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Hof (Kreisfreie
Stadt,
Oberfranken)
mit Orten der Umgebung
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Hof bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter.
Erstmals werden 1319 Juden in der Stadt genannt. Nach dem in diesem Jahr
ausgefertigten Stadtrechtsprivileg hatten sich Juden an Markttagen an der Wache
zu beteiligen, an anderen Tagen waren sie davon befreit. Keine Angaben gibt es
über eine eventuelle Verfolgung während der Pestzeit 1348/49. 1351
erhielt ein Jude Mayr und seine Mutter Bel einen Geleitsbrief. Beide lebten
vermutlich in Hof. Eine "Judengasse" in der Stadt wird erstmals
1412 genannt, eine Synagoge bereits 1373. In der Judengasse lebten noch
bis 1515 die meisten Juden, doch gab es hier auch Häuser christlicher Familien.
Auch ein "Judengalgen" wird genannt, der sich westlich der Stadt auf
einer Anhöhe befand. 1471 lebten mindestens fünf jüdische Familien in
der Stadt. Als Herkunftsnamen einzelner Juden werden genannt: Eger (1449),
Elbogen (1471), Mies (1472), Plauen (1374) und Pottenstein (1877). Juden aus Hof
werden in dieser Zeit im Erzstift Mainz, in Ansbach und in Wöhrd/Nürnberg
genannt. Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Geldhandel. Nach 1468,
spätestens um 1485 lebte der jüdische Arzt Meister Abraham in der
Stadt. Ein weiterer jüdischer Arzt in dieser Zeit nannte sich Hirß.
1515 weigerten sich die Juden der Stadt, die übliche Karfreitagsabgabe zur
Sühne für die Tötung Christi zu bezahlen. Hierauf fiel eine Anzahl
Christen der Stadt am 8. April dieses Jahres über die Juden her, die am meisten
im Schonung ihrer Torarollen baten. Die Häuser wurden geplündert, mehrere
wurden getötet. Die übrigen verließen die Stadt. Die an der Verfolgung
Hauptschuldigen erhielten zwar Gefängnis- und Geldstrafen. Auch erhielten die
abgewanderten Juden ihre geraubten Güter großenteils wieder zurück, doch war
ihnen eine Rückkehr in die Stadt nicht mehr möglich. Fünf der Hofener Juden
bzw. jüdischen Familien zogen nach Elbogen, Neustadt a.d. Waldnaab, Haid und Allezhain
(?). 1582 bestand ein Aufenthaltsverbot für Juden in Hof.
Noch im 18.
Jahrhundert verschaffte sich die Stadt ein Privileg gegen die Niederlassung
jüdischer Personen.
19./20. Jahrhundert. Erst nach 1860 war es wiederum möglich, dass Juden sich in Hof niederlassen
konnten. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1871 10 jüdische Einwohner (0,06 % von insgesamt 16.010
Einwohnern), 1880 25 (0,1 % von 20.997), 1890 52 (0,2 % von 26.455), 1900 78
(0,2 % von 32.781), 1910 98 (0,2 % von 41.126), 1925 80 (0,2 % von 41.377). Die
jüdischen Familienvorsteher waren als Kaufleute, als Beamte und im Handwerk
tätig (Bericht von 1902).
Die jüdischen Familien bildeten 1892 zunächst einen "Synagogen-Verein
Hof" (vgl. Ausschreibungen der Lehrerstelle). 1902 wurde die Bildung
eines israelitischen Kultusgemeinde genehmigt (siehe Bericht unten von
1902).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule (seit 1894 regelmäßiger Religionsunterricht), vermutlich auch
eine Mikwe (siehe Bericht unten von 1902) und einen Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde wurde seit 1896 ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten von 1896
und 1900). Die jüdische Gemeinde in Hof gehörte zum Rabbinatsbezirk Bayreuth.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Theodor Hamburger
(geb. 1885 in Lissa, gef. 27.87.1914) und Albert Rosenfeld (geb. 28.5.1897 in
Mühlhausen, gef. 10.4.1918). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die
Gefallenen der beiden Weltkriege im Wittelsbacher Park an der Sophiestraße und
der Bergstraße. Außerdem sind gefallen: Leutnant Artur Gabbe (geb. 3.12.1887
in Hof, vor 1914 in Magdeburg wohnhaft, gef. 18.11.1916) und Max Fischer (geb.
14.4.1897 in Hof, vor 1914 wohnhaft in Ansbach, Todesdatum nicht
bekannt).
Um 1925 waren die Gemeindevorsteher David Blauzwirn, M. Heymann und A.
Reiter. Als Lehrer war Leopold Weil angestellt. Er erteilte neun Kindern der
Gemeinde den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Damals gehörten zur
jüdischen Gemeinde in Hof auf die in Oberkotzau (2), Schwarzenbach (3) und
Rehau (3) lebenden jüdischen Personen.
