Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Worblingen (Gemeinde Rielasingen-Worblingen, Kreis Konstanz) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

In dem zum Ritterkanton Hegau, vom Anfang des 18. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren von Liebenfels gehörenden Worblingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1902. Ihre Entstehung geht in die Zeit des Dreißigjährigen Krieg zurück. Erstmals kamen 1611 Juden nach Worblingen; 1666 werden drei jüdische Familien genannt. 
    
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1857 mit 139 Personen erreicht. Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Pferden und verschiedenen Waren.
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde wurde 1827 dem Rabbinatsbezirk Gailingen zugeteilt. 
 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der Juden am Ort durch Wegzug schnell zurück (1875 95, 1900 nur noch acht Personen). Nach der Auflösung der Gemeinde 1902 wurden die hier noch lebenden Juden der Konstanzer Gemeinde zugeteilt. 1908/10 verzogen die beiden letzten jüdischen Einwohner aus Worblingen.
     
Von den in Worblingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Rosa Schwarz geb. Levi (1873), Julie Weil geb. Rothschild (1884). 
     
   
  

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1874 / 1877  

Worblingen AZJ 10021874.jpg (82150 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Februar 1874: "Die Israelitengemeinde Worblingen sucht einen Religionslehrer, der zugleich die Funktionen eines Elementarlehrers, Vorsängers und Schächters zu besorgen hat, bei einem Gehalte von 800 fl. neben freier Wohnung und mancherlei Nebenverdiensten. Verheiratete Bewerber werden bevorzugt. Portofreie Meldungen nebst Zeugnissen sind innerhalb drei Wochen an den Unterzeichneten zu richten, welcher dieses Stelle geeigneten Kandidaten noch besonders empfiehlt. 
Gailingen (badischer Seekreis), 27. Januar 1874. Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner".   
  
Worblingen Israelit 31011877.jpg (54399 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1877: "Die Israelitengemeinde Worblingen sucht zum 1. Mai dieses Jahres einen verheirateten Religionslehrer, der den Vorsänger- und Schächterdienst mit zu versehen hat. Geeignete Bewerber, denen ein hoher Gehalb zugesichert wird, wollen sich mit portofreiem Gesuche unter Beilage ihrer Zeugnisse innerhalb 4 Wochen an den Unterzeichneten wenden. 
Gailingen (Baden), 25. Januar 1877. Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner."     

  
Lehrer Brandeis fertigt und verkauft Mappot (Wimpeln) (1885)  

Worblingen Israelit 04061885.jpg (30570 Byte)Anzeige in der  Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1885: "Mappot (Wimpeln) werden schön gefertigt von zwei Mark an von 
Lehrer Brandeis in Worblingen bei Konstanz (Baden)."   

   
Auszeichnung an Lehrer Brandeis (1899)   

Worblingen Israelit 26101899.jpg (36249 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1899: "Eppingen, 12. Oktober (1899). In der jüngsten Zeit wurden drei israelitische Religionslehrer von Seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog von Baden goldene Verdienst-Medaillen gnädigst verliehen: den Herrn Lehrern Brandeis in Worblingen, Schwarzwälder in Schluchtern und Wolf in Sennfeld..."  

    
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Aus dem Rabbinatsbericht von 1867  

Über die Vereine und das rituelle Bad in der Gemeinde:   
Worblingen Israelit 11121867.jpg (204339 Byte)Aus dem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1867 zu Worblingen: "V. Israelitische Gemeinde Worblingen. 1) Wohltätigkeitsverein. Vermögen fl. 325... 

weiter unten: 
  
Aus dem Abschnitt über die rituellen Bäder führen wir an: Die Bäder in Gailingen und Worblingen sind in guter Ordnung." 
     
Über die vorhandenen Stiftungen in der Gemeinde: 
Worblingen Israelit 27111867.jpg (23147 Byte)Aus dem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. November 1867 zu Worblingen: 
"V. In der israelitischen Gemeinde Worblingen: 1) die Stiftung des Salomon Rothschild im Betrage von fl. 200;  
2) des Wolf Rothschild im Betrage von fl. 100.   (Fortsetzung folgt)."   

  
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Zum Tod der aus Worblingen stammenden Fanny Gut geb. Rothschild (1893 in Gailingen)
  

