Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Oberfranken"
   

Demmelsdorf (Stadt Scheßlitz, Kreis Bamberg) mit Burgellern und Scheßlitz
sowie Stadelhofen (VG Steinfeld, Kreis Bamberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

 Bitte besuchen Sie zur jüdischen Geschichte in Demmelsdorf auch die Website https://niskor-et-demmelsdorf.de/#de 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen    
Kennkarte aus der NS-Zeit     
Nach 1945: Berichte aus der Zeit des DP-Lagers Kibbuz "Talba" in Scheßlitz
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen   
bullet Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
bulletLinks und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
             
In
Scheßlitz (seit 1230 als Stadt genannt) lebten bereits im Mittelalter wenige jüdische Personen. Ein Isaak von Scheßlitz wurde 1328 als jüdischer Bürger in Nürnberg aufgenommen. 1343 wird in Nürnberg Joel aus Scheßlitz genannt. 1403 lebten in Scheßlitz vermutlich drei jüdische Einwohner bzw. Familien. Ein nach Scheßlitz benannter Jude wohnte in dieser Zeit in Bamberg. Im Laufe des 15. Jahrhunderts werden einige weitere jüdische Bewohner genannt, letztmals um 1450. 
  
Seit Ende des 17. Jahrhunderts werden wiederum einzelne jüdische Einwohner erwähnt. Doch blieb es auch in der Folgezeit bei nur wenigen jüdischen Einwohnern.
 
Im 19./20. Jahrhundert wurde 1900 mit 37 jüdischen Einwohnern die Höchstzahl erreicht; die Zahlen davor und danach: 1811/12 9 jüdische Einwohner, 1867 5, 1871 9, 1880 23, 1890 30, 1900/05 37 (in acht Haushaltungen, von insgesamt 1225 Einwohnern), 1910 33, 1925 31, 1933 30. Von jüdischen Familien werden genannt: um 1915: Familien Ansbacher, Hausmann, Hermann, Kerschbaum, Landenberger, Satzmann (Liste in einem Spendenverzeichnis in "Das Jüdische Echo" vom 8. April 1915 S. 268), um 1924: Familien Ansbacher, Landenberger, Rollmann, Satzmann (Liste in einem Spendenverzeichnis in "Das jüdische Echo" vom 28. November 1928 S. 425). 

Die in Scheßlitz lebenden jüdischen Personen gehörten zur jüdischen Gemeinde Demmelsdorf (im 20. Jahrhundert daher "Israelitische Kultusgemeinde Demmelsdorf-Scheßlitz" genannt). Eigene Einrichtungen waren in Scheßlitz nicht vorhanden. Die in Scheßlitz verstorbenen Juden wurden im jüdischen Friedhof Zeckendorf beigesetzt. 
 
Von den jüdischen Kriegsteilnehmern aus Scheßlitz im Ersten Weltkrieg wurden Leo Ansbacher und Leo Landenberger für ihren Kriegseinsatz mit dem Eisernen Kreuz (EK II) ausgezeichnet (in "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 4. Dezember 1914 S. 3; "Dr. Blochs österreichische Wochenschrift" vom 18. Dezember 1914 S. 880). Leo Ansbacher erhielt zudem die Tapferkeitsmedaille. 
 
1933 lebten noch 30 jüdische Personen in der Stadt. Bis September 1938 ging die Zahl auf 25 zurück. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Männer der Stadt festgenommen, fünf von ihnen in das KZ Dachau verschleppt. Bis 1941 konnten 13 jüdische Personen die Stadt verlassen (zwölf davon sind emigriert). Die letzten 13 jüdischen Einwohner wurden am 22. März 1942 nach Bamberg verbracht, drei davon am 25. April 1942 nach Izbica bei Lublin deportiert, neun am 9. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.   
  
Von den in Scheßlitz geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Ansbacher (1923), Jettchen Brückmann geb. Kirschbaum (1881), Berthold Hausmann (1921 oder 1923), Kathi Hausmann geb. Kraus (1898), Ludwig Hausmann (1931), Semmi Hausmann (geb. ?), Gustav Herrmann (1887), Max Herrmann (1877), Frieda Lauer geb. Satzmann (1876), Paula Mané geb. Gerst (1884), Gretchen Rollmann geb. Satzmann (1885), Hermann Rollmann (1869), Rosalie Rollmann geb. Satzmann (1877), Siegmund Rollmann (geb. ?), Josef Satzmann (1874), Regina Satzmann geb. Wimmelbacher (1880), Siegfried Satzmann (1922). 
Auf dem Gedenkstein am jüdischen Friedhof in Zeckendorf stehen die folgenden Namen der ermordeten jüdischen Personen aus Scheßlitz: Jettchen Brückmann / Semmi Hausmann / Katty Hausmann / Berthold Hausmann / Ludwig Hausmann / Max Herrmann / Hermann Rollmann / Rosalie Rollmann / Siegmund Rollmann / Gretchen Rollmann / Josef Satzmann / Regina Satzmann.   
 
Unmittelbar nach 1945 wurde in Scheßlitz im Frühjahr 1946 im Haus der früheren jüdischen Familien Landenberger eine Unterkunft für Shoa-Überlebende ("Displaced Persons") eingerichtet. Es handelte sich um ehemalige Ghetto-Kämpfer und Partisanen aus Osteuropa, die sich in Scheßlitz im sogenannten "Kibbuz Talba" auf die Einwanderung nach Palästina / Israel vorbereiteten. Im Mai 1946 lebten 32 jüdische Personen in Scheßlitz, im Februar 1947 und im Januar 1948 waren es jeweils 101. Das "Kibbuz Talba" in Scheßlitz wurde im April 1948 geschlossen. Es gab einen Sport-/Fußballverein "Hapoel Scheßlitz".
Links https://www.after-the-shoah.org/schesslitz-kibbuz-talba-hachschara-schesslitz-kibbutz-talba-hachsharah/ und https://www.hagalil.com/2017/06/zeckendorf/  
Beitrag "Schesslitz Summer 1946 - Summer 1947" https://www.jewishgen.org/yizkor/Freiberg/fre020.html  (auch als pdf-Datei abrufbar)  
 
 
 
In
Burgellern bestand im 17. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, vermutlich ohne eigene Einrichtungen. 1699 wurden die jüdischen Einwohner vertrieben (siehe Bericht unten). Beim damaligen Judenpogrom richteten sich die Angriffe vor allem gegen Josel Levi, doch ebenso gegen andere jüdische Bewohner. Die Unschuld Josel Levis wurde freilich bei einer nachfolgenden Untersuchung und durch ein "Ehrenzeugnis" nachgewiesen.
   
Auch in
Stadelhofen bestand im 17. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, die zumindest einen Betsaal hatte. Beim Judenpogrom 1699 wurde in diesem Betsaal (siehe Bericht unten) "ein gelber Vorhang von denen Zehn gebotten" geraubt. Dies meint den Raub eines Vorhanges vor dem Toraschrank mit der Torarolle bzw. den Torarollen (Vorhang = Parochet).    
  
 
In 
Demmelsdorf bestand eine relativ große jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihr gehörten zeitweise mehr als die Hälfte der Dorfbevölkerung an. Die Entstehung der Gemeinde geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1670 Juden am Ort genannt. Bei den Unruhen des Jahres 1699 kam es am 22. Mai 1699 zu Überfällen der jüdischen Familien des Ortes durch räuberische Banden aus der Umgebung.
 
1739 wurde ihre Zahl auf sechs Familien beschränkt, was jedoch in der Folgezeit nicht durchgehalten wurde. Die Zahl der jüdischen Einwohner im 19. Jahrhundert entwickelte sich wie folgt: 1809/10 125 jüdische Einwohner (61,3 % von insgesamt 205), 1811/12 136 (62,3 % von 217), 1867 94 (47 % von 200), 1880 83 (43 % von 195), 1900 80 (37 % von 216), 1910 58 (30,7 % von 189). 
 
An Einrichtungen waren eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Konfessionsschule (ab 1827) und ein rituelles Bad (neu erbaut 1870) vorhanden. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Zeckendorf beigesetzt, der von den Gemeinden Demmelsdorf und Zeckendorf gemeinsam unterhalten wurde. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als jüdische Lehrer wirkten: Jakob Marschütz aus Pretzfeld (1827 bis 1844), Hermann Frank aus Aidhausen (1844 bis ca. 1854, zuvor in Reckendorf, danach in Gunzenhausen), Genius Goldschmidt (1855 bis 1873), Aron Roßmann (1873 bis 1876), Isak Weglein (1876 bis 1916, siehe Nachruf unten; 1905 erhielten vier Mädchen und sieben Jungen durch Lehrer Weglein den Religionsunterricht), Jakob Adler (1916 bis 1918, im Ersten Weltkrieg gefallen), Benno Reinhold (bis 1924, danach in Forchheim, "Mitteilungen des Israelit. Lehrervereins für Bayern" vom 5.12.1924 S. 43), Julius Hermann (bis 1926), David Banda (1927 bis 1934), Ludwig Fleischmann (1935 bis 1937).  
 
Von den Vereinen in der jüdischen Gemeinde werden 1889 im "Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" genannt: der Verein Chewra Kadischa (bestand zusammen mit Zeckendorf schon 1738; um 1893 unter Leitung von Landenberger in Scheßlitz), der Verein Chewra bachurim (1889 unter Leitung von F. Herrmann), der Armenfonds und der Frauenverein (beide unter Leitung von Fr. Weglein, Frau von Lehrer Weglein).   
 
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1871 Jakob Landenberger, um 1876 Jakob Heimann, um 1889/94 Abraham Heimann (oder Herrmann), um 1905/08 Ludwig Kraus (u.a. in "Der Israelit" vom 2.4.1908 S. 9), um 1911 Max Kraus (in "Der Israelit" vom 12.4.1911 S. 5), um 1921 David Hermann (in "Der Israelit" vom 5. Mai 1921 S. 6).
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Heimann (geb. 1.2.1881 in Demmelsdorf / Scheßlitz, gef. 14.9.1914, "Max Hermann" in: "Neue jüdische Presse - Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 4. Dezember 1914 S. 6) und Kanonier Jakob Adler aus Kleinsteinach, zuletzt Religionslehrer in Demmelsdorf (in: Israelitisches Familienblatt" vom 25. April 1918 S. 2). Der Name von Max Heimann steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege in der Dorfkapelle links neben dem Altar.       
  
Um 1924, als noch 44 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (14,6 % von insgesamt etwa 300 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Karl Heimann jun. und Wilhelm Berg. Als Vorbeter war W. Levy tätig, als Lehrer Julius Hermann. Er unterrichtete damals zehn jüdische Kinder im Religionsunterricht. Zur jüdischen Gemeinde Demmelsdorf gehörten auch die in Scheßlitz lebenden 33 jüdischen Einwohner ("Israelitische Kultusgemeinde Demmelsdorf-Schesslitz"). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Bamberg. 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Hermann Rollmann und Semi Hausmann, beide aus Scheßlitz. Vorsteher der Repräsentanz waren Heinrich Herrmann, Max Mannheimer, Ludwig Heimann (diese aus Demmelsdorf) und Leo Ansbacher (letzterer aus Scheßlitz).
  
An jüdischen Vereinen bestanden 1932: eine "Armenkasse" (Kupat Anijim, 1932 Vorsitzender Max Wurzinger, Ziel: Wohltätigkeit), der Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Chewrah Kadischa (Heilige Bruderschaft, Vorsitzender Ludwig Heimann, Ziel: Unterstützung, Bestattungswesen) und ein Frauenverein (Heilige Schwesternschaft, gegründet 1881, 1932 Vorsitzende Marie Heimann, Ziel: Wohltätigkeit). Lehrer David Banda erteilte 1932 12 jüdischen Kindern Religionsunterricht.  
 
1933 gehörten noch 42 jüdische Personen zur jüdischen Gemeinde Demmelsdorf. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verzog ein Teil der jüdischen Einwohner in den folgenden Jahren von Demmelsdorf in andere Orte oder emigrierte ins Ausland (16 nach England, Südafrika und in die USA; unter den Emigranten auch der letzte Lehrer der jüdischen Gemeinde Ludwig Fleischmann, siehe "Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern" vom 1.11.1938 S. 18). Beim Novemberpogrom 1938 kam es zu schweren Gewalt- und Plünderungsakten gegen die jüdischen Einwohner und ihre Wohnungen, insbesondere durch SA-Männer aus Bamberg. Dabei wurde u.a. ein halbblinder, alter jüdischer Einwohner (Jakob Berg) aus seiner Wohnung gezerrt und geschlagen, bis der Ortsgruppenleiter von Scheßlitz dazwischentrat und den Misshandlungen ein Ende bereitete. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und zu Fuß nach Scheßlitz verbracht, von hier aus auf Lastautos in das Bamberger Gefängnis. Im April 1942 wurden die letzten 14 jüdischen Einwohner von Demmelsdorf über Bamberg nach Izbica bei Lublin deportiert. 
    
Von den in Demmelsdorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): David Michael Banda (1902), Helmut Banda (1929), Liddi Banda (1928), Paul Banda (1929), Ricka Banda geb. Kannenmacher (1906), Jakob Berg (1872), Klara (Clara) Berg geb. Satzmann (1879), Ida Fleischer geb. Heimann (1889), Klara Goldschmidt (1859), Adelheid Haas geb. Wahlhaus (1871), Emma Hahn geb. Heimann (1880), Katie Hausmann geb. Kraus (1898), Emil Heimann (1885), Emil Heimann (1886), Hannelore (Hanna Lore) Heimann (1922), Louis Heimann (1869), Max Heimann (1886), Paula Heimann geb. Haas (1897), Siegfried Heimann (1882), David Herrmann (1879), Heinrich Herrmann (1873), Regina Herrmann geb. Heimann (1885), Rose Himmelreich geb. Herrmann (1877), Klara Kaufmann geb. Kraus (1865), Marta Mannheimer geb. Heimann (1892), Max Mannheimer (1882), Trude Mannheimer (1924), Walter Mannheimer (1927), Lia Sämann geb. Weglein (1883), Ida Selling geb. Goldschmied (1862), Hannelore Wurzinger (1927), Hans Siegfried Wurzinger (1933), Klara Wurzinger geb. Mannheimer (1892), Max Wurzinger (geb. ?), Sigmund Wurzinger (1877). 
     
Am Weg zum jüdischen Friedhof in Zeckendorf befindet sich ein Gedenkstein mit den Namen der in der NS-Zeit umgekommenen Juden aus Zeckendorf, Demmelsdorf und Scheßlitz. Die hier festgehaltenen Namen aus Demmelsdorf sind: Jakob Berg / Clara Berg / Emil Heimann / Paula Heimann / Hannelore Heimann / Max Heimann / David Herrmann / Regina Hermann / Heinrich Hermann / Max Mannheimer / Martha Mannheimer / Trude Mannheimer / Walter Mannheimer.   
    
Nach 1945 gab es - zwischen Frühjahr 1946 und April 1948 - für Überlebende aus Konzentrationslagern eine Aufnahmelager in Scheßlitz (Kibbuz Talba - Hachschara) vgl- https://www.after-the-shoah.org/schesslitz-kibbuz-talba-hachschara-schesslitz-kibbutz-talba-hachsharah/. Hier lebten zwischen Mai 1946 (32) und Februar 1947/Januar 1947 (jeweils über 100) jüdische Personen, um sich von den furchtbaren Zeiten in den Konzentrations- und Arbeitslagern zu erholen und für eine Auswanderung nach Palästina/Israel vorzubereiten. Im Lager gab es u.a. einen Fußballverein Hapoel Scheßlitz. In der unmittelbaren Umgebung gab es auch in Zettlitz und Zeckendorf solche Lager.
   
