In Zeckendorf bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück.
Auch im 15./16. Jahrhundert könnten schon einzelne Juden am Ort gelebt haben,
wenngleich eine angebliche Ersterwähnung im Jahr 1483 nicht eindeutig bestätigt werden
kann. Die erste sichere Nennung ist von 1586. Die Juden standen unter dem Schutz des Klosters Langheim und der Freiherren
von Künßberg.
Mitte des 17. Jahrhunderts gab es bereits 30 jüdische Familien im Ort, 1699
noch 21. Bei den
Unruhen des Jahres 1699 kam es am 22. Mai dieses Jahres zu Überfällen der jüdischen
Häuser und Einwohner des Ortes durch
räuberische Banden aus der Umgebung (vgl.
Seite zu Demmelsdorf).
Zeitweilig lebten in Zeckendorf mehr jüdische als christliche
Familien in Zeckendorf. Auf Grund der zentralen Lage und Größe der Gemeinde wurde
Zeckendorf 1654 als Sitz
des Landesrabbinates für das Hochstift Bamberg bestimmt.
Erster Landesrabbiner in Zeckendorf war von etwa 1658/61 bis 1665 R. Samuel
ben David Moses haLevi Meseritz. Weitere bekannte Rabbiner und talmudische Gelehrte waren
in der Folgezeit R. Moses ben Elchanan Fürth (Rabbiner 1665-1667), R. Henoch
Levi (als Wiener Exulant Rabbiner von 1674-1678), der Kabbalist R. Simon Akiba
Baer (vor 1688), Meir Halevi und Moses Meyer
und andere mehr. -
In der Talmudhochschule Fürth (Beth haMidrasch) wirkte
R. Isaak Seligmann aus Zeckendorf, der im Jahr 1664 in Fürth verschiedene Werke
kabbalistischen Inhalts kopierte und ein Anhänger des Sabbatianers Nathan Gazati
war (in "Jahrbuch der Jüdisch-literarischen Gesellschaft" 1911 S. 143).
1706 heiratete Bela, Tochter des Schwabacher/Fürther Moshe Katzenellenbogen
Rabbiners den Meir ben Isaak Seligmann in Zeckendorf (also einen Sohn des R.
Isaak Seligmann; ebd. S. 120).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1810 134 jüdische Einwohner (48,9 % von insgesamt 276), 1837 166 (58,2 %
von 285), 1840 151 (43,3 % von 188), 1852 133 (43,6 % von 305), 1875 52 (18,8 %
von 277) und 1900 50 (in 14 Haushaltungen, 17,7 % von 282). Nach der Statistik ging - wie in anderen
"Judendörfern" auch - seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zahl
der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung stark zurück.
Die jüdischen Familien lebten bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts überwiegend
vom Handel mit Vieh und Waren aller Art (Lumpenhandel, Hausierhandel). Bis zur
Mitte des 19. Jahrhunderts kamen auch mehrere Handwerksberufe dazu, darunter
mehrere Weber, ein Schneider, ein Schuhmacher und ein Metzger.
An Einrichtungen waren eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein
rituelles Bad und - gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Demmelsdorf - ein Friedhof
vorhanden. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schächter
tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Von den Lehrern ist u.a.
bekannt: Moses Hofmann (u.a. in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom
19.11.1872 S. 938), der 1875 nach Rothenburg wechselte und dort noch über 50 Jahre lang wirkte (bis 1926, gest.
1929). Um 1876/84 wird Lehrer Emanuel Wertheimer genannt (in: "Der Israelit"
vom 15.11.1876, "Der Israelit" vom 2.3.1881, AZJ 13.2.1883); um 1887/1905 Carl
Kaufmann(erstmals: "Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen
Gemeindebundes" 1887 S. 20; unterrichtete nach dem "Statistischen Jahrbuch"
1903 noch 14, 1905 noch 10 [6 Jungen, 4 Mädchen]); um 1909/11 I. Bick
(nach der Ausschreibung 1908 siehe unten; genannt in "Der Israelit" vom
5.4.1909).
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1887 E. Kirschbaum, um
1905/11 Isaak Gerst.
Vereine: Auf Grund des zwischen den Gemeinden Demmelsdorf und Zeckendorf
gelegenen Friedhofes und der traditionellen Verbundenheit der beiden Gemeinden
war eine gemeinsame Chewra
Kadischa vorhanden (von 1738, vgl. Pokal bei den Abbildungen, Wohltätigkeits- und Bestattungsverein,
um 1900/05 Vorsitzender J. Gerst in Zeckendorf). 1903/05 wird auch ein "Jünglings-Verein" (Chewrat
Neorim, unter dem Vorsitz von J. Gerst) genannt, der religiöse
Sabbat-Vorträge organisierte ("Statistisches Jahrbuch deutscher Juden" 1905
S. 175).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Jakob
Gerst (geb. 19.12.1885 in Zeckendorf, gef. 12.4.1917). David Heimann (geb.
26.12.1890 in Zeckendorf, gef. 29.7.1916), Gefreiter Heinrich Heimann (geb.
6.5.1887 in Zeckendorf, gef. 26.8.1914), Unteroffizier Max Heimann (geb.
13.12.1886 in Zeckendorf, gef. 31.10.1915), Karl Rosenbaum (geb. 3.12.1897 in
Zeckendorf, gef. 9.6.1917).
Um 1924, als noch 20 jüdische Einwohner in acht Haushaltungen gezählt
wurden, waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Gerson Gerst, Samuel
Rosenbaum, Karl Hermann und Max Welt. Der jüdische Lehrer aus Demmelsdorf
unterrichtete damals die noch vier schulpflichtigen Kinder in Religion (1932
fünf Kinder). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat in Bamberg. 1932
waren die Gemeindevorsteher Max Reis, Gerson Gerst und Gustav Gerst.
1933 lebten 22 jüdische Personen in Zeckendorf (9,4 % von insgesamt
235). Trotz der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden
Entrechtung und der Repressalien entschlossen sich nur wenige von ihnen in den folgenden Jahren
zum Verlassen des Ortes beziehungsweise zur
Auswanderung. Am 1. November 1938 wurden noch 20 jüdische Einwohner gezählt.
Die letzten 18 wurden am 25. April 1942 von Bamberg nach Izbica bei Lublin
deportiert.
