Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rheinbischofsheim (Gemeinde Rheinau, Ortenaukreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In dem bis 1736 zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg, danach bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gehörenden Rheinbischofsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1648 und wieder 1717 Juden am Ort genannt. Der Graf von Hanau-Lichtenberg gestattete (teilweise gegen den starken Widerstand der Straßburger Kaufmannschaft) den Juden, offene Krämerläden zu führen. 1736 gab es vier, 1790 neun Schutzjuden mit ihren Familien am Ort. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 102 jüdische Einwohner (6,8 % von insgesamt 1.519 Einwohnern), 1875 Höchstzahl von 155 (9,7 % von 1.600), 1895 105 (7,2 % von 1.462), 1900 95 (6,7 % von 1.408), 1910 72 (5,0 % von 1.434). 
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (mit Lehrerwohnung im Synagogengebäude) sowie ein rituelles Bad (vermutlich in einem Nebengebäude zur Synagoge). Die Toten der Gemeinde wurden in Kuppenheim, später in Neufreistett beigesetzt. Auf einem in Rheinbischofsheim bestehenden kleinen jüdischen Friedhof wurden nur ein oder mehrere Angehörige der Familie Löw Simson beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. In besonderer Erinnerung blieb Lehrer Daniel Levi, der 1907 sein 25-jähriges Ortsjubiläum in Rheinbischofsheim feiern konnte. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bühl zugeteilt. 
    
Für das wirtschaftlichen Leben des Ortes waren die jüdischen Handels- und Gewerbebetriebe von großer Bedeutung. 
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Vizefeldwebel Max Bloch (geb. 22.3.1880 in Rheinbischofsheim, gef. 15.10.1918), Josef Bloch (geb. 2.3.1878 in Rheinbischofsheim, gef. 2.11.1918), Eduard Bloch (geb. 20.4.1884 in Rheinbischofsheim, gef. 18.11.1916) und Feldunterarzt Max Cahnmann (geb. 29.2.1892 in Rheinbischofsheim, vor 1914 in Bonn wohnhaft, gef. 9.12.1916). Ihre Namen stehen auf dem Gefallenendenkmal der Gemeinde Rheinbischofsheim.    
 
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde 69 Personen gehörten (5,0 % von insgesamt 1.377 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Moses Bloch, Gustav Bloch und Sally Kaufmann. Als Lehrer, Kantor und Schochet wird D. Hirschberger genannt, als Synagogendiener M. Kreilsheimer, als Schreiber P. Weil. Lehrer Hirschberger unterrichtete sechs Kinder in Religion. An jüdischen Vereinen bestand insbesondere der Krankenverein der Israelitischen Gemeinde (gegründet 1899; 1924/32 unter Leitung von Moritz Bloch mit 25 beziehungsweise 31 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Krankenpflege, Wohltätigkeit). 1932 war die Gemeindevorsteher Moses Bloch (1. Vors.), dazu werden als "Synagogenräte" David Cahnmann und Jacob Maier genannt. Lehrer war weiterhin D. Hirschberger. Im Schuljahr 1931/32 hatte er 13 Kinder zu unterrichten. An weiteren Ämtern in der Gemeinde gab es das Friedhofsamt (1932 unter Leitung von Lehrer Hirschberger).   
   
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind u.a. bekannt: Textilgeschäft Gustav Bloch (Hauptstraße 122), Textilgeschäft Joseph Bloch (Lindenplatz 2), Viehhandlung Joseph Bloch (Altrheinstraße 27), Mehl- und Getreidehandlung Moritz Bloch (Lindenplatz 3), Viehhandlung Moses Bloch (Kirchstraße 23), Textilgeschäft Grumbacher (Lindenplatz 6), Edelbranntweinbrennerei Liebmann & Simon Kahn (Hauptstraße 119), Viehhandlung Nathan Kahnheimer (Altrheinstraße).     
     
1933 lebten noch 57 jüdische Personen in Rheinbischofsheim. In den folgenden Jahren verließen die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung den Ort oder wanderten aus. Am 17. Juni 1935 wurden die jüdischen Gemeinden Rheinbischofsheim und Freistett vereinigt. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Inneneinrichtung der Synagoge und der Religionsschule zerstört (s.u.). Die jüdischen Männer wurden über Kehl nach Dachau verbracht. Gustav Bloch starb an den Folgen der dort erlittenen Misshandlungen am Neujahrstag 1939 im Krankenhaus Offenburg. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten acht jüdischen Einwohner nach Gurs deportiert.      
     