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde                     
     
Bericht zum Judenpogrom in Burgellern, Schesslitz und weiteren Orten der Umgebung 1699 - Beitrag von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein  

Artikel in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt am Main" vom 1. Januar 1893 S. 5-7: "Die Judenplünderung in Franken vom Jahr 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg.
Der 30jährige brüdertrennende und länderverheerende Glaubenskrieg, der als Frühlingssturm überleitet von der Mittelzeit zur Neuzeit, so unsägliches Elend und so gräuliche Verwüstung er über die deutschen Lande verbreitete, für die deutsche Judenheit war dieses Austoben der Volksleidenschaften und diese Ableitung des Glaubensfanatismus von wohltätigen Folgen. Denn während die feindlichen Brüder in unversöhnlichem Glaubenszwist mit Feuer und Schwert gegeneinander wüteten, stand das Judentum als unbeteiligter Dritter abseits und machte sich zu eigen die Losung seines Propheten: 'Geh', mein Volk, ziehe dich zurück ins innere Gemach und schließ die Türe hinter dir, verbirg dich eine Weile, bis vorüber geht der Sturm.' So kommt es, dass die entfesselten Stürme des 30jährigen Krieges vorübergezogen sind an der Abgeschiedenheit der Judengassen, ohne größeres und nachhaltiges Unheil anzurichten, und dass wir von einer Judenverfolgung im größeren Umfange im ganzen Verlaufe der Kriegswirren in Deutschland nichts hören (Anmerkung: S. Graetz: Geschichte X S. 39 ff). Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, nachdem der aufgezehrte Fanatismus und die erschöpften Leidenschaften neue Nahrung erhalten und neue Kraft gesammelt, kam es zu größeren Anfeindungen und Verfolgungen, die mit der Ausweisung der Juden aus Wien und dem Erzherzogtum Österreich im Jahre 1670 endeten. An der Wende des 17. Jahrhunderts aber, nachdem Wülfer und Wagenseil, Beide in Franken, die 'Feuergeschosse des Satans' gegen die Juden geschleudert hatten, kam es im Frankenlande zu einem wüsten Pöbelexzess, von dem die Verfasser größerer Geschichtswerke bisher keine Notiz genommen, trotzdem es sich um eine nicht bloß lokale Bewegung handelt. Über dieses bisher in seinen näheren Umständen unbekannte Faktum soll hier auf Grund des Aktenmaterials Bericht erstattet werden (Anmerkung: Kgl. Kreisarchiv Bamberg: hist, catal. No. 375 und Bamb.Verordnungen I).
Es war unter der Regierung des Fürstbischofs und Kurfürsten (von Mainz) Lothar Franz von Schönborn (1693-1729), eines sonst gerechten und liberalisierenden Fürsten. Zwar ließ auch er im Geiste der Zeit Beschränkung auf Beschränkung häufen in handelsrechtlicher Beziehung, aber er hatte doch soviel Sinn für das Gerechte und Geziemende und war so erleuchtet, dass er von der allgemeinen Verordnung, nach welcher Jedermann Nachts auf den Gassen nur mit erleuchteter Laterne erscheinen durfte, die Juden für den Freitag Abend befreite (Anmerkung: Jäck: Jahrbücher S. 386.) Ja, er verstieg sich sogar zu der Weisung an die Beamten seines Landes, dass sie die Juden in Straf- und Exekutionsfällen nicht, wie das üblich gewesen zu sein scheint, in Schweineställe sperren, 'da sie ja gleichwohlen auch Menschen seien' (Anmerkung: Verordnung vom 24. November 1719). Es war also unter der Regierung dieses so humanen Landesvaters, da tauchte plötzlich ohne unmittelbare Veranlassung sozialer oder religiöser Natur Mitte Mai 1699 irgendwo im Bamberger Lande das Gerücht auf, es sei kaiserlicher und kurfürstlicher Befehl gekommen, die Juden auszuplündern und binnen drei Tagen aus dem Lande zu jagen. Allem Anscheine nach war das Gerücht, das sich wie ein Lauffeuer von Ort zu Ort und von Dorf zu Dorf verbreitete, von auswärts ins Land getragen worden durch verkommene und heimatlose Subjekte, die den Abdruck eines gefälschten kaiserlichen Patents unter das Volk verteilten, um bei den entstehenden Wirren im Trüben fischen zu können. Eines Tages war ein fremder Maler Joh. Merck, der sich für einen Studenten ausgab, in der Synagoge von Mühlhausen erschienen, um daselbst Alles auszuspionieren, und notierte sich sämtliche Judenhäuser des Ortes. Darauf griff er auf der Landstraße einen Lisberger Juden an, setzte ihm den Degen auf die Brust und zwang ihn zur Hergabe seines Rockes. Darauf forderte er die Jugend der Umgegend auf, mit ihm zur Judenplünderung nach Mühlhausen zu ziehen; es würde ihnen nichts dafür geschehen; sollte der Amtmann Einen von ihnen gefänglich einziehen, so brauche er bloß einige Zeilen nach Bamberg an die Studenten zu schreiben, dann würden alsbald bei 500 Studenten gegen das Schloss rücken; sollte das nicht genügen, so würde er um Succurs nach Würzburg schreiben, dann würden die Gefangenen bald wieder freigegeben werden. Darauf setzte sich eine Rotte von halbwüchsigen Burschen, die sich unterwegs die Gesichter schwärzten, gegen Mühlhausen in Bewegung. Als sie auf der Brücke vor dem Dorfe angerückt waren, kamen ihnen drei Wächter entgegen und fragten sie, was sie denn eigentlich vorhätten. Darauf der Bescheid: es ist Befehl ergangen, dass wir die Juden ausplündern; die Dorfbewohner mochten sich ja nicht widersetzen, sie würden sonst alle zu Schanden gehauen und geschlagen werden. Worauf die Mühlhäuser sagten: 'wenn dem also, so wollten sie nichts dagegen sagen, sondern nur gebeten haben, im Dorfe kein Feuer anzulegen.' Und mit diesen Worten verzogen sich die treuen Wächter auf die Seite und drückten das wachende Auge des Gesetzes fest zu, während der Schwarm unbehindert ins Dorf einzog und bei des 'Kirchen Mojchel's Behausung' den Anfang machte mit Stürmen und Plündern. Der fremde Maler und angebliche Student leitete dann die Plünderung in Frensdorf, setzte von da die Agitationsreise fort nach Burgebrach, wo er endlich von dem dortigen Vogt verhaftet wurde.
Das Gerücht von dem obrigkeitlichen Befehl zur Judenausplünderung und Judenaustreibung fand überall im ganzen Fürstbistum Bamberg ein gläubiges Ohr und ein dankbares Publikum und nur wenige Beamte getrauten sich, nach der Herkunft des angeblichen kaiserlichen Patents zu fragen und dem sich fortpflanzenden Aufruhr hindernd entgegenzutreten. Es war eine gar zu lockende Musik, wenn die Beuterer unter Rufen und Schreien ins Dorf hineinstürmten mit der Nachricht, sie hätten schon mehrere Dörfer ausgeplündert und herrliche Beute gemacht, dass sie nicht wüssten, was sie mit den schönsten Sachen anfangen sollten, und wenn Mancher sich rühmte, soviel erbeutet zu haben, dass er zeitlebens 'in aller Vergnügenheit' leben könnte. Wurde doch die importierte Lüge auch von der Autorität mancher Schulmeister, Schultheißen und Bürgermeister gestützt, welche die Gelegenheit benutzten zum Aushetzen und Aufwühlen der Dummen, die sich der Tragweite ihres Tuns und Beginnens nicht recht bewusst waren. In Burgellern stand der Bürgermeister Andreas Fiernlein an der Spitze der Agitation und begeisterte mit seiner Bearbeitung der ganzen Umgegend und Organisierung der Banden derartig, dass ein Bauer einen heiligen Schwur ablegte, er würde dem Juden Josel Levi in Burgellern Kopf und Gurgel abschneiden. Die bedrohten Juden von Burgellern ihrerseits erbaten sich von der fürstbischöflichen Regierung 20 Reiter zu ihrem Schutze und gaben ihre Wertsachen zu christlichen Freunden im benachbarten Städtchen Scheßlitz in Verwahrung. Zwei Nächte hintereinander lauerten die truppweise rings um das Dorf postierten Banden auf eine Fuhre Geld, die, wie vom Bürgermeister ausgesprengt wurde, Josel Levi über Scheßlitz bekommen sollte. Endlich am dritten Abend, als die berußten Gesichter um 10 Uhr vor dem Dorfe aufmarschierten, wurden sie vom Bürgermeister, der die Bewohner seines Dorfes bereits geweckt und alamiert hatte, erwartet und mit den Worten empfangen: 'Ihr Bluthunde, warum verbleibt Ihr so lange aus? wenn sie diese Nacht vorübergehen ließen, würden die Juden ihr Hab und Gut in salvum bringen und der Vogel würde ihnen aus Händen fliegen.' Aber der Räuberbande fehlte der Mut zum Vorwärts, weil die Sage ging, dass der Leibbauer des Juden Josel Levi zur Verteidigung desselben vier Büchsen auf dem Tische liegen habe. Endlich feuerte einer von der Brücke aus einen Schuss auf das Haus des Juden und dieser Schuss war das Signal zum allgemeinen Losbrechen. Die Belagerer setzten sich von allen Seiten in Bewegung, der Jude David schrie auf der Straße 'Feurio', in der Dunkelheit der Nacht wurde bald da bald dort gepfiffen, die Kirchglocke läutete Sturm, unter dem Rufe: 'Ihr Christen raus!' brach man durch Türen und Fenster in das Haus des Josel Levi, während derselbe mit einem Säckchen Geld unterm Arm flüchtete, und plünderte und machte zur Beute bei ihm wie bei den andern Juden des Ortes alles, was nicht niet- und nagelfest war. (Fortsetzung folgt.)"    
Fortsetzung in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt am Main" vom 1. Februar 1893" S. 28-29: "Die Judenplünderung in Franken v.J. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg.
Und wie in Burgellern so rotteten sich an ca. 36 Ortschaften des Fürstbistums Bamberg zusammen 'Bauern, Bauerssöhne, Dienstknechte, Buben, Weiber, Töchter und Mägde', die Männer mit Beilen bewaffnet und die Weiber mit Säcken versehen, um allerlei Plunder einzupacken und mitzunehmen; Alles wurde mitgenommen und nichts verschmäht, bis auf das Schächtmesser und die Gebetbücher, bis auf die Tresse vom Gebetmantel, bis auf die Armenbüchsen in den Synagogen, sogar 'ein gelber Vorhang von denen Zehen gebotten' (sc. Parochet, Toraschreinvorhang) wurde in Stadelhofen (bei Scheßlitz) mitgeraubt. Ein jüdischer Zeitgenosse klagt in einer handschriftlichen Notiz (Anmerkung: Auf dem Titelblatt eines Heidenheim I546 gedruckten Buches im Besitze des Herrn Lehrer Nordhauser in Altenkunstadt. Die Notiz, deren Inhalt bis ins Einzelne mit den Archivakten übereinstimmt, verdanke ich der Güte des Herrn Rabbiner Dr. Cohn in Burgkunstadt): 'Am Sonntag vor dem Sabbat 'Bechukothai" des Jahres 5459 (= 17. Mai 1699) rotteten sich im ganzen Lande Bamberg in ca. 36 Ortschaften die Bauern zusammen, um uns das Unsrige wegzunehmen, kein Ort und kein Jude ist verschont geblieben. Auch die Synagogen sind verwüstet und die Torarollen sind zerschnitten worden, auch mir ist eine Torarolle in vier Stücke zerschnitten worden. G'tt sei Dank ist kein einziges Menschenleben angerührt worden.' Nun, wenn auch bei dieser würdigen Sonntagsfeier des christlichen Pöbels und anscheinend überhaupt im ganzen Verlaufe der Bewegung kein Verlust an Menschenleben zu beklagen war, so sind doch Menschenleben oft genug bedroht worden. Auf öffentlicher Landstraße wurde der Jude Krauskopf aus Hallstadt von Bewaffneten angefallen und 'bis auf das Hembt' ausgezogen, während Einer die Frau des Löw Michael in Mistelfeld auf offener Gasse 'wie ein Bär' angefallen, zu Boden geworfen, herumgeschleift und so lange gepeinigt, bis sie ihre in den untersten Unterkleidern verborgenen Schätze herausgab. Sogar die in der Erde verborgenen und vergrabenen Schütze wurden herausgewühlt, wobei allerdings die Juden nicht überall die Dinge ohne Gegenwehr geschehen ließen, da von einem der Plünderer berichtet wird, er sei 'sehr übel und hart gehieben und beschädiget worden, dass er wohl schwerlich ohne Lähmung davon kommen dörffte'. Auch in der Stadt Bamberg selbst scheint der Pöbel einige Orgien gefeiert zu haben, doch darüber fehlt bisher die nähere Kunde. (Anmerkung: Schudt Jüd. Merkwürdigkeiten I S. 395: 'Die Juden haben sehr neulich abermals von einem zusammengelaufenen Gesinde in der Stadt Bamberg und der benachbahrten Landschaft ausstehen müssen).
Zur Erinnerung an diese hier geschilderten Heimsuchungen setzte der damalige Landesrabbiner von Bamberg Mendel Rothschild einen Fasttag ein, der alljährlich am 29. Nissan durch Liturgie und Spendengaben gefeiert werden sollte und noch jetzt in Bamberg als sogen. 'Zwetschgen-Taanith' bekannt ist und gottesdienstlich gefeiert wird. Den Ritus für die Feier dieses 'unbekannten Fasttags' beschreibt auf Grund einer handschriftlichen Notiz Kobak (Jeschurun, Jahrg. VI., Heft I., S. 31), dem das Datum und die näheren Umstände noch vollständig unbekannt waren. (Anmerkung: Erst G. Wolf (Monatsschrift 18 S. 379) bezieht den Fasttag auf die Judenplünderung des Jahres 1699. Zunz (Ritus S. 127) kennt den Fasttag nicht und ist danach zu ergänzen. Mendel Rotschild soll übrigens mder Stammvater des Hauses Rothschild sein. Vgl. Levysohn: Naffschot zadikim Nr. 41) Zur Begründung der sonderbaren Bezeichnung des Tages als 'Zwetschgen - Taanith' wird daselbst auf eine Volkssage verwiesen, welche Wahrheit und Dichtung durcheinander mischt. Die Archivsakten geben völlige Klarheit auch über diesen Punkt. Der oben genannte Josel Levi in Burgellern, gegen welchen als gegen den reichsten Juden des Ortes die Wut des aufgereizten Pöbels am meisten gerichtet war, hatte auf dem Boden seines Hauses ca. 600 Zentner Zwetschgen liegen, auf welche der oben genannte Bürgermeister und seine Raubgenossen ein besonders lüsternes Auge geworfen hatten und die dann auch geplündert und unter die Beuterer verteilt wurden. Ein anderer reicher Jude in Burgellern, der als der 'rote Jude" genannt wird, hatte ca. 197 Zentner Zwetschgen, die er in der kritischen Zeit von einem dazu bestellten Fuhrmann verladen ließ, um sie auf dem nahen Schlosse Giech zu bergen, als ein Müllersknecht gelaufen kam mit dem Rufe: es würde nichts mehr ins Schloss gelassen und die Leute wären schon da, um den Juden völlig auszuplündern. Hierauf schüttete der Fuhrmann die Ladung wieder aus und die Spolianten fielen über den Haufen Zwetschgen her. Da nun seit 1654 der Sitz des Landesrabbinats in dem benachbarten Zeckendorf war (Anmerkung: S. Pottler: Repertorium über die Hochfürstlich Bamberger Verordnungen S. 47a, Nr. 19), so liegt es ziemlich nahe, dass der Tag der Zwetschgen-Plünderung zum Fasttag bestimmt wurde und dass die Erinnerung des Volkes an dies hervorragende Faktum anknüpfte.
Wir nehmen nun nach dieser Abschweifung den Faden der geschichtlichen Darstellung wieder auf. Die oben im Zusammenhange geschilderte Bewegung gegen die Juden nahm einen allgemein bedrohlichen Charakter an, die Revolte streifte an Revolution. Der Appetit kam mit dem Rauben und Plündern, der Verderber war losgelassen und machte keinen Unterschied mehr, und so kann es uns nicht Wunder nehmen, dass man sich schließlich nicht mehr mit den Juden begnügte, sondern dass z. B. in Adelsdorf die Rädelsführer an der Spitze einer Bande ins Dorf fielen und die Häuser auch der Nichtjuden plünderten und verwüsteten. Der Vogt von Steppach, Herr v. Truchseß, bekam ein anonymes Schreiben des Inhalts: er möge die Juden hinauswerfen und sich selbst von dannen reterieren. Die bedrohten Juden hatten in ihrer Not und Angst Wertsachen und Mobilien in die Häuser befreundeter Christen und in die Schlösser der Adeligen geflüchtet, um sie daselbst zu bergen; aber auch diese boten keine Sicherheit, auch die Christenhäuser und die Schlösser des Adels wurden gestürmt und geplündert. Das war Rebellion, da durfte man nicht zusehen und geschehen lassen, da musste mit Energie Einhalt geboten werden. (Fortsetzung folgt.)"  
Fortsetzung in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt am Main" vom 1. April 1893" S. 79-81: "Die Judenplünderung in Franken v.J. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg. (Fortsetzung.). 
Als das Toben und Beutemachen Mitte Mai 1699 losging, waren die Stände des fränkischen Kreises gerade in Nürnberg zum Konvent versammelt. Die Nachricht von den Vorgängen und Geschehnissen im Fürstbistum Bamberg, die ja so leicht die Nachbargrenzen überschreiten konnten, rief eine lebhafte Beunruhigung des Konvents hervor und es wurde beschlossen, sofort ein geharnischtes Patent zu erlassen und nötigen Falles mit der gesamten Militärmacht des gesamten fränkischen Kreises einzuschreiten. Das erwähnte Patent lautet also:
'Demnach einige Fürsten und Stände dieses löbl. Fränkischen Kreises dem allhier versammelten allgemeinen Kreis-Konvent nachrichtlich anfügen lassen, welcher gestalten sich in verschiedenen Orten allerhand loses und liederliches Gesindlein nicht allein zusammen rottiret, sondern auch unter dem praetext eines wider die Juden abgefassten Hasses, wirkliche Rauberei und Plünderungen sowohl in Juden-Häusern, als adeligen Schlössern, wohin ein und andere Jüdische Mobilia etwan haben salviert werden wollen, vorzunehmen, unterfangen, auch es fast das Ansehen gewinne, als ob allerhand Untertanen und Bauers-Volk sich demselben ebenfalls beizugesellschaften nicht ungeneigt seie, die vorhandene Reichs­und Kreis-Schlüsse hingegen genügsame Zihl und Maß geben, dass dergleichen dem gemeinen Wesen höchstschädlicher und zur Unsicherheit der Land- und Leuten, wann nicht in Zeiten vorgebogen wird, gar bald ausschlagenden Empörungen nicht nachgesehen, sondern denenselben, durch Zerstreuung sothaner zusammenrottierter böser Leute, mit allem Ernst und Eifer, abgeholfen werden solle, welches man dann auch, gesamten Kreises wegen zu tun, im wirklichen Begriff ist. Als werden, im Nahmen sämtlicher Hn. Fürsten und Stände des obgedachten löblichen Fränkischen Kreises, alle denenselben angehörige Untertane und in dero Schutz Aufgenommene, vermittelst dessen erinnert, an sothanen und dergleichen Tätlichkeiten, es möge selbe wieder Juden oder Christen abziehlen, bey Leib- und Lebens-Straff, keinen Theil zu nehmen, noch vielweniger aber dem herum vagiren- den liederlich- und losen Gesindlein anzuhangen, Unterschlaiff zu geben, oder sich gar zu demselben zu schlagen, aufs was Weiß auch solches sehn könne oder möge; Nebst deine ergehet an alle Amt-Leut und Befehlshabere hiermit die gemessene Verordnung, daß sie, äußersten Kräften nach, sich angelegen sein lassen sollen, die vermessene Contravenienten, wann sie ausgekundschaft, oder behörig überzeugt werden, ohne einiges Nachsehen, so balden Handvesten, und bis auff weiters er­folgende Herrschaftliche Verordnung bei Verlust ihrer Chargen und Ämter, auch mehr anderer schweren Ungnaden und Straffen, gefänglich anhalten zu lassen; dessen man sich zu geschehen versiehet. Signatum Nürnberg bey noch fürwehrendem allgemeinen Fränkischen Kreis-Konvent den 26./16 May 1699. (Anmerkung: Vgl. hierzu die in der Monatsschr. vorigen Jahres 1869 5. 469 erwähnte Eingabe des Fürstbischofs v. Bamberg an den Kaiser Josef I. vom 2. März 1706).
