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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Diedelsheim (Stadt Bretten,
Kreis Karlsruhe)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts der
Freiherrenfamilie Kechler von Schwandorf, danach bis zum Anfang des 19.
Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Diedelsheim bestand eine jüdische
Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 11. März 1920. Ihre Entstehung geht in das
16. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1548 Juden am Ort genannt.
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wohnten die jüdischen Familien vor allem im
"Judengäßle" (heute Brühlstraße). Hier befand sich auch das nicht mehr bestehende jüdische Gasthaus
"Zum Lamm".
1825 machte
die jüdische Bevölkerung mit 89 Personen etwa 10 % der Bevölkerung aus. Die höchste
Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1850 mit 112 Personen erreicht.
An jüdischen Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule und ein rituelles Bad (im Synagogengebäude). Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zeitweise (siehe
Ausschreibungen unten) - ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war. 1827 wurde
die Gemeinde dem Bezirksrabbinat Bretten zugeteilt.
Die jüdischen Familien
lebten vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und Waren aller Art. An ehemaligen, teilweise bis nach 1930 von jüdischen
Familien bewohnten Häusern sind bekannt: Handelsmann August Bodenheimer
(Schwandorfstraße 51), Metzgermeister Gutmann Dreifuß (Schwandorfstraße 75), Handelsmann Isaak Dreifuß
(Schwandorfstraße 17), Handelsmann Hirsch Dreifuß, dann Handelsmann Samuel Dreifuß
(Lessingstraße 1), Mehlhandlung Nathan Dreifuß (Schwandorfstraße 65-67), Handelsmann Maier Grabenheimer
(Schwandorfstraße 37).
Die 1933 hier
noch lebenden fünf jüdischen Einwohnern konnten noch rechtzeitig auswandern
oder starben vor den einsetzenden Deportationen in Diedelsheim.
Von den in Diedelsheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Barth geb. Dreifuß
(1865), Auguste Bauernfeund geb. Erlebacher (1866), Heinrich Dreyfus (1895),
Leonie Berta Dreyfuss (1923), Gustav Erlebacher (1865, später wohnhaft in
Bretten), Gustav D. Erlebacher (1878, später wohnhaft in München), Julius
Erlebacher (1881), Fanny Gidion geb. Münzesheimer (1879), Frieda Grünbaum
(1881), Mathilde Heinemann (1864), Adelheid Hofmann geb. Fetterer (1873), Rosa
Kahn geb. Grabenheimer (1855), Nathan Landauer (1884).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1885 /
1889
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1885:
"Die Religionsschul-, Vorsänger und Schächterstelle der
Israelitischen-Gemeinde zu Diedelsheim, Bezirkssynagoge Bretten, mit einem
jährlichen Fixum von 450-500 Mark, mindestens 400 Mark Akzidenzien und
freie Wohnung im Synagogengebäude, ist durch einen hierzu Befähigten zu
besetzen. Süddeutsche - wenn möglich, ledig - werden bevorzugt. Die mit
Zeugnisabschriften ausgestatteten Anmeldungen sind an das Großherzogliche
Bezirks-Rabbinat in Bretten zu richten.
Die Großherzogliche Bezirks-Synagoge." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1889:
"Die Religionsschul-, Vorsänger- und Schächterstelle zu
Diedelsheim, Bezirksrabbinat Bretten, wird mit einem jährlichen Fixum
von 400-450 Mark und einem aus 400-500 Mark bestehenden Nebeneinkommen und
freier Wohnung zur baldigen Wiederbesetzung ausgekündigt.
Tüchtige, ledige Bewerber oder geeignete pensionierte Hauptlehrer wollen
ihre Meldungen, mit nicht zurückgegeben werdenden Zeugnisabschriften
belegt, portofrei innerhalb 2 Wochen an die Bezirks-Synagoge Bretten
gelangen lassen." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Bis zum Anfang des 19. Jahrhundert war vermutlich nur ein
Betsaal vorhanden, der in einem der jüdischen Häuser eingerichtet war.
Teilweise wurden - für besondere Feierlichkeiten wie Hochzeiten - die
Einrichtungen der Gemeinde Bretten mitbenutzt. Am 27. Februar 1807 konnten
die beiden Schutzjuden Samuel und Levi Moses von Christian Hurst zum Betrag von
520 Gulden das alte Schildwirtshaus "Zum Waldhorn" kaufen (Lagerbuch
Nr. 209, das damals westlichste Gebäude im Dorf). Die jüdische Gemeinde
richtete darin 1822 eine Synagoge und ein rituelles Bad ein.
Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde das Gebäude
am 15. April 1920 versteigert und ging zum Preis von 10.000 RM an die
politische Gemeinde. Diese richtete darin ein Wannenbad mit Dusche ein. Das übrige
Gebäude wurde wenig später zu Wohnzwecken umgebaut und ist bis heute erhalten
(Ecke Schwandorfstraße 13/Brühlstraße; frühere Bezeichnung Hauptstraße 7).
An Stelle des öffentlichen Wannenbades wurde nach 1945 eine Werkstatt
eingebaut.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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In der Mitte: ehemalige Synagoge in Diedelsheim |
Im Erdgeschoss des vorderen Teiles befand sich das rituelle Bad |
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Eingang zur ehemaligen Synagoge |
Seiteneingang des Gebäudes, der zum rituellen Bad führte |
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Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 18.11.2004) |
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Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 55. |
 | Otto Bickel: Diedelsheim, Vom ritterschaftlichen Dorf zum Brettener
Stadtteil. 1985. S.458-466. |
 | Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 279 (im Abschnitt Bretten). |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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