Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mannheim
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen vor 1938/40 
  

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Berichten zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
    
    
Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde bis 1938/40  
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen bis 1938/40  
Die Synagoge in F 2,13/15, später Hauptsynagoge  
Die Synagoge in F 1,11 (Klaussynagoge) 
Weitere Betsäle und Synagogen 
Die Betstuben (Betstübel) der Ostjuden        
Fotos / Abbildungen  
Die Hauptsynagoge in F 2,13 
Die Klaussynagoge in F 1,11  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde bis 1938/40       
  
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kurpfälzischen Residenzstadt Mannheim besteht eine jüdische Gemeinde seit der Mitte des 17. Jahrhundert, unterbrochen durch die Verfolgungsjahre der NS-Zeit 1940-45. Mitte 1945 konnte wieder eine – im Vergleich zur Vorkriegszeit wesentlich kleinere - Gemeinde begründet werden. Sie hatte im Jahr 2000 ca. 600 Mitglieder (dazu folgende Seite).  
     
Unter den ersten jüdischen Familien, die in den 1650er-Jahren aufgenommen wurden, stammten fünf aus Pfeddersheim sowie sefardische Juden aus Portugal, die einige Jahrzehnte später in der deutschen Gemeinde aufgingen. 1660 erhielten sowohl die "deutschen Juden" wie die "Portugiesen" von Kurfürst Karl Ludwig eine "Konzession". Nach der Zerstörung Mannheims 1689 entstand die Gemeinde neu. Die Zahl der jüdischen Familien wurde 1691 auf 84 Familien beschränkt, 1698 auf 150 und 1717 auf 200 Familien (etwa ein Achtel der Bevölkerung Mannheims). 1771 lebten 247 jüdische Familien in der Stadt. Die jüdische Gemeinde entwickelte sich rasch und im 18. Jahrhundert durch die Verlegung des kurfürstlichen Hofes von Heidelberg nach Mannheim einen großen Aufschwung. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es 18 jüdische Hoffaktoren in der Stadt. Die meisten Mannheimer Juden lebten damals jedoch als Kaufleute und Handwerker in bescheidenen Verhältnissen. Viele waren sogar sehr arm und hatten kein Heimatrecht.  
      
Am wirtschaftlichen Aufschwung Mannheims im 19. Jahrhundert hatten die jüdischen Einwohner beträchtlichen Anteil. Jüdische Tuch-, Eisen-, Getreide- und Tabakhandelsfirmen entstanden, Zigarrenfabriken und Brennereien wurden eröffnet, das Bankhaus Ladenburg finanzierte zahlreiche Industrieprojekte. Weltruf genossen der 1838 gegründete Verlag von J. Bensheimer (rechts- und staatswissenschaftliche Literatur) und die Rheinische Gummi- und Celluloid-Fabrik der Gebrüder Bensinger. 1875 wurden 3.943 jüdische Einwohner in Mannheim gezählt (6,6 % der gesamten Einwohnerschaft). Die höchste Zahl wurde 1925 mit 6.972 Einwohnern (jedoch nur noch 2,8 % der Einwohnerschaft) erreicht. Das Mannheimer Judentum spielte eine bedeutende Rolle in allen Bereichen des städtischen Lebens, unter anderem durch verschiedene Stiftungen, mit denen verschiedene Einrichtungen finanziert oder großzügig ausgestattet werden konnten (Herschelbad, städtische Kunsthalle, Reißmuseum, Stadtbibliothek). 
     
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Mannheim wohnhaften 6.402 jüdischen Einwohnern mindestens 1.300 ums Leben.
      
Zu den bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten der Stadt gehörten u.a. der kurfürstliche Hof- und Obermilizfaktor Lemle Moses Reinganum (1666-1724), der Landgerichtspräsident Dr. Nathan Stein (1857-1927), der Handelsrechtler Max Hachenburg (1860-1951), die Volkswirtin und Vertreterin der Frauenbewegung Elisabeth Altmann Gottheimer (1874-1930), die Verleger Jakob Bensheimer (1807-1863) und Julius Bensheimer (1850-1915), der Begründer der Rhenania-Schifffahrtsgesellschaft Hermann Hecht (1877-1969), der Bankier Karl Ladenburg (1827-1909), der Rechtsanwalt und Politiker Dr. (1874-1914), die Unternehmer Victor Lenel (1838-1917) und Richard Lenel (1869-1950), der Kinderarzt Eugen Isaak Neter (1876-1966), der Psychologe und Pädagoge Otto Selz (1881-1943), der Politiker Florian Waldeck (1886-1960). Aus Mannheim stammten der Anwalt Leopold Ladenburg, die Chemiker Albert Ladenburg, Ludwig Darmstädter und Fritz Straus, der Jurist Otto Lenel, der Anglist Hans Hecht, der Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler (1884-1979), der Physiologe Ernst Joseph Lesser (1879-1928). 
   
   
  
Zur Geschichte der Betsäle / der Synagogen bis 1938/40     
       
Die Synagoge in F 2,13/15, später Hauptsynagoge 
      
1660 ist in der Konzession Karl Ludwigs an die deutschen Juden Mannheims bereits von einer "Schul" die Rede, in der die Gemeinde ihren eigenen Rabbiner, Vorsänger und Schulmeister halten dürfe. Auch in den Ratsprotokollen der folgenden Jahre wird mehrfach eine solche Schule genannt. Der Standort dieser vermutlich 1662 eingerichteten ersten Synagoge Mannheims ist nicht mehr bekannt.   
      
Seit 1664 wurde der Neubau einer Synagoge geplant (zweite Synagoge). Die Pestjahre 1666/67 dürften den Bau dieser neuen Synagoge verzögert haben. Im November 1670 wird erstmals eine "neue" Synagoge mit Gemeindehaus, Spital und Armenhaus erwähnt. Für diesen Neubau bezog die jüdische Gemeinde Material vom kurfürstlichen Bauamt in der Friedrichsburg. Liselotte von der Pfalz (1652-1722; sie besuchte Mannheim mehrfach vor 1671) erwähnt diese "artig wohlgebaute Synagoge" in einem ihrer Briefe. Der Standort dieser Synagoge war bereits das Grundstück in F 2,13/15 (früher Quadrat 39, Nr. 6), wo auch die spätere Hauptsynagoge stand. Hier waren auch andere Einrichtungen der jüdischen Gemeinde, ein Gemeindehaus, das Spital, der Backofen (Schabbesofen zum Warmhalten der Speisen für den Schabbat) und ein Armenhaus. Diese Einrichtungen fielen einschließlich der Synagoge der Zerstörung der Stadt durch die Franzosen 1689 zum Opfer.    
      
Nachdem beim Wiederaufbau Mannheims auch die jüdische Gemeinde neu entstand, hat diese eine neue Synagoge auf dem Grundstück des 1689 zerstörten Gotteshauses in F 2,13-15 erbaut (dritte Synagoge). Vermessungsarbeiten hierzu fanden 1698 statt. 1700 war die Synagoge fertig. Die Kosten werden bis 1705 mit "bis 6.000 Gulden" beziffert. Diesen Betrag konnte die Mannheimer Gemeinde damals offensichtlich ohne größere Schwierigkeiten aufbringen. Ein Teil wird durch den Verkauf der Synagogenplätze hereingekommen sein. Für diesen Verkauf war die Gemeinde selbst zuständig. 

Mehrfach wurde die Synagoge mit der zunehmenden jüdischen Bevölkerung im 18. Jahrhundert vergrößert. So ist seit 1767 als Teil der Synagoge neben der alten auch von einer neuen "Frauenschul" die Rede. 1771 wird eine "obere Männerschul" erwähnt. Aus dem Jahr 1824 liegt eine Beschreibung dieser Synagoge vor: "Gegen die Straße schließt eine Mauer mit einem Geländer den dazu gehörigen Vorhof ein. Im Hintergrunde steht das Gebäude in einfachem Stile aufgeführt, mit einigen hebräischen Inschriften. In ihrem Inneren erblickt man die, den jüdischen Gesetzen entsprechende Einrichtung. In der Mitte stehen die Stühle der Vorsänger mit Verzierungen. Die Weiber haben ihre eigene Schule, aus welcher vergitterte Fenster in die Hauptschule gehen, um sie den Männerblicken zu entziehen, und damit kein Teil den andern in der Andacht störe".   
     
Neue Choralgesänge in der Synagoge (1840)      

Mannheim Israelit19Jh 22111840.jpg (81492 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 22. November 1840: "Melodische Choralgesänge ertönten am vergangenen Neujahrsfeste und am Versöhnungstage in der Synagoge zu Mannheim. Um dieselbe recht erhebend zu machen, ließ der Vorstand zu den hebräischen Psalmen und Gesängen eigene Musik von den besten Künstlern in München komponieren und übertrug die Ausführung einem Choralgesang-Dirigenten von dort. Die Wirkung davon war außerordentlich. In der Synagoge herrschte eine feierliche Stille; kein Laut, kein Räuspern ward vernommen, und man bemerkte Leute beim Gottesdienste, die man seit vielen Jahren nciht an der heiligen Stätte gesehen, und die nach beendigtem Gottesdienste äußerten, dass sie, wenn dieses so fortgeführt würde, keinen Gottesdienst wieder zu versäumen entschlossen seien. Was aber noch auffallender war, selbst diejenigen, welche von altem Schrot und Korn und jeder Neuerung abhold sind, nahmen es mit großem wohlgefallen und wahrer Pietät auf."       

  
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Synagoge trotz der vorgenommenen Erweiterungen für die stetig wachsende Gemeinde zu klein geworden. Jahrelang konnten keine Plätze für neu zuziehende Gemeindeglieder vergeben werden. Auch gefiel der alte Bau nicht mehr, er "lud in seiner Unschöne keineswegs zum Besuche des Gottesdienstes ein" (AZJ 1855, 465). So entschloss man sich in den 1840er-Jahren zu einem Neubau an Stelle der bisherigen Synagoge in F 2,13. Auch der Vorhof und der Raum des an die Straße stehenden Gebäudes, in dem das Sitzungszimmer, die Registratur und die Wohnung des Synagogendieners waren, sollten überbaut werden. Einen Bauplan ließ die Gemeinde von Bauinspektor Ludwig Lendorff erstellen. 1851 wurde die alte Synagoge abgebrochen. Im Juli 1851 begannen die Arbeiten für den Neubau. Bauinspektor Lendorff erlebte nur die Fertigstellung des Rohbaus im November 1852, da er im Februar 1853 verstarb. Nach seinem Tod setzte Architekt Heinrich Lang, der unter Lendorff die Bauaufsicht leitete, diese unter Professor Friedrich Eisenlohr in Karlsruhe fort, und übernahm, als auch Eisenlohr starb, die weitere Ausführung vom Sommer 1853 bis Herbst 1854. Zahlreiche Mannheimer und auswärtige Firmen waren mit den Arbeiten, insbesondere der künstlerischen Ausgestaltung beschäftigt. Den im Januar 1854 aufgestellten Toraschrein aus Carrara-Marmor fertigte Firma Porzelt und Harparath in Köln. Die Freskenmalereien führte der Münchner Maler Josef Schwarzmann aus. Er hatte kurz zuvor den Dom in Speyer ausgemalt. Die großen Kandelaber wurden bei Firma Junge und Walther in Frankfurt angefertigt. Auch die in byzantinischem Stil reich geschnittene Kanzel war aus Frankfurt: der dortige Bildhauer Diehlmann hatte sie angefertigt. Die Orgel lieferte Firma Walker aus Ludwigsburg. wobei es sich um ein aus 24 Registern bestehendes Instrument handelte, das ein Unbekannter gestiftet hatte. Um das Licht der Rosette an der Vorderfassade nicht zu verdecken und dem Chor einen passenden Platz der Aufstellung zu lassen, wurde die Orgel in zwei Hälften konstruiert. Der wertvolle silberne Schmuck aus der alten Synagoge wie die ewige Lampe vor dem Toraschrein, der zahlreich vorhandene Toraschmuck und eine Menora, die bei der Orgel aufgestellt wurde, ist durch den Mannheimer Silberarbeiter Nadenheim restauriert worden. Die genannten und viele weiteren Gegenstände der Inneneinrichtung wurden von zahlreichen Gemeindemitgliedern oder den Vereinen gestiftet. So übernahmen die Familien Herrmann und Seligmann Ladenburg die Kosten der Kanzel; Joseph Hohenemser bezahlte einen neun Fuß hohen Kandelaber mit 13 Flammen vor dem Heiligen Schrein. Die Baukosten betrugen 85.179 Gulden.  
      