Dieses Patent scheint zunächst keinen tiefen Eindruck auf das 'liederliche Gesindlein' gemacht zu haben. Denn schon 8 Tage nach der Herausgabe desselben lassen die Regierungsräte des Fürstbischofs von Bamberg in Abwesenheit desselben ein Ausschreiben ergehen an sämtliche Beamte des Landes des Inhaltes: Von leichfertigem Gesindel, das nicht einmal dem Stift angehörig, sind Räubereien und Plünderungen gegen die Judenschaft vor einiger Zeit geschehen. Damit man die Bambergischen Untertanen nicht in der Nachbarschaft und im ganzen römischen Reiche zu ihrem und ihrer Kindeskinder ewigen Schandflecken für Räuber und Rebelleu ausschreie, und nachdem ferner bereits veranlasst worden, dass nötigen Falles des gesamten fränkischen Kreises Miliz und sämtliche Regimenter zu Ross und zu Fuß zusammen gezogen werden, ergeht der Befehl: Die Beamten sollen die Untertanen an ihre Pflichten erinnern, daß sie nötigen Falles dem Gesindel sich mit bewaffneter Hand entgegenstellen und Gewalt mit Gewalt vertreiben. Sollten unter den Rotten sich einige Begüterte befinden und lebendig oder tot eingeliefert werden, so soll ihr Hab und Gut eingezogen, verkauft und der Erlös zur Recompense der Juden verteilt werden. (Verordnung v. 24. Mai 1699.)
Mit welchem Ernste und mit welcher Energie die Angelegenheit aufgefasst und betrieben wurde, ersieht man daraus, dass schon am nächstfolgenden Tage, den 25. Mai, abermals von den höchsten Hofbeamten in Abwesenheit des Fürstbischofs eine ernste Verwarnung veröffentlicht wurde des Inhalts: Es ist landeskundig, dass seit einiger Zeit eine Rotte verwegener Bösewichter in verschiedenen Bambergischen Dorfschaften Vergewaltigung und Plünderung der Judenschaft ausgeübt. Es wird nochmals gewarnt vor dem Unglück, das daraus entstehen könnte.
Es ist anzunehmen, dass das Kreispatent und die verschiedenen Ausschreiben auf Drängen und Betreiben der im Fürstbistum wohnenden Juden mit veranlasst worden sind. Auch an den Kaiser Leopold (1640—1705) hatte sich die Judenschaft beim Ausbruch des Aufstandes klagend gewandt, zugleich mit der Bitte, die Wiedererstattung der beschädigten und geraubten Vermögensobjekte veranlassen zu wollen. Ihre Klage und Bitte fand an höchster Stelle Erhörung, indem der Kaiser, allerdings post factum, als die Ereignisse es bereits überholt hatten, nachfolgendes Patent ergehen ließ, das in der Stadt Frankfurt, als dem frequentiertesten Handelsplätze, öffentlich angeheftet werden musste:
'Wir Leopold von Gottes Gnaden, Erwählter Römischer Kaiser etc. Demnach Uns von unterschiedlichen Orten die Nachricht zugekommen, auch von denen in dem Fränkischen Kreis hin- und wider wohnenden Juden, alleruntertänigst geklagt worden: Was Massen sich unlängst im jetzigen Kreis eine große Menge allerhand loses und liederlich Gesindts zusammen rottieret, welches aus einem gegen die Juden gefassten Hass, und sogar mit Vorweisung eines vermessentlich erdichteten Kayserlichen Patents (vermög dessen Jedermann erlaubt sein soll, alle Juden im Römischen Reich, an Hab und Güter, das Leben allein ausgenommen, aufs äußerste zu verfolgen und anzugreifen bereits an etlichen und dreißig Orten würckliche Rauberey und Plünderung dergestalt verübet, dass sie nicht allein in die Juden-Häuser mit Gewalt eingedrungen, und dieselbe völlig aufgeplündert, sondern auch verschiedene Adeliche Schlösser, und andere Häuser, wohin teils Juden ihre Mobilia etwan in Sicherheit zu bringen vermeint, mit gleicher insoleus angefallen und misshandelt, dieser Rott sich auch von Tag zu Tag vergrößere, und immerhin noch mehrers Land-Volk sich darzu zuschlagen, durch obberührtes falsches Patent verleitet werde: Uns aber von Kaiserlichen allerhöchsten Amts wegen oblieget, sowohl allen und jeden Unseren und des Heil. Reichs Untertanen, wider unrechtmäßigen Gewalt gehörigen Schutz und Schirm zu halten, als auch gegen dergleichen höchst-gefährliche und Landts- verderbliche Aufständ und Empörungen unverlängtes und ernstliches Einsehen zu tun: Als ermahnen Wir zuvörderst alle und jede Unsere und des Heil. Reichs Untertanen und Getreue, dass sie oberwehntem Patent, als welches von uns nie ausgangen, sondern von bösen Leuten und Aufrührern strafmäßig erdichtet worden, keinen Glauben beimessen, noch sich oberzählten Muthwillens und Land-Friedbrüchiger Handlung teilhaftig machen, viel weniger solchem herum schwebenden losen Gesind anhangen, Hülst. Vorschub oder Unterschleiff geben sollen, auf keine Weiß noch Wege, bei Verlust Hab und Güter, Leib und Lebens. Wir gebieten auch darauf allen und jeden Kurfürsten und Ständen des Reichs, insonderheit aber des Fränkischen Kreises hiermit von Röm. Kaiserlicher Macht ernstlich, und wollen, daß Sie in Ihren Land und Gebieten, nicht allein der aufgenommenen Judenschaft, wider alle Unbillichthätlichkeit und Vergewaltigung den Obrigkeitlichen Schuh und Schirm leisten, sondern auch dem Räuberischen Hausten, und ihren Helstern, oder Zugetanen Ihres besten Vermögens, mit allem Ernst und Fleiß nachtrachten, nacheylen, dieselbe trennen, und Handfest machen, in specie auch gegen den Urhebern und Verfasser obbedeuten falschen Patents genau inguiriren lassen, und gegen dieselbe mit Straff, und in andere Wege, wie es die gemeine Recht- und Land-Friede, auch andere Reichs-Ordnung vermögen und ausweisen, verfahren, nicht weniger auch denen Beschädigten und Beraubten, zu Recuperirung des Ihrigen, in alle Wege verhülfflich seyn sollen, daran beschicht Unser gnädigster Will und Mainung. Geben in Unserer Stadt Wien, den 16. Juni 1699' etc. Leopold. *) (Fortsetzung folgt.)"  
Fortsetzung in "Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen - Organ des Mendelssohn-Vereins zu Frankfurt am Main" vom 1. Mai 1893" S. 103-106: "Die Judenplünderung in Franken v.J. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg. (Schluss.). 
Die Drohung, welche im Kreispatent vom 16. Mai und im Ausschreiben der bischöflichen Regierung vom 24. Mai ausgesprochen war, dass nötigen Falles 'von gesammten Kreises wegen' militärisch eingeschritten werden würde, war kein leeres Wort. Dem ernsten Worte, als es keinen Erfolg hatte, folgte alsbald die ernste Tat. Mitte Mai hatten die Ausschreitungen ihren Anfang genommen, die erst Mitte Juni des Jahres 1699 ihr Ende erreichten; aber schon Anfang Juni vereinigte sich eine Militärabteilung aus Nürnberg mit einer Militärabteilung aus Bamberg zu einer Strafexekution unter Leitung und Kommando des Oberstleutnants Hans Georg von Lauffer, der als bischöflicher Kommissarius die Untersuchungen leitete und das Strafgericht verhängte. Es war der rechte Mann am rechten Orte, ein Mann, ausgezeichnet ebenso wohl durch von Humor gewürzte Bildung als durch unermüdliche Energie, der, wo es nötig schien, auch den Büttel des Korporals nicht schonte. Wie im Fluge eilte er mit seiner Strafexpedition von Ort zu Ort und von Dorf zu Dorf, nahm überall in öffentlicher Gemeindeversammlung die schärfsten Inquisitionen vor, zwang die Plünderer zur Herausgabe und Wiedererstattung der geraubten Beute an die jüdischen Eigentümer, legte in die Häuser der Schuldigen Einquartierung und ließ die Rädelsführer und Schuldigen 'erster Klasse', wie er sich in seinem ausführlichen Berichte an den Fürstbischof ausdrückt, in Ketten gefesselt nach Schloß Giech oder nach Forchheim abführen und daselbst internieren. Während seiner Anwesenheit in Stadelhofen am 17. Juni kamen zwei Abgesandte aus dem benachbarten Königsfeld, um ihn zu fragen, mit welchem Rechte er ihre Kommune mit Einquartierung belegt und einige derselben gefänglich eingezogen habe. Die Antwort auf diese Frage wurde mit einer nicht misszuverstehenden Deutlichkeit gegeben: 'Als Beauftragter des Churfürsten habe mich die Wahrheit zu gestehen, nicht enthalten können, diesem losen Vogel und gesanden, auf seine vermessene goschen Ein dichte Maulschellen anzuhenken, mit dem Beisatz, sich damit seiner Wege zu trollen' und diese Antwort seinen Auftraggebern mitzubringen. An einem andern Orte hatte ein Angeschuldigter geleugnet und war des Falscheides überführt worden. Von ihm berichtet v. Lauster als Vorsitzender der Untersuchungskommission: 'damit nun die vorhergegangene temerität, und Gottesbeleidigung im schwöhren nicht ungestraft dahin gehen möge, Als habe Ihm, nach dem Sprichwort: 'qui non habet in aere, luat in cute' zum valete ettlich und zwantzig Brügel, deren Er sich lieber bedanket hette, geben lassen." Wieder an einem andern Orte ließ der schneidige Führer der Strafexpedition die überführten Plünderer sich gegenseitig das wambs ausklopfen, bis die Spoly herbeigeschafft.' Einen verstockten Leugner ließ er 'dem leiblichen exerciiio eines Corporals mit einem guten stock untergeben, bis ihm der Rücken in etwas durch diese wohlwirkend stocksalben aufgeweichet worden" und er eingestanden, dass er das geraubte Geld in seinem Keller vergraben.
Auch über die Motive der Judenplünderung verdanken wir dem Berichte des bischöflichen Kommissarius einen schätzenswerten Beitrag. Man wird sich erinnern, dass in Burgellern Josef Levi das am meisten leidende Opfer der Volkswut und das Hauptobjekt des Angriffs gewesen. Nun stellt ihm der Komissarius in seinem Protokolle über die stattgehabten Untersuchungen in Burgellern am 19. Juni das folgende Ehrenzeugnis aus: 'Bei dem bishero angehaltenen Examine habe nicht ermangelt, angelegentlich zu expisciren, ob vielleicht ein und anderer einige Gravamina gegen Josel Juden einzuwenden hätte, und dadurch zu der ausgeübten verfolg- und Plünderung umb so ehender Veranlassung nehmen können. So habe aber durchgehends die antwort erhallen, dass Ihnen keine Beschwerde wieder den Josel Juden im geringsten nicht wissent seyen,' da sie Alle nur ein Opfer der Verführung wären. Es war also nichts weiter als gemeine Habsucht und Räuberei und kein tiefer liegendes Motiv religiöser oder sozialer Natur, das zur Entladung gespannter Volksleidenschaften hätte führen müssen, und sehr treffend ist die Bemerkung, mit welcher sich ein der Bedrohung Angeschuldigter vor der Untersuchungskommission verteidigt: 'dergleichen Gedanken seien ihm von Gott nicht, sondern von dem bösen Geist eingeblasen worden.' — Die Untersuchungen des Oberstleutnants von Lauser und damit die traurigen Ereignisse der Judenplünderung wurden beendet am 29. Juni 1699.
Die Ereignisse des Jahres 1699 hatten noch ein kleines Nachspiel in einem Prozess, der im Jahre 1740 bei der fürstlichen Regierung in Bamberg anhängig gemacht wurdet (Anmerkung: Über dieses Nachspiel ist ein kurzer Bericht veröffentlicht von H. Epstein (Monatsschrift vorigen Jahres 1880 S. 507), wo das Datum '21. Mai 1700' als Tag der Judenplünderung in Kronach dem Archivsact irrtümlich statt 1699 nachgeschrieben ist, da es sich daselbst um einen Gedächtnisfehler des Deponenten handelt) und der uns noch eine willkommene Ergänzung bietet zur Geschichte der Judenplünderung. Im Jahre 1740 starb nämlich in Graitz (bei Burgkunstadt) der dortige Pfarrer Joh. Heinrich Höhn mit Hinterlassung eines Vermögens von ca. 20.000 fl., die er einer Schwester und deren Kinder vermachte, während die Halbgeschwister mit wenig oder nichts bedacht wurden. Der bei der Erbschaft leer ausgegangene Halbbruder des Verstorbenen, der Schuhmacher Adam Höhn aus Kleinreuth bei Fürth, deponierte nun bei einem Notar in Kronach, dem Stammsitz der Familie, im Beisein und in Übereinstimmung seiner beiden Schwestern am 21. Mai 1740 folgende Aussage:
Als am 21. Mai 1699 in Kronach die 5 Judenhäuser von einer Rotte geplündert wurden, da sei auch er als 13-jähriger Knabe mitgelaufen und habe zwei Dutzend Strümpfe aus dem Hause des Juden Hirsch entwendet, die er seinen Eltern eingehändigt, als diese von der Wallfahrt nach Marienweiher (Anmerkung: Dorf im Bambergischen mit einem Franziskanerkloster) heimkehrten. Seine Schwester Anna aber habe damals als 10-11 jähriges Mädchen aus dem Hause eines Juden, dessen Namen er jetzt nicht mehr wisse, ein Kästchen mitgenommen und den Eltern zugetragen, darin enthalten waren: ein Knäuel massives Gold, so groß wie ein Hühnerei, eine silberne Kette, die seinem Bruder, dem eben verstorbenen Herrn Pfarrer, zweimal um den Leib ging, zwei goldene Schlangenringe für den kleinen Finger, drei silberne Ringe, ein silberner Esslöffel und etwa 10 Rthl. altes Geld, das Alles im Werte von ca. 500 fl.
Dieses Kästchen mit seinem wertvollen Inhalt habe sein verstorbener Vater seinerzeit unter der Stiege seines Hauses vergraben. Als man aber dann so scharfe Inquisition gehalten, da habe sein Vater all die geraubten Judensachen in eine Kotze eingepackt, die er ihm auf den Rücken legte, mit dem Auftrage, sie nach Zeuln zu tragen, wo sein Bruder damals Pfarrer war. Sollte ihn jemand unterwegs fragen, was er da trüge, so sollte er sagen: 'weiße Wäsche an meinen Herrn Bruder.' Unterwegs, gesellte sich eine Dirne zu ihm, die ihm den Pack ein Stück Weges tragen half und schließlich den Inhalt desselben untersuchen wollte. Er habe aus Furcht vor seinem Vater heftig zu weinen angefangen und eine des Weges kommende Bekannte von ihm bat die Dirne, sie möchte dem Knaben die Sachen lassen, da er einen bitterbösen Vater habe. Darauf sagte die Dirne: 'O das seiend lauter Sachen von denen Kronacher Juden, wann er mir nichts davon schenkt, so will ich ihm angeben.' Anfangs leugnete er, doch habe er ihr schließlich ein Paar Strümpfe geschenkt und damit 'ginge das Mensch von ihm.' Hierauf glücklich angelangt bei seinem Bruder, dem Pfarrer in Zeuln, habe derselbe ihn freundlich ausgenommen und die gestohlenen Judenwaren sofort ausgepackt und aufgehoben.
Kurz darauf habe es sich zugetragen, dass jene Dirne die ihr geschenkten Strümpfe bei einem Juden in Bamberg habe verkaufen wollen. Der Jude aber erkannte sofort, dass die zum Verkauf angebotenen Strümpfe Kaufmannsgut und mithin gestohlen seien. Sie wurde festgenommen und zum Vicedomamt gebracht, wo sie ein umfassendes Geständnis über Herkunft der Strümpfe ablegte. Sofort erging ein Regierungsbefehl nach Kronach, die ganze Familie Höhn in Haft zu nehmen. Seinem Vater wurden 6 Reiter ins Haus gelegt, Mutter, Tochter und Sohn wurden verhaftet. Ja, man habe ihn damals so scharf ins Verhör genommen, dass er von zwei Korporälen 50 Stockschläge bekommen und ihm gedroht wurde, man würde ihn mit glühendem Eisen brennen, wenn er nicht gestehen wollte. Trotzdem habe er aus kindlicher Furcht vor seinem jähzornigen Vater nicht das mindeste eingestanden, bis die Familie gegen von seinem Vater aufgebrachte Kaution aus der Haft entlassen wurde. Der Herr Pfarrer aber habe seine Familie stecken lassen und die gestohlenen Sachen bei sich behalten. 
So weit das vor dem Notar in Kronach im Jahre 1740 deponierte Geständnis des Adam Höhn über die Ereignisse des Jahres 1699. Der Notar übermittelt diese Aussage an das Stadt-Vogteiamt in Kronach, der Stadtvogt Dr. Kropff macht darüber am 11. Juli 1740 die pflichtschuldige Anzeige an die bischöfliche Regierung in Bamberg. Auf Grund des Notariat-Instruments erhebt nun der Schutzjude Low Capel in Kronach Restitutionsklage bei der bischöflichen Regierung: man möge die vor 40 Jahren verhandelten Acta genau einsehen, er habe damals öffentlich beschworen, dass ihm ein Kästlein mit dem oben näher bezeichneten Wertinhalt entwendet worden sei, und nun möge ihm sein Eigentum aus der Hinterlassenschaft des Pfarrers Höhn wiedererstattet oder ersetzt werden. Vor dem bischöflichen Malefizamte wird nun nicht nur Adam Höhn, der seine Aussage in allen Punkten aufrecht hält, sondern auch dessen Schwester Anna verhört, welche der Aussage des Bruders noch hinzufügt: Zwar habe der Pfarrer früher behauptet, er habe all die gestohlenen Judensachen einem Franziskanerpater in Marienweiher übergeben, sie wisse aber ganz bestimmt, dass das Kästchen sich noch bei der Erbschaftsmasse vorgefunden hätte. — Welchen Erfolg die Klage des Juden Löw Capel gehabt, ob und inwieweit er zu dem Seinigen gekommen, darüber geben uns die Akten keinen weitern Aufschluss."  

