Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Lichtenau (Kreis Rastatt) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
   
In dem bis Anfang des 19. Jahrhunderts zur Herrschaft Hessen-Darmstadt gehörenden Lichtenau bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1631 wird Jud Anstett am Ort genannt, der einen Handel eröffnete. 1790 gab es 12 jüdische Haushaltungen in der Gemeinde. Schon im 17. und 18. Jahrhundert durften die Juden in Lichtenau offene Kramläden für den Vertrieb u.a. von Tuchen, Leder, Kleider, Wäsche, Schule und Eisenwaren betreiben. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 113 jüdische Einwohner (10,4 % von insgesamt 1.087 Einwohnern), 1867 214 (17,4 % von 1.240), höchste Zahl um 1871 mit 244 Personen, 1875 228 (17,6 % von 1.297), 1880 211 (16,2 % von 1.304), 1900 164 (14,4 % von 1.140), 1910 128 11,0 % von 1.165). 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem Friedhof in Kuppenheim, seit etwa 1830 meist in Freistett beigesetzt. Um 1891 werden bei einer Blattern-Epidemie auch einige jüdische Personen auf zwei Begräbnisstätten in Lichtenau beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die jüdischen Kinder erhielten den Unterricht in den allgemeinen Fächern bereits seit Anfang des 19. Jahrhundert (Bericht von 1809) gemeinsam mit den christlichen Kindern in der christlichen Volksschule des Ortes. Der Religionsunterricht wurde ihnen durch den jüdischen Lehrer erteilt. Dafür stand ein allerdings relativ kleiner Raum im Wohnhaus des Lehrers ("Israelitisches Schulhaus") zur Verfügung, den die Behörden immer wieder beanstandeten. Seit der Auflösung der Konfessionsschulen in Baden 1876 bestand eine christlich-jüdische Gemeinschaftsschule, in der in den folgenden Jahrzehnten auch ein jüdischer Hauptlehrer unterrichtete (s.u. Berichte über Lehrer Lazarus Lehmann). Das rituelle Bad (ursprünglich im Untergeschoss des jüdischen Schulhauses) wurde 1854/55 neu am Nordrand des Lindenplatzes erstellt (1903 wurde das Badhaus nach Erstellung eines nochmals neuen Badhauses hinter der Synagoge verkauft und später abgebrochen). 
Seit 1827 gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Bühl.  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ernst Kaufmann (geb. 26.2.1892 in Lichtenau, gef. 13.7.1915), Berthold Roos (geb. 14.12.1893 in Lichtenau, gef. 13.3.1916) und Siegwart Roos (geb. 10.10.1897 in Lichtenau, gef. 23.10.1917). Außerdem sind gefallen: Herbert Kaufmann (geb. 25.4.1888 in Lichtenau, vor 1914 in Achern wohnhaft, gef. 16.4.1888). Auf der Gefallenengedenktafel des Friedhofs Lichtenau finden sich die Namen von fünf jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Lichtenau.  
 
Um 1924, als noch 114 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (9,9 % von 1.150 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Leopold Roos und Michael Kaufmann. Weiterhin war der inzwischen über 80jährige Lazarus Lehmann Religionslehrer, Lehrer und Kantor der Gemeinde). Damals erteilte er den Religionsunterricht noch 9 Kindern aus der Gemeinde. An jüdischen Vereinen gab es die beiden Wohltätigkeitsvereine: den Männerverein (1932 unter Leitung von Louis Roos mit 34 Mitgliedern) und den Frauenverein (gegründet 1860, siehe Bericht zum 25jährigen Jubiläum unten; 1924/32 unter Leitung der Frau von Leopold Roos mit 35 Mitgliedern). In den örtlichen Vereinen wie Gesang-, Turn- oder Fußballverein gab es jeweils mehrere aktive jüdische Vereinsmitgliedern (vgl. die Aktivitäten des Gesangvereines bei den Jubiläen von Lehrer Lehmann, s.u.; Lehmann war zuletzt Ehrenmitglied des Gesangvereins). 1932 waren die Gemeindevorsteher Leopold Roos (1. Vors.), Leo Weil (2. Vors.) und Heinrich Durlacher (3. Vors.). Seit dem Tod von Lehrer Lehmann war als Lehrer und Kantor Adolf Reutlinger angestellt. 

