Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kriegshaber (Stadt Augsburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts zu unterschiedlichen Grundherrschaften gehörenden Kriegshaber bestand eine jüdische Gemeinde bis 1916. Danach gehörten die hier lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Augsburg. 
  
Die Entstehung der jüdischen Gemeinde Kriegshaber geht in die Zeit Mitte des 16. Jahrhunderts zurück, doch könnten sich bereits zuvor Juden am Ort niedergelassen haben (1438 wurden die Augsburger Juden vertrieben; 1553 wurden die Juden aus dem Herzogtum Bayern vertrieben). Erste Nennungen jüdischer Bewohner stammen aus den Jahren um 1565/70. Die jüdischen Familien konnten außerhalb des Weilers Kriegshaber an der von Augsburg nach Ulm führenden Reichsstraße (Ulmer Straße) ihre Häuser bauen. Hier standen sie auf Grund der von den Habsburgern (Markgrafschaft Burgau) beanspruchten Gassengerichtsbarkeit unter vorderösterreichischem Schutz. Die Judenvertreibung durch Markgraf Karl von Burgau 1617 betraf nicht die Juden in Kriegshaber. Im Gegenteil ließen sich einige aus Burgau und Günzburg vertriebene jüdische Familien in Kriegshaber nieder. Das an der Landstraße stehende Zollhaus wurde einem Schutzjuden überlassen. 1653 waren 6 bis 7 jüdische Familien am Ort. 1704 wurden bereits 62 jüdische Familien gezählt.
 
1730 lebten 326 jüdische Personen in Kriegshaber (über 50 % der Einwohnerschaft). Religiös und politisch waren die Christen- und Judengemeinde am Ort getrennt (jeweils eigene Verwaltung). 1737 wurden 402, 1738 415 jüdische Einwohner gezählt (Höchstzahl jüdischer Einwohner am Ort), die (1750) in 64 Haushaltungen lebten. Die jüdischen Familien wohnten teilweise in charakteristischen drei- und viergeschossigen Mehrfamilienhäusern entlang der Ulmer Straße und an der heutigen Giesekestraße. Ihren Lebensunterhalt verdienten die jüdischen Haushaltsvorstände beim Handel mit Vieh (aber auch durch Viehzucht) und Waren aller Art (Eisen, Uhren, Textilien). Mitglieder der Familie Mändle (Mendle) waren im 18. Jahrhundert zeitweise Hauptlieferanten von Pferden und Ausrüstungsgegenständen für das kurbayerische Heer und wurden zu Hoffaktoren der Kurfürsten von Bayern ernannt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden auch weitere Juden aus Kriegshaber als Hoffaktoren genannt. Einzelne jüdische Ärzte begegnen in Urkunden der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

Zu Kriegszeiten (1641-48, 1702-04, 1742/43 konnten sich die jüdischen Familien, nachdem immer wieder ihre Häuser zerstört wurden, zeitweise in Augsburg niederlassen, wurden jedoch, sobald die Zeiten wieder ruhiger waren, wieder ausgewiesen.    
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde zunächst einen Betsaal beziehungsweise seit Ende des 17. Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.) sowie eine Schule, ein rituelles Bad (im Keller eines jüdischen Privathauses bei der Synagoge, 1840 in jüdischem Gemeindebesitz und als Wohnhaus mit "Tauche" genannt) sowie einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde gab es bereits im 17. Jahrhundert einen Rabbiner am Ort. Er war auch Distriktsrabbiner für die im weiteren Umkreis liegende jüdische Gemeinden (u.a. Binswangen). Unter den Rabbinern werden im 18./19. Jahrhundert genannt: David Skutsch (Dajan, gest. 1780), Pinkas Skutsch  (gest. 1819), Aaron Guggenheimer (Rabbiner von 1819/20 bis 1857).  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809/10 295 jüdische Einwohner (28,0 % von insgesamt 1.055 Einwohnern), 1811/12 243 (23,8 % von 1.019), 1867 156 (10,0 % von 1.593), 1880 101 (4,9 % von 2.075), 1890 87 (3,2 % von 2.709), 1900 45 (1,6 % von 2.812), 1910 42 (1,0 % von 4.402). 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner vor allem durch die Abwanderung nach Augsburg und München stark zurück, sodass bereits um 1900 die Auflösung der Gemeinde abzusehen war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war prägende Gestalt des jüdischen Gemeindelebens der Lehrer und Vorbeter Moritz Maier, der von 1856 bis 1905, also fast 50 Jahre lang, in der Gemeinde wirkte. Nach seinem Tod wurde in den folgenden Jahren die Stelle offenbar noch mehrmals zu besetzen versucht, bis 1916 mit der Auflösung der selbständigen Kultusgemeinde Kriegshaber die Betreuung der hier noch lebenden jüdischen Familien von Augsburg aus vorgenommen wurde. 

Von den in Kriegshaber 1933 noch lebenden ca. 40-50 jüdischen Personen ist ein großer Teil auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts emigriert (Palästina, England, Amerika oder Südafrika). Die letzten der am Ort noch lebenden jüdischen Personen wurden 1942 deportiert.

Von den in Kriegshaber geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Siegfried Aufhauser (1874), Albert Dick (1876), Rosa Dick geb. Marx (1880), Emma Ehrlich geb. Mendle (1881), Ida Einstein (1890), Isaak Einstein (1884), Heinrich Einstein (1878), Hermann Einstein (1880), Max Einstein (1876), Mina Einstein (1889), Moritz Einstein (1886), Fanny Mendle (1874), Hermann Mendle (1883), Hedwig Zebrak (1925), Jenny Zebrak geb. Slon (1890), Josef Zebrak (1877), Paula Zebrak (1930), Rosa Zebrak (1927).     
Anmerkung: Bei Yad Vashem werden unter Ort "Kriegshaber" nur zwei Personen genannt, im Gedenkbuch drei; die übrigen stehen unter "Augsburg". 
   
Von September 1944 bis Kriegsende waren 500 ungarische Jüdinnen aus dem KZ Auschwitz in Kriegshaber, um unter schwersten Lebens- und Arbeitsbedingungen in den zu Rüstungszwecken umgebauten Maschinenfabriken zu arbeiten.   
    
