Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mannheim
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen nach 1945

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Übersicht:

Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen nach 1945    
Fotos   
Einzelne Berichte aus der jüdischen Gemeinde  
Links und Literatur   

 

Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen nach 1945

Von der am 7. Oktober 1945 mit etwa 50 Personen neugegründeten jüdischen Gemeinde wurde im ehemaligen jüdischen Waisenhaus R 7,24 eine Behelfssynagoge eingerichtet. Beim Einweihungsgottesdienst am 3. März 1946 nahmen auch Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden sowie der katholischen und evangelischen Kirche teil. Bis 1957 fanden in R 7,24 die Gottesdienste der Gemeinde statt. Das Gebäude des ehemaligen israelitischen Waisenhauses ist erhalten und befindet sich heute im Besitz der Stadt Mannheim. Zunächst waren städtische Behörden, später die städtische Musikschule im Haus. Nach 1991 war die Freie Kunstschule Rhein-Neckar hier ansässig. 
 
Auf Grund der steigenden Zahl von Gemeindegliedern wurde 1956/57 in der Maximilianstraße 6 eine neue Synagoge nach Plänen des Mannheimer Architekten Wilhelm Schlechte gebaut. Das Gebäude wurde an Lag BaOmer 5717 nach jüdischem Kalender (am 19. Mai 1957 eingeweiht). Am 12. September 1987 fand hier der letzte Gottesdienst statt. Das Gebäude ist erhalten. 
 
1985 bis 1987 wurde ein neues Gemeindezentrum in F 3 erbaut. Dabei handelt es sich um einen Komplex aus Synagoge mit Gemeindezentrum (mit Festsaal, Mikwe, koscheren Küchen, Clubraum, Kindergarten, Schulraum, Gemeindebüros, Bibliothek, Sitzungszimmer, Wohnungen) und einem dazugehörigen fünfgeschossigen Baublock mit Läden, 47 Seniorenwohnungen, 40 Sozialwohnungen und fünf Studentenappartements. Diese Wohnungen sind von jüdischen und nichtjüdischen Mietern bewohnt. Das Richtfest war am 17. Oktober 1986, zu dem Landesrabbiner Dr. N. P. Levinson die Festrede hielt; der Einweihungsgottesdienst am 13. September 1987, zu dem auch der ehemalige Stadtrabbiner Dr. Max Grünewald anwesend war. 
 
Im Oktober 2007 konnte feierlich das 20jährige Bestehen des Gemeindezentrums in F 3 gefeiert werden (vgl. unten Bericht aus der "Jüdischen Allgemeinen" vom 18. Oktober 2007.
    


Fotos 

1946-1957: Synagoge im ehem. israelitischen Waisenhaus R 7,24
(Fotos bei V. Keller, Bilder s. Lit. S. 37)
Mannheim Synagoge m03.jpg (69418 Byte) Mannheim Synagoge m02.jpg (70063 Byte)
   Das Gebäude des ehemaligen israelitischen Waisenhauses  Die Einweihung der Synagoge am 3. März 1946 mit Kantor Meyer Gisser (rechts)
     
(Quelle für Farbfoto Waisenhaus: BDKJ Mannheim, hier anklicken Mannheim Synagoge m01.jpg (97959 Byte) Mannheim Waisenhaus 01.jpg (28414 Byte)
  Chanukkafeier in der Synagoge, vermutlich 1946 Das ehemalige Waisenhaus 
     
1957-1987: 
Synagoge Maximilianstraße 6
(Fotos bei V. Keller, Bilder s. Lit. S. 39)
Mannheim Synagoge m04.jpg (104879 Byte) Mannheim Synagoge m05.jpg (66351 Byte)
  Außenansicht der Synagoge, Juni 1984 Innenansicht: die linken Bankreihen waren für die Frauen, die rechten für die Männer bestimmt
     
Der Bau der neuen Synagoge / neues Gemeindezentrum in F 3 1985-87
(Fotos: Rasemann)
Mannheim Synagoge 800.jpg (59427 Byte) Mannheim Synagoge 801.jpg (64900 Byte)
    Im fünfgeschossigen Baublock entstehen Läden, Kindergarten, Alten- und Sozialwohnungen Im Zentrum der Baustelle: 
der Neubau der Synagoge
      
