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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Mannheim
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen nach 1945
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Synagogen vor 1938/40
Übersicht:
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen nach 1945
Von der am 7. Oktober 1945 mit etwa 50 Personen
neugegründeten jüdischen Gemeinde wurde im ehemaligen jüdischen Waisenhaus R 7,24 eine Behelfssynagoge
eingerichtet. Beim Einweihungsgottesdienst am 3. März 1946 nahmen auch
Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden sowie der katholischen und
evangelischen Kirche teil. Bis 1957 fanden in R 7,24 die Gottesdienste der
Gemeinde statt. Das Gebäude des ehemaligen israelitischen Waisenhauses ist
erhalten und befindet sich heute im Besitz der Stadt Mannheim. Zunächst waren
städtische Behörden, später die städtische Musikschule im Haus. Nach 1991
war die Freie Kunstschule Rhein-Neckar hier ansässig.
Auf Grund der steigenden Zahl von Gemeindegliedern wurde
1956/57 in der Maximilianstraße 6 eine neue Synagoge nach Plänen des
Mannheimer Architekten Wilhelm Schlechte gebaut. Das Gebäude wurde an Lag
BaOmer 5717 nach jüdischem Kalender (am 19. Mai 1957 eingeweiht). Am 12.
September 1987 fand hier der letzte Gottesdienst statt. Das Gebäude ist
erhalten.
1985 bis 1987 wurde ein neues
Gemeindezentrum in F 3 erbaut. Dabei handelt es sich um einen Komplex
aus Synagoge mit Gemeindezentrum (mit Festsaal, Mikwe, koscheren Küchen,
Clubraum, Kindergarten, Schulraum, Gemeindebüros, Bibliothek, Sitzungszimmer,
Wohnungen) und einem dazugehörigen fünfgeschossigen Baublock mit Läden, 47
Seniorenwohnungen, 40 Sozialwohnungen und fünf Studentenappartements. Diese
Wohnungen sind von jüdischen und nichtjüdischen Mietern bewohnt. Das Richtfest
war am 17. Oktober 1986, zu dem Landesrabbiner Dr. N. P. Levinson die Festrede
hielt; der Einweihungsgottesdienst am 13. September 1987, zu dem auch der
ehemalige Stadtrabbiner Dr. Max Grünewald anwesend war.
Im Oktober 2007 konnte feierlich das 20jährige Bestehen des
Gemeindezentrums in F 3 gefeiert werden (vgl. unten Bericht aus der
"Jüdischen Allgemeinen" vom 18. Oktober 2007.
Fotos
1946-1957: Synagoge im ehem. israelitischen Waisenhaus R 7,24
(Fotos bei V. Keller, Bilder s. Lit. S. 37) |
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Das Gebäude des ehemaligen israelitischen Waisenhauses
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Die Einweihung der Synagoge am 3. März 1946 mit Kantor Meyer Gisser
(rechts) |
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| (Quelle für Farbfoto
Waisenhaus: BDKJ Mannheim, hier
anklicken) |
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Chanukkafeier in der Synagoge, vermutlich 1946 |
Das ehemalige Waisenhaus |
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1957-1987:
Synagoge Maximilianstraße 6
(Fotos bei V. Keller, Bilder s. Lit. S. 39) |
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Außenansicht der Synagoge, Juni 1984
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Innenansicht: die linken Bankreihen waren für die Frauen, die rechten für
die Männer bestimmt |
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Der Bau der neuen Synagoge / neues
Gemeindezentrum in F 3 1985-87
(Fotos: Rasemann) |
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Im fünfgeschossigen Baublock entstehen Läden, Kindergarten, Alten- und
Sozialwohnungen |
Im Zentrum der Baustelle:
der Neubau der Synagoge
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Das neue Gemeindezentrum 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2003) |
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Die neue Synagoge am Rabbiner-Grünewald-Platz |
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Portalinschrift aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum HERRN,
Gerechte ziehen durch es hinein" |
Portalinschrift aus Psalm 56,7 "Mein Haus soll ein Bethaus für die
Völker genannt werden".
