Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien Reichsstadt Offenburg bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Bereits um 1300 dürfte eine größere jüdische Gemeinde vorhanden gewesen sein, die sich eine prächtige Einrichtung wie das "Judenbad" in der Glaserstraße (s.u.) leisten konnte. Bei der Judenverfolgung 1349 wurden die Juden aus der Stadt gewiesen, starben aber vermutlich den Freitod in den Flammen.   
  
Eine zweite jüdische Gemeinde bestand im 17. Jahrhundert. Erstmals wurden in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges 1627 mehrere Juden in der Stadt aufgenommen. Die völlige Zerstörung Offenburgs im September 1689 während des Pfälzischen Erbschaftskrieges führte zur Auflösung der Gemeinde. 
    
Die Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts ist, nachdem sich 1862 in Offenburg wieder Juden niederlassen durften und 1865 eine Gemeinde gründeten, sehr schnell gewachsen. Durch Zuzug aus Diersburg, Rust, Schmieheim, Friesenheim und anderen Orten waren es 1863 bereits 37, 1868 150 jüdische Einwohner in der Stadt. 
  
Bis 1895 gehörte die Offenburger Gemeinde zum Bezirksrabbinat Schmieheim, danach wurde dieses nach Offenburg verlegt. Als Rabbiner waren in Offenburg tätig (vier von ihnen sind nach den Deportationen in der NS-Zeit umgekommen!): 
-  von 1885/1895 bis 1913 Dr. Victor Meyer Rawicz (geb. 1846 in Breslau, gest. 1915 in Berlin; 1874 Rabbiner im Kempen Regierungsbezirk Posen, 1876 Rabbiner in Schmieheim, 1893 Verlegung des Rabbinatssitzes nach Offenburg; 1913 nach Berlin verzogen) 
-  von 1913 bis 1915 (?) Dr. Alex (Alexander) Lewin (geb. 1888 Russland, ermordet in Auschwitz; 1913 Bezirksrabbiner (Rabbinatsverweser) in Offenburg, 1919 bis nach 1938 Landesrabbiner im Landesteil Birkenfeld des Freistaates Oldenburg mit Sitz in Hoppstädten
-  von 1915 bis 1919 Dr. Hugo Hahn (geb. 1893 in Tiengen, aufgewachsen in Walldorf, gest. 1967 in New York; 1915 bis 1919 als Rabbinatsvikar nach Offenburg (unterbrochen von der Militärzeit), 1922 bis 1939 Rabbiner in Essen, 1939 in die USA emigriert, bis 1957/1965 Rabbiner der Congregation Habonim in New York)
-  von 1919 bis 1923 Dr. Ruben (Rubin) Halpersohn (geb. 1885 Breslau, umgekommen 1941 im Ghetto Kowno; nach seiner Zeit in Offenburg tätig im Geschäft seines Schwiegervaters in Karlsruhe, später in Breslau, von hier 1941 deportiert) 
-  von 1926 bis 1932 Dr. Isidor Zlocisti (geb. 1878 in Berlin, gest. 1932/33 in Mannheim; 1920 bis 1925 Stadtrabbiner in Mannheim, später pädagogischer Referent beim Oberrat, nach seiner Zeit in Offenburg wieder auf Grund schwerer Erkrankung in Mannheim)
- von 1932 bis 1935 Dr. Siegfried Ucko (geb. 1905 in Gleiwitz; gest. 1976 in Israel; 1931 bis 1932 Jugendrabbiner in Mannheim; nach seiner Zeit in Offenburg nach Erez Jisrael emigriert, Leiter eines Kindergärtnerinnen- und Lehrerseminars in Tel Aviv, danach Dozent und später Prof. für Pädagogik in Jerusalem)  
-  von 1935 bis 1936: Dr. Herbert Finkelscherer (geb. 1903 in München, umgekommen 1942 Treblinka oder Auschwitz; nach seiner Zeit in Offenburg 1936 bis 1939 in München, 1939 bis 1940 Rabbiner in Stettin, deportiert nach Piaski bei Lublin) 
- nach 1936 Vertretung des Rabbinates durch den Freiburger Bezirksrabbiner Dr. Siegfried Scheuermann (geb. 1910 Frankfurt, gest. bald nach seiner Emigration in die USA in North Carolina; 1936 bis 1938 Rabbiner in Freiburg, zusätzlich Vertretung in Offenburg - Bühl; nach dem Novemberpogrom 1938 ins KZ Dachau eingeliefert)
- 1938 Bernhard Gries (geb. 1917 in Landeshut/Schlesien, umgekommen Dezember 1938 im KZ Buchenwald; nach Studium am Rabbinatsseminar in Breslau im September/Oktober 1938 in Offenburg tätig, danach im jüdischen Waisenhaus in Breslau).            
  
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1871 223 jüdische Einwohner, 1875 290 (4,4 % von insgesamt 6.548 Einwohnern), 1880 387 (5,3 % von 7.274), 1895 334 (3,4 % von 9.272), 1900 337 (2,5 % von 13.664), 1910 288 (1,7 % von 16.848). 
  
Die jüdische Gemeinde Offenburgs war bis nach 1933 religiöses Zentrum auch für die in mehreren Orten der Umgebung lebenden Juden. 1924 gehörten aus den folgenden Orten jüdische Personen zur Offenburger Gemeinde: Appenweier 5, Durbach 8, Gengenbach 40, Haslach 10, Triberg 8, Renchen 3, Nordrach 7 Personen. 1932 waren es: aus Appenweier 5, Gengenbach 35, Durbach 8, Haslach i.K. 13, Nordrach 4, Triberg 8, Furtwangen 1, Renchen 3, Zell a.H. 3 Personen. 
 
1925, als zur Gemeinde 291 Personen gehörten (1,7 % von insgesamt 16.613 Einwohnern), waren die Gemeindevorstände Emil Neu, Jakob Adler, Leopold Kahn, Bernhard Bahn, und Elias Schurmann. Vorsitzender der Repräsentanz war Heinrich Tannhauser. Als Kantor war Siegfried Schnurmann tätig, als Vorsitzender der Gemeindeverwaltung Friedrich Maier. Jüdischen Religionsunterricht erhielten 38 Kinder der Gemeinde. An jüdischen Vereinen bestanden insbesondere der Wohltätigkeitsverein (gegründet etwa 1875, 1924 unter Leitung von Julius Weil, 1932 unter Leitung von Dr. Max Haberer mit etwa 80 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Torastudium), der Männerkrankenverein e.V. (gegründet etwa 1875, 1924 unter Leitung von Jakob Adler, 1932 unter Leitung von Dr. Heinrich Veit mit etwa 70 Mitgliedern, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Ortsansässiger, Liebesdienste in Sterbefällen), der Frauenkrankenverein beziehungsweise Frauenverein (gegründet etwa 1875, 1924/32 unter Leitung von Jette Weil mit etwa 80 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenunterstützung, Bestattungswesen), die Wohlfahrtsvereinigung (1924 unter Leitung von Emil Neu), die Wanderfürsorge der Israelitischen Gemeinde (gegründet 1927, 1932 Vorsitzender Emil Neu, Zweck und Arbeitsgebiet: Wanderfürsorge), die Armenkasse (1932 nicht mehr genannt), der Jüdische Jugendbund. 1932 war 1. Vorsitzender des Gemeindevorstandes Emil Neu (Ortenberger Straße 46). Der Repräsentanz gehörten 25 Personen an unter dem Vorsitz von Heinrich Tannhauser (Fischmarkt 2). Als Bezirksrabbiner war Dr. Siegfried Ucko tätig, als Kantor und Lehrer Ernst Bär. Im Schuljahr 1931/32 erhielten 28 Kinder der Gemeinde Religionsunterricht.   
    
Die jüdischen Einwohner Offenburgs hatte seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Handels- und Gewerbebetriebe eröffnet, die bis zum Beginn der NS-Zeit von großer Bedeutung für das wirtschaftliche Leben in der Stadt waren. Mehrere jüdische Ärzte und Rechtsanwälte waren in der Stadt tätig. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben sind u.a. bekannt (Auswahl): Einrichtungshaus Gebr. Bloch Nachf., Inh. Bernhard und Siegmund Kahn (Hauptstraße 85a), Webwaren- und Möbelhandlung Leo Haberer (Steinstraße 28), Webwaren und Damenkonfektion Hauser und Levi, Inh. Daniel Hauser (Hauptstraße 88; nach 1945 abgebrochen), Manufakturwaren en gros Gebr. Kahn, Inh. Adolf und Karl Kahn (Kornstraße 4), Zigarrenfabrik Adolf Kahn, Inh. Adolf Kahn (Okenstraße 57), Wäschefabrik und Textilgroßhandel Emil Neu, Inh. Emil Neu (Wasserstraße 4), Weinhandlung Eduard Oberbrunner (Wilhelmstraße 15), "Elektromotor" GmbH R. Scheirmann und Cie. (Elektromotorengroßhandel und Reparaturwerkstätte), Inh. Raphael Scheirmann (Moltkestraße 53), Roßhaarspinnerei Gebr. Stein, Inh. Isaak Stein und Oskar Max (Lange Straße 41), Kaufhaus Sturmann (Strümpfe, Wollwaren, Wäsche), Inh. Willi Sturmann (Steinstraße 7), Konfektionshaus Gebr. Tannhauser, Inh. Hulda Tannhauser (Fischmarkt 1), Schuhhandlung Israel Valfer, Inh. Elias Schnurmann (Hauptstraße 73); Hotel Schwarzwälder Hof, Inh. Hedwig Weil (Gebäude des heutigen Finanzamtes Zellerstraße 1-5); Cafe Weil (1937-40; Blumenstraße 3, heute: Philipp-Reis-Straße ).
  
