der talmudischen und halachischen Begriffe und besonders im Oberkurs durch Beiziehung anderer Kommentare, insbesondere Ramban. Das Hauptgewicht wird weniger auf die Quantität als vielmehr auf Gründlichkeit und Vielseitigkeit gelegt, namentlich im Interesse zu erzielender Selbständigkeit.   
Neben dem Pentateuchunterrichte dienen in der Präparandenschule besondere Stunden für 'Propheten' und 'Biblische Geschichte' der Bibelkunde. Es werden die so genannten 'Ersten Propheten' durchgearbeitet, einzelne Teile aus den Hagiographen behandelt und auf die Geographie Palästinas besonderes Gewicht gelegt. Die Pensenverteilung in Höchberg, je 2 Prophetenbücher auf ein Schuljahr, will uns mehr zusagen, als die Burgpreppachs; doch mögen hier besondere Verhältnisse vielleicht maßgebend gewesen sein. Sehr praktisch erscheint die für Höchberg angegebene eingehende Behandlung der Textvergleichung von den Königsbüchern und der Chronik. Dass Burgpreppach besonderen Werk auf die Durchnahme von mischle legt, auch Wiederholung der biblischen Geschichte des Pentateuchs für nötig erachtet, dürfte im Interesse der Schüler liegen, die sich nicht dem Lehrberufe widmen. Im Seminar ist den Schülern Gelegenheit zu solcher Wiederholung geboten, ja sie ist als Vorbereitung für die Schulpraxis in der Religionsübungsschule eine von selbst gegebene Notwendigkeit. Offiziell tritt im Seminar an Stelle der biblischen Geschichte die so genannte jüdische Geschichte vom babylonischen Exil bis zur Neuzeit, die durch alle Kurse in einer Hand liegt, wie überhaupt das Seminar in der Hauptsache mit Fachunterricht arbeitet. Aus den Prophetenbüchern wurde im Seminar das Buch Micha und alle Haftaroth im kombinierten I. und II. Kurs durchgearbeitet, im Oberkurs Jesajas von Kap. 40 zu Ende. Neben diesem buchmäßigen Nachweis ist jedoch zu betonen, dass viele andere Gebiete der Bibel beigezogen wurden: Esra, Nehemiah, Daniel, Chronik im Geschichtsunterricht, größere Partien aus Hiob, Psalmen, Prediger im homiletischen Unterricht.   
Burgpreppach führt neben dem Ritualunterricht, der gleichwie in Höchberg diverse Abschnitte des Pflichtenlebens nach Chaiie, Odam und Kizzur Schulchan Aruch bzw. Dasz Jehudis behandelt, noch besonders Religionslehre, also systematischen Religionsunterricht auf. Wir halten dies für durchaus wünschenswert und notwendig. Jedenfalls wird in Höchberg beim Unterrichte in Gebetübersetzen der diesbezügliche Religionsstoff mit eingeschlossen, denn im 3. Kurs, wo die Rubrik 'Gebete' fehlt, sind als 'Religionslehre' verschiedene Kapitel aus Sterns Religionsbuch angegeben. Die aramäischen Teile des Gebetbuches, die Burgpreppach ebenfalls angibt, fehlen in Höchberg. Wir missen sie ungern. Der Ritualunterricht im Seminar setzt in den Unterkursen den Gang nach Chaiie Adam weiter, im Oberkurs wird Chochmath Odam benützt mit Auswahl praktisch religiöser Gebiete: Miloh, Pidion Haben, Awelos; dazu kommen die Schächtvorschriften nach Moreh lesovchim. Auch der 'Religionsunterricht' findet seine fortgesetzte Pflege, allerdings mehr auf das religionsphilosophische Gebiet ausgedehnt. Übungen im
Burgpreppach Israelit 22061911b.jpg (203101 Byte)Schiur- und Predigtvortrag sind Prüfsteine für die gewonnenen Resultate. Eingehende, allseitige Behandlung vieler Piutim dient in gleicher dem Religionsunterricht wie der kantoralen Fertigkeit.    
Die Pflege der kantoralen Bildung wird in neuerer Zeit mit besonderem Nachdruck von Laien wie aus Lehrerkreisen gewünscht. Burgpreppach betont im Vorwort zum berichte, dass es seit Jahren nach dieser Richtung tätig ist, indem die Schüler des II. und III. Kurses ihre eigenen Gottesdienste unter Aufsicht zweier Lehrer abhalten und dabei selbst als Vorbeter funktionieren. In Höchberg scheint dies nicht der Fall zu sein. Vielleicht bedarf es nur dieser Anregung, um auch hier ähnliches zur Einführung gelangen zu lassen. Würzburg besitzt seine eigene Seminarsynagoge, in welcher nur Seminaristen amtieren. Jeder Kurs hat eine Wochenstunde Unterricht im Synagogengesang durch den Kantor der Synagogengemeinde. Der Seminarvorstand nimmt allwöchentlich die Toravorlesung mit den Seminaristen durch, die im Turnus 'laienen', wie er auch in einer besonderen Wochenstunde Belehrung und praktische Anleitung über den kulturell-synagogalen Teil des Lehrerberufes erteilt. Es sind in letzter Zeit vielfach Wünsche nach Erweiterung und Verbesserung der kantoralen Vorbildung laut geworden; die Leistungen der Lehrerbildungsanstalten wurden nach ihren 'Früchten' oft als unzureichend bezeichnet. Es ist hier nicht der Platz, darauf einzugehen. Nur das möge hervorgehoben werden, dass bei Lehrern, die ihre Ausbildung in Würzburg empfingen, auch stets festgestellt werden muss, ob sie das jüdische oder das katholische Seminar besucht haben, denn auch dieses nimmt jüdische Kandidaten auf.    
Die jüdische Grammatik war lange Jahre ein Schmerzenskind. Seit mehreren Jahren zeigt ihr Betrieb nach Ausweis der Berichte erfreulicherweise ein wissenschaftliches Gepräge mit systematischem Aufbau.    
Für Mischnah kommen im 1. und 2. Präparandenkurs Traktate aus Seder Moed, im 3. Kurse hauptsächlich aus Nesikin in Betracht. Das Seminar wählte für den kombinierten 1. und 2. Kurs schwierigere Traktate aus Seraim, im Oberkurs aus Noschim und Taharoth. Talmudstoff ist für den 1. Präparandenkurs Berachoth, (ca. 10 Blatt) für den 2. Kurs in Höchberg Taanith, in Burgpreppach Bezah, für den 3. Kurs dort Bezah, hier Suckah. Das Seminar hat seit einigen Jahren die Kombination der zwei unteren Kurse aufgegeben; jeder Einzelkurs hat 4 Talmudstunden pro Woche. Der 1. Kurs lernte ca. 15 Blatt aus Trakata Sabbath mit Raschi und Tossafot; auch im 2. Kurs wurde Sabbath gelernt, allerdings andere Partien, ausgewählt hauptsächlich zum Zwecke der Anleitung zum selbständigen lernen. Die Befähigung hierzu wurde erzielt und damit die Zielaufgabe dieses Faches im Seminar erreicht. Im Oberkurs wurde wie stets üblich aus Chullin gelernt in Rücksicht auf die Schechitah-Funktion des Lehrers. Hier wurden neben Tossafot auch die Rischonim berücksichtigt. Es sind also ganz hübsche Erfolge zu verzeichnen. Ob es nicht praktisch und aneifernd wäre, nach entsprechenden Vorübungen im 1. Präparandenkurs dann im 2. und 3. und vielleicht auch im 1. Seminarkurs ein Traktat ganz durchzulernen, im 2. Seminarkurs vielleicht Sugioh zu versuchen?"    
   
