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Friedhöfe in der Region"
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Alzey-Worms
Worms
(Stadtkreis Worms,
Rheinland-Pfalz)
Der jüdische Friedhof "Heiliger Sand"
Übersicht:
Zur Geschichte des Friedhofes "Heiliger Sand"
Der
jüdische Friedhof in Worms ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof in
Europa. Er entstand vermutlich in der Zeit, als die erste Synagoge 1034 erbaut
worden. Er wurde vermutlich auf dem Gelände einer großen Sandgrube angelegt,
die beim Stadtmauerbau im 9. und 10. jahrhundert ihre Oberflächenform erhalten
hat.
Der älteste vor Ort erhaltene Grabstein ist der
von Jakob ha-bachur und stammt aus dem Jahr 1076/77. Einige weitere Grabsteine aus
dem 11. Jahrhundert sind außerdem noch vorhanden. Man kann sie unschwer an
ihrer einfachen, rechteckigen Form, den "Schreiblinien" und der
Umrahmung des Schriftfeldes erkennen. Sehr ähnlich, doch ohne Linien und
Umrahmung, sehen die zahlreichen Grabsteine des 12. Jahrhunderts aus. Nicht nur
wegen seines hohen Alters ist er so bedeutend. Auch zahlreiche namhafte jüdische
Gelehrte sind hier begraben. Die Ruhestätte ist auch deshalb für die
Friedhofskultur besonders interessant, weil keine christlichen Friedhöfe mit
aufrecht stehenden Grabsteinen aus romanischer Zeit erhalten sind. Nur wenige
Grabplatten und Sarkophagdeckel wurden in Kirchen bewahrt. 1260 wurde der
Friedhof durch den Vorsteher Jechiel ben Ephraim von einer stabilen Mauer
umgeben.
Im Vorhof des Friedhofs steht ein Brunnen für die
rituelle Reinigung der Hände nach dem Friedhofsbesuch. Neben dem hölzernen
Eingangstor ist das Totengebet als Sandsteintafel in die Mauer eingelassen. Eine
Wormser Eigenart ist, dass die Grabsteine alle nach Süden ausgerichtet sind. Unweit
vom Eingang befindet sich der Grabstein des Rabbi Meir von Rothenburg (1220 -
1293), der als großer Gelehrter und Märtyrer hochverehrt ist. Die Grabsteine
ab der Zeit der Gotik zeigen die typischen Stilmerkmale der jeweiligen Epoche. 1911 wurde beim
Hauptfriedhof Hochheimer Höhe ein
neuer jüdischer Friedhof
angelegt. Seither fanden hier kaum noch Beerdigungen statt. Die Zeit der
NS-Diktatur hat der Heilige Sand weitgehend unbeschadet überstanden. Imposant
ist der so genannte "Martin-Buber-Blick" - über den Friedhof und die
Stadtmauer hinweg zum nahen Dom (siehe Text unten). Sie alle stammen aus der Zeit der Romanik und
bilden eine große Einheit, obwohl man sie mit Gewalt kulturell voneinander
trennen wollte. Die Friedhofsfläche umfasst 158,98 ar.
