Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weitere Textseiten zur jüdischen Geschichte in Worms  
Texte aus dem 19./20. Jahrhundert zur mittelalterlichen und neuzeitlichen jüdischen Geschichte in Worms 
Texte zu den Rabbinern und Lehrern der jüdischen Gemeinde vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert  
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben im 19,/20. Jahrhundert  
-  Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert  diese Seite) 
Zum alten jüdischen Friedhof in Worms ("Heiliger Sand")  
Zum neuen jüdischen Friedhof in Worms-Hochheim     
 
                 

Worms (kreisfreie Stadt, Rheinland-Pfalz)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt im 19./20. Jahrhundert  
  
 Hier: Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert 

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Worms wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.   
    
Hinweis: Die Texte dieser Seite wurden dankenswerterweise von Susanne Reber abgeschrieben und mit Anmerkungen versehen.  
     
     

   
  
Übersicht:  

bulletBerichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
-  Kaufmann F. Eberstadt wurde zum Bürgermeister gewählt (1849)   
-  Dr. Arnheim wurde in den bayerischen Landtag wiedergewählt (1855) 
-  Über bedeutende jüdische Gewerbebetriebe in Worms (1856) 
Anzeige der Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen von Rahel Adler in Worms (1859)   
-  Moses Mannheimer ist Mittelpunkt der orthodoxen Gemeindemitglieder (1861)   
-  Dank an Moses Mannheimer für die Gestaltung der Gottesdienste (1862) 
-  Auszeichnung für Bertha Dosenheim mit dem Sanitätskreuz (1871)  
-  Zum Tod des Gemeindevorsteher Isaak Pfungst (1873)  
-  Über Rabbiner Dr. Samuel Adler (geb. 1810 in Worms, später in Amerika) (Artikel von 1869)  
-  Anzeige für die Mädchen-Erziehungsanstalt von Frau Dr. Adler (1870) 
Ludwig Jos. Pfungst finanziert ein Stipendium (1890)    
-  Fabrikant Louis Schlösser wurde in den Kreistag gewählt (1891)  
-  Zum Tod von Moses Mannheimer (1892)   
-  Zum Tod von Salomon Levi im Alter von 100 Jahren (1893)  
-  Zum Tod des Toraschreibers Leopold Scheftel (1893)  
-  Vermächtnis des Leopold Scheftel für wohltätige Zwecke (1894)  
-  Silberne Verdienstmedaille für Helene David aus Gimbsheim (1895)  
-  Auszeichnung für den in Worms geborenen Berliner Dirigenten Prof. Gernsheim (1897)   
-  25-jähriges Amtsjubiläum von Joseph Gernsheim als Präsident des Kriegervereins in Worms (1898)  
-  Zum Tod des fast 100-jährigen Daniel Guggenheim (1901)    
-  Goldene Hochzeit von Bernhard Kuhn und seiner Frau geb. Bodenheimer (1901)  
Zum Tod des Hauptmannes des Landwehr, Kaufmann Josef Gernsheim (1912)   
-  Über die Geschichte der Familie Ballin (1914) 
Z
um Tod des Gemeindevorstehers und Stadtverordneten Siegmund Mayer II (1916)   
-  Eisernes Kreuz für Willi Guggenheim (1916)   
-  Im Ersten Weltkrieg hatte Frau Delphine Loeb sechs Söhne im Feld (1924) 
Zum Tod von Samuel Guggenheim (1931)   
Zum Tod von Adolf Dinkelmann (1932)     
bulletAnzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
-  Anzeige des Spenglermeisters Albert Blum (1889)  
-  Anzeige von M. Stadecker (1906)  
-  Anzeige des koscheren Restaurants von D. Karpfen (1912)  
-  Über das neue koschere Hotel und Restaurant von Dr. Karpfen (1912)  
bulletSonstiges 
Karte an Gebr. Abraham in Ober-Olm von Simon Guthmann in Mainz  (1901)   

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Kaufmann F. Eberstadt wurde zum Bürgermeister gewählt (1849)      

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 27. April 1849: "Worms, 2. April. In ganz Deutschland gab es keine Stadt, in welcher die Israeliten größeren Misshandlungen ausgesetzt waren, als in unserer Stadt. Noch jetzt werden wir durch einige zur damaligen Zeit wegen Verfolgungen eingesetzte Fasttage daran erinnert, wie vieles unsere Voreltern zu erdulden hatten. Dass die Bürger Worms seitdem anderen Sinnes geworden sind, beweist die letzthin stattgehabte Bürgermeisterwahl. Eines unserer jüdischen Gemeindemitglieder, ein Israelit!! Kaufmann F(erdinand) Eberstadt* wurde zum Bürgermeister gewählt, und vor etwa 8 Tagen von dem Regierungskommissär v. Dalwigk in sein Amt eingeführt. Viele Tausende waren bei dieser Feier zugegen, die Stadt freute sich, einen so tüchtigen Bürgermeister an die Spitze ihrer Verwaltung gestellt zu sehen. - Herr Eberstadt bekam von seinen Mitbürgern mehrere Ständchen gebracht usw. Es ist dies uns wiederum ein Beweis, wie unser lieber Großherzog und unsere weise Staatsregierung sich bestreben, die Emanzipation zu verwirklichen. Denn bekanntlich werden drei Kandidaten zum Bürgermeister gewählt und unser geliebter Großherzog* wählte unter diesen dreien den Israeliten; unser würdiger Rabbiner, Herr J. Bamberger*, erwähnte dieses Ereignis in seiner Predigt und suchte, indem er des Großherzogs und seiner Regierung rühmend erwähnte, die Gemeinde darauf aufmerksam zu machen, dass dieses Ereignis, sowie die erlangte Freiheit der deutschen Juden ein Fingerzeig Gottes seien und wir sollten daher uns auch jetzt bestreben, durch unser religiöses Leben dieser Wohltat würdig zu zeigen. Worms ist die älteste jüdische Gemeinde Deutschlands, ja wahrscheinlich Europas! und Worms ist die erste deutsche Stadt, deren Bürgermeister ein Jude ist!!"
Anmerkungen: *zu Bürgermeister Ferdinand Eberstadt: https://www.worms-erleben.de/erleben/erleben-und-feiern/kultur/Geschichte/persoenlichkeiten/eberstadt_ferdinand.php
https://www.worms.de/de-wAssets/docs/kultur/wussten-sie-es/Vorfahren-Ferdinand-Eberstadt.PDF    https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Eberstadt 
https://www.lagis-hessen.de/pnd/116329947    https://www.wormser-baeder.de/juedisches-museum-wAssets/docs/Boennen_JuedGemeinde_2016.pdf (ab S.189 zu Ferdinand Eberstadt)
Grab von Ferdinand Eberstadt: https://www.marchivum.de/de/grabsuche?keys=eberstadt
Seine Tochter Emma Eberstadt verheiratete Frau Bernhard Kahn, ließ die erste Leihbücherei in Mannheim erbauen, die Bernhard-Kahn-Bibliothek, die sie mit ihrer Schwester Bertha Hirsch, geb. Eberstadt leitete vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_Hirsch  und Artikel zur Eröffnung der neuen Volkslesehalle von 1906  (interner Link)
Genealogische Informationen siehe https://www.geni.com/people/Falck-Eberstadt/6000000002765728477 
*Großherzog: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_III._(Hessen-Darmstadt)   
* Rabbiner Bamberger: Jakob Bamberger 1785 -1864 siehe Artikel von 1864 zu seinem Tod (interner Link)          

     
Dr. Arnheim wurde in den bayerischen Landtag wiedergewählt (1855)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. August 1855: "Worms, im Juli (Privatmitteilung). Wie Sie wissen, ist Dr. Arnheim von Neuem zum Abgeordneten des bayerischen Landtags gewählt worden; hierbei dürfte die Notiz nicht ohne Interesse sein, dass die Kammer aus 144 Mitgliedern bestehe, von diesen aber nur 38 dem frühern Landtage angehörten, unter welchen Dr. Arnheim sich befindet."
Anmerkung: zu Fischel Arnheim (1812 Bayreuth - 1864 in München) siehe  https://de.wikipedia.org/wiki/Fischel_Arnheim#   Wieso diese Meldung unter Worms eingetragen ist, ist nicht bekannt; ein Bezug zu Worms lässt sich bei Fischel Arnheim nicht feststellen.    

    
Über bedeutende jüdische Gewerbebetriebe in Worms (1856)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1856: "Worms, im April (Privatmitteilung). Das zu Heidelberg erscheinende Centralblatt für die volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen Deutschlands, die 'Germania', enthält einen Artikel mit der Überschrift 'Die Stadt Worms am Rhein'. Er ist eine kurze Chronik der Gegenwart dieser Stadt, und wir wollen dieser Chronik einige Stellen entnehmen, in soweit sie unsere Glaubensgenossen betreffen. - Blühend sind hier die Stanzlederfabriken, Melas* und Gernsheim* verarbeiten allein an rohen Kalbsfellen jährlich 6 – 7.000 Stück und unterhalten mit Italien, Spanien, dem Orient und dem überseeischen Westen lebhafte Handelsverbindungen. - Bedeutend ist der Erwerbszweig in der Fabrikation fertiger Kleider. Ein einziges Haus, Gebrüder Edinger*, beschäftigt in diesem Zweige 60 bis 80 Meister nebst deren Frauen, Gesellen und Lehrlingen. Dieses Haus lieferte unter anderem der weiland deutschen Marine einen großen Teil ihrer Uniform und es sollen in Bremen noch ein paar hundert Stück blauer Matrosenjacken lagern, welche von hier aus nach der Weserstadt geschickt wurden. Der Wormser Kleiderhandel macht Geschäfte in der Schweiz, in Honolulu, in den Sandwichinseln (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Südgeorgien_und_die_Südlichen_Sandwichinseln), in Melbourne und Sydney. - Am Schlusse heißt es wörtlich: 'Erlauben Sie mir schließlich, eines Umstandes zu erwähnen. Er betrifft die Juden, die Juden überhaupt, und insbesondere die vornehmen Juden. Es ist gar nicht zu verkennen, dass der rege Geschäfts- und Handelsgeist, die Sparsamkeit, die Genügsamkeit, der Assoziationssinn und ähnliche Eigenschaften, deren Schattenseiten man so oft und laut tadeln, deren Lichtseiten man so selten anerkennen hört, wenn man sie an Juden beobachtet, dass, sage ich, die jüdische Bevölkerung einen ehrenhaften Anteil an dem Aufschwunge des neuen Worms nimmt. Unter den von Christen gegründeten blühenden Geschäften sehen wir hier viele jüdische Geschäftshäuser blühen und gedeihen. Die Klagen über Wucher, über systematisches Herunterbringen von Geschäften und dergleichen durch die Juden sind oft nichts als Eingebungen derer, welche nicht den Mut haben, es dem rechtschaffenen Juden und der      
Worms AZJ 12051856b.jpg (198341 Byte)Sparsamkeit und dem Fleiße gleich zu tun. Was wir von den Juden lernen sollten, ist, eben auch das Voranschauen. Wer hört ihn reden von den Wassern zu Babylon und von den Harfen zwischen den Weiden? Der Lebende hat recht, ihm gehört die Zukunft.'-
Sie sehen, dass man an dem Rhein und dem Neckar anders als an der Spree von und über Juden spricht, und der Abgeordnete von Pommern könnte sich hier den nötigen Pfeffer zu seinen pommerschen Gänsebrüsten holen.
Von Luzzatto's* Jesaias ist soeben das zweite Heft erschienen und Ref. freut sich, dass sein an einem andern Orte ausgesprochener Wunsch: Den biblischen Text beizudrucken, erfüllt wurde, für das erste Heft ist der Text separat abgedruckt worden. Siehe Anmerkung der Redaktion unten. -
In Berlin erschien eine Haggadah* mit hebräischer und deutscher Einleitung von Landshuth und Steinschneider. In der ersten sind, was Ref. bedauert, die Quellen nicht ganz genau angegeben; so heißt es S. 21: (Hebräisch siehe Textabbildung), es muss heißen (Hebräisch siehe Textabbildung), da gerade das Plagiat des Finkelstein (siehe Nr. 5 des Blattes) (Hebräisch siehe Textabbildung) zur Überschrift hat. Auch wäre es verdienstlich, dass Literaten überall, so sie die Gelegenheit haben, das ehrlose Treiben der Plagiatoren an den Pranger zu stellen.
Anmerkung der Redaktion: Herr Luzzatto polemisiert häufig gegen uns, wenn dies in ehrenhafter Weise geschieht, so freuen wir uns dessen, gefällt sich Herr Luzzatto dann und wann in plumpen Ausfällen: so – fallen sie oben auf ihn zurück. Herrn Luzzattos Denkweise ist einmal eine sehr willkürliche und verlangt, die Kritik solle da aufhören, wo es ihm beliebt und die Forderung da stille stehen, wo die seine abgeschlossen! Redaktion."  
*Anmerkungen:  Siegfried Melas, Lederfabrikant, Alzeyerstraße 20 (1876)
- Ernst Emil Gernsheim, Lederfabrik 'Wormatia', Andreasstraße 23 (1876)
- Gebrüder Edinger: https://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Edinger
https://www.wormser-zeitung.de/lokales/worms/nachrichten-worms/der-demontierte-wormser-demokrat_210776
https://www.lagis-hessen.de/pnd/121384292
- zu Samuel David Luzzatto vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_David_Luzzatto
Haggadah: https://de.wikipedia.org/wiki/Haggada
     

     
Anzeige der Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen von Rahel Adler in Worms (1859)       

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. April 1859: "Lehr-und Erziehungsanstalt für Mädchen in Worms
Mit dem 2ten Mai dieses Jahres beginnt in der Anstalt der Unterzeichneten ein neuer Lehrkursus, und ist diese Zeit zugleich die geeigneteste für die Aufnahme neuer Pensionärinnen.
Die Unterrichtsgegenstände sind: Religion, deutsche, französische und englische Sprache (Stilistik, Literatur und Konversation), Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Naturlehre (Physik, Chemie und Astronomie), Rechnen mit Buchhaltung, Schönschreiben, Zeichnen, Gesang und weibliche Handarbeit. Musik und Tanz werden nur auf besonderen Wunsch der betreffenden Eltern gelehrt und deshalb auch besonders honoriert. Für den Unterricht sind die besten Lehrer der Stadt engagiert und zur besonderen Aufsicht der Zöglinge ist eine französische und deutsche Gouvernante im Hause, sowie auch die Vorsteherin selbst es sich zur Hauptpflicht und zur einzigen Aufgabe gemacht, mit der größten Sorgfalt über die ihr anvertrauten Mädchen zu wachen und ihr geistiges Wohl zu pflegen und zu befördern.
Ein geräumiges Lokal mit Garten bieten alle Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten für die Zöglinge, und die bisherigen Leistungen der Anstalt hinlängliche Garantie für die verehrlichen Eltern.
Ausführliche Prospekte, die bei der Vorsteherin auf Verlangen zu haben sind, enthalten die näheren Bedingungen über die Aufnahme in die Anstalt.
Rahel Adler, geb. Hochstädter*
*Anmerkung: vgl. https://www.geni.com/people/Rahel-Adler/6000000142904104828  
         

    
Moses Mannheimer ist Mittelpunkt der orthodoxen Gemeindemitglieder (1861)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. April 1861: "Worms, im April (Privatmitteilung). Den Mittelpunkt der hiesigen gesetzestreuen Gemeindemitglieder, deren unsre altehrwürdige Gemeinde leider sehr wenige zählt, bildet Herr Moses Mannheimer. Ein Schüler unseres hochgelehrten, greisen Rabbiners Bamberger, vereinigt er mit bedeutenden talmudischen und profanen Wissen die lebendige Tatkraft, die nicht ruht und rastet, wo es gilt, Gutes zu wirken und für die Aufrechterhaltung unserer heiligen Religion zu begleiten, (Herr Mannheimer ist wohlhabender Kaufmann) widmet er den größten Teil seiner Kraft und Zeit der Belehrung und Kräftigung seiner Glaubensbrüder, so ist er auch der Rabbi der Beerdigungsbruderschaft und seine allsabbatlichen Vorträge vor diesem Vereine haben nicht wenig zu beigetragen, dass 'noch bleibt davon ein Zehntel' (Jesaja 6,13). Seine von Liebe und Verehrung für ihn erfüllten Zuhörer suchen ihm auch bei jeder Gelegenheit Beweise der Dankbarkeit und Anhänglichkeit zu geben, namentlich ist der Geburtstag des Herrn Mannheimer der Tag, an dem ihm alljährlich eine Deputation des Vereins ein wertvolles Geschenk überreicht, das zwar die Uneigennützigkeit des Herrn Mannheimer stets ablehnen möchte, das jedoch nur als ein kleiner Beweis der Anerkennung gelten soll. In diesem Jahre wurden ihm zwei prachtvolle silberne Leuchter mit dem Wunsche übergeben dass uns sein Licht noch lange leuchten möge. H.M."            

 
Dank an Moses Mannheimer für die Gestaltung der Gottesdienste (1862)      

Worms Israelit 03121862.jpg (130609 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1862: "Worms. Dem Herrn Moses Mannheimer dahier wurde am 13. dieses Monats in Anerkennung seiner uneigennützigen Bereitwilligkeit, womit er die Leitung des Hauptgottesdienstes während der verflossenen Festtage übernahm, durch Herrn Arnold Fulda im Namen vieler eine Ehrengabe, in einem 'Einhundert-Gulden-Los' bestehend, nebst dem hier folgenden Begleitschreiben überreicht. 'Herrn M. Mannheimer hier! Worms, 12. Nov. Die uneigennützige Bereitwilligkeit, womit Sie dem Rufe der überwiegenden Majorität der Gemeinde folgend, die Leitung des Hauptgottesdienstes während der verflossenen hohen Festtage übernommen haben, muss Ihnen die Anerkennung eines eben rechtlich denkenden Mannes gewinnen. Die auf beifolgendem Blatte Unterzeichneten haben sich in diesem Bewusstsein vereinigt, um Ihnen in der beiliegenden Ehrengabe den Beweis ihrer Anerkennung zu geben. In diesem Sinne wollten Sie dem Dankesausdruck der Beteiligten hinnehmen und sich deren Hochachtung versichert halten.' Es ist dies ein glänzender Beweis, wie sehr die Majorität der Gemeinde die Leistungen des Herrn Mannheimer zu schätzen weiß."      

  
Auszeichnung für Bertha Dosenheim mit dem Sanitätskreuz (1871)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1871: "Worms, im Juli. Frau Bertha Dosenheim von hier wurde von Sr. Kgl. (= Seiner Königlichen) Hoheit dem Großherzog mit dem Sanitätskreuz dekoriert. Wenn irgendjemand diese Ehrenzeichen mit vollem Recht verdient, so ist es Frau Dosenheim. Nicht eitles Hervortun oder sich wichtigmachende Zudringlichkeit hat dieselbe an den Ort der Hilfeleistung gerufen; ihr echt weibliches Gemüt hat es ihr zum wahrhaften Bedürfnis gemacht, den kranken und leidenden Soldaten hilfreich beizustehen, und weder der Sonne heiße Strahlen noch des Winters eisige Kälte hat sie hiervon zurückhalten vermocht; sie eilte tagtäglich, oft bis in die späte Nacht, an Ort und Stelle, Trost und Linderung zu spenden.
Ehre dieser Frau! Mit ihrem Streben hat sie die echte jüdische Weiblichkeit dokumentiert. M. M."           

  
Zum Tod des Gemeindevorstehers Isaak Pfungst (1873)  
Anmerkung: der Familienname hießt Pfungst, nicht wie im Artikel geschrieben: "Pfungs". Im Adressbuch der Stadt Worms für das Jahr 1900 (Seite 109) wird in der Römerstraße 52 in Worms die Lederhandlung Isaac Worms genannt, deren Inhaber Ludwig Josef Pfungst (siehe Artikel unten von 1890) war.    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Mai 1873: "Worms, 1. Mai (1873). Am 28. April verstarb hier in einem Alter von zweiundsiebzig Jahren der Präses der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Isaak Pfungst, der mit großer Gewissenhaftigkeit, Einsicht und Kenntnis die Angelegenheiten der Gemeinde geleitet hat. Seine Menschenfreundlichkeit und Wohltätigkeit haben ihm viele Freunde erworben. Eigentümlich war seine letztwillige Verordnung, dass von den vier bestehenden Religionsgesellschaften zwei Israeliten, zwei Protestanten, zwei Katholiken und zwei Deutschkatholiken zu beiden Seiten des Leichenwagens nicht nur einhergehen, sondern ihn auch in das Grab sehen sollten, was auch geschah; ferner verbot er sich jede Leichenrede; er wollte an der Pforte der Ewigkeit weder gelobt, noch getafelt sein. Die Hinterbliebenen werden im Sinne des Verewigten eine Stiftung errichten, damit sein Name und Wirken auch noch unter den kommenden Geschlechtern fortlebe. Posner."          

     
Über Rabbiner Dr. Samuel Adler (geb. 1810 in Worms, später in Amerika) (Artikel von 1869)   
Anmerkung: weitere Berichte zu Dr. Samuel Adler siehe auf der Textseite zu Alzey.     

Worms AZJ 23021869.jpg (297905 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Februar 1869:  "Die hervorragenden jüdischen Geistlichen in Amerika. [Nach dem Phrenological Journal.]  
Rev. Dr. Samuel Adler ist der Sohn des Jakob J. Adler, Rabbiners der Gemeinde zu Worms am Rhein, wo er auch im Jahre 1810 geboren wurde. Schon in frühem Alter begann er das Studium der hebräischen Sprache, der Bibel und des Talmuds. das er dann mit großem Fleiße unter der freundlichen und sorgfältigen Leitung seines Vaters fortsetzte. Bei dem frühen Tode dieses Letzteren jedoch verließ der Gegenstand unserer Skizze, damals ein Knabe von vierzehn Jahren, zum ersten Male das elterliche Haus und ging nach Frankfurt am Main, um dort seine Studien auf der talmudischen Hochschule fortzusetzen. Nach einiger Zeit kehrte er wieder nach seiner Vaterstadt zurück, um unter dem Rabbiner Bamberger weiter zu studieren, und sich zugleich durch selbstständiges Arbeiten für die Universität vorzubereiten. 1831 bis 1836 besuchte er die Universitäten in Bonn und Gießen und widmete sich mit großem Eifer der orientalischen Philologie. Als er im Frühjahr 1836 wieder nach Worms zurückkehrte, wurde er sofort als Prediger und Religionslehrer der Gemeinde angestellt, zu welchem Amte bald noch das des Inspektors aller jüdischen Schulen des Distrikts hinzugefügt wurde. In dieser Stellung trat er zuerst als Vorkämpfer der Reform auf und tat die ersten Schritte zur Klärung und Verbesserung des öffentlichen Gottesdienstes unter den Juden jenes Distrikts. Im Spätherbst des Jahres 1842 erhielt Dr. Adler den Ruf als Rabbiner des Distriktes Alzey, ein weites und bis dahin noch unbebautes Feld der Arbeit, aber eines, das seine Arbeit wohl vergalt, sodass die kleine Gemeinde in wenigen Jahren sich durch ganz Deutschland einen Namen erworben hatte, welcher sich mit dem der reichsten und größten Gemeinden messen konnte. Diese Gemeinde gestattete auch ihrem Geistlichen, die Rabbinerversammlungen von 1844-46 zu besuchen, zu deren tätigsten Mitgliedern er gezählt werden muss. Im Jahre 1854 nahm Dr. Adler eine Berufung als Rabbiner und Prediger der jüdischen Gemeinde zu Lemberg in Galizien an, aber wegen unvorhergesehener und ernstlicher Familienstörungen konnte er ihr nicht folgen. Im Spätherbst des Jahres 1856, nach dem Tode des betrauerten Dr. Merzbacher, erhielt er einen Ruf als Rabbiner an den Tempel Emanuel in New York, welchem er gern folgte, und noch jetzt fungiert er in dieser Stellung und hat die Freude, seine Anstrengungen mit dem besten Erfolge gekrönt zu sehen.   
Dr. Adler's Gemeinde ist eine der wohlhabendsten im ganzen Lande. Sie gehört zu der neuen Reformschule des Judentums. Der Prachtbau einer neuen Synagoge an der Ecke der 43. Straße und 5. Avenue wird im künftigen Herbste beendet sein.
In der äußeren Erscheinung ist Dr. Adler durchaus geistlich, und obgleich im Allgemeinen von ernstem Aussehen, hat er doch seine Augenblicke der Heiterkeit und der 'Bonhommie'. Er zeichnet sich durch seine rhetorischen Fähigkeiten sein, seine Predigten hält er ganz ex tempore, doch sind sie stets in reinem, edlem Stil. Nur gelegentlich trägt er in englischer Sprache vor."           

  
Anzeige für die Mädchen-Erziehungsanstalt von Frau Dr. Adler (1870)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Oktober 1870: "Mädchen-Erziehungsanstalt von Frau Dr. Adler in Worms.
Unterzeichnete beabsichtigt, ihr im Jahre 1849 gegründetes und fortwährend sehr blühendes Pensionat einer neuen Lehrkraft zu übertragen und bittet darauf Reflektierende, die pädagogisch dazu befähigt und auch im Besitze der zur Übernahme nötigen Mittel sind, sich gefälligst direkt an sie zu wenden.
Sie selbst wird der Anstalt bis zur Übertragung ihre ganze Sorgfalt und Tätigkeit zuwenden und ist gerne bereit, bei künftiger Fortführung mit ihrer langjährigen Erfahrung in jeder möglichen Weise nützlich zu sein.   Rahel Adler."        

      
 Ludwig Jos. Pfungst finanziert ein Stipendium (1890)    
Anmerkung: Zu Ludwig Josef Pfungst siehe auch Informationen zu der 1905 errichteten Ludwig-Pfungst-Museums-Stiftung in Frankfurt.   
Ludwig Josef Pfungst ist am 4. Juli 1905 verstorben. Er war in seinen letzten Lebensjahren nach Frankfurt übergesiedelt. Er war war ein kinderloser Junggeselle setzte die Stadt Frankfurt als Universalerbin seiner Kunstsammlung wie seines sich auf etwa 1 Million Mark belaufenden Vermögens ein. Sein Testamente führte unter anderem zur Gründung der Städtischen Galerie in Frankfurt, die sich seit 1907 im Städelschen Kunstinstitut befindet und sich vorwiegend der modernen Kunst widmet. Die Pfungst-Stiftung fördert bis zur Gegenwart das Museum. Vgl. Seite in der Website des Städelmuseums.        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. Juli 1890: "Worms am Rhein, 7. Juli (1890). Einer unserer jüdischen Mitbürger, Herr Ludwig Jos. Pfungst, hat für solche, die sich dem Studium an der technischen Hochschule zu Darmstadt widmen wollen, ein Stipendium pro Studienjahr 1890/91 im Betrage von 1000 Mark ausgesetzt, welches an mehrere, eventuell auch an einen Bewerber bewilligt wird. Bedingung zur Erlangung dieses Stipendiums ist ist Fähigkeit, die durch Zeugnisse nachzuweisen ist. Unter den Bewerbern trifft Herr L. J. Pfungst, an welchen die Gesuche auch einzureichen sind, eine engere Auswahl, die Zuerkennung erfolgt durch die Direktion der Hochschule."        

   
Fabrikant Louis Schlösser wurde in den Kreistag gewählt (1891)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Januar 1891: "In Worms ist der Fabrikant Herr Louis Schlösser in den Kreistag gewählt worden. Es ist dies der erste Fall, dass ein Jude in Hessen in dieser Körperschaft seinen Sitz gefunden."        

   
Zum Tod von Moses Mannheimer (1892)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1892: "Worms, 21. Juni. Gestern verschied hier im Alter von 82 Jahren der als Talmudgelehrter weithin bekannte Herr Moses Mannheimer. Ohne je eine höhere Schule besucht zu haben, hatte sich derselbe auch in weltlichen Willensfächern ausreichende Kenntnisse erworben. Aus der Talmudschule des früheren hiesigen Rabbiners Rabbi Koppel Bamberger - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - hervorgegangen, wusste er sich aus eigener Kraft und von unwiderstehlichem Wissensdrange getrieben, auch in allen übrigen Gebieten jüdischer Wissenschaft zurechtzufinden. Seinen historischen Forschungen, zu welcher der berühmte Historiker Jost (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Markus_Jost) die Vorrede geschrieben. Ferner schrieb er drei druckfertige Werke jüdisch-theologischen Inhalts, wovon eines in hebräischer Sprache. Außerdem liegen zahlreiche Abhandlungen über religionsgesetzliche Fragen von ihm vor. Er unterhielt einen ausgebreiteten Briefwechsel mit den namhaftesten christlichen und jüdischen Gelehrten des In- und Auslandes, mit denen er literarische Notizen austauschte. Hierzu befähigte ihn ganz besonders sein reiches Wissen, sein ausgezeichnetes Gedächtnis und seine reichhaltige Büchersammlung. Dieselbe ist in den beiden Turmzimmern seines Hauses ausgestellt und enthält manche kostbare Seltenheit. Außer der Liebe zur Wissenschaft, hing er auch fest und treu an seiner Vaterstadt. Er war, wie wenige, mit derselben und ihrer Geschichte verwachsen, und wusste mit jugendlicher Lebendigkeit bis zu seinen letzten Lebenstagen aus seinen Lebenserinnerungen, die meist mit der Geschichte der Stadt und der hiesigen israelitischen Gemeinde in Beziehung standen, zu erzählen. An dem neuerlichen Aufschwung der Stadt nahm er den freudigsten Anteil, wie er überhaupt jeden Fortschritte menschlichen Willens und materieller Entwicklung gerne seine Anerkennung darbrachte. Mit Moses Mannheimer ist ein echter alter Jehudi heimgegangen und zwar einer der edelsten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."           

  
Zum Tod von Salomon Levi im Alter von 100 Jahren (1893)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1893: "Worms. Unsere jüdische Gemeinde, sowie die Stadt Worms hat heute ihr ältestes Mitglied durch den Tod verloren. Herr Salomon Levi starb im Alter von 100 Jahren, nachdem er nur einen Tag krank gewesen. Vor 2 Jahren noch war der Verstorbene an den hohen Feiertagen der erste in der Synagoge. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Leben."             

  
Zum Tod des Toraschreibers Leopold Scheftel (1893)   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1893: "Worms. Kaum habe ich Ihnen Mitteilung gemacht von dem Tode eines 100jährigen Greises unserer Gemeinde, so muss ich Ihnen heute schon wieder den Tod eines ehrwürdigen Greises melden. Herr Leopold Scheftel starb nach kurzem Krankenlager im Alter von 88 Jahren. Das Wirken des Verstorbenen war so ein vielseitiges, dass Sie gewiss den folgenden Zeilen gerne Raum gönnen. Leopold Scheftel wurde von seinen Eltern zu dem Berufe eines Sofer (=Toraschreibers) bestimmt. Indessen kam er, noch sehr jung, nach Mannheim, um sich hier als Schreiber von Torarollen, Tefillin und Mesusot auszubilden. Später ließ er sich hier als Sofer nieder und hatte als solcher eine große Anzahl von Torarollen sehr hübsch geschrieben. Jedenfalls deswegen, und da er auch im Hebräischen nicht unbewandert war, erhielt er von dem seligen Rabbiner Bamberger* den Chawer-Titel (Ehrentitel für einen Gelehrten, der vom Rabbiner verliehen wird). Bald nach seiner Verheiratung gründete er das noch heute bestehende und von seinem Sohne fortgesetzte Kurzwarengeschäft, das er durch Fleiß in die Höhe zu bringen verstand. Sich nunmehr in sehr guten Verhältnissen befindend, sehen wir ihn an allen dem kulturellen Leben gewidmeten Institutionen lebhaften Anteil nehmen. Er gehörte längere Zeit dem Vorstand der jüdischen Gemeinde an, und war es hier zum großen Teil sein Verdienst, dass die Erweiterung des jetzigen alten Friedhofes ohne große Schwierigkeiten vor sich ging.
Mehr denn 25 Jahre stand er dem Unterstützungsverein* als Vorsitzender der Verteilungskommission vor und noch wenige Tage vor seinem Tod hatte er dieses Amtes gewaltet. Es ist überraschend, mit welcher Ordnung und Sorgfalt er selbst als hoher Achtziger die Bücher des Vereins geführt hat. Wie er dem vom Vereine bewilligten Betrage öfters aus eigenen Mitteln noch hinzufügte, sehen wir letzteres in noch größerem Maße, wenn bei nicht ausreichenden Vereinsmitteln auswärtige von hier aus  regelmäßig unterstützte Arme in ihren Bezügen gekürzt werden sollten. Wie er nun allezeit zum Geben auch für nichtjüdische Arme bereit war, so war er auch bestrebt, das Gotteshaus in mehrfacher Weise zu schmücken. Ein sehr hübsches Parochet (= Vorhang vor Toraschrein), eine Schulchan-Decke (Decke für den Tora-Lesepult) und ein Toramäntelchen verewigen das Andenken des Verblichenen. Wer ein Herz und eine Hand zum Geben hat, der beschränkt seine Wohltätigkeit nicht auf einen eng begrenzten Raum, er betätigt auch ein warmes Interesse für alles, was gut und edel ist.
So sehen wir den Verstorbenen für Österreichische und Berliner Rabbinerseminare beisteuern: Er spendete alljährlich dem Kölner Lehrerseminar, den palästinensischen Vereinen (gemeint sind hier jüdische Vereine im damaligen Palästina, Anm. S.R.) und figuriert stets als Mitglied des Komitees, welches sich der Unterstützung unserer notleidenden Brüder im Auslande zur Aufgabe gemacht hatte. Nach einem so edlen Wirken ist es selbstverständlich, dass der Bahre des Verblichenen eine große Anzahl Leidtragender folgte, und wir finden es begreiflich, dass Herr Rabbiner Dr. Stein* seine treffliche Leichenrede die Worte 'Hilf o Ewiger, denn aus ist es mit dem Frommen' (Psalm 12,2) zugrunde gelegt hatte. So hat die Wormser jüdische Gemeinde wieder einen würdigen Greis verloren, der so viel zu erzählen wusste, von der 'guten alten Zeit!' Die Reihen lichten sich und wir rufen tief bewegt aus:
[es folgt ein aramäisches Zitat aus dem Talmud, übersetzt: 'Schade um die, die verloren gehen und nicht gefunden werden', gemeint: 'solche Menschen wie den Verstorbenen findet man nicht oft']."
  

*Anmerkungen: - Rabbiner Bamberger: vgl. Artikel von 1864  
- Unterstützungsverein: Ein karitativer Verein der Bedürftige ohne Ansehen der Konfession unterstützte, siehe Artikel von 1886
- Rabbiner Dr. Stein: vgl. Artikel von 1914 
             

 
Vermächtnis des Leopold Scheftel für wohltätige Zwecke (1894)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1894: "Worms. Der erst kürzlich dahier verstorbene Herr Leopold Scheftel hat testamentarisch dem hiesigen jüdischen Hospital Mk. 1.700, den Armen in Jerusalem Mk. 500, der Stadt zur Beschaffung von Kohle für Arme Mk. 1.500 bestimmt."        

   
Silberne Verdienstmedaille für Helene David aus Gimbsheim (1895)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1895: "Worms. Helene David aus Gimbsheim (Kreis Worms), welche nunmehr 44 Jahre in Diensten des Herrn Michael Aron dahier steht, wurde vor 4 Jahren mit der silbernen Verdienstmedaille von Ludwig IV.* ausgezeichnet und erhielt bei dieser Gelegenheit von der hiesigen Sparkasse ein Geschenk von M. 40. In den jüngsten Tagen erhielt sie von der Großherzogin Victoria Melita* ein prachtvolles goldenes Ehrenzeichen mit sehr schönem Diplom zugestellt."   
*Anmerkungen: - Silberne Verdienstmedaille von Großherzog Ludwig IV.  https://www.ehrenzeichen-orden.de/deutsche-staaten/silberne-verdienstmedaille-2.html  
- Großherzogin Victoria Melia https://de.wikipedia.org/wiki/Victoria_Melita_von_Sachsen-Coburg_und_Gotha     
 

  
Auszeichnung für den in Worms geborenen Berliner Dirigenten Prof. Gernsheim (1897)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Dezember 1897: "Professor Gernsheim, Dirigent des Stern'schen Gesangsverein in Berlin, ein geborener Wormser, wurde vom Kaiser mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet."
Anmerkungen: vgl. - https://www.worms.de/de/kultur/stadtgeschichte/persoenlichkeiten/listen/1839_Friedrich-Gernsheim.php 
- https://www.worms.de/de/kultur/stadtgeschichte/persoenlichkeiten/listen/1839_Friedrich-Gernsheim.php 
- http://www.warmaisa.de/wormser-juden/friedrich-gernsheim-komponist-1839-1916/  
- https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Stern_(Musiker)  
- genealogische Informationen https://www.geni.com/people/Friedrich-Gernsheim/6000000035444950393 
- Einige weitere Zusammenhänge: - Friedrich Gernsheims Vater, Dr. med. Abraham Gernsheim (1801-1871), war der Cousin von Bürgermeister Ferdinand Eberstadt (vgl. zu ihm Artikel von 1849). Seine Mutter war Josephine Gernsheim geb. Kaulla aus Augsburg (ca. 1806-1889), Tochter des dortigen Hoffaktors Veit Kaulla https://www.geni.com/people/Josephine-Gernsheim/6000000014251084980
- Damit war Friedrich Gernsheim zugleich der Cousin der Schwestern Emilie Kaulla (Sängerin) und Anna Ettlinger geb. Kaulla (Schriftstellerin) vgl. http://www.alemannia-judaica.de/karlsruhe_personen.htm#Über die Sängerin und Gesangspädagogin Emilie Kaula geb. Ettlinger (geb. 1833 in Karlsruhe, gest. 1912; Artikel von 1920), die mit Hermann Levi befreundet waren: vgl. einen Bericht von 1933 und einen Bericht von 1894.
    
- Friedrich Gernsheim war auch der Cousin zweiten Grades von Bertha Hirsch und Emma Kahn aus Mannheim.
         

 
25-jähriges Amtsjubiläum von Joseph Gernsheim als Präsident des Kriegervereins in Worms (1898)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Worms. Am vergangenen Sonntag waren es 25 Jahre, dass Joseph Gernsheim, Hauptmann der Landwehr a.D. seines Amtes als Präsident des Kriegervereins* dahier ununterbrochen waltet. Aus diesem Anlasse wurde ihm am Vorabende ein großartiger Fackelzug gebracht. Beim Kommerse, dem auch die andern hiesigen Militärvereine anwohnten, sowie die Spitzen der Staats- und Stadtbehörde, ebenso das Offizierscorps, wurde dem Jubilare eine Adresse überreicht, während von Ersterem eine dem Vereine gestiftete Fahne übergeben wurde. Von auswärts waren viele Schreiben und Telegramme eingelaufen, so von den Herren: Ministerialpräsident Küchler – Darmstadt, Ministerialrat Dr. Breidert – Darmstadt, Major v. Heyl – Darmstadt und Provinzialdirektor v. Gagern* – Mainz.
*Anmerkungen: - zum Kriegerverein: https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegerverein
Zum Tod von Hauptmann Gernsheim vgl. unten Artikel von 1912   
Provinzialdirektor v. Gagern: https://en.wikipedia.org/wiki/Maximilian_von_Gagern_(Diplomat)  

     
Zum Tod des fast 100-jährigen Daniel Guggenheim (1901)         

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1901: "Worms, 27. November (1901). Herr Daniel Guggenheim, der älteste Bürger unserer Stadt, ist verschieden. Der Verstorbene wäre am 25. Dezember 100 Jahre alt geworden. Am 25. August des vorigen Jahres feierte er mit seiner inzwischen verstorbenen Frau die eiserne Hochzeit, die einen 65-jhrigen Ehebund bedeutete. Während Frau Guggenheim bald nach diesem seltenen Feste starb, erfreute sich der nunmehr Dahingeschiedene seltener körperlicher und geistiger Frische. Bis vor kurzem noch ließ er sich in seiner Gesellschaft sehen, interessierte sich für Alles, wusste Alles aus vergangenen Zeiten noch genau zu erzählen. Der Mann mit dem würdigen Greisenantlitz wird in der jüdischen Gemeinde und in der Stadt Worms nicht vergessen werden."       

   
Goldene Hochzeit von Bernhard Kuhn und seiner Frau geb. Bodenheimer (1901)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1901: "Worms. Heute feiert Herr Bernhard Kuhn mit seiner Gemahlin geb. Bodenheimer aus Biblis, das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Kuhn gehört zu den geachtetsten Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde und gehörte früher lange Zeit dem Vorstande der israelitischen Religionsgemeinde an."          

       
Zum Tod des Hauptmannes des Landwehr, Kaufmann Josef Gernsheim (1912)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1912: "In Worms starb am 12. dieses Monats im Alter von 60 Jahren der Kaufmann und Hauptmann der Landwehr Josef Gernsheim, der im Kriegervereinswesen eine hervorragende Rolle spielte. Er wurde im Jahre 1870 zum Offizier befördert. Der Verstorbene war Vorsitzender des Hassia-Verbandes in Worms und Vorsitzender des Kriegervereins."
Anmerkung: vgl. oben Artikel von 1898 "25-jähriges Amtsjubiläum...".          

  
Über die Geschichte der Familie Ballin (1914)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. August 1914: "Die Familie Ballin
Von S.(amson) Rothschild – Worms a. Rh.  
In den letzten Jahren wurde in Verbindung mit dem deutschen Kaiser der Name des Generaldirektor Ballin öfters genannt. Wie Untersuchungen in der letzten Zeit ergeben haben, weist der Stammvater der Familie Ballin in seinen ersten Anfängen auf Worms hin. Die Anregung hierzu hat Herr Rechtsanwalt Dr. Oskar Ballin in Braunschweig gegeben, der sich vor mehreren Monaten an den Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde mit der Bitte gewandt, die Archivalien behufs Durchsicht zu überlassen, da er sicher annehme, dass die Anfänge seines Stammbaumes in Worms zu finden seien. Der Vorstand übergab mir das Schreiben zur Erledigung. Ich versprach Herrn Rechtsanwalt Ballin, das 'grüne Buch', zurückreichend bis 1561, die ca. 1.200            
Worms AZJ 21081914a.jpg (296205 Byte) von Kantor Rosenthal* und mir entzifferten Grabschriften, die Wimpel*verzeichnisse und ein Buch über den Eigentumswechsel an Häusern in der Judengasse aus dem Jahre 1754 zu durchsuchen, bemerkte aber gleichzeitig, dass mir der Name Ballin in den hiesigen alten Urkunden noch nicht begegnet sei. Doch kaum war das Schreiben abgegangen, als in mir der Gedanke aufging, ob der Name Ballin nicht identisch sei mit Blün, den heute noch mehrere jüdische Familien tragen. Da die Wörter in den alten Urkunden keine Vokale haben, so konnte man den häufig vorkommenden Namen bljn ebenso gut balin oder blin lesen. Wirklich fand ich auch im 'grünen Buch' mehrmals den Namen Belin. Es hat mir viel Freude gemacht, als mir Dr. Ballin sofort mitteilte, dass eine Anzahl Gelehrter, mit denen er sich in dieser Angelegenheit in Verbindung gesetzt, ebenfalls diese Ansicht vertritt. Nun konnte ich um so sicherer dem Ziele zusteuern. Wirklich fand ich den Namen Elia Blin um die Mitte des 15. Jahrhunderts, der den Reigen des traditionellen Vornamens eröffnet und bis in die Gegenwart bei dem Geschlecht üblich geblieben ist.
Da ich nun den Namen Blin aus alten Urkunden, bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückreichend, feststellen konnte, ergab sich für mich von selbst die Frage: Woher kommt der Name Blin? Die Juden haben doch erst im Jahr 1811 infolge Befehl Napoleons Familiennamen bekommen. Sehen wir von manchen Zufälligkeiten bei Namensnennung ab, auch davon, dass die jüdische Aristokratie, die Nachkommen von Ahron und Levi, in ihren Namen stets ihre vornehme Abstammung zum Ausdruck brachte, so wurden lange vor 1811 viele Personen nach ihrem Geburtsorte genannt. Wenn wir letztere Tatsache festhalten, müssten wir fragen: Woher stammt der Name Blin, Ballin, Belin? Dr. Groß* will in seiner Gallia judaica den Namen von belle vigne ableiten. Das scheint jedoch sehr unwahrscheinlich zu sein, denn belle vigne und Blin zeigen doch eigentlich nach keiner Seite einen Zusammenhang. Ich habe die Sache weiter verfolgt und da ergaben sich zwei Vermutungen, welche beide meines Erachtens nicht von der Hand zu weisen sind. Im Elsass gibt es heute noch viele Familien mit dem Namen Blum und zwar vermutlich wegen einer Blume, die das Haus, welches sie bewohnt geschmückt hat. Bekanntlich wurden auch hier in Worms viele Häuser nach dem Hauszeichen genannt: 'Zu der Kronen, zur Pulverflasch'. Wenn nun Familien Blum von Frankreich hierher verzogen, so nannten sie sich nach der französischen Aussprache des Wortes Blum – Blin (Bling) und auf diese Weise mag das Wort Blin entstanden sein.
Eine andere Ansicht scheint noch einleuchtender zu sein. Wie mir auf Befragen Herr Rabbiner Dr. Ginzburger - Gebweiler mitteilt, waren die Träger des Namens Blin früher Armeelieferanten der Könige von Frankreich, Belin ist aber ein Städtchen in der Nähe von Bordeaux. So liefert auch dieser Name den Beweis, dass die Juden in früheren Jahrhunderten sich nach ihrem Geburtsort benannt haben. Ich stelle diese beiden Ansichten nebeneinander; ob sie richtig sind, vermag ich nicht zu entscheiden, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit wird man nicht absprechen können.
Die Zeilen waren geschrieben, als mich Herr Dr. Ballin mit Übersendung seiner Schrift 'Die Familie Ballin' erfreute. Die Schrift enthält eine sehr interessante Einleitung, das Wormser Geschlecht, das Hamburger Geschlecht, das hannoverisch-braunschweigerische Geschlecht, Quellen über das Geschlecht Ballin im königlichen Staatsarchiv zu Hannover, Bericht des David Ballin aus Imbshausen über seine Feldforschungsergebnisse 1813. Eine reichliche Fülle von gründlichen Studien, die uns zeigen, wie tief der Verfasser in der Familienforschung eingedrungen. Kurz: Eine gründliche, hochinteressante, fesselnde Studie."

*Anmerkungen: Wimpel: https://de.wikipedia.org/wiki/Mappa   https://www.jmberlin.de/zeit/de/leben.php
zu Kantor Rosenthal vgl. Julius Rosenthal http://www.wormserjuden.de/Biographien/Rosenthal-I.html vgl. Artikel von 1914 zum 25-jährigen Ortsjubiläum von Julius Rosenthal (intener Link)
zu Dr. Groß: Henri Groß, Verfasser der Gallia judaica vgl.
https://nggj.eu/geschichte.html.   

   
Zum Tod des Gemeindevorstehers und Stadtverordneten Siegmund Mayer II (1916)   

Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom Juli 1916 S. 168: "Nachrufe. Nach längerem Leiden ist am 18. Juni in Worms der erste Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde und langjährige Stadtverordnete Siegmund Mayer II plötzlich verschieden. 13 Jahre hindurch hat er als Vertrauensmann des Centralvereins unsere Vereinssache mit Hingebung und Eifer erfolgreich gefördert. Die Kunde von seinem Hinscheiden erweckte auch in unseren Kreisen eine innige Teilnahme; unser Dank folgt ihm in die Ewigkeit nach.
Anmerkung: zum Centralverein vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Central-Verein_deutscher_Staatsbürger_jüdischen_Glaubens."        

   
Eisernes Kreuz für Willi Guggenheim (1916)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Oktober 1916: "Worms. Willi Guggenheim erhielt das Eiserne Kreuz"         

   
Im Ersten Weltkrieg hatte Frau Delphine Loeb sechs Söhne im Feld (1924)      

Zwesten CV-Ztg 24041924.jpg (155271 Byte) Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. April 1924: "1000 Mark Belohnung setzte 
im 'Münchener Beobachter' der bekannte deutschvölkische Führer Dietrich Eckardt für den aus, der ihm eine jüdische Mutter benennen würde, die drei Söhne auch nur drei Wochen im Schützengraben aufzuweisen hätte. Durch diese höhnische Auslobung wollte Eckardt 'beweisen', dass die jüdischen Soldaten im großen Kriege ihre Pflicht schmählich vernachlässigt hätten und sich, wie er und seine Freunde tagtäglich verbreiten, in der Etappe statt im Schützengraben breit machten. 
Eckardt erlebte einen bösen Reinfall!  
Rabbiner Dr. Freund in Hannover benannte zwanzig Mütter seiner Gemeinde, die den Anforderungen entsprachen. Und als Eckardt sich die 1000.- Mark zu zahlen weigerte, verurteilte ihn das Landgericht München zur Zahlung. Die Beweisaufnahme ergab, dass in Hannover allein 20 jüdische Familien vorhanden waren, die drei Söhne und mehr drei Wochen gleichzeitig im Felde hatten und aus anderen Orten Deutschlands wurde eine lange Liste von jüdischen Familien vorgelegt, welche gleichzeitig sieben, ja sogar acht Söhne vor dem Feinde hatten.  
Die Liste begann: Frau Therese Kraemer in Crailsheim hatte acht Söhne im Felde. 
Frau David Hirschberg in Zwesten, Post Borken, hatte sieben Söhne im Felde.  
Familie L. Caminer in Charlottenburg, Kurfürstendamm 61, hatte sieben Söhne im Felde.  
Frau Delphine Loeb in Worms, Karmeliterstraße 2, hatte sechs Söhne im Felde. 
Familie Samuel Wolf in Aurich hatte sechs Söhne im Felde.  
Familie Arnold Visser in Emden, Etzardstraße 4, hatte sechs Söhne im Felde. 
Familie Meyer in Steinfurt hatte sechs Söhne im Felde. 
Familie Marx in Linz am Rhein hatte sechs Söhne im Felde. 
Simon Freising aus Sülzburg hatte fünf Söhne im Felde."       

  
Zum Tod von Samuel Guggenheim (1931)     

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 14. Januar 1931: "Worms. (Todesfall) Hier starb Samuel Guggenheim, der vor wenigen Monaten seinen 90. Geburtstag feiern konnte. Ein stattliches Trauergefolge gab ihm das letzte Geleit. Rabbiner Dr. Holzer*, Dr. Tryfus* und Dr. Dienemann*, Offenbach, ebenso Herr Kiefer als Vertreter der Gemeinde hielten an seiner Bahre Ansprachen."
*Anmerkungen: zu Rabbiner Dr. Holzer vgl. http://steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?id=2248
Dr. Ernst Tryfus war seit 1921 als Arzt in Worms tätig und seitdem aktiv in der jüdischen Gemeinde, gehörte zu ihrem Vorstand und war Leiter der Wormser Ortsgruppe der zionistischen Vereinigung für Deutschland vgl. http://www.wormserjuden.de/Biographien/Tryfus.html.
zu Rabbiner Dr. Dienemann: https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Dienemann."
           

  
Zum Tod von Adolf Dinkelmann (1932)
Anmerkung: Adolf Dinkelmann (1842-1932) war Begründer der Firma "Adolf Dinkelmann, Staatliche Lotterie Einnahmen, Zigarren, Zigaretten, Tabake en gros und en details, Vertretung der Norddeutschen Lloyd, Bremen, der Annoncenexpedition Rudolf Masse" in Worms. Die Firma wurde 1933 von seinem Enkel Max Dinkelmann geleitet. 1938 wurde sie auf Grund der NS-Maßnahmen zwangsweise geschlossen. Siehe http://www.wormserjuden.de/Biographien/Dinkelmann-I.html und http://www.wormserjuden.de/Biographien/Dinkelmann-II.html  http://www.wormserjuden.de/Biographien/Dinkelmann-I-4.html.   

