Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge    
Fotos / Pläne  
Links und Literatur  

        

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Walldorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Bereits im 15. Jahrhundert lebten möglicherweise Juden in Walldorf: Zumindest wird 1470 ein Jud Kotzer von Walldorf genannt. 
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Seit 1712 waren kontinuierlich jüdische Familien am Ort (1712 Familie des Isaak, 1722 Moses und Isaac, 1743 sieben Familien: Moses Löw, Hery Moyses, Salomon Moyses, Löw Bär, Herz Isaac, Herz Benjamin und Simon Moyses). 1794 waren zehn jüdische Familien in Walldorf: Bähr Löb, Moyses Bär, Löb Hertz, Löb Samuel, Löb Simon, Süß Simon, Löser Moyses, Frommele Hertz, Bähr Lazarus und Moyses Löb. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 129 jüdische Einwohner (7,9 % von insgesamt 1.622 Einwohnern), 1834 151, 1840 155 (7,4 % von 2.102), 1852 169 (7,5 % von 2.147), 1865 153, 1875 138 (4,7 % von 2.938), 1885 160, 1900 139 (3,7 % von 3.738). Vom 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts spielten die jüdischen Gewerbetreibenden eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben von Walldorf, da in dieser Zeit der gesamte Vieh-, Hopfen-, Tabak- und Landesproduktenhandel des Ortes von ihnen betrieben wurden. 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule von 1824 bis 1876; Schule mit Lehrerwohnung in der Badstraße 8; Gebäude als Wohnhaus erhalten), ein rituelles Bad (im 18./19. Jahrhundert möglicherweise im Gebäude Badstraße 8, daher vermutlich auch der Name der "Badstraße", die 1938 bis 1945 in "Schillerstraße umbenannt wurde) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle von 1884 unten). Erstmals wird 1771 mit Joseph Moyses ein jüdischer Schulmeister genannt. Im 19./20. Jahrhundert waren u.a. folgende Lehrer in Walldorf tätig: um 1877 Abraham Willstätter, 1895 bis 1899 Unterlehrer Baruch Stahl, 1896 bis 1938 Hauptlehrer Süßmann Hahn (geb. in Külsheim), 1898 bis 1899 Unterlehrer Oskar Dreifuß, 1901 bis 1903 Unterlehrer Berthold Rosenthal (vgl. Seite zu Liedolsheim). Im Schuljahr 1879/80 waren 20 jüdische Schüler zu unterrichten, 1904/05 noch acht, 1912/13 neun jüdische Schüler. Seit 1827 war die jüdische Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Heidelberg zugeteilt.  
  
Auf dem Kriegerehrenmal 1870/71 im allgemeinen Friedhof der Gemeinde finden sich die Namen von drei jüdischen Kriegsteilnehmern (Salomon Gieser, Sigmund Odenheimer und Simon Sigmund Klein). Im Ersten Weltkrieg sind aus Walldorf gefallen: Hermann Klein (geb. 22.4.1884 in Waldau, gest. an der Kriegsverletzung 20.1.1920), Bernhard Prager (geb. 4.12.1884 in Walldorf, geb. 10.5.1918) und Siegfried Walter (geb. 23.5.1886 in Schwegenheim, gef. 1.7.1916). Außerdem sind gefallen: Lion Klein (geb. 27.10.1886 in Walldorf, vor 1914 in Heidelberg wohnhaft, gef. 8.10.1914) sowie Leopold Mayer (geb. 8.12.1887 in Walldorf, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 7.9.1914).    
   
Um 1924, als zur Gemeinde noch 67 Personen gehörten (1,5 % von insgesamt 4.469 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Louis Weil, Eduard Salomon und Karl Thanhauser. Als Lehrer war der bereits genannte Lehrer Süßmann Hahn tätig. Er erteilte damals sechs Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es den Männerverein (1924 unter Leitung von Louis Weil mit 20 Mitglieder, 1932 unter Leitung von Ed. Salomon; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger) und den Frauenverein (gegründet 1860, 1924/32 unter Leitung der Frau von Abraham Kramer mit 25 Mitgliedern). 1932 waren die Gemeindevorsteher Ludwig Weil (1. Vors.), Ed. Salomon (2. Vors.) und Moritz Mayer (3. Vors.). Lehrer Hahn unterrichtete im Schuljahr 1931/32 noch fünf Kinder in Religion. 
   
