Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Augsburg Synagoge 213.jpg (26298 Byte)

Augsburg
Jüdische Geschichte im 19./20. Jahrhundert / Betsäle und Synagogen

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert 
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagogen  
Betsäle 1808 bis 1865  
Die Synagoge von 1864/65  
Planungen zum Neubau einer Synagoge  
Die Einweihung der neuen Synagoge am 4. April 1917  
Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitische Gemeinden zu Augsburg mit ausführlicher Besichtigung der Synagoge (1920)  
Einweihung der Gefallenengedenktafeln (1921)  
Artikel des Architekten Fritz Landauer über Synagogenbau-Kunst (1930)  
Vortrag von Martin Buber in der Synagoge (1930)   
Wohltätigkeitskonzert in der Augsburger Synagoge (1930)   
Novemberpogrom 1938   
Während des Zweiten Weltkrieg  
Nach 1945 und bis zur Gegenwart    
Fotos 
Einzelne neuere Presseberichte   
Links und Literatur  

          Es besteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Augsburg (aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts)        

   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert
(english version)   
    
Zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte wird bei Gelegenheit eine weitere Seite erstellt.    
  
Die Geschichte der Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts beginnt 1803, als die Stadt Augsburg drei jüdischen Bankiers (Arnold Seligmann, später Freiherr von Eichthal, Jakob Obermayer, Henle Ephraim Ullmann) um eine jährliche Gebühr von 1350 Gulden und eine große Darlehenssumme das Bürgerrecht gegen den Widerstand der Kaufleute in Augsburg verlieh. 1805 lebten wegen der Kriegszeiten 13 jüdische Familien in der Stadt. 1813/14 wurden 126 jüdische Personen in 13 Familien gezählt. Darunter waren neben den genannten Bankiers auch zwei Pferdehändler, ein Juwelier-, ein Silberhändler sowie ein Kaufmann.   
   
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der jüdischen Familien in der Stadt nur langsam (1840 79, 1852 128 jüdische Einwohner). Erst danach wurde auch in Augsburg die Möglichkeit eines Niederlassung jüdischer Familien liberaler Weise gehandhabt. Entscheidend war unter anderem, dass bei den Gemeindewahlen 1857 die konservativen Katholiken die Gemeindewahlen verloren hatten. 
   
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich langsam ein eigenständiges jüdisches Gemeindeleben: ein Betsaal wurde früh eingerichtet (s.u.), der Religionsunterricht wurde von dem Pferseer Religionslehrer erteilt, das zuständige Rabbinat war in Kriegshaber. 1861 wurde eine selbständige Israelitische Kultusgemeinde in Augsburg gegründet. Bereits im folgenden Jahr wurde der Sitz des Distriktrabbinates nach Augsburg verlegt. Erster Rabbiner wurde Dr. Jakob Heinrich Hirschfeld (aus Fünfkirchen, Rabbiner in Augsburger von 1863 bis 1870).  
        
In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner Augsburgs durch die Zuwanderung aus den Judendörfern der Region stark zu (1861 283, 1867 449, 1875 889 und 1895 1156 jüdische Einwohner), um danach zu stagnieren beziehungsweise leicht zurückzugehen. 
  
Weitere Einrichtungen der Gemeinde wurden geschaffen, insbesondere ein jüdischer Friedhof (1867). Seit 1873 gehörten die in Pfersee und Steppach lebenden Juden zur Augsburger Gemeinde. Die jüdische Gemeinde entwickelte ein reges jüdisches Vereinsleben, u.a. mit dem Israelitischen Männerverein (gegründet 1873, Ziele: Wohltätigkeit, Krankenpflege, Bestattung), einem Israelitischen Frauenverein (gegründet 1861, Ziele: Wohltätigkeit, Hauspflege, Arbeitsbeschaffung usw.), einem Israelitischen Speiseverein (gegründet 1881 als Stiftung; Ziele: rituelle Verpflegung durchreisender unbemittelter Glaubensgenossen und jüdischer unbemittelter Kranker), der Armenkasse und einem Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Im wirtschaftlichen Leben der Stadt nahmen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts jüdische Handels- und Kaufleute, Industrielle, Bankiers eine bedeutende Rolle ein. Unter den Industriellen der Stadt können 52 jüdische Personen genannt werden, die in einzelnen Bereichen der Industrie der Stadt eine führende Rolle innehatten (insbesondere in der Textilkonfektion, bei Spezialgeweben und der Textilausrüstung). Der jüdische Anteil bei den Banken lag seit den 1870er-Jahren bei knapp 50 Prozent. Am größten war nach 1870 die Bedeutung jüdischer Kauf- und Handelsleute in den Bereich Textilhandel (47 Firmen), Kolonialwarenhandel, Leder-, Vieh- und Hopfenhandel sowie Manufakturwaren. Der Großteil der jüdischen Familien gehörte der gehobenen Mittelschicht und Oberschicht in der Stadt an. Mehrere jüdische Rechtsanwälte und Ärzte ließen sich in der Stadt nieder.  
         
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde etwa 1.100 Personen gehörten (ca. 0,7 % von etwa 160.000 Einwohnern), gehörten dem Vorstand der jüdischen Gemeinde an: Dr. Eugen Straus, Hugo Landauer, Ludwig Friedmann, Albert Donn, Max Schloss, Dr. B. Mühlhauser, Max Gunz und 11 Ausschussmitglieder. Als Rabbiner war Dr. Richard Grünfeld tätig, als Oberkantor Samuel Steinfeld und Wilhelm Heimann, als Lehrer Dr. Ernst Fränkl und Leopold Regensburger, als Schochet Saly Cohen, als Synagogendiener Ernst Röder. 1932/33 bestand der Vorstand der Gemeinde aus sechs Mitgliedern: 1. Vorsitzender war Dr. Eugen Strauß, 2. Vorsitzender Stadtrat Benno Arnold, Schriftführer Ludwig Friedmann, Schatzmeister Max Schloss. Die Repräsentanz hatte 12 Mitglieder unter dem 1. Vorsitzenden Dr. Teutsch, dem stellvertretenden Vorsitzenden Julius Guggenheimer und dem Schriftführer Heinrich Hausmann. Rabbiner war inzwischen Dr. Ernst Jacob (Rabbiner von 1925 bis 1939), Lehrer waren weiterhin Dr. Ernst Fränkl und Leopold Regensburger, Oberkantor Wilhelm Heimann. Jüdischen Religionsunterricht erhielten im Schuljahr 1932/33 149 Kinder. Neben den bereits im 19. Jahrhundert gegründeten jüdischen Vereinen gab es inzwischen auch eine Ortsgruppe des Central-Vereins sowie des Hilfsvereins der deutschen Juden, einen Jüdischen Jugendverein, eine Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, den Verein für die Interessen des liberalen Judentums sowie eine zionistische Ortsgruppe.  
        
Mit der nationalsozialistischen Zeit kam auch für die Augsburger Juden eine Zeit zunehmender Repressalien, der Entrechtung und der wirtschaftlichen Verdrängung. 1933 wurden 1030 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt. Von März 1933 bis zum November 1938 wurden in Augsburg 52 jüdische Firmen unter dem zunehmenden Druck und Boykott liquidiert und 49 "arisiert". Danach erfolgte die "Zwangsarisierungen" der noch bestehenden jüdischen Gewerbebetriebe. Es verschwanden innerhalb weniger Monate alle noch bestehenden jüdischen Einzel- und Großhandelsgeschäfte, jüdische Rechtsanwalts- und Arztpraxen. Bis Januar 1939 waren nach einer Meldung an den Regierungspräsidenten "sämtliche jüdischen Gewerbebetriebe nunmehr entweder aufgelöst, abgewickelt oder gewerbepolizeilich abgemeldet". Nur noch eine jüdische Gaststätte war geöffnet, die freilich ausschließlich für Juden offnen durfte. Zwar sind bis 1938 zahlreiche jüdische Gemeindeglieder ausgewandert, doch zogen von kleineren Orten weitere jüdische Familien in der Stadt zu. 356 bis 450 jüdische Personen wurden aus Augsburg in sieben Transporten nach Riga, Piaski, Theresienstadt und Auschwitz deportiert (Liste der ermordeten Juden aus Augsburg).   
         
Nach 1945 kehrten nur wenige ehemalige Augsburger Juden in die Stadt zurück. Unter den wenigen war Rechtsanwalt Ludwig Dreifuß (1883-1960), der - gesundheitlich von der Zeit im KZ Theresienstadt schwer gezeichnet - an 1. September 1945 von der amerikanischen Militärregierung zum Augsburger Oberbürgermeister ernannt wurde. 1946 bis 1948 war er, nachdem die CSU die Stadtratsmehrheit erreicht hatte, als Sozialdemokrat Bürgermeister. 1946 wurde die Jüdische Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben gegründet. Ihre Mitglieder waren wenige frühere Augsburger Juden, dazu sogenannte Displaced Persons (Überlebende von Konzentrationslagern oder Flüchtlinge auf Grund neuer Pogrome in Polen/Osteuropa). 1970 zählte die Gemeinde 239, 1987 247 Mitglieder. 
   
In den 1990er-Jahren nahm die Zahl der Gemeindeglieder durch Zuzug von "Kontingentflüchtlingen" aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion stark zu, sodass 2007 die Gemeinde etwa 1.800 Personen zählte.  
     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales /der Synagogen       
    
Betsäle
Bereits 1808 richtete der Bankier Jakob Obermayer in dem von ihm erworbenen Haus D 100a einen kleinen Betsaal für Andachten und Gottesdienste der jüdischen Familien in der Stadt ein. 
       
Im Zusammenhang mit der Gründung einer Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg, die 1861 von der Regierung genehmigt wurde, kaufte der Bankier Isidor Obermayr im Auftrag der Gemeindeglieder 1858 für 13.000 Gulden das Haus Wintergasse A 13 (nach starker Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut als Haus Wintergasse 11) und ließ es zu einer Synagoge umbauen. 
  

Die Synagoge von 1864/65 

Nachdem sich freilich innerhalb weniger Jahre die Zahl der Gemeindeglieder verdoppelte (1861 283, 1867 449 jüdische Einwohner), plante die im Entstehen befindliche jüdische Gemeinde die Einrichtung eines jüdischen Gemeindezentrums, zu dem neben der Synagoge auch die Rabbiner- und Lehrerwohnungen gehören sollten. Den Beschluss zum Baubeginn fasste eine Gemeindeversammlung der jüdischen Gemeinde im März 1864:   

Augsburg AZJ 29031864.jpg (42888 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. März 1864: "Durch die von unserm allseits segensreich wirkenden Rabbinen Herrn Dr. Hirschfeld vermittels Predigt gegebene Anregung wurde unmittelbar hierauf eine Gemeinde-Versammlung berufen und einstimmig der Bau einer Synagoge beschlossen, und sollen wir bereits das nächste Synagogen-Neujahr an einer für die hiesige Gemeinde angemessenen Gottesstätte begrüßen."

Offenbar wurde noch im Frühjahr 1864 mit dem Umbau begonnen. Im Vorderhaus wurden nun die Rabbiner- und Lehrerwohnungen eingerichtet. Hierin sollten in der Folgezeit nach Rabbiner Dr. Hirschfeld u.a. die Rabbiner Dr. Heinrich Groß (Rabbiner 1875 bis 1910) und Dr. Richard Grünfeld wohnen. Durch das Mittelportal gelangten die Gemeindeglieder in die in einem rückwärtigen Gebäude neu errichtete Synagoge. Über die feierliche Einweihung am 7. April 1865 durch Rabbiner Dr. Hirschfeld berichtete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" in ihrer Ausgabe vom 2. Mai 1865: 

Augsburg AZJ 02051865.jpg (93539 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1865: "Augsburg, am 14. April. Die hiesige neue Synagoge wurde Freitag am 7. dieses Monats eingeweiht. Die Einweihung einer Synagoge in einer durch eingetretene günstige Zeitverhältnisse neugebildeten Gemeinde hat schon an und für sich eine höhere Bedeutung. Ganz besonders aber zeichnet sich diese Feierlichkeit durch den wahrhaften Kiddusch HaSchem (sc. Heiligung des Gottesnamens = etwas, das Achtung vor dem Judentum bewirkte) aus, den die, von Herrn Rabbiner Dr. Hirschfeld, gehaltene Einweihungsrede gemacht. Vor einem sehr zahlreich versammelten Publikum, in dem die christlichen Konfessionen ein bedeutendes Kontingent bildeten, und in Anwesenheit von Repräsentationen der königlichen Regierung, des Stadtmagistrates, wie sämtlicher Stadtbehörden und des Offizierkorps hielt Herr Dr. Hirschfeld eine Einweihungsrede, welche nicht bloß durch ihren rhetorischen Wert, sondern auch die kühne Darstellung des liberalen Geistes im Judentume lebhafte Sensation hervorrief. Die Journale besprechen sämtlich diese Rede mit ungeteiltem Beifall. Selbst die 'Allgemeine Zeitung' sprach sich lobend über die 'herzdurchwärmenden Worte' aus, mit welchen 'Herr Rabb. Dr. Hirschfeld jede Exklusivität von der Schwelle des geweihten Tempels zurückwies'! Die Aufforderung, die Predigt dem Druck zu übergeben, erging von vielen Seiten und mehrere reiche christliche Bürger erklärten im Vorhinein, die Einen 50, die Andern 100 Exemplare der gedruckten Rede zur Verbreitung derselben zu nehmen. Es ist wahrscheinlich, dass sie im Druck erscheint."
  
