Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In Kehl bestand eine jüdische Gemeinde von 1881 bis 1938; seit 1862 konnten sich jüdische Personen in Kehl niederlassen. In den folgenden vier Jahrzehnten verlegten viele Juden aus den ehemaligen hanauischen Ortschaften Lichtenau, Bodersweier, Rheinbischofsheim und Freistett ihre Wohnsitze nach Kehl. Offiziell bestand die Gemeinde seit dem Beschluss des Staatsministeriums vom 16. August 1881. Erster Gemeindevorsteher war Lippmann Wertheimer.   
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: In Kehl-Stadt (in Klammer dazu Kehl-Dorf) 1864 8 (10) jüdische Einwohner, 1871 2 (1), 1875 8 (1), 1880 90 (5) (= 4,4 % von insgesamt 2.067 Einwohnern), 1890 129 (12), 1900 151 (zusammen in Stadt und Dorf, = 2,1 % von insgesamt 7.127 Einwohnern), 1905  Höchstzahl mit 156 Personen (zusammen in Stadt und Dorf, davon 31 in Kehl-Dorf; = 1,9 % von insgesamt 8.094 Einwohnern), 1910 153 (zus.; = 1,7 % von 8.858), 1925 113 (1,2 % von 9.647 Einwohnern).   
 
Die zugezogenen jüdischen Personen engagierten sich alsbald vielfältig im öffentlichen Leben der Stadt durch Mitgliedschaft im Bürgerausschuss, in politischen Parteien und  Vereinen. Sie betrieben eine Anzahl von Handelsgeschäften und Gewerbebetrieben (siehe Aufstellung unten).  
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und (allerdings erst seit 1924, zuvor Beisetzungen in Freistett) einen eigenen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibung unten). Jahrzehntelang prägte Lehrer Samuel Böttigheimer das Gemeindeleben. Er war seit 1882 in Kehl tätig und konnte 1922 sein 40jähriges Amtsjubiläum in der Stadt feiern. Wenig später wurde Lazarus Mannheimer sein Nachfolger. Er blieb in Kehl bis zur Deportation 1940 und wurde in Auschwitz ermordet).  An jüdischen Vereinen bestanden ein Israelitischer Frauenverein (gegr. 1902; Ziel: Unterstützung der Mitglieder in Krankheitsfällen und zur Verrichtung der Bestattungszeremonien, 1925/32 war Vorsteherin Helene Kaufmann, 1932 40 Mitglieder) sowie die Wandererfürsorgekasse (gegründet 1925, Ziel: Unterstützung von Aus- und Rückwanderern, 1932 Vorsitzender Hauptlehrer Mannheimer). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Bühl
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Jakob Bodenheimer (geb. 22.8.1893 in Kehl, gef. 15.4.1917), Artur Kaufmann (geb. 12.8.1896 in Kehl, gef. 8.2.1915; siehe Text unten), Josef Adolf Liebhold (geb. 7.9.1883 in Neufreistett, gef. 24.3.1918), Jakob Wertheimer (geb. 20.1.1886 in Kehl, gef. 17.10.1918) und Fritz Blum (geb. 10.3.1894 in Kippenheim, gestorben an der Kriegsverletzung 27.11.1920. Außerdem sind aus der Gemeinde gefallen: Robert Kahn (geb. 3.6.1884 in Kehl, vor 1914 in Lahr wohnhaft, gef. 9.10.1918) sowie Oskar Roos (geb. 9.12.1892 in Kehl, vor 1914 in Zweibrücken wohnhaft, gef. 10.9.1914). 
 
Um 1925 waren die Vorsteher der Gemeinde Sigmund Kaufmann (Vorsteher von 1920 bis zu seinem Tod im Mai 1930), Simon Weil, Lazarus Mannheimer und Leopold Bodenheimer. Als Lehrer und Kantor war inzwischen der bereits genannte Lazarus Mannheimer tätig (auch 1932). Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde zehn jüdische Kinder (1932 18 Kinder). 1932 waren die Gemeindevorsteher: Leopold Wertheimer (Großherzog-Friedrich-Straße  9, 1. Vors.), Ludwig Bensinger (Rheinstraße  28, 2. Vors.). Vorsteher der Repräsentanz war Simon Weil (Tullastraße). Vorsitzender des Friedhofsausschusses der Gemeinde war Leopold Wertheimer. 
   
