Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Mannheim (Stadtkreis )
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt 
   
Auf dieser Seite: Berichte zu jüdischen Personen des 19./20. Jahrhunderts (bis 1938)  

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Mannheim wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt. Neueste Einstellung am 13.12.2014.  
    
Die Texte konnten teilweise noch nicht abgeschrieben werden. Durch Anklicken der Textabbildungen können sie jedoch gelesen werden.     
    
  
  
Übersicht:                      
  

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde    
-  Bekanntmachung zu dem vermissten Viehhändler Löb Kalter von Mannheim (1834)  
-  200. Todestag von Lemle Moses Rheinganum (Reinganum, 1924)  
-  Der Advokat Dr. Ladenburg wird wahrscheinlich in die zweite Kammer gewählt (1850)  
-  70. Geburtstag von David Aberle (1887)  
-  50-jähriges Bestehen der Verlagsbuchhandlung J. Bensheimer (1888)  
H
enriette Ladenburg vergrößert das Kapital der Ladenburg-Stiftung (1890) 
-  Zum Tod von Hermann Stern (1890)  
-  Zuwendungen von Stadtrat Reinhard Herschel (1890) 
-  Zum Tod von Toraschreiber Bähr (1890) 
Silberne Hochzeit von Seilermeister Max Hallenstein und Johanna geb. Dewald (1890)    
D
ie Kaufleute Viktor Lenel und Louis Hirsch werden zu Handelsrichtern ernannt (1890)   
-  Poetischer Nachruf auf Lazarus Kahn (1891)  
Auszeichnung für Hofrat Dr. Felix Hecht (1892)  )  
-  Zum Tod von Siegmund Bensheimer (1897)  
A
uszeichnung für den Reserveoberleutnant Jakob Kuhn (1902)   
-  Zum Tod von Leo Regensburger (1903)  
-  Suizid des Leichenbegleiters Abraham Hirsch im Friedhof (1903)  
-  Zum Tod von Abraham Heidenheim (1905) 
-  Kommerzienrat Victor Lenel wurde in den badischen Landtag gewählt (1905) 
-  Zum Tod des General-Konsuls a.D. Eduard Traumann (1907)  
-  107. Geburtstag von Friedericke Wolff (1908) 
-  Zum Tod von Oberrat und Altstadtrat Max Stockheim (1908)  
Adolf Bensinger stiftet das Tuberkulose-Museum in Frankenthal - die Witwe von Julius Oberle stiftet für die städtische Kunsthalle (1909)   
-  Zum Tod des Dialektdichters Jakob Strauß (1911)   
-  Fabrikant Sally Reiß wird Präsident des Synagogenrates (1911) 
-  Bankdirektor Arno Kuhn wurde badischer Konsul von Kolumbien (1912)  
-  David Meyer-Picard möchte der jüdischen Gemeinde zum Bau eines neuen Krankenhauses ein Grundstück schenken (1912) 
-  25-jähriges Stadtverordneten-Jubiläum von Holzhändler Mayer-Dinkel (1912)  
-  Auszeichnung für Bankier Max Goldschmidt (1912) 
-  Zum Tod des Vorstandes des Synagogenrates Sally Reiß (1914)  
-  Auszeichnung für Regine Seelig (1914)  
-  Auszeichnung von Kommerzienrat Victor Lenel - Ernennung von Kaufmann Michael Rothschild zum stellvertretenden Handelsrichter (1911) 
-  Der verstorbene Kaufmann Ernst Hirschborn hat eine große Stiftung hinterlassen (1914)  
-  Josef Steinhardt ist vermutlich der jüngste Soldat der deutschen Armee (1914)  
-  Leutnant Hans Loeb ist im Krieg gefallen (1916) 
-  Stiftung der Eltern von Dr. Hugo Kauffmann für zionistische Zwecke (1917)  
Z
um Tod der in Mannheim geborenen Frau von Oberrabbiner Dr. J. Isaacsohn, Tochter von Rabbiner Jakob Ettlinger (1917)  
-  Zum Tod von Kommerzienrat Eduard Schweizer (1919)  
-  Direktor Dr. Josef Koburger (Ludwigshafen) wird Professor an der Handelsschule in Mannheim (1920) 
-  Zum Tod von Nikel Mannheimer (1920)  
-  Max Goldschmidt, Vorsitzender des Synagogenrats, tritt von seinem Amt zurück (1923) 
Zum Tod von Elise Gutmann (1923) 
Schändung des Denkmals für Ludwig Frank (1925)  
-  Zum Tod von Marta Kohn-Königshofer (1931)  
-  Zum Tod von Baruch Strauß (1931)   
Zum Tod von Ida Löffler (1933)   
Das Denkmal für Ludwig Frank wurde von der Stadtverwaltung entfernt (1933) 
90. Geburtstag von Leopold Simon (1934)   
Die Korsettfabrik Eugen und Hermann Herbst GmbH wurde "arisiert" (1936)  
Zum Tod von Rechtsanwalt Dr. Max Jeselsohn (1937)  
Zum Tod von Eduard Bauer (1937)   
Jüdische Familiengeschichte  
 -  Über die Familie Mayer Eppstein (Familie von Dr. Paul Eppstein, 1902-1944)    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
A
nzeige der Buchhandlung von J. Bensheimer (1865)     
-  Anzeige der Metzgerei J. Guggenheimer (1900) 
-  Hinweis auf die Eierteigwarenfabrik Hermann Burger und Co. mit Spezial-Koscherware in Mannheim-Friedrichsfeld (1902) 
-  Anzeige der Wurstfabrik J. Guggenheimer (1905)  
-  Geburtsanzeige eines Sohnes von Prof. Karl Darmstädter und Hilde geb. Jakobsohn (1928)   
Weitere Dokumente   
Karte von Mia Neter an Oberrat J. Hartog (1929)  
Sonstiges  
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: Grabstein in New York für Julius Bruno aus Mannheim (1827-1886)      