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Der vom Rabbiner-Grünewald-Platz aus gesehen rechte Eingang zum
Gemeindezentrum |
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Fotos vom Inneren der Synagoge
und des Gemeindezentrums mit Beschreibungen direkt auf der Website
der Jüdischen Gemeinde Mannheim |
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Quelle: Jüdische
Gemeinde Mannheim |
Einzelne Berichte
aus der jüdischen Gemeinde
| 2007: 20 Jahre neue Synagoge in Mannheim |
Artikel
in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 18. Oktober 2007:
"Adresse: Planquadrat F 3 - Vor 20 Jahren weihten die Mannheimer ihr
neues Gemeindezentrum ein. Artikel von Karin Katzenberger-Ruf. 'Es
war eine gute Entscheidung, nach F3 zurückzukehren' sagt Rabbiner Ernst
Stein. F3, so lautet seit zwanzig Jahren die Adresse der jüdischen Gemeinde
in Mannheim. Seit 14 Jahren heißt 'F3' in der Quadratstadt auch
Rabbiner-Grünewald-Platz. 1993 wurde der Synagogenstandort nach dem
letzten Rabbiner der Gemeinde vor dem Holocaust, Max Grünewald,
umbenannt. Hier feierte die Gemeinde am vergangenen Sonntag ihr Jubiläum
in der für den ehemaligen Oberbürgermeister Gerhard Widder immer noch
'schönsten Synagoge von allen'. Der 1987 eingeweiht Bau kostete damals
rund 28 Millionen Mark. 10 Millionen steuerte die Stadt bei. Eine gute
Investition. Denn längst hat sich der Bau zu einem Begegnungszentrum der
Religionsgemeinschaft entwickelt. Die Ökumene wird in Mannheim groß
geschrieben.
Die jüdische Gemeinde hat derzeit rund 600 Mitglieder. Die Synagoge sei
'Ort lebendigen jüdischen und städtischen Lebens', sagt der neue
Oberbürgermeister Peter Kurz. Er mag die Atmosphäre des Hauses. In
seiner Ansprache erinnerte er allerdings auch dran, dass das einst 'vom
Judentum geprägte Mannheim' in der Nazi-Zeit und im Zweiten Weltkrieg
besonders hart getroffen wurde. Politik und Wirtschaft waren durch
Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bürger weitgehend lahm gelegt,
die Stadt nach dem Krieg zu 95 Prozent zerstört. Dass der Neubau der Synagoge
im Jahr 1987 - damals besuchte auch erstmals wieder ein israelisches
Staatsoberhaupt die Bundesrepublik, so viel Unterstützung erfahren habe,
war für ihn ein hoffnungsvoller Neubeginn, betont Kurz.
Doch die Anfänge reichen weiter zurück, erinnert die Vorsitzende der
Jüdischen Gemeinde Orna Marhöfer, an die Aufbauarbeit nach dem
Holocaust. 'Unsere respektvolle Hochachtung gilt 50 jüdischen
Überlebenden aus Theresienstadt, die noch im Februar 1945 dorthin
verschleppt worden waren. nach der Befreiung durch die Amerikaner Ende
März 1945 kehrten sie zurück und wagten einen zaghaften Neubeginn
jüdischen Lebens in der Stadt', sagt sie bei der Feierstunde.
Das ehemalige jüdische Waisenhaus wurde damals erstes Gemeindehaus im
Quadrat R7, im Jahr 1957 erfolgte der Umzug in die Maximilianstraße. Doch
erst 1983 gab es konkrete Pläne für den Neubau an dem Ort, wo schon die
alte Synagoge stand.
