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Synagogen in Bayerisch Schwaben
Kriegshaber (Stadt
Augsburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts zu
unterschiedlichen Grundherrschaften gehörenden Kriegshaber bestand eine
jüdische Gemeinde bis 1916. Danach gehörten die hier lebenden jüdischen
Personen zur Gemeinde in Augsburg.
Die Entstehung der jüdischen Gemeinde
Kriegshaber geht in die Zeit Mitte des 16. Jahrhunderts zurück, doch
könnten sich bereits zuvor Juden am Ort niedergelassen haben (1438 wurden die
Augsburger Juden vertrieben; 1553 wurden die Juden aus dem Herzogtum Bayern
vertrieben). Erste
Nennungen jüdischer Bewohner stammen aus den Jahren um 1565/70. Die
jüdischen Familien konnten außerhalb des Weilers Kriegshaber an der von
Augsburg nach Ulm führenden Reichsstraße (Ulmer Straße) ihre Häuser bauen.
Hier standen sie auf Grund der von den Habsburgern (Markgrafschaft Burgau)
beanspruchten Gassengerichtsbarkeit unter vorderösterreichischem Schutz. Die
Judenvertreibung durch Markgraf Karl von Burgau 1617 betraf nicht die
Juden in Kriegshaber. Im Gegenteil ließen sich einige aus Burgau und
Günzburg vertriebene jüdische Familien in Kriegshaber nieder. Das an der
Landstraße stehende Zollhaus wurde einem Schutzjuden überlassen. 1653 waren 6
bis 7 jüdische Familien am Ort. 1704 wurden bereits 62 jüdische Familien gezählt.
1730 lebten 326 jüdische Personen in Kriegshaber (über 50 % der
Einwohnerschaft). Religiös und politisch waren die Christen- und Judengemeinde
am Ort getrennt (jeweils eigene Verwaltung). 1737 wurden 402, 1738 415
jüdische Einwohner gezählt (Höchstzahl jüdischer Einwohner am Ort), die
(1750) in 64 Haushaltungen lebten. Die jüdischen Familien wohnten teilweise in
charakteristischen drei- und viergeschossigen Mehrfamilienhäusern entlang der
Ulmer Straße und an der heutigen Giesekestraße. Ihren Lebensunterhalt
verdienten die jüdischen Haushaltsvorstände beim Handel mit Vieh (aber auch
durch Viehzucht) und Waren aller Art (Eisen, Uhren, Textilien). Mitglieder der
Familie Mändle (Mendle) waren im 18. Jahrhundert zeitweise Hauptlieferanten von
Pferden und Ausrüstungsgegenständen für das kurbayerische Heer und wurden zu
Hoffaktoren der Kurfürsten von Bayern ernannt. In der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts werden auch weitere Juden aus Kriegshaber als Hoffaktoren genannt.
Einzelne jüdische Ärzte begegnen in Urkunden der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts.
Zu Kriegszeiten (1641-48, 1702-04, 1742/43 konnten sich die jüdischen Familien,
nachdem immer wieder ihre Häuser zerstört wurden, zeitweise in Augsburg
niederlassen, wurden jedoch, sobald die Zeiten wieder ruhiger waren, wieder
ausgewiesen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde zunächst einen Betsaal
beziehungsweise seit Ende des 17. Jahrhunderts eine Synagoge (s.u.) sowie eine Schule, ein rituelles Bad
(im Keller eines jüdischen Privathauses bei der Synagoge, 1840 in jüdischem
Gemeindebesitz und als Wohnhaus mit "Tauche" genannt) sowie einen
Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde gab es bereits im 17.
Jahrhundert einen Rabbiner am Ort. Er war auch Distriktsrabbiner für die im
weiteren Umkreis liegende jüdische Gemeinden (u.a. Binswangen). Unter den
Rabbinern werden im 18./19. Jahrhundert genannt: David Skutsch (Dajan, gest. 1780),
Pinkas Skutsch
(gest. 1819), Aaron Guggenheimer (Rabbiner von 1819/20 bis 1857).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1809/10 295 jüdische Einwohner (28,0 % von insgesamt 1.055
Einwohnern), 1811/12 243 (23,8 % von 1.019), 1867 156 (10,0 % von 1.593), 1880
101 (4,9 % von 2.075), 1890 87 (3,2 % von 2.709), 1900 45 (1,6 % von 2.812),
1910 42 (1,0 % von 4.402).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen
Einwohner vor allem durch die Abwanderung nach Augsburg und München stark
zurück, sodass bereits um 1900 die Auflösung der Gemeinde abzusehen war. In
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war prägende Gestalt des jüdischen
Gemeindelebens der Lehrer und Vorbeter Moritz Maier, der von 1856 bis
1905, also fast 50 Jahre lang, in der Gemeinde wirkte. Nach seinem Tod wurde in
den folgenden Jahren die Stelle offenbar noch mehrmals zu besetzen versucht, bis
1916 mit der Auflösung der selbständigen Kultusgemeinde Kriegshaber die
Betreuung der hier noch lebenden jüdischen Familien von Augsburg aus
vorgenommen wurde.
Von den in Kriegshaber 1933 noch lebenden ca. 40-50 jüdischen Personen ist ein
großer Teil auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts emigriert (Palästina, England, Amerika oder
Südafrika). Die letzten der am Ort noch lebenden jüdischen Personen wurden
1942 deportiert.
Von den in Kriegshaber geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Siegfried Aufhauser (1874),
Albert Dick (1876), Rosa Dick geb. Marx (1880), Emma Ehrlich geb. Mendle (1881),
Ida Einstein (1890), Isaak Einstein (1884), Heinrich Einstein (1878), Hermann Einstein (1880), Max Einstein
(1876), Mina Einstein (1889), Moritz Einstein (1886), Fanny Mendle (1874), Hermann Mendle
(1883), Hedwig Zebrak (1925), Jenny Zebrak geb. Slon (1890), Josef Zebrak
(1877), Paula Zebrak (1930), Rosa Zebrak (1927).