Burgpreppach Israelit 06071911.jpg (234065 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juli 1911: "Die 3 Lehrerbildungsanstalten im kreise Unterfranken (Schluss). Zum Schlusse noch ein Wort über die öffentlich rechtliche Stellung der drei Anstalten. Die Präparandenschulen erfreuen sich einer gewissen Selbständigkeit. Sie können im Rahmen der gesetzlichen beziehungsweise regierungsseitigen Bestimmungen betreffs der Schüleraufnahme ihre Auswahl treffen und haben auch ihre eigenen Schlussprüfungen. Die Prüfungsaufgaben für den gesetzlichen Teil werden durch die Kreisregierung gestellt; bei der mündlichen Prüfung präsidiert ein Regierungskommissär. Auf Grund guter schriftlicher Leistungen können Schüler vom mündlichen Examen dispensiert werden. Der Seminarvorstand wird zur mündlichen Prüfung in den Religionsfächern beigezogen; ihm werden auch die schriftlichen Religionsarbeiten der Prüfung vorgelegt. Das Bestehen der Prüfung berechtigt zum Eintritt in das jüdische Seminar zu Würzburg. Zum Eintritt in ein staatliches Seminar muss besondere ministerielle Genehmigung von Fall zu Fall erholt werden. Die öffentlich-rechtliche Stellung der Präparandie ist also nicht ungünstig.   
Weniger erfreulich sind die Verhältnisse beim Seminar. Wie ersichtlich hat es zunächst bezüglich der Schüleraufnahme absolut keinen Einfluss. Die Beteiligung des Seminarvorstandes bei der mündlichen Prüfung ist für Fälle der Dispensierung von dieser von selbst illusorisch. Die staatlichen Präparandien werden alljährlich von dem zuständigen Seminardirektor und einem Seminarlehrer einer eingehenden Visitation unterzogen. Diese Visitation findet ja wohl bei den jüdischen Präparandien auch statt, aber durch einen Regierungskommissar: das Seminar ist vollständig ausgeschaltet. Nun gibt es zwar für diese Verhältnisse im staatlichen Schulleben viele Analogien: Realschule und Oberrealschule, Progymnasium und Gymnasium etc. Aber das jüdische Seminar hat auch absolut keinen Einfluss bei der Seminarschlussprüfung, die an einem staatlichen Seminar abgelegt werden muss und hier gelten die Seminaristen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt vollständig als Extrauser. Das Seminar ist also in dieser Beziehung nur eine Art Arbeitsmaschine mit vielen Pflichten und gar keinen Rechten. Das ist ein ungesunder Zustand, der nach Abänderung schreit. Das einzige jüdische Seminar in Bayern müsste seine eigene Prüfungsberichtigung haben.   
Es ist uns nicht unbekannt, dass seitens der Seminarleitung schon wiederholt Schritte nach dieser Richtung unternommen worden sind, leider ohne Erfolg. Bei aller Anerkennung der Tätigkeit des Seminars erfolgte die Ablehnung 'aus prinzipiellen Gründen wegen der Konsequenzen'. Diese 'Konsequenzen' sind die privaten klösterlichen Lehrerinnenbildungsanstalten in Bayern. Nur übersieht man, dass es wohl katholische und protestantische Seminare in Bayern gibt, dass also niemand eine Privatanstalt zu besuchen braucht; wo aber ist das staatliche, jüdische Seminar? Drei staatliche Anstalten, Würzburg, Schwabach und Kaiserslautern, nehmen auch Juden auf. Das jüdische Seminar ist aber doch aus der Erfahrung und Überzeugung entstanden, dass die staatlichen Seminare wohl Lehrer, aber keine 'jüdischen' Lehrer in unserem Sinne ausbilden können.  
Die Seminarleitung wird, wenn sie mit Gesuchen an das Ministerium herantritt, immer mehr oder weniger als 'Partei' angesehen werden. Es gibt eine andere Instanz in Bayern, welche hier eingreifen sollte und könnte: die Gesamtheit der bayrischen Rabbinen. Von der Notwendigkeit des Seminars sind wohl alle überzeugt, ob sie nun orthodox oder liberal, ob sie Revisionsfreunde oder Revisionsgegner sind. Mögen sie sich des Seminars einmal annehmen, ihre Stimme dürfte kaum ungehört verhallen.    
Allen 3 Anstalten, die oft unter so schwierigen Verhältnissen so Schönes und Großes leisten aber ein herzliches  'guten Gelingen'!"     

