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Markt Bechhofen (Kreis
Ansbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Bechhofen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück (erste
Nennung 1564), als bereits bis
zu 20 jüdische Familien am Ort lebten. Unter welch kuriosen Bedingungen damals
Juden an einzelnen Orten aufgenommen wurden, wird an folgendem Beispiel
deutlich: 1593 wurde einem Juden die Schutzaufnahme nach Gunzenhausen
mit der Auflage gewährt, dass er neben dem Schutzgeld für sich und seine Familie
u.a. 1/2 Zentner guten Federstaub, 1 Zentner gute Federn, 1 Zentner guten Flachs
und noch anderes mehr zu liefern hatte.
Während der Zeit des Dreißigjährigen
Krieges ging die Zahl der jüdischen Familien in Bechhofen zurück, teilweise verzogen
sie auf
Grund des Krieges in andere Orte oder kamen durch Kriegseinwirkungen und
Krankheiten ums Leben. Gegen Ende des Krieges war Bechhofen fast
völlig zerstört und ausgestorben. Nach dem Krieg kehren einige jüdische
Familien zurück, um den Ort wieder aufzubauen. Nachdem die Juden aus Herrieden 1681
vertrieben worden waren, kamen mindestens fünf weitere Familien nach Bechhofen.
1714 wurden wieder 13
jüdische Familien in Bechhofen gezählt. Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Pferden,
Landesprodukten und Waren aller Art.
Ihre Blütezeit erlebte die jüdische Gemeinde in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts. Bereits nach 1840/50 begann allerdings ein starker
Abwanderungsprozess. Die Zahlen im einzelnen: 1803 39 jüdische Familien mit 143
Personen, 1811/12 150 jüdische Einwohner (26,8 % von insgesamt 560 Einwohnern),
1837 die Höchstzahl von 170 Gemeindegliedern (21 % von insgesamt 810), 1867 81 (11 %
von 738),
1871 91 (12,4 % von 731), 1880 89 (11,1 % von 799), 1890 67 (8,1 % von 826), 1900
52 (5,5 % von 949), 1910 44 (4,0 % von 1.109).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.),
eine jüdische Schule, eine Mikwe und einen Friedhof (Verbandsfriedhof).
Für die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter,
Schochet und als
Totengräber tätig war. Die Stelle wurde immer wieder neu besetzt (s.u.
Ausschreibungstexte aus den
Jahren 1867, 1903, 1911 und 1924). Um 1900 war jüdischer Lehrer Jonathan
Uhlfelder (siehe bei Heidenheim).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Offizier-St. Moritz
Schloss (geb. 29.7.1879 in Bechhofen, vor 1914 in Augsburg wohnhaft, gef.
18.2.1917). Sein
Name steht auf dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges am
Nordeingang der St. Johanniskirche.
Um 1925, als der jüdischen Gemeinde noch 29 Personen
angehörten (2,4 % von insgesamt etwa 1.200 Einwohnern), waren die Vorsteher der
Gemeinde David Steindecker und Amson Schloß (die beiden werden auch 1932 als
Vorsteher genannt). Als Lehrer, Kantor und Schächter war Julius Schapiro
tätig. Er erteilte damals noch drei schulpflichtigen jüdischen Kindern den
Religionsunterricht. 1932 war Lehrer Willy Goldberg für die damals drei
Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden ein "Israelitischer
Frauenverein" (Ziele: Wohltätigkeit, Bestattung; Leitung Ida Steindecker)
und der "Israelitische Männerverein" (Ziele: Wohltätigkeit,
Bestattung; Leiter David Steindecker). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk
Ansbach.
1933 lebten 31 jüdische Personen am Ort (2,3 % von 1.356 Einwohnern). Von diesen
verzogen in den folgenden Jahren die meisten in andere Städte, zehn konnten in
die USA auswandern. Am 11. August 1938 wurde die Auflösung der Gemeinde beschlossen.
Die zu dieser Zeit noch in jüdischem Besitz befindlichen Häuser und Geschäfte
wurden an "arische" Ortsbewohner verkauft. Im September 1938 lebten noch
zehn jüdische Personen in Bechhofen, die jedoch in den folgenden Wochen
verzogen. Am 13. Oktober 1938 war Bechhofen in der NS-Sprache
"judenfrei".
Von den in Bechhofen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gustav Bechhöfer (1874), Rosa Bechhöfer (1898),
Frieda Behr geb. Bechhöfer (1889), Adolf Birnstein (1900), Regina Braude geb. Rosenstein (1874),
Therese Friedlein geb. Schülein (1885), Arnold Goldberg (1935), Dina Goldberg
(1934), Josi (Josua) Goldberg (1938), Setta Heumann geb. Schülein (1905), Ida
Kaufmann geb. Bechhofer (1893), Betty Lang geb. Schülein (1895), Lina
(Karolina) Mannheimer geb. Schülein (1888), Hermann
Schülein (1875), Jenny Schülein geb. Sternschein (1876), Betty Steindecker
(1889), David Steindecker (1874), Amalie Strauss geb. Bechhold (1868), Amalie
Strauss geb. Dornheimer (1878), Karoline Wild geb. Bechhöfer (1887), Emma Wohlfahrt
(1871), Klara Wohlfahrt (1873), Minka Wohlfahrth (1876), Nina Wohlfahrth (1869),
Samuel Wohlfahrth (1866).
Aus dem Leben der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Lehrer- und Vorbeterstelle 1867 / 1903 / 1911 /
1924
Zeitschrift "Der
Israelit" vom 22. Mai 1867: "Vakante Stelle: Unter
Bezugnahme auf das Ausschreiben in diesem Blatte Nr. 15, 16 und 18 wird
hiermit nachträglich bemerkt, dass die erledigte Religionslehrer, Chasan
(Vorbeter), Schochet (Schächter) und Kabran (Totengräber-)
Stelle nunmehr definitiv besetzt wird. Lusttragende Bewerber wollen sich
franco an die Unterzeichneten wenden. Markt Bechhofen in Bayern, den 30.
April 1867.
Die Israelitische Kultus-Verwaltung: Samuel Schloß Max
Wohlfahrt. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1903: "Die
israelitische Gemeinde Markt Bechhofen, Bayern sucht bis 1. September
dieses Jahres einen Lehrer, Chasan, Schochet und Kabran
(Totengräber). Das Einkommen beträgt circa 1.700 Mark per Jahr bei
freier Wohnung. Auf Anfrage wird alles Nähere noch mitgeteilt.
S.
Bechhold, Kultusvorstand." |
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Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom
24. April 1903: "Religionslehrer, Schächter und Vorbeter
per 1. September in Markt-Bechhofen (Bayern), freie Wohnung und
1.700 Mark Einkommen. Meldungen an S. Bechhold." |
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Zeitschrift "Der
Israelit" vom 4. Mai 1911: "Die hiesige Lehrer-, Vorbeter-
und Schächterstelle, mit der auch die Kabran-Stelle
(Totengräber) verbunden ist, ist zu besetzen. Gehalt Mk. 1000.- Fixum.
Mk. 800.- Nebeneinkommen. Nur Reichsdeutsche und seminaristisch gebildete
Herren wollen sich melden.
S. Bechhold, Kultusvorstand
Bechhofen, Mittelfranken." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1924:
"Die Kultusgemeinde Bechhofen (Rabbinat Ansbach) sucht zu
raschmöglichem Eintritt einen Religionslehrer, Schochet, Vorbeter und
Friedhofsverwalter (altbekannter Bezirksfriedhof), Besoldung nach den
Leitsätzen des bayerischen israelitischen Gemeindeverbandes. Erhebliches
Nebeneinkommen. Dienstwohnung in bestem Zustande vorhanden. Gesetzestreue
Bewerber mit eigenem Haushalt wollen sich wenden an den Kultusvorstand
David Steindecker." |
Wiederbesetzung der
Lehrerstelle mit E. Heimann (1927)
Meldung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19.