Von den in Zeckendorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Leo Ansbacher (1887),
Clara (Klara) Berg geb. Satzmann (1879), Jettchen Brückmann geb. Kirschbaum
(1881), Flora Gerst (1910), Gerson Gerst (1877), Gustav (Gerson) Gerst (1890), Justin
Gerst (1926), Rosa Gerst geb. Stern (1883), Selma Gerst geb. Heimann (1899), Senta Gerst
(1923), Gutta Hausmann (1885), Salomon Hausmann (1880), Regina Herrmann geb. Heimann (1885),
Klara Herz geb. Gerst (1888), Heinrich Kaufmann (1896), Frieda
Lauer geb. Satzmann (1876), Gisela Liffgens geb. Rosenbaum (1893), Heinz Reis (1925), Inge
Irene Reis (1933), Mina Reis geb.
Hausmann (1888), Robert Reis (1923), Siegfried Reis (1927), Gretchen Rollmann
geb. Satzmann (1885), Rosalie Rollmann geb. Satzmann (1877), Alice Rosenbaum
(1929), Cäcilie (Cilli) Rosenbaum geb. Herrmann (1873), Elise Rosenbaum geb. Eckmann
(1859), Felix Rosenbaum (1885), Hedwig Rosenbaum geb. Liffgens (1892),
Ilse Rosenbaum (1924), Samuel Rosenbaum (1866), Rosa (Ryfka) Sachs geb. Eisenberg
(1886), Josef Satzmann (1874), Hedwig Weinstock geb. Kaufmann (1900).
Auf dem Gedenkstein am jüdischen Friedhof sind folgende Namen
festgehalten: Gerson
Gerst / Rosa Gerst / Flora Gerst / Gustav Gerst / Selma Gerst / Justin Gerst
/ Senta Gerst / Salomon Hausmann / Minna Reiss / Robert Reiss / Heinz Reiss
/ Inge Reiss / Siegfried Reiss / Samuel Rosenbaum / Ziv
Rosenbaum / Elise Rosenbaum / Felix Rosenbaum / Hedwig Rosenbaum / Ilse
Rosenbaum / Alice Rosenbaum.
Beitrag von Rabbiner Adolf Eckstein
zur Entstehung des Rabbinates in Zeckendorf Anmerkung: Rabbiner Adolf Eckstein (siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Eckstein_(Historiker)) stellt in diesem
Artikel einige neuere Erkenntnisse zusammen, die seine Beiträge von 1898 und
1899 (s.u.) ergänzen sollen.
Artikel
in der "Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" von
1924 S. 308-311:
"Neue Beiträge zur Geschichte der Juden in Bamberg. Von A. Eckstein
in Bamberg.
Im Dezember 1908 erhielt ich von meinem inzwischen verewigten Amtsvorgänger
Dr. Joseph Kobak, dem gelehrten und verdienstvollen Herausgeber des
Jeschurun, Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, und der Ginse
nistaroth, der von 1862—1882 als Distriktsrabbiner von Bamberg wirkte,
von Lemberg eine Sammlung hebräischer Akten, denen ich die nachfolgenden,
zur Ergänzung meiner i. J. 1898 erschienenen 'Geschichte der Juden im
ehemaligen Fürstbistum Bamberg' und der 'Nachträge' dazu v.J. 1899 dienenden
Mitteilungen entnommen habe. I. Zur Geschichte des Landesrabbinats (Anmerkung: vgl. dazu meine
Geschichte S. 152ff).
Fast 1 1/2 Jahrhunderte waren verflossen, seitdem Moses Minz, in
welchem die talmudische Gelehrsamkeit der deutschen Rabbiner des
Mittelalters ihren letzten bedeutenden Vertreter hatte, i.J. 1474 seinen
Amtssitz in Bamberg verlassen hatte, um dem seiner Gemeinde damals drohenden
Schicksal der gewaltsamen Vertreibung aus der Heimat zuvorzukommen, da
vereinigten sich etwa gegen Ende des Jahres 1618 die gesamten Juden
des Hochstifts zu einer an die fürstbischöfliche Regierung gerichteten
Bittschrift des Inhalts: es möge ihnen gestattet werden, einen 'wol
qualificirten Juden zu ihrem Paumeister und obristen Rabbi' zu kiesen. Damit
tauchte zum ersten Male der Plan der Errichtung eines Landesrabbinats
Bamberg auf. Die Verwirklichung dieses Planes aber, obgleich von der
Landesregierung mit wohlwollender Zustimmung aufgenommen, wurde durch
Interessengegensätze zwischen einerseits der stiftischen und andererseits
der ritterschaftlichen Judenschaft aufgehalten, deren Ausgleichung
langwierige Verhandlungen der beiden Verbände erforderlich machten. Man
wandte sich zu diesem Zwecke zunächst an das damalige Rabbinat von Frankfurt
am Main (Anmerkung: Vorsitzender: Menachem Mendlin, d.i. Rabbiner Mendel
Baß aus Krakau, Beisitzer: Meier ben Gerson, d.i. Rabbiner Meir Stern [vgl.
über dieselben Horovitz: Frankfurter Rabbiner S. 40-49] und Löb Saul Jehuda
ben Moses Naphtali), welches einen inhaltlich nicht bekannten Entscheid
vom 22. Juni 1643 ergehen ließ, der eine befriedigende Lösung der wichtigen
Frage nicht herbeizuführen vermochte. Vermutlich handelte es sich bei diesen
immer neu ausbrechenden Differenzen neben der Frage des Wahlrechts
hauptsächlich um die Verteilung der entstehenden Lasten, die unter den
Drangsalen des 30jährigen Krieges als zu drückend nicht getragen werden
konnten. Am 9. März 1654 erhielt dann die gesamte schutzverwandte
Judenschaft auf Ansuchen abermals die fürstbischöfliche Genehmigung zur
Berufung eines Rabbiners mit dem Sitze in Zeckendorf, einem kleinen
Orte, der mit Rücksicht auf seine zentrale Lage im Lande gewählt wurde (Anmerkung:
danach ist meine auf S. 154 unten in meiner Geschichte gegebene Auffassung
der Verhältnisse zu berichtigen). Darauf wurden neue Verhandlungen
zwischen den Vertretern der beiden Judenschaftsverbände geführt, die am 1.
