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Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
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mit Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde von Bruchsal
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Bistum
Speyer gehörenden Stadt Bruchsal bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter
und in der Neuzeit bis 1938. Im Mittelalter wurden 1288 erstmals Juden
genannt. Die Verfolgung in der Pestzeit 1348 zerstörte die Gemeinde. 1381 wurde
wieder ein Jude aufgenommen, weitere konnten in den folgenden Jahren zuziehen.
Im 15. und 16. Jahrhundert schweigen die Quellen. Vermutlich waren in dieser
Zeit nur vereinzelt Juden in der Stadt.
Erst seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
lebten wieder Juden in Bruchsal (erste Nennung 1619). 1685 wurden 18 jüdische
Familien in der Stadt gezählt, 1740 11 Familien.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter eine
Synagoge. Die neuzeitliche Gemeinde hat zunächst einen Betsaal, später
Synagogen (s.u.), eine jüdische Schule (Konfessionsschule bis 1876, danach
Religionsschule; vermutlich im Gebäude des Rabbinates Huttenstraße 2), ein
rituelles Bad (Stadtgrabenstraße 17; bezog sein Wasser aus dem Saalbach;
Abschluss in Richtung des Stadtgrabens; durch Kriegszerstörung nicht erhalten).
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden bis 1632 in Worms,
danach auf dem Friedhof an der
Gemarkungsgrenze zwischen Bruchsal und Obergrombach beigesetzt. 1879 wurde
als Teil des städtischen Friedhofes in Bruchsal ein jüdischer Friedhof
im Bereich der Stadt angelegt. 1827 wurde Bruchsal Sitz eines Bezirksrabbinates.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Bruchsaler
Juden von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt. So war der
Tabak- und Hopfengroßhandel fast ausschließlich in ihrer Hand. Mehrere
wichtige Industriebetriebe wurden von jüdischen Unternehmern gegründet.
1888 wurde in Bruchsal der "Israelitische Landeswaisenverein für
Baden" gegründet. Zweck und Arbeitsgebiet war die Erziehung
unbemittelter Waisenkinder. Der Verein hatte auch in der Folgezeit seinen Sitz
in Bruchsal (1932 Vorsitzender: Jacob Oppenheimer). Texte zur Arbeit des
Israelitischen Landeswaisenvereins siehe Textseite.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1814 128 jüdische Einwohner, 1825 178 (2,6 % von insgesamt 6.853
Einwohnern), 1842 256 (3,2 % von 7.962), 1862 325 (3,9 % von 8.270), 1875 609
(5,6 % von 10.811), 1880 730 (6,4 % von 11.373), Höchstzahl um 1885 mit 752 Personen,
1895 743 (5,9 % von 12.614), 1900 741 (5,5 % von 13.555), 1910 711 (4,6 % von
15.391).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde 16 Männer. Ihre
Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges
auf dem städtischen Friedhof.
Um 1925, als zur Gemeinde 603 Personen gehörten (3,7 % von 16.469),
waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde R. Schlossberger, Karl Marx, B.
Bravmann, L. Einstein, B. Kauffmann, Albert Maier, Paul Odenheimer und S.
Weinberger. Zur Repräsentanz gehörten Jakob Oppenheimer, Heinrich Dreyfuß,
Julius Marx, Max Strauß und Aron Wolf. Rabbiner war der bereits genannte Dr. S.
Grzymisch. Als Religionslehrer war B. Bravmann angestellt, als Synagogendiener
S. Sandler. Der Religionsunterricht an den Schulen wurde durch Hauptlehrer
Prager und Religionslehrer Bravmann erteilt; der Religionsunterricht an den
höheren Schulen durch den Rabbiner. An jüdischen Vereinen gab es den Israelitischen
Frauenverein e.V. (gegründet 1872; 1924/32 unter Leitung von Hedwig
Oppenheimer mit etwa 200 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete:
Familienfürsorge, Kranken- und Wöchnerinnenfürsorge, Gewährung von Holz und
Kohlen, Ausbildungshilfen), den Israelitischen Armenverein
(gegründet 1900; 1924 unter Leitung von R. Schloßberger und Synagogenrat L.
Einstein, 1932 unter Leitung von Max Straus mit 125 Mitgliedern), den Wohltätigkeitsverein
Gemiluth Chasodim (1924 unter Leitung von Isidor Einstein, 1932 unter
Leitung von Max Straus mit 100 Mitgliedern), den Kranken- und
Wohltätigkeitsverein (gegründet 1840; 1924 unter Leitung von R.