        
        
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Bekanntmachung zu dem vermissten Viehhändler Löb Kalter von Mannheim (1834)   

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1834 S. 381 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bekanntmachung (Den vermissten Viehhändler Löb Kalter von Mannheim betreffend). 
[1] Der hiesige Schutzbürger und Viehhändler Löb Kalter ging am 7. dieses Monats nach Sandhofen, um Vieh einzukaufen, und ist bis jetzt nicht zurückgekommen. 
Wer über den Aufenthalt oder das Schicksal des Löb Kalter irgendeine Auskunft zu geben imstande ist, wird aufgefordert, bei der unterzeichneten Stelle davon unverzüglich die Anzeige zu machen. 
Signalement des Löb Kalter. Derselbe war ungefähr 5' 9" groß, starker Statur, hatte schwarze Haare, bedeckte Stirn, große braune Augen, starke, etwas gebogene Nase, gewöhnlichen Mund, rundes Kinn, gesunde Gesichtsfarbe, längliches Gesicht, schwarzen Bart und gesunde Zähne.  
Derselbe ist 44 Jahr alt, und trug bei seinem letzten Entfernen einen dunkelgrauen Tuchrock, dunkelblaue Tuchweste, dunkelgrüne tuchene Beinkleider, Stiefel, ein helles kattunenes Halstuch und eine braune Tuchkappe mit ledernem Schuld; derselbe trug ferner eine Geldgurte mit mehreren Louisd'or an Geld, in welchen Sorten und in welchem Betrage konnte bis jetzt noch nicht ausgemittelt werden. 
Mannheim, den 17. April 1832. Großherzogliches Stadtamt. Orff.  
Aufforderung. Ich verspreche demjenigen, welcher mir irgendeine Auskunft über meinen Vater geben kann, oder die Leiche desselben auffinden sollte, eine Belohnung von 15 fl., und bitte dies öffentlich bekannt zu machen.  Urkundlich. M. Kalter."         


200. Todestag von Lemle Moses Rheinganum (Reinganum, 1924)   
Anmerkung: berichtet wird anlässlich der Feier des 200. Todestag von Lemle Moses Rheinganum auch über die Geschichte und die Gegenwart der Klausstiftung in Mannheim. 
Zu Lemle Moses Reinganum siehe den Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Lemle_Moses_Reinganum