Augsburg Ben Chananja 19041865.jpg (126713 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Ben Chananja" vom 19. April 1865: "Augsburg, 10. April (1865). Der Bau der hiesigen Synagoge ist nun vollendet und fand die Einweihung derselben am 7. dieses Monats in Gegenwart der Sommitäten der königlichen Regierung, wie sämtlicher Stadtbehörden, der katholischen und protestantischen Geistlichkeit und einer großen Anzahl von Personen aus allen Ständen und Konfessionen. Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld, unser berühmter Landsmann, hielt die Einweihungsrede. So viel Eklat derselbe schon durch seine Kanzelreden hier machte, so glich keines demjenigen, welches diese Rede hervorrief. Alle Blätter, alle Kreise beschäftigen sich damit. Der Regierungspräsident, Herr von Lerchenfeld, Bruder des ehemaligen Ministers und gegenwärtigen Staatsrates, an dem man nur Gemessenheit in Wort und Tat gewöhnt ist, trat am Schlusse der Feier zu dem Redner hin und sprach sich in den enthusiastischsten Worten über den Eindruck, den diese Rede auf ihn gemacht, aus. Demselben Beispiele folgte der erste Herr Bürgermeister und die hervorragenden geistlichen Persönlichkeiten beider Konfessionen. Es hat die Rede die Feierlichkeit fast weniger gehoben, als eigentlich verdunkelt, indem Alles unter dem überwältigenden Eindrucke, den die Rede hervorgerufen, nur mit dieser und ihrem durch Sprache, Gedanken wie Geistesblitze glänzenden Gehalte sich beschäftigt und man beinahe die Veranlassung aus dem Auge verliert."

Bereits in der 1865 eingeweihten Synagoge befand sich eine Orgel, die erste im Bereich von Bayern. 

Auf Grund der weiter stark steigenden Zahl jüdischer Gemeindeglieder war die Synagoge bereits nach wenigen Jahren zu klein. Zu den Gottesdiensten an den hohen Feiertagen mussten daher parallele Gottesdienste eingerichtet werden, in den 1890er-Jahren im Schiessgrabensaal, der als "Feiertagssynagoge" diente. 1899 liest man in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums":

Augsburg AZJ 11081899.jpg (55012 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. August 1899: "Augsburg, 3. August.  Wegen Platzmangel in der hiesigen Synagoge wird auch in diesem Jahre wieder ein Filialgottesdienst, und zwar im Schiessgrabensaale, während der hohen Feiertage abgehalten werden. Mit der Leitung desselben wurde Herr Rabbinatskandidat Dr. Schlesinger aus Breslau betraut. Den kantoralen Dienst bei demselben haben Herr 2. Kantor Ernst Fränkel (gemeint: Fränkl) und ein früherer Kantor Herr Julius Friedmann aus Nürnberg übernommen. Der Hauptgottesdienst in der Synagoge wird wie bisher von Herrn Distriktsrabbiner Dr. Groß, Herrn 1. Kantor Steinfeld und Herrn Alexander Neuburger hier abgehalten werden."

Immer wieder waren Arbeiten an der Synagoge durchgeführt worden, um für die Sicherheit des Gebäudes auch bei zahlreichen Besuchern garantieren zu können. 1891 war der Ein-/Ausgang verbreitert worden, um die Gefahren bei einer aufkommenden Panik vermindern zu können. In der nachfolgenden Berichterstattung der orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" wird in diesem Zusammenhang freilich Kritik an Arbeiten am Heiligen Schabbat und an der Orgel laut:   

Augsburg Israelit 13081891.jpg (76818 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1891: "Augsburg, 3. August (1891). In öffentlicher Magistrats-Sitzung wurde mitgeteilt, dass die berufene Visitations-Kommission über die größeren hiesigen Versammlungslokale Bericht erstattet habe. Es wurde betont, dass die Verbreitung des Ausgangs der Synagoge - (woran nebenbei bemerkt, auch am Heiligen Schabbat gearbeitet wurde -) die Gefahren einer Panik etc. nicht genügend vermindere. Überhaupt sei es Sache der Kultusverwaltung endlich für den Neubau einer Synagoge Sorge zu tragen, anstatt in einem engen Hause und in enger Straße, und in einem nichtjüdischen Gasthof-Saale Gottesdienst abzuhalten (Anmerkung des Korrespondenten: Vielleicht bleibt dann die Orgel weg; denn bekanntlich besuchen gerade diejenigen, welche die Orgel in die Synagogen eskamotieren, dieselben das ganze Jahr fast gar nicht. -)."

Die alte Synagoge blieb jedoch noch einige Jahre Zentrum des jüdischen Gemeindelebens. Gewöhnliche wie besondere Gottesdienste wurden abgehalten. Über besondere Ereignisse wie die Goldene Hochzeit von Elias Veit und seiner Frau in der Synagoge (1902) erschienen Presseberichte: 

Augsburg Israelit 01091902.JPG (184962 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1902: "Augsburg, 20. August (1902). Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit beging in voller geistiger und körperlicher Frische das verehrte Elias Veit'sche Ehepaar dahier. Aus diesem anlasse fand am Sonntag, 17. August, in der schön dekorierten Synagoge ein feierlicher Festgottesdienst statt. Als das Jubelpaar, geführt von den Urenkeln und begleitet von den Enkeln, Söhnen und Töchtern, das Portal des Gotteshauses betreten hatte, schallte ihm das vom Chor präzis intonierte 'Boruch Habo' von Japhet zur Begrüßung mächtig entgegen. 
Die von Herr Rabbiner Dr. Finkelscherer - München in Vertretung des leider erkrankten Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Groß gehaltene tief empfundene und sehr wirkungsvolle Festrede pries nächst der Gnade des Höchsten die Zufriedenheit und Bescheidenheit des Jubelpaares, das stets sein höchstes Glück im Wirken für die Familie gesucht und auch gefunden habe, unter stetem Hinblick und Vertrauen auf die Gnade des himmlischen Vaters, die ihm so ersichtlich beschieden sei. Nach dem Schlussworte: (hebräisch und deutsch:) 'Diesen Tag hat der Herr geschaffen, wir wollen uns seiner freuen!' intonierte der Chor das 'Mismor Lesodo' von Japhet. Es folgte sodann der Segen des Herrn Rabbiners, worauf das herrliche 'Halleluja' von Lewandowsky durch den verstärkten Synagogenchor, unter Leitung des Herrn Kantor Fränkl, äußerst wirkungsvoll erklang. Von allen Seiten beglückwünscht, verließ sodann das gottbegnadete Jubelpaar tief gerührt das Gotteshaus, um den Nachmittag des seltenen Festes im Kreise der Familie bei fröhlichem Mahle zu verbringen, das genügend Gelegenheit bot, durch ernste und heitere Toaste und durch sehr gelungene humoristische Darbietungen, manche Erinnerungen in den Gedankenkreis der beiden 'alten Leutchen', unter sichtlicher Freude derselben, zurückzurufen.
Mögen die vielen guten Wünsche, von denen wegen ihrer besonderen Herzlichkeit und Wärme diejenigen des hohen Stadtmagistrats und der wohllöblichen Kultusverwaltung Augsburg besondere Erwähnung verdienen - letztere hat außerdem erhebenden Festgottesdienst das Jubelpaar auch dessen Familie auch noch durch eine Deputation und ein sehr sinniges Geschenk hoch erfreut - sich voll und ganz erfüllen, auf dass dem verehrten Paare der denkbar schönste Lebensabend beschieden sei!"   

   
Planungen zum Neubau einer Synagoge  

In dem oben zitierten Artikel der Zeitschrift "Der Israelit" von 1891 war die Forderung nach dem Neubau einer Synagoge bereits deutlich formuliert worden. Zudem drängte die Stadt auf einen Neubau, da die alte Synagoge in einen zunehmend baufälligen Zustand geriet. 1900 beschloss die jüdische Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge. Doch sollten bis zur Umsetzung des Beschlusses noch mehrere Jahre vergehen. 1903 konnte das Degmair'sche Gartengut an der Halderstraße erworben werden, das sich als Grundstück für ein neues jüdisches Gemeindezentrum eignete. Beim 25jährigen Dienstjubiläum des Gemeindevorstehers Justizrat Ludwig Bauer wurde die Hoffnung geäußert, dass dieser sein Lebenswerk noch "durch den dringend notwendigen Bau einer neuen Synagoge" krönen könne: 
  
25-jähriges Dienstjubiläum des ersten Gemeindevorstehers Justizrat Ludwig Bauer (1905)  

Augsburg AZJ 23061905.jpg (89139 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1905: "Augsburg, 14. Juni (1905). Am 7. dieses Monats feierte hier Herr Justizrat Ludwig Bauer sein 25jähriges Jubiläum als erster Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde. Justizrat Bauer hat es während der langen Zeit verstanden, der israelitischen Gemeinde nach innen und außen den Frieden zu erhalten, den Vorsitz in Sitzungen in vollendeter Weise zu führen und auftretende Gegensätze durch seine Unparteilichkeit zu mildern oder zu beseitigen. Seiner Initiative verdanken viele Schöpfungen der Gemeinde ihre Entstehung. Mit Eifer und Begeisterung ist er allezeit für den Fortschritt im Judentum eingetreten. Auch der hiesige 'Verein für jüdische Geschichte und Literatur' erfreute sich seiner besonderen Fürsorge. Hoffentlich krönt Herr Justizrat Bauer noch sein Lebenswerk für die Gemeinde durch den dringend notwendigen Bau einer neuen Synagoge, die dem Ansehen und der Bedeutung unserer alten Gemeinde entspricht."  

Im Oktober 1911 wurde ein öffentlicher Architektenwettbewerb ausgeschrieben.  Nach dessen erfolgreichem Abschluss wurde in einer Generalversammlung der israelitischen Kultusgemeinde im Februar 1912 der Beschluss zum Bau der Synagoge gefasst:  
  
Beschluss zum Bau der Synagoge (1912)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. März 1912:  "Die Generalversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg beschloss einstimmig die Erbauung einer Synagoge mit Gemeindehaus auf einem bereits erworbenen Bauplatze an der Halderstraße. Ein Preiswettbewerb wird ausgeschrieben. Für die in Anschlag zu bringenden Kosten wird das Gemeindevermögen und ein bereits gesammelter Baufonds als Deckung betrachtet."          

 
Der Plan der Architekten Fritz Landauer (1883-1968) und Dr. Heinrich Lömpel (1877-1951) wurde in den Jahren 1914 bis 1917 auf einem Grundstücke an der Halderstraße verwirklicht. Am 30. April 1914 war die Grundsteinlegung zum Neubau. Damals war der Rohbau schon so weit fortgeschritten, dass nur wenige Besucher zur Feier zugelassen wurden. Unter schwierigsten Bedingungen - im August 1914 hatte der Erste Weltkrieg begonnen - konnte der Bau als "Notstandsarbeit" Stück und Stück weiter durchgeführt und am 4. April 1917 eingeweiht werden.
  
Die Einweihung der neuen Synagoge am 4. April 1917
Am 18. Mai 1917 erschien in der Allgemeinen Zeitung des Judentums ein ausführlicher Artikel zur neuen Augsburger Synagoge:

Augsburg AZJ 18051917.jpg (174002 Byte)(mit dankbarer Benutzung der verschiedenfachen Artikeln und Einzelmittelungen in den "Münchener Neuesten Nachrichten" und der "München-Augsburger Abendzeitung", die sämtlich nichtjüdischen Federn entstammend, des reichsten Lobes voll sind). 

Unparteiische kundige christliche Fachleute fällen das Urteil, dass das soeben eingeweihte Heiligtum in Augsburg zu den besten und wertvollsten Lösungen des modernen Kultbaues gehört: die neue Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg an der Nordseite der Halderstraße, dem freien Platz zwischen Schrannen- und Turnhalle gegenüber. Auf den im Jahre 1912 ausgeschriebenen Wettbewerb für eine Synagoge nebst Verwaltungs- und Beamtengebäuden liefen 47 Arbeiten ein. Das Preisgericht, drei Herren der Kultusgemeinde und vier Künstler (die Professoren an der Münchener Technischen Hochschule Theodor Fischer und Karl Hocheder, Königlicher Baurat G. Kurz in Augsburg und Stadtbaurat Holzer ebenda), zeichneten zwei davon je mit einem ersten Preise aus: nämlich das Projekt "Sem I", dessen Entwurf sich auch auf alle Einzelheiten der Innenausstattung bezieht. Nachdem die Gemeinde im Juni 1913 die durchgearbeitete Pläne genehmigt, begann in September der Bau. Beim Kriegsbeginn standen Wohn- und Verwaltungsgebäude im Rohbau, ebenso der Tempel mit der gewölbten Eisenbetonkuppel. Nach mehrmonatiger Pause setzte man seit Herbst 1914 wenigstens die schützenden Dächer auf, beschloss im Januar 1915, den Bau als Notstandsarbeit energisch durchzuführen, und erledigt von März 1916 an trotz der ungeheuren Hindernisse, welche Beschlagnahme und Fehlen wichtiger Rohmaterialien ergaben, den Innenbau außer einigen Kleinigkeiten im dekorativen Beiwerk binnen Jahresfrist.
Architektonischer Schwierigkeiten waren für die Grundrisslösung und den stilistischen Ausdruck zu überwinden. Die Westostrichtung der Halderstraße und die erforderliche Ostorientierung des Kultusbaues machten es unmöglich, den Tempelbau selbst mit der Achse zur Straße zu stellen. Eine harte Nuss zu knacken gab es weiter, weil zwei Gemeinde- und Verwaltungsgebäude verlangt waren, das ziemlich tiefe Grundstück nach der Front jedoch schmal ist. Die Architekten fanden dafür die wohl einzig mögliche logische Lösung, den ganzen Baukomplex in den gegebenen Raum einzufügen. Sie zogen die zwei Wohnhäuser für die Gemeindebeamten, die auch

