Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Leutershausen (Gemeinde Hirschberg, Rhein-Neckar-Kreis) 
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November 2014: Ein neues Mahnmal wird eingeweiht   
Leutershausen Mahnmal-700.jpg (90942 Byte) Voraussichtlich am 9. November 2014 wird vor der ehemaligen Synagoge in Leutershausen ein neues Mahnmal eingeweiht, das den 27 in der Zeit des Holocausts umgekommenen jüdischen Personen aus Leutershausen gewidmet sein wird. Das Denkmal wurde von der Mannheimer Künstlerin Myriam Holme gestaltet. 
Weitere Informationen: http://www.arbeitskreis-synagoge-leutershausen.de/mahnmal.htm 
Artikel im morgenweb.de vom 17. Februar 2014: 
http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/regionale-kultur/gegen-das-vergessen-1.1404600
   
Bitte um Spenden für das Mahnmal: Das Mahnmal kostet insgesamt 15.000 €. Durch Spenden aus der Bevölkerung sollen 6.600 € finanziert werden. Der Arbeitskreis trägt 5.000 € bei, die Gemeinde Hirschberg 3.400 €. Mit Ihrer Spende helfen Sie, die Erinnerung an jüdische Mitbürger zu bewahren. 
Das Konto des Arbeitskreises Ehemalige Synagoge Leutershausen: 
Volksbank Kurpfalz H + G Bank  Konto 524 323 08  BLZ 672 901 00
IBAN:  DE3967 2901 0000 5243 2308   BIC:  GENODE61HD3
Bitte geben Sie auf Ihrer Überweisung das Stichwort 'Mahnmal' an.
Eine Spendenquittung erhalten Sie auf Wunsch zu (bitte Anschrift angeben). 

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)       
    
In Leutershausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1553 "Jacob Jud zu Luttershausen" genannt. Die Aufnahme von Juden im Ort war bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Angelegenheit der Grafenfamilien, an die der Ort von der Kurpfalz verliehen war. Seit 1701 war der Ort an die Familie des pfälzischen Kanzlers Franz Melchior von Wiser verliehen. Von ihr wurden jüdische Familien erneut aufgenommen, nachdem 1692 von einem Centschreiber noch berichtet wurde, es habe "niemals" ein Jude im Ort gewohnt.  
  
Um 1700
gab es drei jüdische Haushaltungen. Seit 1715 war die Familie des Handelsmannes Mayer Levi im Dorf nachweisbar, von der 1728 das Haus Hauptstraße 1 erworben wurde (siehe bei der Synagogengeschichte). 1750 werden 24 volljährige Juden am Ort genannt, darunter "der Judenrabbiner". 1790 wurden 73 jüdische Einwohner gezählt.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner wie folgt: 1825 103 jüdische Einwohner (8,5 % von insgesamt 1.212 Einwohnern), Höchstzahl um 1864 mit 165 Personen, 1871 150 (10,6 % von insgesamt 1.411), 1875 135 (9,0 % von 1.494), 1885 132 (8,6 % von 1.540), 1900 68 (3,9 % von 1.720), 1910 63 (3,4 % von 1.829). Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh, Getreide und Textilwaren. Im 19. Jahrhundert gab es auch jüdische Handwerker und einen jüdischen Wirt am Ort.     
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule von 1858 bis 1876 im Haus Mittelgasse 15, in dem sich auch die Wohnung des jüdischen Lehrers befand) sowie ein rituelles Bad (1923 neu erbaut hinter dem Haus Vordergasse 13, Anwesen Kraft). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Hemsbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern sind bekannt: Moses Münzesheimer (ab 1844; erster Lehrer an der Israelitischen Volksschule), Benjamin Meerapfel (1851 bis 1857), Benedikt Rosenhain (Rosenheim, Rosenheimer, Rosenhainer; 1857 bis 1860; 1859 bei der Einweihung der Synagoge in Birkenau genannt), Heinrich Marx (1861 bis nach 1876; unterrichtete 1867 32 Kinder), M. Kaufmann (bis um 1885), Samson Lehmann (ab 1886), Bernhard Weil (1890 bis 1895) sowie als letzter jüdischer Lehrer der Gemeinde von 1919 bis 1936 Meier Heller. 
   
1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt.    
     
Auf den Gefallenengedenktafeln in der Bahnhofstraße steht auch die Namen der beiden jüdischen Gefallenen des Krieges 1870/71 und des jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Leutershausen: Leo Mayer (geb. 3.10.1899 in Leutershausen, gef. 1.8.1918). 
Hinweis: die bei Hundsnurscher s. Lit. S. 178 genannten jüdischen Gefallenen  Selmar Ansbacher und Benno Friedmann waren im mittelfränkischen Leutershausen beheimatet.       
  
Um 1930 gab es am Ort noch mehrere Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Familien / Personen, insbesondere: Metzgerei Abraham Eppsteiner (Hauptstraße 6), Metzgerei Isaak Eppsteiner (bis 1924, Bahnhofstraße 3), Viehhandlung Max Harburger (Hauptstraße 29), Viehhandlung Rudolf Harburger (Hauptstraße 19), Schuhgeschäft und Kohlenhandlung Abraham/Alfred Schriesheimer (Hauptstraße 1), Viehhandlung Eugen Straßburger (Hauptstraße 41), Lebensmittelhandlung Flora Straßburger (Hauptstraße 35), Viehhandlung Julius Straßburger (Hauptstraße 33), Hausierhandel Sara Straßburger (Mittelgasse 21).   
   
1933 lebten noch 43 jüdische Personen in Leutershausen. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sind die meisten von ihnen in der Folgezeit aus- oder abgewandert. Insgesamt 24 jüdische Einwohner konnten in die USA emigrieren, fünf nach Palästina und zwei nach Argentinien. Eine jüdische Frau starb noch vor Beginn der Deportationen in Leutershausen.     
  