  
Bis nach 1933 bestanden zahlreiche Handels- und Gewerbebetriebe am Ort (Manufakturwarengeschäfte, Eisenwarenhandlung, Korbwarenhandlung, Viehhandlungen u.a.m.), die jüdischen Einwohnern gehörten. Dabei handelte es sich im einzelnen um:   Manufakturwarengeschäft Arthur Adler (Hauptstraße 49), Manufakturwarengeschäft Berta Cahn (Hauptstraße 27), Viehhandlung Löb Cahn (Hauptstraße 33), Schuhgeschäft Heinrich Durlacher (Hauptstraße 32), Schneiderei Ludwig Essinger (Wörtstraße 1), Seifengeschäft Joseph Hammel (Kronenstraße 3), Viehhandlung Abraham Kaufmann (Hauptstraße 68), Manufakturwarengeschäft Abraham Kaufmann (Hauptstraße 14), Vieh- und Mehlhandlung Abraham Kaufmann (Mühlstraße 5, kriegszerstört), Mehl-, Getreide- und Futtermittelhandlung Hedwig Kaufmann (Hauptstraße 40), Viehhandlung Julius Kaufmann (Mühlenstraße 4), Viehhandlung Leopold Kaufmann (Pfarrstraße 7), Viehhandlung Louis Kaufmann (Schmiestraße 1), Viehhandlung Elias Roos (Hauptstraße 54), Viehhandlung Leopold und Alfred Roos (Pfarrstraße 2), Manufakturwarengeschäft Lippmann Roos (Hauptstraße 25), Viehhandlung Michel Roos (Hauptstraße 37), Eisenwarenhandlung Nathan Roos (Hauptstraße 60), Viehhandlung Samuel Roos (Hauptstraße 29), Viehhandlung und Kolonialwarengeschäft Leo Weil (Pfarrstraße 3, abgebrochen).  
  
1933 lebten noch 84 jüdische Personen in Lichtenau. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung ist in der Folgezeit (bis zur Deportation 1940) der größere Teil von Ihnen von Lichtenau verzogen oder ausgewandert. Etwa die Hälfte der jüdischen Einwohner konnte emigrieren, hauptsächlich nach Frankreich, nach den USA und Palästina. 10 der jüdischen Einwohner starben bis 1940 am Ort (dazu an Suizid der Kaufmann Emil Lehmann). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört, die jüdischen Männer verhaftet und über Kehl in das KZ Dachau verschleppt. Ernst Roos wurde am 1. Dezember 1938 auf dem SS-Schießplatz Prittelbach bei Dachau erschossen; auch Michael Roos starb in Prittelbach.  Am 22. Oktober 1940 wurden aus Lichtenau 24 jüdische Einwohner nach Gurs deportiert, von denen nur 7 überlebten, mindestens 16 umkamen (noch in Südfrankreich oder nach einer weiteren Deportation in die Vernichtungslager nach Polen).   
  
Von den in Lichtenau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; die Liste ist nicht vollständig; die Recherche über die angegebenen Quellen schwierig, da es auch im westfälischen Lichtenau eine jüdische Gemeinde gab):  
Arthur Adler (1887), Karl Adler (1925), Paula Adler geb. Cahn (1895), Arthur Durlacher (1923), Heinrich Durlacher (1887), Frieda Grumbacher geb. Roos (1873), Selma Guggenheim geb. Kaufmann (1897), Babette Kaufmann (1868), Flora Kaufmann geb. Bloch (1881), Frieda Kaufmann geb. Kaufmann (1896), Johanna Kaufmann (), Klara Kaufmann (), Louis Kaufmann (1887), Paul Kaufmann, Seline Kaufmann (1898), Emil Lehmann (1874), Richard Lehmann (1878), Alfred Roos (1884), Berthold Roos (1920), Betty Roos (1884), Camilla Roos (), Ernst Roos (1874), Heinrich Roos (1874), Hilde Roos geb. Roos (1889), Julius Roos (1882), Leo Roos, Louis (Ludwig) Roos (1892), Marthe Roos (1926), Michael Roos (1865), Rosa Roos (1924), Samuel Roos (1877), Sophie Roos geb. Roos (1869), Thekla Roos (1878), Nelly Weil geb. Kaufmann (1893).   
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
Über Lehrer Simon Rosenthal (ca. 1786 - 1863)  

Lichtenau Grabstein Rosenthal 010.jpg (94456 Byte)Von 1811 bis 1862 war - über 50 Jahre in Lichtenau - als Lehrer, Vorbeter und Schochet Simon Rosenthal tätig. Er starb am 14. März 1863 und wurde in Freistett beigesetzt. Sein Grabstein ist erhalten (links) mit der Inschrift: 
"Hier ruht Herr Simon Rosenthal aus Lichtenau, der mit seiner Melodie dirigierte 50 Jahre lang, heiligte seine Arbeit, und im 77. Jahr seines Daseins nahm ihn Gott am 23. Adar 5623" (= 14. März 1863).    
(Quelle und Foto: Peter Strauss, Oakland CA., Nachkomme von Simon Rosenthal)  

