Demmelsdorf (Stadt
Scheßlitz, Kreis
Bamberg) mit Burgellern und Scheßlitz
sowie Stadelhofen (VG Steinfeld, Kreis Bamberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
In Scheßlitz (seit 1230
als Stadt genannt) lebten bereits im Mittelalter wenige jüdische
Personen. Ein Isaak von Scheßlitz wurde 1328 als jüdischer Bürger in
Nürnberg aufgenommen. 1343 wird in Nürnberg Joel aus Scheßlitz genannt. 1403
lebten in Scheßlitz vermutlich drei jüdische Einwohner bzw. Familien. Ein
nach Scheßlitz benannter Jude wohnte in dieser Zeit in Bamberg. Im Laufe des
15. Jahrhunderts werden einige weitere jüdische Bewohner genannt, letztmals um
1450.
Seit Ende des 17. Jahrhunderts werden wiederum einzelne jüdische Einwohner
erwähnt. Doch blieb es auch in der Folgezeit bei nur wenigen jüdischen
Einwohnern.
Im 19./20. Jahrhundert wurde 1900 mit 37 jüdischen
Einwohnern die Höchstzahl erreicht; die Zahlen davor und danach: 1811/12 9
jüdische Einwohner, 1867 5, 1871 9, 1880 23, 1890 30, 1900/05 37 (in acht
Haushaltungen, von insgesamt
1225 Einwohnern), 1910 33, 1925 31, 1933
30. Von jüdischen Familien werden genannt: um 1915: Familien
Ansbacher, Hausmann, Hermann, Kerschbaum, Landenberger, Satzmann (Liste in
einem Spendenverzeichnis in "Das Jüdische Echo" vom 8. April 1915 S. 268), um
1924: Familien Ansbacher, Landenberger, Rollmann, Satzmann (Liste in einem
Spendenverzeichnis in "Das jüdische Echo" vom 28. November 1928 S. 425).
Die in Scheßlitz lebenden jüdischen Personen gehörten zur jüdischen Gemeinde
Demmelsdorf (im 20. Jahrhundert daher "Israelitische Kultusgemeinde
Demmelsdorf-Scheßlitz" genannt). Eigene Einrichtungen waren in
Scheßlitz nicht
vorhanden. Die in Scheßlitz verstorbenen Juden wurden im jüdischen
Friedhof Zeckendorf beigesetzt.
Von den jüdischen Kriegsteilnehmern aus Scheßlitz im Ersten Weltkrieg wurden Leo
Ansbacher und Leo Landenberger für ihren Kriegseinsatz mit dem Eisernen Kreuz (EK II)
ausgezeichnet (in "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches
Familienblatt" vom 4. Dezember 1914 S. 3; "Dr. Blochs österreichische
Wochenschrift" vom 18. Dezember 1914 S. 880). Leo Ansbacher erhielt
zudem die
Tapferkeitsmedaille.
1933 lebten noch 30 jüdische Personen in der Stadt. Bis September 1938 ging die
Zahl auf 25 zurück. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen
Männer der Stadt festgenommen, fünf von ihnen in das KZ Dachau verschleppt.
Bis 1941 konnten 13 jüdische Personen die Stadt verlassen (zwölf davon sind
emigriert). Die letzten 13 jüdischen Einwohner wurden am 22. März 1942 nach
Bamberg verbracht, drei davon am 25. April 1942 nach Izbica bei Lublin
deportiert, neun am 9. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.
Von den in Scheßlitz geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Ansbacher
(1923), Jettchen Brückmann geb. Kirschbaum (1881),
Berthold Hausmann (1921 oder 1923), Kathi Hausmann geb. Kraus (1898), Ludwig
Hausmann (1931), Semmi Hausmann (geb. ?), Gustav Herrmann (1887), Max Herrmann (1877), Frieda
Lauer geb. Satzmann (1876), Paula Mané geb. Gerst (1884), Gretchen Rollmann geb. Satzmann (1885), Hermann
Rollmann (1869), Rosalie Rollmann geb. Satzmann (1877), Siegmund Rollmann (geb.
?), Josef Satzmann (1874), Regina Satzmann geb. Wimmelbacher (1880), Siegfried
Satzmann (1922).
Auf dem Gedenkstein am jüdischen
Friedhof in Zeckendorf stehen die folgenden Namen der ermordeten
jüdischen Personen aus Scheßlitz: Jettchen
Brückmann / Semmi Hausmann / Katty Hausmann / Berthold Hausmann / Ludwig Hausmann / Max
Herrmann / Hermann Rollmann / Rosalie Rollmann / Siegmund
Rollmann / Gretchen Rollmann / Josef Satzmann / Regina Satzmann.
In Burgellern
bestand im 17. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, vermutlich ohne eigene
Einrichtungen. 1699 wurden die jüdischen Einwohner vertrieben (siehe Bericht
unten). Beim damaligen Judenpogrom richteten sich die Angriffe vor allem
gegen Josel Levi, doch ebenso gegen andere jüdische Bewohner. Die
Unschuld Josel Levis wurde freilich bei einer nachfolgenden Untersuchung und
durch ein "Ehrenzeugnis" nachgewiesen.
Auch in
Stadelhofen
bestand im 17. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, die zumindest einen
Betsaal hatte. Beim Judenpogrom 1699 wurde in diesem Betsaal (siehe Bericht
unten) "ein gelber Vorhang von denen Zehn gebotten" geraubt. Dies meint den Raub
eines Vorhanges vor dem Toraschrank mit der Torarolle bzw. den Torarollen
(Vorhang = Parochet).
In Demmelsdorf bestand eine relativ große jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihr gehörten zeitweise mehr als die Hälfte der
Dorfbevölkerung an. Die Entstehung der Gemeinde geht in die Zeit des 17.
Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1670 Juden am Ort genannt. Bei den
Unruhen des Jahres 1699 kam es am 22. Mai 1699 zu Überfällen der jüdischen Familien des Ortes durch
räuberische Banden aus der Umgebung.
1739 wurde ihre Zahl auf sechs Familien beschränkt, was jedoch in der
Folgezeit nicht durchgehalten wurde. Die Zahl der jüdischen Einwohner im 19.
Jahrhundert entwickelte sich wie folgt: 1809/10 125 jüdische Einwohner
(61,3 % von insgesamt 205), 1811/12 136 (62,3 % von 217), 1867 94 (47 % von
200), 1880 83 (43 % von 195), 1900 80 (37 % von 216), 1910 58 (30,7 % von
189).
An Einrichtungen waren eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Konfessionsschule
(ab 1827) und ein rituelles Bad (neu erbaut 1870) vorhanden. Die Toten der jüdischen Gemeinde
wurden auf dem jüdischen Friedhof in Zeckendorf
beigesetzt, der von den Gemeinden Demmelsdorf und Zeckendorf gemeinsam
unterhalten wurde. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als jüdische
Lehrer wirkten: Jakob Marschütz aus
Pretzfeld (1827 bis 1844), Hermann Frank aus Aidhausen (1844
bis ca. 1854, zuvor in Reckendorf, danach
in Gunzenhausen), Genius
Goldschmidt (1855 bis 1873), Aron Roßmann (1873 bis 1876), Isak Weglein (1876
bis 1916,
siehe Nachruf unten; 1905 erhielten
vier Mädchen und sieben Jungen durch Lehrer Weglein den Religionsunterricht),
Jakob Adler (1916 bis 1918, im Ersten Weltkrieg gefallen), Benno Reinhold
(bis 1924, danach in Forchheim,
"Mitteilungen des Israelit. Lehrervereins für Bayern" vom 5.12.1924 S. 43),
Julius Hermann (bis 1926), David Banda (1927 bis 1934), Ludwig Fleischmann (1935
bis 1937).
Von den Vereinen in der jüdischen Gemeinde werden 1889 im "Statistischen
Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" genannt: der Verein Chewra Kadischa
(bestand zusammen mit Zeckendorf schon
1738; um 1893 unter Leitung von Landenberger in Scheßlitz), der
Verein Chewra bachurim (1889 unter Leitung von F. Herrmann), der
Armenfonds und der Frauenverein (beide unter Leitung von Fr.
Weglein, Frau von Lehrer Weglein).
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1871 Jakob Landenberger, um 1876 Jakob Heimann, um 1889/94
Abraham Heimann (oder Herrmann), um 1905/08 Ludwig Kraus (u.a. in "Der Israelit" vom 2.4.1908 S.
9), um 1911 Max Kraus (in "Der Israelit" vom 12.4.1911 S. 5),
um 1921 David Hermann (in "Der Israelit" vom 5. Mai 1921 S. 6).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Heimann (geb.
1.2.1881 in Demmelsdorf / Scheßlitz, gef. 14.9.1914, "Max Hermann" in: "Neue
jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 4. Dezember 1914
S. 6) und Kanonier Jakob Adler aus
Kleinsteinach, zuletzt Religionslehrer
in Demmelsdorf (in: Israelitisches Familienblatt" vom 25. April 1918 S. 2).
Der Name von Max Heimann steht auf dem
Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege in der Dorfkapelle links
neben dem Altar.
Um 1924, als noch 44 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (14,6 %
von insgesamt etwa 300 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Karl
Heimann jun. und Wilhelm Berg. Als Vorbeter war W. Levy tätig, als Lehrer
Julius Hermann. Er unterrichtete damals zehn jüdische Kinder im
Religionsunterricht. Zur jüdischen Gemeinde Demmelsdorf gehörten auch die in Scheßlitz lebenden 33 jüdischen Einwohner ("Israelitische
Kultusgemeinde Demmelsdorf-Schesslitz"). Die Gemeinde gehörte zum
Distriktsrabbinat Bamberg. 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Hermann
Rollmann und Semi Hausmann, beide aus Scheßlitz. Vorsteher der Repräsentanz
waren Heinrich Herrmann, Max Mannheimer, Ludwig Heimann (diese aus Demmelsdorf)
und Leo Ansbacher (letzterer aus Scheßlitz).
An jüdischen Vereinen
bestanden 1932: eine "Armenkasse" (Kupat Anijim, 1932 Vorsitzender
Max Wurzinger, Ziel: Wohltätigkeit), der Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Chewrah Kadischa (Heilige Bruderschaft, Vorsitzender Ludwig Heimann,
Ziel: Unterstützung, Bestattungswesen) und ein Frauenverein (Heilige
Schwesternschaft, gegründet 1881, 1932 Vorsitzende Marie Heimann, Ziel:
Wohltätigkeit). Lehrer David Banda erteilte 1932 12 jüdischen Kindern
Religionsunterricht.
1933 gehörten noch 42 jüdische Personen zur jüdischen Gemeinde
Demmelsdorf. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts verzog ein Teil der jüdischen Einwohner in den
folgenden Jahren von Demmelsdorf in andere Orte oder emigrierte ins Ausland (16
nach England, Südafrika und in die USA; unter den Emigranten auch der letzte
Lehrer der jüdischen Gemeinde Ludwig Fleischmann, siehe "Mitteilungen des
Jüdischen Lehrervereins für Bayern" vom 1.11.1938 S. 18). Beim Novemberpogrom 1938 kam es
zu schweren Gewalt- und Plünderungsakten gegen die jüdischen Einwohner und
ihre Wohnungen, insbesondere durch SA-Männer aus Bamberg. Dabei wurde u.a. ein
halbblinder, alter jüdischer Einwohner (Jakob Berg) aus seiner Wohnung gezerrt
und geschlagen, bis der Ortsgruppenleiter von Scheßlitz dazwischentrat und den
Misshandlungen ein Ende bereitete. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und
zu Fuß nach Scheßlitz verbracht, von hier aus auf Lastautos in das Bamberger
Gefängnis. Im April 1942 wurden die letzten 14 jüdischen Einwohner von
Demmelsdorf über Bamberg nach Izbica bei Lublin deportiert.
Von den in Demmelsdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): David Michael Banda
(1902), Helmut Banda (1929), Liddi Banda (1928), Paul Banda (1929), Ricka Banda
geb. Kannenmacher (1906), Jakob Berg (1872), Klara
(Clara) Berg geb. Satzmann (1879),
Ida Fleischer geb. Heimann (1889), Klara Goldschmidt (1859), Adelheid Haas geb.
Wahlhaus (1871), Emma Hahn geb. Heimann (1880), Katie Hausmann geb. Kraus (1898), Emil Heimann
(1885), Emil Heimann (1886), Hannelore (Hanna Lore) Heimann (1922), Louis
Heimann (1869), Max Heimann (1886), Paula
Heimann geb. Haas (1897), Siegfried Heimann (1882), David Herrmann (1879), Heinrich Herrmann (1873),
Regina Herrmann geb. Heimann (1885), Rose Himmelreich geb. Herrmann (1877),
Klara Kaufmann geb. Kraus (1865), Marta Mannheimer geb. Heimann (1892), Max Mannheimer (1882), Trude Mannheimer
(1924), Walter Mannheimer (1927), Lia Sämann geb. Weglein (1883), Ida Selling geb. Goldschmied
(1862), Hannelore
Wurzinger (1927), Hans Siegfried Wurzinger (1933), Klara Wurzinger geb. Mannheimer
(1892),
Max Wurzinger (geb. ?), Sigmund Wurzinger (1877).
Am Weg
zum jüdischen Friedhof in Zeckendorf befindet sich ein Gedenkstein mit den Namen der in der NS-Zeit
umgekommenen Juden aus Zeckendorf, Demmelsdorf und Scheßlitz. Die hier
festgehaltenen Namen aus Demmelsdorf sind: Jakob
Berg / Clara Berg / Emil Heimann / Paula Heimann / Hannelore Heimann / Max
Heimann / David Herrmann / Regina Hermann / Heinrich Hermann / Max
Mannheimer / Martha Mannheimer / Trude Mannheimer / Walter Mannheimer.
Nach 1945 gab es - zwischen Frühjahr 1946 und April 1948 - für
Überlebende aus Konzentrationslagern eine Aufnahmelager in Scheßlitz (Kibbuz
Talba - Hachschara) vgl-
https://www.after-the-shoah.org/schesslitz-kibbuz-talba-hachschara-schesslitz-kibbutz-talba-hachsharah/.
Hier lebten zwischen Mai 1946 (32) und Februar 1947/Januar 1947 (jeweils über
100) jüdische Personen, um sich von den furchtbaren Zeiten in den
Konzentrations- und Arbeitslagern zu erholen und für eine Auswanderung nach
Palästina/Israel vorzubereiten. Im Lager gab es u.a. einen Fußballverein Hapoel
Scheßlitz. In der unmittelbaren Umgebung gab es auch in Zettlitz und Zeckendorf
solche Lager.
Bericht zum Judenpogrom
in Burgellern, Schesslitz und weiteren Orten der Umgebung 1699 - Beitrag von Rabbiner
Dr. Adolf Eckstein
Artikel in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das
Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des Mendelssohn-Vereins zu
Frankfurt am Main" vom 1. Januar 1893 S. 5-7: "Die Judenplünderung in
Franken vom Jahr 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in
Bamberg.