Schon in den Monaten vor ihrer Fertigstellung wurde die Synagoge als "eine der schönsten wohl in Deutschland" bezeichnet. "In ihr wird ein zahlreicher Sängerchor und eine Orgel den Gottesdienst verherrlichen", wusste die "Allgemeine Zeitung des Judentums" am 25. Mai 1855 zu berichten und fügte im Blick auf die Mannheimer Gemeinde hinzu: "Erfreulich ist’s, wahrzunehmen, dass die zeitgemäße Umgestaltung desselben (sc. des Gottesdienstes) die Eintracht in der Gemeinde nicht stört. Wo wahrhaft religiöser Sinn herrscht, da wird die Religion nicht zum Zankapfel. Der dortige neuangestellte Rabbiner Herr Präger versteht indessen auch allen Parteien möglichst Rechnung zu tragen und geht bei seinen Reformen im Einvernehmen mit dem Synagogenrate besonnen vorwärts". Am 29. Juni 1855 konnte diese nunmehr vierte Synagoge feierlich eingeweiht werden. Die "Allgemeine Zeitung des Judentums" berichtete zur Einweihung: "Der Synagogenrat hatte Einladungen an sämtliche Geistliche, die höhern Civil- und Militärbeamten der Stadt usw. erlassen, welchen größtenteils entsprochen wurden. Aus der Gemeinde selbst wurden für sämtliche Männer, Frauen, Söhne und Töchter Plätze eingerichtet und die ganze Schuljugend nahm unter der Leitung ihrer Lehrer Anteil an dem Feste der Einweihung. Um 6 Uhr Abends nahmen die Mitglieder des aus 90 Personen aller Stände der israelitischen Gemeinde bestehenden Chors, die Damen festlich bekleidet, ihre Plätze ein. Weißgekleidete Mädchen mit Kränzen traten im Zuge durch das Portal ein und bildeten Spalier bis zur heiligen Lade. Die Rabbinen mit den aus alten Zeiten vererbten silbergeschmückten Tora-Rollen, nämlich der Stadt-Rabbiner, ... die Konferenz- und übrigen Rabbinen des Landes wurden an der Pforte von dem gesamten Synagogenrat feierlichst unter den vollen Klängen der Orgel empfangen und zur heiligen Lade beleitet. Dem Zuge folgten eine große Anzahl von Rabbinen benachbarter Städte und alle Vorstände von Verwaltungen der israelitischen Gemeinde und ihrer wohltätigen Stiftungen. Nachdem die Rollen in der heiligen Lade niedergelegt, eine eigens zur Feier der Einweihung komponierte Kantate abgesungen und von dem Stadt-Rabbinen eine der Gelegenheit angemessene ergreifende Festrede gehalten worden war, zündete man gegen 8 Uhr die Gas-Kandelaber an und im Glanze von 220 Flammen strahlte nun der neue Tempel. Die Gesangsvorträge, worunter eine von Rabbi Leopold Stein gedichtete und von dem fünfzehnjährigen Hermann Levi aus Gießen komponierte Kantate, wurden mit Präzision exekutiert und es bewährte sich bei dieser Gelegenheit wieder die Tüchtigkeit des Organisten Eberhard Kuhn, Lehrer des Chors, der auch die Gesänge, mit Ausnahme der Levi’schen Komposition, die Kapellmeister Vinzenz Lachner dirigierte, leitete. Unterstützt wurden die Gesangesvorträge durch die sonore Stimme des Vorsängers Gallenberg..." (AZJ 1855 S. 466-467).
     
Eine neue Synagoge soll gebaut werden (1851)    

Mannheim AZJ 07071851.jpg (12619 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1851:  "Mannheim, im Juni (1851). Hier wird der Bau einer neuen Synagoge beabsichtigt, die sehr großartig werden wird."    

    
Der Bau der Synagoge hat begonnen (1851)   

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 1. August 1851: "Mannheim. Der Bau unserer neuen Synagoge hat bereits begonnen, und wenn auch bei den hinlänglich bekannten religiösen Gesinnungen unseres Synagogen-Rates nicht zu erwarten steht, dass uns in dem Neubau eine (hebräisch) blühet, so hat doch wenigstens der und entschieden ausgesprochene Wille der religiösen Minorität es bewirkt, dass wir statt der Synagoge nicht gleich einen deutsch-katholischen Betsaal etwa erbauet sehen. Auch von der Einführung der Orgel ist einstweilen Abstand genommen."    

 
Über die neue Synagoge (1854)   
Anmerkung: der orthodox-konservative Berichterstatter hofft zu dieser Zeit noch, dass keine Orgel in der Synagoge eingebaut wird, die er als "Pestübel" bezeichnet.  

Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 17. Februar 1854: "Großherzogtum Baden. Mannheim. Im Monat Tewet. Das hiesige Journal, welches über mehrere seit einiger Zeit dahier erstandenen Neubauten referiert, bespricht namentlich unsere nun bald vollende Synagoge in Folgendem: 'Die Synagoge, die ein wahrer Tempel Gottes zu werden verspricht; so erhaben sind die Formen, so edel der Stil und so gediegen das Material. Da ist gewiss niemand, der nicht bewundernd stehen geblieben wäre vor dieser Zierde unserer Stadt, auf den die Harmonie in den Verhältnissen und die Konsequenz des Stils nicht den wohltuendsten und erhebendsten Eindruck gemacht. Bis auf die kleinste Verzierung herab treu dem byzantinischen Geschmack, steigt der großartige Bau in einer Höhe von mehr denn 70 Fuß empor, und auch im Innern sind die Mauer- respektive Architekturarbeiten bis auf den heiligen Schrein, der noch zu setzen, und einige Boden-Mosaiken, vollendet. In einer Länge von 60 Fuß erstreckt sich das Schiff des Tempels bis zum heiligen Schrein; die Breite desselben beträgt 30 Fuß; die Decke bildet zwei gleich Kuppeln, deren Wölbung durch Blau mit Goldverzierung geschmückt werden wird. Auf Boden und Säulen ruhend, zieht sich nun das Schiff die geräumige Galerie (welche die Frauensynagoge bildet) gleich dem übrigen Mauerwerk aus gehauenem Sandstein zusammenfügt. Die Säulen nach Maßgabe der zehn Gebote, zehn an der Zahl, und massiv aus Marmor, zeichnen sich außer der Schönheit des Materials, ganz besonders auch durch ihre antik-byzantinischen, würfelartigen und mit Emblemen der israelitischen Religion verzierten Kapitäler aus, welche vergoldet werden sollen; während die Tragpfeiler der Galerie wie dieses selbst und andere Teile im Innern eine steinfarbene Bekleidung erhalten und mit Fresken und Arabesken auf Goldhintergrund verziert werden, deren Ausführung dem Maler Schwarzmann, Mitarbeiter am Speyerer Dom, übertragen ist; für die Bekleidung der Wände ist Stuckoluster oder Gipsmarmor bestimmt, für jene des Bodens vor dem heiligen Schrein Marmorplatten von schwarz und weißer Farbe; der Schrein selbst ist aus kararischem Marmor und ungefähr 30 Fuß hoch. Die Fenster, welche größtenteils schon eingesetzt sind, bestehen zum Teil aus las mit milchfarbigem Schilf, zum Teil aus buntgefärbtem. Die Angabe der bis jetzt aufgezählten Ausschmückungen im Innern möge bürgen für die Übereinstimmung des Ganzen, dessen Vollendung auf künftigen Juli festgesetzt ist; die Einweihung der Synagoge soll in dem darauf folgenden Monat August stattfinden.' Soweit das Mannheimer Journal. Wir sehen bei dieser Ausschmückung nichts von einer Orgel oder auch nur vom Platze derselben erwähnt, was uns ein   
Mannheim DtreueZionsw 17021854a.jpg (152603 Byte)gutes Zeichen gibt, das wir von diesem Pestübel, welches schon in so mancher Gemeinde Stoff zur Uneinigkeit und Feindschaft, ja zur Trennung gegeben hat, verschont bleiben werden. Denn auch hier mussten über diesen Gegenstand die streng jüdisch religiös Gesinnten geharnischt in die Schranken treten und hierüber schon manche Lanze mit ihren Gegnern brechen. Schon im Bauplane war der Platz für eine Orgel  bestimmt, was uns veranlasste gegen den ganzen Neubau unserer Synagoge Opposition zu ergreifen, besonders da eine unbedeutende Renovierung hinreichend gewesen wäre, den gefühlten  Mängeln abzuhelfen. Doch plötzlich war die Orgel aus dem Bauplane verschwunden, und dieses gab uns Hoffnung, dass unsere Gegner davon abgegangen seien. Aber kaum war der äußere Bau derselben vollendet, als aufs Neue wieder die Einführung der Orgel in Anregung gebracht wurde, und zwar diesmal mit aller Kraft des Willens, sodass die Mehrheit des Synagogenrats und der Baukommission dafür stimmten. Da mussten wir endlich mit Energie dagegen wirken, und wenn auch nur ein kleines Häuflein, so dachten wir mit Jonathan (1. Samuel 14,6): 'Es hält den Ewigen nicht ab um zu helfen, ob es wenige oder viele sind'. Und als unsere Entgegnungen, welche auf Religion, Gerechtigkeit und Billigkeit gegründet waren, bei den jüdischen Vorgesetzten kein Gehör fanden, da wandten wir uns an das hohe Ministerium, welches, wir wir hoffen, uns Gerechtigkeit widerfahren lassen wird, und wir dadurch des nur Zwietracht ausstreuenden Vermächtnisses der weiland sogenannten Rabbinerversammlung entledigt sein werden. Wahrscheinlich wird auch bis zur Zeit der Einweihung der Synagoge zur Wahl eines definitiven Rabbiners für den Stadtbezirk geschritten werden, wo es alsdann wieder neue Kämpfe abzusetzen geben wird. Denn die Orgelpartei wird sich wohl auch einen mit den Grundsätzen  der Rabbiner-Versammlung Befreundeten wählen wollen. Nun, wir wollen es abwarten, was da geschehen wird, und unsern möglichen Einfluss dabei auch wieder geltend zu machen suchen. Wir wollen den Frieden, wenn er unseren religiösen Grundsätzen nicht widerstreitet."  

      
Der Prinz-Regent von Baden besucht die Synagoge (1854)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Oktober 1854: "Seine königliche Hoheit, der Prinz-Regent von Baden hat seinen Besuch in der prachtvollen Synagoge zu Mannheim auf Dienstag, den 24. dieses Monats anzeigen lassen."       

 
Weiterer Bericht zum Neubau der Synagoge (1855)   

Mannheim IsraelitVolksschullehrer 021855a.jpg (213790 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelitische Volksschullehrer" vom Februar 1855: "Mannheim, im Februar (1855). - In unserer Gemeinde zeigt sich seit dem Beginne des Synagogenbaues eine neue lebensfähige Kraft, welche, tief im Gemüte wurzelnd, herrliche Früchte zu treiben verspricht. Der leidige Indifferentismus musste, bis auf wenige Ausnahmen, weichen, und alles ist ergriffen von dem immer tiefer gefühlten Bedürfnisse, dem Gottesdienste eine der Zeit und dem neuen, prachtvollen Gotteshause entsprechende Gestaltung zu geben. - 
Seit vier Jahren wird an dem Neubau der Synagoge gearbeitet, überwacht und mit rühmlichem Eifer und unermüdeter Ausdauer geleitet von einer besonders hierzu ernannten Baukommission, welche weder Zeit noch Mühe scheute, das ihr geschenkte Vertrauen zu rechtfertigen, - Die Synagoge ist nun, bis auf einige kleinere Teile, bereits vollendet und steht da zur Zierde der Stadt, zur Ehre der Baumeister und Bauinspektoren, und zur Freude der ganzen Gemeinde und jedes fühlenden Israeliten. Sie ist im byzantinischen Stile erbaut; ihre Fassade und ihre ganze äußere Erscheinung ist wahrhaft imponierend. Der innere Raum und die innere Ausschmückung übertrifft noch die Erwartungen, wozu der äußere Anblick berechtigt. - Einfache, aber kunst- und geschmackvolle Malerei ziert Decke und Wände - ohne überladen zu sein, bietet diese einen freundlichen und wohltuenden Anblick. Drei prachtvolle Kuppeln bilden die Decke. Besonders imponierend, wegen seiner bei aller Einfachheit majestätischen Gestaltung ist der heilige Schrein - er ist ganz von Marmor, ohne alle Goldverzierungen. Im Innern ist nicht, wie sonst, ein gewöhnlicher Schrank, in dem die Torarollen getürmt aufeinander stehen, sondern ein  kleines Zimmer, in welchem dieselben halbkreisförmig geordnet nebeneinander aufgestellt sind. - Die Beleuchtung ist durch Gas, nicht mit hängenden Lichtern, sondern mit stehenden, echt vergoldeten 10 Fuß hohen prachtvollen Kandelabern. Auch ist für Heizung durch Gas Sorge getragen. -  
Diese neue herrliche Synagoge erregte allseitig den Wunsch, für dieselbe einen Rabbiner anzustellen, der sowohl durch einen ernsten Willen, als durch die ihm innewohnende Energie und Fähigkeit imstande ist, einen dem Gotteshause würdigen und entsprechenden Gottesdienst einzuführen. - Der Synagogenrat hat, diesem allgemein geäußerten Wunsche Rechnung tragend, den früheren Rabbiner in Bruchsal, Ihren Freund, Herrn Präger, zu dieser für unser Gemeindeleben so wichtigen Stelle berufen. Derselbe hat bereits diese angetreten und in seiner von allen Parteien mit un-     
Mannheim IsraelitVolksschullehrer 021855b.jpg (290141 Byte)geteiltem Beifalle aufgenommenen Antrittspredigt seine Richtung und seine Absichten klar und ehrlich der Gemeinde mitgeteilt, was die freudigen Gesinnungen noch steigerte, womit der treffliche Mann hier erwartet wurde. -  
Die Einweihung der Synagoge wird zwar erst im Monate Mai stattfinden, jedoch hat der neu ernannte Rabbiner in Verbindung mit dem Synagogenrate einzelne Reformen eingeführt, wahrscheinlich um die Gemeinde, welche bisher nur an die althergebrachte Ordnung gewöhnt war, für die neue Ordnung vorzubereiten. - Er hat nach unserer Ansicht wohl daran getan, denn es macht bei uns in den gottesdienstlichen Einrichtungen die Gewohnheit sehr viel aus - sobald der Israelite öfter in der neuen Weise dem Gottesdienste beigewohnt, wird dieser ihm beliebt, erhält für ihn bald die Autorität, welche dem Ganzen die nötige Weihe gibt. 
Diese erwähnten Reformen beschränken sich vorerst auf den Sabbat-Morgengottesdienst. Das Aufrufen beim Namen, sowie der jedesmalige Mischeberach für den Aufgerufenen haben aufgehört, dafür spricht der Rabbiner am Schlusse einen deutschen Segen für alle zur Tora Gerufenen. Diesem folgt eine Paraphrase über den Toraabschnitt, wenn nicht gepredigt wird. - Sodann die Haftara mit Vor- und Nachsegen in deutscher Sprache. Jakum Purkan uMi Scheberach bleiben weg. - Hierauf Gebet für Vaterland und Gemeinde deutsch. - Aschre versweise respondiert. Die Siebensprüche werden nicht wiederholt, sondern gleich laut vorgetragen; Ein keelohenu wird respondiert, Pitum Haketoret bleibt weg. Das Aleinu-Gebet wird deutsch vom Rabbiner vorgetragen und der Sabbat-Psalm respondiert. 
Wir betrachten diese Einrichtung als Vorbereitung für den neuen Gottesdienst in der neuen Synagoge, welcher von einem, achtzig Sänger und Sängerinnen zählenden Chore und der Orgel verherrlicht, ein wahrhaft erbauender, begeisterungsfähiger werden muss. - Wie wir hören, soll der geniale Sulzer in Wien eigens für den hiesigen Gottesdienst sämtliche Gesänge und Rezitative bearbeiten. wir freuen uns darauf. Auch heißt es, dass bereits viele hiesige Kaufleute, die früher am Sabbat ihre Verkaufslokale geöffnet hatten, dieselben, wenn der neue Gottesdienst eingerichtet ist, schließen werden.   
So hoffen und erwarten wir, dass in unserer Gemeinde, wo die Wohltätigkeit (Gemilut chasodim) durch verschiedene Vereine musterhaft geordnet ist, nun auch der Gottesdienst (awodah) durch die Vereinigung und Beteiligung aller würdig, und Geist und Gemüt erhebend gestaltet wird.  Unser jetziger Rabbiner genießt die Achtung, die Liebe und das Vertrauen der Gemeinde, er besitzt ein ausgezeichnetes Rednertalent und wird gewiss zum Heile und zum Segen des religiösen Lebens der hiesigen Gemeinde wirken.  
Diese Woche besuchte der Regent von Baden zur Eröffnung des neuen Theaters die hiesige Stadt, beehrte aber die Gemeinde nicht durch einen besuch der neuen Synagoge. Man sagt, der Synagogenrat habe diesen hohen besuch zwar erwartet, es aber versäumt, diesen durchlauchtigsten Gast besonders dazu einzuladen. Wir wissen beides nicht bestimmt - aber soviel ist sicher, dass Er die Synagoge nicht besuchte."   

