Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Brückenau (Kreis Bad Kissingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge 
Die Synagoge in der Stadt Bad Brückenau  
Die Synagoge / Betsäle in den Hotels Kaufmann und Strauß in Bad Brückenau  
Fotos 
Links und Literatur  

Es gesteht eine weitere Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Stadt und Bad Brückenau  
    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
    
In (Bad) Brückenau bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung  geht in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, doch gab es bereits im 16./17. Jahrhundert einige jüdische Familien in der Stadt, die eine Gemeinde gebildet haben. 1524 bis 1527 wird mehrfach "Jud David von Brückenau" genannt, danach ließ er sich in Zeitlofs nieder. In den folgenden Jahrzehnten werden jeweils mehrere Familien genannt (seit 1558 Jud Mosche aus Ilmenau in Brückenau; seit 1561 Jud Salomon von Brückenau Hoffaktor der Gräfin Helene von Hauau; 1588 Jud Irmoldt aus Brückenau u.a.m.). 1576 lebten sieben oder acht jüdische Familien in der Stadt. Um 1600 dürften es acht bis zehn Familien gewesen sein, die bei einer geschätzten Zahl jüdischer Einwohner von etwa 500 ungefähr 10 % der Bevölkerung ausmachten. Auf die jüdische Ansiedlung in der Zeit des 16./17. Jahrhunderts dürfte die noch in der Stadt bestehende "Judengasse" zurückgehen.   
 
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts bestand die jüdische Gemeinde aus etwa 11 Haushaltungen. Die jüdischen Haushaltsvorstände lebten überwiegend vom Handel mit "Kram mit Ellen und Gewicht", Silber- und Goldwerk, Pferden, Fellen und Lederwerk, teilweise vom Fruchthandel. Die Gemeinde hatte an Einrichtungen eine Synagoge (Betraum, s.u.), eine Schule und einen Friedhof sowie einen Lehrer beziehungsweise Vorbeter. 1671 wurden die Juden aus der Stadt wie im ganzen Hochstift Fulda vertrieben (nur fünf Familien durften damals in Fulda, eine in Neuhof verbleiben). Einige der Brückenauer Familien zogen vermutlich nach Züntersbach, Unterriedenberg oder Geroda und fanden dort eine neue Heimat.  
 
Eine neue jüdische Niederlassung entstand seit dem 18. Jahrhundert. Seit den 1720er-Jahren konnten wiederum einige jüdische Personen in der Stadt wohnen. Zwei der ersten waren aus Uttrichshausen (Isaak Sißel) und Weyhers (Heyum Levi) zugezogen. In der Folgezeit werden weitere Juden in der Stadt genannt, die auch Hausbesitzer beziehungsweise Mitbesitzer geworden sind. 1763 waren drei Familien in der Stadt; 1789 vier Familien, die des Hejum Joseph, David Samuel, Meyer Löb und des Meyer Levi. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb die Zahl der jüdischen Einwohner klein: 1803 waren vier jüdische Familien in der Stadt: Löb Feibel, Schneegold, Meyer Hirsch und Meyer Levi. Beim letztgenannten handelte es sich um den "Judenlehrer". Die Familien lebten vom Warenhandel, Viehhandel und kleinem Schnittwarenhandel. Auf Grund der durch das bayerische Matrikelgesetz festgelegten Zahl der jüdischen Familien pro Ort durften bis 1867 nur drei bzw. vier Familien in Brückenau leben. 1817 waren die drei in der Matrikelliste festgehaltenen Familien (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Joseph David Cahner (Waren- und Viehhandel), Jendelge, Witwe von Feibel Mosbacher (Viehhandel), Maier Löb Sommer (kleiner Schnittwarenhandel und Schlachten).              
  
Seit der Aufhebung des Matrikelparagraphen (1867) entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1867 19 jüdische Einwohner (1,2 % von insgesamt 1.571), 1880 55 (3,3 % von 1.654), 1900 114 (7,0 % von 1.627), 1910 124 (5,9 % von 2.098). Jüdische Familien sind in dieser Zeit u.a. von Züntersbach, Leichtersbach, Schondra, Geroda und Schmalnau zugezogen. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde in der Stadt Brückenau einen Betsaal (bis 1913), dann eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Bei anstehenden Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben (vgl. Ausschreibungstexte unten). In besonderer Erinnerung blieben die Lehrer David Lehmann (von 1877 bis 1922 in Brückenau), Samuel Gundersheimer (von 1922 bis 1939 in Brückenau). Die Gemeinde gehörte bis 1892/93 zum Bezirksrabbinat Gersfeld, danach zum Rabbinatsbezirk Bad Kissingen.   
    