Augsburg AZJ 18051917a.jpg (278482 Byte)die israelitische Schule enthalten, bis zur Straßenlinie vor, die Formen den Augsburger Renaissancebauten annähernd, und verbanden sie durch eine lockere, dreitorige Säulenhalle. Diese, straßenwärts mit hübschen Schmiedgittern abgeschlossen und sonst vornehm zurückhaltend, leitet in einen schmucken Zierhof, hinter dem sich die Synagoge als Zentralbau erhebt. So ist diese dem Straßenlärm entrückt, obwohl sie mit ihrer proportionierten Kuppel den Gesamtkomplex beherrscht. Ihr Aufbau tritt auch nach außen übersichtlich in Erscheinung. Die Westostrichtung des Straßenweges stört auf diese Weise nirgends, indem der gleichsam in drei Abschnitten erfolgende Zugang von Westen her, also mit ostwärts zielendem Blick auf die Bundeslade, ins Gotteshaus eintreten lässt. Diese Übergänge durch Säulenhalle, Zwischenhof, Vorhalle ins Tempelinnere steigern den Eindruck wohlüberlegt und kommen zur Andacht sammeln. Zugleich ermöglichst es diese Gliederung, die Gesamtanordnung der Überlieferung des Augsburger Stadtbildes anzupassen. Es war heutigen strebsamen Künstlern keine Kleinigkeit, sich in ein richtiges Verhältnis zu der von Meister Elias Holls Stil noch heutzutage durchdrungenen Einheitlichkeit des Augsburger Stadtbildes zu setzen. Die Profanbauten als nach draußen maßgebendes Bauglied an der Straßenflucht ließen neuzeitlich abschattierte Anklänge ans Augsburger Barock anbringen. Trotzdem ist deren stilistischer Zusammenklang mit dem Hauptbau voll geglückt. Der Tempel wirkt stark repräsentativ, dabei ist doch auch das feierlich Zurückgezogene des Kultzwecks betont. Die Fensterbildung mit dem Steinfiligran und die Ausformung der Kuppel bringen das Orientalische genügend zur Geltung.
Knüpfen wir den Blick auf bemerkenswerte und schöne Einzelheiten an einen raschen Rundgang. Bildhauer Walter Sebastian Resch's (München; AZJ liest fälschlich "Rasch") Schlussstein über dem Mitteltor der Säulenhalle nach alten Motiven trägt die Jahresziffer 1298, darüber den städtischen Greif und das Davidszeichen: zusammen ein wappenmäßiges Symbol der vielhundertjährigen Geschichte der Augsburger Judenschaft. Sodann fesselt im anschließenden Zierhof ein mächtiges Becken in Ruhpoldinger Marmor, das ihn so zum Brunnenhof stempelt; Tierkörper, ein Lebensbaum mit nestbauendem Vogel tragen es. Den Sinn deutet am Sockel ein hebräischer Spruch: 2Kommt, ihr Durstigen alle, hier fließt die Quelle!" Diesen Brunnen schuf unter Teilnahme der Architekten der Münchener Bildhauer Killer, auf den auch die jetzt noch unfertige keramische Ausstattung der Vorhalle in ihrem grauen Putz und mattschimmernder braun-violette Terrakotta zurückgehen wird. Eine Davids-Figur soll diesen Raum schmücken. Von dieser Vorhalle führt eine Stiege in Treuchtlinger Marmor mit keramischem Wandsockel aufwärts, wo die Frauen eine geräumige Kleiderablage und dann ihre Empore betreten. Die Männer dagegen gelangen durch eine weite, lichte Halle mit Garderobe in das Tempelinnere. In diesem erzeugen Form, Licht und Farbe gemeinsam eine erhabene Feierstimmung. Die durchsichtige Raumverteilung und die logische Hinleitung des Auges auf die beherrschende Ostwand beeinträchtigen das Herausströmen von Romantik und Mystik aus allen Ecken und Winkeln keineswegs. Gebrochen und zerstreut nur fällt das Licht ein. Die kleinen, farbig-feinen Fenster unter den Seitenemporen, nach Entwürfen der Münchener Hofglasmalerei F.H. Zeller hergestellt, stellen technisch etwas Neues vor: statt Blei fasst Eisenbeton die Glasstücke zusammen, was musivisch, an der Außenwand seltsam pikant aussieht. Die gewaltigen Fenster an den drei lichtfreien Gebäudeseiten zerlegen zierlich durchbrochene Steinplatten in eine Vielheit kleiner Lichtschächte. Am Abend beleuchten die Glühlampen im Sternenkranz der Kuppel und die Leuchtkörper der riesigen Metallkugeln aus der Riedinger-Fabrik zu Augsburg. Nicht weniger harmonisch sind die Farben abgestimmt; aus mildem Halbdämmer schimmern
Augsburg AZJ 18051917b.jpg (385244 Byte)Metalle und Steine. Grau, sattes Grün, Violett herrschen vor, dazu gesellen sich braun-violetter Marmor an der Estrade der Ostseite, hart blitzendes Schwarz der Marmorsäulen, welche die Frauenemporen tragen, flimmerndes Gold, in den Mosaiken funkelndes Messing. Sogar die Beizung des Gestühls lehnt sich dem ausgeglichenen Ton an. Die Sitze im Schiff wie auf den Emporen geben sämtlich den Blick auf den Altaraufbau der Ostwand frei. Zunächst ungehemmt nach oben schweifend, erkennt er die stattlichen Raummaße; lehnt er sich aber vom Totaleindruck auf die Einzelerscheinungen, so packt ihn die Ostwand mit dem heiligen Schrein. In mosaikgeschmückter Nische, vertieft in den Rückwand, thront hier die Bundeslade. Violett-bräunlicher Marmor umrahmt den dunklen Samtvorhand; über goldgestockten Löwen schwebt die Krone des Gesetzes. Bewusste Steigerung durch eine reizvolle Treppe mit durchbrochener Marmorbrüstung erhebt die Predigtkanzel über den Vorbetertisch. Zwei stolze Pfeiler flankieren die Wand, siebenarmige Leuchter, von Flügelgreifen gehalten, bekrönen sie. Unter dem Bogen der Ostwand in eingedrückten Gewölben fanden der Chor und die in Form und Farbe dem Grundton angepasste überaus klangschöne Orgel (aus der Anstalt Kaulen, Augsburg ihre Stelle. Vier gleiche Giebel bekrönen nach den Himmelsrichtungen die Wände; darüber ragt mächtig und doch nicht lastend die kupfergedeckt Kuppel ins Blaue. So gewährt der quadratische Zentralbau mit diesem sich öffnenden weiten Kuppelrund das Gefühl umfriedender Ruhe. Von künstlerischen Allegorien seien genannt an den Emporebrüstungen die bunt modellierten Schilderzeichen, welche die zwölf Stämme versinnbildlichten, und vier reichvergoldete Reliefs mit Symbolen in hebräischen Lettern, zu deuten als die Gesetzgebung, das heilige Feuer, die vier Kronen und der Frieden: wie viele andere Plastiken des Baues Arbeit des Bildhauers Rasch in München. 
Die Werktagssynagoge, vom G.G. Klemm (München) ausgemalt, und der Trausaal mit edler Innenarchitektonik hängen im Südosten als stattlicher Anbau am Tempel. Wie sie bekunden die mannigfachen Nebenräume, Rabbiner- und Kantorzimmer, die Stiegenhäuser, die Repräsentationsräumlichkeiten im Verwaltungs- und Schulhaus und im Beamtengebäude die wohlbedachte Hingabe und fachliche Fähigkeit der Architekten Landauer und Lömpel für gleichmäßige Rücksicht auf Gesamtwirkung und liebvolle Einzelgestaltung. Erinnert der äußere Aufbau mit dem freilich steileren Südgiebel und der darüber zur Höhe strebenden Kuppel den vergleichenden Betrachter an das Pantheon in Rom, so anderseits der geschickte Ausweg zwischen dem gegebenen Terrain und der rituell geforderten Gebäuderichtung die Münchener Besucher aus Kennerkreisen an Theodor Fischers Erlöserkirche in der dortigen Vorstadt Schwabing. Wie daselbst uralte Anforderungen des christlichen Kirchenbaues moderner Geist erfüllt, so bedeutet nämlich die neue Augsburger Synagoge ein ähnliche Vermählung von Vergangenheit und Gegenwart für das israelitische Kultgebäude. So schreiben wir denn einem feinsinnigen nichtjüdischen Kritiker des herrlichen Gotteshauses, Dr. Georg Jakob Wolf, sein einer ausführlichen Schilderung eingeschobenes Gesamtlob nach, "trotz der gebotenen orientalischen Anklänge sei doch etwas sehr Selbständiges geschaffen: ein bau des 20. Jahrhunderts, der für die geistige und ethische Richtung des deutschen Judentums unserer Zeit einen vorzüglichen Ausdruck gibt und gewissermaßen die kürzeste Formel des zeitgenössischen Synagogenbaues darstellt. Lömpel und Landauer haben damit etwas Vorbildliches geschaffen, und die Augsburger Kultusgemeinde, die in weitblickender Opferfreudigkeit und in verständnisvollem Eingehen auf Absichten und Vorschläge der Architekten die Mittel zu dem schönen Bau zur Verfügung stellte, kann zu dem gelungenen Werk, um das natürlich auch hochgemuter Stiftersinn sich verdient machte, ebenso beglückwünscht werden wie die beiden Baukünstler selbst". 
Der Kostenaufwand dieses Schmuckkästchen unter den in den letzten Jahrzehnten erbauten deutschen Synagogen betrug
Augsburg AZJ 18051917c.jpg (442019 Byte)fast 800.000 Mark, die nach München, weniger nach Augsburg gingen. 
Die Kultusgemeinde verabschiedete sich mit einer besonderen Feier im Anschluss an den Sabbatgottesdienstes des 31. März von ihrem bisherigen Gotteshaus in der Wintergasse, das ihr 60 Jahre eine Stätte der Erbauung gewesen. Distriktsrabbiner Dr. Grünfeld hielt dabei eine historische Abschiedspredigt. Endlich am Vormittag des 4. April wurde der Neubau, dessen glückliche Verschmelzung maurisch-byzantinischer Formen mit Augsburger neuzeitlichem Stil allgemein bewundert wurde, feierlich seiner religiösen Bestimmung übergeben.
Der Eröffnungs- und Einweihungsakt fand im Trausaal statt. Dazu versammelten sich die Vertreter der staatlichen, städtischen, militärischen und geistlichen Behörden als Ehrengäste nebst anderen Persönlichkeiten: der Regierungs-, der Oberlandesgericht-, der Eisenbahnpräsident, die beiden Bürgermeister und die Vorstände der Gemeindekollegien, der stellvertretende Divisionskommandeur, der Benediktinerabt, Dr. P. Glogger, der protestantische Dekan Detzer mit Pfarrer Anthes, die Rabbiner Professor Dr. c. Werner (München) und Dr. Freudenthal (Nürnberg) usw. Nach einem Prolog, den die Tochter des Synagogenkommissars Dann sprach, wurden die Schlüssel den zwei preisgekrönten Bauleitern überreicht. Sie verliehen ihrer Freude über die vollbrachte Arbeit und ihrer Wehmut über das Verlassen der mehrjährigen Arbeitsstätte Ausdruck. Darauf übergaben sie die Schlüssel dem Vorsitzenden der Gemeinde, Justizrat Bauer, der auf den konfessionellen Frieden hinwies, wie er in Augsburg Katholiken, Protestanten und Juden vereine. Ferner hob er rühmend hervor, wie die Mitglieder der Gemeinde mit seltener Opferwilligkeit alle Lasten auf sich genommen und ohne jeden fremden Zuschuss das Werk vollendeten. Er dankte den Behörden und wies darauf hin, dass die Frage des Neubaues zwar seit Jahrzehnten die Gemeinde beschäftigt man aber gewartet habe, bis als Vorbedingungen die finanzielle Grundlage und ein schöner Bauplatz gesichert waren, der Stadt Augsburg ein würdiges monumentales Werk zu verschaffen. Unter den durch den Krieg bedingten denkbar schwierigsten Verhältnissen seien die Arbeiten zum Abschluss gebracht wurden, und die Architekten hätten ein Werk geschaffen, das die Israelitische Gemeinde mit Stolz erfülle, der Stadt zur Ehre, den Erbauern zum Ruhme gereiche. Ach der Verwaltung und dem Ausschuss der Gemeinde gebühre Dank. Unter der reich gesegneten Regierung König Ludwigs III. könnten die Staatsbürger aller Konfessionen ihre Kräfte frei entfalten; möge der Landesvater, der mit vorbildlicher deutscher Treue den Staatsbürgern voranleuchte, bald in den Stand gesetzt sein, die Saat seiner segensreichen Tätigkeit in Frieden zu genießen. Der Redner übergab nun die Schlüssel dem Oberbürgermeister Geheimen Hofrat von Wolfram, welcher versicherte, der Neubau solle unter dem Schutze der Stadt wohl geborgen sein. Dann gab letzterer Ordensauszeichnungen für den Vorsitzenden der Gemeinde, den Rabbiner, den aufsichtführenden Architekten und den meistbeteiligten maurer bekannt. Hierauf erfolgt der feierliche Einzug der Ehrengäste in die Synagoge. Beim Festgottesdienst, den Bezirksrabbiner Dr. Grünfeld abhielt, machte der Tempel im Anblick seiner strahlenden Beleuchtung, mit dem Goldmosaik auf grünem Untergrunde, allseits tiefen Eindruck, und man darf getrost das Schlusswort eines berufenen Beurteilers unterschreiben, wenn er frei nach Schiller sagt: das Werk, wie es heute vollendet vor uns steht, lobt seine Meister!