Von den in Rheinbischofsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elsa Bensinger geb. Bloch (1887), Bertha Bloch geb. Heilbronner (1884), Frieda Bloch geb. Schlessing (1886), Gustav Bloch (1883), Josef Bloch (1877), Sophie Bloch (1857), Kain Bodenheimer (1866), Siegfried Boettigheimer (1874), Lina Brauer geb. Maier (1877), Ida Dreyfuß geb. Bloch (1885), Else Grumbacher geb. Kahn (1863), Elsa Hammel (1889), Berta Kahnheimer geb. Marob (1882), Hermann Kahnheimer (1882), Hugo Kaufmann (1889), Johanna Kaufmann (1894), Sally Kaufmann (1891), Clementine Crämer geb. Cahnmann (1873), Clara Lang geb. Rosenfeld (1877), Emma Ledermann geb. Bodenheimer (1877), Margot Maier (1923), Thekla (Thea) Maier geb. Kahnmann (1898), Berta Rindsberg geb. Bodenheimer (1878).                         
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
    
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorsängers (1852)        

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 25. Dezember 1852  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen. 
Die neben freier Wohnung mit einem festen Gehalte von 150 fl., einem Schulgelde, welches bei einer Zahl von 36 Schulkindern auf jährlich 48 kr. für jedes Kind festgesetzt ist, und dem Vorsängerdienste samt den davon abhängigen Gefällen verbundene Religionsschulstelle bei der israelitischen Gemeinde Rheinbischofsheim, Synagogenbezirks Bühl, ist zu besetzen.  
Die berechtigten Bewerber um dieselbe werden daher aufgefordert, mit ihren Gesuchen, unter Vorlage ihrer Aufnahmeurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 5 Wochen, mittelst des betreffenden Bezirksrabbinats bei der Großherzoglichen Bezirkssynagoge Bühl, zu Rastatt, sich zu melden."     

 
Kantor Daniel Levy und Hannchen geb. Cahnmann feiern Silberne Hochzeit (1903)   

Rheinbischofsheim Israelit 13081903.jpg (112305 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. August 1903: "Rheinbischofsheim, 12. August (1903). Herr Kantor Daniel Levy und dessen Gattin Hannchen geb. Cahnmann dahier, begehen am 14. dieses Monats im engsten Familienkreises das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Levy, der nunmehr im 40. Amtsjahre steht, ist ein Schüler des seligen Lehrers Eppstein aus Saarwellingen und dessen erst im vorigen Jahre verstorbenen Schwagers, Isac Levy in Merzig, bei dem er seine Ausbildung im Hebräisch erhielt. Nachdem er zunächst in verschiedenen Orten des Großherzogtums Baden seine Lehr- und Amtstätigkeit ausgeübt hatte, folgte er vor nunmehr fast 21 Jahren einem Rufe hierher. Hier hat er sich in langjähriger Tätigkeit als Lehrer und Kantor, wie auch als wohltätiger und edler Menschenfreunde allgemeine Achtung und Liebe erworben. Er ist der Verfasser des auch in weiteren Kreisen bekannten jüdischen ABC-Büchleins.  
Nicht nur von seinen Gemeindeangehörigen, sondern auch von christlicher Seite sind ihm aus diesem Anlasse zahlreiche ehrende Beweise von Anhänglichkeit und Verehrung zuteil geworden.  
(Auch wir senden herzlichste Wünsche für weiteres Wohlergehen dem edlen Paare und seiner Familie. Redaktion des 'Israelit").       

   
Lehrer Daniel Levi feiert sein 40-jähriges Dienstjubiläum (1904)   

Rheinbischofsheim Israelit 10101904.jpg (98656 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1904: "Könen bei Trier. In welchem guten Andenken die hiesige jüdische Gemeinde bei einem früheren Lehrer steht, zeigt uns der jüngste Besuch des Herrn Lehrer Daniel Levi aus Rheinbischofsheim (Baden), der vor 40 Jahren als junger Mann hier (sc. Könen) angestellt war und sein 40jähriges Dienstjubiläum durch diesen Besuch feierte.  
Der Jubilar, der bei seinen damaligen Schülern, die jetzt ältere Männer geworden und bei allen seinen hiesigen Bekannten sehr beliebt war und noch in bestem Andenken steht, weilte bei seiner Ferienreise über Samstags bei uns, erfreute uns Freitagabends durch seinen herrlichen Gebetsvortrag und beschenkte die hiesige Gemeinde mit einem silbernen Kidduschbecher.  
Möchte der Allmächtige den Jubilar noch viele Jahre gesund erhalten, dass er auch weiter wie bisher in seinem Amte tätig sein kann, wo er schon 22 Jahre auf einer Stelle wirkt und möge ihm ein fröhlicher Lebensabend im kreise seiner Familie und Freunde beschieden sein."  

