Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hof (Kreisfreie Stadt, Oberfranken)
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Jüdische Geschichte / Synagoge
  

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Hof bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Erstmals werden 1319 Juden in der Stadt genannt. Nach dem in diesem Jahr ausgefertigten Stadtrechtsprivileg hatten sich Juden an Markttagen an der Wache zu beteiligen, an anderen Tagen waren sie davon befreit. Keine Angaben gibt es über eine eventuelle Verfolgung während der Pestzeit 1348/49. 1351 erhielt ein Jude Mayr und seine Mutter Bel einen Geleitsbrief. Beide lebten vermutlich in Hof. Eine "Judengasse" in der Stadt wird erstmals 1412 genannt, eine Synagoge bereits 1373. In der Judengasse lebten noch bis 1515 die meisten Juden, doch gab es hier auch Häuser christlicher Familien. Auch ein "Judengalgen" wird genannt, der sich westlich der Stadt auf einer Anhöhe befand. 1471 lebten mindestens fünf jüdische Familien in der Stadt. Als Herkunftsnamen einzelner Juden werden genannt: Eger (1449), Elbogen (1471), Mies (1472), Plauen (1374) und Pottenstein (1877). Juden aus Hof werden in dieser Zeit im Erzstift Mainz, in Ansbach und in Wöhrd/Nürnberg genannt. Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Geldhandel. Nach 1468, spätestens um 1485 lebte der jüdische Arzt Meister Abraham in der Stadt. Ein weiterer jüdischer Arzt in dieser Zeit nannte sich Hirß
  
1515 weigerten sich die Juden der Stadt, die übliche Karfreitagsabgabe zur Sühne für die Tötung Christi zu bezahlen. Hierauf fiel eine Anzahl Christen der Stadt am 8. April dieses Jahres über die Juden her, die am meisten im Schonung ihrer Torarollen baten. Die Häuser wurden geplündert, mehrere wurden getötet. Die übrigen verließen die Stadt. Die an der Verfolgung Hauptschuldigen erhielten zwar Gefängnis- und Geldstrafen. Auch erhielten die abgewanderten Juden ihre geraubten Güter großenteils wieder zurück, doch war ihnen eine Rückkehr in die Stadt nicht mehr möglich. Fünf der Hofener Juden bzw. jüdischen Familien zogen nach Elbogen, Neustadt a.d. Waldnaab, Haid und Allezhain (?). 1582 bestand ein Aufenthaltsverbot für Juden in Hof. 
   
Noch im 18. Jahrhundert verschaffte sich die Stadt ein Privileg gegen die Niederlassung jüdischer Personen.
  
19./20. Jahrhundert. Erst nach 1860 war es wiederum möglich, dass Juden sich in Hof niederlassen konnten. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1871 10 jüdische Einwohner (0,06 % von insgesamt 16.010 Einwohnern), 1880 25 (0,1 % von 20.997), 1890 52 (0,2 % von 26.455), 1900 78 (0,2 % von 32.781), 1910 98 (0,2 % von 41.126), 1925 80 (0,2 % von 41.377). Die jüdischen Familienvorsteher waren als Kaufleute, als Beamte und im Handwerk tätig (Bericht von 1902).   
 
Die jüdischen Familien bildeten 1892 zunächst einen "Synagogen-Verein Hof" (vgl. Ausschreibungen der Lehrerstelle). 1902 wurde die Bildung eines israelitischen Kultusgemeinde genehmigt (siehe Bericht unten von 1902).   
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (seit 1894 regelmäßiger Religionsunterricht), vermutlich auch eine Mikwe (siehe Bericht unten von 1902) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde wurde seit 1896 ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten von 1896 und 1900). Die jüdische Gemeinde in Hof gehörte zum Rabbinatsbezirk Bayreuth. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Theodor Hamburger (geb. 1885 in Lissa, gef. 27.87.1914) und Albert Rosenfeld (geb. 28.5.1897 in Mühlhausen, gef. 10.4.1918). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege im Wittelsbacher Park an der Sophiestraße und der Bergstraße. Außerdem sind gefallen: Leutnant Artur Gabbe (geb. 3.12.1887 in Hof, vor 1914 in Magdeburg wohnhaft, gef. 18.11.1916) und Max Fischer (geb. 14.4.1897 in Hof, vor 1914 wohnhaft in Ansbach, Todesdatum nicht bekannt).    
  
Um 1925 waren die Gemeindevorsteher David Blauzwirn, M. Heymann und A. Reiter. Als Lehrer war Leopold Weil angestellt. Er erteilte neun Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Damals gehörten zur jüdischen Gemeinde in Hof auf die in Oberkotzau (2), Schwarzenbach (3) und Rehau (3) lebenden jüdischen Personen.     
   
1932
waren die Gemeindevorsteher David Blauzwirn (Ludwigstraße), 1. Vors.), Leo Gabriel (Altstadt, 2. Vors.) und Lehrer Leopold Weil (Theresienstraße 7, Schriftführer). Letzterer erteilte im Schuljahr 1931/32 insgesamt 19 Kindern den Religionsunterricht. Der Gemeindevorstand hatte einen Friedhofsausschuss gebildet, dem David Blauzwirn vorstand. An jüdischen Vereinen gab es einen Jüdischen Frauenverein (bzw. Heilige Schwesternschaft, gegründet 1914; 1932 unter Leitung der Frau von Leo Gabriel; Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit), eine Ortsgruppe des Central-Vereins (gegründet 1918; unter Leitung von Lehrer Leopold Weil) sowie einen Literaturverein (gegründet 1930 aus der zunächst bestehenden Literarischen Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Ortsgruppe des Centralvereins; gleichfalls unter Leitung von Leopold Weil; zu den regen Aktivitäten der Vereine siehe Bericht unten von 1930). Dazu gab es eine Darlehenskasse für bedürftige jüdische Durchreisende. Außerdem bestand eine Gemeindebibliothek. 1932 gehörten zur Gemeinde Hof (nach der Erweiterung von 1927, siehe Bekanntmachung unten) jüdische Einwohner in Oberkotzau (4), Münchberg (7), Marktredwitz (13), Wunsiedel (4) und Selb (12).    
 