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels-, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Sack- und Deckenfabrik OHG Karl Baum (Siegfriedstraße 8), Fahrradgeschäft Bensinger (Spießgasse), Woll- und Weißwarengeschäft Gertrud Bensinger & Co. (Hauptstraße ), Viehhandlung Louis Bensinger II (Kinzigstraße 48), Leder- und Schuhmacherbedarfsartikel Ludwig Bensinger (Rheinstraße ), Stoffe und Kurzwaren Karoline und Rosa Blum (Adr. unbek.), Pferdehandlung Heinrich Bodenheimer (Rheinstraße 7), Feuerzeuge und Rauchartikel Samuel Bodenheimer (Adr. unbek.), Viehhandlung Emil Dreifuss (Adr. unbek.), Herrenkonfektionsgeschäft Julius Durlacher (Hauptstraße 76), Uhren- und Schmuckgeschäft Bernhard Goldschmidt (Hauptstraße 14), Kurzwarenhandlung Siegmund Gradwohl (Hauptstraße ), Getreide-, Futtermittel- und Mehlhandlung Michael Kaufmann und Söhne, Teilh. Julius Dreifuss und Martin Kaufmann (Schulstraße 14), Vereinigte Lichtspiele GmbH, Geschäftsführer Otto Rosenberg (Adresse unbekannt), Facharzt für innere Krankheiten Dr. Karl Rosenthal (Chefarzt im Kehler Krankenhaus, Wohnhaus Großherzog-Friedrich-Straße /Ecke Kinzigstraße ), Textilhandel Laja und Pinkas Schwarzkächel (Hauptstraße /Ecke Gewerbestraße ), Altmaterialiengroßhandlung Fa. Weil und Wertheimer, Teilh. Simon Weil und Paul Wertheimer (Kasernenstraße 19/Im Hafen), Getreide- und Landesproduktenhandlung Eduard/Rosa Wertheimer (Adr. unbek.), Viehhandlung Jacob Wertheimer I (Schulstraße 14), Viehhandlung Leopold Wertheimer (Schulstraße 27), Metzger Siegfried Wertheimer (Hauptstraße /Ecke Kasernenstraße ).
      
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 (damals 109 jüdische Einwohner = 0,9 % von insgesamt 11.574 Einwohnern) emigrierten einige der jüdischen Gemeindeglieder nach Straßburg, andere folgten bis 1938 nach. 15 emigrierten in dieser Zeit in die USA, andere nach Argentinien oder Palästina. Ende Oktober 1938 wurde die polnisch-jüdische Familie Schwarzkachel nach Polen abgeschoben. Beim Novemberpogrom 1938 trugen sich grausame Szenen in der Stadt gegen die hier noch lebenden jüdischen Einwohner zu (s.u. bei der Schilderung der Ereignisse zur Synagoge). Am 22. Oktober 1940 wurden aus Kehl  22 jüdische Einwohner in das KZ Gurs nach Südfrankreich deportiert. Andere wurden am selben Tag oder in der Folgezeit von Orten, in die sie verzogen waren (auch aus Frankreich) deportiert. Am 23. Oktober 1940 zählte Kehl nur noch zwei jüdische Einwohner.  
   
Von den in Kehl geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Anne Baer (1883), Erich Bensinger (1923), Friedrich Bensinger (1925), Gertrud(e) Bensinger (1889), Karoline Bensinger (1883), Louis Bensinger (1886), Max Bensinger (1896), Renate Bensinger (1928), Rosa Bensinger geb. Bloch (1859), Simon Bensinger (1894), Sofie Bensinger geb. Wertheimer (1893), Rosa Bergmann geb. Schwarzkächel (1908), Hermann Blank (1875), Fanny Blum (1889), Else (Elsa) Bodenheimer geb. Wertheimer (1889), Heinrich Bodenheimer (1882), Martha Nelly Bodenheimer (1922), Sofie Bruchsaler geb. Dreifuss (1900), Berta Brummer geb. Liebhold (1895), Emil Dreifuss (1870), Rosa Dreifuss geb. Günzburger (1874), Sofie Goldschmidt geb. Frank (1877), Nellie (Nelly) Grünwald geb. Wertheimer (1888), Friedrich Hellmann (1888), Irma Hellmann geb. Luchs (1896), Hans Hoffmann (1906), Mina Kahn geb. Nussbaum (1881), Ruth Karoline Kaufmann (1930), Meta Kaufmann geb. Oppenheimer (1903), Siegfried Kaufmann (1894), Margot Lay (1929), Isidor Liebermann (1898), Louis Liebermann (1901), Eugen Liebhold (1900), Mathilde Löbmann geb. Wertheimer (1899), Lazarus Mannheimer (1886), Regina Mannheimer geb. Bensinger (1889), Emmy Marx geb. Schönfeld (1886), Rosa Mayer geb. Murr (1874), Rachel Metzger (1888), Richard Naumberger (1882), Dr. Karl Oskar Rosenthal (1893), Olga Rosenthal geb. Kuhn (1899), Adolf Schmerz (1912), Adolf (Arnold) Schwarzkachel (1912), Laja (Lea) Schwarzkachel geb. Westreich (1877), Pinkas Schwarzkachel (1874), Regina Schwarzkachel (1908), Willy Schwarzkachel (1904), Liesel Sternweiler geb. Wertheimer (1881 oder 1891), Hedwig Weil geb. Rosenthal (1881), Simon Weil (1870), Berta Wertheimer geb. Kaufmann (1864), David Wertheimer (1899), Ernst Wertheimer (1885), Hans Wertheimer (1920), Jakob Wertheimer (1884), Josef Wertheimer (1858), Julius Wertheimer (1884), Klara (Claire) Wertheimer geb. Geismar (1894), Maria Mina (Minna) Wertheimer geb. Wertheimer (1861), Siegmund Wertheimer (1873), Sophie Wertheimer geb. Wertheimer (1895), Wilhelm Wertheimer (1890). 
   
   
     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1882  

Kehl Israelit 08031882.jpg (53629 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1882: "Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in Kehl bei Straßburg im Elsass sogleich zu besetzen. Fester jährlicher Gehalt Mark 800, freie Wohnung, Schulgeld und 2-300 Mark betragende Nebenverdienste 
Zu melden bei Vorsteher Lippmann Wertheimer in Kehl am Rhein."