Anmerkung: Bei Yad Vashem werden unter Ort "Kriegshaber" nur zwei
Personen genannt, im Gedenkbuch drei; die übrigen stehen unter "Augsburg".
Von September 1944 bis Kriegsende waren 500 ungarische Jüdinnen aus dem KZ
Auschwitz in Kriegshaber, um unter schwersten Lebens- und Arbeitsbedingungen in
den zu Rüstungszwecken umgebauten Maschinenfabriken zu arbeiten.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1907 /
1908 / 1910
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1907: "Die
hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist ab 1. Mai 1907,
bei einem fixen Gehalt von Mark 800.-, ferner Mark 700.- Nebenverdienst
(unter Garantie) zu besetzen.
Unverheiratete Bewerber wollen ihre Offerte baldigst an die israelitische
Kultusgemeinde Kriegshaber (1/2 Stunde von Augsburg entfernt) einsenden,
geb. Bayer erhält den Vorzug.
Kriegshaber. Der Kultusvorstand.
David Mendle senior." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1907: "Die
hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist bei einem
Einkommen von Mark 1.500.- baldigst zu besetzen.
Unverheiratete Bewerber wollen ihre Offerte baldigst an die israelitische
Kultus-Gemeinde Kriegshaber (1/2 Stunde von Augsburg entfernt) einsenden.
Inländer bevorzug.
Kriegshaber.
Der Kultus-Vorstand David Mendle sen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1908:
"Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist bei
einem Einkommen von Mark 1.500 per sofort oder später zu besetzen.
Bewerber wollen ihre Offerten baldigst an die Israelitische
Kultusgemeinde, Kriegshaber, 1/2 Stunde von Augsburg entfernt,
einsenden.
Der Vorstand David Mendle sen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1910: "In
hiesiger Gemeinde, eine Viertelstunde von Augsburg entfernt, ist die
Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schächters per 1. Juli
zu besetzen. Definitives Jahresgehalt Mark 800, sowie garantiertes
Nebeneinkommen von Mark 700. Meldungen von nur deutschen
Reichsangehörigen sind unter Beifügung von Zeugnissen an den
Unterzeichneten zu richten.
David Mendle sen., Kultus-Vorstand, Kriegshaber." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Juni 1912:
"In hiesiger Gemeinde, 1/4 Stunde von Augsburg entfernt, mit der
Stadt durch die elektrische Straßenbahn verbunden, ist die Stelle
eines
Religionslehrers, Kantors und Schächters
per 1. Juli oder später zu besetzen. Definitives Jahres-Gehalt ohne
Nebeneinkommen Mark 2.000.- Reisespesen werden dem Probekandidaten
vergütet. Offerten sind unter Beifügung von Zeugnisabschriften zu
richten an den
Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Kriegshaber.
David Mendle sen." |
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| Ausschreibung der Stelle des
Synagogendieners 1872 sowohl in der orthodoxen Zeitschrift "Der
Israelit" als auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Mai 1872:
"Bekanntmachung. In hiesiger israelitischer Kultusgemeinde ist
die Stelle eines Synagogendieners (Schames) erledigt. Mit dieser Stelle
ist ein fixer Gehalt von Gulden 100.- nebst garantiertem Nebenverdienst
von Gulden 100.- und freier Wohnung verbunden. Bewerber wollen sich sofort
bei der Unterzeichneten melden. Kriegshaber bei Augsburg, 15. Mai 1872.
Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Kriegshaber." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" von 28. Mai 1872:
"Bekanntmachung. In hiesiger israelitischer Kultusgemeinde ist
die Stelle eines Synagogendieners (Schames) erledigt.
Mit dieser Stelle ist ein fixer Gehalt von Gulden 100.- nebst garantiertem
Nebenverdienst von Gulden 100.- und freier Wohnung verbunden. Bewerber
wollen sich sofort bei der Unterzeichneten melden.
Kriegshaber bei Augsburg, 15. Mai 1872. Die Verwaltung der
israelitischen Kultusgemeinde Kriegshaber." |
Zum Tod des Lehrers und Kantors Moritz Maier (1905)
- Lehrer in Kriegshaber von 1856 bis 1905
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1905:
"Augsburg, 2. Juli. Am 20. dieses Monats schloss in der
Nachbargemeinde Kriegshaber ein hoch geachteter, sehr verdienter
Mann ein müdes Auge: Herr Moriz Maier, Lehrer und Kantor dieser
Gemeinde, hatte sein arbeitsreiches Leben beendet. Während seiner
49jährigen Tätigkeit hat er in segensreichster Weise gewirkt und auch
die wohl verdiente allseitige Anerkennung sich erworben. Seinen
zahlreichen Schülern war er der liebevollste Lehrer, seine kantoralen
Leistungen erfreuten sich der größten Aufmerksamkeit und trugen nicht
wenig zu der allgemeinen Beliebtheit dieses gottesfürchtigen Mannes bei,
welche sich in besonders erhebender Weise auch am offenen Grabe bekundete,
an welchem Herr Distriktsrabbiner Dr. Groß, Augsburg, nach einer sehr
inhaltsreichen Betrachtung über die 'Wüstenwanderung' und die zu
erfüllende 'Bestimmung' des Menschen, den Verblichenen als einen in jeder
Beziehung pflichteifrigen, auf seinem Posten als Fackelträger der Kultus
stets treu befundenen Beamten, als liebenden Bruder und als fürsorglichen
Vater schilderte. Nachdem noch von Seiten der Vorstandschaft des
Gesangvereins Kriegshaber, sowie der freiwilligen Feuerwehr, welche beide
Vereine in corpore erschienen waren, ihres hoch geachteten Ehrenmitgliedes
in ehrendster Weise gedacht worden war, und die Kultusverwaltung
Kriegshaber ihrem allzeit treuen Lehrer den gebührenden Dank auch am
offenen Grabe abgestattet hatte, war die sehr erhebende Trauerfeier, zu
