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Leutershausen (Kreis
Ansbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
| Neuerscheinung im
Herbst 2011: |
Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg Band
6.
Hrsg. von Gunther Reese, Unterschwaningen 2011. ISBN
978-3-9808482-2-0
Zur Spurensuche nach dem ehemaligen jüdischen Leben in der Region Hesselberg lädt der neue Band 6 der
'Kleinen Schriftenreihe Region Hesselberg' ein. In einer Gemeinschaftsarbeit von 14 Autoren aus der Region, die sich seit 4 Jahren zum
'Arbeitskreis Jüdisches Leben in der Region Hesselberg' zusammengefunden haben, informieren Ortsartikel über Bechhofen, Colmberg, Dennenlohe, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen, Hainsfarth, Heidenheim am Hahnenkamm, Jochsberg, Leutershausen, Mönchsroth, Muhr
am See (Ortsteil Altenmuhr), Oettingen, Schopfloch, Steinhart,
Wallerstein, Wassertrüdingen und Wittelshofen über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden. Am Ende der Beiträge finden sich Hinweise auf sichtbare Spuren in Form von Friedhöfen, Gebäuden und religiösen Gebrauchsgegenständen mit Adressangaben und Ansprechpartnern vor Ort. Ein einleitender Beitrag von Barbara Eberhardt bietet eine Einführung in die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Eine Erklärung von Fachbegriffen, ein Literaturverzeichnis und Hinweise auf Museen in der Region runden den Band mit seinen zahlreichen Bildern ab. Das Buch ist zweisprachig erschienen, sodass damit auch das zunehmende Interesse an dem Thema aus dem englischsprachigen Bereich
abgedeckt werden kann, wie Gunther Reese als Herausgeber und Sprecher des Arbeitskreises betont. Der Band mit einem Umfang von 120 Seiten ist zum Preis von
12,80 €- im Buchhandel oder im Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Mönchsroth, Limesstraße 4, 91614 Mönchsroth, Tel.: 09853/1688 erhältlich
E-Mail: pfarramt.moenchsroth[et]elkb.de. |
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Leutershausen bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15.-17. Jahrhunderts
zurück. Erstmals werden 1440 Juden in der Stadt genannt. Namentlich berichten
die Quellen 1487 von Jacob Jud und Lasserns Jud in Leutershausen.
Aus dem 17. Jahrhundert erfährt man 1618/23 von den Juden David
und Aaron, die mit ihren Familien bereits einige Zeit in Leutershausen leben
konnten. Sie sollten dann nach Colmberg
ziehen, was jedoch dort auf Widerstand stieß. 1659 wurden fünf
jüdische Familien in Leutershausen gezählt.
1691 gab es 16 jüdische Familien am Ort (Bimmel, Abraham Neumark,
Lämblein der Schwarze, Jödel, Lämblein der Rote, Moyses der Dicke, Jakob,
Säckhelein, Chaimb, Abraham der Alte, Isaac, Samuel und Moyses; bis 1714 ging die Zahl auf 13 Familien
zurück. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Familien
zunächst wieder zu, um danach vorübergehend wieder zurückzugehen: 1759 23
Familien, 1791 16 Familien.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1801 29 jüdische Familien, 1809/10 68 jüdische Einwohner (5,6 % von 1.214), 1867 66 (4,7 % von
1.414), 1890 81 (5,2 % von 1.557), 1900 62 (4,3 % von 1.442), 1910 59 (4,2 % von
1408).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1815 werden in Leutershausen auf
insgesamt 27 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände
genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Bernhard Abraham Hartmann
(gest., Stelle wird 1816 durch Isaak Lichtenstadter übernommen,
Schneidermeister), Sussmann Jacob Levi Rosenfeld (Viehhandel), Amson Hessel
(Handel mit alten Kleider und altem Silber), Joseph Mathes Lichtenstatter
(Schmuser), Joseph Meier Asser (Handel mit Spezereiwaren), Samuel Meier Asser
(Handel mit Kleidern, Metall), Haenlein Loew Abraham Hartmann (Viehhandel),
Ephraim Salomon Weil (Schnittwarenhandel), Hajum Marum Hutmann (Schmuser), Loew
Lippmann Guthmann (Schnittwarenhandel), Oser Seckel Feldmann (Schmuser), Salomon
Loew Samuel Weinhardt (Schmuser und Viehhandel), Löw Meier Stein (Schmuser),
Hajum Seckel Herrmann (Schmuser), Simon Seckel Herzfeld (Schmuser, Bijouterie
und Hopfenhandel), Alexander Seckel (Schmuser), Lämmlein Hajum Herrmann
(Garküche), Köhla, Witwe von Joseph Sommer (wird von Sohn ernährt), Joseph
Baer Harris (Schmuser), Fradel, Witwe des Samuel Lazarus Hirschberg (ohne
Gewerbe), Samson Salomon Weil (Tuchhandel), Jacob Sussmann Levi Rosenfeld
(Feldbau).
1869 waren die jüdischen Familienvorstände: Moses Ansbacher,
Samuel Hartmann, Jakob Rosenfeld, Lazarus Stern, Witwe Ellinger, Wolf Rosenfeld,
Lazarus Rosenfeld, Nathan Ansbacher, Gerson Gutmann, Mayer Löwenstein, Salomon
Model, Abraham Weil, Falk Weil, Seckel Wittelshöfer, Isack Weil, S. Weinhard,
Witwe Wilhermsdörfer, Witwe Lichtenstadter.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule,
ein rituelles Bad. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle
unten). Um 1815/20 wird als Vorsänger Löb Samuel Sutro genannt (aus Bruck
bei Erlangen). Weitere Lehrer waren: ab 1828 bis 1872 Salomon Model
(aus Fürth), 1887 bis 1896 Hirsch Oppenheimer, 1900 bis 1902 Lehrer
Friedmann. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Ansbach.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Leutnant Selmar
Ansbacher (geb. 11.6.1889 in Leutershausen, gef. 8.9.1914) und Benno Friedmann
(geb. 19.7.1895 in Schweinshaupten, gef. 9.11.1916). Ihre Namen stehen auf der
Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege vor der Hauptschule neben
einer Brücke über die Bahnhofstraße. Der Name von Benno Friedmann steht auch
auf einer 1921 errichteten Gedenkstätte des "Krieger- und Militärvereins
Leutershausen Jugendwehr" für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges am
Ortsende hinter dem Sportplatz, neben dem Tennisplatz rechts der Straße in
Richtung Wiedersbach/Ansbach.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 54 Personen gehörten (4,0 % von insgesamt
1.357 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Karl Jochsberger und Julius
Enslein-Eschwege. Als Lehrer und Kantor wird ein Herr Ansbach genannt. Er
erteilte damals sechs Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht. Zur Gemeinde
gehörten auch die letzten beiden in Jochsberg lebenden jüdischen Personen. 1932
waren die Gemeindevorsteher Julius Enslein (1. Vors., bis etwa 1935) und Nathan
Jochsberger (2. Vors. und Schatzmeister). Im Schuljahr 1931/32 erhielten noch
fünf Kinder Religionsunterricht. Letzter jüdischer Lehrer und Schächter ein
ein Herr Deutsch.
Anfang der 1930er-Jahre lebten die folgenden jüdischen Familien in der Stadt:
Alexander Ansbacher (Vater des im Ersten Weltkrieg gefallenen Selmar Ansbacher),
Fritz Ansbacher mit Frau Selma und vier Kindern (Anfang der 1930er-Jahre nach
Landshut verzogen), Gustav Ansbacher mit Frau Babette geb. Eckmann und zwei
Söhnen, Heinrich Ansbacher mit Frau Rosa und vier Söhnen (Inhaber eines
Textilien- und Wollgeschäftes), Julius Enslein mit Frau Meta geb. Einstein und
drei Söhnen), ? Gerson mit Frau (Wollhändler), Benno Gutmann mit Frau Hedwig
geb. Ellinger und drei Kindern Nathan, Otto und Karola, Moses Jochsberger, Witwe
Hannchen Jochsberger mit den Kindern Fanni, Berla und Hugo, Ignaz Jochsberger, Nathan
Jochsberger mit Frau Sophie geb. Enslein und Tochter Hilde (Tzipora), Falk Stern mit Frau Fanny geb. Behr und Tochter Paula (verheiratet
mit Louis Kissinger in Fürth; Sohn Henry Alfred Kissinger ist 1922 geboren,
späterer Außenminister der USA).