Das neue Gemeindezentrum 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2003)
Mannheim Synagoge n155.jpg (55927 Byte) Mannheim Synagoge n153.jpg (41063 Byte)
  Die neue Synagoge am Rabbiner-Grünewald-Platz  
        
Mannheim Synagoge n154.jpg (49154 Byte) Mannheim Synagoge n151.jpg (52072 Byte) Mannheim Synagoge n150.jpg (49523 Byte)
Portalinschrift aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte ziehen durch es hinein" Portalinschrift aus Psalm 56,7 "Mein Haus soll ein Bethaus für die Völker genannt werden".
Der vom Rabbiner-Grünewald-Platz aus gesehen rechte Eingang zum Gemeindezentrum 
        
Mannheim Synagoge n054.jpg (61081 Byte) Fotos vom Inneren der Synagoge und des Gemeindezentrums mit Beschreibungen direkt auf der Website der Jüdischen Gemeinde Mannheim  
Quelle: Jüdische Gemeinde Mannheim

     
   

Einzelne Berichte aus der jüdischen Gemeinde    

2007: 20 Jahre neue Synagoge in Mannheim
Mannheim JuedAllg 18102007.JPG (198278 Byte)Artikel in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 18. Oktober 2007: "Adresse: Planquadrat F 3 - Vor 20 Jahren weihten die Mannheimer ihr neues Gemeindezentrum ein. Artikel von Karin Katzenberger-Ruf.  'Es war eine gute Entscheidung, nach F3 zurückzukehren' sagt Rabbiner Ernst Stein. F3, so lautet seit zwanzig Jahren die Adresse der jüdischen Gemeinde in Mannheim. Seit 14 Jahren heißt 'F3' in der Quadratstadt auch Rabbiner-Grünewald-Platz. 1993 wurde der Synagogenstandort nach dem letzten Rabbiner der Gemeinde vor dem Holocaust, Max Grünewald, umbenannt. Hier feierte die Gemeinde am vergangenen Sonntag ihr Jubiläum in der für den ehemaligen Oberbürgermeister Gerhard Widder immer noch 'schönsten Synagoge von allen'. Der 1987 eingeweiht Bau kostete damals rund 28 Millionen Mark. 10 Millionen steuerte die Stadt bei. Eine gute Investition. Denn längst hat sich der Bau zu einem Begegnungszentrum der Religionsgemeinschaft entwickelt. Die Ökumene wird in Mannheim groß geschrieben. 
Die jüdische Gemeinde hat derzeit rund 600 Mitglieder. Die Synagoge sei 'Ort lebendigen jüdischen und städtischen Lebens', sagt der neue Oberbürgermeister Peter Kurz. Er mag die Atmosphäre des Hauses. In seiner Ansprache erinnerte er allerdings auch dran, dass das einst 'vom Judentum geprägte Mannheim' in der Nazi-Zeit und im Zweiten Weltkrieg besonders hart getroffen wurde. Politik und Wirtschaft waren durch Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bürger weitgehend lahm gelegt, die Stadt nach dem Krieg zu 95 Prozent zerstört. Dass der Neubau der Synagoge im Jahr 1987 - damals besuchte auch erstmals wieder ein israelisches Staatsoberhaupt die Bundesrepublik, so viel Unterstützung erfahren habe, war für ihn ein hoffnungsvoller Neubeginn, betont Kurz. 
Doch die Anfänge reichen weiter zurück, erinnert die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Orna Marhöfer, an die Aufbauarbeit nach dem Holocaust. 'Unsere respektvolle Hochachtung gilt 50 jüdischen Überlebenden aus Theresienstadt, die noch im Februar 1945 dorthin verschleppt worden waren. nach der Befreiung durch die Amerikaner Ende März 1945 kehrten sie zurück und wagten einen zaghaften Neubeginn jüdischen Lebens in der Stadt', sagt sie bei der Feierstunde. 