    
     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1907 / 1908 / 1910

Kriegshaber Israelit 09041907.jpg (61958 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1907: "Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist ab 1. Mai 1907, bei einem fixen Gehalt von Mark 800.-, ferner Mark 700.- Nebenverdienst (unter Garantie) zu besetzen
Unverheiratete Bewerber wollen ihre Offerte baldigst an die israelitische Kultusgemeinde Kriegshaber (1/2 Stunde von Augsburg entfernt) einsenden, geb. Bayer erhält den Vorzug. 
Kriegshaber. Der Kultusvorstand. 
David Mendle senior."
   
Kriegshaber Israelit 23051907.jpg (60314 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1907: "Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist bei einem Einkommen von Mark 1.500.- baldigst zu besetzen
Unverheiratete Bewerber wollen ihre Offerte baldigst an die israelitische Kultus-Gemeinde Kriegshaber (1/2 Stunde von Augsburg entfernt) einsenden. Inländer bevorzug. 
Kriegshaber
Der Kultus-Vorstand David Mendle sen."
  
Kriegshaber Israelit 03091908.jpg (51289 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1908: "Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist bei einem Einkommen von Mark 1.500 per sofort oder später zu besetzen. Bewerber wollen ihre Offerten baldigst an die Israelitische Kultusgemeinde, Kriegshaber, 1/2 Stunde von Augsburg entfernt, einsenden. 
Der Vorstand David Mendle sen."
  
Kriegshaber Frf IsrFambl 28011910.jpg (59430 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1910: "In hiesiger Gemeinde, eine Viertelstunde von Augsburg entfernt, ist die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters per 1. Juli zu besetzen. Definitives Jahresgehalt Mark 800, sowie garantiertes Nebeneinkommen von Mark 700. Meldungen von nur deutschen Reichsangehörigen sind unter Beifügung von Zeugnissen an den Unterzeichneten zu richten. 
David Mendle sen., Kultus-Vorstand, Kriegshaber.
   
Kriegshaber FrfIsrFambl 07061912.jpg (85268 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juni 1912: "In hiesiger Gemeinde, 1/4 Stunde von Augsburg entfernt, mit der Stadt durch die elektrische Straßenbahn verbunden, ist die Stelle eines 
Religionslehrers, Kantors und Schächters
 
per 1. Juli oder später zu besetzen. Definitives Jahres-Gehalt ohne Nebeneinkommen Mark 2.000.- Reisespesen werden dem Probekandidaten vergütet. Offerten sind unter Beifügung von Zeugnisabschriften zu richten an den 
Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Kriegshaber. 
David Mendle sen."    
    
Ausschreibung der Stelle des Synagogendieners 1872 sowohl in der orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" als auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
Kriegshaber Israelit 29051872.jpg (37265 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Mai 1872: "Bekanntmachung. In hiesiger israelitischer Kultusgemeinde ist die Stelle eines Synagogendieners (Schames) erledigt. Mit dieser Stelle ist ein fixer Gehalt von Gulden 100.- nebst garantiertem Nebenverdienst von Gulden 100.- und freier Wohnung verbunden. Bewerber wollen sich sofort bei der Unterzeichneten melden. Kriegshaber bei Augsburg, 15. Mai 1872. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Kriegshaber."
Kriegshaber AZJ 28051872.jpg (47840 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" von 28. Mai 1872: "Bekanntmachung. In hiesiger israelitischer Kultusgemeinde ist die Stelle eines Synagogendieners (Schames) erledigt. 
Mit dieser Stelle ist ein fixer Gehalt von Gulden 100.- nebst garantiertem Nebenverdienst von Gulden 100.- und freier Wohnung verbunden. Bewerber wollen sich sofort bei der Unterzeichneten melden. 
Kriegshaber bei Augsburg, 15. Mai 1872. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Kriegshaber."

   
Zum Tod des Lehrers und Kantors Moritz Maier (1905) - Lehrer in Kriegshaber von 1856 bis 1905

Kriegshaber AZJ 14071905.JPG (108592 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1905: "Augsburg, 2. Juli. Am 20. dieses Monats schloss in der Nachbargemeinde Kriegshaber ein hoch geachteter, sehr verdienter Mann ein müdes Auge: Herr Moriz Maier, Lehrer und Kantor dieser Gemeinde, hatte sein arbeitsreiches Leben beendet. Während seiner 49jährigen Tätigkeit hat er in segensreichster Weise gewirkt und auch die wohl verdiente allseitige Anerkennung sich erworben. Seinen zahlreichen Schülern war er der liebevollste Lehrer, seine kantoralen Leistungen erfreuten sich der größten Aufmerksamkeit und trugen nicht wenig zu der allgemeinen Beliebtheit dieses gottesfürchtigen Mannes bei, welche sich in besonders erhebender Weise auch am offenen Grabe bekundete, an welchem Herr Distriktsrabbiner Dr. Groß, Augsburg, nach einer sehr inhaltsreichen Betrachtung über die 'Wüstenwanderung' und die zu erfüllende 'Bestimmung' des Menschen, den Verblichenen als einen in jeder Beziehung pflichteifrigen, auf seinem Posten als Fackelträger der Kultus stets treu befundenen Beamten, als liebenden Bruder und als fürsorglichen Vater schilderte. Nachdem noch von Seiten der Vorstandschaft des Gesangvereins Kriegshaber, sowie der freiwilligen Feuerwehr, welche beide Vereine in corpore erschienen waren, ihres hoch geachteten Ehrenmitgliedes in ehrendster Weise gedacht worden war, und die Kultusverwaltung Kriegshaber ihrem allzeit treuen Lehrer den gebührenden Dank auch am offenen Grabe abgestattet hatte, war die sehr erhebende Trauerfeier, zu der sich auch mehrere auswärtige Kollegen und namentliche viele Augsburger Freunde und Bekannte des Verblichenen eingefunden hatten, zu Ende. Er ruhe in Frieden!"