  
Lehrer Lazarus Mannheimer wird zum Hauptlehrer ernannt und von Bodersweier nach Kehl versetzt (1912)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Oktober 1912: "Bodersweier (Baden). L. Mannheimer wurde zum Hauptlehrer befördert und nach Kehl am Rhein versetzt."       

  
40-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Samuel Böttigheimer (1922)  

Kehl Israelit 25051922.jpg (174201 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Mai 1922: "Kehl, 6. Mai (1922). Die festlichen Veranstaltungen anlässlich des 40jährigen Amtsjubiläums des Herrn Lehrer Samuel Böttigheimer spiegelten die dankbare Anerkennung wieder, die sich der Jubilar in der Gemeinde in einer segensreichen Wirksamkeit von mehr als einem Menschenalter erworben hat. Am Vormittag fand in der reich geschmückten Synagoge ein Festgottesdienst statt, wobei der Vorsteher der Gemeinde, Herr Sigmund Kaufmann, die Verdienste des Jubilars um die israelitische Gemeinde würdigte. Der Jubilar dankte mit schlichten Worten. Gesänge der Schüler verschönten die erhebende gottesdienstliche Feier. Abends 6 Uhr versammelte sich eine ansehnliche Festversammlung im Saale des 'Schiff'. Außer der vollzählig erschienenen israelitischen Gemeinde waren frühere Schüler aus nah und fern in großer Zahl herbeigeeilt; ferner hatten sich als Festgäste alle Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der Geistlichkeit und Lehrerschaft eingefunden. Eine Reihe künstlerischer Veranstaltungen feierte den Anlass. In einer längeren Ansprache beglückwünschte Herr Siegfried Kaufmann den Jubilar im Namen seiner früheren Schüler und Schülerinnen zu seinem Ehrentag und dankte ihm für den Unterricht, die Belehrungen und Ermahnungen, die er ihnen dereinst mit auf den Weg gegeben. Herr Gemeindevorsteher Siegmund Kaufmann begrüßte zunächst die zahlreiche Festversammlung, insbesondere die Ehrengäste und überreichte dem Jubilar im Namen der israelitischen Gemeinde ein Ehrengeschenk. Herr Oberamtmann Schindele überbrachte die Glückwünsche der badischen Staatsregierung und der Bezirksverwaltung. Herr Bürgermeister Dr. Weis überbrachte die Grüße und Glückwünsche der politischen Gemeinde, er überreichte ein prächtiges Bild von Hans Thoma. Im Namen der Oberrealschule und der Volksschule sprach Herr Direktor Mangelsdorf. In seinem Namen und für die Familie dankte der Schwiegersohn, Herr Hauptlehrer Reis. Es folgte dann ein gemeinsames Essen. Im Verlaufe desselben erhob sich der Vorsteher der israelitischen Gemeinde Rheinbischofsheim, Herr Moritz Kahnmann, um dem Jubilar zu danken für das, was er der Gemeinde gewesen, und überreichte ihm ein Ehrengeschenk. Frau Sigmund Kaufmann dankte für den israelitischen Frauenverein für die während 27 Jahren gewährte hervorragende Mitarbeit und überreichte eine Ehrenurkunde."

     
   
Weitere Berichte 
Eröffnung der Lokalbahn Kehl - Bühl unter jüdischer Beteiligung 1892  

Kehl Israelit 14011892.jpg (82959 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1892: "Aus Baden. Die Lokalbahn Kehl - Bühl wurde dieser Tage in Anwesenheit des Großherzogs von Baden eröffnet. Bei derselben sprach nach dem Amtsvorstand, Herr Blum - Auscher - Straßburg vortreffliche Worte über die Bedeutung der Bahn für Handel, Gewerbe und Landwirtschaft und schloss, indem er den Wunsch aussprach, der neuen Bahn den Namen Großherzog-Friedrich-Bahn geben zu dürfen, mit einem Hoch auf die Großherzogin, welche Worte vom Großherzoge sehr freundlich aufgenommen und herzlich bedankt wurden. Höchst derselbe haben sich bewogen gefunden, dem Herrn Bankier Blum - Auscher das Ritterkreuz erster Klasse höchsten Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen. Nicht vergessen wollen wir hier beizuführen, dass der Bahnbau und die dabei vorkommenden Kunstbauten von dem Bauunternehmer R. Cahn in Benfeld übernommen waren." 
 
Kehl Israelit 21011892.jpg (42301 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1892: "Aus Baden. Vor 3 Monaten fand in Bühl eine Landwirtschaftliche Gauausstellung und am 4. Januar dieses Jahres die feierliche Eröffnung der Lokalbahn Bühl - Kehl statt. Bei beiden Anlässen wurde der Bezirksrabbiner Dr. Mayer vom Großherzoglichen Bezirksamt zum Empfang des Großherzogs geladen und von Seiner Königlichen Hoheit mit einer Ansprache beehrt. Auch wurde demselben von dem Festkomitee die Ehre eine Einladung zur Festfahrt auf der neuen Bahn zuteil."