Der 30jährige brüdertrennende und länderverheerende Glaubenskrieg, der als
Frühlingssturm überleitet von der Mittelzeit zur Neuzeit, so unsägliches
Elend und so gräuliche Verwüstung er über die deutschen Lande verbreitete,
für die deutsche Judenheit war dieses Austoben der Volksleidenschaften und
diese Ableitung des Glaubensfanatismus von wohltätigen Folgen. Denn während
die feindlichen Brüder in unversöhnlichem Glaubenszwist mit Feuer und
Schwert gegeneinander wüteten, stand das Judentum als unbeteiligter Dritter
abseits und machte sich zu eigen die Losung seines Propheten: 'Geh', mein
Volk, ziehe dich zurück ins innere Gemach und schließ die Türe hinter dir,
verbirg dich eine Weile, bis vorüber geht der Sturm.' So kommt es, dass die
entfesselten Stürme des 30jährigen Krieges vorübergezogen sind an der
Abgeschiedenheit der Judengassen, ohne größeres und nachhaltiges Unheil
anzurichten, und dass wir von einer Judenverfolgung im größeren Umfange im
ganzen Verlaufe der Kriegswirren in Deutschland nichts hören (Anmerkung:
S. Graetz: Geschichte X S. 39 ff). Erst in der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts, nachdem der aufgezehrte Fanatismus und die erschöpften
Leidenschaften neue Nahrung erhalten und neue Kraft gesammelt, kam es zu
größeren Anfeindungen und Verfolgungen, die mit der Ausweisung der Juden aus
Wien und dem Erzherzogtum Österreich im Jahre 1670 endeten. An der Wende des
17. Jahrhunderts aber, nachdem Wülfer und Wagenseil, Beide in Franken, die
'Feuergeschosse des Satans' gegen die Juden geschleudert hatten, kam es im
Frankenlande zu einem wüsten Pöbelexzess, von dem die Verfasser größerer
Geschichtswerke bisher keine Notiz genommen, trotzdem es sich um eine nicht
bloß lokale Bewegung handelt. Über dieses bisher in seinen näheren Umständen
unbekannte Faktum soll hier auf Grund des Aktenmaterials Bericht erstattet
werden (Anmerkung: Kgl. Kreisarchiv Bamberg: hist, catal. No. 375 und
Bamb.Verordnungen I).
Es war unter der Regierung des Fürstbischofs und Kurfürsten (von Mainz)
Lothar Franz von Schönborn (1693-1729), eines sonst gerechten und
liberalisierenden Fürsten. Zwar ließ auch er im Geiste der Zeit Beschränkung
auf Beschränkung häufen in handelsrechtlicher Beziehung, aber er hatte doch
soviel Sinn für das Gerechte und Geziemende und war so erleuchtet, dass er
von der allgemeinen Verordnung, nach welcher Jedermann Nachts auf den Gassen
nur mit erleuchteter Laterne erscheinen durfte, die Juden für den Freitag
Abend befreite (Anmerkung: Jäck: Jahrbücher S. 386.) Ja, er verstieg
sich sogar zu der Weisung an die Beamten seines Landes, dass sie die Juden
in Straf- und Exekutionsfällen nicht, wie das üblich gewesen zu sein
scheint, in Schweineställe sperren, 'da sie ja gleichwohlen auch Menschen
seien' (Anmerkung: Verordnung vom 24. November 1719). Es war also
unter der Regierung dieses so humanen Landesvaters, da tauchte plötzlich
ohne unmittelbare Veranlassung sozialer oder religiöser Natur Mitte Mai 1699
irgendwo im Bamberger Lande das Gerücht auf, es sei kaiserlicher und
kurfürstlicher Befehl gekommen, die Juden auszuplündern und binnen drei
Tagen aus dem Lande zu jagen. Allem Anscheine nach war das Gerücht, das sich
wie ein Lauffeuer von Ort zu Ort und von Dorf zu Dorf verbreitete, von
auswärts ins Land getragen worden durch verkommene und heimatlose Subjekte,
die den Abdruck eines gefälschten kaiserlichen Patents unter das Volk
verteilten, um bei den entstehenden Wirren im Trüben fischen zu können.
Eines Tages war ein fremder Maler Joh. Merck, der sich für einen Studenten
ausgab, in der Synagoge von
Mühlhausen erschienen, um daselbst Alles auszuspionieren, und notierte
sich sämtliche Judenhäuser des Ortes. Darauf griff er auf der Landstraße
einen Lisberger Juden an, setzte ihm den
Degen auf die Brust und zwang ihn zur Hergabe seines Rockes. Darauf forderte
er die Jugend der Umgegend auf, mit ihm zur Judenplünderung nach
Mühlhausen zu ziehen; es würde
ihnen nichts dafür geschehen; sollte der Amtmann Einen von ihnen gefänglich
einziehen, so brauche er bloß einige Zeilen nach Bamberg an die Studenten zu
schreiben, dann würden alsbald bei 500 Studenten gegen das Schloss rücken;
sollte das nicht genügen, so würde er um Succurs nach Würzburg schreiben,
dann würden die Gefangenen bald wieder freigegeben werden. Darauf setzte
sich eine Rotte von halbwüchsigen Burschen, die sich unterwegs die Gesichter
schwärzten, gegen Mühlhausen in
Bewegung. Als sie auf der Brücke vor dem Dorfe angerückt waren, kamen ihnen
drei Wächter entgegen und fragten sie, was sie denn eigentlich vorhätten.
Darauf der Bescheid: es ist Befehl ergangen, dass wir die Juden ausplündern;
die Dorfbewohner mochten sich ja nicht widersetzen, sie würden sonst alle zu
Schanden gehauen und geschlagen werden. Worauf die Mühlhäuser sagten: 'wenn
dem also, so wollten sie nichts dagegen sagen, sondern nur gebeten haben, im
Dorfe kein Feuer anzulegen.' Und mit diesen Worten verzogen sich die treuen
Wächter auf die Seite und drückten das wachende Auge des Gesetzes fest zu,
während der Schwarm unbehindert ins Dorf einzog und bei des 'Kirchen
Mojchel's Behausung' den Anfang machte mit Stürmen und Plündern. Der fremde
Maler und angebliche Student leitete dann die Plünderung in
Frensdorf, setzte von da die
Agitationsreise fort nach Burgebrach,
wo er endlich von dem dortigen Vogt verhaftet wurde.
Das Gerücht von dem obrigkeitlichen Befehl zur Judenausplünderung und
Judenaustreibung fand überall im ganzen Fürstbistum Bamberg ein gläubiges
Ohr und ein dankbares Publikum und nur wenige Beamte getrauten sich, nach
der Herkunft des angeblichen kaiserlichen Patents zu fragen und dem sich
fortpflanzenden Aufruhr hindernd entgegenzutreten. Es war eine gar zu
lockende Musik, wenn die Beuterer unter Rufen und Schreien ins Dorf
hineinstürmten mit der Nachricht, sie hätten schon mehrere Dörfer
ausgeplündert und herrliche Beute gemacht, dass sie nicht wüssten, was sie
mit den schönsten Sachen anfangen sollten, und wenn Mancher sich rühmte,
soviel erbeutet zu haben, dass er zeitlebens 'in aller Vergnügenheit' leben
könnte. Wurde doch die importierte Lüge auch von der Autorität mancher
Schulmeister, Schultheißen und Bürgermeister gestützt, welche die
Gelegenheit benutzten zum Aushetzen und Aufwühlen der Dummen, die sich der
Tragweite ihres Tuns und Beginnens nicht recht bewusst waren. In
Burgellern stand der
Bürgermeister Andreas Fiernlein an der Spitze der Agitation und begeisterte
mit seiner Bearbeitung der ganzen Umgegend und Organisierung der Banden
derartig, dass ein Bauer einen heiligen Schwur ablegte, er würde dem Juden
Josel Levi in Burgellern
Kopf und Gurgel abschneiden. Die bedrohten Juden von
Burgellern
ihrerseits erbaten sich von der fürstbischöflichen Regierung 20 Reiter zu
ihrem Schutze und gaben ihre Wertsachen zu christlichen Freunden im
benachbarten Städtchen
Scheßlitz in Verwahrung. Zwei Nächte hintereinander lauerten die
truppweise rings um das Dorf postierten Banden auf eine Fuhre Geld, die, wie
vom Bürgermeister ausgesprengt wurde, Josel Levi über
Scheßlitz bekommen
sollte. Endlich am dritten Abend, als die berußten Gesichter um 10 Uhr vor
dem Dorfe aufmarschierten, wurden sie vom Bürgermeister, der die Bewohner
seines Dorfes bereits geweckt und alamiert hatte, erwartet und mit den
Worten empfangen: 'Ihr Bluthunde, warum verbleibt Ihr so lange aus? wenn sie
diese Nacht vorübergehen ließen, würden die Juden ihr Hab und Gut in salvum
bringen und der Vogel würde ihnen aus Händen fliegen.' Aber der Räuberbande
fehlte der Mut zum Vorwärts, weil die Sage ging, dass der Leibbauer des
Juden Josel Levi zur Verteidigung desselben vier Büchsen auf dem
Tische liegen habe. Endlich feuerte einer von der Brücke aus einen Schuss
auf das Haus des Juden und dieser Schuss war das Signal zum allgemeinen
Losbrechen. Die Belagerer setzten sich von allen Seiten in Bewegung, der
Jude David schrie auf der Straße 'Feurio', in der Dunkelheit der
Nacht wurde bald da bald dort gepfiffen, die Kirchglocke läutete Sturm,
unter dem Rufe: 'Ihr Christen raus!' brach man durch Türen und Fenster in
das Haus des Josel Levi, während derselbe mit einem Säckchen Geld
unterm Arm flüchtete, und plünderte und machte zur Beute bei ihm wie bei den
andern Juden des Ortes alles, was nicht niet- und nagelfest war.
(Fortsetzung folgt.)"
Fortsetzung in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über
das Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des
Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt am Main" vom 1. Februar 1893" S. 28-29:
"Die Judenplünderung in Franken v.J. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner
Dr. A. Eckstein in Bamberg.
Und wie in Burgellern
so rotteten sich an ca. 36 Ortschaften des Fürstbistums Bamberg zusammen
'Bauern, Bauerssöhne, Dienstknechte, Buben, Weiber, Töchter und Mägde', die
Männer mit Beilen bewaffnet und die Weiber mit Säcken versehen, um allerlei
Plunder einzupacken und mitzunehmen; Alles wurde mitgenommen und nichts
verschmäht, bis auf das Schächtmesser und die Gebetbücher, bis auf die
Tresse vom Gebetmantel, bis auf die Armenbüchsen in den Synagogen, sogar
'ein gelber Vorhang von denen Zehen gebotten' (sc. Parochet,
Toraschreinvorhang) wurde in
Stadelhofen (bei Scheßlitz) mitgeraubt. Ein jüdischer
Zeitgenosse klagt in einer handschriftlichen Notiz (Anmerkung: Auf dem
Titelblatt eines Heidenheim I546 gedruckten Buches im Besitze des Herrn
Lehrer Nordhauser in Altenkunstadt.
Die Notiz, deren Inhalt bis ins Einzelne mit den Archivakten übereinstimmt,
verdanke ich der Güte des Herrn Rabbiner Dr. Cohn in
Burgkunstadt): 'Am Sonntag vor
dem Sabbat 'Bechukothai" des Jahres 5459 (= 17. Mai 1699) rotteten sich im
ganzen Lande Bamberg in ca. 36 Ortschaften die Bauern zusammen, um uns das
Unsrige wegzunehmen, kein Ort und kein Jude ist verschont geblieben. Auch
die Synagogen sind verwüstet und die Torarollen sind zerschnitten worden,
auch mir ist eine Torarolle in vier Stücke zerschnitten worden. G'tt sei
Dank ist kein einziges Menschenleben angerührt worden.' Nun, wenn auch
bei dieser würdigen Sonntagsfeier des christlichen Pöbels und anscheinend
überhaupt im ganzen Verlaufe der Bewegung kein Verlust an Menschenleben zu
beklagen war, so sind doch Menschenleben oft genug bedroht worden. Auf
öffentlicher Landstraße wurde der Jude Krauskopf aus
Hallstadt von
Bewaffneten angefallen und 'bis auf das Hembt' ausgezogen, während Einer die
Frau des Löw Michael in
Mistelfeld auf offener Gasse 'wie ein Bär' angefallen, zu Boden
geworfen, herumgeschleift und so lange gepeinigt, bis sie ihre in den
untersten Unterkleidern verborgenen Schätze herausgab. Sogar die in der Erde
verborgenen und vergrabenen Schütze wurden herausgewühlt, wobei allerdings
die Juden nicht überall die Dinge ohne Gegenwehr geschehen ließen, da von
einem der Plünderer berichtet wird, er sei 'sehr übel und hart gehieben und
beschädiget worden, dass er wohl schwerlich ohne Lähmung davon kommen
dörffte'. Auch in der Stadt Bamberg selbst scheint der Pöbel einige Orgien
gefeiert zu haben, doch darüber fehlt bisher die nähere Kunde. (Anmerkung:
Schudt Jüd. Merkwürdigkeiten I S. 395: 'Die Juden haben sehr neulich
abermals von einem zusammengelaufenen Gesinde in der Stadt Bamberg und der
benachbahrten Landschaft ausstehen müssen).
Zur Erinnerung an diese hier geschilderten Heimsuchungen setzte der damalige
Landesrabbiner von Bamberg Mendel Rothschild einen Fasttag ein, der
alljährlich am 29. Nissan durch Liturgie und Spendengaben gefeiert werden
sollte und noch jetzt in Bamberg als sogen. 'Zwetschgen-Taanith' bekannt ist
und gottesdienstlich gefeiert wird. Den Ritus für die Feier dieses
'unbekannten Fasttags' beschreibt auf Grund einer handschriftlichen Notiz
Kobak (Jeschurun, Jahrg. VI., Heft I., S. 31), dem das Datum und die
näheren Umstände noch vollständig unbekannt waren. (Anmerkung: Erst G.
Wolf (Monatsschrift 18 S. 379) bezieht den Fasttag auf die Judenplünderung
des Jahres 1699. Zunz (Ritus S. 127) kennt den Fasttag nicht und ist danach
zu ergänzen. Mendel Rotschild soll übrigens mder Stammvater des Hauses
Rothschild sein. Vgl. Levysohn: Naffschot zadikim Nr. 41) Zur Begründung
der sonderbaren Bezeichnung des Tages als 'Zwetschgen - Taanith' wird
daselbst auf eine Volkssage verwiesen, welche Wahrheit und Dichtung
durcheinander mischt. Die Archivsakten geben völlige Klarheit auch über
diesen Punkt. Der oben genannte Josel Levi in
Burgellern, gegen
welchen als gegen den reichsten Juden des Ortes die Wut des aufgereizten
Pöbels am meisten gerichtet war, hatte auf dem Boden seines Hauses ca. 600
Zentner Zwetschgen liegen, auf welche der oben genannte Bürgermeister und
seine Raubgenossen ein besonders lüsternes Auge geworfen hatten und die dann
auch geplündert und unter die Beuterer verteilt wurden. Ein anderer reicher
Jude in Burgellern,
der als der 'rote Jude" genannt wird, hatte ca. 197 Zentner Zwetschgen, die
er in der kritischen Zeit von einem dazu bestellten Fuhrmann verladen ließ,
um sie auf dem nahen Schlosse Giech zu bergen, als ein Müllersknecht
gelaufen kam mit dem Rufe: es würde nichts mehr ins Schloss gelassen und die
Leute wären schon da, um den Juden völlig auszuplündern. Hierauf schüttete
der Fuhrmann die Ladung wieder aus und die Spolianten fielen über den Haufen
Zwetschgen her. Da nun seit 1654 der Sitz des Landesrabbinats in dem
benachbarten Zeckendorf
war (Anmerkung: S. Pottler: Repertorium über die Hochfürstlich Bamberger
Verordnungen S. 47a, Nr. 19), so liegt es ziemlich nahe, dass der Tag
der Zwetschgen-Plünderung zum Fasttag bestimmt wurde und dass die Erinnerung
des Volkes an dies hervorragende Faktum anknüpfte.