      
Kurzer Bericht (Januar 1912)  

Burgpreppach FrfIsrFambl 26011912.jpg (33297 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Januar 1912: "Burgpreppach. Die Israelitische Präparandenschule zählte in ihrem 36. Schuljahre 37 Schüler. Durch das vorzeitige Hinscheiden von vier Lehrern, hat die Anstalt große Lasten zu tragen; ihre Ausgaben im letzten Berichtsjahre betrugen allein für Lehrergehälter und Pensionen 10.700 Mark. Es ist daher eine materielle Förderung der Anstalt seitens weiterer Kreis dringend erforderlich."   

   
Beginn des neuen Schuljahres bereits zum 15. Juli 1915  

Burgpreppach Israelit 26081915.jpg (50711 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1915: "Aus Bayern. An den Israelitischen Präparandenschulen Burgpreppach und Höchberg hat zwar zufolge einer königlichen Regierungs-Entschließung das neue Schuljahr diesmal schon am 15. Juli begonnen. Nichtsdestoweniger werden, wie uns mitgeteilt wird, Schüler, welche die rechtzeitige Anmeldung versäumt haben, auch nach Beendigung der Ferien (3. Oktober) noch aufgenommen, wenn sie die Vorbedingungen erfüllen und die Anmeldung bei dem betreffenden Schulvorstande alsbald erfolgt." 