    
Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht Kehl wegen antisemitischer Beleidigung (1894)  

Kehl AZJ 16081895.jpg (202666 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. August 1895: "Kehl, im August (1895). Ohne Zweifel wird Sie ein ausführlicher Bericht über die Gerichtsverhandlung interessieren, welche vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung der jüdischen Soldaten jüngst stattgefunden hat. Am 9. September 1894 hielt Thomas Reuther, damals Redakteur des 'Badischen Volksboten' in Heidelberg, jetzt Käsehändler in Offenbach a.M., eine antisemitische Versammlung in Scherzheim bei Lichtenau in Baden ab, in welcher er neben den üblichen Schimpfereien über die Juden die Behauptung aufstellte: 'Die Juden besitzen keinen Patriotismus, 1870 sind die jüdischen Soldaten mitgegangen, weil sie mussten, sie drückten sich aber, wo sie konnten und gingen lediglich darauf aus, die verwundeten und toten Soldaten auf dem Schlachtfelde zu berauben und sich durch Aneignung deren Pretiosen zu bereichern.' Reuther, der nie Soldat gewesen und daher von militärischem Ehrgefühl keinen begriff haben kann, hatte wohl selbst nicht geahnt, welche furchtbare Beleidigung er mit dieser Behauptung allen Juden zufügt, welche 1870 mitgekämpft und Gut und Blut für das Vaterland gewagt haben. Mit Recht hat daher der 'Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus' diese Beschuldigung zum Gegenstand einer Beleidigungsklage gemacht, welche endlich am 27. vorigen Monats vor dem Schöffengericht in Kehl zum Austrag kam. Im Laufe der Verhandlung wurden die Aussagen Reuthers durch den die damalige Versammlung überwachenden Gendarmen und durch den Bürgermeister des Ortes bestätigt. Reuther, der noch nicht einmal den Versuch machte, den geringsten Wahrheitsbeweis für seine Behauptung anzutreten, leugnete seine Aussage, er habe nicht alle jüdischen Soldaten gemeint, er lasse Ausnahmen gelten und dergleichen. Der Vertreter der klagenden Partei, Rechtsanwalt Freiherr Schott von Schottenstein aus Straßburg i.E. entgegnete treffend hierauf, Reuther hätte dies in Scherzheim bei der Versammlung sagen sollen, dann wäre die Klage wahrscheinlich unterblieben. Nicht nur als Anwalt habe er diese Vertretung übernommen, sondern als ehemaliger Soldat, der 1870 mit dabei war. Damals hätte man keine Christen und Juden gekannt, sondern nur Soldaten, es sei ihm Bedürfnis, hier für das aufs Schwerste gekränkte Ehrgefühl seiner Kameraden einzutreten. Das Urteil lautete auf drei Wochen Gefängnis und Tragung sämtlicher Kosten; in der Begründung führte der Vorsitzende des Gerichtshofes aus, dass Reuther zwar ein 'bezahlter antisemitischer Agitator' sei, zu deren Beruf das Hetzen gehöre, aber man müsse doch darauf achten, dass wenigstens die Armee vor dieser Zeitströmung bewahrt bleibe. Als Nebenkläger waren Kaufmann Joseph Merklinger von Bodersweier und Handelsmann Simon Bloch von Rheinbischofsheim erschienen; der Erstere hat die Feldzüge 1866 und 1870-1871 mitgemacht, der Letztere hat sich 1870 wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde eine allerhöchste Auszeichnung erworben; ein Vergleich zwischen diesen beiden Männern, die ihren Patriotismus praktisch auf dem Felde der Ehre betätigt haben, und dem Angeklagten lag nahe und fiel wahrlich nicht zu dessen Gunsten aus, sodass einer der Nebenkläger versichert, er hätte sich nicht an der Klage beteiligt, wenn er Reuther vorher gekannt haben würde; er meine, solch ein Mensch wäre überhaupt nicht imstande, einen alten deutschen Soldaten zu beleidigen."

   
Aus Briefen des im Ersten Weltkrieg gefallenen Arthur Kaufmann (1914)
 
Arthur Kaufmann, Kriegsfreiwilliger, 14. Pionier-Bataillon, Abiturient; geboren am 8. August 1897 in Kehl, gestorben am 8. Februar 1915 infolge einer schweren Verwundung vom 3. Februar 1915 an der Lorettohöhe bei Artois, Frankfurt.  
Quelle: Kriegsbriefe gefallener deutscher Juden. Stuttgart-Degerloch 1961 S. 65-66 (Neuauflage eines Buches von 1935).