Von Anfang an war die neue Synagoge 'ein offenes Haus'. Nicht nur, weil im
gesagten Quadrat auch Stundenwohnungen, ein katholischer Kindergarten und
viele Geschäfte Einzug hielten. Es galt, die christlich-jüdische
Zusammenarbeit zu pflegen. Diese ist inzwischen so gut, dass mache etwas
neidisch nach Mannheim blicken. So empfindet es jedenfalls Manfred Froese
von der gleichnamigen Gesellschaft. Die jüngste 'Woche der
Brüderlichkeit', verbunden mit der 'Meile der Religionen' habe ihn
besonders beeindruckt. Derweil schätzt der katholische Dekan Karl Jung
das Frühlingsfest der jüdischen Gemeinde ganz besonders und überdies
religiöse Feiern, die irgendwann beim gemeinsamen Festmahl enden. 'Die
Schatten der Vergangenheit verbinde ich mit dem Licht der Zukunft', betont
Rabbiner Ernst Stein. Er maße sich zwar nicht an, ein Prophet zu sein,
sage der jüdischen Gemeinde in Mannheim aber eine positive Entwicklung
voraus und meint rückblicken, er wäre nicht ausgewandert, wenn die
Kontakte zu Andersgläubigen in der Nazi-Zeit so gewesen wären wie in den
vergangenen Jahrzehnten beziehungsweise wie heute.
Allerdings: Auch nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es wiederum Jahrzehnte
bis zum Dialog. Und noch Rabbiner Max Grünewald musste Deutschland dazu
ermahnen, das Judentum nicht _wie ein Mausoleum' zu betrachten. Dieser
Aufruf ist Teil eines Films, den das regionale Rhein-Neckar-Fernsehen zum
20jährigen Bestehen der Synagoge erstellte. Dokumentiert ist dort auch
ein gemeinsames Friedensgebet von Juden und Christen im Jahr 1991 zu
Beginn des Golfkriegs.
'20 Jahre jüdisches Zentrum in Mannheim machen Mut', ist Gerhard Widder
überzeugt. Und doch gehört er zu jenen, die zum 'Aufpassen' ermahnen,
weil Antisemitismus immer wieder offen aufflammt. Für eine friedliche
Stadt sehe er jüdische, christliche und muslimische Gläubige gern in
gemeinsamer Verantwortung, betont der ehemalige Bürgermeister. Schon seit
1988 begann das jüdische Gemeindezentrum mit einer intensive Jugendarbeit
und klärt seitdem über jüdische Feiertage, Traditionen oder über den
Staat Israel auf. Inzwischen gilt die Öffnung der jüdischen Gemeinde
für Andersgläubige als beispielhaft. Deshalb ist Orna Marhöfer stolz
darauf, dass sich das Zentrum am Rabbiner Grünewald-Platz zu einem
kulturellen Mittelpunkt in Mannheim und in der ganzen Region Rhein-Neckar
entwickelt hat. Zur Feierstunde gehörte neben der Musik mit Oberkantor
Raffaele Polani, desen Gesang mit dem Flügel und mit der Geige begleitet
wurde, eine Talk-Runde unter Regie von Sascha Spataru, Chefredakteur des
Rhein-Neckar-Fernsehens. Fragen aus dem Publikum gab es
nicht." |
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| 2009: Charlotte Knobloch
besucht die Synagoge |
Foto
links von Gerold. Charlotte Knobloch und die Gemeindevorsitzende Orna
Marhöfer (r.)
Artikel von Daniel Holl in der Rhein-Neckar-Zeitung von 3.3.2009 (Artikel):
Charlotte Knobloch von Synagoge begeistert
"Ich freue mich ganz besonders, eine so gut funktionierende Gemeinde besuchen zu dürfen", schrieb Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch (l.) am Montag in Mannheim ins Gästebuch. Gemeindevorsitzende Orna Marhöfer (r.) registrierte es mit Freuden.