  
Mitteilung aus der Präparandenschule (1917)  

Burgpreppach FrfIsrFambl 23021917.jpg (33243 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 23. Februar 1917: "Burgpreppach. Die Israelitische Präparandenschule 'Talmud-Thora' verausgabte u.a. in seinem letzten Rechnungsjahre 13.537 Mark für Lehrergehälter und Pensionen, 3.400 Mark für Unterstützungen an bedürftige Schüler. Die Schule wurde von 33 Schülern besucht."    

    
Veränderungen im Lehrplan (1921)

Burgpreppach Israelit 27011921.jpg (76087 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Januar 1921: "Burgpreppach, 1. Dezember (1921). Die Präparanden- und Bürgerschule Talmud-Thora hat das Nachsehen der Tefilin und das Knüpfen der Tefilin-Knoten in ihren Lehrplan aufgenommen. In Öffnen, Nachsehen und Schließen der Tefilin werden die Befähigten und Gewissenhaften nach gründlichem Studium der einschlägigen Vorschriften, um Knüpfen der Knoten alle Schüler unterwiesen. Für dieses hat Herr Lehrer Berlinger Zeichnungen entworfen, die das Entstehen der Knoten in den einzelnen Phasen veranschaulichen. Interessenten werden diese auf Wunsch zur Kenntnisnahme zugesandt. Diesbezügliche Mitteilungen sind an die Vorstandschaft zu richten."

  
Ankündigung des 50. Schuljubiläums (1925)

Burgpreppach Israelit 05031925.jpg (104361 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1925: "Die israelitische Präparanden- und Bürgerschule Talmud-Thora zu Burgpreppach feiert mit Beginn des nächsten Schuljahres ihr 50-jähriges Jubiläum. Dem Ernste der Zeiten Rechnung tragend, will sie von allen Feierlichkeiten wie von einer Festschrift absehen. Sie will in diesem Jubeljahr für einen möglichst großen Teil der Jugend das verloren gegangene geistige Erbgut der Väter wieder erwerben und zu diesem Zwecke den Lehrkörper vergrößern und die Unterstützung der Schüler um wenigstens das Fünffache erhöhen. Dabei sollen in erster Linie die Kinder des früheren Mittelstandes berücksichtigt werden. Alle Freunde der Jugend rufen wir daher auf, uns bei dieser jüdischen Wiederaufbauarbeit mitzuhelfen. Geldspenden zu senden an Die Vorstandschaft. Postscheck-Konto: Nürnberg 4585."   

    
Wiedereröffnung der Talmud Thora-Schule (1930)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1930: "Burgpreppach, 20. Mai (1930). Dieser Tage wurde die hiesige Talmut Thora-Schule wieder eröffnet. Vor etwa 50 Jahren war es der fromme und hochgesinnte Rabbiner Abraham Hirsch - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen, der die Antstalt als Präparandenschule ins Leben rief und mit großem Aufwand an Kraft, Zeit und Mitteln in wenigen Jahren zu hoher Blüte brachte. Das Hauptziel, das er verfolgte, war die Verbreitung gründlicher Torabildung und die Erziehung zu wahrer Frömmigkeit. Aus allen Teilen Deutschlands kamen junge Menschen und zwar nicht nur solche, die den Lehrerberuf ergreifen wollten, sondern auch künftige Kaufleute, die durch die Ziele der Schule angelockt wurden. Die Nachfolger des Gründers arbeiteten in seinem Geiste weiter. Die Schülerzahl wuchs und verbreitete in allen Gauen Deutschlands den Ruhm ihrer Bildungsstätte. Die wirtschaftliche Ungunst der letzten Jahre bewirkte eine vorübergehende Schließung der Schule. Aber immer wieder gelangten so viele Anmeldungen an den Vorstand, dass sich der derzeitige Bezirksrabbiner, Herr Dr. Ephraim - sein Licht leuchte - entschloss, die Tore der Schule wieder zu öffnen. Sie war einstweilen als Bürger- und Handelsschule geführt worden, jedoch war von allem Anfang an in Talmud Thora ihr Hauptzweck zu sehen. 
Möge sie auch in Zukunft reichen Segen verbreiten und wie früher viele Gönner finden, die sich durch Spenden und Stiftungen um die Erhaltung dieser Stätte für Thorawissen und Erziehung zu bewusstem Judentum verdient machen!"      