Brief vom 12. Dezember 1914: "Meine Lieben! Ob ich auch fern von Euch weile, habe ich doch nicht vergessen, dass heute Abend das Chanukkalicht entzündet wird, und mehr als einmal stieg heute die Erinnerung in mir auf, wie wir alljährlich in freudiger Erwartung den lieben Vater umstanden, als er unter feierlichem Gesange das Chanukkalicht entzündete, und mehr als einmal klangen mir die Klänge des Moaus zur Jeschuossi ans Ohr. Heute abend wird das Freudenlichtlein wohl nicht leuchten, das schöne Lied wird nicht erklingen. Aber, liebe Eltern, wie die Makkabäer für eine heilige große Sache ins Feld zogen, so kämpfen auch Eure Söhne für Recht und Gerechtigkeit ... und, wenn wir siegreich aus diesem Kampf zurückkehren, dann dürfen wir mit Recht das Licht der Weihe in Dankbarkeit gegen Gott entzünden und dann wollen wir heller und freudiger in das alte Freudenlied einstimmen." 
Brief an seinen Freund A. Löw: "Dass ich bei Ausdruck des Krieges als Kriegsfreiwilliger in das Heer eingetreten bin, hätten Sie sich eigentlich denken können, ich müsste kein Jünger 'Abraham Löws' sein und Ihre geistige Anregung müsste auf einen sehr schlechten Boden gefallen sein, wenn ich in jenen schweren Entscheidungsstunden der letzten Julitage nicht sofort erkannt und gefühlt hätte, wo in dieser großen Zeit mein Platz ist, wo ich hingehöre und was meine Pflicht ist. Ich bin seinerzeit als Kriegsfreiwilliger bei den Pionieren in Tegel eingetreten und nach viermonatlicher Ausbildung Ende November ins Feld gekommen. Meine Ausbildung war ziemlich streng, hatte selten eine freie Stunde. Es ist, wenn man von der Schulbank kommt, keine Kleinigkeit, nun plötzlich in der Reihe geübter Zimmerleute und Schiffer Behelfsbrücken zu schlagen, zu pontonieren, Balken und Bretter zu schleppen usw., zumal ich der Jüngste in unserem Rekrutendepot war. Aber schon in der Bibel steht ja, dass es nicht auf die Kraft, sondern auf den Geist ankommt. So gelangt es auch mir allmählich, in all dem die nötige Fertigkeit zu erlangen, was man von einem badischen Pionier verlangt usw. Durch das Schlafen in der Kaserne und den ständigen Umgang mit meinen neuen Kameraden wurde ich um viele Erfahrungen reicher und gelang es mir, den Gedankenkreis von Leuten zu erfassen, deren Wesen mir sonst vielleicht immer fremd geblieben wäre..."   

    
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  

Anzeige der Seifenfabrik Liebhold (1901)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1901: "Beste Koscher-Seife, 
garantiert reine Ölseife versendet nur an Wiederverkäufer. 
Seifenfabrik Liebhold
, Kehl am Rhein."  

   
   
      
Zur Geschichte des Betsaales/der Synagoge       
   
Zunächst hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal eingerichtet. 1889 konnte man an der Ecke Schul-/Kasernenstraße ein für einen Synagogenbau geeignetes Grundstück kaufen. Am 12. April 1889 fand die Grundsteinlegung statt. In den folgenden Monaten wurde die Synagoge erbaut. Wann sie eingeweiht wurde, konnte bislang nicht festgestellt werden werden (eventuell weitere Hinweise zur Synagogengeschichte in Kehl bitte an den Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite). Bislang liegt nur ein Presseartikel zur Grundsteinlegung vor: 
   
Grundsteinlegung zur Synagoge am 12. April 1889 

Kehl Israelit 25041889s.jpg (134981 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1889: "Aus Baden. Viele israelitischen Gemeinden Badens haben sich seit 20 Jahren durch Wegzug der Mitglieder sehr vermindert, sind zum Teil ganz eingegangen. Umso erfreulicher ist es zu hören, dass in Kehl, wo früher keine Israeliten wohnten, sich eine ansehnliche Gemeinde gebildet, die jetzt, nachdem sie einen Betsaal zur Abhandlung des Gottesdienstes benützt, einen Platz angekauft hat, um eine Synagoge zu erbauen. Freitag, am 12. dieses Monats fand die Feierlichkeit zur Grundsteinlegung des Synagogenbaues statt. Nachmittags versammelten sich die Mitglieder der israelitischen Gemeinde in ihrem Betsaale, woselbst einige Psalmen vorgetragen wurden. Von hier aus begab man sich unter Vorantritt der Schuljugend in einem Zuge zum Synagogengauplatz, wo sich auf Einladung auch die höheren Zivilbeamten und andere eingeladene Gäste eingefunden hatten: Die Feier wurde hier von Herrn Lehrer Böttigheimer durch ein Gebet und eine passende Ansprache eröffnet. Hierauf erfolgte die Einlegung der Urkunde in den Grundstein. Nachdem von dem Vorstande der Gemeinde, H. Lippmann Wertheimer die üblichen Hammerschläge, begleitet von einigen sinnigen Worten, abgegeben waren, sprach Herr Böttigheimer das Schlussgebet, wobei namentlich Seiner Majestät des Kaisers, Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich, der Behörden und aller der gedacht wurde, die sich um die Förderung des Baues verdient gemacht haben. 
Möge das fromme Werk gelingen und mit ihm ein echt religiöser Sinn in die Herzen einziehen, was bei gar Manchen zu wünschen ist."

