Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Brückenau (Kreis Bad Kissingen)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte von Stadt und Bad Brückenau

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte von Stadt und Bad Brückenau wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 13.3.2013.    
        
Übersicht:

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer und Vorbeters 1869 / 1871 / 1878  
30-jähriges Jubiläum und silberne Hochzeit des Lehrers David Lehmann (1909)       
Allgemeine Berichte  
-  Besuch bei Verwundeten des Krieges 1866 in Bad Brückenau   
-  Die Brandkatastrophe in Bad Brückenau und die Spendensammlung unter den Israelitischen Gemeinden (1876/77)  
Allgemeiner Artikel über "Bad und Stadt Brückenau" (1934)  
Nach 1945: Emigrantentreffen in New York (1949)       
Berichte von Kurgästen über Bad Brückenau 
-  Bad Brückenauer Badebrief (1914)  
-  (Kritischer) Bericht eines jüdischen Reisenden (1920)   
-  Badebrief aus Bad Brückenau (1924)  
-  Wie man in der Stadt Brückenau - in Synagoge und jüdischen Häusern - das Wochenfest (Schawuot) feiert (1927)  
-  Badebrief 1928:  Teil 1   Teil 2   Teil 3    
-  Bericht von 1929  
-  (Begeisterter) Bericht eines jüdischen Kurgastes über Bad Brückenau (1931)   
Badebrief aus Bad Brückenau  (1932)  
Zu Beginn der NS-Zeit - Artikel über die unsichere Situation (Juni 1933) 
Berichte/Anzeigen zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Brief an David Cahner in Brückenau (1860er-Jahre)    
-  Verlobungsanzeige von Sofie Strauss und Max Friedmann (1908)   
-  Zum Tod von Lazarus Hecht (1921)  
Verlobungsanzeige für Irma Stern und Adolf Strauss (1922)   
-  Verlobungsanzeige von Ella Frank und Isak Goldschmidt (1922)  
-  Geburtsanzeige für eine Tochter von Simon Bloch und Fanny geb. Frank (1923)  
-  Zum Tod von Samuel Stern (1925)  
-  Verlobungsanzeige von Selma Grünebaum und Leo Rosenstock sowie Bia Grünebaum und Moritz Hess (1925)     
-  80. Geburtstag von Hannchen H. Stein (1925)
-  Verlobungsanzeige von Elli Grünebaum und Julius Vorchheimer (1927)   
-  Zum Tod des Gemeindevorsitzenden Nathan Grünebaum (1927)    
Zum Tod von Jeanette Strupp geb. Eisemann (1928)  
Geburtsanzeige für eine Tochter von Simon Bloch und Fanni geb. Frank (1928)  
Verlobungsanzeige von Rosi Schuster und Robert Hess (1929)     
Abschiedsfeier des Frauenvereins für Hannchen Grünebaum (1929)   
80. Geburtstag des Hilfsvorbeters und Rechnungsführers Josef Finsterwald (1931)   
Verlobungsanzeige für Martha Kaufmann und Daniel Schönfärber (1931)   
Verlobungsanzeige für Karola Grünebaum und Meier Sitzmann (1933)   
Zum Tod von Rosa Adler geb. Strauß (1935) 
Verlobungsanzeige von Friedel Roberg und Manfred Stern (Juni 1938)   
Nach der Emigration: Todesanzeige für Max Schuster (1943)    
Anzeigen und Berichte zu den jüdischen Kureinrichtungen     
-  Restauration von N. Frank (1879)   
Provinzialrabbiner Dr. Cahn aus Fulda als Gast in Bad Brückenau (1900)   
Neujahrsanzeige (jüdisches Neujahr!) des Hotels Kaufmann (1900 / 1920)  
Anzeigen des Hotels Kaufmann (1900 / 1905 / 1909 / 1911 / 1926)    
-  Anzeigen des Hotels Strauss (1900 / 1901 / 1905 / 1911 / 1923)  
Wohltätigkeitsveranstaltungen im Hotel Strauß-Kaufmann (1916 / 1921)   
Julius Schuster sucht für sein Hotel ein Leiterehepaar (1923)  
Werbung für die Kur in Bad Brückenau (1925)  
Allgemeine Werbung und gemeinsame Werbung für alle jüdischen Hotels in der Stadt (1925)  
50-jähriges Bestehen des Hotels Kaufmann (1926)   
Werbung für Ferienaufenthalte gesetzestreuer Angestellten (1928)   
Das Hotel Kaufmann sucht einen streng religiösen Metzger (1929)   
Rabbiner Dr. Bamberger zu Gast in Bad Brückenau (1932)   
6
0-jähriges Bestehen des Hotels Kaufmann (1936)  
Werbung für das Hotel Strauss (1937!) 
Anzeigen und weitere Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe 
Anzeigen des Wäsche-, Manufaktur-, Konfektions-, Spiel und Galanteriewarengeschäftes von Michael Lion (1898 / 1901 / 1904)     
Schuh- und Ledergeschäft J. Adler sucht einen Buchhalter (1915)  
Karte/Preisanfrage von J. Adler (1895)   
Anzeigen der Metzgerei Berthold Fleischmann (1925 / 1928)  
Schreiben der Eisenwarengroßhandlung Arthur Stern (1925)  
    

     
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers und Vorbeters 1869 / 1871 / 1878  

Bad Brueckenau Israelit 11081869.jpg (34206 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1869: "In der israelitischen Gemeinde Brückenau (Bayern) ist die Religionslehrerstelle, verbunden mit Vorsänger- und Schächterfunktion, erledigt. Gehalt 500 Gulden ohne Anrechnung etwaiger Nebengefälle und freie Wohnung. Bewerber wollen sich an den Kultusvorstand wenden."
   
Bad Brueckenau Israelit 15111871.jpg (20151 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1871: "Die israelitische Religionslehrerstelle, verbunden mit Vorsänger- und Schächterfunktion zu Brückenau ist erledigt. Besoldung 500 Gulden nebst freier Wohnung. Bewerber wollen sich an die Kultusgemeinde wenden."
  
Bad Brueckenau Israelit 24071878.jpg (26978 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1878: "Die Religionslehrerstelle, verbunden mit Vorsänger- und Schächterfunktion in Brückenau (Bayern), mit einem baren Gehalte von 857 Mark 14 Pfg. nebst freier Wohnung ist zu besetzen und wollen sich Bewerber an den Kultusvorstand wenden."
Auf die letztgenannte Ausschreibung bewarb sich erfolgreich David Lehmann (geb. 1856 in Rimpar, Lehrer in Bad Brückenau bis zu seinem Ruhestand 1922; war verheiratet mit Lea geb. Kuhn aus Aidhausen)  

   
Zum Tod des Religionslehrers und Kantors Abraham Ebert (1894 in Fürth, nach 1845 Lehrer in Bad Brückenau)   
Anmerkung: nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer ist Abraham Ebert nicht am 24. Dezember, sondern am 4. Dezember 1823 in Neuhaus geboren.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Oktober 1894: "Fürth, 30. September (1894). Am 23. September dieses Monats verschied nach längerem Leiden der Religionslehrer und Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Abraham Ebert. Am 24. Dezember 1823 in Neuhaus bei Neustadt a. Saale geboren, fungierte er im Alter von 15 Jahren bereits in Waltershausen und Thundorf, bezog 1840 das Schullehrerseminar in Würzburg, machte 1841 das Examen als Religionslehrer, bestand 1845 die staatliche Anstellungsprüfung in Würzburg mit Note 1 in Musik und Lehrfach und fungierte dann in Brückenau und Bayreuth. In Bayreuth gehörte er einem aus ihm, einem protestantischen, katholischen und reformierten Geistlichen bestehenden Vokalquartett an, das einst vor dem König Max II. singen durfte. Im Jahre 1852 wurde der Verstorbene gleichzeitig nach Köln, Frankfurt am Main und Fürth berufen, nahm die Stelle hier an und wirkte seitdem, also 42 Jahre, an der hiesigen Gemeinde. Er pflegte die reinen, traditionellen Tempelmelodien und führte die Sulzer'schen Gesänge in der hiesigen Hauptsynagoge ein, welche desto mehr zur Geltung kamen, als der Verblichene über eine prächtige, lyrische Tenorstimme verfügte. Als Religionslehrer erteilte er den Unterricht in der hiesigen städtischen Volksschule und der königlichen Realschule. Zu dem erhebenden Bewusststein strenger Pflichterfüllung gesellte sich die Freude eines glücklichen Familienlebens. Der Verstorbene war ein ehrenwerter Charakter von reichem Gemüte und warmem Herzen. Von der Liebe und Achtung zeugte die außerordentlich große Anzahl von Trauergästen, die seinem Leichenbegängnisse am 28. dieses Monats folgten. Herr Rabbiner Dr. Neubürger hielt die Leichenrede, Herr Justizrat Gunzenhäuser sprach namens der Kultusgemeinde, Herr Dr. Hutzelmann namens der königlichen Realschule. das Andenken des Verblichenen wird in Ehren fortleben."          


30jähriges Jubiläum und silberne Hochzeit des Lehrers David Lehmann (1909)  

Bad Brueckenau FrfIsrFambl 06081909.jpg (23348 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. August 1909: "Brückenau. Anlässlich seiner 30jährigen Wirksamkeit und seiner gleichzeitigen silbernen Hochzeit überreichte der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Lehrer David Lehmann eine kunstvoll gearbeitete Dankadresse und einen kostbaren silbernen Tafelschmuck."

     
     
Allgemeine Berichte  
Besuch bei Verwundeten des Krieges 1866 in Bad Brückenau

Anmerkung: Verwundete aus den Kämpfen des Preußisch-österreichischen Krieges, darunter auch jüdische Soldaten, lagen im Lazarett in Bad Brückenau

Bad Brueckenau Israelit 22081866.jpg (204133 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1866: "Brückenau. Die Nachkommen der tapferen Makkabäer leben noch und können ihren würdigen Ahnen heute noch ebenso würdig zur Seite gestellt werden. Ein seltenes Beispiel von Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit will ich den Lesern des sehr geschätzten ‚Israelit’ erzählen. Gleich nach dem sehr blutigen Kampfe in und im Kissingen kamen in unsere Gegend Aufrufe zur Unterstützung der Verwundeten, die in Bad Brückenau liegen. Gleich darauf machte sich unser Gemeindeältester, Herr Oppenheimer, auf und nahm noch einen Glaubensgenossen mit, um den Unglücklichen trotz des schlechten Wetters Lebensmittel und sonstige Unterstützung zu bringen. Auch ich schloss mich der Reisegesellschaft an. Unter den Verwundeten trafen wir einen Glaubensgenossen, Herr Langbein aus Gütersloh. Derselbe erzählte mir, trotz seiner heftigen Schmerzen die Art und Weise, auf welche er verwundet wurde: ‚Ich wurde mit noch sechs anderen Schützen kommandiert, in ein nahe liegendes Gehölz vorzudringen, um zu sehen, ob sich dort feindliche Truppen befänden. Die gespannte Zündnadel in der Hand empfahl ich mein Leben dem Allgütigen und rückte vor. Das erste Gehölz war leer. Kam waren wir jedoch in ein anderes einige hundert Schritt weit gegangen, als die Kugeln uns um die Köpfe flogen. Ein jeder suchte sich so gut als möglich zu decken. Ich konnte nicht schnell genug einen dicken Baum finden und legte mich daher hinter eine mittelmäßige Buche. Kaum hatte ich mich niederlegt, als eine Kugel vom Baum abprallte und mir in den linken Arm schlug und im Knochen stecken blieb. So schnell hatte ich nicht danach gesehen, als eine zweite den Absatz meines Stiefels fortriss und eine dritte in die Patrontasche drang, die neben mir am Gewehre lag. In weniger als zwei Minuten schlugen fünfzehn Schüsse teils in meine Kleider, teils in die Erde neben mir. Ich sah nun, dass wenn dies so fort ginge, ich zu Brei geschossen würde. Weichen wollte und konnte ich nicht. Da fällt mir ein, du ziehst einmal den Helm ab und stellst ihn neben dich. Ich zog ihn also ab und stellte ihn ungefähr 1 ½ Ellen von mir weg. Das half. Sofort richteten die Feinde ihre Podewils auf den glänzenden Helm und zerschossen ihn zu Stücken. Ich dankte Gott, dass mein Kopf nicht darunter steckte und blieb ungefähr noch eine halbe Stunde liegen bis unsere Truppen nachrückten, worauf ich mich aufmachte und verbinden ließ.’ Soweit die Erzählung des braven Langbein. Schließlich bemerke ich noch, dass derselbe, sobald er konnte, in das nahe liegende Züntersbach ging und dort bei der Torarolle Brechat HaGomel betete. Leider hat sich durch das frühe Ausgehen der Zustand des Verwendeten verschlimmert, jedoch hat derselbe das Fieber glücklich überstanden und sieht einer baldigen Genesung entgegen. Hazofeh."

       
 Die Brandkatastrophe in Bad Brückenau und die Spendensammlung unter den Israelitischen Gemeinden 1876/77  

Bad Brueckenau Israelit 13091876.jpg (88109 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1876: "Aufruf! In der Nacht vom 13. auf den 14. August wurde die Stadt Brückenau in Bayern durch eine Feuersbrunst fast gänzlich zerstört und fielen auch die Synagoge und das Schulhaus mit sämtlichem Inhalt zum Opfer. Von 1.500 Einwohnern sind 1.000 obdachlos, worunter sämtliche jüdische Familien bis auf zwei. Die jüdischen Glaubensgenossen gehören zu den meist Geschädigsten und mit Schrecken sehen dieselben dem bevorstehenden Winter entgegen, und sind leider in der traurigen Lage, die Unterstützung ihrer Glaubensgenossen anrufen zu müssen. Im Vertrauen auf die jüdische Mildtätigkeit bitten dieselben die Gemeindeältesten auswärtiger Gemeinden, diesen Aufruf bekannt zu geben und Sammlungen zum Besten der hiesigen jüdischen Notleidenden vorzunehmen und nimmt die Redaktion dieses Blattes sowie Herr Lion Frank in Brückenau die Gelder entgegen, worüber in diesem Blatte quittiert wird." 
  
Bad Brueckenau Israelit 08111876.jpg (52808 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1876: "Mainz, 31. Oktober (1876). Wir haben unterm Heutigen die bis jetzt für die Abgebrannten in Brückenau bei uns eingegangenen Spenden im Betrage von 383 Mark 80 Pfennig an das dortige Komitee eingesandt. Nach uns zugekommenen Berichten ist der Zustand der so schwer heimgesuchten Bevölkerung ein sehr bedauernswerter, und das Schicksal der israelitischen Einwohner, die durch das verheerende Element obdachlos geworden und durch dasselbe ihrer Synagoge und ihres Schulhauses beraubt wurden, ist ein äußerst trauriges.
Wiederum wagen wir es daher, an die Wohltätigkeit unserer geschätzten Leser zu appellieren und bitten, uns für unsere unglücklichen Brüder dortselbst noch fernere Gaben zusenden zu wollen.
  
Bad Brueckenau Israelit 15111876.jpg (81101 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1876: "Für die Abgebrannten in Brückenau (Bayern). S. Frank in Mettmann 1. - Lehrer Strauß in Babenhausen 1. - J. Samuel in Doelitz 1,50. - Salomon Meyer in Gey 2. - Daniel Levy in Dürmenach 1. - Durch Salomon Frank, Kultusvorstand in Arnstein: von den dortigen israelitischen Wohltätigkeitsvereinen 39. - K. Voehl in Gedern 25, Wolf Voehl 25, Joseph Voehl 25, zus. 75. - Zodik Rabb in Reibach 2. - J. Stern in Frankfurt am Main im Auftrage von Joseph Stern in Sprendlingen 3. - M. Weil in Brauenfels für L.C.W. 6. - J. L. Lehmann in Fürth 3. - Durch Religionslehrer Seligsberger in Hagenbach von der dortigen Gemeinde 30,30. - Durch Aron Jaffa in Hainebach: Lehrer Speier 1, W. Katzenstein 3, vom Einsender 3, von seinem Sohne Henri aus Amerika 15, Samuel Kaiser 1, Koppel Sommer 1, Leib Heilbrunn 1,50, Joseph Sommer I. 1,50, zus. 30. - Aus Mainz 20. - Aus Damnitz 3. -" 
    
Bad Brueckenau Israelit 20121876.JPG (51040 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1876: "Brückenau. Der Aufruf der hiesigen Synagogen-Gemeinde um Unterstützung der beim Brande Verunglückten hat bei unseren Glaubensgenossen vielfach Widerhall gefunden, und sind von Seiten verschiedener Gemeinden und Privaten recht namhafte Unterstützungen eingegangen; so hat die Nachbargemeinde Kissingen diesem Zwecke ein Geschenk von 350 Mark sowie eine Torarolle zugewendet. Durch den eintretenden Winter hat sich jedoch die Lage der hiesigen Einwohner bedeutend verschlimmert, und werden edle Menschenfreunde aufs Dringendste zur Einsendung von Gaben ersucht."  
   