Schloßberger und Synagogenrat S. Weinberger, 1932 unter Leitung von Samuel
Weinberger mit 160 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Gewährung freier
ärztlicher und zahlärztlicher Behandlung, Arznei und sonstiger medizinischer
Hilfsmittel), die Chewra Kadischa (gegründet 1879, 1924 unter Leitung
von Albert Mayer mit 15 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Albert Mayer; Zweck
und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Bestattungswesen), der Synagogenchorverein
(1924 unter Leitung von Ernst Ullmann mit 40 Mitgliedern), der Verein für
jüdische Geschichte und Literatur (1924 unter Leitung von Max Hilb mit 98
Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Moritz Nathan), den Brautverein (1924
unter Leitung von R. Schloßberger mit 10 Mitgliedern), den Wohlfahrtsrat als
Zentrale aller Wohlfahrtbestrebungen (1924 unter Leitung von Rabbiner Dr.
Grzymisch), den Jüdischen Frontbund (1932 unter Leitung von Max Hilb),
den Jüdischen Jugendbund (1932 unter Leitung von Max Sichel) und eine Ortsgruppe
des Central-Vereins (1932 unter Leitung von Bernhard
Kauffmann).
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Dienstleistung-, Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt (Auswahl, Gebäude überwiegend kriegszerstört): Rohtabake A. Bär und Co.
(Friedrichstraße 16), Ausstattungsgeschäft, Kurz- und Weißwaren Alfred Bär
(Friedrichstraße 29), Konfektionsgeschäft Gebr. Bär (Kaiserstraße 43), Holzhandlung Moses Bär
(Durlacher Straße 143), Häutehandlung Raphael Bär (Friedrichstraße 8-10), Ausstattungsgeschäft Ludwig Bärtig
(Kaiserstraße 24), Zigarrenfabrik Barth und Fellheimer (Kaiserstraße 5-7), Tabakagentur Isaak Baruch
(Schillerstraße 10), Zigarrengroßhandlung Ludwig Baruch (Schillerstraße 3), Ausstattungsgeschäft Karoline Baisinger und Zigarrenfabrik Josef Basinger (Bahnhofplatz 3), Erste Bruchsaler Herdfabrik GmbH
(Büchenauer Straße ), Manufakturwaren Heinrich Carlebach, Inh. S. Ullmann
(Friedrichstraße 8-10), Eisenhandlung Gebr. Dreifuß (Kaiserstraße 76), Ausstattungsgeschäft Isidor Einstein
(Friedrichstraße 42), Herdfabrik Josef Falk (Rheinstraße 13), Manufakturwaren und Damenkonfektion Jakob A. Gross
(Friedrichstraße 15), Tuchwarengroßhandlung Berthold Herzog (Kaiserstraße 1), Modewaren Lili Hess
(Friedrichstraße 21), Damenschneiderei Recha Hess (Bahnhofstraße 5), Malzfabrik Hockenheimer und Hilb
(Rheinstraße 5), Viehhandlung Aaron Kahn (Moltkestraße 18), Seidenstoffhandlung Selma Kahn
(Seilersbahn 18), Rohtabake W. Kath und Co. (Durlacher Straße 139a), Farbenfabrik Gebr. Katzauer
(Talstraße 37), Hopfenhandlung B. Kauffmann Söhne (Schillerstraße 6), Kartonagenfabrik David Kaufmann GmbH
(Zollhaldenstraße 4), Tabakagentur Simon Kaufmann (Luisenstraße 6), Kaufhaus Geschw. Knopf
(Friedrichstraße 25-27), Manufakturwaren Henriette Levin (Kaiserstraße 101), Rohtabake Gebr. Lindauer
(Kaiserstraße 61), Rohtabake Leopold Lindauer (Württemberger Straße 13), Darmhandlung Max Löb, Metzgerei-Bedarfsartikel Julie Löb und Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäft Max Löb
(Friedrichstraße 55), Tabakagentur Samuel Marschall (Salonenstraße 13), Rohtabake
J.K. Marx (Kaiserstraße 19), Malzfabrik Moritz Marx Söhne AG (Kaiserstraße
29), Bäckerei Simon Marx (Bismackstraße 10), Schuhwaren Louis Mayer (Kaiserstraße
44), Rohtabake Adolf Moses (Kaiserstraße 14), Zigarrenfabrik Ernst Nathan
