Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Nonnenweier (Gemeinde Schwanau, Ortenaukreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Ritterkanton Ortenau gehörenden Nonnenweier bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden Juden 1707 am Ort genannt. Kaut Eintrag im Heimburgerrehister von 1708 zahlte "der Jude" für 2 Jahre 6 Gulden Weidgeld. Unter den ersten jüdischen Einwohnern (vielleicht identisch mit der 1708 genannten Person) war der 1722 verstorbene Wolf Wertheimer, dessen Nachkommen während sieben Generationen in Nonnenweier ansässig waren. 
  
1780 zählte die jüdische Gemeinde bereits fünfzehn Familien, 1789 betrug die Zahl der steuerpflichtigen jüdischen Einwohner 23. 1809 waren es 35 Familien mit über 100 Personen. 1806 werden folgende Familiennamen jüdischer Einwohner genannt: Dreyfuß, Frank, Levi, Meyer, Moch, Simon, Wertheimer, Weil. Noch nicht genannt werden die Namen Baum und Metzger: vermutlich wurden später die Familiennamen Levi mit Baum und Simon mit Metzger "verdeutscht" (gemäß behördlicher Bestimmungen). Im 18. Jahrhundert lebten die jüdischen Familien vor allem vom Viehhandel oder vom Hausierhandel mit Kram-, Kurz- und Ellenwaren.   
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule (seit 1833 bis 1876 jüdische Volksschule, Gebäude Ottenheimer Strauße 10; Anwesen wurde 1840 durch den Anbau einer Lehrerwohnung und eines Schulzimmers erweitert), ein rituelles Bad (im Schulgebäude) und einen Friedhof. Das Schulgebäude wurde nach Auflösung der jüdischen Konfessionsschule 1876 als jüdisches Gemeindehaus verwendet (als Wohnhaus erhalten). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Schmieheim zugeteilt, dessen Sitz 1893 nach Offenburg verlegt wurde.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 112 jüdische Einwohner, 1832 126, 1836 177, 1839 187, 1864 240, 1871 249, 1875 233, 1880 235, um 1885 höchste Zahl mit 250 Personen, 1890 223, 1895 206, 1905 195, 1910 142. 
  
In Nonnenweier ist 1874 der spätere Rechtsanwalt und sozialdemokratische Landtags- und Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Frank geboren, der 1914 in Frankreich gefallen ist. Zahlreiche andere Akademiker entstammen der jüdischen Gemeinde Nonnenweier: die Juristen Dr. Daniel Mayer, Dr. Hugo Schleicher, Dr. Berthold Moch und Dr. Iwan Meyer; die Ärzte Dr. Josef Wertheimer, Dr. Josef Meyer (Medizinalrat) und Dr. Kaufmann; die Gymnasialprofessoren Dr. Jenny Dreyfuß, Dr. Simon Bloch und Baruch Frank. Zu nennen sind auch der Gutsverwalter Alexander Moch, der Apotheker Max Metzger, die Dentistin Thea Höchster sowie die Lehrer und Kantoren SImon Metzger, Hermann Piccard, Heinrich Moch, Isac Baum, Berthold Frank und Meyer Moch.   
 
Das noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts zeitweise sehr angespannte Verhältnisse zwischen Juden und Christen am Ort (1846 kam es wiederholt zu Ausschreitungen gegen die Juden) besserte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Charakteristisch dafür war die Grundsteinlegung für die neue evangelische Kirche 1906, bei der der Synagogenrat anwesend war und die jüdische Gemeinde zur Ausschmückung der Kirche beisteuerte.  
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Max Baum (geb. 8.7.1898 in Nonnenweier, gef. 15.8.1917), Nathan Frank (geb. 11.12.1879 in Nonnenweier, gef. 15.5.1915), Max Wertheimer (geb. 11.11.1893 in Nonnenweier, gef. 25.5.1915). Außerdem sind gefallen: Ernst Baum (geb. 29.10.1880 in Nonnenweier, vor 1914 in Bretten wohnhaft, gef. 31.8.1915), der bereits genannte Dr. Ludwig Frank (geb. 23.5.1874 in Nonnenweier, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 3.9.1914), Gefreiter Josef Moch (geb. 19.8.1885 in Nonnenweier, vor 1914 in Mainz wohnhaft, gef. 2.11.1916). Die Namen der Gefallenen stehen auf dem Gefallenendenkmal der Gemeinde. 
    