 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule 
"Aus der Chronik einer ländlichen Religionsschule. Ein Kulturbild aus der guten alten Zeit." 
Beitrag von Rabbiner Dr. Adolf Eckstein 
(erschienen in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung vom 1. Oktober 1929)               

Demmelsdorf BayrGZ 01101929a.jpg (229871 Byte)Am 19. Oktober 1827 hielt Jakob Marschütz aus Pretzfeld als Privatlehrer der israelitischen Schuljugend seinen unfeierlichen Einzug in Demmelsdorf bei Bamberg. Die Kenntnis dieser nicht gerade welterschütternden Tatsache verdanken wir einer Verordnung des bayerischen Kultusministeriums vom 24. Juli 1833 betreffend die Anlage einer Statistik und die Führung von 'Notizenbüchern in deutschen Schulen'. Über Inhalt und Zweck derselben heißt es: 'Das Notizenbuch soll in zwei Hauptteile geteilt werden. Der erste Hauptteil ist geschichtlichen und statistischen Inhalts. Derselbe soll daher von der Stiftung der Schule, ihren bisherigen Inspektoren und Lehrern, überhaupt von ihren früheren Schicksalen und Zuständen soviel enthalten, als bekannt ist.' (Anm.: veröffentlicht im Kreis-Intelligenzblatt des Obermainkreises, Bayreuth, den 19. März 1837). Dadurch sollte eine in allen Beziehungen treue Überlieferung über die bayerischen Schulverhältnisse an die Folgezeit gesichert werden.
Diese Anweisung folgeleistend hat Lehrer Marschütz ein solches 'Notizenbuch' oder richtiger eine Schulchronik angelegt und mit peinlicher Sorgfalt und Sauberkeit in kalligraphischen Schriftzeichen geführt. Diese von seinen Nachfolgern fortgesetzte Chronik hat sich in gutem Zustande (in Folio-Format) erhalten. Eingangs derselben berichtet Marschütz, dass er alsbald nach seinem Einzug in Demmelsdorf bei dem königlichen Landgericht Scheßlitz und beim Distriktsschulinspektor Pfarrer Haas daselbst seinen Antrittsbesuch gemacht habe, 'von beiden Behörden mit Wohlgefallen aufgenommen, zugleich aufgemuntert, nunmehr kräftig mitzuarbeiten, um die bisherige Privatschule von Demmelsdorf in eine öffentliche umzuschaffen.' Daraus geht hervor erstens, dass Marschütz ein vorschriftsmäßig vorgebildeter Schullehrer gewesen ist, zweitens, dass gerade von behördlicher Seite die Errichtung von israelitischen Volksschulen - gemäß § 33 des Edikts vom 10. Juni 1813 - angestrebt und gefördert wurde, und drittens, dass dieser Plan damals anscheinend an dem passiven Widerstand der Gemeinde gescheitert ist. Denn wohl erteilte Marschütz zunächst den gesamten deutschen Elementarunterricht, aber er berichtet weiter in bescheidener Selbstbeurteilung: 'Sein Fleiß, wie überhaupt sein Verhalten ward so verdienstvoll anerkannt, dass er am 27. April 1828 von sämtlichen israelitischen Einwohnern freiwillig zum Religions-, auch hebräischen Sprachlehrer gewählt und ihre Wahl dem königlichen Landgericht zur Begutachtung und zur höchsten Genehmigung der königlichen Regierung schriftlich vorgelegt wurde.'
Die Bestätigung der Kreisregierung erfolgte am 10. September 1828 und am 19. November wurde er 'als Lehrer der mosaischen Religion und der hebräischen Sprache' in sein Amt feierlich eingewiesen. Sein Diensteinkommen betrug außer freier Wohnung, die aus einer bescheidenen Stube im oberen Stockwerk eines Privathauses bestand, jährlich 160 Gulden, ein Gehalt, das man heutzutage aus zwiefachen Gründen nicht als 'fürstlich' bezeichnen kann. Die Schule musste gleichfalls in einer Privatstube abgehalten werden. Zwar verordnete ein hoher Befehl der königlichen Regierung vom 10. September 1828, dass binnen längstens einem Jahre ein für Schulunterrichtszwecke geeignetes Lokal ausgemittelt werden sollte, aber die Gemeinde hatte damit durchaus keine Eile. Da die im Anbau der Synagoge gelegene Wohnung des früheren Vorsängers - laut Bericht der Chronik - so unreinlich und feucht war, dass sie 'für Menschen unbewohnbar wurde', beschwerte sich der Lehrer im Jahre 1832 beim königlichen Landgericht und beantragte, dass die Gemeinde behördlicherseits zu einer gründlichen Instandsetzung der Amtswohnung und zur Einrichtung einer für Schulzwecke geeigneten Räumlichkeit angehalten werden möge. Nach mehreren fruchtlos gebliebenen Versuchen des Landgerichtes zur Abhilfe des Missstandes überhab die Gemeinde am 10. Februar 1833 einen Bauriss samt Kostenüberschlag und im Spätherbst dieses Jahres konnten Lehrer und Schule in die neuen bescheidenen Räume übersiedeln.  
Alljährlich im Beisein der örtlich zuständigen Schulbehörden und anderer Persönlichkeit angehaltene Schulprüfungen erzielten ein höchst befriedigendes Ergebnis. Im Frühling des Jahres 1835 urteilt das auszüglich im Notizenbuch eingetragene Protokoll, 'dass nichts mehr zu wünschen übrig ist'. Am 2. Mai 1837 erhielt der Lehrer sogar ein Belobigungsschreiben der Kreisregierung. Aus dem Bericht vom 8. Juni 1833 ist noch folgendes hervorzuheben: 'Eine in der Schule aufgehängte Tafel in Quart - von dem Lehrer selbst gefertigt - mit dem Namen des Propheten Jonas, dessen Einfassung das ganze Buch Jonas in hebräischer Schrift enthält, verrät nicht nur großen Fleiß, sondern auch einen sehr geübten Kunstsinn des Lehrers.' Den theoretischen Religionsunterricht erteilte der Lehrer 'nach eigenen Heften'. Erst die nichtjüdische Schulprüfungskommission äußerte im Frühjahr 1838 den Wunsch nach Einführung eines Handbuches, und nach Anordnung des Distriktsrabbiners Samson Wolf Rosenfeld (1826-1862 in Bamberg) wurde das auf Veranlassung der israelitischen Oberkirchenbehörde von Württemberg herausgegebene 'Lehrbuch der israelitischen Religion' als Leitfaden des Unterrichts eingeführt. Aus den gewissenhaften Eintragungen des Lehrers Marschütz sei schließlich noch hervorgehoben, dass die Gemeinde Demmelsdorf im Frühjahr 1842 zwei große mit dem Königsgebet in deutscher und hebräischer Sprache beschriebene Tafeln durch den Sohn des Religionslehrers Simon Prager in Pretzfeld zu Ehren seiner Majestät des allergnädigsten Königs Ludwig' anfertigen und zu beiden Seiten der Bundeslade in der 1841 neuhergerichteten Synagoge anbringen ließ. Sie haben als Zeugnisse vaterländischer Gesinnung sich bis in unsere Tage erhalten. 
Demmelsdorf BayrGZ 01101929b.jpg (177646 Byte)Lehrer Jakob Marschütz scheint trotz beruflicher Erfolge in seinem Wirkungskreise keine volle Befriedigung gefunden zu haben, denn am 5. Juni 1844 wanderte er 'mit hoher Erlaubnis der Kreisregierung' nach dem Dollarlande (Cincinatti) aus, wo er hoffentlich ein höheres Einkommen als in Demmelsdorf erzielt hat (Anm.: Gleichzeitig amtierte als Lehrer in der Nachbargemeinde Zeckendorf sein Bruder Josef Marschütz)
Als Nachfolger dieses ersten neuzeitlich gebildeten Religionslehrers von Demmelsdorf kam an dessen Stelle 1844 Hermann Frank aus Aidhausen, bis dahin Schulverweser in Reckendorf. Derselbe amtierte in Demmelsdorf etwa 10 Jahre und kam sodann als Elementarschullehrer nach Gunzenhausen. Als dessen Nachfolger unterrichtete nach einjähriger Vakanz seit 19. Juni 1855 Lehrer Genius Goldschmidt. Ob der unerhörte Vorname dieses Lehrers für seinen Träger eine ominöse Bedeutung hatte, ist nicht bekannt. Die Chronik berichtet nur, dass unter seiner Amtsverwaltung alljährlich bei den Schulprüfungen sechs Preise an die Schüler verteilt wurden, ferner dass die Prüfungsergebnisse immer die höchste Note erzielten und dass der Lehrer mehrmals eine Belobigung der Kreisregierung erhielt. Nach dem Ableben desselben am 9. Juni 1873 folgte im Dezember dieses Jahres Lehrer Aron Roßmann, der nach einer Amtsdauer von kaum drei Jahren seine Stellung verließ. Am 7. November 1876 folgte Isak Weglein, dessen Einträge im Notizenbuch 1907 enden.
Die handschriftliche Chronik der Religionsschule enthält in einer zweiten Abteilung eine lückenlose Zusammenstellung der Schülerzahl im Laufe von 78 Jahrgängen (1829-1907), getrennt nach Geschlechtern sowie nach Werktags- und Feiertagsschülern, eine bemerkenswerte Statistik, weil sie ein Bild numerischer Rückwärtsentwicklung einer Kleingemeinde bietet. Im Jahre 1828/29 hatte die Schule eine Gesamtzahl von 58 Kindern, die schon 1830 auf 48 gesunken ist. Die Zahl sinkt im folgenden Jahrzehnt auf 40, bis 1843 auf 29, bis 1850 auf 12. Dann steigt die Zahl - anscheinend in Jahren wirtschaftlichen Aufschwunges - bis 1862 wieder auf 30 und sinkt dann in den Jahren beginnender Freizügigkeit bis 1876 auf 10. Seit 1878 ergibt sich wieder ein allmählicher Aufstieg bis zu einer Höchstzahl von 24 Schulkindern im Jahre 1886/87; bis zum Ende des Jahrhunderts bleibt die Schülerzahl 20 auf ziemlich gleicher Höhe und sinkt infolge Mangels an Nachwuchs bis 1906/07 auf die Mindestzahl von nur sieben Schulkindern. Das ist im Laufe von etwa acht Jahrzehnten eine Minderung von 51 Schulkindern bis auf fast ein Achtel der Zahl vom Jahre 1828. 
Diese Statistik einer Religionsschule erzählt in trockenen Ziffern, wie in fast allen Land- und Mittelgemeinden, eine Geschichte des Niederganges der bayerischen Judenheit. Sie erinnert unerfreulich an das bedeutungsvolle Wort der Talmudweisen. 'Jerusalem ist zugrunde gegangen, weil es daselbst an Schulkindern fehlte.'"   