1932 waren die Gemeindevorsteher David Blauzwirn (Ludwigstraße), 1. Vors.),
Leo Gabriel (Altstadt, 2. Vors.) und Lehrer Leopold Weil (Theresienstraße 7,
Schriftführer). Letzterer erteilte im Schuljahr 1931/32 insgesamt 19 Kindern
den Religionsunterricht. Der Gemeindevorstand hatte einen Friedhofsausschuss
gebildet, dem David Blauzwirn vorstand. An jüdischen Vereinen gab es
einen Jüdischen Frauenverein (bzw. Heilige Schwesternschaft,
gegründet 1914; 1932 unter Leitung der Frau von Leo Gabriel; Zweck und
Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit), eine Ortsgruppe des Central-Vereins
(gegründet 1918; unter Leitung von Lehrer Leopold Weil) sowie einen Literaturverein
(gegründet 1930 aus der zunächst bestehenden Literarischen
Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Ortsgruppe des Centralvereins; gleichfalls
unter Leitung von Leopold Weil; zu den regen Aktivitäten der Vereine siehe
Bericht unten von 1930). Dazu gab es eine Darlehenskasse für bedürftige
jüdische Durchreisende. Außerdem bestand eine Gemeindebibliothek. 1932
gehörten zur Gemeinde Hof (nach der Erweiterung von 1927, siehe Bekanntmachung
unten) jüdische Einwohner in Oberkotzau (4), Münchberg (7), Marktredwitz (13),
Wunsiedel (4) und Selb (12).
1933 lebten 96 jüdische Personen in Hof (0,2 % von 43,245 Einwohnern).
Unter ihnen waren 20 Geschäftsinhaber, 17 Angestellte und Handelsvertreter
sowie zwei Fabrikanten; dazu kamen ein Arzt, ein Anwalt, ein Ingenieur und ein
Oberlehrer. In den Jahren nach 1933 verließ der Großteil der jüdischen
Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden
Repressalien und der Entrechtung die Stadt beziehungsweise wanderte aus. Bereits
im März 1933 wurden fünf jüdische Einwohner festgenommen. Im Juli 1935
beschlagnahmten die Behörden die Verkaufsstände der jüdischen
Straßenhändler. Im Dezember 1935 wurden Plakate an die Schaufenster der
jüdischen Läden geklebt, mit denen zum Boykott aufgerufen wurden. Im Januar
1937 verhaftete man Emil Anders (einen sogenannten "Halbjuden") wegen
angeblicher "Rassenschande"; er wurde in das KZ Dachau verschleppt. Im
Verlauf des Jahres 1937 wurde jüdischen Hausierern von außerhalb untersagt,
zum Herbstmarkt nach Hof zu kommen. Bald darauf begann die
"Arisierung" der von nichtjüdischen Kinden bis dahin immer noch gut
gesuchten jüdischen Läden. Beim Novemberpogrom 1938 zerschlugen
SS-Männer die Fenster jüdischer Wohnhäuser und des Kaufhauses Ury. Danach
wurde die Synagoge demoliert (s.u.). 12 jüdische Männer aus Hof, dazu sechs
aus Oberkotzau, acht aus Münchberg und einer aus Rehau wurden festgenommen und für mehrere Wochen in das Gefängnis von
Hof gesperrt. 1939 wurden nur noch sieben jüdische Einwohner gezählt, am 1.
Januar 1940 noch drei, am 23. April 1941 nur noch einer. 23 der jüdischen
Einwohner (von 1933) hatten auswandern können (Frankreich, USA,
Tschechoslowakei, Brasilien, England und andere Länder), 65 verzogen innerhalb
Deutschlands (14 nach Berlin, zwölf nach Leipzig, sieben nach München, je vier
nach Mannheim und Chemnitz, je drei nach Dresden und Kassel), sieben waren noch
in Hof verstorben.
Von den in Hof geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hanna Blenke geb.
Weil (1895), Lore Franken (1918), Margarete Franken (1914), Therese Franken geb.
Silberberg (1885), Albert K. Goettinger (1920), Emmy Goettinger geb. Rosenfeld
(1885), Martin Goettinger (1878), Abraham Goldberg (1898), Hans Lax (1881),
Regine Lax geb. Lump (1877), Hermann Starer (1884).
Die Liste ist unvollständig; die Recherche in den beiden angegebenen Quellen
zu Hof ist sehr schwierig.
Nach 1945 kehrten keine früheren jüdischen
Einwohner mehr in die Stadt zurück. Doch wurde Hof zur Durchgangsstation für
zahlreiche sogenannte Displaced Persons (DPs): im Herbst 1946 hielten sich etwa
1.400 jüdische DPs in der Stadt auf, die in Schulgebäuden, im
Grenzdurchgangslager in Moschendorf und im Kasernenbereich an der Kulmbacher
Straße untergebracht wurden. Von denen, die nach Gründung des Staates Israel
in Hof geblieben waren, wurde 1950 eine "Israelitische Kultusgemeinde"
begründet. Sie hatte in der Folgezeit jedoch nur etwa 40 bis 50 Mitglieder (bis
um 1990). Seit den 1990er-Jahren erfolgte ein Zuzug von jüdischen
Emigranten aus den Ländern der früheren Sowjetunion ("Kontingentflüchtlinge");
die Gemeinde vergrößerte sich auf etwa 250 (1999) beziehungsweise 400 Personen
(2010). Seit 1999 hat die Gemeinde mit David Goldberg einen eigenen Rabbiner.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1896 /
1900
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1896:
"Religionslehrer gesucht.
