Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Kriegshaber (Stadt Augsburg)  
Jüdischer Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
        
Siehe Seite zur Synagoge in Kriegshaber (interner Link) 
       

Hinweis: Neuerscheinung zum Friedhof 2013:   
Kriegshaber Friedhof Lit 015.jpg (66000 Byte) Yehuda Schenef: Das Haus der drei Sterne. Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Pfersee, Kriegshaber und Steppach bei Augsburg, in Österreich, Bayern und Deutschland. Kokavim Verlag. 2013. 

Buchvorstellungen
Seite zum Buch in der Website des Jüdisch-Historischen Vereins Augsburg.    
-  Artikel von Claudia Kohler in der "Augsburger Allgemeinen" vom 7. September 2013: "Der Friedhof als Tor zur Geschichte"
.    

        
       

Zur Geschichte des Friedhofes     
   
Die seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Kriegshaber zugezogenen jüdischen Familien bestatteten ihre Toten zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Burgau. Nach Ausweisung der Juden aus Burgau 1617 bemühten sie sich um Anlage eines eigenen Friedhofes. 1627 konnte ein Friedhof auf einer großen - der Markgrafschaft Burgau gehörenden - Viehweide im Süden von Kriegshaber angelegt werden. In den Jahren 1695 und 1722 wurde der Friedhof erweitert. Er wurde von den jüdischen Gemeinden Pfersee, Steppach, Schlipsheim, Fischach und Kriegshaber gemeinsam belegt. Nachdem sie im Laufe des 19. Jahrhunderts wiederum jüdische Personen in Augsburg niederlassen konnten, wurden die Toten der Augsburger Gemeinde bis zur Anlage eines eigenen Friedhofes in Augsburg (1867/68) gleichfalls in Kriegshaber beigesetzt. 
 
Der Friedhof ist mit einer massiven Steinmauer umgeben, für deren Anlage die drei Gemeinden gemeinsam sorgten. Direkt gegenüber dem schmiedeeisernen Eingangstor befindet sich das Friedhofswärterhaus, über dessen Eingang sich eine Inschrift befindet ("1636 wurde dieser Friedhof eröffnet  1802 Der leidenden Menschheit jüdischer Nation dieses Haus erbauet u. gewid. von Pfersee, Steppach u. Kriegshaber  1871 Die Umfassungsmauer neu aufgeführt"). Die Neuaufführung der Umfassungsmauer 1871 hatte den Grund, dass der Besuch des Friedhofes in der ganzen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (bis 1867) teilweise eine lebensgefährliche Angelegenheit war, da sich unmittelbar neben dem Friedhofsgelände ein Schießgelände der Artillerie befand. Der Kugelfang lag ausgerechnet entlang der Friedhofsmauer. Oft schlugen jedoch die Geschosse auf dem Friedhof ein, sorgten für schwer verletzte Personen, schwere Zerstörungen an der Friedhofsmauer und an vielen Grabsteinen und Gräbern. Erst auf Grund einer Eingabe von Seligmann Lazarus Skutsch bei bayerischen König 1867 hatte Erfolg. Die Kugelfänge wurden auf die andere Seite des Übungsgeländes verlegt und Übungen mit schweren Geschützen auf das Lechfeld verlegt.

Die Friedhofsfläche umfasst 94,01 ar. Der Friedhof ist zu drei Viertel mit Grabstätten belegt. Vom Eingang aus befindet sich auf der linken Seite der ganz alte Teil, wo die Grabsteine bereits großenteils versunken sind. Die ältesten Grabsteine sind von 1662, 1673 und 1695. Insgesamt sind etwa 700 Grabsteine erhalten. Eine Gedenkstele zum Gedenken an die KZ-Opfer wurde nach 1945 aufgestellt.

Die bislang letzte Beisetzung auf dem Friedhof war 1951. 

Wie auf vielen anderen jüdischen Friedhöfen auch gab es bis in 19. Jahrhundert hinein neben steinernen Grabmalen auch hölzerne Stelen. Eine Eichenholzstele für den im November 1805 gestorbenen (vermutlich ermordeten) Sohn des Mordechai aus Kassel befindet sich heute im jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben.
       