 
Lehrer Levi wirbt für seine Schülerpension (1903)  

Rheinbischofsheim Israelit 03091903.jpg (31277 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1903: 
"Schüler oder Schülerinnen, welche die hiesige 5-klassige Realschule besuchten wollen, finden billigste 
Pension
 
bei Lehrer Levy, Rheinbischofsheim (Baden)."   

    
Lehrer Levi ist 25 Jahre in Rheinbischofsheim (1907) 

Rheinbischofsheim Israelit 16051907.jpg (46254 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1907: "Rheinbischofsheim, 10. Mai (1907). Am 2. Juni dieses Jahres werden es 25 Jahre, dass Herr D. Levi als Lehrer und Kantor in unserer Gemeinde tätig ist. Durch seine pädagogischen Leistungen und durch seine trefflichen Eigenschaften hat er sich die Liebe und Achtung der ganzen Gemeinde und aller, die ihn kennen, in hohem Grade erworben. Man beabsichtigt, das 25-jährige Ortsjubiläum des verdienten Mannes in der Gemeinde festlich zu begehen." 

 
Lehrer Levi feiert sein 30-jähriges Ortsjubiläum (1912)  
Anmerkung: im Text ist falsch vom 40-jährigen Dienstjubiläum die Rede, das Levi jedoch bereits 1904 gefeiert hatte.

Rheinbischofsheim FrfIsrFambl 14061912.jpg (14836 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Juni 1912: "Rheinbischofsheim. Lehrer Levi feierte am 8. Juni unter allgemeiner Beteiligung sein 40-jähriges Amtsjubiläum."  

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Aaron Juda aus Lehrensteinsfeld wird in Rheinbischofsheim wegen "Gotteslästerung" verurteilt (1842)       

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 13. April 1842 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Rheinbischofsheim. [Landesverweisung]. Gegen den unten signalisierten Israeliten Aaron Juda aus Lehrensteinsfeld, königlich württembergischen Oberamts Weinsberg, welcher wegen Gotteslästerung dahier in Untersuchung gekommen, hat das großherzogliche Hofgericht des Mittelrheinkreises unterm 17. März dieses Jahres Nr. 3017 das Urteil erlassen: 
'Aaron Juda sei der Gotteslästerung für schuldig zu erklären, und deshalb zu einer Schellenwerksstrafe von vierzehn Tagen, sowie zu Tragung der Untersuchungs- und Straferstehungskosten zu verurteilen und nach erstandener Strafe der großherzoglichen badischen Lande zu verweisen.'
Dieses wird zum Zweck der Arretierung des Aaron Juda für den Fall, als er die Landesverweisung brechen sollte, hiermit öffentlich bekannt gemacht. 
Rheinbischofsheim, den 29. März 1842. Großherzogliches Bezirksamt. 
Signalement des Aaron Juda:
Alter 23 Jahre; Größe 5' 4" 7'"; Körperbau untersetzt, etwas vorhängenden Kopf; Farbe der Haare braun; Augen grau; Augenbrauen dunkelbraun; Gesicht rund; Stirn niedrig; Nase klein und spitzig; Mund klein und aufgeowrfen; Zähne gut; Kinn rund; Bar dunkelbraun rasiert; Besondere Kennzeichen keine."      

 
Öffentlicher Dank der Landwirte (Tabakpflanzer) an die jüdischen Tabakhändler (1894)  

Rheinbischofsheim Israelit 01021894b.jpg (75910 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1894: "Rheinbischofsheim, 18. Januar (1894). Vorige Woche wurde der Tabak vollständig abgewogen zur großen Zufriedenheit der Pflanzer sowie der Käufer. Es wurden hier rund 2.500 Zentner angebaut und kam die hübsche Summe von ca. 75.000 Mark zur Auszahlung. Die Käufer sind: A. Hirsch jun., Mannheim; Lußheimer, Hohenheim; Odenheimer u. Marx, beide von Bruchsal; Kaufmann und Benslein, Mannheim; Weißmann, Birnheim und Gekler, Straßburg. Die hiesigen Tabakpflanzer sprechen sämtlichen genannten Firmen für die solide Behandlung den Dank öffentlich aus."  