Bad Brueckenau Israelit 07021877.jpg (222453 Byte)Spendenliste "Für die Abgebrannten in Brückenau (Bayern) in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1877: "Amalie Helft in Derenburg 6. – Ungenannt 6. – Eine Ungenannte in Mainz 10. – Durch Gabriel Marx in Felleringen: von ihm selbst 3, Lazare Marx in Urbes 3, zus. 6. – Durch Dr. Engelbert in St. Gallen in der dortigen Gemeinde gesammelt 40. – Durch Kohn in Trabelsdorf gesammelt 20. – Moritz Heßlein in Bamberg 3. – L. Strauß in Heilbronn 0,80. – K. Loewenstein in Sontra 6. – Wolf Wolf in Lengfeld 1,50. – Levi Meyerhoff in Volkmarsen 0,50. – H. Fabian in Hochzeit 3. – A. in München 4. – B. in München 2. – Durch Rabbiner Adler in Kitzingen: von ihm selbst 6, durch Sußmann Mayer in Sickershausen bei der Verlobung des Seligmann Gutmann mit Fräulein Karoline Meyer gesammelt: von Seligmann Gutmann 3, Löb Meyer 3, Lichtenauer 6, Sußmann Meyer 6, = 18, zusammen 24. – Durch Bär Zopp, Lehrer in Sickelhofen: Sal. Fuld II. 1, Ungenannt 2, zusammen 3. – Ungenannt aus Stuttgart 1,50. – Carl Seligmann in Karlsruhe 10. – Gumpel Ephraim in Neudamm 3. – Durch H. Bär in Ahrweiler von der dortigen Gemeinde 3. – H. Levi in Windecken 15. – Durch Lehrer Wolf in Buttenheim ges. 14. – Lehrer Strauß in Gensingen 1. – Frau Hellmann in Mainz 6. – Frl. Salm in Oppenheim 3. – Gumpel Ephraim in Neudamm 3. – J.B. Kahn in Montabaur 5. - 
Durch Lehrer J. Wetzler in Wannbach: W. Rosenbaum 5, H. Rosenbaum 5, Miriam Rosenbaum 2, Heinemann Rosenbaum 2, Sal. Und Jos. Schatz 8, Steingässer 2, H. Herrmann 2, Wallner 5, Max Wassermann 5, Mina Wassermann 1, Philipp Weiß 1, Lehmann Held 5, Jakob Held 2, Abraham Wassermann 2, zusammen 46.
Aus der Gemeinde Treuchtlingen: Lazarus Lang I., Kultusvorsteher, 2, Rudolph Bronner II., Kultusvorsteher, 2, Abraham Lang jr. 2, Jos. Weismann 2, Samuel Hirschmann 1, Abraham Lang sr. 1, Max Lang 0,50, Simon Weinmann 0,50, Abraham Jos. Lang 0,50, Lämlein Lang 0,30, Mina Lang 0,50, Frummet Bürger 0,50, Abraham Naumburg 0,50, Benjamin Weimann 0,15, Hirsch Lang 0,25, Lehrer Mosbacher 0,50, Ignatz Leitner 10, Isaac Bürger 2, Jesaias Bürger 2, Salmon Weimann 2, Alexander Neuburger 0,50, Joseph Löb Lang 0,50, Mina Stettauer 0,50, Judas Östreicher 1, Moses Weimann 1, Meier Bieringer 0,50, Frauen-Verein 10, Chebre Kadische 20, Hekdesch 30, aus der Unterstützungskasse für durchreisende Arme zur Centralstelle Fürth 5,80, zusammen 100.
Durch A. Weinmann, Lehrer in Auerbach: Hirsch Bendheim 2, Meier Bendheim 6, Witwe N. Bendheim 5, Zadek Bendheim 2, Hayum A. Bendheim 5, Baruch Bendheim 5, Herz Hahn 2, A. Koschland 1, S. Rothschild 1, Löb Bendheim 1, Daniel Reiling 1, Löb Hahn 1, Hayum D. Bendheim 1, A. Weinmann 1, Opferstock 5, zusammen 39.
Durch Herrman, Lehrer in Wallhalben: W. Levi 1, Alexander Katz 0,30, Marx Katz 0,30, W. Reinheimer 0,50, Abraham Mai 0,20, Alexander Baldeck 0,20, David Baldeck 0,20, Abraham Katz 0,50, Elias Katz 1, Nathan Dreifuß 1, Emanuel Reinheimer 0,60, Isak Weiler 0,50, Wolf Mai 1, Herrman, Lehrer, 050, Ungenannter 0,50, zus. 8,20, abz. Porto 7,90.
Durch Rabbiner Haas in Freudental (Württemberg): Frau Sams. Rothschild 0,50, Leopold Jordan 0,50, L. Juda 3, L. Roth 1, Gerber Levi 1, J. Herrmann 1, A. Herrmann 1, A.L. Wertheimer 3, H. Löwe 5, A. Aron 1, Liebmann Marx 0,50, Liebmann Levi 0,50, J.L. Stein 1, Frau Jette Levi 1, J. Weil 0,50, J. Spatz 0,50, Lehrer Rothschild 1, Moses Jordan 2, Rabbiner Haas 1, Kusel Uhlmann 0,50, zus. 25,50.
   
Bad Brueckenau Israelit 06041877.jpg (20720 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1877: "Mainz, 23. März (1877). Für die Abgebrannten in Brückenau haben wir heute 470 Mark 30 Pfennig im Ganzen bis jetzt 853 Mark 50 Pfennig als Ertrag der bei uns eingegangenen Spenden an Herrn Carl Kann dortselbst eingesandt."  

   
Allgemeiner Artikel über "Bad und Stadt Brückenau" (1934)
  

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. April 1934: 
Hinweis: in diesem Beitrag wird allgemein Bad Brückenau als Kurort vorgestellt; es wird nicht auf spezifisch Jüdisches eingegangen; bei Interesse zum Lesen die Textabbildung anklicken.    

  
Nach 1945: Emigrantentreffen in New York (1949)    

Anzeige in der Zeitschrift "Aufbau" vom 22. April 1949: "Bad Kissingen - Brückenau - Hammelburg - Gerolzhofen. 
Samstag, den 30. April ab 7.30 Uhr abends. Treffen in 
Begelo's Café-Restaurant  
3801 Broadway (158 St.), l Treppe. Tel.: WA 8-9654".    

  
  
Berichte von Kurgästen über Bad Brückenau      
Bad Brückenauer Badebrief (1914)   

Bad Brueckenau Frf IsrFambl 14041914a.jpg (40422 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. August 1914 (nicht 14. April!): "Brückenauer Badebrief. Die Woche vor den schicksalsschweren Tagen. Ein lang gezogener Pfiff der Lokomotive. ‚Station Wernarz!’ ruft der Schaffner, ‚Karten nach Bad Brückenau abgeben!’ Alles atmet auf. Die Hundstagetemperatur, noch gesteigert durch die unheimlich drückende Schwüle des voll besetzten, langsam dahinschnaubenden ‚Zügle’, ist entsetzlich. 
Bad Brueckenau Frf IsrFambl 14041914b.jpg (447910 Byte)Da winkt schon die Perle der Rhön, das heilkräftige, reizvoll gelegene Brückenau. Dazu hat der Name ‚Wernarz’ den Gedanken an das kostbare, Kraft und Heilung spendende Wernarzer Wasser, dieses dem Rhönboden entquellende flüssige Gold, ausgelöst. Da ertönt schon wieder das bekannte Ankunftssignal des ‚Zügle’: ‚Bad Brückenau!’  
Würden uns die malerisch aus dem Hintergrund des Waldes hervorschimmernden  Villen, sowie die würzige kühle Luft nicht verraten, dass wir den Kurort erreicht haben, ein kurzer Blick auf die Empfangshalle würde es beredt verkünden. Viele Dutzende von Händen strecken sich den Ankommenden grüßend entgegen, wieder andere stehen nach beendetem Aufenthalt zur Abreise gerüstet da, mit den unvermeidlichen Blumensträußen beladen, jedoch metallisch wesentlich erleichtert, umgeben von einer Schar froh plaudernder Begleiter und Begleiterinnen. Schön harren die Taschentücher zum langen Abschiedwinken, als gelte es ein Scheiden von alten lieben Freunden, trotzdem die ganze Bekanntschaft nur vierzehn Tage alt ist, und gemeinsames Vergnügen, ja oft bloße Tischnachbarschaft, den anscheinend so innige und oft schon nach Monaten verblassenden Bund geschlossen haben.   
Doch die Hausdiener der beiden jüdischen Hotels entreißen uns dem hoffnungsvollen Phantasiespiel. Sie bringen uns in den Kreis so vieler Gleichgesinnten, vereint durch gemeinsames Leid und denselben Wunsch auf baldige Gesundung, aber oft auch durch gleiche ungestüme Regung des Magens. Und wie unermüdlich sind unsere Wirte bestrebt, die Magenfrage, diese erste Vorbedingung einer guten Kur für Kranke und Gesunde, zu erfüllen. ‚Viel und gut’, diese Attribute gebühren den einzelnen Punkten der jedesmaligen Mittags- und Abendtagesordnung an der Tafelrunde. Ob auch ‚behaglich’ als drittes im Bunde erscheinen kann, vermag nur der Einzelne nach seiner Eigenart und den von Hause aus gewohnten Ansprüchen zu entscheiden. Denn mannigfach nach Gemüt und Denkart sind die Gäste. Natürlich bilden die Frankfurter nach Zahl und charakteristischem Wesen den Mittelpunkt, Nord- und Süddeutsche reichen sich über die Mainlinie die Hände. Einige darunter sind nicht wenig stolz, wenigstens für die Kurwochen in den kreis der Großstädter aufgenommen zu werden. Nur morgens und abends vereinigen sich alle noch so verschieden gearteten Naturen auf dem Boden des Judentums. Das tägliche Minjan, welches das Tagewerk des Kurlebens eröffnet und beschließt, erscheint gerade hier als das treffende Bild des Geist und Seele veredelnden und ausgleichenden jüdischen Pflichtenlebens.  
Von der niederdrückenden Stimmung der drei Wochen ist im allgemeinen wenig zu bemerken. Höchstens der Lecho-Daudi am Freitag Abend sowie der allwöchentliche Zahltag der oft 2-3stellige Zahlengrößen enthaltenden Wochenrechnung vermögen eine ‚Seicher-Lechorbon’-Stimmung zu erzeugen – denn sonst fordert Leben und Treiben der Hotel-Mitbewohner und der ‚Kurbedürftigen’ oft zu humorvollen Betrachtungen heraus. Mehrere nervöse Damen und Herren verschaffen sich Erholung und Ausspannung ihrer Nerven durch eifrige Vertiefung ins Kartenspiel; andere weiden sich kiebitzend an solch wohltuender Nervenmassage. – am Brunnen erscheinen die Damen täglich in stets wechselnder kühn geformter und farbenfroher Toilette, als gelte es, den Preis im Kostümturnier zu erringen. – Nach aufgehobener Tafel kehrt wohl im Saale und den oberen Räumen ruhe ein, nur im Garten und auf den Veranden erklingt laute Unterhaltung über die Politik des Tages. Dabei erheben sich Rauchwölkchen aus den Glimmstengeln in sonst anderen Zwecken dienendem Frauenmunde, und auch hier mischen emanzipationsfrohe zarte Frauenhände verständig die Karten.    
Doch in die idyllische Ruhe des Badelebens dringen grell die Hiobsnachrichten der politischen Wirren. Ist schon in der Großstadt die Erregung eine gewaltige, alle Bevölkerungsklassen umfassende, so ist die Umwälzung, die in dem kleinen Kurort vor sich geht, kaum zu schildern. Wegen der mangelhaften und umständlichen Bahn- und Posterbindungen treffen die Nachrichten, Depeschen und Zeitungen nur langsam und schleppend ein, während sie gerade von den zur Kur versammelten Kaufherren, Fabrikanten und Finanzleuten doppelt schnell ersehnt werden, die lähmende Ungewissheit zeigt sich in der quälenden Unruhe am Brunnen, im Lesesaale, an der Tafel sowie in den die armseligen Depeschen umstehenden heftig gestikulierenden Gruppen. Lebte wohl, herrliche Waldesluft, du erquickendes und heilkräftiges Wernarzer Wasser! 
Regentage kommen und wollen nicht enden, trübe ist der Himmel, als grolle er dem wahnwitzigen, friedenstörenden Treiben der Menschen im Norden. Damit auch das tragikomische Moment nicht fehle, sind einige russische Gäste ausgelassener als je; es ist, als ob sie das Gefühl hätten, durch einen Krieg nur gewinnen zu können, denn schlimmer kann es ja in der russischen Hölle nicht mehr werden.  
Trüber und niederdrückender lauten die Nachrichten, auch der Himmel hört nicht auf zu weinen. Bestürzt ob des drohenden Ausfalls und der vereitelten Hoffnungen geleitete der gastfreundliche Wirt und sein Personal die schnell und fluchtartig abreisenden Gäste. Auch wir schnüren unser Bündel und verlassen früher als beabsichtigt das herrliche Plätzchen. ‚Lechajim ulscholaum!’ so rufen uns liebe Freunde nach. ‚Lechajim ulscholaum!’ – das sei die Losung der kommenden schweren Zeiten!  -nn."


(Kritischer) Bericht eines jüdischen Reisenden (1920)  

Bad Brueckenau Israelit 26081920.jpg (189651 Byte)Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. August 1920: "In einer guten halben Stunde wandelt man die schmale, ruhige Sinn entlang nach dem Bad Brückenau. Die Landschaft ist eine harmonische Fortsetzung der Autostraße von Kissingen, nur dass uns hier kühle, würzige Rhönlust empfängt und die sengende Mittagssonne wohltuend dämpft. Durch ein Gebüsch stapfen wir direkt in den Kurgarten von Bad Brückenau hinein. Die Bauten, Anlagen und Wandelhallen sind, wenn man von Kissingen kommt, primitiv, fast dürftig und sehen sehr verschlafen aus. Kissingen klagt über eine schlechte Saison und seine Straßen und Kuranlagen wimmeln von Menschen aller Erdteile und Breitegraden. Brückenau jammert über Überfüllung und nirgends ist ein Lebewesen zu sehen. Freilich ist es um die Mittagszeit, da alles kurgemäß um die Tafelfreuden versammelt ist, die zwei jüdischen Hotels, die in ihrer Aufmachung – und in ihren Preisen – denen von Kissingen kaum in etwas nachstehen, sind bis auf den letzten Platz besetzt. 
Allmählich belebt sich das Bild im Kurgarten. Zunächst erwachen die dreizehn Musikanten, die auf der Tribüne vor dem Brunnen Kurkapelle ‚spielen’ und setzen Glockenschlag 4 ½ Uhr mit dem Einzugsmarsch der ‚Königin von Saba’ ein, vor einem Auditorium von einem Dutzend sich im Sandhaufen herumbalgenden Jungen. Die jungen Kurherren lassen sich von Lortzing, Wagner, auch von Johann Strauß durchaus nicht stören und schlagen den Takt – auf Wange und Rücken des Nebenmannes – auf ganz eigene Faust. Nach jedem Stück klatschten sie aber dankbar mit Aufbietung aller Muskelkraft Beifall. Jugendliches Publikum ist immer dankbar… 
Gegen fünf Uhr haben auch die Kurgäste endlich ausgeschlafen und das ‚rege Badeleben’ beginnt. Eilige Kellner rücken in den Wandelgängen Tische zusammen und weißbeschürzte Mädchen tragen in blinkenden Kannen den aus frischgeröstetem Malz und Korn gebrauten dampfenden ‚echten Bohnenkaffee’ (Mark 2. – das kleine Tässchen) auf. Dazu gibt es Meyerbeer’sche Ouvertüren, Adagios und Serenaden von Beethoven, Phantasien und Poutpouris. Das ‚Weltbad’ ist erwacht… Vertraute Gesichter tauchen auf, das schöne ‚Frankfurterisch’ (eine allerliebste Mischung von Sachsenhausen und Friedberger-Anlage) wird hörbar.
Von lieben Heimatklängen begleitet, eilen wir an die kleine Station, lassen uns – aus sozialem Gleichheitsgefühl natürlich – im Vierterklasse-Wagen zwischen ungeheuren Kartoffelsäcken, dicken Marktfrauen, Kisten und Kasten und vielen, vielen rostigen Milchkannen vertrauen, warten in Jossa – Jossa liegt nicht in Korea zwischen der Mandschurei und Japan, sondern auf einer preußisch-bayrischen Nebenbahnlinie – an anderthalb Stunden an einem fals
chen Geleise, um im letzten Augenblick noch mit knapper Not und atemlos an das richtige zu gelangen, steigen in Schlüchtern aus, um zu erfahren, dass nach einem unerforschlichen Ratschluss der Bahnweisen der Anschlusszug nach Frankfurt seit neuester Zeit nicht hier, sondern in Salmünster auf uns wartet und gelangen endlich in einer Zeitspanne, die der Orientexpress bis zum kritischen 1. August 1914 benötigte, um ganz Südosteuropa und Vorderasien zu durchqueren, nach Frankfurt, das einem niemals lieber und schöner erscheint, als wenn man von einer vierwöchigen ‚Erholung’ zurückkehrt…"


Badebrief aus Brückenau (1924)  