(Kegelstraße 15), Branntweingroßhandlung Heinrich Odenheimer (Schloßstraße
15), Tabakagentur Paul Odenheimer (Schloßstraße 4a), Tuchwarengroßhandlung Louis Oppenheimer
(Bahnhofstraße 4), Ausstattungsgeschäft Max Rosenberg (Holzmarkt 37), Polstermaterialienhandlung Benno Rothschild
(Bahnhofstraße 5), Zigarrenfabrik Sally Rotheimer (Bismarckstraße 18), Möbelgeschäft Simon Sandler
(Pfarrstraße 3), Eisenhandlung Rudolf Schloßberger (Holzmarkt 30), Malzfabrik Schrag und Heinsheimer (Schloßstraße
1), Hopfenhandlung Staadecker und Straus (Schloßstraße 3), Café und Conditorei Saly Strauss (Bahnhofplatz 9), Schuhwarengeschäft Jenny Stroh (Wörthstraße
6), Lederhandlung und Schuhmacherbedarfsartikel Sally Stroh (Kaiserstraße 63), Kurzwaren Clare Türkheimer
(Huttenstraße 2), Viehhandlung Max Türkheimer (Prinz-Wilhelm-Straße 24), Papierverarbeitung Isidor Weil (Güterbahnhof 8), Zigarrenfabrik Alexander Wertheimer
(Friedrichstraße 60), Ausstattungsgeschäft Aron Wolf (Kaiserstraße 49), Viehhandlung Leopold Wolf, Inh. Gustav Wolf
(Talstraße 12), Malzfabrik Ludwig Wolff (Huttenstraße 28).
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von
den 1933 hier lebenden 501 jüdischen Einwohnern mindestens 93 ums
Leben.
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Das
mittelalterliche Wohngebiet konzentrierte sich auf die "Judengasse", die 1344
erstmals genannt wird. Bei der Zerstörung Bruchsals 1689 ging die Bezeichnung
unter. Die Gasse verlief im unteren Teil der Rathausstraße zwischen
John-Bopp-Straße und Kübelmarkt. Hier befanden sich auch die mittelalterliche Synagoge, die gleichfalls 1344 genannt wird. Sie stand möglicherweise auf dem
heutigen Grundstück Blumenstraße 3. Zwischen dem alten Stadtgraben (Grundstück
Stadtgrabenstraße 17) und dem Saalbach lag ein rituelles Bad, das auf einem
Stadtplan um 1650 als "Judenbad" und "Judenbrunnen" eingetragen ist.
Die neuzeitliche Gemeinde hatte zunächst einen Betsaal,
seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert im Dachstock des herrschaftlichen
Hauses des Hoffaktors Jakob Süssel (sogenannter "Süsselbau", Standort:
Huttenstraße 2). Dieser war von 1704 bis 1750 zugleich Vorsteher der jüdischen
Gemeinde Bruchsals. Bis zum Bau der ersten Synagoge 1802 war der Betsaal in
seinem Haus Mittelpunkt der Bruchsaler Gemeinde, in deren Eigentum das Gebäude
nach dem Tod des Stifters übergegangen war. Süssel hatte in seinem Haus 1740
auch den ersten Rabbiner Bruchsal aufgenommen (Isaak Weil aus dem bayrischen Uehlfeld, Rabbiner von 1740 bis 1743) und bestimmte, dass auch künftig der
Rabbiner in diesem Haus wohnen sollte. Im Süssel’schen Betsaal wurden noch
bis in die NS-Zeit zweimal im Jahr Gottesdienste gefeiert. Er blieb in seiner
ursprünglichen Gestalt erhalten und war nach Berthold Rosenthal
(Heimatgeschichte 1927 S. 144) im 20. Jahrhundert "das älteste jüdische
Gotteshaus in Baden: "Dieser ehrwürdige Gebetsraum, dessen ganze
Inneneinrichtung an die Architektur des Bruchsaler Schlosses erinnert, erfüllt
jetzt noch den Besucher mit heiligem Schauer. Es ist ihm, als wäre die Zeit
still gestanden; er sieht sich umringt von den Urahnen, die, in der Tracht des
18. Jahrhunderts angetan und in ihre Gebetmäntel gehüllt, ihre Bitten und
ihren Dank zum himmlischen Vater emporsenden". Das Gebäude Huttenstraße 2
wurde im Zweiten Weltkrieg kriegszerstört. Vermutlich war in ihm bis 1876 auch
die bis dahin bestehende jüdische Konfessionsschule eingerichtet.
1802 wurde eine Synagoge auf dem Grundstück Friedrichstraße
78 erbaut. Da im Laufe des 19. Jahrhundert die Zahl der jüdischen Einwohner
Bruchsals von 129 (1814) auf 730 (1880) stark zunahm, war ein Neubau dringend
notwendig. Im Dezember 1878 wurde ein Neubau an derselben Stelle beschlossen.
Der erste Spatenstich konnte am 1. Mai 1880 erfolgen, am 10. Juni desselben
Jahres wurde der Grundstein gelegt. Innerhalb von 16 Monaten wurde der Bau
erstellt; bereits am 16. September 1881 konnte die Einweihung gefeiert werden.
Der Bau kostete 140.000 Mark, die von der Bruchsaler Gemeinde selbst aufgebracht
werden konnten. Nach den Entwürfen der Heidelberger Architekten Johann
Friedrich Henkenhaf (1848-1908) und Friedrich Ebert (1850-1914) wurde ein stattlicher Bau erstellt. Prägend für das Gebäude
war der Neu-Renaissance-Stil. In der Gestaltung der Fassade zeigten sich manche
Ähnlichkeiten mit der Karlsruher Synagoge. Auffallend war in Bruchsal jedoch
ein Fassadenvorbau, der an den Tempietto (1502) des Donato d’Angelo Bramante
(1444-1514) in Rom
erinnerte, wenngleich Ähnlichkeiten auch mit dem Felsendom in Jerusalem
vorhanden waren. Dieser wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein als Abbild des
Jerusalemer Tempels betrachtet. In der Synagoge war auch eine Orgel vorhanden.
Von einem festlichen Gottesdienst in der Bruchsaler
Synagoge berichtet einmal die "Allgemeine Zeitung des Judentums" anlässlich der
am Abend des 7. September 1900 durchgeführten Investitur des neugewählten
Bezirksrabbiners Dr. Max Doctor: "Vor Beginn des Gottesdienstes versammelten
sich die Herren Gemeindevorstände mit dem Herrn Rabbiner in dem an die Synagoge
sich unmittelbar anschließenden Betsaal und begaben sich von hier unter
Orgelklang und Chorgesang in das Gotteshaus, wo unser Gemeindevorstand, Herr
Louis Marx, den Seelenhirten der Gemeinde vorstellte und sie ermahnte, ihm die
gebührende Hochachtung entgegen zu bringen und dazu beizutragen, das bisher so
lobenswert anerkannte friedliche Verhältnis in der Gemeinde weiter zu
pflegen..."
Feier in der Synagoge zum Geburtstag des Kaisers (1901)
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1926 bis 1928 wurde der gesamte Innenraum der Bruchsaler Synagoge
von dem in Bruchsal gebürtigen, später in Ulm wohnhaften Maler Leo Kahn (1894-1983) ausgemalt, ein nach einem zeitgenössischen
Urteil unerhörtes Unternehmen", das viel Beachtung fand. Leo Kahn wurde zu
seiner Ausmalung von den aus verschiedenen Synagogen des 18. Jahrhunderts
bekannten Bemalungen inspiriert und hat besonders in der Jerusalem darstellenden
Landschaft in der Nische oberhalb des Toraschreines ein altes Motiv neu belebt.
Das vor der Estrade angebrachte schmiedeeiserne Gitter mit dem Rednerpult und
den flankierenden Leuchtern war eine Arbeit des Künstlers Benno Elkan
(1877-1960, der auch
hier auf Vorbilder aus Osteuropa zurückgriff. 1928 rühmte die "Badische Presse"
den schönen und würdevollen Gesamteindruck der Bruchsaler Synagoge, die "neben
dem Können und Eifer der Künstler auch dem Opfersinn und Kunstgeist der
Gemeinde und ihrer Berater das beste Zeugnis" ausgestellt und dabei "jede
Beeinträchtigung durch minderwertige und konventionelle Klischeekunst vermieden"
habe. Die Synagogenweihe nach der Renovierung war am 1. April 1928.
Ausmalung der Synagoge durch Leo Kahn (1928)
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Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Bruchsaler
Synagoge bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Nicht alle Vorgänge konnten
nach 1945 rekonstruiert werden. Eindeutig ist nach den Akten des
Synagogenbrandprozesses (12. Juli 1946 vor der Karlsruher Strafkammer), dass
sich NSDAP-Partei-Mitglieder, SA- und SS-Männer am 10. November morgens um 3
Uhr im Gasthof "Grüner Baum" trafen, um das Vorgehen abzusprechen. Ein 37-jähriger
Truppenführer der SA aus Bruchsal und ein 39-jähriger SA-Mann aus
Untergrombach gehörten zu den Brandstiftern. Sie waren dabei, als Benzin in
Kannen und Eimern zur Synagoge geschleppt wurde. Einer von beiden stieg durch
ein Fenster in die Synagoge, öffnete von innen die Tür und goss das Benzin in
die untersten Räume. Gleichzeitig drangen die übrigen Mittäter ein und
verteilten an allen brennbaren Punkten der Synagoge Benzin. Die Synagoge wurde
angezündet und brannte zwischen 4.30 Uhr und 6.00 Uhr bis auf die Grundmauern
nieder. Die Feuerwehr erhielt die Order, nur das Übergreifen des Brandes auf
weitere Häuser zu verhindern. Beim Synagogenbrandprozess 1946 wurde der
Bruchsaler SA-Mann wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit
Brandstiftung zu einer Gesamtzuchthausstrafe von drei Jahren, der
Untergrombacher wegen einfachen Landfriedensbruchs und Beihilfe zur
Brandstiftung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
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1966
ist am Feuerwehrgebäude eine Gedenktafel für die Synagoge angebracht worden.
Eine der sechs Säulen aus dem halbrunden Tempiettovorbau der ehemaligen
Synagoge liegt heute auf dem jüdischen Friedhof in Obergrombach. Eine neue
Gedenktafel für die Synagoge wurde am 30. Oktober 2000 enthüllt.
In der 1840 errichteten zentralen Strafanstalt in Bruchsal (Schönbornstraße
32) wurde unterhalb der Orgel des heute noch erhaltenen Kirchenraumes ein Betsaal
mit sieben Einzelboxen für die jüdischen Insassen eingerichtet. Diese
Einrichtung ist nicht mehr vorhanden.
Fotos
Historische Fotos:
| Synagoge (alter Betsaal) im Rabbinatshaus
(Süsselbau) in Bruchsal |
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Das Rabbinatshaus vor 1933 und nach dem Fliegerangriff auf Bruchsal am 20.
September 1940;
(Quelle: E. Weiss, Der Gerechte s. Lit. S. 78f) |
Die alte Synagoge im Rabbinat
(Quelle: Rosenthal, Heimatgeschichte s.Lit. S. 145) |
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| Die (neue) Synagoge in der
Friedrichstraße |
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Historische Ansichtskarte aus Bruchsal mit Synagoge |
Quelle: Hundsnurscher/Taddey s.Lit. Abb. 27 |
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Blick von Osten
Quelle: Ziwes, Badische Synagogen S. 63 |
Ursprüngliche Innenansicht
Quelle: Ziwes, Badische Synagogen S. 65 |
Innenansicht (Apsis) nach der Ausmalung durch Leo Kahn 1927/28
Quelle: Hundsnurscher/Taddey s.Lit. Abb. 28 |
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Ausmalung im Gewölbe des "Chorraumes" der Synagoge
Quelle: Hammer-Schenk s.Lit. Abb. 485 |
Ausmalung im Gewölbe des "Chor"vorjoches
Quelle: ebd. Abb. 483 |
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| Die zerstörte Synagoge nach
dem Novemberpogrom 1938: |
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Die Ruine der Synagoge nach der Zerstörung im November 1938; Quelle:
links: Haus s. Lit. S. 159, rechts: Stude s.Lit. S. 273 |
Die ausgebrannte Bruchsaler Synagoge; Quelle: Stude s.Lit. S. 274 und Haus
s. Lit. S. 159. |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Das inzwischen mit der Feuerwehrzentrale bebaute ehemalige
Synagogengrundstück |
Die alte Gedenktafel von 1966
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Fotos 2000: neue Gedenktafel
(Quelle der Fotos:
Fa.
