Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Texte aus dem 19./20. Jahrhundert zur mittelalterlichen und neuzeitlichen jüdischen Geschichte in Worms 
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Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben im 19,/20. Jahrhundert  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert  
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Worms (Stadtkreis Worms, Rheinland-Pfalz) 
Der jüdische Friedhof "Heiliger Sand"   

Übersicht:

Zur Geschichte des Friedhofes "Heiliger Sand"    
Lage des Friedhofes   
Fotos 
Beiträge über den Friedhof in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts   
Text von Martin Buber "Aber gekündigt ist mir nicht!" (1933)   
Neuere Presseartikel zum Friedhof   
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte des Friedhofes "Heiliger Sand"       
   
Der jüdische Friedhof in Worms ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof in Europa. Er entstand vermutlich in der Zeit, als die erste Synagoge 1034 erbaut worden. Er wurde wahrscheinlich auf dem Gelände einer großen Sandgrube angelegt, die beim Stadtmauerbau im 9. und 10. Jahrhundert ihre Oberflächenform erhalten hat.
       
Der älteste vor Ort erhaltene Grabstein ist der von Jakob ha-bachur und stammt aus dem Jahr 1076/77. Einige weitere Grabsteine aus dem 11. Jahrhundert sind außerdem noch vorhanden. Man kann sie unschwer an ihrer einfachen, rechteckigen Form, den "Schreiblinien" und der Umrahmung des Schriftfeldes erkennen. Sehr ähnlich, doch ohne Linien und Umrahmung, sehen die zahlreichen Grabsteine des 12. Jahrhunderts aus. Nicht nur wegen seines hohen Alters ist der Friedhof so bedeutend. Auch zahlreiche namhafte jüdische Gelehrte sind hier begraben. Die Ruhestätte ist auch deshalb für die Friedhofskultur besonders interessant, weil keine christlichen Friedhöfe mit aufrecht stehenden Grabsteinen aus romanischer Zeit erhalten sind. Nur wenige Grabplatten und Sarkophagdeckel wurden in Kirchen bewahrt. 1260 wurde der Friedhof durch den Vorsteher Jechiel ben Ephraim von einer stabilen Mauer umgeben.
      
Im Vorhof des Friedhofs steht ein Brunnen für die rituelle Reinigung der Hände nach dem Friedhofsbesuch. Neben dem hölzernen Eingangstor ist das Totengebet als Sandsteintafel in die Mauer eingelassen. Eine Wormser Eigenart ist, dass die Grabsteine alle nach Süden ausgerichtet sind. Unweit vom Eingang befindet sich der Grabstein des Rabbi Meir von Rothenburg (1220 - 1293), der als großer Gelehrter und Märtyrer hochverehrt ist. Die Grabsteine ab der Zeit der Gotik zeigen die typischen Stilmerkmale der jeweiligen Epoche. 

1911 wurde der Friedhof "Heiliger Sand" geschlossen und beim Hauptfriedhof Hochheimer Höhe ein neuer jüdischer Friedhof eingeweiht. Seither fanden auf dem alten Friedhof kaum noch Beerdigungen statt. Die Zeit der NS-Diktatur hat der Heilige Sand weitgehend unbeschadet überstanden. Imposant ist der so genannte "Martin-Buber-Blick" - über den Friedhof und die Stadtmauer hinweg zum nahen Dom (siehe Text unten). Sie alle stammen aus der Zeit der Romanik und bilden eine große Einheit, obwohl man sie mit Gewalt kulturell voneinander trennen wollte. Die Friedhofsfläche umfasst 158,98 ar.   
   
   
   
   
Beiträge über den Friedhof in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts    
     
Bei den Erdarbeiten zur neuen Eisenbahnlinie wird ein alter Grabstein entdeckt - Spendenverzeichnis für die Renovierung der jüdischen Altertümer - 
Vorbereitungen zur Renovierung der Raschikapelle  - hoher Besuch der jüdischen Altertümer (1853)
     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Oktober 1853: "Worms, im Oktober (Privatmitteilung). Bei den Erdarbeiten, welche der Bau der Ludwig-Hessischen Eisenbahn in der unmittelbaren Nähe unserer Stadt nötig machte, wurde ein 20 Fuß tief verschütteter Leichenstein aufgefunden, dessen Aufschrift lautet (hebräisch): '...zu Häupten des Wohltäters R. Jehuda Bar Jizchak  ... gestorben in gutem Namen am Freitag 25. Siwan (50)77. Seine Seele sei eingebunden im Bündel des Lebens ... im Garten Eden Amen Sela' (sc. der Grabstein datierte auf ca. Juni 1317). - Der obere Teil des Steines fehlt und der Raum zwischen dem ersten und dem zweiten Worte ist eine unlesbar gewordene Lücke; der Stein enthält also eine Aufschrift, die wenigstens 537 Jahre alt ist. 
- Weitere Beiträge für die Renovierung der Altertümer sind eingegangen: von Fraustadt 2 Thlr.; Gleiwitz 20 Thlr.; Freudenthal 14 Fl.; Frankfurt a.d.O. 13 Thlr.; Rakel 11 Thlr.; Ichenhausen 24 Fl.; der mattenbuden'schen Gemeinde zu Danzig 44 Thlr.; Sondershausen 7 Thlr.; Main 50 Fl. 18 Kr.; Meisenheim 5 Thlr. 11 Sgr. 7 Pf.; D. Crone 14 Thlr.; hierzu den Betrag von 283 Fl. 15 Kr. laut Nr. 40 dieses Blattes. Summa 116 Thlr. 11 Sgr. 7 Pf. und 371 Fl. 33 Kr., zusammen 575 Fl. 13 Kr. -  
Wir machen die ferne Mitteilung, dass in diesen Tagen zunächst durch einen Baumeister der Plan der Raschikapelle aufgenommen wurde.  -   
Vor einiger Zeit besuchten die hiesigen israelitischen Altertümer die Söhne Seiner Durchlaucht des Fürsten von Thurn und Taxis, sowie vor einigen Tagen Seine Exzellenz der königlich preußische Platzkommandant zu Mainz nebst zwei Adjutanten; Seine Exzellenz besuchten auch den israelitischen Friedhof. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass die Beiträge zahlreicher eingehen werden; aus dem Ausland hoffen wir in Kurzem ein erfreuliches Resultat für unser Unternehmen mitteilen zu können; doch sind unsere Blicke zunächst auf unsere deutschen Brüder gerichtet. Das Komitee zur Renovierung der Denkmäler."            