       
       
Cemetery Documentation / Dokumentation des Friedhofes   
(erarbeitet 2011 von Yehuda Schenef, Jüdisch Historischer Verein Augsburg, www.jhva.de)  

Jewish Cemetery Kriegshaber - Jüdischer Friedhof Kriegshaber (pdf-Dateien)            
Burial Register (Gräberliste) - alphabetical (in alphabetischer Reihenfolge)    
Burial Register (Gräberliste) - spatial (nach der Reihenfolge der Beisetzungen)           

     
     
     
Text zur Geschichte des Friedhofes 

Probleme um den beim Friedhof gelegenen militärischen Schießplatz und ihre Behebung (1867)   

Kriegshaber Israelit 04091867.JPG (237277 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. September 1867: "München, im August (1867). Zur Dokumentierung der hohen, bis jetzt nur selten übertroffenen Menschenfreundlichkeit des seligen Königs Maximilian II. von Bayern halte ich es für geeignet, der löblichen Redaktion und den geehrten, zahlreichen Lesern dieses Blattes von einem Akte Kenntnis zu geben, welcher selbst aufs Beste das oben Gesagte rechtfertigt. 
Es befindet sich nämlich unmittelbar neben dem Friedhofe der Israeliten zu Kriegshaber, an welchem noch drei Gemeinden Anteil haben, - Augsburg (bis zur Herstellung des eigenen), Pfersee und Steppach - ein von dem bayerischen General Fürst von Wrede (vor circa 60 Jahren) dahin gestellter Kugelfang mit den Gräber etc. dazu. Durch die Schieß-Übungen der Artillerie aber, welche daselbst abgehalten wurden, ist nicht nur die Ringmauer des genannten Friedhofes fast zerstört worden, - es wurden förmliche Breschen in dieselbe geschossen - sondern auch Gräber samt den Leichensteinen wurden arg verwüstet. Es wurden alljährlich in den Sommermonaten nicht nur Andächtige von dem Besuche der Gräber ihrer teueren Verstorbenen abgehalten, sondern auch christliche Passanten waren beschädigt, mitunter sogar schwer verletzt worden. 
Diese Tatsachen hat nun Herr Kommissionsbüro-Inhaber Seligmann Lazarus Skutsch dahier in einer Eingabe Seiner königlichen Hoheit dem Prinzen Karl, Feldmarschall von Bayern, ehrfurchtvollst vorgelegt und damit die Bitte verbunden: um Entfernung dieses Kugelfangs und Verlegung des Schießübungen auf das (ohnehin sterile) Lechfeld bei Augsburg. 
Auf diese Eingabe vom 2. Juni 1863, abgesandt an Seine Königliche Hoheit nach Tegernsee wurde Herrn Skutsch schon am 13. Juni desselben Jahres eine Antwort zuteil, und am 23. Juni durch die königliche Polizeidirektion München folgendes eröffnet.
(L. St.) Abschrift. Die Königliche Kommandantschaft der Hauptstadt München 
an die Königliche Polizeidirektion München. 
Die Schießübungen auf dem Artillerie-Übungsplatz bei Augsburg betreffend. 
Der autorisierte Kommissions- und Schreibbüro-Inhaber Seligmann Lazarus Skutsch (Schommergasse Nr. 3/2) dahier hat in einer, unmittelbar bei Seiner Königlichen Hoheit dem Feldmarschall Prinzen Karl eingereichten und mit einem Faszikel Schriftstücken an das königliche Kriegsministerium gelangten Vorstellung vom 2. dieses Monats um Entfernung des zunächst dem israelitischen Friedhofe zu Kriegshaber bei Augsburg gelegenen Artillerie-Kugelfangs die Bitte gestellt, 'zu deren Berücksichtigung eine Veranlassung umso weniger gegeben ist, als nach den jüngst an das Artillerie-Korps-Kommando ergangenen Weisungen auf den Garnisons-Schießplätzen der Artillerie nur mehr auf ganz kurze Distanzen geschossen werden darf, daher Beschädigungen an Personen oder Privateigentum voraussichtlich nicht mehr vorkommen können. Der Unterzeichnete stellt daher auf Grund königlichen Kriegsministerialreskripts Nr. 6088 vom 10. laufenden Monats an die königliche Polizeidirektion das dienstfreundliche Ersuchen, den Seligmann Lazarus Skutsch hiervon verständigen und ihm die beifolgenden Schriftstücke aushändigen lassen zu wollen. 
Wegen Beurlaubung des Stadtkommandanten 
Stephan Generalmajor.