1933 lebten 271 jüdische Einwohner in Offenburg (1,5 % von 17.976 Einwohner). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung wanderte ein Teil der jüdischen Einwohner aus oder verzog aus der Stadt.  
  
1939 wurden noch 98 jüdische Einwohner gezählt (0,5 % von 19.200), nach der Deportation der badischen Juden im Oktober 1940 waren es zum 1. Februar 1941 noch 45 jüdische Einwohner (großenteils mit nichtjüdischen Familien). Zu hässlichen Szenen kam es bei der Oktoberdeportation 1940: die jüdischen Personen wurden zunächst in den Offenburger Schillersaal als Sammellager verbracht, später zum "Verhör" in das Gefängnis in der Grabenallee, bis der Fußmarsch zum Offenburger Bahnhof mit Abtransport folgte. Auf der Hauptstraße mussten die jüdischen Personen dabei unter der Verspottung des Offenburger Mobs "Muss I denn, Muss I denn zum Städtele hinaus" singen.         
    
Von den in Offenburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ida Adler (1901), Jakob Adler (1867), Max Adler (1878), Sophie Adler geb. Rothschild (1874),Hedwig Ahrens geb. Tausig (1877),  Berta Baer geb. Kornmann (1876), Arnold Baum (1889), Hans Baum (1924), Lilly Baum geb. Bernheim (1900), Irma Beck (), Charlotte (Lotte) Bergheimer geb. Brunschwig (1887), Emil Bergheimer (1890), Manfred Bergheimer (1914), Margot Esther Bergheimer (1915), Rudolf Bergheimer (1906), Sigmund Bernheimer (1881), Sophie Bergheimer (1885), Emma Bloch geb. Brettauer (1872), Leonhard Bloch (1872), Mathilde Bloch geb. Lehmann (1876), Emma Bodenheim (1899), Franz Bodenheimer (1890), Erwin Boss (1906), Johanna Cahn geb. Kohlhagen (1877), Eduard Chaim (1874), Ester Cohn (1926), Sylvia Cohn (1904), Sofie Dreifuß (1876), Julie Dreyfuß geb. Stein (1867), Elise Ebertsheim geb. Bloch (1876), Alfred Alexander Ebstein (1909), Ismar Ebstein (1878), Heinrich Eichel (1868), Erna Eschwege geb. Dreyfuss (1896), Hannelore Fetterer geb. Hammel (1923), Flora Finkelscherer geb. Mayer (1902), Herbert Finkelscherer (1903), Bertha Friedmann (), Siegfried Geismar (1879), Hanny Glaser (), Ludwig Greilsheimer (1879), Isabella (Bella) Grombacher geb. Hausmann (1894), Charlotte (Lotte) Grombacher (1907), Kurt Grombacher (1922), Max Grombacher (1868), Max Grumbacher (1882), Flora Grumbacher (), Hedwig Grumbacher geb. Zivi (1886), Otto Günzburger (1874), Jakob Abraham Gutmann (1851), Berthold Haberer (1882), Emil Haberer (1874), Babette Hammel geb. Kahn (1865), Berta Hammel, Irma Hammel geb. Hammel (1901), Jenny Hammel (1889), Julchen Hammel (1891), Julius Hammel (1888), Lieselotte Nanette Hammel (1919), Minna Hammel geb. Machol (1898), Paul Hammel (1892), Rudolf Hammel (1931), Simon Hammel (1867), Theodor Hammel (), Hugo Karl Hauser (1880), Siegfried Hauser (1882), Ida Hirsch geb. Bloch (1893), Jenny Hirschfeld geb. Stein (1864), Sigmund Hofeler (1856), Egon Alfons Hofmann (1904), Bella Jacobs geb. Stein (1879), Bertha Jordan geb. Wertheimer (1882), Rosa Juda geb. Weil (1871), Adolf Kahn (1880), Bernhard Kahn, Bertha Kahn geb. Grünebaum (1885), Frieda Kahn (1876), Hannelore Kahn (1925), Johanna Cahn, Leonie Kahn geb. Schwarz (1891), Leopold Kahn (1860), Meta Kahn geb. Machol (1886), Paula Kahn geb. Stern (1883), Sigmund Kahn (1876), Theodor Kahn (1888), Isidor Kleeberg (1874), Ilse Kramer geb. Cahn (1905), Bertha Renate Krauss geb. Haberer (1932), Kurt Kronberger (1922), Adolf Lehmann (1872), Hermann Lehmann (1875), Hermann Lehmann (1882), Anna Lesem geb. Speyer (1898), Leopold Levi , Klara Levi, Edith Lion (1922), Hans Lion (1920), Johanna Lion geb. Sommer (1899), Julia Lion geb. Bergheimer (1878), Karl Lion (1879), August Meyer, Rosa May geb. Stein (1887), Fanny Maier geb. Bergheimer (1889), Flora Mayer (), Irma Maier geb. Beck (1902), Jakob Maier (1880), Siegfried Maier (1896), Rosa Moch (1909), Emil Neu (1874), Mathilde Neumann geb. Bloch (1868), Ferdinand Oppenheimer (1871), Charlotte Rosenheimer geb. Tannhauser (1863), Mina Rosenheimer (1890), Frieda Salomon geb. Stern (1887), Elias Schnurmann (1868), Grete Schnurmann (), Rosa Schnurmann geb. Valfer (1879), Maria Schwarz geb. Kahn (1869), Berta Babette Seidel geb. Weichsel (1872), Gertrud Speyer (), Alexander Spitzer (1867), Isidor Spitzer (1906), Anna Stein (1890), Elsa Stein (1895), Julius Josef Stein (1868), Mathilde Stein (1882), Otto Stein (1865), Marthia Steinitz geb. Bloch (1875), Arthur Stern (1888), Peter Bruno Stern (1929), Berta Stern geb. Schnurmann (1878), Helene (Hermine) Stern geb. Kahn (1874),  Thekla Stern geb. Dreifuss (1897), Betty Sturmann (1883), Julius Strauss (1882), Lili Sulima geb. Rosenberg (1901), Henriette Weil (1883), Irma Weil (1896), Jette Weil geb. Veit (1854), Julius Weil (1881), Lina Weil (), Max Weil (1879), Paula Bella Weil geb. Löb (1889), Stefan Weil (), Hannchen Wertheimer geb. Neuland (1858), Max Wertheimer (1874), Regina Wertheimer (1872), Dr. Hertha Wiegand geb. Lion (1890).  
      
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 / 1880  

Offenburg AZJ 30051876.jpg (64957 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Mai 1876: "Auf den 1. August dieses Jahres wird in hiesiger israelitischer Kultusgemeinde die Stelle eines Religionslehrers, verbunden mit dem Vorsänger und Schächterdienst vakant. 
Fester Gehalt Mark 1.500, freie Wohnung nebst Schulgeld und ansehnlichen Nebeneinkünften, welche sich auf ungefähr Mark 800 belaufen dürften. 
Nur leistungsfähige, tüchtige Bewerber mit musikalischen Kenntnissen und guter Stimme von tadellosem Charakter können berücksichtigt werden. - Reisekosten werden nur demjenigen Bewerber vergütet, welchem die Stelle übertragen wird. 
Offenburg, 3. Mai 1876 (Kreisstadt in Baden). Der Synagogenrat."
  
Offenburg AZJ 09111880.jpg (77746 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. November 1880: "Durch die Berufung des bisherigen Kantors und Religionslehrers als Oberkantor nach Leipzig ist die Stelle als Kantor, Religionslehrer und Schochet in der Gemeinde Offenburg (Kreisstadt in Baden) vakant und soll bis 1. März nächsten Jahres wieder besetzt werden. Dieselbe ist mit einem fixen Gehalt von Mark 1.500 und schöner freier Wohnung nebst circa Mark 1.200 Nebeneinkünfte verbunden. 
Geeignete Bewerber von gründlicher musikalischer Bildung, die genügenden Ausweis über Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts beibringen können, wollen ihre Gesuche bis 1. Januar nächsten Jahres an unterzeichnete Bezirkssynagoge oder an den Synagogenrat in Offenburg einsenden. 
Die Bezirkssynagoge Schmieheim. Dr. H. Rawitz."   