Wir nehmen nun nach dieser Abschweifung den Faden der geschichtlichen
Darstellung wieder auf. Die oben im Zusammenhange geschilderte Bewegung
gegen die Juden nahm einen allgemein bedrohlichen Charakter an, die Revolte
streifte an Revolution. Der Appetit kam mit dem Rauben und Plündern, der
Verderber war losgelassen und machte keinen Unterschied mehr, und so kann es
uns nicht Wunder nehmen, dass man sich schließlich nicht mehr mit den Juden
begnügte, sondern dass z. B. in
Adelsdorf die Rädelsführer an der Spitze einer Bande ins Dorf
fielen und die Häuser auch der Nichtjuden plünderten und verwüsteten. Der
Vogt von Steppach, Herr v. Truchseß, bekam ein anonymes Schreiben des
Inhalts: er möge die Juden hinauswerfen und sich selbst von dannen
reterieren. Die bedrohten Juden hatten in ihrer Not und Angst Wertsachen und
Mobilien in die Häuser befreundeter Christen und in die Schlösser der
Adeligen geflüchtet, um sie daselbst zu bergen; aber auch diese boten keine
Sicherheit, auch die Christenhäuser und die Schlösser des Adels wurden
gestürmt und geplündert. Das war Rebellion, da durfte man nicht zusehen und
geschehen lassen, da musste mit Energie Einhalt geboten werden. (Fortsetzung
folgt.)"
Fortsetzung in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über
das Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des
Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt am Main" vom 1. April 1893" S. 79-81:
"Die Judenplünderung in Franken v.J. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner
Dr. A. Eckstein in Bamberg. (Fortsetzung.).
Als das Toben und Beutemachen Mitte Mai 1699 losging, waren die Stände des
fränkischen Kreises gerade in Nürnberg zum Konvent versammelt. Die Nachricht
von den Vorgängen und Geschehnissen im Fürstbistum Bamberg, die ja so leicht
die Nachbargrenzen überschreiten konnten, rief eine lebhafte Beunruhigung
des Konvents hervor und es wurde beschlossen, sofort ein geharnischtes
Patent zu erlassen und nötigen Falles mit der gesamten Militärmacht des
gesamten fränkischen Kreises einzuschreiten. Das erwähnte Patent lautet
also:
'Demnach einige Fürsten und Stände dieses löbl. Fränkischen Kreises dem
allhier versammelten allgemeinen Kreis-Konvent nachrichtlich anfügen lassen,
welcher gestalten sich in verschiedenen Orten allerhand loses und
liederliches Gesindlein nicht allein zusammen rottiret, sondern auch unter
dem praetext eines wider die Juden abgefassten Hasses, wirkliche Rauberei
und Plünderungen sowohl in Juden-Häusern, als adeligen Schlössern, wohin ein
und andere Jüdische Mobilia etwan haben salviert werden wollen, vorzunehmen,
unterfangen, auch es fast das Ansehen gewinne, als ob allerhand Untertanen
und Bauers-Volk sich demselben ebenfalls beizugesellschaften nicht ungeneigt
seie, die vorhandene Reichsund Kreis-Schlüsse hingegen genügsame Zihl und
Maß geben, dass dergleichen dem gemeinen Wesen höchstschädlicher und zur
Unsicherheit der Land- und Leuten, wann nicht in Zeiten vorgebogen wird, gar
bald ausschlagenden Empörungen nicht nachgesehen, sondern denenselben, durch
Zerstreuung sothaner zusammenrottierter böser Leute, mit allem Ernst und
Eifer, abgeholfen werden solle, welches man dann auch, gesamten Kreises
wegen zu tun, im wirklichen Begriff ist. Als werden, im Nahmen sämtlicher Hn.
Fürsten und Stände des obgedachten löblichen Fränkischen Kreises, alle
denenselben angehörige Untertane und in dero Schutz Aufgenommene,
vermittelst dessen erinnert, an sothanen und dergleichen Tätlichkeiten, es
möge selbe wieder Juden oder Christen abziehlen, bey Leib- und Lebens-Straff,
keinen Theil zu nehmen, noch vielweniger aber dem herum vagiren- den
liederlich- und losen Gesindlein anzuhangen, Unterschlaiff zu geben, oder
sich gar zu demselben zu schlagen, aufs was Weiß auch solches sehn könne
oder möge; Nebst deine ergehet an alle Amt-Leut und Befehlshabere hiermit
die gemessene Verordnung, daß sie, äußersten Kräften nach, sich angelegen
sein lassen sollen, die vermessene Contravenienten, wann sie ausgekundschaft,
oder behörig überzeugt werden, ohne einiges Nachsehen, so balden Handvesten,
und bis auff weiters erfolgende Herrschaftliche Verordnung bei Verlust
ihrer Chargen und Ämter, auch mehr anderer schweren Ungnaden und Straffen,
gefänglich anhalten zu lassen; dessen man sich zu geschehen versiehet.
Signatum Nürnberg bey noch fürwehrendem allgemeinen Fränkischen
Kreis-Konvent den 26./16 May 1699. (Anmerkung: Vgl. hierzu die in der Monatsschr. vorigen Jahres 1869 5. 469 erwähnte Eingabe des Fürstbischofs v.
Bamberg an den Kaiser Josef I. vom 2. März 1706).
Dieses Patent scheint zunächst keinen tiefen Eindruck auf das 'liederliche
Gesindlein' gemacht zu haben. Denn schon 8 Tage nach der Herausgabe
desselben lassen die Regierungsräte des Fürstbischofs von Bamberg in
Abwesenheit desselben ein Ausschreiben ergehen an sämtliche Beamte des
Landes des Inhaltes: Von leichfertigem Gesindel, das nicht einmal dem Stift
angehörig, sind Räubereien und Plünderungen gegen die Judenschaft vor
einiger Zeit geschehen. Damit man die Bambergischen Untertanen nicht in der
Nachbarschaft und im ganzen römischen Reiche zu ihrem und ihrer Kindeskinder
ewigen Schandflecken für Räuber und Rebelleu ausschreie, und nachdem ferner
bereits veranlasst worden, dass nötigen Falles des gesamten fränkischen
Kreises Miliz und sämtliche Regimenter zu Ross und zu Fuß zusammen gezogen
werden, ergeht der Befehl: Die Beamten sollen die Untertanen an ihre
Pflichten erinnern, daß sie nötigen Falles dem Gesindel sich mit bewaffneter
Hand entgegenstellen und Gewalt mit Gewalt vertreiben. Sollten unter den
Rotten sich einige Begüterte befinden und lebendig oder tot eingeliefert
werden, so soll ihr Hab und Gut eingezogen, verkauft und der Erlös zur
Recompense der Juden verteilt werden. (Verordnung v. 24. Mai 1699.)
Mit welchem Ernste und mit welcher Energie die Angelegenheit aufgefasst und
betrieben wurde, ersieht man daraus, dass schon am nächstfolgenden Tage, den
25. Mai, abermals von den höchsten Hofbeamten in Abwesenheit des
Fürstbischofs eine ernste Verwarnung veröffentlicht wurde des Inhalts: Es
ist landeskundig, dass seit einiger Zeit eine Rotte verwegener Bösewichter
in verschiedenen Bambergischen Dorfschaften Vergewaltigung und Plünderung
der Judenschaft ausgeübt. Es wird nochmals gewarnt vor dem Unglück, das
daraus entstehen könnte.
Es ist anzunehmen, dass das Kreispatent und die verschiedenen Ausschreiben
auf Drängen und Betreiben der im Fürstbistum wohnenden Juden mit veranlasst
worden sind. Auch an den Kaiser Leopold (1640—1705) hatte sich die
Judenschaft beim Ausbruch des Aufstandes klagend gewandt, zugleich mit der
Bitte, die Wiedererstattung der beschädigten und geraubten Vermögensobjekte
veranlassen zu wollen. Ihre Klage und Bitte fand an höchster Stelle
Erhörung, indem der Kaiser, allerdings post factum, als die Ereignisse es
bereits überholt hatten, nachfolgendes Patent ergehen ließ, das in der Stadt
Frankfurt, als dem frequentiertesten Handelsplätze, öffentlich angeheftet
werden musste:
'Wir Leopold von Gottes Gnaden, Erwählter Römischer Kaiser etc.
Demnach Uns von unterschiedlichen Orten die Nachricht zugekommen, auch von
denen in dem Fränkischen Kreis hin- und wider wohnenden Juden,
alleruntertänigst geklagt worden: Was Massen sich unlängst im jetzigen Kreis
eine große Menge allerhand loses und liederlich Gesindts zusammen rottieret,
welches aus einem gegen die Juden gefassten Hass, und sogar mit Vorweisung
eines vermessentlich erdichteten Kayserlichen Patents (vermög dessen
Jedermann erlaubt sein soll, alle Juden im Römischen Reich, an Hab und
Güter, das Leben allein ausgenommen, aufs äußerste zu verfolgen und
anzugreifen bereits an etlichen und dreißig Orten würckliche Rauberey und
Plünderung dergestalt verübet, dass sie nicht allein in die Juden-Häuser mit
Gewalt eingedrungen, und dieselbe völlig aufgeplündert, sondern auch
verschiedene Adeliche Schlösser, und andere Häuser, wohin teils Juden ihre
Mobilia etwan in Sicherheit zu bringen vermeint, mit gleicher insoleus
angefallen und misshandelt, dieser Rott sich auch von Tag zu Tag vergrößere,
und immerhin noch mehrers Land-Volk sich darzu zuschlagen, durch obberührtes falsches Patent verleitet werde: Uns aber von Kaiserlichen
allerhöchsten Amts wegen oblieget, sowohl allen und jeden Unseren und des
Heil. Reichs Untertanen, wider unrechtmäßigen Gewalt gehörigen Schutz und
Schirm zu halten, als auch gegen dergleichen höchst-gefährliche und Landts-
verderbliche Aufständ und Empörungen unverlängtes und ernstliches Einsehen
zu tun: Als ermahnen Wir zuvörderst alle und jede Unsere und des Heil.
Reichs Untertanen und Getreue, dass sie oberwehntem Patent, als welches von
uns nie ausgangen, sondern von bösen Leuten und Aufrührern strafmäßig
erdichtet worden, keinen Glauben beimessen, noch sich oberzählten
Muthwillens und Land-Friedbrüchiger Handlung teilhaftig machen, viel weniger
solchem herum schwebenden losen Gesind anhangen, Hülst. Vorschub oder
Unterschleiff geben sollen, auf keine Weiß noch Wege, bei Verlust Hab und
Güter, Leib und Lebens. Wir gebieten auch darauf allen und jeden Kurfürsten
und Ständen des Reichs, insonderheit aber des Fränkischen Kreises hiermit
von Röm. Kaiserlicher Macht ernstlich, und wollen, daß Sie in Ihren Land und
Gebieten, nicht allein der aufgenommenen Judenschaft, wider alle
Unbillichthätlichkeit und Vergewaltigung den Obrigkeitlichen Schuh und
Schirm leisten, sondern auch dem Räuberischen Hausten, und ihren Helstern,
oder Zugetanen Ihres besten Vermögens, mit allem Ernst und Fleiß
nachtrachten, nacheylen, dieselbe trennen, und Handfest machen, in specie
auch gegen den Urhebern und Verfasser obbedeuten falschen Patents genau
inguiriren lassen, und gegen dieselbe mit Straff, und in andere Wege, wie es
die gemeine Recht- und Land-Friede, auch andere Reichs-Ordnung vermögen und
ausweisen, verfahren, nicht weniger auch denen Beschädigten und Beraubten,
zu Recuperirung des Ihrigen, in alle Wege verhülfflich seyn sollen, daran
beschicht Unser gnädigster Will und Mainung. Geben in Unserer Stadt Wien,
den 16. Juni 1699' etc. Leopold. *) (Fortsetzung folgt.)"
Fortsetzung in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über
das Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des
Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt am Main" vom 1. Mai 1893" S. 103-106: "Die
Judenplünderung in Franken v.J. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr.
A. Eckstein in Bamberg. (Schluss.).
Die Drohung, welche im Kreispatent vom 16. Mai und im Ausschreiben der
bischöflichen Regierung vom 24. Mai ausgesprochen war, dass nötigen Falles
'von gesammten Kreises wegen' militärisch eingeschritten werden würde, war
kein leeres Wort. Dem ernsten Worte, als es keinen Erfolg hatte, folgte
alsbald die ernste Tat. Mitte Mai hatten die Ausschreitungen ihren Anfang
genommen, die erst Mitte Juni des Jahres 1699 ihr Ende erreichten; aber
schon Anfang Juni vereinigte sich eine Militärabteilung aus Nürnberg mit
einer Militärabteilung aus Bamberg zu einer Strafexekution unter
Leitung und Kommando des Oberstleutnants Hans Georg von Lauffer, der
als bischöflicher Kommissarius die Untersuchungen leitete und das
Strafgericht verhängte. Es war der rechte Mann am rechten Orte, ein Mann,
ausgezeichnet ebenso wohl durch von Humor gewürzte Bildung als durch
unermüdliche Energie, der, wo es nötig schien, auch den Büttel des Korporals
nicht schonte. Wie im Fluge eilte er mit seiner Strafexpedition von Ort zu
Ort und von Dorf zu Dorf, nahm überall in öffentlicher Gemeindeversammlung
die schärfsten Inquisitionen vor, zwang die Plünderer zur Herausgabe und
Wiedererstattung der geraubten Beute an die jüdischen Eigentümer, legte in
die Häuser der Schuldigen Einquartierung und ließ die Rädelsführer und
Schuldigen 'erster Klasse', wie er sich in seinem ausführlichen Berichte an
den Fürstbischof ausdrückt, in Ketten gefesselt nach Schloß Giech oder nach
Forchheim abführen und daselbst
internieren. Während seiner Anwesenheit in
Stadelhofen am 17.
Juni kamen zwei Abgesandte aus dem benachbarten Königsfeld, um ihn zu
fragen, mit welchem Rechte er ihre Kommune mit Einquartierung belegt und
einige derselben gefänglich eingezogen habe. Die Antwort auf diese Frage
wurde mit einer nicht misszuverstehenden Deutlichkeit gegeben: 'Als
Beauftragter des Churfürsten habe mich die Wahrheit zu gestehen, nicht
enthalten können, diesem losen Vogel und gesanden, auf seine vermessene
goschen Ein dichte Maulschellen anzuhenken, mit dem Beisatz, sich damit
seiner Wege zu trollen' und diese Antwort seinen Auftraggebern mitzubringen.
An einem andern Orte hatte ein Angeschuldigter geleugnet und war des
Falscheides überführt worden. Von ihm berichtet v. Lauster als Vorsitzender
der Untersuchungskommission: 'damit nun die vorhergegangene temerität, und
Gottesbeleidigung im schwöhren nicht ungestraft dahin gehen möge, Als habe
Ihm, nach dem Sprichwort: 'qui non habet in aere, luat in cute' zum valete
ettlich und zwantzig Brügel, deren Er sich lieber bedanket hette, geben
lassen." Wieder an einem andern Orte ließ der schneidige Führer der
Strafexpedition die überführten Plünderer sich gegenseitig das wambs
ausklopfen, bis die Spoly herbeigeschafft.' Einen verstockten Leugner ließ
er 'dem leiblichen exerciiio eines Corporals mit einem guten stock
untergeben, bis ihm der Rücken in etwas durch diese wohlwirkend stocksalben
aufgeweichet worden" und er eingestanden, dass er das geraubte Geld in
seinem Keller vergraben.