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1924: 
"Zum 200. Todestag von Lemle Moses Rheinganum - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. 
Mannheim
, 10. April (1924). Außer den Reihe der kalendarischen jüdischen Feiertage hatte sich am Donnerstag, 3. April, am Jom Kippur katan 5684 in der festlich beleuchteten Synagoge der Lemle Moses-Klausstiftung eine ansehnliche Gemeinde versammelt. Es galt der Erinnerung an den 200. Todestag des Gründers der Klaus, Lemle Moses Rheinganum. Zu den fast vollzählig erschienenen Angehörigen der Klaussynagoge hatten sich als Ehrengäste Mitglieder der Landessynode und des badischen Oberrates, und eine größere Abordnung der Gemeindevertretung und des Synagogenrats eingefunden.   
In weihevoller Stimmung wurde der Festakt mit dem Minchagebet eingeleitet, nach dessen Schluss der Präsident der jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Julius Moses, zu erhebenden Ausführungen das Wort ergriff. Er sagte unter anderem: Lemle Moses Rheinganum, der die Klaus in einer Zeit gründete, in der die deutschen Juden unter Zurücksetzungen und polizeilichen Schikanen litten, gehörte zu den Männern, denen die Tradition am Herzen lag. In diesem Mannheim, das damals ein neues Jabneh werden sollte, feiert man heute nach mehr als 200 Jahren die großzügige Tag dieses Mannes mit der tiefen Demut und Frömmigkeit, weil aus der Klausschule Lehrer und Schüler hervorgegangen sind, deren jüdisches Wissen weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus befruchtend gewirkt hat. Die Gemeindeverwaltung war ursprünglich zum Obervormund der Stiftung bestimmt, und an erster Stelle ist der Vorsteher Elias Hayum zu nennen, der in Zeiten des Not die Klausstiftung vor dem Zusammenbruch gerettet hat. 1891 ging die Verwaltung der Klaus auf den Synagogenrat über. Im Weltkrieg hatte die Klaus eine harte Probe zu bestehen. Den umfangreichen Bemühungen des Synagogenratsvorsitzenden, Herrn Max Goldschmidt, dessen Vorschlägen die Gemeindevertretung immer ein williges Ohr lieh, war es zu verdanken, dass für die Erhaltung der Klausinstitutionen gesorgt und damit auch gleichzeitig die Einheit der Gemeinde gefestigt wurde. Redner gelobte zum Schluss, alles zu tun, um das kostbare Kleinod der Klaus, dessen hervorragende geistige Führung heute in den bewährten Händen des Herrn Rabbiner Dr. Unna liegt, zu hüten und erbat für es Gottes Schutz und Segen. 
Nach Rezitation des Psalmes 112 würdigte Herr Rabbiner Dr. Unna in der großangelegten Festpredigt die Verdienste Rheinganums. Wäre uns nichts über die Persönlichkeit Rheinganums überliefert worden, - sein Werk würde genügen, uns den Wert dieses Mannes begreiflich zu machen. Er hat en Lehrhaus gegründet auf den Säulen von Tauroh, Avaudo und Gemilus chasodim (Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit), jenen drei Dingen, in deren Vereinigung sich das jüdische Kulturideal, der jüdische Mensch offenbart. Lemle Moses Rheinganum, der Mann der Tat, mitten im Leben stehend, benutzte seine einflussreiche Stellung dazu, als Sachwalter der jüdischen Interessen aufzutreten. Das von ihm gegründete Gotteshaus sollte auch Lehrhaus sein, die Frömmigkeit muss im Wissen verankert sein. Er hatte das dem jüdischen Volkes Notwendige erkannt! Sein Geist, der in seiner Tat zum Ausdruck kommt, möge uns voranleuchten.  
Alsdann sang der gutgeschulte Klauschor unter der bewährten Leitung seines Dirigenten Herrn Bodenheim und unter der vorzüglichen Mitwirkung des Herrn Oberkantors Epstein den Schluss des Psalms 16 in vollendeter Schönheit. Das Maarivgebet beschloss die eindrucksvolle Feier. Dr. W."      

      
Der Advokat Dr. Ladenburg wird wahrscheinlich in die zweite Kammer gewählt (1850)    
Anmerkung: es handelt sich um Dr. jur. Leopold Ladenburg (geb. 1809 in Mannheim, gest. 1889 ebd.), Rechtsanwalt und Nationalökonom. 
Weiteres zu ihm im Wikipedias-Artikel
  http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Ladenburg.  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Januar 1850: "Mannheim, 17. Januar (1850). Wahrscheinlich wird jetzt zum ersten Male ein Israelit in die zweite Kammer gewählt werden, nämlich der Advokat Dr. Ladenburg."        


