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Bad Brückenau (Kreis
Bad Kissingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Es gesteht eine weitere Seite
mit Texten zur jüdischen Geschichte in Stadt
und Bad Brückenau
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In (Bad) Brückenau bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die zweite Hälfte des 19.
Jahrhunderts zurück, doch gab es bereits im 16./17. Jahrhundert
einige jüdische Familien in der Stadt, die eine Gemeinde gebildet haben. 1524 bis 1527 wird mehrfach "Jud
David von Brückenau" genannt, danach ließ er sich in Zeitlofs
nieder. In den folgenden Jahrzehnten werden jeweils mehrere Familien genannt
(seit 1558 Jud Mosche aus Ilmenau in Brückenau; seit 1561 Jud Salomon von
Brückenau Hoffaktor der Gräfin Helene von Hauau; 1588 Jud Irmoldt aus
Brückenau u.a.m.). 1576 lebten sieben oder acht jüdische Familien in der
Stadt. Um 1600 dürften es acht bis zehn Familien gewesen sein, die bei einer
geschätzten Zahl jüdischer Einwohner von etwa 500 ungefähr 10 % der
Bevölkerung ausmachten. Auf die jüdische Ansiedlung in der Zeit des 16./17.
Jahrhunderts dürfte die noch in der Stadt bestehende "Judengasse" zurückgehen.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts bestand die jüdische Gemeinde aus etwa 11
Haushaltungen. Die jüdischen Haushaltsvorstände lebten überwiegend vom Handel
mit "Kram mit Ellen und Gewicht", Silber- und Goldwerk, Pferden, Fellen
und Lederwerk, teilweise vom Fruchthandel. Die Gemeinde hatte an Einrichtungen eine Synagoge (Betraum, s.u.), eine Schule und
einen Friedhof sowie einen Lehrer
beziehungsweise Vorbeter. 1671 wurden die
Juden aus der Stadt wie im ganzen Hochstift Fulda vertrieben (nur fünf Familien
durften damals in Fulda, eine in Neuhof verbleiben).
Einige der Brückenauer Familien zogen vermutlich nach Züntersbach,
Unterriedenberg oder Geroda und fanden dort
eine neue Heimat.
Eine neue jüdische Niederlassung entstand seit dem 18. Jahrhundert. Seit den 1720er-Jahren
konnten wiederum einige jüdische Personen in der Stadt wohnen. Zwei der ersten
waren aus Uttrichshausen (Isaak Sißel) und Weyhers (Heyum Levi) zugezogen. In
der Folgezeit werden weitere Juden in der Stadt genannt, die auch Hausbesitzer
beziehungsweise Mitbesitzer geworden sind. 1763 waren drei Familien in der
Stadt; 1789 vier Familien, die des Hejum Joseph, David Samuel, Meyer Löb und
des Meyer Levi. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb die Zahl der
jüdischen Einwohner klein: 1803 waren vier jüdische Familien in der Stadt:
Löb Feibel, Schneegold, Meyer Hirsch und Meyer Levi. Beim letztgenannten
handelte es sich um den "Judenlehrer". Die Familien lebten vom
Warenhandel, Viehhandel und kleinem Schnittwarenhandel. Auf Grund der durch das
bayerische Matrikelgesetz festgelegten Zahl der jüdischen Familien pro Ort durften
bis 1867 nur drei bzw. vier Familien in Brückenau
leben. 1817 waren die drei in der Matrikelliste festgehaltenen Familien
(mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Joseph David Cahner (Waren- und
Viehhandel), Jendelge, Witwe von Feibel Mosbacher (Viehhandel), Maier Löb
Sommer (kleiner Schnittwarenhandel und Schlachten).
Seit der Aufhebung des Matrikelparagraphen (1867) entwickelte sich die Zahl
der jüdischen Einwohner wie folgt: 1867 19 jüdische Einwohner (1,2 % von
insgesamt 1.571), 1880 55 (3,3 % von 1.654), 1900 114 (7,0 % von 1.627), 1910
124 (5,9 % von 2.098). Jüdische Familien sind in dieser Zeit u.a. von Züntersbach, Leichtersbach,
Schondra, Geroda und Schmalnau zugezogen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde in der Stadt
Brückenau einen Betsaal (bis 1913), dann eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein
Religionslehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Bei anstehenden Neubesetzungen
wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben (vgl. Ausschreibungstexte unten). In
besonderer Erinnerung blieben die Lehrer David Lehmann (von 1877 bis
1922 in Brückenau), Samuel Gundersheimer (von 1922 bis 1939 in
Brückenau). Die Gemeinde gehörte bis 1892/93 zum Bezirksrabbinat Gersfeld,
danach zum Rabbinatsbezirk Bad
Kissingen.