   
Die Präparandenschule "Talmud Thora" soll in eine Bürgerschule umgebildet werden (1931)  

Burgpreppach Israelit 23041931.jpg (119698 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. April 1931: "Burgpreppach, 20. April (1931). Die Talmud Thora-Schule, die vor 53 Jahren von Rabbiner a. Hirsch seligen Andenkens gegründet worden ist und seitdem als Präparandie eine große Anzahl jüdischer Lehrer vorgebildet hat, ist den Zeitverhältnissen gemäß zu einer Bürgerschule umgebildet worden. Sie soll jüdischen Kindern und Jünglingen eine weitgehendere Ausbildung in den verschiedenen Religionsfächern und auch in den Handelswissenschaften vermitteln. Die Leitung liegt in den Händen des Bezirksrabbiners Dr. M. Ephraim, der auch einen Teil des talmudischen Unterrichtes erteilt. Für die Sprach- und Handelsfächer ist jetzt ein Handelslehrer angestellt worden. Volksschulpflichtige Kinder besuchen die Israelitische Volksschule und erhalten in der Talmud-Thora noch einen besonderen Ergänzungsunterricht. Für billige und gute Pension sorgt der Anstaltsleiter durch Unterbringung der Schüler bei guten Familien. Eltern, die ihre Kinder durch religiöse und profane Unterweisung für das Leben vorbereiten lassen wollen, werden es gewiss begrüßen, dass die Talmud Thora-Schule ihnen hierzu Gelegenheit bietet. Die Schülerzahl ist denn auch im Ansteigen begriffen."  

     
Eröffnung der "Handels- und Bürgerschule" 1931 und Beschreibung der Gemeindeverhältnisse

Burgpreppach Israelit 13051931.jpg (183888 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1931: "Burgpreppach, 7. Mai (1931). Burgpreppach ist seit mehr denn hundert Jahren der Sitz eines Bezirksrabbiners, es herrscht wirklich vorbildliches jüdisches Gemeindeleben und echt jüdischer Gemeinschaftssinn. Es besteht eine staatliche israelitische Volksschule, deren Räume nicht nur freundlich gehalten, sondern auch modern eingerichtet sind. Daneben angebaut ist die würdige, weihevoll stimmende alte Synagoge mit einem in Barock gehaltenen Almemor und dem entzückenden Araun hakaudesch (Toraschrein). Im Rückgebäude wurde erst vor kurzem die Mikwoh im neuesten Stil mit allem Komfort renoviert, die Wohnung des Lehrers und Kantors in den oberen Stockwerken des Schulhauses kann an Geräumigkeit und hinsichtlich ihrer fortgesetzten Instandhaltung als Muster einer Dienstwohnung dienen.     
Die Wiedereröffnung der Schule durch Herrn Rabbiner Dr. Ephraim wurde veranlasst auf Wunsch prominenter Personen und Stellen, die aus Gewissensgründen die strikte Einhaltung des Testaments des Anstaltsstifters durch Wiederaufnahme des Schulbetriebs, sei es auch in Form einer jüdischen Handels- und Bürgerschule, um den Schülern wie früher in erster Linie Thora im Derech Erez zu vermitteln,
verlangten.  
Es war eine helle Freude für die Burgpreppacher, als der für die Unterrichtserteilung in  den jüdischen und profanen Fächern gewonnene, ganz besonders geeignete Lehrer mit seinen, wenn auch an Zahl noch geringen, Schülern in das schöne und geräumige, luftige und lichterfüllte Anstaltsgebäude unter Leitung des würdigen Rabbiners Dr. Ephraim einzogen.    
Es konnten die überaus zahlreichen Anmeldungen von Schülern nicht alle Berücksichtigung finden, weil für Stipendien oder kostenlose Aufnahme die finanzielle Lage erst gehoben und gebessert werden muss. Gegen einen mäßigen Verpflegungssatz von ca. Mark 65.- bis 75.- werden die Schüler in Privathäusern so untergebracht, dass hinsichtlich Logis, Verpflegung und sorgsamer Aufsicht das Elternhaus vollkommen ersetzt werden soll.     
Die jüdischen Lehrfächer sind: Gründliche Kenntnis und volles Verständnis der Gebete, Tenach (Bibel) mit Raschi, Poskim, Mischnah, Talmud; als profane Lehrfächer gelten: Buchführung, Handelskorrespondenz, Kaufmännisches Rechnen, Scheck- und Wechsellehre, Warenkunde, Wirtschaftsgeographie, Handelskunde, Maschinenschrift, Stenographie, englische und französische Sprache. Zur körperlichen Ertüchtigung ist im Lehrplan vorgesehen: Turnen und Turnspiele auf eigenem schönen Turnplatz, beziehungsweise in eigener Turnhalle, Gartenbau auf eigenem Grund und Boden.     
Den weitaus größten Teil des jüdischen Unterrichts erteilt Herr Rabbiner Dr. Ephraim. Die Anstalt übernimmt wie früher so auch künftighin Jahrzeitsstiftungen (Kaddisch-Sagen, Brennen des Seelenlichtes, Lernen des Schiur).   
Für die noch verhältnismäßig geringe Zahl von Schülern wurde vorläufig nur eine Lehrkraft neben dem zuständigen Rabbiner gewonnen, für besondere Fächer sind ortsansässige und benachbarte Fachlehrer nebenberuflich in Aussicht genommen. Sobald bei Vermehrung der Schülerzahl es erforderlich erscheint, werden weitere Lehrer hauptberuflich angestellt, für welche 3 zur Anstalt gehörende schöne Wohnhäuser zur Verfügung stehen.
"  
                  