Sie hat sich Zeit gelassen, gesteht Charlotte Knobloch. Fast drei Jahre ist sie schon Präsidentin des Zentralrats der Juden. Doch erst jetzt kommt sie dazu, der Jüdischen Gemeinde Mannheim (JGM) einen Besuch abzustatten. Mehrfach war sie angekündigt und musste wieder absagen. Nun steht sie im großen Gemeindezentrum am Rabbiner-Grünewald-Platz und sieht: Es hat sich gelohnt, die Gelegenheit endlich wahrzunehmen.
Besonders die Synagoge hat es ihr angetan. "Ich bin begeistert", ruft sie mehrfach staunend aus. In diesen Raum müssten die Menschen doch einfach gerne beten, schwärmt sie. "Jetzt hätte ich beinahe etwas gesagt – aber ich will ja andere Gemeinden nicht beleidigen", bremst sie sich selbst. "Alle Synagogen sind schön..." Aber offenbar nicht alle so schön wie diese? Das Strahlen kehrt auch im anschließenden Pressegespräch sofort auf ihr Gesicht zurück. "Ich habe mich an meine Kindheit erinnert", – die Jahre in München vor der Pogromnacht, als sie sich vom opulenten Glanz der alten Hauptsynagoge bezaubern ließ. "Genau das habe ich jetzt wieder empfunden!"
Die Gemeinde-Vorsitzende Orna Marhöfer führte Knobloch durch die Dauerausstellung zur Geschichte der Mannheimer Juden und ihrer wechselnden Bethäuser. Unweit Gemeindezentrums im Quadrat F3, direkt am Marktplatz, standen vor dem Zweiten Weltkrieg zwei Vorgängersynagogen. Alte Thora-Vorhänge aus den Jahren 1878 und 1908 erinnern noch heute an sie – und auch ein kleines Glöckchen, das 1939 aus dem Brandschutt einer der früheren Synagogen geborgen wurde und Jahrzehnte später auf Umwegen zurück nach Mannheim fand.
Marhöfer versteht das neue, 1987 eingeweihte Zentrum, als Begegnungsstätte, das Interessierten jeden Glaubens offen steht, damit sich die Religionen näher kommen. Auch in der langen Museumsnacht am 21. März wird die JGM wieder ihre Tore für das Publikum öffnen. Knobloch bestärkt sie in diesem Ansatz: "Ich sehe, dass sehr viel Unwissen über das jüdische Leben vorhanden ist", mahnt sie.
Für Marhöfer ist das Treffen am Montagmittag die erste persönliche Begegnung mit der obersten Repräsentantin der deutschen Juden. Als "sehr warmherzig, ganz natürlich" lernt sie Knobloch kennen. "Wir kamen schnell ins Gespräch. Man merkt, dass sie selbst aus der Gemeindearbeit kommt."
Im Gespräch mit Knobloch tragen Vertreter der JGM auch ihre Sorgen, ihre Bitten an den Zentralrat vor. Vor allem der verstärkte Zuzug von Juden aus ehemaligen Sowjetrepubliken stellt die Gemeinde vor gewaltige Integrationsaufgaben. "Wie organisiert man bei abnehmenden Finanzen Jugendarbeit?", beschreibt Marhöfer ein weiteres Problem. Dabei nennt sie selbst ihre Gemeinde zwar klein mit rund 600 Mitgliedern, "aber keineswegs überaltert".
Charlotte Knobloch bestätigt den Mannheimern, sie hätten eine "hervorragend funktionierende Gemeinde", auf die die Stadt und das Land stolz sein könnten. Dieses Lob findet sich auch in ihrem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde wieder. "Man kann nur sagen: G"ttes Segen auf alle diejenigen, die bereit sind, diese jüdische Gemeinde zu unterstützen", schreibt die Zentralratspräsidentin. In Anlehnung an das Gebot, Gottes Namen nicht unnötig zu verwenden, ersetzt sie gemäß jüdischer Tradition im Wort Gott den Vokal durch zwei Striche. |
Links und Literatur
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Literatur:

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