1937 wurde die Gemeinde aufgelöst :    

Leutershausen Israelit 28101937.jpg (50360 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1937: "Mannheim. Das 'Jüdische Gemeindeblatt Mannheim' berichtet, dass in Leutershausen das religiöse Leben ein Ende gefunden hat und dass auch die Jüdische Gemeinde in Ladenburg in ihrem Bestande bedroht ist...."

Von den in Leutershausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", abgeglichen mit der Darstellung von E. Schnurr s. Lit., der den Lebensweg der einzelnen Personen in der NS-Zeit präzise beschreibt): Rosa Finke geb. Schriesheimer (1875), Meta Fischer geb. Schriesheimer (1871), Sophie Gerson geb. Straßburger (1867), Berta Glaser geb. Schriesheimer (1871), Berthold Hamburger (1870), Meier Heller (1869), Helene Johanna Hess geb. Kaufmann (1863), Leopold Hirsch (1876), Regine (Rachel) Marx (1867), Rosa Mendel geb. Haarburger (1879), Mathilde Schloss geb. Haarburger (1888), Abraham Schriesheimer (1873), Albert Schriesheimer (1888), Berthold Schriesheimer (1879), Emma Schriesheimer (1888), Henriette Schriesheimer geb. Maas (1874), Max Schriesheimer (1877), Meta Schriesheimer (1874), Klara Stern geb. Schriesheimer (1868), Fritz Stiefel (1888), Grete Stiefel geb. Straßburger (1898).
   
Hinweis: auch in Leutershausen (Kreis Ansbach) gab es eine jüdische Gemeinde.    
         
         
         
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
    
Ausschreibung der Lehrerstelle an der neu errichteten öffentlichen israelitischen Schule in Leutershausen (1844)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 10. Februar 1844  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Dienstantrag.
Durch Beschluss großherzoglicher Regierung des Unterrheinkreises vom 15. November vorigen Jahres Nr. 29412 wurde bei der israelitischen Gemeinde Leutershausen, Amtsbezirks Weinheim, eine öffentliche Schule errichtet, die mit dem Vorsängerdienste vereinigte Lehrstelle in die erste Klasse gesetzt und das Schulgeld für jedes Schulkind auf 48 Kreuzer bestimmt.   
Die berechtigten Bewerber um diese mit einem festen Gehalte von 140 fl. nebst freier Wohnung, einem Schulgeld von 48 Kreuzern für jedes Schulkind und den Nebengefällen des Vorsängerdienstes verbundene Lehrstelle werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen unter Anfügung ihrer Aufnahmescheine und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel nach Maßhabe der Verordnung vom 7. Juli 1816 (Regierungsblatt Nr. 38) durch die betreffenden großherzoglichen Bezirksschulvisitaturen bei großherzoglicher Bezirksschulvisitatur Weinheim binnen sechs Wochen sich zu melden. 
Karlsruhe, den 28. Januar 1844.  
Großherzoglicher Oberrat der Israeliten. Schulkonferenz. Der Ministerialkommissär. Christ.   Epstein."      

  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1885 

Leutershausen Israelit 16091842.jpg (54953 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1885: "In der israelitischen Gemeinde Leutershausen ist die Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Vorbeters sofort zu besetzen. Fixer Gehalt 500 Mark, 3-400 Mark Nebenverdienst. Fähige Bewerber wollen sich beim Unterzeichneten melden. 
Leutershausen, 14. September 1885. Der Kultus-Vorstand. Gustav Gutmann."   

        
Moses Münzesheimer von Rohrbach wird Lehrer und Vorsänger in Leutershausen (1844)      

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 1. Juni 1844  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  "Dienst-Nachrichten. Die mit dem Vorsängerdienst verbundene Lehrstelle an der neu errichteten öffentlichen Schule bei der Pfarreigemeinde Leutershausen im Unterrheinkreise wurde dem Schulkandidaten Moses Münzesheimer von Rohrbach übertragen."   

      
Zum Tod von Lehrer Moses Münzesheimer (1892; 1844 bis 1851 Lehrer in Leutershausen)
Moses Münzesheimer war vor seiner Zeit in Leutershausen Lehrer in Sennfeld, nach seiner Zeit in Leutershausen bis 1878 Lehrer in Neidenstein. Er starb 1892 in Worms.   

Neidenstein Israelit 18021892.jpg (89020 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1892: "Worms. Am Freitag hat man dahier einen Mann zu Grabe getragen, dessen Tod, besonders im Großherzogtum Baden, seinem früheren Wirkungskreise, recht viele Teilnahme erwecken wird. Es ist dies Moses Münzesheimer, Hauptlehrer in Pension. Derselbe gehörte noch zu denjenigen Lehrern, welche unter Nahholz das Seminar in Rastatt besuchten. Münzesheimer bekleidete die Schulstelle zu Sennfeld, Leutershausen und schließlich zu Neidenstein, Bezirksrabbinat Heidelberg. An letzterem Ort wirkte er eine lange Reihe von Jahren als öffentlicher Lehrer und Kantor. Wie die Kreisschulvisitatur Mosbach sich stets in der anerkennendsten Weise über die Leistungen Münzesheimers als Elementarlehrer aussprach, so war dies auch mit seinen Leistungen als Religionslehrer der Fall. Als im Jahre 1878 die Kommunalschulen in Baden allgemein eingeführt wurden, wurde er pensioniert. Er übersiedelte alsdann hierher, wo schon einige Jahre vorher, mehrere seiner Kinder sich selbständig gemacht hatten. Trotz seiner 74 Jahre war der Verstorbene ein so rüstiger, körperlich und geistig frischer Greis, dass er noch die Absicht hatte, sich in Heidelberg einer Augenoperation zu unterziehen. Montag Abend wohnte er noch wie alltäglich dem Abendgottesdienste an; Mittwoch beendete ganz unerwartet ein Herzschlag sein leben. Bei seiner Beerdigung, die unter großer Beteiligung stattfand, schilderte Rabbiner Dr. Stien in beredter Weise das Leben des Hingeschiedenen, indem er dabei in meisterhafter Weise, das Bild eines treuen und tüchtigen Lehrers entrollte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. R."      


Benjamin Meerapfel wechselt als Lehrer von Diedelsheim nach Leutershausen (1851)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 13. September 1851 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit dem Vorsängerdienste verbundene Lehrstelle an der israelitischen Volksschule in Leutershausen, Amtsbezirks Weinheim, wurde dem Schulkandidaten Benjamin Meerapfel, bisherigen Religionsschullehrer und Vorsänger bei der israelitischen Gemeinde Diedelsheim, Amtsbezirk Bretten, übertragen".      


Über Lehrer Bernhard Weil (1890 bis 1895 Lehrer in Leutershausen)  
(zu Bernhard Weil Angaben bei Furch/Ziemer s.Lit. bei Kirn S. 19 und E. Schnurr s. Lit. S. 31-32)  

Eichstetten Weil Bernhard 010.jpg (14708 Byte)Bernhard Weil ist am 19. Juni 1868 in Eichstetten als Sohn von Isaak Weil und Pauline geb. Rotschild geboren. Er war verheiratet mit Julie (Julia) geb. Strauß aus Karlsruhe (geb. 30. März 1873). Bernhard Weil ließ sich zum Lehrer und Kantor ausbilden und war als solcher von 1890 bis 1895 in Leutershausen, von 1908 bis 1939 in Kirn tätig. In Leutershausen ist noch der Sohn Kurt Hermann Weil am 26. November 1895 geboren (s.u.). Am 27. Februar 1939 meldete sich das Ehepaar von Kirn ab und verzog am 1. März nach Karlsruhe Wilhelmstraße 36. Das Ehepaar wurde am 22. Oktober 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert. Von hier aus kam Bernhard Weil nach Noé, wo er umgekommen ist. Seine Ehefrau wurde aus einem Lager befreit und konnte in die USA emigrieren, wo sie im Alter von 95 Jahren im Juni 1968 in Atlantic City, NJ gestorben ist.
Angabe im Karlsruher Gedenkbuch zu Bernhard Weil.  
Der in Leutershausen geborene Sohn - Kurt Hermann Weil - ist am 2. Januar 1992 gestorben. Er war Pilot im Ersten Weltkrieg- Sein seinem Studium war Kurt Hermann Weil Mitarbeiter bei der Flugzeugfirma Junkers in Dessau,  Anfang der 1930er-Jahre war er leitender Konstrukteur bei Junkers, wo er eng mit Prof. Hugo Junkers in der Konstruktion der Ju-52 zusammenarbeitete. 1933 ist er nach England emigriert; Hintergrund für die Emigration war vermutlich die Teilenteignung seines Arbeitsgebers (und Freundes?) Hugo Junkers 1933 durch die Nationalsozialisten. 1938 kam Kurt Hermann Weil in die USA, wo er bei General Motors arbeitete. Nach 1945 halt er dem Verteidigungsministerium bei der Organisation der Berliner Luftbrücke. Er war als Professor in den USA und als Gastprofessor an der Technischen Universität Berlin tätig.   
Artikel zu seinem Tod in der "New York Times" vom 8. Januar 1992 .  
Die Enkelin von Bernhard Weil - Kathleen Weil-Garris Brandt (geb. 1934) ist Professorin an der New York University.
Artikel in Dictionary of Art Historians zu Kathleen Weil-Garris Brandt    

            
Über Lehrer Meier Heller (1919 bis 1936 Lehrer in Leutershausen)  

Leutershausen Heller 010.jpg (33013 Byte)Lehrer Meier Heller (auf dem Foto links mit seiner Frau Rickchen - Quelle: Schnurr s. Lit. S. 20) ist am 22. Juli 1869 in Pretzfeld geboren. Er war verheiratet mit Ricka (Rickchen) Heß, die am 9. Juli 1856 in Hintersteinau geboren ist. Meier Heller war von 1919 bis 1936 als Lehrer in Leutershausen tätig. Er genoss hohe Achtung am Ort und war ein führendes Mitglied in Leutershausener Vereinen. Das Ehepaar lebte im Haus der israelitischen Schule in der Mittelgasse 15. Im Juni 1936 verzogen beide nach Fulda und wohnten zuletzt im Altersheim der dortigen Gemeinde. Frau Heller starb am 5. November 1939 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Fulda beigesetzt. Meier Heller wurde am 7. September 1942 über Kassel nach Theresienstadt deportiert, wo er bereits am 19. September 1942 umgekommen ist. (Angaben nach Schnurr s. Lit. S. 20).        
 
Lehrer Meier Heller wird 1922 bei der Einweihung der Gefallenengedenktafel in Schriesheim genannt:
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1922: "Schriesheim, 7. Mai (1922). Am 1. Pessachtag fand hier die Einweihung der Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen drei Söhne der hiesigen Gemeinde statt. Die Gedenktafel wurde von den Angehörigen der Gefallenen gestiftet und umfasst die Namen: Leopold Oppenheimer, Bernhard Marx und Abraham Fuld. Herr Lehrer Heller aus Leutershausen hielt eine ergreifende Gedächtnisrede."  

    
    
Weiteres Dokument  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries; zusätzliche Angaben gleichfalls von Peter K. Müller)   

Postkarte an den Synagogenrat 
in Leutershausen aus Karlsruhe (1874) 
Leutershausen Dok 1304.jpg (264072 Byte) Leutershausen Dok 1304a.jpg (251766 Byte)

Die Zwei-Kreuzer-Postkarte (Ganzsache) mit Poststempel Carlsruhe - Bahnhof, 25.5.74 wurde "An den löblichen Synagogenrath" in Leutershausen bei Ladenburg von Raphael Wormser aus Karlsruhe verschickt. Der Text der Karte: 
Hiermit beehre ich mich einem löblichen 
Synagogenrath den Empfang der an 
Herrn Oberrath Altmann gesandten 
16,47 Gulden als Ergebnis einer Collecte in der 
dortigen isr. Gemeinde für die Nothleidenden in 
Palästina anzuzeigen.
Carlsruhe 24 May 1874 Ergebenst
Raphael Wormser. 

Raphael Wormser und Oberrat Altmann waren beide Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft Karlsruhe. Josef Altmann (1818-1874 ) war Stiftsrabbiner in Karlsruhe von 1849 - 1874 und Mitglied des Oberrats der Israeliten Badens. Raphael Wormser (ca. 1839-1901) war Gemeindevorsteher (Parnass) und Mohel der Israelitischen Religionsgesellschaft Karlsruhe.     

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge              
    
Eine erste Synagoge (Betsaal) bestand im 18./19. Jahrhundert zunächst im Gebäude Hauptstrasse 1. Dieses Haus war bereits um 1722 im Besitz des Mayer Levi. Wann in den folgenden Jahren in diesem Haus der Betsaal eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Vom 18. beziehungsweise 21. Mai 1781 datiert ein Vertrag zwischen den Kindern der Jüdin Bela geb. Lazarus und der Judenschaft zu Leutershausen. Laut diesem Vertrag verkaufte der Landrabbiner Hirsch Moyses (= Naftali Hirsch Moses Katzenellenbogen) aus Mannheim namens der Kinder der Jüdin Bela die in ihrem Wohnhaus "bis dahero gewesene und gehaltene Judenschul, wie sie solches bis dato innen gehabt, sowohl für das männliche als weibliche Geschlecht samt einem darinnen sich befindenden Kämmerlein" an die Leutershausener Judenschaft "zu einer immerwährenden Schul" für eine Summe von 130 Gulden, nebst zwei großen französischen Talern als Trinkgeld. Die Hausbesitzer verpflichteten sich, den Betsaal auch künftig im Dachwerk in trockenem und gutem Zustand zu erhalten und den gewöhnlichen, bisherigen Eingang ungestört zu belassen und alle sonstigen Lasten und Beschwerden zu tragen. Bis 1868 wurden in diesem Haus Gottesdienste gefeiert. 
      
Das Gebäude blieb in jüdischem Besitz bis 1937. Mit Kaufvertrag vom 8. September 1937 verkaufte damals Alfred Schriesheimer das Anweisen ("zweistockiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller und zweistöckiges Nebenhaus mit Zimmer und Stallung") für 10.000 Mark an die Gemeinde Leutershausen. Seit 1952 ist das Haus wieder in Privatbesitz und bis heute erhalten.  
   
Eine neue Synagoge wurde 1867/68 am "Schriesheimer Tor" in der Hauptstrasse 27 erbaut. Nach der Urkunde der Grundsteinlegung gab es damals einschließlich der Witwen 34 "Familienhäupter" in Leutershausen. Bereits 1862 hatte die jüdische Gemeinde, vertreten durch Lazarus Mayer, Jonas Straßburger und Lazarus Kaufmann, zwei Grundstücke für 816 beziehungsweise 411 Gulden beim Schriesheimer Tor erworben. Die Pläne zum Synagogenbau stammten von dem Mannheimer Philipp Schmitt, der auch die Bauleitung innehatte. Die Grundsteinlegung war am 22. Mai 1867. Handwerker aus Leutershausen und Umgebung waren am Bau beteiligt. 8.500 Gulden waren zu bezahlen, die durch freiwillige Spenden, durch Vermächtnisse, Kollekten, Opfergaben und durch Zuschüsse aus der israelitischen Gemeindekasse aufgebracht wurden. Unter den Spendern war Emanuel Neu aus Lützelsachsen, der in seinem Testament 1.000 Gulden für die Synagoge in Leutershausen bestimmte. Neu war Ende 1862 gestorben. Er bestimmte, dass ein Jahr lang nach seinem Tod morgens und abends das Totengebet für ihn in der Synagoge gesprochen werden sollte. Jeweils an seinem Sterbetag solle das Totengebet gemeinsam vom Bezirksrabbiner und dem Vorsänger gesprochen werden, wofür diesen zehn bzw. ein Gulden zu bezahlen sei. Unter großem Zustrom von Festgästen konnte am 4. September 1868 die Einweihung der Synagoge gefeiert werden. Auch danach hatte die israelitische Gemeinde noch einige Jahre an den Schulden zu bezahlen. Der 1870 verstorbene Handelsmann Mayer Mayer vermachte der Synagoge 500 Gulden, die nach dem Tod seiner Witwe im April 1885 ausgezahlt werden konnten. Von dieser Summe konnte wiederum ein Teil der Schulden bezahlt werden.  
       
Bis Anfang 1938 blieb die Synagoge Zentrum der jüdischen Gemeinde in Leutershausen. Mit Vertrag vom 4. Mai 1938 ging das Gebäude in den Besitz der politischen Gemeinde über. Dadurch blieb es vor der Zerstörung in der Pogromnacht im November 1938 bewahrt. Ab Mitte 1942 wurde das Gebäude als Kriegsgefangenenlager und Lazarett verwendet, nach 1945 als Konservenfabrik, Wohnstätte, Lager und Druckerei. 1950 war es der Jewish Restitution Successor Organisation (JRSO, New York) übertragen worden, die es ihrerseits an das Land Württemberg-Baden weiterverkaufte. 1955 ging das Gebäude in Privatbesitz über; 1985 wurde es von der Gemeinde Hirschberg erworben. Eine Gedenktafel wurde am 9. November 1988 angebracht mit der Inschrift: "Wir gedenken unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die in den Jahren 1933 bis 1945 der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zum Opfer fielen. Ihr Leid soll uns Mahnung und Verpflichtung sein". Nach Kauf des Gebäudes durch die Gemeinde Hirschberg wurde die Fassade des seit 1972 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gestrichen; weitere Veränderungen unterblieben, solange im Haus noch die Druckerei arbeitete. Nach Betriebsaufgabe der Druckerei beschloss der Gemeinderat von Hirschberg, das Gebäude der ehemaligen Synagoge zu sanieren und für kulturelle Veranstaltungen umzubauen. Die Planung des Umbaus beinhaltete die Wiederherstellung des ursprünglichen Raumes der Synagoge mit Empore und Raumhöhe bis zum Dach sowie die angemessene Wiederherstellung der alten Fensteröffnungen mit Haupteingang von der Strasse. Für den Umbau wurden mehr als 800.000 € aus öffentlichen Mitteln des Landes und der Gemeinde bereitgestellt. Der Umbau geschah unter Leitung des Architektenteam von Götz Diesbach (Weinheim). Am 10. November 2001 konnte die ehemalige Synagoge als "Haus der Kultur und Begegnung" wiedereröffnet werden.         
   