Nachtrag der Redaktion: Zur Festfeier sollte eine großzügige Geschichte erscheinen; die Schwere der Zeit und die anderweitige Beschäftigung des tüchtigen Rabbiners Dr. Grünfeld haben es nur zu einer kleinen Schrift kommen lassen, die trotz der Anspruchslosigkeit ihres Titels durch einfachen Stil und durch reiche Belehrung ungemein wohltuend wirkt (sc. "Ein Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg". Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge in Augsburg am 4. April 1917. Verfasst von Dr. Richard Grünfeld, Distriktsrabbiner. Buch. und Kunstdruckerei J.Z. Himmer, Augsburg). Sie ist in zwei Teile geteilt: 1. Die alte Gemeinde, 2. Die neue Gemeinde. Der in der Abhandlung vorkommenden Einzelheiten sind so viele, dass es unmöglich ist, an dieser Stelle einen erschöpfenden Auszug zu geben. Ich begnüge mich daher mit der Hervorhebung einiger weniger Daten: Trotz mancher Verfolgungen und schwerer Bedrückungen war die Lage der Juden in Augsburg eine leidliche; im dreizehnten Jahrhundert waren manche Juden Bürger. Jehuda Hachassid in Regensburg empfahl für die der Hebräischen

Augsburg AZJ 18051917d.jpg (244430 Byte)Unkundigen das Beten in der Landessprache. Die ersten berichte über die Judengemeinde in Augsburg stammen aus dem Jahre 1212; die älteste jüdische Urkunde ist 1356 datiert. Unter den Rabbinern begegnen wird einigen hervorragenden Männern; der berühmteste ist R. Meir Ben Baruch aus Rothenburg, der eine Zeitlang auch in Augsburg tätig war. Sehr entehrend war die Form des Judeneides, die eine Zeitlang in Augsburg üblich war. Bemerkenswert ist, dass der Übergang eines Christen zum Judentum mit dem Tode bestraft wurde. Sehr interessant ist die Zusammenstellung der seltensten Judennamen, S. 40ff. Aus der neueren Geschichte ist zu erwähnen, dass nach langer, gezwungener Entfernung der Juden drei reichen Familien (Bankiers) das Wohnrecht in Augsburg gewährt wurde; der reichste darunter ist wohl Arnold Seligmann, der später den Titel eines Freiherrn von Eichtal erhielt. Ein Gemeindeausschuss wurde erst 1861 gewählt. Über die Augsburger Synode finden sich S. 59ff. wichtige Mitteilungen. Eine Reihe von Notizen wird über den hochgelehrten Rabbiner Dr. Heinrich Kroß gegeben, von dessen Arbeiten und von dessen Tode auch in unserer Zeitung die rede war. Der jetzige erste Vorsteher, Herr Justizrat Ludwig Bauer, bekleidet sein Amt seit 1888. Der Neubau der Synagoge, über die in dem vorstehenden Aufsatz ausführlich behandelt wird (die frühere stammte aus dem Jahre 1863), war bereits 1900 beschlossen. Die Gemeinde zählt bei 1.200 Seelen 376 Zensiten. Die lehrreiche Schrift, der die vorstehenden Notizen entnommen sind, schließt mit folgendem Satz:
Möge die neue Synagoge auf der Halderstraße - das ist unser inniger Wunsch  für die Gemeinde werden: ein Haus des Segens und des Friedens, der Andacht und der Erhebung, eine Pflegestätte frommer religiöser Gesinnung, eine Quelle der Belehrung und des Trostes, eine Pflanzstätte lautesten Patriotismus und echter unverfälschter Menschenliebe!"
Außer der oben erwähnten Festschrift ist mir, unmittelbar vor der Drucklegung dieses Artikels, ein Heftchen zugegangen: "Reden bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Augsburg am 4. April 1917". Es enthält ein Gedicht von Martin Cramer, ferner die Ansprachen der Architekten Lömpel und Landauer, die Begrüßungsrede des Herrn Justizrats Ludwig Bauer, des Oberbürgermeisters Geh. Hofrat von Wolfram und endlich die Ansprachen des Herrn Rabbiners Dr. Grünfeld vor des Hauses Pforten beim Entzünden der ewigen Lampe, dessen gediegene Festpredigt, sein Weihegebet und endlich das Gebet für König und Vaterland. Alle Ansprachen und Reden machen einen erhebenden, des wichtigen Ereignisses würdigen Eindruck." 

  
Verzicht auf das Festmahl zur Einweihung und Überweisung des Betrages an die städtische Ernährungshilfe (1917) 

Augsburg ImdtReich 041917.jpg (84074 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" im April 1917: "Aus Augsburg, 5. April (1917) berichtet man uns: Im Magistrat gab Oberbürgermeister von Wolfram ein Schreiben der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde bekannt, wonach es diese bei dem Ernst der Zeit und der Lebensmittelknappheit als nicht passend erachtet, an die Einweihung der neuen Synagoge ein Festmahl anzureihen, es vielmehr vorziehe, statt dessen den Betrag von 1000 Mark der städtischen Ernährungshilfe zu überweisen. Der Oberbürgermeister gab weiter bekannt, dass Oberbaurat Holzer das ihm von der israelitischen Kultusgemeinde für seine Beratung beim Synagogenneubau angebotene Ehrengeschenk von 500 Mark gleichfalls für wohltätige Zwecke überlassen habe und entbot beiden Gebern den herzlichsten Dank des Magistrats."
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. April 1917: "In der Magistratssitzung zu Augsburg gab Oberbürgermeister von Wolfram ein Schreiben der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde bekannt, wonach es diese bei dem Ernst der Zeit und der Lebensmittelknappheit als nicht passend erachtet, an das bevorstehende Fest der Einweihung der neuen Synagoge ein Festmahl anzureihen, es vielmehr vorziehe, statt dessen den Betrag von 1000 Mark der städtischen Ernährungshilfe zu überweisen gemäß einer alten jüdischen Tradition, wonach bei festlichen Anlässen die Vornahme wohltätiger Werke üblich ist. Der Oberbürgermeister gab weiter bekannt, dass Oberbaurat Holzer das ihm seitens der israelitischen Kultusgemeinde für seine Beratung beim Synagogenneubau angebotene Ehrengeschenk von 500 Mark gleichfalls für wohltätige Zwecke überlassen habe und entbot beiden Gebern den herzlichsten Dank des Magistrats."    

   
Kurze Beschreibung der Synagoge (1917)  

Augsburg ImdtReich 061917.jpg (82942 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" im Juni 1917: "Eine neue Synagoge hat die jüdische Gemeinde Augsburgs innerhalb der Kriegszeit erbaut und feierlich eingeweiht. Der würdig-edle Bau ist eine neue Zierde der altehrwürdigen Fugger-Stadt, ein Stolz der nicht sehr großen, aber sehr angesehenen jüdischen Gemeinde und ein Ruhm der Erbauer, der Münchener Architekten Fritz Landauer und Dr. ing. Heinrich Lömpel. Der kuppelüberwölbte, ruhig-stolze Bau gruppiert in wohltuende natürlicher Harmonie die sonstigen Zweckräume, Alltagsbetsaal, Trauungssaal, Vorhalle, Verwaltungsräume zu einer Art von einleitendem, architektonischen Vorspiel für die Synagoge selbst, die ihrer hehren Aufgabe einen stimmungsweckenden, festlich-erhebenden und weihevollen Ausdruck gibt. Eine neue Sehenswürdigkeit der altberühmten Stadt."

Nach der Einweihung der neuen Synagoge wurde die alte Synagoge in der Wintergasse geschlossen. Das Gebäude wurde umgebaut und als Hutfabrik verwendet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige Synagoge vollständig zerstört.  
   
   
Einige Angaben zur neuen Synagoge: Der Kuppelbau ist am byzantinischen Zentralbau orientiert. Der Innenraum ist nahezu quadratisch angelegt. Die Höhe beträgt bis zur Laterne über der Kuppel 27 Meter. Es sind fast 800 Plätze für Männer und Frauen getrennt vorhanden. Die Wände sind mit grünem Raubputz versehen. Das Netzwerk in den Kuppelgewölben ist aus vergoldeten und farbigen Mosaiksteinen zusammengesetzt. Die lila-braun schimmernden Wandverkleidungen bestehen aus Stukko-Lustro-Lack (künstlicher Marmor). Für die Ritualeinrichtung und die Säulen wurde grauer, schwarzer und weißer Marmor verwendet. Die Synagoge hat sechs Rundbogenfenster sowie 28 tief in das Kuppelgewölbe geschnittene Fenster. Die Lichterreihen in der Kuppel sowie die vier großen Kugellampen mit ihren je 96 Lichtquellen sollen den Sternenhimmel darstellen. 
      
Die äußerst gelungene Architektur der neuen Synagoge beziehungsweise des jüdischen Gemeindezentrums wurde in den folgenden Jahren immer wieder dargestellt und bei Veranstaltungen präsentiert:   
      
      
Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitische Gemeinden zu Augsburg mit ausführlicher Besichtigung der Synagoge (1920)
  

Augsburg Bayr GZ 17031926a.jpg (103749 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 17. März 1926: "Die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu Augsburg. Es galt diesmal die Verfassung endgültig unter Dach zu bringen und das Beamtenrecht des Verbandes abschließend zu regeln. Dass dies gelungen ist und wie es gelungen ist, ist in dem einleitenden Artikel bereits eingehend ausgeführt worden. 6 Jahre lang hat der Verband auf Grund einer vorläufigen Verfassung nach den Beschlüssen der Verfassungsgebenden Versammlung in Nürnberg vom 20. und 21. April 1920 seine Tätigkeit ausgeübt und dabei ersprießliche Arbeit geleistet. Allzu lange, möchte man beinahe glauben, hat es gedauert, bis es gelang, die vorläufige Verfassung des Verbandes zu einer endgültigen auszubauen. Doch wer dies glauben möchte, verkennt die Art und Weise der Arbeit, welche geleistet werden muss, um die normativen Grundlagen einer Organisation zu gewinnen. Er verkennt, dass es sich hierbei nicht etwa um eine allein juristische, logische und stilistische Leistung handelt, sondern um eine Leistung am Menschen und mit Menschen. Um ein Kunstwerk gewissermaßen, dessen Material Menschen sind. Und der Mensch ist, wie Leo Baeck in seinem jüngst gehaltenen Vortrag 'Mensch und Welt' treffend ausführte, das schwierigst zu behandelnde Material, an dem sich ein Künstler versuchen kann. Weil dieses Material dem Gestalter nicht nur die Trägheit des Stoffes, sondern den eigenen Willen als Hindernis entgegensetzt. Welche Fülle von Interessengegensätzen ist hierbei zu überbrücken, welch hartnäckige Vorurteile sind zu beseitigen, welche Trägheit, welches Unverständnis und welch gegenseitiges Misstrauen ist zu überwinden.  
Aber mehr noch als dies, eine solche Verfassung ist nicht das 'Werk' einzelner Köpfe, sie ist vielmehr der Ausdruck eines organischen Wachstums der hinter ihr stehenden Gemeinschaft. So schafft sich eine Gemeinschaft eine Form, in die sie hineinzuwachsen bemüht ist, um andererseits diese Form ihrem natürlichen Wachstum anzupassen. Dass nunmehr 6 Jahre, nachdem die
Augsburg Bayr GZ 17031926b.jpg (326839 Byte)vorläufige Verfassung zustande kam, sich der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden seine endgültige Verfassung gegeben hat, ist das Zeichen eines inneren Wachstums des Verbandes, das Zeichen einer inneren Kräftigung und Festigung. Und so ist festzustellen, dass die schweren Zeiten, die die deutsche und insbesondere auch die bayerische Judentum mitgemacht haben, wie alles Schwere, das jemand, ohne sich restlos aufzugeben, getragen hat, neue Kräfte wachgerufen und zur Entfaltung gebracht haben; Kräfte, von denen mit Sicherheit erwartet werden kann, dass sie zum besseren führen. 
Vielleicht war es ein Symbol, dass die diesjährige Tagung des Verbandes mit der Besichtigung eines Kunstwerkes begann - auf architektonischem Gebiete - der neuen Synagoge der Augsburger Gemeinde
Die Augsburger Synagoge, die am 4. April 1917 eingeweiht worden ist, ist das neueste Bauwerk dieser Art in Deutschland. Seitdem sind leider weitere Bauten - man braucht die Gründe nicht zu nennen - trotz des vorhandene Bedürfnisses unterblieben. Der Bauauftrag erfolgte auf Grund eines im Jahre 1912 ausgeschriebenen Wettbewerbes, bei welche der Architekt Dipl.-Ing. Fritz Landauer, der den Münchnern besonders als der Schöpfer des Gefallenendenkmals bekannt sein dürfte, und der auch bei Synagogenwettbewerben in Wien und in Würzburg (hier an erster Stelle!) als Preisträger hervorging, für ein Projekt allein, für ein zweites, unter Mitarbeit von Architekt H. Lömpel, je einen 1. Preis davontrug. Das letztere Projekt wurde mit gewissen Abänderungen der Ausführung zugrundegelegt. 
Die Augsburger Synagoge gilt allenthalben als ein Werk von hervorragender kunstgeschichtlicher Bedeutung, als eine hervorragende künstlerische Lösung des Gotteshauses der deutschen Juden. 'Ein Bau des 20. Jahrhunderts, der für die geistige und ethische Richtung des deutschen Judentums unserer Zeit einen vorzüglichen Ausdruck gibt und gewissermaßen die kürzeste Formel des zeitgenössischen Synagogenbaues darstellt', urteilt der Münchner Kunsthistoriker Dr. Gg. Jakob Wolf. 
Die Aufgabe, die hier den Künstlern gestellt war, war keine leichte. So bestand vor allem die rein örtliche Schwierigkeit, an einer von Westen nach Osten führenden Straße ein Gebäude zu errichten, das aus Kultgründen nach Osten orientiert sein musste. Die weitere Schwierigkeit, die zu überwinden war, bestand darin, dass zwei Gemeinde- und Verwaltungsgebäude zusammen mit dem Gotteshaus errichtet werden mussten, die Straßenfront, die zur Verfügung stand, aber nur eine verhältnismäßig geringe ist. Es war daher ein glücklicher Gedanke der Schöpfer zu nennen, dass sie die Verwaltungsgebäude an die Straßenfront legten und den Besucher des Gotteshauses von der Straße aus durch eine Säulenhalle in einen Brunnenhof und von dort durch eine Vorhalle in das Tempelinnere führen, ihn so dem Lärm und Getriebe des Tages langsam entrückend. Den tiefen Eindruck, den das Innere des Gotteshauses auf den Beschauer ausübt, schildert der Orientalist Dr. August L. Meyer wie folgt:
'Das Innere nun, ein 26 Meter hoher Zentral-Kuppelbau, ist von außerordentlicher Schönheit des Verhältnisse. Ebenso wie bei dem Außenbau ist hier nirgends etwas äu0erlich von orientalischen Bauten entlehnt, aber überall merkt man, wie die intelligenten Architekten den tiefsten Sinn byzantinischer und maurischer Baukunst erfasst und in modernem Sinn für ihre Zwecke verwendet haben. Das Licht ist stark gedämpft, die kleinen Fenster der Kuppel sind diskret bemalt, die großen halbkreisförmigen Öffnungen der Tonnen von einem reichen steinernen Netzwerk durchwirkt, und auch hier die kleinen Scheiben von zierlichen Mustern überzogen. So kann das Tageslicht nur zerstreut hereindringen, gedämpft bis zu jenem Grad von Helligkeit, den die Raumbenutzung erfordert. In dieser Beleuchtung nun erhält das leicht in Violett schimmernde Grau des Lahnmarmors der unteren Partie und das tiefe, von Goldmosaik durchwirkte Grün der Kuppel und der weit geschwungenen Tonnenbogen einen besonders starken Stimmungswert von höchst feierlichem Klang. 
Der östliche Abschnitt des Zentralbaues ist als der hauptsächlichste Kultraum in eigenartiger Weise betont und leicht von dem übrigen Teil abgehoben: durch zwei mächtige, von großen geflügelten Greifen gehaltene siebenarmige Leuchter, die sich auf zwei die Estrade flankierenden Pfeilern in feierlicher Wucht über die Brüstung der Frauenempore erheben. An den drei Vorderwänden der Frauenempore sieht man sechs medaillonartige Schilde, die paarweise vereint die nach den Segensworten von Jakob und Moses gebildeten Symbole der zwölf Stämme in bunter Fassung wiedergeben. Nicht minder gelungen als diese Reliefs sind die gro-
Augsburg Bayr GZ 17031926c.jpg (293527 Byte)ßen, welche die Kuppelzwickel schmücken. Die Reliefs sind jeweils von hebräischen Umschriften begleitet. Es würde zu weit führen, diese Stücke im einzelnen zu beschreiben, es sei nur kurz hingewiesen auf die Darstellung von Quelle, Palmbaum und Taube mit Friedenszweig, das heilige Feuer auf dem Altar, den geflügelten Löwen mit den Gesetzestafeln. Alle diese Stücke sind nicht nur von großer Anschaulichkeit, sondern von einer sehr persönlichen, dekorativen Monumentalität.'   
Bei der Besichtigung der Synagoge durch die Besucher der Tagung am Sonntag, dem 21. Februar 1926, führte der Synagogenvorsteher, Herr Albert Dann, folgendes aus:
'Der Bau ist im Jahre 1914 begonnen und im Jahre 1917 glücklich beendet worden. Es war außerordentlich schwer, die geeigneten Arbeiter und die bestellten Materialien rechtzeitig zur Stelle zu haben. Es mussten fortgesetzt Eingaben an die Regierungsbehörden gemacht werden, um dies zu erreichen. Der größte Werk wurde auf die Ausgestaltung der Ostfront gelegt, die vollständig in Marmor durchgeführt ist. Die verschiedenen Kapitelle über den Säulen sind alle in der Form gleich, in der Ausführung jedoch grundverschieden, ebenso die Bekleidungskörper für die Heizung. Auch die vielen Hunderte von kleinen Fensterchen sind jedes mit einer anderen Bemalung versehen. Der Hauptvorteil der Augsburger Synagoge besteht darin, dass die Plätze in der Herren- und in der Frauensynagoge so angeordnet sind, dass der Rabbiner und der Vorsänger von allen gleich gut gehört und gesehen werden können. Auf der Estrade sind die Plätze für den Rabbiner und den Synagogenvorstand und für 2 Kantoren angebracht. Rechts und  links sind Logen für die volksschulpflichtigen Knaben und im ersten Stock für die volksschulpflichtigen Mädchen eingebaut. Das Vorbeterpult hat eine schwere Marmorplatte, deren Neigung mit einem Druck der Hand geregelt werden kann. Bei Trauungen dient die Platte als Tisch und kann durch einen Knopf in wagrechter Stellung festgehalten werden. 
Herr Dann führte weiter aus, dass die hiesige Verwaltung, bevor sie an die Einrichtung der neuen Synagoge ging, zuerst alle die neuen Synagogen in den verschiedenen deutschen Städten durch eine Kommission besichtigen ließen und dass alle praktischen Neuerungen, die bei diesen Reisen gefunden wurden, mit nach Augsburg übernommen worden sind, während Fehler, die sich anderwärts im Laufe der Zeit herausgestellt haben, dort vermieden wurden. Die oben erklärte Einrichtung des Vorbeterpultes stammt von Offenbach, ein Schrank, in welchem die Toravorhänge und Decken aufbewahrt sind, von Mainz, die Einrichtung für die Aufbewahrung der Torarollen während der Vorlesung aus der Haftarah aus Stuttgart. 