  
Lehrer und Kantor J. Baer wird nach 50 Dienstjahren ausgezeichnet (1914) 

Offenburg AZJ 01051914.jpg (56984 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Mai 1914: "Herr J. Baer, Religionslehrer und Kantor der israelitischen Gemeinde zu Offenburg, welcher auf eine 50jährige treue, aufopfernde und erfolgreiche Dienstzeit zurückblickt, wurde mit dem Verdienstkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen vom Großherzog ausgezeichnet. Herr Baer erfreut sich der höchsten Achtung und Verehrung in allen Kreisen der Offenburger Bürgerschaft, die sich mit dem Jubilar über die äußere Anerkennung seines Wirkens freut."

     
  
Aus der Geschichte des Rabbinates in Offenburg 
Jubiläum des Rabbiner Dr. M. Rawicw (1901)

Offenburg AZJ 30081901.jpg (181984 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. August 1901: "Offenburg, 22. August (1901). Das Jubiläum unseres Rabbiners Dr. M. Rawisz wurde hier in solenner Weise gefeiert. Am Freitagabend und Samstagmorgen war in der Synagoge Festgottesdienst. Der Jubilar predigte beim Morgengottesdienst über den Herz: Numeri (4. Mose) 27,16, wobei derselbe im ersten Teil über die Pflichten und Aufgaben des Seelsorgers im Allgemeinen sprach und im zweiten Teil einen Rückblick auf seine eigene Wirksamkeit während der letzten 25 Jahre warf. Die Predigt wurde mit großem Beifall aufgenommen. Nach dem Gottesdienst kam der Synagogenrat, geführt vom Vorsteher, der in einer längeren Ansprache die Glückwünsche der Gemeinde überbrachte. Dann folgte eine Deputation des hiesigen literarischen jüdischen Vereins 'Harmonie', den unser Rabbiner im Verein mit anderen vor 7 Jahren gegründet hat. Die Hauptfeier fand jedoch am Sonntag Abend statt, zu der sich sehr viele Leute von Offenburg und den Bezirksgemeinden einfanden. Jede Gemeinde sandte zwei bis drei offizielle Vertreter, denen sich zahlreiche Gemeindemitglieder anschlossen. Zunächst wurde dem Jubilar ein namhafter Betrag seitens des Bezirks als Festgeschenk überreicht, um solchen zu einem guten Zwecke zu verwenden. Rechtsanwalt Veit von hier hielt eine schwungvolle, an Form und Gehalt gleich ausgezeichnete Festrede, die großen Enthusiasmus hervorrief. Darauf verlas Herr Professor Stern von hier die von ihm verfasste und von sämtlichen Bezirksvorstehern unterschriebene Adresse, die ein wahres Kunstwerk im Inhalt wie an lithographischer Ausführung genannt werden kann. Der Jubilar dankte tief bewegt und verbreitete sich in einer längeren Ansprache über die beiden Säulen, worauf das Judentum beruht: die Wissenschaft des Judentums und das religiöse Gefühl. Die Wissenschaft ist nur wenigen Auserwählten erschlossen, während das religiöse Gefühl Jedem, der zum jüdischen Stamme gehört, eigen ist. Der schon genannte Verein 'Harmonie' ließ durch seinen Vorsitzenden Professor Stern einen prachtvollen silbernen Pokal überreichen. Das Wort ergriff alsdann Rabbiner Dr. Posner aus Karlsruhe, ein ehemaliger Schüler und Freund des Jubilars, der in schöner, geistreicher Weise auf die Familie unseres hoch verehrten Rabbiners toastete. Im Namen der Lehrer und Kantoren des Bezirkes überreichte mit passender Ansprache Lehrer Bähr von hier gleichfalls einen silbernen, kunstvoll gearbeiteten Pokal. Ferner sprachen Herr Eduard Oberbrunner, ein guter Freund des Jubilars und Mitglied des Synagogenrats, der in zündender Rede seine Gefühle für unseren verehrten Rabbiner kund gab; dessen bedeutende Verdienste um das Judentum präzisierte der Bezirksälteste und Vorsteher der israelitischen Gemeinde Altdorf, Herr Land, dann Herr Vorsteher Dreifuß aus Nonnenweier und Herr Synagogenrat Karl Helner von hier, der den Vorsitz an dem Abend führte. Auf das Festessen folgte dann ein tanz für unsere Jugend, und so schloss das schöne und würdige und in jeder Weise gelungene Fest, das allen Teilnehmern stets in Erinnerung bleiben wird. Möge unser hoch verehrter Herr Rabbiner noch lange segensreich in unserer Mitte wirken!"  

  
Abschied von Rabbiner Dr. Siegfried Ucko (1925) 

Offenburg JuedRund 26011935.jpg (196888 Byte)Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 26. Januar 1935: "Der Rabbiner in der Kwuzah. Zum Abgang Dr. Uckos. 
Die Nachricht, dass Dr. Siegfried Ucko nach Palästina übersiedelt wird, wird in Deutschland bei allen, die ihn kannten, ein Bedauern darüber hervorrufen, dass er nicht mehr in unserer Mitte wirken kann. Denn in der verhältnismäßig kurzen Zeit, in der Dr. Ucko sein rabbinisches Amt in Offenburg versehen hatte, hat er sich allgemein in der jüdischen Öffentlichkeit die Sympathien aller erworben, die in (enger oder loser) Verbindung mit ihm standen. Er hat in seiner Gemeinde den Typus eines Rabbiner verwirklicht, den man in Deutschland nicht allzu häufig antrifft, den Rabbiner, der nicht nur zu predigen gewohnt ist, sondern der mit seiner Gemeinde lebt und sein Amt als eine Art 'Volksmission' auffasst. Besonders engen Kontakt hatte er mit der Jugend, der er ein Führer, Lehrer und Vorbild war. Mit Palästina haben ihn seit je viele Fäden verknüpft; er hat dort einen Teil seiner Studienjahre verbracht und kennt das Land und seine Menschen. Nun geht er wieder hinüber, und zwar nicht in irgendeine Stadt, sondern in die Kwuzah Giwath Brenner. Und dies gibt der Sache den mehr als persönlichen Charakter. Es ist das erste Mal, dass ein Rabbiner in eine Kwuzah geht. Bisher wurde oft über die Religionslosigkeit, ja zuweilen Religionsfeindschaft der Kwuzoth geklagt, aber es war ein recht bequemes und selbstverständlich wirkungsloses Moralisieren. Hier zum erstenmal ist eine Tat: ein Rabbiner geht hin, um mit den arbeitenden Menschen zu leben - man darf auf diesen Versucht gespannt sein. Und besonders wichtig scheint uns, dass hier nichts aufoktroyiert wurde, sondern dass die Leute von Giwath Brenner Ucko gerufen haben. Hier stehen wir am Anfang einer vielleicht bedeutungsvollen Entwicklung, und Ucko kann ein Pionier sein, so wie er ein echter Chaluz ist. So können wir denn nur sagen, dass ihn unsere herzlichen Wünsche begleiten. 
Über die Abschiedsfeier, die seine Gemeinde veranstaltete, erhalten wir aus Offenburg nachstehenden Bericht: Wohl kaum jemals war die Synagoge so überfüllt wie bei der Abschiedsfeier für Bezirksrabbiner Dr. Ucko am 6. Januar. Juden aus allen Orten des Bezirks waren gekommen, um ihre Dankbarkeit dem Scheidenden zu beweisen. Die Vielseitigkeit der Tätigkeit Dr. Uckos erhellte aus der Vielzahl der Organisationen, die den Dank für seine Arbeit abstatteten. Es sprachen Bezirksältester Rechtsanwalt Lion, Rastatt, für die Bezirkssynagoge, Vorsteher E. Neu für die Synagogengemeinde Offenburg, Konferenzrabbiner Dr. Schiff, Karlsruhe, sprach für den Oberrat der Israeliten. Lehrer Simon, Rastatt, überreichte für die Lehrervereinigung des Bezirks ein Album. Dr. Grzymisch, Bruchsal, dankte für die Mitarbeit Dr. Uckos im Vorstand des Landeswaisenvereins. Fr. Strauß, Karlsruhe, dankte für die Anregungen, die der Wohlfahrtsbund empfangen hatte. S. Homburger, Karlsruhe, betonte die Verbundenheit Uckos mit der Jugend. Ergreifend war die Ansprache des Redners des Synodalbezirkes, Josef Kaufmann, Kehl, dem vorher Dr. Ucko in Ausübung seiner letzten rabbinischen Handlung feierlichst die Würde eines 'Chower' verliehen hatte. Dr. Ucko dankte, erörterte die Grunde seiner Alijah (= Einwanderung nach Palästina/Israel) und entwickelte den ergriffenen Hörern das Bild eines künftigen, religiös ausgefüllten Galuth-Daseins. Die Feier umrahmten musikalische Darbietungen unter Leitung Walter Weinschenks. Zu erwähnen sind der Synagogenchor Offenburg, Lehrer Bruchsaler, Bühl, Dr. Hoffmann, Lahr, das Doppelquartett der Lehrervereinigung des Bezirks und Kurt Frank, Offenburg."