September 1655 zu dem glücklichen Ergebnis gelangten, bei günstiger
gewordenen Zeitverhältnissen auf Kosten der Gesamtheit ein gemeinsames
geistliches Oberhaupt wählen und berufen zu wollen. Aber noch eine Zeitdauer
von 3 Jahren des unerquicklichen Zögerns und Haderns sollte dahingehen, bis
es endlich gelungen war, ein von zwei Schiedsrichtern ausgearbeitetes
Übereinkommen zustande zu bringen, das in der Form einer Vertragsurkunde vom
2. Aw 418 = 1. Aug. 1658 die Frage des Landrabbinats zur endgültigen Lösung
förderte.
Auf S. 156 meiner Geschichte ist ein kurzer Auszug aus dieser Urkunde, der
sich in einer deutschen Übersetzung bei den Rabbinatsakten vorgefunden
hatte, mitgeteilt. In den neuen Akten, auf welche eingangs dieser Abhandlung
hingewiesen ist, hat sich die hebräische Urschrift der ganzen Urkunde in
ausgezeichnet erhaltenem Zustande vorgefunden, ein umfangreicher Schriftsatz
von 6 1/2 Folioseiten, der in 23 Punkten alle Einzelheiten des Abkommens
regelt und die eigenhändige Unterschrift der beiden beauftragten
Schiedsrichter: Isak ben Elieser Sußmann Brilin, Rabbiner in
Hammelburg, und Elieser ben Josef
aus Fulda trägt. Aus dem Inhalt der Urkunde
sei als bemerkenswert Folgendes hervorgehoben: der Wahlkörper soll aus 18
Männern bestehen, nämlich je 4 Parnosim der stiftischen und
ritterschaftlichen Landjudenschaft und je 5 durch Urnenlos aus beiden Teilen
hervorgehenden Mitgliedern aus der Mitte der Gemeinden. Die Wahlhandlung
soll mit feierlichem Ernste wie eine gottesdienstliche Handlung vor sich
gehen. Der Leiter derselben soll die Verhandlungen stehend eröffnen und mit
dem mosaischen Fünfbuch (= Tora) in der Hand eine Ansprache etwa folgenden
Inhalts an die Versammelten richten: Wir sind im Begriffe, einen
gemeinschaftlichen Rabbiner ins Land zu berufen, der zur Ehre Gottes und
seiner Tora furchtlos einem Jeglichen den rechten Weg weisen soll in
religiösen und weltlichen Angelegenheiten, so lasst uns einen unparteiischen
und weisen, einen frommen und gelehrten Mann, mit Hintansetzung jedes
persönlichen Interesses, zu unserem Führer erwählen. Ich für meine Person
versichere Unter Eid und Bann, dass einzig und allein die Ehre Gottes und
das Heil der Gesamtheit der Leitstern meiner Entschließung sein soll. — Und
sämtliche Mitglieder des versammelten Wahlkörpers sollen durch ein
feierliches Amen sich in gleichem Sinne verpflichten. Sodann solle man auf
Grund eines Meinungsaustausches die Namen von 4 oder höchstens 5 geeigneten
Kandidaten 'auf das Brett' oder 'auf den Tisch' schreiben und durch geheime
Zettelwahl einen Mehrheitsbeschluss erzielen.
Aus den weitern Bestimmungen ist noch Folgendes bemerkenswert: die gesamte
Judenschaft des Landes ist auf die Dauer von 10 Jahren verpflichtet, 10
Knaben und 4 Jünglinge, die beim Rabbiner lernen und studieren werden, auf
ihre Kosten verpflegen zu lassen. Die Wahl des ersten Landesrabbiners,
dessen feste Besoldung nicht weniger als 50 rh. Goldgulden, den Gulden zu 3
Kopfstück, betragen muss, bei freier Dienstwohnung in Zeckendorf oder
allenfalls in Kunstadt, soll so
vorbereitet werden, dass derselbe bis zum Neujahrsfeste 1660 seinen Einzug
halten könne. Die Aufrechthaltung der in dieser Urkunde für ewige Zeiten
vereinbarten Satzungen wird durch Androhung einer Strafe von 100 Rth., je
die Hälfte zur Herrschaft und zum Almosen, für jeden Übertretungsfall
gesichert (Anmerkung: Durch Beschluss der Landesdeputierten unter Leitung
des Dajan Nathan aus Bamberg ... wurde die Vertragsurkunde am 3. Jan. 1668
in einigen Punkten abgeändert).
Als ersten auf dem Sitze des neugeschaffenen Landesrabbinats haben wir
bereits Sam. Meseritz (etwa 1661-65), den Verfasser
des
Nachlath Schiw'a, und als dessen Nachfolger Mos. Fürth kennen
gelernt, der nur 2 Jahre das Rabbinat inne hatte (Anmerkung: vgl.
Geschichte S. 160 ff). Während der nun folgenden Vakanz wurden, nach
Mitteilung der neuen Akten, von den Landesdeputierten einige Beschlüsse
gefasst, die hier nachgetragen werden mögen: am 26. Dezember 1669 wurde
beschlossen, den Bann über all diejenigen auszurufen, welche 'Schißlich-Heller',
d. h. minderwertige, ins Land bringen würden. Interessanter sind einige
gegen den Kleiderluxus am 27. Cheschwan 1671 gerichtete Beschlüsse, die
dahin lauten: niemand darf, wie es gegenwärtig die Mode verlangt, ein mit
Silberknöpfen besetztes Kleidungsstück tragen, nur ein Gewand mit
vorne herunter einer einzigen Reihe von Silberknöpfen soll gestattet sein;
ferner darf eine Dame nicht einen golddurchwirkten Schleier tragen, es sei
denn als Gevatterin oder Brautführerin, und nicht mehr als 4 Goldringe an
die Finger stecken; auch das Tragen von Samtkleidern war verpönt, alles bei
Strafe von 4 Rth.