Es wurde noch eine Führung durch das Haus veranstaltet und der wundervolle Blick von der Frauensynagoge aus gezeigt, es wurden die Erholungsräume besichtigt und der Tresor gezeigt, und die Werktagssynagoge und der Trausaal besucht. Die auswärtigen Gäste waren von der praktischen Einrichtung und von dem herrlichen Bau und seiner vornehmen Wirkung restlos befriedigt.
Hierauf übernahm Herr Dr. Fränkel, Lehrer der Israelitischen Kultusgemeinde, die Aufgabe, die hebräischen Inschriften zu erklären und die zahlreichen Symbole, die dem weihevollen Gotteshause ein spezifisches Gepräge geben, zu deuten:
'Dem Betenden wird die Heiligkeit des Ortes gekündet durch die in vergoldeten großen Buchstaben weithin leuchtenden wichtigen Worte am vorderen großen Ostbogen: 'Wisse, vor wem du stehst!' Längst der Emporenbrüstung sind 6 wichtige Sätze aus der Ethik angebracht. Die fünf hohen Feste sind symbolisiert durch 'Gerste', 'Traube', 'Krone', 'Schofar' und Weizen' entsprechend dem Bibeltexte für Pessach, Sukkos, Jom-Kippur, Rosch Haschono und Schewuos. Die Emporenbrüstung wird unterbrochen von schildartigen Zeichen, die in ihrer bunten Fassung einen besonderen Reiz ergeben. Es sind die Symbole der 12 Stämme Israels, wie sie uns die Bibel in den Segensworten Jakobs und Moses überliefert hat. Der Stamm 'Levi', aus dem der Hohepriester war, ist symbolisiert durch den 'Brustschild' mit den 12 Steinen: 'Jeder Stamm sollte ihm gleichartig sein; jeder Mensch soll uns ein Edelstein sein, sein Bestes suchend und fördernd.' 'Juda' ein junger 'Löwe': 'Sei stark wie ein Löwe, zu erfüllen den Willen deines Vaters im Himmel!' Die Deutung erstreckte sich dann, ebenso aufklärend, auf die übrigen Symbole. Besonders wurden die 4 'Reliefs' des Gewölbes in ihrer Großartigkeit gezeigt, darstellend 1. die 'Theorie der Religion' - ein geflügelter Löwe mit der Tora-Rolle und den Gesetzestafeln unter dem Lebensbaum; 2. die 'Praxis der Religion', das Leben - ein Opfer-Symbol. Die Opferflamme, das heilige Feuer auf dem Altar, der Lebensbaum mit goldenem 'Kranze', und dessen Inschrift: 'Dein Opfer sei beständig...'. - Die 'Ethik'. Drei gleiche Kronen und eine mächtige Krone darüber leuchten vom dritten Relief hernieder, nach den 'Sprüchen der Väter': 'Drei Kronen gibt es: Die Krone der Gelehrsamkeit, des Priestertums und des Königtums - aber die Krone des guten Namens überstrahlt sie alle' - sie trägt jeder gute, zuverlässige, charaktervolle Mensch. 4. Die 'Wirkung der Religion'. Symbol: Die 'Quelle' (Gottesfurcht ist eine Lebensquelle), der 'Palmbaum' (der Gerechte blüht gleich einer Palme, langsam, aber dafür lange), die 'Taube mit dem Friedenszweig' (sie bringt Kunde vom Herrn: 'Frieden, Frieden! Dem Gott-Nahen und Gott-Fernen!'). 
Im Ring der Kuppel, bestrahlt von einem prachtvollen Sternenkranz, schließen dann die weihevollen Worte Salomos, anlässlich der Einweihung des Tempels, die Sinnbilder zusammen. (Die Buchstaben-Ornamente sind dabei eine neue Wirkung für sich.) Nachdem im Anschluss an den letzten Satz der Kuppel-Inschrift: 'Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Volker' die Universalität des Judentums zur Sprache gekommen war, schloss Herr Dr. Fränkl, im Anschluss an den letzten Satz in der Festschrift des leider infolge Krankheit abwesenden Herrn Rabbiner Dr. Grünfeld, mit dem Wunsche, dass auf den nunmehr beginnenden wichtigen Beratungen der Tagung Gottes reichster Segen ruhen möge.'  
Augsburg Bayr GZ 17031926d.jpg (98809 Byte)Anschließend an die Besichtigung des Gotteshauses begab man sich in den großen Börsensaal gegenüber dem Rathaus, wo die Eröffnung der Tagung stattfand. Im folgenden bringen wir eine eingehende Darstellung der anlässlich der Eröffnung gehaltenen Ansprachen, des religionswissenschaftlichen Vortrages von Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt) und des Berichtes des Präsidenten des Rates. Über den Gang der sachlichen Beratungen, über deren wesentliche Ergebnisse der Leitartikel dieser Nummer informiert, bringen wir in der nächsten Nummer Ausführlicheres. 
Am Abend des ersten Tages hatte die Kultusgemeinde Augsburg die Mitglieder des Rates und der Tagung sowie sonstige im jüdisch-gemeindlichen Leben Augsburgs und seiner näheren Umgebung stehende Persönlichkeiten zu einem Festabend in den 'Drei Mohren' eingeladen, wo sie von der Gastgeberin in großzügiger Weise bewirtet wurden. Die am Nachmittag in den Sitzungen des Rates und der verschiedenen Ausschüsse gepflogenen Beratungen hatten bereits positive Ergebnisse gezeitigt, sodass man auf ein gutes Gelingen der Tagung hoffen konnte und eine zuversichtliche Stimmung auch über dem Festabend lag. Neben den einleitenden Worten des Vorsitzenden der Kultusgemeinde Augsburg Dr. Eugen Strauß fielen besonders auf die humorvolle Tischrede des Schatzmeisters Rosenzweig, die launigen, den Damen gewidmeten Verse von Oberlandesgerichtsrat Wilmersdoerfer und ein lustiges Poem des Justizrates Sinauer. Die Dankbarkeit gegen die bewährten Führer, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, den Präsidenten des Rates und Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. Silberschmidt, den Präsidenten der Tagung, kam spontan zum Ausdruck. Gegen das Ende vereinigten Musik und Tanz die Erschienenen noch einige Stunden in fröhlichster Stimmung, welche der Gastgeberin wohl der beste Dank für ihre vielen und großen Bemühungen gewesen sind."

   
Einweihung der Gefallenengedenktafeln (1921)
   

Augsburg Israelit 17111921.jpg (77721 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. November 1921: "Augsburg, 3. November (1921). Am Sonntag Vormittag 10 1/4 Uhr wurden in der Synagoge Kriegergedenktafeln eingeweiht. Die beiden Tafeln aus karrarischem Marmor tragen außer den Namen der 24 im Weltkrieg gefallenen Kultusgemeindemitgliedern die Inschrift: 'Die Gemeinde ihren Gefallenen. Sie starben auch für uns. 1914-1918.' Namens der Kultusgemeinde übernahm deren erster Vorstand, Herr Justizrat Dr. Epstein, die Tafeln mit dem Versprechen, dass das Andenken der so früh Gestorbenen stets in Ehren gehalten und die Gemeinde sich dauernd daran erinnern werde, dass die Glaubensgenossen dieses Opfer ihres Lebens für die Allgemeinheit gebracht haben. Herr Dr. Grünfeld hielt nach einem von Herrn Oberkantor Heymann gesungenen Psalm die Gedenkrede."
Anmerkung - nach dem Kriegerdenkmal des jüdischen Friedhofes an den Haunstetter Straße sind aus der jüdischen Gemeinde Augsburg gefallen (vgl. Liste des Hauses des Bayerischen Geschichte): Fritz Bissinger, Rud. Bernheimer, Leopold Klopfer, Leopold Schwarz, Paul Rosenstiel, Sali Thannhauser, Manfred Reis, Jul. Rosenberg, Siegfried F. Lemle, W. Günzburger, Moritz Schloss, Max Rosenberg, Siegfried Metzger, Felix Aub, C. Friedländer, Julius Bingen, Alfred Haymann, Arthur Stein, David Rosenau, Lud. Binswanger, Julius Baer, Dr. F. Lammfromm, Martin Strauss cand.iur., Hugo Bein.  

  
Beitrag von Albert Dann über Erfahrungen mit dem liberalen Synagogengottesdienst in Augsburg (1929)     

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 11. Januar 1929:  "Austausch gottesdienstlicher Erfahrungen.  
An die Vereinigung für das liberale Judentum e.V. Berlin SW 48.  
Die Weltkonferenz für das liberale Judentum, der anzuwohnen ich die Ehre und die Freude hatte, hat meine Gedanken seitdem außerordentlich beschäftigt und ich habe mit großem Interesse in Ihrem Blatt die verschiedenen Ausführungen und Ansichten verfolgt. Ich bin jedoch der Meinung, dass mit allen diesen Artikeln und Abhandlungen keinerlei Vorschläge gemacht worden sind. welche praktisch verwendbar sein könnten.  
Ich finde, dass sich die wenigsten Teilnehmer intensiv mit dem Vorschlage des Mr. Bernheim aus Louisville befasst haben und halte es für außerordentlich wünschenswert, ja für notwendig, dass die Laien sich mehr mit der Frage des liberalen Judentums im allgemeinen  und mit der Hebung und Verbesserung des Gottesdienstes im besonderen beschäftigen. Ich möchte diese meine Anschauung wie folgt begründen:  
Der Gottesdienst wird in jeder Gemeinde anders gehandhabt, oftmals in einer Weise, welche nicht den Wünschen und Empfindungen der Synagogenbesucher entspricht. Es wäre zu erwägen, ob man nicht den Vorständen der Kultusgemeinden nahe legen sollte, kleine Kommissionen auf Reisen zu entsenden, um Anregungen zu sammeln wie der Gottesdienst in anderen Gemeinden gehandhabt wird. 
Die hiesige (=Augsburger) Gemeinde hat seinerzeit, bevor man an die innere Ausstattung der neuen Synagoge gegangen ist, eine solche Kommission ausgesandt, welche nicht nur die Einrichtungen der verschiedenen Synagogen genau besichtigt hat, sondern auch Gelegenheit nahm die Gottesdienste zu besuchen. Es sind damals sehr wichtige Neuerungen von auswärts nach Augsburg übernommen worden, und nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass der Gottesdienst sehr zur Zufriedenheit der Gemeindemitglieder umgestaltet worden ist. Sowohl in Bezug auf Anwendung der deutschen Sprache, als auch in gesanglicher Hinsicht kann unser Gottesdienst am Freitagabend und am Samstagmorgen als vollkommen gelungen bezeichnet werden. Ersterer dauert 35 Minuten, letzterer 65 Minuten in der Regel, ohne außergewöhnliche Einschaltungen.  
Vielleicht dienen Ihnen diese meine Anregungen, was mich sehr freuen würde. 
Mit vorzüglicher Hochachtung! Ihr ergebener 
Albert Dann. 
1. Vorsitzender der Ortsgruppe Augsburg der Vereinigung für das liberale Judentum."
    

