Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bayreuth (Kreisstadt, Oberfranken)
Texte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert (bis nach 1933) 

    
Hinweis
: Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Bayreuth wurden in jüdischen Periodika gefunden; weitere Texte werden bei Gelegenheit ergänzt.
 Neueste Ergänzung am 10.12.2014.             
         
Übersicht:   

Allgemeine Berichte zur jüdischen Gemeinde 
Beschreibung und Charakterisierung der jüdischen Gemeinde Bayreuth (1851)   
Antisemitismus in Bayreuth (1880 /1925)   
Auseinandersetzung mit antisemitischen Regungen in Bayreuth (1880)   
-  Kritisches zu Richard Wagner und seinen "Jüngern" (1880)   
B
ürgermeister Hofrat Preu äußert sich zu der stärker werdenden antisemitischen Bewegung (1920)   
Der Begründer des Rassenantisemitismus Houston Stewart Chamberlain feiert seinen 70. Geburtstag in Bayreuth (1925)   
Berichte zum Rabbinat Bayreuth 
Übersicht über die Distriktsrabbiner in Bayreuth  
R
abbiner Dr. Joseph Aub erhält eine Teuerungszulage (1847)  
Ü
ber die Ergebnisse eines Rabbinerkongresses in Bamberg (1850)   
Überlegungen anlässlich des Wegzuges von Rabbiner Dr. Joseph Aub (1852), "wodurch Bayern einen seiner intelligentesten Rabbinen verliert"   
Neubesetzung der Rabbinatsstelle (1852) 
R
abbiner Dr. Julius Fürst wird Präparandenlehrer für israelitische Schulaspiranten (1859)   
R
abbiner Dr. Julius Fürst (Bayreuth) und Rabbiner Gutmann (Redwitz) können sich gegen orthodoxe Einflüsse behaupten (1860)   
Rabbiner Dr. Joseph Aub wechselt von Mainz nach Berlin (1866)   
Zum Tod von Rabbiner Dr. Joseph Aub (Rabbiner in Bayreuth von 1830 bis 1850; Bericht von 1880)    
Besetzung der Rabbinatsstelle mit Rabbiner Dr. Israel Schwarz (1853)    
Ausschreibung der Rabbinerstelle (1880)       
25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Salomon Kusnitzki (1906)  
Rabbiner Dr. Kusnitzky verlässt Bayreuth (1911)    
Einführung von Rabbiner Dr. Felix Salomon in das Rabbineramt in Bayreuth (1912)     
Das Rabbinat Bayreuth wird aufgelöst beziehungsweise mit dem Rabbinat Regensburg - Neumarkt verbunden (1936)   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und anderer Angestellten der Gemeinde  
Zum Tod des Religionslehrers und Kantors Abraham Ebert (1894 in Fürth, war vor 1852 Lehrer in Bayreuth)  
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers und Kantors Simon Dachauer (1894) 
Ausschreibungen der Stelle des Schächters und Synagogendieners / Hilfsvorbeters 1875 / 1902 
Zum 61. Geburtstag des langjährigen Vorstehers und ehrenamtlichen Vorbeters D. W. Wilmersdörfer (1879) 
Der Kultusbedienstete M. Silberstein feiert sein 25-jähriges Dienstjubiläum (1900)  
Lehrer Simon Dachauer tritt in den Ruhestand (1910)     
D
er Stadtmagistrat gewährt einen Zuschuss für den israelitischen Lehrer (1911  
A
usschreibung der Stelle des Kantors und Schächters (1924)    
Lehrer und Kantor Simon Rau verlässt Bayreuth (1927)    
Bezirkskonferenz der Lehrer des Bezirkes Nordoberfranken unter Leitung von Bezirksrabbiner Dr. Salomon (1929)   
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben     
Gründung eines "Lesevereines" durch Rabbiner Dr. Aub (1838)   
Trauer in der jüdischen Gemeinde anlässlich des Todes von König Max (1864) 
Trauergottesdienst zum Tod des Regenten Luitpold in der Synagoge (1913)    
Ergebnis der Vorstandswahlen (1920)     
Vortragszyklus über 50 Jahre deutsche Dichtung (1930)  
Vortragszyklus im Winterhalbjahr 1931/32 (1931)  

Besondere Einrichtungen  
Anzeigen des "Asyls für gemüts- und nervenkranke Israeliten" 1862/ 1864/ 1866 / 1883 / 1897 ("Herzoghöhe") 
Über die Einrichtung des Asyls für gemüts- und geisteskranke Israeliten in Bayreuth (1875)   

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde (und andere Personen)    
Zum Tod von Emanuel Osmund (1842) 
D
r. Joseph Engelmann wird leitender Arzt an der "Irrenanstalt" St. Georgen bei Bayreuth (1859/60)    
Zur Beisetzung der Frau von Bataillonsarzt Dr. Julius Stein (1866)  
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert - Grabstein für Otto Würzburger aus Bayreuth in New Orleans (ca. 1841-1867)  
Ü
ber den Landtagsabgeordneten Dr. Fischel Arnheim (geb. 1812 in Bayreuth, Ehrenbürger der Stadt Hof, gest. 1864 in München, beigesetzt in Bayreuth)   
Die beiden Bayreuther Ärzte Dr. Bernhard Karpeles und Dr. Julius Stein wurden ausgezeichnet (1871)    
Z
ur Beisetzung von Rechtsanwalt Carl Würzburger (1892)    
Unfall nach einer Hochzeit mit mehreren Verletzten (1893)   
8
0. Geburtstag von Generalarzt a.D. Dr. Julius Stein (1902)   
D
er jüdische Sänger Max Dawison aus Hamburg tritt in Bayreuth auf (1906)   
Zum Tod von Generalarzt Dr. Julius Stein (1908)    
Über den in Bayreuth geborenen Senatspräsidenten und Universitätsprofessor in München Dr. Heinrich Harburger (Bericht von 1916)  
Stiftung von Max Harburger (1916)      
O
berleutnant d. Res. Ludwig Kurzmann wurde zum Rittmeister befördert (1917)       

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       
Anzeige der Seligsberg'schen Antiquariatsbuchhandlung (1850)   
A
nzeige des Leinen-, Weißwaren- und Wäschegeschäftes H. Lang (1880)   
-  Anzeige von Otto Friede (1890)   
-  Anzeige der Wurstwarenfabrik Adolf Fleischner (1901)  

Weitere Dokumente   
Briefstück von S. Schwabacher (Bayreuth) an Rosenfeld & Co. (Fürth) (1866)  
Kartenbrief an Pauline Schwabacher in Bayreuth (1898)   

    
    
Allgemeine Berichte zur jüdischen Gemeinde   
Beschreibung und Charakterisierung der jüdischen Gemeinde Bayreuth (1851)     
Bayreuth AZJ 10111851.jpg (143082 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" von 10. Oktober 1851: "Mein nächstes Ziel war die Kreishauptstadt Bayreuth, welche eine zahlreiche gebildete israelitische Gemeinde in ihrem Mauern hat. Herr Rabbiner Dr. Aub, früher von der Orthodoxie angeklagt und verfolgt, erfreut sich jetzt der ungeteilten Hochachtung und des vollen Vertrauens seiner ganzen Gemeinde. Ein konsequentes ernstes Streben mit Rechtschaffenheit gepaart und von einem guten Charakter getragen, findet am Ende immer Anerkennung, während religiöse Wackelmännerei allem Gute die Grube gräbt. Dr. Aub erteilt am dortigen Gymnasium Unterricht und wird, wie mir von einer treffenden christlichen Persönlichkeit mitgeteilt ward, in die engeren Zirkel und Kränzchen der dortigen Professoren etc. gezogen. In der Person des Herr Ebert besitzt die Gemeinde einen so geschickten Lehrer wie ausgezeichneten Vorsänger, und mag noch als Kuriosum erwähnt werden, dass die Kantoren der vier in der Stadt lebenden Konfessionen häufig mit einander Quartette in gebildeten kreisen singen. (Anm.: Bei einem solchen Vortrag im Kasino machte ein hochgestellter Beamter den Witz: ‚Der Jude ist doch überall der Erste!’ Herr Ebert sing nämlich ersten Tenor") Bei der am andern Tage meiner Anwesenheit stattgefundenen Schulprüfung wurden unter Anderem auch drei Exemplare von Krämers ‚jüdischen Erzählungen’ als Preisbücher verteilt. – Die Synagoge, großartig, jedoch finster und verfallen aussehend, wird demnächst einer umfassenden Verschönerung unterworfen werden. Auf der nahen ‚Eremitage’ hat Seine Majestät gerade zu jener Zeit das Gesetz über die Abschaffung der juridischen Ausnahmsgesetze gegen die Juden durch seine Unterschrift sanktioniert. Bei der allgemeinen Vorstellung war auch Dr. Aub zugezogen worden, und Seine Majestät geruhten sieben Fragen über persönliche und allgemeine Verhältnisse an denselben zu richten."

   
  
  
Antisemitismus in Bayreuth (1880 / 1925)     
Auseinandersetzung mit antisemitischen Regunge
n in Bayreuth (1880)   

Bayreuth AZJ 14091880.jpg (72808 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. September 1880: "Bayreuth, 1. September (1880). Die ‚Germania’ vom 30. August enthält einen Artikel, den sie ‚Zur Judenherrschaft’ betitelt. Man erwartet natürlich irgendetwas Schreckliches, das die Herrschaft der Juden über das deutsche Reich dokumentiert. Es ist übrigens weiter nichts, als dass der Magistrat zu Bayreuth den Viehmarkt vom 6. September, dem jüdischen Neujahrsfeste, auf den 8. auf Gesuch einiger israelitischer Handelsleute verlegt hat. Ist dies nicht eine unerträgliche Judenherrschaft?! Schade nur, dass die Juden diese Herrschaft bereits vor 100 und 200 Jahren ausübten, ohne dass daraus der geringste Schade entstand. Die Sache liegt nämlich ebenso im Vorteil der christlichen Viehbesitzer, wie der jüdischen Viehhändler. Bekanntlich hat der deutsche Reichstag etwas mehr Bedeutung als der Bayreuther Viehmarkt und Niemand findet, wenn der Reichstag an einem katholischen Feiertag keine Sitzung hält, hierin eine ‚Katholikenherrschaft,’ sondern nur eine natürliche Billigkeit und Rücksichtnahme. Wir würden hiervon gar keine Erwähnung tun, wenn es nicht zu charakteristisch wäre, wie weit der Fanatismus die Verblendung bis ins Kleinste treibt!"

  
Kritisches zu Richard Wagner und seinen "Jüngern" (1880)
   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Dezember 1880: "Bayreuth, im November (1880). Wenn die eifrigen Jünger Richard Wagners noch nicht von dem Geisteszustande ihres Meisters überzeugt sind, so können sie es reichlich durch einen Aufsatz werden, welcher das zehnte Stück der 'Bayreuther Blätter' vom gedachten Dichterkomponisten über 'Religion und Kunst' enthält, und der auch als Broschüre erscheinen soll und erschienen ist. Wie Richard Wagner bis jetzt als Regenerator der Musik, wenigstens der deutschen Musik und Dramatik, aufgetreten, so spielt er sich jetzt als Regenerator des ganzen Menschengeschlechts auf. Diese Wiedergeburt in religiöser, sittlicher und sozialer Beziehung sieht er im - Vegetarianismus, d.h. in der alleinigen Ernährung Pflanzenkost. Die Führung bei dieser Wiedergeburt soll deshalb der Verein der Vegetarianer mit den Mäßigkeits- und Tierschutz-Vereinen in Verbindung mit gut geleiteten sozialistischen Arbeitervereinen übernehmen. Judentum und Christentum sind nach Richard Wagner dem Untergange verfallen, weil sie die Sünde an den Genuss einer Frucht knüpfen und Gott mehr Wohlgefallen an den Opferlämmern Abels als an den Früchten Kains gehabt haben soll. Jesus habe die menschlichen Genüsse auf Brot und Wein beschränken wollen, (und das Passahkamm, von dem er genoss?), aber seine Jünger folgten ihm nicht. Pythagoras war der einzige richtige Philosoph des Altertums, da er die Pflanzennahrung empfiehlt. Er frägt: was einem fleischessenden Publikum die Pastoralsymphonie sein könne? (aber Beethoven aß doch Fleisch'?). Es ist vorauszusetzen, dass Richard Wagner kein Fleisch genießt; dies hat ihn aber nicht vor fleischlichen Sünden geschützt, auch nicht vor dem Gelüste, fleischliche Verbrechen, z.B. Blutschande, auf den Brettern zur Darstellung zu bringen. Vielleicht hält er dies für ein Element der zukünftigen Sittlichkeit."            

    
Bürgermeister Hofrat Preu äußert sich zu der stärker werdenden antisemitischen Bewegung (1920)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Februar 1920: "Bayreuth, 30. Januar (1920). Die antisemitische Bewegung beginnt auch hier eine große Ausdehnung zu nehmen, sodass sich der Stadtrat in seiner heutigen Sitzung veranlasst sah, sich damit zu befassen. Erster Bürgermeister Hofrat Preu gab eine Erklärung ab, in welcher er von einer Bedrohung nicht nur der Beteiligten, sondern auch des öffentlichen Friedens sprach. Auch unsere israelitischen Mitbürger sind Volks- und Schicksalsgenossen, die vielfach ihre Treue zum Vaterland bewiesen und in allen mildtätigen Bestrebungen Hervorragendes geleistet haben. Die fortwährenden Hetzereien gegen die Juden bedeuten eine strafbare Gefährdung der öffentlichen Ruhe und können nicht mehr länger mitangesehen werden. Er warne vor Übertreibungen und werde die Polizei anweisen, gegen jede Bedrohung und Aufreizung einzuschreiten. Die Vertreter der einzelnen Fraktionen gaben sämtlich irhe Zustimmung zu diesen Ausführungen."        

 
Der Begründer des Rassenantisemitismus Houston Stewart Chamberlain feiert seinen 70. Geburtstag in Bayreuth (1925)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: "(Das Jubiläum des Rassenantisemitismus). Am 9. September (1925) beging in Bayreuth der Begründer des Rassenantisemitismus H. St. Chamberlain seinen 70. Geburtstag und mit ihm der Rassenantisemitismus selbst sein Jubiläum. Die Zeitungen stellten fest, dass der Lärm, der seinerzeit beim Erscheinen von Chamberlains Hauptwerk 'Grundlagen des 19. Jahrhunderts' entstanden war, nunmehr verrauscht ist, und dass es um diesen Mann, der Europa sein Weltbild aufoktroyieren wollte, still geworden ist. Sein ganzes System habe sich als verstiegener Journalismus entpuppt. Die 'Vossische Zeitung' schreibt: 'Die Maßlosigkeit dieses Engländers, der sich 1916 in Bayern naturalisieren ließ und den alldeutschesten Alldeutschen an Beschränktheit in seinen politischen Einsichten übertraf, hat manchen Verehrer seiner schwungvollen Darstellung großer Männer und Epochen abgekühlt. Der Geist dieses Mannes trug von vornherein Scheuklappen, die ihn am fachlichen Segen hinderten. Die Rasse-Idee verwirrte seinen Kopf, er wurde Germanomane.'"    