Auch über die Motive der Judenplünderung verdanken wir dem Berichte
des bischöflichen Kommissarius einen schätzenswerten Beitrag. Man wird sich
erinnern, dass in BurgellernJosef Levi das am meisten leidende Opfer der Volkswut und das
Hauptobjekt des Angriffs gewesen. Nun stellt ihm der Komissarius in seinem
Protokolle über die stattgehabten Untersuchungen in
Burgellern am 19. Juni
das folgende Ehrenzeugnis aus: 'Bei dem bishero angehaltenen Examine habe
nicht ermangelt, angelegentlich zu expisciren, ob vielleicht ein und anderer
einige Gravamina gegen Josel Juden einzuwenden hätte, und dadurch zu der
ausgeübten verfolg- und Plünderung umb so ehender Veranlassung nehmen
können. So habe aber durchgehends die antwort erhallen, dass Ihnen
keine Beschwerde wieder den Josel Juden im geringsten nicht wissent seyen,'
da sie Alle nur ein Opfer der Verführung wären. Es war also nichts weiter
als gemeine Habsucht und Räuberei und kein tiefer liegendes Motiv religiöser
oder sozialer Natur, das zur Entladung gespannter Volksleidenschaften hätte
führen müssen, und sehr treffend ist die Bemerkung, mit welcher sich ein der
Bedrohung Angeschuldigter vor der Untersuchungskommission verteidigt:
'dergleichen Gedanken seien ihm von Gott nicht, sondern von dem bösen
Geist eingeblasen worden.' — Die Untersuchungen des Oberstleutnants von
Lauser und damit die traurigen Ereignisse der Judenplünderung wurden beendet
am 29. Juni 1699.
Die Ereignisse des Jahres 1699 hatten noch ein kleines Nachspiel in einem
Prozess, der im Jahre 1740 bei der fürstlichen Regierung in Bamberg anhängig
gemacht wurdet (Anmerkung: Über dieses Nachspiel ist ein kurzer Bericht
veröffentlicht von H. Epstein (Monatsschrift vorigen Jahres 1880 S. 507), wo
das Datum '21. Mai 1700' als Tag der Judenplünderung in Kronach dem
Archivsact irrtümlich statt 1699 nachgeschrieben ist, da es sich daselbst um
einen Gedächtnisfehler des Deponenten handelt) und der uns noch eine
willkommene Ergänzung bietet zur Geschichte der Judenplünderung. Im Jahre
1740 starb nämlich in Graitz (bei Burgkunstadt) der dortige Pfarrer Joh.
Heinrich Höhn mit Hinterlassung eines Vermögens von ca. 20.000 fl., die er
einer Schwester und deren Kinder vermachte, während die Halbgeschwister mit
wenig oder nichts bedacht wurden. Der bei der Erbschaft leer ausgegangene
Halbbruder des Verstorbenen, der Schuhmacher Adam Höhn aus Kleinreuth bei
Fürth, deponierte nun bei einem Notar in Kronach, dem Stammsitz der Familie,
im Beisein und in Übereinstimmung seiner beiden Schwestern am 21. Mai 1740
folgende Aussage:
Als am 21. Mai 1699 in Kronach die 5
Judenhäuser von einer Rotte geplündert wurden, da sei auch er als 13-jähriger Knabe mitgelaufen und habe zwei Dutzend Strümpfe aus dem Hause des
Juden Hirsch entwendet, die er seinen Eltern eingehändigt, als diese
von der Wallfahrt nach Marienweiher (Anmerkung: Dorf im Bambergischen mit
einem Franziskanerkloster) heimkehrten. Seine Schwester Anna
aber habe damals als 10-11 jähriges Mädchen aus dem Hause eines Juden,
dessen Namen er jetzt nicht mehr wisse, ein Kästchen mitgenommen und den
Eltern zugetragen, darin enthalten waren: ein Knäuel massives Gold, so groß
wie ein Hühnerei, eine silberne Kette, die seinem Bruder, dem eben
verstorbenen Herrn Pfarrer, zweimal um den Leib ging, zwei goldene
Schlangenringe für den kleinen Finger, drei silberne Ringe, ein silberner
Esslöffel und etwa 10 Rthl. altes Geld, das Alles im Werte von ca. 500 fl.
Dieses Kästchen mit seinem wertvollen Inhalt habe sein verstorbener Vater
seinerzeit unter der Stiege seines Hauses vergraben. Als man aber dann so scharfe
Inquisition gehalten, da habe sein Vater all die geraubten Judensachen in
eine Kotze eingepackt, die er ihm auf den Rücken legte, mit dem Auftrage,
sie nach Zeuln zu tragen, wo sein Bruder damals Pfarrer war. Sollte
ihn jemand unterwegs fragen, was er da trüge, so sollte er sagen: 'weiße
Wäsche an meinen Herrn Bruder.' Unterwegs, gesellte sich eine Dirne zu ihm,
die ihm den Pack ein Stück Weges tragen half und schließlich den Inhalt
desselben untersuchen wollte. Er habe aus Furcht vor seinem Vater heftig zu
weinen angefangen und eine des Weges kommende Bekannte von ihm bat die
Dirne, sie möchte dem Knaben die Sachen lassen, da er einen bitterbösen
Vater habe. Darauf sagte die Dirne: 'O das seiend lauter Sachen von denen
Kronacher Juden, wann er mir nichts davon schenkt, so will ich ihm angeben.'
Anfangs leugnete er, doch habe er ihr schließlich ein Paar Strümpfe
geschenkt und damit 'ginge das Mensch von ihm.' Hierauf glücklich angelangt
bei seinem Bruder, dem Pfarrer in Zeuln, habe derselbe ihn freundlich
ausgenommen und die gestohlenen Judenwaren sofort ausgepackt und aufgehoben.
Kurz darauf habe es sich zugetragen, dass jene Dirne die ihr geschenkten
Strümpfe bei einem Juden in Bamberg habe
verkaufen wollen. Der Jude aber erkannte sofort, dass die zum Verkauf
angebotenen Strümpfe Kaufmannsgut und mithin gestohlen seien. Sie wurde
festgenommen und zum Vicedomamt gebracht, wo sie ein umfassendes Geständnis
über Herkunft der Strümpfe ablegte. Sofort erging ein Regierungsbefehl nach
Kronach, die ganze Familie Höhn in Haft
zu nehmen. Seinem Vater wurden 6 Reiter ins Haus gelegt, Mutter, Tochter und
Sohn wurden verhaftet. Ja, man habe ihn damals so scharf ins Verhör
genommen, dass er von zwei Korporälen 50 Stockschläge bekommen und ihm
gedroht wurde, man würde ihn mit glühendem Eisen brennen, wenn er nicht
gestehen wollte. Trotzdem habe er aus kindlicher Furcht vor seinem
jähzornigen Vater nicht das mindeste eingestanden, bis die Familie gegen von
seinem Vater aufgebrachte Kaution aus der Haft entlassen wurde. Der Herr
Pfarrer aber habe seine Familie stecken lassen und die gestohlenen Sachen
bei sich behalten.
So weit das vor dem Notar in Kronach im
Jahre 1740 deponierte Geständnis des Adam Höhn über die Ereignisse des
Jahres 1699. Der Notar übermittelt diese Aussage an das Stadt-Vogteiamt in
Kronach, der Stadtvogt Dr. Kropff macht darüber am 11. Juli 1740 die
pflichtschuldige Anzeige an die bischöfliche Regierung in Bamberg. Auf Grund
des Notariat-Instruments erhebt nun der Schutzjude Low Capel in
Kronach Restitutionsklage bei der
bischöflichen Regierung: man möge die vor 40 Jahren verhandelten Acta genau
einsehen, er habe damals öffentlich beschworen, dass ihm ein Kästlein mit
dem oben näher bezeichneten Wertinhalt entwendet worden sei, und nun möge
ihm sein Eigentum aus der Hinterlassenschaft des Pfarrers Höhn
wiedererstattet oder ersetzt werden. Vor dem bischöflichen Malefizamte wird
nun nicht nur Adam Höhn, der seine Aussage in allen Punkten aufrecht
hält, sondern auch dessen Schwester Anna verhört, welche der Aussage
des Bruders noch hinzufügt: Zwar habe der Pfarrer früher behauptet, er habe
all die gestohlenen Judensachen einem Franziskanerpater in Marienweiher
übergeben, sie wisse aber ganz bestimmt, dass das Kästchen sich noch bei der
Erbschaftsmasse vorgefunden hätte. — Welchen Erfolg die Klage des Juden
Löw Capel gehabt, ob und inwieweit er zu dem Seinigen gekommen, darüber
geben uns die Akten keinen weitern Aufschluss."
Aus der Geschichte der jüdischen
Lehrer und der Schule
"Aus der Chronik einer ländlichen Religionsschule. Ein
Kulturbild aus der guten alten Zeit." Beitrag von Rabbiner Dr.
Adolf Eckstein (erschienen in: Bayerische Israelitische
Gemeindezeitung vom 1. Oktober 1929)
Am 19. Oktober 1827 hielt Jakob Marschütz aus
Pretzfeld als Privatlehrer der
israelitischen Schuljugend seinen unfeierlichen Einzug in Demmelsdorf bei
Bamberg. Die Kenntnis dieser nicht gerade welterschütternden Tatsache verdanken
wir einer Verordnung des bayerischen Kultusministeriums vom 24. Juli 1833
betreffend die Anlage einer Statistik und die Führung von 'Notizenbüchern in
deutschen Schulen'. Über Inhalt und Zweck derselben heißt es: 'Das Notizenbuch
soll in zwei Hauptteile geteilt werden. Der erste Hauptteil ist geschichtlichen
und statistischen Inhalts. Derselbe soll daher von der Stiftung der Schule,
ihren bisherigen Inspektoren und Lehrern, überhaupt von ihren früheren
Schicksalen und Zuständen soviel enthalten, als bekannt ist.' (Anm.:
veröffentlicht im Kreis-Intelligenzblatt des Obermainkreises, Bayreuth, den 19.
März 1837). Dadurch sollte eine in allen Beziehungen treue Überlieferung über
die bayerischen Schulverhältnisse an die Folgezeit gesichert werden.
Diese Anweisung folgeleistend hat Lehrer Marschütz ein solches 'Notizenbuch'
oder richtiger eine Schulchronik angelegt und mit peinlicher Sorgfalt und
Sauberkeit in kalligraphischen Schriftzeichen geführt. Diese von seinen
Nachfolgern fortgesetzte Chronik hat sich in gutem Zustande (in Folio-Format)
erhalten. Eingangs derselben berichtet Marschütz, dass er alsbald nach seinem
Einzug in Demmelsdorf bei dem königlichen Landgericht Scheßlitz und beim
Distriktsschulinspektor Pfarrer Haas daselbst seinen Antrittsbesuch gemacht
habe, 'von beiden Behörden mit Wohlgefallen aufgenommen, zugleich aufgemuntert,
nunmehr kräftig mitzuarbeiten, um die bisherige Privatschule von Demmelsdorf in
eine öffentliche umzuschaffen.' Daraus geht hervor erstens, dass Marschütz ein
vorschriftsmäßig vorgebildeter Schullehrer gewesen ist, zweitens, dass gerade
von behördlicher Seite die Errichtung von israelitischen Volksschulen - gemäß
§ 33 des Edikts vom 10. Juni 1813 - angestrebt und gefördert wurde, und
drittens, dass dieser Plan damals anscheinend an dem passiven Widerstand der
Gemeinde gescheitert ist. Denn wohl erteilte Marschütz zunächst den gesamten
deutschen Elementarunterricht, aber er berichtet weiter in bescheidener
Selbstbeurteilung: 'Sein Fleiß, wie überhaupt sein Verhalten ward so
verdienstvoll anerkannt, dass er am 27. April 1828 von sämtlichen
israelitischen Einwohnern freiwillig zum Religions-, auch hebräischen
Sprachlehrer gewählt und ihre Wahl dem königlichen Landgericht zur
Begutachtung und zur höchsten Genehmigung der königlichen Regierung
schriftlich vorgelegt wurde.'
Die Bestätigung der Kreisregierung erfolgte am 10. September 1828 und am 19.
November wurde er 'als Lehrer der mosaischen Religion und der hebräischen
Sprache' in sein Amt feierlich eingewiesen. Sein Diensteinkommen betrug außer
freier Wohnung, die aus einer bescheidenen Stube im oberen Stockwerk eines
Privathauses bestand, jährlich 160 Gulden, ein Gehalt, das man heutzutage aus
zwiefachen Gründen nicht als 'fürstlich' bezeichnen kann. Die Schule musste
gleichfalls in einer Privatstube abgehalten werden. Zwar verordnete ein hoher
Befehl der königlichen Regierung vom 10. September 1828, dass binnen längstens
einem Jahre ein für Schulunterrichtszwecke geeignetes Lokal ausgemittelt werden
sollte, aber die Gemeinde hatte damit durchaus keine Eile. Da die im Anbau der
Synagoge gelegene Wohnung des früheren Vorsängers - laut Bericht der Chronik -
so unreinlich und feucht war, dass sie 'für Menschen unbewohnbar wurde',
beschwerte sich der Lehrer im Jahre 1832 beim königlichen Landgericht und beantragte,
dass die Gemeinde behördlicherseits zu einer gründlichen Instandsetzung der
Amtswohnung und zur Einrichtung einer für Schulzwecke geeigneten Räumlichkeit
angehalten werden möge. Nach mehreren fruchtlos gebliebenen Versuchen des
Landgerichtes zur Abhilfe des Missstandes überhab die Gemeinde am 10. Februar
1833 einen Bauriss samt Kostenüberschlag und im Spätherbst dieses Jahres
konnten Lehrer und Schule in die neuen bescheidenen Räume
übersiedeln.
Alljährlich im Beisein der örtlich zuständigen Schulbehörden und anderer
Persönlichkeit angehaltene Schulprüfungen erzielten ein höchst befriedigendes
Ergebnis. Im Frühling des Jahres 1835 urteilt das auszüglich im Notizenbuch
eingetragene Protokoll, 'dass nichts mehr zu wünschen übrig ist'. Am 2. Mai
1837 erhielt der Lehrer sogar ein Belobigungsschreiben der Kreisregierung. Aus
dem Bericht vom 8. Juni 1833 ist noch folgendes hervorzuheben: 'Eine in der
Schule aufgehängte Tafel in Quart - von dem Lehrer selbst gefertigt - mit dem
Namen des Propheten Jonas, dessen Einfassung das ganze Buch Jonas in
hebräischer Schrift enthält, verrät nicht nur großen Fleiß, sondern auch
einen sehr geübten Kunstsinn des Lehrers.' Den theoretischen
Religionsunterricht erteilte der Lehrer 'nach eigenen Heften'. Erst die
nichtjüdische Schulprüfungskommission äußerte im Frühjahr 1838 den Wunsch
nach Einführung eines Handbuches, und nach Anordnung des Distriktsrabbiners
Samson Wolf Rosenfeld (1826-1862 in Bamberg) wurde das auf Veranlassung der
israelitischen Oberkirchenbehörde von Württemberg herausgegebene 'Lehrbuch der
israelitischen Religion' als Leitfaden des Unterrichts eingeführt. Aus den
gewissenhaften Eintragungen des Lehrers Marschütz sei schließlich noch
hervorgehoben, dass die Gemeinde Demmelsdorf im Frühjahr 1842 zwei große mit
dem Königsgebet in deutscher und hebräischer Sprache beschriebene Tafeln durch
den Sohn des Religionslehrers Simon Prager in
Pretzfeld zu Ehren seiner
Majestät des allergnädigsten Königs Ludwig' anfertigen und zu beiden Seiten
der Bundeslade in der 1841 neuhergerichteten Synagoge anbringen ließ. Sie haben
als Zeugnisse vaterländischer Gesinnung sich bis in unsere Tage erhalten.
