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Maßbach (Markt Maßbach,
Landkreis Bad Kissingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
(erstellt unter Mitarbeit des im März 2007 verstorbenen Reinhard Klopf,
Maßbach)
In Maßbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung
geht in die Zeit des 15./16. Jahrhunderts zurück. 1446 gab es
einen Streit zwischen den Herren von Maßbach und Wilhelm von Schaumberg, bei
dem es u.a.
über bestimmte Rechte der Christen und Juden zu Maßbach ging. Auch im 16.
Jahrhundert werden Juden am Ort genannt (1556). Damals wurden die
unter dem Schutz der Grafen von Henneberg lebenden Juden ausgewiesen, die unter
dem Schutz der Herren von Maßbach stehenden Juden konnten offenbar bleiben.
1687 werden in einer Übersicht 29 Maßbacher Juden genannt, die unter dem
Schutz der Grafen von Hatzfeldt standen. 1710 waren es 18 jüdische Haushaltungen
am Ort mit zusammen 90 Personen. Zwischen 1800 und 1816 werden 27 Häuser genannt,
die in jüdischem Besitz waren.
1766 wurde in Maßbach (zur selben Zeit wie in Burgpreppach) eine
Talmud-Tora-Schule gegründet.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt:
1816 wurden 170 jüdische Einwohner gezählt (17,9 von insgesamt 948
Einwohnern). Die höchste Zahl
jüdischer Einwohner wurde 1837 mit 180 Personen erreicht (bei einer
Gesamteinwohnerzahl von 1.172 Personen). Danach ging die Zahl durch Aus- und
Abwanderung zurück: 1848 147 jüdische Einwohner (darunter 61 Kinder bis 15
Jahre), 1867 110 (8,9 % von insgesamt 1.236), 1880 127 (9,7 % von 1.306), 1890
103 (8,1 % von 1.275), 1900 83 (6,7 % von 1.241), 1910 67 (5,2 % von 1.278).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Maßbach auf
insgesamt 33 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Haium Faibel Fränkel
(Viehhandel), Joseph Simon Uhlmann (Vorsinger, war schon seit ca. 1789 in
Maßbach tätig), Jacob Moses Hofmann (Pferdehandel), David Hirsch Herrmann
(Spezerei- und Viehhandel), Lazarus Kusel Frank (Viehhandel und Schlachten),
Salomon Hirsch Kraus (Viehhandel), Wolf Lazarus Rosenstein (Vieh- und
Spezereihandel), Oscher Maier Baumann (Schmusen), Maier Elias Federlein
(Federhandel), Süßmann Isaac Brandes (Viehhandel), Maier Faibel Feibelstein
(Viehhandel), Isaac Bonfet Heilmann (Schlachten, Schmusen), Moses Levi
Rothenberg (Schlachten), Fradel, Witwe von Samuel Seligmann Schwarzenbach (lebt
vom eigenen Vermögen), David Isaac Demar (Schlachten), Sara, Witwe von
Seligmann Löw Seligmann (lebt vom eigenen Vermögen), Machul Isaac Katzenberger
(Schnür- und Bänderhandel), Maier Levi Pollack (Kleinwarenhandel und
Schmusen), Jacob Samuel Haßberger (Krämerei), Samuel Jacob Eberhard (Krämerei
und Viehhandel), Lazarus Seligmann Brumsack (Kleiderhandel), Lazarus Moses Simon
(Vieh- und Schnitthandel), Isaac Jacob Eißemann (Viehhandel), Feufer (Feifer)
Arrie Stoll (Schnitthandel, Schmusen), Marx Moses Frankenbach (Viehhandel),
Samuel Moses Rothländer (Kramwarenhandel), Anschel Löw Roßmann (Schmusen),
Simon Süßmann (Federhandel), Samuel Süßmann (Kramhandel), Jacob Strub
(Schmusen), Samuel Löw Löwenburg (Schmusen), Baruch David Rosenbach
(Viehhandel, Schlachten), Feibel Samuel Krempler (Schmushandel), Samuel Löw
Isaac Stern (Alteisenhandel), Hanna, Witwe von David Mendel Jahrkauer (lebt vom
eigene Vermögen), Aron Frank (Leder- und sonstigen Produktenhandel, seit 1819),
Alexander Haim Heim (Wein-, Waren- und Landesproduktenhandel, seit 1820), Feibel
Süßmann Strupp (Strub, Kramwarenhandel, seit 1820), Nathan Meyer Pollack
(Rauchwarenhandel, seit 1823), Jacob Simon (Metzgerei, seit 1823), Hirsch Simson
Levi Simson (Zehngebothandel, seit 1825).
An Einrichtungen der jüdischen Gemeinde gab es eine Synagoge (s.u.),
eine jüdische Elementarschule (bis 1920, danach eine Religionsschule), ein rituelles Bad und seit 1902/03 einen
eigenen Friedhof. Zuvor waren die Toten der
Gemeinde in Kleinbardorf beigesetzt
worden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war bis 1920 ein
jüdischer Elementarlehrer (Volksschullehrer), nach 1920 ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter
(Chasan) und Schächter (Schochet) tätig war. Die Stelle wurde bei Neubesetzungen immer wieder ausgeschrieben
(siehe unten die Anzeigen aus der Zeitschrift "Der Israelit"). Unter den
Lehrern
in der Gemeinde waren u.a. Götz Ullmann (1833-1870), Hirsch Goldstein (vermutlich
1873 - 1895), Moses Nußbaum (1895 - 1910), Siegfried Freudenberger (1910 bis
nach 1915, vgl. zu ihm bei Thüngen). Letzter jüdischer Lehrer war bis
1935 David Cegla (s.u.).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Moritz Marx (geb.
5.7.1884 in Maßbach, vor 1914 in Würzburg wohnhaft, gef. 15.5.1915; siehe
Bericht zu seinem Tod unten) und Unteroffizier Dr. Max Goldstein (geb. 11.5.1883
in Maßbach, vor 1914 in Ludwigshafen am Rhein wohnhaft, gef. 14.9.1916). Ihre Namen stehen auf dem
Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in der Neuen Strauße
(beim alten Sportplatz bzw. neben einem Autohaus).
Mitte der 1920er-Jahre wurden noch 31 jüdische Gemeindeglieder gezählt (2,3 %
von insgesamt 1.350 Einwohnern). Die jüdischen Gemeindevorsteher waren damals Samuel
Eberhard, A. Friedmann, F. Heidelberger und A. Frank. Der Religionsunterricht
wurde für die noch drei schulpflichtigen jüdischen Kinder von Lehrer Berlinger
in Poppenlauer gehalten. Anfang der 1930er-Jahre
bildeten den Gemeindevorstand
Abraham, Frank und Hermann Heidelberger. Als Lehrer und Kantor war David Cegla
tätig (im Schuljahr 1932/33 gab es vier schulpflichtige jüdische Kinder am Ort;
Cegla übersiedelte 1935 nach Erez Israel).
1933 lebten
noch 34 jüdische Personen am Ort. Sie waren in der Folgezeit eine massiven
antisemitischen Propaganda und einem heftigen Wirtschaftsboykott ausgesetzt,
wodurch die jüdische Gemeinde stark verarmte. Dennoch konnten die jüdischen Viehhändler
des Ortes noch in beschränktem Umfang Geschäftsbeziehungen zu Bauern der
Umgebung wahrnehmen. Im Oktober 1938 gab es noch zwei jüdische Viehhändler und
einen Fellhändler in Maßbach. Den Unterricht der Kinder und die Betreuung der
jüdischen Gemeinde in Maßbach wurde seit 1935 von Lehrer Ignatz Popper übernommen
(1941 nach Deportation ermordet).
In der Pogromnacht im November 1938 wurde
die Synagoge zerstört, jüdische Wohnhäuser wurden verwüstet. Einem Teil der
1933 hier wohnhaften Personen gelang noch die Auswanderung, andere verzogen in
andere deutsche Städte. 1942 wurden acht Personen nach Izbica (Lublin) und nach
Theresienstadt deportiert.
Von den in Maßbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Irma
Adler (1898?), Dorothea (Dora) Eberhardt (1889), Marianne Eberhardt (1881),
Bianka Frank geb. Gips (1876), Jette Frank (1845), Marie Gips geb.
Nussbaum (1878), Max Gips (1878), Louis Goldstein (1881), Lina Heidelberger geb. Rossmann
(1861), Felix Heidelberger (1866), Klara Hirschberg (1892), Betti Kahn geb.
Nußbaum (1900), Leo Katzenberger (1873), Max
Katzenberger (1878), Rosa Kleemann geb. Simon (1873), Gertrud Ledermann geb. Eberhardt
(1913), Fritz
Nussbaum (1902), Otto Nußbaum (1906), Lehrer Ignatz Popper (1873), Käthe
Popper geb. ? (1905), Cilli (Zilli) Rosenberger geb. Eberhardt
(1878), Ilse
Rosenthal (1910), Rachel (Recha) Rosenthal geb. Katzenberger (1883), Recha
Rothschild geb. Nussbaum (1893), Anselm Roßmann (1863), Lina
Schäfer geb. Marx (1879), Meta Schwarzenberger geb. Katzenberger (1870), Ida Sonnenberger geb. Katzenberger
(1882), Eugen Strauss (1885), Rebekka Strauß geb. Hubert (1862), Moritz Treuhold
(1880), Clotilde Weglein geb. Katzenberger (geb. 1869), Sophie Weil geb.
Freudenthal (1852), Dina Wolf geb. Strauß (1875).
Hinweis: der in der Liste genannte Leo Katzenberger, geb. 1873 in
Maßbach ist der der langjährige Vorsteher der jüdischen Gemeinde in
Nürnberg Lehmann (Leo) Katzenberger, der am 3. Juni 1942 als Opfer der
NS-Rassenjustiz nach einem Schauprozess des Sondergerichts Nürnberg schuldlos
verurteilt und hingerichtet wurde. Über Leo Katzenberger siehe einen Wikipedia-Artikel
zu seiner Biographie sowie Seiten bei der Website
"Holocaust-Referenz.
Weiterer
Hinweis: Über den Film
"Leo und Claire" (2001) zur Geschichte von Leo Katzenberger siehe
gleichfalls einen Wikipedia-Artikel.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Lehrer-, Vorsänger- und
Schächterstelle von 1870 und 1920
Die Ausschreibung von 1870 war notwendig nach dem Tod des Lehrers
Götz Ullmann, der von 1833 bis 1870 Lehrer in der Gemeinde war.
Ausschreibung in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1870: "Offene
Religionslehrerstelle. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und
Schächterstelle in Maßbach, Bezirksamt Kissingen, ist erledigt und wird
wie folgt ausgeschrieben: 1) der fixe Gehalt beträgt fl. 300. 2) die
jährliche Nebeneinkünfte fl. 50, 3) die Funktion als
Schächter fl. 150. In Summa fl. 500. nebst freier Wohnung in
schönem Wohnhaus mit Nebengebäuden und Garten. Bewerber wollen sich in
kürzester Frist an Unterzeichneten wenden.
Der Vorstand. A. L. Freudenthal". |
| Die Ausschreibung 1920 erfolgte nach der
Aufhebung der jüdischen Elementarschule: |
Ausschreibung in der
Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1920: "Zufolge
Aufhebung unserer Elementarschule bis 1. Mai, wegen zu geringer
Kinderzahl, suchen wir einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer,
Schochet und Chasen. Fixum M. 3.000, garantiertes Nebeneinkommen M. 1000.
Schönes zweistöckiges Schulhaus (ev. für Pensionäre) mit
Gemüsegärtchen. Zeit und Gelegenheit zu Privatunterricht. Gefl.
Meldungen an Kultusvorstand Samuel Eberhardt. Massbach bei Bad
Kissingen." |
Zum Tod des Lehrers Götz Ullmann, 1833 bis 1870
Lehrer in Maßbach
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juli 1870: "Nekrolog.
Maßbach, Bezirksamt Kissingen, 21. Juni 1870. (Aus besonderen
Gründen verspätet). Ein unersetzlicher Verlust betraf heute die hiesige
israelitische Gemeinde. Unser geliebter Lehrer und More Horaah (=
Gesetzeslehrer), Herr Götz Ullmann, welcher 37 Jahre hier
fungierte, hat das Zeitliche gesegnet. Seine immensen Kenntnisse, sowohl
im Hebräischen, als auch in den profanen Wissenschaften, hätten ihn wohl
befähigt, den ersten Rabbinatssitz mit Ehren zu behaupten. Er war jedoch
in früheren Jahren durch anhaltende Luftröhrenkrankheiten verhindert,
solche Stellen, welche ihm sogar angetragen waren, anzunehmen. Seine
großen Kenntnisse erwarb er sich bei Rabbi Wolf Hamburger - seligen
Angedenkens - und noch bei verschiedenen Autoritäten damaliger Zeit;
seine Universitätsstudien genoss er in Würzburg. Von seinen vielen
Zöglingen, welche er auch im Kaufmännischen ausgebildet, sind manche
Chefs bedeutender Handlungshäuser. Mit seinem enormen Wissen vereinigte
der Selige zugleich strenge Rechtlichkeit, und sein großes Gottvertrauen,
seine Ergebenheit in Gottes Willen hielten an bis zum letzten Atemzuge.
Von seiner großen Wohltätigkeit, welche im vollen Sinne des Wortes keine
Grenzen kannte, zeugte das Wehklagen der christlichen Armen. Die tiefe
Trauer derjenigen, welche ihm die letzte Ehre erwiesen - es waren
sämtliche Israeliten der Nachbargemeinden, sowie der protestantische Herr
Pfarrer mit verschiedenen christlichen Bürgern anwesend - bewies
deutlich, dass der Verklärte nicht nur hier, sondern in der ganzen Gegend
sehr vermisst wird.
Möge ein würdiger Nachfolger unseren Verlust in Etwas ersetzen. Vollen Ersatz
können wir nicht gut bekommen. Ein dankbarer Schüler." |
Werbung für die jüdische Elementarschule in Maßbach
mit einem von Lehrer Nußbaum eingerichteten Pensionat (1905 / 1909)
Die Einrichtung eines solchen Pensionates hatte einen doppelten
Zweck. Zum einen konnten im Blick auf die klein gewordene Zahl der Schüler an
der jüdischen Elementarschule noch der eine oder andere Schüler von außerhalb
gewonnen werden. Zum anderen hatte der Lehrer beziehungsweise die Lehrerfamilie
dadurch ein zusätzliches kleines Einkommen.
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. März 1905:
"Knabenpensionat Massbach, Unterfranken, gewährt neben
tüchtiger Allgemeinbildung gründliche Vorbereitung für den
kaufmännischen Beruf. Besondere Unterrichtsfächer: Französische
Sprache, kaufmännisches Rechnen, Buchführung, Wechsellehre,
Korrespondenz und Stenographie. Eintritt vom 12. Lebensjahre ab. - Beginn
des Schuljahres 1. Mai. Günstige Bedingungen - Beste Referenzen. Lehrer
Nussbaum." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1909:
"Israelitische Elementarschule mit Pensionat.
Massbach
(Unterfranken). Gründliche Allgemeinbildung, besondere Vorbereitung in
allen Handelsfächern. Lehrgang ein- und zweijährige Aufnahme vom 11.
Lebensjahre ab. Beste Erfolge. Lehrer Nußbaum." |
Zum Tod von Lehrer Moses Nußbaum (1930, Lehrer in Maßbach von 1895 bis 1910)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
Oktober 1930: "Moses Nußbaum gestorben. Nach kurzem
Krankenlager verstarb vor einigen Wochen unser lieber und treuer Kollege
Moses Nußbaum, pensionierter Volksschullehrer, im Alter von 65 Jahren. Er
war ein gemütvoller, äußerst strebsamer Kollege, der neun Jahre in
Wiesenfeld als Religionslehrer, und fünfzehn Jahre in Maßbach bei
Kissingen als Volksschullehrer seine segensreiche Tätigkeit entfaltet
hat. Leider haben seine Kräfte den Anforderungen, die er an sich selbst
gestellt hat, nicht Stand gehalten, sodass er schon im Jahre 1910 in
seinem 45. Lebensjahre in Pension gehen musste. Doch gründete er sich
nach überstandener Krankheit in Kissingen mit großer Energie und
erstaunlicher Anpassungskraft eine neue Existenz als Kaufmann und verstand
es sich neben der Verehrung aller Kreise der Stadt eine dominierende
Stellung in seinem Berufe zu erobern.
An seinem Grabe vereinigte sich eine große Trauergemeinde. Neben den
jüdischen Kollegen des Bezirks waren die hiesigen Volksschullehrer sehr
zahlreich erschienen, die die Beerdigungsfeier mit einem ergreifenden
Grabgesang eröffneten. Nach der tief empfundenen Grabrede des Herrn
Rabbiners Dr. S. Bamberger, widmete ihm Ludwig Steinberger warme
Abschiedsworte als Freund und Kollege und sprach Dank und Verehrung im
Namen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern aus. Nach einigen Abschiedsworten
des eigenen Bruders, des Herrn Hauptlehrers Nußbaum (Neumarkt), sprach
der Vorstand des Bezirkslehrervereins Kissingen im Namen des Bayerischen
Lehrervereins herzliche Worte ehrenden Gedenkens. Herr Gustav Neustädter
brachte im Namen der Gemeinde Maßbach, die sehr zahlreich am Grabe
erschienen war, Verehrung und Dankbarkeit derselben zum Ausdruck.
Mit Moses Nußbaum ist ein vorbildliches Lehrerleben verhaucht. Sein
Andenken wird in unserem Verein hoch in Ehren bleiben." |
Zum Tod von Adele Nußbaum, Witwe des Lehrers Moses
Nußbaum (1937)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Oktober 1937:
"Persönliches. Am Erew Jaum-Kippur (= 14. September 1937, Vorabend
zu Jom Kippur, Versöhnungstag) verschied Frau Adele Nußbaum, die Witwe
unseres Vereinsmitgliedes Moses Nußbaum seligen Angedenkens, Lehrers in
Maßbach. Auch an dieser Stelle sei den Kindern der verstorbenen
geschätzten Frau herzliches Beileid zum Ausdruck gebracht." |
Lehrer Cegla übersiedelt nach Erez Israel (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1935:
"Maßbach (Ufr.), 3. Februar (1935). Lehrer David Cegla ist in
Erfüllung eines lang gehegten Wunsches Anfang des Monats nach Erze Israel
übergesiedelt, wo bereits zwei seiner Söhne wohnen. Cegla war wegen
seines freundlichen und zuvorkommenden Wesens sowie durch seine
Hilfsbereitschaft allgemein geschätzt. Besondere Hochachtung genoss er
wegen seiner Frömmigkeit und seines bedeutenden talmudischen Wissens,
weshalb er von dem verstorbenen Kissinger Raw - das Andenken an den
Gerechten ist zum Segen - mit dem Chower-Titel ausgezeichnet
wurde. In einer ergreifenden Abschiedsrede verabschiedete er sich von
seiner Gemeinde, die ihm Dank für seine segensreiche Tätigkeit
aussprach." |
Lehrer i.R. Ignatz Popper aus Leer übernimmt die Religionslehrerstelle in Maßbach
(1935)
Anmerkung: Lehrer Ignatz Popper (geb. 25.1.1873 in Ahrensburg) war bis 1935
Lehrer und Kantor an der jüdischen Volksschule und in der Gemeinde in Leer /
Ostfriesland (zuvor in Weener); er war verheiratet mit
Nanette geb. Marx (geb. 1881 in Oberdorf); nach
seiner Zurruhesetzung übernahm Lehrer Popper noch einige Zeit den Unterricht
und die Betreuung der Gemeinde in Maßbach; am 22. November 1941 ist das Ehepaar
Popper von Frankfurt aus nach Kowno (Kauen) deportiert und dort wenige Tage
später ermordet worden. Die beiden Töchter Käthe (geb. 1905 in Lingen) sowie
Lea (geb. 1908 in Weener) wurden gleichfalls
von Frankfurt aus deportiert. Der einzige Überlebende der Familie, Sohn Alfred
(geb. 1911 in Weener) hat 1938 noch in die USA
emigrieren können (gest. 1992 in Falmouth, Maine, USA).
Mitteilungen
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juni
1935: "Stellenbesetzungen: Der Lehrer Hermann Rosental, bisher in
Frankfurt am Main, wurde nach Neumarkt,
der Schulamtsbewerber Färber nach Rockenhausen
berufen. - Der pensionierte Volksschullehrer Popper in Leer übernahm die
Religionslehrerstelle in Maßbach." |
Über jüdische Talmud-Tora-Schulen im 18. Jahrhundert
- in Burgpreppach und Maßbach werden 1766 Schulen gegründet
Bericht von 1938 (!) von Bezirksrabbiner (in Burgpreppach) Saul
Munk
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1938: "’Talmud-Tauroh
limdinas Grabfeld’. Von Bezirksrabbiner Saul Munk in
Burgpreppach.
Am nördlichen
Ende Bayerns, südlich der Rhön, streckt sich eine Ebene hin, die den
Namen Grabfeld führt. Vor Jahrhunderten schon bestanden dort zahlreiche jüdische
Gemeinden. Einen Mittelpunkt unter ihnen bildete schon früh die Gemeinde
in Burgpreppach. Schwer ist es, den Entstehungszeitpunkt dieser Gemeinde
festzustellen. Er soll in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, oder
auch noch früher, liegen. Einen Anhaltspunkt dafür gibt der
traditionelle Fasttag der Gemeinde am Vortrag des Rausch Chaudesch Siwan,
von dessen Ursprung nur noch bekannt ist, dass ein Überfall bewaffneter
Scharen der Gemeinde drohte, und dass mit Hilfe der Schlossherrschaft
diese Gefahr gebannt wurde.
Die älteste – uns bekannte – Urkunde teilt mit, dass die
Schlossherrschaft den Juden Burgpreppachs im Jahre 1681 ein Gebäude als
‚Schul’ (Synagoge) zur Verfügung stellt, weil ‚ihnen die Schul
ziemlich eng wurde’. Ein weiteres Datum ergibt sich aus dem Akrostichon
an der Ostwand der jetzigen Synagoge, welches das Datum des Jahres 5524 =
1764 ergibt. Eine andere Urkunde gibt bekannt, dass der Friedhof im Jahre
1706 angelegt wurde.
Die Gemeinden des Grabfeldes zeigen besonders beispielhaft, wie die Pflege
des Torastudiums als vornehmste Aufgabe der jüdischen Öffentlichkeit
betrachtet wurde. Wir besitzen ein Protokoll, das in Burgpreppach
aufgenommen wurde, und dessen Datum die Jahreszahl 5526 = 1766 aufweist.
Die Beschlüsse einer Versammlung vom 24. Tammus des genannten Jahres sind
da mit folgender Einleitung verzeichnet:
‚An den oben bezeichneten Tage versammelten sich hier in
Burgpreppach Angehörige der ganzen Landschaft zur Gründung von
Thoraschulen in unserer Gegend. Es wurde ein Verein (Chewroh) gegründet.
An die Spitze desselben wurden 18 Männer gestellt; aus diesen wurden
wieder drei Oberbeamte gewählt (Obergabboim), und zwar …. (folgen
Namen). Aus der Menge der angemeldeten Schüler wurden die würdigsten und
fähigsten ausgewählt. Es wurden für diese zwei tüchtige Lehrer
bestellt. Nach dem augenblicklichen Bedürfnisse wurden zunächst zwei
Tora-Schulen gegründet, die eine am hiesigen Platze, die andere in Maßbach’.
Das Protokoll enthält weitere Angaben über die Verteilung der Schüler
auf die beiden Anstalten, über die Finanzierung des Unternehmens durch
Anlage eines Grundfonds, über die Verwaltung der Gelder, über die
Verewigung der Namen der Spender usw.
Der Stiftung wird der Name ‚Talmud-Thauro limdinas Grabfeld’
gegeben.
Im Laufe der Jahre ist der materielle Bestand dieser Stiftung
ziemlich bedeutungslos geworden. Die Zinsen reichten bald nicht mehr zur
Erfüllung der Aufgabe aus. Ein kleiner, materiell unbedeutender Rest hat
sich aber über Krieg und Inflation hinweg erhalten und besteht heute noch
als ‚Grabfelder Judenlandschaftsschulstiftung’.
In Burgpreppach aber ist die Idee, die der Stiftung zugrunde liegt,
seit ihrer Begründung hoch gehalten worden. Reichten die Zinsen der
Stiftung zur Erhaltung einer Schule nicht mehr aus, so flossen reichlich
Spenden, um die Tora-Schule oder eine Lernstätte zu unterhalten. So dürften
seit dem Jahre 1766 fast ununterbrochen in Burgpreppach jüdische Kinder
und Jünglinge ‚Thora’ gelernt haben, sei es in zu diesem Zwecke gegründeten
Schulen, sei es als Schüler der dort amtierenden Rabbiner.
Die letzte Schulgründung erfolgt im Jahre 1875 durch den verewigten
Distriktsrabbiner Abraham Hirsch seligen Andenkens. Damals wurde zur
Erhaltung der Schule ein besonderer Verein gegründet, der heute noch
bestehende ‚Talmud-Thora-Verein’. Nach den Satzungen des Vereins
sollte die Schule ‚gründliches, jüdisches Wissen, innige, gediegene
Religiosität, in Verbindung mit wahrer edler Bildung’ verbreiten.
Die Schule hatte jeweils die Form angenommen, die den Zeitbedürfnissen
und Zeitverhältnissen entsprach. Jahrzehntelang war es eine Präparandenschule,
durch die viele nachmalige Lehrer in Deutschland gegangen sind. Später
wurde eine Bürgerschule angegliedert. Als Bürgerschule hat sich die
Anstalt bis zu ihrer Schließung im Frühjahr 1938 erhalten. Mag die
Tora-Schule in Burgpreppach nur ein winziges Element in der großen Zahl jüdischer
Schulen Deutschlands gewesen sein, so dürfte doch dieses Flämmchen jüdischer
Lehre, das dort 172 Jahre lang brannte, es verdienen, durch diese Zeilen
ganz der Vergessenheit entrissen zu werden." |
Das "Israelitische Unterrichts-Institut" zum
Vorbereitung auf gewerbliche und kaufmännische Berufe (1886)
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Maßbach ein
solches "Unterrichts-Institut". Die Werbung hierfür in der in ganz
Deutschland gelesenen orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit"
zeigt eine gewisse überregionale Bedeutung der Einrichtung an. Bereits Lehrer
Götz Ullmann (gest. 1870, s.u.) bildete Schüler in Maßbach für
kaufmännische Berufe aus. Das Unterrichts-Institut könnte auf ihn
zurückgehen.
Bei dem unterzeichnenden Lehrer H. Goldstein handelt es sich um Hirsch
Goldstein (geb. 1854 in Bischwind, gest. 1929 in Würzburg), der von 1895
bis zu seiner Pensionierung 1913 Lehrer in Heidingsfeld
war. Er war zeitweise Vorsitzender des Israelitischen Lehrervereins für Bayern.
In Maßbach hat er geheiratet (Regina geb. Marx, geb. 1858 Maßbach, gest. 1925
Würzburg), mit der er drei in Maßbach geborene Kinder hatte (Louis (geb.
1881), Alfred (geb. 1882), Max (geb. 1883).
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. März 1884:
"Vorbereitung zum Lehr- und Kaufmannsfache, Unterricht in
fremden Sprachen, Buchführung, kaufmännische Korrespondenz etc. bei H.
Goldstein, Maßbach bei Kissingen. Referenzen erteilen gütigst die
Herren Rabbiner zu Kissingen und Würzburg, sowie die Herren Lehrer des
israelitischen Seminars zu Würzburg." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1886:
"Unterrichts-Institut Maßbach bei Bad Kissingen. Gründliche
Vorbereitung zum gewerblichen und kaufmännischen Beruf. Beginn des
Semesters 2. Mai. Näheres durch den Vorstand H. Goldstein". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1886:
"Israelitisches Unterrichts-Institut Massbach bei Bad Kissingen.
Gründliche Vorbereitung zum sofortigen Übertritt in bürgerlichen und
kaufmännischen Beruf. Billige und gute Pension. Beginn des Semesters 27.
Oktober. Näheres durch H. Goldstein, Vorstand." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Louis David Katzenberger (1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1904:
"Maßbach, 21. November (1904). Die frühe Morgenstunde des Schabbat
wejeze (Schabbat mit der Toralesung 'und es ging hinaus', 19. November
1904) brachte des Erklärers sinniges Wort zum ersten Verse des
Wochenabschnittes 'du gingst als Gerechter hinaus von diesem Ort in das
Land des Wohlgefallens' uns in erschütternder Weise zum
Bewusstsein.
Unser Herr Louis David Katzenberger - Herr Jehuda Sohn des David
HaKohen, des Gelehrten dieser Gemeinde - ist im 66. Lebensjahre nach
einwöchentlichem Krankenlager verschieden und hat dahingenommen der
Gattin Krone, der Familie Glanz, unserer Gemeinde Zierde. Allgemein und
tief ist die Trauer um den Verstorbenen, der, mit allen Vorzügen des
Geistes geschmückt, mit einem Herzen voll reinster Menschenliebe begabt
und mit tatkräftigem Willen ausgerüstet, eine gar seltene Blüte am
Baume edlen Menschentums gewesen.
Echte Religiosität und unvergleichliche Wohltätigkeit, die niemals, aber
auch niemals des Gebens müde wurde, sonnige Heiterkeit, die Frucht wahrer
Bildung und innigen Gottvertrauens, waren seines Wesens uneigne Züge.
Schon seit seinen Jünglingsjahren hatte er an allen die Gemeinde
berührenden Angelegenheiten tätigen Anteil genommen und jederzeit stand
er in vorderster Reihe, wenn es galt, Gutes und Bleibendes zu schaffen.
Jahrzehnte gehörte er der Verwaltung an, 30 Jahre fungierte er als Baal
tekoa (Schofarbläser an den Hohen Feiertagen) und wohl 45 Jahre,
zuletzt noch am verflossenen Jom Kippur (Versöhnungstag), versah
er an den hohen Feiertagen das Vorbeteramt. Welche Weihe umfloss ihn, wenn
er als Sch'tz (Vorbeter) dastand oder als Kohen (aus
dem Priestergeschlecht Stammender) in Mitten seiner Söhne an den
Festtagen den Priestersegen sprach!
Kein Wunder, dass mit der gebeugten, dem Verstorbenen in allem
ebenbürtigen Gattin, mit der Familie die ganze Gemeinde aufs tiefste
ergriffen ist! Diesen Gefühlen der Trauer gaben bei der am Sonntag unter
großer Beteiligung stattgehabten Beerdigung Herr Distriktsrabbiner
Bamberger - Bad Kissingen, Herr Lehrer Nußbaum hier und Herr Lehrer
Goldstein - Heidingsfeld, früher hier, beredten Ausdruck. Wir aber
schließen mit sinnigen Wunsch: 'Er macht verschwinden den Tod für
immer, und es löscht Gott, der Herr die Träne von jeglichem Angesicht'
(Jesaja 25,8)". |
Zum Tod von Fanny Marx, Ehefrau von M. A. Marx (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1915:
"Maßbach (Unterfranken), 8. Februar (1915). Unter großer
Beteiligung von nah und fern wurde hier Frau Fanny Marx zur ewigen Ruhe
bestattet. Mit ihr ist eine wackere Frau in des Wortes schönster
Bedeutung ins Grab gesunken. Der nun vereinsamte Gatte, Herr M.A. Marx,
tief im Sterbezimmer mit tränenerstickter Stimme der so jäh Dahingeschiedenen
heiße Worte des Dankes für die ihm in 38jähriger Ehe erwiesene Treue
und Liebe nach, mit dem Hinweis, dass der jüngste Sohn in den
Schützengräben Nordfrankreichs in dieser Stunde noch keine Ahnung habe
von dem schweren Verlust, der die ganze Familie betroffen hat. Unter
Anlehnung an den Wochenabschnitt schilderte Herr Hauptlehrer Freudenberger
von hier die wahre Frömmigkeit, die Friedensliebe, die Mildtätigkeit,
die Bescheidenheit und die häuslichen Tugenden der Verstorbenen. Im Namen
der Familie widmete Herr Hauptlehrer Marx aus Gunzenhausen der geliebten
Schwägerin einen ehrenden Nachruf. Ihr Andenken bleibt ein gesegnetes. Ihre
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Soldatentod von Moritz Marx (1915)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1915:
"Maßbach (Unterfranken), 15. Juni (1915). Nunmehr hat auch in
der hiesigen jüdischen Gemeinde der schreckliche Krieg ein schweres Opfer
gefordert, das umso schmerzlicher berührt, als dadurch einem auch für
das Wohl der Gesamtheit vielversprechenden jungen Leben so
unerwartet rasch ein Ziel gesteckt wurde. Moritz Marx, Sohn des in weiten
Kreisen bekannten Herrn M. A. Marx dahier, rückte am 11. Mai voll
Gottvertrauen und Zuversicht nach dem Westen ab und schon am darauf
folgenden Heiligen Schabbat wurde er im Schützengraben von einer
feindlichen Granate tödlich getroffen. In ein Einzelgrab gebettet wurde
er von dem Leutnant Krämer, einem pfälzischen Lehrer, mit einem Grabstein
verstehen, doch soll die Überführung, wenn von militärischer Seite kein
Hindernis entgegensteht, in die Heimat und in ein jüdisches Grab
geschehen. Des Heimgegangenen stetes Streben war, dem mustergültigen
Vorbilde im elterlichen Hause gemäß sein Leben zu gestalten und dieses
mit den Vorschriften unserer heiligen Tora in Einklang zu bringen. In
seiner Militärzeit ertrug er öfters lieber Entbehrungen als etwas
Verbotenes zu genießen. Mit guten Stimmmitteln begabt, hat er besonders
an den Ehrfurchtgebietenden Tagen verschiedene Gemeinden durch
seinen Vortrag erbaut (sc. er übernahm zwischen Neujahr und Jom Kippur
im Herbst Vertretungsdienste als ehrenamtlicher Vorbeter). Als
charaktervoller junger Mann, voller Herzensgüte und Hilfsbereitschaft
gegen jedermann, fand er überall Achtung und
Wertschätzung.
Sein früher Tod hat viele Hoffnungen zerstört, namentlich bei seinem
Vater, der in ihm eine zuverlässige Stütze und einen verständnisvollen
Mitarbeiter im Berufe, der zur späteren Übernahme des langbestehenden
Geschäftes bestimmt war, verloren hat. In Verwandten- und Freundeskreis
wird das Andenken unseres Moritz Marx ein dauerndes und gesegnetes sein. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Heinrich Simon (1923)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1923: "Moßbach
(= Maßbach, 31. Januar (1923). Unter sehr großer
Beteiligung der hiesigen Kultusgemeinde und Ortsbevölkerung, sowie einer
stattlichen Anzahl auswärtiger Freunde wurde heute unser ältestes
Gemeindemitglied Heinrich Simon zu Grabe gebracht. Ein Mann von
echt-jüdischer Frömmigkeit, mit einem bescheidenen Sinn und vornehmer
Denkungsart ist mit ihm in das Reich der Ewigkeit gegangen. Bei der
Beerdigung hob Herr Lehrer Neustädter die Verdienste des Verstorbenen
hervor und ermahnte die jüngere Generation, dem frommen Beispiele des
80jährigen zu folgen und ebenso eifrig im Besuche des Gottesdienstes zu
sein, wie es der Senior der Gemeinde bis fast zu seinem Ende gewesen. Mit Simon
ist einer der letzten alten Schlages einer weit bekannten und
echtjüdischen Gemeinde dahingegangen, was einen bemerkbaren Verlust für
das gesamte Judentum bedeutet. Seine Seele sei eingebunden in den Bund
des Lebens". |
Max A. Marx erhält den Chower-Titel (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. März 1921:
"Maßbach, 20. März. Herrn Max A. Marx ist in Anbetracht seiner
mannigfachen Verdienste vom Rabbinate Kissingen der Chower-Titel erteilt
worden." |
Zum 70. Geburtstag von Max A. Marx (1922)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1922:
"Maßbach, 27. August (1922). Vorige Woche feierte Herr M. A. Marx in
voller Rüstigkeit und Arbeitsfreude seinen 70. Geburtstag. Herr Marx ist
dank seiner steten Pflichttreue und seines unbedingten Festhaltens an den
Lehrern von unserer heiligen Tora seiner, wenn auch kleinen
Gemeinde, ein echt jüdisches Vorbild in althergebrachtem Sinne. Er ist
auch darüber hinaus eifriger Förderer edler Bestrebungen und hat es
verstanden, durch seine Gewissenhaftigkeit sich großes Ansehen und
Verehrung auch bei den nichtjüdischen Mitbürgern zu erwerben. Als Mohel
(Beschneider) genießt Herr Marx einen Ruf über sein Bayernland hinaus.
Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange in unserer Gemeinde
zu wirken." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1922: "Maßbach
(Unterfranken), 17. September (1922). Am Freitag, den 1. September,
feierte Herr M. A. Marx dahier, ein in den orthodoxen Kreisen ganz
Deutschlands nicht unbekannter Mann, seinen 70. Geburtstag. Herr Marx ist
Inhaber einer Metzgerei und eines Wurstwarenversandgeschäftes und
überzeugter Jehudi. Das Kissinger Rabbinat würdigte seine Verdienste um
die religiösen und profanen Institutionen der Gemeinde, des Distrikts und
der gesamten Judenheit durch Verleihung des Chawer-Titels. Herr
Marx ist Ausschussmitglied des bayerischen Rates und diverser anderer
Vereinigungen zur Förderung und Erhaltung des traditionellen Judentums.
Seit jungen Jahren übt er die Funktionen eines Mohels (Beschneiders)
unentgeltlich aus. Entbehrungen vieler Art war er dadurch ausgesetzt, aber
er scheute Wind und Wetter nicht, Verluste pekuniärer und ideeller Art,
um diese Mizwoh (göttliche Weisung) zu erfüllen. Wohl 600 oder
noch mehr Knaben wurden von ihm in Abrahams Bund eingeführt. Seit fünf
Jahrzehnten versieht er unentgeltlich das Amt eines Chasan
(ehrenamtlichen Vorbeters) an den ehrfurchtgebietenden Tagen in
prachtvollster Weise, ebenso das Amt eines Bal-Tokeah (Schofarbläsers).
Als infolge der geringen Kinderzahl die bayerische Regierung die
bestehende Elementarschule aufhob, war er es, der unermüdlich dafür
sorgte, dass Maßbach nicht ohne jüdische Lehrer blieb. Die Anlegung
eines Friedhofes in Maßbach ist sein Verdienst. Prüfungen mancher
Art waren ihm auferlegt. Sein unerschütterliches Gottvertrauen ließ ihn
göttliche Fügung hinnehmen und hielt ihn aufrecht. Möge es dem Jubilar
vergönnt sein, noch viele Jahre in gleich geistiger und körperlicher
Frische wie heute im Kreise seiner Enkel zum Segen seiner Familie, der
Interessen der jüdischen Gemeinde Maßbach und des Distrikts und der
gesamten Judenheit zu verbringen." |
Zum Tod von Babette Roßmann (1923)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1923: "Maßbach,
8. Juni (1923). Unter zahlreicher Beteiligung wurde am 7. dieses Monats
Fräulein Babette Roßmann zu Grabe getragen. Der elterlichen Erziehung
und den Grundsätzen der Religion treubleibend hielt sie mit besonderer
Gewissenhaftigkeit auf die Ausübung aller Mizwaus (Gebote). Ein
reiches jüdisches und profanes Wissen befähigte sie zu guten
Ratschlägen und einer angenehmen Gesellschafterin, wodurch sie sich die
Hochachtung und Freundschaft eines großen Kreises erwarb. Ihr
mustergültiges, friedliches Leben im Hause ihrer hier verheirateten Schwester
schilderte Lehrer Neustädter als ganz besonders rühmenswerte
Charaktereigenschaften der Verstorbenen. Möge uns ihr Verdienst
beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von M. A. Marx - langjähriger
Gemeindevorsteher, Beschneider u.a.m. (1924)
vgl. unten Anzeige aus seinem Gewerbebetrieb 1893
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1924:
"Maßbach, 6. März (1924). Einen unersetzlichen Verlust
erleidet die hiesige Kultusgemeinde durch den Heimatgang ihres
langjährigen früheren Vorstandes, Herrn M.A. Marx. Im echt jüdischen
Elternhause nach den alten Traditionen erzogen, hielt er mit peinlicher
Gewissenhaftigkeit alle Mizwot (Gebote) und war er stets bestrebt,
seine Kinder in gleichem Sinne zu erziehen. Seine freie Zeit - nach des
Tages schwerer Arbeit - benützte er schon in Jugendjahren zur Vertiefung
in die jüdischen und profanen Wissenschaften und so konnte er - ein Fall,
der wohl selten dastehen dürfte - als jüdischer Metzger schön im
jüdischen Schrifttum lernen. Als Chasan (Vorbeter, oder sollte
hier wegen dem Nachfolgenden besser Mohel stehen = Beschneider?) ist
Herr Marx in weitesten Kreisen bekannt. 607 Knaben sind von ihm in den Heiligen
Bund eingeführt. Sein Sinn für Wohltätigkeit dürfte einzig
dastehen. Die hiesige Gemeinde, für deren Erhaltung er bis zu seinem Ende
bestrebt war, verdankt seinen Bemühungen ihre sämtlichen, der Neuzeit
entsprechenden, gut erhaltenen Institutionen, sodass ihm aus Anerkennung
seiner Verdienste vor zwei Jahren der Chawer-Titel zuerkannt
wurde." |
Todesanzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März
1924: "Nach langem schweren Leiden wurde uns unser innigstgeliebter
Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr M.A.
Max heute Nacht durch den Tod entrissen. Massbach (Unterfranken), 4.
März 1924. Die tieftrauernden Hinterbliebenen". |
Jubiläum des Fleisch- und Wurstwarengeschäftes von Max A. Marx
(1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1927:
"Maßbach (Unterfranken), 14. Juni (1927). Ein seltenes Jubiläum
konnte am 11. Juni dieses Jahres das Fleisch- und Wurstwarengeschäft M.A.
Marx in Maßbach begehen. Laut vorhandener amtlicher Urkunde vom 11. Juni
1827 erhielt der Großvater des jetzigen Inhabers an diesem Tage die
Konzession zur Ausübung des Metzgergewerbes in
Maßbach." |
Zum Tod von Jeanette Strupp geb. Eisemann (gest. 1928
in Brückenau)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1928: "Brückenau,
20. Mai (1928). Nach kaum vollendetem fünfundsiebzigsten Lebensjahre
verschied hier Frau Jeanette Strupp geb. Eisemann. Von ihrem Geburtsort Maßbach
(Ufr.), woselbst die schlichte, anspruchslose, stets pflichttreue Frau ein
echt jüdisches Haus gründete, siedelte sie in unsere Gemeinde über, die
ihr zur zweiten Heimat wurde. Wechselvoll zwar war ihr Lebensschicksal,
doch ihr Gottvertrauen hielt sie stets aufrecht. Nun hat ihr
arbeitsreiches Leben, das nicht nur zahlenmäßig, sondern mehr dem Inhalt
nach ihm Sinne der 'sieben vollen Wochen' (3. Mose 23,15)
bezeichnet werden darf, einen sanften Abschluss gefunden. Nicht nur im Kreise
ihrer Familie, auch in unserer Gemeinde wird ihr Andenken ein gesegnetes
bleiben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Zum Tod von Felix Heidelberger (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Juni 1935:
"Maßbach (Unterfranken), 13. Juni (1935). Vor kurzem starb hier
Felix Heidelberger im 69. Lebensjahre. Mit ihm ist ein frommer, guter Jehudi
dahingegangen, der seine Kinder in Gemeinschaft mit seiner gleichgesinnten
Gattin zu bewussten Juden erzogen hat. - Am Grabe zeichneten Herr
Hauptlehrer Popper, sowie Herr Kantor Neustädter, Bad Kissingen, das
Lebensbild des Dahingegangenen. Die große Beteiligung bei der Bestattung
zeugte von seinem guten Namen bei all seinen Bekannten. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen
Der Toraschreiber (Sofer) B. Federlein zieht nach Schweinfurt (1867)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1867: "Ich
zeige hiermit an, dass ich nicht mehr in Maßbach, sondern in Schweinfurt,
Brückengasse Nr. 92, wohne und sind beständig Ritualien aller Art (Tefillot,
Machsorim, Chamuschim, Talitim, Tefillin und Messusot) vorrätig bei
mir zu haben. B. Federlein, Sofer (Toraschreiber)." |
Anzeigen der Metzgerei M. A. Marx (1893 / 1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1893: "Koscher.
M. A. Marx, Maßbach, Unterfranken offeriert Koch- und Servelatwurst,
Rauch- und Pökelfleisch, ger. Zungen in bekannter Güte zu billigsten
Preisen. Versand gegen Nachnahme. Referenz Ihre Erwürden die Herren
Rabbiner Bamberger in Bad Kissingen, Buttenwieser in Straßburg im Elsass."
vgl. unten Nachruf zum Tod von M.A. Marx 1924. |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 4. Juni 1903: "Lehrling,
Sohn religiöser Eltern, zum sofortigen Eintritt gesucht.
M.A. Marx, Metzgerei und Wurstwaren, Maßbach
(Unterfranken)." |
Anzeigen der Bäckerei Samuel Eberhardt (1900 / 1901 / 1903 / 1906)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juni 1900: "Suche
für meine Samstags und Feiertage geschlossene Bäckerei einen Gesellen.
Samuel Eberhardt jun., Massbach, Bayern." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1901: Suche
für meine an Samstagen und Feiertagen geschlossene Bäckerei für nach
Pfingsten einen Gesellen. S. Eberhardt junior, Maßbach
(Unterfranken)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1903:
"Suche zum sofortigen Eintritt, oder für sogleich nach Ostern einen
Bäckergesellen.
S. Eberhardt, Maßbach, Unterfranken." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. März 1906:
"Suche für gleich nach Ostern einen Gesellen. Samstags
geschlossen. Samuel Eberhardt, Bäckerei, Massbach in
Unterfranken." |
Anzeige der Metzgerei M. A. Marx, Inh. A. Friedmann (1924)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1924: "Kräftiger
Lehrling von achtbaren Eltern per sofort gesucht. Schabbat und
Feiertag streng geschlossen. M.A. Marx, Inh. A. Friedmann, Metzgerei und
Wurtwaren, Maßbach i.Ufr." |
Heiratsanzeige für Adolf Schäfer und Lina
geb. Marx (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1925: "Adolf
Schäfer und Lina Schäfer geb. Marx. Vermählte. Stuttgart - Reinsburgstr.
110 III und Massbach - Unterfranken. 7. Mai 1925." |
Geburtsanzeige von Fanny und Marga Friedmann (1925)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1925: "Gott
sei gepriesen. Fanny-Marga. Die glückliche Geburt zwei gesunder
Mädels zeigen dankerfüllt an Adolf Friedmann und Frau Dora geb. Marx.
Massbach (Unterfranken), 9. Februar 1925 - 15. Schewat 5685." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge bzw. eine Betstube war spätestens seit der Zeit
um 1700 vorhanden. Zunächst war eine solche Betstube in einem Haus
eingerichtet, das dem Barthel Hunefeldt gehörte. Dann konnte ein Betsaal in
dem kleinen Schloss (Eisenachisches Leben) eingerichtet werden. Kurz vor 1716
wurde eine neue Synagoge erbaut. Aus diesem Jahr ist ein Dokument erhalten,
in dem über
nähere Umstände zum Bau des Gotteshauses berichtet wird: die Herren von Rosenbach
hätten das
Bauholz gegeben hatten, das Gebäude selbst wurde jedoch auf fürstlich
Sachsen-Eisenachischem Grundstück erbaut. 1747 brannte die Synagoge
ab. Trotz des Protestes des evangelischen Pfarrers wurde sie wieder
aufgebaut.
Um 1860 ist die Synagoge umfassend renoviert wurden. Dabei wurden offenbar die
traditionellen Gitter der Frauenempore entfernt, da 1865 der orthodoxe Rabbiner
Bamberger die Gemeinde dazu drängen wollte, die Gitter wieder
anzubringen:
Rabbiner Bamberger möchte die Empore der Synagoge wieder traditionell mit
Gittern versehen (1865)
Anmerkung: Abschnitt aus einem kritischen Artikel in der liberal
geprägten "Allgemeinen Zeitung des Judentums", der sich gegen
orthodox-konservative Bestrebungen richtet, mit denen lierale Reformen
rückgängig gemacht werden sollen.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. August 1865:
"...Mittlerweile haust Bamberger als Verweser im Rabbinatsbezirke wie
ein Pascha. Er stellt eine förmliche Hetzjagd auf alle Synagogen an, die
ihren Frauen eine freie Aussicht in die unteren Räume gestatten. Schon
musste die Gemeinde Unsleben dem durch gerichtliche Maßregeln
unterstützten Ansinnen Bambergers sich fügen und ihre schöne, neue
Synagoge durch Vergitterung der Frauengalerie verunstalten. Und wieder
sucht man die Gemeinde Maßbach, welche wahrlich nicht zu den sogenannten
'Neuen' gehört, jedoch gesunde und vernünftige Elemente in sich birgt,
zu nötigen, ihre kürzlich renovierte Synagoge mit denselben
Tugendwächtern zu versehen. Die stets mit der Hierarchie gepaarte
Orthodoxie liebt nun einmal das Oktroyieren". |
Eine neue Synagoge wurde 1899 eingeweiht. Bis
1938 wurden in ihr Gottesdienste gefeiert. Im Januar 1938 predigte letztmals
Bezirksrabbiner Dr. Menachem Ephraim in der Synagoge.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde
die Synagoge zerstört. Auf Befehl der SA-Standarte Bad Kissingen versammelten
sich am frühen Morgen des 10. November 1938 sämtliche 60 bis 70 Mann der
örtlichen SA und wurden in Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe zerstörte in der
Synagoge Türen, Fenster und Mobiliar. Torarollen wurden zerrissen und zertrampelt.
Eine Anzahl von Ritualien wurde aus der Synagoge geholt und an einen unbekannten
Ort gebracht. Die Toraschrein-Vorhänge und die Silbergeräte, die noch aus den
Anfängen der Gemeinde stammten, wurden vernichtet. Anschließend zogen die
SA-Leute nach Poppenlauer.
Nach dem Pogrom ließ der Bürgermeister die jüdischen Einwohner für die
Reparatur der Synagogenfenster RM 800 bezahlen. Außerdem bot er ihnen an, die
Synagoge für RM 50 zu verkaufen. Das Gebäude selbst blieb erhalten und wurde
zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Poppenlauer Str. 4
Fotos
(Fotos: Foto in der Mitte von Barbara Eberhardt, Erlangen aus www.synagogen.info,
Foto rechts von Jürgen Hanke, Kronach)
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Parochet - Vorhang vor dem
Toraschrein,
gestiftet 1739 für die Synagoge in Massbach
(Quelle: Pinkas Hakehillot s. Lit. S. 508) |
Blick auf das ehemalige
Synagogengebäude |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens
in Bayern. 1988 S. 88. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 507-509. |
 | Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in
Maßbach.
In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 16. Jahrgang
Nr. 85 vom April 2001 S. 16. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in
Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 360-362. |
 | Cornelia Binder und Michael (Mike) Mence: Last Traces /
Letzte Spuren von Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen.
Schweinfurt 1992. |
 | dieselben: Nachbarn der Vergangenheit / Spuren von
Deutschen jüdischen Glaubens im Landkreis Bad Kissingen mit dem Brennpunkt
1800 bis 1945 / Yesteryear's Neighbours. Traces of German Jews in the
abministrative district of Bad Kissingen focusing on the period
1800-1945. Erschienen 2004. ISBN 3-00-014792-6. Zu beziehen bei den
Autoren/obtainable from: E-Mail.
Info-Blatt
zu dieser Publikation (pdf-Datei). |
 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 209-210.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Massbach Lower
Franconia. The community was most likely founded in the early 18th century,
reaching a peak population of 180 in 1837 (total 1,172). In 1830-54, 23 young
bachelors emigrated overseas. A synagogue was constructed in 1899 and a cemetery
consecrated in 1904. In 1933, the Jewish population of 34 suffered from
anti-Jewish agitation and the economic boycott, though Jewish cattle traders
were still active in 1937. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue and Jewish homes were vandalized. Forteen Jews emigrated in 1933-40;
another seven moved to other German cities and eight were deported to Izbica in
the Lublin district (Poland) and the Theresienstadt ghetto in 1942.

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