 
Über eine jüdische Beerdigung am Schabbat (1872)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1872: "Aus Worms erhalten wir die nachstehende Zuschrift: 'Gestern am Schabbat Nachamu war ich Zeuge eines Vorganges, der mich aufs Tiefste empörte - der ähnlich vielleicht in ganz Europa noch niemals vorgekommen. Als ich Nachmittags um 5 Uhr durch die Hauptstraße ging, führte mich mein Weg an ein Haus, wo viele Juden standen und noch immer deren hinzukamen; nach der Ursache dieses Versammelns mich erkundigend, erfuhr ich, dass Freitagmorgen ein Spenglermeister gestorben sei, dessen Leichenbegängnis eben stattfinde. Ich traute kaum meinen Ohren. Heute am Schabbat ein Leichenbegängnis? Ich frug nochmals, ob dies wirklich Tatsache sei und siehe! da kam schon der Herr Rabbiner in seinem Ornate - die Leiche wurde in den Wagen gebracht, der Kondukt setzte sich in Bewegung, - zwei Mitglieder der Chewra senkten die Leiche ins Grab, - worauf der Herr Rabbiner eine kurze Anrede hielt, und das Trauerspiel war zu Ende.' (Wie wir vernehmen fand das obenerwähnte Leichenbegängnis aus sanitätlichen Gründen am Sabbat statt. Ob man nicht noch drei Stunden hätte warten können? In keinem Falle hätte der Rabbiner am Grabe sprechen, hätten zwei Israeliten die Leiche in die Gruft senken dürfen! - Red.)"            

  
Schändung des jüdischen Friedhofes durch Jugendliche (1885)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1885: "Worms, 2. März (1885). Ein Bubenstück sondergleichen ist in der Nacht vom Samstag zum Sonntag auf dem hiesigen israelitischen Friedhof verübt worden. 17 Grabsteine älteren und neueren Ursprungs sind mit Aufwand aller den Tätern zu Gebote gestandenen Kraft teils einfach umgestürzt, teils zertrümmert und vom Platze an irgendwelchen entfernten Winkel des Friedhofs geschleift worden. Unter den also devastierten Gräbern befinden sich unter anderem die Ruhestätten von Leopold Cahn, Salomon Reichleser, Jakob Cahn, Ludwig Laengsdorff, Sabine Brenner, Rosine Jakobi, Salomon Stiefel, Rebecka Mayer, Lea Straß, Pauline Mayer und Sophie Mayer, Karoline Weiß, Bertha Krempner und einige andere, deren Eigentümer wir im Augenblick nicht konstatieren konnten. Fast die sämtlichen Gräber, welche von dem unerhörten Frevel betroffen wurden, liegen auf der westlichen, dem Bahngeleise zugekehrten Seite und in dem südlichsten spitz auslaufenden Teile des Friedhofes, der von der Wärterwohnung am meisten abgelegen ist. Die Schädigung mancher Gräber ist eine sehr beträchtliche und überaus bedauerliche. Verübt wurde das Verbrechen vermutlich in den Mitternachtsstunden vor Eintritt des starken Regens beziehungsweise während desselben und zwar gelangten die Friedhofschänder mittelst Übersteigens am großen Torweg zur Stätte ihres ruchlosen Vorhabens. An dem eisernen Tor lassen sich noch die Schmutzspuren der auf die Klinke aufgesetzten Tritte, desgleichen auf dem Friedhof die Fußstapfen im aufgeweichten Boden wahrnehmen. Die niederträchtige Demolierung der Gräber muss den Tätern im Anfang noch nicht ausreichend erschienen sein, da sie offenbar auch den Versuch gemacht, einen der abgewälzten schweren Steine über die Friedhofmauer auf das Bahngeleise hinunterzuschaffen. Zum Glücke langten dazu die Kräfte nicht. Dass eine Person allein die Schandtat vollbracht, halten wir für nicht gut möglich. Welche Beweggründe zu dem bodenlosen Frevel geführt haben könnten, ist jedermann ein Rätsel: ob Betrunkenheit, lediglich der Übermut, ob Judenhass oder was sonst zu dem abscheulichen Beginnen anreizten, das lässt sich für jetzt nicht entscheiden."          
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. März 1885: "In Worms sind in der Nacht vom Sonntag auf Montag auf dem jüdischen Friedhofe viele Gräber geschändet und Grabsteine zertrümmert worden".    

