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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Nonnenweier (Gemeinde Schwanau, Ortenaukreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton
Ortenau gehörenden Nonnenweier bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden Juden
1707 am Ort genannt. Unter den ersten war der 1722 verstorbene Wolf Wertheimer,
dessen Nachkommen während sieben Generationen in Nonnenweier ansässig waren.
1780 zählte die Gemeinde fünfzehn Familien.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule
(seit 1833 bis 1876 jüdische Volksschule, Gebäude Ottenheimer Strauße 10;
Anwesen wurde 1840 durch den Anbau einer Lehrerwohnung und eines Schulzimmers
erweitert), ein rituelles Bad (im Schulgebäude) und einen Friedhof.
Das Schulgebäude wurde nach Auflösung der jüdischen Konfessionsschule 1876
als jüdisches Gemeindehaus verwendet (als Wohnhaus erhalten). Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1827 wurde die Gemeinde dem
Rabbinatsbezirk Schmieheim zugeteilt, dessen Sitz 1893 nach
Offenburg verlegt
wurde.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1825 112 jüdische Einwohner, 1832 126, 1836 177, 1839 187, 1864 240,
1871 249, 1875 233, 1880 235, um 1885 höchste Zahl mit 250 Personen, 1890
223, 1895 206, 1905 195, 1910 142.
In Nonnenweier ist 1874 der spätere Rechtsanwalt
und sozialdemokratische Landtags- und Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Frank
geboren, der 1914 in Frankreich gefallen ist. Zahlreiche andere Akademiker
entstammen der jüdischen Gemeinde Nonnenweier: die Juristen Dr. Daniel Mayer,
Dr. Hugo Schleicher, Dr. Berthold Moch und Dr. Iwan Meyer; die Ärzte Dr. Josef
Wertheimer, Dr. Josef Meyer (Medizinalrat) und Dr. Kaufmann; die
Gymnasialprofessoren Dr. Jenny Dreyfuß, Dr. Simon Bloch und Baruch Frank. Zu
nennen sind auch der Gutsverwalter Alexander Moch, der Apotheker Max Metzger,
die Dentistin Thea Höchster sowie die Lehrer und Kantoren SImon Metzger,
Hermann Piccard, Heinrich Moch, Isac Baum, Berthold Frank und Meyer Moch.
Das noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts zeitweise sehr angespannte
Verhältnisse zwischen Juden und Christen am Ort (1846 kam es wiederholt zu
Ausschreitungen gegen die Juden) besserte sich bis zum Ende des 19.
Jahrhunderts. Charakteristisch dafür war die Grundsteinlegung für die neue evangelische
Kirche 1906, bei der der Synagogenrat anwesend war und die jüdische Gemeinde
zur Ausschmückung der Kirche beisteuerte.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Max Baum (geb.
8.7.1898 in Nonnenweier, gef. 15.8.1917), Nathan Frank (geb. 11.12.1879 in
Nonnenweier, gef. 15.5.1915), Max Wertheimer (geb. 11.11.1893 in Nonnenweier,
gef. 25.5.1915). Außerdem sind gefallen: Ernst Baum (geb. 29.10.1880 in
Nonnenweier, vor 1914 in Bretten wohnhaft, gef. 31.8.1915), der bereits
genannte Dr. Ludwig Frank (geb. 23.5.1874 in Nonnenweier, vor 1914 in
Mannheim wohnhaft, gef. 3.9.1914), Gefreiter Josef Moch (geb. 19.8.1885 in
Nonnenweier, vor 1914 in Mainz wohnhaft, gef. 2.11.1916). Die Namen der
Gefallenen stehen auf dem Gefallenendenkmal der Gemeinde.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 89 Personen gehörten (5,2 % von insgesamt
etwa 1.600 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Hermann Moch, Samuel
Metzger und Heinrich Moch. Als Rechner und Gemeindediener war Meier Meier
tätig. Den Religionsunterricht der damals drei zu unterrichtenden Kinder
erteilte Oberlehrer a.D. Nathan Schleicher. An jüdischen Vereinen gab es
u.a. einen Israelitischen Krankenverein (gegründet 1865, 1924/32
unter Leitung von Julius Baum mit 30/31 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete:
Unterstützung hilfsbedürftiger Kranker, Bestattung). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Markus Wertheimer (1. Vorsitzender), Max Meier (2. Vors.) und
Moritz Baum (3. Vors.). Als Lehrer der damals vier zu unterrichtenden Kinder war
weiterhin Nathan Schleicher tätig.