   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Antisemitische Veranstaltung des Gesangvereins Offenburg an Fasching (1874)  

Offenburg AZJ 10031874.jpg (106134 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. März 1874: "Offenburg (statt: Offenberg) in Baden, 18. Februar (1874). Während der letzten Faschingstage wurde hier durch einen ziemlich viele passive israelitische Mitglieder zählenden Gesangverein ein Rischusstück (= antisemitisches Stück) dargestellt in jämmerlichen Gestalten, und unter besonderer Betonung eines außergewöhnlich gemeinen Jargons aufgeführt, was einige passive israelitische Mitglieder zum sofortigen Austritt aus dem Vereine bewogen hat, umso mehr, als der Beifallssturm, welcher dieser Darstellung gezollt wurde, einen wahrhaft demonstrativen Charakter hatte. Dass der hiesige israelitische Religionslehrer als einziges aktives Mitglied auf Befragen des Vereinsvorstandes, ob diese Persiflage bei den israelitischen Mitgliedern keinen Anstoß erregen werde und nachdem ihm sogar der Text mit den Erläuterungen vorher zur Einsicht übergeben wurde, dennoch seine volle Zustimmung zur Aufführung gegeben hat, verdient öffentlich gerügt zu werden, besonders da gerade die sozialen Verhältnisse unserer jungen israelitischen Gemeinde erst in der Entwicklung begriffen und durch eine solche das Judentum herabwürdigende öffentliche Darstellung nur beeinträchtigt werden können." 

   
 Der Wohltätigkeitsverein lässt eine Torarolle schreiben (1884)  

Offenburg Israelit 14021884.jpg (58829 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1884: "Der hiesige Wohltätigkeits-Verein beabsichtigt eine von 72 cm Höhe, aus I. Qualität Pergament bestehende Sefer Tora (Torarolle) schreiben zu lassen. Reflektierende Herren Toraschreiber werden ersucht, ihre Offerten unter Anschluss von kleiner Musterschrift bis zum 25. dieses Monats franko an den Unterzeichneten einzusenden. 
Offenburg, 10. Februar 1884. M. Kahn, Vorstand. 457 Langestraße."

  
Einweihung der neuen, vom Wohltätigkeitsverein Chewrat Gemillut gestifteten Torarolle (1885)  

Offenburg Israelit 16021885.jpg (95310 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Februar 1885: "Offenburg, 10. Februar (1885). Bei dem lebhaften Interesse, das Sie geehrter Herr Redakteur, in Ihrem geschätzten Blatte allen Vorgängen zuwenden, die geeignet sind, um unsere Tora groß zu machen und zu verherrlichen, darf ich wohl annehmen, dass Sie nachfolgenden Zeilen gerne Aufnahme gestatten werden. 
Auf Hoschana Raba des Jahres 1876 (das war am 9. Oktober 1876) trat eine kleine Anzahl gesetzestreuer hiesiger Gemeindemitglieder zusammen und gründete die Chewrat Gemillut Chessed (Wohltätigkeitsverein) mit der Bestimmung, Arme zu unterstützen, durch regelmäßige Lehr-Vorträge über unsere Heilige Tora, Belehrung und Erbauung zu finden und bei Vorhandensein ausreichender Mittel eine Torarolle schreiben zu lassen. Letzteres konnte mit Gottes Hilfe in einer für die wenigen Vereinsmitglieder verhältnismäßig kurzen Frist zur Ausführung gebracht werden und so schenkte der Verein schon am verflossenen Samstag Paraschat Jitro (Schabbat mit der Toralesung Jitro [2 Mose 18.1 - 20,23], das war am 3. Februar 1877) der hiesigen Gemeinde die neue Torarolle. 
Die dabei stattgehabte Einweihungsfeierlichkeit kann mit Fug und Recht als eine äußerst glanzvolle und gelungene bezeichnet werden. 
Am Freitagabend versammelte sich nach beendetem Gottesdienste die ganze Gemeinde in dem Lokal des Herrn Samuel Maier, woselbst das durch den Toraschreiber Herrn Bloch aus Straßburg und den Tapezierer Herrn Dreifuß von hier meisterhaft her-  
Offenburg Israelit 16021885a.jpg (182412 Byte)gestellte und herrlich beleuchtete Binjan war. Durch den von Herrn Lehrer Baer gesungenen Schalom Aleichem und vom Synagogenchor vorgetragenen Psalm 93 wurde die Feier eingeleitet. Später versammelten sich die Vereinsmitglieder ebendaselbst, wobei Herr Rabbiner Dr. Rawicz einen längeren, dem Feste entsprechenden höchst interessanten Lehr-Vortrag hielt. Samstag Morgen um 9 Uhr wurde das neue Sefer (Torarolle) in festlichem Zuge in die herrlich dekorierte, geräumige und vollbesetzte Synagoge gebracht, in welcher unter Chorgesang ein Umzug mit sämtlichen Torarollen stattfand. 
Sowohl die vom Synagogenchor, als auch von der Schuljugend vorgetragenen Gesänge trugen wesentlich zur Erhöhung der Feierlichkeit bei. Den Glanzpunkt derselben bildete jedoch die von Herrn Dr. Rawicz mit wahrhaft rhetorischer Meisterschaft gehaltene und von sämtlichen Anwesenden mit Begeisterung aufgenommene Festpredigt, welcher der aus der betreffenden Sidre (Wochenabschnitt der Tora) entnommene Text 'Also sprich zum Hause Jakob und verkünde den Kindern Jisrael'  zugrunde gelegt war. 
An dem Festessen erfreuten sich Alt und Jung, Einheimische und Fremde bis zu später Stunde. Um das Gelingen des Festes haben sich unser verehrter Gemeindevorstand, Herr Dreifuß, und die übrigen Gemeinderepräsentanten wesentlich verdient gemacht. Die Palme des Verdienstes gebührt jedoch unstreitig unserem allverehrten Vereinspräsidenten Herrn Marx Kahn, durch dessen Initiative die Chewra (Verein) ins Leben gerufen wurde und die unter seiner bewährten, verständnis- und taktvollen Leitung wie bisher so auch fernerhin ihre segensreiche Wirksamkeit entfalten wird.  
Es wäre sehr wünschenswert, wenn es die Gemeindemitglieder mit ihrer bei der Einweihungsfeier dem Verein in Wort und Tat entgegengebrachten Sympathie nicht bewenden ließen, sondern durch zahlreiche Beitrittserklärungen dazu mitwirkten, dass das gottgefällige Werk der Wohltätigkeit kräftigst gefördert werden kann. 
Es wäre unrecht, wenn ich es unterließe, des Toraschreibers Herrn Jos. Bloch aus Straßburg lobend zu erwähnen; denn sowohl das von ihm gefertigte neue Sefer, das von kompetenter Seite als ein wahres Meisterwerk bezeichnet wurde, als auch das prachtvolle, goldgestickte Mäntelchen ließen hinsichtlich der hübschen Ausführung, der Qualität des hiezu verwendeten Materials und insbesondere des hierfür berechneten Preises nichts zu wünschen übrig, und wurde Herrn Bloch deshalb seitens des Vereins die gebührende Anerkennung gezollt."  

 
Zwei Torarollen aus einer aufgelösten Gemeinde zu verkaufen (1900) 

Offenburg Israelit 02081900.jpg (63124 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900: "Infolge Auflösung einer israelitischen Gemeinde sind drei Torarollen zu verkaufen. Darunter ist eine in sehr gutem Zustande, eine andere einer oberflächlichen und eine dritte einer gründlichen Reparatur bedürftige. Das Nähere ist beim Unterzeichneten zu erfahren. 
Offenburg (Baden), 31. Juli (1900). Dr. M. Rawicz, Bezirksrabbiner." 