Lage des Friedhofes
Unmittelbar südwestlich der Altstadt (Andreasstraße /
Willy-Brandt-Ring)
Lage auf den Google-Maps:
Größere Kartenansicht
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.8.2005)
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Friedhofswärterhaus
am
Eingang |
Eingang und Taharahaus
(Leichenwaschhaus) |
Eingangstor |
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| Hinweistafel |
Brunnen im Eingangsbereich |
Steintafel mit dem Totengebet |
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Grabsteine des Rabbi Meir von
Rothenburg und des Alexander ben Salomo genannt Süßkind Wimpfen, 1293
und 1307 |
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| Teilansichten |
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Im Rabbinental |
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| Teilansichten |
Barocker Grabstein |
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Eingemauerte
Grabsteine (Grabsteinfunde in der Altstadt) |
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| Grabstein des großen
Gelehrten MaHaRIL = Jakob ben Moses halevi: seit 1390 Rabbiner in Mainz,
gest. 1427 in Worms. Sein Grab sollte auf seinen Wunsch im Umkreis von 4
Ellen frei bleiben. |
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| Im neueren Friedhofsteil |
Auffallende Grabdenkmäler:
Abgesägter Baum und Steinhaufen. |
Grabstein von Marie Schlösser
(1862-1884) |
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Blick zum Dom
(vgl. Text von Martin Buber) |
Grabsteinensemble: Gräber von
Angehörigen der Familie Mannheimer |
Grabstein links mit
"segnenden Händen" der Kohanim |
Text von Martin Buber: "Aber gekündigt ist
mir nicht" (1933)
"Ich lebe nicht fern von der Stadt Worms, an die mich auch eine
Tradition meiner Ahnen bindet; und ich fahre von Zeit zu Zeit hinüber. Wenn ich
hinüberfahre, gehe ich immer zuerst zum Dom. Das ist eine sichtbar gewordene
Harmonie der Glieder, eine Ganzheit, in der kein Teil aus der Vollkommenheit
wankt. Ich umwandle schauend den Dom mit einer vollkommenen Freude. Dann gehe
ich zum jüdischen Friedhof hinüber. Der besteht aus schiefen, zerspellten,
formlosen, richtungslosen Steinen. Ich stelle mich darein, blicke von diesem
Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor, und mir ist, als sähe ich von
Israel zur Kirche auf. Da unten hat man nicht ein Quentchen Gestalt; man hat nur
die Steine und die Asche unter den Steinen. Man hat die Asche, wenn sie sich
auch noch so verflüchtigt hat. .. Ich habe da gestanden, war verbunden mit der
Asche und quer durch sie mit den Urvätern. Das ist Erinnerung an das Geschehen
mit Gott, die allen Juden gegeben ist. Davon kann mich die Vollkommenheit des
christlichen Gottesraums nicht abbringen, nichts kann mich abbringen von der
Gotteszeit Israels. Ich habe da gestanden und habe alles selber erfahren, mir
ist all der Tod widerfahren: all die Asche, all die Zerspelltheit, all der
lautlose Jammer ist mein; aber der Bund ist mir nicht aufgekündigt worden. Ich
liege am Boden, hingestürzt wie diese Steine. Aber gekündigt ist mir nicht.
Der Dom ist, wie er ist. Der Friedhof ist, wie er ist. Aber gekündigt ist uns
nicht worden."
Nähere Informationen zu diesem Text von Martin Buber und Quellenangaben: hier
anklicken
Neuere Presseartikel zum
Friedhof
| Juni 2010:
Ein Tunnel unter dem Friedhof wurde
wiederentdeckt |
Foto
links von Alessandro Balzarin: Das freigelegte Tunnelstück auf dem
"Heiligen Sand".
Artikel von Susanne Müller in der "Wormser Zeitung" vom 20.
Juni 2010 (Artikel):
"THW legt überraschend einen Teil der früheren Stadtbefestigung frei.
Auf dem "Heiligen Sand“ in Worms wurde eine aufregende Wieder-Entdeckung gemacht: Unter dem jüdischen Friedhof verläuft an der Nordseite ein unterirdischer Gang. Das gemauerte Bauwerk mit Gewölbedecke stammt aus dem Jahr 1617, war über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, im Zweiten Weltkrieg als Luftschutz-Einrichtung genutzt worden - aus dieser Zeit stammt auch ein betonierter Eingang auf dem Gottesacker, der nun aufgebrochen wurde.
Auf 44 Metern ist das unterirdische Bauwerk noch begehbar, der übrige Teil scheint eingestürzt. Das vermuteten nach der ersten Wieder-Begehung nach Jahrzehnten Dr. Irene Spille von der Unteren und Pia Heberer von der Landes-Denkmalbehörde. Dies ergab eine Probebohrung durch eine Betonwand, die offenbar in der Mitte des vorherigen Jahrhunderts eingezogen worden war, um den eingestürzten Teil des Tunnel vom noch begehbaren abzutrennen.
Die Leiterin des Referates Bauaufsicht des Landes will weitere Untersuchungen vornehmen, um so festzustellen, ob tatsächlich der gesamte weitere Verlauf desTunnels in Richtung Stadtmauer zerstört ist. Der noch begehbare Teil, der bis unter das heutige Bahngelände reicht, wird dokumentiert und vermessen.
Tunnel war einst Teil der Stadtbefestigung. Der Tunnel war einst Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, reichte von der Stadtmauer bis zum Stadtgraben. Er wurde im Jahr 1617 gebaut - und die damaligen Bauherrn waren nicht zimperlich, was das Material anbelangt: Sie nutzten Grabsteine des Gottesackers, um den Boden auszulegen. Diese wurden dann Anfang der 1930er Jahre wieder herausgenommen und in die Mauer des Heiligen Sandes eingebaut, wo sie heute noch zu sehen sind.
Einer wurde dabei vielleicht vergessen: Gefunden wurden bei der Begehung nun Bruchstücke eines jüdischen Grabsteins aus dem 17./18.
Jahrhundert, offenbar vom Grab einer Frau. Zur weiteren Erforschung und Übersetzung der Inschrift wurde er zunächst ins städtische Museum gebracht." |
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Foto
links von Photoagenten / Alessandro Balzarin: Einblick in den wieder entdeckten Tunnel unter dem jüdischen Friedhof.
Artikel von Johannes Götzen in der "Wormser Zeitung" vom 25.
Juni 2010 (Artikel):
"Kulturgut und Bombenschutz - Erinnerung an Tunnel unter dem jüdischen Friedhof
WORMS. Er war über Jahrzehnte einfach in Vergessenheit geraten: Der Tunnel unter dem jüdischen Friedhof, der vor wenigen Tagen bei wissenschaftlichen Untersuchungen wieder entdeckt worden war (die WZ berichtete). Was dabei vermutet wurde, bestätigt sich jetzt: Der vermutlich bereits im Mittelalter angelegte Tunnel diente im Zweiten Weltkrieg als Schutzkeller. Herbert Neidlinger verbrachte hier als gerade einmal fünfjähriger Knabe mit der Mutter bange Stunden.
Eigentlich wohnte die Familie in der Eisbachstraße, doch die Tante lebte in einem Mehrfamilienhaus in der Bahnhofstraße, dort, wo heute der EWR-Parkplatz ist. Bei Fliegeralarm ging es meistens in den großen Luftschutzkeller unterm Haus
'Mainzer Rad' schräg gegenüber in der Andreasstraße, erinnert sich der heute 70-Jährige. Schon dessen Eingang sei vom jüdischen Friedhof aus zugänglich gewesen.
Von Lehmwänden beschützt. Einige Male allerdings sei er mit der Mutter vor den Bomben in den viel engeren unterirdischen Gang geflüchtet, um Schutz zu suchen. Höchstens 30 Menschen hätten darin Platz gefunden, sehr eng sei es gewesen.
'Und es hat unglaublich muffig gerochen', weiß Herbert Neidlinger noch wie heute. Sehr tief hinunter sei es gegangen, die Wände und Treppenstufen seien nach seiner Erinnerung aus dem Lehm geschnitten gewesen.
Herbert Neidlinger ging es wie vielen: Zwar habe er früher seiner Frau schon mal gesagt, dass da unten ein Gang sein muss – um ihn dann aber doch zu vergessen. Bis er jetzt wieder auftauchte.
Weltkulturerbe-Wunsch weckt Erinnerungen. Hintergrund sind wissenschaftliche Untersuchungen, die derzeit laufen, um dem Bemühen gemeinsam mit Speyer und Mainz als
Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Worms, Speyer und Mainz heißen nach den Anfangsbuchstaben ihrer hebräischen Namen
'Schum-Städte'. Darüber hinaus soll nun noch ein Netzwerk deutscher Städte mit bedeutsamer jüdischer Geschichte aus dem Mittelalter entstehen. Noch in diesem Jahr solle dazu ein ein Vertrag zwischen den Schum-Städten und der thüringischen Stadt Erfurt unterzeichnet werden, informierte Oberbürgermeister Michael Kissel.