September 1927: "Unter Beihilfe des Verbandes wurden folgende Stellen
wieder besetzt. Thalmässing durch
W. Goldberg aus Ichenhausen, Bechhofen durch E. Heimann, früher in
Odenbach, Schwanfeld durch M.
Selmansohn, bisher in Lübeck und Oberlauringen
durch Schia Kraushaar, bisher in Frankfurt am Main." |
Eines
der letzten frohen Ereignisse im Leben der Gemeinde: Geburt des Kindes
von Lehrer Willy Goldberg und Mina geb. Oppenheimer im Dezember 1937
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Januar 1938:
"Die - Gott sei Dank - glückliche Geburt unseres Jungen Abraham
Jehoschua zeigen hocherfreut am:
Willy Goldberg und Frau Mina geb. Oppenheimer - Bechhofen." |
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
"Ein Sabbat in Bechhofen" (Bericht von 1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1925: "Ein
Sabbat in Bechhofen. Bechhofen liegt am Ende der Lokalbahn, die von
Ansbach ausgeht. In fruchtbares, ebenes Land hinaus anderthalb Stunden
weit führt die Bahn, bis sie ihr Endziel Bechhofen erreicht hat. Nachdem
ich Bechhofen kennen gelernt habe, hat es für mich symbolische Bedeutung,
dass die Fahrt dort Schluss macht. 'Dreistufig, mein Hirsch (sc. Samson
Raphael Hirsch), entsprechend den Wegen unserer Väter ist das Golus (sc.
Zeit des Exils, der Diaspora), durch das wir wandern. Gelingt es uns,
zu der Höhe abrahamitischer Lebensführung zu gelangen, so dürfte damit
die dritte und letzte Stufe des Golus, das Ende einer Entwicklung erreicht
sein. Wenn 'Gottesfürst' wir von den umwohnenden Völkern genannt werden,
so wird dies das Ende allen Bruderhasses bedeuten.' In Bechhofen,
verehrter Leser, da hat der Bruderhass geschwiegen, auch als ringsum die
kleinen Orte und ganze bayrische Städte von Antisemitismus wiederhallten.
In welch hässlichen Formen sich im Jahre 1922/23 der Judenhass in Bayern
zeigte, das erzählten mir viele der Betroffenen. Hitlerbanden,
Hakenkreuzlieder johlend, durchstreiften die Dörfer. Hier reißt man den
Juden die Gärten nieder, dort erschießt man ihnen die Hunde, die
jahrelang treue Wächter ihrer Häuser waren. Man geht an den jüdischen
Mitbürgern vorbei und grüßt sie nicht mehr. Haussuchungen nach Waffen
hält man in jüdischen Häusern. Man plant Gemeines gegen die Töchter
der Juden. Da wächst in den jüdischen Männern gar mancher Landgemeinde
ein grimmiger Zorn. Sie waren jahrelang im Krieg und scheuen nicht die
Gefahr und nun - Faust geballt und Beschimpfung abgewehrt. Aber das leiden
die besonnen jüdischen Frau nicht. O! möchtet ihr braven Frauen eure
Männer nicht nur zurückgehalten haben von zwecklosem Bruderkampf,
möchtet ihr sie anfeuern zum Gehorsam gegen Gott im Himmel und sein
heiliges Gesetz. Frei von dem Gift des Judenhasses war die Luft in
Bechhofen, ein Wunder und ein sehr wohl |
begründetes Wunder. Abrahamitischer Geist hat in Bechhofen seinen
ständigen Wohnsitz. Oder was ist es sonst, dass in Bechhofen auch die
christlichen Fabriken am Schabbat geschlossen haben? Glaubt Ihr es nicht,
geht und seht mit eigenen Augen! Gewiss die Fahrt hin ist weit. Aber Ihr
werdet entschädigt. Eine wundervolle gastliche Aufnahme wartet Eurer, die
ihr kommt, um zu sehen, wie fernab vom Weltgetümmel, aber doch im regesten
Industriebetrieb der Geist unseres Stammvaters hochgehalten wird. Und geht
Ihr mit Eurem Gastgeber oder Eurer Gastgeberin über die Strauße,
achtungsvoll lüften sich allüberall die Mützen. Von dem Geiste von
Abraham unserem Vater, der noch heute seine Träger zu Gottesfürsten
adelt, verkriecht sich der Judenhass in seinen finsteren Winkel und wird
er nicht wagen, hervorzutreten. Nicht allein treue Festhalten am
Gottesgebiet, sondern auch echte Demut und Bescheidenheit, die in jedem
Dorfkind das Ebenbild des Schöpfers achtet, zieren unser Gastgeberpaar.
Und über Bechhofen hin flutet etwas von der unglaublich hochstehenden
Geistigkeit der Menschen.
Sie erfüllen in Bechhofen des Sängers Wort 'besser ist es, zu früh
in den Sabbat hineinzugehen als zu schnell ihn zu verlassen' (?).
Fertig mit Geschäft und Haushalt, sabbatlich gekleidet, sitzen wir volle
zwei Stunden vor Sabbatbeginn und besprechen, was uns am Herzen liegt.
Unvergesslich wird mir diese Vorsabbatruhe sein. Ich wüsste sie nirgendwo
sonst zu erleben. Als es Zeit wird, fordert mich mein Gastgeber auf, mit
ihm nach Schul (= Synagoge) zu gehen. Wir gehen die Hauptstraße ein Stückchen
hinunter, biegen in eine kleine Seitenstraße ein, an deren Ende ein Bach
leise rauschend dahinzieht. Mein Gastgeber bleibt vor dem Tore einer
Scheune stehen und mäst mich durch eine Handbewegung zum Eintreten ein.
'Ja, aber, verzeihen Sie,' bemerkt ich, stehen bleibend, Sie sagten doch,
wir wollten nach Schul gehen'. Es stimmt schon', antwortete in seiner
einfachen Herzlichkeit mein Gastgeber, 'gehen Sie nur'. Ich konnte nicht
umhin, noch einen Blick auf das Äußere des Gebäudes zu tun. Hohe dunkle
Bretterwände, einige einfache Glasfenster, eine geräumige Scheune! Ich
mochte zweifelnd meinen Führer angeschaut haben, denn er sprach mir
ermutigend zu, doch in die Synagoge hineinzugehen. Ich gehe einige
Schritte vorwärts. Sofort ziehen Wände und Decke des inneren Raumes
meinen Blick auf sich mit einer solchen Macht, dass mir für Sekunden der
Atem stockt im beklemmenden Gefühl des vorher nirgends Geschauten. Über
und über sind Wände und Decke mit Malereien versehen. Aber nicht nur
das, Decke und Wände sind überall mit den herrlichsten Versen
beschrieben. Nicht nur ein bedeutender Künstler, sondern auch ein guter
Kenner unseres Schrifttums muss hier die Hand am Werke gehabt haben. Dass
ein großer Künstler hier gearbeitet haben muss, meint mein Gastgeber,
geht darauf hervor, dass sie schon vor vielen Jahren kamen, die
Kunstkenner von München und Düsseldorf, um der Gemeinde die Synagoge
abzukaufen. Man wollte der Gemeinde eine neue Synagoge, ein neues
Ritualbad und ein Lehrhaus bauen, und dafür die alte Synagoge mitnehmen
und sie in einem Museum in Düsseldorf ausstellen. Unter dem Namen
'Scheunensynagoge' ist in Künstlerkreisen die Bechhofener Synagoge
bekannt, und aus vielen Städten kommen des öfteren namhafte Kunstkenner,
um diesen einzigartigen Bau zu besichtigen. In tiefster Bescheidenheit
steht sie da die Synagoge mit einem Ehrfurcht gebietenden Innern. An der
Westwand des Innenraumes steht der Name des Malers und nicht weit davon
hat der Künstler auf der gleichen Wand dem Andenken Jeruscholajims
Stätte gegeben. Nichts ist bekannt von dem Leben des Künstlers, der in
tiefer Frömmigkeit hier gearbeitet haben muss, als sein Personennamen.