  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Diamantene Hochzeit von Samuel Bloch und Ehefrau (1891)   

Offenburg Israelit 30111891.jpg (148911 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1891: "Offenburg. Am Donnerstag, den 26. November (1891) beging das ehrwürdige Greisenpaar Herr Samuel Bloch und dessen Ehefrau das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Während seitens der Angehörigen eine imposante Feier beabsichtigt war, ging solche auf ausdrücklichen Wunsch der Jubilanten still und geräuschlos im engeren Familienkreise vor sich und kam deren stets bewährte Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit auch in diesem Falle wieder zum Ausdruck. 
Söhne, Töchter, Schwiegertöchter und Enkel versammelten sich in der mit Pflanzen reich und geschmackvoll ausgeschmückten Wohnung der Jubilanten, um dieselben zu beglückwünschen. Zahlreiche Gratulationsbriefe und Telegramme, sowie Geschenke liefen ein, unter diesen auch ein prachtvolles Ruhebett als Symbol der wohlverdienten Ruhe. Unter den Gratulanten befand sich auch der hiesige Großherzogliche Amtsvorstand Herr Föhrenbach, der in einer herzlichen Ansprache das Jubelpaar beglückwünschte und demselben in Allerhöchstem Auftrage unseres allgeliebten Landesvaters Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs - möge seine Herrlichkeit erhöht werden - ein Glückwunschschreiben, sowie die Bildnisse Ihrer Königlichen Hoheiten in prachtvollen Goldrahmen als ein Zeichen huldvoller Teilnahme an der freudigen Festfeier überreichte. Tief gerührt dankte der Jubelgreis für die ihm von hoher und allerhöchster Stelle zuteil gewordenen huldvollen Aufmerksamkeit und schloss mit einem Hoch auf unser edles Fürstenpaar und das ganze Großherzogliche Haus. Herr Bürgermeister Schweiß ließ namens des Stadtrates und der ganzen Gemeinde ein Gratulationsschreiben überreichen und sein lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, dass er wegen Ortsabwesenheit seine Herzenswünsche nicht persönlich darbringen konnte. Unter allen übrigen zahlreichen Huldigungen und Aufmerksamkeiten erfreute keine in so hohem Maße das von inniger Religiosität erfüllte, greise Paar als die, welchem ihm von der Chewrat Gemilut Chesed (Wohltätigkeitsverein) zuteil  
Offenburg Israelit 30111891a.jpg (150060 Byte)geworden ist, deren Mitglieder sich in der Wohnung der Jubilare zum Schacharit-(Abend-)Gottesdienste versammelten, um dem seit 1/2 Jahre leider völlig erblindeten Greise Gelegenheit zu geben, ein zur Toralesung Aufgerufener zu sein, was ihm ein wahres Herzensbedürfnis war und ihm hohe Befriedigung gewährte. 
Das mangelnde Augenlicht ausgenommen, erfreut sich Herr Bloch, weit mehr aber seine Frau einer für dies hohe Alter seltenen Rüstigkeit. 
Wohlverdient und gerechtfertigt ist die aufrichtige Verehrung, die dem greisen Ehepaare von allen Seiten entgegengebracht wird. Wir blicken hier in ein harmonisches, niemals von einem Misston getrübtes, vom Geiste wahrer Religiosität getragenes Ehe- und Familienleben. Das edle Paar lebt stets, wie unter sich, so auch mit der Umgebung im tiefsten Frieden. Es gereichte ihm jederzeit zu hoher Befriedigung, im Stillen wohltätig zu wirken. 
Mit seinem vor etwa 10 Jahren verstorbenen Bruder gründete Herr Bloch das nunmehr schon über ein halbes Jahrhundert unter der Firma 'Gebrüder Bloch' bestehende Manufakturwarengeschäft, das aus ganz kleinen Anfängen heraus durch Fleiß, Tüchtigkeit und hauptsächlich durch gewissenhafteste Reellität zu einem der bedeutendsten Geschäfte hiesiger Stadt und Umgegend geworden und von den Söhnen der Gründer in gleicher Weise fortgeführt wird. 
Wir sehen hier, wie der Jubilar mit wahrhafter Begeisterung für den väterlichen Glauben den Namen 'Jude' auch in geschäftlicher Beziehung zu würdigen und zu Ehren zu bringen wusste. 
Mögen alle unsere Glaubensgenossen sich hieran ein Beispiel nehmen und erkennen, dass auch der auf dem Boden der Tradition stehende Jude, wenn er 'redlich handelt und Recht ausübt,' sich der Achtung und Wertschätzung seiner rechtdenkenden nichtjüdischen Mitbürger erfreut und hierzu nicht das Abstreifen alles mit der Religion Zusammenhängenden erforderlich ist, welche letztere Meinung vielfach Platz gegriffen hat, wenn sie auch nicht ausgesprochen oder zugegeben wird. 
Dem greisen Jubelpaar wünschen wir, dass die stattliche Zahl von 60 Jahren sich vermehren möge durch eine Reihe weiterer Jahre ehelichen Zusammenlebens in ungeschwächter Gesundheit und Zufriedenheit."  

 
Alfred Hauser wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1915)  

Offenburg Israelit 18051915.jpg (23395 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1915: "Offenburg, 12. Mai (1915). Das Eiserne Kreuz erhielt: Alfred Hauser, stud.jur., Kriegsfreiwilliger Gefreiter, 15. Landwehr-Sanitäts-Kompagnie, Sohn des Herrn Jacob Hauser, in Firma Hauser und Levi, Offenburg."  

 
Zum Tod von Moritz Weil (1922)  

Offenburg Israelit 09111922.jpg (70470 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1922: "Offenburg (Baden), 1. November (1922). Heute haben wir hier Moritz Weil zu Grabe getragen. Von dem Vertrauen der ganzen Gemeinde getragen, hat der Verstorbene, obwohl schon leidend, vor etwa Jahresfrist sein Amt übernommen und mit seltener Hingabe und mit Geschick verwaltet. Er war ausgestattet mit den guten Gaben des Herzens und des Gemüts, ein Wohltäter für die Armen und Bedrückten und ein Berater aller, die ihn aufsuchten, alles selbstlos und bescheiden nach den Vorschriften unserer Weisen. Dieser edelmütige und feinfühlende Mann und echte Jehudi hinterlässt in unserer Gemeinde eine Lücke, die schwer wird ausgefüllt werden können. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

 
60. Geburtstag von Ludwig Weil (1930) 

Offenburg Israelit 14081930.jpg (51446 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1930: "Offenburg, 12. August (1930). Am 26. dieses Monats feiert unser verehrter Mitbürger, Herr Ludwig Weil seinen 60. Geburtstag. Herr Weil gehört seit vielen Jahren der badischen Landessynagoge an und vertritt die gesetzestreue Richtung. Auch bekleidet er seit mehreren Jahren das Amt eines Bezirksältesten im Rabbinatsbezirk Offenburg. Früher gehörte er auch dem israelitischen Gemeindevorstand in Offenburg an. Möge er - bis 100 Jahre - zu seinem Wohle und zum Wohle der Menschheit wirken können!"

 
 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige der Weinhandlung Max Wenk (1870)  

Offenburg Israelit 31081870.jpg (42858 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1870: "Den verehrten Herren Lazarett-Vorständen und Vereinen für verwundete deutsche Krieger empfehle ich hiermit mein Lager in gebeerten 1865er Affentaler und Zeller Rotweinen und ausgezeichneten Durbacher Weißweinen als bewährtes und vorzügliches Linderungsmittel zu billigen Preisen. 
Max Wenk
in Offenburg (Baden)."


Anzeige des Hotels E. Weil (1887) 

Offenburg Israelit 23061887.jpg (52863 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1887: "Offenburg (Baden) am Fuße des badischen Schwarzwaldes - 'Hotel zur alten Pfalz' - Besitzer E. Weil empfiehlt sein bestrenommiertes Hôtel, gute Küche, reine Weine, streng religiös." 

    
Anzeige des Restaurant Weil (1925)  

Offenburg Israelit 28051925.jpg (56382 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1925: "Koscher - Neu eröffnet! - Koscher.  
Restaurant Weil. Zur Kopfhalle.  Offenburg in Baden - Hauptstraße 100. 
Inhaber Max Weil."  

     
     

Wohngebiet und Betsäle/Synagogen   

Mittelalter. Das mittelalterliche Wohngebiet war vermutlich im Bereich der Glaserstraße und der Bäckergasse (bis 1824 "Judengässchen" bzw. "Judengasse" genannt). In der Bäckergasse befand sich eine 1393 genannte Synagoge ("Judenschul"). 

Von den anderen Einrichtungen des Mittelalters ist noch das rituelle Bad erhalten, das sich unter dem 1793 erbauten Haus Glaserstraße 8 befindet. Es wurde gegen 1300 angelegt. Es ist das älteste Baudenkmal Offenburg, ein in Baden-Württemberg einzigartiges Relikt der jüdischen Geschichte des Mittelalter. Zum eigentlichen Bad führen 36 Stufen hinab; in der Mitte des quadratischen Badeschachtes befindet sich ein rundes Tauchbecken. Hier sind auch Lichtnischen, Sitznischen und Auflager für Sitzbänke vorhanden. 