   
Josef Mannheimer gelingt die Übersetzung von vier Grabinschriften (1889)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Mai 1889: "Worms, 9. Mai (1889). Dem greisen Gelehrten und verdienten Pfleger der Geschichte dieser altehrwürdigen Gemeinde, Herrn Josef Mannheimer, ist es gelungen, vier Grabschriften unseres Friedhofes von ihrer fast undurchdringlichen Mooshülle zu befreiten und Inschriften bloßzulegen, die gleich sehr der Geschichte wie dem pietätvollen Interesse einer über die Welt verbreiteten Familie angehören. Als Prof. Kaufmann zum Behufe seiner Monographie über Samson Wertheimer hier nach Epitaphien dieser Familie forschen ließ, musste ihm die Antwort werden, dass hier keine Spur von solchen zu finden sei. Das Moos, das jene von Herrn Mannheimer bloßgelegten vier mächtigen Grabsteine überwucherte, hat das Andenken von vier Mitgliedern der Familie Wertheimer bedeckt. Wir haben jetzt die Grabschriften von R. Samson Wertheimer's Vater, dem im Alter von 87 Jahren heimgegangenen R. Josef Josel, von R. Samsons Bruder, R. Meir, von dessen Frau und dessen Tochter. Das Entzifferungswerk ist nahezu vollendet. Um die kostbaren Denkmäler vor neuem Erlöschen zu schützen, werden dieselben auf Kosten eines Abkömmlings und Namensträgers R. Samson Wertheimer's, des Herrn S. Gomperz in Budapest, unter der Leitung des Herrn Moses Mannheimer mit Ölfarbe überzogen. Möge die Pietät des Gelehrten wie des Verwandten Nachahmung finden und das letzte Archiv unserer Geschichte, das Inschriftenmaterial der jüdischen Friedhöfe, vor der Zerstörung und vor dem Verfall gerettet werden."       

 
Ein Grabstein von 1142 wurde gefunden (1890)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1890: "Worms, 4. August (1890). Bei einer kleinen Erdarbeit hinter dem Hause am israelitischen Friedhof wurde in einer Tiefe von 1 1/2 Meter ein Grabstein mit hebräischer Inschrift aus dem Jahre 1142 aufgefunden."             

  
Artikel über den jüdischen Friedhof von Lehrer Samson Rothschild (1891)      

Worms Israelit 13081891.jpg (62152 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1891: "Der israelitische Friedhof zu Worms
Von S. Rothschild in Worms. (Mit Illustration). Worms gehört zu den nicht zahlreichen Städten des Abendlandes, an welche die meisten und bedeutsamsten Erinnerungen für die Geschichte und Literatur des Judentums sich knüpfen; selbst unter den Städten der Rheinlande ist Worms nicht nur der älteste, sondern auch der fruchtbarste Boden für das geistige und religiöse Leben des abendländischen Israels gewesen und der hiesige israelitische Friedhof ist daher auch derjenige, auf welchem nicht allein die bisher älteste Grabschrift gefunden wurde, sondern auch verhältnismäßig die meisten Heroen der jüdischen Wissenschaft und Märtyrer des jüdischen Glaubens ruhen. Dieser alte Friedhof zeigt keine sauberen Wege, nicht das Walten irgendeiner ordnenden Hand. Ein Gewirr von Grabsteinen, uralten, grauen, moosbewachsenen, starrt uns in jedem Grade des Verfalls und des Umsinkens aus Gras und Gestrüpp entgegen. Um eine Anzahl derselben vor gänzlichem Versinken zu retten und um in die Lage versetzt zu werden, die interessanten Inschriften so mancher Steine zu entziffern, hat sich im     
Worms Israelit 13081891b.jpg (321820 Byte)Jahre 1853 ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe machte, die nötigen Mittel zu beschaffen, um eine ganze Anzahl sehr alter Grabsteine vor gänzlichem Untergange zu retten. Die treibende Kraft des Komitees, dem auch der selige Rabbiner Bamberger von hier angehörte, war jedoch der damals hier angestellte, jetzt in Stockholm lebende Prediger Dr. Levysohn. Er ließ viele Steine, die über die Hälfte versunken waren, heben, und suchte mit großer Mühe die schon vielfach verwitterten Buchstaben an der Hand von alten Manuskripten aus Büchern zu entziffern. Dieselben beginnen aus dem Jahre 905 und gehen abwärts bis auf die neuere Zeit. Von den vielen wertvollen Schriften wollen wir nur auf eine näher hier eingehen. Links vom Wege zum neueren Teil des Friedhofs erhebt sich ein großer Stein, es ist der des Rabbi Meier von Rothenburg, kurz genannt 'Maharam'. Er war einer der hervorragendsten Gelehrten des 14. Jahrhunderts. Er unternahm mit Frau und Kindern eine Reise über das Meer und gelangte nach einer Stadt, die zwischen hohen Bergen, welche man das lombardische Gebirg nannte, lag, und wollte daselbst so lange verweilen, bis alle Mitreisenden bei ihm sich eingefunden haben würden. Da reiste durch jene Stadt der böswillige Vogt von Basel, den ein Proselyt namens Knippe begleitete. Der letztere erkannte den Rabbi, teilte dies dem Vogte mit und bewirkte, dass ihn der Graf Meinhard von Görtz 1286 gefangen nahm und ihn dem Kaiser Rudolf von Habsburg auslieferte, welcher ihn in einem Turme zu Ensisheim (Elsass) gefangen hielt. Der Kaiser Rudolf forderte eine große Summe als Lösegeld, welche zu entrichten auch mehrere Gemeinden sich bereit erklärten. Es verhinderte dies jedoch der Rabbi selbst, indem er in frommer Bescheidenheit den Preis um seine Freiheit für allzu hoch erachtete. Während seiner Haft wurde jedoch Rabbi Meir in seinem Studium nicht gestört und er verfasste vielmehr um diese Zeit mehrere Werke, namentlich mehrere Rabbinatsgutachten. Er starb im Gefängnisse 1293, wo seine sterblichen Überreste bis zum Jahre 1307 lagen. Süßkind Wimpfen aus Frankfurt am Main, ein hochherziger Mann, löste dieselben mit Aufopferung vielen Geldes aus und ließ sie hier beerdigen. Der einzige Lohn, den Wimpfen für diese edle Tat beanspruchte, bestand in der Gewährung seiner Bitte, einst an der Seite des frommen Rabbi ruhen zu dürfen. Es dauerte nicht lange, und die Gemeinde zu Worms erhielt die schmerzliche Gelegenheit, jene Bitte erfüllen zu müssen. (Näheres über den israelitischen Friedhof gibt die Schrift von Dr. Levysohn: Sechzig Epitaphien des israelitischen Friedhofes zu Worms.). 
* Anmerkung der Redaktion: Herr Dr. Lehmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - hat vor etwa acht Jahren in Mainz einen Grabstein aufgefunden, auf welchem eine noch ältere Grabschrift steht als die in Worms sich befindliche."              