    
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers / Vorbeters / Schochet 1876 / 1919 / 1924 / 1926  

Demmelsdorf Israelit 23081876.jpg (63903 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1876: "Lehrer-Stelle. 
In der hiesigen Synagogengemeinde soll die Stelle eines Vorsängers, Schächters und Religionslehrers sofort neu besetzt werden. Das Gehalt wird jährlich auf 1100 Mark, freie Wohnung nebst 300 Mark Nebeneinkünfte dotiert. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Meldung mit Beifügung ihrer Zeugnisse beim Unterzeichneten einreichen. Reisekosten werden nur demjenigen erstattet, welcher die Anstellung erhält und werden an gemeldete Kandidaten zum Probevortrage direkte Aufforderungen ergehen.
Demmelsdorf bei Bamberg, im August 1876. Jakob Heimann, Kultusvorstand."
  
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 7. August 1919: "Zum sofortigen Eintritt suchen einen
Religionslehrer,
zugleich Vorbeter und Schochet.
Fixum 2.400 Mark per Jahr. Cohanims kommen nicht in Betracht. 
Israelitische Kultusgemeinde Demmelsdorf bei Bamberg.
"  
  
1924/25 wurde die Stelle gemeinsam für Demmelsdorf und Scheßlitz ausgeschrieben. Die Ausschreibung erfolgte bereits im Frühjahr 1924, so im "Israelitischen Familienblatt" vom 20. März 1924 S. 6 und in "Der Israelit" vom 3. April 1924 S. 6. Offenbar war die Stelle nicht einfach zu besetzen, auch im "Israelitischen Familienblatt" am 2. Januar 1925 S. 6 findet sich eine Ausschreibung.   
Demmelsdorf Israelit 28081924.jpg (49630 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1924: "Die Gemeinde Demmelsdorf - Scheßlitz sucht zum baldigen Eintritt einen religiösen
Religionslehrer, Vorbeter und Schochet
.
Gehalt nach staatlicher Gehaltsordnung. Meldungen an den
Vorstand Carl Neumann, Demmelsdorf
bei Bamberg".    
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 19. August 1926:
"Die unterfertigte Kultusgemeinde sucht zum baldigen Eintritt
bei günstigen Wohnungsverhältnissen
einen Lehrer zugleich Vorbeter und Schochet.

Einkommen nach Besoldungsordnung des Landesverbandes bayerischer israelitischer Gemeinden. Zuschriften erbeten an
Israelitische Kultusverwaltung, Demmelsdorf-Schesslitz (Oberfranken). Hermann Rollmann, Vorstand, Schesslitz
". 

    
Anzeige von Lehrer Isak Weglein (1900)  

Demmelsdorf Israelit 31121900.jpg (54045 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1900: "Im Auftrage einer sehr achtbaren Familie auf's Land (Oberfranken) sucht Unterzeichneter ein tüchtiges, gewandtes jüdisches
Mädchen
,
das bürgerliche Küche und Hauswirtschaft zu leiten versteht, zur Stütze der Hausfrau gegen hohen Lohn und sehr gute Behandlung. Bewerberinnen wollen sich wenden an
Lehrer Weglein,
Demmelsdorf bei Bamberg."   

  
Zum Einkommen des jüdischen Lehrers (1913) 

Artikel in "Das jüdische Blatt" vom 21. März 1913: "Demmelsdorf. Gegenüber den wenig wohlwollenden Äußerungen, die in der jüdischen und nichtjüdischen Presse (Augs­burger Abendzeitung) über das Verhältnis unserer Gemeinde zu unserem Herrn Lehrer Aufnahme fanden, sei vorläufig nur folgendes festgestellt. Das Einkommen ist nicht 1100 Mark, wie dort behauptet wurde, sondern Mark 1750. Es widerstrebt uns, über die sonstigen Verhältnisse in der Öffentlichkeit breite Diskussionen anzuzetteln, doch sind wir überzeugt, dass unser Herr Lehrer diesen Zeitungsnotizen ferne steht."    

   
Artikel mit einem Nachruf auf den 1920 verstorbenen Lehrer Isak Weglein (1920) 

Demmelsdorf Israelit 01041920.jpg (69629 Byte)Der von Rabbiner Dr. Eckstein oben genannte Lehrer Isak Weglein starb im Februar 1920 in Uffenheim und wurde im jüdischen Friedhof Ermetzhofen beigesetzt. Zu seinem Tod erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" am 1. April 1920 folgender Artikel: "Uffenheim, 1. März (1920). Vor einigen Tagen starb der hier im Ruhestande lebende Lehrerveteran I.L. Weglein im 74. Lebensjahre. Er amtierte in Bibergau, Untereisenheim und schließlich in Demmelsdorf bei Bamberg; in letzterer Gemeinde wirkte er segensreich volle 40 Jahre und erwarb sich Dank und Anerkennung der vorgesetzten Behörden. Der zur Beerdigung herbeigeeilte Distriktsrabbiner Dr. Brader aus Ansbach, skizzierte das Lebensbild des verstorbenen Lehrers, pries insbesondere seine innige Frömmigkeit, Bescheidenheit und sein stets freundliches Wesen. Auf dem Begräbnisplatz in Ermetzhofen widmete Herr Hauptlehrer Strauß von hier, dem verstorbenen Kollegen herzliche Worte der Treue und Freundschaft und rief ihm namens des israelitischen Lehrervereins sowie des paritätischen allgemeinen bayerischen Brudervereins die letzten Abschiedsgrüße zu. Sein Andenken wird ein gesegnetes und dauerndes sein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Über den Lehrer Benno Reinhold (bis 1924 Lehrer in Demmelsdorf)   

Anmerkung: Benno Reinhold war
bis 1924 Lehrer in Demmelsdorf, danach - vermutlich nach (kurzer) Unterbrechung (siehe Mitteilungen unten) - in Forchheim (in: "Mitteilungen des Israelit. Lehrervereins für Bayern" vom 5.12.1924 S. 43). - Bei https://de.findagrave.com/memorial/283977870/benno-reinhold wird ein am 5. April 1902 in Kleineibstadt geborener Benno Reinhold genannt, möglicherweise identisch mit dem späteren Lehrer.  

Mitteilung in "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom 31. August 1923 S. 12: "Berufsflucht. Die Lehrer Julius Schapiro in Bechhofen und B. Reinhold in Demmelsdorf haben den Beruf aufgegeben; der Kultusbeamte Heimann in Feuchtwangen ist schon vor längerer Zeit in den Kaufmannsstand übergetreten."   
Mitteilung in "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom 28. September 1923 S. 14: "Die in voriger Nummer erschienene Notiz, wonach Lehrer Reinhold aus dem Berufe ausgetreten sei, ist unzutreffend; der Kollege ist noch Lehrer in Demmelsdorf".
Mitteilung in "Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern" vom 9. Mai 1924 S. 25: "Kollege Reinhold, Demmelsdorf, ist infolge Berufsaufgabe ausgeschieden", sc. aus dem israelitischen Lehrerverein für Bayern).  

    
Bei einem 1924 in Demmelsdorf-Scheßlitz vorübergehend angestellten Lehrer stellt es sich heraus, dass es sich um einen Hochstapler ohne Ausbildung handelte (Artikel von 1929) 

Anmerkung: der angebliche Rabbiner Dr. Papo alias Noteles war vorübergehend in Gemünden im Hunsrück, 1924 Demmelsdorf-Scheßlitz, 1926 Meerholz und einer Gemeinde im Taunus tätig und bewarb sich noch an anderen Orten, u.a. in Kopenhagen,  Leutershausen (Mittelfranken) und Reichelsheim, danach 1928/29 in Rosenberg (Oberschlesien), von hier angeblich Bewerbung in Osterode im Harz.  
Die weiteren im Artikel genannten Orte sind Gablonz (Tschechien), siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Jablonec_nad_Nisou; Reichenberg (Tschechien), siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Liberec; Rosenberg (O.S. = Oberschlesien), siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Olesno.      

Artikel in "Israelitisches Familienblatt" vom 31. Januar 1929: "Der 'deutsche Rabbiner' -  ein Hochstapler!
In Nr. 3 des 'Israelitischen Familienblattes' veröffentlichten wir ein Schreiben eines sich 'Dr. Papo" nennenden 'deutschen Rabbiners' an die Gemeinde Gablonz (Tschechoslowakei), aus dem wir die entsprechenden Schlusse über seine Ungeeignetheit zu diesem Amte zogen. Wie wir durch eine in Nr. 4 veröffentlichte Zuschrift von Prof. Dr. Hofmann, Reichenberg, mitteilen konnten, schien es sich bei diesem Herrn Dr. Papo um einen notorischen Schwindler zu handeln. Zu gleicher Zeit lag uns damals schon ein Schreiben vor, und zwar aus Rosenberg (Oberschlesien) von 'Oskar Papo, Prediger und akademischer Religionslehrer'; diese Zuschrift lautete:
'Der in Nr. 3 im Artikel 'Auch ein deutscher Rabbiner" genannte deutschnationale Dr. Papo in Reichenberg ist mit Prediger Papo aus Rosenberg wie fälschlich angenommen wurde, da er Absolvent der Amsterdamer Lehranstalt ist, nicht identisch.'
Das Schreiben berührte reichlich merkwürdig, und wir zogen es vor, uns statt einer Veröffentlichung bei der Gemeinde Rosenberg (Oberschlesien) zu erkundigen. Diese Erkundigung bestätigte, dass gerade der Verfasser dieser Zuschrift mit dem Schreiber des inkriminierten Briefes an die Gablonzer Gemeinde identisch ist, und dass die Absendung dieser Zuschrift nur ein weiteres Glied in der Kette seiner Hochstapeleien bildete. Der Vorstand der Synagogengemeinde Rosenberg schreibt uns:
'Angegebenen Prediger O. Papo, der seit dem 1. Dezember 1928 in unserer Gemeinde tätig war, haben wir am 21. Januar 1929 entlassen, gaben uns doch verschiedene Vorkommnisse hinreichenden Grund dazu. Bei seiner Anstellung hatte er versprochen, Zeugnisse beizubringen, verzögerte dies jedoch fortwährend; er konnte weder ein Abgangszeugnis des Berliner Rabbinerseminars, noch ein Abiturientenzeugnis vorlegen, die er beide zu besitzen vorgab. Nur ein einziges Zeugnis einer Amsterdamer Rabbinerschule war zur Stelle, von dem wir nicht annehmen konnten, dass es sich um ein Falsifikat handelte. (Interessant ist, dass Papo selbst gerade in der obigen Zuschrift abstreitet, ein Zeugnis von Amsterdam vorgewiesen zu haben. Die Redaktion.) Was er sprach, amtlich oder nichtamtlich, stellte sich als Lug und Trug heraus. Trotzdem er behauptete, sich auf seinen 'Doktor' vorzubereiten, um dereinst Rabbiner zu werden, nahm er es mit der Rechtschreibung nicht sehr genau. P. hat Rosenberg ohne Angabe eines Reisezieles in der Richtung nach Breslau verlassen. Angeblich will er eine Stellung in der Gemeinde Osterode i. Harz angenommen haben. Schulden hat er auch reichlich hier zurückgelassen. War es der Gemeinde in Gemünden im Hunsrück ganz oder wenigstens zum Teil bekannt, mit wem sie es mit der Person des Papo zu tun hatte, dann wäre ihr Verhalten in der Auskunftserteilung an uns, da diese tatsächlich gut ausfiel, zu verurteilen. P. gab uns und der Polizeibehörde an, am 18. September 1900 in Altona geboren zu sein, ist aber entschieden älter. Sein Vater soll Prediger in Wien, seine Mutter Schauspielerin gewesen sein. Unseres Erachtens war er weder Lehrer noch Schächter und wir sind froh, uns dieses Mannes entledigt zu haben. Es wäre zu begrüßen, wenn man diesem Menschen weiter auf die Spur kommen könnte.'   
Eine andere Zuschrift aus Meerholz teilt Genaueres über die bisherige Laufbahn von Papo alias Noteles mit:
...Fraglicher Noteles hat in verschiedenen jüdischen Gemeinden als Lehrer und Kultusbeamter amtiert und sich diese Stellungen auf Grund seiner schwindelhaften Angaben verschafft. Er war im Jahre 1924 in der Gemeinde Demmelsdorf-Scheßlitz, 1926 in Meerholz, dann in einer Gemeinde im Taunus, konnte sich aber überall nicht lange halten, da ihm die Polizei auf den Fersen war. Er flüchtete nach Luxemburg, und von dort aus bewarb er sich um die verschiedensten Stellungen, z. B. als Rabbiner in Kopenhagen und als Lehrer in Leutershausen (Ufr.). In Meerholz hat er bei seinem Weggang die ganze Gemeindebibliothek geplündert. Von Demmelsdorf nahm er verschiedene Dokumente mit, die noch heute als Pfand bei einem christlichen Möbelhändler in Gelnhausen sich befinden. Laut einem in seinem Besitz befindlichen Stempel gab er sich als 'Rabbiner Dr. Friedrich Noteles' aus."
Von einer jüdischen Buchhandlung wird uns außerdem mitgeteilt, dass er eine große Reihe von Büchern bestellt habe, ohne hierfür Zahlung zu leisten.
Einen beachtenswerten Schluss zieht ein anderer Einsender, der uns folgende Episode aus dem bewegten Leben des Schwindlers mitteilt:
'Besagter Papo, alias Noteles - alias ... bewarb sich Ende Oktober auch um die in Ihrem Blatte ausgeschriebene Religionslehrerstelle zu Reichelsheim (Odw.) und wäre fast engagiert worden, wenn seine Angabe, er hätte Kabboloh von Dr. Wolf - Köln, gestimmt hätte. Sein Auftreten und seine damaligen Angaben waren so verwirrend und sich widerlegend, dass man, er konnte auch nicht einmal hebräisch lesen ohne Punktation, also leinen, sich fragen musste, was hat der Mann zu verheimlichen. Er gab damals unter anderem an, in Wien am Rabbinerseminar gewesen zu sein und aus Hamburg zu stammen. Die Gemeinde Reichelsheim hatte einen Lehrer mit seminaristischer Bildung und diesen durch konsequente Niedrighaltung des Gehaltes, man spricht von 150 RM. monatlich für einen verheirateten Beamten, zum Verlassen der Stellung gezwungen. Solange jüdische Gemeinden sich nicht aufschwingen können, anständig ihre Beamten zu besol­den, wird man stets mit solchen Elementen zu tun haben!"
Die Identität von Papo und Noteles konnten wir inzwischen übrigens einwandfrei feststellen. Von Meerholz, wo er als 'Noteles' wirkte und von Rosenberg, wo er sich 'Papo' nannte, richtete er Schreiben an die Redaktion des 'Israelitischen Familienblatts', die unzweifelhaft von der gleichen Hand geschrieben waren. Auf einige weitere interessante Mitteilungen zu dieser Angelegenheit, die uns bei Redaktionsschluss zugehen, werden wir noch zurückkommen.
Nach diesen Veröffentlichungen wird wohl dem Schwindler künftighin sein Handwerk gelegt werden können. Es ist uns eine Genugtuung, durch unsere erste Veröffentlichung weiteren Betrügereien einen Riegel vorgeschoben zu haben, ebenso erfreulich ist es aber auch, dass nicht ein wirklicher Rabbiner die Gesinnung bekundete, die uns Anlass zu unserer ersten Kritik bot."      