70. Geburtstag von David Aberle (1887)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. März 1887: "Aus Mannheim schreibt man uns: Am 9. dieses beging Herr David Aberle, langjähriger Präsident des Synagogenrates und Vorsteher vieler wohltätiger Anstalten seinen 70-jährigen Geburtstag, und nahmen de Gemeinde, die Vereine und mehrere städtische Korporationen die Gelegenheit wahr, Herrn Aberle ihre Anerkennung und ihren Dank teils in Adressen teils in Ansprachen auszudrücken. Schon früher hat der Großherzog dem Gefeierten für seine Verdienste um den badischen Frauenverein den Zähringer Löwenorden verliehen."     

 
50-jähriges Bestehen der Verlagsbuchhandlung J. Bensheimer (1888) 

Mannheim AZJ 10051888.jpg (110254 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Mai 1888: "Man schreibt aus Mannheim, 18. April (1888): Die im deutschen Buchhandel und in der wissenschaftlichen Welt gleich hochgeachtete Verlagsbuchhandlung von J. Bensheimer beging heute den Tag ihres 50-jährigen Bestehens. Die Firma wurde am 18. April 1838 von Jakob Bensheimer begründet und pflegte vornehmlich und mit bestem Erfolge die juristische und pädagogische Verlagsrichtung. Unter der Leitung der Söhne des Gründers, die jetzt Eigentümer des Geschäftes sind, wurde dasselbe mit einer großen Druckerei verbunden, und es zählt jetzt zu den bedeutendsten seiner Art in Südwestdeutschland. Im Verlage der Firma J. Bensheimer erscheinen zwei große politische Tagesblätter: die Neue Badische Landeszeitung und die Badisch-Pfälzische Volkszeitung, sowie fünf Fachzeitschriften, und zu ihren Autoren zählt die Firma Namen vom besten Klang auf juristischem pädagogischem und belletristischem Gebiete."      

     
Henriette Ladenburg vergrößert das Kapital der Ladenburg-Stiftung (1890)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1890:      


Zum Tod von Herrmann Stern (1890)       

Mannheim Israelit 28081890.jpg (212742 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1890: 
wird noch abgeschrieben     
Mannheim Israelit 28081890b.jpg (156706 Byte)   

    
Zuwendungen von Stadtrat Reinhard Herschel (1890)         

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1890: "Mannheim, 6. September (1890). Herr Stadtrat Reinhard Herschel, Mitinhaber der bekannten Tabakfirma Herschel, Enthoven u. Cie. in Mannheim und Amsterdam, hat aus Anlass seiner heutigen silbernen Hochzeit der Stadt Mannheim den Betrag von Mark 50.000 für Verschönerungszwecke zugewiesen. Herr Herschel ist der Schwiegersohn des Synagogenrats David Aberle hier, der ebenfalls am heutigen Tage ein seltenes Familienfest und zwar das des goldenen Ehejubiläums beging. Herr Aberle ließ dieses Familienfest nicht vorübergehen, ohne die hiesigen Wohltätigkeitsanstalten mit reichen Zuwendungen bedacht zu haben."     

   
Zum Tod von Toraschreiber Bähr (1890)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1890: "Mannheim. Dahier starb kürzlich der einzige Sofer (Toraschreiber) namens Bähr; sein letzter Ausgang war in die Synagoge, wo ihn ein Schlaganfall trat. Vielleicht wird durch diese Mitteilung ein Sofer veranlasst, hierher zu ziehen, da im ganzen Lande (gemeint: Baden) nur ein Sofer ist."      

    
Silberne Hochzeit von Seilermeister Max Hallenstein und Johanna geb. Dewald (1890)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1890:        

  
Die Kaufleute Viktor Lenel und Louis Hirsch werden zu Handelsrichtern ernannt (1890)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Dezember 1890: "In Baden hat der Großherzog folgende Glaubensgenossen zu Handelsrichtern ernannt; die Kaufleute Rudolf Herrmann und Leopold Ettlinger in Karlsruhe; Viktor Lenel und Louis Hirsch in Mannheim."                 