Mit Absicht hatte mein Gastgeber mich früher nach Schul geführt. Gar
viel Interessante konnte er mir über die Synagoge erzählen, wie sie der
Gemeinde um keinen Preis verkäuflich gewesen sei und wie nun die Behörde
über ihre Unantastbarkeit wacht. Ich konnte mich hingeben der Wirkung von
Malerei und Inschrift. Da werden ringsum die Keren entzündet, denn kein
neumodisches Licht darf den Charakter der Bechhofener Scheunensynagoge
stören. Vollzählig und pünktlich erscheint ganz Kahal (= die Gemeinde)
in Schul, keiner ist in Bechhofen mechallel schabbos (= Schabbat-Entweiher).
In würdiger Weise hält Bechhofen seinen Lehrer. Trotz der kleinen
Mitgliederzahl hat die Gemeinde ihren Lehrer in die staatliche
Besoldungsordnung eingereiht in einer Zeit, da anderswo die Gemeinden
lieber lehrerlos blieben, als sich den berechtigten Forderungen
anzupassen.
Von Sabbatstimmung erfüllt, erwartet uns nach Schul die Gastgeberin.
Toraworte würzen das Mahl. Man trennt sich spät, um sich früh zum
Schulengehen wiederzusehen. Eine schöne Sitte der kleinen bayrischen
Gemeinden sei hier erwähnt. Nach Schul besucht die ganze Gemeinde den Baalhabajis
(= Hausvorsteher, der Gäste im Hause hat, und so wurden wir am Schabbat
in Bechhofen mit der ganzen Gemeinde persönlich bekannt. Der Tag nach Schabbat
ließ uns den Geist der echten Jüdischkeit in Bechhofen noch einmal voll
empfinden, losgelöst von aller Irdischkeit. Unsere Gastgeben führten uns
auf die Stätte des Friedhofes in Bechhofen. Er
unterscheidet sich von vielen dadurch, dass sämtliche Grabsteine in
derselben Farbe gehalten sind. Nicht weit vom Eingang finden sich mehrere
alte Gräber von Rabbinern, deren Instandhaltung Bechhofen als
Ehrenpflicht auf sich genommen hat. Nicht nur der Scheunensynagoge gelten
die Besuche der Kunstprofessoren. Sie gehen auch hier auf den Friedhof,
der in seiner Einfachheit und seinem hohen Alter auch auf den
nichtjüdischen Besucher seine Wirkung nicht verfehlt. Da finden sich
Grabsteine von der Last der Jahre tief zur Erde gebeugt. Man liest auf
ihnen die altehrwürdige Zahl (5)380 (= 1619/20)." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Ein
(angeblich) 107jähriges Gemeindeglied (1866)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 11. April 1866: "In Bechhofen, einem Marktflecken im Bezirksamte
Feuchtwangen und Landgerichte Herrieden (Bayern) lebt ein Israelite, Reb
Isaak Bechhöfer, welcher – zu Anfang des Jahres 1759 geboren – z. Zt.
ein Alter von 107 Jahren hinter sich hat. Derselbe ist noch ganz gesund und rüstig,
trinkt bisweilen noch sein Gläschen Bier im nahen Wirtshause und raucht täglich
einige Pfeifen starken Tabak. In dem Hause seines jüngsten Sohnes, des
Handelsmannes Nathan Bechhöfer daselbst, genießt er die aufmerksamste
Behandlung. Er ist bereits auch Ururgroßvater." |
Anmerkung: nach späteren Forschungen entspricht der oben zitierte
Artikel nicht den Tatsachen. Willy Goldberg (israelitischer Lehrer in Bechhofen)
schreibt in seiner "Chronik der Familie Bechhöfer (abgeschlossen am 18.
Juni 1935) zu Isaac Bär Bechhöfer: "Sohn des Josef Bar Bechhöfer, ist im
Jahre 1770 geboren. Er erreichte das hohe Alter von 96 Jahren. Die Angaben auf
seinem Grabstein und in den Registern der Bechhöfer jüdischen Gemeinde, wonach
dieser ein Alter von 106, ja sogar 108 Jahren erreicht haben soll. dürfte auf
einem Irrtum beruhen. Sein Vater ist nachgewiesen im Jahr 1744 geboren, wäre
somit, wenn Isaac im Jahre 1760 geboren wäre, erst 15 Jahre alt gewesen, was
also höchst unwahrscheinlich ist. Für die Richtigkeit unserer Angabe gibt die
folgende Eingang das amtliche Zeugnis (betr. Annahme von Familiennahmen): 'Isaac
Josef Bär, ohne Anwesen, wohnte in Bechhofen, 43 Jahre alt, Familienzahl 6,
betreibt Schacherhandel, produziert seinen Schutzbrief vom 21. Februar 1798,
welcher als vollkommen echt anerkennt wird, wählt sich als Familiennamen
Bechhöfer junior und ist bereit, den Untertaneneid auf die Konstitution des
Reichs Titel I Par. 8 abzulegen, zur Bestätigung. gez. Isaac Josef Bär.'
Nach dieser Eintragung ist das Geburtsjahr mit 1770 somit erwiesen. Isaac Bär
Bechhöfer ist seit dem Jahr 1798 zum Schacherhandel immatrikuliert. Er bewohnte
ein halbes Haus Nr. 8, das er im Jahr 1816/17 von seiner verstorbenen Mutter
übernommen hatte.
Issacs Frau hieß Sara, eine Tochter des Eisik von Bechhofen, sie ist im Jahre
1776 geboren. Von Isaacs Tätigkeit ist wenig bekannt, die schlichte
Aufzeichnung auf dem Grabstein beweist seine bescheidene Lebensführung. In den
Gemeindesitzungen und -versammlungen nahm er stets regen Anteil. In den
Wohltätigkeitsverein wurde er im Jahre 1804 einstimmig aufgenommen."
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Zum
Tod von Marx Schloss im Oktober (1894)
Artikel aus der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 12. November 1894: "Markt Bechhofen in Bayern, 4. November (1894).
Am Erew Jom Kippur (Tag vor Jom Kippur) trugen wir hier einen Mann zu Grabe,
dessen Tod einen großen, für seine Familie unersetzlichen Verlust, für viele
andere eine sehr schwer auszufüllende Lücke hinterlässt. Herr Marx Schloß
ist nach ganz kurzem Krankenlager am Sonntag, den 7. Oktober gestorben. Er
erreichte ein Alter von etlichen siebzig Jahren. Er war ein aufrichtiger Jehudi,
von dem man sagen konnte: zu jeder guten Tat war er bereit. Eine Zierde seiner
Gemeinde stand er in Ansehen und Liebe in der ganzen Gegend. Streng rechtlich im
Geschäfte, freundlich und mild gegen jeden, mit einem echten lew tow (guten
Herzen) begabt, war er stets hilfsbereit gegenüber allen, die seine Güte
erbaten. Viele Jahre war er Gabbai für
Erez Jisrael und für die Chewra
(ehrenamtlicher Gemeindevorsteher und Vorsteher des Wohltätigkeitsvereins Chewra),
dabei im Vorstand des Begräbnis-Verbandes (Verband der Gemeinden, die gemeinsam
den Friedhof Bechhofen belegten) und Kassier des Fondes zur Erhaltung des Begräbnisses,
unermüdlich und unverdrossen in der sorglichen Pflege dieser Ämter, uneigennützig,
nach Gottes Weisung weihte er Zeit und Kraft dem allgemeinen Besten, und setzte
gar oft seine eigenen Angelegenheiten zurück. Was er im Bereich von Wohltätigkeit
und Barmherzigkeit geleistet, das darf mit Recht als ein leuchtendes Beispiel für
weit und breit gelten. Der Erew Jom Kippur
war nicht der Tag zu einer Hesped (Gedächtnisrede),
doch sprach Herr Lehrer Rosenstein einige Worte der Tora, die er geliebt, zu
seinem Sechut (Verdienst); hierauf
Herr Elias Kohn aus Wassertrüdingen, der herbeigeeilt war, um dem Freunde die
letzte Ehre zu erweisen, Worte des Dankes und der Anerkennung im Namen des Begräbnis-Verbandes.