der sich auch mehrere auswärtige Kollegen und namentliche viele
Augsburger Freunde und Bekannte des Verblichenen eingefunden hatten, zu
Ende. Er ruhe in Frieden!" |
Zum Tod von Lehrer Leopold Regensburger
(1931)
Artikel
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
September 1931: "Vereinsmitteilungen (sc. des Lehrervereins). 1. Am
12. August verstarb Kollege Leopold Regensburger in Kriegshaber bei
Augsburg. Geboren im Jahre 1867 in Sulzbürg, waltete er in Treue und
Gewissenhaftigkeit in den bayerischen Gemeinden Ermetzhofen
bis 1901, Ingolstadt bis 1912 und bis zu seinem Tode in Kriegshaber seines
Amtes. Er gehörte zu jenen stillen Naturen, die fern von dem Getriebe der
Öffentlichkeit ihren geraden Weg gehen. Unserem Vereine war er seit 1893
ein treues Mitglied. An seinem Grabe sprach Rosenfeld im Namen des
Vereines Worte der Liebe und des Gedenkens. In Vertretung des abwesenden
Rabbiners zeichnete Kollege Heimann (Augsburg) in formvollendeter Rede ein
Lebensbild des Heimgegangenen. Im Namen der Kultusgemeinde Augsburg sprach
Kommerzienrat Dann. Wir werden dem treuen Kollegen ein ehrendes Andenken
bewahren." |
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Anzeige
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
September 1931: "Hiermit erfüllen wir die traurige Pflicht, von dem
Ableben unseres langjährigen Lehrers und Kantors Herrn Leopold
Regensburger Kenntnis zu geben. Der Entschlafene war 19 Jahre in der
Gemeinde Kriegshaber in treuer Pflichterfüllung tätig. Wir werden ihm
stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Augsburg, den 13. August 1931. Die Verwaltung der israelitischen
Kultusgemeinde." |
Aus der Geschichte des Rabbinates
Anzeige von Rabbiner Gugenheimer zur Errichtung eines
Privat-Institutes (1844)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. April 1844:
"Anzeige.
Ich beabsichtige auf den Grund obrigkeitlicher
Ermächtigung die Errichtung eines Privat-Institutes für israelitische
Knaben, welches, sobald sich eine hinlängliche Anzahl von Schülern
gemeldet haben wird, eröffnet werden soll. Es belieben daher jene Eltern,
welche ihre Kinder dieser Anstalt anvertrauen wollen, sich in portofreien
Briefen bald möglichst an mich zu wenden, um sodann das Geeignete
einleiten zu können.
Kriegshaber bei Augsburg im April 1844. Aaron Gugenheimer, Distrikts-Rabbiner." |
Rabbiner Aron Guggenheimer befürwortet
rigorose Maßnahmen gegen jüdische Personen, die zur Dultzeit am Sabbat ihren
Laden geöffnet haben (1850)
Anmerkung: der in der (liberal geprägten) "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" erschienene Artikel gehört in die Zeit der beginnenden
Auseinandersetzung zwischen liberal und orthodox geprägten jüdischen Gruppen
in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Während der Gemeindevorsteher und andere
Gemeindeglieder offensichtlich keine Bedenken hat, während der Augsburger Dultzeit
(u.a. der Warenmarkt bei der Augsburger Michaeli-Dult Ende September) am Sabbat
den Laden zu öffnen, versucht Rabbiner Guggenheimer mit energischen Maßnahmen
gegenzusteuern.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. November 1850
(leicht abgekürzt zitiert, zum vollständigen Lesen bitte
Textabbildung anklicken): "Aus Bayern, im November. Die
Reaktion macht sich allerdings nicht allein von politischer Seite geltend,
sondern auch mit allem Nachdruck auf religiösem Gebiete. Fürwahr, unsere
Glaubensgenossen haben sich wohl vorzusehen, dass sie dem Geiste des
Zelotismus nicht Raum geben, der brudermörderisch im eignen Schoße
wühlen würde. Als ein unwiderlegliches Dokument teilen wir Ihnen ein Gesuch
eines Rabbinen an ein königliches Landgericht mit, Israeliten, die einmal
am Sonnabend ihren Laden geöffnet gehalten, nicht zum Schwure zu
lassen, oder doch dass der Rabbiner nicht dabei erscheine, was
gleichbedeutend. Zu bemerken ist noch, dass persönliche Motive
nachzuweisen sind, und dass derjenigen, gegen welchen der Bannstrahl
gerichtet ist, ein höchst achtbarer Mann, Gemeindevorsteher
ist.
Abschrift.
Königliches Landgericht Göggingen. Gehorsamste Bitte des
Distriktsrabbiners Aron Guggenheimer von Kriegshaber N.N. Waarenschuld
betreffend.
Der gehorsamst Unterzeichnete findet sich in Verfolge einer in
rubriziertem Betreffe vom königlichen Landgericht erhaltenen Weisung vom
28. September präs. 15. Oktober dieses Jahres veranlasst, folgende
angebrachte Vorstellung zu machen. nach mosaischer und traditioneller
Lehre ist dem Israeliten auch bei Unterlassung aller Solennitäten der Eid
bindend und selbst die Zuziehung eines Rabbiners überflüssig, wie man
sich auch schon öfters gutachtlich geäußert hat. Dessen ungeachtet fand
man nach den bestehenden Landesgesetzen noch nie einen Grund bei
erhaltenen Vorladungen zu Eidesablegungen die königliche Behörde mit |
irgend
einer Gegenvorstellung zu behelligen, sondern erschien jederzeit pflichtmäßig,
ohne hierin eine Kollision mit den übrigen Berufspflichten zu erblicken.
Nicht so verhält es sich im fraglichen Falle, was man auf nachstehende
Weise zu begründen glaubt.
a) Es ist allerdings eine begründete und anerkannte Wahrheit, dass auch
Personen, welche in Beobachtung mancher religiöser Vorschriften
leichtfertig leben, dennoch die Sünde, die Gottheit bei einer Unwahrheit
anzurufen, scheuen, jedoch gibt es Fälle, in welchen der, der den Eid zu
leisten hat, wegen Übertretung eines Religionsgesetzes zur Ablegung
desselben nicht zugelassen werden kann.