Im Juli 1932 wurde die Gemeinde Leutershausen verwaltungsmäßig der
Gemeinde in Feuchtwangen angeschlossen,
doch wurde am Ort das eigene Gemeindeleben der Tradition entsprechend
fortgesetzt.
1933 lebten noch 32 jüdische Personen in Leutershausen (2,3 % von insgesamt
1.400 Einwohnern). In
den folgenden Jahren sind alle jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Am 1. Januar 1938 wurden
noch 21 jüdische Einwohner gezählt, nach einem Pogrom am 16. Oktober 1938,
bei dem die jüdischen Wohnungen und die Synagoge überfallen und das Inventar
zerstört wurde, verließen die meisten jüdischen Einwohner in Panik die Stadt
(mehrere wurden auf Veranlassung des Geschäftsführers der jüdischen Gemeinde
nach Nürnberg gebracht). Am 12. Februar 1939 übersiedelte der letzte jüdische
Einwohner nach München.
Von den in Leutershausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Else Sofie Ansbacher
(1914), Max Ansbacher (1921), Nathan Fritz Ansbacher (1889), Selma Ansbacher
(1889), Wilhelm Selmar Ansbacher (1913), Karoline Eckmann geb. Wittelshöfer
(1862), Gerta Einstein geb. Enslein (1890), Sofie Gerson geb.
Strassberger (1867), David Jochsberger (1886), Heinrich Jochsberger (1909),
Ignaz Jochsberger (1887), Nathan Jochsberger (1889), Otto Jochsberger (1926),
Sigmund Jochsberger (1885), Sofie Jochsberger geb. Enslein (1894), Betty
Kaufmann geb. Jochsberger (1889), Jeanette Löwenbaum geb. Weil (1866), Fanny
Meyer geb. Morgenthau (1870), Josef Rosenfeld (1878), Mathilde Schloß (1888),
Klara Sollender geb. Jochsberger (1894), Rosele (Rosalie) Sondhelm geb.
Rosenfeld (1868), Jette Ida Uhlfelder geb. Gutmann (1877), Fanny Weil (1872),
Simon Weil (1874), Rudolf Wittelshöfer (1872).
Hinweis: auch in Leutershausen
(Gemeinde Hirschberg, Rhein-Neckar-Kreis) gab es eine jüdische
Gemeinde.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Berichte
Über die Geschichte der Juden in Leutershausen
(Artikel von 1842)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober
1842: "Leutershausen. In Leutershausen sind nach der
Beschreibung der Stadt und des Amtes Leutershausen, welche der ehemalige
Amtsvogt Wolf Tobias Weiß am 8. November 1757 amtlich gefertigt
hat, die Juden erst seit Anfang des 17. Jahrhunderts ansässig gewesen.
Dem widerspricht jedoch das Stadtbuch, nach welchem schon 1440 Juden mit
vollem Bürgerrechte in Leutershausen vorkommen. Im ersten Jahresbericht
des hiesigen Vereins ist angeführt: im Jahr 1487 waren die Zinsen von den
Leutershauser Juden schon auf zwei, auch drei Pfennige vom Gulden, auf
einen Heller vom Pfund gesteigert, doch blieb es da noch, wo es nach
Stadtrecht gehen sollte, bei drei Hellern. Die Übereinstimmung dieser
verschiedenen Angaben läge vielleicht in der Vertreibung der Juden aus
hiesiger Gegend im 13. Jahrhundert und die neue Ansiedlung derselben zu
Anfang des 17. Jahrhunderts. Daher wird die Aufnahme des ersten fremden
Juden in Leutershausen, 1612 als etwas Bemerkenswertes aufgeführt; daher
gab es noch 1693 Konspirationen gegen die Juden.
In alten Akten findet sich aufgezeichnet: Ein Jud von Grünstadt
in der Grafschaft Leiningen hat seine Pflicht zum Bürgerrecht geleistet
Donnerstag, den 26. August 1612. Ist der erste fremde Jud hier in
Leutershausen gewesen. Die Bürger in Leutershausen haben sich in eine
höchst sträfliche Verbindung gegen die Juden dergestalt eingelassen,
dass nicht allein ein höchst vermessentlicher Aufstand, sondern für die
Juden und ihren Leib Gefahr zu besorgen war. Markgraf Georg Friedrich
erteilte ihnen gegen solche Angriffe einen Schutzbrief 1682. Jetzt (sc.
1842) sind 19 Judenfamilien in Leutershausen, welche eine im Jahr 1755
neu erbaute Synagoge besitzen; die Begräbnisstätten sind zu
Bechhofen." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. September
1842: "Von einer frühzeitig erfolgten Niederlassung der Juden zu
Leutershausen spricht das dortige Stadtbuch, in welchem schon um das Jahr
1440 Juden mit Bürgerrecht aufgeführt sind." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872
/ 1885 / 1900 / 1901/02 (nur Vertretung) / 1907 / 1911 / 1919
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1872:
"Bis 1. Juli wird die Stelle eines Lehrers, verbunden mit der
Funktion eines Schächters und Vorbeters, in hiesiger Gemeinde erledigt.
Der Ertrag besteht in einem Gehalt von 250 Gulden, der Ertrag der
Schechitah mit ca. 150 Gulden, sowie freie Wohnung und Heizung.
Bewerber haben sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den unterfertigten
Kultusvorstand zu wenden.
Leutershausen bei Ansbach, Bayern. S. Wittelshöfer." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1872:
"In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers,
Vorbeters und Schächters zu besetzen. Fixer Gehalt 250 Gulden, Ertrag der
Schechitah und Nebeneinkünfte circa 200 Gulden sowie freie Wohnung und
Heizung. Bewerber haben scih unter Einsendung ihrer Zeugnisse an
unterzeichneten Vorstand zu wenden.
Leutershausen, 22. August 1872. Der israelitische Kultus-Vorstand: S.
Wittelshöfer." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1885:
"Vakante Lehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle.
Am 1. August dieses Jahres erledigt sich in hiesiger Kultusgemeinde die
Lehrer-, Vorsänger- und schächterstelle mit einem fixen Gehalte von Mark
500, Nebenverdienste mit circa 500.- sowie freie Wohnung und Beheizung.
Ledige Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse innerhalb 14
Tagen bei dem Unterzeichneten melden. Leutershausen in
Mittelfranken, 11. Mai.
Falk Weil, Vorstand der israelitischen
Kultusgemeinde." |
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| Zwischen 1887 (Examen an der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt in Würzburg) und Ende 1896 (Anstellung als
Seminarhilfslehrer, Präzeptor) an der Israelitischen
Lehrerbildungsanstalt war als Lehrer in Leutershausen tätig: Hirsch
Oppenheimer. Näheres zu ihm bei Laudenbach;
ein Artikel aus dieser Zeit siehe unten. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1900: Die
israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle in Leutershausen,
mit Filiale Jochsberg, erledigt sich bis zum 15. Juli dieses Jahrs.
Das Einkommen beziffert sich auf 1.200 Mark nebst freier Wohnung und
Heizung. Ferner ist noch Gelegenheit gegeben, in einer Nachbargemeinde den
Religionsunterricht zu erteilen gegen eine Vergütung von 150 Mark. Ledige
Bewerber wollen ihre Gesuche spätestens 15. Mai an den unterfertigten
Kultusvorstand richten.
Leutershausen (Mittelfranken), 23. April (1900).
Max Enslein, Kultusvorstand." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 12. Dezember 1901:
"Gesucht wird für die Monate April, Mai, Juni ein reichsangehöriger
Lehrer zur Vertretung im Religionslehrer-, Schochet- und Vorsängerdienst
bei einem Honorar von 350-400 Mark. Nur religiöse Bewerber belieben ihre
Gesuche baldigst einzureichen an
B. Friedmann, Leutershausen, Mittelfranken." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1902:
"Zur Vertretung im Lehrer-, Schochet- und Vorbeterdienst für
die Monate April, Mai und Juni 1902 wird ein junger Lehrer bei einem
Honorar von 400 Mark gesucht. Religiöse Bewerber belieben sich zu wenden
an
Lehrer Friedmann,
Leutershausen, Mittelfranken." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902:
"Die erledigte Religionslehrer-, Schochet- und Vorbeterstelle Leutershausen
- Jochsberg ist bis spätestens 1. Januar 1903 mit einem ledigen,
seminaristisch gebildeten Herrn zu besetzen. Der Gehalt beläuft
sich auf 14-1500 Mark. Auch ist Gelegenheit geboten, eine Filiale mit zu
übernehmen. Gesuche mit Zeugnisabschriften sind zu richten an
Max Enslein, Kultusvorstand,
Leutershausen, Mittelfranken." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1907:
"Wir suchen für unsere Gemeinde mit Filiale Jochsberg per 15.
September dieses Jahres einen
Vorbeter, Schächter und Religionslehrer.
Gehalt inklusive Nebeneinkommen ca. 14-1500 Mark.
Leutershausen (Bayern).
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1911:
"Lehrer-Gesuch.
Die Kultusgemeinde Leutershausen (Mittelfranken) hat die Stelle
eines
Religionslehrers, Vorbeters und Schochet
sofort zu vergeben. Gehalt Mark 1.300 und ca. Mark 200
Nebenverdienste, freie Wohnung und Heizung.
Reflektanten belieben ihre Gesuche nebst Zeugnisse an den Vorstand Herrn Max
Enslein einzusenden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1919:
"Die israelitische Kultusgemeinde Leutershausen (Mittelfranken)
mit Filiale Colmberg, sucht zum
sofortigen Eintritt einen
Religionslehrer, Vorbeter und Schächter.
Festes Gehalt Mark 2.000.- Garantiertes Nebeneinkommen Mark 500. Wohnung,
Beheizung, elektrisches Licht frei. Für volle Kost ist pro Monat Mark 60
zu zahlen. Nur ledige, seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich unter
Beifügung von Zeugnissen melden.
Falk Stern, Vorstand." |
Artikel des jüdischen Lehrers Hirsch Oppenheimer (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1891: "Die
Stellung der israelitischen Schulen und ihrer Lehrer in Bayern. Von Hirsch
Oppenheimer.
Leutershausen, im Februar 1891. Der israelitische Volksschullehrer,
der 'Elementarlehrer', genießt in Bayern dem israelitischen
Religionslehrer gegenüber mancherlei Vorteile, die der Natur der Sache
nach dem Letzteren ebenso gut zu Gute kommen sollten, wie dem
ersteren..."
Artikel wird nicht abgeschrieben, da es keine direkten Bezüge zur
jüdischen Geschichte in Leutershausen gibt. |
Aus dem jüdischen
Gemeindeleben
Kurz vor Beginn der NS-Zeit: der "Stürmer"
hat es auf die Leutershausener Juden abgesehen (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1931: "Nürnberg.
Der in Nürnberg erscheinende 'Stürmer' sah es besonders auf die Juden im
fränkischen Städtchen Leutershausen ab. Die gegen sie
losgelassenen schweren Beschimpfungen und Verleumdungen wurden in
Massenauflagen in der Gegend verbreitet und in jedes Haus bis zum letzten
Dorfe getragen, sodass sich die Juden der Ortschaft kaum noch
hinaustrauten. Die Juden erhoben Anklage, und der Redakteur Holz wurde vom
Amtsgericht zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Auf seine Berufung wurde
vom Landgericht die Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe von 600 Mark
umgewandelt. Die 'Wahrheitsbeweise des 'Stürmers' werden in der
Begründung als gescheitert bezeichnet, trotzdem wurden ihm
unerklärlicherweise mildernde Umstände zugesprochen." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Lina Weil geb. Schön (aus Forth, gest. in Leutershausen 1877)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1878:
"Nachruf! Am 19. Tewet (= 25. Dezember 1877) starb dahier im
Alter von 33 Jahren die Frau Lina Weil geb. Schön aus Forth. Welchen
herben Verlust erlitt leider ihre Familie dadurch, welches schmerzliche
Bedauern rief dieses sowohl bei ihrer Familie, als auch bei jedem Andern
ohne Unterschied der Konfession hervor? Denn nicht nur das Glück ihrer
Familie lag ihr am Herzen, sondern auch das Wohl eines jeden erfreute sie.
Sie führte nicht nur ein echt jüdisch-häusliches Leben, sondern sie gab
auch den Armen, sie speiste die Hungrigen. Der Allgütige möge ihr dafür
seinen wohltuenden Frieden verleihen, er gebe ihr die selige Ruhe, welche
sie wohl verdient hat.
Leutershausen, im Schwat 5638". (Januar 1878) |
Hinweis auf Tzipora (Hilde) Jochsberger (geb. 1920 in
Leutershausen)
Die anerkannte Spezialistin für jüdische
Musik (Erzieherin, Komponistin) Dr. Tzipora H. Jochsberger
ist 1920 als Hilde Jochsberger in Leutershausen geboren. Ihre Eltern
Nathan Jochsberger und Sophie geb. Enslein wurden nach der Deportation in
der NS-Zeit ermordet. Dr. Jochsberger war von 1952 bis 1986 Founding
Director des Kaufman Center
[früher: Hebrew Arts School] in New York. 1986 schuf sie in Israel "The
Israel Music Heritage Project" und erstellte unter anderem zehn
Videos "A people and its Music" über die Musik der
verschiedenen jüdisch-ethnischen Gruppen in Israel (dazu mehr im Beitrag
von Sara Hershenson s.u.).
Foto links: privat.
- Einen Beitrag zu ihrem 90. Geburtstag in Jerusalem im Dezember 2010
verfasste Alexander von Papp: online
eingestellt (pdf-Datei).
- Von Alexander von Papp erschienen auch ein Beitrag in der
"Jüdischen Allgemeinen" vom 3. Februar 2011: "Für Laien
und Kinder. Musiktherapeutin Tzipora Jochsberger ist 90" (Link
zum Artikel) sowie ein Artikel in der "Main-Post" vom 19.
Dezember 2011 "Zum 90. Geburtstag von Tzipora Jochsberger: Würzburg
bleibt ihr unvergessen" (Link
zum Artikel).
- Weiterer Beitrag von Sara Hershenson: Musicologist gives rich
legacy to Israel. Beitrag
in jweekly.com vom 12. Januar 2001. |
| Weiterer Hinweis auf den Beitrag: Carol K. Ingall:
Hava N'halela - Tzipora Jochsberger and Her Vision for the Hebrew Arts
School. In: The Women who reconstructed American Jewish Education,
1910-1965, ed. by Carol K. Ingall. Brandeis University Press, Waltham/MA.
2010. S. 188-203. |
Hinweis auf die aus Leutershausen stammende Mutter des
ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger: Paula Kissinger geb. Stern
(1901-1998)
Rechts: Artikel über einen Besuch
von
Henry Kissinger in Leutershausen
im "Mitteilungsblatt der Stadt Leutershausen/Mittelfr." vom 21.
Mai 2010
(erhalten von Alexander von Papp)
Zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken |
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Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum vorhanden. 1719 war er in
einem jüdischen Wohnhaus eingerichtet. In diesem Jahr kaufte die Judenschaft
das Gebäude. Allerdings war das Gebäude damals bereits in schlechtem Zustand.
Der jüdischen Gemeinde wurde die Auflage gemacht, möglichst bald eine neue
Synagoge zu erbauen. Durch Reparaturen des bisherigen Gebäudes konnte der
Neubau einige Zeit hinausgeschoben werden.
Zum Bau einer Synagoge südlich der markgräflichen Zehntscheune erhielt die
jüdische Gemeinde am 4. Januar 1751 die herrschaftliche Erlaubnis. 1755
konnte sie eingeweiht werden.
Nach 1840 erfolgte eine umfangreiche Außen- und Innen-Reparatur des
Gebäudes. Für die Reparaturkosten wurden insgesamt 753 Gulden veranschlagt,
die von den Gemeindegliedern nicht aufgebracht werden konnten. Vom König wurde
im Dezember 1841 die Durchführung einer Kollekte bei allen jüdischen Gemeinden
im Königreich Bayern genehmigt. Die im Laufe des Jahres 1842 durchgeführte
Kollekte erbrachte 347 Gulden. Der restliche Betrag war von den jüdischen
Familien zu erbringen beziehungsweise durch einen Kredit
aufzunehmen.
180 Jahre lang war das Gebäude Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens
in der Stadt.
Im Oktober 1935 wurden aus der Synagoge einige
Gegenstände geraubt. Während der Jüdischen Feiertage Ende September/Anfang
Oktober 1938 versuchte die Stadtverwaltung, die noch am Ort lebenden
jüdischen Personen zu zwingen, die Synagoge für wenige Mark zu verkaufen, ihre
Häuser aufzugeben und den Ort zu verlassen. Am 14. Oktober wurden die Fenster
eines jüdischen Wohnhauses und die der Synagoge eingeschlagen. In der Nacht vom
16. Oktober 1938 wiederholten sich die Ausschreitungen unter Beteiligung
zahlreicher Einwohner. Die jüdischen Häuser wurden überfallen, der Hausrat
zerschlagen und die Bewohner misshandelt. Etwa 40 bis 50 Personen brachen in die
Synagoge ein und zerstörten das gesamte Inventar einschließlich der
Ritualien.
Das beschädigte Synagogengebäude blieb erhalten und wurde nach 1945 zu einem
Wohnhaus umgebaut, das bis heute erhalten ist.
Adresse/Standort der Synagoge: Untere
Marktgasse 6 (1932:
Marktgasse 36)
Fotos
(Quelle: historische Innenaufnahme von Theodor Harburger,
veröffentlicht in Pinkas Hakehillot s.u. S. 313 und in ders.: Die
Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Bd. 2 1998 S.
379. die Pläne und das sw-Foto der Synagoge aus Stimpfig s. Lit. S. 40.41.95)
| Die Synagoge in
Leutershausen |
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Historischer Stadtplan mit
Eintragung
des Synagogenstandortes |
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Historische Innenaufnahme
von 1928: Blick zum Toraschrein |
Die ehemalige Synagoge als
Wohnhaus
(Aufnahme von 1990) |
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| Wohnungen der jüdischen
Familien in Leutershausen 1920er-/1930er-Jahre |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 195-196. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 166; 1992² S. 175 |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 313-314.
|
 | Karl Ernst Stimpfig: Die Juden in Leutershausen,
Jochsberg, Colmberg und Wiedersbach. Eine historische Dokumentation. 1999.
Private Taschenbuchausgabe 2005.
|
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Leutershausen S.
404-415. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Leutershausen Middle
Franconia. Jews were present with full civil rights in the mid-15th century.
They lived there again in 1520-40 and from 1612. In 1890 they numbered 81 and in
1933, 32 (total 1.400), mostly engaged in the cattle trade. In October 1938, the
synagogue was twice vandalized and Jewish homes were wrecked. By February 1939
all the Jews had left the town.

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