  
Lehrer David Banda kommt nach Demmelsdorf (1927)  

Anmerkung (Angaben auf Grund der Recherchen von Elisabeth Böhrer): Lehrer David Michael Banda ist am 21. August 1902 geboren.  Er war von 1924 bis 1926 Lehrer in Niederwerrn, seit 1927 Lehrer, Kantor und Schochet in Demmelsdorf. David Banda war verheiratet mit Ricka geb. Kannenmacher (geb. 9. Oktober 1906). Die beiden hatten drei Kinder (alle drei in der Entbindungsanstalt in Bamberg geboren): Liddi (1928), Paul (1929), Helmut (1929). Familie Banda lebte bis 1934 in Demmelsdorf. Die ganze Familie wurde nach der Deportation ermordet.   
Nachweisbar ist die Familie nach 1934 durch Schriftwechsel der Mutter Ricka geb. Kannenmacher, die am 4. August 1937 in Brünn eine Vollmacht erteilte. Aus einem weiteren Schriftstück ist ersichtlich, dass die Kantorsehegattin am 19. Juni 1939 in Prostejow, damaliges Projektorat Böhmen-Mähren, wohnhaft ist.     

Demmelsdorf BayrGZ 07011927.jpg (25880 Byte)Mitteilungen in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar 1927:
"Kantor Banda in Niederwerrn übernimmt die Stelle Demmelsdorf - Scheßlitz."  

   
Schulamtsbewerber Ludwig Fleischmann übernimmt die Religionslehrerstelle (1935) 
  
Anmerkung: Ludwig Fleischmann (geb. 25. Februar 1915 in Altenmuhr als Sohn des Viehhändlers Isaak Fleischmann und seiner Frau Klara geb. Gerst, Vater ist im Krieg gefallen): Ludwig Fleischmann lernte nach dem Schulbesuch in Gunzenhausen an der Israelitischen Präparandenschule in Höchberg, dann ab 1931 an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg (ILBA), die er 1934 mit Examen abschloss. Eine erste Stelle hatte er von Mai bis September 1934 in Hammelburg. Zwischen 1. Oktober 1934 und 30. Juni 1938 durchlief er den Vorbereitungsdienst für den staatlichen Volksschuldienst in den israelitischen Volksschulen München, Nürnberg (zeitweise von Demmelsdorf aus) und Bamberg (gleichfalls von Demmelsdorf aus). Vom 15. April 1935 bis zum 1. Juli 1938 war er als Religionslehrer, Schächter, Kantor der jüdischen Gemeinde Demmelsdorf angestellt. Die zweite Staatsprüfung durfte er nicht mehr ablegen. Im September 1938 gelang ihm über Cherbourg in Frankreich die Flucht nach New York. Er lebte zunächst in Baltimore, Maryland. Am 2. Februar 1945 trat er in die US-Armee ein. Im Oktober 1945 wurde er amerikanischer Staatsangehöriger. Er heiratete im August 1947. In den USA fand er Arbeit als Buch- und Wirtschaftsprüfer. Lebte 1981 in New York, wo er am 3. Oktober 1997 starb.     
Ausführliche Biographie https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/lehrerbiografien/ludwig-fleischmann.        

Mitteilung der der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1935 sowie in "Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern" vom 15. April 1935 S. 12 : "Schulamtsbewerber Ludwig Fleischmann (München) übernimmt am 15. April die Religionslehrerstelle Demmelsdorf-Scheßlitz."     
 
 Lehrer Ludwig Fleischmann
(Quelle: www.bllv.de bzw. Staatsarchiv
und Stadtarchiv Bamberg )
     
   Ludwig Fleischmann 
(1915-1997)
 Ludwig Fleischmann (hinten Mitte) während seiner Zeit in Demmelsdorf  

    
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Ergebnisse von Spendensammlungen in der Gemeinde (1871 / 1879 / 1881)  
Anmerkung: in jeder jüdischen Gemeinde wurden regelmäßig Spendensammlungen für bestimmte Zwecke durchgeführt; die Ergebnisse wurden immer wieder in jüdischen Periodika mitgeteilt.

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1871 - Sammlung "für die Notleidenden im Heiligen Land": "Durch Frau Jetta Herrmann in Demmelsdorf: bei der Verlobung von Alexander Herrman gesammelt 2 fl., vom hiesigen Frauenverein 3 fl. 30 kr., Jetta Herrmann 1 fl., Sophie Landenberger 1 fl., Katti Kraus 30 kr., Esther Seligsberg 18 kr., Gretchen Wurzmann 18 kr., Nanni Heumann 12 kr., Sophie Berg 1 fl., Jette Goldschmidt, Lehrerin, 36 kr., Hanna Babette Grifel 24 kr., Sarah Heimann 1 fl., Morjane 24 kr., Sarah Herrmann 1 fl., Jetta Heimann 4 fl. 30 kr., Golte Britz 1 fl.. Rosina Herrmann 1 fl., Gretchen Heimann 1 fl., Fanny Heimann 1 fl., Fanny Herrmann 1 fl, Zilla Herrman 1 fl., Rosina Lauer 35 kr., Lene Berg 1 fl., Frau Butzel aus Scheßlitz 1 fl. Zus. 23 fl. 17 kr."      

 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1871 (Sammlung wie oben): "Durch Jakob Landenberger, Kultusvorsteher in Demmelsdorf: Jacob Landenberger 1 fl. 45 kr., Baruch Herrmann 1 fl. 45 kr., Feist Herrmann 1 fl. 45 kr., Maier Kraus 1 fl. 18 kr.', Aron Herrmann 2 fl. 42 kr., Jacob Heimar.n 1 fl. 30 kr., Wolf Hirsch Heimann 1 fl. 45 kr., Jacob Hermann 1 fl. 45 kr., Jonas Heimann 2 fl., Wolf Hirsch Pritz 3 fl., Max Heimann 30 kr., Joseph Hermann 1 fl. 45 kr., Koschmann Heimann 4 fl., Maier Berg und dessen Mutter Sophie Berg Ww. 7 fl, Jonas Kraus 1 fl. 30 kr., Esther Seligsberg, ledig 18 kr., Grätchen Wurzmann Ww. 12 kr., vom Opferkasten 15 fl. 30 kr., zus. 50 fl."   
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1879: "Demmelsdorf. Durch Lehrer Weglein: Frau Lehrer Weglein 2, Schul-Armenfond 5, May Berg 2, Frau Sophie Berg 1, Jonas Kraus 1, Koschmann Heimann 2, Jakob Landenberg 1, Feist Herrmann 1, Baruch Herrmann sen. 0,50, Josef Herrmann 1 , Jakob Heimann sen. 1, Aron Herrmann 2, Baruch Herrmann jun. 1, Wolf Hirsch Heimann 0,50, Jak. Heimann jun. 1, Jonas Heimann 2, Jak. Herrmann 1, Wolf H. Pritz 1, Frau Nanny Hermann 0,50, Frau Wurzmann 0,30, Frau Marianne Heimann 0,40, Frau Goldschmitt 0,30, Haußmann Scheßlitz 1, E. Landenberg 2, Macharith-Haschekel 6,16, zusammen abzüglich Porto 36,46 Mk."    
 
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1881: "Demmelsdorf. Durch Lehrer Weglein: M. Berg 2, Sophie Berg 1, A. Heimann 0.80, S. Wurzmann 1, M. Heimann 0.50, K. Heimann 3, J. Landenberg 2, Jette Herrmann 0.50, F. Herrmann 3, Jette Goldschmidt 0.50, J. Herrmann 3, Griffels Mädchen 1, J. Heimann 3.50, A. Herrmann 4 , B. Herrmann 3, W. H. Heimann 3, H. Heimann jun. 3, J. Heimann 3, A. Heimann 2, Metzger Fritz 1, Ungenannt 3, E. Landsberger 3.20, I. Putzel 2, S. Wambacher 2, J. Gerst 2, A. Herrmann 4, Armen-Fond 25, Lehrer Weglein 0.50, Kraus 1, J. Herrmann 3, zus. 90 M.,"   

   
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod von Abraham Heimann - antisemitische Herze im "Stürmer" (1925) 
  

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 4. September 1925: "Freventlich Spiel mit dem Heiligsten! Keine Achtung vor des Todes Majestät.
Vor einigen Wochen wurde Abraham Heimann. Großviehhändler zu Demmelsdorf (Oberfranken) zur ewigen Ruhe gebettet. Ein Mann, der im engen Umkreise der hiesigen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession und des politischen Bekenntnisses geschützt war. Von Nah und Fern, jeder Stand, adliger Gutsherr und schlichter Bauer eilten herbei, nur diesem Manne, der keinen Unterschied des Glaubens kannte, wenn es galt, Not zu lindern, die letzte Ehre zu erweisen.
Da erschien wenige Tage nach seiner Beerdigung im Nürnberger 'Der Stürmer', 'Wochenblatt des Lehrers Julius Streicher, zum Kampf um die Wahrheit', ein vom Pesthauch des Hasses erfüllter Artikel, mit jeden Religiösen tief verlebender Überschrift 'Der Verrat am Gekreuzigten'.
Es sei, so schreibt 'Der Stürmer", eine 'nichtjüdische Gesinnungslosigkeit und Verlumptheit, wenn das 'Bamberger Volksblatt", dessen Redakteur ein katholischer Priester ist, dem verstorbenen Abraham Heimann zwei Trauerberichte widmet. Ja, das 'Bamberger Volksblatt" schreibe sogar, 'mit dem Verlebten ist eine allgemein bekannte und beliebte Persönlichkeit ans dem Leben geschieden'.
Ich als Theologe möchte nicht all die Blasphemien und Beschimpfungen wiederholen, die 'Der Stürmer' loslässt. Es genügt, wenn der Schreiber zum Schluss 'Jesus Christus" anruft, mit den Worten: 'Ihr wollt euch meine Jünger heißen, seid verflucht in alle Ewigkeit' hinein."
Der verstorbene Abraham Heimann s. A. war ein Mann von tiefer Herzensfrömmigkeit, fern von unlauteren Handlungen, die mit der jüdischen Ethik im Gegensatz standen. Seine aufrichtige Frömmigkeit verband er mit seiner umfangreichen Kenntnis unseres heiligen Schrifttums. Als Deutscher, als Bürger, als Menschenfreund war er allgemein hochgeschätzt. Er war der Mittelpunkt unserer Gemeinde, ihr größter Wohltäter, ihr Führer.
Darum fühlen wir uns gezwungen, diesen Peitschenhieb abzuwehren und keinen Makel sitzen zu lassen, welcher das Ehrenschild unseres Besten beschmutzen könnte.
Rabbiner Dr. Friedrich Roteles (Demmelsdorf, Oberfranken)"     

  
Über das Leben des aus Demmelsdorf stammenden Lehrers Moritz Wurzmann (gestorben 1931)

Vgl. weiteren Bericht zu seinem Tod in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1931, zitiert in der Seite zu Mainstockheim

Mainstockheim BayrGZ 15051931.jpg (151350 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1931: "Moritz Wurzmann - er ruhe in Frieden. Wiederum ist einer unserer 'guten Alten' von uns weggegangen. Moritz Wurzmann, der 41 Jahre in Mainstockheim wirkte, segnete im Alter von 70 Jahren, als Oberlehrer im Ruhestand, in Schlüchtern das Zeitliche. Dort verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens bei seinen Kindern und dort ging ihm auch vor wenigen Monaten seine treue Gattin - sie ruhe in Frieden - im Tode voran. 'Die sich geliebt und hold gewesen bei ihrem Leben, sie sollten auch im Tode nicht getrennt sein.' Früh verwaist, kam er von seinem Geburtsort Demmelsdorf in Oberfranken in die Waisenanstalt nach Fürth, absolvierte dann die Präparandenschule Burgpreppach und das Lehrerseminar zu Würzburg, beides mit sehr gutem Erfolge. Nur kurze Zeit wirkte er in Wiesenfeld bei Würzburg, dann übernahm er die jüdische Volksschule in Mainstockheim. Mit pädagogischem Blick und Geschickt wirkte er mehr als 40 Jahre an derselben und griff dabei oft über das amtlich abgesteckte Lehrziel hinaus. Es war bekannt, dass Wurzmanns Schüler, wenn sie in die Mittelschule übertraten, dort stets zu den besten zählten. Dabei hatte seine Methode etwas durchaus Ruhiges an sich, den Tod einer gemütlichen Unterhaltung. Alle seine Funktionen versah er in alter schlichter Yiroh (Gottesfurcht) in in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit. Auf unseren Versammlungen (gemeint: des Lehrervereins) war er ein gern gesehener Freund und Kollege, wenn die Beschwerlichkeiten allzu anstrengender Reisen es nur immer zuließen. So hat er sich in seinem Leben die schönste Krone gesichert, die Krone des guten Namens (auch hebräisch: die Krone des guten Namens), ein dankbares, ehrendes Gedenken bei seiner Gemeinde, seinen zahlreichen Schülern, seiner Kollegen im jüdischen Lehrerverein Bayerns. Bei seiner Bestattung einige Tage vor Pessach musste mit Rücksicht auf den Nissanmonat jedes laute Worte der Klage verstummen. Man konnte aber die innere Ergriffenheit der stattlichen Trauerschar von den Gesichtern ablesen. Von weiter Ferne waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, dem Geliebten den letzten Ehrenzoll zu weihen. Seine ehemalige Gemeinde Mainstockheim hatte eine würdige Vertretung entsandt. Wir sichern dem entschlafenen Amtsbruder in unseren Reihen und unserem Brudervereine Bayern das beste Gedenken. Er ruhe im Frieden! Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. M.D." 