         
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers (1855) 
Anmerkung: Lehrer Simon Rosenthal ist vermutlich 1855 offiziell von seinen Aufgaben zurückgetreten, daher wurde die Stelle neu ausgeschrieben. In welcher Weise er in den folgenden Jahren - bis zu seinem Tod 1863 - seinen Aufgaben weiter nachgekommen ist beziehungsweise ob die Stelle anderweitig besetzt wurde, ist nicht bekannt. 1862 kam jedenfalls Lehrer Lazarus Lehmann nach Lichtenau (siehe unten).     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 22. August 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Die Religionslehrer- und Vorsängerstelle bei der israelitischen Gemeinde Lichtenau ist durch freiwilligen Rücktritt ihres bisherigen Inhabers vakant geworden und soll in Bälde wieder besetzt werden. Mit derselben ist ein fixer Gehalt von 225 fl. nebst freier Wohnung und Beheizung des Schulzimmers, ferner der Schächterdienst mit den davon abhängigen Gefällen verbunden. Schulgelder werden keine bezahlt; auch sind keine andern Vorsänger Akzidenzien als bei Hochzeiten und Beschneidungen zu gewärtigen; dagegen wird für Unterricht und Leitung des gottesdienstlichen Choralgesangs ein besonderes jährliches Honorar von 25 bis 40 fl. erteilt. Inländische Kandidaten werden eingeladen, ihre Bewerbungen unter Beischließung ihrer Aufnahmeurkunden und Zeugnisse durch die ihnen vorgesetzten Bezirksrabbinate bei der Bezirkssynagoge Bühl innert 6 Wochen einzureichen."     

  
Über Lehrer Lazarus Lehmann    
  
Lehrer Lazarus Lehmann war über mehrere Jahrzehnte die prägende Gestalt im Leben der jüdischen Gemeinde Lichtenau. Er stammte aus Wenkheim, wo er am 18.1.1841 geboren ist. 1862 kam er als Religionslehrer nach Lichtenau. Nach Auflösung der Konfessionsschulen in Baden 1876 wurde der begabte Lehrer in den badischen Schuldienst übernommen und war seit 1878 als Unterlehrer, seit 1879 als Hauptlehrer an der gemischten christlich-jüdischen Volksschule in Lichtenau tätig. An dieser Volksschule unterrichtete er bis nach der Zeit des Ersten Weltkrieges. In der jüdischen Gemeinde war es bis zu seinem Tod 1926, d.h. fast 65 Jahre lang als Vorbeter (Kantor), Seelsorger und Schochet tätig. Seine Wohnung in Lichtenau war in Gebäude Hauptstraße 35a. Er starb am 30. September 1926 in Lichtenau (das Foto links ist die Vergrößerung aus einem Klassenfoto von 1919 - Lazarus Lehmann im Alter von 78 Jahren; Quelle: Beitrag von L. Uibel s. Lit. S. 503). 
 
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Lazarus Lehmann (1887)  

Lichtenau Israelit 21071887.jpg (72074 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1887: "Lichtenau (Baden). Am 8. Mai feierte der an der hiesigen gemischten Volksschule angestellte Hauptlehrer Lehmann sein 25jähriges Dienstjubiläum. Derselbe genießt sowohl bei seinen Glaubensgenossen, als auch bei den anderen Konfessionen die höchste Achtung. An dem Festtage brachte der Gesangverein bei Fackelzug ein Ständchen und hielt der Dirigent derselben, einer christlicher Kollege des Herrn Lehmann, eine Rede, in welcher er die Verdienst des Jubilars hervorhob, die er sich durch seine 25jährige Tätigkeit in hiesiger Gemeinde erworben."      

   
40-jähriges Ortsjubiläum von Hauptlehrer Lehmann (1902)    

Lichtenau Israelit 23061902.jpg (126931 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1902: "Lichtenau (Baden), 18. Juni (1902). Aus Anlass seines vierzugjährigen Dienstjubiläums, wurde Herr Hauptlehrer Lehmann vom Großherzoglichen Oberrat der Israeliten heute freudig überrascht durch Übersendung eines über einen Meter hohen, prachtvoll eingerahmten Bildes unseres Großherzogs, nebst einem Anerkennungsschreiben, unterzeichnet vom Ministerialrat Becherer. 
Am 8. Mai waren es 40 Jahre, seitdem Herr Lehmann ununterbrochen in hiesiger Gemeinde wirkt und zwar zuerst seit 1862 als Religionslehrer, 1878 als Unterlehrer und seit 1879 als Hauptlehrer an der gemischten Volksschule und hat derselbe sich während dieser Zeit durch seinen Fleiß und Pflichttreue die Achtung und Liebe seiner Bekannten und Vorgesetzten erworben; er ist seit einigen Monaten sogar erster Hauptlehrer. Obschon Herr Lehmann in seiner Bescheidenheit von einer öffentlichen Feier nichts wissen wollte, ließen es sich seine Bekannten und Freunde nicht nehmen, diesen Tag zu feiern. Von ehemaligen Schülern aus Nah und Fern trafen schriftliche und telegraphische Glückwünsche und Geschenke ein, sogar ein besonders namhaftes von einem ehemaligen Schüler aus London. 
Der christliche Gesangverein 'Sängerbund' brachte dem Jubilar abends ein Ständchen und einen Fackelzug. Der israelitische Wohltätigkeitsverein veranstaltete nachträglich Herrn Hauptlehrer Lehmann zu Ehren ein Bankett, welches in glänzender Weise verlief und an welchem auch der Herr Bürgermeister und Ratschreiber von hier bis zum frühen Morgen teilnahmen. 
Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre hier zum Glück und Segen, gesund und rüstig so weiter zu wirken und auch sein 50jähriges Dienstjubiläum hier zu feiern."   