 
Artikel des Architekten Fritz Landauer über Synagogenbau-Kunst (1930)  

Augsburg BayrGZ 01051930.jpg (168555 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Mai 1930: "Synagogenbau-Kunst. Betrachtung und Anregung. Von Dipl-Ing. Fritz Landauer, Architekt BDA., München. 
Vorbemerkung: Der Münchener Architekt Fritz Landauer, der durch den Bau der Augsburger Synagoge allgemein bekannt geworden ist, ging soeben wieder bei einem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Synagogen-Neubau in Hamburg als Preisträger hervor. Die vor kurzem eingeweihte Synagoge in Plauen ist ebenfalls nach einem Entwurf Landauers erbaut. Die Schriftleitung hat Herrn Architekt Landauer zu einer Erklärung seiner jüngsten Arbeiten eingeladen. Den folgenden grundsätzlichen Äußerungen zu dem Thema 'Synagogenbau-Kunst' wird später ein besonderer Aufsatz über die Synagoge von Plauen folgen. Bei dieser Gelegenheit sei auf die letzte besonders instruktive Abhandlung von Rabbiner Joseph Carlebach über die rabbinischen Vorschriften, die sich auf den Synagogenbau beziehen, hingewiesen. Carlebach verbreitet sich hier (Jeschurun 16. Jahrgang 1929: S. 190ff.) ausführlich über Oraun (Toraschrein) und Almemor, über Männer- und Frauen-Synagoge, über die äußere Anlage, endlich über die Anordnung der Sitze, und zwar werden bei all diesen Themen regelmäßig die rezipierten Vorschriften von Maimonides und anderer rabbinischer Autoritäten herangezogen. An dem bekannten neueren Werk von Krautheimer über Mittelalterliche Synagogen erkennt Carlebach die Sicherheit und Feinheit des Urteils in bautechnischen und baukünstlerischen Fragen an, stellt dagegen zahlreiche Irrtümer auf dem Gebiet der jüdischen Vorschriften fest. 
Die Schriftleitung lädt mich ein, etwas über meine jüngsten Arbeiten auf dem Gebiete des Synagogenbaus dem Leser vorzulegen, insbesondere meine neuen Entwürfe für den Tempel zu Hamburg. 
Diese Aufforderung der Schriftleitung ist besonders erfreulich als Symptom: es ist noch keine große Zeitspanne vorüber, da galt die Baukunst beim größeren Publikum als letzte der Künste; denn man hatte kein Verhältnis zu ihr - höchst sonderbarerweise; sollte dem Menschen doch das Haus, in dem er das Leben zubringt, persönlich am nächsten liegen, ihn das Gesicht der
Augsburg BayrGZ 01051930a.jpg (292393 Byte)Straße, welche er täglich so und so oft durchwandert, am unmittelbarsten ansprechen. Im letzten Jahrzehnt aber ist die Baukunst wieder Führerin geworden in der Ausprägung des Zeitgeistes, ähnlich wie in früheren Epochen. 
In unserer Zeit allgemeiner Verwirrung, Wandlung, Umschichtung - des Umsturzes alter Werte und der Sehnsucht nach dem Aufbau neuer -, ist die Vertiefung, die Besinnung auf das Wesentliche da, was gefordert wurde, wonach auch weiterhin gerufen werden muss auf allen Gebieten menschlichen Lebens und Wirkens. Diese Grundeinstellung muss auch für eine erfolgreiche Entwicklung wahrhafter Baukunst - diese als Kulturfaktor aufgefasst - und für den Schaffenden selbst erstes Gesetz sei; und insbesondere muss dies gelten für den problematischsten Zweig, den Sakralbau. 
Das nach dem Krieg geprägte und allzu oft wiederholte Schlagwort 'neue Sachlichkeit' braucht durchaus nicht Ungeistiges zu meinen, auch nichts Nüchternes, Seelenloses. Für die anderen Baugebiete: Wohnhaus, Geschäftshaus, Industriebau erheben neue praktische, wirtschaftliche, konstruktive und kulturelle Bedingungen die neuen Lösungen. 'Neuzeitlich' ist: klare Entwicklung aus dem Zwecke (der ein praktischer ebenso wohl als ein höchst idealer sein kann); - ist: Anwendung neuer Konstruktionsmethoden und Materialien sowie Entwicklung neue Formgedanken hieraus; - ist aber auch Erfüllung der äußeren und inneren Gestaltung mit dem wesentlichen und geistigen Gehalt der besonderen Aufgabe (dies sind lauter Bedingungen, welche an sich nicht neu sind, sondern eine Selbstverständlichkeit waren in den reifen historischen Kunstepochen).
Die Problemstellung des Sakralbaus (einer Synagoge oder Kirche) aber hängt m.E. in erster Linie mit dem Wesen des Menschen selbst zusammen, mit seinen feinsten und tiefsten Werten. Ist doch Gestaltung und Stimmungswert eines solchen Raumes nichts anderes als ein hehrer Mittler - gleich einem jüdischen Gesang oder einer Bach'schen Kantate - Mittler zur Andacht und Erhebung und - wenn der Bau echt gestaltet ist -. gleichzeitig selbst: Andacht, weil Widmung an das Höchste. 
Um die heutige Aufgabe zu skizzieren, so wie sie sich mir darstellt, muss ich einen wenn auch kurzen geschichtlichen Rückblick auf den Synagogenbau geben. Eine Entwicklungsgeschichte im eigentlichen Sinne kann nach dem heutigen Standes unseres Wissens nicht wohl geschrieben werden. Es ist uns sehr wenig von selbständigen Gestaltungen jüdischer Gotteshäuser bekannt; ja, soweit wir zu urteilen vermögen, scheint es, dass die Juden im Verlaufe der Zeiten wenig Eignung oder Neigung zu eigenen Bauschöpfungen zeigten. Man hat sich vielmehr, wie ersichtlich, der Bauform und dem Zeitstil des Aufenthaltlandes angeschlossen; nur einige Kulteinrichtungen, wie die Aufstellung von Almemor und Schrein und die Anlage ein- oder zweiseitiger Galerien für die Frauen geben einen gewissen Sondercharakter. Von einer organisch entwickelten Bau- und Raumlösung aus den Bedingungen des Kultes und des jüdischen Wesens kann aber keine Rede sein (Anmerkung: So sehen wir in der mittelalterlichen Prager 'Alt-Neu-Schule' ein gotisches Kirchlein, dem alten Wiener Tempel einen fast festlichen kleinen Ovalraum der Empirezeit, die liebenswürdig ausgemalten Land-Synagogen Frankens - trotz des jüdischen Malers als Zeugen suddeutscher, barocker, teilweise ländlicher Kunst). Es kann daher ein charakteristischer Typ des Synagogenbaues als ein vorhandener Wert der Tradition m.E. nicht festgestellt werden. - Nach der schlimmsten Bauepoche (1870 bis 1900) setzte eine gründlichere und geistvollere Baugesinnung auch bei Errichtung jüdischer Gotteshäuser ein, dies m.W. zuerst in Deutschland; es geschah solches gleichzeitig, wenigstens zum Teil mit dem Auftreten jüdischer Architekten als Erbauer (neuere Synagogen dieser Epoche sind, als bessere Beispiele, jene von Berlin, Essen, Frankfurt am Main, Mainz).   
Augsburg BayrGZ 01051930b.jpg (346706 Byte)Die letzte Vorkriegssynagoge war die Synagoge in Augsburg (konzipiert 1913, vollendet 1917), deren Bau mir auf Grund eines allgemeinen bayerischen Preisausschreibens übertragen worden war. Für die liberal gerichtete Gemeinde strebte ich an, den gewünschten Zentralbau im Stilsinne freier durchzubilden, aber so konsequent als möglich in Hinsicht auf die Erfüllung der Bedingungen des Kultes und der Konzentrierung der Beter auf den Gottesdienst. Ich versuchte eine charakteristische Gestaltung des Ganzen und seiner Teile; es wurde ein der Sammlung dienender offener Vorhof dem Eingang zum Tempel vorgelegt; unter Anwendung des Dreiklanges: Form - Farbe - Licht wurde die Ausprägung jüdischen Wesens in dem Raum und die Erzielung einer ergreifenden Stimmung der Andacht und Weihe angestrebt. Der Kunsthistoriker Dr. Eliasberg bezeichnete die Gestaltung mit dem Beiwort 'neujüdisch'. 
Die Verhältnisse nach dem Kriege vereitelten weitere Ausführungen nach erfolgreichen Projekten, z.B. Würzburg, Wien. Sie gaben dagegen Zeit zur Selbstbesinnung sowie Antrieb zu neuem geistigen Erfassen - und damit zu neuer Gestaltung auch auf diesem Gebiete. Zum ersten Male ward mir von der Gemeinde zu Plauen i.V. die Aufgabe zuteil - wiederum für eine liberale Gemeinde - ein Gemeindehaus mit Synagoge im neuzeitlichen Sinne durchzuführen. Ich fand dort größtes Verstehen und Eingehen auf meine Gedanken und mein Wollen sowie tätige Mitarbeit. Man war damit einverstanden, dass eine neuzeitliche Synagoge und Kirchenbaukunst nur aus einer Durchdringung der kirchlichen und kultlichen Tradition mit der Kunstsprache der Zeit erstehen kann. Diese Zeitsprache ist nicht Selbstzweck, sie hat vielmehr die Aufgabe, Gehalt zu formen - wie jede Sprache! In unserem Falle: es muss, in einer edlen, gediegenen, d.i. ehrlichen Bauweise ein folgerichtig entwickelter Organismus geschaffen werden mit starkem und echtem Ausdruckswert so zwar, dass insbesondere der Kultraum die Seele des Besuchers zum Mitklingen bringt und zur Andacht führt; der Raum selbst muss zum weihevollen Symbol werden. Er erhielt - im Plauener Bau - eine feierliche Geschlossenheit; die Raumform ist einfachst und klar überschaubar, jedoch neuartig sowohl im Querschnitt wie in der Ausgestaltung; er erhielt, wie ich glaube, einen typischen Ausdruck des jüdischen Kultraumes, obwohl von der oft angewendeten Zentralform abgegangen wurde. Rein sachliche Erwägung veranlasste mich, den Tageslichteinfall in den unteren Raumteil zu verlegen, das Licht fließt in zerstreuter Weise ein, reichlich hell, ohne zu stören, durch die beiden gelagerten 16 Meter langen vergitterten Hauptfenster. Der obere Raumkubus ist in Dämmer gehüllt, durch eine dunkle Holzstegdecke abgeschlossen. Die Ausstattung ist schlicht und doch feierlich; es herrscht betonte Konzentrierung auf die Ostseite, auf Estrade mit Almemor, Lade und Kanzel. Der raue Verputz hat gründlich-graue Färbung, die Galeriebrüstungen und die hohe Westwand tragen schmückende hebräische Inschriften, die 10 Meter hohen Wände des Estradenraumes an der Ostseite sind - gleich feierlichen Teppichen - mit Symbolen in zurückhaltender Sgraffitotechnik farbig geschmückt. Der Schrein selbst, von schlanker 3 Meter hoher Form, ist von dem blau schimmernden Vorhang bedeckt in feierlicher Messingfassung.....
Es folgen Ausführungen über die Hamburger Synagoge...  

    
Vortrag von Martin Buber in der Synagoge (1930)   

Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Februar 1930: 
"Israelitische Kultusgemeinde Augsburg
Am Donnerstag, dem 20. Februar, abends 8.15 Uhr, spricht Martin Buber in der Synagoge über Chassidismus".  