   
Zum Tod von Lehrer Leopold Regensburger (1931)  

Kriegshaber BayrGZ 15091931.jpg (64720 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. September 1931: "Vereinsmitteilungen (sc. des Lehrervereins). 1. Am 12. August verstarb Kollege Leopold Regensburger in Kriegshaber bei Augsburg. Geboren im Jahre 1867 in Sulzbürg, waltete er in Treue und Gewissenhaftigkeit in den bayerischen Gemeinden Ermetzhofen bis 1901, Ingolstadt bis 1912 und bis zu seinem Tode in Kriegshaber seines Amtes. Er gehörte zu jenen stillen Naturen, die fern von dem Getriebe der Öffentlichkeit ihren geraden Weg gehen. Unserem Vereine war er seit 1893 ein treues Mitglied. An seinem Grabe sprach Rosenfeld im Namen des Vereines Worte der Liebe und des Gedenkens. In Vertretung des abwesenden Rabbiners zeichnete Kollege Heimann (Augsburg) in formvollendeter Rede ein Lebensbild des Heimgegangenen. Im Namen der Kultusgemeinde Augsburg sprach Kommerzienrat Dann. Wir werden dem treuen Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren."
   
Kriegshaber BayrGZ 01091931.jpg (54509 Byte)Anzeige in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September 1931: "Hiermit erfüllen wir die traurige Pflicht, von dem Ableben unseres langjährigen Lehrers und Kantors Herrn Leopold Regensburger Kenntnis zu geben. Der Entschlafene war 19 Jahre in der Gemeinde Kriegshaber in treuer Pflichterfüllung tätig. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Augsburg, den 13. August 1931. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde."  

       
   
Aus der Geschichte des Rabbinates   
Anzeige von Rabbiner Gugenheimer zur Errichtung eines Privat-Institutes (1844)   

Kriegshaber AZJ 15041844.jpg (61820 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. April 1844: "Anzeige
Ich beabsichtige auf den Grund obrigkeitlicher Ermächtigung die Errichtung eines Privat-Institutes für israelitische Knaben, welches, sobald sich eine hinlängliche Anzahl von Schülern gemeldet haben wird, eröffnet werden soll. Es belieben daher jene Eltern, welche ihre Kinder dieser Anstalt anvertrauen wollen, sich in portofreien Briefen bald möglichst an mich zu wenden, um sodann das Geeignete einleiten zu können. 
Kriegshaber bei Augsburg im April 1844. Aaron Gugenheimer, Distrikts-Rabbiner."

  
Rabbiner Aron Guggenheimer befürwortet rigorose Maßnahmen gegen jüdische Personen, die zur Dultzeit am Sabbat ihren Laden geöffnet haben (1850)  
Anmerkung: der in der (liberal geprägten) "Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienene Artikel gehört in die Zeit der beginnenden Auseinandersetzung zwischen liberal und orthodox geprägten jüdischen Gruppen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Während der Gemeindevorsteher und andere Gemeindeglieder offensichtlich keine Bedenken hat, während der Augsburger Dultzeit (u.a. der Warenmarkt bei der Augsburger Michaeli-Dult Ende September) am Sabbat den Laden zu öffnen, versucht Rabbiner Guggenheimer mit energischen Maßnahmen gegenzusteuern.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. November 1850 (leicht abgekürzt zitiert, zum vollständigen Lesen bitte Textabbildung anklicken): "Aus Bayern, im November. Die Reaktion macht sich allerdings nicht allein von politischer Seite geltend, sondern auch mit allem Nachdruck auf religiösem Gebiete. Fürwahr, unsere Glaubensgenossen haben sich wohl vorzusehen, dass sie dem Geiste des Zelotismus nicht Raum geben, der brudermörderisch im eignen Schoße wühlen würde. Als ein unwiderlegliches Dokument teilen wir Ihnen ein Gesuch eines Rabbinen an ein königliches Landgericht mit, Israeliten, die einmal am Sonnabend ihren Laden geöffnet gehalten, nicht zum Schwure zu lassen, oder doch dass der Rabbiner nicht dabei erscheine, was gleichbedeutend. Zu bemerken ist noch, dass persönliche Motive nachzuweisen sind, und dass derjenigen, gegen welchen der Bannstrahl gerichtet ist, ein höchst achtbarer Mann, Gemeindevorsteher ist.  
Abschrift. 
Königliches Landgericht Göggingen. Gehorsamste Bitte des Distriktsrabbiners Aron Guggenheimer von Kriegshaber N.N. Waarenschuld betreffend.    
Der gehorsamst Unterzeichnete findet sich in Verfolge einer in rubriziertem Betreffe vom königlichen Landgericht erhaltenen Weisung vom 28. September präs. 15. Oktober dieses Jahres veranlasst, folgende angebrachte Vorstellung zu machen. nach mosaischer und traditioneller Lehre ist dem Israeliten auch bei Unterlassung aller Solennitäten der Eid bindend und selbst die Zuziehung eines Rabbiners überflüssig, wie man sich auch schon öfters gutachtlich geäußert hat. Dessen ungeachtet fand man nach den bestehenden Landesgesetzen noch nie einen Grund bei erhaltenen Vorladungen zu Eidesablegungen die königliche Behörde mit
Kriegshaber AZJ 18111850a.jpg (316808 Byte)irgend einer Gegenvorstellung zu behelligen, sondern erschien jederzeit pflichtmäßig, ohne hierin eine Kollision mit den übrigen Berufspflichten zu erblicken. Nicht so verhält es sich im fraglichen Falle, was man auf nachstehende Weise zu begründen glaubt. 
a) Es ist allerdings eine begründete und anerkannte Wahrheit, dass auch Personen, welche in Beobachtung mancher religiöser Vorschriften leichtfertig leben, dennoch die Sünde, die Gottheit bei einer Unwahrheit anzurufen, scheuen, jedoch gibt es Fälle, in welchen der, der den Eid zu leisten hat, wegen Übertretung eines Religionsgesetzes zur Ablegung desselben nicht zugelassen werden kann. 
Nach jüdischem Lehrbegriffe gehört dazu unter anderen Vergehen namentlich die öffentliche Vernachlässigung der Sabbat- und Feiertagsgebote; es ist biblisch, talmudisch und rabbinisch nachzuweisen, dass zwischen demjenigen, welcher die Sabbate durch verbotene Verrichtungen öffentlich entweiht, und dem, der den göttlichen Namen als Zeugnis für eine Unwahrheit auszusprechen wagt, nur der Unterschied ist, dass jener durch die Handlung, dieser durch das Wort sich einer Blasphemie schuldig macht... Michaelis Mosaisches Recht Teil V § 249 S. 108 sagt: 'Nun war aber der Sabbat nach § 195 dem Gott heilig, der Himmel und Erde geschaffen hat, und sollte ein Zeichen sein, dass er der Gott der Israeliten wäre, diesem einzigen wahren Gott, schien man also durch Entheiligung das Sabbats zu entsagen. 
Dr. Frankel 'Der gerichtliche Beweis nach mosaisch-talmudischem Rechte' (Berlin 1846) § 92 S. 125: 'der Übertreter eines biblischen Verbotes, ferner der Übertreter eines auf Geldvorteil sich beziehenden nicht biblischen Verbotes (§ 43-50) ist zur Eidesleistung als verdächtigt nicht zuzulassen.' Hat sich also jemand den erwähnten Fehler zu Schulden kommen lassen, so ist kein hinlänglicher Grund vorhanden anzunehmen, dass derselbe die von Seite des Rabbiners angenommene Admonition gehörig aufgefasst, oder beherzigen wolle.
b) In Erwiderung dieser Momente und in Erwägung des Umstandes, dass seit mehreren Jahren manche Kaufleute israelitischer Religion während der Dultzeit in Augsburg ihre Verkaufsläden an Sams- wie Werktagen offen hatten, fand sich der gehorsamst Unterzeichnete nach wiederholt gemachten vergeblichen Versuchen zur Einstellung dieses Vergehens verpflichtet, in öffentlichen Vorträgen zu erklären, dass er in vorkommenden Fällen nicht ermangeln wird der königlichen Behörde seine Vorstellung zu machen, und dass es mit dem Gewissen des gehorsamst Unterzeichneten streitet, der Eidesleistung eines auf obige Weise gravierten Individuums beizuwohnen.
c) Wenn man nun auch dahingestellt lassen muss, welche Anerkennung die königliche Behörde der jüdischen Jurisdiktion in Beziehung auf den Eid selbst einzuräumen beschließen wird, kann man doch nicht umhin, die innigste Überzeugung auszusprechen, dass die Admonition des Rabbiners in ähnlichen Fällen nichts gewährt, was der Partei, welche darauf anträgt, größere Garantie für die Wichtigkeit des Eides verschafft, und dass es aus obigen Motiven mit den Gesinnungen und der Amtspflicht des gehorsamst Unterzeichneten kollidiert, der Eidesablegung einer Person beizuwohnen, welche auf bemeldete Weise verdächtig ist. Da es nu öffentlich kundig ist, dass N.N. während der jüngst verflossenen Michaelisdult zu Augsburg sein Gewölbe am Sabbat wie andere Werktage zum Verkaufe offen hatte, muss der gehorsamst Unterzeichnete die ergebenste Bitte stellen: Ein königliches Landgericht wolle den gehorsamst Unterzeichneten von der Funktion respektive vom Erscheinen bei der am 29. dieses Monates erfolgen sollenden Eidesablegung des N.N. gnädigst entbinden. 
Eines königlichen Landgerichts ergebenst gehorsamster Aron Guggenheimer, Distriktsrabbiner."     