Lehrer Jakob Marschütz scheint trotz beruflicher Erfolge in seinem
Wirkungskreise keine volle Befriedigung gefunden zu haben, denn am 5. Juni 1844
wanderte er 'mit hoher Erlaubnis der Kreisregierung' nach dem Dollarlande (Cincinatti)
aus, wo er hoffentlich ein höheres Einkommen als in Demmelsdorf erzielt hat
(Anm.: Gleichzeitig amtierte als Lehrer in der Nachbargemeinde
Zeckendorf sein
Bruder Josef Marschütz).
Als Nachfolger dieses ersten neuzeitlich gebildeten Religionslehrers von
Demmelsdorf kam an dessen Stelle 1844 Hermann Frank aus
Aidhausen, bis dahin
Schulverweser in Reckendorf. Derselbe amtierte in Demmelsdorf etwa 10 Jahre und
kam sodann als Elementarschullehrer nach Gunzenhausen. Als dessen Nachfolger
unterrichtete nach einjähriger Vakanz seit 19. Juni 1855 Lehrer Genius
Goldschmidt. Ob der unerhörte Vorname dieses Lehrers für seinen Träger eine ominöse
Bedeutung hatte, ist nicht bekannt. Die Chronik berichtet nur, dass unter seiner
Amtsverwaltung alljährlich bei den Schulprüfungen sechs Preise an die Schüler
verteilt wurden, ferner dass die Prüfungsergebnisse immer die höchste Note
erzielten und dass der Lehrer mehrmals eine Belobigung der Kreisregierung
erhielt. Nach dem Ableben desselben am 9. Juni 1873 folgte im Dezember dieses
Jahres Lehrer Aron Roßmann, der nach einer Amtsdauer von kaum drei Jahren seine
Stellung verließ. Am 7. November 1876 folgte Isak Weglein, dessen Einträge im
Notizenbuch 1907 enden.
Die handschriftliche Chronik der Religionsschule enthält in einer zweiten
Abteilung eine lückenlose Zusammenstellung der Schülerzahl im Laufe von 78
Jahrgängen (1829-1907), getrennt nach Geschlechtern sowie nach Werktags- und
Feiertagsschülern, eine bemerkenswerte Statistik, weil sie ein Bild numerischer
Rückwärtsentwicklung einer Kleingemeinde bietet. Im Jahre 1828/29 hatte die
Schule eine Gesamtzahl von 58 Kindern, die schon 1830 auf 48 gesunken ist. Die
Zahl sinkt im folgenden Jahrzehnt auf 40, bis 1843 auf 29, bis 1850 auf 12. Dann
steigt die Zahl - anscheinend in Jahren wirtschaftlichen Aufschwunges - bis 1862
wieder auf 30 und sinkt dann in den Jahren beginnender Freizügigkeit bis 1876
auf 10. Seit 1878 ergibt sich wieder ein allmählicher Aufstieg bis zu einer
Höchstzahl von 24 Schulkindern im Jahre 1886/87; bis zum Ende des Jahrhunderts
bleibt die Schülerzahl 20 auf ziemlich gleicher Höhe und sinkt infolge Mangels
an Nachwuchs bis 1906/07 auf die Mindestzahl von nur sieben Schulkindern. Das
ist im Laufe von etwa acht Jahrzehnten eine Minderung von 51 Schulkindern bis
auf fast ein Achtel der Zahl vom Jahre 1828.
Diese Statistik einer Religionsschule erzählt in trockenen Ziffern, wie in fast
allen Land- und Mittelgemeinden, eine Geschichte des Niederganges der
bayerischen Judenheit. Sie erinnert unerfreulich an das bedeutungsvolle Wort der
Talmudweisen. 'Jerusalem ist zugrunde gegangen, weil es daselbst an Schulkindern
fehlte.'"
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet
1876 / 1919 / 1924 / 1926
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1876:
"Lehrer-Stelle.
In der hiesigen Synagogengemeinde soll die Stelle
eines Vorsängers, Schächters und Religionslehrers sofort neu besetzt
werden. Das Gehalt wird jährlich auf 1100 Mark, freie Wohnung nebst 300
Mark Nebeneinkünfte dotiert. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Meldung
mit Beifügung ihrer Zeugnisse beim Unterzeichneten einreichen.
Reisekosten werden nur demjenigen erstattet, welcher die Anstellung
erhält und werden an gemeldete Kandidaten zum Probevortrage direkte
Aufforderungen ergehen. Demmelsdorf bei Bamberg, im August 1876. Jakob Heimann, Kultusvorstand."
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. August 1919: "Zum sofortigen
Eintritt suchen einen Religionslehrer,
zugleich Vorbeter und Schochet.
Fixum 2.400 Mark per Jahr. Cohanims kommen nicht in Betracht.
Israelitische Kultusgemeinde Demmelsdorf bei Bamberg."
1924/25 wurde die Stelle gemeinsam für
Demmelsdorf und Scheßlitz ausgeschrieben. Die Ausschreibung erfolgte
bereits im Frühjahr 1924, so im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. März
1924 S. 6 und in "Der Israelit" vom 3. April 1924 S. 6. Offenbar war die
Stelle nicht einfach zu besetzen, auch im "Israelitischen Familienblatt" am
2. Januar 1925 S. 6 findet sich eine Ausschreibung.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1924: "Die
Gemeinde Demmelsdorf - Scheßlitz sucht zum baldigen Eintritt einen
religiösen
Religionslehrer, Vorbeter und Schochet.
Gehalt nach
staatlicher Gehaltsordnung. Meldungen an den
Vorstand Carl Neumann,
Demmelsdorf bei Bamberg".
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. August 1926:
"Die unterfertigte Kultusgemeinde sucht zum baldigen Eintritt
bei günstigen Wohnungsverhältnissen
einen Lehrer zugleich Vorbeter und Schochet.
Einkommen nach Besoldungsordnung des Landesverbandes bayerischer
israelitischer Gemeinden. Zuschriften erbeten an
Israelitische Kultusverwaltung, Demmelsdorf-Schesslitz (Oberfranken).
Hermann Rollmann, Vorstand, Schesslitz".
Anzeige von Lehrer Isak Weglein (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1900:
"Im Auftrage einer sehr achtbaren Familie auf's Land (Oberfranken)
sucht Unterzeichneter ein tüchtiges, gewandtes jüdisches
Mädchen,
das bürgerliche Küche und Hauswirtschaft zu leiten versteht, zur
Stütze der Hausfrau gegen hohen Lohn und sehr gute Behandlung.
Bewerberinnen wollen sich wenden an
Lehrer Weglein, Demmelsdorf bei
Bamberg."
Zum Einkommen des jüdischen Lehrers (1913)
Artikel
in "Das jüdische Blatt" vom 21. März 1913: "Demmelsdorf. Gegenüber
den wenig wohlwollenden Äußerungen, die in der jüdischen und nichtjüdischen
Presse (Augsburger Abendzeitung) über das Verhältnis unserer Gemeinde zu
unserem Herrn Lehrer Aufnahme fanden, sei vorläufig nur folgendes
festgestellt. Das Einkommen ist nicht 1100 Mark, wie dort behauptet wurde,
sondern Mark 1750. Es widerstrebt uns, über die sonstigen Verhältnisse in
der Öffentlichkeit breite Diskussionen anzuzetteln, doch sind wir überzeugt,
dass unser Herr Lehrer diesen Zeitungsnotizen ferne steht."
Der
von Rabbiner Dr. Eckstein oben genannte Lehrer Isak Weglein starb im Februar
1920 in Uffenheim und wurde im
jüdischen Friedhof Ermetzhofen beigesetzt. Zu
seinem Tod erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" am 1. April 1920
folgender Artikel: "Uffenheim, 1. März (1920). Vor einigen Tagen starb der
hier im Ruhestande lebende Lehrerveteran I.L. Weglein im 74. Lebensjahre. Er
amtierte in Bibergau, Untereisenheim und schließlich in
Demmelsdorf bei
Bamberg; in letzterer Gemeinde wirkte er segensreich volle 40 Jahre und erwarb
sich Dank und Anerkennung der vorgesetzten Behörden. Der zur Beerdigung
herbeigeeilte Distriktsrabbiner Dr. Brader aus Ansbach, skizzierte das
Lebensbild des verstorbenen Lehrers, pries insbesondere seine innige
Frömmigkeit, Bescheidenheit und sein stets freundliches Wesen. Auf dem
Begräbnisplatz in Ermetzhofen widmete
Herr Hauptlehrer Strauß von hier, dem
verstorbenen Kollegen herzliche Worte der Treue und Freundschaft und rief ihm
namens des israelitischen Lehrervereins sowie des paritätischen allgemeinen
bayerischen Brudervereins die letzten Abschiedsgrüße zu. Sein Andenken wird
ein gesegnetes und dauerndes sein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens."
Über den Lehrer Benno Reinhold (bis 1924 Lehrer in Demmelsdorf)
Anmerkung: Benno Reinhold
war bis 1924 Lehrer in Demmelsdorf, danach
- vermutlich nach (kurzer) Unterbrechung (siehe Mitteilungen unten) - in Forchheim
(in: "Mitteilungen des Israelit. Lehrervereins für Bayern" vom 5.12.1924 S. 43).
- Bei
https://de.findagrave.com/memorial/283977870/benno-reinhold wird ein am 5.
April 1902 in Kleineibstadt geborener
Benno Reinhold genannt, möglicherweise identisch mit dem späteren Lehrer.
Mitteilung in "Mitteilungen des
Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom 31. August 1923 S. 12: "Berufsflucht.
Die Lehrer Julius Schapiro in
Bechhofen und B. Reinhold in Demmelsdorf haben den Beruf
aufgegeben; der Kultusbeamte Heimann in
Feuchtwangen ist schon vor längerer
Zeit in den Kaufmannsstand übergetreten."
Mitteilung in "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom
28. September 1923 S. 14: "Die in voriger Nummer erschienene Notiz, wonach
Lehrer Reinhold aus dem Berufe ausgetreten sei, ist unzutreffend; der
Kollege ist noch Lehrer in Demmelsdorf".
Mitteilung in "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom
9. Mai 1924 S. 25: "Kollege Reinhold, Demmelsdorf, ist infolge
Berufsaufgabe ausgeschieden", sc. aus dem israelitischen Lehrerverein für
Bayern).
Bei einem 1924 in
Demmelsdorf-Scheßlitz vorübergehend angestellten Lehrer stellt es sich heraus,
dass es sich um einen Hochstapler ohne Ausbildung handelte (Artikel von 1929)
Anmerkung: der angebliche Rabbiner Dr. Papo alias Noteles war vorübergehend in
Gemünden im Hunsrück, 1924
Demmelsdorf-Scheßlitz, 1926 Meerholz und
einer Gemeinde im Taunus tätig und bewarb sich noch an anderen Orten, u.a. in
Kopenhagen, Leutershausen
(Mittelfranken) und Reichelsheim,
danach 1928/29 in Rosenberg (Oberschlesien), von hier angeblich Bewerbung
in Osterode im Harz.
Die weiteren im Artikel genannten Orte sind Gablonz (Tschechien), siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Jablonec_nad_Nisou; Reichenberg (Tschechien),
siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Liberec; Rosenberg (O.S. = Oberschlesien),
siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Olesno.
Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 31. Januar 1929: "Der
'deutsche Rabbiner' - ein Hochstapler!
In Nr. 3 des 'Israelitischen Familienblattes' veröffentlichten wir ein
Schreiben eines sich 'Dr. Papo" nennenden 'deutschen Rabbiners' an
die Gemeinde Gablonz (Tschechoslowakei), aus dem wir die entsprechenden
Schlusse über seine Ungeeignetheit zu diesem Amte zogen. Wie wir durch eine
in Nr. 4 veröffentlichte Zuschrift von Prof. Dr. Hofmann,Reichenberg, mitteilen konnten, schien es sich bei diesem Herrn Dr. Papo um
einen notorischen Schwindler zu handeln. Zu gleicher Zeit lag uns
damals schon ein Schreiben vor, und zwar aus Rosenberg (Oberschlesien) von
'Oskar Papo, Prediger und akademischer Religionslehrer'; diese Zuschrift
lautete:
'Der in Nr. 3 im Artikel 'Auch ein deutscher Rabbiner" genannte
deutschnationale Dr. Papo in Reichenberg ist mit Prediger Papo aus Rosenberg
wie fälschlich angenommen wurde, da er Absolvent der Amsterdamer Lehranstalt
ist, nicht identisch.'
Das Schreiben berührte reichlich merkwürdig, und wir zogen es vor, uns statt
einer Veröffentlichung bei der Gemeinde Rosenberg (Oberschlesien) zu
erkundigen. Diese Erkundigung bestätigte, dass gerade der Verfasser
dieser Zuschrift mit dem Schreiber des inkriminierten Briefes an die
Gablonzer Gemeinde identisch ist, und dass die Absendung dieser
Zuschrift nur ein weiteres Glied in der Kette seiner Hochstapeleien bildete.
Der Vorstand der Synagogengemeinde Rosenberg schreibt uns:
'Angegebenen Prediger O. Papo, der seit dem 1. Dezember 1928 in unserer
Gemeinde tätig war, haben wir am 21. Januar 1929 entlassen, gaben uns doch
verschiedene Vorkommnisse hinreichenden Grund dazu. Bei seiner Anstellung
hatte er versprochen, Zeugnisse beizubringen, verzögerte dies jedoch
fortwährend; er konnte weder ein Abgangszeugnis des Berliner
Rabbinerseminars, noch ein Abiturientenzeugnis vorlegen, die er beide zu
besitzen vorgab. Nur ein einziges Zeugnis einer Amsterdamer Rabbinerschule
war zur Stelle, von dem wir nicht annehmen konnten, dass es sich um ein
Falsifikat handelte. (Interessant ist, dass Papo selbst gerade in der obigen
Zuschrift abstreitet, ein Zeugnis von Amsterdam vorgewiesen zu haben. Die
Redaktion.) Was er sprach, amtlich oder nichtamtlich, stellte sich als Lug
und Trug heraus. Trotzdem er behauptete, sich auf seinen 'Doktor'
vorzubereiten, um dereinst Rabbiner zu werden, nahm er es mit der
Rechtschreibung nicht sehr genau. P. hat Rosenberg ohne Angabe eines
Reisezieles in der Richtung nach Breslau verlassen. Angeblich will er eine
Stellung in der Gemeinde Osterode i. Harz angenommen haben. Schulden
hat er auch reichlich hier zurückgelassen. War es der Gemeinde in
Gemünden im Hunsrück ganz oder
wenigstens zum Teil bekannt, mit wem sie es mit der Person des Papo zu tun
hatte, dann wäre ihr Verhalten in der Auskunftserteilung an uns, da diese
tatsächlich gut ausfiel, zu verurteilen. P. gab uns und der Polizeibehörde
an, am 18. September 1900 in Altona geboren zu sein, ist aber
entschieden älter. Sein Vater soll Prediger in Wien, seine Mutter
Schauspielerin gewesen sein. Unseres Erachtens war er weder Lehrer noch
Schächter und wir sind froh, uns dieses Mannes entledigt zu haben. Es wäre
zu begrüßen, wenn man diesem Menschen weiter auf die Spur kommen könnte.'