1933 lebten 96 jüdische Personen in Hof (0,2 % von 43,245 Einwohnern). Unter ihnen waren 20 Geschäftsinhaber, 17 Angestellte und Handelsvertreter sowie zwei Fabrikanten; dazu kamen ein Arzt, ein Anwalt, ein Ingenieur und ein Oberlehrer. In den Jahren nach 1933 verließ der Großteil der jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung die Stadt beziehungsweise wanderte aus. Bereits im März 1933 wurden fünf jüdische Einwohner festgenommen. Im Juli 1935 beschlagnahmten die Behörden die Verkaufsstände der jüdischen Straßenhändler. Im Dezember 1935 wurden Plakate an die Schaufenster der jüdischen Läden geklebt, mit denen zum Boykott aufgerufen wurden. Im Januar 1937 verhaftete man Emil Anders (einen sogenannten "Halbjuden") wegen angeblicher "Rassenschande"; er wurde in das KZ Dachau verschleppt. Im Verlauf des Jahres 1937 wurde jüdischen Hausierern von außerhalb untersagt, zum Herbstmarkt nach Hof zu kommen. Bald darauf begann die "Arisierung" der von nichtjüdischen Kinden bis dahin immer noch gut gesuchten jüdischen Läden. Beim Novemberpogrom 1938 zerschlugen SS-Männer die Fenster jüdischer Wohnhäuser und des Kaufhauses Ury. Danach wurde die Synagoge demoliert (s.u.). 12 jüdische Männer aus Hof, dazu sechs aus Oberkotzau, acht aus Münchberg und einer aus Rehau wurden festgenommen und für mehrere Wochen in das Gefängnis von Hof gesperrt. 1939 wurden nur noch sieben jüdische Einwohner gezählt, am 1. Januar 1940 noch drei, am 23. April 1941 nur noch einer. 23 der jüdischen Einwohner (von 1933) hatten auswandern können (Frankreich, USA, Tschechoslowakei, Brasilien, England und andere Länder), 65 verzogen innerhalb Deutschlands (14 nach Berlin, zwölf nach Leipzig, sieben nach München, je vier nach Mannheim und Chemnitz, je drei nach Dresden und Kassel), sieben waren noch in Hof verstorben. 
             
Von den in Hof geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hanna Blenke geb. Weil (1895), Lore Franken (1918), Margarete Franken (1914), Therese Franken geb. Silberberg (1885), Albert K. Goettinger (1920), Emmy Goettinger geb. Rosenfeld (1885), Martin Goettinger (1878), Abraham Goldberg (1898), Hans Lax (1881), Regine Lax geb. Lump (1877), Hermann Starer (1884).
Die Liste ist unvollständig; die Recherche in den beiden angegebenen Quellen zu Hof ist sehr schwierig.     
   
   
Nach 1945 kehrten keine früheren jüdischen Einwohner mehr in die Stadt zurück. Doch wurde Hof zur Durchgangsstation für zahlreiche sogenannte Displaced Persons (DPs): im Herbst 1946 hielten sich etwa 1.400 jüdische DPs in der Stadt auf, die in Schulgebäuden, im Grenzdurchgangslager in Moschendorf und im Kasernenbereich an der Kulmbacher Straße untergebracht wurden. Von denen, die nach Gründung des Staates Israel in Hof geblieben waren, wurde 1950 eine "Israelitische Kultusgemeinde" begründet. Sie hatte in der Folgezeit jedoch nur etwa 40 bis 50 Mitglieder (bis um 1990). Seit den 1990er-Jahren erfolgte ein Zuzug von jüdischen Emigranten aus den Ländern der früheren Sowjetunion ("Kontingentflüchtlinge"); die Gemeinde vergrößerte sich auf etwa 250 (1999) beziehungsweise 400 Personen (2010). Seit 1999 hat die Gemeinde mit David Goldberg einen eigenen Rabbiner.      
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1896 / 1900  

Hof Israelit 22101896.jpg (68532 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1896
"Religionslehrer gesucht. 
Der Synagogen-Verein Hof sucht für die schulpflichtigen Kinder (vorläufig nur sieben) seiner Vereinsmitglieder einen Religionslehrer, welcher wöchentlich dreimal Unterricht zu erteilen, an Fest- und Jahrtagen vorzubeten hat. Fester Gehalt Mark 900 und kleine Nebenverdienste.
 Offerten erbeten an den Vereinsvorstand: 
S. Wilmersdörfer
."     
   
Hof Israelit 09071900.jpg (60445 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1900: 
"Religionslehrer-Gesuch. 
Der Synagogen-Verein Hof sucht per 1. September dieses Jahres einen jüngeren seminaristisch gebildeten Religionslehrer (keinen Ausländer), welcher gleichzeitig Vorbeter und geprüfter Schochet sein müsste. Der Gehalt beträgt per anno Mark 900 und ca. 200 Nebenverdienste. Nebenbeschäftigung ist gestattet. 
Offerten nebst Zeugnissen sind zu richten an den Vorstand H. Vowitzer Hof in Bayern".   