  
Hauptlehrer Lazarus Lehmann sucht ein Poroches (Toraschreinvorhang, 1908)  

Lichtenau Israelit 07051908.jpg (35928 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1908: "Ein seidensamtes, silbergesticktes, weißes Parochos für Rosch Haschana ist zu fertigen. 
Offerten nimmt Hauptlehrer Lehmann in Lichtenau (Baden) entgegen, der auch nähere Auskünfte erteilt."  

   
Hauptlehrer Lazarus Lehmann erhält eine Auszeichnung (1912)   

Lichtenau FrfIsrFambl 17051912.jpg (11983 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Mai 1912: "Lichtenau (Baden). Hauptlehrer Lazarus Lehmann erhielt das Verdienstkreuz vom Zähringer Orden."  

    
Zum Tod von Hauptlehrer a.D. Lazarus Lehmann (1926)     

Lichtenau Israelit 21101926.jpg (184416 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1926: "Hauptlehrer a.D. L. Lehmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -. Lichtenau in Baden, 14. Oktober (1926). Am 30. September dieses Jahres, am 23. Tischri, entschließ eingangs Simchas Tora der Hauptlehrer a.D. L. Lehmann in Lichtenau in Baden, im Alter von 86 Jahren. Mit ihm ist eine wahrhaft seltene Persönlichkeit dahingegangen, die weit über den Kreis der engen Heimat und des Badenerlandes bekannt und geschätzt war. Dementsprechend gestaltete sich die Beisetzung zu einer großen Trauerkundgebung, an der neben Kultus- und weltlichen Behörden, des Gesangvereins und der Feuerwehr, viele ehemalige Schüler aus Nah und Fern teilnahmen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Zlocisti, Offenburg in Baden, rühmte die Verdienste des Entschlafenen, der 41 Jahre als Lehrer an der Elementarschule und über 65 Jahre als Religionslehrer und Kantor der jüdischen Gemeinde segensreich gewirkt hatte und den 3 Generationen seiner Schüler aufrichtig betrauern. Namen des Oberrats der badischen Juden bedauerte Herr Dr. Marx, Karlsruhe, den Tod des vortrefflichen Mannes, mit dem das Judentum einen seiner Besten verloren habe. Herr Oberkantor Grünfeld, Baden-Baden, sprach im Namen der badischen Kantoren und Lehrer, denen der Verstorbene leuchtendes Vorbild war. Herr Rabbiner Dr. Mayer, Bühl, sprach als langjähriger Freund und Mitarbeiter des Verstorbenen. Herr Josef Kaufmann, Kehl, brachte sein Beileid für die früheren Schüler dar, Herr Bürgermeister Zimmermann für die politische Gemeinde, Herr Junitsch namens des Gesangvereins, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war. Es sprachen ferner Herr Leopold Roos als Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr Lehrer Hirschberg, Neufreistett als Kollege der Nachbargemeinde. Herr Pfarrer Bühler von der evangelischen Kirchengemeinde schilderte den Heimatgegangenen als Freund und vorbildlichen Kollegen, dem er besonders durch gemeinsame soziale Arbeit vieles zu verdanken habe. Er wünscht, dass die jüdische Gemeinde Lichtenau stets solche Männer an ihrer Spitze habe. ein guter Jude, ein wahrer Freund und Wohltäter, ein liebevoller Hatte und Vater ist mit ihm dahingegangen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.

    
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
   

Über
das 25-jährige Jubiläum des Israelitischen Frauenvereins (1886) 

Lichtenau Israelit 04061885.jpg (114077 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1886: "Lichtenau am Rhein. Im Jahre 1860 Schabbat Behar (Schabbat mit der Toralesung Behar = 3. Mose 25,1 - 26,2; das war Schabbat, 19. Mai 1860) wurde in hiesiger Gemeinde, in Folge einer Predigt des seligen Bezirksrabbiner Schott von Bühl, in welcher derselbe von Wohltätigkeit sprach und zur Gründung von Wohltätigkeitsvereinen aufforderte, ein jüdischer Frauenverein gegründet, welcher sich die Aufgabe stellte, kranke Frauen hiesiger israelitischer Gemeinde zu unterstützen und wo Hilfe bei dürftigen Mitgliedern nötig ist, sie zu leisten. 
Am jüngsten Schabbat Behar (15. Mai 1886) stiftete dieser Verein auf Antrag seines Vorstandes Löb Kaufmann und Schriftführers, Hauptlehrer Lehmann und des Rechners Samuel Roos zu seinem 25-jährigen Bestehen ein prachtvoll gesticktes Parochet (Toraschreinvorhang) in die hiesige Synagoge. 
Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer aus Bühl, der erst kürzlich seine Stelle antrat und an diesem Sabbat zum erstenmal hier predigte, nahm Veranlassung in seiner trefflichen Predigt, in welcher er zum Festhalten am Glauben und Judentum ermahnte, über den religiösen Sinn der edlen Spenderin seine Anerkennung auszusprechen. Das Parochet wurde von Herrn A. Schwab in Strassburg im Elsass gefertigt und gereicht die pünktliche Arbeit und die Ausführung des Ganzen, welche von Geschmack und reellem Kunstsinn zeugt, Herrn Schwab zur Ehre."