   
Wohltätigkeitskonzert in der Augsburger Synagoge (1930)    

Augsburg BayrGZ 15041930.jpg (174092 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1930: "Wohltätigkeitskonzert in der Augsburger Synagoge. Zum Besten erholungsbedürftiger Gemeindemitglieder veranstaltete der Israelitische Frauenverein Augsburg jüngst in der hiesigen, für musikalische Darbietungen akustisch vorzüglichen Synagoge ein lange in der Erinnerung an das Gehörte und Empfundene nachwirkendes Wohltätigkeitskonzert. Eine besondere künstlerische Note erhielt dasselbe durch die gastweise Mitwirkung des Jüdischen Gesangvereins München unter seinem erprobten Führer Kapellmeister Joseph Ziegler. Ob es sich in der klanggeschlossenen, technisch bis zur letzten Konsequenz der totalen Sauberkeit vorgedrungenen Wiedergabe um liturgische Gesänge mit Kantorsolo und Orgel wie: 'Ma tobu' von Max Löwenstein, 'Hajom haaras olom' von Emanuel Kirschner oder mit gesteigerter Schwierigkeit um den prächtig zu Gehör gebrachten a capella-Chor 'Ribono schel olom' von S. Almon handelte, endlich um den krönenden Abschluss bildenden Schlusschor aus Psalm 42 von Felix Mendelssohn mit Orgel, welche der Augsburger Organist der Synagoge, Herr N. Frei, meisterte, gewann der Hörer durch feinnervige Abtönung und intelligente Phrasierung den Eindruck höchst beachtlicher qualitativer Fähigkeiten des Chores der Münchener Gäste. In Erstaufführung von 'Mo odom' mit Frau Sonja Ziegler als Sopranistin, Chor und Orgel von Joseph Ziegler, der in diesem Opus wirklich Empfundenes und Originelles zu künden hat, erwies sich der Komponist auch als schöpferische Persönlichkeit auf dem Gebiete liturgischer Gesänge. Außer Herrn Otto Neuburger, der mit kultiviertem Tenor eine Arie aus 'Samson' von G. F. Händel zu eindrucksvollem Vortrag brachte, und Frau Gertrude Maßer - München, die im Präludium für Violine und Orgel von G. Pugnani-Kreisler sehr geförderte violinistische Fähigkeiten einzusetzen verstanden, traten auch die beiden Herren Kantoren M. Neu (München) und W. Heimann (Augsburg) gesangssolistisch in friedlichen Wettbewerb und bestätigten im Konzert alles das, was beide Gemeinden im Gottesdienst an ihnen schätzen, wenn der Gesang durch reifes technisches Können zum tonlichen und stofflichen Erleben des Gesamtinhalts der jeweiligen Komposition wird. Ganz von selbst ergaben sich natürliche Höhepunkte im 'Elohai neschomoh' und 'Gebet' (Oberkantor Neu) und der Bariton-Arie aus 'Elias' und 'An den Wassern Babylons' von Dvorak (Kantor Heimann). Nach fast zweistündigem, erbaulichem Genuss schied die Gemeinde mit höchster Befriedigung von dem Wohltätigkeitskonzert des Israelitischen Frauenvereins Augsburg. L. Zollitsch".
Augsburg JuedlibZtg 30041930.jpg (142906 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 30. April 1930: "Augsburg. (Synagogenkonzert). Vor einiger Zeit - wir können leider erst verspätet hierüber berichten - lud der Israelitische Frauenverein zu einem Wohltätigkeitskonzert zum Besten erholungsbedürftiger Gemeindemitglieder in unsere herrliche Synagoge ein. Der jüdische Gesangverein München bestritt mit seinem hervorragenden Dirigenten Joseph Ziegler und seinen 3 Solisten in friedlichem Wettbewerb mit unserem beliebten hiesigen Oberkantor W. Heimann und Herrn Otto Neuburger ein musikalisch hochwertiges Programm. Herr Joseph Ziegler führte seinen technisch vorzüglich geschulten Chor mit ausgereifter Meisterschaft. Der volle weiche Bariton unseres Oberkantors W. Heimann fesselte in dem stimmungsvoll vorgetragenen Solo aus 'Ma towu' von Löwenstein und Versen 17-24 des Psalm 'Lo omus' von Birnbaum und mehr noch in den dankbareren beiden Soli 'Herr Gott Abraham' aus Elias (Mendelssohn) und 'An den Wasser von Babylon' von Dvorak und erwies sich dadurch aufs neue als begnadeter Sänger. Herr Otto Neuburger brachte die Tenor-Arie aus 'Samson' von Händel zu wirksamstem Vortrag. Frau Sonja Ziegler (München) bewährte sich als empfindungstiefe, sehr begabte Sopranistin und Gertrude Masser (München) bewältigte das Präludium für Violine in ausgesprochener Vollkommenheit. Die Darbietungen des Herrn Oberkantor M. Neu (München) 'Hajom harras olom' von Kirschner und 'Elohai neschomoh', sowie das 'Gebet' eines unbekannten Komponisten trugen den Stempel vollendeter Kunstauffassung. Herr N. Frei, der ständige Organist der hiesigen Synagoge, zeigte sich als meisterhafter Beherrscher unserer Steinmayer-Orgel und trug sehr zum Gelingen des prächtig durchgeführten Konzertes bei."

Die neue Synagoge in der Halderstraße sollte zunächst nur 21 Jahre als Gotteshaus der jüdischen Gemeinde dienen. 
  
     
Novemberpogrom 1938
     
Beim Novemberpogrom 1938 zerstörten am frühen Morgen des 10. November 1938 etwa 30 Nationalsozialisten die Inneneinrichtung der Synagoge und legten Feuer. Dieses wurde jedoch wieder gelöscht, da im Bereich um die Synagoge mehrere Wohn- und kommunale Großbauten sowie gegenüber eine Tankstelle standen.
    
    
Während des Zweiten Weltkrieg
wurde das Synagogengebäude als Kulissenlager des Stadttheaters zweckentfremdet. In die Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde zogen der Luftwaffen-Gaustab sowie die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt mit Kinderhort und Volksschule ein. Die Kuppel der Synagoge wurde als Beobachtungsstand der Flugabwehrartillerie verwendet. 
  
  
Nach 1945 und bis zur Gegenwart      
     
Nach 1945
kamen die Gebäude wiederum an die jüdische Gemeinde. Die Gemeindehäuser wurden seit 1958 als Kulturzentrum verwendet mit einem Kindergarten, einem Klassenraum und einem Veranstaltungssaal. 1964 wurde die kleine Synagoge wieder eingeweiht, in der seitdem wieder Gottesdienste der jüdischen Gemeinde stattfinden. Der Umbau wurde von dem jüdischen Architekten Hermann Guttmann (1917-1977) vorgenommen. Seit 1965 bemühte sich der Gemeindevorsitzende Senator Julius Spokojny um die vollständige Renovierung der Synagoge. 1975 begann das Landratsamt Augsburg mit Sicherungsmaßnahmen. Bis 1985 konnte die Renovierung abgeschlossen werden. Am 1. September 1985 konnte in Anwesenheit von etwa 120 Mitgliedern der ehemaligen Gemeinde, die aus aller Welt angereist waren, die Synagoge mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht werden. Gleichzeitig wurde das Jüdische Kulturmuseum eröffnet werden. Letzteres ist 2005/06 umfassend renoviert worden und wurde am 7. November 2006 wiedereröffnet: www.jkmas.de 
          
Adressen / Standorte der Synagogen

Synagoge bis 1917: Wintergasse 11
Synagoge von 1917 bis 1938 und von 1985 bis zur Gegenwart: Halderstraße 6-8

     
     
     

Fotos / Darstellungen:   

Die alte Synagoge 
in der Wintergasse
       
 Augsburg Synagoge a190.jpg (165689 Byte) Augsburg Synagoge 005.jpg (134715 Byte) Augsburg Synagoge 006.jpg (60346 Byte)
  Blick in die Wintergasse mit Synagoge
 (Toraerker in Bildmitte) (Radierung von 
E. Paul Tauenhahn, Anfang des 20.
 Jahrhunderts; aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Innenansicht - Blick zum Toraschrein 
(Quelle: Pinkas Hakehillot s. Lit. S. 589,
 Grünfeld: Ein Gang..., Römer: 
Schwäb. Juden S. 267)
Batmizwa ("Konfirmation" der Mädchen) 
in der alten Synagoge. In der Mitte: 
Rabbiner Dr. Richard Grünfeld
(Quelle: Römer: Schwäb. Juden S. 276)
        
      
Entwurf der 
neuen Synagoge
Augsburg Synagoge 030.jpg (76736 Byte)  
    Wettbewerbsentwurf "Westlicher Vorhof" der neuen Synagoge von Fritz Landauer.
 Quelle: Architekturmuseum Schwaben in Augsburg  
        
Historische Ansichten der Neuen Synagoge  
(Die mit * bezeichneten Fotos aus der
 Sammlung Harburger: Quelle: Central
 Archives for the History of the Jewish
 People, Jerusalem
; veröffentlicht in 
Th. Harburger: "Die Inventarisation
 jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler 
in Bayern. 1998).
Augsburg Synagoge 017.jpg (89575 Byte) Augsburg Synagoge 015.jpg (86525 Byte)
Blick auf die Synagoge von 
der Halderstraße 
(Quelle: Eschwege s. Lit. S. 144)
Im Innenhof*
 
 
     
Augsburg Synagoge 014.jpg (83140 Byte) Augsburg Synagoge 013.jpg (95588 Byte) Augsburg Synagoge 010.jpg (89603 Byte)
Im Innenhof*: Blick auf den "Lebensbrunnen". Dieser ist aus fränkischem Rotmarmor 
und wird von zwei sphinxartigen Gestalten mit dem Kopf des Widders und dem Körper
 eines Adlers getragen. Eingraviert ist das Bibelwort: "Kommet, ihr Durstigen alle, 
hier ist die Quelle" (Jesaja 55,1)
Blick von der Empore zum Toraschrein 
und zur Orgelempore; 
Quelle: Römer: Schwäb. Juden S. 266.
    
   
Augsburg Synagoge 016.jpg (84392 Byte) Augsburg Synagoge 011.jpg (67986 Byte) Augsburg Synagoge 012.jpg (85183 Byte)
Blick zum Toraschrein; die Inschrift links 
und rechts der heiligen Nische heißt
 übersetzt: "Wisse, vor wem du stehst". 
(Quelle: Eschwege s. Lit. S. 145)
Blick über die südliche Empore. 
Eine der Kugellampen ist zu sehen 
sowie die Orgel über dem Toraschrein*.
   
Vorhalle (heute Kassenraum des Museums)
 mit David-Brunnen, eingerichtet zur
 Reinigung der Hände vor dem Betreten 
der Synagoge. Links daneben Namenstafeln
 aus Granit mit den Namen der Gefallenen
 des Ersten Weltkrieges*. 
       
     
Blick zur Kanzel vor dem Toraschrein 
(aus der Sammlung der Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Augsburg Synagoge m01010001.jpg (45083 Byte) Augsburg Synagoge m01010001a.jpg (54997 Byte)
         
       
Innenhof  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim/Ries)
Augsburg Synagoge K015.jpg (175372 Byte) Augsburg Synagoge K015a.jpg (77351 Byte)
  Die  Karte wurde im "Verlag Schocken Kommanditgesellschaft, Zwickau" erstellt;
Beschreibung: "Augsburg: Die Synagoge. Der Offene Vorhof, 
ein malerisches, weihevolles Bild".
        
Die zerstörte Synagoge: 
1938 - 1985
Augsburg Synagoge 020.jpg (114847 Byte)
    Der Innenraum ist zwar erhalten; die gesamte Inneneinrichtung 
(von den Bänken bis zur Orgel) ist zerstört
   
Die 1985 wieder 
eingeweihte Synagoge
Augsburg Synagoge 029.jpg (70179 Byte)
    Postkarte von 1985 mit dem wiederhergestellten Innenraum. Die Menora auf der
 Orgelempore ist noch nicht vorhanden (Quelle: Jüdisches Kulturmuseum)
   
Neue Fotos der Synagoge
(Fotos: Hahn, Datum: 5.3.2006)
 
Augsburg Synagoge 200.jpg (85130 Byte) Augsburg Synagoge 201.jpg (110187 Byte) Augsburg Synagoge 202.jpg (79247 Byte)
Hinweisschilder führen zur Synagoge Die Synagoge an der Halderstraße - Blick von Süden
   
Augsburg Synagoge 203.jpg (78655 Byte) Augsburg Synagoge 204.jpg (87921 Byte) Augsburg Synagoge 210.jpg (93332 Byte)
Blick auf die Westfassade Innenhof. Blick auf den "Lebensbrunnen". Dieser ist aus fränkischem Rotmarmor und 
wird von zwei sphinxartigen Gestalten mit dem Kopf des Widders und dem Körper 
eines Adlers getragen. Eingraviert ist das Bibelwort: "Kommet, ihr Durstigen alle, 
hier ist die Quelle" (Jesaja 55,1)
 
 
   
Augsburg Synagoge 205.jpg (71832 Byte) Augsburg Synagoge 206.jpg (62985 Byte) Augsburg Synagoge 209.jpg (94660 Byte)
Gedenktafel für die jüdischen 
Gefallenen des Ersten Weltkrieges
Widmungstafel neben der Eingangstür 
zum Verwaltungsgebäude zur Erinnerung 
an die Einweihung der Synagoge
Die Rundbogenfenster an der 
südlichen Mauer der Synagoge
     
     
Augsburg Synagoge 208.jpg (54331 Byte) Augsburg Synagoge 207.jpg (66044 Byte)   
Blick zum 
Toraschrein
Blick zur Frauenempore und zwei 
der nördlichen Rundbogenfenster
  
     
Augsburg Synagoge 214.jpg (69754 Byte) Augsburg Synagoge 211.jpg (73139 Byte) Augsburg Synagoge 212.jpg (87727 Byte)
In der kleinen Synagoge, die bereits 1963/64 renoviert und seitdem für Gottesdienste der Gemeinde genützt wird. 
In der Mitte Blick zum Toraschein; recht Schulchan/Bima zur Vorlesung der Tora. 
       