 
Die Synagoge wird im Juni 1855 eingeweiht (1855)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Juni 1855: "Die Synagoge in Mannheim, an innerer Ausschmückung eine der schönsten wohl in Deutschland, wird im Laufe des Monats Juni eingeweiht. In ihr wird ein zahlreicher Sängerchor und eine Orgel den Gottesdienst verherrlichen. Erfreulich ist's, wahrzunehmen, dass die zeitgemäße Umgestaltung desselben die Eintracht in der Gemeinde nicht stört. Wo wahrhaft religiöser Sinn herrscht, da wird die Religion nicht zum Zankapfel. Der dortige neu angestellte Rabbiner Herr Präger versteht indessen auch allen Parteien möglichst Rechnung zu tragen und geht bei seinen Reformen im Einvernehmen mit dem Synagogenrate besonnen vorwärts. Möge diesem Geistlichen vergönnt sein, den Frieden der Gemeinde zu erhalten!"      

 
Die Großherzogin Stephanie besucht die neue Synagoge (1855)   

Mannheim AZJ 04061855.jpg (27044 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Juni 1855: "Worms, im Mai (1855). Sonntag, den 20. dieses Monats besuchte Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin Stephanie die neu erbaute Synagoge in Mannheim. Die Einweihung dieses prachtvollen Gotteshauses soll am 29. Juni dieses Jahres stattfinden."      

  
Einweihung der neuen Synagoge am 29. Juni 1855 (1855)   

Mannheim AZJ 06081855.jpg (29971 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. August 1855: "Vom Rhein, im Juli. In Frankfurt am Main wurde am 28. Juni unter großer Feierlichkeit der Grundstein zur Gemeindesynagoge gelegt und am 29. dieses Monats fand die Einweihung der prachtvollen Synagoge in Mannheim statt."    

  
Bericht von der Synagogeneinweihung (1855)   
Anmerkung: von dem liberal eingestellten Berichterstatter werden vor dem Bericht über die Einweihung der Synagoge in kritischer Weise die Gemeindeverhältnisse beschrieben.   

Mannheim AZJ 10091855.jpg (222910 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10.September 1855: "Mannheim, im Juli (1855).  Ihr Korrespondent aus Württemberg unternahm eine Ferienreise, Mannheim war sein nächstes Ziel, um dort die am 29. Juni stattzuhabende Synagogen-Einweihung mit anzusehen. Auf der Fahrt nach Mannheim hatte ich meinem jüdischen Profil eine interessante Bekanntschaft zu verdanken. Ein Mann, dessen orientalischer Gesichtsschnitt auch den Juden repräsentierte, wurde mein Sitznachbar. Jeder von uns ließ in der Konversation seine Fühler los, um dem andern auf den Grund zu kommen und nach einer Viertelstunde waren schon unsere Karten gewechselt, mein Reisegenosse war Dr. S. Mayer aus Straßburg, langjähriger Mitarbeiter der Augsburger Allgemeinen fürs Verkehrswesen und Direktor einer französischen Eisenbahnlinie. Vom jüdischen Volkslehrer hat sich der Mann auf diese schöne Stellung geschwungen und während unserer kurzen Bekanntschaft konnte ich doch erfahren, dass Bayern, das Geburtsland des Dr. Mayer, denselben Auszeichnungen von seinen höchsten Staatsbeamten zuteil werden ließ, die es ihm gesetzlich als bayerischer Jude hätte nicht angedeihen lassen können. Sein französisches Bürgertum aber war der Fittich, unter dem der bayerische Jude verdeckt wurde. Eine Anekdote, die mir mein Reisegefährte mitteilte, will ich hier wiedergeben, um unsere deutschen Zustände zu kennzeichnen. - Der Kabinetts-Kurier des Kaisers Louis Napoleon auf der Route Paris-München ist Jude, derselbe sah auf den bayerischen Bahnen öfters, dass Kondukteure Handelsjuden mit Zwerchsäcken auffällig schikanierten und ein Kondukteur zeichnete sich besonders als Judenfeind aus und machte von dieser Gesinnung auch gar kein Hehl. Sein Unstern wollte aber, dass durch sein Verschulden das Reisegepäck des Kuriers mit wichtigen Papieren verladen wurde, die dringende Depeschen enthielten. Der Kurier beschwerte sich und der Kondukteur wurde seines Amtes kassiert. Das ist die Nemesis und der Franzose verheimlichte gar nicht, dass ein wenig Rachelgefühl bei seiner Handlungsweise mitunterlaufen. - Ich mag dies nicht rechtfertigen, denn lieber gedrängt als ein Dränger sein; aber ob Patriarch oder Eisenbahnkondukteur, Staatsrat oder Bettelvogt, der Refrain ist der gleiche: 'Tut nichts, der Jude wird verbrannt!'   
In Mannheim angelangt, besuchte ich am andern Vormittag den ersten Stadtrabbiner Dr. Präger, ein Mann, bekannt als tüchtiger Gelehrter und geübter Kanzelredner, was ihm auch den Ruf als Rabbinen an die Gemeinde Mannheim zuzog. Meine Eigenschaft als Korrespondent der Zeitung des Judentums und die Güte des Herrn Dr. Präger verschafften mir eine Einlasskarte zur Einweihungsfeier der neuen Synagoge zu Mannheim und dazu noch einen Sitzplatz, wofür andere zwei bis drei Kronentaler bezahlen mussten. Eine Synagogeneinweihung zu beschreiben, ist etwas Veraltetes, aber um ein Bild einer der ersten jüdischen Gemeinden Süddeutschlands zu   
Mannheim AZJ 10091855b.jpg (388134 Byte)entwerfen, darf man nur ihre neueren Bestrebungen auf dem Boden des gottesdienstlichen Kultus geben und wir werden ihre Kulturstufe erkennen. Mannheim ist eine Gemeinde von circa 350 jüdischen Familien, die fast durchgängig wohlhabend, ja reich sind. Reiche Stiftungen der Altvordern sind hier niedergelegt. Die sogenannte 'Klause', ein Beth-Hamidrasch, gestiftet von Rabbi Lemle Moses Reinganum mit einem Kapital von zweimal hunderttausend Gulden, ein Primator, drei Rabbinen, zehn sogenannte 'Beter', die jeden Tag den Gottesdienst in der Klause zu besuchen haben, ein Vorbeter und ein Synagogendiener sind angestellt. Der edle Stifter verschenkte eine schöne Besitzung, das 'Mühlau-Schlösschen', dem Staat, damit dieser die amtliche Beaufsichtigung seiner Stiftung übernahm. Und was ist jetzt diese edle Stiftung geworden? - nichts als eine reiche Pfründe, und die Angestellten sind Pfründner, die, wenn sie nicht in Privatstudium ihre Tätigkeit finden, im Nichtstun die Zeit verträumen. - In der Klause sind die jüdischen Volksschulen untergebracht, an deren Spitze Herr Dr. Wolf steht; es waren gerade Ferien und wir konnten darum das dortige Schulwesen nicht kennen lernen. - Eine weitere Stiftung ist die 'Maier-Schule', eine Synagoge, mit Pfründen. Der Stifter dieser Synagoge, genannt 'Maier Stuttgart', soll Sekretär und Verwandter des in Stuttgart hingerichteten Süß Oppenheimer gewesen sein und einen Teil von dessen Vermögen gerettet haben. - Das jüdische Hospital ist reich dotiert, und so sind der Stiftungen noch viele und reiche, die Edles leisten und noch Schöneres leisten könnten. Würden nur diese reichen Mittel dem intelligenten jüdischen Gemeindevorstande vor die Augen in einer passenden Monographie geführt, und es würden die Vorschläge von selbst erwachsen, wie dieselben zeitgemäß im Sinne der edlen Stifter verwendet werden könnten. Herr Rabbiner Dr. Wagner als Angestellter an der Klause sollte die Arbeit unternehmen, die Geschichte der Klause und der übrigen Stiftungen in Mannheim in einer Monographie zu geben, gewiss würde der Redakteur dieser Blätter gern auch diese Spalten einer solchen Arbeit öffnen. Wenn es nciht unbescheiden klingt, wollen wir Herrn Dr. Wagner an dieses Unternehmen erinnern, da derselbe uns zugesagt, die Arbeit zu übernehmen. - Die Gemeinde Mannheim aber war bis jetzt, trotz ihrer reichen Stiftungen, ihrer vielen und gut dotierten Rabbinen, ihrer Wohlhabenheit und Intelligenz eine verwahrloste in Bezug auf den gottesdienstlichen Kultus. Die Synagoge hatte ihre alten Stammgäste, aber auch nur diese; die Jugend war zu blasiert, indifferent, um für Gottesdienst Zeit und Interesse zu haben. Da erwachte in dem Vorstande der Wunsch, Religion und Kultus zu beleben und der erste Schritt war, eine Synagoge zu bauen und einen tüchtigen Rabbinen zu berufen. Beides ist erfolgt, die prachtvolle Synagoge steht, ein würdiger Rabbine ist geworden, ob aber die Regeneration des Judentums in der Gemeinde dadurch allein erzielt wird, müssen wir bezweifeln. - Doch zur Synagoge und deren Einweihung. Das Gotteshaus ist im byzantinisch-gotischen Stil aufgeführt. Das Gebäude, ein längliches Viereck, steht mit der westlichen Giebelseite an der Straße. Ein großes, gewölbtes Portal und zwei kleinere Eingänge rechts und links führen in die schönen Hallen, die von drei Kolonnaden begrenzt sind, auf denen Galerien ruhen. Im Osten und Westen am Giebel sind Sternfenster mit farbigem Glase angebracht. die heilige Lade grüßt den Besucher unter einem reichen Vorhange von seinem etwas mystischem Halbdunkel, durch den dunklen Ton der Plafondmalerei hervorgebracht, von Morgen her; nichtjüdisch erschien uns, dass der 'heilige Gottesname' unter einer Sonne über der heiligen Lade steht; überhaupt schien es mir, dass de jüdische Theologie bei dem Bau nicht zu Rate gezogen worden; denn die Kreuzesform am Giebel außen und an dem Getäfel der Galerie sind Reminiszenzen christlicher Architektur. Vor der heiligen Lade sind der Schulchan rechts, und links die Betpulte für Rabbinen und Vorbeter. Die Säulen sind römisch, die Ornamentik maurisch; über den zehn Säulen stehen die Zehn-Gebote. Der Plafond ist in zwei Kuppeln gewölbt, mit reich vergoldeter Ornamentik verziert. - Auf der westlichen Galerie ist die von Walcker aus Ludwigsburg gefertigte Orgel angebracht, unter und um ihr steht der Sängerchor. Die Kanzel von Holzschnitzwerk ist auf der südlichen Längsseite unfern von der heiligen Lade; sie ist nicht sehr akustisch angebracht, denn während wir vom Schulchan aus bei der Erklärung der Haphtora des Predigers wohlklingende Stimme deutlich vernahmen, ist uns von der Kanzel aus manches Wort verloren gegangen, was mit mir viele Synagogenbesucher erfahren haben. Das Schiff der Synagoge ist mit Stehpulten für die Gemeinde ausgefüllt, durch die mitten hindurch ein breiter Gang führt. Unter den Kolonnaden sitzt die Schuljugend. Reiche Kandelabers beleuchten mit Gaslicht die heiligen Räume. Vor der heiligen Lade hängt die silberne Lampe, mit roter Flamme züngelt darauf das     
Mannheim AZJ 10091855c.jpg (321860 Byte) 'ewige Licht'. - Der ganze Tempel ist ein Prachtbau, zu prachtvoll, zu katholisch geschmückt für den reinen Jehova-Kultus. Immerhin aber ein schönes Zeugnis für die Opferbereitwilligkeit der Mannheimer Gemeinde.   
Am 29. Juni abends sechs Uhr begann die Einweihungsfeier; gegen 5.000 Menschen harrten in dem magisch beleuchteten Hause. Die Feierlichkeit selbst war die altherkömmliche. Einzug der Torarollen, vom Rabbiner getragen, in Prozession, darauf Benediktion der 'Schehechianu' etc.; Kantate, dirigiert von Lachner, komponiert von Levisohn, Sohn des Rabbinen in Gießen; Spiel der Orgel, Chorgesänge und Gebete waren die Einleitung zur Predigt, die Dr. Präger hielt über Numeri 24,5 und 6. Das Gotteshaus ist 1) Bethaus 2) Versammlungshaus, 3) Lehrhaus. Die Predigt war mehr wissenschaftlicher Vortrag, als wie man erwartet, eine gefühlvolle Rede von dem Schwunge der heiligen Feier getragen. Den Sabbat darauf hörte ich den Prediger wieder sprechen und sein Vortrag rechtfertigte seinen Ruf als tüchtigen Kanzelredner. die Gebetordnung in Marnheim ist neu ediert von Präger geordnet; teils deutsch, teils hebräisch; alle Pflichtgebete sind beibehalten; zu viel Konzessionen für 'Alte und Neue', darum weitschichtig, der Gottesdienst dauert zu lange. Mein Synagogen-Nachbar, ein jüdischer Frankfurter Gelehrter, bemerkte mir: 'die neuen Rabbinen leiden an Weitschweifigkeit'. - Die Psalmen 95 bis 99 und 29 beim Sabbateingang werden nicht mehr hebräisch rezitiert, sondern nur einer derselben deutsch vom Rabbinen responsorisch vorgetragen. Lecho Dodi ist verstümmelt, nur einige Strophen werden gesungen. Eines jedoch war mir unerklärlich, die Totenfeier am Freitagabend, dieses Totenbeschwören, um Andacht zu erwecken, taugt nicht zur Sabbatfreude und Sabbatfeier, da lobe ich mir die Alten, die beim Sabbat-Eingang die Engel herbeiriefen, aber die Toten - 'ach lass sie ruhen, die Toten!' Beim Gottesdienst selbst und den Responsorien war die Gemeinde zu wenig tätig, was aber von dem Mangel an volkstümlichen, einstimmigen Synagogenmelodien herrührt, diesem Überstand wird später abgeholfen werden. Besonders dürfte die Schuljugend zum Synagogalgesang mehr herbeigezogen werden, denn in schöner Weise sagt der Talmud: vom Amensagen der Jugend hängt die Erlösung Israels ab. Wer sich mit dem Gebetbuche der Mannheimer Gemeinde bekannt machen will, wird dasselbe durch die Bensheimer'sche Buchhandlung daselbst beziehen können; es ist sehr hübsch ausgestattet, mit schönen Typen gedruckt und als Hausandachtsbuch wegen seiner schönen deutschen Gebete und Leider zu empfehlen; es kostet nur 1 fl. rhein. - Wir müssen noch rühmend die Einigkeit der Mannheimer Gemeinde anerkennen; viele mit den Reformen nicht Einverstandene haben den gesetzlichen Weg betreten, sie zu beseitigen, aber den Gottesdienst besuchen alle und kein Zwiespalt wird die Gemeinde in zwei Lager trennen. Am Sabbat früh hielt der zweite Stadtrabbiner Dr. Lindemann über Psalm 84 eine zweite Einweihungspredigt, hübsch behandelt, schön vorgetragen, viel Weihrauch an Vorstand und Obrigkeit gespendet, aber als 'da capo' der gestrigen Feier zu viel. - Am Sabbatabend war Festessen von 300 Gedecken, kalte Küche, aber durch der Mannheimer Gastfreundschaft viel feuriger Champagner; auch die Rabbinen, deren etliche und zwanzig anwesend waren, ließen sich den Franzwein munden, ihre redefertigen Zungen brachten Toaste auf Toaste und der poetische (Rabbiner) Stein von Frankfurt ließ sogar seine gesangfertige Kehle ertönen. Aub und Stein, Ben Israel und Levisohn Adler, Fürst und Friedberg, Wassermann und Altmann und noch manche Rabbinen, Gelehrte und viele aus dem Hause Israel waren fröhlich und guter Dinge, als ob sie beim Mahle des Leviathan säßen. Und solches Zweckessen lobe ich mir, denn nach der Aussage des Gastgebers wurde mit vieler Gründlichkeit verfahren. - Doch war ich auch nicht beim Festessen, so besuchte ich die Synagoge noch öfter und wünsche, dass, wenn der Reiz der Neuheit auch gewichen, sie dennoch fort so gefüllt sein möge, wie in den ersten Sabbaten."   