   
Auswirkungen der antisemitischen Hetze (1894) 

Lichtenau Israelit 05021894.jpg (75639 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1894: "Lichtenau (Baden), 29. Januar (1894). Wie weit es die hiesigen 'hohen' Herren mit ihren antisemitischen Hetzereien gebracht, beweist der Mordanfall, den 2 junge Burschen am Samstagabend, am Kaisers Geburtstag, auf einen Israeliten von etwa 60 Jahren machten. Der Angefallene trug 4 Wunden auf dem Kopfe davon. Der Anfall geschah auf der Brücke zwischen Lichtenau und Ulm. Dass dieser Anfall geplant war, beweist der Umstand, dass die Strolche dem Überfallenen eine Strecke nachgeschlichen waren. Gendarmerie wurde sofort benachrichtigt; durch verschiedene Äußerungen der Täter ist man denselben auf der Spur. - In derselben Nacht wurde in Lichtenau einem Synagogenrat die kleine Türe am Hofgitter ausgehoben und entwendet. Das also ist die Ernte, deren Saat die verschämten und unverschämten Antisemiten ausgestreut haben."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Baruch Kaufmann (1894) 

Lichtenau Israelit 07051894.jpg (57521 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1894: "Lichtenau (Baden). Am 13. April starb dahier unerwartet rasch der allgemein geachtete Bürger H. Baruch Kaufmann. Derselbe war lange Zeit Vorstand hiesiger israelitischer Gemeinde, war seit 18 Jahren bis zu seinem Tode Mitglied des Gemeinderats und der Ortsschulkommission und bekleidete längere Zeit das Amt eines Bezirksrats. - Bei dem am 22. dieses Monats stattgehabten 25jährigen Stiftungsfeste der freiwilligen Feuerwehr wurde unter anderen auch der hiesige israelitische Bürger Samuel Roos IV, der 25 Jahre dem Corps angehörte, mit einem von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog gestifteten Ehrenzeichen und einem Diplom ausgezeichnet." 

     
Goldene Hochzeit von Max Kaufmann und seiner Frau (1908)

Lichtenau Israelit 26111908.jpg (75519 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1908: "Lichtenau (Baden), 20. November (1908). Am Dienstag, 17. dieses Monats, feierte das Max Kaufmann'sche Ehepaar in geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit in engstem Familienkreise. Das Jubelpaar wurde von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog durch eine silberne Denkmünze beehrt. Bezirksrabbiner Dr. Maier aus Bühl hielt im Hause der Gefeierten nach dem Mincha-Gottesdienste eine zu Herzen gehende Rede und überreichte dem goldenen Hochzeitspaare eine vom Großherzoglichen Oberrate übersandte Mappe mit synagogalen Bildern nebst einer Widmung. Hieran reihten sich die kurzen Ansprachen des Schwiegersohns des Jubelpaars, Herrn Rechtsanwalt Veit aus Offenburg und des Herrn Hauptlehrer Lehmann von hier. Möge den Gefeierten ein gesegneter heiterer Lebensabend beschieden sein. Es ist dies die dritte Goldene Hochzeit, die binnen eines ganz kurzen Zeitraumes in der hiesigen israelitischen Gemeinde gefeiert wird." 

    
Drei jüdische Ehepaar aus Lichtenau feiern Goldene Hochzeit (1908)  

Lichtenau Israelit 22101908.jpg (30187 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1908: Bühl in Baden, 18. Oktober (1908). Im nahen Lichtenau mit ungefähr 30 jüdischen Familien, feierten respektive feiern innerhalb weniger Wochen 3 israelitische Ehepaare in voller Rüstigkeit das seltene Fest der goldenen Hochzeit und zwar die Eheleute Moses Weil, Josef Kaufmann, und Marx Kaufmann." 

  
Wiederwahl vom Emil Roos in den Gemeinderat (1913)

Lichtenau FrfIsrFambl 28111913.jpg (8879 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. November 1913: "Lichtenau. Emil Roos ist einstimmig in den Gemeinderat wiedergewählt worden." 

  
Dr. med. Sally Friedrich Roos erhält das Eiserne Kreuz (1915)  

Lichtenau FrfIsrFambl 23061916.jpg (16818 Byte) Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1916: "Mannheim. Dr. med. Sally Friedrich Roos - Lichtenau und Feldzahnarzt Hermann Mansbach - Mannheim erhielten das Eiserne Kreuz."    