Seine Seele sei eingebunden in den Bund
des Leben."
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Zum 70. Geburtstag von Kaufmann Samuel Schloß (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1901:
"Bechhofen (Bayern), 11. Februar (1901). Heute beging ein wackeres
Mitglied unserer kleinen Kultusgemeinde, der Kaufmann Herr Samuel Schloß,
seinen siebzigjährigen Geburtstag. Obwohl derselbe in seiner
Bescheidenheit keinerlei Aufsehens davon machen wollte, ließen es die
Kinder sich nicht nehmen, mit den geliebten Eltern diesen Tag zu feiern.
Herr Schloß, der in der ganzen Gegend als ein angesehener braver Mensch
bekannt ist, und auf den man sagen kann 'Zu jeder guten Tat war und ist er
bereit', möge seiner Familie und uns allen noch lange in rüstiger
Gesundheit und Frische erhalten bleiben." |
Zum Tod des Gemeinderates und Pinselfabrikanten Hugo Steindecker
(1930)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1930:
"Bechhofen, 2. September (1930). Der Monat Aw brachte unserer
Gemeinde einen schweren Schlag. Unser bewährtes Mitglied und zwar der Besten
eines, Hugo Steindecker, Mitinhaber der Pinselfabrik Marx Schloß, Bechhofen,
ist uns plötzlich entrissen worden. Diese Hiobsbotschaft hat die gesamte
Bevölkerung in tiefe Trauer versetzt.
Mit ihm ist ein Zadik gemul (ein
großer Gerechter) aus der Welt geschieden, dessen Leben ausgefüllt war mit Tora
Mizwot umaasim towim (Tora, Geboten und guten Werken) bis zu seinem letzten
Atemzug. Von dem Grundsatze "Liebe deinen
Nächsten wie dich selbst"
beseelt, war er auf das Wohl der ganzen Bevölkerung bedacht; in dem
Gemeinderat, dem er sechs Jahre angehörte, besetzte er das Ehrenamt des
Kassierers. Der Fromme und Gottesfürchtige hatte stets eine offene Hand für
Wohltätigkeit und entfaltete seine Tätigkeit stets zum Wohle seiner Kehillo
(jüdischen Gemeinde), mit der er sich eng verbunden fühlte. Er war zeitlebens
der Spender des Ner LeMaor (Spender
der Kerzen für das ewige Licht in der Synagoge) und des
Weines zum Kiddusch (Zeremonie mit Segensspruch über dem Wein) und
der Hawdala-Feier (am Schabbatausgang) und als geübter Baal
Tokea (Schofarbläser) an den ernsten Tagen (Hohe Feiertag über
Versöhnungstag Jom Kippur und Neujahrstag Rosch Haschana) auf den Weg zur teschuwa
(Umkehr) geführt.
Unter großer Beteiligung der gesamten Bevölkerung sowie vieler Freunde und
Bekannten aus Nah und Fern wurde die Hülle des Verstorbenen zur letzten Ruhe
gebracht. Vor dem Trauerhause sprach Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Munk –
Ansbach rührende Abschiedsworte. – Am Grabe sprach Herr Goldberg den Dank
seiner Gemeinde aus. Hierauf nahm Herr Bürgermeister Bieringer in tief
ergreifender Rede Abschied von seinem lieben Freund und Mitarbeiter. Er hob
hervor, dass der Verklärte bei den letzten Gemeindewahlen mit größter
Stimmenmehrheit wieder in den Gemeinderat gewählt wurde. Für den Reichsbund
jüdischer Frontsoldaten sprach Herr Heinrich Ullmann – Nürnberg. – Mit dem
Abschuss einer Ehrensalve des Kriegervereins und einem schön abgestimmten Lied
des Gesangvereins wurde der Sarg in die Erde gebettet. Sein Andenken sei zum
Segen.
Seine Seele sei eingebunden in den
Bund des Lebens."
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Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
September 1930: "Bechhofen (Mittelfranken). Ein schwerer Verlust hat
unsere kleine Gemeinde betroffen. Herr Hugo Steindecker - das Andenken an
den Gerechten ist zum Segen - erlag in der Nacht zum 4. August, nachdem er
am Vortage, dem 9. Aw, noch den ganzen Tag gefastet hatte, erst 51 Jahre
alt einer Herzlähmung. Seine tiefgebeugte Witwe und drei Kinder weinen um
den Gatten und Vater. In tiefste Trauer wurde auch sein Bruder versetzt,
mit dem zusammen er in jahrzehntelanger Arbeit sein bedeutendes
Unternehmen aufbaute und leitete. Der viel zu früh Verstorbene hat sich
in hingebungsvoller Treue dem in seiner Familie traditionellen Dienst für
die Gemeinde gewidmet und sich dadurch unseren unauslöschlichen Dank
erworben.
Die Beisetzung des Dahingeschiedenen ging unter der Anteilnahme der
gesamten Bevölkerung vonstatten. Kriegerverein, Turnverein, Gesangverein
und die Feuerwehr waren in stattlicher Anzahl aufmarschiert, ihr
verdientes Mitglied zu ehren. Herr Rabbiner Dr. Munk (Ansbach) schilderte
mit tiefempfundenen Worten den Verstorbenen als vorzüglichen Gatten und
Vater, treuen Glaubensgenossen, als aufrichtigen Deutschen und Juden. Herr
Religionslehrer Goldberg sprach den Dank der Gemeinde aus. Für den
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten dankte Herr Ullmann (Nürnberg) dem
toten Kameraden, dessen Leiden eine Folgeerscheinung langjährigen
Frontdienstes war, für seine Treue. Herr Bürgermeister Bieringer
würdigte die großen Verdienste Hugo Steindeckers um die Gemeinde
Bechhofen.
Unter den üblichen rituellen Gebeten, einem ausgezeichneten Sängergruß
und drei Ehrensalven für den Feldzugteilnehmer schloss die würdig
verlaufene Trauerfeier." |
SIlberne Hochzeit von Ehepaar David Steindecker (1931)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Dezember 1931:
"Bechhofen. Wie uns verspätet mitgeteilt wird, konnten am 21.
Oktober Herr und Frau David Steindecker, Fabrikant in Bechhofen, den Tag
ihrer fünfundzwanzigjährigen Ehe feiern. Herr Distriktsrabbiner Dr. Munk
(Ansbach) überbrachte dem verdienten Kultusvorstand die auch von Herrn
Rabbiner Pinchas Kohn unterzeichnete Urkunde der Verleihung des
Chowertitels; für die Kultusgemeinde Bechhofen überreichte Herr Schloß
einen silbernen Pokal." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1931:
"Bechhofen (Unterfranken), 4. Dezember (1931). Am 21. Oktober
begingen Herr und Frau Kultusvorsteher David Steindecker, Fabrikant in
Bechhofen, im kleinsten Familienkreise ihre Silberne Hochzeit. Eine
Abordnung der Kultusgemeinde überbrachte durch Herrn Amson Schloß ihrem
bewährten Führer einen silbernen Pokal mit eingezeichneter Widmung, mit
den wärmsten Worten des Dankes für seine treue Tätigkeit und dem
aufrichtigen Wunsche, noch viele Jahre in dieser Eigenschaft in seiner
Gemeinde segensreich zu wirken. Herr Distriktsrabbiner Dr. Munk - Ansbach,
würdigte seine großen Verdienste mit der Verleihung des Chower-Titels." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Hochzeitsanzeige von Mina Oppenheimer und Willy Goldberg (1933)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1933: "Gott
sei gepriesen.