Der nächstfolgende Landesrabbiner Henoch Levi (von etwa 1674—1678)
hat sich während seiner kurzen Amtsdauer durch organisatorische
Verordnungen, die er unter seinem Vorsitz von den Vertretern des
Landesverbands der Judenschaft beschließen ließ zur Förderung von
Jugendunterricht, Gottesdienst und Wohltätigkeit, sowie zur Befestigung des
Rechtes, der Wahrheit und des Friedens, ein bleibendes Denkmal in der
Geschichte der Landesgemeinde errichtet. Diese vom 21. August 1678 datierten
Verordnungen sind in einem Landesgemeindebuch (Pinkas) niedergelegt, das
sich aus der Merzbacheriana cod. 115 gegenwärtig im Besitze der
Stadtbibliothek von Frankfurt a.M. befindet (Anmerkung: vgl. Geschichte
S. 66 u. 163). Auch in der Stadtgemeinde Bamberg hat derselbe am
14. August 1675 ein Gedenkbuch angelegt, das ursprünglich 116
Halbblätter in der Form eines Kontobuchs enthielt, von welchem sich aber
leider nur ein Bruchstück von 6 Halbblättern erhalten hat. Die Aufschrift
dieses Gedenkbuches lautet:
ב״ה, זה ספר הזכרונות, לכל דברי הקהל והתקנית, כמסטורות נטועות • וכדרבונות,
חדשות וגם ישנות, למשמרת עם מה שיהיו לאחרונות, וכל המשנה ידיו על התחתונות,.
והי יצילנו משגיאות דורונות, ונוכה לעלות ציו! בשכחות ותנות, ויש בו' קט״ו דפין
בלי חסרון אשר .לא יוכל להימנות: אנכי תכנתי. עמודי׳ פה באמבורק תל שהכל אליהם
פונות, יום חמישי שנים ועשרים למנחם שנת תאו למד' הא לפ״ק. חנוך סגל מפראג כו׳
וחד׳ פה באמבורק יום הנ״ל.
In diesem Gedenkbuche sind an erster Stelle Gemeindebeschlüsse vom 14.
August 1675 enthalten, die sich auf Fürsorge für durchreisende Arme beziehen
(Anmerkung: vgl. Geschichte S. 93ff). Hervorzuheben sind ferner
Beschlüsse v. J. 1679 zur Hintanhaltung groben Unfugs, der insbesondere am
Purim dadurch entstand, dass Leute an diesem Tage sogar in der Synagoge oder
wenigstens im Vorhofe derselben bewaffnet mit Bogen und Büchsen erschienen
oder gar Pulver in die Lichter streuten, um Knalleffekte zu erzielen; es
wurde verordnet, dass nur Knaben im Alter von unter 13 Jahren nur an 3
Stellen der verlesenen Megilla Haman klopfen dürfen. Ferner musste verboten
werden, dass sich die Andächtigen am Feste der Gesetzesfreude in der
Synagoge zum Zwecke der Unterhaltung mit Gegenständen bewarfen und die
Frauen in ihrer Abteilung die heitere Feststimmung durch Essen und Trinken
zu heben suchten."
Über den Kabbalisten Rabbiner Simon
Akiba ben Joseph Bär (aus Wien, vor 1688 sechs Jahre Rabbiner in Zeckendorf,
danach in Burgpreppach, Schnaittach,
1698-1724 in Gunzenhausen)
Aus einem Beitrag von David Kaufmann: "Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien
und Niederösterreich, ihre Vorgeschichte (1625-1670) und ihre Opfer. Im unten
genannten "Jahresbericht...", in dem sich u.a. die Kapitel finden: "Leopold I.
und die Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich" S. 65-166 und
innerhalb des Beitrages "Die Vertriebenen in der neuen Heimat" ein Abschnitt zu
"Bayern" S. 191-206. Zum gesamten Beitrag siehe unter
https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/titleinfo/703401
Allgemein: vgl. Wikipedia-Artikel
https://de.wikipedia.org/wiki/Vertreibung_der_Wiener_Juden_1670
Zu Rabbiner Simon Akiba ben Joseph Bär:
https://www.jewishencyclopedia.com/articles/1029-akiba-baer-ben-joseph-simon-akiba-baer
und
https://grokipedia.com/page/akiva_baer_ben_joseph
Literatur: Susanne Talabardon: Auf schmalem Grat: Leben und Wirken des
Simon Akiba Baer (gest. 1724). In: Jüdisches Leben in der Region (hrsg. von
Michaela Schmolz-Häberlein. Würzburg 2018 S. 321-347. Der Text unten wird ohne den teilweise ausführlichen wissenschaftlichen
Anmerkungen wiedergegeben.
Aus
einem Artikel im "Jahresbericht der Landes-Rabbiner-Schule in Budapest" 1888
S. 202-205: "Zu den Wiener Exulanten, welche durch Heranbildung von Schülern
und Pflege des aus dem Ghetto von Wien mitgebrachten Wissens das
Talmudstudium in den bayerischen Gemeinden verbreiteten, gehörte nicht im
letzten Grade auch Simon Akiba Bär, Sohn Josef B. Henochs. Der
Schwiegersohn des Veitel B. Isserls, des hochgelehrten Rabbiners von
Kremsier, und durch diese Verbindung der Neffe R. Gerson Aschkenasi’s und R.
David b. Isserls in Trebitsch, den angesehensten Rabbinern Deutschlands wie
dem Wiener R. Aron Teomim in Worms und Menachem Mendl Bacharach in Bamberg
verwandt, vom Hause aus angesehen,von talmudischer und kabbalistischer
Gelehrsamkeit erfüllt, hatte er überall entgegenkommende Aufnahme gefunden,
wenn er in Böhmen und in deutschen Landen lehrend und predigend von Ort zu
Ort zog. In Zeckendorf bei Bamberg als Rabbiner aufgenommen, verblieb
er sechs Jahre in der kleinen Gemeinde, die ihn und die Seinen kümmerlich
ernährte. Ein Denkmal des innigen Verkehrs, den er hier täglich mit dem
gelehrten Vorsteher Isak Seligmann b. Meir Lewi pflegte, hat er
nachmals in dem Werke herausgegeben, zu dem beide sich verbanden, nachdem
sie selbstständig in dem gleichen Plane sich begegnet waren. 1688 finden wir
ihn in der Gemeinde seines wohl ebenfalls aus Wien stammenden Freundes R.
Mose b. Henoch Lipschütz zu
Burgpreppach in Unterfranken, wo er ein Jahr lang nur der Ausführung
eines literarischen Lieblingsgedankens sich widmete.
Die Not hatte ihn wie die Mehrzahl seiner als Autoren auftretenden Wiener
Leidensbrüder zum Schriftsteller gemacht. Hervorragend beredt, in der
Literatur der Predigt, des Midrasch und der Kabbala heimisch, der
Geistesrichtung der Wiener Kabbalistenschule folgend, fasste er den
Gedanken, ein Popularkabbalist zu werden, mit einer Erläuterung des
Tiefsinns und der Geheimnisse in den täglichen Gebeten die Autorenlaufbahn
zu betreten. Er fand die begeisterte Zustimmung aller spruchbefugten
Stimmführer der deutschen Judenheit und so durchschlagenden Erfolg in weiten
Kreisen, dass er 1707 nach einer zweiten Auflage in Berlin 1700 eine um die
Erklärung der Sabbat- und Festgebete erweiterte und bereicherte Ausgabe
unter erneuter Billigung der hervorragendsten Autoritäten veranstalten
konnte. Wohl durch dieses Buch war die Aufmerksamkeit seines Anverwandten B.
Bärmann, der bereits an der Spitze des Ansbachschen Oberrabbinates stand,
auf ihn gefallen. Durch B. Bärmann zum Rabbiner in
Schnaittach eingesetzt, fand er hier
Gelegenheit, zu lehren und zu wirken, des so lange entbehrten Friedens sich
zu erfreuen, als er das unschuldige Opfer einer Verleumdung wurde. Wohl ward
er, da seine Schuldlosigkeit zu Tage kam, bald enthaftet, allein in
Schnaittach, das überdies durch die
Kriegswirren zerrüttet war, konnte er nicht bleiben; es war ihm beschieden,
ein zweites Mal ins Exil zu gehen. Wieder war B. Bärmann sein Retter. Er
verlieh ihm das Rabbinat von
Gunzenhausen und den Beisitz im Rabbinate von
Ansbach, wo er an dem Todfeinde Elkan
Fränkels, an dem begüterten Hofjuden Model Marx, einen hilfsbereiten Gönner
hatte. Er blieb literarisch der Richtung treu, die er erwählt hatte, ein
fruchtbarer Volksschriftsteller, der die Perlen der Agada, die Erzählungen
des Talmud, die gemeinverständlichen Sätze der Kabbala sogar in deutschem
Gewande unter das Volk brachte. Seinen Sohn Josef sah er in jungen Jahren
das Rabbinat von Schafa und Gewitsch in Mähren bekleiden, von wo ihn Salman
Gomperz nach Cleve zu seinem Klausrabbiner berief."
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und
Schochet 1875 / 1908 / 1911
Anmerkung: die Ausschreibung der Stelle 1875 erfolgte nach dem Weggang von
Lehrer Moses Hofmann.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1875: "Die
Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle in der hiesigen
israelitischen Gemeinde ist vakant und soll möglichst bald wieder besetzt
werden. Der fixe Gehalt beträgt 300 fl., die Gebühren für die Schechita
übersteigen 150 fl , andere Nebenverdienste wenigstens 100 fl.
Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten wenden.
Zeckendorf bei Bamberg, im August 1875.
Isaak Heimann, Vorstand."
Anzeige
in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 27. August 1908: "Vakanz.
Die hiesige
Religionslehrer-, Vorsänger- und Schochetstelle ist zum 15. September
dieses Jahres wieder
zu besetzen.
Fixum 600 Mark Nebenverdienste etwa 400
Mark. Unverheiratete, seminaristisch gebildete Herren wollen ihre Offerten
nebst Zeugnisabschriften baldigst an den Unterzeichneten richten.
Ebendaselbst wird für die hohen Feiertage ein Hilfsvorbeter gesucht. Zeckendorf bei Bamberg.
Isaak Gerst, Kultusvorstand."
Anzeige
in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 9. Februar 1911: "Die hiesige
Religionslehrer-, Vorbeter und Schächterstelle ist per 1. März zu
besetzen. Garantiertes Einkommen Mark 1000.-. Auch Ausländer, welche die
deutsche Sprache beherrschen, können Berücksichtigung finden. Meldungen
sind zu richten an Herrn
Isaak Gerst, Kultusvorstand,
Zeckendorf,
Oberfranken".
Die obige Anzeige vom 1911 erschien -
etwas verändert - auch im "Israelitischen Familienblatt" vom 1. Juni 1911
S. 14: "Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter und Schächterstelle
ist sofort neu zu besetzten. Garantiertes Einkommen." ... Bewerbungen
sind zu richten an Herrn Isaak Gerst, Kultusvorstand, Zeckendorf
(Oberfranken)."
Zu Lehrer Carl Kaufmann - Bericht zum Tod seines Vaters Simon Kaufmann in
Memmelsdorf (1903)
Lehrer Carl Kaufmann ist wahrscheinlich noch in
Altenstein geboren. Nach dem Bericht zum
Tod seines Vaters ist die Familie um 1883 von Altenstein nach Memmelsdorf
gezogen. Carl Kaufmann hatte mindestens eine Schwester, die mit Lehrer Moses
Katz (um 1903 in Hagenbach) verheiratet war.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1903: "Memmelsdorf
i.J., 4. Januar (1903). Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen schweren
Verlust erlitten. Im Alter von 73 Jahren, nach kurzem, aber sehr
schmerzlichen Leiden, wurde Herr Simon Kaufmann am Erew Schabbat
Koddesch Wejidasch (d.h. Freitag vor dem Schabbat mit der Toralesung Wajigasch
= 1. Mose 44, 18 - 47,27, das war Freitag, 2. Januar 1903) in die ewige
Heimat abberufen, und heute wurde seine irdische Hülle der Erde
zurückgegeben. Der Verblichene, der vor etwa 20 Jahren aus
Altenstein, wo
sich die jüdische Gemeinde auflöste, hierher gezogen, war eine der
Hauptstützen des hiesigen Gemeindewesens. Treu hing er an allen
Einrichtungen unserer Religion, gewissenhaft erfüllte er die göttlichen
Gebote, und zeichnete sich besonders aus durch hervorragende
Wohltätigkeit. An seiner Bahre trauern seine Witwe und 12 Kinder, nebst
zahlreichen Enkeln. Von des Verstorbenen Ansehen und Beliebtheit in
weitesten Kreisen zeugte die imposante Beteiligung an seinem Leichenzug.
Aus Nah und Fern waren seine Freunde herbeigeeilt, Glaubensbrüder wie
Andersgläubige, um ihm den letzten Tribut der Liebe und Verehrung zu
zollen.
Den eigentlichen Hesped (Trauerrede) hielt Herr Lehrer Leopold
Anfänger - Memmelsdorf, unter Anlehnung an Jesaja 55,10-12 etc. 'Denn
wie Regen und Schnee herabkommt vom Himmel, dahin aber nicht zurückkehrt...'