Zuentersbach Israelit 21081924.jpg (237229 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1924: "Badebrief aus Brückenau. Brückenau Stadt, 15. Juli. Ein tiefblauer Morgenhimmel wölbt sich über dem reizenden Tale der Sinn, an deren Ufern sich zu Wiese und Wald Heilquellen in beträchtlicher Zahl gesellen, um Menschen, die sich an Klagen gewöhnt haben, zum Loben und Preisen zu veranlassen. Sie vergessen ihre Schmerzen, die den langen Winter über ihre Glieder und Gelenke durchzuckt haben, durch den Gebrauch des heilkräftigen Mineralwassers und freuen sich, dass sie nun wieder die Herrschaft über ihren Körper erlangen und sie sogleich in einer so wunderbaren Gegend ausüben können. Und der Jude, dem seine Religion Leitstern fürs ganze Leben ist, empfindet es noch als besonders dankenswert, dass eine fromme Gemeinde und ein neues zuverlässig geführtes jüdisches Hotel es ihm ermöglichen, aller dieser Segnungen ohne jede Entbehrung teilhaftig zu werden. In der herrlichen Synagoge hat er soeben seine Morgenandacht verrichtet, und nun ersteigt er den Hand, der das Tal nach Norden eingrenzt, um vor dem Frühstück noch eine kleine Wanderung zu unternehmen. 
Bald erhält er Gesellschaft. In der Nähe des Bergkammes sieht er auf verschiedenen Pfaden Bekannte in gleicher Richtung emporsteigen. Sie erfreuen sich gleich ihm des wunderbaren Morgens, der würzigen Luft - die Stadt Brückenau liegt 311 m hoch - und des herrlichen Ausblickes. Viele Bänke laden am Waldesrand zu kurzer Ruhe. Manche Gedenktafel erinnert an bekannte Persönlichkeiten, die gleich uns den reiz der Gegend genossen haben, wie z.B. der berühmte Reichs-Postmeister Stephan. 
Nachdem wir lange genug den Blick in die Runde haben schweifen lassen, suchen wir die Orte, die uns besonders lieb geworden sind: die Synagoge mit dem Davidstern über ihrem Kuppeldach und das frei gelegene gastliche Hotel mit seiner saftig grünen Gartenanlage. Dann untersuchen wir aber auch unsere nächste Umgebung. Und was gewahren wir zu unserer Überraschung? - 
Aus dem Erdreich am Rande des Waldes ragen zwei Steine etwa zehn Zentimeter hoch heraus. Die eigentümliche Rundung lässt uns vermuten, dass es sich um behauene Steine handelt. Mit Hilfe unserer Bergstöcke gelingt es uns, die oberste Erdschicht zu entfernen. Da erscheinen einige Ritzen im Stein, und als wir sie betrachten, tritt die Form der Buchstaben P"N (hier ruht) deutlich hervor. Unsere Vermutung ist bestätigt: In diesem Boden haben Glaubensgenossen vor Jahrhunderten die Überreste ihrer teuren Toten gebettet. Die älteren Mitglieder der Gemeinde haben von diesem Friedhofe wohl erzählen hören. Aber man hatte im Laufe der Zeit die Örtlichkeit vergessen. Das mag daher gekommen sein, dass man Jahrhunderte hindurch den Juden den Wohnsitz hier untersagt hatte. Als sich wieder welche hier ansiedelten, mussten sie ihre Leichen nach dem Bezirksfriedhofe im benachbarten Altengronau bringen. Erst vor einigen Jahren ist hier ein Gelände für einen eigenen Friedhof angekauft worden. Die jetzige stattliche Gemeinde hat die gesamte Gemeinde des nahen Dorfes Zünterbach in sich genommen. Die alte Synagoge, die sich im Gebäude einer frommen Familie befand, ist ein Raub der Flammen geworden. Aber noch heute erinnert eine Stiftung an jene frommen Brückenauer, die sich um die Erhaltung der Gemeinde große Verdienste erworben haben. E."

   
Wie man in der Stadt Brückenau - in Synagoge und jüdischen Häusern - das Wochenfest (Schawuoth) feiert (1927) 
Anmerkung: ein sehr lesenswerter, ausgesprochen informativer und liebevoll geschriebener Bericht über das religiöse Leben dieser traditionell-jüdischen Gemeinde 

Bad Brueckenau Israelit 23061927.jpg (204565 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1927: "Von einer Badestadtgemeinde. Festidylle. Ich möchte das Lob einer Landgemeinde singen, nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen der vielen anderen, die genau so sein könnten, wenn sie nur wollten. 
Landgemeinde nicht ganz. Es ist ein Städtchen mit zwei asphaltierten Hauptstraßen, mit schönem Amts- und Postgebäude, mit Gassen und Gässchen und soliden Häuserreihen, neben malerisch in die Berghänge eingebauten, neuen, weißroten Giebelhäuschen – und mit einer jüdischen Gemeinde, in der kein einziger den Sabbat entweiht, deren Synagoge eine Sehenswürdigkeit des Städtchens und der Brennpunkt des jüdischen Lebens ist. Die viel bejammerte ‚geistige Not auf dem Lande’ ist nicht in den Umständen begründet. Die Not ist vielmehr aus den Umständen geboren, die wiederum aus dem Mangel an gutem Willen erwachsen sind. Wo ein Wille, ist auch in der Kleingemeinde ein Weg zur jüdischen Tat, zum jüdischen Glücke.     
Langsam senkt sich die Sonne hinter den Rhöngipfeln und der kalte Atem der Berge weht durch die schmalen Straßen im Tale. Der Asphalt, dem werktags die Kühe und Pferde, ihr Landrecht behauptend, nicht den nötigen Respekt zollen, ist heute blank gefegt. Es ist erster Pfingsttag und das jüdische Fest beginnt mit Nachtanbruch. Im Vorgarten der Synagoge blüht der Flieder, er blüht hier etwas später als anderswo, erst wenn die Sonne den Weg über die starke Doppelbergkette zu ihm gefunden hat. Innen fällt von elektrischen Birnen an der Decke und aus Kandelabern auf Almemor und vor der heiligen Lade reiches Licht in den Raum mit seinen beinahe siebzig bequemen Sitzplätzen, verfängt sich grün schillernd in den mächtigen, zweimannshohen Bäumen, die zu Ehren des Festes vor Tribüne und heiliger Lade aufgepflanzt sind. Diese Bäume kommen aus dem Stadtwalde, ein Pfingstgruß der Stadt an die jüdische Gemeinde. Sie sind gefällt, entwurzelt und scheinen hier im hellen, heiligen Lichte zu einem neuen, üppigen höheren leben erwacht zu sein. Die Plätze sind fast alle besetzt von feierlich gekleideten Männern. Durch das Gitter oben schauen Frauen und Mädchen hinunter. Die breite Front der heiligen Lade deckt bis zu dem Getäfel und den marmorweißen schlanken Säulen goldgezierter roter Samtvorhang. Die Messingkandelaber sind blitzblank geputzt. Den ‚vier Frankfurtern’ (es sind eben nur vier), die in etwas besser gebügelten Zylindern sich unter den Betenden befinden, ist es, als wären sie mitsamt einem Ausschnitt ihrer heimischen Synagoge an der Friedberger Anlage in das festabendliche Rhöntal verzaubert worden.     
Am Vorbeterpulte steht der Lehrer, der geistige Führer der Gemeinde. Er ist schlechtweg der ‚Herr Hauptlehrer’, und die Leute sprechen das ‚Haupt’ nicht
Bad Brueckenau Israelit 23061927aa.jpg (340509 Byte)wie einen Amtstitel trocken und hart aus, sondern mit weichem Klange, wie einen Dank, eine Anerkennung, eine Kosung. Er ist das Haupt und führt die Gemeinde, zusammen mit dem rüstigen klugen alten Herrn (er wird sich gegen die Bezeichnung ‚Greis’ mit Recht verwahren), neben dem ich meinen Ehrenplatz habe und gestützt vom guten Willen aller anderen, im eigentlichen und besten Sinne. Er besitzt die Gabe, mit wenig Kraft- und Kunstaufwand sich in das Herz seiner Gemeinde hineinzusingen und hineinzubeten und die Herzen emporzutragen. 
Auf den kleinen Bänken an der Ostwand sitzen die Kinder. Es sind leider nicht viele, aber sie sind das Lebenswerk dieses Mannes und die Zukunft der Gemeinde. Erst vor wenigen Jahren hatte der Herr Hauptlehrer die jüdische Elementarschule gegründet. Die Kinderzahl reichte nicht ganz aus. Aber Frankfurt kann mit allem aushelfen, auch mit Kindern…  Die Schule besteht zurzeit buchstäblich mit Hilfe der ‚Fünf Frankfurter’.  
Auf den letzten Bänken sing ein Synagogenchor ‚Jigdal’, einstimmig, aber kräftig, harmonisch und gut geübt. Ein junger Mensch sagt Kaddisch. Die Schul ist aus.   - - -  
Nachts um zehn sind alle Männer und alles, was sich männlich gibt, beim Schowuaus-Lernen vereinigt. Ein Haus kann die Lernenden nicht fassen, darum sind in zwei verschiedenen Häusern an beiden Enden des Ortes lange Tafeln gedeckt. Und damit das eine gegen das andere nicht zu kurz kommt, werden die Mitglieder durchs Los gleichmäßig auf beide Häuser verteilt. In dem Hause, dem ich zugeteilt bin, türmen sich Berge von Kuchen und allerlei Backwerken auf dem Tische zwischen Pyramiden feinsten städtischen Tafelobstes und bunten Likörflaschen. Die braunen, knusperigen, besonders kunstvoll geformten Plätzchen hat die dreiundachtzigjährige Großmutter des Hauses eigenhändig gebacken. Wer ihnen nicht ‚die Ehre antut’, hat die Greisin beleidigt. Wer wollte aber eine so würdige, liebe Matrone beleidigen? All dieser Aufwand an Leckereien ist aber gleichsam nur Beiwerk, Einleitung, Basis, Vorbau für den riesigen Käsekuchen, der als Coup des Ganzen mit Glockenschlag eins, behutsam getragen von liebenden Frauenhänden wie ein Kind zum Gevatterstühle und begleitet von bauchigen blendend weißen und geblümten Kaffeekannen, erscheint. Er erscheint just, da man zwischen der zweiten und dritten ‚Ordnung’ der Mischna ist, aber er hebt jede Ordnung auf, er ist Ordnung für sich, er ist Selbstzweck, er ist Glanz und Symbol des Festes, des Lernens, dieser strahlende, duftende und lachende Riesenkäsekuchen der Schowuausnacht.    
Es wird indes, es muss gesagt sein, mehr ‚gesagt’, gebetet und gelernt, dann gegessen. Man hört kaum ein von der Feier der Nacht abschweifendes und ablenkendes Wort. Flüsternd bitten die Damen zuzugreifen. Die Herren loben gedämpft das Meisterwerk, dann wird weiter ‚gesagt’, gebetet, gelernt, nach feststehenden Gesetzen, nach einer Rangordnung, die sich von selbst ergibt. Der Gast macht den ‚Anfang’, der Herr Lehrer folgt ihm, dann ‚der erste Vorstand’, der ‚zweite’ und so fort bis zur ‚Jugendecke’, die sich, ein Vorrecht der Jugend nach Mitternacht, etwas gütlicher an Speise und Trank tut und ‚die Stelle erst suchen’ muss. So wird der ‚Tikun’ in anregender Nachttour abgewandelt. Auch die gefährlichsten Kurven auf den verschlungenen Mischnawegen werden, mit wenigen Ausnahmen, von den Lernenden ohne erhebliche Mühe und ohne nennenswerten Unfall genommen.      - - - 
Silbergraue Streifen dringen durch die Ritzen der grünen Fensterläden, malen sich immer breiter auf Decke und Wände, umfloren gespenstisch das Lampenlicht, dass es wie auf dem Geleise geworfen zittert. Es tagt. Draußen ist eine bleierne Decke um den Himmel gespannt, durch die der junge Morgen, wie in Federn gebettet, müde und verschlafen schaut. Von beiden Enden des Ortes kommen die übernächtigten Männer, laufen sich in den Weg und treffen sich in der Straßenmitte, in der Synagoge, die in hellem Lichte aufflammt. Frühgottesdienst vereinigt nach durchwachter Nacht die beiden ‚Parteien’.  
In diesem schönen Gotteshause wird würdig und ohne Hast gebetet, ob es Morgenfrühe nach durchwachter Nacht oder Abend nach langem Tagesfasten ist. In einer halben Stunde ist das Schacharis-Gebet absolviert und man geht nach Hause. Es ist inzwischen voller Tag geworden, aber die Sonne hat sich noch tiefer in ihre Decken eingehüllt. Über die zackigen Hügel rechts und links raucht und schwimmt dichter Nebel. Es wird einen verregneten Festtag geben.    - - -
Aber die Sonne erwacht mit den Menschen. Um zehn ist der Himmel blau, die Bergwälder klar und schwarz und die Männer und Frauen allesamt, in schönstem Festputze, in der Synagoge zur Toravorlesung und zum Mussafgebete versammelt. Nicht eine
Bad Brueckenau Israelit 23061927a.jpg (138776 Byte)Silbe fällt außer den leisen Gebeten. Der Männerchor singt, einstimmig, kräftig und harmonisch. Langsam leert sich der Raum. Die Menschen hier lieben ihre Synagoge wie ein Nerv ihres Lebens, den Puls ihres Herzens. 
Eine Stunde später sind die Männer der Gemeinde in einem Hause, das gerade an der Reihe ist, beim Lernen des ‚Kizzur’. Nachmittags  wird in einem anderen Hause Mischna gelernt. Am Sabbat ist noch ein dritter Schiur für die Jugend eingelegt. Auch am Sonntag wird gelernt. So hält die Gemeinde ihr Wochenende. Es wird nicht vorgelernt, sondern jeder kommt an die Reihe, um tätig mitzuwirken. Älteren Männern, die von Kindheit her noch etwas gelernt haben, schließt sich eine junge Generation an, die schon etwas gelernt hat. Wer zum Lernen nicht kommt, ist gezeichnet als einer, der ‚nicht beigeht…’. Eine Chewroh lässt sich alle vier Wochen vom Herrn Hauptlehrer einen Vortrag halten. Eine Agudas Jisroel Mädchengruppe ist mit der Esragruppe auf der Lauer, um ‚Prominente’, die zur Kur im Orte weilen, für Vorträge zu gewinnen…  - - -     
Es wäre vielleicht dem noch anzufügen, dass die Kur in der Badestadtgemeinde nicht einzig im Beten und Lernen besteht, dass sie manches für Nerven, Muskeln und erkränkte oder geschwächte Organe bietet; dass Brunnen und Bäder ihr Heilwasser spenden und Lüfte und Düfte ins Freie locken, wo am Hange sanfter Berge und im Schatten dunkler Wälder kristallklare Büchlein, reizvoll überbrückt, mit den Amseln und Lerchen im Lobsingen der göttlichen Schöpfung wetteifern; dass im Orte ein modernes jüdisches Hotel vorhanden ist, in dem man bei mäßigen Preisen sich bester Verpflegung und liebevollster Aufmerksamkeit erfreut.  
Ich könnte dieses und noch vieles andere hinzufügen, dann aber wäre es ein Reklameartikel für Bad-Stadt-Brückenau. Das sollte es aber nicht sein. Wollte ich doch nur zeigen, wie heute noch eine Kleingemeinde sein kann, wenn sie nur will.    - - -
In der latenten Rivalität zwischen Stadt und Bad (dass in Bad Brückenau sich zwei erstklassige jüdische Hotels befinden, ist allbekannt), hat sich erstere in jüngster Zeit, wenn auch noch inoffiziell das Prädikat ‚Bad’ angehängt und nennt sich, noch etwas schämig, Bad-Stadt-Brückenau. Wenn dieses ein Zugmittel für jüdische Gäste sein soll, so willen wir dieser Dreieinheit noch ein Wort hinzufügen und von der ‚Gemeinde in Bad-Stadt Brückenau’ sprechen. –tz."     