Im Bereich von Bad Brückenau war das Hotel Kaufmann (s.u.) Mittelpunkt des
religiösen Lebens. Es verfügte auch über eine schön eingerichtete
Haussynagoge, in dem über Jahrzehnte während der Kursaison wie auch in der
Stadtsynagoge täglich Gottesdienste abgehalten wurden.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Emil
Goldschmidt (geb. 2.2.1897 in Züntersbach,
gef. 27.4.1918). Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal der Stadt (neu aufgestellt
vor dem alten Rathaus). Außerdem sind gefallen: Gefreiter Willy Frank
(geb. 24.12.1883 in Brückenau, vor 1914 in Würzburg wohnhaft, gef.
6.9.1918), Ernst Maßmann (geb. 2.7.1896 in Brückenau, vor 1914 in
Bamberg wohnhaft, gef. 21.7.1915) und Raphael Adler (geb. 8.8.1892 in
Brückenau, vor 1914 in Zeitlofs
wohnhaft, gef. 24.11.1924).
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Für das Leben in der Kurstadt Bad Brückenau waren für jüdische Kurgäste die
drei streng rituell geführten Hotels von zentraler Bedeutung: im Bereich von Bad
Brückenau die Hotels der Familien Kaufmann (seit 1876) und Strauss (seit 1900,
zuvor Hotel Kullmann), im Bereich der Stadt Brückenau das
Central-Hotel von Josef Schuster (seit 1923).
Um 1924, als zur Gemeinde 128 Personen gehörten
(damals wurden separat Ort Brückenau mit 120 und Bad Brückenau mit 8
jüdischen Einwohnern gerechnet; 5,3 % von insgesamt etwa 2.393), waren die
Vorsteher der Gemeinde Nathan Grünebaum und Max Goldschmidt. Lehrer, Kantor und
Schochet war Samuel Gundersheimer. Er unterrichtete an der Israelitischen
Volksschule damals 10 Kinder. 1932 waren die Gemeindevorsteher Salomon
Stern (1. Vors.) und Max Goldschmidt (2. Vors.). Lehrer und Kantor war weiterhin
Samuel Gundersheimer; er betätigte sich auch als Schriftführer des
Gemeindevorstandes. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er acht jüdische Kinder
in der Israelitischen Volksschule, dazu erteilte er 16 Kindern der Gemeinde den
Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewro
(gegründet 1924; 1932 unter Leitung von Abraham Grünebaum mit 40 Mitgliedern;
Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Hilfsbedürftiger).
1933 lebten 117 jüdische Personen in Bad Brückenau (4,8 % von 2.462
Einwohnern), dazu 14 in Wernarz . Auf Grund der sofort einsetzenden Folgen des
wirtschaftlichen Boykottes, der zunehmenden Entrechtung und der
diskriminierenden Maßnahmen verließen alsbald viele Gemeindeglieder die Stadt.
Nur mit großer Mühe konnten bis Aufgaben der Gemeinde weitergeführt werden.
1936 besuchten noch 15 Schüler die jüdische Volksschule, darunter auch Kinder
aus Zeitlofs und Unterriedenberg.
Bis 1940 verzogen 95 jüdische Einwohner aus Brückenau in andere deutsche Orte
(u.a. 58 nach Frankfurt am Main, acht nach Fulda, je drei nach Hamburg und
München, 39 wnaderten aus (13 in die USA, sieben nach Südafrika, fünf nach
Palästina, drei nach England und einer nach Holland). Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung stark beschädigt (siehe unten),
auch das jüdische Schulhaus wurde schwer beschädigt, das Mobiliar zerstört.
Die jüdischen Hotels der Stadt wurden durch SS- und SA-Leute vollständig
demoliert. Die noch in der Stadt befindlichen jüdischen Männer wurden
festgenommen und in das KZ Dachau verbracht. Nach ihrer Rückkehr ging die Zahl
der jüdischen Einwohner vollends schnell zurück (Anfang 1939 42, Ende Juli
1939 noch 13). Die letzten sieben jüdischen Einwohner wurden bei den
Deportationen 1942 in Vernichtungslager des Ostens abtransportiert.
Von den in Bad Brückenau geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Adler (1894),
Wilhelmine Binheim geb. Kaufmann (), Hedwig Böhm geb. Frank (1883), Bernhard Frank (1898), Ferdinand Fröhlich (1898),
Herbert David H. Fröhlich (1932), Selma Fröhlich geb.