Im Bereich von Bad Brückenau war das Hotel Kaufmann (s.u.) Mittelpunkt des religiösen Lebens. Es verfügte auch über eine schön eingerichtete Haussynagoge, in dem über Jahrzehnte während der Kursaison wie auch in der Stadtsynagoge täglich Gottesdienste abgehalten wurden.   

Brueckenau Denkmal 010.jpg (51858 Byte)Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Emil Goldschmidt (geb. 2.2.1897 in Züntersbach, gef. 27.4.1918). Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal der Stadt (neu aufgestellt vor dem alten Rathaus). Außerdem sind gefallen: Gefreiter Willy Frank (geb. 24.12.1883 in Brückenau, vor 1914 in Würzburg wohnhaft, gef. 6.9.1918), Ernst Maßmann (geb. 2.7.1896 in Brückenau, vor 1914 in Bamberg wohnhaft, gef. 21.7.1915) und Raphael Adler (geb. 8.8.1892 in Brückenau, vor 1914 in Zeitlofs wohnhaft, gef. 24.11.1924).  
  

Für das Leben in der Kurstadt Bad Brückenau waren für jüdische Kurgäste die drei streng rituell geführten Hotels von zentraler Bedeutung: im Bereich von Bad Brückenau die Hotels der Familien Kaufmann (seit 1876) und Strauss (seit 1900, zuvor Hotel Kullmann), im Bereich der Stadt Brückenau das Central-Hotel von Josef Schuster (seit 1923). 
   
Um 1924, als zur Gemeinde 128 Personen gehörten (damals wurden separat Ort Brückenau mit 120 und Bad Brückenau mit 8 jüdischen Einwohnern gerechnet; 5,3 % von insgesamt etwa 2.393), waren die Vorsteher der Gemeinde Nathan Grünebaum und Max Goldschmidt. Lehrer, Kantor und Schochet war Samuel Gundersheimer. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule damals 10 Kinder. 1932 waren die Gemeindevorsteher Salomon Stern (1. Vors.) und Max Goldschmidt (2. Vors.). Lehrer und Kantor war weiterhin Samuel Gundersheimer; er betätigte sich auch als Schriftführer des Gemeindevorstandes. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er acht jüdische Kinder in der Israelitischen Volksschule, dazu erteilte er 16 Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewro (gegründet 1924; 1932 unter Leitung von Abraham Grünebaum mit 40 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger).        
   
1933 lebten 117 jüdische Personen in Bad Brückenau (4,8 % von 2.462 Einwohnern), dazu 14 in Wernarz . Auf Grund der sofort einsetzenden Folgen des wirtschaftlichen Boykottes, der zunehmenden Entrechtung und der diskriminierenden Maßnahmen verließen alsbald viele Gemeindeglieder die Stadt. Nur mit großer Mühe konnten bis Aufgaben der Gemeinde weitergeführt werden. 1936 besuchten noch 15 Schüler die jüdische Volksschule, darunter auch Kinder aus Zeitlofs und Unterriedenberg. Bis 1940 verzogen 95 jüdische Einwohner aus Brückenau in andere deutsche Orte (u.a. 58 nach Frankfurt am Main, acht nach Fulda, je drei nach Hamburg und München, 39 wnaderten aus (13 in die USA, sieben nach Südafrika, fünf nach Palästina, drei nach England und einer nach Holland). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung stark beschädigt (siehe unten), auch das jüdische Schulhaus wurde schwer beschädigt, das Mobiliar zerstört. Die jüdischen Hotels der Stadt wurden durch SS- und SA-Leute vollständig demoliert. Die noch in der Stadt befindlichen jüdischen Männer wurden festgenommen und in das KZ Dachau verbracht. Nach ihrer Rückkehr ging die Zahl der jüdischen Einwohner vollends schnell zurück (Anfang 1939 42, Ende Juli 1939 noch 13). Die letzten sieben jüdischen Einwohner wurden bei den Deportationen 1942 in Vernichtungslager des Ostens abtransportiert.  
   