   
Zum Tod von Lehrer Emanuel Heimann (1931)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Dezember 1931: "Ganz plötzlich und unerwartet starb in Plauen unser Freund Prediger und Lehrer Emanuel Heimann an einem Herzschlag. Der Verstorbene, ein Schüler des Würzburger Seminars, war früher Lehrer in Hof und lange Jahre Mitglied unseres Vereins. Als Vorsitzender des Vereins jüdischer Lehrer in Sachsen erwarb er sich besondere Verdienste um die Stellung der Religionslehrer und die staatliche Anerkennung des Religionsunterrichtes. Auch wir werden dem so früh Dahingeschiedenen in ehrender Erinnerung behalten."    

  
  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben       
Ein Müllermeister wurde in Asch bei Hof nach einer Gewalttat gegen einen jüdischen Getreidehändler festgenommen (1894)  
Anmerkung: der Vorfall ereignete sich im Zug von Hof nach Eger; der Müllermeister wurde im Bahnhof der Grenzstadt Asch (Aš) festgenommen, vgl. zur Strecke http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Cheb-Oberkotzau    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. April 1894: "In Asch bei Hof wurde ein Müllermeister in Haft genommen, der im Koupé des Egerer Zuges in einem antisemitischen Anfalle einen jüdischen Getreidehändler beinahe erdrosselt hatte."            

 
Die Städtische Behörde erlaubt nicht mehr das jüdisch-rituelle Schlachten im Schlachthof (1898)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1898: "Hof (Bayern), 26. Juni (1898). In unserer Stadt hatte die Städtische Behörde die Verfügung getroffen, dass alles auf dem Schlachthof geschlachtete Vieh vorher betäubt werden müsse. Da außerhalb des Schlachthofes nicht geschlachtet werden darf, so wäre uns bei Aufrechterhaltung dieser Verfügung, die wir auch für den Fleischbedarf der in den angrenzenden Gemeinden Sachsens wohnenden Juden sorgen, die Möglichkeit, rituell zu leben, genommen worden. Dank der Bemühung des Rabbiners Dr. Werner und des Vorstehers der Münchener Gemeinde, Rechtsanwalts Ofner, ist gestern vom Ministerium die Entscheidung eingetroffen, dass nach gesetzlicher Bestimmung in Bayern den Juden das Schächten nicht verboten werden darf!"

 
Genehmigung zur Gründung einer israelitischen Gemeinde in Hof (1902)  

Hof Israelit 10041902.JPG (115049 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1902: "Hof, 6. April (1902). Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten wurde mit dem neuen Jahre endlich hierselbst die Bildung einer israelitischen Kultusgemeinde genehmigt. Der Sage zufolge bestand bereits vor 300 Jahren eine solche hier. Jedoch muss dann eine Verfolgung erfolgt sein, sodass die Chronik vom Jahre 1700 meldet, Juden ist nicht verstattet, hier zu wohnen. In Folge eines großen Brandes in Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Archiv vernichtet, wodurch leider weitere Anhaltspunkte fehlen. Erst des vorigen Jahrhunderts soll in einem Hause der Umgegend ein jüdischer Grabstein aufgefunden worden sein. Jetzt ist dieselbe in stundenweitem Umkreis völlig 'judenrein'. Die hiesigen Israelitischen, seit etwa 10 Jahren zu einem Synagogenverein organisiert, haben sich im Laufe der letzten 20 Jahre aus dem Norden, Süden, Osten und Westen des deutschen Reiches hier angesiedelt. Die junge Gemeinde besteht vorwiegend aus Kaufleuten, einigen Beamten und einem Handwerker; Viehhandel und Metzgereien sind sind vertreten. (Sächsische Grenze!). 
Als Kuriosum verdient mitgeteilt zu werden, dass Hof den zweifelhaften Vorzug hat, die einzige bayerische Stadt zu sein, die in ihrem Schlachthause nicht schächten lässt. die nächste Sorge der neuen Gemeinde bildet die Beschaffung einer weiteren Sefer Thora. Dank dem unermüdlichen Eifer einer hiesigen braven Frau werden wir auch bald eine Mikwe besitzen. H."      

  
Das Gesuch der israelitischen Gemeinde um Gestattung des Schächtens im Schlachthaus wird vom Magistrat erneut abgewiesen (1905)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31.März 1905: "Die israelitische Kultusgemeinde Hof (Bayern) hatte sich an den Magistrat mit einer Eingabe gewendet, ihr das rituelle Schächten im Schlachthause zu gestatten. Eine hierzu vom städtischen Schlachthofinspektor abgegebene Äußerung wies insbesondere darauf hin, dass durch eine neueste Schrift von Dr. Schwarz - Konstanz 'bewiesen' sei, 'dass das Schächten in unserer Zeit keinerlei Berechtigung mehr habe'. Der Magistrat entschied, dass die Gründe, die bei den in den Jahren 1896/98 geführten Verhandlungen zur Nichtzulassung des Schächtens von Schlachtvieh im städtischen Schlachthofe geführt haben, heute noch unverändert wären und wies das Gesuch der israelitischen Kultusgemeinde ab."      

   
Erweiterung des Gebietes der Kultusgemeinde (1927)  

Bekanntmachung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9. Februar 1927: 
"Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinden Altenkunstadt, Bayreuth, Burgkunstadt, Hof und Schwabach. 
Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr Gebiet wie folgt auszudehnen:
...
die Israelitische Kultusgemeinde Hof auf den Landbezirk des Finanzamtes Hof und die Finanzamtsbezirke Selb, Wunsiedel, Münchberg und Lichtenberg, 
...
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den von der Ausdehnung betroffenen Gebieten wohnen oder unabhängig vom Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die Gebietserweiterung bis spätestens 28. Februar 1928 bei der Vorstand der betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündlich einzureichen. 
München, 4. Februar 1927. Dr. Neumeyer." 