  
Über die neue Synagoge (1855)   

Mannheim AZJ 02091855.jpg (236235 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1855: "Die neue Synagoge zu Mannheim. Mannheim, 15. Juli (1855). Ich übersende Ihnen anbei einen bericht über die hiesige neue Synagoge, wie er zum größten Teile im Mannheimer Unterhaltungsblatt Nr. 163 gestanden, mit der Bitte, um einen Platz in der Allgemeinen Zeitung des Judentums zu gewähren.   
Ein Bau von dem Umfang und der Schönheit, von der Bedeutung, wie die unlängst nach feierlicher Einweihung dem Gottesdienste übergebene Synagoge, verdient wohl mit einer größeren Ausführlichkeit beschrieben zu werden, als solches bisher geschehen; denn da ist gewiss keiner, den diese Zierde hiesiger Stadt nicht mit Bewunderung erfülle, auf den die Harmonie in den  Verhältnissen und die Konsequenz des Stils nciht den wohltuendsten und erhebensten Eindruck, in dem die Anschauung des neuen Tempels nicht den Wunsch nach dessen  Geschichte rege gemacht. 
Schon seit Jahrhunderten stand auf der Stelle der gegenwärtigen Synagoge, die im Verlaufe der Kriegsereignisse, von denen Mannheim heimgesucht wurde, verschiedene Veränderungen erlitt. Der im Jahre 1851 zum Abriss gekommene Bau war 1691 und später aufgeführt worden, aber den Bedürfnissen der Gemeinde nicht einmal räumlich angemessen und lud in seiner Unschöne keineswegs zum Besuche des Gottesdienstes ein.   
Im Juli 1851 wurde der Neubau der Synagoge in Angriff genommen und steht nun fertig und vollendet da. Bis auf die kleinste Verzierung herab treu dem byzantinischen Stil, steigt der großartige Bau in einer Höhe von mehr denn 70´empor. In einer Länge von 60´erstreckt sich das Schiff des Tempels bis zum heiligen Schrein. Die Breite des Schiffs beträgt 30; die Decke bildet zwei gleiche Kuppeln, deren Wölbung durch Blau mit Gold geschmückt ist. Auf Bogen und Säulen ruhend, zieht sich um das Schiff die geräumige Galerie, gleich dem übrigen Mauerwerk aus gehauenem Sandstein gefügt. Die Säulen, nach Maßgabe der Zehngebote zehn an der Zahl und massiv aus schwarzem Marmor von Nassau-Diez, zeichnen sich außer der Schönheit des Materials ganz besonders auch durch ihre antik-byzantinischen, würfelartigen, mit angemessenen Emblemen verzierten goldgeränderten Kapitellen aus. Die Wände sind mit goldverzierten Arabesken-Fresken, ähnlich wie beim Speyrer Dom, bemalt. Der Boden besteht aus einem Mosaik von Solnhofer Stein, jener der Estrade vor dem heiligen Schrein aus Marmorplatten von schwarzer und weißer Farbe; der Schrein selbst ist aus karrarischem Marmor und ungefähr 30´hoch. Die Fenster bestehen zum Teil aus Glas mit milchfarbigem Schliff, zum Teil aus bunt gefärbtem. Die Kandelaber sind aus Bronze und vergoldet. Schnitzwerk und sonstige Holzarbeiten nebst der Orgel sämtlich massiv von Eichen. Das Ganze ist gediegen, prächtig, ohne Überladung. Der Bauplan rührt von dem im Februar 1853 in Heidelberg verstorbenen Bauinspektor Lendorff her, unter dessen Leitung der Bau unter Dach kam. Architekt Lang, welcher unter Lendorff die Bauaufsicht leitete, setzte diese unter Professor Eisenlohr in Karlsruhe fort und übernahm solche, als auch jener starb, selbstständig vom Sommer 1853 bis Herbst 1854. Trotz des öftern Wechsels in der Bauleitung herrscht doch überall die vollkommenste Harmonie und es bilden die einzelnen Teile ein schönes Ganzes, dessen Herstellungskosten bei aller Großartigkeit doch auf kaum 90.000 Fl. veranschlagt sind. An der Ehre der Ausführung im einzelnen beteiligten sich nachstehende auswärtige und hiesige Kräfte; die heilige Lade aus karrarischem Marmor rührt der von Porzelt und Harparath in Köln, die Fresken-Malerei von           
Mannheim AZJ 02091855 II.jpg (310232 Byte) Schwarzmann aus München, Kandelaber von Junge und Walther in Frankfurt, die in byzantinistischem Styl reich geschnittene Kanzel vom Bildhauer Diehlmann aus Frankfurt, die Orgel von Walker u. Comp. in Ludwigsburg. Es zeichnet sich diese aus 24 Registern bestehende Orgel, die Schenkung eines Unbekannten, ebenso sehr durch den schönen kräftigen Ton, als die auf Räumlichkeit und Raumersparnis berechnete neue Konstruktion aus, indem sie, um das Licht der Rosette an der Vorderfassade nicht zu decken und dem Chor einen passenden Platz der Aufstellung zu lassen, in zwei Hälften konstruiert werden musste. Die gemalten Fenster rühren her von Hirschvogel in München, die Steinhauer- und Maurerarbeit von Xaver Hoffmann dahier, die Bildhauerarbeit der Fassade und Kapitelle von J. G. Korman d. ält. dahier und Bänke und Kanzel (im Rohen) von Küstner dahier. Ein besonderes Verdienst um die sogenannten Heiligtümer, die meist von hohem Alter und Wert, nämlich: die ewige Lampe vor dem heiligen Schrein, die siebenarmige (sc. Lampe) bei der Orgel, die Thora-Aufsätze, die heiligen Geräte, womit die Thora verziert ist, eine reich mit Steinen besetzte Krone usw. – erwarb sich auch Silberarbeiter Nadenheim dahier, in dem er die gedachten Silbergerätschaften, die durch den Gebrauch von Jahrhunderten in Aussehen und Form verdorben, in dem ursprünglichen Stil wieder herstellte.
Zum ehrenden Andenken für alle Zeit folge hier ein Verzeichnis der der neuen Synagoge gewordenen Stiftungen oder Gaben der Liebe, nämlich: die schon oben genannte Orgel, Geschenk eines Ungenannten, ein massiv goldener Becher, antik und mit Emblemen und Bildern der Bibel versehen, von der Familie Mayer, Erbstück des Urgroßvaters Elias Hayum; die ewige Lampe von Silber in altem Stil und der circa 9 Fuß hohe Kandelaber mit 13 Flammen an der Estrade-Einfassung des heiligen Schreins von Joseph Hohenemser; der damit korrespondierende vom Verwaltungsrat des weiblichen Krankenvereins der israelitischen Gemeinde; zwei Vorhänge von rotem Sammet an der Sakristei- und der blinden Türe gegenüber von Samuel Jonas Darmstädter und Frau; sechs Kerzenkandelaber zunächst bei den Thorarollen, je zwei von Salomon Aberle, Nauen jun. und Veit Mehler und Frauen; die Kanzel von Herrmann und Seligmann Ladenburg nebst Frauen; de große Teppich vor der Estrade des heiligen Schreins von Gebrüder Juda und David Karlebach; erwartet wird in circa drei Wochen ein noch nicht ganz vollendeter Thora-Vorhang von rotem Sammet mit reicher Goldstickerei im Wert von circa 1500 Fl. Von den Frauen und Jungfrauen der Gemeinde; gespendet wurden ferner: zehn Wandkandelaber von je sechs Flammen von Dr. Ladenburg, Jonas Darmstädter, Amalie Mayer, Joseph Nöther, Jak. Rosenthal, Gebrüder Simon und Moritz Lenel, Gebrüder Rudolph und Max Mayer, Heinreich Trauman, Eduard Trauman und August Trauman; ferner eine steinerne Almosenbüchse von Jos. Herrmann und Frau und eine zweite von Herrm. Nöther und Frau. So rührt demnach der ganze Beleuchtungsapparat, mit Ausnahme der neunarmigen Minora und der der zehn Galerie-Kandelaber, von Gaben der Liebe her, wie überhaupt fast der ganze reiche Schmuck des innern Tempels.
So wie der Bau, so ist die gottesdienstliche Einrichtung den Erfordernissen der Zeit entsprechend. Die Gebete, obgleich geschöpft aus den seit Jahrhunderten bei den Israeliten gebräuchlichen Gebetbüchern und größtenteils auch unverändert beibehalten, sind ins Deutsche übersetzt dem Urtexte beigegeben und verherrlicht durch feierliche Choräle und die erhebenden Klänge der Orgel. Der Stadtrabbiner Präger, erst seit sechs Monaten der Gemeinde angehörend, hat diese durch seine gediegenen Vorträge und Predigten in einer Weise für sich gewonnen, dass er ungeteilte Verehrung genießt. Dass er der rechte Mann, der Mann seines Berufs, dürfte wohl am deutlichsten daraus hervorgehen, dass es ihm gelungen, die in anderen israelitischen Gemeinden vorhandene Spaltung in zwei Lager hier zu vermeiden und und in dem neuen Gotteshause alle Glieder einig zusammen zu führen, ihn zu einem Tempel der Einigung und Vereinigung zu machen.
Vorbereitet auf diese Weise sah man sowohl hier als auswärts dem Tage der Einweihung, dem 29. Juni, mit Spannung entgegen; und es ist begreiflich, dass der Raum der neuen Synagoge nicht ausreichte, um den vielseitigen Wünschen der Beteiligung an der schönen Feier zu genügen.
Der Synagogenrat hatte Einladungen an sämtliche Geistliche, die höheren Zivil- und Militärbeamten der Stadt usw. erlassen, welchen größtenteils entsprochen wurde. Aus der Gemeinde selbst wurden für sämtliche Männer, Frauen, Söhne und Töchter Plätze eingerichtet und die ganze Schuljugend nahm unter der Leitung ihrer Lehrer Anteil an dem Feste der Einweihung.
Um 6 Uhr abends nahmen die Mitglieder des aus 90 Personen aller Stände der israelitischen Gemeinde bestehenden Chors, die Damen festlich gekleidet, ihre Plätze ein.  
Mannheim AZJ 02091855b.jpg (154043 Byte) Weißgekleidete Mädchen mit Kränzen traten im Zuge durch das Portal ein und bildeten ein Spalier bis zur heiligen Lade. Die Rabbinen mit den aus alten Zeiten vererbten silbergeschmückten Thora-Rollen, nämlich der Stadtrabbiner, der eigens zur Feier von Karlsruhe abgeordnete Oberrats-Kommissar, die Konferenz- und übrigen Rabbinen des Landes wurden an der Pforte von dem gesamten Synagogenrat feierlichst unter den vollen Klängen der Orgel empfangen und zur heiligen Lade geleitet. Dem Zuge folgten eine große Anzahl Rabbinen benachbarter Städte und alle Vorstände von Verwaltungen der israelischen Gemeinde und ihrer wohltätigen Stiftungen. Nachdem die Rollen in der heiligen Lade niedergelegt, eine eigens zur Feier der Einweihung komponierte Kantate abgesungen und von dem Stadt-Rabbinen eine der Gelegenheit angemessene ergreifende Festrede gehalten worden war*), zündete man gegen 8 Uhr die Gas-Kandelaber an und im Glanze von 220 Flammen strahlte nun der neue Tempel. Die Gesangsvorträge, worunter eine von Rabbi Stein gedichtete und von dem fünfzehnjährigen Herrmann Levi aus Gießen, einem Schüler des Kapellmeisters V. Lachner, komponierte Kantate, wurden mit Präzision exekutiert und es bewährte sich bei dieser Gelegenheit wieder die Tüchtigkeit des Organisten Eberhard Kuhn, Lehrer des Chors, der auch die Gesänge, mit Ausnahme der Levi’schen Komposition, die Kapellmeister B. Lachner dirigierte, leitete. Unterstützt wurden die Gesangsvorträge durch die sonore Stimme des Vorsängers Sallenberg.
Diesen Einweihungsfeierlichkeiten insbesondere folgte der Abend-Gottesdienst, der von nun an jeden Freitag vollständig nach dem alten Ritual, jedoch in neuerer, den Anforderungen der Zeit entsprechenden Formen abgehalten werden wird. Der Samstag-Gottesdienst begann um 9 Uhr Morgens und diesmal war es Rabbi Lindemann, der dabei die Rede hielt.
An die kirchliche Einweihungsfeier reihte sich ein Festessen von 250 Couverts im 'Badner Hof', bei welchem sämtliche auswärtige Rabbinen und Vorstände fremder Gemeinden anwesend waren.
*) Die Festrede ist gedruckt uns so eben zugekommen, und hat uns sehr erfreut. In einer gediegenen und einnehmenden Sprache erklärt sie die dreifache Bedeutung der Synagoge als Berh hatéphila, hakeneseth und hamidrasch.
Redact.  
  