Von den in Bad Brückenau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Max Adler (1894), Wilhelmine Binheim geb. Kaufmann (), Hedwig Böhm geb. Frank (1883), Bernhard Frank (1898), Ferdinand Fröhlich (1898), Herbert David H. Fröhlich (1932), Selma Fröhlich geb. Goldschmidt (1901), Ludwig Goldschmidt (1923), Ida Hecht (1906), Rika Hecht (1867), Rita Hecht (1893), Recha Heilbrunn geb. Frank (1878), Emilie Heimann geb. Strauß (1874), Jakob Jacob (1869), Hermine Kahn geb. Adler (1877), Isfried Kahn (1910), Siegfried Kann (1880), Josef Kaufmann (1872), Sara Kaufmann geb. Goldschmidt (1877), Sigmund Kaufmann (1877), Helene Königsberger geb. Binheim (1899), Clara Leyens geb. Heller (1888), Josef Löwenstein (1893), Erna Erika Meyer (1916), Mirjam (Marianne) Nußbaum (1888), Ilse Judith Schönfärber (1935), Martha Schönfärber geb. Kaufmann (1901), Berta Spier (1876), Moses Stern (1881), Rosa Strauss geb. Stern (1905), Siegfried Strauss (1881), Susi Strauss (1926), Walter Strauss (1928), Klara Tannenwald (1891), Lothar Tannenwald (1894), Dora Zeller geb. Oppenheimer (1885), Moritz Zeller (1885), Reni Zeller (1926).       
               

Agnon Samuel.jpg (11501 Byte)Hinweis: Dem jüdischen Leben in Bad Brückenau hat der jüdische Schriftsteller und Nobelpreisträger Samuel Josef Agnon (1888-1970, Foto links) ein Denkmal in seiner Kurzgeschichte Ben Schtei Arim (Zwischen zwei Städten) gesetzt. Allerdings erscheint Brückenau hier unter dem Namen Katzenau.   

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge und Betsäle          
    
Die Synagoge in der Stadt Brückenau  

Die erste Synagoge beziehungsweise einen Betsaal gab es bereits Ende des 16. Jahrhunderts, also etwa zehn jüdische Familien in der Stadt lebten. 1628 bat die Judenschaft - bereits mitten in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - "um Belassung in dem Gebrauch ihrer Synagoge und Schule", nachdem in dieser Zeit die Zahl der jüdischen Familien im Hochstift Fulda stark reduziert werden sollte. Mit der Ausweisung der Juden aus Brückenau 1671 endete auch das gottesdienstliche Leben. 
 
Die im 18. Jahrhundert zuziehenden jüdischen Familien besuchten die Gottesdienste in Unterriedenberg und Züntersbach. 1763 ist allerdings davon die Rede, dass die jüdischen Familien in einem Privathaus eine Schule eingerichtete hätten, "die sie wie eine Synagoge zu ihren Ceremonien gebrauchen". Allerdings hatte die jüdischen Familien dazu noch keine Erlaubnis, 1767 musste diese "geheime Synagoge" aufgehoben werden. 1769 erhielt Heyum Joseph das Recht, einen Privatandachtsraum zu betreiben. Dieser Raum blieb offenbar mehrere Jahrzehnte der Betraum der jüdischen Familien in der Stadt. 1817 wird über die Synagoge in Brückenau bereichtet: "Diese Synagoge besteht bloß in einem Zimmer". Da die Zahl der jüdischen Familien bis um 1867 klein blieb, wird es bei einem einfachen Betraum als Synagoge geblieben sein.   
   
Beim Stadtbrand 1876 wurde das Haus mit dem bisherigen Betraum (Synagoge) zerstört. 1878 wurde von Emanuel Cahner ein Bauplatz für den Neubau einer Synagoge erworben, doch ist auf diesem Grundstück keine Synagoge erstellt worden. Auf Grund der Spenden zum Neuaufbau der Gemeinde nach dem Stadtbrand waren zwar 15.000 Mark für einen Synagogenbau vorhanden. Doch wurde mit dem Geld "nur" das Gebäude Unterhainstraße 24 gekauft, in dem die jüdische Schule und ein Betraum eingerichtet wurden. Im Betsaal hatte es 1896 16 Plätze im Männerbereich, 19 im Frauenbereich.  

