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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Haslach im Kinzigtal (Ortenaukreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Manfred Hildenbrand,
Haslach und Sören Fuß, Haslach)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fürstenbergischen
Haslach lebten Juden bereits im Mittelalter. Bei der Verfolgung in der
Pestzeit 1349 in Offenburg, die dort zur Verbrennung von etwa 50-60 jüdischen
Personen in ihren Häusern führte, hatte ein Offenburger Jude unter Folter
ausgesagt, einer seiner Glaubensgenossen namens Kerfholz aus Haslach habe im
Herbst 1348 der Offenburger Judengemeinde das Gift gebracht. Daraufhin wurden
die Juden in Haslach der Brunnenvergiftung angeklagt und im Mai 1349 auf
dem Haslacher Marktplatz verbrannt.
Nach dieser Verbrennung der Juden 1349 schweigen bis zum 19. Jahrhundert die
Quellen im Blick auf jüdische Geschichte in Haslach.
Erst nach 1862 sind einzelne jüdische Personen und Familien nach Haslach
zugezogen, die von 1895 bis 1938 eine Filialgemeinde zu Offenburg
bildeten. Die Zahl der jüdischen Einwohner in Haslach entwickelte sich wie
folgt: 1871 3 jüdische Einwohner, 1875 5, 1880 14, 1885 25, 1890 31, 1895 37, 1900
Höchstzahl mit 43 jüdischen Einwohnern, 1905 29, 1910 28, 1925 13, 1933 8.
An Einrichtungen hatte die Filialgemeinde einen Betsaal eingerichtet
(siehe unten). Die Toten der Familien wurden auf dem jüdischen Friedhof
in Schmieheim beigesetzt. Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren
großenteils als Händler und Kaufleute tätig, darunter auch Viehhändler
(Isaak und Siegfried Mannheimer) und ein Weinhändler (Heinrich Bloch). Nach
1900 ging die Zahl der jüdischen Einwohner wieder zurück.
1933 gab es nur noch zwei jüdische Familien in der Stadt: Alfred Moses
(Kaufmann in der Mühlenstraße 9), der mit Altwaren, Altpapier, Lumpen, Fellen
und Knochen handelte (Ehefrau Martha und Söhne Eugen und Helmut, siehe Foto
unten) sowie der Kaufmann Josef Bloch (Sägerstraße 20), der Öle und Fette
(für Maschinen, Wagen und Autos) verkaufte (Ehefrau Josefine und Sohn Artur).
Beide Familien waren mit ihren Handlungen sofort vom angeordneten Boykott der
jüdischen Geschäfte zum 1. April 1933 betroffen. Auch der Dentist Eugen
Geismar (ein zum Katholizismus konvertierter Jude) wurde boykottiert. Alfred
Moses gab sein Geschäft im Juni 1938 auf und zog nach Freiburg. Er wollte mit
seiner Familie im Mai 1939 in die USA emigrieren, doch wurde das Schiff wieder
nach Europa zurückgeschickt. Anfang 1940 gelang beim zweiten Versuch die
Auswanderung von Frankreich aus.
Von den in Haslach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", verglichen mit dem Angaben
bei M. Hildenbrand s. Lit. 2006 S. 252; diese Angaben können durch neueste
Forschungen korrigiert werden - siehe auch die 2009 erscheinende Chronik von M.
Hildenbrand; nach Mitteilung von Sören Fuß, Haslach sind nachweislich
umgekommen:)
Arthur Bloch (1903),
Emma Bloch (1883), Joseph Bloch (1870), Josephine
Bloch geb. Wertheimer (1875), Karl Bloch (1896), Ludwig Bloch (1906), Sigmund Bloch
(1878), Hanna Hilb geb. Kassewitz (1898), Lydia Müller geb. Weil (1888), Julius Weil (1886).
Zur Geschichte des Betsaales
Die Filialgemeinde des 19./20. Jahrhundert hatte seit Ende
der 1890er-Jahre einen Betsaal in einem Privathaus in der Sägerstraße
12 eingerichtet (Haus der Familie Krafft). Näheres zur
Einrichtung des Betsaales geht aus einem Bericht der Zeitschrift "Der
Israelit" vom 12. Juni 1899 vor:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1899: "Aus
Baden. Durch die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten und die gleichzeitig ins Leben getretene Freizügigkeit sind viele große Landgemeinden zu wenigen Mitgliedern herabgesunken, so dass manchmal die zum öffentlichen Gottesdienstes nötige Zehnzahl nicht mehr vorhanden ist. Andererseits sind aber in erfreulicher Weise da neue Gemeinden entstanden, wo früher keine Juden wohnten. Wir meinen nicht gerade die schnell aufgeblühten Gemeinden von Freiburg, Offenburg und Konstanz mit prachtvollen Synagogen mit orthodoxem Gottesdienste. Einsender dieses war vor einiger Zeit in dem Städtchen Haslach im badischen Schwarzwalde. Er hat hier mit großer Genugtuung wahrgenommen, dass die dortigen wenigen Israeliten mit vielen Opfern einen Betsaal mit Aron HaKodesch, zwei Sifrei Tora (Torarollen), schönen goldgestickten Parochet (Toravorhang) aus Samt, ebenso Mäntelchen in gleicher Arbeit eingerichtet haben. Durch freiwillige Spenden in der Gemeinde sollen nun auch Toraschmuck und weitere Ritualien angeschafft werden. Die beiden älteren Brüder Bloch versehen unentgeltlich das Amt eines Vorbeters (baal kore), Wir rufen der kleinen Gemeinde chasak we'emaz ("sei stark und fest!") zu." |
Der Betsaal wurde vor allem auf Grund der
zurückgehenden Zahl der jüdischen Einwohner in Haslach bereits nach dem Ersten
Weltkrieg wieder geschlossen.
Das Gebäude Sägerstraße 12 wurde Ende der 1970er-Jahre abgebrochen (musste
der neuen Umgehungsstraße / sog. Osttangente weichen).
Fotos
(Quelle: Beitrag von Manfred Hildenbrand: Juden in
Haslach s.Lit.; auch das Foto Sägerstraße 12 wurde von Manfred Hildenbrand zur
Verfügung gestellt)
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 229. |
 | Manfred Hildenbrand: Die nationalsozialistische Machtergreifung in
einer Kleinstadt – Haslach i.K. im Jahre 1933, in: Die Ortenau 63 (1983)
S.2-48, bes. S.34ff. |
 | ders.: Das mittlere Kinzigtal zur Stunde Null – Kriegsende und Besatzung
1944/45, in: Die Ortenau 65 (1985) S.2-24. |
 | ders.: Zeitungsartikel im Offenburger Tagblatt. Kinzigtäler Ausgabe. 29.
Dezember 1984 (zum Abriss des Hauses Moses in Haslach) und 23. Februar 1985
(über Familie Bloch). |
 | ders.: Juden in Haslach im Kinzigtal. Vom Mittelalter
bis zur NS-Gewaltherrschaft. In. Die Ortenau 2006 S.
239-254. |
 | Neu - erscheint Ende Juli 2009:
ders.: Chronik der Stadt Haslach in vier Bänden. 2009. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Haslach Baden. The
medieval Jewish community was destroyed in the Black Death persecutions of
1348-49. The Jewish population in 1900 was 43. Of the eight Jews left in 1939,
one family reached to U.S., another perished after deportation to the Gurs
concentration camp, and one Jew survived the Theresienstadt ghetto.

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