 
Das Mannheimer Gebetbuch soll im Anhang die alten hebräischen Gebete enthalten (1855)   

Mannheim AZJ 01101855.jpg (17379 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Oktober 1855: "Das Mannheimer Gebetbuch soll dennoch die alten hebräischen Gebete wieder erhalten; doch sollen dieselben einen sogenannten 'Anhang' bilden."      

  
Über die jüdische Gemeinde nach Einweihung der neuen Synagoge (1856)    

Mannheim AZJ 05051856.jpg (113926 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Mai 1856:  "Noch habe ich eine sehr erfreuliche Erscheinung auf dem Gebiete der Kultusreform zu erwähnen. Auf einer Reise besuchte ich vor Kurzem den Gottesdienst in Mannheim, und gereichte es mir zur großen Freude, das günstige Urteil, das über denselben besteht, vollkommen gegründet zu finden. Die Teilnahme, welche der Gottesdienst seit der Einweihung des prachtvollen Tempels gefunden hat, steigert sich fortwährend sowohl von Seiten der Kultusgemeinde, als auch der fremden Besucher. Es ist eine bis jetzt seltene Erscheinung, dass eine ganze Gemeinde von der Bedeutung wie Mannheim, sich an einem Gottesdienste, der die wesentlichen Reformen, wie Orgel, Auslassung der Opfergebete, Piutim usw. in sich aufgenommen hat, beteiligt, und zwar mit nachhaltiger Begeisterung beteiligt, und ist es herzerhebend, wahrzunehmen, wie sie alle ohne Unterschied der religiösen Richtung in gleicher Weise Erbauung finden. Stadtrabbiner Präger, als tüchtiger Kanzelredner bekannt, hat sich durch die Herstellung dieses Gottesdienstes umso verdienter gemacht, als dieser bereits den Impuls gab, dass auch andere Gemeinden ähnliche Anstalten treffen."   

  
Über den Synagogen-Chor (1857)  
Anmerkung: bei der genannten Katastrophe in Mainz handelte es sich um die Explosion des Pulverturms am 18. November 1847 (Wikipedia-Artikel)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Dezember 1857: "Mannheim, 11. Dezember (1857). Es ist bekannt, dass wir Juden, wo es gilt Mildtätigkeit zu üben und ein gutes Werk zu verrichten, nicht zu den Letzten gehören; es ist bekannt, auf welche Weise sich auch das jüdische Mitgefühl wieder bei der schrecklichen Katastrophe in Mainz bewährte. Mit derselben Bereitwilligkeit schloss sich auch der hiesige Synagogen-Männer-Gesangverein in dem zum Besten der Mainzer im Theater-Saale gegebenen Konzert den anderen hiesigen Gesangvereinen an, und es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass diesem jugendlichen Verein nicht weniger wie noch einem anderen älteren Verein die Auszeichnung zuteil wurde, eine vorgetragene Solo-Nummer nach jubelndem Hervorrufen wiederholen zu müssen. Dies Resultat verdienst umso mehr öffentliche Würdigung, als der Verein nur aus jungen Dilettanten besteht, noch nie öffentlich auftrat. und neben den gediegenen musikalischen Kräften der anderen alten Gehsangvereine sich nur in Anbetracht des edlen Zweckes in die Öffentlichkeit wagte. Die vorgetragene Solo-Nummer bestand in einem Vaterlandslied, höchst gelungene Komposition des Direktors E. Kuhn, der sich als erster Heranbilder unseres Synagogenchores besonders verdient machte, und als trefflicher Organist jedem schwierigeren Posten nur Ehre machen würde.  
Unser Synagogen-Chor (der nun aus circa 30 Frauen- und 40 Männerstimmen besteht) hat nun außer dem erhebenden religiösen Zweck die Befriedigung - Liebe zur Musik und zu edleren Gefühlen der Kunst in unserer Gemeinde geweckt zu haben, und ermutigt durch die gute Aufnahme, welche die Gemüt- und Herzerhebenden Vorträge des Gesamt-Chor-Personals in unserer Synagoge fanden, bildete sich aus seiner Mitte jener jüdische Männer-Gesangverein, der nun unter Leitung seines unermüdlichen Direktors zu den besten Hoffnungen berechtigt. Möge die erwähnte Auszeichnung nun dem jungen Verein zur Kräftigung, anderen Gemeinden aber zum Beispiel dienen, wie viel Gutes in Eintracht und Liebe für Kunst und Musik geschehen kann.  L.M."      

    
Der Großherzog und die Großherzogin besuchen die neue Synagoge (1860)         

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juli 1860: "Mannheim, 25. Mai (1860). Vorgestern Mittag nach 12 Uhr besuchten Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin die neue Synagoge. Ihre Königlichen Hoheiten wurden am Portale der Synagoge von den sieben Mitgliedern des Synagogenrates ehrfurchtsvoll empfangen und in das Innere geleitet. An den Stufen der für die Bundeslade bestimmten Erhöhung begrüßte Herr Stadtrabbiner Präger das erhabene Fürstenpaar in einer der hohen Bedeutung dieses erfreulichen Ereignisses entsprechende Rede, an deren Schluss er den durch die Religionsvorschriften beim Anblicke eines gekrönten Hauptes angeordneten Denkspruch in hebräischer und deutscher Sprache vortrug. Ihre Königlichen Hoheiten geruhten, über den Empfang im Allgemeinen und insbesondere über die an Höchstdieselben gerichtete Ansprache sich in äußerst wohlwollender Weise auszusprechen; hierauf nahmen Ihre Königlichen Hoheiten den ganzen herrlichen Bau, insbesondere die Bundeslade, die Kanzel und die Orgel in Augenschein und drückten Ihre volle Anerkennung über Anlage und über Einrichtung des Gotteshauses aus. Erst nach längerem Aufenthalte und unter der wiederholten Versicherung Ihrer vollsten Befriedigung verließen hieraus Ihre Königlichen Hoheiten das Gotteshaus."               

 
Feier des Rosch HaSchana-Gottesdienstes in der Synagoge (1884)    
Mit kritischem Unterton wird in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelt" berichtet:     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September 1884:  "Mannheim. Wie man den heiligen Rosch Haschana (Neujahrsfest) hier zu feiern pflegt, darüber gibt uns eine Notiz der 'Neuen Badischen Landeszeitung' vom 20. September Auskunft. Dieselbe lautet:
Der Synagogen-Chor wird morgen früh neun Uhr in der Synagoge unter Leitung seines Dirigenten Herrn Musikdirektor Hänlein den 61. Psalm für gemischten Chor, Sopran und Harfensolo mit Orgelbegleitung von Overthür zur Aufführung bringen. Den Sopran-Solo hat Frau Matter, welche schon öfters durch ihren seelenvollen Gesang entzückte, in freundlicher Weise übernommen. Für das Harfensolo ist Herr Moser, Mitglied des Großherzogl. Hoftheater-Orchesters in Karlsruhe gewonnen. Kommentar überflüssig."    


Der Erbgroßherzog besucht die Synagoge (1888)      

Mannheim AZJ 01111888.jpg (120644 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. November 1888: "Mannheim, 19. Oktober (1888). Am Mittwoch, 17. Oktober, geruhte der Erbgroßherzog von Baden samt seiner erlauchten Gemahlin anlässlich höchst ihren Besuches der hiesigen Stadt auch die Synagoge mit einem Besuche zu beehren. Ihre Königlichen Hoheiten wurden am Portale des Gotteshauses von dem Synagogenrate empfangen und sodann in den heiligen Raum geführt, woselbst die Begrüßung durch eine Ansprache des Stadtrabbiners Dr. Steckelmacher erfolgte. Der Letztere hob hervor, wie tief beglückt und gerührt wir uns ob der hohen Ehre dieses Besuches fühlten und wie wir den innigen Dank, den wir empfänden, nicht besser ausdrücken könnten, als indem wir an derselben geweihten Stätte, wo ach sonst allsabbatlich unsere heißen Gebete für das ganze Kaiserliche und Großherzogliche Haus zu Gott emporsteigen, auch in diesem für uns denkwürdigen Augenblicke unsere Gefühle zusammenfassen in das innige und herzliche Gebet: Der himmlische Vater möge Ihre Königlichen Hoheiten auch ferner in Seinen gnädigen Schutz nehmen und gesund und kraftvolle erhalten allezeit, an Ihnen erfüllend den alten priesterlichen Segen: 'Der Herr segne Dich usw.'. Sichtlich gerührt dankte für diese Worte huldvollst das hohe Paar, ließ sich sodann ebenfalls zur Begrüßung den zweiten Stadtrabbiner Herrn Dr. Appel vorstellen, besichtigte hierauf mit großem Interesse das Gotteshaus und verließ dasselbe, nachdem der Vorsitzende des Synagogenrates, Herr David Aberle sen. noch seinen besonderen Dank im Namen der Gemeinde ausgesprochen, mit wiederholten Zeichen inniger Befriedigung. Das Ergebnis hat in unserer Gemeinde mit Recht das freudigste Aufsehen hervorgerufen."      

      
Der Synagogenchor feiert sein 50-jähriges Bestehen (1905)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Juni 1905: "Mannheim, 23. Mai (1905). Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt, hat der Synagogenchor am 20. dieses Monats das Fest seines 50-jährigen Bestehens gefeiert. Der Tag der Einweihung der neuen Synagoge m Jahre 1855 ist zugleich der Geburtstag des Synagogenchors. Vorher seit 1844 bestand schon ein Knabenchor. Zur Feier des Tages veranstaltete der Synagogenchor in Gemeinschaft mit den Chören von Bruchsal, Karlsruhe und Ludwigshafen und mit Verstärkung durch Mitglieder eines hiesigen jüdischen Gesangvereins ein großes Festkonzert, das außerordentlich gut besucht war. Abends fand ein Festakt statt, an dem Deputationen von Seiten des Oberrats in Karlsruhe, des Rabbinats, des Synagogenrats und vieler benachbarten und befreundeten Synagogenchöre und Vereine Ansprachen hielten und wertvolle Geschenke überbrachten. Ein Festessen mit Tanz schloss sich an und so verlief die Feier in ebenso schöner wie angenehmer Weise."         

  
1897/99 und 1907/08 wurden umfassende Modernisierungsarbeiten durchgeführt. So erhielt die Synagoge 1899 eine neue Orgel mit 31 Registern, die wie die bisherige Orgel von der Orgelbauanstalt Walcker Ludwigsburg stammte. Der Begriff "Hauptsynagoge" taucht übrigens erstmals im Adressbuch der Stadt Mannheim von 1919 auf. Die Synagoge hatte nach der Renovierung 1907/08 etwa 700 Plätze. 
     