Goldschmidt (1901), Ludwig Goldschmidt (1923), Ida Hecht (1906), Rika Hecht (1867),
Rita Hecht (1893), Recha Heilbrunn geb. Frank (1878), Emilie Heimann geb.
Strauß (1874), Jakob Jacob
(1869), Hermine Kahn geb. Adler (1877), Isfried Kahn (1910), Siegfried Kann
(1880), Josef Kaufmann (1872), Sara Kaufmann geb. Goldschmidt (1877), Sigmund
Kaufmann (1877), Helene Königsberger geb. Binheim (1899), Clara Leyens geb. Heller (1888),
Josef Löwenstein (1893), Erna Erika Meyer (1916), Mirjam (Marianne) Nußbaum
(1888), Ilse Judith Schönfärber (1935), Martha Schönfärber geb. Kaufmann
(1901), Berta Spier (1876), Moses Stern
(1881), Rosa Strauss geb. Stern (1905), Siegfried Strauss (1881), Susi Strauss (1926),
Walter Strauss (1928), Klara Tannenwald (1891), Lothar Tannenwald (1894), Dora Zeller geb.
Oppenheimer (1885), Moritz Zeller (1885), Reni Zeller (1926).
Hinweis:
Dem jüdischen Leben in Bad Brückenau hat der jüdische Schriftsteller und
Nobelpreisträger Samuel Josef Agnon (1888-1970, Foto links) ein Denkmal in seiner Kurzgeschichte
Ben
Schtei Arim (Zwischen zwei Städten) gesetzt. Allerdings erscheint Brückenau
hier unter dem Namen Katzenau. |
Zur Geschichte der Synagoge und
Betsäle
Die Synagoge in der Stadt Brückenau
Die erste Synagoge beziehungsweise einen Betsaal gab es
bereits Ende des 16. Jahrhunderts, also etwa zehn jüdische Familien in
der Stadt lebten. 1628 bat die Judenschaft - bereits mitten in der
Zeit des Dreißigjährigen Krieges - "um Belassung in dem Gebrauch ihrer
Synagoge und Schule", nachdem in dieser Zeit die Zahl der jüdischen
Familien im Hochstift Fulda stark reduziert werden sollte. Mit der Ausweisung
der Juden aus Brückenau 1671 endete auch das gottesdienstliche
Leben.
Die im 18. Jahrhundert zuziehenden jüdischen Familien besuchten die
Gottesdienste in Unterriedenberg und Züntersbach.
1763 ist allerdings davon die Rede, dass die jüdischen Familien in einem
Privathaus eine Schule eingerichtete hätten, "die sie wie eine Synagoge zu
ihren Ceremonien gebrauchen". Allerdings hatte die jüdischen Familien dazu
noch keine Erlaubnis, 1767 musste diese "geheime Synagoge" aufgehoben
werden. 1769 erhielt Heyum Joseph das Recht, einen Privatandachtsraum zu
betreiben. Dieser Raum blieb offenbar mehrere Jahrzehnte der Betraum der
jüdischen Familien in der Stadt. 1817 wird über die Synagoge in Brückenau
bereichtet: "Diese Synagoge besteht bloß in einem Zimmer". Da die
Zahl der jüdischen Familien bis um 1867 klein blieb, wird es bei einem
einfachen Betraum als Synagoge geblieben sein.
Beim Stadtbrand 1876 wurde das Haus mit dem bisherigen Betraum (Synagoge)
zerstört. 1878 wurde von Emanuel Cahner ein Bauplatz für den Neubau
einer Synagoge erworben, doch ist auf diesem Grundstück keine Synagoge erstellt
worden. Auf Grund der Spenden zum Neuaufbau der Gemeinde nach dem Stadtbrand
waren zwar 15.000 Mark für einen Synagogenbau vorhanden. Doch wurde mit dem
Geld "nur" das Gebäude Unterhainstraße 24 gekauft, in dem die
jüdische Schule und ein Betraum eingerichtet wurden. Im Betsaal hatte es 1896
16 Plätze im Männerbereich, 19 im Frauenbereich.
Nach
1900 wurden Forderungen nach einem repräsentativen Synagogenneubau laut. 1907 konnte
eine Landeskollekte in den bayrischen jüdischen Gemeinden durchgeführt werden.
Der Neubau selbst konnte nach längeren Vorplanungen 1911/13 errichtet
werden.