Noch in den 1920er-Jahren bestanden eine Zigarren- und Stumpenfabrik, drei Tabakhandlungen, zwei Kolonialwarenhandlungen, eine Darm- und Gewürzhandlung, ein Schuhgeschäft und ein Manufakturwarengeschäft, die jüdischen Familien gehörten. Im einzelnen waren es:
Kolonialwaren und Lebensmittel Eduard Bär (Heidelberger Str.11), Tabakhandlung Sigmund Bär (Schwetzinger Str.32), Schuhwaren- und Arbeitskleidungsgeschäft Salomon Broder (Heidelberg Straße 6), Darm- und Gewürzegroßhandlung Julius Durlacher (Hauptstraße 38), Tabakhandlung Hermann Hess (Hirschstraße 1), Futtermittelhandlung Ludwig Klein (Schwetzinger Straße 15), Kolonialwarengeschäft (zuvor jüdische Wirtschaft) Sarah, Mina und Flora Klein (Hauptstraße 27), Textilgeschäft Leopold Klein und Sohn (Hauptstraße 26, abgebrochen), Rohtabakhandlung Scherer, Inhaber Moritz Mayer (Hauptstraße 52), Zigarrenfabrik Simon & Lehmann (Johann-Jakob-Astor-Straße 24), Tabakhandlung Simon Klein, Inhaber Eduard Salomon (Bahnhofstraße 17, abgebrochen), Schuhgeschäft Karoline Würzburger, Inh. Ludwig Klein (Hauptstraße 10). Eine jüdische Gastwirtschaft "Zum Güldenen Stern" befand sich im 19. Jahrhundert in der Hauptstraße 38. Nach der ehemaligen jüdischen Gastwirtschaft "Zum Hirschen" (bis 1860 von Moses Köser Mayer betrieben) war die "Hirschgasse" benannt (1938 bis 1945 Hermann-Göhring-Straße).   
 
Die jüdischen Einwohner waren im allgemeinen Leben des Ortes und im Vereinsleben (Fußballverein, Kriegerverein, Gesangverein Eintracht usw.) weitestgehend integriert.  
  
  
1933 wurden noch 53 jüdische Einwohner gezählt (1,1 % von insgesamt 4.677 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien ist der Teil von ihnen in den folgenden Jahren aus Walldorf in andere Orte verzogen (Mannheim, Frankfurt usw.) oder ausgewandert (16 nach Uruguay, Argentinien, USA und andere Länder). Zehn verstarben zwischen 1933 und 1940 in Walldorf. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.). Verschiedene der jüdischen Häuser (Haus Kramer in der Hochholzerstraße, Haus Moritz Maier in der Hauptstraße, Haus der Rosa Heß) wurden überfallen und völlig demoliert. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt. Die letzten 19 jüdischen Einwohner wurden im Oktober 1940 in das KZ Gurs in Südfrankreich deportiert.     
   