  
Instandsetzungsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof (1892)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1892: "Worms. Ich habe Ihnen schon früher berichtet, wie sehr das Vorstandsmitglied, Herr Julius Goldschmidt, sich um das Archiv der hiesigen jüdischen Gemeinde verdient gemacht hat. Nun hat er den Vorstand veranlasst, alljährlich eine Summe zu bewilligen, welche zum Aufrechtstellen der liegenden oder schiefstehenden Grabsteine auf dem ältesten Teile des hiesigen Friedhofes verwendet werden solle. Der Anfang wurde vor mehreren Wochen gemacht und es tut dem Auge des den Friedhof Besuchenden wohl, zu sehen, wie an die Stelle früheren wirren Durcheinanders eine wohltuende Ordnung getreten ist. Herr Goldschmidt hat aber seine Arbeit darauf nicht beschränkt, sondern er hat auch eine große Anzahl Steine, von denen nur ein Rand noch sichtbar war, und welche man als letzte Reste eines abgehauenen Steines vermutete, heben lassen und da ergab sich nun das Interessante, dass die ganzen Steine bis an den Rand eingesunken waren und als sie gehoben waren, fand man die Schrift vollständig erhalten. Ebenso wurden eine Anzahl Steine mit vollständig erhaltener Schrift gehoben, von denen äußerlich gar nichts mehr sichtbar war, als nur das Vorhandensein von vielen Moospflanzen. Bei günstiger Witterung wird man sich mit der Entzifferung derselben befassen, und es ist sicher anzunehmen, dass manches Interessante dadurch an das Tageslicht gefördert werden wird. Selbstverständlich werde ich nicht ermangeln, Ihnen alsdann solches baldigst mitzuteilen."            

 
Der alte Friedhof befindet sich in gutem Zustand (1894)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1894: "Worms. Wer heute unseren berühmten israelitischen Friedhof besucht, besonders den alten Teil, wird erstaunt sein, in welch geordnetem Zustande sich derselbe befindet. Viele Grabsteine, welche auf dem Boden lagen, oder schief gestanden, sind senkrecht gestellt worden, dabei wurden eine große Zahl, die in der Erde lagen, gehoben und zwar sind die Inschriften, die ins 15. Jahrhundert zurückreichen, vortrefflich erhalten. Mit Beginn des Frühjahrs sollen die Arbeiten fortgesetzt werden."        

  
Der alte Friedhof wurde umfassend instandgesetzt (1895)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1895: "Worms. Ich habe Ihnen früher einmal berichtet, dass der Vorstand der hiesigen Israelitischen Gemeinde beschlossen hat, den alten Friedhof, welcher sich in einem sehr vernachlässigten Zustande befand, in Ordnung zu bringen. Um gründlich zu arbeiten, wurde das ausgedehnte Gräberfeld Parzellenweise vorgenommen und die ganze Arbeit innerhalb eines Zeitraumes von 6 Jahren durchgeführt. Eine große Anzahl umgefallener Grabsteine sind aufgerichtet, ganz oder teilweise versunkene sind gehoben worden, außerdem sind außerdeutlich viele ca. 30 cm horizontal unter dem Boden liegende Grabsteine entdeckt und gleichfalls aufgestellt worden. - Der Boden, welche diese letzteren nach und nach den Blicken der Menschen entzogen hatte, gewählte zugleich den Inschriften der besten Schutz, denn diese sind, obgleich teilweise aus dem 12. und 13. Jahrhundert herrührend, vortrefflich erhalten geblieben."             

  
Über den jüdischen Friedhof in Worms (Artikel von 1909)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1909: "Der jüdische Friedhof in Worms. Eine der ältesten und kulturhistorisch interessantesten Begräbnisstätten Deutschlands wird demnächst eingehen. Der hiesige jüdische Friedhof, jener berühmte und malerische Fleck Erde soll geschlossen werden, nachdem die jüdische Gemeinde auf der Höhe von Hochheim einen neuen Friedhof erworben hat. Bekanntlich ist die Wormser Gemeinde mit ihrem Friedhof die älteste jüdische Ansiedlung in Deutschland. Nach einer alten Chronik sollen schon nach der ersten Tempelzerstörung viele Juden nach Worms gezogen sein. Historisch nachgewiesen ist jedenfalls, dass ein jüdischer Friedhof bereits im zweiten Jahrhundert nach üblicher Zeitrechnung bestand. Es existiert nämlich ein altes Manuskript, das sogenannte Minhagbuch, das im Jahre 1625 geschrieben ist und das von einem Leichenstein spricht, der damals schon über 1500 Jahre alt war. Jedenfalls gibt es wohl keinen zweiten jüdischen Friedhof, auf dem so viele Heroen der jüdischen Wissenschaft und so viele Märtyrer ihres Glaubens ruhen. Daher sind die interessantesten Epitaphien wiederholt in Monographien gehandelt worden, so besonders von Lewysohn ('Sechzig Epitaphien auf dem israelitischen Friedhofe in Worms'). Eine Reihe von Steinen stehen seit dem 10. und 11. Jahrhundert."            

 
Schließung des alten und Eröffnung des neuen jüdischen Friedhofes (1911)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1911: "Worms, 20. November (1911). Der berühmte israelitische Friedhof von Worms, der seit dem 11. Jahrhundert der Begräbnisplatz der Wormser jüdischen Gemeinde war, ist mit dem heutigen Tag geschlossen worden. Gleichzeitig fand in Anwesenheit der Behörden die Einweihung des neuen, von der Stadt Worms gekauften Friedhofes auf der Hochheimer Höhe statt. Einen ausführlichen Bericht über den neuen Friedhof behalten wir uns für eine der nächsten Nummern vor."             


Über den jüdischen Friedhof in Worms (1911)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juli 1911: (Der älteste jüdische Friedhof in Deutschland.) Im Herbst dieses Jahres wird die Wormser israelitische Gemeinde einen neuen Friedhof auf der Hochheimer Höhe in Gebrauch nehmen, und der alte ehrwürdige Friedhof an der Südanlage, der ihr fast durch ein Jahrtausend als Begräbnisstätte gedient hat, wird nur noch in ganz vereinzelten Fällen benutzt werden. Damit schließt die nahezu tausendjährige Geschichte eines der interessantesten und jedenfalls ältesten deutschen Judenfriedhofs. Der älteste Grabstein, der gefunden worden ist, stammt aus dem Jahre 1030, sodass wir die Anlage des Friedhofes um das Jahr 1000 als sicher annehmen dürfen. Deutlich sind zu unterschieden, der älteste tiefer gelegene Teil, dessen Grabsteine bis zum Jahre 1700 reichen, und der höher gelegene neuere Teil, der in den beiden letzten Jahrhunderten benutzt wurde. Noch vor wenigen Jahrzehnten glich der ältere Teil einem Trümmerfeld. Die Grabsteine waren verwittert und zum Teil versunken. Da bildete sich im Jahre 1853 ein Ausschuss mit dem damaligen Rabbiner, Rabbi Secel Bamberger an der Spitze, der sich die Aufgabe stellte, die gesunkenen Steine zu heben und die Inschriften entziffern zu lassen. Nach vieler Mühe ist das Werk nun vollendet und ein besonderes Verdienst hat sich hierbei der Wormser städtische Volksschullehrer, Herr Samson Rothschild erworben, der ja auch auf dem übrigen Gebiete der Geschichte der Wormser Juden schon vielfach literarisch hervorgetreten ist. Die Grabsteine dieses alten Friedhofes werfen interessante Schlaglichter auf die Geschichte der Wormser Judengemeinde, sie sind stimme und doch beredte Zeugen von Verfolgungen und Leiden, die die Juden im Mittelalter durchzumachen hatten. Der nächstälteste jüdische Friedhof im Großherzogtum Hessen dürfte derjenige von Mainz sein. Wie der frühmittelalterliche Mainzer Rabbiner Maharil in einem seiner Werke bemerkt, habe er hier noch den Grabstein einer israelitischen Sklavin Schifcha Charofe aus Jerusalem gefunden. Nach Mainz sollen die Juden schon mit den Römern gekommen sein. Von alten jüdischen Gemeinden Hessens seien noch erwähnt: Trebur mit Astheim, wo Juden zurzeit der Kaiserlager der Hohenstaufen bereits ansässig waren, Bingen, dessen jüdische Gemeinde im Jahre 1200 begründet wurde, Friedberg, das das berühmte Judenbad aus dem Jahre 1260 besitzt und Oppenheim, wo noch viele hebräische Inschriften an den Häusern bezeugen, dass dort während des ganzen Mittelalters eine große israelitische Gemeinde blühte. Endlich sei noch der Synagoge in Weisenau bei Mainz gedacht, die 1497 erbaut wurde. Die israelitische Gemeinde Darmstadt datiert ihre Gründung vom Jahre 1600."              

 
Publikation zur Geschichte der Wormser jüdischen Friedhöfe (1911)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Dezember 1911: "Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens. Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Friedhofes. Worms, im November 1911. In Kommission bei der H. Kreuterschen Buchhandlung (Julius Stern). Die sehr hübsch ausgestattet, mit manchen Kunstbeilagen geschmückte Schrift enthält drei Abhandlungen: Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde von ihren Anfängen bis zum neunzehnten Jahrhundert von Max Levy; Der alte jüdische Friedhof und das Begräbniswesen im 19. Jahrhundert. Der neue Friedhof von S. Rothschild; Die neue Friedhofsanlage von Gg. Metzler, Großherzoglicher Beigeordneter. Mich haben naturgemäß die beiden ersten mehr als die letzte interessiert. Besonders wichtig ist die über die Grabsteine und deren Wegnahme im Jahre 1519 (Dass unrugig = anrüchig ist, glaube ich nicht.). Ob die hier mitgeteilten Urkunden bereits einmal gedruckt waren oder hier zuerst veröffentlicht werden, wird nicht gesagt. Den Anfang der ersten Abhandlung hätte ich anders gewünscht; da der älteste erhaltene Grabstein aus dem Jahre 1055 stammt, so kann man das Bestehen der Gemeinde schwerlich über das Jahr 1000 hinaussetzen. Es scheint mir nicht ganz historisch, das Gerücht von einer vorchristlichen Ansiedlung der Juden in Worms anzunehmen. L.G."          
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember 1911: "Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens. Gedenkschrift zur Eröffnung des neuen Friedhofs. 4 Abbildungen in Lichtdruck. 52 Seiten. Worms, H. Kräuter'sche Buchhandlung (Julius Stern). 
Der älteste Grabstein auf dem bisherigen Friedhofe trägt die Jahreszahl 1044. Die Geschichte dieses Friedhofes, der jetzt geschlossen wird, ist also eng mit der Geschichte der uralten und einst an jüdischer Gelehrsamkeit und Ansehen so reichen jüdischen Gemeinde verknüpft. 
Das vorliegende Buch zeichnet in kurzen Strichen die interessante Geschichte der Wormser Judenheit (Max Levy) und ihres Friedhofwesens (S. Rothschild) und gibt aus der Feder des Beigeordneten Gg. Metzler einen Überblick über die neue Friedhofsanlage."   

         
Publikation zum alten jüdischen Friedhof (Kunstblätter, 1914)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1914: "Der alte israelitische Friedhof zu Worms am Rhein. Zwölf Kunstblätter mit Vorwort von Max Levy. Verlag von Christian Herbst, Hofphotograph, Worms. Preis: geb. 4,50 Mark. 
Ein Kunstwerk vornehmsten Stils; für das, was es bietet, keineswegs teuer. Den Inhalt gebe ich nach einem Artikel der 'Wormser Zeitung' wieder. 'Die markantesten Grabdenkmäler sind die Erinnerungssteine an die zwölf Märtyrer aus dem Jahre 1096, ferner werden in chronologischer Folge die Grabmale eines Rabbi Baruch (gest. 1275), Vater des Rabbi Meir, ferner des Rabbi Meir (Mahram) selbst und seines Freundes Wimpfen (gest. 1308), eines Mahril (gest. 1427), Elia Loanz (gest. 1636), Juspa Schames (gest. 1678), Verfassers des Mose-Nisim-Buches und vieler anderer Gelehrten: Moses Brod (gest. 1747), Naphtali Hirsch Spitz (gest. 1712(, Mendel Menachem Rothschild aus dem  Geschlechte der berühmten Familie dieses Namens (gest. 1732), Hirsch Auerbach (gest. 1778) und Isaak Adler (gest. 1823) vor Augen geführt. Auch der Rabbiner aus der Zeit des Stadtbrandes von 1689, Rabbi Ch. Jair Bacherach, ist nicht vergessen. Aus dem Geschlechte der berühmten Familie Oppenheim ist eine Reihe von Steinen abgebildet, von denen der des Rabbi Moses (gest. 1675) durch wundervolle Gestalt und Schönheit der Inschrift hervorragt. Auch einige interessante Steine von Frauen, besonders derjenige der Sagira aus 1100 - er galt lange als der älteste des Friedhofes, da man ihn fälschlich auf 900 datierte, sind wiedergegeben.  
Nicht zum mindesten sind die Aufnahmen durch die Verschiedenheit der sich in ihnen widerspiegelnden landschaftlichen Reize in den einzelnen Jahreszeiten wirksam. Wie der Friedhof im Sommer bei üppiger Vegetation sich ausnimmt, und wie er sich zeigt, wenn die Bäume kahl sind, tritt deutlich zutage. Auch der alte Dom als eindrucksvoller Hintergrund erscheint prächtig im Bilde, ebenso eine ungemein reichhaltige Gruppe von alten Steinen, deren jeder durch schöne Form bemerkenswert ist.' 
Damit ist gesagt, was man zum Lobe dieses Buches aussprechen muss. Nur den einen Wunsch möchte ich noch hinzufügen, dass in einem eventuellen Neudruck die photographischen Inschriften in einem hebräisch punktierten Text und in deutscher Übersetzung wiedergegeben werden möchten, denn bei dem manchmal stark verwitterten Zustand der Inschriften lässt sich der Sinn der einzelnen Worte nicht immer feststellen. Es wäre sehr schön, wenn auch in anderen Gemeinden sich Forscher entschließen würden, ähnliche Werke herauszugeben. Unsere Grabschriftliteratur ist zwar nicht arm, wer aber den großen Wert solcher Inschriften kennt, muss durchaus die Vermehrung dieser Literatur fordern. L.G."       

  
Freilegung eines alten Ganges unter dem Friedhof und Auffindung alter Grabsteine (1930)   
Anmerkung: siehe unten die Presse-Artikel von der Wieder-Freilegung des unterirdischen Ganges im Jahr 2010     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. September 1930: "Worms. In Worms wurde soeben ein unter dem alten israelitischen Gemeindefriedhof liegender unterirdischer Gang, 36 Meter lang, 11,50 Meter hoch und 0,80 Meter breit, freigelegt. In dem Gang selbst wurden wertvolle Funde gemacht. Bisher wurden acht Grabsteine gefunden, die teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammen und einen Einblick in die Geschichte des mittelalterlichen Judentums geben."             
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Oktober 1930: "(Die Ausgrabungen auf dem Wormser Jüdischen Friedhof.) Wie bereits mitgeteilt, wurde unter dem israelitischen Friedhof zu Worms ein unterirdischer, einst zur Wormser Stadtbefestigung gehörender Gang aufgefunden. Dank der Initiative des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde in Worms ist der Zugang zu diesem unterirdischen Wehrbau, der einst das Innere mit dem äußeren Andreastor verband, freigelegt worden. Das Interessanteste dieses etwa aus dem 15. bis 16. Jahrhundert stammenden Ganges ist ein Bodenbelag. Es sind jüdische Grabsteine, teilweise sehr hohen Alters. Da sie mit der Schrift nach unten lagen, ist diese verhältnismäßig gut erhalten. Einer der ältesten Steine datiert von 1305 und ist deshalb von kulturhistorischer Bedeutung, weil es der Grabstein des Rabbi Elieser ist. Er war, wie die Inschrift erzählt, ein bedeutender Gelehrter. Ein Stein aus dem Jahre 1645 bringt in der innigen, bilderreichen Sprache seiner Inschrift bemerkenswerte Einzelheiten aus dem Leben eines Zipore Gütlein, Frau des Rabbiners Abraham Walch. Grabsteine von 1541, 1556 und 1562 kamen ans Licht mit teilweise sehr schönen, reichverzierten Buchstaben und Ornamenten. Dann wieder solche, deren Schriftcharakter in das 12. und 13. Jahrhundert weist. Alle Steine werden sorgfältig in Stand gesetzt, und auf dem alten Friedhof an gesonderter Stelle aufgestellt werden. Der unterirdische Gang unter dem alten Friedhof wird wieder zugänglich gemacht und mit einer Treppenanlage versehen."     