  
88. Geburtstag von Emanuel Landenberger (1933)     
Anmerkung: nach https://www.geni.com/people/Emanuel-Landenberger/6000000063704223856 ist Emanuel Landenberger am 19. November 1845 in Demmelsdorf geboren als Sohn von Jacob Landenberger und seiner Frau Sila geb. Heimann. Er war verheiratet mit Fanny geb. Heimann, die am 18. Februar 1847 in Demmelsdorf geboren und ebd. am 20. Mai 1923 verstorben ist. Die beiden hatten Kinder. Dagobert (David) Landenberger (1874-1952), Ludwig Landenberger (1876-1957), Leopold Landenberger (1888-1967), Jenny Landenberger verheiratete Herrmann (1880-1968), Carl Landenberger (1884-1982), Max Landenberger (1882-1972) und Else Landenberger (1886-1972). Weitere Angaben zur Familie s.u. geni.com. Emanuel Landenberger starb am 16. August 1939.      

Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1933: "Scheßlitz. Am 19. November feierte Herr Emanuel Landenberger von hier seinen 88. Geburtstag. Der Jubilar, der jahrelang Vorstand der israelitischen Gemeinde Demmelsdorf- Scheßlitz war, erfreut sich völliger körperlicher und geistiger Frische. Er geht noch täglich seinem Berufe nach. Möge dem Jubilar, dem Vater des Herrn Dr. Leo Landenberger, Nürnberg, Mitglied des Präsidiums des Reichsverbandes, noch viele Jahre des Glückes und der Zufriedenheit beschieden sein. B."    

    
Zum Tod von Jette Neustädter geb. Feldmann (gest. 1934 in Demmelsdorf, beigesetzt in Sulzbürg) 
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1934: "Sulzbürg, 12. November (1934). Hier wurde Frau Jette Neustädter geb. Feldmann im Alter von fast 79 Jahren auf dem Friedhof zur letzten Ruhe gebracht. In Altenmuhr geboren, gründete sie in Sulzbürg an der Seite ihres noch heute in der Erinnerung der Gemeinde unvergessenen Jakob David Neustädter eine Ehegemeinschaft, in der tiefste Frömmigkeit, vorbildliche Rechtlichkeit und geradezu patriarchalische Häuslichkeit und Schlichtheit herrschten. Eine große Anzahl von Kindern wurde dem Ehepaar geschenkt. Sie alle zogen in die weite Welt hinaus und sie alle bereiteten dem Namen ihrer Eltern als treue Juden und wackere, tadellose Menschen Ehre. Bereits vor 19 Jahren ist ihr Gatte ihr im Tode vorausgegangen, und sie stand allein. Aber sie war nicht allein. Die vielen Kinder in allen Gegenden des Landes wetteiferten miteinander, sie mit ihrer Liebe zu überhäufen und ihr ein Teil dessen zu vergelten, was sie als aufopfernde Mutter ihnen getan. So verbrachte sie ihren Lebensabend in der liebvollen Umgebung und Pflege der Familien ihrer Kinder, bald hier, bald dort; und überall war sie geboren. Bei einer ihrer Töchter in Demmelsdorf, die wenige Wochen vorher erst selbst furchtbar durch den Tod ihres braven Mannes heimgesucht war, erreichte sie trotz hingebungsvoller Pflege das Ende, dem sie in frommer Ergebung sein Jahren schon ruhig entgegengeschaut hatte. Und pietätvoll erfüllte man ihren letzten Wunsch und brachte sie hier in Sulzbürg an der Seite ihres Gatten zur ewigen Ruhe. Bezirksrabbiner Dr. Weinberg aus Regensburg fand am Grabe herzliche und aufrichtige Worte des Abschiedes für diese seltene Frau, die stets auch als eine treue Freundin seines Hauses sich bewiesen hat."       

  
Zum Tod der Witwe von Sandor Stern in Budapest (1937, geboren 1857 in Demmelsdorf)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1937: "Budapest, 30. März. Am 16. April ds. Js. feiert Frau Wwe. Sandor Stern, Budapest, in völliger körperlicher und geistiger Frische ihren achtzigsten Geburtstag. In Demmelsdorf (Bayern) geboren, wo ihr Vater Eugen Goldschmied das schwere und verdienstvolle Amt eines jüdischen Lehrers versah, zog sie später nach Fürth in B. und von dort folgte sie in jungen Jahren ihrem Gatten nach Budapest. - Sie war diesem, der 32 Jahre im Dienste der Chewra Kadischa stand, zu einer wackeren Helferin geworden und erzog ihre Kinder zu vorbildlichen jüdischen Menschen. Alles Gute (bis 120 Jahre)."   

      
Karl Lauer und seine Frau Frieda geb. Satzmann ziehen von Altenkunstadt nach Scheßlitz (1938)    
Anmerkung: der Viehhändler Karl Lauer (geb. 23. Oktober 1863 in Altenkunstadt, gest. 1941 in Scheßlitz) verzog mit seiner Frau Frieda geb. Satzmann (geb. 23. Januar 1876 in Zeckendorf, von Scheßlitz aus über Würzburg 1942 deportiert nach Krasnystaw und ermordet) 1938 nach Scheßlitz. Ihr Sohn Louis konnte 1940 noch von Fürth aus in die USA emigrieren (geb. 1903, gest. 1985 in Deerfield Beach/USA). Hier lebte bereits seit 1937 seine Schwester Grete verheiratet Maier (1905-1984, war verheiratet mit Emil Maier, Tochter Mina). 

Mitteilung in "Israelitisches Familienblatt" vom 14. April 1938: "Altenkunstadt. Der Vorsitzende der Gemeinde, Karl Lauer, siedelte nach Scheßlitz über. Aus diesem Anlass fand in der Synagoge eine Abschiedsfeier statt, in der Kantor Steinbock das Wirken des Scheidenden während seiner 19jährigen Tätigkeit schilderte."    

  
Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 

- 1870: Ergebnis einer Spendensammlung "für die Notleidenden im Heiligen Land" bei der Hochzeit von M. Sachsendorfer von Ermershausen mit Lina Landenberger aus Demmelsdorf (Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1870 S. 594).   
- 1882: am 18. November 1882 Spendensammlung bei der Hochzeit von M. Loew in Eichstätt mit Frl. Hermann aus Demmelsdorf (in: "Rechenschafts-Bericht / Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland" für 1882 (1883) S. 9).  
- 1886: Ergebnis einer Spendensammlung "für das Heilige Land" bei der Hochzeit von Louis Mohr aus Altenmuhr mit Frl. B. Herrmann aus Demmelsdorf (Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1886 S. 67).
- 1906: Verlobung von Dora Heimann in Demmelsdorf mit Isidor Millner in Nürnberg (in: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt - Neue jüdische Presse" vom 9.11.1906 S. 6) 
- 1909: Spendensammlung bei der Verlobung von Babette Rosenbaum in Zeckendorf mit Carl Heimann in Demmelsdorf (in: Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1909 S. 10).
- 1921: Verlobung von Semi Hausmann aus Scheßlitz (in: "Das jüdische Echo" vom 10. Juni 1921 S. 291).  
- 1925: 80. Geburtstag von Emanuel Landenberger in Demmelsdorf am 14. November 1925. Dieser war "eine Reihe von Jahren Vorstand der Synagogengemeinde und ist im weitesten Umkreise der oberfränkischen Bevölkerung eine bekannte Persönlichkeit"  (in "Israelitisches Familienblatt" vom 26. November 1925 S. 4).
- 1926: Gestorben ist Minna Hausmann geb. Beckmann in Scheßlitz im Alter von 71 Jahren (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 18. März 1926 S. 5). 
- 1933: 88. Geburtstag von Emanuel Landenberger in Demmelsdorf am 19. November 1933: Landesberger feiert "in voller Frische" - "war jahrelang Vorstand unserer Gemeinde" (in "Israelitisches Familienblatt" vom 16. November 1933 S. 14).    

  
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen   
Verlobungsanzeige für Martha Bein und Walter Herrmann (1922)
   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 14. Dezember 1922 S. 5:
"Martha Bein  -  Walter Herrmann   
Verlobte   
Nürnberg Solgerstr. 5a   -  Demmelsdorf  / Hannover.  
Dezember 1922."  

 
Verlobungs- und Hochzeitsanzeigen für Siegfried Polatschek und Anny geb. Herrmann (1936)     
Anmerkung: Siegfried Polatschek ist am 3. März 1903 als Sohn von Emanuel Polatschek (1874 Prag - 1959 Haifa) und seiner Frau Olga geb. Altschul (1875 - 1948 Israel) in Augsburg geboren. Er war als Kaufmann in Augsburg (Hallstraße 14) tätig und zwar als Mitinhaber (mit seinem Bruder Otto Polatschek) des Schuhhauses Mercedes in der Maximilianstraße. Seine Frau Anny (Anni) geb. Herrmann ist am 16. April 1914 in Schesslitz geboren. Die beiden konnten 1938 in die USA emigrieren (Familienname Polson). Hier sind die beiden Söhne Reymond (1945) bzw. Jimmy (1949) geboren.
Siegfried Polatschek starb am 16. August 1961 in Los Angeles, CA/USA. Siehe https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-8225  https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-26784 
Informationen und Fotos zum Schuhhaus in Augsburg https://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/spurensuche/content/content_biografien-liste-P.htm  
Erinnerungen an das Schuhhaus Polatschek in Augsburg https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000011712?lang=de        

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 9. April 1936: "Statt Karten
Anny Herrmann   -   Siegfried Polatschek   
Verlobte
Nürnberg, Burgschmietstraße 12  /  Schesslitz   -   Augsburg  Hallstraße B 154 1/2  
10. April 1936."  
  
Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1936: 
"Statt Karten.
Siegfried Polatschek - Anny Polatschek geb. Herrmann.
Vermählte. 
Augsburg - Scheßlitz. Trauung: Sonntag, 16. August, 12 1/2 Uhr Hauptsynagoge Bamberg. 
Hochzeit: Weiße Taube, Bamberg". 

     

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte der in Demmelsdorf 
geborenen Else Dreyfuß geb. Heymann
 
 Demmelsdorf KK MZ Dreyfuss Elsa.jpg (84208 Byte)    
  Kennkarte (Mannheim 1939) für Else Dreyfuß geb. Heimann, geb. 13. Februar 1884 in Demmelsdorf, 
wohnte später in Mannheim, am 31. Mai 1939 in die USA (New York) emigriert.  
   

    
   
Nach 1945: Berichte aus der Zeit des DP-Lagers Kibbuz "Talba" in Scheßlitz 
Besuch im Kibbuz "Talba" in Scheßlitz (1946)    

Artikel in der jiddischen Zeitschrift "Undzer Wort" vom 2. August 1946: "A bazuch in kibuc 'Talba' in Scheßlitz.
Oif a kleijnem bazuch bin ich geforn in kibuc fun 'Alija Pnimit' Poszet gezogt, zajnen mir gekumen bajwojnen dem 'bris' fun cwej najborjene kinder in kibuc..."  .

 
Weitere Berichte aus dem DP-Lager "Talba": Vorfall gegen Bewohner des Kibbuz Talba in Schesslitz, Besuch des UNRRA-Direktor Gordon Napiee (1946) und Bericht über eine Kunst- und Handarbeitsausstellung in Bayreuth mit Bildern aus den Kibbuzim Schesslitz und Zeckendorf (1947)       

Artikel in "Undzer Wort" vom 24. Mai 1946 über einen Vorfall am 21. Mai 1946 gegen einen Bewohner des Kibbuz "Talba". 

Artikel in der Zeitschrift "Undzer Wort" vom 23. August 1946 über den "Director von UNRRA-Tram 176 - Gordon Napier Lt. Col. Ret. (TA)" A specjele onerkennung un oijmerkzamkajt widmet der her Direktor di kibucim 'Talba' in Schesslitz un 'BNEJ AKIBA' in Aschbach, wu es herszt an idilisze cuzamenlebn un es wert gefirt a musterhafte wirtszaft..."
- "Eine besondere Anerkennung und Aufmerksamkeit widmete der Herr Direktor den Kibbuzim 'TALBA' in Schesslitz und 'BNEJ AKIBA' in Aschbach, wo ein idyllisches Zusammenleben herrscht und eine musterhafte Wirtschaft geführt wird"

   
Artikel in "Undzer Wort" vom 4. Juli 1947: "Kunst- un hantarbei ojssztelung fun DP's"
Der Bericht handelt von einer Kunst- und Handarbeiten-Ausstellung von DP's vom Area-Team 1044 in Bayreuth. Die Ausstellung war auf dem Hof des Bayreuther UNRRA-Hauptquartier...
In einem besonderen Pavillon wird das Leben in den verschiedenen Lagern in Bildern gezeigt. Die Besucher sehen die alltäglicher Lagerleben: bei der Arbeit, beim Sport, Theater-Vorstellungen usw.  ... Dabei machten einen guten Eindruck die Kibbuzim Schesslitz, Zettlitz und Zeckendorf..."  

   
    
    
Zur Geschichte der Synagoge                  
           
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden oder es wurde bereits vor 1727 die Synagoge in Zeckendorf besucht. Nachdem die dortige jüdische Gemeinde  1723 bis 1727 eine neue Synagoge erstellt hatte, besuchten jedenfalls die Juden aus Demmelsdorf die dortige Synagoge. 1742 brannte diese Synagoge allerdings ab, was den Anlass dazu gab, in Demmelsdorf eine eigene Synagoge zu erstellen. Die Demmelsdorfer Juden hatten bereits 1734 eine eigene Synagoge auf einem Gartengrundstück erbauen wollen, das Marx Wolf der Gemeinde schenken wollte. Gegenüber der Ortsherrschaft wiesen die Demmelsdorfer Juden auf die Gefährlichkeit des Weges hin, den sie zur Synagoge in Zeckendorf gehen mussten und berichteten, dass ständig die Gefahr bestehe, "von bösen Leuten auf der Strauße angegangen und misshandelt zu werden". 
  
Am 17. Juli 1748 erhielt die Judenschaft die Zustimmung der Ortsherrschaft zum Bau einer eigenen, 31 Männer- und 28 Frauenstühle umfassenden Synagoge. In einem Anbau zum Synagogengebäude wurde die Wohnung des Vorsängers eingerichtet. Für die Nutzung der Synagoge waren jährlich 5 Gulden Schutzgeld an die Ortsherrschaft zu errichten.  Um 1830 befand sich diese Wohnung allerdings in einem so baufälligen und feuchten Zustand, dass sie unbewohnbar geworden war. 1833 wurde die Wohnung instandgesetzt. 1841 folgte eine gründliche Renovierung der Synagoge.
    
Kollekte zur Erneuerung der Synagoge (1840)   

Artikel im "Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs Bayern vom 20. Februar 1840: "20. Februar 1840.
An die fürstlich Löwensteinische Regierungs- und Justizkanzlei in Kreuzwertheim und an sämtliche Distrikts-Polizei-Behörden des Regierungs-Bezirkes.
(Gesuch der Israeliten zu Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, um Bewilligung einer Kollekte zur Reparatur ihrer Synagoge betreffend.  
Im Namen Seiner Majestät des Königs
. Seine Majestät der König haben allergnädigst zu gestatten geruht, dass zu Bestreitung der Kosten für die Reparatur der Synagoge in Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, eine Kollekte in allen israelitischen Gemeinden des Königsreichs veranlasst werde. 
Die Distrikts-Polizei-Behörden werden daher beauftragt, diese Kollekte in allen israelitischen Gemeinden ihrer Bezirke durch die Kultusvorsteher vornehmen zu lassen und die eingegangenen Beträge nach Ablauf von sechs Wochen an das diesseitige Expeditionsamt einzusehenden." 
 