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
         
Fahndung nach Moses Kahnmann von Rheinbischofsheim (1834)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1834 S. 880 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vorladung und Fahndung. 
Moses Kahnmann von Rheinbischofsheim, welcher dahier wegen Betrugs in Untersuchung gestanden, und ungeachtet der handgelübdlichen Versicherung, sich nicht von Hause zu entfernen, entwichen ist, wird nunmehr aufgefordert, sich zur Vervollständigung der Untersuchung binnen 4 Wochen dahier zu stellen, und über den Handgelübdebruch zu verantworten, als sonst nach Lage der Akten gegen ihn erkannt werden würde. 
Die Großherzoglichen Polizeibehörden werden zugleich ersucht, auf den Inkulpaten, dessen Signalement unten folgt, zu fahnden, und ihn im Vertretungsfalle anher abführen zu lassen.  
Kork, den 24. September 1834.
Großherzoglich badisches Bezirksamt. 
Signalement. Alter 62 Jahr, Größe 5' 8", Augen braun, Haare schwarz mit weiß vermischt, Nase groß und gebogen, Gesichtsfarbe blass, Zähne mangelhaft, Körperbau stark."     

       
Zum Tod des Kriegsveteranen Moses Kahn (1894)  
Anmerkung: die Angabe des Lebensalters - 36 Jahre - dürfte nicht stimmen, wenn gleichzeitig von vier erwachsenen Kindern die Rede ist und der Krieg 1870/71 23/24 Jahre zurück liegt. 

Rheinbischofsheim Israelit 01021894.jpg (57835 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1894: "Rheinbischofsheim, 19. Januar (1894). Heute hatte unser Veteranenverein die traurige Pflicht, einen Kameraden zu Grabe zu tragen. Moses Kahn, 36 Jahre alt, diente beim 4. badischen Infanterie-Regiment Nr. 112 und war ein treues Mitglied unseres Vereins. Er hinterlässt eine trauernde Witwe und vier erwachsene Kinder. Er war ein braver und ehrenhafter Mann. Der Verein gab dem Dahingeschiedenen mit umflorter Fahne das Geleite zur letzten Ruhestätte."  

    
Über Clementine Sophie Krämer geb. Cahnmann (1873-1942)    

Clementine Sophie Kraemer geb. Cahnmann (1873 Rheinbischofsheim - 1942 KZ Theresienstadt), Sozialarbeiterin, war führend in der jüdischen Sozialarbeit und der allgemeinen Wohlfahrtspflege in München tätig, seit 1905 für den Verein Israelitische Jugendhilfe; wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert.

    
Über den Bankier Herbert Kahnheimer (1897 - ?)    
Anmerkung des Webmasters: auf den aus Rheinbischofsheim stammenden Bankier H. Kahnheimer wurden wir durch den an umfangreichen Recherchen zur "Darmstädter Sezession" arbeitenden Horst Dieter Bürkle (Darmstadt) aufmerksam gemacht. Leider liegen zu Herbert Kahnheimer bislang nur die unten genannten Informationen vor. Wer mehr über H. Kahnheimer weiß, möge sich bitte an Horst Dieter Bürkle wenden: E-Mail.        

Kahnheimer 010.jpg (65669 Byte)links: "Bildnis des Bankiers H. Kahnheimer" von dem Karlsruher Maler Georg Scholz (1924; der Maler aus den Reihen der Darmstädter Sezession wurde in der NS-Zeit als "entartet" eingestuft; das Original des Bildes ist unauffindbar bzw. verschollen). 
Herbert Kahnheimer (geb. 31.5.1897 in Rheinbischofsheim, gest. ?), in Berlin und Paris als Bankier tätig, 1936 in Berlin enteignet.  

        
        
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen      

Anzeige der Branntweinbrennerei A. Kahn Söhne (1901)  

Rheinbischofsheim Israelit 21031901.jpg (49005 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1901: "Selbstgebranntes Schwarzwälder Kirsch- und Zwetschgenwasser. Koscher al Pessach. empfehle per Liter inklusive Flasche à Mark 2.60 beziehungsweise Mark 2.- ab hier. A. Kahn Söhne, Branntweinbrennerei und Liqueurfabrik, Rheinbischofsheim, Baden. Wiederverkäufer Rabatt!"  

