Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Haslach im Kinzigtal (Ortenaukreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Manfred Hildenbrand, Haslach und Sören Fuß, Haslach)

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte des Betsaals      
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fürstenbergischen Haslach lebten Juden bereits im Mittelalter. Bei der Verfolgung in der Pestzeit 1349 in Offenburg, die dort zur Verbrennung von etwa 50-60 jüdischen Personen in ihren Häusern führte, hatte ein Offenburger Jude unter Folter ausgesagt, einer seiner Glaubensgenossen namens Kerfholz aus Haslach habe im Herbst 1348 der Offenburger Judengemeinde das Gift gebracht. Daraufhin wurden die Juden in Haslach der Brunnenvergiftung angeklagt und im Mai 1349 auf dem Haslacher Marktplatz verbrannt. 
  
Nach dieser Verbrennung der Juden 1349 schweigen bis zum 19. Jahrhundert die Quellen im Blick auf jüdische Geschichte in Haslach.  
  
Erst nach 1862 sind einzelne jüdische Personen und Familien nach Haslach zugezogen, die von 1895 bis 1938 eine Filialgemeinde zu Offenburg bildeten. Die Zahl der jüdischen Einwohner in Haslach entwickelte sich wie folgt: 1871 3 jüdische Einwohner, 1875 5, 1880 14, 1885 25, 1890 31, 1895 37, 1900 Höchstzahl mit 43 jüdischen Einwohnern, 1905 29, 1910 28, 1925 13, 1933 8. 
 
An Einrichtungen hatte die Filialgemeinde einen Betsaal eingerichtet (siehe unten). Die Toten der Familien wurden auf dem jüdischen Friedhof in Schmieheim beigesetzt. Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren großenteils als Händler und Kaufleute tätig, darunter auch Viehhändler (Isaak und Siegfried Mannheimer) und ein Weinhändler (Heinrich Bloch). Nach 1900 ging die Zahl der jüdischen Einwohner wieder zurück.  
 
1933 gab es nur noch zwei jüdische Familien in der Stadt: Alfred Moses (Kaufmann in der Mühlenstraße 9), der mit Altwaren, Altpapier, Lumpen, Fellen und Knochen handelte (Ehefrau Martha und Söhne Eugen und Helmut, siehe Foto unten) sowie der Kaufmann Josef Bloch (Sägerstraße 20), der Öle und Fette (für Maschinen, Wagen und Autos) verkaufte (Ehefrau Josefine und Sohn Artur). Beide Familien waren mit ihren Handlungen sofort vom angeordneten Boykott der jüdischen Geschäfte zum 1. April 1933 betroffen. Auch der Dentist Eugen Geismar (ein zum Katholizismus konvertierter Jude) wurde boykottiert. Alfred Moses gab sein Geschäft im Juni 1938 auf und zog nach Freiburg. Er wollte mit seiner Familie im Mai 1939 in die USA emigrieren, doch wurde das Schiff wieder nach Europa zurückgeschickt. Anfang 1940 gelang beim zweiten Versuch die Auswanderung von Frankreich aus.  
    
Von den in Haslach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", verglichen mit dem Angaben bei M. Hildenbrand s. Lit. 2006 S. 252; diese Angaben können durch neueste Forschungen korrigiert werden - siehe auch die 2009 erscheinende Chronik von M. Hildenbrand; nach Mitteilung von Sören Fuß, Haslach sind nachweislich umgekommen:
Arthur Bloch (1903), Emma Bloch (1883), Joseph Bloch (1870), Josephine Bloch geb. Wertheimer (1875), Karl Bloch (1896), Ludwig Bloch (1906), Sigmund Bloch (1878), Hanna Hilb geb. Kassewitz (1898), Lydia Müller geb. Weil (1888), Julius Weil (1886).    
     
    
   

Zur Geschichte des Betsaales

Die Filialgemeinde des 19./20. Jahrhundert hatte seit Ende der 1890er-Jahre einen Betsaal in einem Privathaus in der Sägerstraße 12 eingerichtet (Haus der Familie Krafft). Näheres zur Einrichtung des Betsaales geht aus einem Bericht der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1899 vor:   

