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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Leutershausen (Gemeinde Hirschberg,
Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
An dieser Seite wird noch
gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In Leutershausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird
1553
"Jacob Jud zu Luttershausen" genannt. Die Aufnahme von Juden im Ort war bis zum
Anfang des 19. Jahrhunderts Angelegenheit der Grafenfamilien, an die der Ort von
der Kurpfalz verliehen war. Um 1700 gab es drei jüdische Haushaltungen; 1750
werden 24 volljährige Juden am Ort genannt, darunter "der Judenrabbiner".
Die höchste
Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1864 mit 165 Personen erreicht. Die jüdischen Familien
lebten überwiegend vom Handel mit Vieh und Textilwaren.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (Israelitische Volksschule von 1858 bis 1876 im Haus
Mittelgasse 15, in dem sich auch die Wohnung des jüdischen Lehrers befand)
sowie ein rituelles Bad (1923 neu erbaut hinter dem Haus Vordergasse 13, Anwesen
Kraft). Die Toten der jüdischen
Gemeinde wurden in Hemsbach beigesetzt. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1827 wurde
die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt.
Auf den Gefallenengedenktafeln in der Bahnhofstraße stehen auch die Namen der beiden jüdischen Gefallenen des Krieges 1870/71 und der beiden jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus
Leutershausen.
Um 1930 gab es am Ort
noch mehrere Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Familien / Personen,
insbesondere: Metzgerei Abraham Eppsteiner (Hauptstraße 6), Metzgerei Isaak Eppsteiner (bis 1924,
Bahnhofstraße 3), Viehhandlung Max Harburger (Hauptstraße 29), Viehhandlung Rudolf Harburger
(Hauptstraße 19), Schuhgeschäft und Kohlenhandlung Alfred Schriesheimer
(Hauptstraße 1), Viehhandlung Eugen Straßburger (Hauptstraße 41), Lebensmittelhandlung Flora Straßburger
(Hauptstraße 35), Viehhandlung Julius Straßburger (Hauptstraße 33), Hausierhandel Sara Straßburger (Mittelgasse 21).
1933 lebten noch 43 jüdische Personen in Leutershausen. Auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien sind die meisten von ihnen in der Folgezeit aus- oder
abgewandert.
1937 wurde die Gemeinde aufgelöst:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1937:
"Mannheim. Das 'Jüdische Gemeindeblatt Mannheim' berichtet, dass in
Leutershausen das religiöse Leben ein Ende gefunden hat und dass auch die
Jüdische Gemeinde in Ladenburg in ihrem Bestande bedroht ist...." |
Von den in Leutershausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Finke geb.
Schriesheimer (1875), Meta Fischer geb.
Schriesheimer (1871), Berta Glaser geb. Schriesheimer (1871), Berthold Hamburger
(1870), Helene J. Hess geb. Kaufmann (1863), Leopold Hirsch (1876), Regine Marx
(1867), Rosa Mendel geb. Haarburger (1879), Mathilde Schloss geb. Haarburger
(1888), Abraham Schriesheimer (1888), Albert Schriesheimer (1888), Berthold
Schriesheimer (1879), Emma Schriesheimer (1888), Max
Schriesheimer (1877), Meta Schriesheimer (1874), Klara Stern geb. Schriesheimer (1868), Grete Stiefel geb.
Strassburger (1898).
Hinweis: auch in Leutershausen
(Kreis Ansbach) gab es eine jüdische Gemeinde.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1885
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1842:
"In der israelitischen Gemeinde Leutershausen ist die Stelle eines
Religionslehrers, Schächters und Vorbeters sofort zu besetzen. Fixer
Gehalt 500 Mark, 3-400 Mark Nebenverdienst. Fähige Bewerber wollen sich
beim Unterzeichneten melden.
Leutershausen, 14. September 1885. Der Kultus-Vorstand. Gustav Gutmann." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Eine erste Synagoge (Betsaal)
bestand im 18./19. Jahrhundert zunächst im Gebäude Hauptstrasse 1. Dieses Haus
war bereits um 1722 im Besitz des Mayer Levi. Wann in den folgenden Jahren in
diesem Haus der Betsaal eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Vom 18.
beziehungsweise 21. Mai 1781 datiert ein Vertrag zwischen den Kindern der Jüdin
Bela geb. Lazarus und der Judenschaft zu Leutershausen. Laut diesem Vertrag
verkaufte der Landrabbiner Hirsch Moyses (= Naftali Hirsch Moses
Katzenellenbogen) aus Mannheim namens der Kinder der Jüdin Bela die in ihrem
Wohnhaus "bis dahero gewesene und gehaltene Judenschul, wie sie solches bis dato
innen gehabt, sowohl für das männliche als weibliche Geschlecht samt einem
darinnen sich befindenden Kämmerlein" an die Leutershausener Judenschaft "zu
einer immerwährenden Schul" für eine Summe von 130 Gulden, nebst zwei großen
französischen Talern als Trinkgeld. Die Hausbesitzer verpflichteten sich, den
Betsaal auch künftig im Dachwerk in trockenem und gutem Zustand zu erhalten und
den gewöhnlichen, bisherigen Eingang ungestört zu belassen und alle sonstigen
Lasten und Beschwerden zu tragen. Bis 1868 wurden in diesem Haus Gottesdienste
gefeiert.
Das Gebäude blieb in jüdischem Besitz bis 1937. Mit
Kaufvertrag vom 8. September 1937 verkaufte damals Alfred Schriesheimer das
Anweisen ("zweistockiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller und zweistöckiges
Nebenhaus mit Zimmer und Stallung") für 10.000 Mark an die Gemeinde
Leutershausen. Seit 1952 ist das Haus wieder in Privatbesitz und bis heute
erhalten.
Eine neue Synagoge wurde 1867/68 am "Schriesheimer
Tor" in der Hauptstrasse 27 erbaut. Nach der Urkunde der Grundsteinlegung gab es
damals einschließlich der Witwen 34 "Familienhäupter" in Leutershausen.
Bereits 1862 hatte die jüdische Gemeinde, vertreten durch Lazarus Mayer, Jonas
Straßburger und Lazarus Kaufmann, zwei Grundstücke für 816 beziehungsweise
411 Gulden beim Schriesheimer Tor erworben. Die Pläne zum Synagogenbau stammten
von dem Mannheimer Philipp Schmitt, der auch die Bauleitung innehatte. Die
Grundsteinlegung war am 22. Mai 1867. Handwerker aus Leutershausen und Umgebung
waren am Bau beteiligt. 8.500 Gulden waren zu bezahlen, die durch freiwillige
Spenden, durch Vermächtnisse, Kollekten, Opfergaben und durch Zuschüsse aus
der israelitischen Gemeindekasse aufgebracht wurden. Unter den Spendern war
Emanuel Neu aus Lützelsachsen, der in seinem Testament 1.000 Gulden für die
Synagoge in Leutershausen bestimmte. Neu war Ende 1862 gestorben. Er bestimmte,
dass ein Jahr lang nach seinem Tod morgens und abends das Totengebet für ihn in
der Synagoge gesprochen werden sollte. Jeweils an seinem Sterbetag solle das
Totengebet gemeinsam vom Bezirksrabbiner und dem Vorsänger gesprochen werden,
wofür diesen zehn bzw. ein Gulden zu bezahlen sei. Unter großem Zustrom von
Festgästen konnte am 4. September 1868 die Einweihung der Synagoge
gefeiert werden. Auch danach hatte die israelitische Gemeinde noch einige Jahre
an den Schulden zu bezahlen. Der 1870 verstorbene Handelsmann Mayer Mayer
vermachte der Synagoge 500 Gulden, die nach dem Tod seiner Witwe im April 1885
ausgezahlt werden konnten. Von dieser Summe konnte wiederum ein Teil der
Schulden bezahlt werden.
Bis Anfang 1938 blieb die Synagoge Zentrum der jüdischen
Gemeinde in Leutershausen. Mit Vertrag vom 4. Mai 1938 ging das Gebäude in den
Besitz der politischen Gemeinde über. Dadurch blieb es vor der Zerstörung in
der Pogromnacht im November 1938 bewahrt. Ab Mitte 1942 wurde das Gebäude als
Kriegsgefangenenlager und Lazarett verwendet, nach 1945 als Konservenfabrik,
Wohnstätte, Lager und Druckerei. 1950 war es der Jewish Restitution Successor
Organisation (JRSO, New York) übertragen worden, die es ihrerseits an das Land
Württemberg-Baden weiterverkaufte. 1955 ging das Gebäude in Privatbesitz über;
1985 wurde es von der Gemeinde Hirschberg erworben. Eine Gedenktafel wurde am 9.
November 1988 angebracht mit der Inschrift: "Wir gedenken unseren jüdischen
Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die in den Jahren 1933 bis 1945 der
nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zum Opfer fielen. Ihr Leid soll uns
Mahnung und Verpflichtung sein". Nach Kauf des Gebäudes durch die Gemeinde
Hirschberg wurde die Fassade des seit 1972 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes
gestrichen; weitere Veränderungen unterblieben, solange im Haus noch die
Druckerei arbeitete. Nach Betriebsaufgabe der Druckerei beschloss der
Gemeinderat von Hirschberg, das Gebäude der ehemaligen Synagoge zu sanieren und
für kulturelle Veranstaltungen umzubauen. Die Planung des Umbaus beinhaltete
die Wiederherstellung des ursprünglichen Raumes der Synagoge mit Empore und
Raumhöhe bis zum Dach sowie die angemessene Wiederherstellung der alten Fensteröffnungen
mit Haupteingang von der Strasse. Für den Umbau wurden mehr als 800.000 € aus
öffentlichen Mitteln des Landes und der Gemeinde bereitgestellt. Der Umbau
geschah unter Leitung des Architektenteam von Götz Diesbach (Weinheim). Am 10. November
2001 konnte die ehemalige Synagoge als "Haus der Kultur und Begegnung" wiedereröffnet
werden.
Fotos
1. Alte Synagoge/Betsaal im Haus
Hauptstraße 1:
| Das Gebäude um 1985 (Fotos: Hahn) |
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Gebäude Hauptstraße 1 |
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Neue Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2003)
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2. Synagoge in der Hauptstraße 27
Historisches Foto:

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Synagoge als Postkartenmotiv
(um 1900) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/ Taddey s.Lit. Abb.127) |
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Seiten- und Hinteransicht des Gebäudes |
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Fotos um 1985
vor der Restaurierung:
(Fotos: Hahn; sw-Fotos 1984; Farbfoto im August 1988) |
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Straßenansicht der ehemaligen Synagoge |
Seitenansicht
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Eingangsbereich |
Im Sommer 1988 ist das Haus
für erste Instandsetzung an der Fassade eingerüstet |
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Fotos 2001 nach der Restaurierung
(Quelle: Arbeitskreis ehemalige Synagoge Leutershausen) |
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Synagoge Leutershausen nach Abschluss der Renovierung |
Innenansicht der renovierten Synagoge |
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Fotos 2003
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 30.7.2003) |
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Frontansicht der ehemaligen
Synagoge |
Seitenansicht |
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| Eingangsbereich |
Seitenansicht |
Gedenktafel an der Synagoge |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 177f. |
 | Alte Synagoge Leutershausen. Haus der Kultur und Begegnung.
Gemeinde Hirschberg a.d.B. 2001. hierin insbesondere der Beitrag von: |
 | Rainer Gutjahr: Zur Geschichte der Juden in Leutershausen (Auszug
eines Beitrags für das Heimatbuch). S. 11-26. |
 | ders.: Der israelitische Elementarunterricht im badischen Leutershausen an
der Bergstraße zwischen dem "Judenedikt" von 1809 und der
Einführung der Simultanschule 1876. In: Gerhard Fritz (Hrsg.):
Landesgeschichte und Geschichtsdidaktik. Festschrift für Rainer Jooß (=
Gmünder Hochschulreihe Nr. 24). Schwäbisch Gmünd 2004 S. 53-71.
Dieser Aufsatz ist auch online zugänglich:
hier
anklicken |
 | Art. "Ehemalige Synagoge soll restauriert
werden", in: "Weinheimer Nachrichten" vom 11. November 1978
(Nr. 260). |
 | Verschiedene Presseartikel 2001/02, u.a. Art. "Von der
sanierten Synagoge schwärmen alle", in: Mannheimer Morgen vom
22.3.2002.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Leutershausen
Baden. Jews are mentioned in the mid-16th and early 18th century. The community
grew to 150 in 1871 (of a total 1,411), with an elementary school opened in 1858
and a synagogue in 1862. Jews sat on the village council and participated in
local social life. Toward midcentury some were artisans and successful farmers.
In 1933, 32 remained. All left by March 1939.
Of the 13 Jews (1933) in the attached community of Luetzelsachsen,
where nearly 100 Jews had lived in the early 19th century, seven were deported
to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, five perishing.

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