    
Rabbiner Aaron Guggenheimer ist nun in Mährisch-Aussee (heute Úsov) tätig (1866)    

Kriegshaber Israelit 23051866.jpg (32414 Byte)Aus einem Artikel über Talmudschulen (Jeschiwot) in Bayern in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1866: "in Kriegshaber lebte und wirkte der jetzt in Aussee fungierende Rabbiner Aaron Guggenheimer, dessen religiöse Gesinnung sich am Besten in der Erziehung seines Sohnes, des mutigen Dr. Guggenheimer in Kollin* abspiegelt." 
Anm.: Kollin = Kolín, Neukolin, Stadt in Böhmen; der genannte Sohn, Dr. Joseph Guggenheimer, war von 1861 bis zu seinem Tod 1896 Rabbiner in Kolín in Böhmen; er war verheiratet mit Sara geb. Hirsch, einer 1834 in Oldenburg geborenen Tochter von Samson Raphael Hirsch. . 

   
1862 - Das Rabbinat Kriegshaber ist aufgelöst - die Stelle des Distriktsrabbiners für Augsburg wird ausgeschrieben  

Augsburg AZJ 01071862.jpg (63445 Byte) Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1862: "Das Distriktsrabbinat in Augsburg, zu welchem die nahe gelegenen Kultusgemeinden Kriegshaber, Pfersee und Steppach gehören, ist zu besetzen. Die Stelle wird vorläufig in provisorischer Eigenschaft vergeben. Damit ist - ohne Einrechnung herkömmlicher Gebühren - ein fixer Jahresgehalt von Gulden 1.200 verbunden. Bewerbungen sind unter Beilegung entsprechender Zeugnisse binnen zwei Monaten an den unterzeichneten Ausschuss einzusenden.  
Am 25. Juni 1862. Der Ausschuss der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg."

    
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
25jähriges Bestehen des Wohltätigkeitsvereins der Jünglinge 

Artikel aus der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Juni 1851. Kriegshaber (bei Augsburg), 10. Juni (1851). Vor fünfundzwanzig Jahren am Schewuotfeste (Laubhüttenfest) wurde hier von zwanzig Jünglingen ein Wohltätigkeitsverein gegründet zur Unterstützung dürftiger Mitglieder in Krankheitsfällen, zur Erlernung eines Handwerks, auf der Wanderschaft, bei Militärverpflichtungen usw. 3.000 Gulden hat der Verein ausgegeben und 2.000 Gulden besitzt er als sichern Fonds. Was Wunder, dass wir ein schönes Jubelfest feierten. Wir spendeten eine Schulchandecke in den Tempel, wohin diese in feierlichem Zuge mit Musikbegleitung gebracht wurde. Abends Festessen und Ball, wobei der Armen gedacht wurde."