Der Synagogen-Verein Hof sucht für die schulpflichtigen Kinder
(vorläufig nur sieben) seiner Vereinsmitglieder einen Religionslehrer,
welcher wöchentlich dreimal Unterricht zu erteilen, an Fest- und
Jahrtagen vorzubeten hat. Fester Gehalt Mark 900 und kleine
Nebenverdienste.
Offerten erbeten an den Vereinsvorstand:
S. Wilmersdörfer." |
| |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juli 1900:
"Religionslehrer-Gesuch.
Der Synagogen-Verein Hof sucht per 1. September dieses Jahres einen
jüngeren seminaristisch gebildeten Religionslehrer (keinen
Ausländer), welcher gleichzeitig Vorbeter und geprüfter Schochet
sein müsste. Der Gehalt beträgt per anno Mark 900 und ca. 200
Nebenverdienste. Nebenbeschäftigung ist gestattet.
Offerten nebst Zeugnissen sind zu richten an den Vorstand H. Vowitzer Hof
in Bayern". |
Zum Tod von Lehrer Emanuel Heimann (1931)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Dezember 1931: "Ganz plötzlich und unerwartet starb in Plauen unser
Freund Prediger und Lehrer Emanuel Heimann an einem Herzschlag. Der
Verstorbene, ein Schüler des Würzburger Seminars, war früher Lehrer in Hof
und lange Jahre Mitglied unseres Vereins. Als Vorsitzender des Vereins
jüdischer Lehrer in Sachsen erwarb er sich besondere Verdienste um die
Stellung der Religionslehrer und die staatliche Anerkennung des Religionsunterrichtes.
Auch wir werden dem so früh Dahingeschiedenen in ehrender Erinnerung
behalten." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Die Städtische Behörde erlaubt nicht mehr das
jüdisch-rituelle Schlachten im Schlachthof (1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juli 1898:
"Hof (Bayern), 26. Juni (1898). In unserer Stadt hatte die
Städtische Behörde die Verfügung getroffen, dass alles auf dem Schlachthof
geschlachtete Vieh vorher betäubt werden müsse. Da außerhalb des
Schlachthofes nicht geschlachtet werden darf, so wäre uns bei
Aufrechterhaltung dieser Verfügung, die wir auch für den Fleischbedarf
der in den angrenzenden Gemeinden Sachsens wohnenden Juden sorgen, die
Möglichkeit, rituell zu leben, genommen worden. Dank der Bemühung des
Rabbiners Dr. Werner und des Vorstehers der Münchener Gemeinde,
Rechtsanwalts Ofner, ist gestern vom Ministerium die Entscheidung
eingetroffen, dass nach gesetzlicher Bestimmung in Bayern den Juden das
Schächten nicht verboten werden darf!" |
Genehmigung zur Gründung einer israelitischen Gemeinde in Hof (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1902:
"Hof, 6. April (1902). Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten wurde
mit dem neuen Jahre endlich hierselbst die Bildung einer israelitischen
Kultusgemeinde genehmigt. Der Sage zufolge bestand bereits vor 300 Jahren
eine solche hier. Jedoch muss dann eine Verfolgung erfolgt sein, sodass
die Chronik vom Jahre 1700 meldet, Juden ist nicht verstattet, hier zu
wohnen. In Folge eines großen Brandes in Mitte des 17. Jahrhunderts wurde
das Archiv vernichtet, wodurch leider weitere Anhaltspunkte fehlen. Erst
des vorigen Jahrhunderts soll in einem Hause der Umgegend ein jüdischer
Grabstein aufgefunden worden sein. Jetzt ist dieselbe in stundenweitem
Umkreis völlig 'judenrein'. Die hiesigen Israelitischen, seit etwa 10
Jahren zu einem Synagogenverein organisiert, haben sich im Laufe der
letzten 20 Jahre aus dem Norden, Süden, Osten und Westen des deutschen
Reiches hier angesiedelt. Die junge Gemeinde besteht vorwiegend aus
Kaufleuten, einigen Beamten und einem Handwerker; Viehhandel und
Metzgereien sind sind vertreten. (Sächsische Grenze!).
