Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zu den Synagogen in Baden-Württemberg  

   
Leutershausen (Gemeinde Hirschberg, Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   An dieser Seite wird noch gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)

In Leutershausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1553 "Jacob Jud zu Luttershausen" genannt. Die Aufnahme von Juden im Ort war bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Angelegenheit der Grafenfamilien, an die der Ort von der Kurpfalz verliehen war. Um 1700 gab es drei jüdische Haushaltungen; 1750 werden 24 volljährige Juden am Ort genannt, darunter "der Judenrabbiner". 
  
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1864 mit 165 Personen erreicht. Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh und Textilwaren.   
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule von 1858 bis 1876 im Haus Mittelgasse 15, in dem sich auch die Wohnung des jüdischen Lehrers befand) sowie ein rituelles Bad (1923 neu erbaut hinter dem Haus Vordergasse 13, Anwesen Kraft). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Hemsbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt.    
     
Auf den Gefallenengedenktafeln in der Bahnhofstraße stehen auch die Namen der beiden jüdischen Gefallenen des Krieges 1870/71 und der beiden jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Leutershausen.   
  
Um 1930 gab es am Ort noch mehrere Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Familien / Personen, insbesondere: Metzgerei Abraham Eppsteiner (Hauptstraße 6), Metzgerei Isaak Eppsteiner (bis 1924, Bahnhofstraße 3), Viehhandlung Max Harburger (Hauptstraße 29), Viehhandlung Rudolf Harburger (Hauptstraße 19), Schuhgeschäft und Kohlenhandlung Alfred Schriesheimer (Hauptstraße 1), Viehhandlung Eugen Straßburger (Hauptstraße 41), Lebensmittelhandlung Flora Straßburger (Hauptstraße 35), Viehhandlung Julius Straßburger (Hauptstraße 33), Hausierhandel Sara Straßburger (Mittelgasse 21).   
   
1933 lebten noch 43 jüdische Personen in Leutershausen. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sind die meisten von ihnen in der Folgezeit aus- oder abgewandert.    
  
1937 wurde die Gemeinde aufgelöst: 

Leutershausen Israelit 28101937.jpg (50360 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1937: "Mannheim. Das 'Jüdische Gemeindeblatt Mannheim' berichtet, dass in Leutershausen das religiöse Leben ein Ende gefunden hat und dass auch die Jüdische Gemeinde in Ladenburg in ihrem Bestande bedroht ist...."

Von den in Leutershausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Finke geb. Schriesheimer (1875), Meta Fischer geb. Schriesheimer (1871), Berta Glaser geb. Schriesheimer (1871), Berthold Hamburger (1870), Helene J. Hess geb. Kaufmann (1863), Leopold Hirsch (1876), Regine Marx (1867), Rosa Mendel geb. Haarburger (1879), Mathilde Schloss geb. Haarburger (1888), Abraham Schriesheimer (1888), Albert Schriesheimer (1888), Berthold Schriesheimer (1879), Emma Schriesheimer (1888), Max Schriesheimer (1877), Meta Schriesheimer (1874), Klara Stern geb. Schriesheimer (1868), Grete Stiefel geb. Strassburger (1898).
   
Hinweis: auch in Leutershausen (Kreis Ansbach) gab es eine jüdische Gemeinde.    
             
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1885 

Leutershausen Israelit 16091842.jpg (54953 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. September 1842: "In der israelitischen Gemeinde Leutershausen ist die Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Vorbeters sofort zu besetzen. Fixer Gehalt 500 Mark, 3-400 Mark Nebenverdienst. Fähige Bewerber wollen sich beim Unterzeichneten melden. 
Leutershausen, 14. September 1885. Der Kultus-Vorstand. Gustav Gutmann."   

       
    

  

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Eine erste Synagoge (Betsaal) bestand im 18./19. Jahrhundert zunächst im Gebäude Hauptstrasse 1. Dieses Haus war bereits um 1722 im Besitz des Mayer Levi. Wann in den folgenden Jahren in diesem Haus der Betsaal eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Vom 18. beziehungsweise 21. Mai 1781 datiert ein Vertrag zwischen den Kindern der Jüdin Bela geb. Lazarus und der Judenschaft zu Leutershausen. Laut diesem Vertrag verkaufte der Landrabbiner Hirsch Moyses (= Naftali Hirsch Moses Katzenellenbogen) aus Mannheim namens der Kinder der Jüdin Bela die in ihrem Wohnhaus "bis dahero gewesene und gehaltene Judenschul, wie sie solches bis dato innen gehabt, sowohl für das männliche als weibliche Geschlecht samt einem darinnen sich befindenden Kämmerlein" an die Leutershausener Judenschaft "zu einer immerwährenden Schul" für eine Summe von 130 Gulden, nebst zwei großen französischen Talern als Trinkgeld. Die Hausbesitzer verpflichteten sich, den Betsaal auch künftig im Dachwerk in trockenem und gutem Zustand zu erhalten und den gewöhnlichen, bisherigen Eingang ungestört zu belassen und alle sonstigen Lasten und Beschwerden zu tragen. Bis 1868 wurden in diesem Haus Gottesdienste gefeiert.

Das Gebäude blieb in jüdischem Besitz bis 1937. Mit Kaufvertrag vom 8. September 1937 verkaufte damals Alfred Schriesheimer das Anweisen ("zweistockiges Wohnhaus mit gewölbtem Keller und zweistöckiges Nebenhaus mit Zimmer und Stallung") für 10.000 Mark an die Gemeinde Leutershausen. Seit 1952 ist das Haus wieder in Privatbesitz und bis heute erhalten.   
   
Eine neue Synagoge wurde 1867/68 am "Schriesheimer Tor" in der Hauptstrasse 27 erbaut. Nach der Urkunde der Grundsteinlegung gab es damals einschließlich der Witwen 34 "Familienhäupter" in Leutershausen. Bereits 1862 hatte die jüdische Gemeinde, vertreten durch Lazarus Mayer, Jonas Straßburger und Lazarus Kaufmann, zwei Grundstücke für 816 beziehungsweise 411 Gulden beim Schriesheimer Tor erworben. Die Pläne zum Synagogenbau stammten von dem Mannheimer Philipp Schmitt, der auch die Bauleitung innehatte. Die Grundsteinlegung war am 22. Mai 1867. Handwerker aus Leutershausen und Umgebung waren am Bau beteiligt. 8.500 Gulden waren zu bezahlen, die durch freiwillige Spenden, durch Vermächtnisse, Kollekten, Opfergaben und durch Zuschüsse aus der israelitischen Gemeindekasse aufgebracht wurden. Unter den Spendern war Emanuel Neu aus Lützelsachsen, der in seinem Testament 1.000 Gulden für die Synagoge in Leutershausen bestimmte. Neu war Ende 1862 gestorben. Er bestimmte, dass ein Jahr lang nach seinem Tod morgens und abends das Totengebet für ihn in der Synagoge gesprochen werden sollte. Jeweils an seinem Sterbetag solle das Totengebet gemeinsam vom Bezirksrabbiner und dem Vorsänger gesprochen werden, wofür diesen zehn bzw. ein Gulden zu bezahlen sei. Unter großem Zustrom von Festgästen konnte am 4. September 1868 die Einweihung der Synagoge gefeiert werden. Auch danach hatte die israelitische Gemeinde noch einige Jahre an den Schulden zu bezahlen. Der 1870 verstorbene Handelsmann Mayer Mayer vermachte der Synagoge 500 Gulden, die nach dem Tod seiner Witwe im April 1885 ausgezahlt werden konnten. Von dieser Summe konnte wiederum ein Teil der Schulden bezahlt werden.   
       
Bis Anfang 1938 blieb die Synagoge Zentrum der jüdischen Gemeinde in Leutershausen. Mit Vertrag vom 4. Mai 1938 ging das Gebäude in den Besitz der politischen Gemeinde über. Dadurch blieb es vor der Zerstörung in der Pogromnacht im November 1938 bewahrt. Ab Mitte 1942 wurde das Gebäude als Kriegsgefangenenlager und Lazarett verwendet, nach 1945 als Konservenfabrik, Wohnstätte, Lager und Druckerei. 1950 war es der Jewish Restitution Successor Organisation (JRSO, New York) übertragen worden, die es ihrerseits an das Land Württemberg-Baden weiterverkaufte. 1955 ging das Gebäude in Privatbesitz über; 1985 wurde es von der Gemeinde Hirschberg erworben. Eine Gedenktafel wurde am 9. November 1988 angebracht mit der Inschrift: "Wir gedenken unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die in den Jahren 1933 bis 1945 der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zum Opfer fielen. Ihr Leid soll uns Mahnung und Verpflichtung sein". Nach Kauf des Gebäudes durch die Gemeinde Hirschberg wurde die Fassade des seit 1972 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gestrichen; weitere Veränderungen unterblieben, solange im Haus noch die Druckerei arbeitete. Nach Betriebsaufgabe der Druckerei beschloss der Gemeinderat von Hirschberg, das Gebäude der ehemaligen Synagoge zu sanieren und für kulturelle Veranstaltungen umzubauen. Die Planung des Umbaus beinhaltete die Wiederherstellung des ursprünglichen Raumes der Synagoge mit Empore und Raumhöhe bis zum Dach sowie die angemessene Wiederherstellung der alten Fensteröffnungen mit Haupteingang von der Strasse. Für den Umbau wurden mehr als 800.000 € aus öffentlichen Mitteln des Landes und der Gemeinde bereitgestellt. Der Umbau geschah unter Leitung des Architektenteam von Götz Diesbach (Weinheim). Am 10. November 2001 konnte die ehemalige Synagoge als "Haus der Kultur und Begegnung" wiedereröffnet werden.
    

 

Fotos 

1. Alte Synagoge/Betsaal im Haus Hauptstraße 1:

Das Gebäude um 1985 (Fotos: Hahn) Leutershausen Synagoge a03.jpg (58723 Byte) Leutershausen Synagoge a02.jpg (91139 Byte)
  Gebäude Hauptstraße 1
   
Neue Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2003)
Leutershausen Synagoge a014.jpg (45382 Byte) Leutershausen Synagoge a015.jpg (62234 Byte)


2. Synagoge in der Hauptstraße 27
Historisches Foto: 

Leutershausen Postkarte.jpg (99755 Byte)

Synagoge als Postkartenmotiv 
(um 1900)

Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Foto um 1965:
(Quelle: Hundsnurscher/ Taddey s.Lit. Abb.127)
Leutershausen Synagoge 050.jpg (69834 Byte)  
  Seiten- und Hinteransicht des Gebäudes  
     
Fotos um 1985
vor der Restaurierung:
(Fotos: Hahn; sw-Fotos 1984; Farbfoto im August 1988)
Leutershausen Synagoge 102.jpg (50318 Byte) Leutershausen Synagoge 101.jpg (90902 Byte)
  Straßenansicht der ehemaligen Synagoge Seitenansicht
     
   Leutershausen Synagoge 100.jpg (81146 Byte) Leutershausen Synagoge 180.jpg (67840 Byte)
  Eingangsbereich Im Sommer 1988 ist das Haus für erste Instandsetzung an der Fassade eingerüstet
     
        
Fotos 2001 nach der Restaurierung
(Quelle: Arbeitskreis ehemalige Synagoge Leutershausen)
Leutershausen01.jpg (148628 Byte) Leutershausen02.jpg (111545 Byte)
 
 
 Synagoge Leutershausen nach Abschluss der Renovierung   Innenansicht der renovierten Synagoge
     
Fotos 2003
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 30.7.2003)
Leutershausen Synagoge 152.jpg (42702 Byte) Leutershausen Synagoge 153.jpg (46527 Byte)
Frontansicht der ehemaligen Synagoge Seitenansicht
     
Leutershausen Synagoge 154.jpg (43273 Byte) Leutershausen Synagoge 151.jpg (41500 Byte) Leutershausen Synagoge 150.jpg (34098 Byte)
Eingangsbereich Seitenansicht  Gedenktafel an der Synagoge

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Hirschberg
Website des Arbeitskreises ehemalige Synagoge Leutershausen e.V.
Informationsseite zum Arbeitskreis ehemalige Synagoge Leutershausen e.V. (interner Link): hier anklicken

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 177f.
Alte Synagoge Leutershausen. Haus der Kultur und Begegnung. Gemeinde Hirschberg a.d.B. 2001. hierin insbesondere der Beitrag von: 
Rainer Gutjahr: Zur Geschichte der Juden in Leutershausen (Auszug eines Beitrags für das Heimatbuch). S. 11-26.
ders.: Der israelitische Elementarunterricht im badischen Leutershausen an der Bergstraße zwischen dem "Judenedikt" von 1809 und der Einführung der Simultanschule 1876. In: Gerhard Fritz (Hrsg.): Landesgeschichte und Geschichtsdidaktik. Festschrift für Rainer Jooß (= Gmünder Hochschulreihe Nr. 24). Schwäbisch Gmünd 2004 S. 53-71.
Dieser Aufsatz ist auch online zugänglich: hier anklicken
Art. "Ehemalige Synagoge soll restauriert werden", in: "Weinheimer Nachrichten" vom 11. November 1978 (Nr. 260).
Verschiedene Presseartikel 2001/02, u.a. Art. "Von der sanierten Synagoge schwärmen alle", in: Mannheimer Morgen vom 22.3.2002.  
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Leutershausen  Baden. Jews are mentioned in the mid-16th and early 18th century. The community grew to 150 in 1871 (of a total 1,411), with an elementary school opened in 1858 and a synagogue in 1862. Jews sat on the village council and participated in local social life. Toward midcentury some were artisans and successful farmers. In 1933, 32 remained. All left by March 1939. 
Of the 13 Jews (1933) in the attached community of Luetzelsachsen, where nearly 100 Jews had lived in the early 19th century, seven were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, five perishing.
   

  

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge

             

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. März 2010