S & P Schäffer & Peters GmbH Mühlheim) |
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Enthüllung der neuen
Gedenktafel |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 15.9.2003) |
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| Der ehemalige
Synagogenstandort |
Die Gedenktafel |
Der Text der Gedenktafel |
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Säule aus der
Bruchsaler Synagoge als Denkmal auf dem Friedhof in Obergrombach
- mit Hinweistafel |
Links und Literatur
Links:
Literatur/Medien:
"Nicht vergessen – Synagoge Bruchsal: 1881
– 1938" Interaktive
Begegnung mit einem Stück Bruchsaler Geschichte. Ein Projekt des Gymnasiums St.
Paulusheim. Das Projekt ist umgesetzt in einer CD-Rom des
Gymnasiums St. Paulusheim Bruchsal. 2000 (Bundessieger im Schülerwettbewerb
Join-Multimedia 2000 der Siemens AG).
Vorstellung dieses Projektes: hier
anklicken
Hinweise und Besprechungen zu diesem Projekt: unter anderem bei www.holocaust-education.de:
hier
anklicken; ausführlich auch auf einer Seite der Universität Frankfurt
über multimediale Präsentationen: hier
anklicken.
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 156-160. |
 | Germania Judaica II,1 S. 135f; GJ III,1 S. 173f. |
 | Hans Rott: Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Bruchsal, in: Die
Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden IX,2. 1913. |
 | Berthold Rosenthal: Heimatgeschichte der badischen Juden.
Bühl/Baden 1927. Reprint Magstadt 1981. |
 | Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer
Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. 2 Bände. Hamburg 1981. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 274-277. |
 | Jürgen Stude: Geschichte der Juden im Landkreis Karlsruhe. 1990
(passim). |
 | Elmar Weiss: Der Gerechte lebt durch seine Treue (Veröffentlichungen
des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte… im tauberfränkischen
Raum Band 3) 1996 (zu Josef Eschelbacher, aber auch zur Bruchsaler jüdischen
Gemeinde). |
 | Franz-Josef Ziwes (Hg.): Badische Synagogen. 1997 S. 62-65. |
 | Reiner Oberbeck: Die Synagoge Bruchsal 1881-1938 sowie Konrad Exner-Seemann:
Die Deportation Bruchsaler Juden in das Vernichtungslager Gurs. Aufsätze
in: Badische Heimat Heft 2/2002; |
 | Alixua Kira Haus: Bruchsal und der Nationalsozialismus. Geschichte
einer nordbadischen Stadt in den Jahren 1918-1940. Verlag Regionalkultur
2001 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal.
Band 19). |
 | Dagmar Hartmann: Die ehemalige Synagoge in Bruchsal
aus kunsthistorischer Sicht. Ms. Heidelberg 1998. Druck für 2005/06
vorgesehen. |
 | Jürgen
Stude: Geschichte der Juden in Bruchsal. Veröffentlichungen
zur Geschichte der Stadt Bruchsal Band 23. Verlag Regionalkultur 2007. (umfassende
Darstellung zur jüdischen Geschichte der Stadt und der Stadtteile) |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Bruchsal
Baden. A Jewish settlement existed by the latter 13th century with an
organized community concentrated in a Jewish quarter in the first half of the
14th century. The community was destroyed in the Black Death persecutions of
1348-49. The new community suffered religious persecutions in the 15th century
and lost all its property in the Thirty Years War (1618-48). Throughout the 18th
century, the Jews were subjected to political and economic pressure by the
ruling bishops. The first synagogue was consecrated in 1802 and in 1827 Bruchsal
became the seat of the district rabbinate with jurisdiction over a dozen
communities. Jews came to play a leading role in the city's economy, trading in
beer hops and other farm produce and operating a major knitwool factory. The
Jewish population grew steadily, rising from 178 in 1825 to 743 (total 12,614)
in 1895. Antisemitism made itself felt in the 1880s and 1890s, with occasional
violent outbursts, and again after worldwar I. From the early 20th century, the
Jewish population began to decline through emigration and by 1933 numbered 501.
The community remained prominent economically, with Jews owning 21 factories (12
of them making cigarettes) and being well represented in the professional class.
Under Nazi rule, discriminatory laws were applied and the economic boycottes was
enforced. In 1936-37, 110 Jews left the city, 76 of them emigrating from
Germany. In 1938 Jews of Polish and Czech origin were expelled to the Polish
border and on Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was
burned to the ground, Jewish homes and stores were wrecked, and Jewish men were
sent to the Dachau concentration camp. The last 79 Jews in the city were sent to
the Gurs concentration camp in Ocktober 1940, joined by another 37, who had
previously left and were subsequently cought up in the deportations; 86 perished
in the camps.

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