Bis nach 1933 bestanden noch zahlreiche jüdische Handels- und
Gewerbebetriebe, darunter Viehhandlungen, Kolonialwarengeschäfte, eine Mehl-
und Getreidegroßhandlung. Dazu gab es bis nach 1933 die Einrichtungen der
"Judenmetzgerei" von Jakob Meyer (Schmidtengasse 6) und der jüdischen Wirtschaft
"Zum Strauß" mit koscherer Metzgerei von David Frank (Hauptstraße
30).
1933 lebten noch 65 jüdische
Personen in Nonnenweier. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung, des Boykotts und
weiterer Repressalien verzog ein größerer Teil von ihnen in andere Orte oder
wanderte aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.) und
der jüdische Friedhof geschändet. Die jüdischen Männer wurden nach Dachau
everschleppt, wo am 12. Dezember 1938 der Viehhändler Julius Baum umgekommen
ist. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 27 jdischen Einwohner nach Gurs
deportiert. Von ihnen kehrte 1947 nur Jette Rosenberger im Alter von 78 Jahren
zurück; sie starb in Nonnenweier 1950.
Von den in Nonnenweier geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha (Betty) Baum geb. Meier
(1875),
Eleonore Baum geb. Prötz (1904), Julius Baum (1857), Leo Baum (1889), Leopold
Baum (1860), Ludwig Baum (1895), Rosa Baum geb. Dreifuss (1864), Sara Baum geb.
Bloch (1855), Toni Bloch (1889), Emil Dreifuss (1870), Jenny Dreifuss (1893),
Max Dreifuss (1872), Max Frank (1881), Simon Fürth (1863), Sophie Goldschmidt
geb. Frank (1877), Leonie Lehmann geb. Meier (1887), Martha Gertrud Maier geb.
Abraham (1904), Friedrich Meier (1886), Isidor Meier (1883), Jakob Meier (1865),
Karoline Meier geb. Kahn (1885), Meier Meier (1866), Sophie Meier geb.
Weingarten (1870), Auguste Metzger (1894), Abraham Moch (1866), Adolf Moch
(1890), Balbine Lina Moch
geb. Weil (1867), Hermann Heinrich Moch (1892), Hilda Moch (1904), Max Moch (1904),
Sofie Moch (1903), Sofie Moch geb. Schleicher (1892), Wilhelm Moch (1891),
Johanna Rosenberg (1870), Zerline Stengel geb. Meier (1858), Hilda Weil geb.
Baum (1888), Josef Weil (1887), Robert Weil (1923).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1838 / 1890
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" von 1838 S. 125 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):
"Schmieheim. (Vakante israelitische Schulstelle).
Bei der israelitischen Gemeinde Nonnenweier ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht
der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 125 Gulden sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen
circa 50 Gulden verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter
höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert,
unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren
sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der
Bezirks-Synagoge Schmieheim zu melden.
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch
Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach
erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen
werden.
Schmieheim, den 22. Januar 1838. Großherzogliche
Bezirks-Synagoge. J. Ginsburger." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1890: "In der
israelitischen Gemeinde Nonnenweier (Baden) ist zum 1. April 1890 die Stelle
eines Vorsängers und Schächters zu besetzen. Festes Einkommen 700 Mark.
Nebeneinkommen 3-400 Mark nebst freier Wohnung. Verlangt wird etwas musikalische
Bildung und die Befähigung zum Erteilen des Religionsunterrichts. Ledige
Bewerber werden bevorzugt. Offerten sind bis Ende Januar nächsten Jahres an den
Unterzeichneten zu richten.
Schmieheim (Baden), im Dezember 1889. Dr. M. Ravicz,
Bezirksrabbiner." |
Berichte aus dem jüdischen
Gemeindeleben
Gegen jüdische Einwohner gerichtete Anschläge in
Nonnenweier (1920)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 30. Januar 1920: "Der 'Badische Beobachter' (Karlsruhe) vom
20. dieses Monats berichtet aus Nonnenweier (Amt Lahr): Der Heimatort des
gefallenen Sozialisten Frank hat ein Gendarmeriekommando erhalten, weil
dort schon einige Male gegen die Juden mit Maschinengewehr und
Handgranaten gezielt wurde. Die Neujahrsnacht haben die Israeliten in den
Kellern verbracht." |
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Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 6. Februar 1920: Text wie oben. |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zwei Obligationen durch den "Judenschulz Moses
Wertheimer von Nonnenweier" aus den Jahren 1772/1774 werden gestrichen
(1830)
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den
See-Kreis" von 1830 S. 376 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen) mit
zweimaliger Nennung den "Judenschulzen Moses Wertheimer von
Nonnenweier"
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100. Geburtstag von Moses Moch (1903)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1903: "Diersburg
(Baden). Am Schabbat Paraschat Lech Lecha begeht Herr Moses Moch
von Nonnenweier seinen hundertsten Geburtstag. Aus diesem Anlass will
seine Geburtsgemeinde Nonnenweier dieser Tag festlich begehen. An alle
jüdischen Gemeinden Badens ergingen Einladungen, durch Deputationen
diesen hoch betagten Mann zu ehren. Seine Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr.