Nach jüdischem Lehrbegriffe gehört dazu unter anderen Vergehen
namentlich die öffentliche Vernachlässigung der Sabbat- und
Feiertagsgebote; es ist biblisch, talmudisch und rabbinisch nachzuweisen,
dass zwischen demjenigen, welcher die Sabbate durch verbotene
Verrichtungen öffentlich entweiht, und dem, der den göttlichen Namen als
Zeugnis für eine Unwahrheit auszusprechen wagt, nur der Unterschied ist,
dass jener durch die Handlung, dieser durch das Wort sich einer Blasphemie
schuldig macht... Michaelis Mosaisches Recht Teil V § 249 S. 108 sagt:
'Nun war aber der Sabbat nach § 195 dem Gott heilig, der Himmel und Erde
geschaffen hat, und sollte ein Zeichen sein, dass er der Gott der
Israeliten wäre, diesem einzigen wahren Gott, schien man also durch
Entheiligung das Sabbats zu entsagen.
Dr. Frankel 'Der gerichtliche Beweis nach mosaisch-talmudischem Rechte'
(Berlin 1846) § 92 S. 125: 'der Übertreter eines biblischen Verbotes,
ferner der Übertreter eines auf Geldvorteil sich beziehenden nicht
biblischen Verbotes (§ 43-50) ist zur Eidesleistung als verdächtigt
nicht zuzulassen.' Hat sich also jemand den erwähnten Fehler zu Schulden
kommen lassen, so ist kein hinlänglicher Grund vorhanden anzunehmen, dass
derselbe die von Seite des Rabbiners angenommene Admonition gehörig
aufgefasst, oder beherzigen wolle.
b) In Erwiderung dieser Momente und in Erwägung des Umstandes, dass seit
mehreren Jahren manche Kaufleute israelitischer Religion während der
Dultzeit in Augsburg ihre Verkaufsläden an Sams- wie Werktagen offen
hatten, fand sich der gehorsamst Unterzeichnete nach wiederholt gemachten
vergeblichen Versuchen zur Einstellung dieses Vergehens verpflichtet, in
öffentlichen Vorträgen zu erklären, dass er in vorkommenden Fällen
nicht ermangeln wird der königlichen Behörde seine Vorstellung zu
machen, und dass es mit dem Gewissen des gehorsamst Unterzeichneten
streitet, der Eidesleistung eines auf obige Weise gravierten Individuums
beizuwohnen.
c) Wenn man nun auch dahingestellt lassen muss, welche Anerkennung die
königliche Behörde der jüdischen Jurisdiktion in Beziehung auf den Eid
selbst einzuräumen beschließen wird, kann man doch nicht umhin, die
innigste Überzeugung auszusprechen, dass die Admonition des Rabbiners in
ähnlichen Fällen nichts gewährt, was der Partei, welche darauf
anträgt, größere Garantie für die Wichtigkeit des Eides verschafft,
und dass es aus obigen Motiven mit den Gesinnungen und der Amtspflicht des
gehorsamst Unterzeichneten kollidiert, der Eidesablegung einer Person
beizuwohnen, welche auf bemeldete Weise verdächtig ist. Da es nu
öffentlich kundig ist, dass N.N. während der jüngst verflossenen
Michaelisdult zu Augsburg sein Gewölbe am Sabbat wie andere Werktage zum
Verkaufe offen hatte, muss der gehorsamst Unterzeichnete die ergebenste
Bitte stellen: Ein königliches Landgericht wolle den gehorsamst
Unterzeichneten von der Funktion respektive vom Erscheinen bei der am 29.
dieses Monates erfolgen sollenden Eidesablegung des N.N. gnädigst
entbinden.
Eines königlichen Landgerichts ergebenst gehorsamster Aron Guggenheimer,
Distriktsrabbiner." |
Rabbiner Aaron Guggenheimer ist nun in Mährisch-Aussee (heute Úsov) tätig
(1866)
Aus
einem Artikel über Talmudschulen (Jeschiwot) in Bayern in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 23. Mai 1866: "in Kriegshaber lebte
und wirkte der jetzt in Aussee fungierende Rabbiner Aaron Guggenheimer, dessen religiöse Gesinnung sich
am Besten in der Erziehung seines Sohnes, des mutigen Dr. Guggenheimer in
Kollin* abspiegelt." |
| Anm.: Kollin = Kolín, Neukolin, Stadt in
Böhmen; der genannte Sohn, Dr. Joseph Guggenheimer, war von 1861 bis zu
seinem Tod 1896 Rabbiner in Kolín in Böhmen; er war verheiratet mit Sara
geb. Hirsch, einer 1834 in Oldenburg geborenen Tochter von Samson Raphael
Hirsch. . |
1862 - Das Rabbinat Kriegshaber ist aufgelöst - die Stelle des
Distriktsrabbiners für Augsburg wird ausgeschrieben
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1862:
"Das Distriktsrabbinat in Augsburg, zu welchem die nahe gelegenen
Kultusgemeinden Kriegshaber, Pfersee und Steppach gehören, ist zu
besetzen. Die Stelle wird vorläufig in provisorischer Eigenschaft
vergeben. Damit ist - ohne Einrechnung herkömmlicher Gebühren - ein
fixer Jahresgehalt von Gulden 1.200 verbunden. Bewerbungen sind unter
Beilegung entsprechender Zeugnisse binnen zwei Monaten an den
unterzeichneten Ausschuss einzusenden.
Am 25. Juni 1862. Der
Ausschuss der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
25jähriges Bestehen des Wohltätigkeitsvereins der Jünglinge
Artikel
aus der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Juni 1851.