Artikel im "Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs Bayern vom 23. April 1840:  "21. April 1840. An die fürstliche Löwensteinische Regierungs- und Justizkanzlei in Kreuzwertheim und an die Distrikts- Polizeibehörden des Regierungsbezirks.
(Das Gesuch der Israeliten zu Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, um Bewilligung einer Kollekte zur Reparatur ihrer Synagoge betreffend), 
Im Namen Seiner Majestät des Königs. Mit Bezug auf das Ausschreiben vom 15. Februar dieses Jahres, Intell.-Blatt Nr. 23 Seite 108, werden diejenigen Distriks-Polizei-Behörden, welche mit der angeordneten Berichtserstattung noch in Rückstande sind, aufgefordert, dieselbe nunmehr innerhalb acht Tagen unfehlbar zu vollziehen. 
Würzburg den 16. April 1840. Königliche Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg.  Kammer des Innern. Graf von Lerchenfeld, Präsident.     c: Hübner
."   
 
Artikel im "Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg des Königreichs Bayern vom 11. Februar 1840: "22. Januar 1840. (Das Gesuch der Israeliten zu Demmelsdorf, Landgerichts Scheßlitz, um Bewilligung einer Kollekte zu Reparatur ihrer Synagoge betreffend.
Im Namen Seiner Majestät des Königs. Nachfolgend wird die Übersicht der für die Israeliten zu Demmelsdorf, königlichen Landgerichts Scheßlitz, eingegangnen Kollekten Gelde öffentlich bekant mache. Die Kollekte für die bauliche Herstellung und innere Einrichtung der Synagoge zu Aschaffenburg betreffend.   usw. 
  

    
Nach Wiedereinweihung des Gebäudes wurden im Frühjahr 1842 zwei große mit dem Königsgebet in deutscher und hebräischer Sprache beschriebene Tafeln durch den Sohn des Religionslehrers Simon Prager in Pretzfeld 'zu Ehren seiner Majestät des allergnädigsten Königs Ludwig' angefertigt und zu beiden Seiten des Toraschreines angebracht. 
  
Der jüdische Frauenverein schenkt eine neue Tora-Rolle für die Synagoge (1906)     

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juni 1906: "Demmelsdorf. Der Demmelsdorfer jüdische Frauen-Verein, welcher seit 35 Jahren besteht, hat beschlossen, der Synagogen-Gemeinde eine Sefer Tora zu schenken. Die feierliche Übergabe erfolgte am zweiten Schewuottage, wobei Herr Rabbiner Dr. Eckstein aus Bamberg die Festpredigt hielt. Vor der Synagoge schon hatte Frl. Heimann eine sehr schöne Dankesansprache an den Frauen-Verein gerichtet. Am Nachmittage ging es in geordnetem Zuge zum Festplatze, wo Fräulein Weglein die Begrüßungsrede hielt. Zwei Gedichte 'Einen Toast auf die Herren', und 'Die Gredl vom Land' in Oberpfalzer Mundart von Fräulein Hoenigsberger aus Bamberg zum Besten gegeben, fanden großen stürmischen Beifall. Ein Tänzchen Schloss dies Freudenfest, zu dem unser Frauenverein den Anlass gegeben, in wohlgelungener Weise ab."   

1905 gab es noch täglichen Gottesdienst in der Synagoge in Demmelsdorf (in: "Statistisches Jahrbuch deutscher Juden" 1905).  
 
Vor der NS-Zeit wurde die Synagoge letztmals 1927 umfassend renoviert. 1927 und 1929 wurden neue Torarollen angeschafft. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 erschienen zwei mit SA-Leuten aus Bamberg besetzte Lastautos in Demmelsdorf. Die SA-Männer drangen in die Wohnung des Synagogendieners ein und verlangten die Synagogenschlüssel. Da dieser ihn nicht aushändigen wollte, wurde er verprügelt und die Synagogentür gewaltsam aufgebrochen. Ein Teil der Synagogenmöbel wurde zerschlagen, die Torarollen zerrissen, andere Ritualien zerstört. Den Rest des Inventars sowie die zerrissenen Torarollen mussten jüdische Einwohner auf einen Wagen laden und diesen auf ein offenes Feld fahren, wo die gesamte Ladung verbrannt wurde.
Das Synagogengebäude wurde wenig später auf Anordnung des Bamberger Landrates völlig zerstört und abgebrochen. Die Dorfverwaltung bot der jüdischen Gemeinde 250 RM als Entschädigung für das Grundstück an. Da diese den Betrag ablehnte, wurde das Grundstück beschlagnahmt. Für den Abbruch des Synagogengebäudes wurde der jüdischen Gemeinde eine Rechnung von 70 RM gestellt. Auf dem Synagogengrundstück wurde das Feuerwehrhaus der Gemeinde Demmelsdorf erstellt.
  
Im Juni 1948 waren acht der am November-Pogrom 1938 in Demmelsdorf Beteiligten vor dem Landgericht Bamberg angeklagt. Sieben von ihnen erhielten Gefängnisstrafen zwischen zwei Wochen und einem Jahr. In einem zweiten Verfahren im April 1949 wurden 18 von 21 Angeklagten zu Freiheitsstrafen von einem Monat bis zu vier Jahren verurteilt; im Dezember 1949 erhielten drei von vier weiteren Angeklagten Gefängnisstrafen zwischen zehn Monaten und anderthalb Jahren.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge: Grundstück des heutigen Feuerwehrhauses             
   

   
Fotos    

Historische Fotos sind noch nicht vorhanden, über Hinweise oder Zusendungen freut sich 
der Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite 
 
     
Demmelsdorf Synagoge 200.jpg (43062 Byte)  
Das auf dem Grundstück der Synagoge erstellte Feuerwehrhaus (Foto Jürgen Hanke, Kronach, 2004, aus: www.synagogen.info  
     
     
 Erinnerungen an die jüdische Geschichte:
Spuren von Mesusot an früheren jüdischen Häusern
(Fotos erhalten von Maria Becker,
Aufnahmen von Anfang Mai 2022) 
   
 An mehreren ehemaligen jüdischen Wohnhäusern sind bis heute Spuren von Mesusot erkennbar (vgl. Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Mesusa).
 Solche Spuren finden sich u.a. an den Häusern Benno-Schmitt-Straße 1 (früheres Anwesen Nr. 25, Foto links) und Benno-Schmitt-Straße 2 (früheres Anwesen Nr. 1, rechts). Nach Recherchen von Maria Becker im Staatsarchiv (Katasterblätter Demmelsdorf) waren die Anwesen/Häuser Benno-Schmitt-Straße 1 und 2 sowie Benno-Schmitt-Straße 4 (auch auf früherem Anwesen Nr. 1) bis in die 1930er-Jahre in jüdischem Besitz. Die heutigen Gebäude 2 und 4 plus Liegenschaften wurden 1939 von der Bayerischen Bauern-Siedlung GmbH übernommen, die Hausnummer 1 wurde am 15. August 1939 verkauft.  
     

   
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

1999: Publikation zu "Jüdisches Leben auf dem Land" mit Schwerpunkt Demmelsdorf"   
Artikel/Buchbesprechung in der Zeitschrift "Jediot - Mitteilungen des Irgun ʿÔlê Merkaz Êrôpā" Dezember 1999 S. 9:
"Groth, Klaus und Groiss-Lau, Eva (Hg.): Jüdisches Leben auf dem Dorf. Annäherungen an die verlorene Heimat Franken. Michael Imhof Verlag, Petersberg, 1999.
Die Herausgeber, Prof. Dr. Klaus Groth und Dr. Eva Groiss-Lau, beschäftigen sich seit mehr als zehn Jahren mit Fragen deutsch-jüdischer Kultur auf dem Land. Der vorliegende Band ist der dritte in der Reihe 'Jüdische Landgemeinden in Oberfranken'. Nach einer historischen Bestandsaufnahme aller jüdischen Landgemeinden zwischen 1800 und 1942 im Regierungsbezirk Oberfranken (Band 1, 1988), befasste sich der zweite Band (1995) mit Synagogen, Realien und Tauchbädern als Zeugnisse jüdischen Lebens. Die neue Publikation von 1999 bietet nun dem Leser/der Leserin einen Blick 'auf eine Ganzheit..., die den Dorfbewohnern unterschiedlicher Herkunft und Konfession Lebenswelt und Heimat bedeutete'.
Der vorliegende Band beinhaltet einen sehr interessanten und reich bebilderten Textteil sowie einen umfassenden Abbildungs- und einen Dokumentationsteil, mit denen die Vielfalt jüdischen Lebens in den Dörfern Zeckendorf und Demmelsdorf bei Bamberg bezeugt und veranschaulicht wird. Bemerkenswert sind ohne Zweifel die erstmaligen Übersetzungen der hebräischen Grabinschriften des jüdischen Friedhofs Demmelsdorf-Zeckendorf. Doch was wäre ein Rückblick auf deutsch-jüdische Geschichte und Dorfkultur ohne die Erinnerungen, Wahrnehmungen und Eindrücke von Zeitzeugen?
Das Herausragende des vorliegenden Bandes ist, dass den Lebenslinien einiger jüdischer Dorfbewohner von Zeckendorf und Demmelsdorf nachgegangen wurde. Oft führten die Spuren bis nach Nordamerika oder Israel. Anhand von Briefen. Fotos, Archivmaterial und Gesprächen mit ehemaligen Dorfbewohnern oder deren Nachkommen wurden Familiengeschichten und Einzelschicksale nachgezeichnet und so die bis heute bestellende Verwurzelung in der Heimat Franken sichtbar gemacht.
Etwas vage und unentschlossen klingen im Vorwort die Aussagen über das Miteinander von christlicher und jüdischer Dorfbevölkerung. War es ein friedliches oder ein von Vorurteilen geprägtes Miteinander? Oder vielleicht beides je nach politischer und wirtschaftlicher Situation? Leider gibt auch der ansonsten sehr ausführliche Textteil keine befriedigende Antwort auf diese spezielle Frage. Lediglich in dem Beitrag von Eva Groiss-Lau wird erwähnt, dass die jüdische Gemeinde von Demmelsdorf ein Fest veranstaltete, an dem auch die christlichen Nachbarn teilnahmen. Und aus der Familiengeschichte der Stix, schriftlich festgehalten von Josef Motschmann, ist zu entnehmen, dass im Schulalltag des 19. Jahrhunderts jüdische Schüler und Schülerinnen mit Animositäten ihrer christlichen Lehrer und Klassenkameraden zu rechnen hatten.
Ziel des Buches ist es, Erinnerungsarbeit als Protest gegen das Vergessen zu fördern. Mit der Dokumentation von jüdischer Familien- und Gemeindegeschichte, von Kulturgut und vor allem mit der lebendigen Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Bewohner zweier fränkischer Dörfer ist dies den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des vorliegenden Bandes zweifelsohne gelungen.   Heidemarie Wawrzyn"    
 
Oktober 2024: Verlegung von "Stolpersteinen" in "ZeDeSch" - Zeckendorf, Demmelsdorf und Scheßlitz     
32 Stolpersteine für ehemalige jüdische Bewohner der drei Ortschaften verlegte Künstler Gunter Demnig am 14. Oktober 2024 im Rahmen einer Veranstaltung der VHS Bamberg-Land - in einer Kooperation mit der Stadt Scheßlitz, der Mittelschule Scheßlitz, der Willy-Aron-Gesellschaft und der Jüd. Gemeinde Bamberg.
Mit großem Engagement verfolgt Maria Becker mit Unterstützung von Joachim Schön von der VHS Bamberg-Land seit einigen Jahren die Idee, die Namen und Schicksale der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in diesen drei Landgemeinden sichtbar zu machen, um so zu verdeutlichen, wie sehr das Leben in den Dörfern von Jüdinnen und Juden mitgestaltet und geprägt wurde. In mehreren Vorträgen an der VHS konnte so ein großer Teil der Spenden für die Steine generiert werden. Aber es ist erst ein Anfang, dem viele Stolpersteine noch folgen werden.
Die Veranstaltung wurde gefördert aus Mitteln des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Bamberg sowie von der Amadeu Antonio Stiftung. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2024 statt.
Film: erstellt von Björn Göttlicher, Link zu Youtube: https://youtu.be/eKwMn_BDlyk     
 
 
 Presseberichte  Rechts: Artikel von Joseph Beck und Andreas Kirchhof im "Heinrichsblatt"
vom 27. Oktober 2024: "Erstmals Stolpersteinverlegung in Zeckendorf,
 Demmelsdorf und Scheßlitz. Es bedarf auch heute der Zivilcourage...
"
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken    
dazu Bericht von Sebastian Quenzer im "Stadtecho - Die Lektüre für Bamberg" vom Februar 2024 S. 6-9
über "Projekt 'ZeDeSch' - Sichtbarkeit für frühere jüdische Bevölkerung" (eingestellt als pdf-Datei)   
 
 Fotos von der Verlegung am 14. Oktober 2024
(Fotos: Anja Heidenreich
und Björn Göttlicher)
       
  Gunter Demnig bei
der Verlegung
 Stolpersteine für Jakob Berg (1872-1943) und Klara Berg geb. Satzmann
(1879-1944), beide umgekommen im Ghetto Theresienstadt   
 
         
         
 Stolperstein für
Max Heimann
(1886-1942) in Demmelsdorf,
 Benno-Schmitt-Str. 2
 Bei der Verlegung der Stolpersteine für Angehörige
der Familie Wurzinger in
 Demmelsdorf, Schultestraße 16  
     
 

    
    

    

Links und Literatur   

Links:    

bulletWebsite der Stadt Scheßlitz  
bulletWebsite zur jüdischen Geschichte in Demmelsdorf https://niskor-et-demmelsdorf.de/#de 
bulletÜbersicht über die in den Central Archives Jerusalem zur Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Demmelsdorf-Scheßlitz vorhandenen Dokumente (pdf-Datei).  
bulletHaus der Bayerischen Geschichte mit Seite zur jüdischen Geschichte in Burgellern: https://hdbg.eu/juedisches_leben/gemeinde/burgellern/1341  

Literatur:  

bulletGermania Judaica II,2 S. 743-744; III,2 S. 1316-17 (zu Scheßlitz).
bulletAdolf Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg, bearbeitet auf Grund von Archivalien nebst urkundlichen Beilagen. Bamberg 1898 (Reprint 1985).
bulletders.: Nachträge zur Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg. Bamberg 1899 (Reprint 1985).
bulletBaruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 129-130 (zu Demmelsdorf) und S. 148 (zu Scheßlitz)
bulletIsrael Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 203.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 228-230.
bulletKlaus Guth (Hg.) u.a.: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800-1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988. Zu Demmelsdorf S. 343-351 (mit weiteren Quellenangaben)
bulletKlaus Groth / Eva Groiss-Lau: Jüdisches Leben auf dem Dorf. Annäherungen an die verlorene Heimat Franken. 1999.    
bullet
Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Demmelsdorf S. 129-135 (die Forschungsergebnisse konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica"  noch nicht eingearbeitet werden).

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.    

Schesslitz  Upper Franconia. Jews are known from the 14th century. From the late 19th century they numbered around 30 (2,5 % of the total population). Twelve emigrated in the Nazi era, including ten to the United States. The last 13 were expelled to Bamberg on 22 March 1942 and from there deported to Izbica in the Lublin district (Poland) and to the Theresienstadt ghetto. 

Demmelsdorf Upper Franconia. Jews were present in 1670. In 1739 their residence was limited to six families. A synagogue was erected in 1748 and a Jewish school opened in 1827. In 1812 the Jewish population reached a peak of 136 (total 217), thereafter declining steadily to 42 in 1933 (total 172). Sixteen Jews are known to habe emigrated in the Nazi era. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized (and subsequently razed) and Jews were beaten, The last 14 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Bamberg in April 1942. 
      
       

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

       

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 31. Januar 2026