Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Diedelsheim (Stadt Bretten, Kreis Karlsruhe) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In dem bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts der Freiherrenfamilie Kechler von Schwandorf, danach bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Diedelsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 11. März 1920. Ihre Entstehung geht in das 16. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1548 Juden am Ort genannt. 
  
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wohnten die jüdischen Familien vor allem im "Judengäßle" (heute Brühlstraße). Hier befand sich auch das nicht mehr bestehende jüdische Gasthaus "Zum Lamm".
    
1825 machte die jüdische Bevölkerung mit 89 Personen etwa 10 % der Bevölkerung aus. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1850 mit 112 Personen erreicht.

An jüdischen Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad (im Synagogengebäude). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zeitweise (siehe Ausschreibungen unten) - ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1827 wurde die Gemeinde dem Bezirksrabbinat Bretten zugeteilt. 

Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und Waren aller Art. An ehemaligen, teilweise bis nach 1930 von jüdischen Familien bewohnten Häusern sind bekannt: Handelsmann August Bodenheimer (Schwandorfstraße 51), Metzgermeister Gutmann Dreifuß (Schwandorfstraße 75), Handelsmann Isaak Dreifuß (Schwandorfstraße 17), Handelsmann Hirsch Dreifuß, dann Handelsmann Samuel Dreifuß (Lessingstraße 1), Mehlhandlung Nathan Dreifuß (Schwandorfstraße 65-67), Handelsmann Maier Grabenheimer (Schwandorfstraße 37).   
  
Die 1933 hier noch lebenden fünf jüdischen Einwohnern konnten noch rechtzeitig auswandern oder starben vor den einsetzenden Deportationen in Diedelsheim. 
 
Von den in Diedelsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Barth geb. Dreifuß (1865), Auguste Bauernfeund geb. Erlebacher (1866), Heinrich Dreyfus (1895), Leonie Berta Dreyfuss (1923), Gustav Erlebacher (1865, später wohnhaft in Bretten), Gustav D. Erlebacher (1878, später wohnhaft in München), Julius Erlebacher (1881), Fanny Gidion geb. Münzesheimer (1879), Frieda Grünbaum (1881), Mathilde Heinemann (1864), Adelheid Hofmann geb. Fetterer (1873), Rosa Kahn geb. Grabenheimer (1855), Nathan Landauer (1884).    
   
   
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1885 / 1889  

Diedelsheim Israelit 04051885.jpg (61726 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1885: "Die Religionsschul-, Vorsänger und Schächterstelle der Israelitischen-Gemeinde zu Diedelsheim, Bezirkssynagoge Bretten, mit einem jährlichen Fixum von 450-500 Mark, mindestens 400 Mark Akzidenzien und freie Wohnung im Synagogengebäude, ist durch einen hierzu Befähigten zu besetzen. Süddeutsche - wenn möglich, ledig - werden bevorzugt. Die mit Zeugnisabschriften ausgestatteten Anmeldungen sind an das Großherzogliche Bezirks-Rabbinat in Bretten zu richten. 
Die Großherzogliche Bezirks-Synagoge."  
    
Diedelsheim Israelit 08041889.jpg (65578 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1889: "Die Religionsschul-, Vorsänger- und Schächterstelle zu Diedelsheim, Bezirksrabbinat Bretten, wird mit einem jährlichen Fixum von 400-450 Mark und einem aus 400-500 Mark bestehenden Nebeneinkommen und freier Wohnung zur baldigen Wiederbesetzung ausgekündigt. 
Tüchtige, ledige Bewerber oder geeignete pensionierte Hauptlehrer wollen ihre Meldungen, mit nicht zurückgegeben werdenden Zeugnisabschriften belegt, portofrei innerhalb 2 Wochen an die Bezirks-Synagoge Bretten gelangen lassen."  

   
  

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge   
     
Bis zum Anfang des 19. Jahrhundert war vermutlich nur ein Betsaal vorhanden, der in einem der jüdischen Häuser eingerichtet war. Teilweise wurden - für besondere Feierlichkeiten wie Hochzeiten - die Einrichtungen der Gemeinde Bretten mitbenutzt. Am 27. Februar 1807 konnten die beiden Schutzjuden Samuel und Levi Moses von Christian Hurst zum Betrag von 520 Gulden das alte Schildwirtshaus "Zum Waldhorn" kaufen (Lagerbuch Nr. 209, das damals westlichste Gebäude im Dorf). Die jüdische Gemeinde richtete darin 1822 eine Synagoge und ein rituelles Bad ein.   
     
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde das Gebäude am 15. April 1920 versteigert und ging zum Preis von 10.000 RM an die politische Gemeinde. Diese richtete darin ein Wannenbad mit Dusche ein. Das übrige Gebäude wurde wenig später zu Wohnzwecken umgebaut und ist bis heute erhalten (Ecke Schwandorfstraße 13/Brühlstraße; frühere Bezeichnung Hauptstraße 7). An Stelle des öffentlichen Wannenbades wurde nach 1945 eine Werkstatt eingebaut.


Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Diedelsheim Synagoge 003.jpg (60763 Byte)  Diedelsheim Synagoge 002.jpg (57798 Byte) 
       In der Mitte: ehemalige Synagoge in Diedelsheim  Im Erdgeschoss des vorderen Teiles befand sich das rituelle Bad
     
Diedelsheim Synagoge 001.jpg (49344 Byte) Diedelsheim Synagoge 004.jpg (51301 Byte) Diedelsheim Synagoge 005.jpg (42773 Byte)
  Eingang zur ehemaligen Synagoge Seiteneingang des Gebäudes, der zum rituellen Bad führte
        
Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 18.11.2004)
Diedelsheim Synagoge 190.jpg (32940 Byte) Diedelsheim Synagoge 191.jpg (31543 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bretten

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 55.
Otto Bickel: Diedelsheim, Vom ritterschaftlichen Dorf zum Brettener Stadtteil. 1985. S.458-466.
Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 279 (im Abschnitt Bretten).  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 07. Januar 2009