Chanukkafeier Dezember 1931  

Burgpreppach Israelit 01011932.jpg (177745 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Januar 1932: "Burgpreppach, 15. Dezember (1931). Am Sonntag, den 6. Dezember abends 7.30 Uhr, fand hier eine Chanukka-Feier der Israelitischen Handels- und Bürgerschule Talmud-Tora statt. Die ganze hiesige Gemeinde sowie viele Mitglieder der Nachbargemeinden Hofheim, Ermershausen, Königshofen und Haßfurt nahmen an der Feier teil, die einen sehr schönen Verlauf nahm. Nach einem von dem derzeitigen Lehrer der Handelsschule verfassten Prolog folgte die Begrüßungsansprache des Bezirksrabbiners Dr. Ephraim, der den Gästen für ihr Erscheinen und besonders den Damen und Herren den Dank aussprach, die sich in aufopfernden Weise an den Vorbereitungen für den Abend beteilt hatten. Nach einem Turner-Aufmarsch der Talmud-Tora-Jugend ging die Aufführung der Chanukka-Spiele 'Chanukka-Männchen', 'Der kleine Held' sowie des Schwab'schen Dramas 'Der Sabbatzauber' über die Bühne. Zwischendurch erfreute die Rezitation lustiger Gedichte und der Vortrag von Couplets unter jeweilig passender Veränderung der Bühne die Zuschauer. Auch der Talmud-Vortrag eines Schülers über Chanukka passte sich harmonisch dem Rahmen des Programmes an, das nicht weniger als 14 Punkte aufwies. Die Kulissen waren von einem Schüler der Talmud-Tora nach eigenen Ideen angefertigt worden, und die Aufführenden setzten sich fast sämtlich aus Schülern der hiesigen Talmud Tora und Jüdischen Volksschule zusammen.     
In der Pause war für körperliche Erfrischung in jeder Weise Sorge getragen und legten hierbei sämtliche Damen der hiesigen jüdischen Gemeinde Zeugnis ihrer selbstlosen Gebefreudigkeit für unsere gute Sache ab.   
Alle Anwesenden waren voll des Lobes über die hervorragenden Darbietungen der Schüler und die eindrucksvolle Mimik derselben und konnten die in schweren Rollen vielfach gezeigte Intelligenz der Schüler nicht genug bewundern. Man trennte sich spät abends hoch befriedigt und mit Dank auf den Lippen für die Regieleiter und Festordner Herrn und Frau Rabbiner, Dr. Ephraim, Herrn Lehrer Rosenfelder, Herrn Lehrer Seitz, Frau Lina und Fräulein Mirjam Adler und Frau Meta Berney.   
Auf vielseitigen Wunsch wurde die Feier am Samstag, den 12. Dezember, abends wiederholt, wobei die hiesige nichtjüdische Öffentlichkeit sowie die jüdische Gemeinde Kleinsteinach gut vertreten war.   
Die Anwesenden ließen es sich nicht nehmen, die Talmud Tora durch reiche Spenden zu erfreuen. Neben dem materiellen ist der ideelle propagandistische Erfolg der Veranstaltung nicht hoch genug einzuschätzen."   

   
Bericht über die Schule (1932)   