Eine neue Gemeindesynagoge soll gebaut werden (1925)     

Mannheim JuedlibZtg 04121925.jpg (87505 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 4. Dezember 1925: "Mannheim (Bau einer Gemeindesynagoge). Der Synagogenrat der jüdischen Gemeinde zu Mannheim erlässt einen Aufruf für den Bau einer neuen Gemeindesynagoge, die 800 Sitzplätze umfassen soll. Wegen der schlechten Wirtschaftslage sollen die Mittel zur Verzinsung und Amortisation des Baukapitals alljährlich durch feste Vermietung der Plätze sichergestellt werden. 
Hier scheint sich uns auch für andere jüdische Gemeinden, insbesondere für Berlin ein Weg zu zeigen, wie man der Raumnot in den Synagogen an den Hohen Feiertagen und der wenig erfreulichen Betsaalwirtschaft ein Ende machen kann."      

   
Bereits 1933 wurde die Synagoge zum ersten Mal von SA-Männern heimgesucht und beschädigt. Die Gottesdienste wurden seitdem von der Gestapo überwacht. 
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge vollkommen zerstört. SA-Leute veranstalteten vor der Sprengung ein Pistolenschießen nach dem siebenarmigen Leuchter in der Synagoge. Das übrige Inventar mit den Kultgegenständen wurde anschließend zerstört. Die völlige Zerstörung der Synagoge wurde durch Sprengungen verursacht, die SA-Männer in Zivil so ausführten, dass Beschädigungen der umliegenden Häuser vermieden wurden. Diese Sprengungen ließen von der Synagoge nur noch eine Ruine übrig. Die "Neue Mannheimer Zeitung" berichtete in ihrer Abendausgabe vom 10. November 1938: "Die Synagoge gleicht im Innern einer Trümmerstätte. Das Gestühl ist großenteils zerschlagen. Der Orgelraum ist demoliert [...] Die Altarnische mit der ‚Heiligen Lade’ samt dem ‚Almemor’ ist nur noch ein Trümmerhaufen. Auf dem Boden liegen zerborstene Säulen. Der ganze Raum ist mit Schutt und Holztrümmern bedeckt. Allenthalben tritt man auch auf Glasscherben, die Reste der bleiverglasten Fenster. Die großen vielarmigen Leuchter neigen ihre Kronen geknickt zur Erde. Da und dort erkennt man Reste jüdischer Gebetsbücher und auch mit hebräischen Schriftzeichen bedeckte Papierfetzen, in denen man wohl Teile von ‚Torarollen’ vermuten darf. Auch ein Gebetsriemen liegt inmitten der Trümmer dieser vor rund achtzig Jahren im maurischen Stil erbauten jüdischen Kultstätte..." An den nächsten Tagen durften Schulkinder gegen ein  Eintrittsgeld von 10 Pfennig zugunsten der Winterhilfe die vom Feuer nicht zerstörten Ritualgegenstände besichtigen.  
      
In den folgenden Monaten wurde die Synagogenruine der jüdischen Gemeinde noch zum Unterstellen gespendeter Möbel verwendet. Am 31. August 1939 schloss die Stadt Mannheim einen Kaufvertrag mit der jüdischen Gemeinde über den Erwerb der Grundstücke F 2,13-15 für 34.000 Reichsmark. Am 5./6. September 1943 wurde beim schwersten Luftangriff auf Mannheim auch die Synagoge getroffen und dadurch zu nunmehr 80 % zerstört.  
       
Das Synagogengrundstück wurde 1945 von den Alliierten beschlagnahmt und der jüdischen Vermögensverwaltung JRSO übertragen. 1953 ging das Grundstück an die Israelitische Gemeinde in Mannheim über. Die Synagogenruine wurde 1955/56 abgetragen. Die Arbeiten dauerten vom 21. November 1955 bis 26. April 1956. Das Grundstück kam in den Besitz der Bauhütte Baugesellschaft m.b.H. München. Der Platz wurde bis 1961 für einen Autohandel genutzt. 1962/63 wurde ein mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus auf dem Grundstück erbaut. Im Januar 1964 wurde im Eingangsbereich dieses Gebäudes eine Gedenktafel für die Synagoge angebracht.
      
Die Gebotstafeln der Hauptsynagoge blieben erhalten und wurden im Innern der Synagoge Maximilianstraße angebracht. Ein Portal-Fragment der Lemle-Moses-Klaus und ein Stein aus der Hauptsynagoge befinden sich in einer Synagoge in Millburn/USA (Congregation B'nai Israel). Ein weiterer Stein der Hauptsynagoge befindet sich in New York (United Jewish Appeal). Ein Kiddusch-Becher mit Stifterinschriften befindet sich im Jüdischen Museum New York.  
  
  
  
Die Synagoge in F 1,11 (Klaussynagoge)  
  
1708 konnte auf Grund einer Stiftung des damaligen Vorstehers der jüdischen Gemeinde Lemle Moses Reinganum ein Bet Hamidrasch (jüdisches Lehrhaus mit Synagoge) errichtet werden ("Lemle-Moses-Klaus"). Reinganum war unter anderem als Pächter des kurpfälzischen Salzmonopols zu großem Reichtum gekommen. Einen beträchtlichen Teil seines Vermögens nutzte er dazu, seiner Gemeinde ein großes Lehrhaus zu errichten. Am 31. Januar 1706 wurde von Kurfürst Johann Wilhelm die Konzession zum Bau und zur Einrichtung des Lehrhauses erteilt. Kurfürst Karl Philipp erneuerte sie am 23. März 1717. Darin war bestimmt, dass in der Klaus des Lemle Moses die "Lehr- und Schulexerzitien" frei und ungehindert gehalten werden dürfen. Sechs bis zehn Rabbinerfamilien sollten in der Klaus wohnen können.
 
Die Klaus wurde auf einem von Lemle Moses Reinganum bereits 1698 erworbenen Grundstück im Gelände des Quadrates F 1 durchgeführt. Die Synagoge und ein Teil der für die Einrichtung nötigen Gebäude wurden 1708 in F 1,11 erstellt und Schabbat Ki Tawo des jüdischen Jahres 5468 eingeweiht (31. August/1. September 1708). Die drei Rabbiner David Ulf, Matisjahu Ahrweiler und Leser aus Kanitz hielten die Weihereden. Andere Gebäudeteile wurden erst nach 1717 fertiggestellt.
  
Zahlreiche Bestimmungen regelten das Leben in der Klaus und die Lehrweise. Das Werk sollte auf den drei Säulen Torastudium, Gottesdienst und Liebestätigkeit ruhen. Um diesen Mittelpunkt geistigen Lebens auch nach seinem Tod zu erhalten, vermachte Lemle Moses eine Summe von 100.000 Gulden zur ewigen Unterhaltung und Sicherstellung des Lehrhauses. Die Zinsen aus diesem Kapitel gewährleisteten unter anderem den Unterhalt der zehn Gelehrten. Im Laufe des 18. Jahrhunderts war das Fortbestehen der Klaus zeitweise auf Grund von Misswirtschaft und Streitigkeiten um die Klaus gefährdet. Ein Brand in der Nacht auf den Versöhnungstag 5555 (3./4. Oktober 1794) wurde als göttliche Mahnung gedeutet, neue, strenge Verordnungen für die Klaus zu entwerfen und einzuhalten. Durch den Brand sind das gesamte Gebäude einschließlich der Synagoge schwer beschädigt worden. Die Renovierung wurde am 22. Mai 1795 abgeschlossen; die Kosten beliefen sich auf 2.000 Gulden.
Aus bautechnischen und sanitären Gründen wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Umbau dringend nötig. Seit 1885 gab es hierzu Verhandlungen zwischen der Klauskommission und dem Oberrat der Israeliten. Architekt Wilhelm Manchot (Mannheim) bekam den Planungsauftrag für den Umbau. Er entwarf ein neues Gebäude im "maurischen" (neuislamischen) Stil. Die Pläne wurden 1887/88 ausgeführt. Das Gebäude der Synagoge wurde an derselben Stelle, jedoch mit verändertem Grundriss erbaut. Äußerlich war die Synagoge als solche nicht zu erkennen, wenngleich sie durch ihre Fassadengestaltung in der Umgebung auffiel. Im Erdgeschoss wurden 127 Plätze für die Männer, auf der Frauenempore 98 für die Frauen geschaffen. Am Beginn des Chanukkafestes 5649 (am 29. November 1888) wurde die neue Klaus-Synagoge mit großer Feierlichkeit eingeweiht.
  

Grundsteinlegung zur neuen Klaus-Synagoge (1887)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1887:  "Mannheim, 11. August (1887). In feierlicher Weise fand heute Vormittag die Grundsteinlegung der neuen zur Lemle Moses Klausstiftung gehörigen Synagoge statt. zu welcher sich ein zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Nachdem der Vorsitzende der Klausstiftungs-Kommission, Herr Simon Bensheim, die feierliche Handlung mit einer kurzen Ansprache eröffnet hatte und die in den Grundstein einzulegenden Dokumente verlesen waren, hielt Herr Stadtrabbiner Dr. Appel die Weiherede, die mit dem Wunsche schloss, es möge der Bau vollende werden dem Begründen und den Erbauern zu Ruhme, der israelitischen Gemeinde und der Gesamtheit zum Heile, der Stadt zur Zierde. Nach Niederlegung der Dokumente in den Grundstein erfolgten die üblichen drei Hammerschläge durch die anwesenden Herren der Klausstiftungs-Kommission und des Synagogenrats. Eine Ansprache des Leiters des Bauers, Herrn Architekten W. Manchot, welcher das Gelingen der Arbeiten dem Schutze des höchsten Bauherrn empfahl, schloss die schöne und erhebende Feier."      
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. August 1887: "Bonn, 21. August (1887). (Notizen). Man schreibt aus Mannheim vom 12. dieses Monats. Wie bekannt, wurden die durch Alter baufällig gewordenen Gebäude der Lemle Moses Klausstiftung dahier abgebrochen und werden zur Zeit durch stattliche Neubauten ersetzt. Dieselben sind soweit vorgeschritten, dass gestern früh 7 Uhr die feierliche Grundsteinlegung für die zur Klausstiftung gehörige Synagoge stattfinden konnte. Trotz der frühen Tagesstunde hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum zu diesem Weiheakte eingefunden. Herr Simon Bensheim, Vorsitzender der Klaus-Kommission, eröffnete die feierliche Handlung durch eine, nach Form und Inhalt wohlgelungene Ansprache, über den Ursprung der Klausstiftung und Zweck der heutigen Feier, die die Verlesung der in den Grundstein einzulegenden Dokumente folgte. Hierauf hielt Herr Stadtrabbiner Dr. Appel die eigentliche Weiherede, eine meisterhaft schöne Rede von geradezu ergreifender Wirkung, welche sich an die Erzählung der heiligen Schrift von der allerältesten Grundsteinlegung zu einem Gotteshause durch Jakob anschloss und den Dank gegen die Vorsehung für den seitherigen Schutz und das Vertrauen auf Gottes ferneren Beistand zum Ausdruck brachte. Redner schloss mit dem Wunsche, dass der Bau vollendet werden möge, dem Begründer und den Erbauern zum Ruhme, der israelitischen Gemeinde und der Gesamtheit zum Heile, der Stadt zur Zierde. Dann wurden die Dokumente, welche auf die Stiftung und den Wiederaufbau Bezug haben, die von Herrn Dr. Appel beim Abschied aus der ehemaligen Klaussynagoge am 12 März dieses Jahres gehaltene Rede, sowie ein Kalender und je eine Nummer aller hiesigen Zeitungen vom gestrigen Tage in den Grundstein eingelegt, worauf von den anwesenden Herren der Klaus-Kommission und des Synagogenrates die üblichen drei Hammerschläge erfolgten. Zum Schlusse brachte der Architekt des Baues, Herr W. Manchot, Namens aller bei dem Bau Beschäftigten seine Wünsche für die glückliche Vollendung des Baues dar und empfahl das Gelingen der Arbeiten dem Schutze des höchsten Baumeisters. Hiermit schloss die würdige Feier, die gewiss bei allen Teilnehmern das Gefühl aufrichtiger Befriedigung hinterlassen hat."     

       
Das 200-jährige Bestehen der Klaussynagoge soll gefeiert werden (1908)      

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. Juli 1908: "Mannheim. Ein Komitee hat sich gebildet, um das 200-jährige Bestehen der Klaussynagoge festlich zu begehen."     

  
Die Lemle-Moses-Klaus in Mannheim war nach dem Bau der Hauptsynagoge immer mehr das Zentrum der konservativen (orthodoxen) Juden geworden. Die Gottesdienste wurden in der Klaussynagoge nach der alten aschkenasischen Tradition abgehalten.
  