  
Anzeige des Manufaktur- und Modewarengeschäftes Moritz Cahnmann (1901)  

Rheinbischofsheim Israelit 28031901.jpg (40139 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1901: "Für mein Manufaktur- und Modewaren-Geschäft suche ich per 1. Mai, oder sofort nach den jüdischen Feiertagen einen Lehrling mit guten Schulkenntnissen bei guter Kost und Logis im Haus. Schabbat und Feiertag frei.  Moritz Cahnmann, Rheinbischofsheim, Baden."    

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge      
    
Erste Berichte über die Gottesdienste der Rheinbischofsheimer Juden liegen aus den 1730-Jahren vor. Da es damals noch keine zehn Männer am Ort gab, tat man sich mit den Juden im Nachbarort Lichtenau zusammen und traf sich im Haus des Marx Kaufmann in Lichtenau unregelmäßig am Sabbat und an den Feiertagen. Kaufmann selbst übernahm den Dienst des Vorsängers. Da die Juden hierzu allerdings keine herrschaftliche Erlaubnis hatten, wurden die Teilnehmer dieser Versammlungen 1736 zur Verantwortung gezogen. Sie meinten freilich, dass es sich bei ihrer Zusammenkunft nicht um einen "ordentlichen Schulgang" gehandelt habe und sie sich auch keiner Übertretung schuldig fühlten. Oberamtmann Bassy war unnachsichtig und belegte Kaufmann mit einer hohen Strafe von 20 Gulden, die beiden Mitangeklagten mit je fünf Gulden. Das Regierungskollegium in Buchsweiler reduzierte wenig später die Strafe um die Hälfte. Darauf erwarb die Rheinbischofsheimer Judenschaft gegen Entrichtung von 150 Gulden das Recht zur Abhaltung ihrer Schule, das heißt zur Einrichtung eines Betsaales. Dieser wurde zunächst in einem jüdischen Wohnhaus eingerichtet. 
     
Um 1815 wurde eine Synagoge erbaut (Standort Oberdorfstrasse 3, Flurstück  230/1). Im Synagogengebäude befanden sich ein auch Schulsaal und die Wohnung des jüdischen Lehrers. Vermutlich war in einem Nebengebäude auch ein rituelles Bad untergebracht, das 1933 nicht mehr benutzt wurde.
   
Nachdem die Zahl der Juden in Freistett und Rheinbischofsheim stark zurückgegangen war, wurde die Freistetter Synagoge 1935 geschlossen und nicht mehr zu Gottesdiensten verwendet. In der Synagoge in Rheinbischofsheim wurden bis zum November 1938 Gottesdienste gefeiert.   
     
In der Pogromnacht 1938 wurde nach vorliegenden Augenzeugenberichten am 10. November 1938 die Inneneinrichtung der Synagoge und der Religionsschule vollkommen zerstört. Bei den Tätern handelte es sich dabei großenteils (wie in Bodersweier) um österreichische SS-Leute, teilweise um örtliche Parteigenossen, angeführt von dem damaligen Ortsgruppenführer und dem Ortspolizisten. Die Fenster des Gebäudes wurden zerschlagen, die Bänke, der Kronleuchter und der Toraschrein sowie die rituellen Gegenständen wurden in den Vorhof geworfen. Eine Torarolle wurde wie eine Fahne an eine Stange gehängt und damit ein Umzug veranstaltet. Auf dem Hof ist mit dem zerschlagenen Inventar ein großes Feuer gemacht worden, bei dem auch ein Nussbaum verbrannt ist. Das Synagogengebäude selbst wurde nicht angezündet, weil inzwischen eine nichtjüdische Familie in der ehemaligen Wohnung des Religionslehrers wohnte. Die Juden des Ortes wurden im Ortsarrest gesammelt und mussten anschließend unter dem Spott der zuschauenden Schulkinder und anderer Ortsbewohner zum Lindenplatz marschieren. Der damalige Religionslehrer Hirschberger war gezwungen, in seinem Talar und mit einem Gebetbuch in der Hand, dem Zug vorauszugehen. 
     