 
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Lehrlingssuche der Eisenkurzwaren-, Werkzeug, Öfen-, Haus- und Küchengerätehandlung Nathan Roos (1900)  

Lichtenau Israelit 10051900.jpg (38872 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1900: "Lehrlings-Gesuch.  
Für meine Eisenkurzwaren-, Werkzeug-, Ofen-, Haus- und Küchengerätehandlung suche per sofort oder 1. Juli einen Lehrling und einen Volontär. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. 
Nathan Roos, Lichtenau. Baden." 
 
Lichtenau Israelit 09081900.jpg (37854 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1900: "Lehrlings-Gesuch. Für meine Eisenkurzwaren-, Werkzeug-, Ofen-, Haus- und Küchengerätehandlung suche per 15. August oder 1. September einen Lehrling und einen Volontär. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen.
Nathan Roos, Lichtenau, Baden."    

  
Anzeigen des Manufaktur- und Kurzwarengeschäftes Cahn (1900 / 1902)  

Lichtenau Israelit 16071900.jpg (37422 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1900: "Suche per sofort einen 
Lehrling
 
mit guten Schulkenntnissen. Kost und Wohnung im Hause. Samstag und Feiertage geschlossen. 
B. L. Cahn Witwe, 
Inhaber: Baruch Cahn, 
Manufaktur- und Kurzwarengeschäft, Lichtenau, Baden."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1902: "Suche per sofort einen 
Lehrling 
mit guten Schulkenntnissen. Kost und Wohnung im Hause. Samstage und Feiertage geschlossen. 
B. L. Cahn Witwe, Inhaber Baruch Cahn, 
Manufaktur-, Aussteuer- und Kurzwarengeschäft Lichtenau (Baden)."        

  
 Anzeige von Babette Kaufmann (1912)      

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. November 1912:  "Ärztlich geprüfte Israelitische Wochenpflegerin nimmt noch Stellen an. Näheres durch 
Frl. Babette Kaufmann  Lichtenau
(Baden)."       

   
Verlobungsanzeige von Gertrud Sichel und Theo Weil (1930)          

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1930: "Statt Karten! 
Gertrud Sichel  -  Theo Weil.  Verlobte.  
Kleinheubach - Main    -   Lichtenau in Baden".    

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge  
  
Erste Berichte über jüdische Gottesdienste in Lichtenau liegen aus den 1730er-Jahren vor. Im Haus des Marx Kaufmann (vielleicht bereits das von ihm 1743 für 320 Gulden gekaufte zweistockige Haus Ecke Landstraße und Mühlweg) trafen sich die jüdischen Männer der drei Lichtenauer und der vier Rheinbischofsheimer Familien unregelmäßig am Schabbat und an den Feiertagen. Kaufmann selbst übernahm den Dienst des Vorsängers. Da die Juden hierzu keine herrschaftliche Erlaubnis hatten, wurden die Teilnehmer dieser Versammlungen 1736 zur Verantwortung gezogen. Sie meinten freilich, dass es sich bei ihrer Zusammenkunft nicht um einen "ordentlichen Schulgang" gehandelt habe und sie sich auch keiner Übertretung schuldig fühlten. Oberamtmann Bassy war unnachsichtig und belegte Kaufmann mit einer hohen Strafe von 20 Gulden; die beiden Mitangeklagten hatten je fünf Gulden zu bezahlen. Das Regierungskollegium in Buchsweiler (Bouxwiller, Elsass) reduzierte wenig später die Strafe um die Hälfte. Hierauf baten die Lichtenauer Juden um die offizielle Erlaubnis, in Zukunft solche Zusammenkünfte in ihren Wohnstuben abhalten zu dürfen. Für die Konzession wurden 75 Reichstaler gefordert, die sie in den kommenden Jahren in Raten abzahlten.  
    
1810 erbaute die größer werdende jüdische Gemeinde auf einem Bauplatz hinter dem Gasthaus "Linde" eine Synagoge. Es handelte sich um ein einfaches Gebäude mit 50 Plätzen für die Männer und 36 für die Frauen. Vor dem Bau der Synagoge war schon 1808 auf dem Grundstück des heutigen Kindergartens in der Schmiedstrasse ein israelitisches Schulhaus (gemeint: Haus mit der Wohnung des Lehrers, in dem sich auch ein Raum für die Erteilung des Religionsunterrichtes befand) erstellt worden. Um 1835 wurde unter diesem Schulhaus ein rituelles Bad eingerichtet, das 1854 bauliche und hygienische Mängel aufwies und daher 1855 durch ein Badhaus am Lindenplatz ersetzt wurde.  
 