Um 1924, als zur Gemeinde noch 89 Personen gehörten (5,2 % von insgesamt etwa 1.600 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Hermann Moch, Samuel Metzger und Heinrich Moch. Als Rechner und Gemeindediener war Meier Meier tätig. Den Religionsunterricht der damals drei zu unterrichtenden Kinder erteilte Oberlehrer a.D. Nathan Schleicher. An jüdischen Vereinen gab es u.a. einen Jünglingsverein (gegründet 1856), einen Synagogenchor (wurde 1914 bei Kriegsausbruch wegen Mitgliedermangel aufgelöst, 1927 von Oberlehrer Schleicher neu gebildet), einen Israelitischen Krankenverein (gegründet 1865, 1924/32 unter Leitung von Julius Baum mit 30/31 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung hilfsbedürftiger Kranker, Bestattung). 1932 waren die Gemeindevorsteher Markus Wertheimer (1. Vorsitzender), Max Meier (2. Vors.) und Moritz Baum (3. Vors.). Als Lehrer der damals vier zu unterrichtenden Kinder war weiterhin Nathan Schleicher tätig.    
  
Bis nach 1933 bestanden noch zahlreiche jüdische Handels- und Gewerbebetriebe, darunter Viehhandlungen, Kolonialwarengeschäfte, eine Mehl- und Getreidegroßhandlung. Dazu gab es bis nach 1933 die Einrichtungen der "Judenmetzgerei" von Jakob Meyer (Schmidtengasse 6) und der jüdischen Wirtschaft "Zum Strauß" mit koscherer Metzgerei von David Frank (Hauptstraße 30).
      
1933 lebten noch 65 jüdische Personen in Nonnenweier. Auf Grund der zunehmenden Entrechtung, des Boykotts und weiterer Repressalien verzog ein größerer Teil von ihnen in andere Orte oder wanderte aus. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.) und der jüdische Friedhof geschändet. Die jüdischen Männer wurden nach Dachau everschleppt, wo am 12. Dezember 1938 der Viehhändler Julius Baum umgekommen ist. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 27 jdischen Einwohner nach Gurs deportiert. Von ihnen kehrte 1947 nur Jette Rosenberger im Alter von 78 Jahren zurück; sie starb in Nonnenweier 1950.     
   
Von den in Nonnenweier geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha (Betty) Baum geb. Meier (1875), Eleonore Baum geb. Prötz (1904), Julius Baum (1857), Leo Baum (1889), Leopold Baum (1860), Ludwig Baum (1895), Rosa Baum geb. Dreifuss (1864), Sara Baum geb. Bloch (1855), Toni Bloch (1889), Emil Dreifuss (1870), Jenny Dreifuss (1893), Max Dreifuss (1872), Max Frank (1881), Simon Fürth (1863), Sophie Goldschmidt geb. Frank (1877), Leonie Lehmann geb. Meier (1887), Martha Gertrud Maier geb. Abraham (1904), Friedrich Meier (1886), Isidor Meier (1883), Jakob Meier (1865), Karoline Meier geb. Kahn (1885), Meier Meier (1866), Sophie Meier geb. Weingarten (1870), Auguste Metzger (1894), Abraham Moch (1866), Adolf Moch (1890), Balbine Lina Moch geb. Weil (1867), Hermann Heinrich Moch (1892), Hilda Moch (1904), Max Moch (1904, seit 1934 in Konstanz; im Juni 2014 wurde für ihn in Konstanz ein "Stolperstein" verlegt, siehe Presseartikel in der Badischen Zeitung vom 28.6.2014), Sofie Moch (1903), Sofie Moch geb. Schleicher (1892), Wilhelm Moch (1891), Johanna Rosenberg (1870), Zerline Stengel geb. Meier (1858), Hilda Weil geb. Baum (1888), Josef Weil (1887), Robert Weil (1923).  
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1838 /  1890 

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1838 S. 125 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Schmieheim. (Vakante israelitische Schulstelle). 
Bei der israelitischen Gemeinde Nonnenweier ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 125 Gulden sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen circa 50 Gulden verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Schmieheim zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden.
Schmieheim, den 22. Januar 1838. Großherzogliche Bezirks-Synagoge. J. Ginsburger."    
 