Während der 1920er-Jahre mehrten sich die Stimmen für einen umfassenden Umbau der Klaus-Synagoge. Der Zeitgeschmack hatte sich geändert. Vieles am Bau entsprach nicht mehr den damaligen Bedürfnissen. Im Frühjahr 1929 beschloss der Synagogenrat als Stiftungsbehörde den Umbau der Synagoge nach den Plänen des jüdischen Architekten Siegfried Seidemann (Heidelberg). Nach dessen Plänen war 1913 bereits die Heidelberger Synagoge umgebaut worden. Durch die Neugestaltung der Klaussynagoge nach seinen Plänen wurde ein modernes, geräumiges Gotteshaus im Stil der Neuen Sachlichkeit geschaffen, wobei die Straßenfassade fast unverändert blieb. Während der Zeit des Umbaus fanden die Gottesdienste im Saal des jüdischen Restaurants Kaufmann statt (C 4,12). Die Bauarbeiten dauerten von Juli 1929 bis zur feierlichen Einweihung der erweiterten Klaussynagoge am 6. März 1930: 
  
Die Einweihung der erweiterten Klaus-Synagoge (1930)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1930: "Die neue Klaus-Synagoge in Mannheim. 
Mannheim, 7. März (1930). Einen Festtag von historischer Bedeutung beging die Klaus-Gemeinde, und mit ihr die gesamte Mannheimer jüdische Bevölkerung, am Donnerstag, den 6. März. Die Klaus, seit Jahren eine Stätte der Andacht und des Torastudiums, Urzelle des toratreuen Judentums in Mannheim und Umgebung, zuletzt etwas eng und düster und altverblasst in der äußeren Form, entstand, wie durch ein Wunder, in neuer Pracht und Schönheit. Sie erweiterte ihre Mauern, um, gemäß ihrer Entwicklung, neue Beter und Lernende aufzunehmen. Der altneue Bau, ausgeführt von Architekt Seidemann, ist ein Prunkstück der Bautechnik, eine Kombination von neuer Sachlichkeit und gesammelter Schönheit. In der Mitte das geräumige Almemor in grauem Marmor glitzernd. In gleichem Stile die heilige Lade, zu der liebende Hände prachtvolle Vorhänge gestiftet haben. Ein schöner, grüner Teppich deckt den Boden des Almemor und ist eine Liebesspende der Frauen der Klaus-Synagoge. Die Bänke und Sitze, dunkelgrau, sind gut und zweckmäßig verteilt. Die Galerien rundherum tragen der religiösen Vorschrift wie auch dem Schönheitsgefühl derer, die hinter ihnen beten, Rechnung. Lehrhaus, Schule, Tauchbad schließen sich dem Bau harmonisch an, nicht minder die Vorplätze mit Garderobe usw. 
Für 5.30 Uhr war die Einweihungsfeier in der Synagoge angesetzt, aber schon um 5 Uhr wogte die Menge vor dem neuen Hause, und bald war es angefüllt mit Betern und Gästen. Ein Chorgesang eröffnete die Feier, und nach dem Mincho-Gebet, wie die anderen Sologesänge mit festlicher Weihe von Herrn Oberkantor Epstein vorgetragen, wurden die Torarollen ausgehoben und de üblichen Umzüge vorgenommen. Nach dem Einheben folgte die Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Unna, der heute mit voller Genugtuung auf den Erfolg eines jahrzehntelangen emsigen Wirkens im Dienste der Tora hinsehen darf.   
An das Heiligtum in der Sidroh anknüpfend, erläuterte er geistvoll die Dreiteiligkeit des Mischkan symbolisch als Vorbild des jüdischen Lebens. Sodann gedachte er in ehrenden Worten des Mannes, der vor zweihundert Jahren mit seiner großherzigen Stiftung das Fundament für dieses Bollwerk des Torajudentums gelegt hat, Lemle Moses Rheinganum - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen.  
Im Namen des Badischen Oberrates und des Synagogenrates von Mannheim entbot, in Vertretung des leider erkrankten Herrn Prof. Dr. Moses, Rabbiner Dr. Oppenheimer der Klaus-Gemeinde Grüße und Glückwünsche. Er begrüßte die anwesenden Behörden, deren Schutz er die Synagoge anvertraute, 'dem Schutze, den heute, in einer Zeit der Sinnesverwirrung und politischen Verhetzung, unsere Synagogen und Friedhöfe nötig bedürfen.'
Den Gedenkworten des Herrn Rabbiner Dr. Unna für Lemle Moses Rheinganum schloss sich sehr harmonisch und stimmungsvoll das Sarcharti lecha des Synagogenchors, und mit weiteren Psalmgesängen und dem Maariw-Gebete fand die schlichte und zugleich erhebende Einweihungsfeier ihr Ende. 
Gegen 9 Uhr abends fand sich eine nach Hunderten zählende illustre Festgesellschaft im großen Saale der Lamey-Loge zusammen, um das historische Ereignis auch in froher Geselligkeit, bei Speis und Trank und guten Reden, zu feiern. Unter der flotten Leitung des Herrn Löffler wickelte sich alles wie am Schnürchen ab. Bei erlesenen kulinarischen Genüssen und einem guten Tropfen, wie ihn nur das Rhein-Neckar-Gebiet zu liefern vermag, bekam man manch schönes und treff-     
Mannheim Israelit 13031930sa.jpg (161292 Byte)liches Wort zu hören, das über den Tag hinaus seine Bedeutung behält. Ein sinniger Prolog aus der Feder von Prof. Dr. Darmstädter wurde von Frau Dr. Ascher wirkungsvoll vorgetragen. Begrüßt und gefeiert wurde der Senior der Gemeinde, der weißbärtige Patriarch Simon, sowie die Herren Otto Simon und Bernhard Kaufmann, die sich in der Baukommission ewige Verdienste für die Synagoge erworben haben. Herr Rechtsanwalt Dr. Jesselsohn, Mitglied des Synagogenrates und der Klaus-Kommission, schildert den erzieherischen Einfluss der Klaus auf die Gesamtgemeinde zur Stärkung des religiösen Selbstbewusstseins. Herr Oberrat Dr. Pfälzer schildert die drei Ziele einer Gemeinde, Tora, Awoda (Gottesdienst) und Gemillus Chesed (Wohltätigkeit) wie sie von der Klausgemeinde in mustergültiger Weise erreicht seien. Herr Dr. Würzburger feiert in ehrenden Worten seinen und der Gemeinde ersten Lehrer, Herrn Rabbiner Dr. Unna und findet damit ein begeistertes Echo. Herr Bernhard Kaufmann begrüßt den Architekten, Herrn Seidemann, und weiht sein Glas neben dem Meister auch der Baukommission und dem unermüdlichen Herrn Otto Simon. Rabbiner Dr. Lauer wendet sich mit gutem Humor an Schule und Jugend. Auch Herr Rabbiner Dr. Unna kommt noch einmal zu Wort, ermahnend, dass das heutige Fest, im Gegensatz zu den früheren, ein Fest der Zukunft sei, dessen Erwartungen die kommenden Tage zu erfüllen hätten. Von auswärtigen Gästen ergreift, auf Wunsch, Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt am Main, das Wort, um nach einer humorvollen Einleitung zu betonen, dass all die Erfolge, die heute gesetzestreue Kreise da und dort fast ohne Kampf ernten dürfen, das mittelbare Verdienst von Samson Raphael Hirsch - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen -, die Folge seines Ringens sei. Man hörte zwischendurch ein paar hübsche Klavierstücke. Couplets, besonders die Glorifikation des Zylinderhutes (Verfasser Prof. Dr. Levi) fanden großen, verdienten Beifall. Lange nach Mitternacht ging noch eine Groteske über die Bühne, womit der Festtag seinen Abschluss gefunden.  
Bet- und Lehrhaus der Mannheimer Klausgemeinde sind eingeweiht. Mögen ihre Räume stets gefüllt sein, dass Lehre von diesem neuen, schönen Hause ausgeht und neue jüdische Impulse sich ergeben für die badische Judenheit in Stadt und Land.   
Eine Sonderausgabe des Mannheimer Israelitischen Gemeindeblattes bringt gute Aufsätze zur Geschichte der Klaus und anderen Inhaltes von Prof. Dr. Moses, Prof. Dr. Darmstädter, Prof. Dr. Levi, Otto Simon und dem Bauarchitekten Seidemann."     
  
Mannheim JuedlibZtg 26031930.jpg (94798 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 26. März 1930: "Mannheim. (Umbau der Klaus-Synagoge). Die völlig umgebaute Klaus-Synagoge wurde feierlich ihrer Bestimmung zurückgegeben. Die Synagoge ist der Kern der 1708 von dem kurfürstlichen Oberhof- und Milizfaktur Lemle Moses Rheinganum gegründeten Lemle-Moses-Stiftung. Vom Pferdehändler war Lemle Moses zu Würden und Einfluss emporgestiegen. De Stiftung entsprang dem Wunsche des kinderlosen reichen Mannes, seinen Namen der Nachwelt zu erhalten. Die Synagoge, die im Jahre 1887 schon einmal umgebaut wurde, war wieder zu klein geworden. Architekt Seidemann - Heidelberg schuf durch Heranziehung von Eisen- und Betonkonstruktion und Einbau eines Oberlichts einen weihevollen Gebetsraum, der mit über 500 Plätzen fast doppelt soviel Plätze aufweist wie früher."      

   
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde das Gebäude der Klaus-Stiftung 1933 nach Waffen durchsucht, doch wurden keine gefunden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geplündert und völlig demoliert. Das Inventar wurde zerschlagen, die Torarollen wurden auf der Straße verbrannt. Das unersetzliche Memorbuch der Gemeinde konnte gerettet werden.
   
1939 durfte die Klaus-Synagoge wieder notdürftig hergestellt werden. Da die Hauptsynagoge unbrauchbar geworden war, fanden die Gottesdienste für die Gesamtgemeinde nur noch in der Klaus-Synagoge statt. Einige Bankreihen wurden aus der Hauptsynagoge gerettet und ersetzten zerstörte Bänke in der Klaussynagoge. Wegen der Enge des Raumes wurden die Gläubigen nach dem Alphabet in Gruppen eingeteilt, die die Gottesdienste besuchen konnten.
  
Am 22. Oktober 1940 endeten durch die Deportation der Juden nach Gurs die Gottesdienste in der Klaus. Nachdem sie leerstehend war, wurde sie von der Stadt an eine benachbarte Firma als Lagerraum für Saatgut gemietet. Durch Bombentreffer erlitt das Gebäude 1944 allerdings so große Schäden, dass 1945 vom Vorderhaus nur noch das Erdgeschoss stand. Die Wände des Synagogenraumes ragten noch in die Höhe, doch waren das Dach und die Gebäudeteile über den Frauenemporen eingestürzt. 
Ein Portalfragment der Klaus wurde vom amerikanischen Militärrabbiner Henry Travel in die amerikanische Stadt Millburn gebracht, wo es sich in einer "Memorial"-Wand der jüdischen Gemeinde (Congregation B'nai Israel) befindet. Das Grundstück der Klaussynagoge kam nach Kriegsende an die jüdische Vermögensverwaltung (JRSO), die es an das Land Baden-Württemberg verkaufte. Im Juli 1951 wurden die Ruinen der Lemle-Moses-Klaus abgetragen. Im März 1953 wurden die Reste der Straßenfassade von F 1,11 vollends abgebrochen. 
  
Einige Jahre später wurde das Grundstück mit mehreren Geschäfts- und Wohnhäusern überbaut. Eine Gedenktafel für die Klaussynagoge befindet sich seit 2000 an der Außenfassade der katholischen Kirche St. Sebastian F 1,7.
 

  
   
Weitere Betsäle und Synagogen    
  
Ein weiteres Bet Hamidrasch wurde um 1730 von Michael Max gestiftet ("Michael May’sche Klaus"), doch bereits 1765 wieder aufgelöst.  

Länger bestand das von Elias Hayum begründete Bet Hamidrasch, die "Stuttgarter Schul" (1758 bis 1880, in G 2,19/20). Elias Hayum war 1746 mit seinem Sohn aus Stuttgart ausgewiesen worden, angeblich, weil sie enge Beziehungen zu Jud Süß Oppenheimer hatten. Nach seiner Niederlassung in Mannheim gelangte Elias Hayum zu großem Ansehen, vor allem auch als erster Vorsteher der Gemeinde.
   
   
   
Die Betstuben (Betstübel) der Ostjuden   
      
Neben den beiden großen Synagogen bestanden ab etwa 1900 bis in die NS-Zeit noch mehrere "Betstübel" von aus dem Osten zugewanderten Juden. Hier versuchten sie, ihre kulturellen Eigenarten und die in der Heimat gewohnten religiösen Formen aufrechtzuerhalten. So gab es in F 3,13a einen größeren Betsaal des Vereins "Ahawas Schulom", später des Vereins "Linas Hazedeck".  
      
In F 7,11 war seit 1923 ein Betstübel der "Vereinigung der Ostjuden". Es handelte sich hier um "einen hinreichend geräumigen Betsaal, der ganz in Weiß gehalten" und durch "eine Wand in die Frauen- und Männerschule geteilt" war (Israelitisches Gemeindeblatt). Später erwarb die Vereinigung der Ostjuden in F 7,16 ein Haus, in dem der Verein "Ahawas Schulem" ein Bet Hamidrasch mit einem Betstübel einrichtete. Im Sommer und Herbst fanden hier feierliche Toraweihen statt, bei denen auch die Rabbiner der Haupt- und der Klaussynagoge predigten.  
      
In G 7,30 war im Erdgeschoss ab 1929 ein Betstübel des Vereins Schomre Schabbos. Es wurde 1932 ins Hinterhaus von F 3,13 verlegt. Dieses Betstübel bestand aus zwei Zimmern, in denen Männer und Frauen getrennt dem Gottesdienst beiwohnten. Die Einrichtung bestand aus Bänken und langen Tischen, auf denen weiße Tischtücher lagen. Der Schulchan bestand aus einer Kommode mit einer Samttischdecke; ein Schrank mit einem beschrifteten Samtvorhang diente als Aron Hakodesch. Das Vorbeterpult war eine kleine Kommode, ebenfalls mit einer Samttischdecke.  
      
Ungarische Juden sollen in U 1 ein Betstübel betrieben haben. Da die ostjüdischen Vereine sich auf Drucke des Polizeipräsidiums bereits Ende 1933 bzw. Anfang 1934 auflösen mussten, verschwanden mit der Zeit auch die Betstübel. Der Betsaal in F 3,13 wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört.  
   