17. Jahrhundert. Von der Gemeinde des 17. Jahrhundert ist überliefert, dass sie bereits vor 1632 zwei Synagogen hatte, deren Standorte nicht mehr bekannt sind. Allerdings scheinen damals bei manchen jüdischen Familien sehr liberale Zustände geherrscht zu haben. 1648 sagten vier Juden, deren Familien bereits 20 bis 30 Jahre in Offenburg lebten, in einem Verhör aus, dass sie mit den Breisacher Juden keine Gemeinschaft hätten. Sie dürften das auch nicht, weil sie Schweinefleisch essen und weder den Schabbat noch die Gesetze halten. 

19./20. Jahrhundert. Nachdem 1862 mehrere jüdische Personen und Familien nach Offenburg gezogen waren, schlossen sie sich alsbald zu einer Genossenschaft zusammen. Deren von 15 Mitgliedern unterschriebene Satzung bestimmte, dass jeden Samstag in einem Betsaal eine Andacht mit anschließender Versammlung stattfinden sollte, in der man "konfessionelle Interessen" besprechen konnte. Die Gründung der Religionsgemeinde erfolgte am 24. Oktober 1865 in einer Generalversammlung aller inzwischen in Offenburg wohnenden jüdischen Personen. 1868 wurde ein Betsaal in der Essigfabrik Pfaff eingerichtet (Seestraße 1, 1868 bis 1875). Dieser Betsaal war bald nicht mehr groß genug.  

Da 1875 das Gasthaus "Salmen", das damals der Stadt gehörte, zum Verkauf anstand, hat die jüdische Gemeinde die Gelegenheit genützt, dieses Gebäude zu erwerben und im Tanzsaal des ehemaligen Gasthauses einen Betsaal einzurichten (Lange Straße 52, Hinterhaus). Das 1706 erbauten Vorderhaus diente dem Vorsänger beziehungsweise später dem Rabbiner und dem Synagogendiener als Wohnung. Im großen Saal des "Salmen" hatten am 12. September 1847 die Führer des badischen Liberalismus getagt. Hier fanden lange Zeit auch die großen städtischen Versammlungen und Veranstaltungen aller Art statt. Die letzte Veranstaltung vor dem Verkauf an die Israelitische Gemeinde war ein Großer Maskenball des Männergesang-Vereins Concordia am 31. Januar 1875. 

Der frühere Saal des Salmen war nach dem Umbau in eine Synagoge 63 Jahre lang gottesdienstliches Zentrum der Offenburger jüdischen Gemeinde. Es erwies sich als ideal, dass der Saal bereits eine Galerie hatte, die nun als Frauenempore genutzt werden konnte. Auch viele besonderen Anlässe wurden in der Synagoge gefeiert. 
   
Synagogenkonzert in der Offenburger Synagoge (1897)  
Anmerkung: der Bericht erschien in der orthodox-konservativen Zeitschrift "Der Israelit", die den Hinweis auf das Konzert mit einer Kritik an der Verwendung der Synagoge als Konzertsaal und mit der grundsätzlichen Kritik an Orgel und Harmonium in einer Synagoge verband.

Offenburg Israelit 31051897.jpg (105249 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1897: "Bruchsal, Baden. Vorletzten Sonntag fand in Offenburg wieder ein Synagogenkonzert statt. In der Synagoge daselbst fanden sich die Chöre von Bühl, Freiburg, Eppingen, Emmendingen etc. zusammen und wurden Männerchöre und gemischte Chöre zu Gehör gebracht. Es wurde gut gesungen, nur bestand der Unterschied zwischen den früheren Synagogenchorkonzerten und diesem darin, dass dieses diesmal in der Offenburger Synagoge stattfand, die anstatt der Orgel nur ein Harmonium besitzt, was auf die Gesamtaufführung mangelnd wirkte. Es ist bereits in diesen Blättern darauf hingewiesen worden, wie unstatthaft es ist, die Synagoge zu Konzertaufführungen zu benützen, da dieselbe nur ein Haus des Gebets sein soll. Da die Orgel die Besucher des Gottesdienstes nicht im geringsten vermehrt hat, so hat sie wenigstens das Eine genützt, dass man durch sie auch die Synagoge zu Konzerten brauchen kann. Es ist dies eine traurige Errungenschaft, denn wo man einen Gottesdienst erst heben muss, um ihm Besucher zuzuführen, da wird Gott überhaupt nicht gedient. Für diejenigen in der Synagoge, die die Gebete nicht verstehen, ja sogar leider oft nicht in der heiligen Sprache lesen können, lässt sich der Aufenthalt nicht angenehmer machen und für die, welche das Gotteshaus als Bedürfnis zur Verrichtung ihrer Gebete betrachten, genügt die uns vorgeschriebene Weise einzig und allein, andächtig zu sein. 'Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist...'  (Sacharja 4,6)."


Einer dieser Anlässe war nach einem Bericht der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 1901 das 25jährige Dienstjubiläum von Rabbiner Dr. Meier Rawicz. Dieser war seit 1876 in Schmieheim und nach Verlegung des Rabbinats nach Offenburg in dieser Stadt tätig. Am Schabbat, dem 22. August 1901 fanden aus diesem Anlass zwei Festgottesdienste in der Synagoge statt.   
 
1922 wurde die Synagoge erneuert, der Saal von Kunstmaler Kolb restauriert. Zur Neueinweihung im September 1922 waren auch zahlreiche nichtjüdische Gäste erschienen. Bezirksrabbiner Dr. Ruben Halpersohn hielt die Weiherede.  

Gefallenengedenktafeln werden in der Synagoge angebracht (1922)  

Offenburg CV-Ztg 26101922.jpg (36524 Byte)Artikel in der Zeitschrift des "Central-Vereins" ("CV-Zeitung") vom 26. Oktober 1922: "Gedenktafeln. In der renovierten Synagoge zu Offenburg in Baden nahm am Versöhnungstage Rabbiner Dr. Halpersohn die Einweihung der Gedenktafel für die Kriegsgefallenen vor. Dr. Halpersohn sprach hierbei über das Thema: 'Ein Andenken sollen sie allen sein.'."

Am 18. Oktober 1925 konnte die Gemeinde zu der "Feier des 50-jährigen Bestehens der Synagoge" einladen. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Emil neu, betonte in seiner Ansprache, dass zwischen den Juden und den Angehörigen der christlichen Konfessionen in Offenburg ein friedliches und harmonisches Verhältnis bestehe. 

Beim Novemberpogrom 1938 erzwangen sich in den frühen Morgenstunden des 10. November vier Männer, die sich als Mitglieder der Geheimen Staatspolizei ausgaben, den Eingang in die Synagoge, schossen mit Pistolen auf die  brennenden Lampen, holten Torarollen aus dem Toraschrein und rissen sie in Stücke. Zwischen Offenburger SS und der Polizei kam es zu einer Besprechung wegen weiteren Aktionen. Während die SS fest entschlossen war, die Synagoge in Brand zu stecken, wehrte sich die Polizei mit Erfolg gegen dieses Vorhaben, da das Niederbrennen des Bethauses eine zu große Gefahr für die Nachbarhäuser bedeutet hätte. Zu weiteren Aktionen kam es erst am Nachmittag des 10. November. Gegen 17 Uhr rottete sich auf Veranlassung der Kreisleitung am ehemaligen Gasthaus "Palmengarten" eine Menschenmenge zusammen, die in kurzer Zeit auf 150 bis 200 Personen anwuchs. Zuerst wurde das jüdische Café Weil in der Blumenstraße heimgesucht und das gesamte Inventar zerschlagen. Dann bewegte sich der Zug unter Absingen von Kampfliedern durch die Hauptstraße, Stein- und Lange Straße zur Synagoge und zerstörte die gesamte Inneneinrichtung. Anschließend schleppten die Demonstranten zerstörte Einrichtungsgegenstände sowie Zylinder und Gebetbücher auf den Rathausplatz und verbrannten sie. Beschlossen wurde die Demonstration durch eine Kundgebung im Dreikönig-Saal, bei der wiederholt geschrieen wurde: "Juda verrecke!" 

Über die Verwendung der Synagoge kam es zu einem Streit zwischen NS-Kreisleitung und der Stadtverwaltung beziehungsweise dem Stadtrat. Am 1. Juni 1939 forderte der Kreisleiter der NSDAP von der Stadt Offenburg den Abbruch des Synagogengebäudes auf Kosten der jüdischen Gemeinde. Da das Gebäude jedoch in baulich gutem Zustand war, wollte die Stadt es erwerben, um es als Gerätehaus der Feuerwehr zur Verfügung zu stellen. Auch Veranstaltungen der Hitlerjugend könnten in ihm stattfinden. Die Kreisleitung aber vertrat den Standpunkt, dass darin auf keinen Fall "deutsche Menschen sich körperlich" ertüchtigen könnten und forderte schon aus diesem Grund den Abbruch. Die Ratsherren der NS-Fraktion schlossen sich dieser Meinung an. Dennoch setzte sich die Stadtverwaltung durch. Am 1. Juli 1940 verkaufte die jüdische Kultusgemeinde das Anwesen an die Stadt, die es an eine Möbelhalle vermietete. Etwas später war im Gebäude unter anderem eine Kartonagenfabrik für Munitionsverpackungen eingerichtet. 