Von den in Walldorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilde (Hilda) Baer (1889), Lilli Baer (1896), Sigmund Baer (1887), Johanna Behr geb. Klein (1864), Amanda Broder geb. Bär (1886), Salomon Broder (1884), Hermine Fisch geb. Sternweiler (1880), Auguste Frisch geb. Klein (1877), Bella Grombacher geb. Haußmann (1894), Betty Hofmann geb. Oppenheimer (1894), Lazarus Jeremias (1879), Bertha Kahn geb. Prager (1879), Alice Klein (1883), Anna Klein (1882), Bernhard Klein (1873), Heinrich Klein (1876), Ludwig Klein (1875), Henriette Kramer (1874), Hermann Kramer (1876), Sannchen Kramer (1869), Joseph Levi (1882), Flora Mayer (1877), Moritz Mayer (1881), Sara Mayer (1876), Selma Mayer geb. Spieß (1889), Hedwig Menges geb. Kramer (1872), Ida Regina Menges (1894), Berta Meyer geb. Baer (1890), Dora Neuburger (1883), Wilhelm Prager (1880), Blanka Salomon (1890), Salo Sternweiler (1885), Fanny Strauß geb. Klein (1870), Albert Vogel (1883), Fanny Vogel geb. Bähr (1892), Nanny Weil geb. Würzburg (1889), Wilhelm Weil (1882), Rosita Wertheimer geb. Sternweiler (1884).     
  
Hinweis: In den Listen kommt es immer wieder zu Verwechslungen mit Walldorf an der Werra und mit dem hessischen Walldorf (Mörfelden-Walldorf).       
     
      
      

    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1884  

Walldorf B Israelit 18041884.jpg (77490 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1884: "Auskündigung einer Religionsschulstelle. 
Die israelitische Religionsschul- und Vorsängerstelle zu Walldorf bei Heidelberg, mit welcher freie Wohnung nebst Garten, ein fester Gehalt von 800 Mark und ein teilweise aus dem Schächterdienst fließendes Nebeneinkommen von etwa 600 Mark verbunden ist, soll auf August laufenden Jahres neu besetzt werden. Seminaristisch gebildete Bewerber, welche für die Förderung des bestehenden Synagogenchors Verständnis besitzen, wollen ihre mit Zeugnissen belegten Meldungen binnen drei Wochen anher gelangen lassen.   
Heidelberg, den 1. April 1884. Die Bezirks-Synagoge."    

   
25-jährige Ortsjubiläum von Lehrer S. Hahn (1921)  

Walldorf B Israelit 07041921.jpg (87069 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1921: "Walldorf in Baden, 30. März (1921). Am Samstag, 26. März, konnte Herr Kantor und Lehrer S. Hahn auf seine 25-jährige Amtstätigkeit in unserer Gemeinde zurückblicken. Beim sabbatlichen Morgengottesdienst dankte unser Gemeindevorsteher, Herr Wilhelm Levi, dem Jubilar und seiner Gattin für ihre unermüdliche und segensreiche Tätigkeit, durch die sie die Liebe und Verehrung der Gemeinde gewonnen haben. Der Gemeindevorstand hat als äußeres Zeichen der Dankbarkeit dem Jubilar eine Ehrengabe zugedacht. Herr Hahn dankte tief bewegt für die Ehrung, die ihm zuteil geworden und versprochen, auch fernerhin mit seiner ganzen Kraft für das religiöse Wohl der Gemeinde zu sorgen. Im Anschluss an den Wochenabschnitt sprach dann Herr Rabbiner Dr. Levi, Mainz, den Dank für die vielen Schüler aus, die durch Herrn Hahn religiöse Unterweisung genossen haben. Die ganze Gemeinde nahm an dem Ehrentag des Herrn Lehrer Hahn herzlichen Anteil."       

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Über den Walldorfer Wahlkrawall (1898)  