Als Kuriosum verdient mitgeteilt zu werden, dass Hof den zweifelhaften
Vorzug hat, die einzige bayerische Stadt zu sein, die in ihrem
Schlachthause nicht schächten lässt. die nächste Sorge der neuen
Gemeinde bildet die Beschaffung einer weiteren Sefer Thora. Dank dem
unermüdlichen Eifer einer hiesigen braven Frau werden wir auch bald eine
Mikwe besitzen. H." |
Das Gesuch der israelitischen Gemeinde um Gestattung
des Schächtens im Schlachthaus wird vom Magistrat erneut abgewiesen
(1905)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31.März 1905:
"Die israelitische Kultusgemeinde Hof (Bayern) hatte sich an
den Magistrat mit einer Eingabe gewendet, ihr das rituelle Schächten im Schlachthause
zu gestatten. Eine hierzu vom städtischen Schlachthofinspektor abgegebene
Äußerung wies insbesondere darauf hin, dass durch eine neueste Schrift
von Dr. Schwarz - Konstanz 'bewiesen' sei, 'dass das Schächten in unserer
Zeit keinerlei Berechtigung mehr habe'. Der Magistrat entschied, dass die
Gründe, die bei den in den Jahren 1896/98 geführten Verhandlungen zur
Nichtzulassung des Schächtens von Schlachtvieh im städtischen
Schlachthofe geführt haben, heute noch unverändert wären und wies das
Gesuch der israelitischen Kultusgemeinde
ab." |
Erweiterung des Gebietes der Kultusgemeinde (1927)
Bekanntmachung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 9.
Februar 1927:
"Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der
Israelitischen Kultusgemeinden Altenkunstadt, Bayreuth, Burgkunstadt, Hof
und Schwabach.
Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr
Gebiet wie folgt auszudehnen:
...
die Israelitische Kultusgemeinde Hof auf den Landbezirk des
Finanzamtes Hof und die Finanzamtsbezirke Selb, Wunsiedel, Münchberg und
Lichtenberg,
...
Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Religionsgenossen, die in den
von der Ausdehnung betroffenen Gebieten wohnen oder unabhängig vom
Wohnsitz steuerpflichtig sind, etwaige Einsprüche gegen die
Gebietserweiterung bis spätestens 28. Februar 1928 bei der Vorstand der
betreffenden Kultusgemeinde schriftlich oder mündlich einzureichen.
München, 4. Februar 1927. Dr. Neumeyer." |
Reiches kulturelles Leben in der Gemeinde
(1930)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni
1930 (Hervorhebungen im Text durch den Webmaster): "Hof an
der Saale. Aus dem Vereinsleben einer Kleingemeinde. Im abgelaufenen
Winterhalbjahr herrschte in Hof ein reiches jüdisch-geistiges Leben. Wenn
man auch in der Kleingemeinde fast mit Neid auf die vielen und
abwechslungsreichen Veranstaltungen mancher Groß- und Mittelgemeinden
blickt, so kann doch auch hier - wenn auch unter schwierigeren
Verhältnissen und bei bescheideneren Ansprüchen - Interesse für
jüdisches kulturelles Leben wachgerufen und jüdisches Wissen verbreitet
werden. Auf diesem Gebiet harrt den Landesverbänden noch eine wichtige
und dankbare Aufgabe der Bearbeitung. Die 'Literarische
Arbeitsgemeinschaft', welche vor Jahren innerhalb der Ortsgruppe des
Zentralvereins gebildet wurde, ist zu einem 'Jüdischen
Literaturverein' ausgebaut worden. Das literarische Winterhalbjahr
wurde eingeleitet mit einer 'Moses-Mendelssohn-Feier'. In dem herrlich
geschmückten Saale des Theresiensteingebäudes sprach vor sehr
zahlreichen Besuchern Lehrer Leopold Weil über: 'Moses Mendelsohn
und wir'. Jeden Montag fanden Vortrags- und Diskussionsabende statt, die
wie aus dem starken Besuch geschlossen werden darf - selbst aus der nahen
Umgebung waren immer jüdische Gäste anwesend - interessant und bedeutsam
waren. Lehrer Weil hatte die schwierige und mühevolle Aufgabe
übernommen, ein reiches Winterprogramm aufzustellen und durchzuführen.
In einem zusammenhängenden Vortragszyklus sprach er über: 'Vorgeschichte
des israelitischen Volkes und seiner Religion.' - 'Kultur der Hebräer in
der vorisraelitischen Zeit'. - 'Die historischen Berichte der Bibel im
Lichte der neuen Ergebnisse der Wissenschaft.' -
Mit im Dienste der Abwehrarbeit standen die Abende, an welchen Weil über
'Mischna und Talmud' - 'Schulchan Aruch' - 'Der Gottesbegriff im Judentum'
- 'Der Fremde in der jüdischen Sittenlehre' sprach.
Von heute lebenden Dichtern jüdischen Glaubens kamen durch den oben
genannten: Stefan Zweig, Arnold Zweig und Jakob Wassermann zu Wort,
während Herbert Blauzwirn (Hof) über eine Neuerscheinung Robert Neumanns
'Südflut' in interessanter Weise zu berichten wusste.
Ein Abend war der Kunst gewidmet.
Walter Markus (Oberkotzau), sprach über 'Die Kunst der Käthe
Kollwitz'.
Am 'Abend des Buches' sprach Lehrer Weil über 'Das jüdische Buch'. Mit
dem Abend war eine Bücherausstellung verbunden.