Burgpreppach Israelit 20041932.jpg (167233 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. April 1932: "Burgpreppach, 11. April (1932). Das erste Vollschuljahr unser Israelitischen Handels- und Bürgerschule 'Talmud Tora' endete am 20. März 1932. Mit dem Ablauf dieses Jahres hat diese Pflanzstätte jüdische und allgemeiner Bildung, die der unvergessliche Rabbiner Abraham Hirsch – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – vor mehr als 50 Jahren ins Leben rief und der ausgezeichneten Männer zum Segen des Judentums und der jüdischen Jugend ihre Lebensarbeit gewidmet haben, von neuem ihre Existenzberechtigung und Notwendigkeit bewiesen.    
Es wurden folgende Fächer unterrichtet: Englisch, Französisch, sämtliche Handelswissenschaften, Stenographie und Maschinenschreiben. Daneben kam auch die landwirtschaftliche und sportliche Betätigung zu ihrem Reche. Der Hauptwert wurde jedoch im Sinne des Gründers der 'Talmud Tora' auf Ausbildung in allen Religionswissenschaften gelegt, und zeigte die Prüfung, die vom 6.-13. März in allen jüdischen Fächern wie Pentateuch, Gebete, biblische und jüdische Geschichte, Propheten, Michnah, Talmud usw. durch den Leiter der Anstalt, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Ephraim, hier, stattfand, recht befriedigende Resultate.    
Das neue Schuljahr begann am 4. April dieses Jahres. Erfreulicherweise liegt eine größere Anzahl von Neuanmeldungen vor. Die 'Talmud Tora' in Burgpreppach hat sich bisher um die Ausbildung von mehr als 1.000 Lehrern und Kaufleuten verdient gemacht. Es soll auch in Zukunft das Bestreben der Schüle sein, ihre Zöglinge zu aufrechten und kenntnisreichen Juden und berufstätigen Menschen heranzubilden. Um weitesten Kreisen den Segen einer besseren allgemeinen und jüdischen Bildung zukommen zu lassen, ist der Pensionspreis so niedrig wie irgend möglich bemessen. Auf diese Weise können auch minderbemittelte Schüler Aufnahme finden. Der Einfluss des hiesigen streng gesetzestreuen Milieus in- und außerhalb der Schule, das Fehlen zersetzender Großstadteinflusse, die persönliche Beaufsichtigung eines jeden Schülers gewährleisten eine geschlossene jüdische Erziehung und eine individuelle Behandlung der Schüler. Das Wiederaufleben einer jüdischen Bildungsstätte auf dem so sehr bedrohten und doch für die Zukunft des deutschen Judentums so wichtigen Landgebiet kann nur wärmstens begrüßt werden."

   
Beitrag von Rabbiner Dr. Fritz Bloch (Aschaffenburg) über "Die Schule in Burgpreppach" (1933)   