  
Judenfeindschaft auf Grund antisemitischer Hetzschriften (1870)

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1870: "Augsburg, im Januar. Vorige Woche nachmittags 4 Uhr ging der israelitische Handelsmann G. von Kriegshaber nach Steppach nach Hause, als er plötzlich von einem vorüberfahrenden Bauern derart mit der Peitsche geschlagen wurde, dass ihm das Blut übers Gesicht strömte und der Getroffene in Gefahr war, ein Auge zu verlieren. Der Täter begleitete seine Heldentat mit den Worten: 'Du S.....-Jud' und führ davon. Charakteristisch ist es, dass derselbe Bauer einen, um dieselbe Zeit vorübergehenden christlichen Schuhmacher ebenso misshandelte, weil er glaubte, auch dieser sei ein Jude. - Für die Wahrheit dieser Tatsache wird garantiert. Man sieht übrigens darauf, dass die Volksboten-Lektüre überall Früchte trägt, und wahrlich, sie können zufrieden sein, Volksboten-Zander und Vaterland-Sigl mit diesen Früchten, die aus der blutigen Saat des Religionshasses hervorgehen. Wann wird man dem Treiben dieser Schandblätter ein Ende machen?!"

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  

Das Erbe des Julius Liebschütz aus Kriegshaber kommt der jüdischen Gemeinde in München zugute (1865)

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1865: "München, den 25. Juni (1865). Vor einigen Tagen starb hier ein Juwelier, namens Julius Liebschütz aus Kriegshaber, der sich seit einigen Jahren beständig hier aufgehalten hatte. Da derselbe niemals verheiratet gewesen war, so hinterließ er sein großes Vermögen im Betrage von 200.000 Gulden seinem Bruder, jedoch nur in Niesnutz, mit der Bestimmung, dass nach dem Ableben seines Bruders das gesamte Vermögen dem Vorstande der hiesigen israelitischen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden solle und zwar zur Gründung einer Versorgungsanstalt für altersschwache und arbeitsunfähige bayrische Israeliten. So hat also unser Land die erfreuliche Aussicht, in den Besitz eines überaus wohltätig wirkenden Instituts zu kommen; an den Namen des edlen Testators aber wird sich stets gesegnetes und dankbares Erinnern knüpfen."

    
    
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Geschäftsbrief von Kriegshaber nach Ichenhausen (1853)  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Kriegshaber Dok 180.jpg (88884 Byte) Kriegshaber Dok 180a.jpg (67388 Byte)
  Absender des Briefes waren die (jüdischen Gemeindeglieder in Kriegshaber) 
Gebr. Feist & M. Götz in Kriegshaber; der Brief wurde am 21. Dezember 1853 
an Israel Koschland in Ichenhausen verschickt. 

   
    
    

Zur Geschichte der Synagoge

Ein erster Betsaal war in dem um 1570 errichteten "Judenhaus" eingerichtet. Hundert Jahre später (1675) wird von "Exzessen" gegen die Synagoge in Kriegshaber durch Schüler von St. Salvator in Augsburg berichtet. Dieser erste Betsaal war im 19. Jahrhundert noch vorhanden, da nach dem unten zitierten Bericht von 1867 nach der vorübergehenden Schließung der alten Synagoge in den 1840er-Jahren ein noch aus Verfolgungszeiten bestehender älterer Betsaal für die Gottesdienste verwendet wurde.    
   
Um 1680/85 wurde eine neue Synagoge im Obergeschoss des Hauses von Baruch Günzburger eingerichtet. Diese Synagoge wurde in den 1840er-Jahren als ca. 160 Jahre alt bezeichnet. Um 1730/49 wurde das Gebäude restauriert oder umgebaut. Damals wurden auch neue Torarollen eingeweiht (1739). 1791 kam das bis dahin noch hälftig der Familie Günzburger gehörenden Gebäude ganz in den Besitz der jüdischen Gemeinde. 
 
1843 bis 1846 plante man eine neue Synagoge, nachdem die alte Synagoge baufällig geworden war und geschlossen werden musste. Man kaufte ein für den Bau geeignetes Grundstück gegenüber der bisherigen Synagoge und verlegte die Gottesdienste in den oben genannten, noch älteren Betsaal der Gemeinde im Dachgeschoss eines jüdischen Hauses. Der Auftrag zur Planung der neuen Synagoge wurde an den bekannten Münchner Oberbaurat/Architekten Friedhof von Gärtner vergeben. Sein Schüler und Mitarbeiter Johann Moninger führte den Plan aus, der 1846 von König Ludwig I. genehmigt wurde. Nachdem in den folgenden Jahren die starke Abwanderung jüdischer Familien aus Kriegshaber einsetzte, wurde der Bau nicht realisiert. Die alte Synagoge wurde mit Eisenklammern gesichert und wieder für den Gottesdienst geöffnet (siehe Bericht unten von 1867). Das für den Neubau der Synagoge gekaufte Grundstück wurde an die katholische Kirchengemeinde verkauft, die hier die neue Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit erbaute (Einweihung 1868, Ulmer Straße 199).    
 
Die alte Synagoge wurde - nachdem man die Neubaupläne aufgegeben hatte - 1862/63 gründlich renoviert und diente nochmals über mehrere Jahrzehnte als Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Kriegshaber. Auch nachdem kurz vor dem ersten Weltkrieg kaum noch 40 jüdische Personen am Ort lebten, wurde die Synagoge 1913 nochmals restauriert. Dabei wurden die beim Umbau 1862/63 eingebauten Glasfenster durch eine einfache Verglasung ersetzt. Der Männerbetsaal erhielt neue Sitzbänke u.a.m.

Beim Novemberpogrom 1938 geschah der Synagoge nur wenig (eine Scheibe eingeworfen). Da die Wohnung unter der Synagoge bereits einem nichtjüdischen Bürger des Ortes gehörte, blieb das Gebäude offenbar vor weiteren Übergriffen verschont. So konnte die Synagoge in Kriegshaber, nachdem die Synagoge in der Augsburger Halderstraße seit der Pogromnacht unbenutzbar war, ab Dezember 1938 für Gottesdienste der Augsburger jüdischen Gemeinde verwendet werden.  