Eine andere Zuschrift aus Meerholz teilt Genaueres über die bisherige
Laufbahn von Papo alias Noteles mit:
...Fraglicher Noteles hat in verschiedenen jüdischen Gemeinden als Lehrer
und Kultusbeamter amtiert und sich diese Stellungen auf Grund seiner
schwindelhaften Angaben verschafft. Er war im Jahre 1924 in der Gemeinde Demmelsdorf-Scheßlitz, 1926 in Meerholz, dann in einer Gemeinde im Taunus, konnte sich aber überall
nicht lange halten, da ihm die Polizei auf den Fersen war. Er flüchtete nach
Luxemburg, und von dort aus bewarb er sich um die verschiedensten
Stellungen, z. B. als Rabbiner in Kopenhagen und als Lehrer in Leutershausen (Ufr.). In
Meerholz hat er bei seinem Weggang die ganze Gemeindebibliothek
geplündert. Von Demmelsdorf nahm er
verschiedene Dokumente mit, die noch heute als Pfand bei einem christlichen
Möbelhändler in Gelnhausen sich
befinden. Laut einem in seinem Besitz befindlichen Stempel gab er sich als 'Rabbiner
Dr. Friedrich Noteles' aus."
Von einer jüdischen Buchhandlung wird uns außerdem mitgeteilt, dass er eine
große Reihe von Büchern bestellt habe, ohne hierfür Zahlung zu leisten.
Einen beachtenswerten Schluss zieht ein anderer Einsender, der uns folgende
Episode aus dem bewegten Leben des Schwindlers mitteilt:
'Besagter Papo, alias Noteles - alias ... bewarb sich Ende Oktober
auch um die in Ihrem Blatte ausgeschriebene Religionslehrerstelle zu
Reichelsheim (Odw.) und wäre
fast engagiert worden, wenn seine Angabe, er hätte Kabboloh von Dr. Wolf -
Köln, gestimmt hätte. Sein Auftreten und seine damaligen Angaben waren so
verwirrend und sich widerlegend, dass man, er konnte auch nicht einmal
hebräisch lesen ohne Punktation, also leinen, sich fragen musste, was hat
der Mann zu verheimlichen. Er gab damals unter anderem an, in Wien am
Rabbinerseminar gewesen zu sein und aus Hamburg zu stammen. Die Gemeinde Reichelsheim hatte einen Lehrer mit
seminaristischer Bildung und diesen durch konsequente Niedrighaltung des
Gehaltes, man spricht von 150 RM. monatlich für einen verheirateten Beamten,
zum Verlassen der Stellung gezwungen. Solange jüdische Gemeinden sich
nicht aufschwingen können, anständig ihre Beamten zu besolden, wird man
stets mit solchen Elementen zu tun haben!"
Die Identität von Papo und Noteles konnten wir inzwischen übrigens
einwandfrei feststellen. Von Meerholz, wo er als 'Noteles' wirkte
und von Rosenberg, wo er sich 'Papo' nannte, richtete er Schreiben an die
Redaktion des 'Israelitischen Familienblatts', die unzweifelhaft von der
gleichen Hand geschrieben waren. Auf einige weitere interessante
Mitteilungen zu dieser Angelegenheit, die uns bei Redaktionsschluss zugehen,
werden wir noch zurückkommen.
Nach diesen Veröffentlichungen wird wohl dem Schwindler künftighin sein
Handwerk gelegt werden können. Es ist uns eine Genugtuung, durch unsere
erste Veröffentlichung weiteren Betrügereien einen Riegel vorgeschoben zu
haben, ebenso erfreulich ist es aber auch, dass nicht ein wirklicher
Rabbiner die Gesinnung bekundete, die uns Anlass zu unserer ersten Kritik
bot."
Lehrer David Banda kommt nach Demmelsdorf (1927)
Anmerkung (Angaben auf Grund der Recherchen von Elisabeth Böhrer): Lehrer
David Michael Banda ist am 21. August 1902 geboren. Er war von 1924
bis 1926 Lehrer in Niederwerrn, seit 1927
Lehrer, Kantor und Schochet in Demmelsdorf. David Banda war verheiratet mit Ricka geb.
Kannenmacher (geb. 9. Oktober 1906). Die beiden hatten drei Kinder (alle
drei in der Entbindungsanstalt in Bamberg geboren): Liddi (1928), Paul
(1929), Helmut (1929). Familie Banda lebte bis 1934 in Demmelsdorf. Die
ganze Familie wurde nach der Deportation ermordet.
Nachweisbar ist die Familie nach 1934 durch Schriftwechsel der Mutter Ricka
geb. Kannenmacher, die am 4. August 1937 in Brünn eine Vollmacht erteilte. Aus
einem weiteren Schriftstück ist ersichtlich, dass die Kantorsehegattin am 19.
Juni 1939 in Prostejow, damaliges Projektorat Böhmen-Mähren, wohnhaft ist.
Mitteilungen
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7.
Januar 1927:
"Kantor Banda in Niederwerrn
übernimmt die Stelle Demmelsdorf - Scheßlitz."
Schulamtsbewerber Ludwig Fleischmann übernimmt die Religionslehrerstelle
(1935)
Anmerkung: Ludwig Fleischmann (geb. 25. Februar 1915 in
Altenmuhr als Sohn des Viehhändlers Isaak
Fleischmann und seiner Frau Klara geb. Gerst, Vater ist im Krieg gefallen):
Ludwig Fleischmann lernte nach dem Schulbesuch in
Gunzenhausen an der Israelitischen
Präparandenschule in Höchberg,
dann ab 1931 an der
Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg
(ILBA), die er 1934 mit Examen abschloss. Eine erste Stelle hatte er von Mai
bis September 1934 in Hammelburg. Zwischen 1. Oktober 1934 und 30.
Juni 1938 durchlief er den Vorbereitungsdienst für den
staatlichen Volksschuldienst in den israelitischen Volksschulen München,
Nürnberg (zeitweise von Demmelsdorf aus) und Bamberg (gleichfalls von
Demmelsdorf aus). Vom 15. April 1935 bis zum 1. Juli 1938 war er als Religionslehrer, Schächter, Kantor der
jüdischen Gemeinde Demmelsdorf angestellt. Die zweite Staatsprüfung
durfte er nicht mehr ablegen. Im September 1938 gelang ihm über Cherbourg in
Frankreich die Flucht nach New York. Er lebte zunächst in Baltimore, Maryland.
Am 2. Februar 1945 trat er in die US-Armee ein. Im Oktober 1945 wurde er
amerikanischer Staatsangehöriger. Er heiratete im August 1947. In den USA fand
er Arbeit als Buch- und Wirtschaftsprüfer. Lebte 1981 in New York, wo er am 3.
Oktober 1997 starb.
Ausführliche Biographie
https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/lehrerbiografien/ludwig-fleischmann.
Mitteilung
der der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
April 1935 sowie in "Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern"
vom 15. April 1935 S. 12 : "Schulamtsbewerber Ludwig Fleischmann (München)
übernimmt am 15. April die Religionslehrerstelle Demmelsdorf-Scheßlitz."
Lehrer Ludwig
Fleischmann (Quelle: www.bllv.de bzw. Staatsarchiv
und Stadtarchiv Bamberg )
Ludwig Fleischmann
(1915-1997)
Ludwig Fleischmann
(hinten Mitte) während seiner Zeit in Demmelsdorf
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ergebnisse von Spendensammlungen in
der Gemeinde (1871 / 1879 / 1881) Anmerkung: in jeder jüdischen Gemeinde wurden regelmäßig
Spendensammlungen für bestimmte Zwecke durchgeführt; die Ergebnisse wurden immer
wieder in jüdischen Periodika mitgeteilt.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1871 - Sammlung
"für die Notleidenden im Heiligen Land": "Durch Frau Jetta Herrmann in
Demmelsdorf: bei der Verlobung von Alexander Herrman gesammelt 2 fl., vom
hiesigen Frauenverein 3 fl. 30 kr., Jetta Herrmann 1 fl., Sophie
Landenberger 1 fl., Katti Kraus 30 kr., Esther Seligsberg 18 kr., Gretchen
Wurzmann 18 kr., Nanni Heumann 12 kr., Sophie Berg 1 fl., Jette Goldschmidt,
Lehrerin, 36 kr., Hanna Babette Grifel 24 kr., Sarah Heimann 1 fl., Morjane
24 kr., Sarah Herrmann 1 fl., Jetta Heimann 4 fl. 30 kr., Golte Britz 1 fl..
Rosina Herrmann 1 fl., Gretchen Heimann 1 fl., Fanny Heimann 1 fl., Fanny
Herrmann 1 fl, Zilla Herrman 1 fl., Rosina Lauer 35 kr., Lene Berg 1 fl.,
Frau Butzel aus Scheßlitz 1 fl. Zus. 23 fl. 17 kr."
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1871(Sammlung
wie oben): "Durch Jakob Landenberger, Kultusvorsteher in Demmelsdorf:
Jacob Landenberger 1 fl. 45 kr., Baruch Herrmann 1 fl. 45 kr., Feist
Herrmann 1 fl. 45 kr., Maier Kraus 1 fl. 18 kr.', Aron Herrmann 2 fl. 42 kr.,
Jacob Heimar.n 1 fl. 30 kr., Wolf Hirsch Heimann 1 fl. 45 kr., Jacob Hermann
1 fl. 45 kr., Jonas Heimann 2 fl., Wolf Hirsch Pritz 3 fl., Max Heimann 30
kr., Joseph Hermann 1 fl. 45 kr., Koschmann Heimann 4 fl., Maier Berg und
dessen Mutter Sophie Berg Ww. 7 fl, Jonas Kraus 1 fl. 30 kr., Esther
Seligsberg, ledig 18 kr., Grätchen Wurzmann Ww. 12 kr., vom Opferkasten 15
fl. 30 kr., zus. 50 fl."
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Demmelsdorf.
Durch Lehrer Weglein: Frau Lehrer Weglein 2, Schul-Armenfond 5, May
Berg 2, Frau Sophie Berg 1, Jonas Kraus 1, Koschmann Heimann 2, Jakob
Landenberg 1, Feist Herrmann 1, Baruch Herrmann sen. 0,50, Josef Herrmann 1
, Jakob Heimann sen. 1, Aron Herrmann 2, Baruch Herrmann jun. 1, Wolf Hirsch
Heimann 0,50, Jak. Heimann jun. 1, Jonas Heimann 2, Jak. Herrmann 1, Wolf H.
Pritz 1, Frau Nanny Hermann 0,50, Frau Wurzmann 0,30, Frau Marianne Heimann
0,40, Frau Goldschmitt 0,30, Haußmann Scheßlitz 1, E. Landenberg 2,
Macharith-Haschekel 6,16, zusammen abzüglich Porto 36,46 Mk."
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1881: "Demmelsdorf.
Durch Lehrer Weglein: M. Berg 2, Sophie Berg 1, A. Heimann 0.80, S. Wurzmann
1, M. Heimann 0.50, K. Heimann 3, J. Landenberg 2, Jette Herrmann 0.50, F.
Herrmann 3, Jette Goldschmidt 0.50, J. Herrmann 3, Griffels Mädchen 1, J.
Heimann 3.50, A. Herrmann 4 , B. Herrmann 3, W. H. Heimann 3, H. Heimann
jun. 3, J. Heimann 3, A. Heimann 2, Metzger Fritz 1, Ungenannt 3, E.
Landsberger 3.20, I. Putzel 2, S. Wambacher 2, J. Gerst 2, A. Herrmann 4,
Armen-Fond 25, Lehrer Weglein 0.50, Kraus 1, J. Herrmann 3, zus. 90 M.,"
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 4. September
1925: "Freventlich Spiel mit dem Heiligsten! Keine Achtung vor des
Todes Majestät.
Vor einigen Wochen wurde Abraham Heimann. Großviehhändler zu
Demmelsdorf (Oberfranken) zur ewigen Ruhe gebettet. Ein Mann, der im
engen Umkreise der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession und
des politischen Bekenntnisses geschützt war. Von Nah und Fern, jeder Stand,
adliger Gutsherr und schlichter Bauer eilten herbei, nur diesem Manne, der
keinen Unterschied des Glaubens kannte, wenn es galt, Not zu lindern, die
letzte Ehre zu erweisen.
Da erschien wenige Tage nach seiner Beerdigung im Nürnberger 'Der Stürmer',
'Wochenblatt des Lehrers Julius Streicher, zum Kampf um die Wahrheit', ein
vom Pesthauch des Hasses erfüllter Artikel, mit jeden Religiösen tief
verlebender Überschrift 'Der Verrat am Gekreuzigten'.
Es sei, so schreibt 'Der Stürmer", eine 'nichtjüdische
Gesinnungslosigkeit und Verlumptheit, wenn das 'Bamberger Volksblatt",
dessen Redakteur ein katholischer Priester ist, dem verstorbenen
Abraham Heimann zwei Trauerberichte widmet. Ja, das 'Bamberger Volksblatt"
schreibe sogar, 'mit dem Verlebten ist eine allgemein bekannte und beliebte
Persönlichkeit ans dem Leben geschieden'.
Ich als Theologe möchte nicht all die Blasphemien und Beschimpfungen
wiederholen, die 'Der Stürmer' loslässt. Es genügt, wenn der
Schreiber zum Schluss'Jesus Christus" anruft, mit den Worten:
'Ihr wollt euch meine Jünger heißen, seid verflucht in alle Ewigkeit'
hinein."
Der verstorbene Abraham Heimann s. A. war ein Mann von tiefer
Herzensfrömmigkeit, fern von unlauteren Handlungen, die mit der jüdischen
Ethik im Gegensatz standen. Seine aufrichtige Frömmigkeit verband er mit
seiner umfangreichen Kenntnis unseres heiligen Schrifttums. Als Deutscher,
als Bürger, als Menschenfreund war er allgemein hochgeschätzt. Er war der
Mittelpunkt unserer Gemeinde, ihr größter Wohltäter, ihr Führer.
Darum fühlen wir uns gezwungen, diesen Peitschenhieb abzuwehren und keinen
Makel sitzen zu lassen, welcher das Ehrenschild unseres Besten beschmutzen
könnte.
Rabbiner Dr. Friedrich Roteles (Demmelsdorf, Oberfranken)"
Über das Leben des aus Demmelsdorf stammenden Lehrers
Moritz Wurzmann (gestorben 1931)
Vgl. weiteren Bericht zu seinem Tod in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16.
April 1931, zitiert in der Seite zu
Mainstockheim.
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai
1931: "Moritz Wurzmann - er ruhe in Frieden. Wiederum
ist einer unserer 'guten Alten' von uns weggegangen. Moritz Wurzmann, der
41 Jahre in Mainstockheim wirkte,
segnete im Alter von 70 Jahren, als Oberlehrer im Ruhestand, in Schlüchtern
das Zeitliche. Dort verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens bei
seinen Kindern und dort ging ihm auch vor wenigen Monaten seine treue
Gattin - sie ruhe in Frieden - im Tode voran. 'Die sich geliebt und
hold gewesen bei ihrem Leben, sie sollten auch im Tode nicht getrennt
sein.' Früh verwaist, kam er von seinem Geburtsort Demmelsdorf in
Oberfranken in die Waisenanstalt nach Fürth, absolvierte dann die
Präparandenschule Burgpreppach und das Lehrerseminar zu
Würzburg, beides
mit sehr gutem Erfolge. Nur kurze Zeit wirkte er in Wiesenfeld bei
Würzburg, dann übernahm er die jüdische Volksschule in Mainstockheim.