Bereits 1934 oder 1937 soll ein Anschlag auf die Kehler Synagoge unternommen worden sein. Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 liegen die Akten der Staatsanwaltschaft Offenburg von 1949 zum diesbezüglichen Strafverfahren vor. Demnach drangen am Nachmittag des 10. November 1938 Friedrich Geiler, der verantwortliche Sturmführer der allgemeinen SS und Gestapo-Inspektor Hödle mit vier bis fünf weiteren SS-Leuten und fünf Männern von der Gestapo in die Synagoge ein und zerstörten insbesondere die rituellen Gegenstände. Dass es sich hierbei im Vergleich zu den Vorgängen in anderen Städten um eine relativ kleine Aktion handelte, geht letztlich auch aus dem Bericht der "Kehler Zeitung" vom 11. November 1938 hervor: "Nicht einmal die Synagoge in Kehl, einer dieser Tempel talmudischer Rachsucht und Verschwörung, in denen Hasslehren gegen alles geschürt und verbreitet werden, was nichtjüdisch ist, wurde nennenswert in Mitleidenschaft gezogen". Umso schlimmere Brutalitäten fanden in Kehl außerhalb der Synagoge statt: Die jüdischen Männer aus Kehl und den umliegenden Ortschaften wurden in die Stadthalle gebracht, wo sie von österreichischer SS und der Gestapo misshandelt und zu unwürdigen Handlungen gezwungen worden. Sie mussten sich unter anderem gegenseitig so lange ins Gesicht oder auf den nackten Körper mit nassen Brettern schlagen, bis sie blutüberströmt und mit vollkommen eingeschwollenen Gesichtern kaum mehr aus den Augen sehen konnten. Danach wurden sie unter die Wasserleitung gestellt und zur Deportation in das Konzentrationslager Dachau verbracht.   
  
Nach den Ereignissen des Novemberpogroms verkaufte die israelitische Gemeinde das Synagogengebäude zwangsweise für 3.300 RM an die Stadt, die es 1939 abbrechen ließ.   
 
Nach 1945 wurde das Synagogengrundstück neu bebaut. Seit 1983 befindet sich an der evangelischen Friedenskirche eine Gedenktafel für das Schicksal der jüdischen Gemeinde und der Synagoge. 1991 ließ die Stadt Kehl ein Denkmal in Form einer Stele an dem Platz aufstellen, wo nach der Pogromnacht die jüdischen Männer aus Kehl und Umgebung gefangen gehalten und misshandelt wurden (Platz neben der ehemaligen Stadthalle). 
     

   

Fotos 
Zeichnung der Synagoge/historisches Foto:
(Quelle: Zeichnung aus Kehler Zeitung 7.11.1998, erhalten über K. Britz; Foto aus Sammlung Hahn)  

Kehl Synagoge Zeichnung.jpg (33007 Byte) Kehl Synagoge 001.jpg (108519 Byte)
Auf Grund umfangreicher Recherchen von Brigitta Gerloff wurde für die Kehler 
Zeitung (7.11.1998) die Zeichnung der Außenansicht der Synagoge angefertigt
 (Ausführung: Planungsbüro WeberHaus Linx; Armin Birk)
Innenraum der 
Synagoge Kehl 
  
         
       
Lazarus Mannheimer, letzter Vorsteher und Kantor der Gemeinde 
(1886 - ermordet 1942 in Auschwitz)
(Fotos: Privatbesitz Friedrich Peter)
   
Kehl Mannheimer 02.jpg (66139 Byte) Kehl Mannheimer 01.jpg (35677 Byte) Kehl RMannheimer.jpg (37609 Byte)
 Lazarus Mannheimer am Lesepult 
der Synagoge in Kehl 
Lazarus Mannheimer und seine Frau Regina Mannheimer geb. Bensinger 
(1889 - ermordet 1942 in Auschwitz)
   
Kehl Mannheimer 04.jpg (44201 Byte) Kehl Haus Mannheimer 002.jpg (50841 Byte) Kehl WohnhMannheimer.jpg (50165 Byte)
Wenige Wochen vor der Pogromnacht
 schrieb Mannheimer dem Schüler 
Fritz Wertheimer zur Bar Mizwa 
in ein Jugendbuch
Ehemaliges Gebäude der Jüdischen Kultusgemeinde Kehl, wo auch die 
Familie Mannheimer ihre Wohnung hatte (Kinzigstraße 20, das Gebäude ist erhalten;
 Quelle: Foto links von ca. 1930, Sammlung Hahn; rechts aus Hornung s.Lit.)
    

    
Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
    
Kehl Synagoge 012.jpg (59939 Byte) Kehl Synagoge 011.jpg (50078 Byte) Kehl Synagoge 010.jpg (125322 Byte)
Blick auf den ehemaligen Standort 
der Synagoge Ecke Schul-/
Kasernenstraße 
Evangelische Friedenskirche - 
die Gedenktafel befindet sich 
unterhalb des linken Fensters 
Gedenktafel für die jüdischen 
Gemeinde Kehls und die Synagoge 
an der Friedenskirche 
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 1.9.2003)
Kehl Synagoge 150.jpg (51904 Byte) Kehl Synagoge 151.jpg (60674 Byte)
   Das ehemalige Synagogengrundstück wurde 2001 völlig neu bebaut 
   
   Kehl Synagoge 152.jpg (45221 Byte) Kehl Synagoge 153.jpg (61623 Byte)
   Evangelische Friedenskirche - 
die Gedenktafel befindet sich 
unterhalb des linken Fensters
Gedenktafel für die jüdischen 
Gemeinde Kehls und die Synagoge 
an der Friedenskirche
     