Walldorf B AZJ 08041898.jpg (185685 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. April 1898: "Mannheim, 31. März (1898). Der Walldorfer Wahlkrawall hat heute das Schöffengericht in Wiesloch beschäftigt. Angeklagt sind sechzehn Personen. Die Hauptangeschuldigten sind der 29 Jahre alte israelitische Lehrer Samuel Liesberger (sc. Lissberger?), der 31 Jahre alte israelitische Kaufmann Bernhard Kramer, der 29 Jahre alte israelitische Hopfenhändler Herz, genannt Heinrich Sternweiler, und der 24 Jahre alle israelitische Kaufmann Hermann Kramer; die übrigen Angeklagten sind teils Tagelöhner, teils Zigarrenarbeiter. Die Anklage lautet auf großen Unfug, Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Der Umstand, dass die ganze Angelegenheit nicht dem Schwurgericht, sondern dem Schöffengericht zur Aburteilung überwiesen worden ist, beweist, dass der Wahlkrawall seinerzeit von antisemitischer Seite furchtbar aufgebauscht worden ist. Hat doch sogar der damals in Heidelberg erscheinende antisemitische 'Deutsche Volksbote' am Tage nach dem Krawall ein Extrablatt herausgegeben, worin von einem Mordanschlag auf den Reichstagsabgeordneten Bindewald und den Konsul Karl Köster berichtet wurde. Anfänglich glaubte man deshalb, dass eine Anklage wegen Landfriedensbruchs erfolgen werde. Im Laufe der Untersuchung stellte sich aber heraus, dass eine mildere Beurteilung der Angelegenheit gerechtfertigt war. Aus Anlass der Landtagswahlen war am 20. Oktober abends in Walldorf im Gasthaus 'Zur Post' eine antisemitische Versammlung anberaumt worden, in welcher der antisemitische Reichstagsabgeordnete Bindewald und der Landtagskandidat für Wiesloch-Heidelberg, Herr Konsul Köster, sprechen sollten. Bernhard Kramer, Hermann Kramer und Sternweiler sollen nun die Abhaltung dieser Versammlung dadurch unmöglich gemacht haben, dass sie unter die Anwesenden Geld, Bier und Zigarren verteilten, um sie zu veranlassen, die Redner nicht zum Wort kommen zu lassen. Dieser Plan gelang auch, sodass sich die Antisemiten genötigt sahen, nach dem Gasthaus 'Zum Lamm' zu ziehen, um dort ihre Versammlung fortzusetzen. Dort soll nun Liesberger den Redner Bindewald durch fortwährende Zwischenrufe in seinen Ausführungen gestört haben. Heinrich Sternweiler wird beschuldigt, den Landtagsabgeordneten Pfisterer an der Brust gepackt zu haben. Ferner soll ein Teil der Angeklagten in die im zweiten Stock des Gasthauses 'Zum Lamm' befindlichen Zimmer eingedrungen und diese durchsucht haben, weil man glaubte, dass sich Antisemiten in ihnen versteckt hätten, und schließlich sollen sie, teilweise mit Prügeln bewaffnet, das Hoftor des 'Lamm' bewacht haben, um den noch im Gasthause befindlichen Antisemiten aufzulauern. Die Beweisaufnahme durch zahlreiche Zeugen hat aber von all diesen Behauptungen eigentlich nur die Verteilung von Freibier und Zigarren sicher festgestellt. Es wurden deshalb acht der Angeklagten wegen groben Unfuges beziehungsweise Ruhestörung zu vier Wochen bis fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Der von der antisemitischen Presse erhoffte große Erfolg dieses Prozesses ist somit ausgeblieben!"    

    
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zum Tod von Wilhelm Levi, Vater des Mainzer Rabbiners Dr. Sali Levi (Mainz) 

Walldorf B CVZtg 10081928.jpg (50098 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 10. August 1928: "Unser Hauptvorstandsmitglied Rabbiner Dr. S. Levi (Mainz) ist in tiefe Trauer versetzt worden. Sein Vater, Wilhelm Levi, der frühere verdiente Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Walldorf (Baden), ist ihm und seiner Familie entrissen worden. Die Trauerfeier, bei der Lehrer Hahn (Walldorf) und Dr. Levi des Toten gedachten, zeigte durch die starke Teilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung des Ortes und auch durch die Nachrufe von Vertretern örtlicher gemeinnütziger Institutionen, welche hohe Achtung der Verstorbene genoss. Wir sprechen den Hinterbliebenen unser wärmstes Beileid aus!"    