Mit pädagogischem Blick und Geschickt wirkte er mehr als 40 Jahre an
derselben und griff dabei oft über das amtlich abgesteckte Lehrziel
hinaus. Es war bekannt, dass Wurzmanns Schüler, wenn sie in die
Mittelschule übertraten, dort stets zu den besten zählten. Dabei hatte
seine Methode etwas durchaus Ruhiges an sich, den Tod einer gemütlichen
Unterhaltung. Alle seine Funktionen versah er in alter schlichter Yiroh
(Gottesfurcht) in in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit. Auf unseren
Versammlungen (gemeint: des Lehrervereins) war er ein gern gesehener
Freund und Kollege, wenn die Beschwerlichkeiten allzu anstrengender Reisen
es nur immer zuließen. So hat er sich in seinem Leben die schönste Krone
gesichert, die Krone des guten Namens (auch hebräisch: die Krone des
guten Namens), ein dankbares, ehrendes Gedenken bei seiner Gemeinde,
seinen zahlreichen Schülern, seiner Kollegen im jüdischen Lehrerverein
Bayerns. Bei seiner Bestattung einige Tage vor Pessach musste mit
Rücksicht auf den Nissanmonat jedes laute Worte der Klage verstummen. Man
konnte aber die innere Ergriffenheit der stattlichen Trauerschar von den
Gesichtern ablesen. Von weiter Ferne waren Freunde und Bekannte
herbeigeeilt, dem Geliebten den letzten Ehrenzoll zu weihen. Seine
ehemalige Gemeinde Mainstockheim hatte eine würdige Vertretung entsandt.
Wir sichern dem entschlafenen Amtsbruder in unseren Reihen und unserem
Brudervereine Bayern das beste Gedenken. Er ruhe im Frieden! Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. M.D."
88. Geburtstag von Emanuel
Landenberger (1933) Anmerkung: nach
https://www.geni.com/people/Emanuel-Landenberger/6000000063704223856 ist
Emanuel Landenberger am 19. November 1845 in Demmelsdorf geboren als Sohn
von Jacob Landenberger und seiner Frau Sila geb. Heimann. Er war
verheiratet mit Fanny geb. Heimann, die am 18. Februar 1847 in Demmelsdorf
geboren und ebd. am 20. Mai 1923 verstorben ist. Die beiden hatten Kinder.
Dagobert (David) Landenberger (1874-1952), Ludwig Landenberger (1876-1957),
Leopold Landenberger (1888-1967), Jenny Landenberger verheiratete Herrmann
(1880-1968), Carl Landenberger (1884-1982), Max Landenberger (1882-1972) und
Else Landenberger (1886-1972). Weitere Angaben zur Familie s.u. geni.com.
Emanuel Landenberger starb am 16. August 1939.
Artikel
in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1933: "Scheßlitz.
Am 19. November feierte Herr Emanuel Landenberger von hier seinen 88.
Geburtstag. Der Jubilar, der jahrelang Vorstand der israelitischen Gemeinde
Demmelsdorf- Scheßlitz war, erfreut sich völliger körperlicher und geistiger
Frische. Er geht noch täglich seinem Berufe nach. Möge dem Jubilar, dem
Vater des Herrn Dr. Leo Landenberger, Nürnberg, Mitglied des
Präsidiums des Reichsverbandes, noch viele Jahre des Glückes und der
Zufriedenheit beschieden sein. B."
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1934:
"Sulzbürg, 12. November
(1934). Hier wurde Frau Jette Neustädter geb. Feldmann im Alter
von fast 79 Jahren auf dem Friedhof zur letzten Ruhe gebracht. In Altenmuhr
geboren, gründete sie in Sulzbürg an der Seite ihres noch heute
in der Erinnerung der Gemeinde unvergessenen Jakob David Neustädter eine
Ehegemeinschaft, in der tiefste Frömmigkeit, vorbildliche Rechtlichkeit
und geradezu patriarchalische Häuslichkeit und Schlichtheit herrschten.
Eine große Anzahl von Kindern wurde dem Ehepaar geschenkt. Sie alle zogen
in die weite Welt hinaus und sie alle bereiteten dem Namen ihrer Eltern
als treue Juden und wackere, tadellose Menschen Ehre. Bereits vor 19
Jahren ist ihr Gatte ihr im Tode vorausgegangen, und sie stand allein.
Aber sie war nicht allein. Die vielen Kinder in allen Gegenden des Landes
wetteiferten miteinander, sie mit ihrer Liebe zu überhäufen und ihr ein
Teil dessen zu vergelten, was sie als aufopfernde Mutter ihnen getan. So
verbrachte sie ihren Lebensabend in der liebvollen Umgebung und Pflege der
Familien ihrer Kinder, bald hier, bald dort; und überall war sie geboren.
Bei einer ihrer Töchter in Demmelsdorf, die wenige Wochen vorher erst
selbst furchtbar durch den Tod ihres braven Mannes heimgesucht war,
erreichte sie trotz hingebungsvoller Pflege das Ende, dem sie in frommer Ergebung
sein Jahren schon ruhig entgegengeschaut hatte. Und pietätvoll erfüllte
man ihren letzten Wunsch und brachte sie hier in Sulzbürg an der
Seite ihres Gatten zur ewigen Ruhe. Bezirksrabbiner Dr. Weinberg aus
Regensburg fand am Grabe herzliche und aufrichtige Worte des Abschiedes
für diese seltene Frau, die stets auch als eine treue Freundin seines
Hauses sich bewiesen hat."
Zum Tod der Witwe von Sandor Stern
in Budapest (1937, geboren 1857 in Demmelsdorf)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1937: "Budapest, 30.
März. Am 16. April ds. Js. feiert Frau Wwe. Sandor Stern, Budapest,
in völliger körperlicher und geistiger Frische ihren achtzigsten Geburtstag.
In Demmelsdorf (Bayern) geboren, wo ihr Vater Eugen Goldschmied das
schwere und verdienstvolle Amt eines jüdischen Lehrers versah, zog sie
später nach Fürth in B. und von dort folgte sie in jungen Jahren ihrem
Gatten nach Budapest. - Sie war diesem, der 32 Jahre im Dienste der Chewra
Kadischa stand, zu einer wackeren Helferin geworden und erzog ihre Kinder zu
vorbildlichen jüdischen Menschen. Alles Gute (bis 120 Jahre)."
Karl
Lauer und seine Frau Frieda geb. Satzmann ziehen von Altenkunstadt nach
Scheßlitz (1938) Anmerkung: der Viehhändler Karl Lauer (geb. 23. Oktober 1863 in
Altenkunstadt, gest. 1941 in
Scheßlitz) verzog mit seiner Frau Frieda geb. Satzmann (geb. 23.
Januar 1876 in Zeckendorf, von Scheßlitz
aus über Würzburg 1942 deportiert nach Krasnystaw und ermordet) 1938 nach
Scheßlitz. Ihr Sohn Louis konnte 1940 noch von Fürth aus in die USA
emigrieren (geb. 1903, gest. 1985 in Deerfield Beach/USA). Hier lebte bereits
seit 1937 seine Schwester Grete verheiratet Maier (1905-1984, war verheiratet
mit Emil Maier, Tochter Mina).
Mitteilung
in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. April 1938: "Altenkunstadt.
Der Vorsitzende der Gemeinde, Karl Lauer, siedelte nach
Scheßlitz über. Aus diesem Anlass
fand in der Synagoge eine Abschiedsfeier statt, in der Kantor Steinbock das
Wirken des Scheidenden während seiner 19jährigen Tätigkeit schilderte."
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
- 1870: Ergebnis einer Spendensammlung "für
die Notleidenden im Heiligen Land" bei der Hochzeit von M. Sachsendorfer von
Ermershausen mit Lina
Landenberger aus Demmelsdorf (Mitteilung in der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 3. August 1870 S. 594).
- 1882: am 18. November 1882 Spendensammlung
bei der Hochzeit von M. Loew in Eichstätt
mit Frl. Hermann aus Demmelsdorf (in: "Rechenschafts-Bericht /
Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer,
Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" für 1882 (1883) S. 9).
- 1886: Ergebnis einer Spendensammlung "für
das Heilige Land" bei der Hochzeit von Louis Mohr aus
Altenmuhr mit Frl. B. Herrmann aus
Demmelsdorf (Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21.
Januar 1886 S. 67).
- 1906: Verlobung von Dora Heimann in
Demmelsdorf mit Isidor Millner in Nürnberg (in: "Frankfurter
Israelitisches Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 9.11.1906 S. 6)
- 1909: Spendensammlung bei der Verlobung
von Babette Rosenbaum in Zeckendorf
mit Carl Heimann in Demmelsdorf (in: Zeitschrift "Der Israelit"
vom 5. April 1909 S. 10).
- 1921: Verlobung von Semi Hausmann aus
Scheßlitz (in: "Das jüdische Echo" vom 10. Juni 1921 S. 291).
- 1925: 80. Geburtstag von Emanuel
Landenberger in Demmelsdorf am 14. November 1925. Dieser war "eine Reihe
von Jahren Vorstand der Synagogengemeinde und ist im weitesten Umkreise der
oberfränkischen Bevölkerung eine bekannte Persönlichkeit" (in
"Israelitisches Familienblatt" vom 26. November 1925 S. 4).
- 1926: Gestorben ist Minna
Hausmann geb. Beckmann in Scheßlitz im Alter von 71 Jahren (in:
"Israelitisches Familienblatt" vom 18. März 1926 S. 5).
- 1933: 88. Geburtstag von Emanuel
Landenberger in Demmelsdorf am 19. November 1933: Landesberger feiert
"in voller Frische" - "war jahrelang Vorstand unserer Gemeinde" (in
"Israelitisches Familienblatt" vom 16. November 1933 S. 14).
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Dezember 1922 S. 5:
"Martha Bein - Walter Herrmann
Verlobte
Nürnberg Solgerstr. 5a - Demmelsdorf / Hannover.
Dezember 1922."
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 9. April 1936:
"Statt Karten Anny Herrmann - Siegfried Polatschek
Verlobte Nürnberg, Burgschmietstraße 12 / Schesslitz
- Augsburg Hallstraße B 154 1/2
10. April 1936."
Anzeige
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
August 1936:
"Statt Karten.
Siegfried Polatschek - Anny Polatschek geb.
Herrmann. Vermählte.
Augsburg - Scheßlitz. Trauung: Sonntag, 16. August, 12 1/2 Uhr
Hauptsynagoge Bamberg.
Hochzeit: Weiße Taube, Bamberg".
Am 23. Juli 1938 wurde
durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von
Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht
eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen
Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch"
galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste
Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt.
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv
zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände:
Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV:
Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm.
Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de
Kennkarte
der in Demmelsdorf
geborenen Else Dreyfuß geb. Heymann
Kennkarte (Mannheim 1939) für
Else Dreyfuß geb. Heimann, geb. 13. Februar 1884 in Demmelsdorf,
wohnte später in Mannheim, am 31. Mai 1939 in die USA (New York)
emigriert.
Artikel
in der jiddischen Zeitschrift "Undzer Wort" vom 2. August 1946: "A bazuch
in kibuc 'Talba' in Scheßlitz.
Oif a kleijnem bazuch bin ich geforn in kibuc fun 'Alija Pnimit' Poszet
gezogt, zajnen mir gekumen bajwojnen dem 'bris' fun cwej najborjene kinder
in kibuc..." .
Weitere Berichte aus dem DP-Lager "Talba":
Vorfall gegen Bewohner des Kibbuz Talba in Schesslitz, Besuch des UNRRA-Direktor
Gordon Napiee (1946) und Bericht über eine Kunst- und Handarbeitsausstellung in
Bayreuth mit Bildern aus den Kibbuzim Schesslitz und Zeckendorf (1947)
Artikel in "Undzer Wort" vom 24. Mai 1946 über einen Vorfall am 21. Mai 1946
gegen einen Bewohner des Kibbuz "Talba".
Artikel in der Zeitschrift "Undzer Wort" vom 23. August 1946 über den "Director
von UNRRA-Tram 176 - Gordon Napier Lt. Col. Ret. (TA)" A specjele
onerkennung un oijmerkzamkajt widmet der her Direktor di kibucim 'Talba' in
Schesslitz un 'BNEJ AKIBA' in Aschbach, wu es herszt an idilisze cuzamenlebn
un es wert gefirt a musterhafte wirtszaft..."
- "Eine besondere Anerkennung und Aufmerksamkeit widmete der Herr Direktor
den Kibbuzim 'TALBA' in Schesslitz und 'BNEJ AKIBA' in Aschbach, wo ein
idyllisches Zusammenleben herrscht und eine musterhafte Wirtschaft geführt
wird"
Artikel
in "Undzer Wort" vom 4. Juli 1947: "Kunst- un hantarbei ojssztelung fun
DP's"
Der Bericht handelt von einer Kunst- und Handarbeiten-Ausstellung von DP's
vom Area-Team 1044 in Bayreuth. Die Ausstellung war auf dem Hof des
Bayreuther UNRRA-Hauptquartier...
In einem besonderen Pavillon wird das Leben in den verschiedenen Lagern in
Bildern gezeigt. Die Besucher sehen die alltäglicher Lagerleben: bei der
Arbeit, beim Sport, Theater-Vorstellungen usw. ... Dabei machten einen
guten Eindruck die Kibbuzim Schesslitz, Zettlitz und Zeckendorf..."
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden oder es
wurde bereits vor 1727 die Synagoge in Zeckendorf besucht. Nachdem
die dortige jüdische Gemeinde 1723 bis 1727 eine neue Synagoge erstellt hatte, besuchten jedenfalls die Juden aus
Demmelsdorf die dortige Synagoge. 1742 brannte diese Synagoge
allerdings ab, was den Anlass dazu gab, in Demmelsdorf eine eigene Synagoge
zu erstellen. Die Demmelsdorfer Juden hatten bereits 1734 eine eigene Synagoge
auf einem Gartengrundstück erbauen wollen, das Marx Wolf der Gemeinde schenken wollte.
Gegenüber der Ortsherrschaft wiesen die Demmelsdorfer Juden auf die
Gefährlichkeit des Weges hin, den sie zur Synagoge in Zeckendorf gehen mussten
und berichteten, dass ständig die Gefahr bestehe, "von bösen Leuten auf
der Strauße angegangen und misshandelt zu werden".
Am 17. Juli 1748 erhielt die Judenschaft die Zustimmung der
Ortsherrschaft zum Bau einer eigenen, 31 Männer- und 28 Frauenstühle
umfassenden Synagoge. In einem Anbau zum Synagogengebäude
wurde
die Wohnung des Vorsängers eingerichtet. Für die Nutzung der Synagoge waren
jährlich 5 Gulden Schutzgeld an die Ortsherrschaft zu errichten. Um 1830 befand sich diese Wohnung
allerdings in einem so baufälligen und feuchten Zustand, dass sie unbewohnbar
geworden war. 1833 wurde die Wohnung instandgesetzt. 1841 folgte
eine gründliche Renovierung der Synagoge.
Kollekte zur Erneuerung der Synagoge (1840)
Artikel
im "Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs
Bayern vom 20. Februar 1840: "20. Februar 1840.