Nonnenweier Israelit 02011890.jpg (40186 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1890: "In der israelitischen Gemeinde Nonnenweier (Baden) ist zum 1. April 1890 die Stelle eines Vorsängers und Schächters zu besetzen. Festes Einkommen 700 Mark. Nebeneinkommen 3-400 Mark nebst freier Wohnung. Verlangt wird etwas musikalische Bildung und die Befähigung zum Erteilen des Religionsunterrichts. Ledige Bewerber werden bevorzugt. Offerten sind bis Ende Januar nächsten Jahres an den Unterzeichneten zu richten. 
Schmieheim (Baden), im Dezember 1889. Dr. M. Ravicz, Bezirksrabbiner." 

   
Leopold Mayer wird Lehrer und Vorsänger in Nonnenweier (1842)       

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 5. Oktober 1842 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Dienst-Nachrichten. Die mit dem Vorsängerdienste vereinigte Lehrstelle an der neuerrichteten öffentlichen Schule bei der israelitischen Gemeinde Nonnenweier, im Mittelrheinkreise, wurde dem bisherigen Religionsschullehrer und Vorsänger bei derselben, Schulkandidaten Leopold Mayer von Wiesloch, übertragen."     

  
   
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben   
 
Gegen jüdische Einwohner gerichtete Anschläge in Nonnenweier (1920)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Januar 1920: "Der 'Badische Beobachter' (Karlsruhe) vom 20. dieses Monats berichtet aus Nonnenweier (Amt Lahr): Der Heimatort des gefallenen Sozialisten Frank hat ein Gendarmeriekommando erhalten, weil dort schon einige Male gegen die Juden mit Maschinengewehr und Handgranaten gezielt wurde. Die Neujahrsnacht haben die Israeliten in den Kellern verbracht."       
 
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Februar 1920: Text wie oben.    

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde      
        
Zwei Obligationen durch den "Judenschulz Moses Wertheimer von Nonnenweier" aus den Jahren 1772/1774 werden gestrichen (1830)         

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1830 S. 376 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen) mit zweimaliger Nennung den "Judenschulzen Moses Wertheimer von Nonnenweier"    

    

    
100. Geburtstag von Moses Moch (1903)  

Nonnenweier Israelit 29101903.jpg (115984 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1903: "Diersburg (Baden). Am Schabbat Paraschat Lech Lecha begeht Herr Moses Moch von Nonnenweier seinen hundertsten Geburtstag. Aus diesem Anlass will seine Geburtsgemeinde Nonnenweier dieser Tag festlich begehen. An alle jüdischen Gemeinden Badens ergingen Einladungen, durch Deputationen diesen hoch betagten Mann zu ehren. Seine Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Rawicz in Offenburg, wird den Jubilar, geführt von drei Altersgenossen, einem Fünfundneunzigjährigen und zwei Vierundachtzigjährigen, an der Grenze empfangen und anreden. Der Jubilar erfreut sich trotz eines im vorigen Jahre überstandenen Unwohlseins einer ausgezeichneten Frische und Rüstigkeit. Seine Familie besteht aus fünf Kindern, einer großen Zahl von Enkeln und Urenkeln. Seine Frau wurde ihm schon vor Jahrzehnten entrissen, und fand er Ersatz in der Liebe und Hochachtung seiner Kinder. Anlässlich einer Brith-Miloh-Feier seines Enkels war er vor drei Jahren hier am Platze und setzte alle Anwesenden durch seine klare, hell tönende Stimme in Erstaunen; auch liest er noch ohne Brille und beteiligt sich lebhaft an Unterhaltungen. An Rosch Haschona wurde er zur Tora aufgerufen und sprach mit kräftiger Stimme die Torabenediktion. Möge diesem frommen und ehrwürdigen Hundertjährigen noch ein recht glücklicher Lebensabend im Kreise seiner Familie beschieden sein."
  
Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. November 1903: "Lahr. Der Großherzog ließ dem Moses Moch in Nonnenweier anlässlich dessen 100. Geburtstag ein Geschenk von 100 Mark überweisen."   