Weitere Fotos:
(Fotos: K. Britz, Kehl-Bodersweier, Aufnahmedatum 2.10.2003; historisches Foto der alten Stadthalle: Hanauer Museum, Kehl)
Kehl Alte Stadthalle.jpg (42938 Byte) 
Alte Stadthalle Kehl
Kehl Stele.jpg (30584 Byte) Kehl SteleSchrift.jpg (87685 Byte)
1991 ließ die Stadt Kehl durch den Bildhauer Jörg Bolling aus Freiburg ein Denkmal in Form einer Stele errichten. Die abgebrochene Säule ist Symbol für den jähen Abbruch des jüdischen Lebens in Kehl; die Sechseckform bezieht sich auf den Davidsstern. Die Stele befindet sich am Platz neben der ehemaligen Stadthalle, wo nach der Pogromnacht am 10.11.1938 jüdische Männer aus Kehl und Umgebung vor ihrer Deportation nach Dachau gefangen gehalten und von der Gestapo brutal misshandelt wurden. Der Text auf der Platte neben der Stele lautet: "Denn selbst der allergrößte Schmerz ist besser als ein müdes Herz mit fest verschlossenen Toren. - Zum Gedenken und in trauernder Erinnerung an die in den Jahren 1933-1945 vertriebenen und ermordeten jüdischen Kehler".
  
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   Zur Erinnerung an zwei bedeutende Mitglieder der Kehler jüdischen Gemeinde 
hat die Stadt Kehl Straßen nach ihnen benannt: Lazarus-Mannheimer-Straße und 
Dr.- Rosenthal-Weg  
   
Historische Fotos Dr. Karl Rosenthal  
Dr. Karl Rosenthal
1940 nach Gurs deportiert, gestorben 1944 im KZ Gräditz/Schlesien
(Fotos oben: Rosenthal, Hagada s. Lit.; unten links: Hanauer Museum Kehl; unten rechts: Privatbesitz Friedrich Peter) 
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  Dr. Karl Rosenthal war ein in Kehl und
 Umgebung bekannter und beliebter Arzt
Arztfrau Olga Rosenthal geb. Kuhn 
(1899 - ermordet 1942 in Auschwitz)
 
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   Die Praxis von Dr. Rosenthal befand sich 
in der Hauptstraße  59 über der damaligen
 Sparkasse (Gebäude kriegszerstört; 
hier heute Kino-Center)
SA-Männer überwachen den Boykott 
der Praxis von Dr. Rosenthal 
Anfang April 1933
 

     

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Juni 2010: Auch in Kehl sollen "Stolpersteine" verlegt werden   
Artikel von Edgar Bassler in der "Kehler Zeitung" vom 24. Juni 2010 (Artikel über Baden-online.de): 
"Über die Vergangenheit stolpern. Auch in Kehl sollen Steine an die Opfer des Nazi-Regimes erinnern/Gemeinderat stimmt Projekt zu
In Lahr, Offenburg, Karlsruhe und Freiburg gibt es sie schon; nun sollen sie auch in Kehl öffentlich an eine schlimme Zeit erinnern: die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Gestern hat der Gemeinderat diesem Projekt zugestimmt..." 
 
Juni 2011: Am 15. Juli 2011 werden die ersten "Stolpersteine" in Kehl verlegt    
Artikel von Nina Saam in der "Kehler Zeitung" vom 22. Juni 2011 (Artikel über baden-online.de): "Den Opfern Namen geben
In rund 600 Orten gibt es sie schon, die Stolpersteine des Aktionskünstlers Gunter Demnig, die an die Opfer der NS-Zeit erinnern sollen. Auf Initiative des Arbeitskreises 27. Januar werden ab Mitte Juli auch in Kehl die ersten Stolpersteine ins Trottoir eingelassen..."   
    
Juni 2011: Die Stellen für die "Stolpersteine" werden markiert    
Artikel in der "Kehler Zeitung" (baden-online.de) vom 29. Juni 2011 (Artikel): 
"Rote Markierungen für Stolpersteine. Gunter Demnig verlegt die Steine in Kehl am 15. Juli
Rote Punkte und Linien markieren seit Anfang der Woche in der Innenstadt die Stellen, an denen Künstler Gunter Demnig am Freitag, 15. Juli, seine Stolpersteine verlegen wird..."   
   
Juli 2011: Der erste "Stolpersteine" werden in Kehl verlegt - erster Stein für den Lehrer Lazarus Mannheimer  
Artikel von Robert Ullmann in der "Badischen Zeitung" vom 18. Juli 2011 (Artikel): "Viertklässler verstehen das System der Ausgrenzung
Schüler der Kehler Falkenhausen-Schule beschäftigen sich mit dem Schicksal Lazarus Mannheimers, dessen jetzt mit einem Stolperstein gedacht wurde..." 
  
Artikel von Nina Saam in der "Kehler Zeitung (bzw. Baden-Online.de) vom 16. Juli 2011 (Artikel): "'Ein ganz besonderer Moment'" - Aktionskünstler Gunter Demnig verlegt erste Stolpersteine in Gedenken an ehemalige Kehler Mitbürger". Eingestellt als pdf-Datei.   
Artikel von Nina Saam in der "Kehler Zeitung" (bzw. Baden-Online.de) vom 27. Juli 2011 (Artikel): "'Das ist heute an anderes Deutschland'. Harry Bruchsaler besuchte am Montagabend die Stolpersteine seiner Familie."  Eingestellt als pdf-Datei.      
  