   
Zum Tod des aus Walldorf stammenden Jonas Meyer (1887)  

Walldorf B Israelit 03031887.jpg (42285 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1887: "Straßburg, im Elsaß. Ein wahrhaft frommer und gottergebener Mann, Herr Jonas Mayer - er ruhe in Frieden -, ist uns durch den Tod entrissen worden. Derselbe war zu Walldorf in Baden geboren und erreichte ein Alter von 81 Jahren. Seine vielen Freunde werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
Weitere Persönlichkeiten  

Walldorf SLevi 010.jpg (66867 Byte)Dr. Sali Levi  (1883 Walldorf - 1941 Berlin), Rabbiner: besuchte das theologische Seminar in Breslau, von 1909 bis 1918 Zweiter Rabbiner in Breslau; im Ersten Weltkrieg Feldrabbiner im Osten (u.a. Aufbauarbeit für die jüdischen Gemeinde Wilna), 1918 bis 1941 Rabbiner in Mainz, 1940/41 auch für Darmstadt, Worms, Bingen und Gießen; setzte sich bis zu seinem Tod für eine baldige Ausreise der verbliebenen jüdische Personen ein. 1941 zog er nach Berlin, um seine Auswanderung vorzubereiten. Er starb in Berlin am 25. April 1941.  
Foto: Stadtarchiv Mainz; Ausstellungskatalog "Juden in Mainz" 1979³ S. 171. 

     
Dr. Hugo Hahn (geb. 1893 Tiengen als Sohn von Lehrer Süßmann Hahn, aufgewachsen in Walldorf, gest. 1967 New York): studierte in Breslau, Erlangen und Heidelberg: 1916-1920 Rabbinatsverweser in Offenburg, 1922-1939 Rabbiner in Essen, Vorsitzender des Verbandes jüdischer Jugendvereine Deutschland, 1939 in die USA emigriert, bis 1957/1965 Rb der Congregation Habonim New York.     
   
Rositta Oppenheimer-Kramer (1892 Walldorf - 1972 Heidelberg), vor allem in Heidelberg in der jüdischen und städtischen Sozialarbeit tätig, unterbrochen von vierjähriger KZ-Zeit; 1949 bis 1963 Mitglied des Oberrats der Israeliten Badens.


   
   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Stellegesuch von Nathan Bodenheimer (1890)  

Walldorf B Israelit 27101890.jpg (37892 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1890: "Stellegesuch
Für ein junges Mädchen, das Kleidermachen erlernt hat, wird Stellung in einem Manufaktur- und Damen-Konfektionsgeschäft gesucht. Bedingung: Pension im Hause. 
Offerten an Nathan Bodenheimer, Walldorf in Baden, erbeten."      

  
Anzeige von Wilhelm Levi (1904)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1904: "Koscher zu Pessach. 
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Wilhelm Levi, Walldorf in Baden."     


     
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Eine erste Synagoge beziehungsweise ein Betsaal bestand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der heutigen Hauptstraße 45 (im Plan von 1748 als Haus von "Moses der Jud", damals Haus Nr. 138 genannt; hier spätestens 1767 der Betsaal). 1771 wird als jüdischer "Schulmeister" Joseph Moyses aus Frankfurt genannt. Das Gebäude Hauptstraße 45 (Ecke Albert-Fritz-Straße) ist, wenn auch stark umgebaut – bis heute erhalten (Gewerbebetrieb/Wohnhaus).
      