Rawicz in Offenburg, wird den Jubilar, geführt von drei Altersgenossen,
einem Fünfundneunzigjährigen und zwei Vierundachtzigjährigen, an der
Grenze empfangen und anreden. Der Jubilar erfreut sich trotz eines im
vorigen Jahre überstandenen Unwohlseins einer ausgezeichneten Frische und
Rüstigkeit. Seine Familie besteht aus fünf Kindern, einer großen Zahl
von Enkeln und Urenkeln. Seine Frau wurde ihm schon vor Jahrzehnten
entrissen, und fand er Ersatz in der Liebe und Hochachtung seiner Kinder.
Anlässlich einer Brith-Miloh-Feier seines Enkels war er vor drei Jahren
hier am Platze und setzte alle Anwesenden durch seine klare, hell tönende
Stimme in Erstaunen; auch liest er noch ohne Brille und beteiligt sich
lebhaft an Unterhaltungen. An Rosch Haschona wurde er zur Tora aufgerufen und
sprach mit kräftiger Stimme die Torabenediktion. Möge diesem frommen und
ehrwürdigen Hundertjährigen noch ein recht glücklicher Lebensabend im
Kreise seiner Familie beschieden sein." |
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Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. November
1903: "Lahr. Der Großherzog ließ dem Moses Moch in Nonnenweier
anlässlich dessen 100. Geburtstag ein Geschenk von 100 Mark
überweisen." |
Wahl von Dr. Ludwig Frank in den
Landtag (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. November
1905: "Karlsruhe. Herr Rechtsanwalt Dr. Ludwig Frank aus Mannheim ist
in der Stichwahl in den Landtag gewählt worden; er hat sich bedeutende
Sympathien erworben, als er anlässlich der Kischinewer Greuel seinerzeit
eine große Protestversammlung in Mannheim einberief, sich dabei als
hervorragender Kenner der Verhältnisse der russischen Juden erwies. Auch
in Mannheim ist ein Glaubensgenosse, Herr Süskind, in den badischen
Landtag gewählt. Von Interesse dürfte ferner sein, dass der im vierten
Bezirk Mannheim gewählte Nationalliberale E. Mayer getaufter Jude
ist." |
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| Anmerkung: Ludwig Frank (1874 Nonnenweier-1914, gefallen bei
Baccarat/Frankreich), Rechtsanwalt in Mannheim, wurde 1906 Mitglied des Reichstags (sozialdemokratische Fraktion), galt Jahre hindurch als der glänzendste Sprecher im Deutschen Reichstag und gehörte zu den Vorkämpfern der Arbeiterjugendbewegung. In Mannheim erinnert ein Denkmal an ihn, gleichfalls ist in Mannheim seit 1974 eine Bundeswehrkaserne nach ihm benannt (vgl. auch Lahr). In Nonnenweier ist an seinem Geburtshaus Poststr.4 eine Gedenktafel angebracht; die Grundschule heißt
"Ludwig-Frank-Schule". |
Über Dr. Ludwig Frank (1912)
Anmerkung: in einem Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des
Judentums" werden mehrere jüdische Reichstagsabgeordnete
vorgestellt.
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 5. April 1912: "Dr. Frank in Mannheim. Ich bin am 23.
Mai 1874 in Nonnenweier in Baden geboren. Seit 1900 bin ich Rechtsanwalt
in Mannheim. Dem badische Landtage gehöre ich sein 1905, dem Reichstage
seit 1907 an." |
Beschädigung des Denkmals für Dr. Ludwig Frank in
Mannheim (1933)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und
Umgebung" vom 5. Mai 1933:
"Denkmalsbeschädigung in Mannheim.
Durch unbekannte Täter wurde das vom Reichsbanner errichtete Denkmal
für den bereits im September 1914 als Kriegsfreiwilliger gefallenen
sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Frank schwer
beschädigt. Die Plakette mit dem Kopf Franks wurde aus dem Stein
herausgerissen. die Inschrift besudelt und die Ecken des Monuments wurden
abgeschlagen. Das 'Hakenkreuzbanner' hatte bereits einige Tage vorher
gefordert, dass das Denkmal den ihm gebührenden Platz auf dem
israelitischen Friedhof erhalte. Die Tat wird allseits
verurteilt." |
Ergänzender Hinweis zu Regine (Julie) Jolberg geb.