  
Reiches kulturelles Leben in der Gemeinde (1930)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1930 (Hervorhebungen im Text durch den Webmaster): "Hof an der Saale. Aus dem Vereinsleben einer Kleingemeinde. Im abgelaufenen Winterhalbjahr herrschte in Hof ein reiches jüdisch-geistiges Leben. Wenn man auch in der Kleingemeinde fast mit Neid auf die vielen und abwechslungsreichen Veranstaltungen mancher Groß- und Mittelgemeinden blickt, so kann doch auch hier - wenn auch unter schwierigeren Verhältnissen und bei bescheideneren Ansprüchen - Interesse für jüdisches kulturelles Leben wachgerufen und jüdisches Wissen verbreitet werden. Auf diesem Gebiet harrt den Landesverbänden noch eine wichtige und dankbare Aufgabe der Bearbeitung. Die 'Literarische Arbeitsgemeinschaft', welche vor Jahren innerhalb der Ortsgruppe des Zentralvereins gebildet wurde, ist zu einem 'Jüdischen Literaturverein' ausgebaut worden. Das literarische Winterhalbjahr wurde eingeleitet mit einer 'Moses-Mendelssohn-Feier'. In dem herrlich geschmückten Saale des Theresiensteingebäudes sprach vor sehr zahlreichen Besuchern Lehrer Leopold Weil über: 'Moses Mendelsohn und wir'. Jeden Montag fanden Vortrags- und Diskussionsabende statt, die wie aus dem starken Besuch geschlossen werden darf - selbst aus der nahen Umgebung waren immer jüdische Gäste anwesend - interessant und bedeutsam waren. Lehrer Weil hatte die schwierige und mühevolle Aufgabe übernommen, ein reiches Winterprogramm aufzustellen und durchzuführen.
In einem zusammenhängenden Vortragszyklus sprach er über: 'Vorgeschichte des israelitischen Volkes und seiner Religion.' - 'Kultur der Hebräer in der vorisraelitischen Zeit'. - 'Die historischen Berichte der Bibel im Lichte der neuen Ergebnisse der Wissenschaft.' - 
Mit im Dienste der Abwehrarbeit standen die Abende, an welchen Weil über 'Mischna und Talmud' - 'Schulchan Aruch' - 'Der Gottesbegriff im Judentum' - 'Der Fremde in der jüdischen Sittenlehre' sprach.  
Von heute lebenden Dichtern jüdischen Glaubens kamen durch den oben genannten: Stefan Zweig, Arnold Zweig und Jakob Wassermann zu Wort, während Herbert Blauzwirn (Hof) über eine Neuerscheinung Robert Neumanns 'Südflut' in interessanter Weise zu berichten wusste.  
Ein Abend war der Kunst gewidmet.  
Walter Markus (Oberkotzau), sprach über 'Die Kunst der Käthe Kollwitz'. 
Am 'Abend des Buches' sprach Lehrer Weil über 'Das jüdische Buch'. Mit dem Abend war eine Bücherausstellung verbunden. 
Dem Abend war als Vorbereitung ein Vortrag vorausgegangen: 'Der Weg des jüdischen Lesers zum jüdischen Buch'. 
Im Dienste der jüdischen Jugenderziehung und der Weckung des Interesses für den jüdischen Religionsunterricht stand der 'Abend des Kindes' mit dem Vortrage Lehrer Weils über 'Probleme des hebräischen Anfangsunterrichtes'. 
Seine Besonderheit erhielt dieser Abend durch Illustrationen und Vorführungen von Kindern der Volksschulen. 
Auch dem jüdischen Geschehen der Gegenwart wurde Rechnung getragen. Anschließend an einzelne Vorträge wurde über 'Jüdische Gegenwartsprobleme' gesprochen und rege diskutiert. 
Auch innerhalb der Ortsgruppe des Zentralvereins fanden verschiedene Vorträge und aktuelle Besprechungen statt. 
Sinn, Ziel und Zweck aller dieser Vorträge und Veranstaltungen war und soll für die Zukunft sein, jüdisches Wissen zu verbrieten, die Aneignung gründlicher Kenntnisse in der jüdischen Geschichte und im jüdischen Schrifttum zu veranlassen, die ewig bedeutungsvollen ethischen Werte des Judentums und seiner Einrichtungen aufzuzeigen."       

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Über den Landtagsabgeordneten Dr. Fischel Arnheim (geb. 1812 in Bayreuth, Ehrenbürger der Stadt Hof, gest. 1864 in München, beigesetzt in Bayreuth)   
siehe Bericht auf der Seite zu Bayreuth     
  
Rechtsanwalt Frank erhält den Titel eines Justizrates (1901)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Januar 1901: "Bei den diesjährigen Neujahrsauszeichnungen in Bayern haben den Titel eines Kommerzienrats erhalten die Fabrikbesitzer Dr. Grünzweig - Ludwigshafen, Dessauer - Bamberg, Lippmann Bendit - Fürth, Heimann - Schweinfurt, Bankier Heim - Würzburg, Geschäftsführer des deutschen Hopfenbauvereins Faist - Nürnberg; die Titel eines Justizrats: Rechtsanwalt Frank - Hof, Rechtsanwalt Dr. Stern und Dr. Freudental - Würzburg; Rechtsanwalt Dr. Wittelshöfer - Fürth, den Titel und Rang eines Medizinalrates: Dr. Hirsch - Fürth".  


Dr. Julius Weinschenk kommt als Staatsanwalt nach Hof (1912)          

Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Oktober 1912: "Windsbach (Bayern). Dr. Julius Weinschenk ist zum Staatsanwalt ernannt und nach Hof versetzt worden."       