Das ehemalige jüdische Waisenhaus wurde damals erstes Gemeindehaus im Quadrat R7, im Jahr 1957 erfolgte der Umzug in die Maximilianstraße. Doch erst 1983 gab es konkrete Pläne für den Neubau an dem Ort, wo schon die alte Synagoge stand.
Von Anfang an war die neue Synagoge 'ein offenes Haus'. Nicht nur, weil im gesagten Quadrat auch Stundenwohnungen, ein katholischer Kindergarten und viele Geschäfte Einzug hielten. Es galt, die christlich-jüdische Zusammenarbeit zu pflegen. Diese ist inzwischen so gut, dass mache etwas neidisch nach Mannheim blicken. So empfindet es jedenfalls Manfred Froese von der gleichnamigen Gesellschaft. Die jüngste 'Woche der Brüderlichkeit', verbunden mit der 'Meile der Religionen' habe ihn besonders beeindruckt. Derweil schätzt der katholische Dekan Karl Jung das Frühlingsfest der jüdischen Gemeinde ganz besonders und überdies religiöse Feiern, die irgendwann beim gemeinsamen Festmahl enden. 'Die Schatten der Vergangenheit verbinde ich mit dem Licht der Zukunft', betont Rabbiner Ernst Stein. Er maße sich zwar nicht an, ein Prophet zu sein, sage der jüdischen Gemeinde in Mannheim aber eine positive Entwicklung voraus und meint rückblicken, er wäre nicht ausgewandert, wenn die Kontakte zu Andersgläubigen in der Nazi-Zeit so gewesen wären wie in den vergangenen Jahrzehnten beziehungsweise wie heute. 
Allerdings: Auch nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es wiederum Jahrzehnte bis zum Dialog. Und noch Rabbiner Max Grünewald musste Deutschland dazu ermahnen, das Judentum nicht _wie ein Mausoleum' zu betrachten. Dieser Aufruf ist Teil eines Films, den das regionale Rhein-Neckar-Fernsehen zum 20jährigen Bestehen der Synagoge erstellte. Dokumentiert ist dort auch ein gemeinsames Friedensgebet von Juden und Christen im Jahr 1991 zu Beginn des Golfkriegs. 
'20 Jahre jüdisches Zentrum in Mannheim machen Mut', ist Gerhard Widder überzeugt. Und doch gehört er zu jenen, die zum 'Aufpassen' ermahnen, weil Antisemitismus immer wieder offen aufflammt. Für eine friedliche Stadt sehe er jüdische, christliche und muslimische Gläubige gern in gemeinsamer Verantwortung, betont der ehemalige Bürgermeister. Schon seit 1988 begann das jüdische Gemeindezentrum mit einer intensive Jugendarbeit und klärt seitdem über jüdische Feiertage, Traditionen oder über den Staat Israel auf. Inzwischen gilt die Öffnung der jüdischen Gemeinde für Andersgläubige als beispielhaft. Deshalb ist Orna Marhöfer stolz darauf, dass sich das Zentrum am Rabbiner Grünewald-Platz zu einem kulturellen Mittelpunkt in Mannheim und in der ganzen Region Rhein-Neckar entwickelt hat. Zur Feierstunde gehörte neben der Musik mit Oberkantor Raffaele Polani, desen Gesang mit dem Flügel und mit der Geige begleitet wurde, eine Talk-Runde unter Regie von Sascha Spataru, Chefredakteur des Rhein-Neckar-Fernsehens. Fragen aus dem Publikum gab es nicht."      
  