Zimmern (1800 bis 1870)
Die Gründerin des seit 1849 in Nonnenweier
bestehenden Mutterhauses für Kinderpflegerinnen
war Regine (Julie) Jolberg geb. Zimmern. Diese ist im Juni 1800 in
Frankfurt/Main als Tochter des jüdischen Handelsmannes/Bankiers David
Zimmern und der Zippora geb. Ullmann geboren (ihr Großvater Josua genannt
Seligmann Zimmern (gest. 1781) war Judenschaftsvorsteher der Kurpfalz, der
Urgroßvater David Ullmann war Oberrabbiner der Kurpfalz). Regine
heiratete in erster Ehe Dr. Joseph Neustetel aus Hanau (gest. 1825), in
zweiter Ehe 1826 Dr. Salomon (Theodor) Jolberg aus Kassel, mit dem sie zum
christlichen Glauben konvertierte. Nach dem Tod des zweiten Mannes widmete
sie sich ausschließlich der Erziehung ihrer beiden Töchter und der
Pflege ihres Vaters (gest. 1845). 1840 richtete sie in Leutesheim bei Kehl
eine Arbeitsschule und ein Mutterhaus für Kinderpflegerinnen ein. 1849
wurde sie durch die damaligen Ereignisse von dort vertrieben und
übersiedelte mit der Einrichtung und den Mitarbeiterinnen zunächst nach
Langenwinkel bei Lahr, 1851 nach Nonnenweiter. Hier wurden in der
Folgezeit zahlreiche Kinderpflegerinnen ausgebildet (bis 1870: 358). Sie
wurden in ganz Südwestdeutschland und der deutschen Schweiz eingesetzt.
Die Einrichtung besteht bis heute als "Evangelisches
Diakonissenhaus Nonnenweier e.V."
Quellen: Artikel
zu "Jolberg, Regine (Julie), geborene Zimmern" in der Deutschen
Biographie; Wikipedia-Artikel
Regine Jolberg |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Zigarrenfabrikanten A.B. Weil (1884)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1884: "Es
wird wohl nicht jedem bekannt sein, dass ein ziemlicher Teil einer Zigarre
vom Kopf ab, den man beim Rauchen im Mund hat, nicht koscher ist, da
derselbe um das Deckblatt fest anzukleben, mit Gummitrachant, mehr als
davon gewöhnlich abgeschnitten und man im Mund hat, bestrichen und
beklebt wird. Um nun diesem Zustand abzuhelfen, habe ... einen besonderen
koscheren Beklebstoff in Anwendung bringen lassen, bestehend in feiner
Reisstärke, vermischt mit koscherem Zichorienwasser, um dadurch einen
braunen Beklebstoff zu bekommen, der dem nicht koscheren Gummitrachant, in
Farbe gleich kommt. Somit erhält jeder Raucher, der es wünscht, eine
preiswürdige koschere Zigarre, die zu beziehen aus meiner Fabrik in 1/10
Kistchen, zu Mark 2.50 Pf. an bis zu 10 Mark unter Nachnahme frei nach
einem jeden Ort. - Bei größerer Abnahme entsprechend billiger. Besonders
erhalten Wiederverkäufer einen angemessenen Rabatt.
Referenzen: Herr Dr. Rawitzki, Bezirksrabbiner in Schmieheim.
Nonnenweier (Baden), 19. Februar 1884. A.B. Weil,
Zigarrenfabrikant." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Von einer Synagoge wird erstmals 1771
berichtet (damals schon der Standort: Schmidtenstraße 10). Von diesem Jahr
datiert ein Inquisitionsprotokoll "der Offenburgischen Reichsstadt contra
Christian Bühler und Johannes Kürz", welche den Pastor bestohlen und die
Synagoge beraubt haben sollen. Näheres weiß man über diese Angelegenheit
nicht.
1806 wurde das Gebäude renoviert. Zur Finanzierung
hatte die jüdische Gemeinde unter anderem den Beschluss gefasst, dass von jedem
Pferdehandel 12 kr., von jedem Rindviehhandel 6 kr., "es mag im Dorfe
geschehen oder auswärts", abzugeben waren. Wer für einen Fremden Tiere
verhandelte und dafür Maklerlohn erhielt, musste gleichfalls zahlen. Wöchentlich
waren diese Beträge abzuliefern.