Einweihung einer Torarolle im Beth-Hamidrasch der Ostjuden (1929)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1929:  "Mannheim 28. Juli. Jomtow-Stimmung (= Feiertagsstimmung). Das Beth-Hamidrasch (= Lehrhaus) der Ostjuden ist festlich geschmückt. Der Saal ist hell beleuchtet. Mehrere bunte Lampions sowie ein von Buchdrucker Max Silberberg kunstvoll ausgeführtes Transparent in der Form eines Parochet (= Toraschreinvorgang) erstrahlten in vollem Lichterglanz. Der Saal ist überfüllt. Alle sind sie erscheinen. Männer, Frauen und Jugend, um an diesem seltenen Feste – der Vollendung eines Sefer-Thora (= Torarolle) teilzunehmen. Um 5 Uhr nachmittags beginnt die Feier. Herr Bornfreund begrüßt im Namen des Vorstandes die erschienenen Gäste, insbesondere Herrn Oberrat Prof. Dr. Moses, sowie die Herren Rabb. Dr. Unna, Dr. Lauer und Dr. Grünewald und Herrn Oberkantor Eppstein. Er begann mit den Worten: 'atem nizawim hakjom lifne Haschem Elohechem' (= ihr befindet Euch heute vor dem Heiligen, Eurem Gott'). Man ist hier heute einheitlich zu der Überzeugung gelangt, dass zwischen dem Osten und dem Westen keine Grenzen mehr gezogen werden. Das nennen wir die wahre Achduth-Jisrael. Er benutzt diese Gelegenheit, um dem Synagogenrat und Gemeindevorstand für das bei jeder Gelegenheit bekundete Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Ostjuden herzlich zu danken. Ganz besondere Anerkennung zollt er dem Spender des Sefer-Thora, Herrn Moses Weinberger und dessen Gemahlin.
Herr Prof. Dr. Moses weist darauf hin, dass durch die Thora nicht nur das Klal-Israel (= ganz Israel), sondern auch die Völker miteinander verbunden sind.
Nach dem Gesangsvortrag des Herrn Oberkantors Eppstein 'Zadik ka’tomor jifroch' (der Gerechte wird grünen wie eine Palme' nach Psalm 92,13) ergriff Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Unna das Wort zu einer Ansprache meinjana d’joma (gemeint: zum Thema des Tages). Er verweist auf den Doppelcharakter der Thora, wonach durch Kijum-Hamizvoth (= Gebotserfüllung) die wahre Simcha schel Mizwah (= Freude über das Gebot) entsteht. So bei Schmirath-Schabath (Einhalten des Schabbat) der Onez-Schabbath (Wonne des Schabbat). Ebenso bei der Beachtung der Speise- und Ehegesetze, wodurch die Stufe der K'duschah (Heiligung) erlangt wird. Der Sinn des Thoralernens ist zu lehren, zu beobachten, in die Tat umzusetzen, und zu erfüllen, damit sich bewahrheitete das Prophetenwort: 'Überall wo mein Name erwähnt wird, werde ich zu dir kommen und dich segnen'.
Hierauf sang Herr Eppstein 'Baruch haba b’schem Haschem' ('Gepriesen, wer im Namen des Herrn kommt') unter allgemeinem Beifall.
Es sprachen dann noch Herr Rabbiner Dr. Grünewald, der besonders drei Momente hervorhebt, welche die Voraussetzung zu Kijum-Hamizwoth (= Gebotserfüllung) bilden und uns zu Chisuk-Emunah (= Festhalten an der Religion) führen: R'ijah (Sehen), Sechirah (Gedenken) und Usijah (Tun).
Nachdem Herr Grünebaum das 'Omar Rabbi eleasar omar rabbi Chaninah' mit klangvoller Stimme vorgetragen hatte, wurde drei Hakafoth (Umzüge) mit allen Sifre-Toroth (= Torarollen) um den Almemor gemacht und das neue Sefer Thora dem Aron-Hakaudesch (= Toraschrein) übergeben.
Herr Oberkantor Eppstein, welcher durch seine Gesangsvorträge viel zum Gelingen der würdigen Feier beitrug, beschloss den offiziellen Teil der Feier mit dem 'Uw'nuchoh jomar' und dem 24. Psalm.
Während der S'udah ergriff noch Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Lauer zu einer eindrucksvollen Aussprache das Wort. 
Mit dem Segensspruch der Kohanim und dem Wunsche, dass der Segen Jakow awinu's (= unseres Vaters Jakob) in Erfüllung komme, und dass die göttliche Gnade auf den Werken unserer Hände ruhen möge, schloss er seine Rede.
Sodann hielt Herr Bornfreund eine sehr eindrucksvolle und sinnreiche Draschah lichwod haachsanja w'lichwod hatorah (gemeint: Predigt zur Ehren der heiligen Tora). Es war eine erhebende, echt jüdische Feier."      

   
   
   
Fotos / Abbildungen 
   
Die Hauptsynagoge in F 2,13  

Die Synagoge um 1855
(Quelle: www.zum.de
Unterseite hier anklicken
)
Mannheim Synagoge 008.jpg (18824 Byte) Mannheim Gebotstafeln.jpg (26174 Byte)
    Die Hauptsynagoge  (Lithographie 
von Jakob Ludwig Buhl, um 1855)
Gebotstafeln aus der Hauptsynagoge,
 nach 1945 in den Synagogen R 7,24 
und Maximilianstraße 6 
     
Die Synagoge um 1895
(Quelle: Ziwes s.Lit. S. 70-73)
Mannheim Synagoge F2 002.jpg (72508 Byte) Mannheim Synagoge F2 001.jpg (80002 Byte)
   Die umgebenden Häuser (rechts das
 jüdische Gemeindehaus) sind deutlich
 niedriger, wodurch die Synagoge
 herausragt 
Innenaufnahme mit Blick 
zum Aron Hakodesch  
 
     
Die Synagoge bis 1938
(Quelle: Stadtarchiv Mannheim)
Mannheim Hauptsyn 001.jpg (61753 Byte) Mannheim Hauptsyn 002.jpg (105338 Byte)
   Rechts weiterhin das jüdische
 Gemeindehaus; links wurde ein neues
 Wohnhaus erbaut, das bis heute 
erhalten ist  
Innenaufnahme: auffallend sind die 
vielen Ähnlichkeiten mit einer christlichen
 Kirche (Predigtkanzel, Vorlesetisch 
ähnelt dem Altar u.a.m.) 
     
Computer-Rekonstruktion der 
Hauptsynagoge Mannheim 

mehr Fotos unter www.synagogen.info  
zu Mannheim F 2.13, Quelle: Egon Heller,
  Architectura Virtualis GmbH,
 Kooperationspartner der TU Darmstadt 
Mannheim Synagoge h140.jpg (85611 Byte) Mannheim Synagoge h141.jpg (116619 Byte)
   Blick in die Synagoge vom Eingang  Blick zur Kuppel 
  Link zur Präsentation der virtuellen Rekonstruktion der Synagoge Mannheim 
auf der Website www.architectura-virtualis.de 
     
Synagogenruine 
von 1938 bis 1955
(Quelle: V. Keller: Bilder s. Lit. S. 23) 
Mannheim Synagoge n050.jpg (85310 Byte) Mannheim Synagoge n051.jpg (77049 Byte)
   Nach den Zerstörungen in der Pogromnacht
 und den Bombenangriffen des Krieges 
blieb nur noch eine Ruine 
Innenraum der zerstörten und 
ausgeräumten Hauptsynagoge, 
Blick nach Osten 
     
Abbruch der Synagoge 1955
(Quelle: V. Keller: Bilder s. Lit. S. 27) 
Mannheim Synagoge n053.jpg (100581 Byte) Mannheim Synagoge n052.jpg (94336 Byte)
    Die von Stahlgerüsten umgebene
 Straßenfassade 
Blick zum Eingangsbereich, 
dahinter die Straßenfassade 
     
Fotos 2003
(Aufnahmedatum 30.7.2003, Hahn) 
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  Anfang der 1960-Jahre wurde das heute
 hier stehende Mietshaus gebaut 
Im Eingangsbereich findet 
sich eine Gedenktafel 


Die Klaussynagoge in F 1,11

Die Klaussynagoge bis 1929   Mannheim KlausSyn 002.jpg (76835 Byte) Mannheim KlausSyn 003.jpg (59127 Byte)
   Die Lemle-Moses-Klaus 
um 1900 
Innenraum der Klaussynagoge 1929.
 Charakteristisch waren die 
neoislamischen (maurischen) Formen 
 
      
Die Klaussynagoge von 1930 bis zur
 Zerstörung in der Pogromnacht 1938 
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   Die Klaussynagoge nach dem Umbau 1930.
 In der Pogromnacht 1938 wurde die
 Synagoge schwer beschädigt 
  
     
Die Klaussynagoge nach 1938/44  Mannheim Synagoge n040.jpg (77354 Byte) Mannheim Synagoge n041.jpg (92849 Byte)
  Das durch Bombenangriffe zerstörte
 Gebäude der Klaus-Synagoge am 
13. Dezember 1944 
Die Zerstörungen in dem der 
Klausstiftung gehörenden 
Gebäude F 1,2 
     
        
Bis zur Gegenwart
(Quelle Foto Gedenktafel: BDKJ 
Mannheim; hier anklicken
Anfang der 1950er Jahre wurde die 
Ruine der Klaussynagoge beseitigt, 
das Grundstück neu bebaut 
Mannheim Gedenktafel Klaus.jpg (38650 Byte)
       Gedenktafel für die Klaussynagoge 
seit 2000 an der Außenfassade der
 katholischen Kirche St. Sebastian F1,7 
     
     
Erinnerungen an die jüdische Geschichte in den Gebäuden B 7,2-3  
(Fotos: Michael Ohmsen, Aufnahmen vom "Tag des offenen Denkmals" am 11.9.2011) 
  
Mannheim Mikwe B7 012.jpg (121873 Byte) Mannheim Mikwe B7 013.jpg (95421 Byte) Mannheim Judenschule B7 011.jpg (77651 Byte) Mannheim Judenschule B7 010.jpg (62236 Byte) Mannheim Mikwe B7 011.jpg (81860 Byte) Mannheim Mikwe B7 010.jpg (88264 Byte)
Blick auf das Gebäude B 7,3, nach 1938
 und bis zur Deportation 1940 als
 jüdisches Altersheim genutzt; im oberen
 Stockwerk war ein Betsaal eingerichtet,
 im Keller eine Mikwe  
Im Gebäude 7,2 wurde bis 1942 jüdischer
 Unterricht abgehalten. Zwischen 7,2 und
 7,3 bestand ein Durchgang. Die Gebäude
 waren in der Kriegszeit letztes Zentrum
 der jüdischen Gemeinde 
Die Mikwe im Keller des 
Gebäudes B 7,3 
 
 
     
     

    
     

Links und Literatur 

Links: 

Website der Stadt Mannheim 
Website des Stadtarchivs Mannheim 
Website der Jüdischen Gemeinde Mannheim     
Virtueller Rundgang durch das jüdische Mannheim, gestaltet vom Haus der Jugend - BDKJ: hier anklicken 
Infoseiten bei www.zum.de: hier anklicken  
Mannheim Mahnmal 010.jpg (67784 Byte) Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus (aufgestellt 2003): Seiten der Stadt Mannheim mit den Namen der Opfer und weiteren Seiten.

Literatur (Auswahl):   

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 186-196.
Hans Joachim Fliedner: Die Judenverfolgung in Mannheim 1933-1945. 2 Bände. 1971. 
Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Stadtkreises Mannheim 2. 1982.
Karl Otto Watzinger: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Mannheims 1650-1945. 1984.1987².
Volker Keller: Die Klaus-Synagoge in Mannheim. Zur Geschichte der Lemle-Klaus-Stiftung. In: Mannheimer Hefte 1 (1984) S. 32-53.
ders.: Die ehemalige Hauptsynagoge in Mannheim. In: Mannheimer Hefte 1 (1982) S. 2-14.
ders.: Bilder vom jüdischen Leben in Mannheim. 1988.  
ders.: Jüdisches Leben in Mannheim. 1995.  
Lothar Steinbach: Mannheim – Erinnerungen aus einem halben Jahrhundert. 1984.
Rainer Bell: Die jüdischen Rechtsanwälte Mannheims. In: Mannheimer Hefte 1 (1985) S. 35-38.
Philip Vilas Bohlman: Das Musikleben während der jüdischen kulturellen Renaissance in Mannheim vor dem Zweiten Weltkrieg. In: Mannheimer Hefte 2 (1985) S. 111-119.
Festschrift zur Einweihung des jüdischen Gemeindezentrums Mannheim F 3. Sonderveröffentlichung des Stadtarchivs Mannheim 17. 1987.
Stadtjugendamt (Hg.): Auf einmal, da waren sie weg – Jüdische Spuren in Mannheim. 1995.
Franz-Josef Ziwes (Hg.): Badische Synagogen. 1997 S. 70-73.
Barbara Becker/Friedrich Teutsch: Spuren und Stationen jüdischen Lebens in Mannheim: Quellen des Stadtarchivs Mannheim. 2000.
Hans-Joachim Hirsch: Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen - Die Gedenkskulptur für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Mannheim - Mit Beiträgen von Peter Kurz, Jochen Kitzbihler und Helmut Striffler - 120 Seiten mit 43 überwiegend farbigen Abb. -  Kleine Schriften des Stadtarchivs Mannheim Nr. 23. Mannheim 2005. 
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.   
Mannheim Klaus Lit 010.jpg (144794 Byte) Volker Keller (Hrsg.): Die Welt der Mannheimer Klaus. Lehrhaus und Synagoge in drei Jahrhunderten. 
Texte von Lena Baum, Vera Bendt, Max Gruenewald, Leopold Göller, Jack J. Goldman, Volker Keller, Chaim Lauer, Helwine Lindmann, Julius Moses, Eugen Neter, Berthold Rosenthal, Schlomo Rülf, Siegfried Seidemann, Isak Unna, Viktor Unna. 
ISBN 978-3-86476-016-7. Verlag Waldkirch Mannheim. 2012. www.verlag-waldkirch.de 
Über dieses Buch: Siehe Buchvorstellung auf Verlagsseite.   

Synagogen Lit 201305.jpg (108213 Byte)Christiane Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012. 
Zu den Synagogen in Mannheim S. 150-173.  

     
Ergänzende Beitrage:  

Berthold Rosenthal (1875-1957): Zur Geschichte der Familie Eppstein in Mannheim. Vom Original übertragen von Rolf M. Mayer Juni 2008. Pdf-Datei.    
Link: Guide to the Papers of Berthold Rosenthal (Leo-Baeck-Institut)   

   
    

                   
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Stand: 27. Oktober 2014