  
Wahl von Dr. Ludwig Frank in den Landtag (1905) 

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. November 1905: "Karlsruhe. Herr Rechtsanwalt Dr. Ludwig Frank aus Mannheim ist in der Stichwahl in den Landtag gewählt worden; er hat sich bedeutende Sympathien erworben, als er anlässlich der Kischinewer Greuel seinerzeit eine große Protestversammlung in Mannheim einberief, sich dabei als hervorragender Kenner der Verhältnisse der russischen Juden erwies. Auch in Mannheim ist ein Glaubensgenosse, Herr Süskind, in den badischen Landtag gewählt. Von Interesse dürfte ferner sein, dass der im vierten Bezirk Mannheim gewählte Nationalliberale E. Mayer getaufter Jude ist."
  
Anmerkung: Ludwig Frank (1874 Nonnenweier-1914, gefallen bei Baccarat/Frankreich), Rechtsanwalt in Mannheim, wurde 1906 Mitglied des Reichstags (sozialdemokratische Fraktion), galt Jahre hindurch als der glänzendste Sprecher im Deutschen Reichstag und gehörte zu den Vorkämpfern der Arbeiterjugendbewegung. In Mannheim erinnert ein Denkmal an ihn, gleichfalls ist in Mannheim seit 1974 eine Bundeswehrkaserne nach ihm benannt (vgl. auch Lahr). In Nonnenweier ist an seinem Geburtshaus Poststr.4 eine Gedenktafel angebracht; die Grundschule heißt "Ludwig-Frank-Schule".

   
Über Dr. Ludwig Frank (1912)    
Anmerkung: in einem Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" werden mehrere jüdische Reichstagsabgeordnete vorgestellt.  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. April 1912: "Dr. Frank in Mannheim. Ich bin am 23. Mai 1874 in Nonnenweier in Baden geboren. Seit 1900 bin ich Rechtsanwalt in Mannheim. Dem badische Landtage gehöre ich sein 1905, dem Reichstage seit 1907 an."        

 

Nonnenweier AZJ 18091914.jpg (356442 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. September 1914:   
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildungen anklicken.        
Nonnenweier AZJ 18091914a.jpg (172815 Byte)

  
Beschädigung des Denkmals für Dr. Ludwig Frank in Mannheim (1933)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung" vom 5. Mai 1933: 
"Denkmalsbeschädigung in Mannheim. 
Durch unbekannte Täter wurde das vom Reichsbanner errichtete Denkmal für den bereits im September 1914 als Kriegsfreiwilliger gefallenen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Frank schwer beschädigt. Die Plakette mit dem Kopf Franks wurde aus dem Stein herausgerissen. die Inschrift besudelt und die Ecken des Monuments wurden abgeschlagen. Das 'Hakenkreuzbanner' hatte bereits einige Tage vorher gefordert, dass das Denkmal den ihm gebührenden Platz auf dem israelitischen Friedhof erhalte. Die Tat wird allseits verurteilt."        

   
Ergänzender Hinweis zu Regine (Julie) Jolberg geb. Zimmern (1800 bis 1870) 

Die Gründerin des seit 1849 in Nonnenweier bestehenden Mutterhauses für Kinderpflegerinnen war Regine (Julie) Jolberg geb. Zimmern. Diese ist im Juni 1800 in Frankfurt/Main als Tochter des jüdischen Handelsmannes/Bankiers David Zimmern und der Zippora geb. Ullmann geboren (ihr Großvater Josua genannt Seligmann Zimmern (gest. 1781) war Judenschaftsvorsteher der Kurpfalz, der Urgroßvater David Ullmann war Oberrabbiner der Kurpfalz). Regine heiratete in erster Ehe Dr. Joseph Neustetel aus Hanau (gest. 1825), in zweiter Ehe 1826 Dr. Salomon (Theodor) Jolberg aus Kassel, mit dem sie zum christlichen Glauben konvertierte. Nach dem Tod des zweiten Mannes widmete sie sich ausschließlich der Erziehung ihrer beiden Töchter und der Pflege ihres Vaters (gest. 1845). 1840 richtete sie in Leutesheim bei Kehl eine Arbeitsschule und ein Mutterhaus für Kinderpflegerinnen ein. 1849 wurde sie durch die damaligen Ereignisse von dort vertrieben und übersiedelte mit der Einrichtung und den Mitarbeiterinnen zunächst nach Langenwinkel bei Lahr, 1851 nach Nonnenweiter. Hier wurden in der Folgezeit zahlreiche Kinderpflegerinnen ausgebildet (bis 1870: 358). Sie wurden in ganz Südwestdeutschland und der deutschen Schweiz eingesetzt. Die Einrichtung besteht bis heute als "Evangelisches Diakonissenhaus Nonnenweier e.V."  
Quellen: Artikel zu "Jolberg, Regine (Julie), geborene Zimmern" in der Deutschen Biographie; Wikipedia-Artikel Regine Jolberg          

