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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Worblingen (Gemeinde
Rielasingen-Worblingen, Kreis Konstanz)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem zum Ritterkanton Hegau, vom Anfang des 18. bis zum
Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren von Liebenfels gehörenden Worblingen
bestand eine jüdische Gemeinde bis 1902. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
Dreißigjährigen Krieg zurück. Erstmals kamen 1611 Juden nach Worblingen; 1666
werden drei jüdische Familien genannt.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner
wurde um 1857 mit 139 Personen erreicht. Die jüdischen Familien lebten vom
Handel mit Vieh, Pferden und verschiedenen Waren.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde wurde 1827 dem
Rabbinatsbezirk Gailingen zugeteilt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
ging die Zahl der Juden am Ort durch Wegzug schnell zurück (1875 95, 1900 nur
noch acht Personen). Nach der Auflösung der Gemeinde 1902 wurden die hier noch
lebenden Juden der Konstanzer Gemeinde zugeteilt. 1908/10 verzogen die beiden
letzten jüdischen Einwohner aus Worblingen.
Von den in Worblingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa
Schwarz geb. Levi (1873), Julie Weil geb. Rothschild (1884).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1874 /
1877
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1874:
"Die Israelitengemeinde Worblingen sucht einen
Religionslehrer, der zugleich die Funktionen eines Elementarlehrers,
Vorsängers und Schächters zu besorgen hat, bei einem Gehalte von 800 fl.
neben freier Wohnung und mancherlei Nebenverdiensten. Verheiratete
Bewerber werden bevorzugt. Portofreie Meldungen nebst Zeugnissen sind
innerhalb drei Wochen an den Unterzeichneten zu richten, welcher dieses
Stelle geeigneten Kandidaten noch besonders empfiehlt.
Gailingen (badischer Seekreis), 27. Januar 1874. Dr. Löwenstein,
Bezirksrabbiner". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1877:
"Die Israelitengemeinde Worblingen sucht zum 1. Mai dieses
Jahres einen verheirateten Religionslehrer, der den Vorsänger- und
Schächterdienst mit zu versehen hat. Geeignete Bewerber, denen ein hoher
Gehalb zugesichert wird, wollen sich mit portofreiem Gesuche unter Beilage
ihrer Zeugnisse innerhalb 4 Wochen an den Unterzeichneten wenden.
Gailingen (Baden), 25. Januar 1877. Dr. Löwenstein,
Bezirksrabbiner." |
Lehrer Brandeis fertigt und verkauft Mappot (Wimpeln) (1885)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1885: "Mappot
(Wimpeln) werden schön gefertigt von zwei Mark an von
Lehrer Brandeis in Worblingen bei Konstanz
(Baden)." |
Auszeichnung an Lehrer Brandeis (1899)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1899: "Eppingen,
12. Oktober (1899). In der jüngsten Zeit wurden drei israelitische
Religionslehrer von Seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog von Baden
goldene Verdienst-Medaillen gnädigst verliehen: den Herrn Lehrern
Brandeis in Worblingen, Schwarzwälder in Schluchtern
und Wolf in Sennfeld..." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Aus dem Rabbinatsbericht von 1867
| Über die Vereine und das rituelle Bad in
der Gemeinde: |
Aus
dem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember
1867 zu Worblingen: "V. Israelitische Gemeinde Worblingen. 1)
Wohltätigkeitsverein. Vermögen fl. 325...
weiter unten:
Aus dem Abschnitt über die rituellen Bäder führen wir an: Die Bäder in
Gailingen und Worblingen sind in guter Ordnung." |
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| Über die vorhandenen Stiftungen in der
Gemeinde: |
Aus
dem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November
1867 zu Worblingen:
"V. In der israelitischen Gemeinde Worblingen: 1) die Stiftung des Salomon
Rothschild im Betrage von fl. 200;
2) des Wolf Rothschild im Betrage von fl. 100. (Fortsetzung
folgt)." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod der aus Worblingen stammenden Fanny Gut geb. Rothschild (1893 in
Gailingen)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1893: "Wangen
(Baden), 24. April (1893). Vorigen Donnerstag fand in Gailingen
unter großer Teilnahme von Nah und Fern die Beerdigung von Frau Fanny Gut
statt. Mancher Leser des "Israelit" wird mit Wehmut ihrer
gedenken. Denn die Wohnstätte der Verblichenen wurde in ihrem früheren
Aufenthaltsorte St. Gallen von
gesetzestreuen Glaubensgenossen seinerzeit gerne aufgesucht, wo sie als
wahrhaft fromme Priesterin des Hauses waltete. Unbemittelten war zu jeder
Zeit diese gastfreundliche Stätte geöffnet. Manche haben daselbst Labung
für den Körper, Trost und Aufmunterung für die Seele gefunden. Für das
Wohl der Ihrigen war der Verstorbenen kein Opfer zu schwer und kein Mittel
zu groß. Mit recht konnte der Herr Rabbiner am Schlusse seiner Rede
sagen: 'Mit ihr wurde ein Stück echt jüdischen Lebens und Strebens zu
Grabe getragen.'" |
| Nach Friedhofsdokumentation Bamberger zu
Friedhof Gailingen Nd. II S. 188 Grab Nr. 281 ist Fanny Gut geb.