Die Rede wird demnächst im Drucke erscheinen. Herr Lehrer Carl Kaufmann
- Zeckendorf, Sohn des Verblichenen,
sowie Herr Lehrer Moses Katz - Hagenbach,
als Schwiegersohn, widmeten tief empfundene Worte des Nachrufes und
Abschiedes. Die Lokalblätter der Gegend widmeten dem Heimgegangenen
ebenfalls die ehrendsten Nachrufe. H.S."
Über den Lehrer I. Bick Über den Lehrer I. Bick (oder auch J.
Bick) liegen bisher kaum Informationen vor. Er war Lehrer in Zeckendorf zwischen
den Ausschreibungen 1908 und 1911 (siehe oben, da er in dieser Zeit
mehrfach in jüdischen Periodika genannt wird). Er könnte ein Bruder des Lehrers
Aron (Arno) Bick sein, der aus Preßburg stammt und
1904 sein Studium an der ILBA in Würzburg abgeschlossen hatte und danach
Religionslehrer in Georgensgmünd, von
1912 bis 1922 in
Michelstadt war (Zusammenstellung der
Information in der Datenbank jüdischer Lehrer in Bayern, ab 1922 war Arno Bick
Lehrer der Erweiterten Mittelschule in Michelstadt). Falls dieser Arno Bick
identisch mit dem im Familienstammbaum bei ancestry.com genannten Arno Bick aus
Preßburg ist, hatte dieser einen Bruder Jakob (geb. 1883, umgekommen 1943 im
Ghetto Theresienstadt, Gedenkbuch Bundesarchib) wie auch einen Bruder
Ignatz (später Dr.; geb. 1891 in Preßburg. Einer von diesen könnte der in
Zeckendorf genannte Lehrer gewesen sein.
Aus der Geschichte der Gemeinde
Judenmission führt zur Taufe eines Sohnes des
Gemeindevorstehers (Geschichte aus der 2.Hälfte des 18. Jahrhunderts;
Artikel von 1870)
Anmerkung: erwähnt ist der Tod des Historikers und Philologen, Professor
Philipp Jaffé: gemeint ist
https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Jaffé, geb. 1819 aus einer jüdischen
Familie in Posen, gest. an Suizid am 3. April 1870 in Wittenberg. - Der Name des
Vorstehers der jüdischen Gemeinde Zeckendorf bzw. seines Sohnes, wird nicht
genannt.
Aus einem Artikel in "Der Israelit" vom 4.
Mai 1870 über "Der Banquerott der Missionäre.
... Bei dieser Gelegenheit wollen wir doch den Lesern ein wahrhaftes
Geschichtchen nicht vorenthalten, das dem Herausgeber dieser Blätter sein
seliger Vater, der es als Augenzeuge miterlebte, oftmals erzählt hat.
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts fuhr einst der Fürstbischof
von Bamberg durch den Wald in der Nähe von Zeckendorf. Hier fand er
einen schönen, elfjährigen Knaben, den Sohn des Vorstehers der jüdischen
Gemeinde zu Zeckendorf. Der Knabe gefiel dem vornehmen Herrn; er ließ
ihn in seinen Wagen steigen und fand viel Gefallen an den raschen,
geistvollen Antworten des aufgeweckten Kindes. Der Knabe kehrte nicht zu
seinen Eltern zurück; er wurde im Kloster erzogen und erhielt,
herangewachsen und zum Priester geweiht, von seinem Gönner, dem Bischof,
eine höchst einträgliche Propstei. Nachdem der getaufte Jude viele Jahre
lang als Propst in Ehre, Reichtum und Ansehen gelebt hatte, war er eines
Tages verschwunden. In seinem Privatkabinett hatte er auf den Tisch mit
Kreide eine Katze und eine Maus gezeichnet und darunter die folgenden,
schlechten aber darum nicht minder wahren Verse geschrieben:
'Sowenig diese Katze diese Maus frisst, sowenig stirbt je ein Jude als ein
Christ.'
Vor einigen Wochen hat Professor Jaffé aus Reue wegen seines Übertrittes zum
Christentum seinem Leben gewaltsam ein Ende gemacht. Wir wollen Herrn
Professor Cassel ein solches Ende nicht wünschen, aber vielleicht vernehmen
wir eines Tages die erfreuliche Neuigkeit, dass Herr Professor Paulus Cassel,
um selig zu werden, wieder Selig geworden..
Ergebnisse von Spendensammlungen in
der Gemeinde (1881 / 1911) Anmerkung: in jeder jüdischen Gemeinde wurden regelmäßig
Spendensammlungen für bestimmte Zwecke durchgeführt; die Ergebnisse wurden immer
wieder in jüdischen Periodika mitgeteilt.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1881: "Zeckendorf.
Durch Lehrer E. Wertheimer: S. L. Ansbacher 2, aus der Synagogenbüchse 2, E.
Rosenbaum 2, Wwe. Marschütz 1, I. Gerst 2, H. Gerst 1, S. Gerst 1, S.
Satzmann 1, H. Hausmann 1, A. Künstler 0.50, Kirschbaum 2.10, Lengfelder
Wwe. 0.40, Lehrer Wertheimer 1, zus. 17 M."
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1911 - Spenden
"zur Unterstützung unserer Glaubensbrüder im Heiligen Land": "Zeckendorf.
Durch Lehrer I. Bick, Synagogen-Spenden von den Herrn Gerson Gerst 3, Gustav
Gerst 1, Gers. Gerst 1, Felix Rosenbaum 1, Bick, Bick, Sam. Rosenbaum, Jak.
Rosenbaum, Gerson Gerst je 0.60, Jacob Gerst 1, Gustav Geist 1, Gerson
Gerst, 1.50, Felix Rosenbaum 1, David Heimann 1, Bick 0,50, zusammen
abzüglich Porto 14.30."
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde Zum Tod von Isaac Langfeld aus Zeckendorf (gest. in
Philadelphia, USA, 1906) Hinweis: nach der Todesanzeige on der "New York Times" vom 17.
November 1906 war Isaac Langfeld "founder of the firm of Langfeld Brothers
& Co., leather good manufacturers of Philadelphia". Isaac Langfeld war
auch Präsident der Chewra Kadischa seiner im Artikel genannten jüdischen
Gemeinde B'rith Shalom an der Ecke 6th Avenue/Girard
Avenue.