September 2012: Weitere Verlegung von "Stolpersteinen" 
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 11. September 2012: "22 Stolpersteine für Kehl. 23 jüdische Gäste der Stadt sind für bei Verlegung anwesend. KEHL (BZ). 23 jüdische Gäste werden dabei sein, wenn Künstler Gunter Demnig am Donnerstag, 13. September, 22 neue Stolpersteine in der Kehler Innenstadt verlegt. So viele Zusagen von ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus Kehl oder ihren Kindern liegen mittlerweile im Rathaus vor. Sie reisen aus Australien, Argentinien, Israel, aus Großbritannien und Frankreich an.
Zusammen mit Archiv- und Museumsleiterin Ute Scherb haben Mitglieder des Arbeitskreises 27. Januar die genauen Stellen für die Verlegung der Gedenksteine bereits ausgewählt. Die Verlegung der Stolpersteine beginnt am Donnerstag um 13.30 Uhr in der Hermann-Dietrich-Straße 10. Dort hatten Sophie und Paul Wertheimer einst ihr Zuhause. Pfarrer Braunstein wird für den Arbeitskreis 27. Januar die Gäste sowie alle Bürgerinnen und Bürger begrüßen, die an der Zeremonie teilnehmen möchten. Nach einer kleinen Ansprache von Oberbürgermeister Günther Petry wird Hella Sehava Ben-Seev einen Text verlesen, den ihr Bruder Nathan Kaufmann verfasst hat. Beide Geschwister sind in Kehl aufgewachsen – Nathan Kaufmann kann aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Kehl kommen. Ihn werden bei der Verlegung seine drei Söhne vertreten. Mit Claus Rosenthal und der 92-jährigen Renée Rothschild-Bodenheimer wird OB Petry zwei weitere Gäste empfangen, die in Kehl aufgewachsen sind.
Von der Hermann-Dietrich-Straße geht es weiter in die Hauptstraße 13. Dort werden gegen 14.30 Uhr acht Stolpersteine für die Familie Schwarzkachel ins Pflaster eingelassen. Bei der Verlegung werden die Biographien der Menschen verlesen, derer bhier gedacht wird. Schülerinnen und Schüler des Einstein-Gymnasiums legen rote Rosen nieder.
Gegen 15 Uhr werden vier Gedenksteine an die Familie Bodenheimer im Mittelstreifen der B 28 eingebracht. Auf dem Ortenau-Platz wurde eine Stelle markiert, wo an die vier Mitglieder der Familie Weil erinnert werden soll. Die Gedenksteine können hier nicht am letzten Wohnortes verlegt werden – der befände sich nämlich im Bereich des großen Blumenbeetes auf der Nordseite der B28.
Vom Ortenauplatz werden die Gäste, die schlecht zu Fuß sind, mit einem Kleinbus in die Großherzog-Friedrich-Straße gebracht, wo Gunter Demnig vor dem Haus Nummer 7 drei Stolpersteine für die Familie Kaufmann verlegen wird. " 
 

   
      

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Kehl  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 151-152. 
Jüdische Mitbürger in Kehl zwischen 1930 und 1950. Versuch einer Dokumentation. Erarbeitet durch Schüler der Klasse 10b der Tulla-Realschule Kehl, Oktober/November 1982. 
8. Mai 1945 - 8. Mai 1985. Veröffentlichung Nr.1 der Tulla-Realschule Kehl. 1985. 
Friedrich Peter: Kehl 1933-45. Dokumentation. Eine Veröffentlichung der Tulla-Realschule Kehl 1988. 
ders.: Das Schicksal der Juden in Kehl und im Hanauerland unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. 1990. 
Klaus Hornung: Kehl 1840-1940 (Bildband). 
Hartmut Stüwe: Kehl im Dritten Reich. Stadtgeschichte 1933-1945. Stadt Kehl am Rhein. Kultur- und Verkehrsamt 1997 (hierin besonders: Boykott jüdischer Geschäfte S. 36ff und Verbrechen gegen die Menschlichkeit S. 110ff). 
Nicolas Rosenthal: Hagada des 20. Jahrhunderts - ein Vermächtnis. Mit Beiträgen von Rolf Kruse jun. und Friedrich Peter. Historischer Verein Kehl 2000.
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Kehl am Rhein. Jews first settled in 1862 after emancipation accorded them freedom of residence in Baden. A community was officially formed in 1881 and a synagogue was consecrated in 1889. The community maintained a population of around 150 in der early 20th century (2 % of total), with the majority trading in cattle. Despite anti-Jewish agitation, the Jews participated fully in local life. After world war I, the Jewish population dropped through emigration and a declining birthrate, numbering 109 in 1933. Under the Nazis, persecution commenced immediately in 1933 and most Jewish business were soon liquidated. In 1934-39, 49 emigrated, 12 to Palestine and 26 to nearby France. On Kristallnacht (9-10 Nov. 1938), the synagogue was vandalized and Jewish men were sent to the Dachau concentration camp after being beaten and tormented. Eight more Jewish subsequently emigrated, while in the whole period 39 left for other German cities. On 22 October 1940, 18 were deported to the Gurs concentration camp. Another 21 were deported to the camps in Eastern Europe from their places of refugee in France and other German cities. Only seven survived the Holocaust.  
   

       

                   
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Stand: 02. November 2012