Kollekte zum Bau einer neuen Synagoge (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1907: "Brückenau, 11. März
(1907). Der israelitischen Kultusgemeinde Brückenau ist zur teilweisen
Aufbringung der Mittel für den Neubau einer Synagoge in Brückenau eine
Landeskollekte in den Synagogen bewilligt worden." |
Der Neubau einer Synagoge wird
geplant (1909)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1909: "Brückenau
(Unterfranken), 28. November (1909). Die hiesige Kultusgemeinde plant den
Neubau einer Synagoge. Die Gesamtkosten für das geprüfte und
festgestellte Projekt betragen 40.000 Mark für den Neubau und 6.000 bis
8.000 für die Inneneinrichtung." |
Kosten der neuen Synagoge
(1913)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Juli 1913:
"Brückenau. Mit einem Kostenaufwand von 40.000 Mark hat die hiesige
israelitische Kultusgemeinde aus eigenen Mitteln, nachdem ihr die
nachgesuchte staatliche Subvention wiederholt versagt worden war, eine
neue Synagoge erbaut." |
Die neue Synagoge konnte am 28. August 1913 eingeweiht werden.
Bei der Einweihung waren zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens
anwesend. Bürgermeister Reinwald versprach den Schutz der Synagoge durch die Stadt.
Synagogeneinweihung (1913)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. August
1913: "Brückenau. Die Synagogeneinweihung ist in schönster Weise
verlaufen. Ansprachen hielten Vorsteher Nathan Grünebaum,
Distriktsrabbiner Dr. Bamberger und Bürgermeister Reinwald." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September
1913: "In Brückenau fand dieser Tage die Synagogeneinweihung
statt, die in schönster Weise verlaufen ist. Ansprachen hielten der
Distriktsrabbiner Dr. Bamberger und Bürgermeister
Reinwald." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1913: "Brückenau,
19. September (1913). Der langgehegte Wunsch der Gemeinde Brückenau nach
einer neuen Synagoge ging nun in Erfüllung. Nachdem wiederholte Gesuche
um Gewährung von Zuschüssen aus Staatsmitteln wegen Mangel eines
vordringlichen Bedürfnisses abgelehnt worden waren, entschloss sich die
Gemeinde, aus eigenen Mitteln eine neue Synagoge zu erbauen. Ein neben der
alten Synagoge befindlicher Bauplatz konnte käuflich erworben werden;
nach nicht ganz sechsmonatiger Bauzeit steht der Bau, mit einer hübschen,
das Städtebild zierenden Kuppel vollendet da. Am 28. August nachmittags 3
Uhr versammelten sich vor der alten Synagoge die Ehrengäste mit den
Mitgliedern der Gemeinde. In feierlichem Zuge ging's von der alten in die
neue Synagoge, an deren Pforte der Gemeindepräses Nathan Grünebaum eine
Ansprache hielt, dankend der Mitwirkung der Staats- und Gemeindebehörden
gedenkend. Nachdem in poetischer Weise Fräulein Rosa Lion die Schlüssel
zur Synagoge übergeben, königlicher Bezirksamtmann Freiherr von Ruffin
namens der Staatsbehörde, Bürgermeister und Landrat Reinwald namens der
Stadt zum Neubau Glück gewünscht und auch fernere Fürsorge zugesichert
hatten, erfolgte durch Distriktsrabbiner Dr. Bamberger, Kissingen, die
Eröffnung der Synagogenpforte. Unter Gesang zur Begrüßung des
Gotteshauses fand der Einzug statt, dem sich die üblichen Zeremonien
anschlossen. Das Städtchen hatte zu der Feier reichen Flaggenschmuck
angelegt." |
Die
Betsäle in den Hotels Kaufmann und Strauß in Bad Brückenau
Neben der Synagoge gab es in den jüdischen Hotels Kaufmann und Strauß je einen eigenen
Betsaal bzw. eine Privatsynagoge. Das Hotel Kaufmann war 1876, das Hotel
Strauß 1900 eröffnet worden, beide Hotels wurden
streng rituell geführt und waren Treffpunkt orthodoxer Kurgäste. 1909 wurde im
Betsaal des Hotels Kaufmann mit
einem besonderen Fest eine neue Torarolle eingeweiht.
Anzeigen der jüdischen Hotels und Berichte über das religiöse Leben siehe
auf der Textseite, besondere den "Badebrief"
von 1928 Teil 2.
| Einweihung einer Torarolle
im Betsaal des Hotels Kaufmann (1909)
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Bericht in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1909: "Bad Brückenau, 30. Mai
(1909). Am ersten Tag von Schawuot (Wochenfest) fand im festlich geschmückten
Saale des Hotel Kaufmann die Einweihung einer Torarolle (Sefer Tora) statt, die vom Inhaber, Herrn Kaufmann zum Andenken an
seine Mutter gestiftet und der Privat-Synagoge des Hauses übergeben
wurde." |
In der NS-Zeit gab es alsbald Einschränkungen des
gottesdienstlichen Lebens. Im Juli 1936 wurde die Abhaltung von Gottesdienstes
in den Hotels unter Hinweis auf das Vorhandensein einer Synagoge in der Stadt
behördlich verboten. Das Bezirksrabbinat bemühte sich vergeblich um die
Aufhebung dieser Verfügung und wies darauf hin, dass der Weg zu Synagoge für
die zumeist alten und kranken Hotelgäste zu beschwerlich sei. Beim Novemberpogrom 1938 wurden Synagoge und jüdisches Schulhaus angezündet und durch den Brand erheblich beschädigt.
