Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Gebiet der
Reichsabtei Schwarzach gehörenden, zugleich unter badischer Schirmvogtei
stehenden Stollhofen bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis zur Mitte des
19. Jahrhundert. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./16. Jahrhunderts zurück.
Erstmals werden 1457, 1511 und 1546 Juden am Ort genannt, dann wieder seit dem
im 17./18. Jahrhundert.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem
jüdischen Friedhof in Kuppenheim beigesetzt. 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bühl
zugeteilt.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1839 mit 41 Personen
erreicht.
An ehemaligen jüdischen Gewerbebetrieben sind in Stollhofen bekannt: das
Gebäude des "Kaufhauses Linz" (Rastatter Straße) gehörte im 19.
Jahrhundert dem Kaufmann Simon Lang; das Gebäude "Altes Rathaus"
(Rastatter Straße) gehörte zeitweise Kaufmann Leopold
Gernsbach.
Zur Gemeinde Stollhofen gehörten auch die jüdischen
Einwohner des benachbarten Schwarzach, wo es 1825 25 jüdische Einwohner gab.
Auch in diesem Ort lebten bereits seit dem 16. Jahrhundert vereinzelt Juden.
Auch in Schwarzach ging die Zahl in der jüdischen Einwohner in der 2. Hälfte
des 19. Jahrhundert schnell zurück.
Bis um 1875 sind fast alle jüdischen Personen der beiden
Orte weggezogen. Die Gemeinde Stollhofen war kurz vorher (1873) aufgelöst
worden.
1900 wurden in beiden Orten keine jüdischen Einwohner mehr gezählt.
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betsaal
in einem jüdischen Privathaus vorhanden.
Seit 1830 bestand in Stollhofen eine Synagoge.
Die Synagogenräte Bernhard Wertheimer, Löb Dreifuß und Simon Lang hatten in
der Herrengasse ein Hausgrundstück erworben und darauf 1829/30 eine
zweistockige Synagoge erbauen lassen. Zur Deckung der Baukosten hatte die Grünbaumwirtin
Fischer aus Hügelsheim 1830 der israelitischen Gemeinde einen Kredit von 950
Gulden zur Verfügung gestellt. 1836 wurde, um die immer noch offen stehenden
Baukosten abzudecken, beim Auditor Jägerschmid in Mannheim ein weiteres Kapital
von 950 Gulden aufgenommen. Als dieser 1854 verstarb, wurde das Kapital an den
Stadtamtmann Jägerschmid vererbt, der den Kredit aufkündigte. Zur Deckung der
Restsumme wurde daher von den Gemeindegliedern eine Umlage erhoben. Die
Gottesdienste in Stollhofen sind auch von den Schwarzacher Juden besucht worden.
Das steinerne Synagogengebäude war in den weichen
Untergrund des älteren Stadtgrabens gebaut worden und wurde daher im Laufe der
Zeit durch Bodenabsenkung stark beschädigt und baufällig. 1877 wurde
– nach dem Wegzug fast aller Juden aus Schwarzach und Stollhofen – die nicht
mehr genutzte Synagoge auf Abbruch versteigert. Die erzielte Summe belief sich
auf 1573.50 Mark, den Zuschlag erhielt Josef Sickinger. Zur Ausstattung der
Synagoge gehörten ein Kupferkessel, fünf Gasleuchten, ein Messingleuchter, ein
Ofen, ein Chorstuhl. Die drei Torarollen und andere rituelle Gegenstände wurden
der jüdischen Gemeinde in Bühl gegeben.
Josef Sickinger ließ die Synagoge abreißen und baute auf dem Grundstück
ein Geschäftshaus (heute Herrenstraße 10, gegenüber der Volksbankfiliale).
Fotos
Historischer Plan: