Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Diedelsheim (Stadt Bretten, Kreis Karlsruhe) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
   
In dem bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts der Freiherrenfamilie Kechler von Schwandorf, danach bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Diedelsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 11. März 1920. Ihre Entstehung geht in das 16. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1548 Juden am Ort genannt. 
  
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wohnten die jüdischen Familien vor allem im "Judengäßle" (heute Brühlstraße). Hier befand sich auch das nicht mehr bestehende jüdische Gasthaus "Zum Lamm".
    
1825 machte die jüdische Bevölkerung mit 89 Personen etwa 10 % der Bevölkerung aus. Danach entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1832 92 jüdische Einwohner, 1836 93, 1839 193, um 1850 112, 1864 Höchstzahl von 118, 1871 99, 1875 78, 1880 72, 1886 65, 1890 45, 1895 32, 1900 32, 1905 20, 1910 14, 1925 9. 

An jüdischen Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (im Synagogengebäude). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zeitweise (siehe Ausschreibungen unten) - ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Von den Lehrern ist bekannt: um 1885 Lehrer Wolf Horwitz (später Synagogendiener und Schochet in Cannstatt). 1827 wurde die Gemeinde dem Bezirksrabbinat Bretten zugeteilt. 

Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und Waren aller Art. An ehemaligen, teilweise bis nach 1930 von jüdischen Familien bewohnten Häusern sind bekannt: Handelsmann August Bodenheimer (Schwandorfstraße 51), Metzgermeister Gutmann Dreifuß (Schwandorfstraße 75), Handelsmann Isaak Dreifuß (Schwandorfstraße 17), Handelsmann Hirsch Dreifuß, dann Handelsmann Samuel Dreifuß (Lessingstraße 1), Mehlhandlung Nathan Dreifuß (Schwandorfstraße 65-67), Handelsmann Maier Grabenheimer (Schwandorfstraße 37).   
  
Die 1933 hier noch lebenden fünf jüdischen Einwohnern konnten noch rechtzeitig auswandern oder starben vor den einsetzenden Deportationen in Diedelsheim. 
  
Von den in Diedelsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Barth geb. Dreifuß (1865), Auguste Bauernfeund geb. Erlebacher (1866), Heinrich Dreyfus (1895), Leonie Berta Dreyfuss (1923), Gustav Erlebacher (1865, später wohnhaft in Bretten), Gustav D. Erlebacher (1878, später wohnhaft in München), Julius Erlebacher (1881), Fanny Gidion geb. Münzesheimer (1879), Frieda Grünbaum (1881), Mathilde Heinemann (1864), Adelheid Hofmann geb. Fetterer (1873), Rosa Kahn geb. Grabenheimer (1855), Nathan Landauer (1884).    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1836 / 1840 / 1842 / 1851 / 1885 / 1889  

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1836 S. 88  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Erledigte Stelle
Bei der israelitischen Gemeinde Diedelsheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 135 Gulden nebst freier Wohnung im israelitischen Gemeindehaus sowie der Vorsänger- und Schächterdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Bretten zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden. 
Bretten, den 18. Januar 1836. 
Großherzogliche Bezirks-Synagoge. Veit Flehinger, Bezirks-Rabbiner, L. Weisenburger, Bezirksvorsteher".      
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1840 S. 709 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bei der israelitischen Gemeinde zu Diedelsheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 150 Gulden, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Bretten zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 29. Juni 1842 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bretten. [Dienstantrag]. Bei der israelitischen Gemeinde Diedelsheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 160 fl., sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Bretten zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden. 
Bretten, den 22. Juni 1842. Die Bezirkssynagoge."   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 20. September 1851  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen
Die mit einem festen Gehalte von 160 fl. und einem jährlichen Schulgelde von 48 kr. für jedes die Religionsschule besuchende Kind und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen, verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Diedelsheim, Synagogenbezirks Bretten, ist zu besetzen.   
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats, bei der Bezirkssynagoge Bretten sich zu melden. 
Bei dem Abhange von Meldungen von Schul- oder Rabbinatskandidaten, können auch andere inländische befähigte Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."  .   
 
Diedelsheim Israelit 04051885.jpg (61726 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1885: "Die Religionsschul-, Vorsänger und Schächterstelle der Israelitischen-Gemeinde zu Diedelsheim, Bezirkssynagoge Bretten, mit einem jährlichen Fixum von 450-500 Mark, mindestens 400 Mark Akzidenzien und freie Wohnung im Synagogengebäude, ist durch einen hierzu Befähigten zu besetzen. Süddeutsche - wenn möglich, ledig - werden bevorzugt. Die mit Zeugnisabschriften ausgestatteten Anmeldungen sind an das Großherzogliche Bezirks-Rabbinat in Bretten zu richten. 
Die Großherzogliche Bezirks-Synagoge."  
    
Diedelsheim Israelit 08041889.jpg (65578 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1889: "Die Religionsschul-, Vorsänger- und Schächterstelle zu Diedelsheim, Bezirksrabbinat Bretten, wird mit einem jährlichen Fixum von 400-450 Mark und einem aus 400-500 Mark bestehenden Nebeneinkommen und freier Wohnung zur baldigen Wiederbesetzung ausgekündigt. 
Tüchtige, ledige Bewerber oder geeignete pensionierte Hauptlehrer wollen ihre Meldungen, mit nicht zurückgegeben werdenden Zeugnisabschriften belegt, portofrei innerhalb 2 Wochen an die Bezirks-Synagoge Bretten gelangen lassen."  

   
Benjamin Meerapfel wechselt als Lehrer von Diedelsheim nach Leutershausen (1851)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 13. September 1851 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die mit dem Vorsängerdienste verbundene Lehrstelle an der israelitischen Volksschule in Leutershausen, Amtsbezirks Weinheim, wurde dem Schulkandidaten Benjamin Meerapfel, bisherigen Religionsschullehrer und Vorsänger bei der israelitischen Gemeinde Diedelsheim, Amtsbezirk Bretten, übertragen".      

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge   
   
Bis zum Anfang des 19. Jahrhundert war vermutlich nur ein Betsaal vorhanden, der in einem der jüdischen Häuser eingerichtet war. Teilweise wurden - für besondere Feierlichkeiten wie Hochzeiten - die Einrichtungen der Gemeinde Bretten mitbenutzt. 
  
Am 27. Februar 1807 konnten die beiden Schutzjuden Samuel und Levi Moses von Christian Hurst zum Betrag von 520 Gulden das alte Schildwirtshaus "Zum Waldhorn" kaufen (Lagerbuch Nr. 209, das damals westlichste Gebäude im Dorf). Die jüdische Gemeinde richtete darin 1822 eine Synagoge und ein rituelles Bad ein.
    
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde das Gebäude am 15. April 1920 versteigert und ging zum Preis von 10.000 RM an die politische Gemeinde. Diese richtete darin ein Wannenbad mit Dusche ein. Das übrige Gebäude wurde wenig später zu Wohnzwecken umgebaut (Gebäude Ecke Schwandorfstraße 13/Brühlstraße; frühere Bezeichnung Hauptstraße 7). An Stelle des öffentlichen Wannenbades wurde nach 1945 eine Werkstatt eingebaut. 
  
Nachdem das Gebäude jahrelang leergestanden hat, wurde es 2010 an den Besitzer des gegenüberliegenden Gasthauses verkauft. Wenig später wurde es abgebrochen und auf seinem Grundstück ein Parkplatz angelegt.     
   
   
Adresse des Synagogengebäudes: Ecke Schwandorfstraße 13 / Brühlstraße  
   
   

Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
Diedelsheim Synagoge 003.jpg (60763 Byte)  Diedelsheim Synagoge 002.jpg (57798 Byte) 
       In der Mitte: ehemalige 
Synagoge in Diedelsheim 
 Im Erdgeschoss des vorderen Teiles 
befand sich das rituelle Bad 
     
Diedelsheim Synagoge 001.jpg (49344 Byte) Diedelsheim Synagoge 004.jpg (51301 Byte) Diedelsheim Synagoge 005.jpg (42773 Byte)
  Eingang zur ehemaligen 
Synagoge 
Seiteneingang des Gebäudes, 
der zum rituellen Bad führte 
        
Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 
18.11.2004) 
Diedelsheim Synagoge 190.jpg (32940 Byte) Diedelsheim Synagoge 191.jpg (31543 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 

   
    

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Bretten 

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 55. 
Otto Bickel: Diedelsheim, Vom ritterschaftlichen Dorf zum Brettener Stadtteil. 1985. S.458-466. 
Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 279 (im Abschnitt Bretten).   
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. November 2013