Mina Oppenheimer - Willy Goldberg -
geben ihre - so Gott will - am 3. April 1933 - 7. Nissan 5693 in Ansbach,
Hotel Zirkel, stattfindende
Vermählung bekannt. Hanau - Bechhofen / Ichenhausen." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammende Synagoge wurde im
30jährigen Krieg wie die meisten Gebäude von Bechhofen zerstört. Die nach
dem Krieg wieder zugezogenen jüdischen Familien trafen sich zu ihren
Gottesdiensten und Gebeten zunächst "in einer engen Kammer oder
Stube". Nach dem Zuzug von fünf jüdischen Familien aus Herrieden 1681,
war diese Kammer für die Familien nicht mehr ausreichend. Man bemühte sich um
den Bau einer Synagoge. Der Jude Koppel stellte für den Bau den Garten hinter
seinem Haus zur Verfügung. 1684 beantragte die jüdische Gemeinde beim
Markgrafen den Bau einer neuen Synagoge auf diesem Grundstück. Mit markgräflicher
Erlaubnis konnte man den Bau einer neuen, hölzernen Synagoge
("Scheunensynagoge") durchführen (weitere Einzelheiten
und Quellentexte siehe unten im Beitrag von Willy Goldberg). 1732 wurde die Synagoge durch
den aus Galizien stammenden Maler Elieser Sussmann prächtig ausgemalt (vgl. die
Synagogen in Colmberg, Horb am Main, Unterlimpurg
bei Schwäbisch Hall und Kirchheim bei Würzburg).
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"Bayerische
Israelitische Gemeindezeitung" (links) und Zeitschrift "Der
Israelit" vom 15. Dezember 1932: "Bechhofen. Am 25.
Marcheschwan 5493 (1732), also vor 200 Jahren hat der jüdische Künstler
und Schriftgelehrte Elieser Sußmann die Ausmalung und Ausstattung unserer
weltberühmten Scheuensynagoge vollendet und damit ein einzigartiges
Denkmal jüdischer Kunst den späteren Generationen hinterlassen. Weil in
Anbetracht der schweren Zeit von einer größeren Feier abgesehen wurde,
gedachte Herr Lehrer Goldberg am darauffolgenden Sabbath in einer kurzen
Ansprache dieses großen Künstlers mit dem Wunsche, der Allgütige möge
unserer Gemeinde dieses 'kleine Heiligtum*' auch weiterhin beschützen und
erhalten für alle Zeiten."
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In der Synagoge wurden zahlreiche wertvolle Kultgegenstände
aufbewahrt, u.a. eine sehr alte Torarolle aus der 1681 aufgelösten Gemeinde Herrieden, mehrere Torawimpel (der älteste von 1649), das
Memorbuch der Gemeinde von 1729 und vieles mehr.
In der NS-Zeit kam es im November 1936 zu einer ersten Schändung, als die Synagoge und mehrere jüdische Wohnhäuser mit roter Farbe beschmiert wurden. Obwohl die Synagoge unter Denkmalschutz stand, wurde sie beim
Novemberpogrom 1938 (bereits am 9. November 1938) niedergebrannt. In den frühen Morgenstunden des Tages wurde dem Ortsgruppenleiter der Befehl der NSDAP-Gauleitung übermittelt, dass die Synagoge in Brand zu setzen sei. Die Feuerwehr wurde zum Schutz der Nachbarhäuser an den Brandplatz bestellt. Daraufhin wurde die Synagoge mitsamt ihren kostbaren Ritualien (u.a. Toraschrein-Vorhänge, große Kupferleuchter, Zinnleuchter, Chanukkaleuchter) niedergebrannt. Ein Arzt hatte das Benzin besorgt. Einige Ritualien waren der jüdischen Gemeinde in München übergeben worden. Diese wurden in der dortigen Pogromnacht zerstört. Die Brandruine wurde wenig später beseitigt.
Das Synagogengrundstück kam nach einer Vereinbarung zwischen dem Verband
Israelitischer Gemeinden und dem damaligen Bechhöfer Bürgermeister Hans
Bieringer vom 10. Juni 1939 zum Preis von 433,20 Reichsmark in den Besitz der
Gemeinde Bechhofen. Da diese für die Aufräumungsarbeiten einen Aufwand von
732,80 Reichsmark forderte, hatte schließlich der Verband der Israelitischen
Gemeinden noch 299,60 Reichsmark an die Marktgemeinde Bechhofen zu
bezahlen.
1940 wurde das Grundstück für 400 Mark an einer Pinselfabrik verkauft,
blieb jedoch unbebaut. Bei Kriegsende wurde das Grundstück als Gemüsegarten
verwendet.
In den 1980er-Jahren erfolgte die Anlage einer Gedenkstätte auf dem
Grundstück. Eine Buchenhecke wurde gepflanzt, deren Sträucher die
Außenwände der ehemaligen Synagoge markieren. In der Mitte wurde ein
Gedenkstein ("brennender Dornbusch") mit Inschriftentafel
aufgestellt.
Beiträge
zur Geschichte der Synagoge aus jüdischen Periodika (1910-1936)
Artikel des Lehrers der jüdischen Gemeinde Bechhofen Willy Goldberg zur Synagogengeschichte:
Geschichtliches aus der
jüdischen Gemeinde nach unveröffentlichten Akten
(Quelle: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung vom 1. April 1936 S. 150)
Bekanntlich
zählt die Scheunensynagoge in Bechhofen als eine der wenigen aus dem
siebzehnten Jahrhundert zu den wertvollsten jüdischen Denkmälern in Bayern. Über
den Bau derselben waren bisher keine genauen Angaben vorhanden.
Auf eine Regierungsrundfrage vom 15. März 1837, wie lange die Israeliten in
Bechhofen sind, gab der damalige Lehrer Israelit Wohlfahrt s.A. (seligen
Angedenkens) an, dass genaue Angaben nicht vorhanden seien. 'Alles, was ich
auffinden konnte', so berichtet er weiter, 'ist eine Pergamentrolle,
welche von Herrieden nach Bechhofen gekommen ist. Dieselbe ist von einem
Israeliten namens Lipmann gestiftet worden, welcher in Herrieden wohnte. Der älteste
Grabstein ist vom Jahre 1607 auf den Namen Brändlein David von Gunzenhausen.
Auf der Synagoge befindet sich ein Dachziegel vom Jahre 1684.'
Das Pfarramt zu Herrieden berichtet hierzu am 29. Dezember 1837: 'Die
Recherchen des Pfarramtes Herrieden ergeben, dass in Herrieden gegen achthundert
Jahre lang Juden ansässig waren, dass sie aber am 21. November 1681 aus der
Stadt verwiesen worden sind.'
Zu diesen beiden Angaben sei erwähnt, dass die Torarolle des Lipmann heute noch
in der Synagoge zur Vorlesung verwendet wird. Sie ist im Besitz der Familie
Schloß, welche in der Tochter des Lipmann Herrieden ihre Urahne nachweisen kann
(ein Glied dieser Familie nahm im Jahr 1813 den Namen Bechhold an).
Lipmann ist 1696 gestorben, seine Frau Jentle, Tochter des Samson Herrieden
starb im Jahr 1692. Ihre Grabsteine sind, wie die meisten aus jener Zeit,
auffallend gut erhalten.
Der älteste Grabsteine konnte inzwischen aus dem Jahr 1603 ermittelt werden.
Ein markgräfliches Dekret vom Jahr 1684 besagt unter anderem: 'Bescheid in
Sachen Euer ganzen Gemeinde zu Bechhoven wider die Juden allda.
'...Wann aber ein Fremdder eines Bechhövischen Juden Tochter heyrathet und sich
alß Hausgenoß bey seinem Schweher aufhalten; oder wann ein zu Bechhoven
geboren und erzogener Jud ein anders Hauß im Flecken von neuem erkaufft, die
sollen das Einkauffsgeld ebenäßig erleen. Wie dann auch diejenige fünf Juden,
so erst vor zwey Jahren von Herrieden nach Bechhoven gezogen, ihr noch ausständiges
Einkauffsgeld und zwar ein Jeder absonderlich, fünffzehn Creuzer fränkischer Währung,
verglichenermaßen vor dießmal zu erstatten haben...
... Im übrigen aber die gesamte Juden weder von ihm Vogten, noch denen
Gemeinsleuthen, bey Vermeidung ohnausbleiblichen scharffen einsehens,
weiterbetrohet, geschlagen oder sonsten angefochten, sondern ein jeder Jud bey
seinem führenden Handel und Wandel auch ohngehinderter Genießung aller und
jeder Gemeinderechte, wie die nahmen haben mögen, nicht weniger als die
Christen manutenirt und geschätzt...'