    
   

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Werbeanzeige von Hermann Seefeld (1901)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901: "Alle Beinkrümmungen verdeckt elegant nur mein mechanischer Bein-Regulier-Apparat ohne Polster oder Kissen. 
!Neu!. Karalog gratis. 
Hermann Seefeld, Hof 7, Bayern Vertreter gesucht".  

   
Anzeige für das Hotel Prinz-Regent in Hof (1904)  
Anmerkung: es handelt sich um ein nichtjüdisches Hotel, das in der jüdischen Zeitschrift inserierte.      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1904: 
"Hof in Bayern. Neu eröffnet. 
Hotel Prinz-Regent! 
Erstes und bestes Hotel am Platze. - Zimmer von Mark 1,50 an. - Französische Betten, berühmte Küche. - Elektrisches Licht. - Zentralheizung. - Mitte der Stadt. - Haltestelle der elektrischen Bahn. - Omnibus an jedem Zuge."    

   
   
   
Zur Geschichte der Synagogen            
   
Im Mittelalter wird eine Synagoge ("Judenschul") erstmals 1373 genannt. Sie stand in der 1412 erstmals erwähnten "Judengasse" zwischen zwei der Judenschaft gehörenden Häusern.  
    
19./20. Jahrhundert. Von der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder entstandenen jüdischen Gemeinde (bis 1902 "Synagogen-Verein") gab es seit 1887 Bemühungen um die Abhaltung jüdischer Gottesdienste. Zunächst traf man sich zumindest an den Hohen Feiertagen in Räumen von Hotels und Gaststätten der Stadt. Später gab es regelmäßige Gottesdienste in privaten Wohnhäusern (vor 1897 im Haus von August Gräfe in der Altstadt 7, danach im Hinterhaus von Regine Schiebler, Marienstraße 20).
  
Von 1900 bis 1927 hatte die jüdische Gemeinde einen Betraum im Hinterhaus des Landesproduktenhändlers Wegner (Ludwigstraße 24) eingerichtet. 1914 erfolgte die Vergrößerung des Raums. 
   
Mitte der 1920er-Jahre bestanden Pläne für die Einrichtung einer Synagoge in einem ehemaligen Nebengebäude des Bahnhofs in der Hallstraße, das zuvor dem jüdischen Möbelhändler Hermann Starer gehört hatte. Im April 1927 wurde mit dem Um- und Ausbau begonnen. Am 18. September 1927 fand die Einweihung der Synagoge innerhalb des neuen jüdischen Gemeindezentrums (mit Gemeindesitzungszimmer, Gemeindebibliothek usw.) statt.     
   