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige des Zigarrenfabrikanten A.B. Weil (1884) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1884: "Es wird wohl nicht jedem bekannt sein, dass ein ziemlicher Teil einer Zigarre vom Kopf ab, den man beim Rauchen im Mund hat, nicht koscher ist, da derselbe um das Deckblatt fest anzukleben, mit Gummitrachant, mehr als davon gewöhnlich abgeschnitten und man im Mund hat, bestrichen und beklebt wird. Um nun diesem Zustand abzuhelfen, habe ... einen besonderen koscheren Beklebstoff in Anwendung bringen lassen, bestehend in feiner Reisstärke, vermischt mit koscherem Zichorienwasser, um dadurch einen braunen Beklebstoff zu bekommen, der dem nicht koscheren Gummitrachant, in Farbe gleich kommt. Somit erhält jeder Raucher, der es wünscht, eine preiswürdige koschere Zigarre, die zu beziehen aus meiner Fabrik in 1/10 Kistchen, zu Mark 2.50 Pf. an bis zu 10 Mark unter Nachnahme frei nach einem jeden Ort. - Bei größerer Abnahme entsprechend billiger. Besonders erhalten Wiederverkäufer einen angemessenen Rabatt. 
Referenzen: Herr Dr. Rawitzki, Bezirksrabbiner in Schmieheim
Nonnenweier (Baden), 19. Februar 1884. A.B. Weil, Zigarrenfabrikant."      

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge          
   
Von einer Synagoge wird erstmals 1771 berichtet (damals schon der Standort: Schmidtenstraße 10). Von diesem Jahr datiert ein Inquisitionsprotokoll "der Offenburgischen Reichsstadt contra Christian Bühler und Johannes Kürz", welche den Pastor bestohlen und die Synagoge beraubt haben sollen. Näheres weiß man über diese Angelegenheit nicht.  
  
1806 wurde das Gebäude renoviert. Zur Finanzierung hatte die jüdische Gemeinde unter anderem den Beschluss gefasst, dass von jedem Pferdehandel 12 kr., von jedem Rindviehhandel 6 kr., "es mag im Dorfe geschehen oder auswärts", abzugeben waren. Wer für einen Fremden Tiere verhandelte und dafür Maklerlohn erhielt, musste gleichfalls zahlen. Wöchentlich waren diese Beträge abzuliefern.   
  
Ein größerer Umbau der Synagoge fand 1865 statt. Aus den Veränderungen, die vorgenommen wurde, kann man sich ein ungefähres Bild von dem früheren Zustand machen. Die sogenannte Vorsynagoge war durch eine Riegelwand vom Innenraum abgegrenzt. Von dem Vorraum aus wurde zur Frauenabteilung eine Treppe errichtet. Demnach bildete der Betsaal ursprünglich ein einheitliches Ganzes. Damals wurden die beweglichen Ständer und der Almemor abgeschafft. Erstere wurden durch feste Bänke, letzterer durch einen großen Pult ersetzt. Außerdem wurden neue Fenster und ein neuer Toraschrein eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 1000 Gulden. Zu deren Bestreitung wurde durch Gemeindebeschluss sämtlichen Gemeindemitgliedern, die ein Vermögen von mindestens 500 Gulden hatten, eine Darlehensumlage von 30 kr. pro Gulden auferlegt. Die Innenausstattung der Synagoge erfuhr bei der Renovierung 1865 keine wesentlichen Veränderungen: zwei große und fünf kleine Messingleuchter; zwei Torarollen auf Pergament geschrieben, ein Vorhang vor der heiligen Lade befanden sich schon 1862 im Gemeindeeigentum. Eine Torarolle nebst dem dazu gehörigen Mäntelchen hatte die Gemeinde 1790 für 3 1/2 neue Louisdors gekauft. Später haben Moses Frank einen Vorhang nebst Pultbehang, Emanuel Dreifuß eine Torarolle, Isay Meyer ebenfalls eine Torarolle sowie einen Vorhang mit Pultbehang und entsprechendem Toramäntelchen, ferner einen versilberten, mit wertvoller Gravierarbeit versehenen Toraschild und einen Zeiger (Jad) gestiftet. 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung zerstört, der Platz später eingeebnet. Die Torarollen konnten nach Berichten vorher noch gerettet werden. Näheres ist jedoch unbekannt. Auf dem Dachboden eines Hauses in Nonnenweier fand sich vor einigen Jahren ein silberner Torazeiger. Das Haus hat früher einer "Nazigröße" des Ortes gehört.  
   