Haslach Israelit 12061899.jpg (119862 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1899: "Aus Baden. Durch die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten und die gleichzeitig ins Leben getretene Freizügigkeit sind viele große Landgemeinden zu wenigen Mitgliedern herabgesunken, so dass manchmal die zum öffentlichen Gottesdienstes nötige Zehnzahl nicht mehr vorhanden ist. Andererseits sind aber in erfreulicher Weise da neue Gemeinden entstanden, wo früher keine Juden wohnten. Wir meinen nicht gerade die schnell aufgeblühten Gemeinden von Freiburg, Offenburg und Konstanz mit prachtvollen Synagogen mit orthodoxem Gottesdienste. Einsender dieses war vor einiger Zeit in dem Städtchen Haslach im badischen Schwarzwalde. Er hat hier mit großer Genugtuung wahrgenommen, dass die dortigen wenigen Israeliten mit vielen Opfern einen Betsaal mit Aron HaKodesch, zwei Sifrei Tora (Torarollen), schönen goldgestickten Parochet (Toravorhang) aus Samt, ebenso Mäntelchen in gleicher Arbeit eingerichtet haben. Durch freiwillige Spenden in der Gemeinde sollen nun auch Toraschmuck und weitere Ritualien angeschafft werden. Die beiden älteren Brüder Bloch versehen unentgeltlich das Amt eines Vorbeters (baal kore), Wir rufen der kleinen Gemeinde chasak we'emaz ("sei stark und fest!") zu."   

Der Betsaal wurde vor allem auf Grund der zurückgehenden Zahl der jüdischen Einwohner in Haslach bereits nach dem Ersten Weltkrieg wieder geschlossen.  
 
Das Gebäude Sägerstraße 12 wurde Ende der 1970er-Jahre abgebrochen (musste der neuen Umgehungsstraße / sog. Osttangente weichen).       

  
Fotos 
(Quelle: Beitrag von Manfred Hildenbrand: Juden in Haslach s.Lit.; auch das Foto Sägerstraße 12 wurde von Manfred Hildenbrand zur Verfügung gestellt) 

Jüdische Wohnhäuser in Haslach

Haslach Dok 017.jpg (60494 Byte) Haslach Dok 014.jpg (70515 Byte)
  Das Haus Bloch in der Sägerstraße 20 in Haslach (1981 abgebrochen) Das Haus Moses in der Mühlenstraße 9 (1984 abgebrochen)
        
Haus, in dem sich der Betsaal befand Haslach Saegerstr12 120.jpg (71711 Byte)  
   Das Gebäude Sägerstraße 12, die ehemalige "Haslacher Synagoge"  
      
Personen Haslach Dok 015.jpg (36598 Byte) Haslach Dok 012.jpg (50609 Byte)
  Alfred Moses (1937) Alfred und Martha Moses mit den beiden Söhnen Helmut (links) und Eugen (um 1936)
     
NS-Zeit - Kennkarten mit "J" für "Jude"    
Haslach Dok 013.jpg (71982 Byte) Haslach Dok 010.jpg (64482 Byte) Haslach Dok 011.jpg (68800 Byte)
Kennkarte von Arthur Bloch (1939)
(zusätzlich angeordneter Vorname "Israel") 
Kennkarte von Josef Bloch
(zusätzlich angeordneter Vorname "Israel")
Kennkarte von Josefine Bloch
(zusätzlich angeordneter Vorname "Sara")
     
     
Gedenken Haslach Dok 016.jpg (45654 Byte) Haslach Denkmal N01.jpg (95022 Byte)
  Das Mahnmal für die Opfer der NS-Zeit in Haslach wurde 1998 geschändet Denkmal für die Opfer der NS-Zeit aus Haslach in der Gedenkstätte in Neckarzimmern

     
       
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Haslach 
www.gedenkstaette-vulkan.de   

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 229.
Manfred Hildenbrand: Die nationalsozialistische Machtergreifung in einer Kleinstadt – Haslach i.K. im Jahre 1933, in: Die Ortenau 63 (1983) S.2-48, bes. S.34ff.
ders.: Das mittlere Kinzigtal zur Stunde Null – Kriegsende und Besatzung 1944/45, in: Die Ortenau 65 (1985) S.2-24.
ders.: Zeitungsartikel im Offenburger Tagblatt. Kinzigtäler Ausgabe. 29. Dezember 1984 (zum Abriss des Hauses Moses in Haslach) und 23. Februar 1985 (über Familie Bloch).
ders.:  Juden in Haslach im Kinzigtal. Vom Mittelalter bis zur NS-Gewaltherrschaft. In.  Die Ortenau 2006 S. 239-254.  
Neu - erscheint Ende Juli 2009:   ders.: Chronik der Stadt Haslach in vier Bänden. 2009. 
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

  

  
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Haslach  Baden. The medieval Jewish community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. The Jewish population in 1900 was 43. Of the eight Jews left in 1939, one family reached to U.S., another perished after deportation to the Gurs concentration camp, and one Jew survived the Theresienstadt ghetto.
     

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. Mai 2009