1945 wurde im Synagogengebäude eine "Fachumbildungswerkstätte" für jüdische Auswanderer nach Palästina eingerichtet. Im Betsaal trafen sich jüdische US-Soldaten für Gottesdienste. 1955 kam das Gebäude nach Abwicklung des Restitutionsverfahrens in den Besitz der Stadt Augsburg. Das Gebäude wurde in den folgenden Jahrzehnten unterschiedlich genutzt (griechisch-orthodoxe Kirche, dann Lagerhalle). Seit 2006 gibt es Bemühungen, die ehemalige Synagoge, in der u.a. der Toraschrein und die Frauenempore erhalten blieben, zu restaurieren und einer würdigen Nutzung zuzuführen.

Texte aus der Geschichte der Synagoge    
Trauergottesdienst für besondere Persönlichkeiten in der Synagoge (1864)

Kriegshaber AZJ 29031864.jpg (47900 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. März 1863: "Herr Dr. Hirschfeld hat in der Synagoge zu Kriegshaber, dem ehemaligen Rabbinatssitze des Distriktes, einen Trauergottesdienst für den Prediger Dr. Sachs in Berlin und den gelehrten Theologen Herrn Emanuel Isak Hirschfeld, Vater unseres Rabbinen, abgehalten und die außerordentlich große Zuhörerschaft, während eines siebenviertelstündigen Vortrags, durch seine glänzende und tief ergreifende Beredsamkeit wahrhaft gefesselt und erschüttert."

    
Über die Schwierigkeiten auf dem Weg zu Bau einer neuen Synagoge (Artikel von 1867) 

Kriegshaber Israelit 03071867.jpg (184324 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1867: "Augsburg, im Juni (1867). Zur Warnung vor ähnlichem Vorgehen kann ich nicht umhin, den geehrten Lesern Ihres Blattes eine Mitteilung sehr betrübenden Inhalts zu machen. In unserer israelitischen Nachbargemeinde Kriegshaber nämlich war es schon vor vielen Jahren wegen Baufälligkeit der dortigen Synagoge beschlossen, eine neue zu bauen. Es wurden die nötigen Schritte eingeleitet und Maßregeln getroffen. Unter anderem wurde auch ein Platz angekauft, vorzüglich gelegen (gegenüber der alten dermaligen Synagoge) um den Preis von 1.200 oder 1.500 Gulden. Der unlängst in München durch ein Monument geehrte, verstorbene königliche Oberbaurat von Gärtner hatte um den Preis von 300 Gulden den Plan entworfen und Seine Majestät König Ludwig I. auf von Gärtner's Verwendung ihn genehmigt. Der in Kriegshaber damals noch fungierende Distriktsrabbiner, Herr Aron Guggenheimer, hatte bereits Abschied genommen von der damals circa 160 Jahre alten Synagoge. Sie wurde auf Antrag einer Kommission der Baubehörde wegen ihrer Baufälligkeit geschlossen; man benützte zum Gottesdienste eine aus den Vertreibungszeiten noch herrührende, hiezu, natürlich insgeheim, eingerichtete Dachstube; aber vom Neubau ist keine Rede. Die Kultusvorstände hatten gegen die erste Kommission rekurriert und die alte Synagoge wird - wieder eröffnet!! - und unverändert, bloß mit eisernen Klammern befestigt, wieder in ihre Würde eingesetzt! Erst vor circa 4 bis 5 Jahren wurde sie gründlich (in des Wortes verwegenster Bedeutung) renoviert. Es wurden z.B. recht schöne farbige Glasfenster eingesetzt; die massiven altertümlichen Leuchter wanderten in alle Welt und eiserne Reife traten an die Stelle; die Betstühle mussten vermindert, der Almemor kleiner werden; kurz ein förmliches Chaos, ein Tohu waBohu trat ein, und das heißt zusammen eine Restauration. Aber das Nachfolgende übertrifft Alles bis jetzt dagewesene. Der katholischen Gemeinde in Kriegshaber war ihre Kirche zu klein geworden. Sie hatte bereits neben dem Platze zur Synagoge ein bedeutendes Grundstück von einem Bauern zur Erbauung einer neuen Kirche zum Geschenke erhalten (gegenüber einem Kohn in Nürnberg, welcher seinen Platz nicht ums Geld zu einer Synagoge hergeben mag) und ein ziemlich großes Pfarrhaus hingestellt. Was lag näher, als auch den Synagogenplatz der Judengemeinde anzukaufen, und zur Vergrößerung des Ersteren brauchbar zu finden. Es geschah, über den Preis war man bald einig, und jetzt erheben sich da die Mauern einer christ-katholischen Kirche - Schönheit unseres Bodens für Fremde. Solche Handlungen können nur in Gemeinden geschehen, die wie eine Herde ohne Hirten sind. Darum möge hier die Eingangs bezeichnete Warnung wiederholt sein."

   
Adresse/Standort der Synagoge
Ulmer Straße 228

Fotos / Abbildungen 

Historische Aufnahmen

Kriegshaber BayrGZ 01041929.jpg (113846 Byte)  Kriegshaber BayrGZ 15041929.jpg (97747 Byte)
Theodor Harburger, der Ende der 1920er-Jahre u.a. zahlreiche Ritualien aus dem Besitz der jüdischen Kriegshaber fotografiert hat, hat bereits damals mehrere seiner Fotografien veröffentlicht und beschrieben; oben aus Beiträgen in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. und 15. April 1929. Weitere Fotos von Harburger werden noch ergänzt.
  

Historische Ansichtskarte von 1917 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)

 
Kriegshaber Synagoge 181.jpg (139204 Byte) Kriegshaber Synagoge 180.jpg (155827 Byte) Kriegshaber Synagoge 182.jpg (109241 Byte)
 Die Karte wurde am 9. August 1917 
von Augsburg 12 nach Legau versandt.
Blick auf die Synagoge Eingangstor
     

      

Fotos von 2004 
(Jürgen Hanke, Kronach; www.synagogen.info)
Kriegshaber Synagoge 205.jpg (38663 Byte) Kriegshaber Synagoge 206.jpg (48838 Byte)
     Blick auf die an der Ulmer Straße in Kriegshaber stehende ehemalige Synagoge  Eingang zur Synagoge
   
        
Historische und aktuelle Fotos werden noch ergänzt; über Zusendungen freut sich der Webmaster von "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.  
     