   
   
   
Lage des Friedhofes  
   
Unmittelbar südwestlich der Altstadt  (Andreasstraße / Willy-Brandt-Ring)  
  
Lage auf den Google-Maps:    

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Fotos  
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.8.2005)  

Worms Friedhof 125.jpg (62095 Byte) Worms Friedhof 124.jpg (76208 Byte) Worms Friedhof 127.jpg (83474 Byte)
Friedhofswärterhaus 
am Eingang
Eingang und Taharahaus (Leichenwaschhaus) Eingangstor  
  
     
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Hinweistafel Brunnen im Eingangsbereich Steintafel mit dem Totengebet
     
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  Grabsteine des Rabbi Meir von Rothenburg und des Alexander ben Salomo 
genannt Süßkind Wimpfen, 1293 und 1307
   
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Teilansichten
 
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  Im Rabbinental    
     
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Teilansichten  Barocker Grabstein 
   
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   Eingemauerte Grabsteine (Grabsteinfunde in der Altstadt) 
   
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Grabstein des großen Gelehrten MaHaRIL = Jakob ben Moses halevi: seit 1390 Rabbiner in Mainz, gest. 1427 in Worms. Sein Grab sollte auf seinen Wunsch im Umkreis von 4 Ellen frei bleiben.    
     
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Im neueren Friedhofsteil  Auffallende Grabdenkmäler: 
Abgesägter Baum und Steinhaufen.
Grabstein von Marie Schlösser 
(1862-1884) 
  
     
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Blick zum Dom
(vgl. Text von Martin Buber)
Grabsteinensemble: Gräber von
 Angehörigen der Familie Mannheimer
Grabstein links mit 
"segnenden Händen" der Kohanim

         
         
        

Text von Martin Buber: "Aber gekündigt ist mir nicht" (1933)   

"Ich lebe nicht fern von der Stadt Worms, an die mich auch eine Tradition meiner Ahnen bindet; und ich fahre von Zeit zu Zeit hinüber. Wenn ich hinüberfahre, gehe ich immer zuerst zum Dom. Das ist eine sichtbar gewordene Harmonie der Glieder, eine Ganzheit, in der kein Teil aus der Vollkommenheit wankt. Ich umwandle schauend den Dom mit einer vollkommenen Freude. Dann gehe ich zum jüdischen Friedhof hinüber. Der besteht aus schiefen, zerspellten, formlosen, richtungslosen Steinen. Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor, und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf. Da unten hat man nicht ein Quentchen Gestalt; man hat nur die Steine und die Asche unter den Steinen. Man hat die Asche, wenn sie sich auch noch so verflüchtigt hat. .. Ich habe da gestanden, war verbunden mit der Asche und quer durch sie mit den Urvätern. Das ist Erinnerung an das Geschehen mit Gott, die allen Juden gegeben ist. Davon kann mich die Vollkommenheit des christlichen Gottesraums nicht abbringen, nichts kann mich abbringen von der Gotteszeit Israels. Ich habe da gestanden und habe alles selber erfahren, mir ist all der Tod widerfahren: all die Asche, all die Zerspelltheit, all der lautlose Jammer ist mein; aber der Bund ist mir nicht aufgekündigt worden. Ich liege am Boden, hingestürzt wie diese Steine. Aber gekündigt ist mir nicht. Der Dom ist, wie er ist. Der Friedhof ist, wie er ist. Aber gekündigt ist uns nicht worden."
  
Nähere Informationen zu diesem Text von Martin Buber und Quellenangaben: hier anklicken   

Der "Blick Martin Bubers" vom jüdischen Friedhof zum Dom - auf zwei Ansichtskarten des 20. Jahrhunderts    
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)    
Linke Karte aus der Zeit um 1960 
(Verlag Gebr. Metz, Tübingen) 
Rechte Karte um 1960-1970 
(Photo-Betrieb Curt Güller, Worms)
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Martin Buber: "Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor, 
und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf..."

     
     
     
Neuere Presseartikel zum Friedhof  

Juni 2010: Ein Tunnel unter dem Friedhof wurde wiederentdeckt  
Artikel von Susanne Müller in der "Wormser Zeitung" vom 20. Juni 2010 (Artikel): 
"THW legt überraschend einen Teil der früheren Stadtbefestigung frei. 
Auf dem "Heiligen Sand' in Worms wurde eine aufregende Wieder-Entdeckung gemacht: Unter dem jüdischen Friedhof verläuft an der Nordseite ein unterirdischer Gang. Das gemauerte Bauwerk mit Gewölbedecke stammt aus dem Jahr 1617, war über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, im Zweiten Weltkrieg als Luftschutz-Einrichtung genutzt worden - aus dieser Zeit stammt auch ein betonierter Eingang auf dem Gottesacker, der nun aufgebrochen wurde...."   
    
Artikel von Johannes Götzen in der "Wormser Zeitung" vom 25. Juni 2010 (Artikel): 
"Kulturgut und Bombenschutz - Erinnerung an Tunnel unter dem jüdischen Friedhof
WORMS. Er war über Jahrzehnte einfach in Vergessenheit geraten: Der Tunnel unter dem jüdischen Friedhof, der vor wenigen Tagen bei wissenschaftlichen Untersuchungen wieder entdeckt worden war (die WZ berichtete). Was dabei vermutet wurde, bestätigt sich jetzt: Der vermutlich bereits im Mittelalter angelegte Tunnel diente im Zweiten Weltkrieg als Schutzkeller. Herbert Neidlinger verbrachte hier als gerade einmal fünfjähriger Knabe mit der Mutter bange Stunden. Eigentlich wohnte die Familie in der Eisbachstraße, doch die Tante lebte in einem Mehrfamilienhaus in der Bahnhofstraße, dort, wo heute der EWR-Parkplatz ist. Bei Fliegeralarm ging es meistens in den großen Luftschutzkeller unterm Haus 'Mainzer Rad' schräg gegenüber in der Andreasstraße, erinnert sich der heute 70-Jährige. Schon dessen Eingang sei vom jüdischen Friedhof aus zugänglich gewesen...."  
 
Artikel von Kurt F. de Swaaf im "SPIEGEL ONLINE" vom 30. Juni 2010: "Gemeißelte Geheimnisse - Forscher entziffern jüdische Grabinschriften" 
(Link zum Artikel)    
Dazu auch die epd-Pressemitteilung Anfang August 2010 (Mitteilung): "Forscher entziffern Grabinschriften auf jüdischem Friedhof in Worms 
Duisburg/Worms (epd). Forscher der Universität Duisburg-Essen entziffern in einem Pilotprojekt die Grabinschriften auf dem jüdischen Friedhof in Worms. Der Friedhof "Heiliger Sand" sei der älteste erhaltene mittelalterliche jüdische Friedhof in Europa, teilte die Universität am Montag in Duisburg mit. Der älteste der insgesamt etwa 1.300 Grabsteine stamme aus dem Jahr 1076, hieß es....".   
  
Januar 2011: Für die weitere Dokumentation des Friedhofes werden finanzielle Mittel benötigt   
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 11. Januar 2011 (Artikel): 
"WORMS - JÜDISCHER FRIEDHOF Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Brocke bittet um Unterstützung
Prof. Dr. Michael Brocke vom Steinheim-Institut, der schon seit Jahren eine unschätzbare Arbeit bei der wissenschaftlichen Erforschung der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Worms leistet, schreibt in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift 'Kalonymos' (13. Jahrgang, Heft 4, Seite 10 ff.) über die Bedeutung des jüdischen Friedhofs in Worms: 'So ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas eine heilige Stätte, wenn man sie nicht gar als die heiligste des aschkenasischen Judentums bezeichnen muss (…). Es grenzt an Wunder, dass die Stätte (…) insgesamt noch erhalten ist.'..."  
        
März 2011: Dokumentation der Grabinschriften mit 3D-Technik    
Artikel von Ulrike Schäfer in der "Wormser Zeitung" vom 7. März 2011 (Artikel): 
"Grabinschriften auf jüdischem Friedhof in Worms mit 3D-Technik erhalten
WORMS
. Vor einigen Jahren noch hätte man keine Chance gehabt, verwitterte Grabinschriften jemals wieder entziffern zu können. Das ist anders geworden, seit man das 3D-Scanverfahren kennt, das bessere Ergebnisse erbringt, als die übliche Schräglichtfotografie.
Das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg, das die Methode seit anderthalb Jahren anwendet, scannt nun im Auftrag der Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz auf dem jüdischen Friedhof 'Heiliger Sand' besonders erhaltenswerte Grabsteinoberflächen ein, um möglichst viele Inschriften dem endgültigen Vergessen zu entreißen..."   
     
November 2011: Zur einer neuen Dokumentation des Friedhofes   
Fast 1 000 Jahre in Stein gehauen (Wormser Zeitung, 02.11.2011)     
   

   
    

Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Worms mit englischer Informationsseite zum jüdischen Friedhof  
Fotos zum jüdischen Friedhof Worms auch in der Website von Stefan Haas  
http://www.blitzlichtkabinett.de/lost-places/friedhofs-fotografie/friedhöfe-in-rlp/    

Website von Warmaisa: Verein zur Pflege der jüdischen Kultur in Worms 

Fotoseite zu wichtigen Orten der jüdischen Geschichte in Worms  

Zur Fotoseite über die hier anklicken  Synagoge in Worms (interner Link) 

Literatur (kleine Auswahl, ausführliche Literaturübersicht siehe die online zugängliche Publikation von Klaus Cuno S. 423-455):  

Otto Böcher: Der alte Judenfriedhof zu Worms. (Rheinische Kunststätten 148), 5. Aufl. Worms 1984.
Fritz Reuter: Warmaisa. 1000 Jahre Juden in Worms. 1987².
Fritz Reuter/Christa Wiesner: Der Judenfriedhof zu Worms. In: Ein edler Stein sei sein Baldachin. Jüdische Friedhöfe in Rheinland-Pfalz. Hg. v. Landesamt für Denkmalpflege  Rheinland-Pfalz 1996.   
Klaus Cuno: Die ältesten jüdischen Grabsteine in den Rheinlanden (bis ca. 1100): onomastische Aspekte und die Traditionen der Epitaphgestaltung seit der Antike. Dissertation Trier 2010. Online zugänglich über http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2012/745/   
Zu den Grabinschriften in Mainz und Worms: S. 105-414.   

        
           

                   
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Stand: 17. September 2014