Dem Abend war als Vorbereitung ein Vortrag vorausgegangen: 'Der Weg des
jüdischen Lesers zum jüdischen Buch'.
Im Dienste der jüdischen Jugenderziehung und der Weckung des Interesses
für den jüdischen Religionsunterricht stand der 'Abend des Kindes' mit
dem Vortrage Lehrer Weils über 'Probleme des hebräischen
Anfangsunterrichtes'.
Seine Besonderheit erhielt dieser Abend durch Illustrationen und
Vorführungen von Kindern der Volksschulen.
Auch dem jüdischen Geschehen der Gegenwart wurde Rechnung getragen.
Anschließend an einzelne Vorträge wurde über 'Jüdische
Gegenwartsprobleme' gesprochen und rege diskutiert.
Auch innerhalb der Ortsgruppe des Zentralvereins fanden
verschiedene Vorträge und aktuelle Besprechungen statt.
Sinn, Ziel und Zweck aller dieser Vorträge und Veranstaltungen war und
soll für die Zukunft sein, jüdisches Wissen zu verbrieten, die Aneignung
gründlicher Kenntnisse in der jüdischen Geschichte und im jüdischen
Schrifttum zu veranlassen, die ewig bedeutungsvollen ethischen Werte des
Judentums und seiner Einrichtungen
aufzuzeigen." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Dr. Julius Weinschenk kommt als Staatsanwalt nach Hof (1912)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25.
Oktober 1912: "Windsbach (Bayern). Dr. Julius Weinschenk
ist zum Staatsanwalt ernannt und nach Hof versetzt
worden." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Werbeanzeige von Hermann Seefeld (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901:
"Alle Beinkrümmungen verdeckt elegant nur mein mechanischer Bein-Regulier-Apparat
ohne Polster oder Kissen.
!Neu!. Karalog gratis.
Hermann Seefeld, Hof 7, Bayern Vertreter gesucht". |
Zur Geschichte der Synagogen
Im Mittelalter wird eine Synagoge ("Judenschul")
erstmals 1373 genannt. Sie stand in der 1412 erstmals erwähnten
"Judengasse" zwischen zwei der Judenschaft gehörenden Häusern.
19./20. Jahrhundert. Von der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder entstandenen
jüdischen Gemeinde (bis 1902 "Synagogen-Verein") gab es seit 1887
Bemühungen um die Abhaltung jüdischer Gottesdienste. Zunächst traf man sich
zumindest an den Hohen Feiertagen in Räumen von Hotels und Gaststätten der
Stadt. Später gab es regelmäßige Gottesdienste in privaten Wohnhäusern (vor
1897 im Haus von August Gräfe in der Altstadt 7, danach im Hinterhaus von
Regine Schiebler, Marienstraße 20).
Von 1900 bis 1927 hatte die jüdische Gemeinde einen Betraum im
Hinterhaus des Landesproduktenhändlers Wegner (Ludwigstraße 24) eingerichtet.
1914 erfolgte die Vergrößerung des Raums.
Mitte der 1920er-Jahre bestanden Pläne für die Einrichtung einer Synagoge in
einem ehemaligen Nebengebäude des Bahnhofs in der Hallstraße, das zuvor dem
jüdischen Möbelhändler Hermann Starer gehört hatte. Im April 1927 wurde mit
dem Um- und Ausbau begonnen. Am 18. September 1927 fand die Einweihung
der Synagoge innerhalb des neuen jüdischen Gemeindezentrums (mit
Gemeindesitzungszimmer, Gemeindebibliothek usw.) statt.
Einweihung der Synagoge 1927
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
20. Oktober 1927: "Hof an der Saale. Am Sonntag, dem 18.
September, vormittags 11 Uhr, fand die feierliche Einweihung des neu
erbauten Gotteshauses statt. Die Feier vereinigte außer den Angehörigen
der Gemeinde viele Ehren- und Festgäste, sodass der sinnig geschmückte
Betraum kaum alle Teilnehmer fassen konnte.
Als Ehrengäste waren erschienen Vertreter der Regierung von Oberfranken,
des Stadtrates, des katholischen Pfarramtes, des evangelisch-lutherischen
Dekanats, der höheren Schulen, des Bezirks-Lehrervereins Hof-Stadt.
Ebenso waren die Chefredakteure der Lokalpresse. Architekt Felsenstein und
die am Bau mitarbeitenden Bau- und Handwerksmeister erschienen.
Vom Verbande Bayerischer Israelitischer Gemeinden waren Rabbiner Dr.
Bärwald (München) und Bankier Julius Wassermann abgeordnet. Die
Nachbargemeinden Bayreuth, Kulmbach und Plauen hatten Repräsentanten
entsandt.