Auf diese unbefriedigende Eröffnung hin hat sich nun Herr Kutsch unmittelbar an Seine Majestät den König Maximilian II. gewendet und in seiner Eingabe vom 25. August 1863 die obige Bitte wiederholt. Der Erfolg derselben war, dass die Kugelfänge auf eine andere Seite des Platzes aufgeführt wurden, und dass zu Schießübungen mit grobem Geschütze ausschließlich das Lechfeld benützt wird. Diese Entschließung wurde Herrn Skutsch durch die Stadtkommandantschaft Augsburg eröffnet. Wegen Beschädigung der Mauer etc. hat die Gemeinde selbst Klage gestellt und Entschädigung erhalten."

    
   

Lage des Friedhofes  
 
    
Im ehemaligen US-amerikanischen Wohngebiet Center Village an der Ecke Madison-/Hooverstraße 15 nahe der westlichen Kriegshaberer Gemarkungsgrenze. 

Lage des jüdischen Friedhofes in Kriegshaber auf dem Stadtplan Augsburg: links anklicken und über 
das Verzeichnis der "Behörden und öffentl. Einrichtungen" zu "Friedhof, israel. (Hooverstraße)". 

   
   
Fotos
 
(Fotos: obere Zeile aus der Website von Heinz Wember mit Quelle: Archiv von Bernhard Radinger, Kriegshaber; die Fotos vom Eingang und Friedhofswärterhaus von Jürgen Hanke, Kronach; die Fotos vom Juli 2007 von Herbert Lechner, Augsburg) 

Blick über den Friedhof
(Aufnahmedatum unbekannt)
Kriegshaber Friedhof 010.jpg (45751 Byte)    
          
      
Eingang und 
Friedhofswärterhaus
Kriegshaber Friedhof 270.jpg (119699 Byte) Kriegshaber Friedhof 271.jpg (91854 Byte)
  Blick auf das 
schmiedeeiserne Eingangstor
Das Friedhofswärterhaus
  
         
Der Friedhof 
Ende Juli 2007 
Kriegshaber Friedhof 150.jpg (107506 Byte) Kriegshaber Friedhof 151.jpg (115851 Byte)
  Teilansichten des Friedhofes
   
     Kriegshaber Friedhof 153.jpg (103328 Byte) Kriegshaber Friedhof 152.jpg (89935 Byte)
           

    
     

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Augsburg     
Website des Jüdisch-Historischen Vereins Augsburg mit einer Seite über die Friedhofspflege vor 1950 durch Schafe  
sowie mit einer weiteren Seite zum jüdischen Friedhof in Kriegshaber  
ergänzende Seite "Jüdischer Friedhof Kriegshaber: Nicht die Zeit heilt Wunden, sondern Pflege"      

Literatur:  

Louis Lamm: Die jüdischen Friedhöfe in Kriegshaber, Buttenwiesen und Binswangen. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in der ehemaligen Markgrafschaft Burgau. Berlin 1912 - Verlag von Louis Lamm. Scans der Publikation intern eingestellt.   
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Kriegshaber (Schwaben). In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 9. Jg. Nr. 63 vom September 1994 S. 26; Beitrag von Michael Trüger online zugänglich  
Michael Brocke/Christiane E. Müller: Haus des Lebens. Jüdische Friedhöfe in Deutschland. 2001 S. 124. 
Neuerscheinung in 2013:     Yehuda Schenef: Das Haus der drei Sterne. Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Pfersee, Kriegshaber und Steppach bei Augsburg, in Österreich, Bayern und Deutschland. Kokavim Verlag. 2013. 
Buchbesprechung: Artikel von Claudia Kohler in der "Augsburger Allgemeinen" vom 7. September 2013: "Der Friedhof als Tor zur Geschichte".   

   
  

                   
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Stand: 02. März 2014