Rothschild am 18. April 1893 im Alter von 75 Jahren gestorben. Sie ist
geboren in Worblingen als Tochter des Handelsmannes Baruch
Rothschild und seiner Frau Rachel geb. Ochs. Sie war verheiratet mit
Daniel Gut. Ihr Grab in Gailingen ist erhalten. |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Sigmund Levi (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1891: "Ein
älterer, alleinstehender Mann sucht ein braves Mädchen, gesetzten
Alters, gegen guten Lohn bis 1. Juni dieses Jahres.
Offerten an Sigmund Levi in Worblingen bei Radolfzell
(Baden)." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Seit 1775 bestand ein Betsaal
im Haus des Lämmle Guggenheim. Die jüdische Gemeinde hatte ihm 50 Gulden für
seine Teilentschuldung geben. Bedingung war, dass im obersten Stock seines
Hauses der Betsaal eingerichtet werden konnte. 1786 wird erstmals ein "Judenschulmeister"
am Ort genannt.
1808 erwarb die jüdische Gemeinde das ganze Haus
Guggenheim und baute es 1810 zu einer Synagoge um. Als Portalinschrift
standen über dem Eingang die hebräischen Worte für den Satz "Wisse, vor
wem du stehst". Aus der Geschichte der Synagoge ist nur wenig bekannt. 1830
gab es einmal eine längere Auseinandersetzung mit dem nordöstlich der Synagoge
wohnenden Wirt Martin Schrof. Dieser begann im Frühjahr 1830, auf seinem
Grundstück zwischen seinem Haus und der Synagoge eine Stallung mit einer
Futterkammer zu bauen. Dagegen protestierte die jüdische Gemeinde beim
Bezirksamt Radolfzell und drang auf eine Verlegung dieses Anbaus. Die große
Sorge der jüdischen Gemeinde war, dass ein zu hoher Anbau der Synagoge die
Morgensonne nehmen würde und überdies bei Regen die Abwässer des Stalles in
den Wasserbehälter des im Untergeschoss der Synagoge befindlichen rituellen
Bades fließen könnten. Eine entsprechende Verunreinigung würde das Bad "vernichten".
Von Seiten des Bezirksamtes wurden zur Klärung der Angelegenheit mehrere
Ortstermine angesetzt und Sachverständige hinzugezogen. Schließlich wurde der
Bau der Stallung unter verschiedenen Auflagen im Blick auf die Außenmaße
genehmigt.
1865 wurde die Synagoge noch einmal umfassend renoviert, wie aus dem
Rabbinatsbericht des Jahres 1867 zu erfahren ist:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1967:
"Die Synagoge zu Worblingen wurde gleichfalls im Sommer 1865
schön renoviert mit einem Aufwande von 1.000 Gulden, welcher der aus
freiwilligen Gaben gebildeten Synagogenkasse entnommen
wurden." |
Um 1880/90 wurde es immer schwieriger, die erforderliche
Zahl von zehn jüdischen Männern zum Gottesdienst zusammen zu bekommen. Immer
wieder halfen zur Erreichung der Zehnzahl nach der Überlieferung am Ort auch
christliche Männer aus.
Das Synagogengebäude wurde 1906 auf Abbruch an den
Zimmermann Nikolaus Rehm verkauft; an seiner Stelle wurde ein Wohnhaus erbaut.
Auch dieses Haus ist nicht mehr erhalten. Es befand sich in der Riedernstraße
auf dem heutigen freien Platz mit dem Brunnen gegenüber der Kirche.
Fotos
Historische Fotos:
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Historische Fotos sind nicht bekannt,
Hinweise bitte an den
Webmaster von "Alemannia Judaica",
E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
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Fotos sind noch nicht erstellt,
Hinweise bitte an den
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. |
 | Emil Zinsmayer/Karl Wieland: Worblingen. Geschichte eines
ehemaligen Ritterdorfes des Kantons Hegau. 1952. |
 | Naftali Bar-Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof in Gailingen.
1994 |
 | Ottokar
Graf/Hermann Timm: Jüdische Vergangenheit in Worblingen. In:
Berichte des Museumsvereins Worblingen (im Internet zugänglich: hier
anklicken). |

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