Ein Chorgesang 'Wie schön sind deine Zelte Jakob...' und ein Prolog, der
auf die Bedeutung der Feierstunde hinwies, leiteten die Feier ein. Lehrer
Weil hielt eine Ansprache, in der er zunächst die oben genannten
Vertreter der Behörden und Körperschaften begrüßte. Der Redner sprach
dann den Dank an Gott, der dem Werk Gelingen gab und Segen walten ließ
über die Ausführung eines lang gehegten Wunsches. Er dankte allen
Männern und Frauen, die das Werk fördern halfen; vor allem dem treuen
Vorsitzenden der Gemeinde David Blauzwirn, der mit seltener Liebe und
Hingebung sich dieser heiligen Aufgabe widmete und ihr zur siegreichen
Lösung verhalf.
Auch dem Verbande Bayerischer Israelitischer Gemeinden zollte er hohen
Dank für die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, die es erst
ermöglichten, das Grundstück zu erwerben, sowie den Spendern, Künstlern,
Bau- und Handwerksmeistern.
Im zweiten Teile seiner Rede verbreitete er sich über die Bedeutung des
Gotteshauses im Juden, als Beth hathfelloh Bet- und Lehrhaus und als Beth
hamikdosch - Weihe- und Lehrhaus, hinweisend auf das schöne Weihegebet
Salomos bei der ersten Tempelweihe zu Jerusalem. Nachdem
Musikdirektor Sharschmidt das Lied vom 'Guten Kameraden' auf dem Harmonium
feierlichst gespielt hatte, wies derselbe Redner darauf hin, dass mit der
Erbauung des Gotteshauses endlich ein langgehegter Wunsch der Gemeinde
Erfüllung findet, indem die Namen der gefallenen Helden an der Rückseite
des Almemors für immer festgehalten werden. Mit einem Gebet für die
Gefallenen Theodor Hamburger und Albert Rosenfeld schloss die
Heldenehrung.
Unter feierlichem Gesang an 'waihi binssana' erfolgte das Einholen der
Torarollen, welche nach feierlichen Umzügen in die heilige Lade gebracht
wurden. Ein Sologesang Psalm 121, leitete den eigentlichen Weiheakt ein.
Bezirksrabbiner Dr. Salomon aus Bayreuth, der die Einweihung vollzog,
sprach ein inhaltsvolles Weihegebet, das mit dem Vortag des Segensspruches
und Entzündung des ewigen Lichtes beendet wurde. Hierauf wurde vom
Vorbeter der Psalm15 unter Harmoniumbegleitung rezitiert. Wiederum bestieg
Bezirksrabbiner Dr. Salomon die Kanzel und hielt eine tiefempfundene
Weiherede. Unter Zugrundelegung des Prophetenwortes Jesaja, Kapitel 51,
Vers 16, legte er in einer geistvollen Ausführung die Aufgaben eines
Gotteshauses dar. Die Predigt, die einen sichtlich tiefen Eindruck bei
allen Zuhörern machte, schloss mit dem Gebete für Vaterland und
Reichspräsidenten und dem Segen für die Gemeinde.
Die Glückwünsche des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden
überbrachte Rabbiner Dr. Bärwald aus München. Auch seine Ansprache fand
starken Widerhall in den Herzen der andächtig lauschenden Besucher. Im
Namen des Rates der Stadt sprach Stadtschulrat Wolfram, der dem Wunsche
Worte lieh, dass Friede, Erbauung und Trost in dem neuen Raume wohnen
möchte.
Mit einem stimmungsvollen Chor: 'Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre' und
Postludium schloss die harmonisch und würdig verlaufene Feier, die
nachhaltigen Eindruck bei allen Zuhörern auslöste.
An die offizielle Einweihungsfeier schloss sich ein Festessen in dem
schön geschmückten Saales des Theresiensteingebäudes, an dem |
Gemeindemitglieder,
sowie Ehrengäste von auswärts teilnahmen.
Es sprachen der Vorsitzende der Gemeinde David Blauzwirn, Rabbiner Dr.
Salomon aus Bayreuth, Lehrer Leopold Weil, Bankier Julius Wassermann aus
Bamberg, der Vorsitzende der Gemeinde Bayreuth Justizrat Klein, der
Vorsitzende der Gemeinde Plauen Rechtsanwalt Dr. Goldberg, Prediger
Heimann aus Plauen.
An den Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer,
wurde ein Telegramm gesandt, worin der Dank der Gemeinde zum Ausdruck
kam.
Nebst dem Gotteshause wurde ein schön geräumiges Gemeindesitzungszimmer
geschaffen, in welchem auch die Gemeindebibliothek untergebracht
ist.
Mit der Einweihung der neuen Synagoge wurde gleichzeitig die Jubelfeier
des 25-jährigen Bestehens der Kultusgemeinde verbunden. Zur Feier des
Tages verfasste Lehrer Weil eine Festschrift: 'Die Israelitische
Kultusgemeinde Hof und ihre Vorgeschichte'. Berichte aus diesem
Schriftchen werden folgen. Der Betsaal selbst, der, wie ein Redner beim
Festessen betonte, ein Schmuckkästlein ist, bedeutet auch eine Zierde der
Stadt." |
Bereits ein Jahr nach der Einweihung der neuen Synagoge kam es
Ende Oktober 1928 zu einem Anschlag auf die Synagoge.