   
   
   
Berichte zum Rabbinat in Bayreuth
  
  
Bereits im 18. Jahrhundert war Bayreuth Sitz eines Rabbiner. Die bis in die 1820er-Jahre hier tätigen Rabbiner waren jedoch als "Vize-Rabbiner" dem Landesrabbiner in Baiersdorf unterstellt. Darunter waren der Ende des 18. Jahrhundert in Bayreuth tätige Rabbiner Samuel Kohn und der 1827 in Bayreuth verstorbene Rabbiner Wolf Schwab (genannt Wolf Fellheimer). 1827 war Rabbiner Uri Löw Veitel Rabbinatsverweser in Bayreuth, jedoch von der Regierung nicht bestätigt, da er kein Universitätsstudium hatte (ab 1833 Rabbiner in Dittenheim). Seit 1829 war Bayreuth Sitz eines bayerischen Distriktsrabbinat. 
  
Distriktsrabbiner in Bayreuth waren:   

1829 bis 1852 Rabbiner Dr. Joseph Aub (geb. 1804 in Baiersdorf, gest. 1880 in Berlin): studierte an der Jeschiwa in Fürth, danach an den Universitäten Erlangen und München; 1829 bis 1852 Distriktsrabbiner in Bayreuth; 1852 bis 1866 Rabbiner in Mainz (Einweihung der dortigen Synagoge am 24. März 1853); 1866 Rabbiner in Berlin, zugleich Dozent an der Veitel-Heine-Ephraimschen Lehranstalt; 1879 Ruhestand.
1853 bis 1857 Rabbiner Dr. Israel Schwarz (geb. 1828 in Hürben, gest. 1875 in Köln): studierte bei verschiedenen Rabbinern (darunter bei seinem Vater Rabbiner Hayum Schwarz), 1846 an der Universität Heidelberg, Promotion 1851 in Jena; 1853 Distriktsrabbiner in Bayreuth, 1857 Rabbiner in Köln (1861 Einweihung der Synagoge in der Glockengasse).
1859 bis 1873 Rabbiner Dr. Julius Fürst (geb. 1826 in Mannheim, gest. 1899 ebd.): studierte in Heidelberg; 1848 Stelle an der Mannheimer Klaus und Lehrer an der höheren Bürgerschule; 1854 Rabbiner in Endingen (Schweiz), 1858 Rabbiner in Merchingen, 1859 Distriktsrabbiner in Bayreuth, 1873 Prediger und Religionslehrer in Mainz, September 1880 Klausrabbiner in Mannheim.
1880 bis 1911 Rabbiner Dr. Salomon Kusnitzki (geb. 1846 in Kempen, Posen, gest. 1917 in Breslau): studierte 1864 bis 1874 in Breslau; 1874 Rabbinatsassessor und Leiter der Religionsschule in Braunschweig, 1880 bis 1911 Rabbiner in Bayreuth, seit 1897 zugleich Rabbiner von Sulzbach und ab 1902 Hof; 1911 Ruhestand; lebte danach in Breslau. 
1912 bis 1936 Rabbiner Dr. Benjamin Falk Felix Salomon (geb. 1876 in Breslau, gest. 1940 in London): studierte in Berlin und Breslau; 1909 bis 1912 Rabbiner in Laubenburg, Pommern, 1912 bis 1936 Distriktsrabbiner in Bayreuth; nach Auflösung des Bezirksrabbinates Bayreuth und Zusammenlegung mit dem Rabbinat Regensburg-Neumark ab April 1939 Dienst- und Wohnsitz in Regenburg; 1939 Emigration nach England, kam bei einem Luftangriff ums Leben.             

    
Rabbiner Dr. Aub erhält eine Teuerungszulage (1847)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 2. April 1847: "Die Gemeinde Bayreuth, in Oberfranken, hat ihrem Rabbiner, Herrn Dr. Aub, eine momentane Teuerungszulage von 100 Gulden verwilligt. Es ist dies wohl das erste Beispiel, dass eine Gemeinde ihrem Rabbiner oder Lehrer auf diese Weise die jetzige schwere Zeit erleichtert und verdient dies öffentliche Erwähnung. Geht hin und tut ein Gleiches, möchte ich vielen Gemeinden zurufen."       

     
Über die Ergebnisse eines Rabbinerkongresses in Bamberg (1850)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Juli 1850: "Aus Mittelfranken, im Juli (1850). Ehe ich Ihnen die versprochenen Reisenotizen gebe, die, weil sie doch nicht Bekanntes, schon anderweitig Mitgeteiltes enthalten dürfen, nur spärlich ausfallen können, einige Worte über den, in öffentlichen Blättern sogenannten Rabbinerkongress in Bamberg am 9. vorigen Monats (9. Juni 1850). Die königliche Staatsregierung hatte behufs der Abänderung des Religionsediktes in der Verfassung den Herren Rabbinen Aub in München, Dr. Löwi in Fürth, Dr. Aub in Bayreuth, Dr. Feuchtwangen in Oettingen und Dr. Adler in Aschaffenburg (letztere zwei der ultra-konservativen Richtung angehörig) achtundzwanzig Fragen über das Kriterium des Judentums, über die Erfordernisse der verschiedenen Kultusdiener und dergleichen mehr zur Begutachtung zugemittelt, Fragen, die schon oft aufgeworfen und beantwortet wurden und über welche sich in den bei hoher Staatsregierung niedergelegten Akten der Kreissynoden vom Jahre 1836 überreichtes Material finden dürfte. In Bamberg hatten sich auf Anregung jener Herren zehn, wesentlich dem Fortschritt huldigende Rabbinen eingefunden (Dr. Feuchtwangen ist vergebens zur Teilnahme ersucht worden) und sich nach hitzigen, unter Vorsitz Dr. Adlers von Kissingen geführten Debatten über die zu gebenden Antworten geeint. Was die anderen Herren vorbringen werden, und ob durch sie der Zwiespalt in unseren Mauern zur Kenntnis der Staatsregierung gelangen wird, muss die Zeit lehren. Mit unserer Emanzipation steht dieser Gegenstand zunächst außer Berührung. Die Pessimisten in unserer Mitte versprechen sich auch von diesem Vorgang keinerlei Erfolg und meinen, es sei eben wieder Makulatur geliefert worden. Wir können aber aus guter Quelle versichern, dass allerdings die desfallsigen Vorarbeiten in Angriff genommen und dass man gesonnen ist im Sinne der Neuzeit vorwärts zu gehen. Nur unser Befremden wollen wir dahin ausdrücken, dass in diesen Fragen nur Rabbinen gehört wurden, denen doch das Judentum nicht ausschließend die alleinige Sachkenntnis zuerkennt, zumal wenn gesetzliche, in alle Lebensverhältnisse tief eingreifende Gesetze darauf basiert werden wollen. Wir machen so sogenannten Laien darauf aufmerksam."     

 
Überlegungen anlässlich des Wegzuges von Dr. Aub (1852), "wodurch Bayern einen seiner intelligentesten Rabbinen verliert"   

Bayreuth AZJ 15111852.jpg (100815 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 15. November 1852: "Herr Rabbiner Dr. Aub in Bayreuth erhält das Rabbinat in Mainz, wodurch Bayern einen seiner intelligentesten Rabbinen verliert. Dem sichern Vernehmen nach beabsichtigt die Gemeinde Bayreuth, die Religionsschullehrerstelle mit der des Rabbinats zu verbinden, was in solchen Gemeinden, welche keinen eigenen deutsch-israelitischen Lehrer besolden können oder mögen, Nachahmung verdient. Von dem Ertrag beider Stellen vermag doch eine Familie auskömmlich zu leben, und die Klagen über die ‚Beschäftigungslosigkeit’ der Rabbinern und die Belastung der Gemeinde mit ‚Brödlingen’ hat ein Ende. Ein Doppeltes aber möchten wir hierbei zu bedenken geben. Einmal: Die Pädagogik ist eine Wissenschaft und ihre Ausübung eine Kunst, was man Alles nicht zum Zusehen, noch weniger als Inspektor einer Schule lernt, und wenn auch Einzelne ohne berufliche Vorbereitung Alles leisten, wie denn auch die Leistungen des Herrn Dr. Aub während seiner Verwesung der dortigen Schule das Motiv zu der projektierten Vereinigung wurden, so möchte es doch gerechten Bedenken unterliegen, Theologen so brevi manu zu Jugendlehrern zu machen. Zum andern möchte noch zu erwägen sein, dass ein solcher Rabbiner-Lehrer zugleich sein eigener Schulinspektor wäre, wie er auch als Rabbiner keinen Vorgesetzten hat."    

   
Neubesetzung der Rabbinatsstelle 1852
   

Bayreuth AZJ 06121852a.jpg (47936 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Dezember 1852: "Aus Bayern, Ende November (1852). In Bayreuth werden in den nachfolgenden drei Sabbaten die Herren DD. Guggenheimer und Schwarz, Söhne der Rabbinen von Kriegshaber und Hürben, und Herr Dr. Werner, Substitut in Adelsdorf, Probepredigten halten. Letzterer war auch Bewerber um Kissingen, blieb aber mit 147 Stimmen in der Minorität gegen Herrn Dr. Lippmann, für welchen die ‚Frauen’ ihre vielvermögende, mittelreiche Tätigkeit einsetzten. Die Wahl wird übrigens bedeutend angestritten. Gott gebe nur, dass wir nicht eine zweite Auflage der Welbhäuser Rabbinatswahl – bestechlichen Andenkens – erleben. Dr. Lippmann, dermalen im Auslande lebende, und irren wir nicht, Herausgeber 
Bayreuth AZJ 06121852b1.jpg (21232 Byte)einiger Schriften Aben Esra’s ist übrigens jener Bewerber nicht, von welchem ich früher berichtete, er werde der Anforderung, verderblicher Neologie nicht zu huldigen, vor Allem entsprechen. Es war darunter ein schwäbischer Rabbi gemeint, der sich jenes Rabbinat selbst zugeteilt hatte.

    
Zum Tod von Rabbiner Dr. Joseph Aub (Rabbiner in Bayreuth von 1830 bis 1850; Bericht von 1880)       

Bayreuth AZJ 08061880.jpg (152052 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juni 1880: "Berlin, 25. Mai (1880). So ist abermals ein Veteran des zeitgenössischen Rabbinismus heimgegangen! Am 22. verschied sanft Rabbiner Dr. Joseph Aub im 76. Lebensjahre. Geboren 1805 zu Baiersdorf bei Erlangen, fungierte er zuerst als Rabbiner in Bayreuth (1829-1852), sodann in Mainz und seiner 1866 in Berlin, wo er vor einigen Jahren in den Ruhestand trat. Seine literarischen Arbeiten sind nicht umfänglich, zeugen aber von der Gesinnungstätigkeit und Sachkenntnis ihres Verfassers. Sie sind wie seine 'Betrachtungen und Widerlegungen', 2 Hefte (1839)  und spätere Broschüren polemischen Inhalts auf theologischem und staatsrechtlichem Gebiete. Im Jahre 1846 gab er eine Wochenschrift 'Sinai' heraus, die er jedoch bald wieder aufgab. Seine letzte Schrift, eine Religionslehre auf wissenschaftlichem Grunde hat Wert. Aub gehörte zu der Schule der Reformer, welche bei aller Selbständigkeit doch die Reformen an das Herkommen und an Aussprüche der Talmudisten anzuknüpfen suchen. Er nahm, an den Rabbinerversammlungen keinen Anteil, desto lebhafteren an den beiden Synagoge, wo er als Referent tätig war. Bei allem Ernst seines Strebens hatte er einen humoristischen Zug, der ihn im geselligen Verkehre sehr liebenswürdig machte. - Gestern Vormittag fand die Beerdigung statt. In der großen Synagoge unter Teilnahme einer die weiten Räume dich füllenden 

          
Besetzung der Rabbinatsstelle mit Rabbiner Dr. Israel Schwarz (1853)    

Bayreuth AZJ 10011853.jpg (91428 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Januar 1853: "Die Stelle des Herrn Rabbinen Dr. Aub in Bayreuth – welchem seine Gemeinde vor seinem Abgang ein großartiges Diner veranstaltete und mit einem sehr anerkennenden Dankschreiben ein silbernes Brettspiel übergeben hatte – erhielt der Kandidat Herr Dr. Schwarz aus Hürben auf ein Jahr – wie fürsichtig! – und mit der Religionslehrerstelle verbunden. Herr Dr. Guggenheimer, welcher auch probepredigen sollte, wurde abtelegrafiert. Auch Herr Dr.  Aub hatte seinerzeit etliche telegraphische Depeschen aus Mainz erhalten. Bei einem anderen Rabbinen ist die erwartete Wahldepesche ausgeblieben. Sie sehen, Herr Redakteur, unsere rabbinischen Angelegenheiten gehen nolens volens per Telegraph und das ist gut, denn nun ist Hoffnung vorhanden, dass auch andere rabbinische … wieder mehr gang und gäbe werden. Wir machen daher den unmaßgeblichen Vorschlag, auf jedem rabbinischen Studierzimmer ein kleines Telegraphenbüro zu errichten, dessen Drähte nach den entfernten Filialen in die Hintergebäude der Gemeindevorsteher zu leiten wären. Dirigieren und inspizieren kann ja jeder Rabbine ex officio ; auch die allerkonservativsten sind dies gern, und die Kosten könnten aus den Ersparnissen der beliebten Anschließungen, sowie aus dem Erlös für koscher gesprochene Hühner etc. bestritten werden."

      
Rabbiner Dr. Julius Fürst wird Präparandenlehrer für israelitische Schulaspiranten (1859)       

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1859: "Durch Erlass der Königlichen Regierung zu Oberfranken vom 17. dieses Monats No. 29,542 bin ich zum Präparandenlehrer für israelitische Schulaspiranten rücksichtlich der Realien, wie der Religionslehrgegenstände aufgestellt. Ich ersuche demzufolge die Eltern, die ihre Söhne dem Schulfache widmen wollen, sich an mich zu wenden.  
Bayreuth, 22. August 1859. Dr. Fürst, Rabbiner."      

     
Rabbiner Dr. Fürst (Bayreuth) und Rabbiner Gutmann (Redwitz) können sich gegen orthodoxe Einflüsse behaupten (1860) 
Anmerkung: mit den "Würzburgern" sind die konservativ-orthodoxen Kreise um Rabbiner Seligmann Bamberger gemeint, die einen immer stärkeren Einfluss im fränkischen Bereich ausübten.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1860: "In Oberfranken haben die Würzburger überhaupt noch wenig festen Fuß fassen können. Außer Rabbiner Gutmann in Redwitz ist auch Dr. Fürst in Bayreuth nicht der Mann, der sich durch diese Leute beirren lässt, und sind beide mit Erfolg bestrebt, das Judentum in zeitgemäßer Fortbildung zu befestigen. Gutem Vernehmen nach beabsichtigt man in Bayreuth sogar bei der sehr notwendigen Renovierung der Synagoge, die diesen Sommer vorgenommen werden soll, die Anbringung einer Orgel. Es wäre dies ein Anfang, der allseitig in Bayern mit Freude begrüßt würde."       

 
Rabbiner Dr. Joseph Aub wechselte von Mainz nach Berlin (1866)  

Bayreuth Israelit 28031866.jpg (53549 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1866: "Mainz, den 25. März (1866). Die israelitische Gemeinde zu Berlin hat dem ersten Rabbiner der hiesigen (Reform-)Gemeinde, Herrn Dr. Joseph Aub, die dort erledigte Predigerstelle übertragen.
Herr Dr. Aub, der vor seinem Amtsantritte in Mainz bereits 23 Jahre in dem bayerischen Städtchen Bayreuth fungiert hat, ist einer der ältesten Reformrabbinen. Schon im Jahre 1836 wollte er, wie ein in Altona herausgegebenes jüdisches Blatt berichtete, bei Gelegenheit einer Synode das Sabbatgesetz bedeutend modifiziert wissen, und den Staatsangestellten erlauben, am Sabbat zu schreiben. In den wenigen von ihm edierten Schriften und Aufsätzen spielt die Verhöhnung und Verspottung des Talmuds und der Talmudisten eine Hauptrolle.".

   
Ausschreibung der Stelle des Rabbiners (1880)
     

Bayreuth AZJ 21091880.jpg (36421 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. September 1880: "Rabbiner-Vakanz. 
Die Rabbiner- und Predigerstelle in unserer Gemeinde soll wieder besetzt werden. Bewerber, welche geeignet befähigt und den Nachweis über religiösen Lebenswandel und Diplome von glaubwürdigen Autoritäten, sowie des akademischen Triennians liefern können, wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse baldigst bei uns melden. Der festgesetzte Jahresgehalt beträgt 2.100 Mark, Kasualien sind nicht mit eingerechnet.
Bayreuth, 14. September 1880.   Die Vorsteher". 
   
Bayreuth AZJ 26101880.jpg (39735 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Oktober 1880:  "Rabbiner-Vakanz. 
Die Rabbiner- und Predigerstelle in unserer Gemeinde soll wieder besetzt werden. Bewerber, welche geeignet befähigt und den Nachweis über religiösen Lebenswandel und Diplome von glaubwürdigen Autoritäten, sowie des akademischen Triennians liefern könnten, wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse baldigst bei uns melden. Der festgesetzte Jahresgehalt beträgt 2.100 Mark, Kasualien sind nicht mit eingerechnet. 
Bayreuth, 14. September 1880. Die Vorsteher."     

       
25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Salomon Kusnitzky (1906)    

Bayreuth AZJ 09031906.jpg (207310 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. März 1906: "Bayreuth, 2. März (1906). Gestern hat unter lebhafter Anteilnahme nicht nur der israelitischen Gemeinde, sondern auch der weitesten kreise der Bayreuther Bevölkerung, Rabbiner Dr. Salomon Kusnitzky sein 25jähriges Amtsjubiläum gefeiert. Die allgemeine Verehrung und das hohe Ansehen, dessen sich der Jubilar mit Recht erfreut, kamen sehr lebhaft zum Ausdruck. Vor allem bei dem Gottesdienst in der Synagoge, zu dem außer der israelitischen auch die Vertreter der Stadtgemeinde zahlreich erschienen waren. In der Predigt gab der Jubilar, seinen Worten den gleichen Text unterlegend, mit dem er sich vor 25 Jahren in der hiesigen Gemeinde eingeführt hatte, ein Bild seiner reichen und gesegneten Tätigkeit. Der Dank, den er für die Unterstützung seiner Bestrebungen der Gemeinde aussprach, mag ihm füglich von der Gemeinde verdoppelt zurückgegeben werden. Im Laufe des Tages folgten der Feier in der Synagoge eine lange Reihe von Ehrungen, viele Glückwunschschreiben und Telegramme, darunter auch jenes des Bürgermeisters Dr. Casselmann, der zurzeit in München weilt. Regierungspräsident Freiherr von Roman hatte in einem Handschreiben namens der Regierung von Oberfranken besonders warm und herzlich gratuliert. Im Laufe des Vormittags erschien dann zur Gratulation und zur Überreichung eines wundervollen Blumenarrangements die Deputation der beiden städtischen Kollegien mit Rechtsrat Preu an der Spitze. Sodann überbrachte die Deputation der israelitischen Gemeindeverwaltung ihre Glückwünsche und Festgabe. Antiquar Seligsberg verlieh als Führer der Deputation den Gefühlen Ausdruck, von denen die Gemeinde für ihren Rabbiner beseelt ist. Eine Deputation der städtischen höheren Mädchenschule mit dem Lehrerkollegium überreichte einprächtige Blumenspende, die Deputationen der übrigen Schulen, an denen der Jubilar wirkt, schlossen sich an. Mit einem silbernen Pokal als Ehrengabe erschien eine Abordnung der dem hiesigen Rabbinate angeschlossenen auswärtigen Gemeinden. Persönlich erschienen zum Glückwunsch die Vorstände der Schulen, an denen der Jubilar lehrt. Auch die Direktion der Gefangenenanstalten, an denen dem Jubilar die Seelsorge übertragen ist, brachte ihren Glückwunsch dar. Am Abend war eine Familienunterhaltung zu Ehren des Jubilars im Ankersaal arrangiert worden. Auch hierbei waren die städtischen Kollegien vertreten. Manches herzliche Wort ward da gesprochen. Die Herren Dr. Holzinger und Dr. Klein dankten in warmen Worten dem verehrten früheren Lehrer. Dr. Kusnitzky selbst erhob sein Glas auf das Blühen und Gedeihen der ihm anvertrauten und am Herzen liegenden Jugend und dankte dann den staatlichen und städtischen Behörden für ihre warme Anteilnahme nicht nur an diesem Fest, sondern auch überhaupt an der israelitischen Kultusgemeinde. Rechtsanwalt Fröhlich wiederholte namens der Stadtgemeinde die herzlichsten Glückwünsche und verwies mit recht auf die bewährte Toleranz, die in Bayreuth herrsche und wohl für immer erhalten bleiben möge. So klang das schöne Fest ebenso würdig aus, wie es begonnen hatte."      
   
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1906: "Bayreuth. Herr Rabbiner Dr. Kusnitzki begeht am 1. März sein 25-jähriges Jubiläum als Rabbiner unserer Gemeinde. Der Jubilar ist ein Zögling des Breslauer Rabbiner-Seminars und fungierte von 1874-81 als zweiter Rabbiner in Braunschweig."   

   
Rabbiner Dr. Kusnitzky verlässt Bayreuth (1911)  

Bayreuth AZJ 20101911.jpg (34959 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober 1911: "Nach 30jähriger Tätigkeit in der israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth scheidet Rabbiner Dr. Kusnitzky. Er gedenkt mit seiner Familie nach Breslau überzusiedeln. Dr. Kusnitzky hat sich als Seelsorger wie auch sonst hier allgemeines Vertrauen und Wertschätzung erworben."     
                         
Bayreuth FrfIsrFambl 20101911.jpg (16339 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. Oktober 1911: "Bayreuth. Rabbiner Dr. Kusnitzky geht nach 30jähriger Tätigkeit in Pension und zieht nach Breslau".          
    
    
Einführung von Rabbiner Dr. Felix Salomon in das Rabbineramt in Bayreuth (1912)      
  
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. September 1912: "Bayreuth. Rabbiner Dr. Salomon, bisher in Lauenburg (Lębork) in Pommern, ist in sein hiesiges Amt feierlichst eingeführt worden."      
 
Bayreuth AZJ 25091912.jpg (214737 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September 1912: "Bayreuth, 18. September (1912). Der für die hiesige israelitische Gemeinde berufene neue Rabbiner Herr Dr. Salomon, bisher in Lauenburg in Pommern, wurde durch einen Festgottesdienst in der Synagoge feierlich in sein Amt eingeführt. Das in hellem Lichterglanz erstrahlende, mit Blumen geschmückte Gotteshaus war gefüllt von der andächtigen Gemeinde; auf ergangene Einladung waren zu dem festlichen Akte erschienen Seine Exzellenz der Regierungspräsident mit einer ganzen Anzahl von Räten, Bürgermeister Preu als Vertreter der Stadt, von der evangelischen Geistlichkeit Dekan Rupprecht, von der katholischen Stadtpfarrer Dr. Simon, die Oberstudienräte Landgraf und Bräuninger, die Oberlehrer der hiesigen Schulen Aumüller, Grießhammer und Leykamm, Vertreter anderer Behörden, der Lehrerschaft und andere. Herr Rabbiner Dr. Salomon wurde von den beiden Vorstehern ins Gotteshaus geführt. Darauf begrüßte der erste Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Luitpold Kurzmann die Gäste, denen er für ihr Erscheinen dankte, und wandte sich dann mit herzlichen Worten an den neuen Rabbiner, dem er Glück und Gottes Segen für sein neues Amt wünschte und die Hoffnung aussprach, dass er, wie auch sein Vorgänger Dr. Kusnitzky, das kostbare Gut des religiösen Friedens und der Toleranz wahren möchte. Dr. Salomon dankte für den schönen Empfang und die herzlichen Begrüßungsworte und gelobte alle Kräfte daran zu setzen, um der Gemeinde und ihrem Wohle zu dienen; er werde sich stets bemühen, ein würdiger Führer der Gemeinde und Lehrer der Jugend zu sein, möchte auf der gemeinsamen Arbeit Gottes Segen ruhen. Es folgten dann der eigentliche Festgottesdienst, bestehend aus prächtigen Gesängen des Synagogenchores, mit zahlreichen Soli, von unserem Kantor, Herrn Levy, einstudiert. Rabbiner Dr. Salomon hielt eine tief empfundene, geistreiche und überaus eindrucksvolle Predigt; anknüpfend an das Wort 'Die Lippen des Priesters bewahren die Erkenntnis, und die religiöse Belehrung verlangt man aus seinem Münde' sprach er über den hohen Beruf des Priesters, über die Pflichten des Rabbiners, besonders in unserer Zeit. Er achte jede Überzeugung, nehme aber auch das gleiche für sich in Anspruch. Er gelobte, ein Priester des Friedens zu sein innerhalb der Gemeinde, aber auch des Friedens im Verkehr mit den anderen Bekenntnissen. Er schloss mit dem wohl allen aus der Seele gesprochenen Wunsch, dass das gute, harmonische Verhältnis, wie es bisher in unserer Stadt unter den Gläubigen aller Konfessionen bestanden habe, auch in Zukunft so bleiben möge. Am Schluss seiner Predigt sprach der Rabbiner den Segen über Staat, Stadt und Gemeinde. Mit Gesang und Gebet wurde die schöne, würdige Feier beendet."       

  
Das Rabbinat Bayreuth wird aufgelöst beziehungsweise mit dem Rabbinat Regensburg - Neumarkt verbunden (1936)   

Bayreuth BayrGZ 15051936.jpg (73190 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1936:   Aus der Gemeinde Bayreuth. Veränderung des Rabbinats. Dem Zuge der Zeit folgend hat nun auch das seit mehr als 100 Jahren bestandene Stadtrabbinat Bayreuth infolge der durch die Verhältnisse herbeigeführten geschwächten Leistungsfähigkeit der Gemeinde Bayreuth zu bestehen aufgehört. Das Rabbinat hat sich mit dem ebenfalls erst seit einigen Jahren als einheitliches Bezirksrabbinat bestandenen Rabbinate Regensburg - Neumarkt i.O. zu einem neuen Bezirksrabbinate verschmolzen. 
Herr Rabbiner Dr. F. Salomon hat als neugewählter Rabbiner des erweiterten Bezirkes seinen Wohnsitz nach Regensburg verlegt. 24 Jahre lang hatte er in gesegneter Tätigkeit in seiner bisherigen Gemeinde gewirkt, in der er sich in jeder Weise, auch durch enge persönliche und seelsorgerische Fühlungnahme mit den Gemeindemitgliedern und als von seinen Schülern sehr verehrter Lehrer, bewährt hatte. 
Die Gemeinde, zu der er übrigens auch von Regensburg aus zukünftig in näherer Fühlung bleiben soll, sah ihn mit allseitigem lebhaftem Bedauern scheiden. Ihre besten Wünsche begleiten ihn in seinen neuen erweiterten Wirkungskreis."       

    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und anderer Angestellten der Gemeinde
   

Zum Tod des Religionslehrers und Kantors Abraham Ebert (1894 in Fürth, war vor 1852 Lehrer in Bayreuth)   
Anmerkung: nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer ist Abraham Ebert nicht am 24. Dezember, sondern am 4. Dezember 1823 in Neuhaus geboren.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1894: "Fürth, 30. September (1894). Am 23. September dieses Monats verschied nach längerem Leiden der Religionslehrer und Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Abraham Ebert. Am 24. Dezember 1823 in Neuhaus bei Neustadt a. Saale geboren, fungierte er im Alter von 15 Jahren bereits in Waltershausen und Thundorf, bezog 1840 das Schullehrerseminar in Würzburg, machte 1841 das Examen als Religionslehrer, bestand 1845 die staatliche Anstellungsprüfung in Würzburg mit Note 1 in Musik und Lehrfach und fungierte dann in Brückenau und Bayreuth. In Bayreuth gehörte er einem aus ihm, einem protestantischen, katholischen und reformierten Geistlichen bestehenden Vokalquartett an, das einst vor dem König Max II. singen durfte. Im Jahre 1852 wurde der Verstorbene gleichzeitig nach Köln, Frankfurt am Main und Fürth berufen, nahm die Stelle hier an und wirkte seitdem, also 42 Jahre, an der hiesigen Gemeinde. Er pflegte die reinen, traditionellen Tempelmelodien und führte die Sulzer'schen Gesänge in der hiesigen Hauptsynagoge ein, welche desto mehr zur Geltung kamen, als der Verblichene über eine prächtige, lyrische Tenorstimme verfügte. Als Religionslehrer erteilte er den Unterricht in der hiesigen städtischen Volksschule und der königlichen Realschule. Zu dem erhebenden Bewusststein strenger Pflichterfüllung gesellte sich die Freude eines glücklichen Familienlebens. Der Verstorbene war ein ehrenwerter Charakter von reichem Gemüte und warmem Herzen. Von der Liebe und Achtung zeugte die außerordentlich große Anzahl von Trauergästen, die seinem Leichenbegängnisse am 28. dieses Monats folgten. Herr Rabbiner Dr. Neubürger hielt die Leichenrede, Herr Justizrat Gunzenhäuser sprach namens der Kultusgemeinde, Herr Dr. Hutzelmann namens der königlichen Realschule. das Andenken des Verblichenen wird in Ehren fortleben."          

 
25-jähriges Dienstjubiläum des Lehrers
und Kantors Simon Dachauer (1894)      

Bayreuth Israelit 20081894.jpg (159915 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. August 1894: "Bayreuth, 6. August (1894). Die am Samstag stattgehabte Feier zu Ehren des 25jährigen Dienstjubiläums des Herrn Lehrers und Kantors Simon Dachauer gestaltete sich zu einer sehr erhebenden. Dieselbe nahm mit einem Gottesdienste in der Synagoge ihren Anfang. Das Vorbeterpult war mit einem Kranze lebender Blumen geschmückt, zu beiden Seiten der Kanzel Blattpflanzen aufgestellt. Ein der Feier angepasster Choral wurde hierauf gesungen. Herr Rabbiner Dr. Kusnitzky sprach sodann, anschließend an den verlesenen Abschnitt aus der Tora (hebräisch und deutsch) ‚So jemand ein Gelübde tut dem Ewigen oder schwört einen Schwur, seine Seele zu binden, soll er sein Wort nicht entheiligen’, Worte der höchsten Anerkennung für die segensreiche Wirksamkeit des Herrn Jubilars, der sein Wort im wahrsten Sinne des Wortes voll eingelöst habe. Im weiteren Verlaufe seiner tief empfundenen Rede wandte Herr Dr. Kusnitzky die Worte aus Daniel 12,3 auf den Gefeierten an: (hebräisch und deutsch) ‚Die weiser machen, werden glänzen, wie der Glanz des Himmels; die, welche Viele tugendhafter machen, wie die Sterne immer und ewig.’
Nach Schluss des Gottesdienstes begab sich eine Deputation der Kultusgemeinde, bestehend aus den beiden Herren Vorständen und zwei Verwaltungsmitgliedern in die Wohnung des Herrn Jubilars, worauf Herr Seligsberg eine Ansprache an denselben hielt, in der er ausführte, es gereiche ihm zur besonderen Ehre, im Auftrage der Kultusgemeinde die besten Wünsche zu überbringen. Namentlich hob Herr Seligsberg als die größte Tugend des Herrn Jubilar hervor, dessen friedliches Zusammenwirken mit der Gemeinde, das während dessen langer Wirksamkeit durch keinen Hauch getrübt worden sei. Herr Redner überreichte sodann in verschlossenem Kuvert Herrn Dachauer ein ansehnliches Geldgeschenk der Kultusgemeinde. Der Jubilar dankte tief gerührt für die ihm erwiesenen Ehren. Bald darauf erschien Herr Rabbiner Dr.
Bayreuth Israelit 20081894a.jpg (105677 Byte)Kusnitzky in der Wohnung des Herrn Jubilars und sprach im Namen der Eltern, der Schüler und Schülerinnen den wärmsten Dank aus und ließ durch seine Tochter Zilli Herrn Dachauer einen wertvollen silbernen Tafelaufsatz und eine prachtvolle Tischdecke überreichen. Auf dem Tafelaufsatze sind die Worte eingraviert: ‚Dem geliebten Lehrer von seinen Schülern und Schülerinnen.’
Auch verschiedene Glückwunschschreiben wurden Herrn Dachauer überbracht, so vom Stadtmagistrate Bayreuth, dem Bezirkslehrerverein Bayreuth und anderen Kollegen.
Abends sechs Uhr fand in der Schobert’schen Wirtschaft ein von der Kultusgemeinde gegebenes Souper statt, bei welchem es an ehrenden Toasten für den Herrn Jubilar nicht fehlte. Herr Dr. Kusnitzky und der Vorstand der Gemeinde Herr Luitpold Kurzmann eröffneten den Reigen. Beide würdigten die Verdienste des Herrn Jubilars als Lehrer und Kantor in der wärmsten Weise, sein bescheidenes friedfertiges Wesen nochmals besonders betonend. Herr Dachauer dankte innig für alle ihm widerfahrenen Ehrungen. Eine Reihe von Toasten folgt noch, und die Versammlung blieb bis zu später Stunde in gemütlicher Vereinigung beisammen. Es war in der Tat ein schönes Fest, welches dem Gefeierten sowohl, als der Kultusgemeinde zur hohen Ehre gereichte.  
M. Silberschmidt
."

     
Ausschreibungen der Stelle des Schächters
und Synagogendieners / Hilfsvorbeters 1875 / 1902  

Bayreuth AZJ 01061875.jpg (41705 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni 1875: "Annonce. Die Stelle eines Schächters, der die Funktion eines Synagogendieners mit zu versehen hat, wird bis zum 1. August dieses Jahres in hiesiger Gemeinde vakant. Geeignete Bewerber, die aber nur von anerkannten Autoritäten auf den Schächterdienst geprüft sind, wollen sich sofort unter Einrichtung ihrer Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand wenden. Fier Gehalt 945 Reichsmark mit nicht unbedeutendem Nebeneinkommen.
Bayreuth, am 25. Mai 1875. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde".
  
Bayreuth Israelit 04091902.jpg (39556 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. September 1902: "Zur Vertretung des hiesigen zeitweise verhinderten 
Schochet
suchen wir zum sofortigen Antritt einen mit der nötigen Qualifikation versehenen Sc
hochet, der erforderlichenfalls an den hohen Feiertagen Vorbeterdienst versehen kann. 
Vorstandschaft der israelitischen Kultusgemeinde. Bayreuth".

   
Zum 61. Geburtstag des langjährigen Vorstehers und ehrenamtlichen Vorbeters D. W. Wilmersdörfer (1879
)      

Bayreuth Israelit 18061879.jpg (79156 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1879: "Bayreuth, 1. Juni (1879). Die hiesige Gemeinde hat ihren langjährigen Vorsteher und ehrenamtlichen Vorbeters an hohen Festtagen, Herrn D. W. Wilmersdörffer zu seinem 61. Geburtstage einen schön gearbeiteten Pokal mit Untersatz, beide von Silber, gewidmet. – Auch Erew Schawuot wurde diese Ehrengabe dem Gefeierten durch eine Deputation von Vorstands- und Ausschussmitgliedern überreicht. Herr Vorsteher und Fabrikant Bettmann sprach in beredten Worten Herrn Wilmersdörffer den Dank der Gemeinde für seine seltene Hingebung und Förderung aller Gemeinde-Interessen aus und schilderte die vielseitigen verdienst, die er sich während seiner Funktionszeit als Vorsteher und ehrenamtlicher Vorbeter in hiesiger Gemeinde erworben hat.
Mögen Herrn Wilmersdörffer noch viele Jahre gegönnt sein, zum Heile der Gemeinde wirken zu können, und möge ihm Gott in seiner Gnade hiezu Kraft und Gesundheit im reichen Maße verleihen!    D….r."    

      
Der Kultusbedienstete M. Silberstein feiert sein 25-jähriges Dienstjubiläum (1900)       

Bayreuth Israelit 13081900.jpg (66994 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1900: "Bayreuth, 8. August (1900). Am 1. August feierte Herr M. Silberstein sein 25-jähriges Jubiläum als Kultusbediensteter der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde. Aus Anlass dieser Feier war der Platz des Jubilars in der Synagoge mit Blumen geschmückt. Am Samstag überbrachten ihm in der Wohnung Herr Rabbiner Dr. Kusnitzky sowie eine Deputation der Kultusgemeinde die Glückwünsche der Gemeinde und sprachen ihm unter Worten ehrender Anerkennung den Dank für die allzeit bewiesene treue Pflichterfüllung aus, wofür der Gefeierte bewegten Herzens dankte. Die Kultusgemeinde ließ ihm mehrere Geschenke überreichen: einen Pokal und eine Prachtbibel, ein Meisterstück an Ausstattung und Illustration".      

    
Lehrer Simon Dachauer tritt in den Ruhestand (1910) 
  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. November 1910: "In Bayreuth trat nach 40-jähriger Dienstzeit Lehrer Dachauer in den Ruhestand."        

  
Der Stadtmagistrat gewährt einen Zuschuss für den israelitischen Lehrer (1911)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1911: "Aus Bayreuth wird gemeldet: Im hiesigen Stadtmagistrat ist bei der Beratung des Haushaltsetats für 1911 ohne Erörterung nach den Beschlüssen der Etatkommission der israelitischen Kultusgemeinde zum erstenmal ein Zuschuss für ihren Lehrer bewilligt worden."         

  
Ausschreibung der Stelle des Kantors und Schächters (1924)    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 10. Juli 1924: 
"Kantor und Schächter
der auch Schofar blasen kann, zum möglichst baldigen Antritt gesucht. Gehalt nach der staatlichen Besoldungsordnung. Gute Gelegenheit zu gesanglicher und musikalischer Weiterbildung. Reichsdeutsche, die ledig oder, wenn verheiratet, über eine Tauschwohnung verfügen, wollen sich baldigst melden. 
Vorstandschaft der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth
".          

 
Lehrer und Kantor Simon Rau verlässt Bayreuth (1927)
   
Anmerkung: es handelt sich um den Lehrer Simon Rau, ein Sohn des Lehrers Abraham Rau in Hirschaid war; Simon Rau war 1925 bis 1927 Lehrer in Bayreuth, danach bis 1939 in Weißenfels. Ende 1939 konnte er über Holland in die USA emigrieren. Zur Erinnerung an ihn besteht in Weißenfels seit 2008 das "Simon-Rau-Zentrum".    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli 1927: "Lehrer und Kantor Rau in Bayreuth verließ nach zweijähriger Dienstzeit seine dortige Stelle, um einem an ihn gelangten Ruf nach Weißenfels an der Saale zu folgen."        


Bezirkskonferenz der Lehrer des Bezirkes Nordoberfranken unter Leitung von Bezirksrabbiner Dr. Salomon (1929) 
  

Bayreuth BayrGZ 15031929.jpg (148303 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. März 1929: "Bezirkskonferenz Nordoberfranken. Seit etwa zwei Jahren besteht auch in Nordoberfranken eine Bezirkskonferenz, deren wissenschaftliche Leitung in den Händen des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Salomon (Bayreuth) liegt. Trotz der Schwierigkeit, die durch die große räumliche Entfernung verursacht ist, finden regelmäßig jeden Monat die Konferenzen in Bayreuth statt. Den Mittelpunkt der Konferenzen bildet selbstverständlich das 'Lernen'. In abwechselndem Vortrag der Mitglieder werden Mischnah und Chaje odom behandelt. Aus dem ersten Gebiete wurden im abgelaufenen Jahre die Traktate 'Psochim' und 'Brochaus' gelernt, während aus dem zweiten die Dinim über Chanukkah und Pesach zur Behandlung standen. Daneben stehen auf jeder Tagung pädagogisch-methodische Fragen, in Form von Referaten, zur Erörterung. Es sprachen, Bezirksrabbiner Dr. Salomon (Bayreuth) mit großer Sachkenntnis und Gründlichkeit über das Thema 'Die Entstehung des Christentums als Unterrichtsstoff im jüdischen Geschichtsunterricht'. Steinbock, Burgkunstadt erfreute die Teilnehmer des öfteren durch den tiefgründigen Vortrag eines Blattes Gemoro. Seeliger (Lichtenfels) zeigte durch Ausarbeitung von Schiur-Vorträgen, wie dieses Gebiet erfolgreich gestaltet werden kann und der Unterzeichnete hielt ein Referat über den hebräischen Sprachunterricht und unterzog anschließend daran die Fibeln von Mandelbaum (Hamburg) und Abraham (Berlin) einer eingehenden Kritik. Die Besprechungen von jüdischen Gegenwartsproblemen und Standes- und Berufsfragen bereichern den Verhandlungsstoff in angenehmer Weise. Dem Herrn Bezirksrabbiner Dr. Salomon sei auch an dieser Stelle für seine vortreffliche Leitung herzlicher Dank ausgesprochen. Leopold Weil."        


   
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben    
Gründung eines "Lesevereines" durch Rabbiner Dr. Aub (1838)        

Bayreuth AZJ 06031838.jpg (124806 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. März 1838: "Bayreuth, 14. Februar (1838). Endlich ist es unserem Herrn Rabbinen, Dr. Aub, gelungen, einen Leseverein zu bilden, der sich auf populäre Zeitschriften und auf das Judentum Bezug habende Bücher beschränken wird. Dass wir eines solchen Vereines bis auf diese Stunde entbehrten, darf Sie nicht sehr befremden; denn trotz dem, dass die hiesige israelitische Gemeinde über 70 Familien zählt, ist der Gemeinsinn unter den hiesigen Israeliten so dünne gesät, dass in vielen Jahren kaum noch auf diesem Felde eine segensreiche Ernte zu erwarten steht. Möge diese neue Gründung recht lange Bestand haben und das erwünschteste Resultat erzielen. Dem Leseverein zu Floß, dessen in dieser Zeitung schon Erwähnung geschehen, hat sich nun auch ein Gesellschafts- und Wohltätigkeits-Verein angeschlossen, der jedoch erst provisorisch aufzuleben begonnen, aber gewiss wohl seinen definitiven Geburtstag feiern wird. Das dasige königliche Landgericht, dem der erwählte Vorstand die Statuten zur gesetzlichen Bestätigung vorgelegt, verweigert diese; da sich jedoch jener an die königliche Regierung gewendet, so werde ich Ihnen bald über die Zweckmäßigkeit der Statuten nachrichten geben können. Die Juden in Floß haben leider die bemerkenswertesten Übelstände zu ertragen, die ich Ihnen ein anderes Mal schildern werde."      

  
Trauer in der jüdischen Gemeinde anlässlich des Todes von König Max mit Gottesdienst in der Synagoge (1864)
   
Anmerkung: am 10. März 1864 war in München König Maximilian II. Joseph, König von Bayern gestorben.     

Bayreuth AZJ 12041864.jpg (205066 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. April 1864: "Bayreuth, 24. März (1864). Ein tiefes Gefühl der Wehmut und des Schmerzes durchzieht unser Vaterland, eine allgemeine ungeheuchelte Trauer zeigt sich vom Palaste bis zur Hütte. Überall vernimmt man nur die innigste Klage um den Verlust unseres guten, höchstseligen Königs Max, der so unerwartet von uns gerissen worden ist. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, wie aufrichtig diese Klage ist, wie sehr man den Dahingegangenen beweint, so könnte die allgemeine Teilnahme an den Trauergottesdiensten, die in allen Gotteshäusern abgehalten wurden, den besten Beweis liefern, wie groß der Kummer über unseren Verlust das Land ergriffen hat. Auch in unserer Synagoge wurde am 23. dieses Monats abends ein Trauergottesdienst abgehalten, nachdem in der katholischen und protestantischen Kirche eine gleiche Feier schon stattgefunden hatte. Das Innere der Synagoge, welche mit schwarzen Draperien reich ausgestattet und durch Gasflammen tageshell erleuchtet war, verfehlte nicht, auf die Versammlung den tiefsten Eindruck zu machen. Seien Exzellenz der Herr Präsident der Regierung, sämtliche Regierungsräte, der Magistrat, die Gemeindebevollmächtigen und die übrigen Zivilbehörden sowie sämtliche Militärbehörden der Stadt wohnten der Feier bei. Nach einer Trauermusik wurde ein hebräischer Gesang vom Liederkranze vorgetragen. Hierauf betrat Herr Rabbiner Dr. Fürst die Kanzel. Derselbe gab in einer ausgezeichneten Predigt unter Zugrundelegung des Textes Psalm 16, Verse 10-11 dem tiefen Schmerze wie dem göttlichen Troste der Verheißung der Seligkeit einen ergreifenden Ausdruck. Mit beredten Worten hob er die großen Verdienste unseres höchstseligen Königs, die sich derselbe in so hohem Grade um die Wissenschaften sowie um das engere und weitere Vaterland erworben, hervor. Die hohe Versammlung war tief ergriffen von der meisterhaft ausgeführten Predigt, was für Herrn Dr. Fürst umso ehrender ist, da in den zuvor abgehaltenen Trauergottesdiensten der beiden christlichen Konfessionen ebenfalls ausgezeichnete Predigten gehört worden. Gesang und Trauermusik bildeten den Schluss dieser in jeder Beziehung gelungenen Feier. 
Anerkennend wollen wir noch hervorheben, dass auf Befehl der städtischen Behörden sämtliche Verkaufsläden der Stadt während des Gottesdienstes geschlossen bleiben mussten."             

     
Trauergottesdienst zum Tod des Regenten Luitpold in der Synagoge (1913)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Januar 1913: "Bayreuth, 3. Januar (1913). Die Trauergottesdienste, die am Tage nach der Beisetzung unseres Regenten Luitpold in den hiesigen Kirchen stattfanden, waren von vielen Hunderten besucht, die Beamtenschaft, das Militär, die Stadtvertretungen, die Schulen und viele Andächtige aus allen Schichten der Einwohnerschaft füllten die der ersten Feier entsprechend mit Trauerschmuck ausgestatteten Gotteshäuser. Dem Trauergottesdienst in der Synagoge, bei welchem Rabbiner Dr. Salomon gleichfalls in tief empfundener ergreifender Gedächtnisrede des hohen Entschlafenen gedachte, wohnten u.a. Regierungsdirektor Hübscher, Konsistorialrat Dr. Vogtherr, Bürgermeister Preu, Schulrat Keßelring usw. bei; auch hier wurde die Trauerfeier gehoben durch sehr schöne Gesänge des Chors und ganz besonders durch das geradezu hervorragend gesungene Solo des Herrn Westheimer. 'Mein Herr und Gott, ja immerdar'. Sämtliche Gottesdienste waren würdige Trauerfeiern für unseren vielgeliebten, nun in Gott ruhenden Prinz-Regenten Luitpold."         

    
Ergebnis der Vorstandswahlen (1920)     

Artikel im "Frankfurter Jüdischen Familienblatt" vom 19. Februar 1920: "In Bayreuth wurden Rechtsanwalt Klein und Kaufmann Isner in den Vorstand der jüdischen Gemeinde gewählt, während der langjährige Vorsitzende Luitpold Kurzmann wegen seines hohen Alters eine Wiederwahl nicht annahm."          

 
Vortragszyklus über 50 Jahre deutsche Dichtung (1930)
  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni 1930: "Bayreuth. Vortragszyklus über die letzten fünfzig Jahre deutscher Dichtung. In sechs Vorträgen gab in den letzten Wochen Dr. Willy Meyer (Nürnberg) einen Überblick über die Haupttendenzen der deutschen Dichtung in der Vergangenheit und verglich damit die Hauptströmungen in der gegenwärtigen Literatur. Der Vortragszyklus erfreute sich des lebhaften und sich steigernden Interesses der zahlreichen Zuhörerschaft. Nach Beendigung der Vorträge schlossen sich die meisten Zuhörer zu einem neuen vierstündigen Vortragskurse des Redners über Psychoanalyse zusammen. Die Berufung des Herrn Dr. Meyer kann für ähnliche Veranstaltungen allen Gemeinden auf das wärmste empfohlen werden. Justizrat Klein (Bayreuth)."      

   
Vortragszyklus im Winterhalbjahr 1931/32 (1931)  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1931: "Bayreuth. Herr Gemeinderabbiner Dr. Salomon eröffnete jüngst die Reihe der Vorträge für das Winterhalbjahr 1931/32 durch einen aufschlussreichen und allgemein fesselnden Vortrag über 'Unsere Synagoge, ihre Geschichte und Einrichtung'."        

    
    
Besondere Einrichtungen  
Anzeigen des "Asyls für gemüts- und nervenkranke Israeliten" 1862/ 1864/ 1866 / 1883 / 1897 ("Herzoghöhe") 

Bayreuth Israelit 12111862.jpg (65743 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1862:
"Asyl für nerven- und gemütskranke Israeliten
In meiner seit einiger Zeit erweiterten Anstalt finden auch männliche Kranke Aufnahme. 
Bayreuth (Bayern), den 3. November 1862. Dr. Würzburger."   
  
Bayreuth Israelit 07121864.jpg (43745 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Dezember 1864
"Asyl für gemüts- und nervenkranke Israeliten. 
In meiner Anstalt, die sich seit ihrem dreijährigen bestehen allseitiger Anerkennung erfreut. Können Kranke beiderlei Geschlechts Aufnahme finden. Für die Angehörigen solcher Leidenden möge es zur besonderen Beruhigung dienen, dass alle Kranken, deren Zustand es nur irgend erlaubt, an dem Familienleben des Unterzeichneten Anteil nehmen.
Bayreuth (Bayern), 15. November 1864. Dr. Würzburger."   
     
Bayreuth Israelit 16051866.jpg (50970 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1866
"Heil- & Pflege-Anstalt für israelitische Gemüts- & Nervenleidende. Dem Bedürfnisse entsprechend habe ich meine Anstalt durch einen vollständigen Neubau bedeutend vergrößert und dieselbe so eingerichtet, dass sie den Anforderungen der Wissenschaft vollständige genügt.
Gesunde, freundliche Lage. Kost und sonstige Einrichtung nach jüdischem Ritus. Billige Pension. Näheres durch den Vorstand der Anstalt. 
Bayreuth (Bayern), im April 1866.  Dr. Würzburger".   
    
Bayreuth AZJ 10041883.jpg (38344 Byte)Anzeige in "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. April 1883: "Asyl für gemüts- und nervenkranke Israeliten. Aufnahme finden sowohl weibliche wie männliche Kranke; Kranke, die Heilung als auch solche, die für ihr Leiden ein ruhiges Asyl suchen. Bestand der Anstalt seit dem Jahre 1861. Gesunde ruhige Lage, allen gerechten Anforderungen entsprechende Einrichtung. Prospekte auf Verlangen. 
Bayreuth
(Bayern), im März 1883. Dr. Würzburger dir. Arzt."      
   
Bayreuth Israelit 23121897.jpg (53412 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1897: "Heil- und Pflege-Anstalt 'Herzoghöhe
für Gemüts- und Nervenkranke beiderlei Geschlechts. 
Gegründet 1861 zu Bayreuth. Neuerbaut 1894. Näheres durch den Prospekt. - Telephon Nr. 70.   
Dr. Albert Würzburger. Dr. Heinrich Kuehr."    

       
Über die Einrichtung des Asyls für gemüts- und geisteskranke Israeliten in Bayreuth (1875)   

Bayreuth Israelit 10031875.jpg (154019 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. März 1875: "Aus Bayern. Es ist eine vom Standpunkte der Psychiatrie sowohl als von jenem der allgemeinen Psychologie nicht zu verkennende Tatsache, dass bei der Behandlung und Kur geistiger Erkrankungen das religiöse Element einen seiner Wichtigkeit entsprechenden Rang einzunehmen berufen ist. 
Diese Tatsache fällt umso mehr in die Augen, je mehr es in unseren Tagen Irrenasyle gibt, in denen ein von wahrer Humanität und Menschenliebe getragener Geist waltet und gedeiht, je seltener auf der anderen Seite heutzutage jene Irrenanstalten geworden sind, welche einer Zuchtanstalt näher standen, als einem friedlichen Genesungshaus. 
In allen größeren und kleineren Irrenheilanstalten wird daher dem religiösen Bedürfnisse der Pfleglinge, insoweit sie dem katholischen oder protestantischen Bekenntnisse angehören, in ausgedehntester Weise Rechnung getragen; Kranke des jüdischen Kultus mussten dagegen bisher im Allgemeinen von der Befriedigung dieses Bedürfnisses selbstverständlich ausgeschlossen bleiben, da dieselben selbst in großen Anstalten gewöhnlich in sehr geringer Anzahl vorhanden, eben deshalb eine solche Berücksichtigung nicht zu finden vermochten. Und doch musste dieser gänzliche Mangel des religiösen Kultus, eines Kultus, welcher so viele Beziehungen und Anknüpfungspunkte für das tägliche Leben (namentlich auch in Bezug auf die Kostverhältnisse) bietet, in allen seinen Teilen so sehr von den Gebräuchen, selbst von der zeitlichen Einteilung des Kirchenjahres der anderen Konfessionen sich unterscheidet, von den Kranken jüdischen Bekenntnisses wohl am empfindlichsten gefühlt werden, musste dem aus einer gläubigen Familie in eine öffentliche Anstalt versetzten Kranken, durch den Mangel selbst einer häuslichen Feier der Festtage, die Schwere seines Leidens doppelt fühlen lassen, die psychische und somatische Behandlung dem Anstaltsarzte zum Mindesten sehr erschweren.     
Bayreuth Israelit 10031875a.jpg (106024 Byte)Dieses sind die Erwägungen, von denen Herr Dr. Würzburger zu Bayreuth (Bayern) bei Gründung eines ‚Asyles für gemüts- und geisteskranke Israeliten in Bayreuth’ ausging.   
Wenn nun dieses Institut schon bei seinem Entstehen von den Glaubensgenossen mit Freude begrüßt wurde, so kann sich heute Herr Dr. Würzburger sagen, dass er den in seinem Programme aufgestellten guten Zweck, jenes edle Ziel, erreicht hat.  
Aus allen Gegenden Bayerns und Deutschlands haben gemüts- und geisteskranke Israeliten dort Zuflucht und – Heilung gefunden und Herr Dr. Würzburger kann sich vieler glücklichen Erfolge auf dem Gebiete dieser seiner Tätigkeit rühmen, wofür auch als deutlicher Beleg die starke Frequenz dieser Anstalt spricht.   

Die schöne Lage Bayreuths, dessen gesundes Klima, die aufopfernde Tätigkeit des dirigierenden Arztes und seiner Gattin, welche die schwierige Aufgabe mit ihrem Gatten in der Weise teilt, dass sie in fortwährendem Verkehre mit den weiblichen und so weit tunlich auch mit den männlichen kranken steht; die Befriedigung aller religiösen Bedürfnisse in der Anstalt selbst – alle diese Momente bieten jedem unserer Glaubensgenossen, der in die traurige Lage versetzt sein sollte, einen seiner Angehörigen in einer derartigen Anstalt unterzubringen – volle Veranlassung, diesen Kranken dem ‚Asyle für gemüts- und geisteskranke Israeliten’ des Herrn Dr. Würzburger zu Bayreuth (Bayern) anzuvertrauen".           
          
          
          
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  (und andere Personen)     
Zum Tod von Emanuel Osmund ( 1842)  
     
Bayreuth Israelit19Jh 25121842.jpg (52054 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 25. Dezember 1842: "In Bayreuth starb kürzlich Emanuel Osmund, der vertraute Freund Herders, Thierots, Wangenheims und vor allem Jean Pauls, welcher Letztere in Osmunds Armen den letzten Atemzug getan. Er war Israelit und ein Mann von großartiger Empfindung und Weltanschauung, was schon aus dem Umgange mit oben genannten Männern hervorgeht. Mit den meisten von ihnen hat er lange Jahre, mit den ihm in den Tod Vorausgegangenen bis zu ihrem Ende in ununterbrochenem brieflichen Verkehr gestanden; Ansichten über religiöses und sittliches Leben bildeten den Hauptinhalt solcher Mitteilungen."

        
Dr. Joseph Engelmann wird leitender Arzt an der "Irrenanstalt" St. Georgen bei Bayreuth (1859/60)  
Anmerkung: Dr. Joseph Engelmann ist am 28. Oktober 1820 in Floß geboren. Er hatte Medizin studiert (Promotion und Schlussprüfung 1847) und fand eine Anstellung zunächst als Assistent der Kreis-Irrenanstalt Irsee. 1860 wurde er als leitender Arzt an die "Irrenanstalt" St. Georgen bei Bayreuth gerufen. Auf dieser Stelle blieb er (auch nach dem Umzug der Irrenanstalt nach Wendelhöfen bei Bayreuth 1870 = Kreisirrenanstalt Bayreuth) bis zu seinem Tod am 6. Mai 1888 in Bayreuth. Die Söhne von Dr. Engelmann und seiner Frau Pauline geb. Neustätter (1840-1911) waren Max Engelmann (geb. 27. Februar 1863, war seit 1886 Arzt in Bamberg, verheiratet mit Anna geb. Sack, die nach dem Novemberpogrom 1938 an Suizid starb, Dr. Max Engelmann starb 1911 in Bamberg), Theodor Engelmann (geb. 11. Februar 1864, verheiratet mit Elisabeth geb. Rosenfeld, geb. 1870) und Richard Engelmann (geb. 5. Dezember 1868, war später Bildhauer, gest. 1966 in Kirchzarten).    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Oktober 1859: "Aus Bayern, 20. September (1859). Männer, die mit den Spitzen des gegenwärtigen Regimes vertraut sind, schildern die Stimmung als für uns günstig. Wenn nun gleich von unserer Seite noch keine Gelegenheit gegeben wurde, eine Äußerung hervorzurufen, so wartete man bloß, um der Regierung die Initiative zu überlassen, und durch dieses Vertrauen den spontanen Liberalismus zu größerer Energie zu animieren. Es dürfte aber bald der Barometerstand unserer Hoffnung klar werden, denn es liegt gegenwärtig die Berufung unseres als Psychiater bekannten Dr. J. Engelmann, der bisher als Unterarzt an der schwäbischen Kreis-Irrenanstalt zu Irrsee rühmlich wirkte, zum Direktor dieser Heilanstalt dem Ministerium zur Entscheidung vor. Wird diese dekretiert, und vielleicht auch die Ernennung unseres europäisch bekannten Prosektors H. Herz zum ordentlichen Professor in Erlangen, so haben wir nicht vergebens gehofft."     
 
 Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Februar 1860: "Aus Bayern, im Januar (1860). Dem Assistenzarzt bei der Irrenanstalt Irrsee, Dr. Joseph Engelmann, ein ausgezeichneter junger Mediziner, wurde die Stelle eines leitenden Arztes an der Irrenanstalt St. Georgen bei Bayreuth auf Ruf und Widerruf übertragen. Es ist dies der erste Fall einer ähnlichen Anstellung eines Israeliten in Bayern; und wenn wir die Beharrlichkeit in Betracht ziehen, mit welcher das vorige Staatsministerium selbst die Anstellung eines Juden als Taxbeamten verweigerte, so bleibt diese Ernennung immerhin ein bedeutender Fortschritt. Wir wollen, insofern er an noch recht viele, nicht minder würdige Glaubensgenossen ergeht, uns den Ruf ebenso gern gefallen lassen, als wir bereitwilligst und mit größtem Vergnügen auf den Widerruf verzichten."      

 
Zur Beisetzung der Frau von Bataillonsarzt Dr. Julius Stein (1866) 
  
Zum Lebenslauf von Dr. Julius Stein und seiner ersten Frau Anna geb. Stein siehe unten (1908)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Januar 1866: "Bayreuth, 12. Dezember (1865). Von dem schönen Geist der Eintracht unter den Konfessionen in unserer Stadt hatten wir vor Kurzem wieder einen glänzenden Beweis. Die Gattin des königlichen Bataillonsarztes Herrn Dr. Stein, eine durch Geistesbildung und Tüchtigkeit, durch edle Einfachheit, Tätigkeit, Wohlwollen und Frömmigkeit ausgezeichnete Dame, war plötzlich gestorben, und ward hierdurch ein tiefer Riss in ein echt patriarchalisches Familienleben gemacht. Die innigste Teilnahme gab sich auch unter allen Ständen kund. - Denn Herr Dr. Stein hat sich durch seine Berufstüchtigkeit, sein Wohlwollen und seine Uneigennützigkeit die allgemeinste Hochachtung erworben. Im Leichenzug waren auch alle Stände vertreten. Das gesamte Offiziercorps vom General abwärts, sehr viele Regierungs- und Gerichtsbeamte, die Geistlichkeit, der Bürgerstand, kurz, ein unabsehbares Gefolge. Der Rabbiner Herr Dr. Fürst hielt nach dem Texte Psalm 68,20 eine sehr ergreifende Grabrede, welche allgemein einen tiefen Eindruck machte."    

       
Erinnerung an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert - Grabstein für Otto Würzburger aus Bayreuth in New Orleans (ca. 1841-1867)    
Anmerkung: das Foto wurde von Rolf Hofmann (Stuttgart) im April 1994 im 1860 eröffneten Hebrew Rest Cemetery in New Orleans, 2100 Pelopidas at Frenchman Street, near Elysian Fields and Gentilly Blvd., aufgenommen.        

Grabstein im "Hebrew Rest Cemetery" in New Orleans "Hier ruht    
Zum Andenken an Otto Würzburger aus Bayreuth    
starb am 6ten Nov. 1867  
im Alter von 26 Jahren.  
Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
"         

      
Über den Landtagsabgeordneten Dr. Fischel Arnheim (geb. 1812 in Bayreuth, Ehrenbürger der Stadt Hof, gest. 1864 in München, beigesetzt in Bayreuth)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Januar 1868: "Galerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens. 25. Dr. Arnheim (Bayern). In dem parlamentarischen Leben des Abgeordneten Dr. Morgenstern bot sich uns das Bild eines hervorragenden Vertreters der demokratischen Richtung, getragen von der edelsten Persönlichkeit, Charakterfestigkeit und opferbereiter Überzeugungstreue. Ihm zur Seite tritt uns als Vertreter der monarchisch-konstitutionellen Richtung, die nicht minder ehrenfeste, charaktervolle Gestalt des Abgeordneten Dr. Arnheim entgegen. Wir haben hier eine der vielen tatsächlichen Widerlegungen des von der Rückschrittspartei oft gebrachten Einwurfes gegen die Gleichberechtigung der Israeliten, nämlich einer allgemeinen Hinneigung derselben zur demokratischen oder gar republikanischen und revolutionären Richtung.  
Es versteht von von selbst, dass wenn auch jene Behauptung ebenso wahr wäre, als sie falsch und tatsächlich unbegründet ist, es in einem Rechtsstaate einem jeden gestattet sein muss, innerhalb der Grenzen der Gesetze seine Meinung geltend zu machen. In der ungehemmten gegenseitigen Einwirkung der verschiedenen Strebungen und Parteirichtungen liegt das beste Korrektiv für Übergriffe und Nachteile jeder einzelnen gegeben. Doch gehen wir zur Sache selbst über. Fischel Arnheim, war der einzige Sohn frommer, rechtschaffener Eltern, geboren in Bayreuth im Jahre 1812. Es herrschte schon damals in den jüdischen Kreisen Bayreuths eine gediegene geistige und ästhetische Bildung, wie denn auch Jean Paul vielfach und mit Vorliege mit jüdischen Familien verkehrte. Die Familien Osmund, Samelson, Uhlfelder, Schwabacher, Wilmersdörffer usw. waren es, wo er die innigste Verehrung seines Dichtergenies fad, und gerne in geistvollen Unterhaltungen mit denselben sich Erholung suchte. Arnheims Eltern, den idealen Wert der Bildung erkennend, gaben ihrem Sohne eine sorgfältige, fromme Erziehung und ließen ihn in den Elementen allgemeiner Bildung und den Realien nicht minder als in Bibel und Talmud von tüchtigen Hauslehrern gründlich unterrichten. Anhangs zum Kaufmannsstande bestimmt, um einst das Geschäft des Vaters zu übernehmen, führte ihn seine Neigung den humanistischen Studien zu. Von glühendem Lerneifer getrieben, vertiefte er sich in das Studium der klassischen Sprachen, sodass er mit dem 17. Jahre die Eintrittsprüfung für die Oberklasse des Bayreuther Gymnasiums bestehen konnte. Nachdem er dieses absolviert, auf den Universitäten zu München und Erlangen der Rechtswissenschaft sich gewidmet, machte er nach erstandener Staatsprüfung und Erlangung des Doktorgrades seinen praktischen Kurs bei den verwaltungs- und Gerichtsbehörden seiner Vaterstadt und später bei einem Anwalte daselbst. Erst das Jahr 1848 brachte ihm die Ernennung zum königlichen Advokaten in Naila im Vogtlande. In Folge eines von der Regierung genehmigten Diensttausches mit einem Kollegen in Bayreuth übersiedelte er nach seiner Vaterstadt. In Naila und der Umgegend hatte sich Arnheim bald durch seine gediegenen Rechtskenntnisse und seine Geschäftsgewandtheit, sowie durch seinen unermüdlichen und uneigennützigen Berufseifer die Achtung und das Zutrauen Aller erworben. Als daher das Volk im Spätjahre 1848 zum ersten Mal nach der neuen Wahlordnung zu wählen hatte, wurde Arnheim vom Wahlbezirk Hof-Münchberg gewählt, da das neue Wahlgesetz die Wählbarkeit für unabhängig von der Konfession erklärt hatte. Es ist diese Wahl umso bemerkenswerter und für die Wähler und den Gewählten um so ehrender, als in diesem Wahlbezirke kein einziger Jude wohnte. Sein Wahlbezirk gab ihm auch bei allen folgenden Landtagswahlen, 1856, 1858 und 1962 durch die jedesmalige Wiederwahl von Neuem sein fortgesetztes Vertrauen zu erkennen. Die Wirksamkeit Arnheims als Abgeordneter richtete sich auf den Ausbau der Verfassung und auf die Ergänzung der Lücken der Gesetzgebung im freiheitlichen Sinne. Seine vielen Anträge trafen immer praktisch fühlbare Bedürfnisse, welche zu erkennen, seine ausgebreitete Tätigkeit als Anwalt ihn besonders befähigte. Deshalb fanden auch seine meisten Anträge die Zustimmung der Kammern, darunter meist Anträge auf Erlassung verschiedener Spezialgesetze im bürgerlichen und Strafrechte. Seine gediegenen Kenntnisse und die Unabhängigkeit seiner Gesinnung wurden auch von der Kammer gewürdigt durch die Wahl in die wichtigsten Ausschüsse und zum Berichterstatter über konstitutionelle       
Bayreuth AZJ 14011868a.jpg (419640 Byte)Fragen. Wir heben daraus hervor seine Berichterstattung über den Erlass eines Gesetzes über Entscheidung der Kammern bei Verhaftung ihrer Mitglieder, oder seinen Bericht und Antrag, Beschwerde über gesetzwidrige Ausdehnung des Kriegsrechts bei Seiner Majestät dem König zu erheben. Sein Antrag ward angenommen, und im Landtagsabschiede Abhilfe verheißen. Besonders ehrend war für ihn die Wahl in den Justizausschuss, in welchen er mit den bedeutendsten Rechtsgelehrten Bayerns gewählt ward, mit Dr. Edel, Lauck, Paur, Bart, Boyé, Namen, welche auch im übrigen Deutschland als bedeutende juristische Autoritäten bekannt sind. Er hatte in dieser Stellung über eine Reihe spezieller Gesetze im Gebiet der bürgerlichen und Strafrechtspflege zu berichten, und wurden dieselben nach seinen Anträgen angenommen und zu Gesetzen erhoben. Seine Wirksamkeit beschränkte sich jedoch nicht auf das rein Juristische, in welchem er so viel Segensreiches und Heilsames erzielte. Wo es die Herstellung verfassungsmäßigen Rechts, die Rüge eine Unrechts, in Verteidigung der Wahrheit galt, trat er dafür ein. So befürwortete er auf dem Landtag von 1849 eine weitere Ausdehnung der Amnestie für politische Kompromittierte, welche sich aus Gründen der Gerechtigkeit wie der Staatsklugheit empfehle. In gleicher Weise trat er hier, wie auf mehreren folgenden Landtagen den vielen Polizeiübergriffen auf die Presse energisch entgegen. Mit Würde und Sachkenntnis wahrte er das Recht und die Ehre seiner Glaubensgenossen, und wies die Verdächtigungen seiner Religion, welche der Abgeordnete Dr. Alliolo durch seine Angriffe auf den Talmud zu begründen suchte, unter dem Beifall der Kammer zurück. Es sei ungerecht und wahrheitswidrig, sagte er unter anderem, aus einem historischen Werke, wie der Talmud, welcher die freuen Diskussionen der Rabbinen mehrerer Jahrhunderte enthalte, einzelne Äußerungen herauszugreifen und dafür die Gesamtheit verantwortlich zu machen, ohne zu prüfen, ob diese Äußerungen auch wirklich das Endergebnis der Diskussionen seien und gesetzliche Geltung erlangt haben. Eine unbefangene Prüfung zeige, dass das Endergebnis der Diskussionen der Ausfluss der reinsten Moral und der peinlichsten Gewissenhaftigkeit sei.    
Arnheim blieb seinen Grundsätzen und der Sache der Freiheit auch dann getreu, als die antiliberalen Zeitströmungen der fünfziger Jahre ihren Einfluss selbst auf die liberal-konservativen Mitglieder der Kammer äußerten. So kam es, dass er, ohne zur demokratischen Partei zu gehören, in Reden und Abstimmungen öfters mit der Linken sich begegnete. Dies zeigte sich zum Beispiel bei der Beratung des Disziplinargesetzes, wo er mit der Linken gegen die Versetzbarkeit der Richter sprach, oder bei Beratung des Gesetzes über Einschreiten der bewaffneten Macht, wo er den Regierungsvorschlag bekämpfte, dass in dringenden Fällen auch eine mündliche Requisition seitens der Zivilbehörde genügen solle. Als er bei der Budgetberatung eine Minderung des Etats für Gesandte befürwortete, und vor den Pforten darauf erwidert hatte, die Feinde der Monarchie pflegten auf die beiden Säulen der monarchischen Gewalt, Heer und Diplo0matie, ihre Angriffe zu richten, wahrte Arnheim in würdiger und energischer Weise seinen Standpunkt. Er gestatte es niemandem, seine Motive zu verdächtigen; seine mehrjährige Wirksamkeit habe gezeigt, dass er nicht auf revolutionärem Boden stehe; er stehe auf dem Boden der Verfassung.   
Auch in seiner Eigenschaft als Anwalt hatte Arnheim vielfach Gelegenheit dem Willkürsystem entgegenzutreten. Der eklatanteste Fall trug sich im Jahre 1857 zu. Es hatte nämlich Graf Giech auf der protestantischen Generalsynode eine Interpellation an den königlichen Kommissär gerichtet über einen Erlass des Oberkonsistoriums, welcher die Geistlichen in der freien Wahl des Predigtstoffes beschränkte. Graf Giech, welcher seine Interpellation durch den Druck veröffentlichte, ward unter Anklage gestellt, und wählte Arnheim zum Verteidiger, welcher keinen Anstand nahm, auch hier für die verletzte Freiheit einzutreten. Seine höchste Anerkennung in der Kammer fand übrigens Arnheim im Jahre 1862, wo er in den Gesetzgebungsausschuss zur Beratung der Entwürfe der Zivilprozessordnung und des Zivilgesetzbuches gewählt wurde. Auch die Gemeindekollegien der Stadt Hof hatten in dankbarer Würdigung seiner Verdienste beschlossen, ihm das Ehrenbürgerrecht ihrer Stadt zu erteilen; und nach erfolgter Genehmigung von Seiten des Königs begab sich eine Abordnung der städtischen Behörden nach München, um die prachtvoll ausgestattete Urkunde dem neuen Ehrenbürger feierlich zu überreichen. So hatte Arnheim mittelbar und unmittelbar durch das Volk die höchsten Ehren für sein gewissenhaftes und sein gediegenes Wirken errungen. Aber die unausgesetzte Anstrengung hatte seine Gesundheit angegriffen. Schön kränkelnd begab er sich im Januar 1864 nach München zu den Sitzungen des Gesetzgebungsausschusses. Eine Lungenkrankheit endete dort rasch sein tatenreiches Leben. Die Leiche ward nach seiner Vaterstadt (Bayreuth) gebracht. Der größte Teil der Bürgerschaft, die städtischen Behörden, wie sämtliche Staatsbehörden, Geistliche beider christlichen Konfessionen von Fern und Nahe, eine Abordnung der Gemeindebehörden von Hof folgten seines Bahre auf den israelitischen Friedhof. Allgemein war der Ruf: das Land hat einen schweren Verlust erlitten... Die Gesetzsammlungen Bayerns zeigen in den vielen teils auf seinen Antrag, teils durch seinen Ausschussbericht ins Leben getretenen Gesetzen eben so viele glänzende Denkmale seines Wirkens. Sein Andenken besteht in Ehren, seine Seele ruhe in Frieden! Bayreuth. Dr. Fürst."        


Die beiden Bayreuther Ärzte Dr. Bernhard Karpeles und Dr. Julius Stein wurden ausgezeichnet (1871)
 
Zum Lebenslauf von Dr. Julius Stein siehe unten (1908).  
Zu Dr. Bernhard Karpeles (geb. 8. Dezember 1833, gest. 12. Februar 1877; Quelle): Bernhard, mit religiösem Namen Jissachar, wurde in Bayreuth geboren als Sohn des Bayreuther Kaufmanns Sigmund Salomon Karpeles und dessen zweiter Ehefrau Amalie Merle geb. Heßlein aus Bamberg. Verheiratet war er mit Jeanette geb. Pflaum. 1867 wurde der Sohn Ernst geboren, 1869 Alexander Heinrich, 1872 die Tochter Amalie. Dr. Bernhard Karpeles war Stabsarzt im königlich bayerischen 7. Infanterie-Regiment. Auf Grund seiner Auszeichnung (s.u.) war der Ritter des Militärverdienst-Ordens II. Klasse, dazu erhielt er später die Kriegsdenkmünze 1870-71. Er starb bereits im Alter von 43 Jahren an einem "Herzschlag" und wurde im jüdischen Friedhof in Bayreuth beigesetzt.    

Bayreuth AZJ 11041871.jpg (38586 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. April 1871: "Bayreuth, im März (1871). Die beiden im bayrischen Heere dienenden jüdischen Ärzte von hier haben sich Auszeichnung erworben; Herr Dr. Karpeles erhielt das Ritterkreuz des königlich bayrischen Max-Josephordens, Herr Dr. Stein die goldene Sanitätsmedaille des Max-Josephordens; mit letzterer ist ein jährlicher Bezug von 300 fl. aus dem Ordensvermögen verbunden."    

    
Zur Beisetzung von Rechtsanwalt Carl Würzburger (1892)    
Anmerkung: Carl (Karl) Würzburg (geb. 14. Juni 1853 in Aschbach, gest. 10. Mai 1892 in Bayreuth) war in Bayreuth als Rechtsanwalt tätig (Canzleistraße 106). Er war in 1. Ehe verheiratet mit Ida geb. Löwenbach (gest. 1880),  in 2. Ehe mit Jenny Würzburger geb. Lismann (geb. 1862, gest. 19. April 1938). Alle drei wurden im jüdischen Friedhof in Bayreuth beigesetzt.     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1892: 
Text muss noch abgeschrieben werden.       

 
Unfall nach einer Hochzeit mit mehreren Verletzten (1893)    

Bayreuth AZJ 23061893.jpg (44996 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1893: "Auf eine traurige Weise wurde in Bayreuth eine israelitische Hochzeit gestört. Vier Hochzeitsgäste unternahmen in einem Zweispänner einen Ausflug nach dem Wagnertheater. Auf dem Rückwege riss an einer stark abschüssigen Stelle die Bremsvorrichtung, die Pferde fielen und der Kutscher stürzte kopfüber vom Bock. Er brach beide Beine und erlitt auch schwere innerliche Verletzungen, während zwei Insassen schwer, die übrigen leicht verletzt wurden."  
  
Bayreuth Israelit 26061893.jpg (49838 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1893. "Bayreuth, 14. Juni (1893). Auf eine traurige Weise wurde heute Mittag hier eine israelitische Hochzeit gestört. Vier Hochzeitsgäste unternahmen in einem Zweispänner einen Ausflug nach dem Wagnertheater. Auf dem Rückwege riss an einer stark abschüssigen Stelle die Bremsvorrichtung, die Pferde fielen und der Kutscher stürzte kopfüber vom Bock. Er brach beide Beine und erlitte auch schwere innerliche Verletzungen, während zwei Insassen schwer, die übrigen leicht verletzt wurden. Der Kutscher, ein äußerst nüchterner Mann, wurde sterbend in das Krankenhaus gebracht, während die vier Insassen in das Hotel ‚Reichsadler’, dem Hochzeitslokal, transportiert wurden."  

      
80. Geburtstag von Generalarzt a.D. Dr. Julius Stein (1902)  
Zum Lebenslauf siehe unten (1908).    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Dezember 1902: "Bayreuth, 18. Dezember (1902). Einer der angesehensten Männer unserer Stadt und Gemeinde, der Generalarzt a.D. Dr. Julius Stein, feierte am 30. vorigen Monats in voller Frische und Regsamkeit seinen 80. Geburtstag. Die Feier bewies, welche Hochachtung dem Jubilar hier von allen Seiten entgegengebracht wird. Die Offizierkorps der 6. Chevauxlegerregiments, in dem Dr. Stein diente und bis zum Generalarzt avancierte, sowie des 7. Infanterieregiments 'Prinz Leopold' ehrten ihn in besonderer Weise. Von der Regimentsmusik wurde um Mittag vor seiner Wohnung ein Ständchen gerbacht, während im Innern derselben Gratulanten aus den ersten Kreisen des Militär- und Zivilstandes ihm ihre Huldigungen darbrachten, und Geschenke in unübersehbarer Fülle sein Heim schmückten. Generalarzt Dr. Stein hat als Arzt besonders im deutsch-französischen Kriege sich ausgezeichnet und wurde für seine Leistungen mit dem eisernen Kreuz sowie mit der goldenen Medaille dekoriert. Er erhielt auch noch andere Auszeichnungen während seiner langen und ehrenvollen Laufbahn im bayerischen Heere."           

   
Der jüdische Sänger Max Dawison aus Hamburg tritt in Bayreuth auf (1906)  
Anmerkung: Max Dawison ist 1860 in Schwedt/Oder geboren und 1953 in Hamburg gestorben. Weitere Informationen siehe http://www.bmlo.lmu.de/d0655 sowie 
http://books.google.de/books?id=fB9-1XYo8PQC&lpg=PA511&ots=UOp8GclP_L&dq=Max%20Dawison%20Hamburg&hl=de&pg=PA511#v=onepage&q=Max%20Dawison%20Hamburg&f=false       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. August 1906: "Bayreuth, 19. August (1906). Den Abschluss der diesjährigen Bayreuther Festspiele bildete zu Ehren der anwesenden Fürsten eine große Soiree in der Villa 'Wahnfried'. Zur Mitwirkung waren Mdm. Grandjeun von der Pariser Grand Opéra und Max Dawison aus Hamburg auserwählt. Der Großherzog von Hessen, der Herzog von Anhalt-Dessau, der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, Graf Hochberg u.a. ließen sich durch Cosima Wagner den Hamburger Sänger Dawison vorstellen und liehen ihrer Bewunderung Ausdruck über das reiche künstlerische Können, mit dem es Dawison gelingt, trotz der Schärfe seines Deklamationsstils immer wieder der tonschönen Kantilene, somit der Tradition edlen Gesanges treu zu bleiben. Dawison stamm aus einer bekannten Kantorenfamilie!"         


Tod von Generalarzt Dr. Julius Stein (1908)
 
Anmerkung: das Grab von Dr. Julius Stein (geb. 1822 in Bayreuth. gest. 31. Januar 1908 ebd.) befindet sich im jüdischen Friedhof Bayreuth. Zum Lebenslauf (Quelle): Julius Joseph Stein war ein Sohn des Handelsmannes Jacob Jöslein Stein und der Edel geb. Männlein. Nach dem Besuch des Bayreuther Gymnasium studierte er Medizin in München, wo er seine erste Anstellung als Assistenzarzt im Allgemeinen Krankenhaus antrat. Nach seiner Promotion schlug er die militärische Laufbahn ein, wo er es nach Teilnahme an den beiden Kriegen 1866 und 1870/71 bis zum Generalarzt II. Klasse brachte. In erster Ehe war er verheiratet mit seiner Cousine Anna Stein aus München (einer Tochter seines ebenfalls in München als Arzt praktizierenden Onkels Dr. David Stein), 1857 wurde ihr erstes Kind geboren, der Sohn Carl Jacob, 1862 wurde der Sohn Oskar Jekutiel geboren. Anna Stein starb 1865 nach der Geburt eines nicht lebensfähigen Kindes im Kindbett. 1868 schloss Julius Stein eine zweite Ehe mit Josephine, Tochter von Dr. med. Benjamin Ginsberg und Rosalie geb. Spier aus Frankfurt am Main. 1874 wurde der Sohn Berthold Benjamin geboren. Der königlich-bayrische Generalsarzt a.D., Dr. Julius Stein, starb im Alter von 85 Jahren, das Alter seiner Witwe ist nicht angegeben.    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Februar 1908: "Bayreuth. Generalarzt Dr. Stein, Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist im Alter von 85 Jahren gestorben."         

    
Über den in Bayreuth geborenen Senatspräsidenten und Universitätsprofessor in München Dr. Heinrich Harburger (Bericht von 1916)   
Anmerkung: Der Jurist Dr. Heinrich Harburger ist 1851 in Bayreuth geboren (Kämmereigasse 9); er starb 1916 in München.    

Bayreuth AZJ 28041916.jpg (368582 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. April 1916: "Dr. Heinrich Harburger. Senatspräsident und Universitätsprofessor in München. Unter der ausgedehnten Menge hervorragender deutscher Juristen der letztverflossenen Jahrzehnte einen allgemein anerkannten Namen zu erwerben, ja sich zu einer unbestrittenen europäischen Berühmtheit emporzuschwingen, war nur wenigen vergönnt, in der Regel nur Männern von ungewöhnlich repräsentativem Wesen neben großem fachlichem Wissen, zumal solchem mit reger Nutzbarkeit für die unmittelbare Praxis. Umso auffälliger berührt eigentlich dann der weite Ruhm Heinrich Harburgers, des am 29. Februar 1916 zu München, seiner zweiten Heimat, verstorbenen ausgezeichneten Rechtsgelehrten internationalen Rufes und hochgestiegenen Rechtspraktikers seines engeren Vaterlandes Bayern. Denn dem bei allem warmen Interesse für die hohe Mutter Wissenschaft stets auf gewaltige Menschheitsprobleme rechtlicher Art hinzielenden genialen Kopf lag jedes bewusste Hervortreten in die Öffentlichkeit gar fern, und er musste wiederholt in allsichtbare bedeutsame Posten halb und halb hineingedrängt werden. Dass ihm dabei seine Konfession natürlich weit eher hinderlich als förderlich war, liegt auf der Hand. 
Heinrich Harburger war am 2. Oktober 1851 in Bayreuth geboren. Er bestand nach fleißig durchgeführten juristischen Studien zu München im Jahre 1876 die erste bayerische Staatsprüfung mit Note 1. Seine amtliche Laufbahn machte er in folgenden Stufen durch: Im Oktober 1879 als Amtsrichter am Amtsgericht München I angestellt, wurde er im Opfer 1885 Zweiter Staatsanwalt am Landgericht München II, November 1890 Landgerichtsrat ebenda, Januar 1898 Staatsanwalt am Oberlandesgericht München, im November 1899 Rat an eben diesem, im Januar 1905 Rat am Obersten Landesgericht in Bayern, endlich im März 1912 Senatspräsident am Oberlandesgericht zu München. Er war damit - dies nebenbei bemerkt - zu einer Stelle als Richterbeamter emporgelangt, die im Deutschen Reiche sonst niemals ein Mann israelitischen Bekenntnisses bisher erreicht hat. 
Daneben war er schon seit 1878 im akademischen Lehramt tätig, in das er also noch vor Ernennung zum Amtsrichter eingetreten ist. Damals habilitierte er sich, nachdem er 1875 in seiner Doktordissertation 'Die renumeratorische Schenkung', eine Frage des bürgerlichen Rechts behandelt, an der Universität München mit einer Schrift: 'Über den strafrechtlichen Begriff 'Inland' und seine Beziehungen zum Völkerrecht und Staatsrecht', die, 1882 als Buch erschienen, wie mehrere seiner späteren Arbeiten das Grenzgebiet zwischen Völkerrecht und Strafrecht beackert. In zweiter Linie widmete sich nämlich seine wissenschaftliche Tätigkeit der letzteren. Die reifste Frucht der kriminalistischen Studien des vielerfahrenen Prozessualisten wurde eine umfassende rechtsvergleichende Abhandlung über Diebstahl und Unterschlagung, welche er auf Anregung des Reichsjustizamts zur Vorbereitung eines neuen Strafgesetzbuches verfasste. Auch ein 'Strafrechtspraktikum' (1892) erwuchs daraus. August Geyers kleinere Schriften strafrechtlichen Inhalts hat er 1889 herausgegeben. Als Hochschullehrer pflegte Harburger außer Straf- und Staatsrecht eindringlich das Völkerrecht, wie auch schriftstellerisch. Seit Juli 1896 bekleidete er an der Münchener Universität die Stellung eines ordentlichen Honorarprofessors. Diese verdankte er sowohl seiner wissenschaftlichen Wirksamkeit als seiner hingebenden Lehrfähigkeit, die ihn mannigfaltige Befriedigung in Kolleg und Seminar finden ließ.
Sein Herz gehörte der Wissenschaft, sagt ein genauer fachmännischer Kenner des Verstorbenen. So schrieb er eine Festgabe zum Jubiläum seines großen Berufsgenossen Planck und verfasste eine ganze Reihe gründlicher Beiträge als beliebter Mitarbeiter an Georg Hirths Annalen des Deutschen Reiches, dem Jahrbuch für Gesetzgebung, der Zeitschrift für die gesamte Strafwissenschaft und anderen Fachorganen. Der ausgebreiteten literarischen Tätigkeit Harburgers können wir hier nicht im einzelnen nachgehen. Einen großen Teil seiner einschlägigen Leistungen deckt das Amtsgeheimnis: nämlich den, den er als Richter am Oberlandes- und Obersten Landesgericht entfaltet hat. Nur gelegentlich lüftet sich der Schleier: so wenn Harburger in Hirths und Seidels Annalen gegen den unglücklichen Begriff des Formaldelikts zu Felde ziehend zu erkennen gibt, dass er die bayerische Rechtsprechung auf diesem Gebiete mit dem gesunden Rechtsempfinden in Einklang gebracht hat. Besondere Aufmerksamkeit wendete er der strafrechtlichen Reformbewegung zu. Wie er 1904 Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses für Vorschläge betreffend eine Strafrechtsreform im Deutschen Reich wurde, so gehörte er im Kreise der Internationalen kriminalistischen Vereinigung zu den führenden Persönlichkeiten. Sien Verständnis des praktischen Lebens schützte ihn vor allen Utopien, ließ ihn aber auch mit feinem Takt herausfühlen, welche Ideen neuer Richtung sich zur Verwertung in der Gesetzgebung eignen. In diesem Sinne trat er für die bedingte Verurteilung ein.  
In allererster Linie war Harburgers innere Teilnahme der Wissenschaft des Völkerrecht geweiht, die er im größten Maßstabe und mit weit ausgreifendem Geiste umfasste. Die höchste Anerkennung wurde ihm zuteil, indem er im Jahre 1913 zum Präsidenten des Völkerrechtlichen Instituts gewählt wurde, jener internationalen Vereinigung, die einen so starken Einfluss auf die moderne Fortentwicklung des Völkerrechts gewonnen hat. ein Jahr später sollte sie in München, dem Wohnsitze ihres Präsidenten Harburger, Tagen. Schon waren         
Bayreuth AZJ 28041916a.jpg (233512 Byte)eingehende Vorbereitungen getroffen - da brach der Weltkrieg aus, und der ganze Geschäftsgang des Instituts geriet nun natürlich ins Stocken. 'Wird es nach dem Krieg seine Tätigkeiten neu aufnehmen können? Oder ist Harburger sein letzter Hochmeister gewesen? Da ist eine der Fragen, die jetzt den Kreis der Fachleute bewegen. Ihre Beantwortund steht dahin. Das aber wissen wir, dass Harburgers ruhige und sichere Persönlichkeit die Verhandlungen in einem Sinne geleitet hätte, von der man für die Berücksichtigung der deutschen Interessen das Beste erwarten dufte. Und deshalb bedeutet sein Tod nicht nur einen Verlust für die Wissenschaft, sondern auch für das Vaterland.' Mit diesen Worten schließt Professor Dr. Reinhard von Franks (Protestant), des fachgenössischen Ordinarius an der Universität Tübingen, warmherziger Nachruf, der unmittelbar nach Harburgers Ableben in den 'Münchner Neuesten Nachrichten' erschien. Wie oben verschiedene Angaben über die berufliche Bedeutung des zu früh Verblichenen dieser feinsinnigen Würdigung entstammen, so entlehne ich ihr auch einen kleinen Abschnitt zur Kenntnis seiner Persönlichkeit. Als Mitglied führender in- und ausländischer wissenschaftlichen Gesellschaften 'stand Harburger in Beziehung zu vielen internationalen Persönlichkeiten, und es war ihm eine Freude, neben seinen inländischen gelegentlich auch seine ausländischen Bekannten bei sich zu sehen. Kam dann das Gespräch auf wissenschaftliche Fragen, so zeigte es sich, dass ihm seine Gattin nicht nur als Hausfrau, sondern auch als verständnisvolle Mitarbeiterin zu Seite stand. So werden die Stunden herzlicher und anregender Gastfreundschaft im Hause Harburger allen, die sie genießen durften, unvergesslich bleiben".  
Jetzt hat der Tod dies schöne Gemeinschaftsleben zerstört. Der musterhafte Hausvater hinterläst in diesem gemütlichen Hei m in der vorderen Karlstraße, wo so viele geistige Größen Münchens seit länger als einem halben Jahrhundert ihren Sitz aufgeschlagen, eine innigvertraute Gattin und eine Tochter: der Sohn, Dr.iur. und Rechtpraktikant, steht beim Heere. Am 2. März, nachmittags, wurde die Leiche des hoch angesehenen Gelehrten und Staatsbeamten auf dem Münchener Ostfriedhof feuerbestattet. Bei der Abschiedsfeier, die sich zu einer die Verdienste des Verstorbenen würdig ehrenden Trauerkundgebung gestaltete, waren anwesend der Justizminister mit seinen Ministerialräten, der Präsident des Obersten Landesgerichts und derjenige des Oberlandesgerichts mit dessen Senatspräsidenten und Räten, der Präsident des Amtsgerichts München I und viele Richter; sodann der Rektor Magnificus der Universität mit dem gesamten Lehrkörper der juristischen Fakultät und andere Professoren, Offiziere und Mitglieder des Akademischen Gesangvereins München. Harmoniumsspiel und Violinsolo leiteten die ernste Handlung ein. Darauf hielt Reichsrat von Heinzelmann, der Präsident des Münchener Oberlandesgerichts, die Gedächtnisrede, an deren Ende er für den von ihm vertretenen hohen Gerichtshof einen Kranz auf die Bahre neiderlegte. Darin folgten, zugleich mit Nachrufen, die Vertreter der Universität, der juristischen Fakultät, der Kriminalistischen Sektion, der Orientalischen Gesellschaft, der Aktivitas und des Philisterverbandes des Akademischen Gesangvereins. Es war, alles in allem, eine offizielle Totenfeier, wie sie nur Hochschullehrern ersten Ranges und Rufes, Richterbeamten aber sonst wohl nie ausgerichtet werden. Zumal einem Manne jüdischen Blutes. Einem Manne, welcher seiner ganzen Natur nach zwar nicht auf diese Seite seiner Persönlichkeit ausdrücklich hinzuweisen pflegte, aber auch nirgends verheimlicht hat, wo etwa seine Herkunft in Frage kam. Und diese Herkunft musste er ja doch schließlich während seiner ganzen von vielen beneideten Laufbahn in seinem Doppelamt, dem richterlichen wie dem akademischen, spüren. Denn ebenso wenig wie er, ungeachtet aller ehrenden Stellungen, je einen Gerichtshof als Vorstand zu leiten anvertraut erhielt, ist er in der Universitätshierarchie zum ordentlichen Professor befördert worden. Er, den nicht nur die Forschungsgenossen wie einen Fürsten ehrten, sondern auch die Fürsten mit hohen Orden auszeichneten. L.F."     

    
Stiftung von Max Harburger (1916)
   
Anmerkung: es handelt sich um den Kaufmann Max Harburger (geb. 1857 in Bayreuth, gest. 27.9.1916 in Bayreuth; "Wäschehaus Max Harburger). Er war ein großer Wohltäter der Armen. An Max Harburger erinnert in Bayreuth die "Harburgerstraße".  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober 1916: "Max Harburger vermachte 25.000 Mark für eine Stiftung zu Gunsten armer Näherinnen und Arbeiterinnen, 25.000 Mark für invalide Kriegsteilnehmer usw. Haupterbin ist die jüdische Gemeinde."       

       
Oberleutnant d. Res. Ludwig Kurzmann wurde zum Rittmeister befördert (1917)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. April 1917: "Oberleutnant der Reserve Ludwig Kurzmann, Sohn des Herrn Hoflieferanten Kurzmann in Bayreuth, ist zum Rittmeister befördert worden".           

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der Seligsberg'schen Antiquariatsbuchhandlung (1850)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. September 1850: "Die Seligsberg'sche Antiquariatsbuchhandlung in Bayreuth besitzt den Rest des Vorrats von dem anerkannt gediegenen Werke:  
Tiferet Jisrael
Hebräische Chrestomathie der biblischen und neueren Literatur, von Dr. A. Martinet. Bamberg, 1847. 26 1/4 Bogen gr. 8. (Ladenpreis 1 Thaler 6 Neugroschen) 
und liefert dasselbe für den geringen Preis von nur 10 Neugroschen (neu, ungebunden) franco Leipzig; 
sowie auch: Martinet's Tabellen der hebräischen Zeitwörter in 4. à 2 1/2 Neugroschen. 
Alle Buchhandlungen neben Bestellungen an und bei Übernahme einer größeren Zahl wird ein angemessener Rabatt bewilligt."    

           
Anzeige des Leinen-, Weißwaren- und Wäschegeschäftes H. Lang (1880)        

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Februar 1880: "Lehrlings-Gesuch. Für mein Leinen-, Weißwaren- und Wäschegeschäft (Samstags geschlossen) suche einen Lehrling. H. Lang, Bayreuth."        

  
Anzeige von Otto Friede (1890)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1890: 
"Wer liefert prima fette koschere pommer. Gänse, und zu welchem Preise? 
Otto Friede, Bayreuth."  

        
Anzeige der Wurstwarenfabrik Adolf Fleischner (1901)    

Bayreuth Israelit 21031901.jpg (63021 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1901: "Koscher zu Pessach - Koscher zu Pessach
Die Erste koschere Wurstwarenfabrik in Bayreuth 
empfiehlt für Pessach alle Sorten In- und Ausländer Wurstwaren, sowie Pökel- und Rauchfleisch und feinsten Aufschnitt zu den billigsten Preisen. Bei größerer Abnahme wird franko versendet. 
Wiederverkäufer erhalten bedeutenden Rabatt. Preiscourant gratis.
Adolf Fleischner, Wurstwarenfabrikant Bayreuth."     

  
  
Weitere Dokumente   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries; die Erläuterungen gleichfalls nach den Recherchen von Peter Karl Müller)   

Briefstück von S. Schwabacher (Bayreuth) 
an Rosenfeld & Co. (Fürth) (1866)
 
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Der Brief wurde von S. (Salomon) Schwabacher in Bayreuth an Fa. Rosenfeld & Co. in Fürth am 26. August (Poststempel) 1866 (handschriftlich) verschickt. Salomon Schwabacher (geb. 9. Nov. 1803 als Sohn des Bankiers Isaac Schwabacher und Rösel geb. Neustädter) konnte 1823 er die die Matrikel-Stelle des ein Jahr zuvor verstorbenen Uhlfelder übernehmen. Er betrieb Wechselgeschäfte und heiratete 1830 in Prag Julie Wiener. Das Paar hat sieben Kinder: 1831- Josephine, geboren in Bayreuth, 1832- Michael, 1834 - Joseph, 1835 - Klementine, 1837 - Flora und Auguste (Zwillinge) und 1843 - Pauline. Salomon Schwabacher starb am 18. März 1884 im Alter von 80 Jahren an Altersschwäche. 
Dazu die Links: Todesanzeige von Michael Schwabacher, Chef der S. Schwabacher (1884) aus der "Neuen Freien Presse" (Wien) vom 12. Oktober 1884 (Quelle für die Funde: Genealogische Seite zu Familie Wiener - siehe unter Pauline Wiener): Link zu einem Foto des Grabsteines von Salomon Schwabacher (1803-1884) (in der Dokumentation des jüdischen Friedhofes Bayreuth des Steinheim-Institutes).     

     
Kartenbrief an Pauline Schwabacher
 in Bayreuth (1898)
 
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Der Kartenbrief an Frau Pauline Schwabacher wurde am 5. März 1898 aus Bayreuth nach Wien aus Bayreuth versandt. Zur Absenderin: Pauline Schwabacher geb. Wiener (geb. 4. August 1837 in Wien; gest. 12. Februar 1910 in Bayreuth) war verheiratet mit Michael Schwabacher (geb. 10. Juli 1832 in Bayreuth, gest. 7. Oktober 1884 in Bayreuth). Der Brief wurde geschrieben von ihrem Sohn Edmund Schwabacher, als sich seine Mutter bei ihrer Schwester Henriette von Hueber in Wien aufhielt. 
Edmund und seine Frau Emma Schwabacher hatten zwei Kinder: Paula Schwabacher und Michael Schwabacher
Pauline und Michael Schwabacher liegen begraben auf dem jüdischen Friedhof in Bayreuth.
Der Text des Briefes: "Bayreuth, 5. März 1898. Liebe Mama !
Auf Deine lieben Zeilen vom 2. will ich Dir noch nach Wien antworten. obwohl ich nicht weiß, ob Dich dieser Brief noch dort antreffen wird. Für die Mandarinen und Biskuit besten Dank. Paula verlangt den ganzen Tag 'Apferle', wie sie die Mandarinen nennt; sie sind aber auch wirklich ausgezeichnet und ist nur schade, daß sie sich nicht lange halten. Einige hatten heute schon Flecken. Selma (?) hat hoffentlich mit dem Engagement der neuen Stütze Glück gehabt, so dass sie vor weiterem Wechsel verschont bleibt. Bubi geht es unberufen mit der ... wieder gut; Pauli ist sehr vergnügt, weiß vor Übermuth nicht, was sie machen soll. Von Neulands und Kapeles habe ich Dir, glaube ich, in meinem letzten Briefe auch directe geschrieben.
Mit herzlichen Grüßen an Dich und Tante von Emma und Onkel - dein dich liebender Sohn Edmund"

Quellen: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?sel=bay&function=Ins&anzeige=classic&inv=0630 
http://www.geni.com/people/Pauline-Schwabacher/6000000013513740651

     
     

   

   

   

   

   

 

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Stand: 31. März 2015