'Wir sind der Überzeugung, dass sich noch weitere Städte unter diesem Dach vereinen
werden', so Kissel.
Jüdisches Kulturerbe vereint: Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur.
Im November letzten Jahres waren Vertreter der Schum-Städte nach Erfurt eingeladen, um sich über eine Zusammenarbeit im Bereich des jüdischen Kulturerbes zu unterhalten. Dort wurde schließlich in einer Arbeitsgruppe die Idee geboren, ein Netzwerk zu gründen.
'Um die weitere Erforschung, Pflege und Bewahrung des mittelalterlichen jüdischen Erbes in Deutschland voranzutreiben und seine kulturelle Bedeutung bekannter zu machen, könnten sich Städte mit einem solchen Erbe enger vernetzen, um von Erfahrungen und Ideen zu profitieren und gleichzeitig die Aufmerksamkeit zu erhöhen', so Kissel.
Die jüdischen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz bildeten im 11. und 12. Jahrhundert die Schum-Städte. Aufgrund ihrer Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur. Erfurt war im Mittelalter eine der größten Städte des Heiligen Römischen Reiches und ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. In diesem Umfeld entwickelte sich eine der angesehensten mittelalterlich-jüdischen Gemeinden, deren Anfänge im späten 11. Jahrhundert liegen." |
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Artikel von Kurt F. de Swaaf im "SPIEGEL
ONLINE" vom 30. Juni 2010: "Gemeißelte
Geheimnisse - Forscher entziffern jüdische Grabinschriften"
(Link
zum Artikel; auch
eingestellt als pdf-Datei) |
Dazu auch die epd-Pressemitteilung Anfang
August 2010 (Mitteilung):
"Forscher entziffern Grabinschriften auf jüdischem Friedhof in Worms
Duisburg/Worms (epd). Forscher der Universität Duisburg-Essen entziffern in einem Pilotprojekt die Grabinschriften auf dem jüdischen Friedhof in Worms. Der Friedhof "Heiliger Sand" sei der älteste erhaltene mittelalterliche jüdische Friedhof in Europa, teilte die Universität am Montag in Duisburg mit. Der älteste der insgesamt etwa 1.300 Grabsteine stamme aus dem Jahr 1076, hieß es.
Die Forscher erhoffen sich durch die Aufarbeitung der Grabinschriften auf dem "heiligsten Ort des aschkenasischen Judentums" bessere Kenntnisse über die frühe Geschichte der Juden in Deutschland. Die Schwierigkeit des Entzifferns liege darin, dass die Grabsteine aus Sandstein hergestellt wurden und die Inschriften im Laufe der Jahre stark ausgewaschen seien, erklärte Michael Brocke, Professor für Judaistik des Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte der Universität Duisburg-Essen.
Neben bewährten Methoden wie Fotografie und Textdokumentation kommen den Angaben zufolge auch moderne Scanverfahren zum Einsatz, um die hebräischen Schriftzeichen zu entziffern. Die Texte auf den Grabsteinen erzählen vom Leben und den Todesumständen der Begrabenen, unter ihnen Lehrer, Dichter, Juristen, Hebammen und Kantorinnen. So haben die Forscher zum Beispiel Hinweise auf das Massaker im Jahr 1096 in Worms gefunden, bei dem Kreuzritter etwa 400 Juden ermordeten. Die vollständigen Ergebnisse des Projekts sollen in einer Online-Dokumentation veröffentlicht werden.
Internet: www.uni-due.de." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Otto Böcher: Der alte Judenfriedhof zu Worms.
(Rheinische Kunststätten 148), 5. Aufl. Worms 1984. |
 | Fritz Reuter: Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms. 1987². |
 | Fritz Reuter/Christa
Wiesner: Der Judenfriedhof zu Worms. In: Ein edler Stein sei sein
Baldachin. Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz. Hg. v. Landesamt für
Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1996 |

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