1945 wurde das Gebäude von der alliierten Militärverwaltung beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übergeben. Diese übertrug es am 2. November 1948 an die Israelitische Landesgemeinde. Nachdem diese freilich keine Verwendung mehr hatte, verkaufte sie an an eine Drogen- und Arzneimittel-Großhandlung. Das Vorderhaus, das eigentliche Gasthaus "Salmen" wurde 1955 abgebrochen und ein Neubau an seiner Stelle errichtet. Das Hintergebäude bis 1997 ein Elektrogerätefachhandel, der seine Lagerbestände im Obergeschoss aufbewahrt; das Erdgeschoss diente als Verkaufsraum. 

Am 8. November 1978 wurde in Anwesenheit von Landesrabbiner Dr. Nathan Peter Levinson eine Gedenktafel für die Synagoge und das Schicksal der jüdischen Gemeinde am ehemaligen Synagogengebäude angebracht. 1997 erwarb die Stadt das Gebäude und richtete es bis 2002 als Kulturzentrum und Erinnerungsstätte her.


Fotos 
Historische Fotos aus der Synagoge im "Salmen"
 
(Quelle: Stadtarchiv Offenburg und Kulturagentur Offenburg, 
veröffentlicht in: M. Ruch, Der Salmen und M. Ruch, Jüdisches Offenburg, siehe zu beidem Lit.)

Offenburg Synagoge 008.jpg (57318 Byte)  Offenburg Synagoge 007.jpg (42237 Byte) 
Innenraum der Synagoge Offenburg um 1930 
  
Offenburg Synagoge 145.jpg (36058 Byte) Offenburg Synagogenrat.jpg (50952 Byte)
Siegfried Schnurmann am Harmonium der Offenburger Synagoge um 1935 Der Offenburger Synagogenrat 
im Sommer 1930

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

8. November 1978: Anbringung der Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge
(Quelle: Stadtarchiv Offenburg)
Offenburg 1978 01.jpg (82467 Byte) Offenburg 1978 02.jpg (64624 Byte)
  Zahlreiche Personen kamen zu dieser Veranstaltung Landesrabbiner Dr. Levinson bei seiner Ansprache
     
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Offenburg Synagoge 002.jpg (78183 Byte) Offenburg Synagoge 003.jpg (91938 Byte)
  Der Salmen / die ehemalige Synagoge in Offenburg Gedenktafel am Aufgang zur ehemaligen Synagoge
     
  Offenburg Synagoge 004.jpg (64325 Byte) Offenburg Synagoge 001.jpg (68052 Byte)
  Aufgang zur ehemaligen Synagoge Eingang
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.9.2003)
Offenburg Synagoge 150.jpg (62351 Byte) Offenburg Synagoge 153.jpg (54440 Byte)  Offenburg Synagoge 154.jpg (49174 Byte)
Der Salmen/die ehemalige Synagoge nach der Restaurierung Aufgang zur ehemaligen Synagoge
   
Offenburg Synagoge 152.jpg (33991 Byte) Offenburg Synagoge 155.jpg (25470 Byte) Offenburg Synagoge 151.jpg (38295 Byte)
Eingang zur ehemaligen Synagoge Gedenktafel am Aufgang    

Weitere Fotos zum Salmen siehe bei www.artur-photo.de/Neu/1402034/ 
  

     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Artikel 
Publikation von Martin Ruch erschienen (November 2008)                      

Artikel von Taras Maygutiak  im "Offenburger Tageblatt" vom 8. November 2008:  
"Offenburg. Wie lange er brauchte, um das gesamte Material für sein neues Buch zusammenzutragen, kann Kulturhistoriker Martin Ruch gar nicht sagen: "Es ist neben anderen Recherchen entstanden." Seit Ruch sich 1990 das erste Mal mit Archivmaterial über das jüdische Leben in Offenburg und den Verbrechen an den Offenburger Juden während der Nazizeit befasste, hat er mittlerweile elf Bücher und mehrere Aufsätze zu diesen Themen geschrieben: "Es ist praktisch mein Lebensthema geworden", bekennt der 58-Jährige.
Zum 70. Jahrestag des Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung in der Nacht zum 10. November 1938, bei dem auch den Offenburger Juden Schreckliches angetan wurde, und 60 Jahre nach der juristischen Aufarbeitung dieser Verbrechen im sogenannten Synagogenprozess 1948, ist das neue Buch von Martin Ruch "Das Novemberpogrom 1938 und der Synagogenprozess 1948 in Offenburg" ab Montag im Buchhandel erhältlich.
Im ersten Teil des Buches geht Ruch auf das Pogrom ein. Nachdem am 7. November 1938 der polnische Jude Herschel Grynzpan in Paris den deutschen Gesandtschaftsrat vom Rath niedergeschossen hatte, rief Goebbels zu sogenannten spontanen Vergeltungsaktionen auf. Deutschlandweit nahmen die beispiellosen Verbrechen mit der "Kristallnacht" ihren Lauf – auch in Offenburg. Am 10. November 1938 bewegte sich ein Zug von etwa 80 Männern vom Offenburger Gefängnis in der Grabenallee durch die Hauptstraße zum Bahnhof. Sie wurden unterwegs gedemütigt, beleidigt und geschlagen von SS- und Parteimitgliedern, aber auch von Teilen der Bevölkerung. An den jüdischen Familien der Stadt wurde ein Verbrechen, ein großes Unrecht begangen", schreibt Ruch im Vorwort des Buches über den dunklen Fleck in der Offenburger Stadtgeschichte. 
Was beim Lesen des Buchs neben des Themas selbst unter die Haut geht: Der Kulturhistoriker gibt bei Weitem nicht nur Zahlen und Daten wieder. Der Schrecken jener Tage wird durch Briefe und Tagebuchaufzeichnungen, wie etwa der jungen Esther Cohn, die 1944 in Auschwitz ermordet wurde, spürbar. Zahlreiche Zeitzeugen hat Ruch zudem über die schicksalhaften Tage befragt.
Namen der Täter
Zehn Jahre später sollte der "Schandfleck getilgt" werden, wie es 1948 ein Vertreter der Anklage im Synagogenprozess nannte. Diesen Teil der Geschichte beleuchtet Ruch im zweiten Teil des Buches. 13 Haupttäter der Ereignisse mussten sich im Gerichtsgebäude in der Ritterstraße verantworten. Drei dicke Ordner über die Verhandlung hat Ruch im Staatsarchiv in Freiburg durchforscht. Interessant dabei ist auch: 60 Jahre nach dem Prozess darf Ruch auch die Namen der nichtöffentlichen Personen nennen. "Erschütternd" findet er an den Aussagen von 1948 die Ausflüchte und Ausreden: "Keiner wollte dabei gewesen sein." 
  
Mai 2009 Die letzten Stolpersteine werden gelegt.   
Artikel von Ralf Burgmaier in der "Badischen Zeitung" vom 14. Mai 2009:  Die letzten 16 Stolpersteine werden versetzt
OFFENBURG.
118 Offenburger Bürgerinnen und Bürger sind während der Nazizeit aus der Stadtgemeinschaft ausgegrenzt und in den Tod geschickt worden. An 103 von ihnen erinnern bereits in Offenburger Bürgersteigen sogenannte Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Am 25. Mai kommen 16 weitere dazu. Sollte die Geschichtsforschung keine weiteren Schicksale zu Tage fördern, sind damit sämtliche Todesopfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus der Offenburger Bürgerschaft auf diese Weise geehrt. 
Natürlich waren die Formen des Leidens unterm Nationalsozialismus vielfältig. Tödliche Folgen hatten sie für die genannten 118 Offenburger. Wenn Gunter Demnig am 25. Mai nach Offenburg kommt, um die mutmaßlich letzten 16 Stolpersteine zu versetzen, hat er auch einen Stein für Siegfried Bodenheimer im Gepäck. Damit wird in Offenburg zum ersten Mal ein Opfer des Nationalsozialismus mit einem Stolperstein geehrt, das die Konzentrationslager überlebt hat. Siegfried Bernheimer kehrte aus dem KZ Theresienstadt im Juni 1945 nach Offenburg zurück.
"Neuerdings fertigt Gunter Demnig auch Stolpersteine für nicht ermordete Opfer des Nationalsozialismus", erklärt Gerda-Marie Lüttgen, die für Offenburg die Stolpersteinaktion so ehrenamtlich wie erfolgreich organisiert. Bisher galt die Regel, dass nur an Ermordete auf diese Weise erinnert wird, um eine Verwässerung des Gedenkens zu vermeiden. "Demnig schaut sich aber die Schicksale dieser neuen Opfergruppe genau an. Bei seinem Besuch in Offenburg wird er seine Entscheidungskriterien näher erläutern", so Gerda-Marie Lüttgen.