Onolzbach, den 10. Martii 1684.
Diese scharfe Verordnung brachte den Juden die längst ersehnte Ruhe und
Ordnung. Bald darauf richteten sie eine Eingabe an den Markgrafen, um den Bau
einer Synagoge, die in einer Sammlung von 'Kaufbriefen im Vogtambt Bechhoven'
(1670-1730) wiedergegeben ist:
'Juden Schuel zu Bechhoffen betr.
Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Herr.
Ob zwar vor dem deutschen 30jährigen Krieg eine feine Juden Schul zu Bechhoffen
geweßen, worinnen man wie anderer Orten, zusammen kommen und das Gebett
verrichtet, ist doch selbige im wehrenden Krieg gleich anderen Gebeuen allda
auch ruiniret und verderbt worden, und hatt dieselbe nach geendigten nicht
allein auß Mangel der Juden allda, sondern auch zuvörderst auß Unvermögenheit
der Nachkömmlinge, so sich nach und nach i Flecken wider eingefunden, und
kaum einige Wohnung vor sich wider zurichten können, bißher nit können wider
ausgebauet werden.
Nachdem sich aber durch Gottes und Eure Höchfürstlich gütige Special Gnad
unsere Anzahl allda widerumb in etwas vermehret, und wir unß zusammen in einer
engen Cammer oder Stube, an unsern Schabath und in der Wochen zur Verrichtung
unseres Gebetes nit wohl betragen können, hingegen Koppel unß den platz hinter
seinem Hauß so ein schorgärtlein ist, herzugeben sich erbotten und wir solchem
nach auf solchem plaz einen Bau zu einer Schulen und darinnen ein Vorsinger etwa
ein Stüblein und Cämmerlein haben kann, jedoch mit Eurer Hochfürstlich gütigen
gnädigen permission aufzurichten gewillet sind.
Alß ergehet hierauff an Euer Hochfüstliche Gnad unser unterthänigst Bitten,
Sie wollen geruhen gnädigst zu consentieren und geschehen zu lassen, dass
solcher Blaz zur Aufbauung einer Schulen und Wohnung vor einem Vorsänger unß möge
gnädig verstattet und zugelassen, wir auch derentwegen mit einem Decret
begnadigt werden, wie wohl aber die Hochfürstliche Gefäll, umb solches Blazes
willen nit den geringsten Zugang bißher gehabt, sind wir doch deß Unterthänigst
erbietend, auff erfolgende Gnädigste permission und Zulassung, solches Baues künftighin
jährlich einen Reichsthaler zu einem ständigen Schutzgulden, an den Höchfürstlichen
Gefallen bey dem Vogtamt Bechhoffen zu liefern und abzugeben, unser Gebetts auch
an solchem Ort dergestallt verrrichten, daß zu forderst vor Euer Höchfürstlich
Gnd. Wohlergehen, Gott eifrig in solch unsern Zusammenkünften wollen aufrufen,
auch wir niemanden ärgerlich oder beschwerlich mit solch unserem Gottesdienst
fallen, womit zu einer Gnädigen resolution auch beharrenden Gnaden wir unß
insgesambt unterschriftlich befehlen
Euer Hochfürstlich Gnädigste
Unterthänigste gehorsambste
die Gemeine Judenschaft
zu Bechhoffen.'
Diese Eingabe leitete der Vogt Johann Ludwig Zink am 19. Juli 1684 befürwortend
weiter, nachdem die Juden bereits vor dem Krieg eine Schul besessen hätten und
dafür zwanzig Batzen Schutzgeld ablieferten.
'Decretum uff die Supplication.
Läßt man hierauff und den Vogtes zu Bechhoffen erstatteten unterthänigsten
Bericht, von Hochfürstlich Gnädigster Herrscht wegen geschehen, dass
Supplicierender Judenschaft zu besagten Bechhoffen auf invermeltenn Plaz ein
Juden schul zu bauen, gegen jährlicher Reichung zwantzig bazen Schutzgeld,
somit angefangener Bau angehen soll, verstattet werden.
Signatum Onolzbach (Ansbach), den 12ten July Ao. 1684. Ex consilio.'
Die bescheidene Führung der Juden zu Bechhofen hat sich an dem Bau ihres
Gotteshauses bewahrheitet: Unscheinbar abseits der Marktstraße steht ein Gebäude,
von außen anzusehen wie eine Scheune, nur die Bogenfenster lassen ihre heilige
Bestimmung erraten. Und fünfzig Jahre später hat der Maler Elieser ben Schlomo
das Innere zu einem prachtvollen Heiligtum ausgestattet.
Das dankbare Gebet für das Wohl und Heil des Markgrafen hat Elieser neben dem
herrlich gemalten siebenarmigen Leuchter an der Südwand dieses kleinen
Heiligtums angebracht - ein würdiges Andenken!" |
Artikel zu den Sehenswürdigkeiten jüdischer Geschichte in Bechhofen (Synagoge,
Friedhof)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Dezember
1910: "Bechhofen, 22. Dezember (1910). Es sei hiermit die
Aufmerksamkeit auf die altehrwürdige Synagoge in unserem Orte
gelenkt, welche Direktor Frauberger in Düsseldorf als eine große
Sehenswürdigkeit bezeichnet. Außen unscheinbar wie eine große
Bretterhütte, ist sie im Jahre 1691 (Anm. Jahr ist nicht korrekt) von
einem jüdischen Maler namens Elieser ben Schlomoh vom Fuß bis zum Giebel
mit eigenartigen Malereien bedeckt worden. Sehenswert ist auch der in
Bechhofen befindliche, über 400 Jahre alte Friedhof, welcher die Toten
der israelitischen Kultusgemeinden Bechhofen, Colmberg,
Cronheim, Heidenheim, Leutershausen,
Jochsberg und Wassertrüdingen
aufzunehmen bestimmt ist. Bis 1817 führte auch die Kultusgemeinde Ansbach,
bis 1885 Gunzenhausen und bis 1906 Altenmuhr
ihre Toten dahin. In letzter Zeit hat sich die Notwendigkeit gezeigt, den
Friedhof in Bechhofen zu erweitern. Am 1. Oktober wurde der Friedhof
seiner Bestimmung übergeben, zu welcher Feierlichkeit Herr
Distriktsrabbiner Dr. Kohn in Begleitung des Kultusvorstandes Jakob Weil
von hier erschienen war. Nach alter Sitte wurde unter den vorgeschriebenen
Gebeten der Rundgang im Friedhof gemacht. An diese Gebetfeier schloss sich
die Beerdigung eines in Wassertrüdingen
verstorbenen Israeliten an, welcher sich um das Zustandekommen der
Friedhofserweiterung besondere Verdienste erworben hat." |
Über die Scheunensynagoge in Bechhofen (Artikel von 1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Oktober 1925: "Die
Scheunensynagoge in Bechhofen, Mittelfranken (Mit sechs
Bildern). In Bechhofen, Mittelfranken, nicht weit vom
traditionsreichen Rothenburg ob der Tauber gelegen, existiert eine
Gemeinde mit einer alten Vergangenheit. Sie besitzt heute noch zwei
ehrwürdige Zeugen, den Friedhof und die Synagoge. Letztere ist in ihrer
Art der einzige noch in Deutschland vorhandene Bau, der noch in Benutzung
ist. Sie ist ein Holzbau, bestehend aus einer inneren und einer äußeren
Holzwand. Das genaue Datum ihrer Erbauung steht bislang noch nicht fest.