Der SA-Kreisleiter hatte in der Synagoge mit Hilfe eines petroleumgetränkten
Heubündels persönlich das Feuer gelegt.
Nach 1945 wurde das Synagogengebäude mit einem Großteil des erhaltenen Mauerwerks in ein Wohn- und Geschäftshaus
umgebaut Auch das unweit davon befindliche ehemalige Schulhaus ist erhalten und
wurde zu einem Geschäftshaus umgebaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Synagoge Alter
Schlachthofweg / Schule Unterhainstraße 24
Fotos
(Pläne aus U. Debler, s.Lit. S. 152; neue Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.5.2007)
| Die "Judengasse" |
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Die
"Judengasse" dürfte an die jüdische Ansiedlung im 16./17.
Jahrhundert erinnern |
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| Pläne für den
Synagogenbau 1912/13 |
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| Südseite |
Nordseite |
Ostseite |
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| Grundriss des Erdgeschosses |
Grundriss auf Höhe der Empore |
Westseite |
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Historische Fotos der
Synagoge
(Quelle: links aus Pinkas Hakehillot s.Lit. S. 432; rechts aus U.
Debler S. 150 mit Angabe: Foto: Kalmund) |
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Die 1913 eingeweihte
Synagoge |
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Foto der Synagoge
(Quelle: W. Weigand, Minden) |
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Die zerstörte
Synagoge
(Quelle: W. Weigand, Minden) |
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Auf dem Foto ist
rechts die Ruine der ehemaligen Synagoge erkennbar |
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Enthüllung einer
Gedenktafel |
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vgl. dazu den Presseartikel
unten |
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Reste des Gebäudes der
ehemaligen
Synagoge |
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Gedenktafel |
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| Das
ehemalige Synagogengebäude von Westen. Erhalten ist der Rundturm, in dem
sich der Aufgang zur Frauenpore befand (vgl. Pläne oben) |
Gebäude der ehemaligen
jüdischen Schule unweit der Synagoge - im 1. Stock befand sich bis 1913
der alte Betsaal |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Enthüllung einer
Gedenktafel an das ehemalige Synagogengebäude |
Artikel "Gedenken an die Synagoge": Zum Lesen bitte die
Textabbildung anklicken |
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Artikel
"Nur 25 Jahre Gotteshaus": Zum Lesen bitte die Textabbildung
anklicken |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 273-275. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 37-38. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 431-433.
|
 | Ulrich Debler: Die jüdische Gemeinde in Bad
Brückenau. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter. Bd. 66 2004. S.
11-212.
Der Autor (geb. 1941 in Stuttgart, Pfarrer in verschiedenen
unterfränkischen Gemeinden), von dem zahlreiche weitere Beiträge zur
jüdischen Geschichte im unterfränkischen Bereich stammen, ist im November
2005 im Alter von erst 63 Jahren verstorben.
|
 | Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces /
Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen.
Schweinfurt 1992. |
 | dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von
Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt
1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the
abministrative district of Bad Kissingen focusing on the period
1800-1945. Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den
Autoren/obtainable from: E-Mail.
Info-Blatt
zu dieser Publikation (pdf-Datei). |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 97. .
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Brueckenau Lower Franconia.
Jews are mentioned in the late 16th century. The modern community was founded in
the mid-19th century by Jews from Zuentersbach in Prussia. The synagogue and talmud
torah were destroyed in a fire in 1876 that left most of the Jews homeless.
A new synagogue was built in 1913 and a Jewish public school was opened in 1924.
Brueckenau was a Jewish health resort with three kosher hotels and summer camps
for children. The Jewish population grew from 55 in 1880 to 114 in 1910 (total
1.627). With the Nazi economic boycott in 1933 the wealthier Jews began to leave.
On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned and
nearly all jewish men were sent to the Dachau concentration camp. In all, 29
Jews emigrated in 1933-40 (13 to the United States) and 95 left for other German
cities, including 58 to Frankfurt. The last seven Jews were deported to Izbica
in the Lublin district (Poland) and the Theresienstadt ghetto in 1942.

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