1856 wurde eine neue Synagogenordnung verabschiedet. In ihr war u.a. geregelt: 
§ 4: Der Gottesdienstanzeiger. Er soll monatlich festgelegt und an der Tafel angezeigt werden.
§ 5: Jeweils eine Viertelstunde vor bzw. nach dem Gottesdienst sind die Türen zu öffnen bzw. zu schließen.
§ 6: Kinder, die noch keinen Religionsunterricht besuchen, sollen nicht am Gottesdienst teilnehmen.
§ 7: Es ist anständige Kleidung erwünscht. 
§ 8: Die steuer- oder personalpflichtigen Gemeindeglieder sollen einen schwarzen Hut aufsetzen. 
§ 10: In der Synagoge ist alles Umhergehen verboten, desgleichen das Grüßen, Schwätzen, Zwicken, Necken und Lachen. Wer Tabat kaut wird aus der Synagoge verwiesen.
§ 11: Beim Küssen der Tora ist das laute Schmatzen zu vermeiden. 
§ 14: Mitsingen nur mit dem Kinderchor. 
§ 17: Das Gebet für den Landesherrn, sein erhabenes Haus und Vaterland muss von jedermann stehend angehört werden. 
§ 20: a. Die Synagogenordnung soll dem Bezirksamt in Kork zur Genehmigung vorgelegt werden. b. Sichtvermerkt des Bezirksrabbiners von Bühl. 
   
1862 wurde bei einer Ortsbereisung in Lichtenau durch die zuständige Behörde festgestellt, dass die Lichtenauer Synagoge inzwischen sehr baufällig und zu klein sei: "Dies (ist) namentlich bei dem Frauenplatze der Fall, welcher so beengt im Raume ist, dass die Mädchen gar nicht in die Synagoge kommen können. Mit Reparaturen ist wenig zu helfen". Das Bezirksamt bat die israelitische Gemeinde, das Problem sorgfältig zu beraten und empfahl den Neubau einer Synagoge. Eine hierzu einberufene Gemeindeversammlung der israelitischen Gemeinde stimmte zwar einem Neubau grundsätzlich zu, aber man bat um einen Aufschub von zwei Jahren, da im Moment das Geld fehle. Nur eine Minderheit sprach sich für einen sofortigen Baubeginn aus. Im Herbst 1862 wurde zunächst einmal die Frage nach dem Standort einer neuen Synagoge diskutiert. Freilich vollzog sich in der Gemeinde mit der Zeit ein Stimmungswandel. Eine Gemeindeversammlung am 30. November 1862 führte zum Ergebnis, keinen Neubau zu erstellen, da es auf absehbare Zeit an den finanziellen Mitteln fehlen würde. Das Bezirksamt beugte sich dieser eindeutigen Haltung der Gemeindemehrheit. Nach einer dreijährigen Jahren Denkpause sprach sich die Gemeinde dafür 1865 aus, die alte Synagoge zu erweitern. Inzwischen war auch ausreichendes Kapital angespart worden, um mit den Baumaßnahmen zu beginnen. 
 
Ein Bausachverständiger hatte einen Plan erarbeitet, wonach die Synagoge mit relativ geringen Mitteln in einen würdigen Zustand versetzt werden könne, der größeren Raumbedarf berücksichtige. Das Gebäude solle beim Westteil durch Verschiebung des Giebels um sechs Fuß erweitert werden. Dadurch könne man für die Männer statt der bisherigen 50 Plätze künftig 120 Plätze einrichten. Auch für die Schulkinder könne Platz eingerichtet werden und für die Frauen würden 60 statt den bisherigen 36 Plätzen zur Verfügung stehen. Nachdem eine weitere Gemeindeversammlung diesen Plan befürwortete, konnte ein entsprechendes Baugesuch im September 1867 vom Bezirksamt genehmigt werden. Im Juni 1868 wurden die von Bürgermeister Ludwig vom Nachbarort Grauelsbaum geleiteten Umbaumaßnahmen abgeschlossen. Die Synagoge konnte neu eingeweiht werden.   
 
Bis 1938 war die Synagoge in Lichtenau Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 sollte die Synagoge angezündet werden, wegen der Brandgefahr für ein ein Nachbargebäude und das Gasthaus Linde soll man davon abgelassen haben. Der Innenraum wurde jedoch geplündert, die Kultgegenstände zerstört. Das Synagogengebäude wurde am 27. Dezember 1940 abgebrochen, der Platz eingeebnet. 
  
Das Grundstück wurde 1945 dem israelitischen Oberrat zurückgegeben. Es kam an die jüdische Vermögensverwaltung JRSO und wurde von dieser 1953 an die politische Gemeinde Lichtenau veräußert. Die Bedingung für den Verkauf an die Kommune war, dass das Gelände nicht bebaut werden darf, was im Grundbuch festgehalten wurde. Die Freifläche umfasst 6,81 ar. Es ist heute der Vorplatz zu dem Grundstück der israelitischen Schule erbauten Kindergarten und einem Wohnhaus. Am 13. April 1986 wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Bei der Gedenkfeier waren auch mehrere ehemalige jüdische Lichtenauer anwesend.  
  
Dokumente zur Aufstellung des Gedenksteines 1986:  

Lichtenau PA 015.jpg (101289 Byte) Lichtenau PA 010.jpg (63647 Byte) Lichtenau PA 014.jpg (153188 Byte)
Einladung im "Amtsblatt der Stadt
 Lichtenau'" vom 5. April 1986
Bericht im "Badischen Tagblatt" 
vom 11. April 1986
Bericht im "Acher- und Bühler Bote" 
vom 12. April 1986
     
Ausführliche Berichte über 
die Einweihung des Mahnmales
 im April 1986  
Lichtenau PA 012.jpg (164943 Byte) Lichtenau PA 013.jpg (206219 Byte)
  Oben: Artikel "Mahnmal enthüllt - Gedenken an jüdische Mitbürger" von Knut Schilling im "Acher- und Bühler Bote" vom 14. April 1986
   
Lichtenau PA 011a.jpg (158538 Byte) Lichtenau PA 011.jpg (215045 Byte)
Oben: Artikel: "Versöhnung Hand gereicht mit 'Shalom Alaichem - Friede sei mit Euch' - Stimmen ehemaliger jüdischer Mitbürger von Lichtenau zur Feierstunde für das Mahnmal am einstigen Platz der Synagoge  

 
Die Schmiedstrasse hieß seit dem Bau der Synagoge im 19. Jahrhundert bis nach 1933 "Synagogenstrasse". Eine Rückbenennung nach 1945 ist nicht erfolgt.

 
  
Fotos  
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite

  
Pläne:  

Ausschnitt aus einem Plan von 
Lichtenau mit eingezeichnetem
 Synagogengrundstück an der
 Schmiedstraße   
Lichtenau Plan.jpg (156089 Byte)    
        
      
Pläne zum Umbau der Synagoge (1868)
(Quelle: L. Uibel s. Lit. S. 493)
Lichtenau Synagoge 170.jpg (41204 Byte) Lichtenau Synagoge 171.jpg (30680 Byte)
   Südseite des Synagogengebäudes Querschnitt des Synagogengebäudes
     
Pläne für die Sitze in der Synagoge
(Quelle: L. Uibel s. Lit. S. 492) 
Lichtenau Synagoge 172.jpg (53407 Byte) Lichtenau Synagoge 173.jpg (32209 Byte)
    "Die Männer-Stühle" im Erdgeschoss: 120
 Plätze wurden eingerichtet; links vorne
 saßen vermutlich die Schulkinder 
"Die Weiberstühle" auf der Empore: 
für die Frauen wurden 60 Plätze 
geschaffen
         
Aus der Geschichte  Lichtenau Soldaten 1915.jpg (66482 Byte)    
   Jüdische Kriegsteilnehmer aus Lichtenau
 zum jüdischen Neujahrsfest Rosch
 HaSchana
1915
  

    

Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos 1986: 
(Quelle: Pressebericht im "Acher- 
und Bühler Bote" vom 14. April 1986;
 Bericht siehe oben)  
Lichtenau Synagoge 101.jpg (136940 Byte)   
 
    Gedenkstunde aus Anlass der Aufstellung des Gedenksteines am 13. April 1986   
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.9.2003)
 
Lichtenau Synagoge 151.jpg (73408 Byte) Lichtenau Synagoge 152.jpg (85609 Byte) Lichtenau Synagoge 150.jpg (92544 Byte)
Blick auf das ehemalige
 Synagogengrundstück (Grünanlage)
Im Hintergrund das umgebaute Haus 
der ehemaligen jüdischen Schule
Der Gedenkstein 
von 1986

   
   

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Lichtenau  
US-Privat-Website einer jüdischen Familie mit Bezug zu Lichtenau  
Judenkrawalle in Lichtenau 1848 (Seite Universität Freiburg): hier anklicken  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 179-180.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 365-367.
Ludwig Lauppe: Burg, Stadt und Gericht Lichtenau. Eine heimatgeschichtliche Rückschau. Hemsbach 1984 S. 160-164 bzw. 1998² S. 187ff.
Ludwig Uibel: Die israelitische Gemeinde in Lichtenau im 19. Jahrhundert, in: Die Ortenau 82 2002 S. 487.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

      
  

 

 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.    

Lichtenau  Baden. Jews are mentioned as temporary residents in the 17th century, forming a permanent settlement only from the early 18th. Local pressure confined the Jews to moneylending and the used clothing trade. Jewish homes were vandalized in the revolutionary disturbances of 1848 and Jews were again victimized by antisemitism in the 1880s and 1890s. In the early 20th century, most Jews were cattle traders or shopkeepers and ran auxiliary farms. The Jewish population reached 244 in 1871 and then declined steadily to 84 (total 1,090) in 1933. Forty-six Jews left at this time, 20 emigrating. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the remaining men were taken to the Dachau concentration camp, whre two were shot. The last 24 Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940; eight others were deported after leaving Lichtenau. Of the 32 deportees, 11 died in Auschwitz and seven survived the Holocaust.  
  
      

                   
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Stand: 16. Juli 2013