Durch die Zunahme der Zahl jüdischer Einwohner in Walldorf erwies sich der bisherige Betsaal in der Mittel des 19. Jahrhunderts als zu klein. 1861 konnte die jüdische Gemeinde für 2.500 Gulden die bisherige reformierte Kirche (erbaut 1716) kaufen, um in ihr eine Synagoge einzurichten. Bei der Einweihungsfeier der ehemaligen Kirche als Synagoge 1861 bezog sich Rabbiner Salomon Fürst aus Heidelberg in seiner Festpredigt auf den von der Kirche übernommenen Portalstein mit der Inschrift aus 1. Mose 28,17 ("Dieses ist nichts anderes als ein Gotteshaus und hier ist die Pforte des Himmels"): "Wie alles auf Erden dem Wechsel unterworfen ist, so war es auch die Bestimmung dieses Hauses. Als evangelische Kirche wurde es erbaut, bestimmt und eingeweiht. Dieses Haus war nichts anderes als ein Gotteshaus und die Himmelspforte. Oder wie? Sollte der Israelit dieses Haus, als es noch eine Kirche war, nicht als ein Gotteshaus betrachtet haben, weil unser Aller Vater auf eine andere Weise darin verehrt wurde, wie Israel ihn in der Synagoge verehrt? Dieses Haus war als Kirche nichts anderes als ein Gotteshaus und die Himmelspforte, worin Gott der Vater aller Menschenkinder verehrt und zu ihm gefleht wurde. Es gereicht der hiesigen israelitischen Gemeinde zur Ehre, dass sie dieses Haus, früher ein Gotteshaus, eine Himmelspforte, als nunmehr ihr Gotteshaus und ihre Himmelspforte erworben. Dieses Haus ist auch jetzt nichts anderes als ein Gotteshaus. Die so zahlreiche Teilnahme ehrenwerter Nichtisraeliten an der Feier dieser Synagogenweihe bezeigt auf die herzlichste und erfreulichste Weise, dass sie alle in der Synagoge nichts anderes als eine Himmelspforte erkennen".   
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert. Bei den in Walldorf durchgeführten Aktionen waren etwa 50 Personen beteiligt. Nach der Demolierung der Synagogeneinrichtung wurden zwei jüdische Häuser völlig demoliert, andere am folgenden Tag zur Kennzeichnung mit Kalkbrühe bespritzt. Die "Synagogenstraße" wurde 1938 in "Straße der SA" umbenannt. Eine Rückbenennung wurde 1945 vorgenommen.     
      
Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges stand das Synagogengebäude leer und wurde teilweise profanen Zwecken zugänglich gemacht. 1953 wurde das Gebäude von der neuapostolischen Gemeinde erworben, 1954 als deren Kirche eingeweiht. Eine Erinnerungstafel ist vorhanden (Standort: Synagogenstraße/Ecke Albert-Fritz-Straße 7). Die Inschrift vom Hauptportal der Synagoge wurde in das Heimatmuseum gebracht. 2002 wurde das Gebäude umfassend renoviert (Wiedereinweihung 11. Dezember 2002). Im Mittelpunkt der Renovierung stand unter anderem die Nachbildung des früheren Portalsteines. Dieser trägt nun wie damals wieder die deutsche und hebräische Inschrift: "Dies ist nichts anderes denn ein Gotteshaus, und hier ist die Pforte des Himmels".   
  


Fotos / Pläne 

Walldorf Plan 01.jpg (71144 Byte) Walldorf Plan 02.jpg (127829 Byte)
Plan von Walldorf von 1748: im Zentrum des Planausschnittes ist das Haus von "Moses der Jud" eingezeichnet. In seinem Haus war der erste Betsaal. Dieses Haus ist heute (wenngleich völlig umgebaut) das Eckhaus Hauptstraße 45/Ecke Albert-Fritz-Straße  Zum Vergleich: heutiger Stadtplan. Hier auch eingetragen die Synagogenstraße
(© Stadtbauamt Walldorf,
Quelle: www.walldorf.de)
   
  Walldorf Synagoge 002.jpg (107645 Byte)
  Die Synagoge 1938 (Foto H. Bruckner; 
Quelle: D. Herrmann s. Lit. Bild 24)


Fotos nach 1945/Gegenwart: 

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Walldorf Synagoge a01.jpg (46892 Byte) Walldorf Synagoge 010.jpg (43178 Byte)
  Standort der ersten Synagoge Hauptstraße 45 (im 18. Jahrhundert Haus von "Moses der Jud") Die ehemalige reformierte Kirche / Synagoge / heute neuapostolische Kirche
     
Walldorf Synagoge 012.jpg (57430 Byte) Walldorf Synagoge 013.jpg (45610 Byte) Walldorf Synagoge 011.jpg (75186 Byte)
Seitenansicht Hinweisschild am Gebäude Straßenschild
     