  
Badebrief 1928: Teil 1      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1928: "Briefe aus einem kleinen Bade. Bad Brückenau, 8. Juni (1928). Lieber Freund! Sie wünschen unpolitische Badebriefe. Wie sollten Briefe mit dem kleinen, stillen Bad als Abgangsort anders als unpolitisch sein?!  
Politisch? Wenn ich zum Fenster meines Zimmers hinaussehe, türmt sich Grün hinter Grün, klettert Baum hinter Baum hinauf bis zum Bergrücken, Rücken an Rücken, Schulter an Schulter stehen sie und ziehen eine hell- und mattgrüne Postenkette um das Tal, dass nichts von außen hineinkommt, was nicht mit Sonne und Glanz und Wärme zu tun hat. Und Sie sprechen von Politik? 
Schau ich hinab, dann rauscht und raunt unten, ganz eingeklemmt von Strauch und Ginster, die Sinn durch die Landschaft. Man hört sie nur und sieht sie nicht, wie den ruhigen Atem eines sanft Schlafenden. Wäsche bleicht davor auf dem Rasen und bunte Käfer, Sonne auf dem Rücken, umflattern, angezogen und verliebt, die schneeweißen Inselpässe mitten im grünen Meere. Auf unsichtbarem Haufen schlägt ein Gockelhahn an, als hätte er das Ganze zu versteigern. Und es wölbt sich ein Himmel über diese Welt der grün-glitzernden Pracht, blau und blank, als hätte nie ein Wölkchen seine Bläue getrübt. Und ich sollte an Politik denken?!    
Regierungsbildung, Parteihader, Lambach! Wie fern das alles liegt. Hier gießt eine unsichtbare Hand fließendes Gold in den grünglasierten Bergkessel, mehr und mehr mit dem zunehmenden Morgen. 
Darum haben alle Menschen hier etwas von der Ruhe, Milde und Dankbarkeit der Gestrandeten in ihrem Blicke, die von Sturm und Gefahr auf blühende Insel gepeitscht wurden, wo es sich gut ruhen lässt. Diese Abgeklärtheit und Versöhnlichkeit im Auge! Diese Ruhe in Wort und Wesen! Es ist gut, dass hier so viel photographiert wird. 
Denn, Sie müssen wissen, Freund: Brückenau ist nicht ein Bad unter Bädern, es ist das Bad. Nicht, dass es soviel an buntem Badeleben böte. Gerade das nicht. Abgesehen von den braven Musikanten, die pflichtgemäß allmorgendlich mit etwas Strauß und Lortzing den Stahlwassertrank bekömmlicher zu machen sich redlich mühen, stören tagsüber keine Musikklänge den Gottesfrieden, Tanz und Theater sind nur wöchentlich höchstens einmal durch grünen Zettel symbolisch angedeutet. Jazz und Foxtrott sind Worte einer fremden Kultus. Außer Sonntags sind es immer die gleichen bekannten Gesichter, die man, ein Dutzend mal in der Stunde, grüßt. Der einzige Schutzmann, der am Eingange des Kurgartens den Verkehr regelt, ist aus Blech und Pappdeckel. 
Aber es ist etwas anderes, was Brückenau zu dem Bade macht, sagen wir: die Homogenität des Naturbildes. 
Eine Mulde in die Berge gehauen, die Wände dicht und tiefgrün drapiert, das Ganze mit Sonnengold bis an den Rand angefüllt, das ist Bad Brückenau!  
Oben am Kopfe des großen Vierecke ein weißes, weder alt noch sehr feudal anmutendes Königsschloss, von dem Terrassen über Blumen- und Rosenhaine in den Kurgarten hinabführen. Dieser, wie die gute Stube alter guter Zeiten mit Nippsachen, etwas überladen angefüllt mit Bäumen, Bänken, Brunnen, Badehaus, Wandelhalle und allem anderen, was zu einem Kurhause gehört. Was sich aber hüben und drüben und seitlich um das Kurgartengeviert gruppiert, ist Villa und Garten, Berg und Wald. Wohin auch der Blick reicht, nichts als grün und weiß und rot. Keines von den Häuschen, die einzeln an den Hängen weißrot schimmern, das nicht Kur- und Badezwecken diente! Keinen Rauch schicken Schornsteine der Industrie hierher, ihm die Luft zu trüben, kein Dung mischt sich in des Waldes Duft; keine Fabrik und kein Bauernhaus, alles Bad und nur Bad. Brunnen und Sprudel und ein paar bescheidene Badeeinrichtungen. Alles andere stellen Berg, Wald, Sonne und Himmel!
Das ist Bad Brückenau!
Bad Brückenau ist seit 180 Jahren medizinisch bekannt, liegt am südwestlichen Abhange des Rhöngebirges, 297 Meter über Meer, hat Wernarzer und Stahlheilquellen - - - Was weiß ich von all dem? Lass Dir Prospekte kommen, da steht alles, schön säuberlich in Kapitelchen geordnet, drin. Ebenso eine lieblich Serie von Krankheiten, leiden, Schickungen und Beschwerden, gegen die der liebe Gott in diesem Tälchen die Wässerlein fließen lässt... Ich sehe nur Sonne, Berg, Wald, Frieden, Freude und Lieblichkeit.  
Und mitten in diese Pracht hat eine gütige Vorsehung zwei jüdische Hotels gestellt, die, bei einer Aufmachung und Verpflegung, einer Gastlichkeit und Zuvorkommenheit, wie sie schlechthin nicht überboten werden können, in ihrem Eigenen, das sie dem Juden bieten, noch überdies Sanatorium für die Seele sind. Darüber im nächsten Brief mehr und deutlicher.  
Auf fänf goldene Tage ein regnerischer Sabbat, der das fällig gewordene geistige Bad brachte. Heute, Sonntag, lockt und grüßt wieder strahlende Sonne. Sie grüße auch Sie von ihrem  S-tz."


Badebrief 1928: Teil 2         

Bad Brueckenau Israelit 26071928.jpg (268933 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1928: "Briefe aus einem kleinen Bade. Bad Brückenau, 16. Juli (1928). Lieber Freund!  Es gilt nicht als besonders geistreich, vom Wetter zu reden, aber ist ist schon der Rede wert. Am Sabbat der 'Wüstenzüge der Söhne Israels' hatten wir hier eine Tropentemperatur von 35° C., am Sonntag kamen noch zwei Grade hinzu, heute, Montag, macht das Barometer Hochtouren, als wollte es schon in aller Frühe den 'Dreistelz' besteigen. Die Menschen rüsten ab, auch die Männer dekolletieren sich... Sie schwitzen und seufzen: 'Ist das eine Hundehitze!' Was hat der Hund mit der Hitze zu tun?  
Auf der Wiese unseres Hotels, die auch Garten genannt werden kann, weil zu beiden Seiten Laubbäume mit gutgeschnittenen Bubiköpfen auf einige Meter dem Grün matte Töne geben, ruhe ich nach dem Bade auf dem Liegestuhl, sehe durch das Gezweige zum wolkenlosen Tropenhimmel hinauf und denke - weil man nach dem Bade nichts tun und möglichst wenig denken soll - an das Land der ewigen Sonne, darüber sich Tabor und Karmel grüßend neigen, wie hier die Rhönhänge über unser in Sonnengold getauchtes Tal. Jenen Tälern, jener Sonne, jenen Bergen, gilt das Sehen und die Trauer und die Hoffnung unserer Tage...  
Nun genug doch vom Wetter!  
Sie wollen wissen, Freund, welche Bewandtnis es hier mit dem 'Sanatorium für die Seele' hat. Nun denn, hören Sie unser Tagesprogramm in den Tagen der Programmlosigkeit, da als oberster Grundsatz gilt: 'Man muss nichts müssen!' Wenn morgens das kleine Züglein mit dem Traram und dem klirrenden wuchtigen Getue aller Gernegroße die Schmalspurbahn hinunterrollt, macht sich, als käme mit ihm die Sonne von Jossa heruntergefahren, - obwohl sie in Wahrheit fast drei Stunden über Berg und Tal leuchtet - alles, was männlich und religiös interessiert ist, auf und tritt unten im Saale zum Morgengottesdienst an.  
Es wird, abwechselnd nach Wochen, hüben und drüben in dem einen oder anderen Hotel gebetet, sodass sich die Gäste beider Häuser zu einer Gemeinde sammeln. Auch die Wirte finden sich hier freundnachbarlich nebeneinander; einig in Gott. 'Hart im Raume stoßen sich die Dinge' ganz und gar nicht und die guten Wirte nur dann an, wenn der eine des anderen Aufmerksamkeit auf einen seiner neuen Gäste bei Verteilung von Ehrenfunktionen vor offener Torarolle zu lenken hat. Für Konkurrenzneid wäre auch bei weniger friedlicher Einstellung der beiden Männer kein Platz, noch Grund. Beide Häuser sind seit Wochen für lange Wochen bis aufs letzte Kämmerlein besetzt, sodass die Gäste in den Kurhäusern und Pensionen bis nach Wernarz hinaus einlogiert sind. Abends wird hüben und drüben mit Minjan gebetet. Am Sabbatmorgen war der gemeinsame Gottesdienst im Hotel dieses Kurfleckens, der weder Dorf noch Gemeinde ist und im Winter sich dem Vorüberfahrenden nur durch ein paar verschneite rötliche Dächer symbolisch repräsentiert, von weit über hundert Herren und Damen besucht. Freitag Abend klingen die Töne des 'Stufenliedes' von der einen und anderen Seite herüber und hinüber, sodass - natürlich bildlich gesprochen - die Berge widerhallten. Noch in vorgerückter Stunde des lauen Hochsommerabends kann man im Kurgarten Worte aufschnappen: 'Mussar', 'Chassidismus', 'Zionismus', 'Aguda', 'Aulin' (natürlich neben 'Reunion', 'Tennis', Tanztee). In Gruppen wird den Sabbat über promeniert, diskutiert, gelernt, gelesen. Und mit Sabbatausgang findet sich sogar ein Kreis älterer und jüngerer Freunde bei Gesängen, Gesprächen und Toraworten zu einer Art von Scholoschseudaus zusammen. 
Anschläge am 'schwarzen Brette' kündigen Lernvorträge am Sabbat und vorträge an Wochenabenden an. Eliahu Hanabi sind aus geschulten Kehlen durch den Raum, da der Sabbat gegangen und der 'Gott Abrahams, Izchaks und JaakobsÄ eine neue Woche anheben kässt, hier ein Teil des drei- und vierwochenlangen 'Tages, der ganz Sabbat' ist... 
Und da fragen Sie noch, was das sei mit dem Sanatorium für die Seele?! 
Es wird leise auf den einen und anderen gezeigt, der früher im Kurhause 'streng trepha' (d.h. nicht koscher) gelebt, durch die Vortrefflichkeit der jüdischen Hotels aber an den Koschertisch gelockt wurde, und dann... 
Man hat, vielleicht nur aus Anstand, aus Rücksicht, obwohl selber uninteressiert, den Hut aufgesetzt beim gemeinsamen Tischgebete. Aber es war doch hübsch, und man betete später einmal mit. Und war man schon ein-
Bad Brueckenau Israelit 26071928a.jpg (194443 Byte) mal da, konnte man sich schließlich auch am Gottesdienste beteiligen. Man hörte nach Jahren auch ein jüdisches Wort. Es war schön, neu; vielleicht nicht ganz neu. Liebe Erinnerungen aus Kindheitszeit blühten wie vom Leben zertretene Blumen wieder auf. Und dann, und dann...
Wer mag eine jüdische Neschomoh (Seele) in ihrem tiefsten Kern ermessen?!  
Vielleicht kann auch die Liebe zum Judentume unter Umständen durch den Magen gehen!  
Das ist's, was ich mit dem 'Sanatorium für die Seele' sagen wollte.    
Und nun ist's Mittag. Und 'der Heilige, gelobt sei Er', hat, um mit Raschi zu 1. Mose Abschnitt Wajero zu sprechen, die Sonne aus dem Futteral gezogen. Was aber auch unseren Abraham der Eschelgastlichkeit nicht abhält, vor dem Eingange des Zeltes in der Glut der Sonne auf neue Gäste zu warten. Mit aber trocknet die Tinte in der Füllfeder ein. Es reicht noch gerade hin für den herzlichen heißen Gruß Ihres   S-tz. 
  
Bad Brückenau, 22. Juli (1928). Lieber Freund!  Dass der vorstehende Brief seinen Adressaten erst nach vier Tagen und nach Schluss der Redaktion erreichte, liegt nicht, wie Sie meinen, an der Zensur des 'Schwarzen Kabinetts' unseres Brückenkopfes, auch nicht - Sie haben sich inzwischen davon überzeugt - an der 'Schwere der Gedanken', der die Lokomotive nicht gewachsen wäre, es liegt am Tempo der Zeit, auf unserer weitab von der Brandung des Lebens gelegenen grünen 'Insel der Seligen'. Alles - und das ist der besondere Reiz unseres kleinen Bades - hat hier Zeit, die Gäste, die Kellner, die Kurverwaltung, natürlich auch die Post, und am meisten besagte Lokomotive, mit dem Kurse nach Jossa, dem 'Einfallstor nach Europa'.  
Sie kommen über Jossa nicht hinweg. Alle Wege von und nach hier führen über Jossa. Keiner kommt hier an, keine kommt von hier weg ohne Jossa. Sind wir aber in Jossa und besteigen die Schmalspurbahn - so schmal, dass eine Ziege ohne Gefahr mit einem Satze über beide Schienen zugleich springt - so sagt die Lokomotive: 'Gemach! Wir sind hier zur Kur' und 'Eile ist vom Satan!'. 
Und fahren wir nach absolvierter Kur zurück, nach Jossa, da faucht die Maschine mütterlich: 'Nur nicht überstürzen, nicht gleich in die Hast! Langsam nach und nach! Wir packens noch! Wir packens noch! Wir packens noch!...
So kann es schon passieren, dass ein Brief aus der Gluthitze geboren, in Frankfurt bei geheiztem Ofen gelesen wird.  
Aber das alles gehört zum Idyll, zur Homogenität des Bildes, erhöht den Reiz unserer Friedensinsel ganz beträchtlich. Und alle, die am Raketentempo der Zeit kranken, kommen schleunigst her, und sie werden genesen. werden im Anblick der majestätischen Ruhe der Schöpfung, die den Schöpfer lobt, selber die innere Ruhe finden.  
Auch all diejenigen, die sich darüber entsetzen, dass ein Brief von hier nach Frankfurt vier Tage für seine Weltfahrt brauchte.   
Das empfiehlt Ihnen inständigst Ihr  S-tz."  

     
Badebrief 1928: Teil 3   

Bad Brueckenau Israelit 02081928.jpg (214622 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1928: "Briefe aus einem kleinen Bade. Brückenau, 29. Juli. Lieber Freund! Aus der Fülle der hiesigen Eindrücke sei hier nur einer festgehalten: Es war in einer der lauen Nächte, so lau und blau, so kühl und geheimnisvoll schön, wie man sie nur im Talkessel von Brückenau, wenn die Sonne herab- und die Nacht hinaufklettert die hohe dunkle Terrasse der Bergwälder, erleben kann. Das Barometer am Türmchen vor dem niedlichen weißen Kurhäuschen im Kurgarten hatte um die Mittagszeit den Rekord in Hochtouren für diesen Sommer geschlagen. Der dunkelblaue Strich im schmalen porzellanweißen Felde sank nur langsam und unwillig mit der Sonne. Aber nun hatte doch die Erde ringsumher matten, samtweichen Glanz, und eine duftige Kühle wehte von den dunkler und dunkler werdenden Hügeln hinter den Hügeln herüber, dass jeder Atemzug eine Lust war; an einem solchen Abende saßen wir auf der Veranda unseres Hotels, ein kleiner Kreis in junger Freundschaft eng Zusammengeschlossener, sahen staunend, dankbar, benommen in die Bergesnacht und erzählten uns allerhand; stritten, geistreichelten und lachten. Aber in aller Herzen lag doch, nicht drückend, mehr erheben, das Geheimnis der Nacht, der Berge.  
Ein kleiner Kreis von Menschen, die sich innerhalb eines größeren fanden. Wie man sich so auf Badeplätzen, wo die Herzen ruhiger schlagen und der Freundschaft weiter erschlossen sind, findet. Oder war es mehr als das? Gehörten wir alle zusammen, innerlich verbunden, von und für immer?
Ein jüngerer Rabbiner aus Berlin mit seiner im Hebräischen und Talmudischen gut beschlagenen jungen 'Rebbezin'; die zwei ganz prächtigen Lehrer aus Berlin, so jung und doch so stark als Juden und Lehrerpersönlichkeiten; noch ein paar ältere Lehrer aus Landgemeinden, heldenhafte Wächter auf 'verlorenem Posten', die sie aber keineswegs verloren geben und die Geistigkeit des Ferienmilieu in vollen Zügen einatmen; ältere und jüngere torakundige und torafreudige Kaufleute aus Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, Mannheim, Karlsruhe usw., lebende Zeugen einer neuen Welle des jüdischen Geistes in der Großstadt; drei temperamentvolle Torajünger aus bestem Frankfurter Jahrgang; einige geistig und jüdisch stark interessierte Damen - wie viele dieser Art kamen später nach der ersten Hitzewelle noch hinzu, um sich unserem Kreise anzuschließen! -; wir alle (und mit uns wohl auch die zwei Rabbiner, die mit ihrer Freundesschar im Garten des anderen Hotels sich bei guten Worten der Abendkühle erfreuten) gehörten im Anblick der nachtblauen Berge so eng zusammen, als hätten uns nie und nimmer Zeit und Raum getrennt. Auf und ab hob und senkte sich die Kurve der Unterhaltung, wie der Barometerstrich zwischen Sonne und Schatten, wie die lauten Winde, die von den Bergwänden her uns kosend streichelten. Probleme der Lehre und Forschen streifen hart an solchen der hohen jüdischen Politik vorbei, Gleichnis und Bonmot strahlen auf. Spannung löst sich in helles Lachen auf. 'Ra! Ra!' schreiben auf dem wie mit schwarzgrauem Schleier überzogenen 
Bad Brueckenau Israelit 02081928a.jpg (191780 Byte) Wiesengrund im Kessel die Raben. Das Züglein schleppt sich mühsam den Berg hinan. Es wird noch stiller, noch geheimnisvoller, die Unterhaltung wird zum Flüstern. Aber wie aus tiefen Schächten der Waldesnacht steigen neue Gedanken auf, formen sich und werden Wort. Vergessenes und Verblasstes tritt wieder ins klare Bewusstsein, man lehrt und lauscht und lacht.    
Und langsam legen in der Vorhalle die Männer die Karten aus der Hand, jäh verstimmt das banale Wort im Flirte unten am Wege, junge Mädchen horchen von ihrer Lektüre auf. Alle nehmen teil in geistiger Gemeinschaft. Eine laute, blaue Sommernacht in den Bergen vermag Wunder zu vollbringen...  
Und wem von denen, die dabei gewesen sind, wird beim Lesen dieses nicht die Erinnerung kommen an alle anderen Wunder in gehobenen Momenten, die im Einerlei der Ferienwochen, wie Glühwürmer am Hange aufleuchteten; etwa an den Vortragsabend im Hotel Kaufmann, an dem zwei Redner über Palästina sprachen, an die Lernvorträge in diesem Hotel je vor Sabbatausgang, an das Referat eines unserer besten Frankfurter Lehrer im Hotel Strauß über die jüdische Mutter, an die Sabbatgottesdienste, an den Tischobeaw bei etwa dreifacher Minjanzahl an Fastenden, an den Jahrzeitslernabend zum Andenken des 'Frankfurter Raw', an eine Abschiedsfeier zu Ehren eines Freundes, von dem die Freunde gar nicht wussten, wie viel er in den schönen Wochen gebend empfangen hatten.  
Nach solch gehobenen Stunden der, sagen wir 'Einheitlichkeit von innen heraus' werde ich noch in später Nachstunde auf meinem Lager den Gedanken nicht los: Wie viele Menschen gibt es auf Erden, die voneinander nichts wissen und dennoch so eng zusammengehören! Wie viele jüdische Seelen würden ineinander fließen, wie viele jüdische Herzen ineinander schlagen, wenn sie sich im Leben, wie hier in der Zufälligkeit einer Brückenauer Sommernacht, fänden!   Das soll keine Mahnung, nicht einmal ein Fingerzeig für Organisationen und ihre Arbeitsprogramme sein; denn die Briefe sollen unpolitisch sein und bleiben. Es grüßt Sie mit letztem Brückenauer Gruß, bevor das Züglein zur Abfahrt pfeift (übrigens ist es, wie wir von kundiger Seite belehrt werden, gar keine 'Schmalspurbahn', sondern richtige, gute Lokalbahn, deren Schienen nicht schmäler sind, als die in Frankfurt und deren Züge nicht schlechter und langsamer fahren als alle anderen Personenzüge. Alle gegenteiligen Angaben waren Ausfluss des Zornes, ja des Zornes des Berichterstatters auf die Bahn, die ihn allzu früh aus diesem paradiesischen Flecken wegführt), also grüßt Sie, bevor der Lokalzug zur Heimreise pfeift, Ihr S-tz."   

  
Bericht von 1929  

Bad Brueckenau Israelit 24041929.jpg (170433 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1929: "Brückenau war von jeher der ideale Aufenthalt für eine Gesellschaft, welche die ländliche Ungezwungenheit als Gegengewicht zu fischbeingepanzerter Korsage und geistreicher Unterhaltung anstrebte. Man kann, wenn man in diese landschaftliche Idylle hineinträumt, sich gut vorstellen, dass unter den Rotbuchen, über die Blumenterrassen beim Schloss Schäfer und Schäferin ihr galantes Spiel treiben, wozu 'die Bande aus Böhmen' aufspielte. Gerade das Schloss - heute Schlosshotel - ist ein Bau voll architektonischer Heiterkeit, ich möchte fast sagen Selbstzufriedenheit. Vor ein paar Jahre hatte ich einmal Gelegenheit, es von oben bis unten zu durchstöbern, und bei jedem Zimmer tat sich eine neue Biedermeierherrlichkeit vor den entzückten Blicke auf. Ruhevolles Behagen, das von diesen holzwarmen, gemütvollen alten Möbeln auszugehen schien, durchströmte das ganze Haus. Im übrigen verbindet sich altes und neues recht harmonisch in Bad Brückenau. Wenn man dazu die ausgezeichneten Heilwirkungen seiner Quellen mit einbezieht.: 'Wernarzer Heilquelle' für Nierenleiden, 'Stahlquelle' für Blutarmut und Frauenleiden und 'Sinnberger Quelle' für Kehlkopf- und Halsleider, so ist es nicht verwunderlich, dass Brückenau eine vorzügliche Frequenz aufzuweisen hat. Tausende sind es, die jährlich da Heilung suchen und finden, denen in der köstlichen Waldluft und dem tiefen Frieden dieses kleinen Eden Kraft der Nerven und die Harmonie der im Daseinskampf hundertfältig gespaltenen Seele wiedergeschenkt wird. Die Zauberkräfte, welche eine unberührte Natur entfaltet, sind neben den berühmten Heilerfolgen seiner Quellen wohl als stärkste an Brückenau und sein Eigenstes. Dass alle jene, die Vergnügen und Unterhaltung suchen, auf ihre Rechnung kommen, ist selbstverständlich. Im kleinen Rahmen wir hier jede Abwechslung geboten, die man in einem modernen Bad sucht und fordert: wer aber ein Auto hat,. und dies sind heute 33 Prozent der Menschheit - dem steht die ganz  Rhön offen bis nach Fulda und dem glanzvollen Weltbad Kissingen und darüber hinaus das lieblich, gesegnete fränkische Land, von dessen Kostbarkeiten eine das reizende Bad Brückenau ist."  

  
(Begeisterter) Bericht eines jüdischen Kurgastes über Bad Brückenau (1931)   

Bad Brueckenau Israelit 23071931.jpg (286214 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1931: "Warum in die Ferne?... Bad Brückenau, 15. Juli (1931). Es gibt welche, für die Ferien und Ferne nicht nur lautverwandte Worte, sondern unzertrennliche Begriffe sind. Kombinierte Fahrthefte müssen eine Unzahl von Kilometern ausweisen, Tafeln an den Stationsgebäuden Höhenrekorde über See. Man muss einen langen liegen Tag durch ödes Land, das Flügel von Windmühlen noch einsamer machen, fahren, um ans offene Meer zu gelangen. Warum aber in die Ferne? 
Müssen es gleich brausende Wellen und springende Fluten sein; können nur Gletscher und weiße Bergspitzen unser müdes Herz erfreuen; muss es unbedingt Neuschnee zum Frühstück u
nd Alpenglühen zum Abendessen sein, wenn unsere Nerven nach Anspannung eines Jahres ein wenig zur Ruhe kommen sollen? 
Hier liegt eine Talmulde zwischen bewaldeten Hügelketten hingestreckt, wie sie in dieser einzigartigen stillen, unaufdringlichen Schönheit und Lieblichkeit kaum anderswo zu sehen ist. Und gerade wer von der Welt und ihren ragenden und rauschenden Wundern etwas gesehen hat, wird von dieser stillen keuschen Pracht zwischen Berg und Baum bis ins Innerste gepackt. Warum also in die Ferne?... 
Alles verwandelt sich in diesem Farbenkessel der Natur in Freude und Lieblichkeit. Stahl und Schwefel verlieren ihren harten Klang und ätzenden Geschmack. Sie bieten sich, weit weg von Dolch und Pulver, als Heil und Heilung. Seine Stahl- und Schwefelbäder sind der Ruhm Brückenaus. 
Was eine gütige göttliche Natur in dieses Tal an blühender Schönheit hineingegossen hat, ist grandios. Was der Mensch dazu hineingebaut hat, ist nicht viel, passt sich aber der Natur an. Alles steht anmutig und zweckmäßig da, wie mit den Quellen dem Boden entsprungen. Baumreihen, gut gepflegt, stehen vor einem massiven Kurhaus, zu dem breite Steinstufen einer Freitreppe wie zu einem Schlosse hinaufführen. Eine Trinkhalle, mehr eine große Glasveranda voller Palmen, fügt sich ins Bild genau so harmonisch ein, wie das ‚Palais’ des Herrn Badekommissar und das Tempelchen, auf dem der Herr Kapellmeister seine Spielerschar meistert. Gemächlich plätschert die Sinn durch den grünen Wiesengrund und flüstert ihre Geheimnisse ins Wogen der grauen, bald schnittreifen Kornfelder hinein. Ein Kirchlein am Hange ruft mit dünnem Glöcklein ins Tal hinab. Die Böschung hinauf faucht das Züglein wie im Kampfe gegen einen Asthmaanfall: ‚Pack ich’s, pack ich’s nicht, ich. Ich pack's!’ 
Es ist das Eigentümliche und Bezeichnende an diesem Inselchen der Seligkeit, dass hier alles auf seinem rechten Platze steht, als könnte es gar nicht anders sein, dass kein Punkt weit und breit ins Auge fällt, der nicht dem Heilzwecke des Bades diente. Nichts stört die paradiesische Illusion. Kein Geschäftsbetrieb, der in Zahlungsschwierigkeit kommt, keine Bank, die ihre Schalter schließt. Kredite – es kann sich nur um Sabbatkredit im Cafe handeln – werden nicht gekündigt. Die Alleen und der verschwiegene Wiesenpfade am Waldesrande, die von Dächern an den Hängen rotgetupfte dunkelgrüne Hügelwand und die Rosen und Geranien oben vor dem Schlosse, sie alle gehören dazu. Krieg, Nachkrieg, Reparationen, Hoover, Notverordnung, Bankkrach, - hier ist noch alles wie am ersten Tage…
Der etwas steil gebaute Kurdiener von unbestimmtem Alter präsentiert schon beim ersten Frühstück des Neuankömmlings die Kurkarte mit einer Grandezza, als wollte er sagen: ‚Wusste schon, Sie kommen wieder! Wer einmal bei uns war…’ Und er weist nach der goldenen Sonne auf den leuchtenden Gipfeln: ‚Gelle, das haben wir fein gemacht!’
Der alte gute Bott mit seinen schneeweißen Schnurbartbüschen verfolgt dich genau wie dazumal mit seinem überschulterten Apparat wie dein eigener Schatten. ‚Aufnahme’? Er hatte bereits deine Großmutter der der hohen Frisur unter dem steilen Blumenhut vor vierzig Jahren am gleichen Steinblumenpostament photographiert.
Und der Blechschutzmann, der am Eingang des Kurgartens mit dem rechten Arm den rechten Weg zeigt, er hat unter der Zeiten Stürmen stark gelitten, aber er hat Kaiser und König in Deutschland und Bayern überlebt…
Und was diese Perle im Rhöntale zu einer jüdischen Perle macht, da sind die zwei jüdischen Hotels, wie sie auf keiner Bergeshöhe, an keinem Meeresstrande, in keinem Weltverkehrszentrum besser und fachmännischer geführt werden können. Tüchtigkeit, Fleiß, Fachkenntnis, guter Wille und wahre Liebe zum Werke wirken zusammen, dem Kurgaste mehr als nur eine Gaststätte zu bieten, nämlich ein Heim; dem jüdischen  Kurfremden auch in jüdischer und religiöser Beziehung ein Stückchen Heimatboden zu geben. Zwei Häuser und eine Gemeinde. Konkurrenzunternehmen? Würden alle Staaten und Völker Europas, alle gegensätzliche Faktoren im politischen und Parteileben sich das friedliche edle Wettrüsten dieser zwei jüdischen Gaststätten zur Befriedigung der Mägen und Befriedigung der Seelen zum Muster nehmen; wir hätten keine geschlossenen Bankschalter …    Text nur fragmentarisch erhalten.   Ein gut Teil der Kurgäste füllen die … Beamten und ‚Festbesoldeten’ -
Bad Brueckenau Israelit 23071931a.jpg (59976 Byte)im Deutsch von 1931: Halbbesoldeten – aus, bei denen der vielprozentige Gehaltsabzug nicht gerade mildernd auf den Prozentsatz von Zucker und Eiweiß gewirkt hat. Gar zu viele sind es heute, die sich mit ‚Heimurlaub’, mehr als vier Wochen lang – abfinden müssen. Ihnen allen wünschen wir, dass sie schon nächstes Jahr hier die Erholung von den Anstrengungen einer Hochkonjunktur suchen und finden…
Denen aber, die auch dieses Jahr an der blauen Adria oder in Wolkenhöhe Heil und Heilung suchen zu müssen glauben, möchten wir aus dem schönsten aller heimatlichen Täler mit den besten jüdischen Lebensmöglichkeiten zurufen: Warum in die Ferne?...
Und noch mehr denen, die wohl den Weg hierher ins Tal finden, aber nicht in eines der beiden herrlichen jüdischen Heime; die sich – das gilt in noch höherem Maße für Kissingen, Oberhof und andere deutsche Bäder – mit ihren dreimal jüdischen Gesichtern gegen viel teureres Geld, bei weit schlechterer Behandlung, in anderen Hotels über die Achsel schauen lasen, rufen wir zu: Warum in die Ferne…"

  
Badebrief aus Bad Brückenau (1932) 

Bad Brueckenau Israelit 21071932.jpg (156011 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1932: "Ein kleines Paradies. Gedanken über Gedankenlosigkeit in der Liegehalle zu Bad Brückenau.  
‚Nicht arbeiten, nicht sprechen, nicht lesen, n
ichts denken!’ lautet die diktatorische Verordnung des Arztes für die Ruhestunde nach dem Bade. – So denke ich bereits eine halbe Stunde angestrengt darüber nach, wie man es zuwege bringt, nichts zu denken. 
‚Erfrischt und erholt, wie aus einem Stahlbade hervorgegangen’, sagen die Menschen. Wieder einmal eine der Redewendungen, die lügen. Ich bin eben aus dem Stahlbade hervorgegangen – und bin so müde und zerschlagen, dass ich meine Glieder nicht bewegen kann. Betriebsschluss! Nur oben, an der Denkstelle, hat der Werkmeister vergessen, den Kessel abzustellen…    - - -
Genau vor einem Jahre lag ich auf demselben Liegestuhle im stillen Bad Brückenau und dachte, wie heute, über das Nichtdenken nach. Es liegt zwischen damals und heute, zwischen Brückenau und Brückenau, die Welt zwischen Asien und Europa. Ich bin inzwischen durch die dunklen Felswände der Karpaten dem Lauf der Weichsel bis Warschau gefolgt und weiter hinauf bis zur sowjetrussischen Grenze gekommen, habe bei den Lichtern von Athen den Piräus aus den blauen Fluten des Mittelmeeres aufsteigen gesehen, habe hinauf zum Tabor und Karmel geschaut und mich im glitzernden Becken gespiegelt, wo sich der Jordan ins Tote Meer ergießt. All das in einem knappen Jahre. Auf dem grünen Teppiche zu Füßen der sanften Rhönhöhen, den die Menschen Bad Brückenau nennen, von dem aus ich vor einem Jahr gestartet, so ich nun wieder gelandet bin, ließe sich in Muße das Fazit des erlebnisreichen Reisejahres ziehen, wenn – wenn das Denken nicht als gänzlich kurwidrig so strengstens verboten wäre…
Dieses Kurgärtchen, in die baumgefüllte, von Bächen durchrauschte Talmude zwischen tiefgrünen Bergwänden gestellt, ist von einem Liebreiz übergossen, wie er nur aus Gotteshand kommen kann. Alle Farben der schönen Welt, von der Adria bis zum Kinneretsee (See Genezareth), werden in der Erinnerung lebendig. Für diese Tage und Wochen hat sich das kleine Bad einen italienischen Himmel ausgeliehen, klare durchsichtige Luftmassen aus Tiberias
Bad Brueckenau Israelit 21071932a.jpg (230241 Byte)bezogen und die würzigen Dürfte kommen aus den Rosenhainen von Jericho. Die Musik, die auf dem Pavillon stark übertönend, kommt von oben, wo in den Baumwipfeln sich unbekannte Vögel ein Sängerfest geben, aus den Wiesen, wo um gurgelnde Bäche Bienen und Käfer summen. Plakate laden zu einer Gemäldeausstellung, aber die Sonne zeichnet auf den grünen und sandgrauen Grund unseres Hotelgartens Figuren, wie sie keine Meisterhand nachmacht. Prospekte loben den Heiltrank am Brunnen, den Stahl und Schwefelgehalt der Bäder. Und übersehen, dass sich hier in der Freie und Weite eine verschüttet geglaubte Heilquelle im Herzen losreißt, die stärker wirkt, als alle Wässerlein, die man in oder über sich rieseln lässt.    
Für ein paar Tage dem Strudel entzogen, ist der Mensch eingereiht in das große goldene und grüne Wunder von Sonne und Wald.     - - -
Was für merkwürdige Dinge die Morgenzeitung aus einer Welt weit weit hinter uns bringt! Helm und Stahl ! Banner und Fahne! Rot und braun! Kreuz, und ein Haken dabei! Sturm im Schritt! Front aus Eisen!   Gummiknüppel und Heil! Sonntagsglocken läuten zu Mord und Totschlag! Hier haben Stahl und Schwefel weichen Klang und sind Faktoren der Gesundung, hier ist der Boden mit weichem Teppich ausgelegt, sind die Wände dick und grün gepolstert, dass jeder harte Schritt und Ton aufgefangen und abgedämpft wird… Mal ein durchsausendes Auto, aus dem Menschen wie aus einem anderen Stern den Gruß ihrer Partei in die Kurstraße grölen. Kein Stäubchen erhebt sich, kein Echo folgt dem blitzschnell verfliegenden Spuk. In dieser weiten, grünen Welt, darin die dunklen Hügelketten wie die Wellen verlaufen, verhallt alles Gemeine, wie der Möwe heiserer Schrei über das weite blaue Meer…      
Irgendwo in Nordpalästina graben die Archäologen nach dem verlorenen Paradiese der ersten Menschen. Drei Bahnstunden von Frankfurt entfernt, öffnet je mit Sommeranfang ein ‚kleines Paradies’ seine goldenen Pforten. Und es ist noch nicht ganz entdeckt, dieses kleine Paradies…  
Allein, ich kenne die Einwände: ‚Eher kommt das bekannte Kamel durch das ebenso bekannte Nadelloch, als - ein Nicht-Reicher in dieses Himmelreich…’ Das mag zutreffen für jene Plätze, wo sich Menschen am Meeresstrande oder auf Dreitausendmeterhöhe mit viel Nacktheit, die einmal zu einem Paradiese gehört, und mondänem Betrieb große Paradiese geschaffen haben. Hierher führt der Weg über Jossa, wo es noch keine Zollschranke und keine Devisenzentrale gibt (obwohl Einfallstor nach Bayern). Hier residierten Vater Strauß und Vater Kaufmann, die den ‚Etat’ von 1932 wohl kennen und es dem Gaste nicht allzu schwer machen. Schwer machen sie es ihm höchstens, die Rationen auf den Platten zu bewältigen. Brückenau rechtfertigt seinen Ruf als Mittelstandsbad heute mehr denn je.   
Wirtschaftlicher Mittelstand kann aber heute geistigen Hochstand bedeuten. So finden sich hier die Gäste aus beiden Häusern zu einer Gemeinde. Gelehrte vom Fach, Schriftsteller, Rabbiner, Lehrer, Akademiker und gebildete Kaufleute sind zusammengehalten von einer schönen, unaufdringlichen Geistigkeit, der noch die täglichen Gottesdienste, gelegentliche vorträge, Aussprechen jenen religiösen Hauch verleihen, der schon Brückenauer Tradition ist, wie das Wernarzer Wasser und die Stahlquelle…   
Wollte ich für Bad Brückenau werben, wo es doch die Quellen die Berge, die Bäume und – nicht zuletzt die Küchen der beiden jüdischen Hotels in so weit reichender Weis
e selbst tun? 
Das wollte ich wirklich nicht. Wollte nur liegen, ruhen, nicht denken. 
Und wenn man die Technik des Nichtdenkens übt, entsteht zumeist ein Feuilleton… -tz."  

   
Zu Beginn der NS-Zeit - Artikel über die unsichere Situation Juni 1933
  

Bad Brueckenau Israelit 22061933.jpg (109469 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1933: "Bad Brückenau, 18. Juni (1933). Wir werden um Aufnahme folgender Zeilen gebeten. Es herrscht in unseren Kreisen noch vielfach die irrige Auffassung, dass verschiedene jüdische Hotels in der diesjährigen Saison nicht geöffnet werden. Dieser falschen Vorstellung müssen wir mit aller Energie entgegentreten. Die jüdischen Hotels, speziell die rituell geführten, die wohl unter den heutigen Verhältnissen, wie jeder einzelne, doppelt schwer um ihre Existenz ringen, haben unter Aufwendung schwerster Opfer alles daran gesetzt, um ihren Gästen einen angenehmen, und frei von jeder Belästigung ungestörten und besonders in Bezug auf die rituelle Verpflegung ‚genussreichen’ Aufenthalt zu verschaffen.
So haben besonders in Bad Brückenau, das seit Jahrzehnten als weltberühmtes Heilbad sowohl für Nieren- und Blasenkranke als auch Erholungsbedürftige, ebenso durch seine idyllische und unvergleichlich schöne Lage bekannt ist, die Hotelbesitzer Kaufmann und Strauß, deren Häuser von jeher das beste Renommee genießen, bewiesen, dass der Aufenthalt in dieser Saison genau den früheren gleichkommt, und was das heißt, kann nur der beurteilen, der seine Schritte schon einmal dorthin gelenkt hat. Dabei sind die Pensionspreise trotz verschiedener erhöhter Lebensmittelpreise den heutigen Verhältnissen weitgehendst angepasst, sodass sich jeder erlauben kann, seine Ferien- und Erholungstage dort zu verbringen. Es ist daher Pflicht aller unserer Glaubensgenossen, gerade die jüdischen Häuser in dieser schweren Zeit zu berücksichtigen."

    
    
Berichte/Anzeigen zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     

Brief an David Cahner in Brückenau
 (1860er-Jahre) 
 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim / Ries)   
Brueckenau Dok 13025.jpg (265473 Byte)  Brueckenau Dok 13025a.jpg (160719 Byte)

Beschnittener Brief, adressiert an David Cahner in Brückenau. Das genaue Jahr lässt sich aus dem Stempel nicht ermitteln (die Briefmarke wurde im Zeitpunkt von 1862 bis 1868 verwendet wurde. Die jüdische Familie Cahner ist in Brückenau bereits in der Matrikelliste von 1817 genannt (Joseph David Cahner, tätig im Waren - und Viehhandel). Im jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen sind u.a. Josef Cahner und Henriette Cahner geb. Kohnstamm aus Brückenau beigesetzt (siehe Fotos auf der genannten Friedhofseite). Weitere Angaben können derzeit nicht angegeben werden (Recherchen von Peter Karl Müller). 

 
Verlobungsanzeige von Sofie Strauss und Max Friedmann (1908)  

Frankenwinheim Israelit 02041908.jpg (30604 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1908: "Statt Karten. 
Sofie Strauss - Max Friedmann
. Verlobte. 
Bad Brückenau - Frankenwinheim." 

  
Zum Tod von Lazarus Hecht (1921)  

Bad Brueckenau Israelit 08121921.jpg (42867 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1921: "Brückenau. 30. November (1921). Einen guten Menschen und treuen Jehudi haben wir hier mit Lazarus Hecht zu Grabe getragen. Voller Güte stand er Jedem zur Seite, der seinen klugen Rat und seine Hilfe in Anspruch nahm. Von glühender Liebe zu seiner Gemeinde beseelt, nahm er an ihrem Gedeihen das größte Interesse. Im Geiste der Wahrheit, die in seinem Hause waltete. Erzog er auch mit Hilfe der gleich gearteten Gattin seine Kinder. Möge Gott den trauernden Hinterbliebenen seinen wahren Trost angedeihen lassen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

  
Verlobungsanzeige für Irma Stern und Adolf Strauss (1922)    

Wachenbuchen Israelit 02031922.jpg (22291 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1922: "Irma Stern - Adolf Strauss. Verlobte. 
Brückenau (Bayern)
- Wachenbuchen bei Hanau. Februar 1922."   

   
Verlobungsanzeige von Ella Frank und Isak Goldschmidt (1922)  

Bad Brueckenau Israelit 26101922.jpg (29459 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1922: "Ella Frank - Isak Schmidt. Verlobte.  
Würzburg, Dominikanergasse 6 - Brückenau."

     
Geburtsanzeige für eine Tochter von Simon Bloch  und Fanny geb. Frank (1923)  

Bad Brueckenau Israelit 17091923.jpg (33708 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1923: "Gott sei gepriesen. Die mit Gottes Hilfe glücklich erfolgte Geburt eines gesunden Töchterchens zeigen in dankbarer Freude an Simon Bloch und Frau Fanny geb. Frank. Stadt Brückenau. 27. Elul 5683 - 8. September 1923."     

     
Zum Tod von Samuel Stern (1925)  

Bad Brueckenau Israelit 12021925.jpg (100043 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1925: "Brückenau, 8. Februar (1925). Unsere Gemeinde wurde unerwartet von einem schweren Verluste getroffen. Samuel Stern, unserer Besten einer, ist nicht mehr. Seine gewohnten Tätigkeit nachgehend, ereilte ihn unterwegs ein tückischer Unfall, an dessen Folgen er nach kaum zweitätigem Krankenlager verschied. - Im 48. Lebensjahre, auf der Höhe seiner Kraft angelangt, wurde seinem rastlosen Wirken und Schaffen für Familie und Gemeinde jäh ein frühes Ziel gesetzt. Es weinen um ihn nicht nur Gattin und Kinder, nahe und entfernte Verwandte, alle die ihn kannten, Juden und Andersgläubige, beklagen in seinem Heimgang einen edlen, aufrichtigen Charakter, einen liebenswürdigen, stets hilfsbereiten Mitmenschen. Ein Jehudi im besten Sinne ist mit ihm dahingegangen. Für Toraworte stets empfänglich, beteiligte er sich eifrigst an den Lernzirkeln innerhalb unserer Gemeinde; und auch im Gotteshaus zählten wir ihn zu den ersten Besuchern. Seit einer Reihe von Jahren führte er mit Treue und Gewissenhaftigkeit das Amt einer Rechnungsführers, und stellte so seine schätzenswerte Kraft auch in den Dienst der Gemeindeverwaltung. Sein Scheiden hat daher nicht nur im Kreise seiner Familie, sondern auch in unserer Gemeinde eine große Lücke hinterlassen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Bad Brueckenau Friedhof 306.jpg (88704 Byte) Grabstein für Samuel Stern im jüdischen Friedhof Bad Brückenau.

   
Verlobungsanzeige von Selma Grünebaum und Leo Rosenstock sowie Bia Grünebaum und Moritz Hess (1925)  

Bad Brueckenau Israelit 12111925a.jpg (38253 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1925: "Statt Karten - Gott sei gepriesen - Selma Grünebaum - Leo Rosenstock. Verlobte. Brückenau - Fulda // Bia Grünebaum - Moritz Hess - Verlobte. Brückenau - Birstein.  November 1925 - Marcheschwan 5686." 

   
80. Geburtstag von Hannchen H. Stein (1925)  

Bad Brueckenau Israelit 05039125.jpg (33141 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1925: "Stadt Brückenau, 3. März (1925). Am Purim feiert unsere allverehrte Bürgerin, Frau Hannchen H. Stern, ihren achtzigsten Geburtstag. Frau Stern besitzt - Gott sei gepriesen - noch ihre volle geistige und körperliche Rüstigkeit, um in gewohnter Weise Wohltätigkeit zu üben und sich keine Mizwohtat entgegen zu lassen. (Alles Gute) bis 120."

   
Verlobungsanzeige von Elli Grünebaum und Julius Vorchheimer (1927) 

Bad Brueckenau Israelit 14071927.jpg (25972 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1927: "Statt Karten. Gott sei gepriesen. 
Elli Grünebaum - Julius Vorchheimer. Verlobte. Brückenau - Juli 1927 / Tammus 5687 - Würzburg."

 
Zum Tod des Gemeindevorsitzenden Nathan Grünebaum (1927)  

Bad Brueckenau Israelit 03111927.jpg (274337 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1927: "Brückenau, 27. Oktober (1927). Unsere Gemeinde trauert. Der seit fast 25 Jahren in seltener Treue an der Spitze der Gemeindeverwaltung wirkende erste Vorsitzende Nathan Grünebaum, ist nicht mehr. Die Trauerbotschaft, die am vergangenen Dienstag in früher Morgenstunde aus Frankfurt am Main hierher gelangte, woselbst der Verblichene bei einer ärztlichen Untersuchung plötzlich einem Schlaganfall erlag, löste in unserer Gemeinde größte Bestürzung aus. Trafen wir doch schon im stillen Vorbereitungen zu einer Jubelfeier für unseren, von jedermann hoch geschätzten und verehrten Kultusvorstand. Am Schabbat Lech Lecha wollten wir ihn in unserer, mit seinem Namen eng verknüpften Synagoge feiern, wollten ihm danken für seine ersprießliche Tätigkeit auf allen Gebieten unseres Gemeindelebens. (Hebräisch und deutsch:) Nun hat ihn Gott uns genommen. 
Er vereinigte in sich wie selten ein Mann alle Eigenschaften, die ihn geradezu zum Muster eine Gemeindevorstehers stempelten. Von einer schon im Elternhause (im nahegelegenen Züntersbach) sorglich gepflanzten, tief inneren Frömmigkeit beseelt, ausgestattet mit einem klaren, aufs Praktische gerichteten klugen Verstande, gepaart mit einem edlen Herzen, verstand er es, seine Gemeinde so zu leiten, dass ihr Name in der bayerischen Judenheit einen guten Klang hat. Seine Friedensliebe, seine selbstverständliche, anspruchslose Bescheidenheit, sein goldner Humor gewannen ihm die Herzen aller. Wie fühlbar die Lücke ist, die sein Heimgang bei uns hinterlassen, das zeigte sich auch bei der erhebenden Trauerfeier.
Am Stadteingang von seinen Gemeindemitgliedern empfangen, wurde der Abwesende in unser schönes, im vollen Lichterglanz erstrahlendes Beit HaKnesset (Synagoge) geleitet. Eine vielköpfige Menge aus allen Kreisen unserer Stadt und Umgebung, darunter die Spitzen der Behörden und der Stadtgeistliche, ein großer Kreis von Verwandten und Freunden, hatte die Synagoge überfüllt, als die Feier ein Wort Davids einleitete. 
Eine tief empfundene Trauerfeier unseres verehrten Herrn Distriktsrabbiners Dr. Bamberger, Bad Kissingen, eröffnete den Reigen der Redner. Durch Verleihung des Chawer-Titels ehrte der Rabbiner den frommen Sinn des Heimgegangenen, seine Liebe zur Tora, seine Verdienste um die Gemeinde. Im Namen derselben sprach sodann Herr Hauptlehrer Gundersheimer und zeichnete in kurzen Strichen einige Momentbilder aus dem reichen, fruchtbaren Leben Nathan Grünebaums, den Hinterbliebenen zum Troste, den Gemeindeangehörigen zum aufmunternden Ansporn. 
In warmen Worten rief Herr Seminaroberlehrer Stoll, Würzburg, im Auftrag des Verbands bayerischer israelitischer Gemeinden dem Tagungsmitgliede und Fraktionskollegen N. Grünebaum einen letzten Scheidegruß zu, würdigte die wesentlichen Charakterzüge desselben und malte ein treffliches Bild seiner vertrauenswürdigen Persönlichkeit.
Im Namen der Familie nahm nun Herr Hauptlehrer N. Ehrenreich, Nürnberg, herzlichen Abschied von dem Onkel, dem väterlichen Freund und Berater.
Nach Rezitation des Psalmes 23 verließ die große Schar tief Ergriffener lautlos das Gotteshaus.
Der Herbstwind riss die verwelkten Blätter der Zierpflanzen an der mattgrau getünchten Außenwand unserer Synagoge zu Boden - die Zierde unserer Gemeinde, vom Lebenssturm jäh getroffen, sollte nun der Erde wiedergegeben werden.
Am geöffneten Grabe angelangt, füllten nochmals Tränen die Augen, als der einzige Sohn des Verstorbenen, Herr Rechtsanwalt Dr. Michel Grünebaum, bewegten Herzens für die dem Vater - seligen Andenkens -  gewordene Ehre dankte und gelobte, in dessen Sinne weiter zu leben. 
Möge das Verdienst des Frommen ein rechter Fürsprecher sein für seine Familie, für unsere Gemeinde! Amen!
  
Bad Brueckenau BayrGZ 13121927.jpg (124200 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 13. Dezember 1927: "Brückenau. Unsere Gemeinde trauert. Der seit fünfundzwanzig Jahren in seltener Treue an der Spitze der Gemeindeverwaltung wirkende erste Vorsitzende, Herr Nathan Grünebaum, ist nicht mehr. Der Verblichene vereinigte in sich wie selten ein Mann alle Eigenschaften, die ihn geradezu zum Muster eines Führers für unsere Gemeinde stempelten. Von einer schon im Elternhause (im nahegelegenen Züntersbach) sorglich gepflanzten, tief inneren Frömmigkeit beseelt, ausgestattet mit einem klaren, aufs Praktische gerichteten klugen Verstande, gepaart mit einem edlen Herzen, verstand er es, seine Gemeinde so zu leiten, dass ihr Name in der bayerischen Judenheit einen guten Klang hat. Seine Friedensliebe, seine selbstverständliche, anspruchslose Bescheidenheit, sein goldener Humor gewannen ihm die Herzen aller. Wie sehr er auch über den Kreis unterer Gemeinde hinaus das Vertrauen seiner Glaubensgenossen sich erfreuen durfte, das zeigte das ihm bei der letzten Verbandswahl übertragene Mandat als Tagungsmitglied. Die Bestattung gestaltete sich zu einer erhebenden Trauerfeier. Ein tief empfundener Nachruf unseres verehrten Herrn Distriktrabbiners Dr. Bamberger (Bad Kissingen) eröffnete den Reigen der Redner. Durch Verleihung des Chawertitels ehrte der Rabbiner den frommen Sinn des Heimgegangenen, seine Liebe zur Tor, seine Verdienste um die Gemeinde. Im Namen derselben sprach Herr Hauptlehrer Gundersheimer und zeichnete in kurzen Strichen einige Momentbilder aus dem reichen fruchtbaren Leben N. Grünebaums, den Hinterbliebenen zum Troste, den Gemeindeangehörigen zum aufmunternden Ansporn. In warmen Worten rief Herr Seminaroberlehrer Stoll (Würzburg) im Auftrage des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden dem Tagungsmitglied und Fraktionskollegen N. Grünebaum einen letzten Scheidegruß zu, würdigte die wesentlichen Charakterzüge desselben und malte ein treffliches Bild seiner vertrauenswürdigen Persönlichkeit."

  
Zum Tod von Jeanette Strupp geb. Eisemann (1928) 

Bad Brueckenau Israelit 07061928.jpg (73650 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Brückenau, 20. Mai (1928). Nach kaum vollendetem fünfundsiebzigsten Lebensjahre verschied hier Frau Jeanette Strupp geb. Eisemann. Von ihrem Geburtsort Maßbach (Ufr.), woselbst die schlichte, anspruchslose, stets pflichttreue Frau ein echt jüdisches Haus gründete, siedelte sie in unsere Gemeinde über, die ihr zur zweiten Heimat wurde. Wechselvoll zwar war ihr Lebensschicksal, doch ihr Gottvertrauen hielt sie stets aufrecht. Nun hat ihr arbeitsreiches Leben, das nicht nur zahlenmäßig, sondern mehr dem Inhalt nach ihm Sinne der 'sieben vollen Wochen' (3. Mose 23,15) bezeichnet werden darf, einen sanften Abschluss gefunden. Nicht nur im Kreise ihrer Familie, auch in unserer Gemeinde wird ihr Andenken ein gesegnetes bleiben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 
Bad Brueckenau Friedhof 305.jpg (84541 Byte)Links: Grabstein für Jeanette Strupp geb. Eisemann im jüdischen Friedhof Bad Brückenau   

  
Geburtsanzeige für eine Tochter von Simon Bloch und Fanni geb. Frank (1928)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1928: "Gott sei gepriesen. Die glückliche Geburt einer Tochter zeigen in dankbarer Freude an  
Simon Bloch und Frau Fanni geb. Frank. Brückenau, 15. Elul 5688 - 31. August 1928. 
Zugleich wünschen wir allen Freunden und Bekannten ein herzliches 'gutes neues Jahr'." 

      
Verlobungsanzeige von Rosi Schuster und Robert Hess (1929)  

Bad Brueckenau Israelit 28031929a.jpg (18185 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1929: "Rosi Schuster - Robert Hess.  Verlobte.  
Brückenau - Vacha. Purim / 26. März 1929".  

   
Abschiedsfeier des Frauenvereins für Hannchen Grünebaum (1929)  

Bad Brueckenau Israelit 21111929.jpg (81057 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1929: "Brückenau, 17. November (1929). Gestern Abend veranstaltete der hiesige Frauenverein eine schlichte, aber umso herzlichere Abschiedsfeier zu Ehren der zu ihren Kindern nach Frankfurt am Main übersiedelnden Frau Hannchen Grünebaum, Gattin des vor 2 Jahren verstorbenen langjährigen Vorsitzenden unserer Gemeinde. In ehrenden Worten wurde der von hier Scheidenden der Dank für eifriges Wirken innerhalb unserer Gemeinde ausgesprochen und ihr, als äußeres Zeichen dieses Dankes, ein Ölgemälde unserer hiesigen schönen Synagoge überreicht. Sichtlich gerührt, dankte Frau Grünebaum mit herzlichen Worten für die ihr so unerwartet gewordene Ehrung und gelobte, auch fern von hier, mit der hiesigen Gemeinde innerlich verbunden bleiben zu willen. Unsere besten Wünsche begleiten sie in ihr neues Heim."

    
80. Geburtstag des Hilfsvorbeters und Rechnungsführers Josef Finsterwald (1931)  

Bad Brueckenau Israelit 08101931.jpg (28900 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1931: "Brückenau, 5. Oktober (1931). Am 7. Oktober dieses Jahres begeht Herr Josef Finsterwald, dahier seinen 80. Geburtstag in selten geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Mögen seinem arbeitsreichen und gesegneten Leben noch viele frohe Jahre in Glück und Zufriedenheit beschieden sein."   
   
Bad Brueckenau Bayr GZ 15101931.jpg (28365 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Oktober 1931: "Brückenau. Im Kreise seiner Kinder und unter freudiger Teilnahme unserer Gemeinde feiert heute Herr Josef Finsterwald seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich voller körperlicher und geistiger Frische. Bereitwillig stellt er sich jederzeit in den Dienst unserer Gemeinde als Hilfsvorbeter wie auch als Rechnungsprüfer. Seine Verdienste ehrte die Gemeinde durch Ernennung zum Ehrenmitgliede."  
  
Bad Brueckenau Israelit 15101931.jpg (30587 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1931: "Brückenau, 7. Oktober (1931). im Kreise seiner Kinder und unter freudiger Teilnahme unserer Gemeinde feierte, wie schon gemeldet, Herr Josef Finsterwald seinen 80. Geburtstag. Die Gemeinde ehrte seine Verdienste dadurch, dass sie ihn zu ihrem Ehrenmitgliede ernannte. (Alles Gute) bis 120 Jahre."   

  
Verlobungsanzeige für Martha Kaufmann und Daniel Schönfärber (1931)  

Bad Brueckenau Israelit 03121931.jpg (27116 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1931: "Gott sei gepriesen! Martha Kaufmann - Daniel Schönfärber. Verlobte. Bad Brückenau - Kitzingen am Main. Chanukka 5692."    

   
Verlobungsanzeige für Karola Grünebaum und Meier Sitzmann (1933)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1933: "Gott sei gepriesen. Karola Grünebaum - Meier Sitzmann. Verlobte.  
Brückenau Unterfranken. März 1933. Stuttgart, Sängerstraße 1."   

        
Zum Tod von Rosa Adler geb. Strauß (1935) 

Bad Brueckenau Bayr GZ 01091935.jpg (39765 Byte)Artikel in der "Bayerischen israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. September 1935: "Brückenau, 25. August (1935). Am Freitag, den 16. August, verschied hier nach mehrwöchentlicher Krankheit im 74. Lebensjahr Frau Rosa Adler geb. Strauß. Eine wahrhaft Fromme ist mit ihr aus dem Leben geschieden. Am Grabe und im Trauerhaus gedachten die Herren Lehrer Strauß (Mittelsinn) und Gundersheimer (Brückenau) der Entschlafenen. Durch den Tod von Frau Adler wurde ihr Sohn, Herr Hauptlehrer Max Adler – München, in tiefe Trauer versetzt."
  
Bad Brueckenau Israelit 29081935.jpg (101762 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1935: "Brückenau, 25. August (1935). Am Freitag, den 17. Aw verschied hier nach mehrwöchentlicher Krankheit im 74. Lebensjahre Frau Rosa Adler geb. Strauß. Eine wahrhaft Fromme ist mit ihr aus unserer Mitte geschieden. Im nahe gelegenen Geroda geboren, war sie, noch im jugendlichen Alter stehend, ihren Geschwistern Miterzieherin, Stütze und Halt. Die Pflichttreue, die sie im Elternhause geübt, die ihr hier, im eigenen Haus Lebenselement gewesen, war der Inhalt ihres gesegneten Lebens. Vier Kinder erzog sie für Tora und Judentum. Nun ist ihre reine, starke Seele dem scheinbar schwächlichen Körper entwichen und unsere Gemeinde betrauert mit den Angehörigen den Verlust einen ihrer Besten.
Bei der Beerdigung nahm Herr Lehrer Strauß, Mittelsinn, in innigen Worten Abschied von der verehrten Tante und zeichnete an Hand eines Ausspruchs unserer Weisen ein Lebensbild der Heimgegangenen. Im Trauerhause gedachte Lehrer Gundesheimer in einem Hesped (Trauerrede) der Entschlafenen, zeige der versammelten Gemeinde den Adel ihrer Gesinnung. Nicht nur in ihrem Familienkreise, auch in unserer Gemeinde hat ihr Heimgang eine fühlbare Lücke hinterlassen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Bad Brueckenau Friedhof 307.jpg (83675 Byte) Links: Grabstein für Rosa Adler im jüdischen Friedhof in Bad Brückenau  

    
Verlobungsanzeige von Friedel Roberg und Manfred Stern (Juni 1938)

Berlichingen Israelit 16061938.jpg (25978 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1938: 
"Friedel Roberg - Manfred Stern. Verlobte. 
Schawuot 5698.  
Berlichingen - Haifa, Bezalelstr. 28  /  Brückenau - Petach Tikwah, Nordaustr. 20".  

     
     
     
Anzeigen und Berichte zu den jüdischen Kureinrichtungen  
Restauration von N. Frank (1879)   

Bad Brueckenau Israelit 04061879.jpg (36103 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1879: "Station Jossa der Elm-Gemündener Eisenbahn – Vom Bade Kissingen in 3 Stunden erreichbar. Bad Brückenau, allbewährtes Stahl- und Moorbad, im reizend gelegenen Tale der Sinn am Rhöngebirge. Neu errichtete, streng religiöse, israelitische Restauration empfiehlt. N. Frank."

  
Provinzialrabbiner Dr. Cahn aus Fulda als Gast in Bad Brückenau (1900)  

Bad Brueckenau Israelit 26071900.jpg (129029 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1900: "Bad Brückenau, 20. Juli (1900). Heute Nachmittag bot sich den Besuchern des Hotel Kaufmann hier ein erhebender Anblick. An einem Tische saßen ungefähr 15 Herren mit großen Folianten vor sich und lauschten begeistert den Worten ihres verehrten Lehrers, des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Cahn – sein Licht leuchte – aus Fulda, der seit einigen Wochen hier weilt. Es waren die Mitglieder der von Herrn Dr. Cahn begründeten Schaß Chebrah (Talmudverein), die täglich ihren Gemoroh Schiur lernt. Hatte doch in der ehrwürdigen Kehillah (Gemeinde) Fulda einst der berühmte Maharam Schiff gewirkt und im Bes hamidrasch (Talmudschule) gelehrt. Seit Jahren ist der allgemein und mit Recht hoch verehrte Fuldaer Rav bemüht, eine Stätte dauernd zu begründen, wo Thauroh (Tora) gelehrt und gelernt wird. Hoffentlich gelingt es dem edlen Rabbi, seinen Lieblingswunsch erfüllt zu sehen. Die betreffenden Mitglieder der Chevrah hatten es sich nicht nehmen lassen, ihren geliebten Rabbi zu besuchen und in Würdigung seines edlen Strebens ihm auch in der Sommerfrische Gelegenheit zu geben, seinen Jüngern einen Labetrunk aus dem Quell des lebendigen Wassers zu spenden. Die Freude des Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cahn über die ihm gebotene Überraschung war groß. Aus seinen Augen leuchtete aufrichtige Freude und in den Blick Alles spiegelt sich die Begeisterung, Verehrung und Liebe wieder, die das Herz der treuen Schüler gegen den verehrten Rabbi erfüllt, Wahrlich ein Mann wie Herr Dr. Cahn, der wie wenige die Fahne des Judentums hoch hält, verdient auch, geehrt zu werden. Die Wünsche, die die Mitglieder der erwähnten Chevrah ihrem Lehrer zum Ausdruck brachten, fanden ein treues Echo in unserer Brust. Mögen sie in Erfüllung gehen."

   
Neujahrsanzeigen (jüdisches Neujahr!) des Hotels Kaufmann (1900 / 1920)  

Bad Brueckenau Israelit 20091900.jpg (44169 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1900: "Bad Brückenau. Hotel Kaufmann. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten wünschen herzlichst (hebr. ‚Einschreibung und gute Versiegelung’) ein gutes Neues Jahr. Familie Kaufmann & A. Binheim".
  
Bad Brueckenau Israelit 16091920.jpg (31553 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1920: "Allen unseren Verwandten, Freunden und Gönnern sagen hierdurch herzlich "Einschreibung und gute Versiegelung" (d.h. 'gutes Neues Jahr') Familien Kaufmann und Binheim. Besitzer des Hotels Kaufmann. Bad Brückenau."  

   
Anzeigen des Hotels Kaufmann (1900 / 1905 / 1909 / 1911 / 1926) 

Bad Brueckenau Israelit 10051900.jpg (50578 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Streng Koscher - Bad Brückenau - Telefon Nr. 18. Hotel & Restaurant Kaufmann, gegründet 1876. Mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattetes, altrenommiertes Haus. - Anerkannt vorzügliche Küche. Reine Weine. - Großer Garten und gedeckte Verandas. - Herrliche Aussicht. - Hausdiener am Bahnhof. - Mai und September Preisermäßigung. Referenzen vieler streng orthodoxer Rabbiner zu Diensten." 
     
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Juni 1905: "Bad Brückenau. Streng Koscher. Hotel Kaufmann (gegründet 1876). Telefon Nr. 18. 
Altrenommiertes Haus mit anerkannt feinster Verpflegung. Im vorigen Jahre bedeutend vergrößert und mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet. 
Prächtiger Speisesaal (200 Personen fassend). - Große gedeckte Veranda. Schattiger Garten. - Pension in allen Preisladen.   
Hausdiener am Bahnhof. Referenzen bezüglich Kascherut von vielen streng orthodoxen Rabbinern zu Diensten."  
  
Bad Brueckernau Israelit 21051909.jpg (25309 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1909: "Bad Brückenau. Hotel Kaufmann. Gegr. 1876. Tel. 18. Streng Koscher. Erstklassiges Haus mit anerkannt feinster Verpflegung, in nächster Nähe des Kurgartens, des Waldes und der Quellen. Großer Garten, gedeckte Veranda. Mai und September Preisermäßigung. Hausdiener zu allen Zügen am Bahnhof."
  
Bad Brueckenau FrfIsrFambl 12051911a.jpg (55990 Byte) Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1911: "Bad Brückenau - (Bayern). Hotel Kaufmann. Telefon No. 18. Streng Koscher. Haus I. Ranges - durch Neubau einer Dependance bedeutend vergrößert. In ruhiger, staubfreier Lage, mit unvergleichlich herrlicher Aussicht. 60 Fremdenzimmer - 100 Betten - Modernster Komfort - Pensions-Arrangement - Erstklassige berühmte Küche - Solide Preise. Grosse Speisesäle - Vestibüle - Veranden - Gartenanlagen. Mai und September Preisermäßigung." 
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1926: 
"Bad Brückenau. Hotel Kaufmann mit Dependance. 1876 - 1926 - 50 Jahre. 
Das Renommé des Hauses bürgt für angenehmsten Aufenthalt. Vor- und Nachsaison Preisermäßigung. Tel.-R. 18."   

 
Anzeigen des Hotels Strauss (1900 / 1901 / 1905 / 1911 / 1923)   

Bad Brueckenau Israelit 07061900.jpg (64254 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1900: "Mai - September. Bad Brückenau. Hotel Strauss (früher Kullmann). Koscher. Den verehrlichen Besuchern des Bades zeigt ergebenst an, dass ich Hotel Kullmann käuflich übernommen und der Neuzeit entsprechend, komfortabel eingerichtet habe. 40 Zimmer mit 70 Betten. - Großer Garten mit prachtvollen Parkanlagen. - Anerkannt gute Küche. - Vorzügliche Weine. - Eigene Molkerei. - Equipage im Hause. - Hausdiener am Bahnhof. - Telefon Nr. 16. - Solide Preise. - Referenzen streng orthodoxer Rabbiner. Abraham Strauss, Restaurateur." 
    
Bad Brueckenau Israelit 06051901.jpg (64067 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1901:  "Bad Brückenau. Koscher  Hotel Strauss  Koscher (
früher Kullmann.). 
Telephon Nr. 16. Neu renoviert. Komfortable Fremdenzimmer. Großer schattiger Park. Vorzügliche Küche, Reine Weihe. Eigene Molkerei. 
Flotte Bedienung. Zivile Preise. Hausdiener am Bahnhof. 
Mai und September Preisermäßigung."  
   
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Juni 1905: "Bad Brückenau. Streng Koscher. Hotel Strauss. Telefon No. 16. 
Bestrenommiertes Haus in schönster, staubfreier Lage, mit großem, schattigem Park, in nächster Nähe des Kurgartens und der Quellen. Neuerbaute große Speiseveranda. 
Eigene Molkerei. Pension inklusive Zimmer von Mark 4 an. Hausdiener zu jedem Zug am Bahnhof, Omnibus auf Wunsch zur freien Benützung. Referenzen wegen streng koscher vieler orthodoxer Rabbiner."   
  
Bad Brueckenau FrfIsrFambl 12051911.jpg (37573 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1911: "Bad Brückenau. Hotel Strauss. Streng Koscher, Tel. 16. In ruhiger Lage, staubfrei, mitten im Park, nächst den Quellen. Große gedeckte Veranda. Eigene Molkerei. Hotelwagen auf Wunsch zur freien Benutzung am Bahnhof. Mai und September Preisermäßigung."
Bad Brueckenau FrfIsrFambl 13061913.jpg (33956 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Juni 1913: "Bad Brückenau. Streng Koscher - Hotel Strauss - Telefon 16. Bestrenommiertes Haus. Mai und September Preisermäßigung."  

   
Wohltätigkeitsveranstaltungen im Hotel Strauß-Kaufmann (1916 / 1921) 

Bad Brueckenau FrfIsrFambl 21071916.jpg (47251 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. Juli 1916: "Bad Brückenau. Letzte Woche veranstalteten die Gäste der Hotels Strauß-Kaufmann zum Besten der Lazarette von Brückenau einen gemütlichen Abend, der einen in jeder Beziehung herrlichen Verlauf nahm. Besonders verdient machten sich um das Gelingen desselben Frau Dr. Marx, Frau M. Kahn-Roedelheimer sowie die jungen Gebrüder Klibansky. Es konnten 150 Mark den Lazaretten zugeführt werden."  
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juli 1921: "Brückenau. Ein gemütlicher Abend im Hotel Strauß ergab 605 Mark für den Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel".      

  
Julius Schuster sucht für sein Hotel ein Leiterehepaar (1923)    

Bad Brueckenau Israelit 31051923.jpg (36013 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1923: "Suche für mein neu erbautes Hotel einen tüchtigen Leiter. Frau muss kochen können. Familie streng rituell. Wohnung im Hotel. Anteil am Reingewinn. 
Julius Schuster, Brückenau (Bayern), Badestadt."
Zur weiteren Geschichte von Familie Schuster: Sohn David Schuster (geb. 1910 in Brückenau, gest. 1999) wollte nach seiner Ausbildung in Würzburg und Höchberg das elterliche Geschäft in Brückenau übernehmen, doch wurde bereits 1933 das Centralhotel von der Brückenauer NSDAP beschlagnahmt. Danach lebte Familie Schuster von ihrer kleinen Landwirtschaft. 1937/38 wurden Julius und David Schuster mehrfach verhaftet und ins KZ Dachau eingeliefert. Sie wurden im Dezember 1938 zur Auswanderung gezwungen. David Schuster ließ sich in Haifa nieder. 1956 kehrte er mit seiner Familie (verheiratet seit 1953 in Haifa mit Anita Susanna geb. Grünpeter, geb. 1914 in Laurahütte/Oberschlesien, gest. 1992 in Würzburg) nach Deutschland (Bad Brückenau / Würzburg) zurück. 1958 bis 1996 war David Schuster 1. Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Würzburg. Er starb 1999.
Die Eltern von Anita Schuster geb. Grünpeter wurden nach der Deportation ermordet, siehe Gedenkblätter Yad VaShem, Jerusalem für Fritz Grünpeter (1877) und Hedwig Grünpeter geb. Kosterlitz (1884).   
David Schusters Sohn Dr. Josef Schuster (geb. 1954 in Haifa) wurde nach dem Medizin in Würzburg Facharzt für Innere Medizin in Würzburg und ist seit März 2002 Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 
Vgl. Website Almuni Universität Würzburg, Seite Bayrischer Verdienstorden u.a.m. 
Wuerzburg Friedhof 226.jpg (109081 Byte) Links: Grabstein für Senator David Schuster im jüdischen Friedhof in Würzburg
Literaturhinweis: Beitrag zu Lebensgeschichte und Lebenswerk des 1910 in Bad Brückenau geborenen David Schuster
Alexander von Papp: Ein fränkisch-jüdisches Leben im 20. Jahrhundert - Zum 100. Geburtstag von David Schuster. In: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege. Verlag Frankenbund Website www.frankenbund.de. Heft 4. August 2011 S. 284-295. 
Mit Genehmigung des Verfassers und des Verlages online eingestellt (pdf-Datei).    

   
Werbung für die Kur in Bad Brückenau (1925)   

Bad Brueckenau Israelit 02041925.jpg (137605 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1925: "Bad Brückenau, 15. März (1925). Man schreibt uns: Das staatliche Mineralbad Bad Brückenau (Unterfranken) als Spezialbad für Niederen- und Harnkranke eröffnet seinen Betrieb am 1. Mai. Seine Heilquellen sind auf Jahrhunderte alten Ruf begründet. Von ganz hervorragender Bedeutung ist die 'Wernarzer Quelle', welche in ihrer harntreibenden Wirkung alle bis jetzt gerühmten und in Ansehen stehenden Brunnen weit übertrifft. Besonders wirksam ist dieselbe bei chronischen Entzündungen des Nierenbeckens und der Blase, während die 'Stahl-Quelle' als ein kohlensaures Eisenwasser von großer Klarheit und angenehmem Geschmack bei leichtester Verdaulichkeit als wichtiges Kurmittel bei Blutarmut, Bleichsucht und Frauenleiden bestens bekannt ist. 
Die Lage des Bades am Südabhange des Rhöngebirges, umgeben von prächtigen Wäldern und lieblichen Auen, rechtfertigt seine Bezeichnung als Perle der Rhön in jeder Beziehung. Das Bild bietet Leidenden und Rekonvaleszenten als klimatischer und Terrainkurort alle Vorzüge. Die Erwerbung des Bugberg'schen Schlossbesitzes, ehemals Eigentum König Ludwigs von Bayern durch den bayrischen Staat fügt dem Bad eine neue Perle zu. Durchgreifende Änderungen an den gärtnerischen Anlagen usw. versprechen eine ganz hervorragende Verbesserung der Gesamtanlage. Die inmitten des Kurparkes gelegenen, allen Ansprüchen Rechnung tragenden, 12 stattlichen Kurhäuser nebst den hygienisch auf das vorzüglichste eingerichteten Bädern stellen Bad Brückenau mit an erste Stelle der Heilbäder und machen dasselbe als vornehmen Kurplatz in hohem Maße geeignet. Die Frequenz des Bades betrug im Jahre 1924 6.000, in dem dazu gehörigen Kurbezirk 2.000, also insgesamt 8.000 Kurgäste." 

   
Allgemeine Werbung und gemeinsame Werbung für alle jüdischen Hotels in der Stadt (1925)  

Bad Brueckenau Israelit 19031925.jpg (70343 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1925: "Bad Brückenau - das Nierenbad - Wernarzer Quelle. Hervorragend heilkräftig bei harnsaurer Diathese, bei Gicht, Nieren-, Stein-, Gries- und Blasenleiden. 
Stahlquelle
erprobt gegen Blutarmut, Frauen- und Nervenkrankheiten. Seit Jahrhunderten medizinisch bekanntes Stahl- und Moorbad. Kureröffnung 1. Mai. 12 staatliche Kurhäuser. 
Eisenbahnlinie Elm - Gemünden, Lokalbahn ab Jossa, auch über Bad Kissingen und Fulda mit staatlichen Postautos zu erreichen. Auskünfte und Werbeschriften durch die Direktion des Staatlichen Bayerischen Mineralbades Brückenau in Unterfranken." 
   
Bad Brueckenau Israelit 21051925.jpg (109197 Byte) Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1925:   
"Brückenau – Stadt. Schwefel und Stahlbad. ‚Siebener Sprudel’. Aktiengesellschaft. Anerkannt vorzügliche Erfolge bei Rheumatismus, Gicht, Frauenleiden, chronischen Metallkrankheiten und Krankheiten der Atmungsorgane, Trinkkuren, Moorbäder.   
     

Brückenaustadt. Mineral- und Heilquelle, Trinkkuren für Nieren- und Blasen-Leiden, Magen- und Darm-Krankheiten – Staunende Erfolge!  Auskunft erteilen: Obermedizinalrat Dr. Daxenberger und Dr. Ecke, Brückenau-Stadt.    

Central-Hotel  Bad – Stadt Brückenau. Besitzer Julius Schuster. Neu erbaut gut geführtes Hotel, bequeme Gartenanlage, große Autogaragen, 1 Minute von den Bad- und Trinkquellen entfernt. Für Monat Juni Vorzugspreise. Telefon Nr. 95.
   
Bad Brückenau  Hotel Strauß  Telefon 16 Dependance. Moderner neu gebauter Speisesaal. Vor- und Nachsaison ermäßigte Pensionspreise.    
  
Bad Brückenau  Hotel Kaufmann mit Dependance. Vollständig renoviert. – Tel. Nr. 18. Neugebauter Gesellschaftsraum. Vorsaison Preisermäßigung."  

     
50-jähriges Bestehen des Hotels Kaufmann (1926)   
(vgl. Anzeige oben)  

Bad Brueckenau BayrGZ 08091926.jpg (24857 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. September 1926: "Bad Brückenau. Am 25. Juli blickte das Hotel Kaufmann auf sein 50jähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlass veranstalteten die zahlreichen Gäste des Hotels einen Festabend, der Zeugnis davon ablegte, in welchem Maße es die Besitzer verstanden, sich die Zuneigung ihrer Gäste zu erwerben."
  
Bad Brueckenau Israelit 12081926.jpg (159179 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1926: "Bad Brückenau, 3. August (1926). Am 25. Juli dieses Jahres blickte das Hotel Kaufmann (Inh. Kaufmann und Binheim) in Bad Brückenau auf sein 50jähriges Bestehen zurück. Anlässlich dieses Ereignisses veranstalteten die zahlreichen Gäste des Hotels einen Festabend, der einen wundervollen Verlauf nahm. Die Feier wurde mit dem von einem Badegast vorgetragenen ‚Ma tauwu’ eingeleitet. Anknüpfend hieran wies der Redner des Abends, ebenfalls ein Kurgast, auf die Behaglichkeit hin, die das Hotel seinen Gästen bietet, auf die Bereitwilligkeit und Liebenswürdigkeit, wenn es sich um die Erfüllung eines auch nur leisen Wunsches der Gäste handelt, auf das Entgegenkommen von Seiten der leitenden Personen bis zu den Angestellten hinab und schließlich auf den wesentlichsten Punkt – die vorzügliche Verpflegung. Redner gab dann unter dem Leitmotiv ‚Geringes ist die Wiege des Großen’ einen Rückblick auf die Geschichte des Hotels, das sich aus ganz kleinen Anfängen zu einem der angesehensten jüdischen Hotels unseres deutschen Vaterlandes emporgeschwungen hat. Redner schloss seine Ausführungen mit den herzinnigsten Glückwünschen, die er den Besitzern des Hotels darbrachte. Eine kleine Frankfurter Schülerin überreichte sodann, unter Vortrag eines sinnigen Gedichtes, die erlesenen Geschenke, mit denen die Gäste und Freunde des Hotels die Inhaber bedacht hatten. Hierauf folgten in bunter Reihenfolge musikalische und deklamatorische Vorträge, die dazu beigetragen haben, den Abend nicht nur zu einem gemütlichen, sondern auch zu einem unvergesslichen zu machen."

    
Werbung für Ferienaufenthalte gesetzestreuer Angestellten (1928) 

Bad Brueckenau Israelit 14061928.jpg (71031 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1928: "Verbilligter Ferienaufenthalt für gesetzestreue Angestellte. Auf Grund von Verhandlungen haben sich 
Hotel Strauß, Bad Brückenau,  Hotel Central, Stadt Brückenau,  Hotel Grünebaum, Gersfeld (Rhön)  
bereit erklärt, gesetzestreue, durch die Stellenvermittelungszentrale der Agudas Jisroel eingewiesene Angestellte zu Vorzugspreisen aufzunehmen. Meldungen erbeten an die 
Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt am Main, Sandweg 32."

   
Das Hotel Kaufmann sucht einen streng religiösen Metzger (1929)  

Bad Brueckenau Israelit 28031929.jpg (39132 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1929: "Jüngerer, streng religiöser Metzger, der perfekt porschen kann, von orthodoxem Rabbiner anerkannt, für die Saison gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen erbeten an 
Hotel Kaufmann, Bad Brückenau.
"  


Rabbiner Dr. Bamberger zu Gast in Bad Brückenau (1932)  

Bad Brueckenau Israelit 27101932.jpg (101448 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1932: "Brückenau, 11. Oktober (1932). Der hiesigen Gemeinde wurde hohe Ehre zuteil. Herr Rabbiner Dr. Bamberger, nun im Ruhestand in Bad Kissingen lebend, wählte sich unseren Kreis als Aufenthalt an den vergangenen ehrfurchtgebietenden Tagen (sc. zwischen Jom Kippur und Rosch Haschana). Das herzliche Verhältnis, das ihn in den 30 Jahren seiner Amtstätigkeit mit unserer Gemeinde verband, fand hierdurch neue Nahrung und Kräftigung. Auf besonderen Wunsch unserer Gemeinde reichte uns Herr Dr. Bamberger aus dem reichen Schatze seines Torawissens einige wertvolle Gaben. Am Vorabend des Rosch Haschana erfreute er uns durch eine sinnige Deutung des dreifachen Schofarklangs, im Anschluss an Hannas Gebet  'Es jubelt mein Herz in dem Ewigen; erhöht ist mein Horn durch den Ewigen. Weit geöffnet ist mein Mund über meine Feinde...' und bereitete so die rechte Stimmung vor für ein inniges Abendgebet. An den in unserer Gemeinde bestehenden Schiurim (Lernstunden) beteiligte sich Herr Dr. Bamberger mit sichtlicher Freude. In der Neila-Stunde des gestrigen Tages ergriff Herr Rabbiner nochmals das Wort zu einer kurzen, zu Herzen gehenden Ansprache, um dann in inniger Weise das Neila-Gebet vorzubeten. Möge er uns als Fürsprecher und Anführer erhalten bleiben.... bis 120 Jahre!"

        
60-jähriges Bestehen des Hotels Kaufmann (1936)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1936: "Bad Brückenau, 6. August (1935). Am Schabbat Weetchanan (das war am 2. August 1936) beging das weithin bekannte Hotel Kaufmann den Tag seines 60-jährigen Bestehens. Anknüpfend an den verlesenen Wochenabschied wies Herr Studienrat Erlebacher, Würzburg, als derzeitiger Gast, im Namen aller übrigen Gäste des Hauses, durch treffende Gleichnisse auf die Reize des prächtigen Badeplatzes und auf den bequemen und ungestörten Aufenthalt an demselben hin und rühmte in dankbarer Anerkennung und durch eine sinnige Widmung die unverändert hervorragende und liebevolle Aufnahme, die all denen bekannt ist, die in den beiden hiesigen Hotels zu verkehren Gelegenheit haben."   

        
Werbung für das Hotel Strauss (1937!)  

Bad Brueckenau Israelit 10061937.jpg (35549 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1937: 
"Bad Brückenau - Hotel Strauss.  
Telefon 216  
ist wie alljährlich geöffnet!"  

        
Nach der Emigration: Todesanzeige für Max Schuster (1943)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 12. November 1943: "Nach langem, schweren Leiden verschied am 7. November im Alter von 68 Jahren mein geliebter Mann, unser guter Vater, Bruder und Großvater 
Herr Max Schuster (Brueckenau)
Im tiefen Schmerz: Julie Schuster geb. Rothschild, 47 Ft. Washington Ave., N.Y.C.  
Ernest Schuster, Washington, D.C.,  
Hugo and Adele Silbermann geb. Schuster, 3657 Broadway, N.Y.C. 
Felix Schuster  228 Audubon Ave., N.Y.C., 
Ruth Silbermann."       

 
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe   
Anzeigen des Wäsche-, Manufaktur-, Konfektions-, Spiel und Galanteriewarengeschäftes von Michael Lion (1898 / 1901 / 1904)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1898
"Lehrmädchen für mein am Schabbat und Feiertag streng geschlossenes Wäsche-, Manufaktur-, Konfektions-, Spiel- und Galanteriewaren-Geschäft gesucht
Könnte sich auch im Haushalte in der freien Zeit beschäftigen. Selbstgeschriebene Offerten mit Photographie an 
Michael Lion,
Brückenau."      
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1901
"Lehrjunge für mein Aussteuer- und Bekleidungsgeschäfts gesucht. Schabbat und Feiertag geschlossen. 
Michael Lion
, Brückenau."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1904
"Einfach, bürgerliches Mädchen für meine Filiale Bad Brückenau (Spiel-, Galanterie- und Kurzwaren) als
Lageristin und Verkäuferin 
gesucht
. Saisondauer 1. Mai bis 15. September. Nur solche Mädchen, welche in gleicher Branche schon längere Jahre tätig, wollen sich melden. Schabbos und Jomtof (Feiertag) geschlossen, Familienanschluss, freie Station, Offerten mit Photographie, Zeugnisse und Gehaltsanspräche erbeten. 
Michael Lion,
Stadt Brückenau (Bayern Unterfranken)."    

      
Schuh- und Ledergeschäft J. Adler sucht einen Buchhalter (1915)  

Bad Brueckenau Israelit 08041915.jpg (39521 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1915: "Für mein Samstag und israelitische Feiertage geschlossenes Schuh- und Ledergeschäft suche zum sofortigen Eintritt einen tüchtigen Buchhalter. J. Adler  Brückenau, Unterfranken".    
    
   
Karte/Preisanfrage von 
J. Adler (1895)
 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Brueckenau Dok 121.jpg (101918 Byte) Brueckenau Dok 121a.jpg (100446 Byte)
  Die Karte mit der Preisanfrage bei der Eisenhandlung Eisenheimer in Schweinfurt 
datiert vom Juni 1895  

    
Anzeigen der Metzgerei Berthold Fleischmann (1925 / 1928)  

Bad Brueckenau Israelit 12111925.jpg (42918 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1925
"Koscher
Feinste Brückenauer Fleisch- und Wurstwaren 
hergestellt unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Rabbiner Dr. Bamberger, Bad Kissingen. 
Versand nach auswärts. Streng reelle, gewissenhafte Bedienung. 
Billige Preise. 
Berthold Fleischmann. Brückenau
, Unterfranken."     
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1928
"Streng Koscher
Unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Bezirksrabbiner Dr. Bamberger, Bad Kissingen. 
Empfehle erstklassige Wurstwaren. Versand nach auswärts mit billigsten Berechnung. 
Berthold Fleischmann, Brückenau."  

                  
Schreiben der Eisenwarengroßhandlung Arthur Stern (1925)  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)      

Brueckenau Dok 120.jpg (86811 Byte) Brueckenau Dok 120a.jpg (68146 Byte)  
Schreiben der Eisenwarengroßhandlung Arthur Stern aus Brückenau nach Bopfingen, 
datiert vom 26. Mai 1925  
 

                 
       
   

 

 

 

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Stand: 31. März 2015