15 weitere Steine wird Demnig am 25. Mai verlegen. Darunter auch drei Steine vor dem Rathaus. Denn für Emma Bodenheimer, in Auschwitz verschollen, für Hanny Glaser, in Theresienstadt gestorben, und Bella Jacobs, tot in Auschwitz, fanden sich, trotz intensiver Recherchen kein Hinweis auf den früheren Offenburger Wohnort, erklärt Wolfgang M. Gall, Leiter des Stadtarchivs, das mit der Suche nach Lebensspuren der Ermordeten das Projekt unterstützte. 
Ergänzend zur Verlegeaktion zeigt der Kulturverein 361 Grad, am 25. Mai, 20 Uhr, im Forum-Kino einen Dokumentarfilm über die Arbeit Demnigs. Der Künstler, der europaweit über 16 000 Stolpersteine verlegt hat, wird im Anschluss mit den Zuschauern diskutieren . 
   
Mai 2009: Der "Salmen" wird Tagungsort des Gemeinderates 
Offenburg Salmen 210.jpg (89207 Byte)Foto von Helmut Seller: Der Salmensaal ist jetzt offizieller Tagungsort des Gemeinderats.  
Rat bekennt sich zum Erbe von 1847 - Salmen wird Heimat des Gemeinderats 
Der Gemeinderat hat sich gestern Abend für den Salmen-Saal als dauerhaften Versammlungsort entschieden. Damit knüpft er bewusst an die glorreiche Tradition des Saales an, der eine Wiege der deutschen Demokratie ist, oder wählt auch ganz nüchtern und pragmatisch die kostengünstigere Lösung. 
Oberrheinhalle oder Salmen? 
Diese Entscheidung hatte der Gemeinderat auf die Zeit nach der Fertigstellung des Oberrheinhallen-Neubaus im vergangenen Jahr vertagt. Im September 2008 gab es dann dort eine Gemeinderatsklausur, bei der sich laut Verwaltung, herausgestellt habe, dass der Saal dort, was Aufbau der Technik und der Bestuhlung angeht, keinen Vorteil gegenüber dem Salmen bringt. Dazu kommt, dass die Mietkosten für den kleinen Saal dort höher sind als im Salmen. Deshalb entschied sich der Gemeinderat gestern nun einstimmig für den Salmen. Dabei spielte für die meisten Sprecher der Gemeinderatsfraktionen die historische Dimension des Saals eine gewichtige Rolle. 
Kurt Feger (CDU), Bertold Thoma (SPD), Hans Rottenecker (Freie Wähler) und Sibylle Laurischk (FDP) erinnerten an das Erbe des 12. Septembers 1847, als die "entschiedenen Freunde der badischen Verfassung von 1818" unter der Leitung von Friedrich Hecker im Salmen die 13 Forderungen des Volkes verabschiedeten und damit einen Meilenstein der deutschen Verfassungsgeschichte setzten. Die meisten dieser 13 Punkte wurden erst wieder vor 60 Jahre mit dem Grundgesetz Verfassungsrealität in Deutschland.
Sibylle Laurischk erinnerte darüber hinaus daran, dass der Saal später Synagoge wurde, aus deren Schändung 1938 sich eine weitere moralische Verpflichtung für den Gemeinderat ableite. Lediglich Angelika Wald von den Bündnis-Grünen sagte, dass der Geist von 1847 für ihre Entscheidung keine Rolle spiele: "Nicht der Geist des Raumes ist entscheidend, sondern das Handeln der Personen darin." Die Nutzung des Salmens sei günstiger als die des Oberrheinhallen-Saals. "Ich sehe das vollkommen pragmatisch", so Wald." 
    

       
         

      

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Offenburg
Website des Jakob Adler Zentrums Offenburg
Website des Oken-Gymnasiums Offenburg
Zur Seite über den "Salmen Offenburg" unter Mitgliederseiten von Alemannia Judaica (interner Link)
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Offenburg (interner Link)  
Rückblick (interner Link): Presseartikel (Badische Zeitung vom 31.8.2005) mit Hinweisen auf Veranstaltungen zum "Tag der Europäischen Jüdischen Kultur" am 4.9.2005: hier anklicken 

Literatur:

Offenburg Lit04.jpg (38982 Byte)  Offenburg Lit05.jpg (25932 Byte)
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 224-227.
Germania Judaica II,2 S. 625f.
Otto Kähni: Geschichte der Offenburger Judengemeinde, in: Die Ortenau 49 (1969) S.80-114.
Susanne Möschle: Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Offenburgs in der Zeit des Nationalsozialismus. (Unveröffentlichte) Zulassungsarbeit für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Offenburg 1977.
Die andere Adresse: Ortenau - mit Straßburger Teil / Berichte - Adressen - Selbstdarstellungen. Verlag ALIO Offenburg 1988. (Hier ein Kapitel über: "Das Novemberpogrom im Offenburger Raum").  
Martin Ruch: Tanzsaal, Revolutionslokal, Synagoge, Lagerhalle. Die Geschichte des "Salmen" in Offenburg. in: Die Ortenau 67. 1987. S. 371-189.
ders.: Familie Cohn. Tagebücher, Briefe, Gedichte einer jüdischen Familie aus Offenburg. Offenburg 1992.
ders.: Jüdische Stimmen aus Offenburg. Interviews, autobiographische Zeugnisse, schriftliche Quellen zur Geschichte der Offenburger Juden 1933-1945. Offenburg 1995.
ders.: Verfolgung und Widerstand in Offenburg 1933-1945. Offenburg 1995.
ders.: Jüdisches Offenburg. Einladung zu einem Rundgang. Haigerloch 1999. 
ders.: Quellen zur Geschichte der Offenburger Juden im 17. Jahrhundert. Offenburg 2001.
ders.: Der Salmen, Geschichte der Offenburger Synagoge. Offenburg 2002. 
ders./Samuel Dzialoszynski: Der gute Ort. Der jüdische Friedhof in Offenburg. Offenburg 2000. 
Artikel "Die ‚Paulskirche Badens’ wird zum Kulturzentrum, in: Stuttgarter Zeitung 13. September 2002 S. 10.
Irmgard Schwanke: Ein ungleiches Kräfteverhältnis. Juden und Christen im Offenburg des 17. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Landeskunde 4/2001 S. 11-16. Zusammenfassung online zugänglich
Uwe Schellinger: Sklavenarbeit in Offenburg: Der Weg des KZ-Häftlings Marko Moskowitz. In. Die Ortenau 2004 S. 383-394.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 224-231.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

  

   
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Offenburg  Baden. Jews are known from the early 13th century. In 1243 they were victims of anti-Jewish riots. A substantial community existed by the early 14th century but ended in the Black Death persecutions of 1348-49 when the Jews burned themselves alive to avoid expulsion and certain death as a consequence of a well-poisoning libel. The few Jews who were present in the 17th century were expelled in 1689 owing to local hostility. 
The modern community was only founded in 1862 on the emancipation of Baden's Jews. In 1880 the Jewish population reached 387 (total 7,274) with 61 of the 74 Jewish families (in 1884) engaged in commerce (wine, cattle, hides). In 1875 the community inaugurated a synagogue. In 1893 the seat of the district rabbinate was transferred to Offenburg from Schmieheim. By the end of Worldwar I, many belonged to the professional class and the community continued to maintain a rich inner life. In 1933, 271 Jews lived in Offenburg (total 17,976), with others subsequently joining the community. Jews were dismissed from public employment and banned from public places. In 1938 all Jewish children were expelled from the public schools. Many of the young emigrated to Palestine with the aid of the local Hechalutz office. By the end of 1938, 118 Jews had emigrated, among them many to the United States; 32 left for other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the interior of the synagogue was wrecked and all Jewish males over 16 were arrested and sent to the Dachau concentration camp for a few weeks after being abused and humiliated in the streets of the city. In all, 156 Jews managed to emigrate directly from Offenburg in 1933-40, with another 45 going to other German cities (and 23 emigrating from them). Of the 92 deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940, 21 survived the Holocaust. The fate of the Jews in the eight communities attached to Offenburg was similiar. Durbach's 19th century community of around 100 was reduced to a single family in 1933.- In Gengenbach, 30 remained, 16 emigrated, and nine were deported to Gurs. In Nordrach, where a sanatorium for pulmonary patients was founded by Adelaide Rothschild in the 19th century, the last 26 patients along the the head doctor were sent to Auschwitz in September 1942 and executed on arrival.  
   

 

                   
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Stand: 19. Januar 2010