Fotos 2003:
(obere Zeile: Neuapostolische Gemeinde, untere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 14.10.2003) 
Walldorf Synagoge 140.jpg (7767 Byte) Walldorf Synagoge 141.jpg (40218 Byte)
   Die 2002 neu renovierte ehemalige Synagoge Gottesdienst der neuapostolischen Gemeinde in der ehemaligen Synagoge 
     
Walldorf Synagoge 155.jpg (63224 Byte) Walldorf Synagoge 152.jpg (68189 Byte) Walldorf Synagoge 151.jpg (46797 Byte)
Straßenschild in der "Synagogenstraße" Synagogenstraße mit Blick zur ehemaligen Synagoge Die ehemalige reformierte Kirche/ Synagoge /jetzt neuapostolische Kirche
        
Walldorf Synagoge 153.jpg (38598 Byte) Walldorf Synagoge 154.jpg (35955 Byte) Walldorf Synagoge 150.jpg (30931 Byte)
Blick von Südosten Blick auf den Eingang von Westen Die wiederhergestellte Inschrift 
über dem Eingang
      
     Walldorf Synagoge 156.jpg (42566 Byte)
    Hinweistafel auf die neuapostolische Kirche; eine Hinweistafel auf die ehemalige Synagoge war zum Aufnahmezeitpunkt nicht mehr vorhanden
      
      
Fotos März 2009 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 29.3.2009)
   
Walldorf Synagoge 650.jpg (88344 Byte) Walldorf Synagoge 651.jpg (81817 Byte) Walldorf Synagoge 652.jpg (77430 Byte)
Synagogenstraße mit Blick zur ehemaligen Synagoge Straßenschild "Synagogenstraße" Blick auf die ehemalige Synagoge
     
Walldorf Synagoge 653.jpg (60318 Byte) Walldorf Synagoge 655.jpg (60677 Byte) Walldorf Synagoge 656.jpg (54050 Byte)
Eingangstor Portalinschrift
     
 Walldorf Synagoge 657.jpg (96438 Byte)   
 Hinweistafel: "Ehemalige Synagoge. 1716 erbaut von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde. 1861-1938 Synagoge. 1938 Verwüstung durch Anhänger des NS-Regimes. Seit 1954 Neuapostolische Kirche."   

    
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Walldorf    
Neuapostolische Gemeinde Walldorf (Bezirk Heidelberg) 
Kurze Kirchengeschichte Walldorfs  
Walldorf Werra Synagoge 001.jpg (81534 Byte) Walldorf Werra Synagoge.jpg (28577 Byte)
Achtung: Bei der Abbildung Nr. 211 bei Hundsnurscher/Taddey s. Lit. handelt es sich nicht um die ehemalige Synagoge im badischen Walldorf, sondern um die Synagoge im thüringischen Walldorf an der Werra (interner Link; vgl. die Ansichtskarte rechts oben)

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 282-283.
Dieter Herrmann: Geschichte und Schicksal der Walldorfer Juden. 1985.
Nachweise der einzelnen Familien in Klaus Ronellenfitsch: Walldorfer Familienbuch 1650-1900.  Reihe: Badische Ortssippenbücher Band 68. Walldorf 1993. zugleich Band 84 der Reihe B der Deutschen Ortssippenbücher der Zentralstelle für Personen- und Zeitgeschichte, Frankfurt/Main, Hrsg. Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde e. V. 1965.
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Walldorf  Baden.  Two Jewish families were present in 1722* and seven in 1743, monopolizing most of the trade in farm produce. Jews were attacked during the revolutionary disturbances of 1848. The Jewish population stood at 169 in 1852 (total 2,417). In the early 20th century, Jews were active in the tobacco industry. In 1933, 67 remained. The synagogue and Jewish homes were vandalized on Kristallnacht (9-10 November 1938) and the last 21 Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, 15 of them eventually perishing at Auschwitz.   
        

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 19. Januar 2010