Anschlag auf die Synagoge (1928)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
November 1928: "Schändung der Synagoge in Hof (Bayern). Berlin, 1.
November (1928). In der Nacht von Sonnabend auf den Sonntag wurden - wie
dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mitgeteilt
wird - in Hof in Bayern im Gotteshause der Israelitischen Kultusgemeinde
vier Fensterscheiben eingeworfen. Der diensttuende Beamte der Wach- und
Schließgesellschaft überraschte die vier Übeltäter bei ihrer
Zerstörungsarbeit. Sie entzogen sich jedoch durch eilige Flucht der
Festnahme. Über die zur Ergreifung der Täter getroffenen Maßnahmen kann
aus naheliegenden Gründen noch nicht mitgeteilt werden."
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1928:
"München. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurden in Hof in
Bayern im Gotteshause der Israelitischen Kultusgemeinde vier
Fensterscheiben eingeworfen. Der diensttuende Beamte der Wach- und Schließgesellschaft
überraschte die vier Übeltäter bei ihrer Zerstörungsarbeit. Die
entzogen sich jedoch durch eilige Flucht der
Festnahme." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge durch SS- und SA-Leute sowie andere Nationalsozialisten zerstört. Die Ritualien wurden verbrannt, die Möbel auf die Straße
geworfen und vor die Stadt auf einen Sportplatz am Unterkotzauer Weg am Saaleufer gefahren, wo sie gleichfalls
verbrannt wurden. Im Dezember 1938 wurde das Synagogengebäude abgebrochen. Die
Abbruchkosten musste die jüdische Gemeinde übernehmen.
Adresse/Standort der 1938 zerstörten Synagoge: Hallstraße
9
Nach 1945: Erste Beträume gab es im Bereich
des DP-Lagers in Hof. Die nach Auflösung des Lagers in Hof verbliebenen
jüdischen Personen konnten ab 1955 im städtischen Gebäude
Karolinenstraße 13 Gottesdienste abhalten. 1973 erwarb die Gemeinde das
Gebäude Kulmbacher Straße 1, wo im September 1973 ein neuer Betraum eröffnet
werden könnte. Mit dem Zuzug jüdischer "Kontingentflüchtlinge" in
den 1990er-Jahren war ein neuer Betraum nötig: 1997 konnte ein
ehemaliges Schulgebäude in Moschendorf (Oberkotzauer Straße 66) durch den
Gemeindevorsitzenden Leon Gonczarowski erworben und als jüdisches
Gemeindezentrum errichtet, die Synagoge im Mai 1998 eingeweiht werden. Auf Grund
der Verdienste des Gemeindevorsitzenden trägt die Synagoge seit Mai 2004 den
Namen "Leon-Gonczarowski-Synagoge".
Fotos
Die beiden Beträume
(Synagogen) vor 1938
(Quelle: Stadtarchiv Hof) |
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Der von etwa 1900 bis 1927
genutzte
Betsaal im Hinterhaus des Anwesens
Ludwigstraße 24 |
Die im September 1927
eingeweihte
Synagoge in der Hallstraße 9 |
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Novemberpogrom am
10. November
1938 |
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Das zerschlagene
Inventar der Synagoge
wird aus der Synagoge getragen und
auf Lastwagen geladen |
Das Inventar wird auf den
Lastwagen
vor die Stadt gefahren |
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Abladen des Inventars und
Aufschichtung
zum einem Scheiterhaufen |
Das
Synagogeninventar wird vor einer großen Menge, insbesondere
vor Parteigenossen verbrannt |
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Gedenktafel von 1983
am Synagogenstandort
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach,
www.synagogen.info) |
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Gedenktafel am
Hallplatz mit dem Text: "Hier stand von 1927 bis 1938 die Synagoge
der Israelitischen Kultusgemeinde Hof. Am 10. XI. 1938, in der
'Kristallnacht', wurde dieses Gotteshaus durch nationalsozialistische
Gewalt zerstört. Die Stadt Hof erinnert mit dieser Tafel an die
Verfolgung und die Leiden unserer jüdischen Mitbürger. 10. XI.
1983." |
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In der neuen Synagoge
der Gemeinde (Januar 2008)
(Quelle: Website
des
Schiller-Gymnasiums Hof) |
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Eine Klasse des
Schiller-Gymnasiums Hof besucht die Hofer Synagoge im alten Schulhaus von
Moschendorf und bekommt Erläuterungen durch Rabbiner David Goldberg.