Einweihung der Synagoge 1927

Hof Bayr GZ 20101927a.jpg (324449 Byte) Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 20. Oktober 1927: "Hof an der Saale. Am Sonntag, dem 18. September, vormittags 11 Uhr, fand die feierliche Einweihung des neu erbauten Gotteshauses statt. Die Feier vereinigte außer den Angehörigen der Gemeinde viele Ehren- und Festgäste, sodass der sinnig geschmückte Betraum kaum alle Teilnehmer fassen konnte. 
Als Ehrengäste waren erschienen Vertreter der Regierung von Oberfranken, des Stadtrates, des katholischen Pfarramtes, des evangelisch-lutherischen Dekanats, der höheren Schulen, des Bezirks-Lehrervereins Hof-Stadt. Ebenso waren die Chefredakteure der Lokalpresse. Architekt Felsenstein und die am Bau mitarbeitenden Bau- und Handwerksmeister erschienen. 
Vom Verbande Bayerischer Israelitischer Gemeinden waren Rabbiner Dr. Bärwald (München) und Bankier Julius Wassermann abgeordnet. Die Nachbargemeinden Bayreuth, Kulmbach und Plauen hatten Repräsentanten entsandt. 
Ein Chorgesang 'Wie schön sind deine Zelte Jakob...' und ein Prolog, der auf die Bedeutung der Feierstunde hinwies, leiteten die Feier ein. Lehrer Weil hielt eine Ansprache, in der er zunächst die oben genannten Vertreter der Behörden und Körperschaften begrüßte. Der Redner sprach dann den Dank an Gott, der dem Werk Gelingen gab und Segen walten ließ über die Ausführung eines lang gehegten Wunsches. Er dankte allen Männern und Frauen, die das Werk fördern halfen; vor allem dem treuen Vorsitzenden der Gemeinde David Blauzwirn, der mit seltener Liebe und Hingebung sich dieser heiligen Aufgabe widmete und ihr zur siegreichen Lösung verhalf.  
Auch dem Verbande Bayerischer Israelitischer Gemeinden zollte er hohen Dank für die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, die es erst ermöglichten, das Grundstück zu erwerben, sowie den Spendern, Künstlern, Bau- und Handwerksmeistern. 
Im zweiten Teile seiner Rede verbreitete er sich über die Bedeutung des Gotteshauses im Juden, als Beth hathfelloh Bet- und Lehrhaus und als Beth hamikdosch - Weihe- und Lehrhaus, hinweisend auf das schöne Weihegebet Salomos bei der ersten Tempelweihe zu Jerusalem. Nachdem Musikdirektor Sharschmidt das Lied vom 'Guten Kameraden' auf dem Harmonium feierlichst gespielt hatte, wies derselbe Redner darauf hin, dass mit der Erbauung des Gotteshauses endlich ein langgehegter Wunsch der Gemeinde Erfüllung findet, indem die Namen der gefallenen Helden an der Rückseite des Almemors für immer festgehalten werden. Mit einem Gebet für die Gefallenen Theodor Hamburger und Albert Rosenfeld schloss die Heldenehrung.  
Unter feierlichem Gesang an 'waihi binssana' erfolgte das Einholen der Torarollen, welche nach feierlichen Umzügen in die heilige Lade gebracht wurden. Ein Sologesang Psalm 121, leitete den eigentlichen Weiheakt ein. Bezirksrabbiner Dr. Salomon aus Bayreuth, der die Einweihung vollzog, sprach ein inhaltsvolles Weihegebet, das mit dem Vortag des Segensspruches und Entzündung des ewigen Lichtes beendet wurde. Hierauf wurde vom Vorbeter der Psalm15 unter Harmoniumbegleitung rezitiert. Wiederum bestieg Bezirksrabbiner Dr. Salomon die Kanzel und hielt eine tiefempfundene Weiherede. Unter Zugrundelegung des Prophetenwortes Jesaja, Kapitel 51, Vers 16, legte er in einer geistvollen Ausführung die Aufgaben eines Gotteshauses dar. Die Predigt, die einen sichtlich tiefen Eindruck bei allen Zuhörern machte, schloss mit dem Gebete für Vaterland und Reichspräsidenten und dem Segen für die Gemeinde. 
Die Glückwünsche des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden überbrachte Rabbiner Dr. Bärwald aus München. Auch seine Ansprache fand starken Widerhall in den Herzen der andächtig lauschenden Besucher. Im Namen des Rates der Stadt sprach Stadtschulrat Wolfram, der dem Wunsche Worte lieh, dass Friede, Erbauung und Trost in dem neuen Raume wohnen möchte. 
Mit einem stimmungsvollen Chor: 'Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre' und Postludium schloss die harmonisch und würdig verlaufene Feier, die nachhaltigen Eindruck bei allen Zuhörern auslöste. 
An die offizielle Einweihungsfeier schloss sich ein Festessen in dem schön geschmückten Saales des Theresiensteingebäudes, an dem         
Hof Bayr GZ 20101927b.jpg (61161 Byte)Gemeindemitglieder, sowie Ehrengäste von auswärts teilnahmen. 
Es sprachen der Vorsitzende der Gemeinde David Blauzwirn, Rabbiner Dr. Salomon aus Bayreuth, Lehrer Leopold Weil, Bankier Julius Wassermann aus Bamberg, der Vorsitzende der Gemeinde Bayreuth Justizrat Klein, der Vorsitzende der Gemeinde Plauen Rechtsanwalt Dr. Goldberg, Prediger Heimann aus Plauen.  
An den Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, wurde ein Telegramm gesandt, worin der Dank der Gemeinde zum Ausdruck kam. 
Nebst dem Gotteshause wurde ein schön geräumiges Gemeindesitzungszimmer geschaffen, in welchem auch die Gemeindebibliothek untergebracht ist. 
Mit der Einweihung der neuen Synagoge wurde gleichzeitig die Jubelfeier des 25-jährigen Bestehens der Kultusgemeinde verbunden. Zur Feier des Tages verfasste Lehrer Weil eine Festschrift: 'Die Israelitische Kultusgemeinde Hof und ihre Vorgeschichte'. Berichte aus diesem Schriftchen werden folgen. Der Betsaal selbst, der, wie ein Redner beim Festessen betonte, ein Schmuckkästlein ist, bedeutet auch eine Zierde der Stadt."   

Bereits ein Jahr nach der Einweihung der neuen Synagoge kam es Ende Oktober 1928 zu einem Anschlag auf die Synagoge.   
 
Anschlag auf die Synagoge (1928)  

Hof Bayr GZ 15111928.jpg (47715 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. November 1928: "Schändung der Synagoge in Hof (Bayern). Berlin, 1. November (1928). In der Nacht von Sonnabend auf den Sonntag wurden - wie dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mitgeteilt wird - in Hof in Bayern im Gotteshause der Israelitischen Kultusgemeinde vier Fensterscheiben eingeworfen. Der diensttuende Beamte der Wach- und Schließgesellschaft überraschte die vier Übeltäter bei ihrer Zerstörungsarbeit. Sie entzogen sich jedoch durch eilige Flucht der Festnahme. Über die zur Ergreifung der Täter getroffenen Maßnahmen kann aus naheliegenden Gründen noch nicht mitgeteilt werden."    
  
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1928: "München. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurden in Hof in Bayern im Gotteshause der Israelitischen Kultusgemeinde vier Fensterscheiben eingeworfen. Der diensttuende Beamte der Wach- und Schließgesellschaft überraschte die vier Übeltäter bei ihrer Zerstörungsarbeit. Die entzogen sich jedoch durch eilige Flucht der Festnahme."   
 
Artikel in der "Deutschen Israelitischen Zeitung" (Regensburg) vom 8. November 1928: "Synagogenschändung in Hof in Bayern. Aus Hof in Bayern wird berichtet: In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde in dem erst vor kurzem eingeweihten Gotteshause der Israelitischen Kultusgemeinde von ruchlosen Bubenhänden vier Fensterscheiben eingeworfen. Der diensttuende Beamte der Wach- und Schließgesellschaft überraschte die vier gemeinen Übeltäter bei ihrer Zerstörungsarbeit. Dieselben wussten sich indes durch eilige Flucht der Ergreifung zu entziehen. Es bedarf wohl keines besonders ausgeprägten Spürsinnes, um zu erraten, aus welchem Lager diese unreifen Burschen stammen, die von gewissenlosen, demagogischen Hetzern und Verhetzern verführt und irregeleitet werden."    