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 7. Dezember 1905: "In Philadelphia starb - 92 Jahre alt - Isaac
Langfeld, der Gründer und Präsident der dortigen kleinen orthodoxen
Gemeinde in der Girard avenue. Langfeld, der bereits im Alter von 20
Jahren aus Zweckendorf in Bayern nach Amerika kam, war der Gründer der
ersten B'nai-Berith-Loge in den Vereinigten
Staaten).
Kleine Mitteilungen zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
- 1868: Hochzeit von S. Engländer aus
Hainsfarth mit Fanny Hausmann aus
Zeckendorf - Spendensammlung erbracht 4 fl. 30 kr. (in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1868 S. 902).
- 1897: Goldene Hochzeit am 10.
November 1897 des "Heimann'schen Ehepaares in Zeckendorf"
(Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1897 S.
1728).
- 1909: Verlobung von Babette Rosenbaum
aus Zeckendorf mit Carl Heimann aus
Demmelsdorf - Spendensammlung "für allgemeine wohltätige Zwecke"
erbrachte 36.70 Mark (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1909
S. 10).
- 1914: Verlobung von Isak Fleischmann in
Altenmuhr mit Clara Gerst in
Zeckendorf (in "Das jüdische Blatt" vom 2. Januar 1914 S. 10).
Die erste Synagoge, eine einfache Betstube, befand sich auf
dem vom Kloster Langheim zur Verfügung gestellten Grundstück. Sie wurde 1660
eingerichtet, war jedoch nach wenigen Jahrzehnten zu klein und baufällig. 1723
konnte mit dem Bau einer neuen Synagoge begonnen werden. Sie wurde nach
dem Modell der Synagoge von Bamberg gebaut und 1727 eingeweiht. Auch die Juden
aus Demmelsdorf besuchten danach für
einige Jahre die Synagoge in Zeckendorf (vermutlich auch bereits vor dem Bau
dieser Synagoge). 1742 brannte allerdings die
Synagoge in Zeckendorf ab.
Am 1. Juli 1743 wurde durch ein Dekret verordnet, dass eine neue, 50
Männer- und 45 Frauenstühle umfassende Synagoge auf einem dem Bamberger Hochstift
gehörenden Grundstück gebaut werden sollte. Das
Grundstück mit der Plan-Nr. 86 war dafür bestimmt worden. Die Plätze in
der Synagoge wurden an die Gemeindeglieder vermietet. Die
"Stuhlgelder" mussten an das Kloster Langheim abgeführt werden. Je
nach Nähe zum Toraschrein wurde der Wert des Betstuhles bestimmt. 1765 wurde
unmittelbar bei der Synagoge ein Haus für den Lehrer/Vorbeter erbaut.
An Ritualien aus der Synagoge waren bis in die 1930er-Jahre vorhanden:
ein Pokal aus dem Besitz der Chewra Kaddischa von 1738, 1 Tora-Vorhang von 1717,
1 hellblauer Toravorhang mit Schulchandecke, 1 grüner Toravorhang mit
Schulchandecke, 1 weißer Toravorhang in Häkelarbeit, 3 silberne Tassim
(Toraschilde), 2 silberne Jadim (Torazeiger), 1 paar silberne Ezchajim
(Aufwickelstäbe für die Torarolle).
Um 1900, alsnoch 50 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden, gab
es weiterhin jeden Schabbat Gottesdienste in der Synagoge ("Statistisches
Jahrbuch" von 1905 S. 84).
Nach 1933 richteten sich gewaltsame Aktionen alsbald auch gegen die
Synagoge. Im November 1936 wurden 25 Fenster des Synagogengebäudes durch
Dorfkinder eingeworfen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Inneneinrichtung der Synagoge von SA- und SS-Leuten (davon zwei aus Scheßlitz)
zerstört. Um die Synagoge hatten sich während der Aktion etwa 100 Dorfbewohner
versammelt, Kinder und Jugendliche warfen Steine durch die Fenster in das
Gebäude. Die Inneneinrichtung der Synagoge wurde auf einem Feld verbrannt. Für
die Beseitigung des Schutts musste die jüdische Gemeinde 200 RM bezahlen. Im Herbst
1939 wurde die Synagoge auf Anweisung des Landrates von Bamberg vollständig
zerstört. An Stelle der Synagoge wurde ein Gemüsegarten angelegt.
Gegen acht der am Novemberpogrom 1938 in Zeckendorf Beteiligten fand im Juni
1948 ein Prozess vor dem Landgericht Bamberg statt. Sieben erhielten
Freiheitsstrafen von zwei Wochen bis zu einem Jahr, einer wurde
freigesprochen.
Adresse/Standort der Synagoge: Garten gegenüber
der Schule beziehungsweise Grundstück zwischen den Häusern Nr. 17 und
19.
Fotos (Historische Fotos der
Ritualien von Theodor Harburger, Aufnahmen 1927/30; Quelle: Central Archives for the
History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th.
Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
1998 Bd. 3 S. 796-799).
Ritualien aus der
ehemaligen
Synagoge Zeckendorf
Pokal des Wohltätigkeits- und
Bestattungsvereines Chewra Kadischa von 1738 (Silber, innen vergoldet,
seit 1938 verschollen)
Tora-Schild (Tass, 1. Hälfte
des
19. Jahrhunderts, heute im
Israel Museum Jerusalem)
Tora-Schild (Tass, von 1774,
hergestellt in Oettingen, heute im Israel-Museum, Jerusalem)
Chanukka-Leuchter aus der
Synagoge
(87 cm hoch, 78 cm breit,
seit 1938 verschollen)
Das Synagogengrundstück
in
der Gegenwart
Gemüsegarten an
Stelle der ehemaligen Synagoge (Foto: Jürgen Hanke, Kronach 2004
aus www.synagogen.info)
Februar 2010:
Zum Tod des 1947 in einem PD-Lager bei Zeckendorf
geborenen Chef-Historikers von Yad Vashem David
Bankier
Artikel von Ulrich Sahm im "Israel
Newsletter" vom 1. März 2010 (www.israelnetz.com):
"Chefhistoriker von Yad Vashem gestorben.
JERUSALEM (inn) - David Bankier, Chefhistoriker der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, ist am Wochenende infolge einer langen schweren Krankheit gestorben. Der 1947 in einem Lager jüdischer Holocaustüberlebender in
Zeckendorf nahe Bamberg geborene Bankier galt als einer der wichtigsten Forscher der deutschen Gesellschaft und des Antisemitismus unter den Nazis.