Kriegshaber (bei Augsburg), 10. Juni (1851). Vor fünfundzwanzig Jahren am
Schewuotfeste (Laubhüttenfest) wurde hier von zwanzig Jünglingen ein
Wohltätigkeitsverein gegründet zur Unterstützung dürftiger Mitglieder
in Krankheitsfällen, zur Erlernung eines Handwerks, auf der Wanderschaft,
bei Militärverpflichtungen usw. 3.000 Gulden hat der Verein ausgegeben
und 2.000 Gulden besitzt er als sichern Fonds. Was Wunder, dass wir ein
schönes Jubelfest feierten. Wir spendeten eine Schulchandecke in den
Tempel, wohin diese in feierlichem Zuge mit Musikbegleitung gebracht
wurde. Abends Festessen und Ball, wobei der Armen gedacht wurde." |
Judenfeindschaft auf Grund antisemitischer Hetzschriften
(1870)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1870:
"Augsburg, im Januar. Vorige Woche nachmittags 4 Uhr ging der
israelitische Handelsmann G. von Kriegshaber nach Steppach nach Hause, als
er plötzlich von einem vorüberfahrenden Bauern derart mit der Peitsche
geschlagen wurde, dass ihm das Blut übers Gesicht strömte und der
Getroffene in Gefahr war, ein Auge zu verlieren. Der Täter begleitete
seine Heldentat mit den Worten: 'Du S.....-Jud' und führ davon.
Charakteristisch ist es, dass derselbe Bauer einen, um dieselbe Zeit
vorübergehenden christlichen Schuhmacher ebenso misshandelte, weil er
glaubte, auch dieser sei ein Jude. - Für die Wahrheit dieser Tatsache
wird garantiert. Man sieht übrigens darauf, dass die Volksboten-Lektüre
überall Früchte trägt, und wahrlich, sie können zufrieden sein,
Volksboten-Zander und Vaterland-Sigl mit diesen Früchten, die aus der
blutigen Saat des Religionshasses hervorgehen. Wann wird man dem Treiben
dieser Schandblätter ein Ende machen?!" |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Das Erbe des Julius Liebschütz aus Kriegshaber kommt der
jüdischen Gemeinde in München zugute (1865)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1865:
"München, den 25. Juni (1865). Vor einigen Tagen starb hier ein
Juwelier, namens Julius Liebschütz aus Kriegshaber, der sich seit einigen
Jahren beständig hier aufgehalten hatte. Da derselbe niemals verheiratet
gewesen war, so hinterließ er sein großes Vermögen im Betrage von
200.000 Gulden seinem Bruder, jedoch nur in Niesnutz, mit der Bestimmung,
dass nach dem Ableben seines Bruders das gesamte Vermögen dem Vorstande
der hiesigen israelitischen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden solle
und zwar zur Gründung einer Versorgungsanstalt für altersschwache und
arbeitsunfähige bayrische Israeliten. So hat also unser Land die
erfreuliche Aussicht, in den Besitz eines überaus wohltätig wirkenden
Instituts zu kommen; an den Namen des edlen Testators aber wird sich stets
gesegnetes und dankbares Erinnern knüpfen." |
Anzeigen
jüdische Gewerbebetriebe und Privatpersonen - weitere Dokumente zu jüdischen
Gewerbebetrieben
Geschäftsbrief
von Kriegshaber nach Ichenhausen (1853)
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) |
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Absender des
Briefes waren die (jüdischen Gemeindeglieder in Kriegshaber)
Gebr. Feist
& M. Götz in Kriegshaber; der Brief wurde am 21. Dezember 1853
an
Israel Koschland in Ichenhausen
verschickt. |
Zur Geschichte der Synagoge
Ein erster Betsaal war in dem um 1570 errichteten
"Judenhaus" eingerichtet. Hundert Jahre später (1675) wird von "Exzessen" gegen die Synagoge in
Kriegshaber durch Schüler von St. Salvator in Augsburg berichtet. Dieser erste
Betsaal war im 19. Jahrhundert noch vorhanden, da nach dem unten zitierten
Bericht von 1867 nach der vorübergehenden Schließung der alten Synagoge in den
1840er-Jahren ein noch aus Verfolgungszeiten bestehender älterer Betsaal für
die Gottesdienste verwendet wurde.
Um 1680/85 wurde eine neue Synagoge im Obergeschoss des Hauses von Baruch
Günzburger eingerichtet. Diese Synagoge wurde in den 1840er-Jahren als ca. 160
Jahre alt bezeichnet. Um 1730/49 wurde das Gebäude restauriert oder umgebaut.
Damals wurden auch neue Torarollen eingeweiht (1739). 1791 kam das bis dahin
noch hälftig der Familie Günzburger gehörenden Gebäude ganz in den Besitz
der jüdischen Gemeinde.
1843 bis 1846 plante man eine neue Synagoge, nachdem die alte Synagoge
baufällig geworden war und geschlossen werden musste. Man kaufte ein für den
Bau geeignetes Grundstück gegenüber der bisherigen Synagoge und verlegte die
Gottesdienste in den oben genannten, noch älteren Betsaal der Gemeinde im Dachgeschoss
eines jüdischen Hauses. Der Auftrag zur Planung der neuen Synagoge wurde an den
bekannten Münchner Oberbaurat/Architekten Friedhof von Gärtner vergeben. Sein
Schüler und Mitarbeiter Johann Moninger führte den Plan aus, der 1846 von
König Ludwig I. genehmigt wurde. Nachdem in den folgenden Jahren die starke
Abwanderung jüdischer Familien aus Kriegshaber einsetzte, wurde der Bau nicht
realisiert. Die alte Synagoge wurde mit Eisenklammern gesichert und wieder für
den Gottesdienst geöffnet (siehe Bericht unten von 1867). Das für den Neubau
der Synagoge gekaufte Grundstück wurde an die katholische Kirchengemeinde
verkauft, die hier die neue Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit erbaute
(Einweihung 1868, Ulmer Straße 199).
Die alte Synagoge wurde - nachdem man die Neubaupläne aufgegeben hatte - 1862/63 gründlich renoviert und
diente nochmals über mehrere Jahrzehnte als Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens in Kriegshaber. Auch nachdem kurz vor dem ersten Weltkrieg kaum
noch 40 jüdische Personen am Ort lebten, wurde die Synagoge 1913 nochmals
restauriert. Dabei wurden die beim Umbau 1862/63 eingebauten Glasfenster durch
eine einfache Verglasung ersetzt. Der Männerbetsaal erhielt neue Sitzbänke
u.a.m.