Jedenfalls hat sie im Jahre 1564 schon bestanden, und äußerlich auch
wohl in ihrer heutigen Gestalt. Dagegen muss das Innere wohl Wandlungen
unterworfen gewesen sein; denn die heutige Ausmalung datiert nach Angaben
des Künstlers aus dem Jahre 5488, d.i. 1728. Der Künstler gibt in einem
Schriftsatz an der Rückwand an, dass er in diesem begonnen habe, und ein
Jahr später sein Werk beendet habe. Er nennt sich auch mit seinem
hebräischen Namen: Elieser Bar Schlaumau. Es ist derselbe Name, den auch
der Maler der im Würzburger Luitpoldmuseum aufgestellten kleinen
Holzsynagoge führt, sodass anzunehmen ist, dass eine Identität der
Personen vorliegt. Man weiß aber bislang nichts Genaueres, weder über
seine Person noch über sein Werk. Aber das eine weiß jeder Besucher, der
nach dem Anblick des so unscheinbaren Äußeren die Synagoge betritt, dass
er in der prächtigst ausgestattetsten Synagoge der Gegenwart nicht im
entferntesten das an Kunstreichtum und Farbenpracht zu sehen bekommt, als
in diesem, von außen einer Scheune gleichenden Gebäude. Es ist eine
völlig entschwundene Welt, die wir betreten; eine Stimmung umfängt uns,
die selbst der stärkste Eindruck eines modernen Weltentreibens nicht
hervorzubringen vermag. Und wer noch ein bisschen jüdisches Empfinden
hat, muss sich unwillkürlich sagen, unsere Alten haben gewusst, dass
nicht Orgel und nicht Chor zur Andachtsentwicklung notwendig sind, dass
dies eine Angelegenheit ist, die aus dem Herzen, aus sich selber
herauskommen muss, und hier nimmt das ganze Milieu jeden Einzelnen Juden
wie Nichtjuden, so gefangen, dass man es gar nicht wagt, laut zu sprechen.
Man durchlebt eine Feierstunde, wenn man sich in die Feinheiten und Schönheiten
der 'Bechhöfer Scheunensynagoge' vertieft, und es würde die Kunst der
Feder übersteigen, wollte man alles und jedes ausmalen. Der Bau ist ein
Segmentgewölbe mit Anklängen an den mitteldeutschen Renaissancestil. Die
Malerei ist eine Barockmalerei. Die Wände enthalten eine große Anzahl
der im täglichen Gebete vorkommenden Psalmen, Vorschriften über die
Gebetordnungen usw. Es ist auch eine Stelle schwarz gemacht auf weißem
Untergrunde, mit den Buchstaben SCH' A' L' S' L' eine Stelle, die viel
Kopfzerbrechen verursacht hatte, da man sich den Sinn - es ist die einzige
Stelle, wo der Künstler schwarze Farbe verwendet hat - lange nicht
erklären konnte. Es lautet: Schochaur al Lowon Secher Lechurban.
- Schwarz auf Weiß zum Andenken an das zerstörte Heiligtum
in Jerusalem. Und so gibt es noch viele solcher Feinheiten. Die heilige
Lade ist eine wunderbare Schnitzarbeit aus der schönsten Zeit des
'Barock' mit eingebrannter Abbildung des Leuchters aus dem Tempel. Die
Fenster bestanden ursprünglich aus bleigefassten Butzenscheiben, die aber
im Laufe des Jahres 1881 durch andere ersetzt wurden. Die Ost- sowie die
Westwand enthält symbolische Darstellungen von Jerusalem, der heiligen
Stadt, von Lulab und Etrog, von der Tora, der heiligen Lehre und vom
Schofar. Am prächtigsten ist die Decke. Tiergruppen mit Pflanzengebilden
in einer überreichen Farbenzusammenstellung, jedes Tier gibt mit dem
Anderen ein neues Bild, je nach der Zusammenstellung. Es ist vor allem ein
herrliches Blau, das als Grundfarbe uns immer wieder entgegenleuchtet und
in Gemeinschaft mit den anderen Farben dem Ganzen eine wundersame Harmonie
verleiht, kurz, man weiß so wirklich nicht, was das Auge zuerst bewundern
soll. Das Merkwürdige an dem Bau ist die fehlende Frauensynagoge. Die
jetzt vorhandene Frauenabteilung ist ein fast zu schlichter Fachwerkanbau,
liegt gleich der Männerabteilung zu ebner Erde, ist aber mit dichtem
Holzgitter abgeteilt.
So wird es zu verstehen sein, wenn der Gottesdienst in diesem Hause ein
erhebender trotz seiner Schlichtheit und Einfachheit genannt werden darf.
Und die leider nur recht kleine, aber in der alten Väterreligion fest
wurzelnde Gemeinde kennt nichts Herrlicheres als einen Kol-Nidrei-Abend in
ihrer Synagoge wo der wundersame Kerzenschein die frommen, in Sterbegewänder
gehüllten Beter mit der Synagoge in gleich geheimnisvollem Lichte
umschwebt. Denn klein ist die Gemeinde geworden. Noch vor 50 Jahren ca. 50
Familien zählen, sind es infolge Abwanderung und Tod nur noch 10; die
aber kein Opfer scheuen, um die Denkmaler ihrer Vergangenheit, Friedhof
(über den ein anderes Mal erzählt werden soll) und die Synagoge zu
erhalten. Erst 1913 ist die Synagoge, allerdings unter Beihilfe der
Regierung, mit einem Kostenaufwand von 10.000 restauriert worden, denn die
Farben drohten durch Staub und Schmutz der gänzlichen Zerstörung zu
verfallen. Und heute ist das Interesse an der Erhaltung dieses einzigartigen
Zeugen jüdischer Vergangenheit so stark, dass die berechtigte Hoffnung
besteht, dass auch eine viel, viel spätere Zeit staunend vor dem
Wunderwerk einer lang zurückliegenden Vergangenheit stehen
wird." |
| Fotos: Evers, Bechhofen, vgl.
unten in besserer Qualität. |
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| Südwand mit einem Teil
des 'Almemors'. Mitte: Darstellung des 'Lechem Haponim' (Schaubrote) |
Nordwand.
Auf der Menorah-Abbildung sind rechts und links vom Leuchterschaft die
kabbalistischen Embleme zu erkennen, Links von Leuchter das Gebet für den
Landesherrn mit dem Brandenburger Wappen. |
Ostwand mit heiliger
Lade. Darüber symbolische Darstellungen der 'Jomim Hanauroim' (Hohe
Feiertage) |
Westwand
(linke Hälfte) mit symbolischer Darstellung der Wallfahrtsfeste. Unten
links sog. Briß-Miloh-Tür. Im Vordergrund 'Almemor' |
Westwand
(rechte Hälfte) mit Eingangstür (rechts unten). Oben symbolische
Darstellung von Lulaw und Etrog. Unten links Briß-Miloh-Stuhl." |
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Artikel von Theodor Harburger: Werke
jüdischer Volkskunst in Bayern.
In: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 vom 1. Juli 1932 S.
195-199.
(bitte beim Anklicken längere Ladezeit der Seiten beachten)
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
2007/2008: Visualisierung
und Erstellung eines Modells der
Bechhöfer Scheunensynagoge
Artikel aus der "Fränkischen
Landeszeitung" vom 26. Mai 2007: "Bechhöfer Synagogenprojekt
ist gesichert: Detailarbeit in New York. Hans Rosenfeld spürte in
US-Metropole Zeitzeugen auf."
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Artikel
aus der "Fränkischen Landeszeitung" vom 31. August 2007:
"Bürgermeister Distler würdigte gestern Engagement Hans Rosenfelds
für Synagogenprojekt. Bechhofen dankt gebürtigem Schopflocher. Film
mit Computer-Visualisierung des Innenraums steht kurz vor seiner
Fertigstellung." |
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Artikel
aus der "Fränkischen Landeszeitung" vom 5. September 2007:
"Synagoge in Bechhofen ist wieder zu sehen": "Die digitale
Rekonstruktion der 1938 zerstörten Scheunensynagoge in Bechhofen (Kreis
Ansbach) ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Wie berichtet, arbeitet
Produzent Jim Tobias vom Nürnberger Institut für NS-Forschung und
jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts seit einigen Monaten an einer
Filmdokumentation, die eine auf Basis historischer Fotos erstellte
Visualisierung des Gebets- und Versammlungshauses enthält..." |
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Artikel
in der "Fränkischen Landeszeitung" vom 27. Oktober 2007:
"Visualisierung der Bechhöfer Scheunensynagoge abgeschlossen.