 
Gesamtansicht (Quelle: 
Jüdisches Kulturmuseum Augsburg)
Augsburg Synagoge 860.jpg (198419 Byte) Augsburg Synagoge 852.jpg (64086 Byte)
       Blick zum Toraschrein
         
Augsburg Synagoge 850.jpg (76662 Byte) Augsburg Synagoge 851.jpg (79875 Byte) Augsburg Synagoge 854.jpg (56212 Byte)
Symbolik rechts und links oberhalb des Toraschreins   Menora über Toraschrein
      

   
  

Augsburg Synagoge 360.jpg (160646 Byte)Die Synagoge in Augsburg ist online auch in 3D zu sehen: Link zu synagogues360.org zu Augsburg   

   
   
Einzelne neuere Presseberichte   

August 2010: 25 Jahre Wiedereröffnung der Augsburger Synagoge mit dem Jüdischen Kulturzentrum  
Artikel von Jutta Olschewski im "Sonntagsblatt Bayern" vom 29. August 2010 (Artikel): 
"Unter dem orientalischen Sternenhimmel
Vor 25 Jahren wurde Augsburgs Synagoge mit dem ersten jüdischen Kulturmuseum wiedereröffnet

Der 1. September vor 25 Jahren war für die Israelitische Kultusgemeinde in Augsburg ein Freudentag. Erstmals nach der 'Reichspogromnacht' konnte man wieder Gottesdienst in der prächtigen Synagoge feiern.
'Dort drüben war, nein ist der Platz meines Vaters, dort oben der meiner Mutter.' Vielen der Festgäste lief ein Schauer über den Rücken, als der inzwischen gestorbene Verleger Ernst Cramer am 1. September vor 25 Jahren bei der Wiedereinweihung der Augsburger Synagoge unter dem Sternenhimmel der Kuppel mit diesen Worten seine Festansprache begann. Seine Eltern und sein Bruder waren von den Nationalsozialisten umgebracht worden.
Cramer war nicht der einzige überlebende Augsburger Jude, der an diesem Tag nach über zehnjähriger Renovierungszeit den Weg in die Heimatstadt wiedergefunden hatte. Der Journalist Gernot Römer, der sich damals schon seit 15 Jahren mit dem Schicksal der schwäbischen Juden beschäftigte, hatte die Adressen dieser Menschen ausfindig gemacht und sich dafür eingesetzt, dass die Stadt sie einlud. 'Dieses Ereignis konnte man doch nicht ohne die Überlebenden feiern', denkt er zurück. 'Als Ernst Cramer sprach, war für viele die Synagoge wieder gegenwärtig', erinnert sich Römer.
Kontakte zu Franz-Josef Strauß. Jahrzehntelang hatte das große Gebäude in der Nähe des Augsburger Bahnhofs ein Aschenputtel-Dasein geführt. Die einzige Synagoge in einer bayerischen Großstadt, die das Naziregime überlebt hatte, für die stark dezimierte jüdische Gemeinde zu renovieren, schien manchen zu kostspielig. Es soll Stimmen gegeben haben, erzählt der damalige Bauleiter vom Landbauamt, Georg Frisch, die sich an dem Standort ein Möbelhaus vorstellen konnten. Aber es gab auch den Holocaust-Überlebenden Senator Julius Spokojny (1923 bis 1996), den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. Ohne das unermüdliche 35-jährige Antreiben des tief­religiösen, orthodoxen Juden wäre das Gebäude vielleicht nicht wieder so prächtig auferstanden. Spokojny nutzte dazu auch seine Kontakte zu Ministerpräsident Franz-Josef Strauß und anderen Politikern und war mit dem katholischen Bischof Josef Stimpfle befreundet. 
Der Geschäftsmann, der wie ein Wunder bei einem Erschießungskommando in Osteuropa mit dem Leben davongekommen war, hatte sich nach 1945 die Restaurierung des Gotteshauses zum Ziel gesetzt. Und die geschändeten Thorarollen sollten neu geschrieben werden. Auch für das erste jüdische Kulturmuseum in Bayern setzte er sich ein, das am Tag der Wiedereinweihung eröffnet wurde. Als sein 'Hauptexponat' bezeichnete Spokojny damals die Synagoge selbst. 
Das Jugendstil-Gebäude war 1917 nach dreijähriger Bauzeit mitten im Krieg 'ohne helle Jubelklänge' eingeweiht worden. Die Münchner Architekten Friedrich Landauer und Heinrich Lömpel hatten eine dem Zeitgeschmack entsprechende Synagoge mit orientalischen Anklängen entworfen. Etwa 800 Gläubige fanden in ihr Platz. Die geschätzten Baukosten von 520000 Mark überschritt man damals 'wesentlich', ist im Archiv zu lesen. Der prächtige Kuppelbau, der von Gebäudegruppen und einem Brunnenhof umgeben ist, erinnert an Hofanlagen der ersten jüdischen Tempel. Den Bauingenieur Frisch fasziniert in dem Gebäude bis heute, wie das religiöse Symbol des 'Lichts' betont wird. Die damals üblichen Kohlefaserlampen, die in ungezählten Birnen die Kuppel ausleuchteten, dürften einen rötlichen warmen Schein verbreitet haben, meint er. 
Wie ein Schuttabladeplatz. Dass die Juden in Augsburg eine repräsentative Synagoge bauten 'war für sie eine logische Entscheidung, nichts Außergewöhnliches', sagte der Publizist Cramer bei der Wiedereinweihung. Die Gleichberechtigung und Zugehörigkeit zum deutschen Leben sei für die jüdischen Bürger Augsburgs selbstverständlich gewesen. Zwei Jahrzehnte später wurde dieses Lebensgefühl zerstört. 
Am 9. November 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht legten Nationalsozialisten in der Synagoge einen Brand. Die Feuerwehr löscht - wohl nur um einen Brand in der Innenstadt zu verhindern. Nach der 1942 bei der 'Wannsee-Konferenz' beschlossenen 'Endlösung der Judenfrage' werden auch die schwäbischen jüdischen Mitbürger deportiert und ermordet. Der als amerikanischer Soldat zurückgekehrte John Englander sieht die Synagoge 1945 wieder: 'Als wäre sie als eine Art städtischer Schuttabladeplatz benutzt worden,' zitiert ihn Gernot Römer in einem Artikel.
Die Renovierung der Synagoge beginnt erst im Jahr 1975. Sie kostete 4,2 Millionen Mark. Diese Kosten teilte sich der Freistaat, der Bezirk Schwaben, die Stadt Augsburg und die Israelitische Kultusgemeinde.

INFO: 
Die Augsburger Synagoge wird zwischen 1914 und 1917 von den Architekten Friedrich Landauer und Heinrich Lömpel im Jugendstil errichtet. Die jüdische Gemeinde hat damals 1200 Gemeindemitglieder.
-  In der 'Reichspogromnacht' am 9. November 1938 legen Nazis einen Brand, den die Feuerwehr löscht. 1944 Kriegsschäden an dem Gebäude.
-  1975 beginnt die Sanierung. Sie kostet 4,2 Millionen DM und ist 1985 beendet."  "
 
April 2014: Hundert Jahre seit Grundsteinlegung der Augsburger Synagoge   
Artikel von Benigna Schönhagen in der "Augsburger Allgemeinen" vom 30. April 2014: "Tempel im neuen Zentrum der Stadt. 
Vor 100 Jahren wurde der Grundstein der Augsburger Synagoge gelegt. Die Gemeinde musste erst eine Antwort finden, wie ein angemessener jüdisches Gotteshaus aussieht..."
Link zum Artikel     
  

       
       
        

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Augsburg  
Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben  www.jkmas.de  
Netzwerk Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben www.juedisches-schwaben-netzwerk.de  
Digitales Synagogenarchiv für Bayerisch-Schwaben www.synagogenarchiv.jkmas.de beziehungsweise http://archiv.jkmas.de    
Website des Jüdisch-Historischen Vereins Augsburg   
Website "Jewish Genealogy in Bavarian Swabia" 
Seite zur Synagoge Augsburg bei "schwabenmedia.de",   Seite zum Brunnen im Synagogenhof  
Seite zum Architekten Fritz Landauer   
Fotoseite zur Synagoge Augsburg mit zwei Ansichten von der Halderstraße
Internetdokumentation "Spurensuche" - Die jüdischen Schülerinnen und die Zeit des Nationalsozialismus an der Maria-Theresia-Schule in Augsburg  
aughead.gif (76530 Byte)The Descendants of the Jewish Community of Augsburg (zahlreiche Informationsseiten, Fotos und Liste der in der NS-Zeit umgekommenen jüdischen Augsburger
Sendung von "Bayern 2" vom 28. Mai 2010 über "25 Jahre Neueinweihung der Synagoge Augsburg": ein Beitrag von Annemarie Ruf, sowie Ansprache von Daniel Krochmalnik (mp3)     

Literatur (Auswahl der verwendeten Literatur):  

Richard Grünfeld: Ein Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg. Augsburg 1917.
Helmut Eschwege: Die Synagoge in der deutschen Geschichte. Wiesbaden 1980.
Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Teil I S. 454.486.495ff.506.509.532.589; Teil II Abb. 450-455. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 583-594 (mit zahlreichen Literaturangaben vor 1972).
Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Architektur der Synagoge. Stuttgart 1988. S. 269-272.
Haus der Bayrischen Geschichte. Exkursionsblätter zur Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Blatt. Auf den Spuren jüdischen Lebens in Augsburg. 1990.
Peter Fassl: Die wirtschaftliche und soziale Stellung der Juden in Augsburg im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. In: Peter Fassl (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben. Irseer Schriften Bd. 2 1994 S. 129-146.
Hans K. Hirsch: Die wirtschaftliche Verdrängung der Juden in Augsburg. In: Peter Fassl (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben. Irseer Schriften Bd. 2 1994 S. 147-155.
Gernot Römer: Das Ende der jüdischen Gemeinde in Schwaben. In: Peter Fassl (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben. Irseer Schriften Bd. 2 1994 S. 177-186.

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 453-460.  

Gernot Römer: Die Austreibung der Juden aus Schwaben. Schicksale nach 1933 in Berichten, Dokumenten, Zahlen und Bildern. Augsburg 1987.

ders.: Der Leidensweg der Juden in Schwaben. Schicksale von 1933-1945 in berichten, Dokumenten und Zahlen. Augsburg 1983.

ders.: Schwäbische Juden. Leben und Leistungen aus zwei Jahrhunderten. Augsburg 1990.

Zu Oberbürgermeister/Bürgermeister Ludwig Dreifuß: Gernot Römer: Schwäbische Juden S. 234f.
Sabine Klotz: Fritz Landauer. Leben und Werk eines jüdischen Architekten. Berlin 2001.    vgl. die Seite bei HaGalil.com   
Bericht von 2006: "Volldampf voraus!" Rabbiner, Vorsitzender und neuer Jugendleiter bringen die Augsburger Gemeinde wieder in Schwung. In: Jüdische Allgemeine Nr. 03/2006 vom 19.1.2006 S. 20.
Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu.    (mit umfassenden Quellen- und Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Augsburg S. 397-413.
Vortrag von Günther Grünsteudel: Musik für die Synagoge - Jüdische Komponisten des 19. Jahrhunderts. Vortrag, gehalten am 29. Oktober 2008 im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg (pdf-Datei, interner Link). 
Augsbrug Lit 200701.jpg (53397 Byte)Gernot Römer (Hrsg.) /Ernst Jacob/Walter Jacob: "An meine Gemeinde in der Zerstreuung": die Rundbriefe des Augsburger Rabbiners Ernst Jacob 1941-1949. Materialien zur Geschichte des Bayerischen Schwaben Bd. 29 (Hrsg. von Rolf Kießling). Augsburg: Wißner Verlag 2007² 472 S.  Link zur Verlagsseite
Augsburg Lit Lebenslinien 01.jpg (37707 Byte)Benigna Schönhagen: "Getrennt von allem, was uns gebliebe..." Der Weg der Familie Kraus aus Augsburg. - "Apart from all that has remained...". The Kraus Family of Augsburg.  
Reihe: Lebenslinien. Deutsch-jüdische Familiengeschichten. Ein Zeitzeugenprojekt des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben Band 01. Hrsg. von Benigna Schönhagen für das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. 
Lifelines. German-Jewish Family Stories. An eyewitness project organized by the Jewish Culture Museum Augsburg-Swabia. Augsburg 2008.    
Augsburg Lit 0180.jpg (38261 Byte)Monika Müller: "Das Trauma der Verbannung ist nicht auslöschbar." Der Weg der Familie Aub in Augsburg - "The trauma of exile is indelible" - Paths Taken by the Aub Family of Augsburg. 
Reihe: Lebenslinien. Deutsch-jüdische Familiengeschichten. wie oben - Band 02. Augsburg 2009.  
Schwaben Synagogen Lit 1401.jpg (163447 Byte)"Ma Tovu...". "Wie schön sind deine Zelte, Jakob..." Synagogen in Schwaben. Mit Beiträgen von Henry G. Brandt, Rolf Kießling, Ulrich Knufinke und Otto Lohr. Hrsg. von Benigna Schönhagen. JKM Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. 2014. 
Der Katalog erschien zur Wanderausstellung "Ma Tovu...". "Wie schön sind deine Zelte, Jakob..." Synagogen in Schwaben des Jüdischen Kultusmuseums Augsburg-Schwaben und des Netzwerks Historische Synagogenorte in Bayerisch-Schwaben.   

      
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Augsburg, Swabia. ...  ( medieval period) ...
Permanent settlement was officially renewed in 1803 and after the Bavarian annexation in 1806 the remaining residence restrictions were gradually removed. In 1861, Augsburg became the seat of the district rabbinate. Though Liberals formed a majority and an organ was introduced into the synagogue in 1865, prayer services remained by and large traditional, preserving the unity of the community. The Jewish population grew to 449 (total 50,057). By 1880 the Jewish population was 1,031 with Jews a major factor in the city's commercial life, controlling wholesale and retail trade, operating 20 banks, and pioneering industry (especially cloth, shoes, and chemical products), where at least 10,000 workers were employed in Jewish-owned factories. Many of the city's outstanding doctors and lawyers were also Jews and among the prominent Jewish cultural figures were the director of the municipal theater and the conductor of the local orchestra. A new synagogue, one of the most magnificent in germany, was dedicated in 1917. The Jewish population in 1933 was 1,030. Under the Nazi regime Jews maintained an active communal life, offering a broad range of cultural and social services. A Jewish public school and old age home were maintained, various institutions offered vocational and foreign language study preparatory to emigration, and the Central Union (C.V.), Zionist Organization, and Juedischer Kulturbund with its concerts and theater performances were all active. A total of 445 Jews managed to emigrate, half to the U.S. and a third in 1938-39 after the synagogue was destroyed and Jewish stores were looted on Kristallnacht (9-10 November 1938). Another 113 left for other German cities. The remaining 170 Jews were herded into a ghetto in late 1941; 19 were deported to the Riga ghetto via Munich on 20 November 1941, another 129 to Piaski (Poland) via Munich on 3 April 1942, and most of the others to the Theresienstadt ghetto up to 1945. A postwar community, composed of former residents and East European concentration camp survivors, numbered 229 in 1970.  
      
       

                   
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Stand: 24. Februar 2016