     
Aktuelle Berichte zur anstehenden Sanierung und weiteren Nutzung der ehemaligen Synagoge 

Juni 2009: Die Sanierung der ehemaligen Synagoge ist ein dringendes Vorhaben     
Artikel von Andrea Baumann in der "Augsburger Allgemeinen" vom 18. Juni 2009: 
"Für die Synagoge steht es 'fünf vor zwölf'.
Kriegshaber
'Wenn Geld da wäre, würden wir sofort beginnen.' Baureferent Gerd Merkle weiß, dass die Sanierung der Synagoge in der Ulmer Straße dringend angepackt werden muss. Das unscheinbare, weiß gestrichene Haus zerfällt zusehends. Da seit kurzem auch die ehemalige Rabbinerwohnung im Erdgeschoss leer steht, befürchtet Merkle in dem städtischen Gebäude obendrein Vandalismus. 
Nach den Vorstellungen der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum soll die Kriegshaber Synagoge als Dependance ihres Innenstadt-Gotteshauses dienen. Denkbar sind Ausstellungen, etwa die Darstellung ländlichen Judentums, sowie pädagogische Angebote. In der Wohnung finden Schulungsraum, Bibliothek und Teeküche Platz. Der Saal im ersten Stock kann für Veranstaltungen genutzt werden. 
Die Entwurfsplanung für die 1850 erbaute Synagoge steht. Demnach müssen rund 1,5 Millionen Euro für die Sanierung in die Hand genommen werden. Im aktuellen Haushaltsjahr seien dafür keine Gelder vorgesehen, sagt Merkle. Er strebt nun an, im Nachtragshaushalt zumindest eine Verpflichtungsermächtigung für 2010 zu verankern. 'Dies bedeutet, das noch heuer die Arbeiten ausgeschrieben und im nächsten Jahr zügig begonnen werden können.' 2010, das ein 'sehr schwieriges Haushaltsjahr werden wird', möchte der Referent eine halbe Million Euro unterbringen, 2011 dann den Rest. 
Vorhaben ist Teil des Stadtumbaus West. Gerd Merkle geht davon aus, dass die Stadt die Instandsetzung nicht alleine schultern muss. Mit Zuschüssen - etwa vonseiten der Städtebauförderung oder der Denkmalpflege - sei zu rechnen. Ob Sponsoring-Aktionen das Vorhaben zusätzlich unterstützen, ist derzeit nicht bekannt. Eines ist nach Angaben des Stadtbaurats jedoch sicher: 'Die Synagoge in der Ulmer Straße ist Teil der Planungen des Stadtumbaus West.' Wie berichtet, soll Kriegshaber von dem Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm profitieren. Ziel ist es, städtebauliche Probleme zu bewältigen und Impulse für neue Entwicklungen zu setzen. Schließlich hat kein anderer Stadtteil in den vergangenen Jahren sein Gesicht so verändert wie Kriegshaber, das durch die Umwandlung amerikanischer Kasernen- und Wohnflächen immens gewachsen ist. 
Auch die Bürger Kriegshabers können ihre Ideen und Wünsche für den Umbau ihres Lebensumfelds äußern. Im März fand dazu eine Auftaktveranstaltung mit dem in Augsburg bereits gut bekannten Moderationsteam des Vereins 'Urbanes Wohnen' statt. Derzeit laufen laut Merkle die Voruntersuchungen für das sogenannte Mapag-Gelände zwischen Friedhof und Spectrum. Die Synagoge zähle zu diesem Planungsgebiet, das sich bis zur Gieseckestraße auf der anderen Seite der Ulmer Straße erstreckt. Zu den Top-Themen des Stadtumbaus zählen auch die künftige Nutzung der alten Kuka-Hallen sowie das geplante Nahversorgungszentrum im Norden des Reese-Areals."   
   
April 2010: Die Sanierung der ehemaligen Synagoge soll noch in 2010 beginnen   
Kriegshaber Synagoge 710.jpg (42053 Byte)Foto: Innenaufnahme der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber     
Artikel von Andrea Baumann in der "Augsburger Allgemeinen" vom 9. April 2010 (Artikel): 
"Sanierung der Synagoge soll heuer beginnen. 
Kriegshaber.
Die Frühlingssonne hat an den Rosenstöcken vor dem unscheinbaren Gebäude in der Ulmer Straße bereits erste Knospen spießen lassen. Bald stehen die Dornengewächse wieder in schönster Blüte. Beim Haus dahinter ist es mit wärmenden Sonnenstrahlen nicht getan. Um es wieder erblühen zu lassen, sind umfangreiche Sanierungsarbeiten fällig: Rund 1,55 Millionen Euro soll die Instandsetzung der Synagoge Kriegshaber kosten. Die Zeit drängt aus Sicht der Baufachleute: Die lange Frostperiode hat die ohnehin schon gravierenden Schäden nochmals verschlimmert. Ohne den Davidstern über dem Eingang und den kirchentypischen Fenstern im Obergeschoss käme kein Außenstehender auf die Idee, dass in dem Haus mit der weißen Fassade über Jahrhunderte jüdische Mitbürger ihre Religion ausübten. 'Betreten dieses Grundstücks verboten', steht auf einer Tafel. Norbert Reinfuss, Vizechef des städtischen Hochbauamts, sperrt an diesem Nachmittag die Tür auf, um den Zutritt zu ermöglichen. Über eine Treppe gelangen er und seine Kollegen vom Stadtplanungsamt in den ersten Stock, wo das Ausmaß der Schäden sofort sichtbar wird: überall durchfeuchtete Wände und bröckelnder Putz. Bauforscher haben die Schichten an den Wänden teilweise freigelegt und den Boden des Gebetsraums aufgegraben. 'Hier geht es richtig zur Sache', sagt Reinfuss. Und er meint damit die Untersuchungen im Vorfeld der Sanierung. Die Boden-Buddeleien konnten erst begonnen werden, als die langjährigen Mieter 2009 die darunterliegende ehemalige Rabbiner-Wohnung verließen.
Dependance des Museums in der Halderstraße. Schon seit zehn Jahren befasst sich Norbert Reinfuss mit den Restaurierungsplänen für die Synagoge. Was er als Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes begann, hofft er nun im neuen Amt umsetzen zu können. 'Wir sind ganz dicht dran. Die komplette Entwurfsplanung und die Kostenberechnung stehen.' Die Gesamtkosten hat Architekt Matthias Paul mit rund 1,55 Millionen Euro veranschlagt. Ziel ist es laut Reinfuss, die Hälfte über Zuschüsse des Landesamts für Denkmalpflege und der Städtebauförderung zu finanzieren.
Nach den Plänen der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum soll die Kriegshaber Synagoge als Dependance des Innenstadt-Museums dienen. Denkbar sind Ausstellungen. In der Wohnung finden Schulungsraum und Bibliothek Platz. Den Saal sollen Bürger und Vereine in Kriegshaber für Veranstaltungen, die der Würde des Ortes entsprechen, nutzen können. Schließlich bleiben religiöse Elemente wie der Thora-Schrein erhalten.
Oberste Priorität für Baureferent Merkle. Baureferent Gerd Merkle geht davon aus, dass die Sanierungsarbeiten ausgeschrieben werden, wenn der städtische Haushalt rechtskräftig wird. Für heuer seien 287 000 Euro vorgesehen, der Rest steht 2011 als Verpflichtungsermächtigung im Etat. Das heißt, eine Vergabe der Arbeiten ist noch 2010 möglich. Für Merkle genießt die Restaurierung der Synagoge nicht nur wegen des fortschreitenden Verfalls oberste Priorität. Als erster Schritt der Instandsetzung des gesamten Areals werte das Gebäude auch die Ulmer Straße auf. So wie es bald die Rosen entlang der Fassade tun."  
   