   
   
Fotos 
Historische Ansichten: 
(Quellen: Ansichtskarte Sammlung Hahn; Foto: Hundsnurscher/Taddey s.Lit.)  

Nonnenweier Synagoge 031.jpg (65805 Byte) Nonnenweier Synagoge 030.jpg (72417 Byte) Nonnenweier Synagoge 001.jpg (89318 Byte)
Historische Ansichtskarte von Nonnenweier (verschickt 1904); rechts 
Ausschnitt der Synagoge.  
Die Synagoge in Nonnenweier 
(Foto vor 1938) 

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 1.9.2003) 
Nonnenweier Synagoge 150.jpg (44153 Byte) Nonnenweier Synagoge 151.jpg (56730 Byte)
  Das Grundstück der ehemaligen Synagoge 
    
   Nonnenweier Synagoge 153.jpg (87024 Byte) Nonnenweier Synagoge 152.jpg (58670 Byte)
    Gedenkstein für die ehemalige Synagoge
 auf der gegenüberliegenden Straßenseite 
Inschrift des 
Gedenksteines 

   
    

Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde Schwanau  
Torazeiger aus Nonnenweier: hier anklicken   
Biografisches zu "Mutter Jolberg" (Regine Julie Jolberg), der Begründerin des Diakonissenhauses in Nonnenweier, die aus einer jüdischen Familie Frankfurts stammte: hier anklicken   

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 214-217. 
Karl Ludwig Bender/Joachim Krämer/Eugen Eble: Ortssippenbuch Nonnenweier. 1971. S.151-168. 
Hildegard Kattermann, Das Ende einer jüdischen Landgemeinde. Nonnenweier in Baden 1933-1945. Freiburg im Breisgau 1984. 
Elfie Labsch-Benz: Die jüdische Gemeinde Nonnenweier. Jüdisches Leben und Brauchtum einer bad. Landgemeinde zu Beginn des 20. Jahrhundert. Erschien in der Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden 60. Jahresband 1980. S. 252-304.  Kann online gelesen werden.    
Freiburg im Breisgau 1981².    
Günter Boll: Die ersten Generationen der jüdischen Familien Wertheimer von Nonnenweier, in: Ortenau 80 2000 S. 229-236. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S.   .   
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007. 

      
       


 
 
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Nonnenweier  Baden. Jews helped to resettle the town after it was destroyed in the War of the Spanish Succession (1701-1714). By 1744 Jews were among its property owners. The Jewish population rose to 249 in 1871, with the synagogue enlarged in 1865 and a cemetery opened in 1880. A Jewish elementary school operated from 1840. Throughout the 19th century there were frequent incidents of vandalism against Jewish property and full-scale riots in 1846 when the subject of Jewish civil rights was being debated in Baden's Landtag. By 1927, 15 young Jews from Nonnenweier had graduated from Heidelberg University. The most prominent was the jurist Ludwig Frank (1874-1914), the first Reichstag member to volunteer in Worldwar I, where he lost his life. In 1933, 65 Jews remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was destroyed and all Jewish men sent to the Dachau concentration camp. At least 30 Jews managed to emigrate from Germany in the Nazi era; another 28 were deported to Gurs and other concentration camps. 
   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Juni 2014