  
 
Beim Novemberpogrom 1938  wurde die Inneneinrichtung der Synagoge durch SS- und SA-Leute sowie andere Nationalsozialisten zerstört. Die Ritualien wurden verbrannt, die Möbel auf die Straße geworfen und vor die Stadt auf einen Sportplatz am Unterkotzauer Weg am Saaleufer gefahren, wo sie gleichfalls verbrannt wurden. Im Dezember 1938 wurde das Synagogengebäude abgebrochen. Die Abbruchkosten musste die jüdische Gemeinde übernehmen.  
     
     
Adresse/Standort der 1938 zerstörten Synagoge:    Hallstraße 9 
    
    
Nach 1945: Erste Beträume gab es im Bereich des DP-Lagers in Hof. Die nach Auflösung des Lagers in Hof verbliebenen jüdischen Personen konnten ab 1955 im städtischen Gebäude Karolinenstraße 13 Gottesdienste abhalten. 1973 erwarb die Gemeinde das Gebäude Kulmbacher Straße 1, wo im September 1973 ein neuer Betraum eröffnet werden könnte. Mit dem Zuzug jüdischer "Kontingentflüchtlinge" in den 1990er-Jahren war ein neuer Betraum nötig: 1997 konnte ein ehemaliges Schulgebäude in Moschendorf (Oberkotzauer Straße 66) durch den Gemeindevorsitzenden Leon Gonczarowski erworben und als jüdisches Gemeindezentrum errichtet, die Synagoge im Mai 1998 eingeweiht werden. Auf Grund der Verdienste des Gemeindevorsitzenden trägt die Synagoge seit Mai 2004 den Namen "Leon-Gonczarowski-Synagoge".   
      
      

      
Fotos     

Die beiden Beträume 
(Synagogen) vor 1938
(Quelle: Stadtarchiv Hof)
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  Der von etwa 1900 bis 1927 genutzte
 Betsaal im Hinterhaus des Anwesens
 Ludwigstraße 24
Die im September 1927 eingeweihte
 Synagoge in der Hallstraße 9
 
        
Novemberpogrom am 
10. November 1938  
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   Das zerschlagene Inventar der Synagoge
 wird aus der Synagoge getragen und 
auf Lastwagen geladen
Das Inventar wird auf den Lastwagen 
vor die Stadt gefahren
  
        
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Abladen des Inventars und Aufschichtung
 zum einem Scheiterhaufen
Das Synagogeninventar wird vor einer großen Menge, insbesondere 
vor Parteigenossen verbrannt
     
     
Gedenktafel von 1983
am Synagogenstandort
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach,
www.synagogen.info
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Gedenktafel am Hallplatz mit dem Text: "Hier stand von 1927 bis 1938 die Synagoge 
der Israelitischen Kultusgemeinde Hof. Am 10. XI. 1938, in der 'Kristallnacht', wurde dieses
 Gotteshaus durch nationalsozialistische Gewalt zerstört. Die Stadt Hof erinnert mit dieser 
Tafel an die Verfolgung und die Leiden unserer jüdischen Mitbürger. 10. XI. 1983."
   
   
In der neuen Synagoge
der Gemeinde (Januar 2008)
(Quelle: Website des 
Schiller-Gymnasiums Hof
Hof Synagoge n150.jpg (100721 Byte) Hof Synagoge n151.jpg (68291 Byte)
  Eine Klasse des Schiller-Gymnasiums Hof besucht die Hofer Synagoge im alten Schulhaus von Moschendorf und bekommt Erläuterungen durch Rabbiner David Goldberg. Dabei zeigt er auch die im November 1938 von der damals 9-jährigen Doris Weber aus den Gluten der niedergebrannten Hofer Synagoge gerettete Torarolle - das einzige Stück, das von der damaligen Synagoge übrig geblieben ist.
    
Ein Bericht aus dem jüdischen Gemeindeleben - über "Simchat Tora" (Herbst 2010)      
Artikel von Gerd Stoppa im "Hofer Anzeige" vom 4. Oktober 2010 (Artikel): "Die Thora ist ausgelesen
Einmal im Jahr, dann nämlich, wenn alle fünf Bücher Moses ausgelesen sind, feiert die jüdische Gemeinde Hof hat das Fest der Thorafreude. Am Freitag war es wieder soweit. Wie Rabbiner David Goldberg bemerkte, lernen die Gläubigen immer wieder Stellen dieses Teils der Hebräischen Bibel besser kennen. Zum Fest trugen die Männer drei Thorarollen um das Lesepult und durch die Bankreihen der Synagoge. Dabei sangen sie fröhliche Lieder über Jerusalem, während die am Rand stehenden Frauen ihre innere Beziehung zur Thora zeigten, indem sie die in Samt gehüllten Thorarollen mit den Fingerspitzen berührten und sie anschließend küssten. Die Thora gilt als "Baum des Lebens". Wer an ihr festhalte und sich auf sie stütze, hieß es in einer Lesung, sei beglückt, denn alle ihre Wege führten zum Frieden. Zur Lesung des letzten Abschnitts wurden nacheinander alle Männer zum Lesepult gerufen. Baruch Köhler betonte: Der Gemeindevorstand habe entschieden, dass auch Nichtjuden zum Lesepult kommen und den Segensspruch in Hebräisch sprechen können. Sie nicht aufzurufen, wäre diskriminierend. Zuletzt wurden die Kinder nach vorn gerufen. Dabei wurde ein Gebetsmantel wie ein Baldachin über das Lesepult und die Kinder ausgespannt. Rabbiner Goldberg (Zweiter von rechts) erhob die ausgelesene Thorarolle und zeigte sie allen, bevor er sie durch eine andere austauschte, aus der in Hebräisch das erste Kapitel Moses begonnen wurde: "Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde." Nach einem gemeinsamen Gebet begaben sich die Gemeindeglieder zum Festmahl in den großen Saal." 
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2010: Gedenken an den Novemberpogrom 1938  
Artikel im "Hofer Anzeiger" vom 11. November 2010 (Artikel): "Erinnerung an den 9. November 1938 
Etwa 120 Teilnehmer haben sich gestern zur Gedenkveranstaltung am Hallplatz versammelt. Bei der Feierstunde wurden die Geschehnisse der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Erinnerung gerufen. Rabbiner David Goldberg eröffnete die Feier mit hebräischen und jiddischen Liedern, deren klagender Ton auf das Gedenken einstimmte. Der Hofer Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner stellte in seiner Ansprache fest, es seien nicht viele, "denen es ein Bedürfnis ist", bei dieser Feier dabei zu sein. Er stellte die Frage: "Wären wir so mutig gewesen, nein zu sagen?" Er ging auf die Ereignisse in dieser Nacht in Hof ein und erinnerte daran, wie beim Kaufhaus Ury und dem Schuhgeschäft Bottina die Fensterscheiben eingeschlagen wurden, wie die Synagoge in Flammen aufging. Er gab zu, sich nicht sicher zu sein, "ob wir so mutig gewesen wären", sich den Ereignissen zu widersetzen. Gerade deshalb müsse die Erinnerung an die Geschehnisse wach gehalten werden. Fichtner erinnerte aber auch an das, was nach dem Krieg an Aufbauleistung vollbracht wurde und meinte: "Darauf können wir stolz sein, wenn wir dabei nicht überheblich sind." Zur heutigen Verantwortung gehöre es, an die dunkelsten Kapitel der Geschichte zu erinnern, "um unsere Demokratie auch für die Zukunft wehrhaft gegen ihre Feinde zu halten." Auch Mirjam Channah-Goldberg erinnerte in einer Ansprache an den 9. November 1938. Der Chor der jüdischen Gemeinde (unser Bild) trug ebenfalls mit Liedern zur Feier bei."  
 