Exemplar des Films übergeben. Zerstörtes Gebetshaus in digitaler Form
zurück. Bürgermeister Distler sprach von Meilenstein und dankte Hans
Rosenfeld für seine Initiative. Knapp 69 Jahre nach ihrer Zerstörung ist
die Bechhöfer Scheunensynagoge zumindest in digitaler Form wieder in den
Marktort zurückgekehrt. Die anhand historischer Fotos erstellte
Visualisierung des Gebäudes wurde jetzt im Rathaus der Gemeinde
übergeben." |
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Über diesen Link
kommen Sie zur Visualisierung
der Bechhöfer Scheunensynagoge
Zur Betrachtung ist als Software notwendig: QuickTime
- ein kostenloser Download ist über eine Seite
von www.apple.com möglich |
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Artikel
in den "Fränkischen Landeszeitung" vom 12. März 2008:
"Bechhofen (pes). - In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938
wurde die Bechhöfer Scheunensynagoge durch einen Brandanschlag
vernichtet... Vor acht Jahren bauten Schüler der Staatlichen Berufsschule
Rothenburg/Dinkelsbühl die Scheunensynagoge im verkleinerten Maßstab
nach, jetzt überholten und verfeierten Bewohner des Therapiezentrums
Cronheim, der Arbeiterwohlfahrt das Modell. Fenster und Beleuchtung wurden
erneuert, Unterschrank und Glashaube angebracht, um das Modell besser
gegen äußere Einflüsse zu schützen. Durch das Anbringen einer Öffnung
in der Hauswand bei der Renovierung ist nun ein besserer Einblick in das
filigrane Innenleben des Modells möglich (linkes Bild). Bänke,
Schränke, Kronleuchter und Wandverzierungen, selbst das 'Ewige Licht' -
alles in feinster Detailarbeit ausgeführt - sind nun wesentlich besser zu
erblicken, Miniatur-Thora-Rollen und ein silberner Leuchter im Original
aus Israel eingeführt worden. Am gestrigen Dienstag übergab Ingeborg von
Günther, Leiterin des Therapiezentrums (rechte Aufnahme, rechts), das
Synagogen-Modell an Bürgermeister Dieter Distler (rechtes Bild, links).
Das Modell hat zunächst im Foyer des Rathauses einen besonderen Platz
gefunden und kann zu den Dienstzeiten besichtigt werden, nicht zuletzt als
Zeichen gegen rechte Gewalt und Fanatismus. Fotos:
Schubert." |
| Website
des AWO-Therapiezentrums & Museum Schloss Cronheim mit
Seite
zur Restaurierung des Modells |
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| Vor der Restaurierung |
Öffnung in der Hauswand |
Das Innere des Modells |
Während den Arbeiten am
Modell |
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Oben: Fotos von der Restaurierung des
Modells (Quelle: AWO-Therapiezentrum)
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| Weitere
Berichte |
Gedenken zum
70. Jahrestag des Novemberpogroms 1938 (2008)
(zugesandt von Peter Karl Müller,
Kirchheim/Ries) |
Artikel
aus "Woche im Bild" (für den Raum Ansbach - Dinkelsbühl) vom
6. November 2008: "Synagoge brannte vor 70 Jahren nieder:
Bechhofen erinnert an düsteres Kapitel der Zeitgeschichte.
Die so genannte Reichspogromnacht zählt zu den düsteren Kapiteln der
deutschen Zeitgeschichte. Von der Niederbrennung der Synagogen betroffen
war damals auch das jüdische Gotteshaus in Bechhofen an der Heide, das
als Scheunensynagoge weithin bekannt war und wegen seiner einzigartigen
Innenausstattung als wertvolles Kulturgut galt. Zum 70. Jahrestag der
Reichspogromnacht findet am kommenden Sonntag, 9. November, in Bechhofen
eine Gedenkstunde statt...". |
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Adresse/Standort der Synagoge: Synagogenplatz
Fotos
(obere Reihe: United States Holocaust Memorial
Museum; nachfolgende
Reihen je nach Angabe Quelle: Buch Th.
Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
1998 S. 92-107; die meisten der Fotos sind auch in anderen Werken
publiziert, u.a. die Fotos von Alfred Evers im Jüdischen Lexikon 1927
Nachdruck 1982 Bd. IV,2 Tafel CLXIII; andere in Pinkas Hakehillot s. Lit. S.
284-285 oder im Aufsatz von Theodor Harburger in der Bayerischen Israelitischen
Gemeindezeitung s.Lit. usw.).
Die
"Scheunensynagoge"
von Bechhofen |
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Quelle der obigen Darstellung:
Bayerische Israelitische Gemeindezeitung vom 15.4.1936 |
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| Außenaufnahme der
"Scheunensynagoge" |
Rechts: Vorlesetisch (Schulchan) |
Blick über den Vorlesetisch |
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Inneres der Synagoge: Ostwand
(Foto: Alfred Evers, Bechhofen vor 1926) |
Blick zum Tora-Schrein (Aron-ha-Kodesch)
(Foto: Babette Treumann, Fürth) |
Inneres der Synagoge: Almemor
und Südwestecke (Foto: Karl Michelsohn, Ansbach) |
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| Inneres der Synagoge:
Westwand, Nordecke (Foto: Alfred Evers, Bechhofen vor 1926) |
Inneres der Synagoge: Südwand
(Foto: Alfred Evers, Bechhofen) |
Inneres der Synagoge, Detail:
Herrschaftsgebet und Menora (Foto: Babette Treumann, Fürth) |
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| Inneres der Synagoge:
Westwand, Südlicher Teil (Foto: Alfred Evers, Bechhofen vor 1926) |
Inneres der Synagoge: Westwand
(Foto: Dr. Josef M. Ritz, München, vor 1930) |
Inneres der Synagoge:
Südostecke (Foto: Babette Treumann, Fürth) |
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| Inneres der Synagoge:
Südwestecke (Foto: Dr. Josef M. Ritz, München, vor 1930) |
Inneres der Synagoge: Detail -
Wandfüllung (Foto: Dr. Josef M. Ritz vor 1930) |
Inneres der Synagoge:
Deckenmalerei (Foto: Dr. Josef M. Ritz vor 1930) |
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| Inneres der Synagoge, Detail:
Wandfüllung |
Tora-Schild aus Bechhofen
(Ende 17. Jahrhundert) |
Segensspruch, geschrieben am Dienstag, 6. Oktober 1772 |
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Synagogenplatz 2006
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2006) |
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Ausschilderung |
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| Der Synagogenplatz |
Gedenkstein |
Künstlerisch gestalteter
Gedenkstein (brennender Dornbusch) |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Theodor Harburger: Werke jüdischer Volkskunst in
Bayern. Bayerische Israelitische Gemeindezeitung. München Juli 1931 S.
195-199. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 162-164. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 146-147. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 283-287 (mit weiteren
Literaturangaben der bis 1970 erschienenen Beiträge).
|
 | Hinweis: in fast allen größeren Werken zur allgemeinen
Synagogengeschichte finden sich Abschnitte zu Bechhofen.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Bechhofen
Middle Franconia. A Jewish settlement of 20 families existed in the late 16th
century. The synagogue was destroyed in the Thirty Years War. A new wooden one,
built in 1684, was called the Barn (Scheunensynagoge) beause of its shape.
In 1732 the interior was decorated by the master painter Eliezer Sussmann,
making it famous throughout Germany. Most Jews left the town in the early 1760s
because of severe persecution. They returned to improved conditions at the
beginning of the 19th century. The Jews numbered 170 (total 810) in 1837. In the
Nazi era, Jewish homes and stores were Aryanized. All the Jews left in
1934-1938, ten to the United States and 26 to other German cities. Though the
synagogue was placed under the control of the Bavarian Office of Antiquities, it
was burned to the ground on Kristallnacht (9-10 November 1938) by local
rioters.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|