Dabei zeigt er auch die im November 1938 von der damals 9-jährigen Doris
Weber aus den Gluten der niedergebrannten Hofer Synagoge gerettete
Torarolle - das einzige Stück, das von der damaligen Synagoge übrig
geblieben ist. |
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| Ein Bericht aus
dem jüdischen Gemeindeleben - über "Simchat Tora" (Herbst
2010) |
Artikel von Gerd Stoppa im
"Hofer Anzeige" vom 4. Oktober 2010 (Artikel): "Die Thora ist ausgelesen
Einmal im Jahr, dann nämlich, wenn alle fünf Bücher Moses ausgelesen sind, feiert die jüdische Gemeinde Hof hat das Fest der Thorafreude. Am Freitag war es wieder soweit. Wie Rabbiner David Goldberg bemerkte, lernen die Gläubigen immer wieder Stellen dieses Teils der Hebräischen Bibel besser kennen. Zum Fest trugen die Männer drei Thorarollen um das Lesepult und durch die Bankreihen der Synagoge. Dabei sangen sie fröhliche Lieder über Jerusalem, während die am Rand stehenden Frauen ihre innere Beziehung zur Thora zeigten, indem sie die in Samt gehüllten Thorarollen mit den Fingerspitzen berührten und sie anschließend küssten. Die Thora gilt als "Baum des Lebens". Wer an ihr festhalte und sich auf sie stütze, hieß es in einer Lesung, sei beglückt, denn alle ihre Wege führten zum Frieden. Zur Lesung des letzten Abschnitts wurden nacheinander alle Männer zum Lesepult gerufen. Baruch Köhler betonte: Der Gemeindevorstand habe entschieden, dass auch Nichtjuden zum Lesepult kommen und den Segensspruch in Hebräisch sprechen können. Sie nicht aufzurufen, wäre diskriminierend. Zuletzt wurden die Kinder nach vorn gerufen. Dabei wurde ein Gebetsmantel wie ein Baldachin über das Lesepult und die Kinder ausgespannt. Rabbiner Goldberg (Zweiter von rechts) erhob die ausgelesene Thorarolle und zeigte sie allen, bevor er sie durch eine andere austauschte, aus der in Hebräisch das erste Kapitel Moses begonnen wurde: "Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde." Nach einem gemeinsamen Gebet begaben sich die Gemeindeglieder zum Festmahl in den großen Saal." |
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Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
| November 2010:
Gedenken an den
Novemberpogrom 1938 |
Artikel im
"Hofer Anzeiger" vom 11. November 2010 (Artikel): "Erinnerung an den 9. November 1938
Etwa 120 Teilnehmer haben sich gestern zur Gedenkveranstaltung am Hallplatz versammelt. Bei der Feierstunde wurden die Geschehnisse der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Erinnerung gerufen. Rabbiner David Goldberg eröffnete die Feier mit hebräischen und jiddischen Liedern, deren klagender Ton auf das Gedenken einstimmte. Der Hofer
Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner stellte in seiner Ansprache fest, es seien nicht viele, "denen es ein Bedürfnis ist", bei dieser Feier dabei zu sein. Er stellte die Frage: "Wären wir so mutig gewesen, nein zu sagen?" Er ging auf die Ereignisse in dieser Nacht in Hof ein und erinnerte daran, wie beim Kaufhaus Ury und dem Schuhgeschäft Bottina die Fensterscheiben eingeschlagen wurden, wie die Synagoge in Flammen aufging. Er gab zu, sich nicht sicher zu sein, "ob wir so mutig gewesen wären", sich den Ereignissen zu widersetzen. Gerade deshalb müsse die Erinnerung an die Geschehnisse wach gehalten werden. Fichtner erinnerte aber auch an das, was nach dem Krieg an Aufbauleistung vollbracht wurde und meinte: "Darauf können wir stolz sein, wenn wir dabei nicht überheblich sind." Zur heutigen Verantwortung gehöre es, an die dunkelsten Kapitel der Geschichte zu erinnern, "um unsere Demokratie auch für die Zukunft wehrhaft gegen ihre Feinde zu halten." Auch Mirjam Channah-Goldberg erinnerte in einer Anprache an den 9. November 1938. Der Chor der jüdischen Gemeinde (unser Bild) trug ebenfalls mit Liedern zur Feier
bei." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 365; III,1 S. 567-570. |
 | Leopold Weil: Die israelitische Kultusgemeinde Hof
und deren Vorgeschichte - Zur Einweihung des neuen Gotteshauses. Hof
1927. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 136-139. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1992² S. 223-224. |
 | Arnd Kluge: Die Reichskristallnacht in Hof.
Stadtarchiv Hof. Hof 2002. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 232-234. Hier auch
Abschnitte zu Oberkotzau, Selb, Marktredwitz, Münchberg (S.
234-235).
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"Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Hof S. 169-177. |
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Hof Upper Franconia. Jews are
first mentioned in 1319 and were accorded freedom of movement and worship in
1373 under a letter of protection. On Easter 1515, rioters destroyed Jewish
homes and murdered many when they met resistance while attempting to burn the
synagogue's Torah scrolls. The rest of the Jews were expelled.
Jews began to settle again in the 1860s and an independent community was
officially founded in 1902, numbering 98 in 1910 (total population 14.126). A
synagogue was dedicated in 1927. In the Nazi era the Jews suffered from the
economic boycott. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue
was vandalized, religious articles burned, and 17 Jews arrested. During the
1933-39 period, almost all the Jews left the city. In all, 23 went abroad and 65
moved to other German cities.

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