Beim Novemberpogrom 1938 geschah der Synagoge nur wenig (eine Scheibe
eingeworfen). Da die Wohnung unter der Synagoge bereits einem nichtjüdischen
Bürger des Ortes gehörte, blieb das Gebäude offenbar vor weiteren
Übergriffen verschont. So konnte die Synagoge in Kriegshaber, nachdem die
Synagoge in der Augsburger Halderstraße seit der Pogromnacht unbenutzbar war,
ab Dezember 1938 für Gottesdienste der Augsburger jüdischen Gemeinde verwendet
werden.
1945 wurde im Synagogengebäude eine
"Fachumbildungswerkstätte" für jüdische Auswanderer nach Palästina
eingerichtet. Im Betsaal trafen sich jüdische US-Soldaten für Gottesdienste. 1955
kam das Gebäude nach Abwicklung des Restitutionsverfahrens in den Besitz der
Stadt Augsburg. Das Gebäude wurde in den folgenden Jahrzehnten unterschiedlich
genutzt (griechisch-orthodoxe Kirche, dann Lagerhalle). Seit 2006 gibt es
Bemühungen, die ehemalige Synagoge, in der u.a. der Toraschrein und die
Frauenempore erhalten blieben, zu restaurieren und einer würdigen Nutzung
zuzuführen.
Texte aus
der Geschichte der Synagoge
Trauergottesdienst für besondere Persönlichkeiten in der
Synagoge (1864)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. März 1863:
"Herr Dr. Hirschfeld hat in der Synagoge zu Kriegshaber, dem
ehemaligen Rabbinatssitze des Distriktes, einen Trauergottesdienst für
den Prediger Dr. Sachs in Berlin und den gelehrten Theologen Herrn Emanuel
Isak Hirschfeld, Vater unseres Rabbinen, abgehalten und die
außerordentlich große Zuhörerschaft, während eines
siebenviertelstündigen Vortrags, durch seine glänzende und tief
ergreifende Beredsamkeit wahrhaft gefesselt und erschüttert." |
Über die Schwierigkeiten auf dem Weg zu Bau einer neuen Synagoge (Artikel
von 1867)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1867:
"Augsburg, im Juni (1867). Zur Warnung vor ähnlichem Vorgehen kann
ich nicht umhin, den geehrten Lesern Ihres Blattes eine Mitteilung sehr
betrübenden Inhalts zu machen. In unserer israelitischen Nachbargemeinde
Kriegshaber nämlich war es schon vor vielen Jahren wegen Baufälligkeit
der dortigen Synagoge beschlossen, eine neue zu bauen. Es wurden die
nötigen Schritte eingeleitet und Maßregeln getroffen. Unter anderem
wurde auch ein Platz angekauft, vorzüglich gelegen (gegenüber der alten
dermaligen Synagoge) um den Preis von 1.200 oder 1.500 Gulden. Der
unlängst in München durch ein Monument geehrte, verstorbene königliche
Oberbaurat von Gärtner hatte um den Preis von 300 Gulden den Plan
entworfen und Seine Majestät König Ludwig I. auf von Gärtner's
Verwendung ihn genehmigt. Der in Kriegshaber damals noch fungierende
Distriktsrabbiner, Herr Aron Guggenheimer, hatte bereits Abschied genommen
von der damals circa 160 Jahre alten Synagoge. Sie wurde auf Antrag einer
Kommission der Baubehörde wegen ihrer Baufälligkeit geschlossen; man
benützte zum Gottesdienste eine aus den Vertreibungszeiten noch
herrührende, hiezu, natürlich insgeheim, eingerichtete Dachstube; aber
vom Neubau ist keine Rede. Die Kultusvorstände hatten gegen die erste
Kommission rekurriert und die alte Synagoge wird - wieder eröffnet!! -
und unverändert, bloß mit eisernen Klammern befestigt, wieder in ihre
Würde eingesetzt! Erst vor circa 4 bis 5 Jahren wurde sie gründlich (in
des Wortes verwegenster Bedeutung) renoviert. Es wurden z.B. recht schöne
farbige Glasfenster eingesetzt; die massiven altertümlichen Leuchter
wanderten in alle Welt und eiserne Reife traten an die Stelle; die
Betstühle mussten vermindert, der Almemor kleiner werden; kurz ein
förmliches Chaos, ein Tohu waBohu trat ein, und das heißt
zusammen eine Restauration. Aber das Nachfolgende übertrifft Alles bis
jetzt dagewesene. Der katholischen Gemeinde in Kriegshaber war ihre Kirche
zu klein geworden. Sie hatte bereits neben dem Platze zur Synagoge ein
bedeutendes Grundstück von einem Bauern zur Erbauung einer neuen Kirche
zum Geschenke erhalten (gegenüber einem Kohn in Nürnberg, welcher seinen
Platz nicht ums Geld zu einer Synagoge hergeben mag) und ein ziemlich
großes Pfarrhaus hingestellt. Was lag näher, als auch den Synagogenplatz
der Judengemeinde anzukaufen, und zur Vergrößerung des Ersteren
brauchbar zu finden. Es geschah, über den Preis war man bald einig, und
jetzt erheben sich da die Mauern einer christ-katholischen Kirche - Schönheit
unseres Bodens für Fremde. Solche
Handlungen können nur in Gemeinden geschehen, die wie eine Herde ohne
Hirten sind. Darum möge hier die Eingangs bezeichnete Warnung wiederholt
sein." |
Adresse/Standort der Synagoge: Ulmer Straße 228
Fotos / Abbildungen
Fotos von 2004
(Jürgen Hanke, Kronach; www.synagogen.info) |
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Blick auf die an der
Ulmer Straße in Kriegshaber stehende ehemalige Synagoge |
Eingang zur Synagoge |
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| Historische und
aktuelle Fotos werden noch ergänzt; über Zusendungen freut sich der
Webmaster von "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
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Aktuelle
Berichte zur anstehenden Sanierung und weiteren Nutzung der ehemaligen Synagoge
| Juni 2009:
Die Sanierung der ehemaligen Synagoge ist ein
dringendes Vorhaben |
Artikel von Andrea Baumann in der
"Augsburger Allgemeinen" vom 18. Juni 2009:
"Für die Synagoge steht es 'fünf vor zwölf'.