November 2010: Einstimmiger Beschluss des Stadtrates für die Sanierung der ehemaligen Synagoge     
Kriegshaber PA 112010a.jpg (33704 Byte)Foto links von Pössel: Die ehemalige Synagoge in der Ulmer Straße ist in einem schlechten Zustand. Jetzt ist die Instandsetzung in greifbare Nähe gerückt.  
Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 8. November 2010 (Artikel): "Sanierung der Synagoge steht bevor.
Kriegshaber
Einstimmig hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die Weichen für eine Sanierung der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber gestellt. Ein Großteil der Instandsetzungskosten in Gesamthöhe von 1,6 Millionen Euro ist durch Zuschüsse des Landesamts für Denkmalpflege und der Städtebauförderung gesichert. Baureferent Gerd Merkle gibt sich zuversichtlich, dass die Arbeiten nicht am städtischen Eigenanteil von rund 420 000 Euro scheitern. Das Vorhaben werde besonders von Oberbürgermeister Gribl, der aus Kriegshaber stammt, unterstützt, sagte er. 
Seit vielen Jahren warten die Bürger in Kriegshaber sowie die Stiftung Jüdisches Kulturmuseum als künftige Nutzer auf die Sanierung des Gebetshauses an der Ulmer Straße. Dass die Zeit drängt, ist auch den Baufachleuten bewusst. Jeder frostige Winter setze dem maroden Gebäude noch mehr zu. Laut Merkle steht jetzt der Zeitplan. Die Anträge für die Zuschüsse seien gestellt. Darüber hinaus sei auch die Ausschreibung für die verschiedenen Maßnahmen in Arbeit. Heuer soll das Gebäude noch so gesichert werden, dass es gut über den Winter kommt.
Die für die Bürger sichtbare Sanierung wird nach seinen Plänen nach der Frostperiode im März oder April beginnen. Der Referent geht von einer Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren aus, sodass mit einer Fertigstellung Ende 2012 oder Anfang 2013 zu rechnen ist.
Dependance des Museums in der Halderstraße. Nach einem Beschluss des Kulturausschusses wird die Synagoge nach der Restaurierung der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben mietfrei zur Verfügung gestellt. Sie will die Räume als Dependance ihres Innenstadtmuseums in der Halderstraße nutzen. Geplant sind Ausstellungen, in der früheren Wohnung finden ein Schulungsraum und eine Bibliothek Platz. Daneben sollen Bürger und Vereine im Stadtteil den Saal für Veranstaltungen nutzen, die der Würde des Ortes entsprechen. Schließlich bleiben religiöse Elemente wie der Thora-Schrein erhalten. (bau)"
 
 

    
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Augsburg     
Website des Jüdisch-Historischen Vereins Augsburg   

Literatur:  

Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 639-640.    
Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu.    (mit umfassenden Quellen- und Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Kriegshaber S. 494-503.
Informationen zu der aus Kriegshaber stammenden Familie Benedict (zusammengestellt von Rolf Hofmann, Stuttgart):     
-   Family sheet Baruch Benedict of Kriegshaber + Stuttgart    
-  
Family sheet Sir Julius Benedict of Stuttgart + Naples (Italy) + London   
Informationen zu der aus Kriegshaber stammenden Familie Skutsch (Rabbiner David Skutsch, gest. 1780) (zusammengestellt von Rolf Hofmann, Stuttgart):    
-   Family sheet Skutsch Family of Kriegshaber          
Sabine Ullmann: Nachbarschaft und Konkurrenz: Juden und Christen in Dörfern der Markgrafschaft Burgau 1650 bis 1750. Vandenhoeck und Ruprecht Göttingen. 563 Seiten. 1999. 64.50 €. ISBN 10-3525354665. 
Michael Schneeberger: Die Juden von Kriegshaber in Augsburg. Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern (20). In: Jüdisches Leben in Bayern 23. Jahrgang Nr. 106 - April 2008 S. 33-42.  

               


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Kriegshaber  Swabia. The community was probably founded in the 14th century by Augsburg Jews fleeing the Black Death persecutions of 1348-49; others expelled from Augsburg arrived in 1438-40. The community grew further with the arrival of Jews expelled from the Burgau margravate in 1617. Jews numbered 402 in 1737, with such well-known Court Jews as the Maendle family active there. The community dwindled in the first half of the 19th century, with the growth of the new Augsburg community, to which it was attached in 1916.            
    

   

                   
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Stand: 28. Oktober 2011