   
   
Fotos              
   
1. Alte Synagoge/Betsaal im Haus Hauptstraße 1:

Das Gebäude um 1985  
(Fotos: Hahn)
Leutershausen Synagoge a03.jpg (58723 Byte) Leutershausen Synagoge a02.jpg (91139 Byte)
  Gebäude Hauptstraße 1
   
Das Gebäude im Sommer 2003 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2003)
Leutershausen Synagoge a014.jpg (45382 Byte) Leutershausen Synagoge a015.jpg (62234 Byte)
     
     
Das Gebäude im März 2010 
(Foto: Michael Ohmsen) 
Leutershausen Synagoge 410.jpg (338107 Byte)
  (für Anfragen zur Verwendung des Fotos: E-Mail des Fotografen, Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)   
Bei dem eingestellten Foto handelt es sich um ein hochauflösendes Foto 
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb)
     

    

2. Synagoge in der Hauptstraße 27    

Historische Abbildung: 
Leutershausen Postkarte.jpg (99755 Byte)  
  Die Synagoge als Postkartenmotiv 
(um 1900)
 
     
     
Fotos nach 1945/Gegenwart:    
Die ehemalige Synagoge um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/ Taddey 
s.Lit. Abb.127)
Leutershausen Synagoge 050.jpg (69834 Byte)  
  Seiten- und Hinteransicht des Gebäudes  
     
Die ehemalige Synagoge um 1985
vor der Restaurierung:
(Fotos: Hahn; sw-Fotos 1984; 
Farbfoto im August 1988)
Leutershausen Synagoge 102.jpg (50318 Byte) Leutershausen Synagoge 101.jpg (90902 Byte)
  Straßenansicht der ehemaligen Synagoge Seitenansicht
       
    Leutershausen Synagoge 100.jpg (81146 Byte) Leutershausen Synagoge 180.jpg (67840 Byte)
   Eingangsbereich Im Sommer 1988 ist das Haus für 
erste Instandsetzungen an der 
Fassade eingerüstet
 
     
        
Die ehemalige Synagoge nach 
der Restaurierung 2001 
(Quelle: Arbeitskreis 
ehemalige Synagoge Leutershausen)
Leutershausen01.jpg (148628 Byte) Leutershausen02.jpg (111545 Byte)
       Synagoge Leutershausen nach 
Abschluss der Renovierung 
 Innenansicht der 
renovierten Synagoge
       
Die ehemalige Synagoge 
im Sommer 2003
(Fotos: Hahn; 
Aufnahmedatum 30.7.2003)
Leutershausen Synagoge 152.jpg (42702 Byte) Leutershausen Synagoge 153.jpg (46527 Byte)
  Frontansicht der ehemaligen Synagoge Seitenansicht
     
Leutershausen Synagoge 154.jpg (43273 Byte) Leutershausen Synagoge 151.jpg (41500 Byte) Leutershausen Synagoge 150.jpg (34098 Byte)
Eingangsbereich Seitenansicht  Gedenktafel an der Synagoge
      
         
Die ehemalige Synagoge 
im
März 2010
(Foto: Michael Ohmsen)
Leutershausen Synagoge neu 510.jpg (355744 Byte)
  (für Anfragen zur Verwendung des Fotos: E-Mail des Fotografen, 
Fotoseite: www.panoramio.com/user/2867083/tags/Judaica)   
Bei dem eingestellten Foto handelt es sich um ein hochauflösendes Foto 
(bitte anklicken, Dateigröße 0,7 mb) 
       
Erinnerungen - andernorts entdeckt   Nochern Friedhof 162.jpg (227112 Byte)  
  Grabstein auf dem Friedhof von Nochern für 
Rosa Strassburger, geb. 16.1.1875 in
 Leutershausen, gest. 9.2.1927 
 
     

   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Juni 2010: Vorstellung des Buches von Erhard Schnurr (s.Lit.)   
Artikel von Annette Schröder in der Rhein-Neckar-Zeitung vom Juni 2010 (Artikel): "Schicksale bekommen Gesichter. 
Hirschberg
. Das Schiff lag im Winter 1941/42 sechs Wochen lang vor New York, und auch die jüdische Familie Schriesheimer konnte in dieser Zeit nicht an Land gehen. Die USA fürchtete etwa zwei Monate nach der Kriegserklärung Deutschlands Spione. Zuvor hatte die Familie rund um Julius Schriesheimer, der in Leutershausen geboren wurde, schon eine schlimme Odyssee hinter sich. Von Mannheim aus wurde sie gemeinsam mit anderen badischen Juden nach Gurs deportiert. Dann lebten sie im Lager "Camp des Milles", zwischen Aix-en-Provence und Marseille, bis sie schließlich in die USA auswanderten. Dies ist eines vieler Schicksale, die Professor Erhard Schnurr in seinem Buch "Die Juden aus Großsachsen und Leutershausen in der nationalsozialistischen Verfolgung" beleuchtet. Herausgeber des 70 Seiten starke Werkes ist der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen, dem der in Hirschberg lebende Schnurr seit 2000 angehört. Der Arbeitskreis hat auch die Druckkosten übernommen, wobei er hierfür finanzielle Unterstützung von der Bürgerstiftung und der Gemeinde erhält. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagte Arbeitskreis-Vorsitzender Dr. Michael Penk. 
Er betonte, dass es keine kommerziellen Absichten gebe, sondern einfach eine gute Arbeit dokumentiert werde. Das Buch, das ab Mittwoch, 16. Juni, erhältlich ist, kostet 9,80 Euro. 
Am gleichen Tag wird es auch eine offizielle Buch-Vorstellung um 20 Uhr in der Ehemaligen Synagoge Leutershausen geben. Bürgermeister Manuel Just wird ein Grußwort sprechen. In einer Art Interview gibt Schnurr dann Auskunft über sein Werk und beantwortet im Anschluss Fragen. 
Gestern gewährte er, der früher als Oberarzt und später in der Pharmaforschung tätig war, erste Einblicke in seine Arbeit und in das Werk (Auflage: 500 Exemplare). Auf die Idee kam der 73-Jährige, weil er festgestellt hatte, dass kaum etwas über die Schicksale jüdischer Familien aus Leutershausen und Großsachsen bekannt war. Zu Beginn der Deportationen hätten keine Juden mehr in den beiden damals noch eigenständigen Gemeinden gelebt. 
Dennoch gab es auch unter den aus Leutershausen und Großsachsen stammenden Juden Shoa-Opfer (Shoa (hebräisch): Katastrophe, großes Unglück) - insgesamt 26. Sie wurden aus anderen Orten deportiert. Auch an dieses Leid erinnert das Buch, führt Namen auf ebenso wie historische Fakten, Lebensgeschichten und Bilder. Allein durch einen Brief einer ehemaligen jüdischen Einwohnerin aus dem Jahr 1953 an den damaligen Leutershausener Bürgermeister Herbert Kunkel gab es ein paar Informationen. Doch Schnurr forschte weiter - mit dem Ziel, die Geschichte der Menschen zu rekonstruieren, damit ihre Schicksale "ein Gesicht bekommen". Er sah sich die alten Geburtsregister der Gemeinden an, bekam weitere Einzelheiten durchs Internet, Wiedergutmachungsakten oder alte Fragebögen aus dem Hauptstaatsarchiv in Stuttgart.
So konnte er in seinem Buch auch aufführen, dass 165 Juden im Jahr 1864 in Leutershausen lebten, das waren immerhin elf Prozent der Bevölkerung. In Großsachsen waren es dagegen nur 37 Juden im Jahr 1871. In den darauffolgenden Jahren wanderten die Juden allerdings mehr und mehr ab - von den Dörfern in die Städte. Denn dort waren die Verdienstmöglichkeiten für die im Handel tätigen besser, erklärte Schnurr. Im Jahr 1933 - quasi zu Beginn der Nazi-Zeit - lebten nur noch 43 Juden in Leutershausen und 13 in Großsachsen. Heute sei ihnen kein einziger in Hirschberg lebender jüdischer Mitbürger bekannt, sagten die Mitglieder des Arbeitskreises Ehemalige Synagoge. 
Aber es gibt Kontakte zu Nachfahren und sogar einer Zeitzeugin, die die grausame Epoche des Nationalsozialismus überlebt hat. Mit der 98-jährigen Rosalie Schriesheimer, verheiratete Straßburger, die in einem Altersheim in New York lebt, hatte Schnurr Kontakt. "Wir haben auf Englisch angefangen, und dann hat sie Kurpfälzer Dialekt gesprochen", erinnerte sich der 73-Jährige. 
Info: Buch "Die Juden aus Großsachsen und Leutershausen in der nationalsozialistischen Verfolgung" von Prof. Erhard Schnurr, Herausgeber: Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen, Preis: 9,80 Euro, erhältlich ab Mittwoch, 16. Juni, bei Buchhandlung Korsch, Großsachsen, Schreibwaren Schuhmann, Großsachsen und Schreibwarenhandel Schulz, Leutershausen. Kontakt über www.arbeitskreis-synagoge-leutershausen.de. Das Buch ist auch erhältlich bei der Vorstellung am 16. Juni um 20 Uhr in der Ehemaligen Synagoge Leutershausen."
  
Oktober 2010: Gedenkveranstaltung zur Deportation nach Gurs im Oktober 1940  
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 25. Oktober 2010 (Artikel): "Man wusste davon, aber man redete nicht darüber. 
Hirschberg-Leutershausen.
(aste) In den frühen Morgenstunden des 22. Oktober 1940 wurden über 6500 badische, pfälzische und saarländische Juden in das südfranzösische Internierungslager Gurs und von dort später in die Vernichtungslager im Osten deportiert. Zu einer Gedenkveranstaltung lud der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen in die frühere Synagoge ein. 
Vor voll besetztem Haus schilderte Erhard Schnurr, der sich seit über zehn Jahren intensiv mit dem Schicksal der hiesigen Juden beschäftigt, in einem bewegenden Vortrag die menschlichen Schicksale. Von den 22 Leutershausener und Großsachsener Juden, die im Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden, sind acht dort gestorben, sechs wurden in Auschwitz ermordet. Zwei von ihnen konnten in Frankreich untertauchen und überleben und sechs über Gurs in die USA auswandern. Über die Deportierung durfte damals in den Medien nichts berichtet werden. Doch Fotos belegen, wie Menschen tatenlos zugesehen haben, als die Juden in Militärlastwagen und Eisenbahnzüge verladen wurden. 
Man wusste davon, aber man redete nicht darüber. Es war ein kleiner Kreis von Verantwortlichen, der diese Deportation inszeniert hat. Die französischen Behörden waren von der Übergabe von neun Zügen mit deutschen Juden völlig überrascht und standen vor der Frage, wohin mit all den Menschen. Gurs im Südwesten des damals unbesetzten Frankreichs war ein kleines Nest mit 300 Einwohnern - in einer menschenleeren Gegend, ohne jede Infrastruktur. Dort existierte bereits ein Internierungslager, 1939 ursprünglich für spanische Flüchtlinge gebaut und lediglich als Kurzzeitlager geplant. Als im Oktober 1940 Juden aus Baden und der Südpfalz dazukamen, befanden sich 10 500 Menschen im Lager - darunter viele alte Menschen und Kinder. 
Es herrschten katastrophale Zustände. Das Lager war auf die Versorgung so vieler Menschen nicht eingerichtet. Die Wasserversorgung war unzureichend, Lebensmittel rationiert. Erschreckende Fotos zeigen die bis auf das Skelett abgemagerten Menschen, die gegen ausbrechende Krankheiten keine Chance hatten. Die hygienischen Verhältnisse waren verheerend, es gab nur Latrinen, eine mangelhafte ärztliche Versorgung, keine Medikamente.
Der Winter 1940/41, einer der strengsten des Jahrhunderts, kostete 880 Menschen das Leben - sie starben an Hunger, Durchfall, Lungenentzündung, Meningitis. Das Lager war errichtet auf einem lehmigen Schwemmland. Durch die vielen Niederschläge versank alles im Morast, befestigte Wege gab es nicht. Fotos zeigen unvorstellbare Zustände, wie alte Menschen durch tiefsten Schlamm waten. Betten gab es keine. Die Menschen schliefen auf Stroh, das nur alle paar Wochen erneuert wurde. Immerhin waren Hilfssendungen in das Lager Gurs möglich. Aus den USA und der Schweiz kamen viele Pakete. Ohne diese externe Hilfe hätten die Menschen in Gurs nicht überleben können. 
Die Lagerverwaltung sah ein, dass Gurs so viele Menschen auf Dauer nicht fassen konnte und so wurden die Insassen auf Nebenlager verteilt. Eine Flucht aus dieser Hölle war nur mit falschen Papieren über die Schweiz oder Spanien möglich. Offiziell auswandern konnten die, die ein Ausreisevisum hatten. Von den vielen Kindern, die in Gurs untergebracht waren, haben viele in Kinderheimen und französischen Familien überlebt, bevor im August 1942 die Deportationen von Gurs in die Vernichtungslager im Osten begannen. 
Dort starben weitere 2650 der 6500 nach Südfrankreich deportierten Juden. Monika Stärker-Weineck und Professor Joachim Maier warfen auch ein Schlaglicht auf die Schicksale der neun Schriesheimer Juden, die 1940 nach Gurs verschleppt wurden."
       
Dezember 2010: Gedenkstein für die aus Leutershausen umgekommenen jüdischen Personen geplant    
Artikel von "hr"in den "Weinheimer Nachrichten" vom 9. Dezember 2010 (Artikel): "Gedenkstein für Opfer des Holocaust
Hirschberg. 2010 nannte Professor Erhard Schnurr in seinem Buch die 27 aus Hirschberg stammenden Juden, die Opfer des Holocaust wurden. 2011 will der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge diese Erinnerungsarbeit fortsetzen. Denn für die ehemaligen jüdischen Bürger soll ein Gedenkstein aufgestellt werden. 

Als Standort kommt der Platz an der Alten Synagoge in Leutershausen in Frage. Über dieses neue Projekt des Arbeitskreises informierte Vorsitzender Dr. Michael Penk die Mitglieder bei der Hauptversammlung. Mit Bürgermeister Just gab es am Montag ein erstes Gespräch. Dieser stand dem Projekt positiv gegenüber, sagte Penk. Nun soll ein Ausschuss gebildet werden, dem Mitglieder des Verwaltungsausschusses sowie Vertreter des Kulturfördervereins und des Arbeitskreises Ehemalige Synagoge angehören. Das Gremium soll einen Vorschlag über Art, Position, Finanzierung, Ausschreibung und Jury für die Auswahl unterbreiten.
Zuvor hatte Vorsitzender Penk an die zwölf Veranstaltungen des abgelaufenen Jahres erinnert. Hierzu zählten unter anderem die Filmvorführung "Menachem und Fred" in Zusammenarbeit mit dem Kinoförderkreis, das Konzert mit der bekannten Altistin Ortrud Wenkel und die Aktion "Bücher aus dem Feuer".
Gemeinsam mit dem Runden Tisch Kultur veranstaltete man das Gespräch zwischen den vier Seelsorgerinnen in Hirschberg. Das Konzert mit dem schottischen Glaskünstler John Clark, der auch die Fenster in der Synagoge fertigte, war für den Vorsitzenden ein weiterer Höhepunkt. Gleich bei mehreren Konzerten unterstützte der Großsachsener Pianist Jens Schlichting den Arbeitskreis. Gewissermaßen die wichtigste Erinnerungsarbeit leistete Professor Schnurr mit seinem Buch "Die Juden aus Leutershausen und Großsachsen in der nationalsozialistischen Verfolgung".
Für Penk sei diese Aufarbeitung deshalb so herausragend, weil die jüdische Geschichte am Ort neu geschrieben wurde. Bislang dachte man, dass die Hirschberger Juden dem Holocaust entkamen. Tatsächlich wurden aber 27 aus Hirschberg stammende Juden Opfer der Schoah. Für diese Aufklärungsarbeit dankte er Schnurr und dessen Frau Renate. Eine Premiere gab es im Jahresprogramm 2010 ebenfalls. Erstmals war die Alte Synagoge Station des Kirchenwandertages der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg.
Auf große Resonanz stieß die Lesung mit der Heidelberger Soziologin Professor Uta Gerhardt, die ihr Buch "Nie mehr zurück in dieses Land" vorstellte. Penk wies ferner auf den neuen Flyer hin, der von der Künstlerin und Lehrerin Anouk Bourrat-Moll und ihrem Schüler Ricardo Wiesinger von der Friedrich-List-Schule in Mannheim gestaltet wurde. Auf der ersten Seite ist nicht mehr die Synagoge, sondern das Glasfenster Clarks zu sehen.
Vorstand entlastet. In Vertretung des Kassenwarts Justus Pfannebecker legte Dr. Erich Hädicke die Bilanz für 2010 vor. Demnach besitzt der Verein einen Überschuss. Mit dem Geld, so Vorsitzender, könnte man sich an der Finanzierung des Gedenksteins beteiligen oder eine Veranstaltung bei freiem Eintritt organisieren. Da die Kassenprüfer Dr. Helga Gärtner und Rembert Boese keine Einwände hatten, stand der Entlastung nichts im Weg. Anschließend wählten die Mitglieder Dr. Hädicke zum kommissarischen Kassenwart.
Ein sensibles Thema wurde unter Punkt "Verschiedenes" angerissen. So plädierte ein Ehepaar für eine Veranstaltung zu deutschem Widerstand gegen die NS-Diktatur. Rembert Boese sah ein Problem darin, da er regionale Bezug fehle. "Über Widerstand an der Bergstraße gibt es kein Material." Zwar sei dies nicht das Hauptthema des Arbeitskreises, dennoch zeigten sich Penk und sein Vorgänger Dr. Rainer Müller sehr offen für eine solche Veranstaltung. Beide sitzen - wie auch Boese - im zehnköpfigen Gremium "Innerer Kreis", der die Veranstaltung organisiert."     
  
Juli 2011: Besuch von Nachkommen früherer jüdischer Familien am Ort 
Artikel vom 11. Juli 2011 in den "Weinheimer Nachrichten" (Artikel): "Spuren der Vergangenheit.  
Leutershausen/London.
In diesen Tagen besuchte das in London lebende jüdische Ehepaar Obstfeld mit einem weiteren verwandten Ehepaar aus den USA Leutershausen. Sie kamen von einem Treffen eines anderen Zweigs der Familie von der Pfalz in den Geburtsort der Ur-Großmutter Rosalie/Röschen Mayer und der Ur-Ur-Großmutter Esther Kaufmann von Frau Obstfeld nach Leutershausen. Während ihres Aufenthalts waren sie auch auf dem Hemsbacher Friedhof.
Rosalie Mayer (1853-1906) und Esther Kaufmann (1818-1880) hatten sich im 19. Jahrhundert nach Ilvesheim in verschiedene Familien verheiratet. Eine ihrer Nachkommen, Martha Kaufmann (1879-1929) aus Ilvesheim, war die Großmutter von Frau Obstfeld.
Zusammen mit Helga Klein und Professor Erhard Schnurr, Mitglieder des Arbeitskreises Ehemalige Synagoge, besuchte die Familie zunächst die ehemalige Synagoge in Leutershausen, die 1886 eingeweiht worden war. Schnurr gab einen kurzen Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Leutershausen und die Baugeschichte der Synagoge. Danach suchte man die Geburtshäuser der Vorfahren in der Hauptstraße und der Mittelgasse auf.
Rosalie Mayer kam aus der gleichen Familie wie der spätere Pferdehändler Sigmund Mayer in der Hauptstraße 3 und Esther Kaufmann kam aus der im 19. Jahrhundert in Leutershausen ansässigen und in der Mittelgasse wohnenden Familie Kaufmann.
Hemsbacher Friedhof besichtigt. Beim Besuch des jüdischen Friedhofs in Hemsbach konnten viele Gräber der Leutershausener Vorfahren und ihrer Familien auch deshalb identifiziert werden, weil Obstfeld mit seinen Hebräisch-Kenntnissen die Inschriften vieler Grabsteine übersetzen konnte.
Die Eltern von Dorothy Obstfeld verließen in der Nazi-Zeit Deutschland und wanderten aus. Dorothy Obstfeld wurde in Süd-Afrika geboren. Jetzt lebt sie mir ihrem Mann in London. Die Familie war bei einer Suche im Internet auf den Arbeitskreis Ehemalige Synagoge aufmerksam geworden und hatte dann Kontakt aufgenommen. mp"  
   

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Hirschberg  
Website des Arbeitskreises ehemalige Synagoge Leutershausen e.V.
Informationsseite zum Arbeitskreis ehemalige Synagoge Leutershausen e.V. (interner Link): hier anklicken

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 177-178.
Alte Synagoge Leutershausen. Haus der Kultur und Begegnung. Gemeinde Hirschberg a.d.B. 2001. hierin insbesondere der Beitrag von: 
Rainer Gutjahr: Zur Geschichte der Juden in Leutershausen (Auszug eines Beitrags für das Heimatbuch). S. 11-26.
ders.: Der israelitische Elementarunterricht im badischen Leutershausen an der Bergstraße zwischen dem "Judenedikt" von 1809 und der Einführung der Simultanschule 1876. In: Gerhard Fritz (Hrsg.): Landesgeschichte und Geschichtsdidaktik. Festschrift für Rainer Jooß (= Gmünder Hochschulreihe Nr. 24). Schwäbisch Gmünd 2004 S. 53-71.
Dieser Aufsatz ist auch online zugänglich: hier anklicken
Art. "Ehemalige Synagoge soll restauriert werden", in: "Weinheimer Nachrichten" vom 11. November 1978 (Nr. 260).
Verschiedene Presseartikel 2001/02, u.a. Art. "Von der sanierten Synagoge schwärmen alle", in: Mannheimer Morgen vom 22.3.2002. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 364-365.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
Leutershausen Lit 012.jpg (63247 Byte)Erhard Schnurr: Die Juden aus Leutershausen und Großsachsen in der nationalsozialistischen Verfolgung. Zur Erinnerung an die ehemaligen jüdische Mitbürger der Gemeinde Hirschberg an der Bergstraße. Hrsg.: Arbeitskreis Ehemalige Synagoge Leutershausen e.V. Hirschberg 2010.  ISBN 978-3-937645-04-7.    

Synagogen Lit 201305.jpg (108213 Byte)Christiane Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012. 
Zur Synagoge in Leutershausen: S. 31-33.    

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Leutershausen  Baden. Jews are mentioned in the mid-16th and early 18th century. The community grew to 150 in 1871 (of a total 1,411), with an elementary school opened in 1858 and a synagogue in 1862. Jews sat on the village council and participated in local social life. Toward midcentury some were artisans and successful farmers. In 1933, 32 remained. All left by March 1939. 
Of the 13 Jews (1933) in the attached community of Luetzelsachsen, where nearly 100 Jews had lived in the early 19th century, seven were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, five perishing.
     
      

                   
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Stand: 18. Februar 2014