Kriegshaber 'Wenn Geld da wäre, würden wir sofort beginnen.' Baureferent Gerd Merkle weiß, dass die Sanierung der Synagoge in der Ulmer Straße dringend angepackt werden muss. Das unscheinbare, weiß gestrichene Haus zerfällt zusehends. Da seit kurzem auch die ehemalige Rabbinerwohnung im Erdgeschoss
leer steht, befürchtet Merkle in dem städtischen Gebäude obendrein Vandalismus.
Nach den Vorstellungen der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum soll die Kriegshaber Synagoge als Dependance ihres Innenstadt-Gotteshauses dienen. Denkbar sind Ausstellungen, etwa die Darstellung ländlichen Judentums, sowie pädagogische Angebote. In der Wohnung finden Schulungsraum, Bibliothek und Teeküche Platz. Der Saal im ersten Stock kann für Veranstaltungen genutzt werden.
Die Entwurfsplanung für die 1850 erbaute Synagoge steht. Demnach müssen rund 1,5 Millionen Euro für die Sanierung in die Hand genommen werden. Im aktuellen Haushaltsjahr seien dafür keine Gelder vorgesehen, sagt Merkle. Er strebt nun an, im Nachtragshaushalt zumindest eine Verpflichtungsermächtigung für 2010 zu verankern.
'Dies bedeutet, das noch heuer die Arbeiten ausgeschrieben und im nächsten Jahr zügig begonnen werden können.' 2010, das ein
'sehr schwieriges Haushaltsjahr werden wird', möchte der Referent eine halbe Million Euro unterbringen, 2011 dann den Rest.
Vorhaben ist Teil des Stadtumbaus West. Gerd Merkle geht davon aus, dass die Stadt die Instandsetzung nicht alleine schultern muss. Mit Zuschüssen - etwa vonseiten der Städtebauförderung oder der Denkmalpflege - sei zu rechnen. Ob Sponsoring-Aktionen das Vorhaben zusätzlich unterstützen, ist derzeit nicht bekannt.
Eines ist nach Angaben des Stadtbaurats jedoch sicher: 'Die Synagoge in der Ulmer Straße ist Teil der Planungen des Stadtumbaus
West.' Wie berichtet, soll Kriegshaber von dem Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm profitieren. Ziel ist es, städtebauliche Probleme zu bewältigen und Impulse für neue Entwicklungen zu setzen. Schließlich hat kein anderer Stadtteil in den vergangenen Jahren sein Gesicht so verändert wie Kriegshaber, das durch die Umwandlung amerikanischer Kasernen- und Wohnflächen immens gewachsen ist.
Auch die Bürger Kriegshabers können ihre Ideen und Wünsche für den Umbau ihres Lebensumfelds äußern. Im März fand dazu eine Auftaktveranstaltung mit dem in Augsburg bereits gut bekannten Moderationsteam des Vereins
'Urbanes Wohnen' statt. Derzeit laufen laut Merkle die Voruntersuchungen für das sogenannte Mapag-Gelände zwischen Friedhof und Spectrum. Die Synagoge zähle zu diesem Planungsgebiet, das sich bis zur Gieseckestraße auf der anderen Seite der Ulmer Straße erstreckt. Zu den Top-Themen des Stadtumbaus zählen auch die künftige Nutzung der alten Kuka-Hallen sowie das geplante Nahversorgungszentrum im Norden des
Reese-Areals." |
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| April 2010: Die
Sanierung der ehemaligen Synagoge soll noch in 2010 beginnen |
Foto:
Innenaufnahme der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber
Artikel von Andrea Baumann in der "Augsburger Allgemeinen" vom
9. April 2010 (Artikel):
"Sanierung der Synagoge soll heuer beginnen.
Kriegshaber. Die Frühlingssonne hat an den Rosenstöcken vor dem unscheinbaren Gebäude in der Ulmer Straße bereits erste Knospen spießen lassen. Bald stehen die Dornengewächse wieder in schönster Blüte. Beim Haus dahinter ist es mit wärmenden Sonnenstrahlen nicht getan. Um es wieder erblühen zu lassen, sind umfangreiche Sanierungsarbeiten fällig: Rund 1,55 Millionen Euro soll die Instandsetzung der Synagoge Kriegshaber kosten. Die Zeit drängt aus Sicht der Baufachleute: Die lange Frostperiode hat die ohnehin schon gravierenden Schäden nochmals verschlimmert.
Ohne den Davidstern über dem Eingang und den kirchentypischen Fenstern im Obergeschoss käme kein Außenstehender auf die Idee, dass in dem Haus mit der weißen Fassade über Jahrhunderte jüdische Mitbürger ihre Religion ausübten.
'Betreten dieses Grundstücks verboten', steht auf einer Tafel. Norbert Reinfuss, Vizechef des städtischen Hochbauamts, sperrt an diesem Nachmittag die Tür auf, um den Zutritt zu ermöglichen.
Über eine Treppe gelangen er und seine Kollegen vom Stadtplanungsamt in den ersten Stock, wo das Ausmaß der Schäden sofort sichtbar wird: überall durchfeuchtete Wände und bröckelnder Putz. Bauforscher haben die Schichten an den Wänden teilweise freigelegt und den Boden des Gebetsraums aufgegraben.
'Hier geht es richtig zur Sache', sagt Reinfuss. Und er meint damit die Untersuchungen im Vorfeld der Sanierung. Die Boden-Buddeleien konnten erst begonnen werden, als die langjährigen Mieter 2009 die darunterliegende ehemalige Rabbiner-Wohnung verließen.