2009: Charlotte Knobloch besucht die Synagoge 
Mannheim Synagoge 2009015.jpg (13245 Byte)Foto links von Gerold. Charlotte Knobloch und die Gemeindevorsitzende Orna Marhöfer (r.)
Artikel von Daniel Holl in der Rhein-Neckar-Zeitung von 3.3.2009 (Artikel):  
Charlotte Knobloch von Synagoge begeistert
"Ich freue mich ganz besonders, eine so gut funktionierende Gemeinde besuchen zu dürfen", schrieb Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch (l.) am Montag in Mannheim ins Gästebuch. Gemeindevorsitzende Orna Marhöfer (r.) registrierte es mit Freuden. 
Sie hat sich Zeit gelassen, gesteht Charlotte Knobloch. Fast drei Jahre ist sie schon Präsidentin des Zentralrats der Juden. Doch erst jetzt kommt sie dazu, der Jüdischen Gemeinde Mannheim (JGM) einen Besuch abzustatten. Mehrfach war sie angekündigt und musste wieder absagen. Nun steht sie im großen Gemeindezentrum am Rabbiner-Grünewald-Platz und sieht: Es hat sich gelohnt, die Gelegenheit endlich wahrzunehmen. Besonders die Synagoge hat es ihr angetan. "Ich bin begeistert", ruft sie mehrfach staunend aus. In diesen Raum müssten die Menschen doch einfach gerne beten, schwärmt sie. "Jetzt hätte ich beinahe etwas gesagt – aber ich will ja andere Gemeinden nicht beleidigen", bremst sie sich selbst. "Alle Synagogen sind schön..." Aber offenbar nicht alle so schön wie diese? Das Strahlen kehrt auch im anschließenden Pressegespräch sofort auf ihr Gesicht zurück. "Ich habe mich an meine Kindheit erinnert", – die Jahre in München vor der Pogromnacht, als sie sich vom opulenten Glanz der alten Hauptsynagoge bezaubern ließ. "Genau das habe ich jetzt wieder empfunden!" Die Gemeinde-Vorsitzende Orna Marhöfer führte Knobloch durch die Dauerausstellung zur Geschichte der Mannheimer Juden und ihrer wechselnden Bethäuser. Unweit Gemeindezentrums im Quadrat F3, direkt am Marktplatz, standen vor dem Zweiten Weltkrieg zwei Vorgängersynagogen. Alte Thora-Vorhänge aus den Jahren 1878 und 1908 erinnern noch heute an sie – und auch ein kleines Glöckchen, das 1939 aus dem Brandschutt einer der früheren Synagogen geborgen wurde und Jahrzehnte später auf Umwegen zurück nach Mannheim fand. 
Marhöfer versteht das neue, 1987 eingeweihte Zentrum, als Begegnungsstätte, das Interessierten jeden Glaubens offen steht, damit sich die Religionen näher kommen. Auch in der langen Museumsnacht am 21. März wird die JGM wieder ihre Tore für das Publikum öffnen. Knobloch bestärkt sie in diesem Ansatz: "Ich sehe, dass sehr viel Unwissen über das jüdische Leben vorhanden ist", mahnt sie.  Für Marhöfer ist das Treffen am Montagmittag die erste persönliche Begegnung mit der obersten Repräsentantin der deutschen Juden. Als "sehr warmherzig, ganz natürlich" lernt sie Knobloch kennen. "Wir kamen schnell ins Gespräch. Man merkt, dass sie selbst aus der Gemeindearbeit kommt." Im Gespräch mit Knobloch tragen Vertreter der JGM auch ihre Sorgen, ihre Bitten an den Zentralrat vor. Vor allem der verstärkte Zuzug von Juden aus ehemaligen Sowjetrepubliken stellt die Gemeinde vor gewaltige Integrationsaufgaben. "Wie organisiert man bei abnehmenden Finanzen Jugendarbeit?", beschreibt Marhöfer ein weiteres Problem. Dabei nennt sie selbst ihre Gemeinde zwar klein mit rund 600 Mitgliedern, "aber keineswegs überaltert". Charlotte Knobloch bestätigt den Mannheimern, sie hätten eine "hervorragend funktionierende Gemeinde", auf die die Stadt und das Land stolz sein könnten. Dieses Lob findet sich auch in ihrem Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde wieder. "Man kann nur sagen: G"ttes Segen auf alle diejenigen, die bereit sind, diese jüdische Gemeinde zu unterstützen", schreibt die Zentralratspräsidentin. In Anlehnung an das Gebot, Gottes Namen nicht unnötig zu verwenden, ersetzt sie gemäß jüdischer Tradition im Wort Gott den Vokal durch zwei Striche. 

    

    

Links und Literatur

Links:

Website der Jüdischen Gemeinde Mannheim

Website der Stadt Mannheim mit virtuellem Stadtrundgang zur neuen Synagoge: hier anklicken 
Infoseite zur neuen Mannheimer Synagoge (noch im Aufbau)

Literatur:

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Stand: 04. März 2009