September 2012: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich besucht die Synagoge und Rabbiner David Goldberg  
Artikel von Harald Jäckel in der "Frankenpost" vom 8. September 2012: "Bundesinnenminister besucht Rabbi Goldberg 
Hof -
Vorbeispaziert ist er schon oft an der Hofer Synagoge, aber drin war er am Freitag zum ersten Mal: Beim Besuch der Israelitischen Kultusgemeinde zeigte sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich - der ganz in der Nähe wohnt - beeindruckt vom aktiven jüdischen Glaubensleben in der Stadt..." 
Link zum Artikel         
 

    
     

Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Hof  
Website der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland mit Seite über Rabbiner Goldberg und die Gemeinde Hof   
Artikel bei hagalil.com von 1999: David Goldberg aus Israel - der erste Rabbiner in Hof: Verständnis für die jüdische Religion wecken.    

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 365; III,1 S. 567-570. 
Leopold Weil: Die israelitische Kultusgemeinde Hof und deren Vorgeschichte - Zur Einweihung des neuen Gotteshauses. Hof 1927. 
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 136-139.    
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1992² S. 223-224. 
Arnd Kluge: Die Reichskristallnacht in Hof. Stadtarchiv Hof. Hof 2002.  
Albrecht Bald: Jüdische Displaced Persons, Billy Jenkins und die Purimsfeier des Jüdischen Hilfskomitees Hof im März 1946. In: 41. Bericht des Nordostoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde (Miscellanea curiensia - Beiträge zur Geschichte und Kultur Nordoberfrankens und angrenzender Regionen, Bd.II) Hof 1999. 
ders.: Arisierungen im nördlichen Oberfranken 1933 - 1938. In: Miscellanea curiensia Band VIII (= 57. Bericht des Nordostoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde), Hof 2009.
Sigrid Friedrich-Wössner: Kultur und Lebensweise der Juden in Hof seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts. (= Regensburger Schriften zur Volkskunde, 13), Regensburg 1997. 
Norbert Goßler: Jüdisches Leben im Raum Hof. In: 41. Bericht des Nordostoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde (Miscellanea curiensia - Beiträge zur Geschichte und Kultur Nordoberfrankens und angrenzender Regionen, Bd.II), Hof 1999.
Fred Händel: Zur "Reichskristallnacht" in Hof. In: Kulturwarte 1988, S. 318, Hof 1988. 
Jim Tobias: Vorübergehende Heimat im Land der Täter. Jüdische DP-Camps in Franken 1945-1949, Nürnberg 2002. Hier sind u.a. die Camps in Hof, Rehau, Bernstein a. W., Schwarzenbach a. W., Münchberg, Schauenstein erwähnt. 
Wolf Weil: Die Geschichte der Juden in Hof seit 1938. o. J., Stadtarchiv Hof, M 88  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 232-234. Hier auch Abschnitte zu Oberkotzau, Selb, Marktredwitz, Münchberg (S. 234-235).    
Synagogengedenkbuch BY 01.jpg (49758 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I: Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Hof S. 169-177.

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hof  Upper Franconia. Jews are first mentioned in 1319 and were accorded freedom of movement and worship in 1373 under a letter of protection. On Easter 1515, rioters destroyed Jewish homes and murdered many when they met resistance while attempting to burn the synagogue's Torah scrolls. The rest of the Jews were expelled.      
Jews began to settle again in the 1860s and an independent community was officially founded in 1902, numbering 98 in 1910 (total population 14.126). A synagogue was dedicated in 1927. In the Nazi era the Jews suffered from the economic boycott. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was vandalized, religious articles burned, and 17 Jews arrested. During the 1933-39 period, almost all the Jews left the city. In all, 23 went abroad and 65 moved to other German cities.
     
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Februar 2016