Dependance des Museums in der Halderstraße. Schon seit zehn Jahren befasst sich Norbert Reinfuss mit den Restaurierungsplänen für die Synagoge. Was er als Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes begann, hofft er nun im neuen Amt umsetzen zu können.
'Wir sind ganz dicht dran. Die komplette Entwurfsplanung und die Kostenberechnung
stehen.' Die Gesamtkosten hat Architekt Matthias Paul mit rund 1,55 Millionen Euro veranschlagt. Ziel ist es laut Reinfuss, die Hälfte über Zuschüsse des Landesamts für Denkmalpflege und der Städtebauförderung zu finanzieren.
Nach den Plänen der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum soll die Kriegshaber Synagoge als Dependance des Innenstadt-Museums dienen. Denkbar sind Ausstellungen. In der Wohnung finden Schulungsraum und Bibliothek Platz. Den Saal sollen Bürger und Vereine in Kriegshaber für Veranstaltungen, die der Würde des Ortes entsprechen, nutzen können. Schließlich bleiben religiöse Elemente wie der Thora-Schrein erhalten.
Oberste Priorität für Baureferent Merkle. Baureferent Gerd Merkle geht davon aus, dass die Sanierungsarbeiten ausgeschrieben werden, wenn der städtische Haushalt rechtskräftig wird. Für heuer seien 287 000 Euro vorgesehen, der Rest steht 2011 als Verpflichtungsermächtigung im Etat. Das heißt, eine Vergabe der Arbeiten ist noch 2010 möglich. Für Merkle genießt die Restaurierung der Synagoge nicht nur wegen des fortschreitenden Verfalls oberste Priorität.
Als erster Schritt der Instandsetzung des gesamten Areals werte das Gebäude auch die Ulmer Straße auf. So wie es bald die Rosen entlang der Fassade tun." |
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| November 2010:
Einstimmiger Beschluss des Stadtrates für die Sanierung der ehemaligen
Synagoge |
Foto
links von Pössel: Die ehemalige Synagoge in der Ulmer Straße ist in einem schlechten Zustand. Jetzt ist die Instandsetzung in greifbare Nähe gerückt.
Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 8. November 2010 (Artikel):
"Sanierung der Synagoge steht bevor.
Kriegshaber Einstimmig hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung die Weichen für eine Sanierung der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber gestellt. Ein Großteil der Instandsetzungskosten in Gesamthöhe von 1,6 Millionen Euro ist durch Zuschüsse des Landesamts für Denkmalpflege und der Städtebauförderung gesichert. Baureferent Gerd Merkle gibt sich zuversichtlich, dass die Arbeiten nicht am städtischen Eigenanteil von rund 420 000 Euro scheitern. Das Vorhaben werde besonders von Oberbürgermeister Gribl, der aus Kriegshaber stammt, unterstützt, sagte er.
Seit vielen Jahren warten die Bürger in Kriegshaber sowie die Stiftung Jüdisches Kulturmuseum als künftige Nutzer auf die Sanierung des Gebetshauses an der Ulmer Straße. Dass die Zeit drängt, ist auch den Baufachleuten bewusst. Jeder frostige Winter setze dem maroden Gebäude noch mehr zu.
Laut Merkle steht jetzt der Zeitplan. Die Anträge für die Zuschüsse seien gestellt. Darüber hinaus sei auch die Ausschreibung für die verschiedenen Maßnahmen in Arbeit. Heuer soll das Gebäude noch so gesichert werden, dass es gut über den Winter kommt.
Die für die Bürger sichtbare Sanierung wird nach seinen Plänen nach der Frostperiode im März oder April beginnen. Der Referent geht von einer Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren aus, sodass mit einer Fertigstellung Ende 2012 oder Anfang 2013 zu rechnen ist.
Dependance des Museums in der Halderstraße. Nach einem Beschluss des Kulturausschusses wird die Synagoge nach der Restaurierung der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben mietfrei zur Verfügung gestellt. Sie will die Räume als Dependance ihres Innenstadtmuseums in der Halderstraße nutzen. Geplant sind Ausstellungen, in der früheren Wohnung finden ein Schulungsraum und eine Bibliothek Platz. Daneben sollen Bürger und Vereine im Stadtteil den Saal für Veranstaltungen nutzen, die der Würde des Ortes entsprechen. Schließlich bleiben religiöse Elemente wie der Thora-Schrein erhalten. (bau)" |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 639-640. |
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu. (mit umfassenden Quellen- und
Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Kriegshaber S. 494-503.
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 | Informationen zu der aus Kriegshaber stammenden Familie
Benedict (zusammengestellt von Rolf Hofmann, Stuttgart):
- Family
sheet Baruch Benedict of Kriegshaber + Stuttgart
- Family
sheet Sir Julius Benedict of Stuttgart + Naples (Italy) + London |
 | Informationen zu der aus Kriegshaber stammenden Familie
Skutsch (Rabbiner David Skutsch, gest. 1780) (zusammengestellt von Rolf
Hofmann, Stuttgart):
- Family
sheet Skutsch Family of Kriegshaber
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 | Sabine Ullmann: Nachbarschaft und Konkurrenz: Juden
und Christen in Dörfern der Markgrafschaft Burgau 1650 bis 1750.
Vandenhoeck und Ruprecht Göttingen. 563 Seiten. 1999. 64.50 €. ISBN
10-3525354665. |
 | Michael Schneeberger: Die Juden von Kriegshaber in
Augsburg. Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern (20). In: Jüdisches
Leben in Bayern 23. Jahrgang Nr. 106 - April 2008 S. 33-42. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Kriegshaber Swabia. The
community was probably founded in the 14th century by Augsburg Jews fleeing the
Black Death persecutions of 1348-49; others expelled from Augsburg arrived in
1438-40. The community grew further with the arrival of Jews expelled from the
Burgau margravate in 1617. Jews numbered 402 in 1737, with such well-known Court
Jews as the Maendle family active there. The community dwindled in the first
half of the 19th century, with the growth of the new Augsburg community, to
which it was attached in 1916.

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