Er leitete das Internationale Institut für Holocaustforschung in Yad Vashem. Zudem war Bankier unter anderem Gastprofessor an verschiedenen amerikanischen Universitäten, in London, Südafrika und in weiteren Ländern. In Südamerika baute er Institute für Jüdische Studien auf. Bankier konzentrierte sich auf die Erforschung der Verfolger und Mitläufer in Europa.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Studien war die Frage, wie der Antisemitismus zu einem zentralen und wirksamen Mittel der Nazis geworden war, um die Massen zu mobilisieren. Bankier veröffentlichte mehrere Bücher zu dem Thema, darunter "Die Deutschen und die Endlösung: Öffentliche Meinung unter den Nazis".
In einer Trauermitteilung von Yad Vashem bezeichnete der Leiter der Gedenkstätte, Avner Schalev, den verstorbenen Forscher als einen "Eckstein der modernen akademischen Erforschung von Nazi-Deutschland". Bei einem seiner letzten Vorträge sagte Bankier, dass die Juden für Antisemiten eine "mysteriöse, mythische und böse Macht darstellen, die mit Allmacht eine finstere Rolle in der Weltgeschichte spielen".
Für Hitler sei der Nazismus eine Doktrin gewesen, um die Menschheit von der jüdisch-christlich-marxistischen Doktrin zu erlösen. Die Vorherrschaft der deutschen Rasse konnte aus Hitlers Sicht nur durch einen totalen Krieg der Deutschen gegen die Juden erlangt werden. In einem Interview mit der "New York Times" sagte Bankier, dass die Rolle der Mitläufer und untätigen Nachbarn bei zahlreichen kleineren Massenmorden in der früheren Sowjetunion Anfang der vierziger Jahre einen großen Einfluss auf heutige Völkermorde in Afrika und an anderen Orten in der Welt hatte. Infolge der Verbrechen der Nazis habe sich die Welt gewandelt. Wenn heute irgendwo ein Genozid begangen werde, reagierten die Menschen schockiert, weil ihnen so viele Details über den Holocaust bekannt seien."
Oktober 2024:Verlegung von "Stolpersteinen"
in "ZeDeSch" - Zeckendorf, Demmelsdorf und Scheßlitz
32 Stolpersteine für ehemalige jüdische
Bewohner der drei Ortschaften verlegte Künstler Gunter Demnig am 14. Oktober
2024 im Rahmen einer Veranstaltung der VHS Bamberg-Land - in einer
Kooperation mit der Stadt Scheßlitz, der Mittelschule Scheßlitz, der
Willy-Aron-Gesellschaft und der Jüd. Gemeinde Bamberg.
Mit großem Engagement verfolgt Maria Becker mit Unterstützung von Joachim
Schön von der VHS Bamberg-Land seit einigen Jahren die Idee, die Namen und
Schicksale der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in diesen drei Landgemeinden
sichtbar zu machen, um so zu verdeutlichen, wie sehr das Leben in den
Dörfern von Jüdinnen und Juden mitgestaltet und geprägt wurde. In mehreren
Vorträgen an der VHS konnte so ein großer Teil der Spenden für die Steine
generiert werden. Aber es ist erst ein Anfang, dem viele Stolpersteine noch
folgen werden.
Die Veranstaltung wurde gefördert aus Mitteln des Bundesprogramms
'Demokratie leben!' des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Bamberg sowie
von der Amadeu Antonio Stiftung. Die Veranstaltung fand im Rahmen der
Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2024 statt. Film: erstellt von Björn Göttlicher, Link zu Youtube:
https://youtu.be/eKwMn_BDlyk
Presseberichte
Rechts: Artikel von
Joseph Beck und Andreas Kirchhof im "Heinrichsblatt"
vom 27. Oktober 2024: "Erstmals Stolpersteinverlegung in Zeckendorf,
Demmelsdorf und Scheßlitz. Es bedarf auch heute der Zivilcourage..." Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken
Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im ehemaligen
Fürstbistum Bamberg, bearbeitet auf Grund von Archivalien nebst
urkundlichen Beilagen. Bamberg 1898 (Reprint 1985).
ders.: Nachträge zur Geschichte der Juden im ehemaligen
Fürstbistum Bamberg. Bamberg 1899 (Reprint 1985).
ders.: Zur Geschichte der Juden in Zeckendorf. In: Die
Hohe Warte. Blätter zur Erbauung und Belehrung. Unterhaltungsbeilage zum
Bamberger Tagblatt, 3. Jahrgang, Nr. 22 vom 25. November 1922, S. 85–86, Nr.
23 vom 2. Dezember 1922, S. 89–90, Nr. 24 vom 9. Dezember 1922, S. 93–94,
Nr. 25 vom 16. Dezember 1922, S. 97–98.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 152-153.
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 225-226.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 246-248.
Klaus Guth (Hg.) u.a.: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken
(1800-1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988. Zu
Zeckendorf S. 343-351 (mit weiteren Quellenangaben).
"Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern.Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Zeckendorf S. 221-227 (die Forschungsergebnisse
konnten auf dieser Seite von "Alemannia Judaica" noch
nicht eingearbeitet werden).
Es erschienen in der Publikation von Michaela
Schmölz-Häberlein (Hrsg.): Jüdisches Leben in der Region. Herrschaft,
Wirtschaft und Gesellschaft im Süden des Alten Reiches. Ergon Verlag 2017:
Diese Publikation ist
online zugänglich:
Michaela Schmölz-Häberlein: Jüdisches Leben in
fränkischen Landgemeinden: Zeckendorf und Demmelsdorf im 17. und 18.
Jahrhundert. S. 267-321.
Susanne Talabardon: Auf schmalem Grat: Leben und
Werk des Simon Akiba Baer (gest. 1724). S. 321-349.
Carsten Schliwski: Anmerkungen zum Sefer Nahalat
Shiv'ah des Zeckendorfer Rabbiners Samuel ben David Moses Halevi - Versuch
einer Einordnung S. 349-361.
Zeckendorf Upper Franconia. The
community was founded in 1654 and was the first seat of the Bamberg regional
chief rabbinate. R. Shemuel of Mezrich (Poland) was the first chief rabbi
(1658-1665). In 1742 the synagogue burned down and a new one was built the
following year. The Jewish population numbered 166 in 1837 (total 285),
declining to 22 in 1933. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was vandalized. All but one of the 18 Jews remaining in 1942 were
deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Bamberg on 25 April.
vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge