|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Heidelberg
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen bis 1938/40
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurpfälzischen
Residenzstadt Heidelberg bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und in
der Neuzeit (seit dem 17. Jahrhundert) bis zu den Deportationen der NS-Zeit.
Vermutlich lebten bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts
einzelne Juden in der Stadt, sicher seit der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts (1275 erste Nennung). Beim Pogrom während der Pestzeit 1348/49
wurde die Gemeinde vernichtet. 1350 wurden jüdische Familien aus Worms und
Speyer aufgenommen. Diese zweite mittelalterliche Gemeinde bestand bis zur
Vertreibung aller Juden aus der Kurpfalz 1390.
Im Laufe des 16.
Jahrhunderts sind einzelne Juden in der Stadt bezeugt.
Erst nach 1648 konnte sich einige Familien wieder in
Heidelberg niederlassen.
Anfang des 18. Jahrhunderts waren es elf Familien,
deren Zahl im Laufe der folgenden Jahrzehnte auf 18 bis 20 Familien zunahm. 1728
promovierte erstmals ein jüdischer Student an der Universität.
1827 wurde
Heidelberg Sitz einer Bezirkssynagoge. Seit 1875 wurden von Heidelberg auch die
Rabbinatsbezirke Ladenburg und Sinsheim betreut.
Die höchste Zahl jüdischer
Einwohner wurde um 1925 mit 1412 Personen erreicht.
Seit dem 19. Jahrhundert gab
es zahlreiche jüdische Handels- und Gewerbebetriebe sowie eine zunehmende Zahl
jüdischer Dozenten an der Universität. Um 1933 waren Juden noch in
allen Zweigen der Wirtschaft tätig. Größere Betriebe waren die Badischen Möbelwerke,
zahlreiche Großhandlungen und mehrere Zigarrenfabriken, davon eine mit etwa 230
Mitarbeitern.
Nach 1933 mussten insgesamt 45 akademische Lehrer auf Grund ihrer
jüdischen Herkunft ihre Lehrtätigkeit an der Universität abbrechen, unter
ihnen die Juristen Ernst Levy und Walter Jellinek, der Romanist Helmut Hatzfeld,
der Dermatologie Siegfried Bettmann und der Physiologe und Nobelpreisträger
Otto Meyerhof.
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen bis 1938/40
Mittelalter
Das mittelalterliche Wohngebiet
konzentrierte sich auf die "Judengasse" (im 19. Jahrhundert in "Dreikönigstrasse"
umbenannt), an deren Ende das "Judentor" stand. Eine Hinweistafel am Ende der
Dreikönigstrasse hält die Erinnerung an das im 18. Jahrhundert abgebrochene
Judentor bis zur Gegenwart wach. Die "Semmelgasse" (früher "Simmelgasse") ist möglicherweise
nach dem Juden Simelin genannt, der nach 1366 in Heidelberg lebte.
| Die mittelalterliche, 1391 zu einer
Marienkapelle umgewidmete Synagoge |
 |
| |
Ansicht
von Heidelberg nach einem Stich von Merian um 1620 (Quelle: Ausstellung "Juden an der Universität Heidelberg", Link) |
| |
|
Die
mittelalterliche Judengasse, jetzige Dreikönigsstrasse
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 25.6.2004) |
|
 |
 |
 |
| Blick
talaufwärts, rechts die Hinweistafel "Judentor" |
Erinnerung das im
13. Jahrhundert erbaute "Judentor" am Ende der
"Judengasse" |
Blick in die
Dreikönigsstrasse
talabwärts |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Das
Haus Dreikönigstraße 10 - die sogenannte "Judenschule" - mit
Literaturhinweis im Fenster des Erdgeschosses |
| |
 |
|
|
| Das
"Judentor" auf einer Darstellung des 18. Jahrhunderts |
|
|
Neuzeit (17.-20. Jahrhundert)
Vom privaten
Betsaal zur Synagoge
Die neuzeitliche Gemeinde traf sich seit dem Ende des 17. Jahrhundert zu den
Gottesdiensten in einem Betsaal ("Judenschule"), der in einem der jüdischen
Häuser eingerichtet war. Zwar war nach den kurpfälzischen Bestimmungen
kein öffentlicher Gottesdienst in einem selbständigen Synagogengebäude
erlaubt, dennoch wurde ein Betraum in einem Privathaus toleriert. 1702 wird ein
Vorsänger und Schulmeister, 1704 ein Landrabbiner (Hirsch Fränkel) mit Sitz in
Heidelberg genannt. Seit 1700 fanden die Gottesdienste im Haus des Feist
Oppenheimer in der Nähe des Jesuitenkollegs statt (Gebäude Merianstrasse 3). Oppenheimer
hatte dieses Haus nach dem Stadtbrand (1693) erbauen lassen und darin, seiner
Stellung als einer der Vorsteher der jüdischen Gemeinde Heidelbergs
entsprechend, eine Synagoge eingerichtet. Auf einem Plan des Jesuiten- und
Universitätsviertels von ca. 1713 ist das Gebäude Oppenheimers an der
"Heu Gass" / "Platea jesuitica" unter dem Begriff "Synagoga
Judaeorum" eingezeichnet. Die Nähe der Synagoge zum Jesuitenkollegium und
zur Jesuitenkirche führte 1714 zu einer Beschwerde der Jesuiten bei Kurfürst
Johann Wilhelm. Von der Synagoge würde zu viel Lärm ausgehen, daher sollten
die Juden aus der Nähe des Jesuitenkollegiums verschwinden. Immerhin mussten
die Jesuiten dabei zugeben, dass der störende Lärm auch von Schülern
verursacht werde, die die Synagoge sogar immer wieder mit Steinen bewerfen würden.
Um den Streit nicht eskalieren zu lassen, beschloss die Mehrheit der jüdischen
Gemeinde unter dem Vorsteher Lazarus Moyses Oppenheimer, das gegenüber der
Heuscheuer in der Großen Mantelgasse 1/Ecke Lauerstrasse gelegene Haus "Zur
Blauen Lilie" zu kaufen und dort eine Synagoge einzurichten. Der andere Teil der
Gemeinde unter dem anderen Vorsteher und bisherigen Synagogeninhaber Feist
Oppenheimer war gegen dieses Vorhaben.
Der Plan, eine neue Synagoge einzurichten, stieß freilich
bei den zuständigen Behörden zunächst auf wenig Akzeptanz. Mehrfach wurden
die Vertreter der Judenschaft vernommen, da man befürchtete, dass mit diesem
neuen Betsaal eine eigenständige Synagoge ("öffentliche Schul") eingerichtet
werden sollte. Ende Oktober 1714 wurde das Haus "Zur Blauen Lilie" von der
Polizeikommission besichtigt. Diese meinte nach der Besichtigung, dass durch
einen Betsaal an dieser abgelegenen Ecke der Stadt "niemand inkommodiert noch geärgert
werden könnte". Daraufhin gestatteten die Behörden den Kauf des Hauses durch
die Judenschaft.
Das Gebäude wurde nach Plänen des damaligen
Stadtbaumeisters Johann Adam Breunig umgebaut. Die Synagoge musste so
eingerichtet werden, dass die Fenster zur Großen Mantelgasse hin zugemauert
werden und das Haus äußerlich nicht einer Kirche gleichen sollte. Beim Kauf
und Umbau des Gebäudes haben sich die jüdischen Familien fast übernommen.
Insgesamt 3.000 Gulden mussten sie bezahlen. Vor allem aber wollten Feist
Oppenheimer und seine Freunde nichts bezahlen mit der Begründung, dass er 15
Jahre lang kostenlos eine Synagoge in seinem Haus unterhalten habe. Bei der
Versteigerung der Synagogenplätze, über die man die Baukosten finanzieren
wollte, konnten nur neun der 30 Plätze für insgesamt 996 Gulden verkauft
werden. In den folgenden Monaten spitzte sich der Streit in der Gemeinde weiter
zu, zumal die Gruppe um Lazarus Moyses Oppenheimer einen eigenen Vorsänger
anstellte. Im April 1715 trafen die Rabbiner Jacob von Worms, Hillel von der
Lemle-Moses-Klaus in Mannheim und Isaac von Durlach ein, um in der Angelegenheit
eine Entscheidung zu treffen. Selbst deren Urteil beendete jedoch nicht den
Streit um die Synagoge. Er ging noch jahrelang – selbst nach dem Tod von Feist
Oppenheimer 1720 - weiter. Erst 1737 entspannte sich die Lage, als am 1. April
1737 Moyses David das Haus "Zur Blauen Lilie" an die "sambtliche Judenschaft" in
Heidelberg für 1.590 Gulden verkaufen konnte und damit die bisher nur
tolerierte Privatsynagoge eine offizielle Gemeindesynagoge wurde.
Was das Aussehen der damaligen Synagoge betrifft, so sind
die Pläne erhalten, die vermutlich im Herbst 1714 von dem Stadtbaumeister
Breunig angefertigt wurden. Gleichfalls liegen die Versteigerungspläne der
Synagogenplätze vom Dezember 1714 vor, die eine Innenansicht des
Synagogenraumes zeigen. Nach diesen Plänen war die Synagoge in einen Frauen-
und einen Männerraum mit jeweils getrenntem Eingang unterteilt. Der an der
Ostseite des Betsaales gelegene Aron Hakodesch bestand aus einem mit
beidseitigen Geländern versehenen Aufgang, der zu dem eigentlichen Toraschrank
führte. Die etwa dreißig Plätze der Männer wurden an allen vier Seiten des
Synagogenraumes angebracht. Davor standen vermutlich jeweils bewegliche Pulte.
Noch vor 1776 wurde das damals baufällig gewordene Synagogengebäude renoviert.
Aus der Zeit der alten Synagoge: Konfirmation durch
Prediger Dr. Rehfuß (1841)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Oktober 1841:
"Heidelberg, 29. August (1841). (Privatmitteilung). Wir hatten
gestern einen so schönen, gottesdienstlichen Genuss gehabt, dass ich nicht
umhin kann, einige wenige Worte der Öffentlichkeit darüber zu
übergeben. Nach dreivierteljährigem körperlichen Leiden betrat gestern
unser Dr. Rehfuß die Kanzel zum ersten Male, und konfirmierte 4 Knaben
aus dem hiesigen Lyzeum und der höheren Bürgerschule. Die Feierlichkeit,
welcher eine große Menge Zuhörer beiwohnte, ging mit einer solchen
Begeisterung, mit einem so erhebenden Eifer und warmer Liebe für Religion
und Gerechtigkeit vor sich, dass alle Herzen durchdrungen wurden, und das
Andenken an diese Stunde bleiben sein wird." |
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs die jüdische Gemeinde Heidelbergs stark
an, sodass die alte Synagoge bald nicht mehr ausreichte. 1875 fasste die
Gemeinde den Entschluss zum Neubau einer Synagoge auf dem bisherigen
Synagogengrundstück. Zunächst suchte man nach einem geeigneten Raum, in dem während
der Bauzeit der neuen Synagoge die Gottesdienste gefeiert werden konnten. Eine provisorische
Synagoge konnte von August 1875 bis April 1878 in der ehemaligen Kapelle der
im früheren Augustinerinnenkloster eingerichteten städtischen Schule gefunden
werden (Grabengasse 20). Diese Kapelle wurde im Sommer 1875 zu einer Mädchenturnhalle
umgebaut worden. Der Ortsschulrat und der Stadtrat stimmten zu, dass die jüdische
Gemeinde am Sabbat und an den Feiertagen diesen Raum für die Gottesdienste
benutzte. Während der Woche wurde der Raum als Turnhalle verwendet.
Mit dem Bau der neuen Synagoge wurde nicht vor 1877 begonnen. Im Sommer
dieses Jahres kaufte die Gemeinde zunächst das neben dem alten Synagogengebäude
gelegene Haus Lauerstraße 2, um mehr Platz für den Neubau zu schaffen. Das
alte Synagogengebäude wurde auch erst 1877 abgebrochen. Die neue Synagoge wurde
nach den Plänen des bekannten Heidelberger Architekten Hermann Behaghel
(1839-1921) erbaut. Leider sind die Baupläne zum Synagogenbau nicht mehr
vorhanden. Behaghel hat in Heidelberg und Umgebung zwischen 1870 und 1910
zahlreiche Wohnhäuser und Kirchen, aber auch Geschäftshäuser und andere
Bauten geplant, erstellt oder renoviert. Die Heidelberger Synagoge gehörte zu
seinen frühen Bauten. Die Einweihung der neuen Synagoge fand am 12. April
1878 statt. Nach den erhaltenen Photographien verwendete Behaghel
unterschiedliche Stilelemente. Die Gesamtform des Gebäudes wirkt zunächst eher
gotisch, jedoch wurden auch romanische Elemente – z.B. das Stufenportal und
der Giebelfries – verwendet. Dazu finden sich vor allem in der Gestaltung der
Fenster Stilelemente der Renaissance. In dieser Verwendung verschiedener Stile
entsprach die Synagoge dem eklektizistischen Stil der Zeit.
Zur Einweihung der neuen Synagoge am 12. April 1878
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Mai 1878:
"Bonn, 28. April (1878). (Notizen). Man schreibt aus Heidelberg: Die
hiesige israelitische Gemeinde weihte am 12. ihre ganz aus eigenen Mitteln
neu erbaute Synagoge ein. Die Festpredigt hielt Dr. Sontheimer über den
Text: 'Ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre
wohnt', und die ganze Feier machte auch auf die zahlreich anwesenden
Mitglieder anderer Bekenntnisse einen erhebenden Eindruck, zu welchem aber
auch die schönen Verhältnisse und Auszierungen des neuen Tempels
beitrugen. Den Bau hat der Architekt Behaghel geleitet, und zwar, wie es
heißt, so umsichtig, dass nicht einmal die Summe des Voranschlags
erreicht worden ist, ein bei monumentalen Bauten gewiss seltenes
Ergebnis." |
1913 wurde die Synagoge nach Plänen des jüdischen Architekten
Siegfried Seidemann erweitert und renoviert. Damals wurde auch eine Orgel
eingebaut. Seidemann war später auch für den Umbau der Mannheimer
Klaussynagoge 1929/30 und der Neidensteiner
Synagoge 1930/31 verantwortlich. 1913 wurde die Heidelberger Synagoge nach
Osten hin bis zum Haus Lauerstraße 4 erweitert. In dem neuen Gebäudeteil
wurden die Garderobe, die Orgelempore und die dorthin führenden Aufgänge
untergebracht. Die Maße der Synagoge veränderten sich durch den Umbau in der Länge
von ca. 19,6 m auf ca. 23,5 m. Die Synagoge erhielt teilweise eine neue
Innenausstattung und einen neuen Innenanstrich. Im Erdgeschoss des
Gemeindehauses wurde ein Gemeindesaal eingerichtet, der auch als
Wochentagssynagoge benutzt wurde und mit der Synagoge verbunden war. Die
Feier aus Anlass der Neugestaltung der Synagoge fand am Sonntag, den 13.
April 1913 statt.
Eine letzte Renovierung der Synagoge wurde – möglicherweise auch durch
Siegfried Seidemann - zwischen 1933 und 1938 vorgenommen, vermutlich 1934,
da zum 1. Januar 1935 Neueintragungen im Feuerversicherungsbuch erfolgten. Bei
dieser Renovierung wurde vermutlich nur das Innere neu ausgemalt.
Die Synagoge der orthodoxen Juden
Während und nach dem Ersten Weltkrieg, als auch nach Heidelberg zahlreiche
Juden aus Osteuropa zuzogen, hatte sich eine immer stärkere Gruppe orthodoxer
Juden gesammelt, die den ostjüdischen Verein "Ez chajim" gründeten. 1921
konstituierte sich der "Verein gesetzestreuer Juden in Heidelberg". Diesem
schlossen sich orthodoxe Mitglieder der Hauptgemeinde und zahlreiche Ostjuden
an. 1929 berief die orthodoxe Gemeinde Hermann Mayer aus Stuttgart als Rabbiner
nach Heidelberg. Am 2. April 1932 konnte im Hinterhaus des Gebäudes Plöck 35
eine neue Synagoge eingeweiht werden, die von Herrn Großberger gestaltet worden
war. Trotz der beschränkten Finanzen des Vereins konnte die neue Synagoge mit
Hilfe zahlreicher Spenden geschmackvoll ausgestattet werden. Sie hatte fünfzig
Plätze für Männer und dreißig Plätze für Frauen. Auch ein rituelles Bad
befand sich im orthodoxen Synagogengebäude.
Die Zerstörung der Synagogen 1938 und die Geschichte der Grundstücke nach 1945
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge von SA-Leuten
in Brand gesetzt. Gegen zwei Uhr in der Frühe des 10. November 1938 begannen
SA-Männer aus Heidelberg, die Synagoge in der Großen Mantelgasse in Brand zu
stecken. Holzwolle und Benzinkanister wurden in die Synagoge getragen. Zwischen
drei und vier Uhr wird das Gebäude in Brand gesetzt worden sein. Gegen vier Uhr
traf die Feuerwehr ein, die aber erst nach ausdrücklicher Erlaubnis der SA mit
den Löscharbeiten beginnen durfte. Sie hatte zunächst nur die Anweisung, die
umliegenden Häuser vor dem Übergreifen des Brandes zu schützen. Die Synagoge
wurde völlig zerstört. Im Laufe des frühen Morgens überzeugte sich der
NSDAP-Kreisleiter persönlich an Ort und Stelle vom Fortgang des Geschehens.
Nach der Feuerwehr rückten gegen sieben Uhr auch die SA-Leute ab. Die Synagoge
brannte bis zum späten Vormittag völlig aus. Auch der Betsaal im Gemeindehaus
neben der Synagoge wurde durch den Brand stark beschädigt. Die darüber
liegende Wohnung des Synagogendieners wurde von SA-Männern zerstört. Die aus
der Synagoge entwendeten Torarollen und die rituellen Gegenstände wurden auf
das Polizeirevier gebracht. Nationalsozialistisch gesinnte Heidelberger Bürger
und vor allem Studenten verbrannten diese etwa eine Woche nach der Zerstörung
der Synagoge auf dem Universitätsplatz.
Fotos / Abbildungen /
Pläne
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Januar 2010:
Soll es in Heidelberg soll es
"Stolpersteine" geben? |
Artikel in "Der Morgen" vom 19.
Januar 2010: "Stadtrat: Konzept für "Allgemeine Kultur des Erinnerns" gefordert.
Keine Stolpersteine geplant.
In Heidelberg soll es keine "Stolpersteine" geben, die an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt erinnern. Im Kulturausschuss wurde nun statt dessen ein alternatives Konzept vorgestellt.
Die "Initiative Stolpersteine" wollte in Heidelberg Gedenksteine ("Stolpersteine") verlegen. In vielen Städten wurde dieses Konzept bereits umgesetzt. Der Heidelberger Gemeinderat stellte das Projekt vergangenen März allerdings zurück und beauftragte die Verwaltung, ein Konzept für eine "Allgemeine Kultur des Erinnerns" zu erarbeiten. Es soll allen Opfern und deren Angehörigen in ausreichender Form gerecht werden. Jede Generation müsse neu festlegen, an wen und was sie erinnert, heißt es in dem Abriss. Dabei gelte es stets eine Auswahl zu treffen, neu zu diskutieren und zu entscheiden, wie erinnert werden soll - etwa durch die Benennung von Straßen.
Heidelberg habe bereits einen reichhaltigen Bestand an Erinnerungszeichen, mitunter sogar aus dem Mittelalter. Einen fest umrissenen "Kanon" des Erinnerns aufzustellen sei nicht möglich, so die Verwaltung. Allerdings ließen sich Maximen formulieren, die Schwerpunktsetzungen ermöglichten - etwa der Bezug zu Heidelberg, seinen Stadtteilen und seiner Geschichte, die besondere Würdigung von Frauen, der Demokratiegeschichte bis hin zur Erinnerung an Verfolgung und Widerstand in der NS-Zeit als europäische Aufgabe.
Vorgesehen und angedacht sind Einzelmaßnahmen. So wird die Arbeitsgemeinschaft Badischer Städte eine gemeinsame Publikation zur Pflege des Friedhofs Gurs herausgeben, an der sich auch Heidelberg beteiligt. Die jüdische Kultusgemeinde wünscht eine Gedenktafel an dem orthodoxen Betsaal in der Plöck. Dazu ist eine Untersuchung seiner genauen Lage in Vorbereitung. Zudem hat das Kulturamt vor, ein Verzeichnis aller Erinnerungszeichen und Gedenktafeln im Stadtgebiet zu erarbeiten und im Internet zu veröffentlichen. hbg." |
| |
| Januar 2010:
Der Kulturausschuss kann sich
"Stolpersteine" in Heidelberg vorstellen |
Artikel im "morgenweb.de" (kjs)
vom 18.1.2010 (Artikel):
"Heidelberg: Stolpersteine kommen doch.
Heidelberg. Vor einem Jahr hatte der Stadtrat die "Stolpersteine" abgelehnt und ein eigenes Konzept zur "Allgemeinen Kultur des Erinnerns" beauftragt. Jetzt kommen die Stolpersteine, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen, doch: Der Kulturausschuss beschloss, dass sie jeder an einem "ausgewählten Ort der Erinnerung" verlegt werden darf, wenn Anwohner nichts dagegen haben. Der Gemeinderat muss am 11. März noch
zustimmen." |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur (Auswahl, eine ausführlichere Liste beim Heidelberger
Geschichtsverein e.V.):
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 121-129. |
 | Germania Judaica II,1 S.344f; III,1 S.523ff. |
 | Hannelore Künzl: Auf den Spuren der ersten Heidelberger Synagoge, in:
Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg, 3.Dez.1981. |
 | Benno Szklanowski: Der alte jüdische Friedhof am Klingenteich in Heidelberg
1702-1876, in: Neue Hefte zur Stadtentwicklung und Stadtgeschichte 3 (1984). |
 | Arno Weckbecker: Die Judenverfolgung in Heidelberg 1933-1945, in:
Motive-Texte-Materialien 29 (1985). |
 | ders.: Die Judenverfolgung in Heidelberg 1933-1945. Heidelberg unter dem
Nationalsozialismus (hg. von Jörg Schadt/Michael Caroli), in:
Motive-Texte-Materialien. Heidelberg 1985 S. 399-412. |
 | Norbert Giovannini, Jo-Hannes Bauer, Hans-Martin Mumm:
Jüdisches Leben in Heidelberg. Studien zu einer unterbrochenen Geschichte.
Heidelberg 1992. |
 | Andreas Cser, Susanne Döring, Norbert Giovannini u.a.: Geschichte der Juden in Heidelberg.
(= Buchreihe der Stadt Heidelberg. Band VI. Hg. von Peter Blum). Heidelberg 1996. |
 | Barbara Löslein: Die Heidelberger Synagogen. in: Heidelberg.
Geschichte und Gestalt. Hg. von Elmar Mittler. Heidelberg 1996. S.
228-235. |
 | dies.: Geschichte der Heidelberger Synagogen. Heidelberg 1992 (=
Kunsthistorisches Institut der Universität Heidelberg. Veröffentlichungen
zur Heidelberger Altstadt. Hg. von Peter Anselm Riedl. Heft 26). |
 | Franz-Josef Ziwes (Hg.): Badische Synagogen. 1997 S. 66-69. |
 | Peter Blum (Hg.): Geschichte der Juden in Heidelberg. Heidelberg 1996. |
 | Norbert Giovannini, Frank Moraw: Erinnertes Leben. Autobiographische Texte zur
jüdischen
Geschichte Heidelbergs. Heidelberg 1998.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Heidelberg, Baden. A Jewish community
with a synagogue and cemetery existed in the early 14th century, and was
destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49, with all Jewish property
expropriated by Elector Rupert I. A new community was established within a
number of years. Jews traded in cattle and operated stalls in the municipal
market as well as engaging in brokerage and moneylending. In 1390 they were
expelled by Rupert II together with all the Jews of the Palatinate.
Few Jews lived in Heidelberg up to the late 17th century. The Oppenheimer
family arrived around 1660, with the well-known Court Jew Joseph Suess
Oppenheimer born there in 1698. By 1743, 12 Jewish families were present as the
community continued to expand despite local opposition. In 1724, Jews were
admitted to Heidelberg University for the first time and maintained a student
body of 19 throughout the century.
With the annexation of Heidelberg to Baden, legal restrictions affecting Jews
were gradually removed and full civil rights were granted. Nonetheless,
anti-Jewish feeling persisted and Jews were attacked in the Hep! Hep! riots of
1819 and the revolutionary disturbances of 1848. The Jewish population grew to
445 in 1852 and 927 in 1900 (total 53,144) as Jews shifted to the professional
class and became active in industry and banking and a progressive and
well-educated community emerged in the university town, raising the banners of
assimilation and religious reform. The leader of Reform in Heidelberg and Baden
was Karl Rehfuss (1792-1842), who taught at the University and founded a Jewish
elementary school in 1821. He was supported by R. Shelomo Fuerst (1792-1870),
who was appointed chief rabbi with jurisdiction over 20 communities when
Heidelberg became the seat of the district rabbinate in 1827. R. Fuerst adopted
a Reform prayer book and introduced an organ into the synagogue in 1854. In 1876
a new synagogue and cemetery were consecrated and in 1894 Baden's first B'nai
B'rith lodge was opened. During the 19th century, the number of Jewish students
at the University grew, reaching a peak of 76 in the 1884-88 period. Many came
from Czarist Russia, including Hebrew Poet Shaul Tchernichowsky (1875-1943) and
the historian Yosef Klausner (1874-1958), while among Jewish lecturers and
researchers a number chose to convert to advance their academic careers as the
University remained a hotbed of antisemitism. Hermann (Tzevi Hirsch) Schapira
(1848-1948), one of the early leaders of Hovevei Zion and originator of the idea
of the Hebrew University and the Jewish National Fund, came to study there in
1878. Jewish students from Russia initiated Zionist activity after the First
Zionist Congress in 1897. During worldwar I and after, Jewish refugees from
Poland and East Galicia settled in Heidelberg, founding their own congregation.
The Jewish population reached a maximum of 1,421 in 1925, dropping to 1,102 in
1933, with Jews remaining a leading force in the local economy, operating
furniture and cigarette factories and large wholesale establishments. Most
national organizations were represented there, including the Zionist youth
movements.
At the outset of Nazi rule, 34 Jewish professors were dismissed from the
University and by 1935 one Jewish student remained in addition to those from
mixed marriages. Jewish children were isolated in separate classrooms in the
public school, and by the end of 1938 Jewish businesses had been completely
"Aryanized." On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was burned by the SS and SA; impounded religious articles and Torah
scrolls were subsequently destroyed by university students. Jewish homes and
stores were also heavily damaged and 150 Jews were detained in the Dachau
concentration camp. About 800 Heidelberg Jews emigrated from Germany in
1933-1939, including a number who arrived after 1933. Fourteen Jews of Polish
oirgin were expelled to the Polish border in 1938 and 1939. Another 281 were
deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. About 100 were saved
from deportation by the Evangelist pastor Hermann Maas, who got them onto a sick
list and during the period also arranged to get many Jews out of the country (He
was recognized by Yad Vashem in 1967 as one of the Righteous among the Nations.)
On 22 August 1942 a further 111 were deported to the Theresienstadt ghetto.
After the war a community numbering 260 in 1948 and about 100 in 1990 (2004:
about 500) was reestablished by concentration camp survivors and former
Jewish residents of Heidelberg. An autonomous Instititute for Higher Jewish
Studies offers academic degrees.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|