Burgpreppach Israelit 07091933.jpg (245407 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1933: "Die Schule in Burgpreppach
Aschaffenburg, 3. September (1933). Herr Rabbiner Dr. Bloch, Aschaffenburg, schreibt uns: Die kurze Anzeige, dass die Handels- und Bürgerschule 'Talmud-Thora' in Burgpreppach auch Schüler aufnimmt, die sich ausschließlich dem Lernen widmen wollen, wäre der Beachtung aller der Kreise würdig, denen die Sorge für die Erziehung unserer Jugend am Herzen liegt. Es ist bereits in diesen Blättern (Leitartikel von Nr. 35) darauf hingewiesen worden, dass beim planmäßigen Ausbau eines jüdischen Schulnetzes neue Schultypen für die Vermittlung der eigentlichen höheren jüdischen Bildung geschaffen werden müssten. Neben 'jüdischen Fortbildungsschulen', die die Weiterführung und Vertiefung des jüdischen Wissens für die schulentwachsene Jugend ermöglichen müssten, wäre das Projekt einer 'neuen höheren jüdischen Schule' zur Ausführung zu bringen. Diese 'deutsche Jeschiwah' aus erweiterter Volksschule und Jeschiwah zusammengesetzt 'und von einer nicht am Hergebrachten hängenden jüdischen Pädagogik zur organischen Einheit verschmolzen', wäre zur 'Schöpferin harmonisch durchgebildeter jüdischer Golusführer' berufen. Es will scheinen, als ob in jener knappen Notiz eine Antwort auf diese Forderungen erteilt wird. Zum ersten Mal wird hier der Versuch unternommen, im Rahmen einer Schule eine Abteilung für 'nur jüdisch Lernende' zu errichten. Auch ohne diese Neuerung wäre die Anstalt in Burgpreppach prädestiniert, zu einem wichtigen Stützpunkt in unserem Erziehungswerk zu werden. Hat sie doch auch bisher auf äußerliches Berechtigungswesen verzichtet und sich die Heranbildung tüchtiger, gerade denkender Baalebattim im Sinne der alten süddeutschen Tradition zur Aufgabe gestellt. Es bedeutet eine Gnade der Vorsehung, dass eine solche Schule trotz der bis vor kurzem herrschenden Einstellung der jüdischen Gesellschaft alle Krisen überwinden konnte und uns so für diese Zeit erhalten geblieben ist. Die idyllische Lage des Städtchens in der lieblichen Landschaft Unterfrankens, fernab von den Ablenkungen der Großstadt, bietet die ideale Vorbedingung für die Erziehung einer mit der Natur verbundenen, nervenstarken Generation, die mutig die Goluslast auf ihre jungen Schultern nehmen wird. Und dass die geistige, sittliche und berufliche Ausbildung allen Anforderungen genügt, dafür bürgt die ernste, zielbewusste Persönlichkeit des Leiters, der einen Ruf als erfahrener Pädagoge genießt und umfassende jüdische Kenntnisse mit vielseitigem Allgemeinwissen vereint. Die glückliche Verbindung von Thora im Derech-erez lässt die Schule besonders in der heutigen Zeit als die gegebene erscheinen und sie sollte überall da in Betracht gezogen werden, wo Eltern nach einer opportunen Bildungsstätte für ihre Kinder Ausschau halten. Der mäßige Pensionspreis wird sicherlich dazu beitragen, dass sie sich zu einer 'Volksschule' im besten Sinne des Wortes entwickelt. Auch der Umstand, dass auf dem Lande die Schulpflicht mit Beendigung der 7. Volksschulklasse erlischt, wird bei der heutigen Situation die Wahl von Burgpreppach empfehlen. Die mit dem 8. Schuljahr einsetzende Verpflichtung zum besuch der Fortbildungsschule beschränkt sich nur auf einen Tag in der Woche, die übrige Zeit kann schon zur beruflichen Ausbildung oder besser noch zur Erwerbung eines gründlichen jüdischen Wissens ausgenützt werden.  
Unter diesem Gesichtspunkt stellt die neu gegründete Abteilung eine notwendige Ergänzung der Anstalt dar. Man scheint mit Absicht den Namen 'Jeschiwa' vermieden zu haben. Diese 'Abteilung für nur jüdisch Lernende' soll ja keine Konkurrenz für die bestehenden Toralehranstalten werden, sondern so recht eigentlich die schon lange schmerzlich entbehrte Vorbereitungsschule für diese darstellen. Die Existenz einer solchen 'Mittelschule' würde unseren Jeschiwoth und Seminaren erst die Legitimation von Hochschulen verleihen; sie hätten es dann nicht mehr nötig, sich durch mangelhaft vorgebildete Schüler zu belasten und in ihrem Prestige beeinträchtigen zu lassen.  
Wenn die Gründung in der wünschenswerten Weise in Anspruch genommen wird, kann sie eine große Bedeutung für die kleinen Gemeinden Süddeutschlands erlangen, die meist nur noch vom kümmerlichen Erbgut einer großen Vergangenheit zehret; der frische Strom jüdischen Lebens, der von diesem geistigen Kraftwerk nach allen Seiten hin ausstrahlen wird, könnte sie aus ihrer dumpfen Enge und Resignation erlösen.    
Vielleicht sollte man an die maßgebenden Kreise mit dem Vorschlag herantreten, mit Rücksicht auf die notwendige Umschichtung dort handwirtliche und landwirtschaftliche Ausbildungsstätten zu schaffen, die sich in idealer Weise um dieses geistige Zentrum gruppieren könnten.   
Noch schwebt über den Gräbern der Großen von Burgpreppach ein Tora-Geist. Wir wünschen, dass an deren einstiger Wirkungsstätte bald neues, mit Tora-Geist erfülltes Leben emporwachse."   

     
Chanukkafeier Dezember 1933 (1934)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1934: "Burgpreppach, 1. Januar (1934). Am Sonntag, den 17. Dezember, fand abends in den Räumen der Talmud Tora-Schule eine Chanukkaveranstaltung der Schule statt. Eine Reihe von Aufführungen und Musikdarbietungen gestalteten den Abend zu einer gemütlichen und jüdischen Feierstunde. Mit großem Eifer und glänzendem Erfolg haben die Lehrer der Talmud Tora-Schule und der Israelitischen Volksschule den Schülern der Anstalten die Rollen einstudiert. Der große Erfolg des Abends zeugte auch von ihrer guten Regie und von der geschickten Auswahl der Darbietungen. Die zahlreichen Gäste aus der Gemeinde und aus den Nachbargemeinden haben sich vom schönen Willen und dem jüdischen Ton in unserer Talmud Tora-Schule überzeugt. Wir wollen hoffen, dass diese Veranstaltung die Blicke weiter Kreise des deutschen Judentums auf unsere im Leben der jüdischen Schulen einzigartige Anstalt lenkt und die Eltern uns ihre Kinder anvertrauen."   

  
   

   

   

   

   

   

 

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Stand: 21. Juli 2014