Nach 1900 wurden Forderungen nach einem repräsentativen Synagogenneubau laut. 1907 konnte eine Landeskollekte in den bayrischen jüdischen Gemeinden durchgeführt werden. Der Neubau selbst konnte nach längeren Vorplanungen 1911/13 errichtet werden.          
    
Kollekte zum Bau einer neuen Synagoge (1907)   

Bad Brueckenau Israelit 14031907.jpg (24357 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1907: "Brückenau, 11. März (1907). Der israelitischen Kultusgemeinde Brückenau ist zur teilweisen Aufbringung der Mittel für den Neubau einer Synagoge in Brückenau eine Landeskollekte in den Synagogen bewilligt worden."

Der Neubau einer Synagoge wird geplant (1909)  

Bad Brueckenau Israelit 02121909.jpg (26342 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Dezember 1909: "Brückenau (Unterfranken), 28. November (1909). Die hiesige Kultusgemeinde plant den Neubau einer Synagoge. Die Gesamtkosten für das geprüfte und festgestellte Projekt betragen 40.000 Mark für den Neubau und 6.000 bis 8.000 für die Inneneinrichtung." 

Kosten der neuen Synagoge (1913)  

Bad Brueckenau Frf IsrFambl 25071913.jpg (28008 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Juli 1913: "Brückenau. Mit einem Kostenaufwand von 40.000 Mark hat die hiesige israelitische Kultusgemeinde aus eigenen Mitteln, nachdem ihr die nachgesuchte staatliche Subvention wiederholt versagt worden war, eine neue Synagoge erbaut."

  
Die neue Synagoge konnte am 28. August 1913 eingeweiht werden.
Bei der Einweihung waren zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens anwesend. Bürgermeister Reinwald versprach den Schutz der Synagoge durch die Stadt.    
    
Synagogeneinweihung (1913)   

Bad Brueckenau Frf IsrFambl 29081913.jpg (23447 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. August 1913: "Brückenau. Die Synagogeneinweihung ist in schönster Weise verlaufen. Ansprachen hielten Vorsteher Nathan Grünebaum, Distriktsrabbiner Dr. Bamberger und Bürgermeister Reinwald."  
 
Bad Brueckenau AZJ 05091913.jpg (24512 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September 1913: "In Brückenau fand dieser Tage die Synagogeneinweihung statt, die in schönster Weise verlaufen ist. Ansprachen hielten der Distriktsrabbiner Dr. Bamberger und Bürgermeister Reinwald."   
 
Bad Brueckenau AZJ 26091913.jpg (118612 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1913: "Brückenau, 19. September (1913). Der langgehegte Wunsch der Gemeinde Brückenau nach einer neuen Synagoge ging nun in Erfüllung. Nachdem wiederholte Gesuche um Gewährung von Zuschüssen aus Staatsmitteln wegen Mangel eines vordringlichen Bedürfnisses abgelehnt worden waren, entschloss sich die Gemeinde, aus eigenen Mitteln eine neue Synagoge zu erbauen. Ein neben der alten Synagoge befindlicher Bauplatz konnte käuflich erworben werden; nach nicht ganz sechsmonatiger Bauzeit steht der Bau, mit einer hübschen, das Städtebild zierenden Kuppel vollendet da. Am 28. August nachmittags 3 Uhr versammelten sich vor der alten Synagoge die Ehrengäste mit den Mitgliedern der Gemeinde. In feierlichem Zuge ging's von der alten in die neue Synagoge, an deren Pforte der Gemeindepräses Nathan Grünebaum eine Ansprache hielt, dankend der Mitwirkung der Staats- und Gemeindebehörden gedenkend. Nachdem in poetischer Weise Fräulein Rosa Lion die Schlüssel zur Synagoge übergeben, königlicher Bezirksamtmann Freiherr von Ruffin namens der Staatsbehörde, Bürgermeister und Landrat Reinwald namens der Stadt zum Neubau Glück gewünscht und auch fernere Fürsorge zugesichert hatten, erfolgte durch Distriktsrabbiner Dr. Bamberger, Kissingen, die Eröffnung der Synagogenpforte. Unter Gesang zur Begrüßung des Gotteshauses fand der Einzug statt, dem sich die üblichen Zeremonien anschlossen. Das Städtchen hatte zu der Feier reichen Flaggenschmuck angelegt."     

      
      
      
Die Betsäle in den Hotels Kaufmann und Strauß in Bad Brückenau  
 
Neben der Synagoge gab es in den jüdischen Hotels Kaufmann und Strauß je einen eigenen Betsaal bzw. eine Privatsynagoge. Das Hotel Kaufmann war 1876, das Hotel Strauß 1900 eröffnet worden, beide Hotels wurden streng rituell geführt und waren Treffpunkt orthodoxer Kurgäste. 1909 wurde im Betsaal des Hotels Kaufmann mit einem besonderen Fest eine neue Torarolle eingeweiht.
   
Anzeigen der jüdischen Hotels und Berichte über das religiöse Leben siehe auf der Textseite, besondere den "Badebrief" von 1928 Teil 2.

Einweihung einer Torarolle im Betsaal des Hotels Kaufmann (1909)
Bad Brueckenau Israelit 03061909.jpg (25596 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1909: "Bad Brückenau, 30. Mai (1909). Am ersten Tag von Schawuot (Wochenfest) fand im festlich geschmückten Saale des Hotel Kaufmann die Einweihung einer Torarolle (Sefer Tora) statt, die vom Inhaber, Herrn Kaufmann zum Andenken an seine Mutter gestiftet und der Privat-Synagoge des Hauses übergeben wurde."  

     
     
In der NS-Zeit gab es alsbald Einschränkungen des gottesdienstlichen Lebens. Im Juli 1936 wurde die Abhaltung von Gottesdienstes in den Hotels unter Hinweis auf das Vorhandensein einer Synagoge in der Stadt behördlich verboten. Das Bezirksrabbinat bemühte sich vergeblich um die Aufhebung dieser Verfügung und wies darauf hin, dass der Weg zu Synagoge für die zumeist alten und kranken Hotelgäste zu beschwerlich sei. Beim Novemberpogrom 1938 wurden Synagoge und jüdisches Schulhaus angezündet und durch den Brand erheblich beschädigt. Der SA-Kreisleiter hatte in der Synagoge mit Hilfe eines petroleumgetränkten Heubündels persönlich das Feuer gelegt. 
  
Nach 1945 wurde das Synagogengebäude mit einem Großteil des erhaltenen Mauerwerks in ein Wohn- und Geschäftshaus umgebaut  Auch das unweit davon befindliche ehemalige Schulhaus ist erhalten und wurde zu einem Geschäftshaus umgebaut.  
   
   
Adresse/Standort der SynagogeSynagoge Alter Schlachthofweg  / Schule Unterhainstraße 24 
  

   
Fotos
(Pläne aus U. Debler, s.Lit. S. 152; neue Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.5.2007) 

Die "Judengasse"  Brueckenau Judengasse 01.jpg (58631 Byte) Brueckenau Judengasse 02.jpg (77005 Byte)
    Die "Judengasse" dürfte an die jüdische Ansiedlung im 16./17. Jahrhundert erinnern 
      
Pläne für den Synagogenbau 1912/13
Bad Brueckenau Synagoge 040.jpg (53269 Byte) Bad Brueckenau Synagoge 043.jpg (44530 Byte) Bad Brueckenau Synagoge 045.jpg (46547 Byte)
Südseite  Nordseite  Ostseite 
     
Bad Brueckenau Synagoge 041.jpg (53570 Byte) Bad Brueckenau Synagoge 042.jpg (42814 Byte) Bad Brueckenau Synagoge 044.jpg (59764 Byte)
Grundriss des Erdgeschosses  Grundriss auf Höhe der Empore  Westseite 
     
     
Historische Fotos der Synagoge
(Quelle: links aus Pinkas Hakehillot s.Lit. 
S. 432; rechts aus U. Debler S. 150 mit 
Angabe: Foto: Kalmund)  
Brueckenau Synagoge 005.jpg (127097 Byte) Bad Brueckenau Synagoge 046.jpg (53197 Byte)
   Die 1913 eingeweihte Synagoge 
   
Foto der Synagoge  
(Quelle: W. Weigand, Minden) 
Bad Brueckenau Syn 0174.jpg (61663 Byte)  
      
     
Die zerstörte Synagoge  
(Quelle: W. Weigand, Minden)
Bad Brueckenau Syn 0172.jpg (62439 Byte) Bad Brueckenau Syn 0172a.jpg (32492 Byte)
  Auf dem Foto ist rechts die Ruine der ehemaligen Synagoge erkennbar 
      
Enthüllung einer 
Gedenktafel  
Bad Brueckenau Syn 0173.jpg (68411 Byte)   
  vgl. dazu den Presseartikel unten  
     
Reste des Gebäudes der 
ehemaligen Synagoge
Brueckenau Synagoge 121.jpg (62730 Byte) Brueckenau Synagoge 120.jpg (74596 Byte)
      Gedenktafel
     
Brueckenau Synagoge 122.jpg (68609 Byte) Brueckenau Synagoge 123.jpg (75881 Byte) Brueckenau Schule 01.jpg (78218 Byte)
 Das ehemalige Synagogengebäude von Westen. Erhalten ist der Rundturm, in dem 
sich der Aufgang zur Frauenpore befand (vgl. Pläne oben)  
  
Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule 
unweit der Synagoge - im 1. Stock befand 
sich bis 1913 der alte Betsaal
           

    
    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Enthüllung einer Gedenktafel am ehemaligen Synagogengebäude  
Bad Brueckenau Syn PA 0170.jpg (267790 Byte) Artikel  "Gedenken an die Synagoge": Zum Lesen bitte die Textabbildung anklicken    
  
Bad Brueckenau Syn PA 0171.jpg (172035 Byte)Artikel "Nur 25 Jahre Gotteshaus": Zum Lesen bitte die Textabbildung anklicken      
 


    

Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Bad Brückenau   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Bad Brückenau (interner Link)  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 273-275.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 37-38.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 431-433.   
Ulrich Debler: Die jüdische Gemeinde in Bad Brückenau. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter. Bd. 66 2004. S. 11-212. 
Der Autor (geb. 1941 in Stuttgart, Pfarrer in verschiedenen unterfränkischen Gemeinden), von dem zahlreiche weitere Beiträge zur jüdischen Geschichte im unterfränkischen Bereich stammen, ist im November 2005 im Alter von erst 63 Jahren verstorben. 
Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces / Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen. Schweinfurt 1992. 
dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt 1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the administrative district of Bad Kissingen focusing on the period 1800-1945.  Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den Autoren/obtainable from: E-Mail.    Info-Blatt zu dieser Publikation (pdf-Datei). 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 97. 
Lebensgeschichte und Lebenswerk des 1910 in Bad Brückenau geborenen David Schuster
Alexander von Papp: Ein fränkisch-jüdisches Leben im 20. Jahrhundert - Zum 100. Geburtstag von David Schuster. In: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege. Verlag Frankenbund Website www.frankenbund.de. Heft 4. August 2011 S. 284-295. 
Mit Genehmigung des Verfassers und des Verlages online eingestellt (pdf-Datei).   

     
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Brueckenau  Lower Franconia. Jews are mentioned in the late 16th century. The modern community was founded in the mid-19th century by Jews from Zuentersbach in Prussia. The synagogue and talmud torah were destroyed in a fire in 1876 that left most of the Jews homeless. A new synagogue was built in 1913 and a Jewish public school was opened in 1924. Brueckenau was a Jewish health resort with three kosher hotels and summer camps for children. The Jewish population grew from 55 in 1880 to 114 in 1910 (total 1.627). With the Nazi economic boycott in 1933 the wealthier Jews began to leave. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned and nearly all jewish men were sent to the Dachau concentration camp. In all, 29 Jews emigrated in 1933-40 (13 to the United States) and 95 left for other German cities, including 58 to Frankfurt. The last seven Jews were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) and the Theresienstadt ghetto in 1942.         
        

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. November 2012