An die fürstlich Löwensteinische Regierungs- und Justizkanzlei in Kreuzwertheim und an
sämtliche Distrikts-Polizei-Behörden des Regierungs-Bezirkes.
(Gesuch der Israeliten zu Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, um
Bewilligung einer Kollekte zur Reparatur ihrer Synagoge
betreffend.
Im Namen Seiner Majestät des Königs. Seine Majestät der König haben allergnädigst
zu gestatten geruht, dass zu Bestreitung der Kosten für die Reparatur der
Synagoge in Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, eine Kollekte in allen
israelitischen Gemeinden des Königsreichs veranlasst werde.
Die Distrikts-Polizei-Behörden werden daher beauftragt, diese Kollekte in
allen israelitischen Gemeinden ihrer Bezirke durch die Kultusvorsteher
vornehmen zu lassen und die eingegangenen Beträge nach Ablauf von sechs
Wochen an das diesseitige Expeditionsamt einzusehenden."
Artikel
im "Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs
Bayern vom 23. April 1840: "21. April 1840. An die fürstliche
Löwensteinische Regierungs- und Justizkanzlei in Kreuzwertheim und an die
Distrikts- Polizeibehörden des Regierungsbezirks.
(Das Gesuch der Israeliten zu Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, um
Bewilligung einer Kollekte zur Reparatur ihrer Synagoge betreffend),
Im Namen Seiner Majestät des Königs. Mit Bezug auf das Ausschreiben vom 15.
Februar dieses Jahres, Intell.-Blatt Nr. 23 Seite 108, werden diejenigen
Distriks-Polizei-Behörden, welche mit der angeordneten Berichtserstattung
noch in Rückstande sind, aufgefordert, dieselbe nunmehr innerhalb acht Tagen
unfehlbar zu vollziehen.
Würzburg den 16. April 1840. Königliche Regierung von Unterfranken und
Aschaffenburg. Kammer des Innern. Graf von Lerchenfeld, Präsident.
c: Hübner."
Artikel
im "Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs
Bayern vom 11. Februar 1840: "22. Januar 1840. (Das Gesuch der
Israeliten zu Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, um Bewilligung einer
Kollekte zu Reparatur ihrer Synagoge betreffend.
Im Namen Seiner Majestät des Königs. Nachfolgend wird die Übersicht
der für die Israeliten zu Demmelsdorf, königlichen Landgerichts Scheßlitz,
eingegangnen Kollekten Gelde öffentlich bekant mache. Die Kollekte für die
bauliche Herstellung und innere Einrichtung der Synagoge zu Aschaffenburg
betreffend. usw.
Nach Wiedereinweihung des
Gebäudes wurden im Frühjahr 1842 zwei große mit dem Königsgebet in deutscher
und hebräischer Sprache beschriebene Tafeln durch den Sohn des Religionslehrers
Simon Prager in Pretzfeld 'zu Ehren seiner Majestät des allergnädigsten Königs
Ludwig' angefertigt und zu beiden Seiten des Toraschreines angebracht.
Der jüdische Frauenverein schenkt
eine neue Tora-Rolle für die Synagoge (1906)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1906: "Demmelsdorf.
Der Demmelsdorfer jüdische Frauen-Verein, welcher seit 35 Jahren
besteht, hat beschlossen, der Synagogen-Gemeinde eine Sefer Tora zu
schenken. Die feierliche Übergabe erfolgte am zweiten Schewuottage, wobei
Herr Rabbiner Dr. Eckstein aus Bamberg die Festpredigt hielt. Vor der
Synagoge schon hatte Frl. Heimann eine sehr schöne Dankesansprache an
den Frauen-Verein gerichtet. Am Nachmittage ging es in geordnetem Zuge zum
Festplatze, wo Fräulein Weglein die Begrüßungsrede hielt. Zwei
Gedichte 'Einen Toast auf die Herren', und 'Die Gredl vom Land' in
Oberpfalzer Mundart von Fräulein Hoenigsberger aus Bamberg zum Besten
gegeben, fanden großen stürmischen Beifall. Ein Tänzchen Schloss dies
Freudenfest, zu dem unser Frauenverein den Anlass gegeben, in wohlgelungener
Weise ab."
1905 gab es noch täglichen Gottesdienst in der Synagoge in
Demmelsdorf (in: "Statistisches Jahrbuch deutscher Juden" 1905).
Vor der NS-Zeit wurde die Synagoge letztmals 1927 umfassend renoviert.
1927 und 1929 wurden neue Torarollen angeschafft.
Beim Novemberpogrom 1938 erschienen zwei mit SA-Leuten aus Bamberg
besetzte Lastautos in Demmelsdorf. Die SA-Männer drangen in die Wohnung des
Synagogendieners ein und verlangten die Synagogenschlüssel. Da dieser ihn nicht
aushändigen wollte, wurde er verprügelt und die Synagogentür gewaltsam
aufgebrochen. Ein Teil der Synagogenmöbel wurde zerschlagen, die Torarollen
zerrissen, andere Ritualien zerstört. Den Rest des Inventars sowie die
zerrissenen Torarollen mussten jüdische Einwohner auf einen Wagen laden und
diesen auf ein offenes Feld fahren, wo die gesamte Ladung verbrannt wurde.
Das Synagogengebäude wurde wenig später auf Anordnung des Bamberger
Landrates völlig zerstört und abgebrochen. Die Dorfverwaltung bot der
jüdischen Gemeinde 250 RM als Entschädigung für das Grundstück an. Da diese
den Betrag ablehnte, wurde das Grundstück beschlagnahmt. Für den Abbruch des
Synagogengebäudes wurde der jüdischen Gemeinde eine Rechnung von 70 RM
gestellt. Auf dem Synagogengrundstück wurde das Feuerwehrhaus der
Gemeinde Demmelsdorf erstellt.
Im Juni 1948 waren acht der am November-Pogrom 1938 in Demmelsdorf
Beteiligten vor dem Landgericht Bamberg angeklagt. Sieben von ihnen erhielten
Gefängnisstrafen zwischen zwei Wochen und einem Jahr. In einem zweiten
Verfahren im April 1949 wurden 18 von 21 Angeklagten zu Freiheitsstrafen
von einem Monat bis zu vier Jahren verurteilt; im Dezember 1949 erhielten drei
von vier weiteren Angeklagten Gefängnisstrafen zwischen zehn Monaten und
anderthalb Jahren.
Adresse/Standort der Synagoge: Grundstück des heutigen
Feuerwehrhauses
Historische Fotos
sind noch nicht vorhanden, über Hinweise oder Zusendungen freut
sich
der Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite
Das auf dem
Grundstück der Synagoge erstellte Feuerwehrhaus (Foto Jürgen Hanke,
Kronach, 2004, aus: www.synagogen.info)
Erinnerungen an die
jüdische Geschichte:
Spuren von Mesusot an früheren jüdischen Häusern (Fotos erhalten von Maria Becker,
Aufnahmen von Anfang Mai 2022)
An mehreren
ehemaligen jüdischen Wohnhäusern sind bis heute Spuren von Mesusot erkennbar
(vgl. Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Mesusa).
Solche Spuren finden sich u.a. an den Häusern Benno-Schmitt-Straße 1 (früheres
Anwesen Nr. 25, Foto
links) und Benno-Schmitt-Straße 2 (früheres Anwesen Nr. 1, rechts). Nach Recherchen von Maria Becker
im Staatsarchiv (Katasterblätter Demmelsdorf) waren die Anwesen/Häuser
Benno-Schmitt-Straße 1 und 2 sowie Benno-Schmitt-Straße 4 (auch auf früherem
Anwesen Nr. 1) bis in die 1930er-Jahre in
jüdischem Besitz. Die heutigen Gebäude 2 und 4 plus Liegenschaften wurden
1939 von der Bayerischen Bauern-Siedlung GmbH übernommen, die Hausnummer 1
wurde am 15. August 1939 verkauft.
1999:
Publikation zu "Jüdisches Leben
auf dem Land" mit Schwerpunkt Demmelsdorf"
Artikel/Buchbesprechung in der Zeitschrift "Jediot - Mitteilungen des Irgun
ʿÔlê Merkaz Êrôpā" Dezember 1999 S. 9:
"Groth, Klaus und Groiss-Lau, Eva (Hg.): Jüdisches Leben auf
dem Dorf. Annäherungen an die verlorene Heimat Franken. Michael Imhof
Verlag, Petersberg, 1999.
Die Herausgeber, Prof. Dr. Klaus Groth und Dr. Eva Groiss-Lau, beschäftigen
sich seit mehr als zehn Jahren mit Fragen deutsch-jüdischer Kultur auf dem
Land. Der vorliegende Band ist der dritte in der Reihe 'Jüdische
Landgemeinden in Oberfranken'. Nach einer historischen Bestandsaufnahme
aller jüdischen Landgemeinden zwischen 1800 und 1942 im Regierungsbezirk
Oberfranken (Band 1, 1988), befasste sich der zweite Band (1995) mit
Synagogen, Realien und Tauchbädern als Zeugnisse jüdischen Lebens. Die neue
Publikation von 1999 bietet nun dem Leser/der Leserin einen Blick 'auf eine
Ganzheit..., die den Dorfbewohnern unterschiedlicher Herkunft und Konfession
Lebenswelt und Heimat bedeutete'.
Der vorliegende Band beinhaltet einen sehr interessanten und reich
bebilderten Textteil sowie einen umfassenden Abbildungs- und einen
Dokumentationsteil, mit denen die Vielfalt jüdischen Lebens in den Dörfern
Zeckendorf und Demmelsdorf bei
Bamberg bezeugt und veranschaulicht wird. Bemerkenswert sind ohne Zweifel
die erstmaligen Übersetzungen der hebräischen Grabinschriften des
jüdischen Friedhofs Demmelsdorf-Zeckendorf.
Doch was wäre ein Rückblick auf deutsch-jüdische Geschichte und Dorfkultur
ohne die Erinnerungen, Wahrnehmungen und Eindrücke von Zeitzeugen?
Das Herausragende des vorliegenden Bandes ist, dass den Lebenslinien einiger
jüdischer Dorfbewohner von Zeckendorf und Demmelsdorf nachgegangen wurde.
Oft führten die Spuren bis nach Nordamerika oder Israel. Anhand von Briefen.
Fotos, Archivmaterial und Gesprächen mit ehemaligen Dorfbewohnern oder deren
Nachkommen wurden Familiengeschichten und Einzelschicksale nachgezeichnet
und so die bis heute bestellende Verwurzelung in der Heimat Franken sichtbar
gemacht.
Etwas vage und unentschlossen klingen im Vorwort die Aussagen über das
Miteinander von christlicher und jüdischer Dorfbevölkerung. War es ein
friedliches oder ein von Vorurteilen geprägtes Miteinander? Oder vielleicht
beides je nach politischer und wirtschaftlicher Situation? Leider gibt auch
der ansonsten sehr ausführliche Textteil keine befriedigende Antwort auf
diese spezielle Frage. Lediglich in dem Beitrag von Eva Groiss-Lau wird
erwähnt, dass die jüdische Gemeinde von Demmelsdorf ein Fest veranstaltete,
an dem auch die christlichen Nachbarn teilnahmen. Und aus der
Familiengeschichte der Stix, schriftlich festgehalten von Josef Motschmann,
ist zu entnehmen, dass im Schulalltag des 19. Jahrhunderts jüdische Schüler
und Schülerinnen mit Animositäten ihrer christlichen Lehrer und
Klassenkameraden zu rechnen hatten.
Ziel des Buches ist es, Erinnerungsarbeit als Protest gegen das Vergessen zu
fördern. Mit der Dokumentation von jüdischer Familien- und
Gemeindegeschichte, von Kulturgut und vor allem mit der lebendigen
Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Bewohner zweier fränkischer Dörfer
ist dies den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des vorliegenden Bandes
zweifelsohne gelungen. Heidemarie Wawrzyn"
Oktober 2024:Verlegung von "Stolpersteinen"
in "ZeDeSch" - Zeckendorf, Demmelsdorf und Scheßlitz
32 Stolpersteine für ehemalige jüdische
Bewohner der drei Ortschaften verlegte Künstler Gunter Demnig am 14. Oktober
2024 im Rahmen einer Veranstaltung der VHS Bamberg-Land - in einer
Kooperation mit der Stadt Scheßlitz, der Mittelschule Scheßlitz, der
Willy-Aron-Gesellschaft und der Jüd. Gemeinde Bamberg.
Mit großem Engagement verfolgt Maria Becker mit Unterstützung von Joachim
Schön von der VHS Bamberg-Land seit einigen Jahren die Idee, die Namen und
Schicksale der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in diesen drei Landgemeinden
sichtbar zu machen, um so zu verdeutlichen, wie sehr das Leben in den
Dörfern von Jüdinnen und Juden mitgestaltet und geprägt wurde. In mehreren
Vorträgen an der VHS konnte so ein großer Teil der Spenden für die Steine
generiert werden. Aber es ist erst ein Anfang, dem viele Stolpersteine noch
folgen werden.
Die Veranstaltung wurde gefördert aus Mitteln des Bundesprogramms
'Demokratie leben!' des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Bamberg sowie
von der Amadeu Antonio Stiftung. Die Veranstaltung fand im Rahmen der
Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2024 statt. Film: erstellt von Björn Göttlicher, Link zu Youtube:
https://youtu.be/eKwMn_BDlyk
Presseberichte
Rechts: Artikel von
Joseph Beck und Andreas Kirchhof im "Heinrichsblatt"
vom 27. Oktober 2024: "Erstmals Stolpersteinverlegung in Zeckendorf,
Demmelsdorf und Scheßlitz. Es bedarf auch heute der Zivilcourage..." Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken
Germania Judaica II,2 S. 743-744; III,2 S. 1316-17
(zu Scheßlitz).
Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen
Fürstbistum Bamberg, bearbeitet auf Grund von Archivalien nebst
urkundlichen Beilagen. Bamberg 1898 (Reprint 1985).
ders.: Nachträge zur Geschichte der Juden im ehemaligen
Fürstbistum Bamberg. Bamberg 1899 (Reprint 1985).
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 129-130 (zu Demmelsdorf) und S. 148 (zu Scheßlitz)
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 203.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 228-230.
Klaus Guth (Hg.) u.a.: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken
(1800-1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988. Zu
Demmelsdorf S. 343-351 (mit weiteren Quellenangaben)
Klaus Groth / Eva Groiss-Lau: Jüdisches
Leben auf dem Dorf. Annäherungen an die verlorene Heimat Franken. 1999.
"Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern.Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Demmelsdorf S. 129-135 (die Forschungsergebnisse
konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica" noch
nicht eingearbeitet werden).
Schesslitz Upper Franconia. Jews are known
from the 14th century. From the late 19th century they numbered around 30 (2,5 %
of the total population). Twelve emigrated in the Nazi era, including ten to the
United States. The last 13 were expelled to Bamberg on 22 March 1942 and from
there deported to Izbica in the Lublin district (Poland) and to the
Theresienstadt ghetto.
Demmelsdorf Upper Franconia.
Jews were present in 1670. In 1739 their residence was limited to six families.
A synagogue was erected in 1748 and a Jewish school opened in 1827. In 1812 the
Jewish population reached a peak of 136 (total 217), thereafter declining
steadily to 42 in 1933 (total 172). Sixteen Jews are known to habe emigrated in
the Nazi era. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was
vandalized (and subsequently razed) and Jews were beaten, The last 14 were
deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Bamberg in April 1942.
vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge