Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Altenstein (Gemeinde Maroldsweisach, Kreis Haßberge)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen                     
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                     
    
In Altenstein bestand eine jüdische Gemeinde vermutlich bis Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Blütezeit hatte die jüdische Gemeinde in der 2. Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Altenstein auf insgesamt 16 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorsteher genannt (mit neuen Familiennamen, Erwerbszweig und den Familienverhältnissen): Mayer Hirsch Ellroth (Handelsmann, Auszüger; mit Frau und einem Sohn; vermutlich Vater des Moses Meyer in Braunschweig siehe bei der Synagogengeschichte); Wolf Samson Sperrberg (Schmuser, mit Frau, zwei Söhnen und zwei Töchtern), Samuel Mayer Lausbach (Händler mit alten Waren, mit Frau, einem Sohn und zwei Töchtern); Moses Joseph Stern (Viehhändler, mit Frau, einem Sohn und einer Tochter); Mayer Jacob Rosenberg (Warenhändler, mit Frau, einem Sohn und vier Töchtern), Herz Loew Schneidersbach (Schmuser, mit Frau); Moses Selig Plaut (Bücherhändler, mit Frau und einem Sohn), Moses Simon Rodach (Schmuser, mit Frau, einem Sohn und einer Tochter); David Kaufmann (Viehhändler, mit Frau, zwei Söhnen und einer Tochter); Salomon Michael Ellroth (Viehhändler, mit Frau und zwei Töchtern), Wolf Jacob Rosendorn (Viehhändler, mit Frau), Seligmann Kaufmann (Warenhändler, mit Frau),  Loew Levi Nußbaum (Schlachter, mit Frau und zwei Töchtern), Mayer Loew Nußbaum (Viehhändler, mit Frau), Scheu Löw Sonne (Bücher- und Brillenhändler, mit Frau, einem Sohn und einer Tochter).
Auf Martikelstelle 13 (oben noch nicht genannt) waren gemeinsam eingetragen: die Witwe von Loeser Israel Weisach (Viehhändlerin, mit vier Söhnen und drei Töchter) sowie die beiden verwaisten Kinder (Sohn und Tochter) des verstorbenen Viehhändlers Baer Hirsch Baermann (der Sohn Heinrich Bärmann wurde später Lehrer und war im pfälzischen Kindenheim tätig).  
 
In den 1830er-Jahren lebten etwa 70 jüdische Personen in Altenstein (13,7 % von insgesamt 512 Einwohnern, siehe Statistik von 1840 unten).    
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, vermutlich auch eine Religionsschule und ein rituelles Bad (erhalten auf dem Grundstück Pfaffendorfer Gasse 9, jedoch in Privatbesitz und öffentlich nicht zugänglich; siehe Beitrag von Hans-Peter Süss). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ebern beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Bei dem in der Matrikelliste 1817 genannten David Kaufmann wird angemerkt: "Dessen Vater war in Altenstein Judenschullehrer und hat daselbst Schutz vom Gutsherrn erhalten". 
Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Burgpreppach
  
Auf Grund der stark zurückgegangenen Zahl der jüdischen Einwohner wurde die jüdische Gemeinde spätestens Ende des 19. Jahrhunderts aufgelöst.  
   
Von den in Altenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): David Kaufmann (1862), Mathilde Kaufmann (1871), Meier Kaufmann (1866), Clara Stein geb. Kaufmann (1874), Marianna Strauß geb. Kaufmann (1863).         
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden - außer dem zur Synagogengeschichte zitierten Bericht - noch keine Beiträge zur jüdischen Geschichte in Altenstein gefunden.  

   
Über Altenstein 1840     

Aus M. Siebert: Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt. München 1840. S. 388: "Altenstein, ev. Pfarrdorf...  512 Einwohner ... 70 Juden..."          .    

  
  
Berichte zu einzelnen Personen/Familien aus der Gemeinde  
Über die Familie des aus Altenstein stammenden jüdischen Lehrers Heinrich Bärmann (vor allem Lehrer in Kindenheim)
  

Heinrich Bärmann ist in Altenstein als Sohn des Viehhändlers Baer Hirsch geboren, der den Familiennamen Baermann (bzw. Bärmann) angenommen hat. Bei der Erstellung der Matrikelliste 1817 (siehe oben) waren Baer Hirsch Baermann und seine Frau bereits gestorben. Die beiden Kinder - Heinrich und seine Schwester - lebten noch in Altenstein unter Vormundschaft. Immerhin hatte ihnen der Vater das in seinem Besitz stehende Haus hinterlassen. Heinrich konnte sich zum Lehrer ausbilden lassen und kam als solcher - vermutlich spätestens 1830 - in das pfälzische Kindenheim, wo er sich 1831 mit Carolina Strauß verheiratete, die aus einer alten jüdischen Familie des Ortes stammte. Die beiden hatten in den folgenden Jahren zusammen 13 Kinder. Heinrich Bärmann war vermutlich bis zu seinem Tod 1864 Lehrer in Kindenheim.   
Der 1833 geborene Sohn Simon Bärmann war der spätere Gründer und Inhaber der " Bärmannschen Realschule" in Bad Dürkheim. Er leitete die Schule von 1875 bis 1902. Seine Söhne Heinrich und Leopold übernahmen danach die Weiterführung der Schule, bis sie 1922 in die "Realschule Bad Dürkheim" umgewandelt wurde (in Bad Dürkheim erinnern bis heute die Heinrich-Bärmann-Straße und der von der Carl-Orff-Realschule verliehene Heinrich-Bärmann-Preis).  
Einen anderen Sohn, David Bärmann (geboren 1842), wollte die Kindenheimer Gemeinde nach dem Tod des Vaters (1864) als neuen Religionslehrer gewinnen. Doch dieser wanderte nach Nord-Amerika aus."

  
  
  
 
Zur Geschichte der Synagoge   
   
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Anfang des 19. Jahrhunderts konnte die jüdische Gemeinde ein Haus kaufen und 1808 zu einer "schönen Synagoge" (siehe Bericht unten) umbauen (Angabe wurde bestätigt durch die Recherchen von Elisabeth Böhrer [Mitteilung vom 21.7.2011] mit Hinweis auf ein Schriftstück im Staatsarchiv Würzburg vom 30.4.1817)). Die für den Umbau aufgenommenen Schulden von 300 Gulden wurden von dem aus Altenstein stammenden Moses Meyer der Gemeinde ausgeliehen und schließlich - als die Zahl der Gemeindeglieder zurückging - 1848 der Gemeinde erlassen.   

Altenstein Ufr DtrZionswaechter 07031848.jpg (83447 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 7. März 1848: "Burgpreppach. Ein Seitenstück zu dem in No. 5 Ihres geschätzten Blattes mitgeteilten edlen Zuge aus dem Ries, wird hiermit auch von dieser Gegend mitgeteilt, und Euer Wohlgeboren werden gebeten, auch dieser Wohltat ein Plätzchen in den Spalten Ihres vielgelesenen Blattes einzuräumen: 
Die israelitische Kultusgemeinde Altenstein, im diesseitigen Rabbinatsbezirke, hat vor vielen Jahren ein Haus angekauft, welches nunmehr zu einer schönen Synagoge hergestellt ist, und schuldete darauf, 300 Gulden, welche damals zu 5 Prozent aufgenommen wurden.   
Herr Moses Meyer in Braunschweig, der aus Altenstein gebürtig ist, hatte aber vor mehreren Jahren diese Summe als Darlehen hergegeben, damit die Gemeinde nicht mit 5 Prozent zu verzinsen braucht.   
Da er nun erfuhr, dass die Anzahl der Gemeindemitglieder und deren Mittel sich sehr verringert haben, so hat er unterm 30. Januar dieses Jahres seinem Geburtsorte, diese Summe ganz zum Geschenke gemacht. Ehre und Segen diesem Manne!"  

Wie lange in der - auf Grund der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark zurückgegangenen Zahl der jüdischen Gemeindeglieder - Synagoge in Altenstein Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt.     

Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde die Synagoge noch vor 1910 abgebrochen. Auf dem Grundstück in der Wilhelm-Stein-Strasse wurde 1910 die evangelische Kirche des Ortes erbaut.
  
Erinnerungen an die jüdische Geschichte: Im Gidal-Bildarchiv Nr. 2767 (Quelle: Steinheim-Institut) findet sich das Foto eines Torawimpels von 1716 (Leinen mit Seide bestickt), dieser Torawimpel stammt aus der Synagoge in Altenstein. 
       
         

Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Maroldsweisach  
Private Website zu Altenstein  

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 34.
Georg Aumann: Jüdisches Kulturdenkmal in Altenstein/Unterfranken. In: Coburger Geschichtsblätter 9 2001 S. 34-40 (konnte noch nicht eingesehen werden). 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 104-105.  
Franken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Altenstein S. 42-44.      

        
        

                   
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Stand: 18. Februar 2016