Wangen Israelit 04051893.jpg (77874 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1893: "Wangen (Baden), 24. April (1893). Vorigen Donnerstag fand in Gailingen unter großer Teilnahme von Nah und Fern die Beerdigung von Frau Fanny Gut statt. Mancher Leser des "Israelit" wird mit Wehmut ihrer gedenken. Denn die Wohnstätte der Verblichenen wurde in ihrem früheren Aufenthaltsorte St. Gallen von gesetzestreuen Glaubensgenossen seinerzeit gerne aufgesucht, wo sie als wahrhaft fromme Priesterin des Hauses waltete. Unbemittelten war zu jeder Zeit diese gastfreundliche Stätte geöffnet. Manche haben daselbst Labung für den Körper, Trost und Aufmunterung für die Seele gefunden. Für das Wohl der Ihrigen war der Verstorbenen kein Opfer zu schwer und kein Mittel zu groß. Mit recht konnte der Herr Rabbiner am Schlusse seiner Rede sagen: 'Mit ihr wurde ein Stück echt jüdischen Lebens und Strebens zu Grabe getragen.'"  
Nach Friedhofsdokumentation Bamberger zu Friedhof Gailingen Nd. II S. 188 Grab Nr. 281 ist Fanny Gut geb. Rothschild am 18. April 1893 im Alter von 75 Jahren gestorben. Sie ist geboren in Worblingen als Tochter des Handelsmannes Baruch Rothschild und seiner Frau Rachel geb. Ochs. Sie war verheiratet mit Daniel Gut. Ihr Grab in Gailingen ist erhalten. 

    
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  
Anzeige von Sigmund Levi (1891)  

Worblingen Israelit 04051891.jpg (29166 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1891: "Ein älterer, alleinstehender Mann sucht ein braves Mädchen, gesetzten Alters, gegen guten Lohn bis 1. Juni dieses Jahres. 
Offerten an Sigmund Levi in Worblingen bei Radolfzell (Baden)."   

    
      
    

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Seit 1775 bestand ein Betsaal im Haus des Lämmle Guggenheim. Die jüdische Gemeinde hatte ihm 50 Gulden für seine Teilentschuldung geben. Bedingung war, dass im obersten Stock seines Hauses der Betsaal eingerichtet werden konnte. 1786 wird erstmals ein "Judenschulmeister" am Ort genannt.

1808 erwarb die jüdische Gemeinde das ganze Haus Guggenheim und baute es 1810 zu einer Synagoge um. Als Portalinschrift standen über dem Eingang die hebräischen Worte für den Satz "Wisse, vor wem du stehst". Aus der Geschichte der Synagoge ist nur wenig bekannt. 1830 gab es einmal eine längere Auseinandersetzung mit dem nordöstlich der Synagoge wohnenden Wirt Martin Schrof. Dieser begann im Frühjahr 1830, auf seinem Grundstück zwischen seinem Haus und der Synagoge eine Stallung mit einer Futterkammer zu bauen. Dagegen protestierte die jüdische Gemeinde beim Bezirksamt Radolfzell und drang auf eine Verlegung dieses Anbaus. Die große Sorge der jüdischen Gemeinde war, dass ein zu hoher Anbau der Synagoge die Morgensonne nehmen würde und überdies bei Regen die Abwässer des Stalles in den Wasserbehälter des im Untergeschoss der Synagoge befindlichen rituellen Bades fließen könnten. Eine entsprechende Verunreinigung würde das Bad "vernichten". Von Seiten des Bezirksamtes wurden zur Klärung der Angelegenheit mehrere Ortstermine angesetzt und Sachverständige hinzugezogen. Schließlich wurde der Bau der Stallung unter verschiedenen Auflagen im Blick auf die Außenmaße genehmigt.   
   
1865 wurde die Synagoge noch einmal umfassend renoviert, wie aus dem Rabbinatsbericht des Jahres 1867 zu erfahren ist: 

Worblingen Israelit 13111867.jpg (25555 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1967: "Die Synagoge zu Worblingen wurde gleichfalls im Sommer 1865 schön renoviert mit einem Aufwande von 1.000 Gulden, welcher der aus freiwilligen Gaben gebildeten Synagogenkasse entnommen wurden."   

Um 1880/90 wurde es immer schwieriger, die erforderliche Zahl von zehn jüdischen Männern zum Gottesdienst zusammen zu bekommen. Immer wieder halfen zur Erreichung der Zehnzahl nach der Überlieferung am Ort auch christliche Männer aus.   
     
Das Synagogengebäude wurde 1906 auf Abbruch an den Zimmermann Nikolaus Rehm verkauft; an seiner Stelle wurde ein Wohnhaus erbaut. Auch dieses Haus ist nicht mehr erhalten. Es befand sich in der Riedernstraße auf dem heutigen freien Platz mit dem Brunnen gegenüber der Kirche. 


Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, Hinweise bitte an den 
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Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos sind noch nicht erstellt, Hinweise bitte an den 
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Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Rielasingen
Rundgang durch das jüdische Worblingen: Seite des Museumsvereins Worblingen: hier anklicken

Literatur: 

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S.
Emil Zinsmayer/Karl Wieland: Worblingen. Geschichte eines ehemaligen Ritterdorfes des Kantons Hegau. 1952.
Naftali Bar-Giora Bamberger: Der jüdische Friedhof in Gailingen. 1994
Ottokar Graf/Hermann Timm: Jüdische Vergangenheit in Worblingen. In: Berichte des Museumsvereins Worblingen (im Internet zugänglich: hier anklicken). 

   

                   
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Stand: 07. November 2009