1953 wurde das Gebäude abgebrochen. Der Platz blieb unbebaut (Gärten). Anfang der 1950er-Jahre wurde von der Staatsanwaltschaft Offenburg Anklage erhoben gegen zwei Männer, denen man eine Beteiligung beim Pogrom in Rheinbischofsheim vorwarf. Die Gerichtsverhandlung führte zu keinem Ergebnis, da die Angeklagten ihre Beteiligung bestritten und es keine klaren Zeugenaussagen gegeben hat.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge:   (1932: Gebäude Nr. 7)  
   
   
Fotos 
Historisches Foto 
(Quelle des Fotos: Hundnurscher/Taddey, s. Lit. Abb. 182; der Plan stammt aus dem Einschätzungsverzeichnis für die Brandversicherung 1933)

Rheinbischofsheim Synagoge 001.jpg (51610 Byte) Rheinbischofsheim Plan 001.jpg (97810 Byte) Rheinbischofsheim Plan 03.jpg (51287 Byte)
Die Synagoge in 
Rheinbischofsheim
Synagogengrundstück Oberdorfstraße 3
 (rechts davon Nr. 5): 1 markiert das
 Synagogengebäude mit Schulsaal 
und Wohnung, 2 markiert ein
 Nebengebäude mit einer 
Malerwerkstatt und 3 war das
 Nebengebäude (Toiletten)
  
Lageplan der ehemaligen Synagoge in
 Rheinbischofsheim mit Eintragung der
 heute noch bestehenden Nachbargebäuden.
 Der Pfeil zeigt auf die ehemalige Synagoge
 (Gebäude auf Plan links Nr. 1), rechts
 darunter die Nebengebäude (Gebäude 
auf Plan links Nr. 2 und 3)
(Quelle: F. Peter s.Lit. S. 10)
 
 
 


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn,
Aufnahmedatum: 1.9.2003)  
Rheinbischofsheim Synagoge 150.jpg (85955 Byte) Rheinbischofsheim Synagoge 151.jpg (84422 Byte)
  Das Grundstück, auf dem die ehemalige Synagoge Rheinbischofsheim stand
 (Oberdorfstraße 3)

   
   

Links und Literatur  

Links:

Website der Gemeinde Rheinau  
Zur Seite über den "Rheinbischofsheimer Judenstein" (interner Link)   

Literatur:  

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 247-248. 
Ludwig Lauppe: Burg, Stadt und Gericht Lichtenau. Eine heimatgeschichtliche Rückschau. Hemsbach 1984 S. 160-164 bzw. 1998² S. 187ff. 
Nikolaus Honold: Der Rheinbischofsheimer Judenstein. Der Begräbnisplatz des Löw Simson von Bischofsheim. In: Die Ortenau 75 1985 S. 360-363. 
Friedrich Peter (Hg.): Als in Deutschland die Synagogen brannten. Eine Dokumentation zu den Ereignissen in der "Reichskristallnacht" in den Gemeinden des Hanauerlandes. 2. Aufl. 1989. 
Gerd Hirschberg: Von Rheinau über Gurs nach Auschwitz. Stationen der Vernichtung der jüdischen Gemeinden Neufreistett und Rheinbischofsheim. In: Ortenau 80 2000 S. 237-250.   

     

Hinweis auf die Forschungen von Gerd Hirschberg: Gerd Hirschberg befasst sich seit längerem mit der Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden Freistett und Rheinbischofsheim. Ausführlich dokumentierte er die Entstehungsgeschichte des jüdischen Friedhofs Freistett und die Lebensumstände der jüdischen Familien im ausgehenden 19. Jahrhundert anhand von Aktenauszügen aus dem Gemeindearchiv Rheinau. Der Schwerpunkt lag auf Informationen aus dem Ort Freistett, weil das Archiv der Gemeinde Rheinbischofsheim infolge Kriegseinwirkung zerstört wurde. Die Dokumentation endet mit der Darstellung der Schicksale der ehemaligen jüdischen Freistetter und Rheinbischofsheimer in der NS-Zeit, wie sie aus den Wiedergutmachungsakten rekonstruierbar sind. 
Anfragen an Gerd Hirschberg über E-Mail [gehirschberg(et)gmx.de]. 
Artikel in der "Mittelbadischen Presse" vom 23. Februar 2013: "'Keiner ist wieder hergezogen'. Gerd Hirschberg recheriert die tragische Geschichte der Juden in Rheinau, die mit den Nazis endete..."  
Link zum Artikel     

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Rheinbischofsheim  Baden.  The first Jews settled in the mid-17th century with the privilege of operating shops and stalls. In the 19th century many ran auxiliary farms. The Jewish population reached a peak of 155 in 1875 (total 1,600) and then dropped sharply. In 1933, 57 remained. During the Nazi era, 39 emigrated and five moved to other German cities (two of them also emigrating). On Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was vandalized. The last seven Jews were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Three others were deported after leaving Rheinbischofsheim. All perished, seven of them in Auschwitz in 1942. 
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 23. August 2014