Artikel in "Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Religionsgemeinden Hessens" vom Juli 1932 S. 4: "Worms. Am Sonntag, 26. Juni, wurde hier kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahr ist der Nestor unserer Gemeinde, Herr Adolf Dinkelmann, unter außergewöhnlich großer Beteiligung zu Grabe getragen. Mit ihm ist eine selten beliebte und wertvolle Persönlichkeit von hinnen gegangen. Wem es vergönnt war, mit diesem Manne eine Unterhaltung zu pflegen, war erstaunt ob seines ungewöhnlich starken Gedächtnisses, dem kein Erlebnis von einiger Bedeutung aus seinem langen Erdenwallen entgangen war, war erstaunt ob seines Frohsinnes und seiner Weltweisheit, die aus allen seinen Lebensäußerungen sprachen und die ihm sicher die Arbeit des Lebens erleichtert haben. Sein Lebensgrundsatz war: Ehrlich, beharrlich und treu! Das gab ihm Kraft und stärke in jeder Lebenslage, verschaffte ihm Anerkennung und Vertrauen, sicherte seiner Arbeit Erfolg, halfen ihm, sein geschäftliches Unternehmen zur gewollten Entwicklung und Blüte zu bringen, gab ihm bis in die letzten Tage hinein die Kraft, nicht zu verzagen, auf bessere Zeiten zu hoffen. Seine Treue und Beharrlichkeit zeigte sich auch darin, dass, wenn er im Sommer sich einige Erholung gönnen wollte, er immer wieder sein ihm lieb gewordenes Herrenalb aufsuchte. Diese Anhänglichkeit wurde denn auch dort erkannt und gewürdigt, ganz besonders bei seinem 25. Besuche, wo er auf Veranlassung der Kurverwaltung reich geehrt und mit der Überreichung eines wertvollen Andenkens an Herrenalb erfreut wurde. Seine Wesensart gab sich auch dadurch zu erkennen, dass er fast allsabbatlich das Gotteshaus aufsuchte, wo es ihm, dem Leviten, des Öfteren vergönnt war, zur Tora hintreten zu können. - So war es denn natürlich, dass der Heimgegangene sich überall großer Beliebtheit und Wertschätzung erfreute, dass insbesondere Kinder und Kindeskinder in ihm das Oberhaupt der Familie verehrten, ihm die Tage des Alters angenehm zu gestalten suchten, dass alle die, die ihn betreuend, immer um ihn waren, ihre Pflichten nicht als ein Muss, sondern als ein gern zu übendes Wollen auffassten und betätigten. - Herr Rabbiner Dr. Holzer (vgl. http://steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/bhr?id=2248) widmete dem Freunde tiefempfundene Worte der Verehrung und Wertschätzung, zeigte insbesondere, wie er auf allen seinen Betätigungsgebieten Vorbildliches geschaffen. Ein Angestellter der Firma Adolf Dinkelmann, Herr Müller, dankte namens des gesamten Personals dem väterlichen Berater, warme und herzliche Worte der Anerkennung fand auch Herr Petrenz, Vorsitzender der Vereinigung hessischer Lotterieeinnehmer. - Der teure Entschlafende, der Glaube, Menschenliebe, Hoffnung sich zu aller Zeit bis zu seinem letzten Atemzug bewahrt hatte, sei uns immerdar ein Vorbild. Dann wird das Gedenken an den Gerechten zum Segen sein. "       

  
   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
   
Anzeige des Spenglermeisters Albert Blum (1889)        

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1889: "Ich suche für meine Spenglerei und Installationsgeschäft 2 Lehrjungen unter sehr günstigen Bedingungen. 
Nur solche wollen sich melden, die wirklich Lust zum Handwerk und zum Arbeiten haben. Offerten erbittet 
Albert Blum,
Spenglerei und Installationsgeschäft, Worms am Rhein."        

  
Anzeige von M. Stadecker (1906)      

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 21. Dezember 1906: "Ein kräftiges Mädchen nicht unter 16 Jahren zu Kindern gesucht; muss leichte Hausarbeit übernehmen. 2tes Mädchen vorhanden. M. Stadecker, Worms am Rhein, Gaustraße 4".        

  
Anzeige des koscheren Restaurants von D. Karpfen (1912)    

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. März 1912: "Auf nach Worms!
Zur Wohnstätte Raschi's - zum Grabe von Rabbi Meir von Rothenburgs
und seinen ehrwürdigen jüdischen Altertümlichkeiten.
Wer möchte nicht einen freien Tag dazu benutzen!
1 Stunde Schnellzug von Frankfurt a. M..
Restaurant I. Ranges 'Wormser Weinhaus'. D. Karpfen. Unter Aufsicht des Hamburger Vereins!"       

     
Über das neue koschere Hotel und Restaurant von D. Karpfen (1912)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1912: "Allgemeine Mitteilungen
Worms, wegen seiner historischen jüdischen Stätten das Strebziel so vieler Touristen, hat endlich ein modernes jüdisches Hotel-Restaurant erhalten. Herr D. Karpfen, der Gründer desselben, erwarb sich in seiner langjährigen Tätigkeit im Restaurant Beermann - Reichenhall seine fachmännischen Kenntnisse und gründete dann das Restaurant Neptun in Kissingen, das sich in kurzer Zeit einen glänzenden Ruf erwarb."          

   
   
Sonstiges  

   Karte an Gebr. Abraham in Ober-Olm von 
Simon Guthmann in Mainz  (1901) 
 
 Ober-Olm Dok 1901.jpg (100320 Byte)  Ober-Olm Dok 1901a.jpg (127656 Byte)

Die Postkarte geschäftlicher Art von Simon Guthmann wurde am 21. Dezember 1901 verschickt an die Gebrüder Abraham in Ober-Olm - Landesproduktengeschäft - Saatgut, Düngemittel. 
Simon Guthmann aus Hamm (geb. 1836, gest. 1894) ließ sich Mitte des 19. Jahrhundert als Malzfabrikant und Getreidehändler in Worms nieder. Er war verheiratet mit Emilie geb. Heidweyer aus Worms (geb. 1839, gest. 1914, beigesetzt auf dem jüdischen Friedhof "Heiliger Sand" in Worms). Die beiden hatten fünf Kinder: Bernhard, Max, Ludwig und Rosa und Julius.
Ludwig Guthmann übernahm die Malzfabrik des väterlichen Unternehmens, Max Guthmann die Getreidemittelhandlung. In der Karmeliterstraße 1 betrieb er einen Getreidehandel, Braugersten-, Malz - und Futtermittelimport zusammen mit seinem Schwager Sigmund Liebmann, dem Mann seiner Schwester Rosa, der aber ab 1920 eine eigene Getreide- und Futtermittelhandlung betrieb. Ab 1927 trat der Neffe Ludwig Guthmann, ein Sohn von Bernhard Guthmann in die Firma ein und war dort bis 1936 als Prokurist tätig.
Max und Emilie Guthmann wurden am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Max Guthmann starb dort am 15. Dezeber 1942 an einer Vergiftung. Emilie Guthmann kam am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz und wurde dort ermordet.
Quellen: http://www.wormserjuden.de/Biographien/Guthmann-II.html 
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/KP2K7W3Z3YEBL7OPSKCRZZ2GGD5GEYAL   

    
    
Literatur (nachfolgender Beitrag ist mehr zufällig eingestellt; es gibt sehr viel Literatur zu einzelnen Personen der jüdischen Geschichte in Worms, die hier nicht zusammengestellt werden kann) 

bulletFritz Reuter: Prof. Dr. Hugo Sinzheimer - Vater des deutschen Arbeitsrechts. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Familien Sinzheimer und Bischhoff und ihres Hauses Wilhelm-Leuschner-Straße 26 in Worms. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 8. Jahrgang Ausgabe 1/1998 Heft Nr. 15. S. 45-48. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). 
Vgl. Wikipedia-Artikel  https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Sinzheimer . Hugo Sinzheimer ist 1875 in Worms geboren.  
bulletders.: Wissen Sie eigentlich, wer Herta Mansbacher war? In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 10. Jahrgang Ausgabe 2/2000 Heft Nr. 19. S. 22-26.  Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt).  
Vgl. Wikipedia-Artikel  https://de.wikipedia.org/wiki/Herta_Mansbacher. Herta Mansbacher (1885 Darmstadt - ermordet 1942) war Leiterin einer jüdischen Schule in Worms und engagierte sich für die jüdische Gemeinde bis zu ihrer Deportation und Ermordung 1942.  

      
      
      
      
        

       

 

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Stand: 30. Juni 2020