Ein größerer Umbau der Synagoge fand 1865 statt.
Aus den Veränderungen, die vorgenommen wurde, kann man sich ein ungefähres
Bild von dem früheren Zustand machen. Die sogenannte Vorsynagoge war durch eine
Riegelwand vom Innenraum abgegrenzt. Von dem Vorraum aus wurde zur
Frauenabteilung eine Treppe errichtet. Demnach bildete der Betsaal ursprünglich
ein einheitliches Ganzes. Damals wurden die beweglichen Ständer und der Almemor
abgeschafft. Erstere wurden durch feste Bänke, letzterer durch einen großen
Pult ersetzt. Außerdem wurden neue Fenster und ein neuer Toraschrein eingebaut.
Die Kosten beliefen sich auf 1000 Gulden. Zu deren Bestreitung wurde durch
Gemeindebeschluss sämtlichen Gemeindemitgliedern, die ein Vermögen von
mindestens 500 Gulden hatten, eine Darlehensumlage von 30 kr. pro Gulden
auferlegt. Die Innenausstattung der Synagoge erfuhr bei der Renovierung 1865
keine wesentlichen Veränderungen: zwei große und fünf kleine Messingleuchter;
zwei Torarollen auf Pergament geschrieben, ein Vorhang vor der heiligen Lade
befanden sich schon 1862 im Gemeindeeigentum. Eine Torarolle nebst dem dazu gehörigen
Mäntelchen hatte die Gemeinde 1790 für 3 1/2 neue Louisdors gekauft. Später
haben Moses Frank einen Vorhang nebst Pultbehang, Emanuel Dreifuß eine
Torarolle, Isay Meyer ebenfalls eine Torarolle sowie einen Vorhang mit
Pultbehang und entsprechendem Toramäntelchen, ferner einen versilberten, mit
wertvoller Gravierarbeit versehenen Toraschild und einen Zeiger (Jad) gestiftet.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch
Brandstiftung zerstört, der Platz später eingeebnet. Die Torarollen konnten
nach Berichten vorher noch gerettet werden. Näheres ist jedoch unbekannt. Auf dem Dachboden eines Hauses in Nonnenweier fand sich vor
einigen Jahren ein silberner
Torazeiger. Das Haus hat früher einer "Nazigröße" des Ortes
gehört.
Fotos
Historische Ansichten:
(Quellen: Ansichtskarte Sammlung Hahn; Foto: Hundsnurscher/Taddey
s.Lit.)
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Historische
Ansichtskarte von Nonnenweier (verschickt 1904); rechts
Ausschnitt der
Synagoge. |
Die Synagoge in Nonnenweier
(Foto vor 1938) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum 1.9.2003) |
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Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge |
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Gedenkstein für die ehemalige
Synagoge
auf der gegenüberliegenden Straßenseite |
Inschrift des
Gedenksteines |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 214-217. |
 | Karl Ludwig Bender/Joachim Krämer/Eugen Eble:
Ortssippenbuch Nonnenweier. 1971. S.151-168. |
 | Hildegard Kattermann, Das Ende einer jüdischen Landgemeinde.
Nonnenweier in Baden 1933-1945. Freiburg im Breisgau 1984. |
 | Elfie Labsch-Benz: Die jüdische Gemeinde Nonnenweier. Jüdisches
Leben und Brauchtum einer bad. Landgemeinde zu Beginn des 20. Jahrhundert.
Freiburg im Breisgau 1981². |
 | Günter Boll: Die ersten Generationen der jüdischen Familien
Wertheimer von Nonnenweier, in: Ortenau 80 2000 S. 229-236.
|
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. . |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Nonnenweier Baden.
Jews helped to resettle the town after it was destroyed in the War of the
Spanish Succession (1701-1714). By 1744 Jews were among its property owners. The
Jewish population rose to 249 in 1871, with the synagogue enlarged in 1865 and a
cemetery opened in 1880. A Jewish
elementary school operated from 1840. Throughout the 19th century there were
frequent incidents of vandalism against Jewish property and full-scale riots in
1846 when the subject of Jewish civil rights was being debated in Baden's
Landtag. By 1927, 15 young Jews from Nonnenweier had graduated from Heidelberg
University. The most prominent was the jurist Ludwig Frank (1874-1914), the
first Reichstag member to volunteer in Worldwar I, where he lost his life. In
1933, 65 Jews remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was destroyed and all Jewish men sent to the Dachau concentration
camp. At least 30 Jews managed to emigrate from Germany in the Nazi era; another
28 were deported to Gurs and other concentration camps.

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