Poetischer Nachruf auf Lazarus Kahn (1891)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1891: 
"Nachruf an Herrn Lazarus Kahn aus Mannheim, gestorben am 9. Januar 1891. 
Schon liegst im linnen Talare   Du treuer, edler Mann,  
Bist wie am Hochaltare  Zum Opfern angetan. 
Im priesterlichen Kleide,   Im schönsten Festgewand   
So schmückte man Dich heute   Zum Gang in's bess're Land. 
Weil's milde Aug' geschlossen,   Das edle Herz nicht schlägt,  
Jammern laut Dein Weib, die Sprossen,  Sie sind so schmerzbewegt. 
Doch Deine heiligen Manen,  Sie flüstern leis, doch wahr,  
Ich geh' zu meinen Ahnen,  Zum Himmels-Hochaltar.  
Hast geehrt die Priesterwürde,  Brachtest Lieb' zum Opfer dar, 
Fandest leicht die schwere Bürde,  Die Verlassenschaft eines Andern war. 
Erzog'st sie an Deinem Busen  Zur Zier von Judentum,  
Lehrtest sie die Kunst der Musen, Zu besingen Gottes Ruhm.  
Und Deines Leibessprossen  Hast gebildet fromm und gut,  
Nicht umsonst Deine Opferweine flossen,  Im Priestertum lebt fort Dein Blut.  
Deiner Opfer Düfte steigen, Hinauf zu Gottes Thron,  
Dein Stamm wird sich verzweigen, Oh echter Aarons Sohn.  
Dein Stamm wird ewig blühen,  Wie einst der Stab von großen Ahn,  
Dein Opferfeuer nie verglüh'n  Du einst sturmumbrauster Kahn.  
Das Herrlichste Dir gelungen, Im Allerheiligsten schau'st Gottes Licht,  
Dein Brechat Kohanim (Priestersegen) nicht umsonst geklungen, Gott wendet Dir zu Sein Angesicht.
Mag Dein Leib in Staub zerfallen, Dein Geist verklärt wird niedersehen, 
Dein Segenssang nicht leer verhallen, Auf Deiner Lieben Weg mitgehen.  
Ob Deines Heimgangs wir auch weinen,  Das Weg uns das Herz zerreißt,  
Einst wird auch uns der Tag erscheinen, An dem Du uns willkommen heißt.  
Gewidmet von seiner trauernden Nichte  Bertha Landsberg, Bingen."    

   
Auszeichnungen für Hofrat Dr. Felix Hecht (1892 / 1894)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1892: "Dem Hofrat Dr. Felix Hecht in Mannheim ist vom König von Italien das Offizierskreuz des Ordens der Italienischen Krone verliehen worden."         
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Mai 1894: "Aus Baden, 22. Mai (1894). Zum 29. April, dem Jahrestage des Regierungsantrittes unseres Großherzogs, erfolgten vielfache Auszeichnungen. Von Glaubensgenossen erhielten solche u.a. Bankdirektor Hofrat Dr. Felix Hecht in Mannheim und Bezirksrabbiner Dr. Jos. Eschelbacher in Bruchsal das Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen, Alt-Synagogenratsvorsteher Bar. Bernheim in Karlsruhe und Kaufmann E. J. Löwe in London das Ritterkreuz II. Klasse; Gerichtsschreiber G. Oppenheimer in Buchen das Verdienstkreuz dieses Ordens."    

    
Zum Tod von Siegmund Bensheimer (1897)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Oktober 1897: "Mannheim, 15. Oktober (1897). Siegmund Bensheimer, der Mitverleger der 'Neuen Badischen Landeszeitung' ist, 52 Jahre alt, gestorben. Die 'Neue Badische Landeszeitung' widmet dem Verstorbenen einen Nachruf, worin es heißt: 'Ein treuer Anhänger der demokratischen Bestrebungen, trat er in guten und bösen Zeiten ohne Menschenfurcht für seine politische Überzeugung ein und scheute sich auch trotz aller Anfeindungen niemals, das, was er im Interesse der freiheitlichen Sache als notwendig und wünschenswert erkannt, zu bekennen und zu betätigen. Jahrelang bekleidete er das Amt eines Stadtverordneten, das ihm auch im vorigen Jahre durch das Vertrauen seiner Mitbürger neuerdings übertragen wurde. Gründlich vertraut mit der Geschichte, den Verhältnissen und den Bedürfnissen unserer aufstrebenden Handelsstadt, vermochte er, dem städtischen Gemeinwesen durch seinen Rat und seine Anregungen vielfach zu nützen und auf manchem Gebiete fördernd zu wirken.' Die Beerdigung fand am 17. dieses Monats unter allgemeiner Teilnahme statt. In der Leichenhalle des israelitischen Friedhofs hielt Rabbiner Dr. Steckelmacher die Grabrede, anknüpfend an den Schriftvers: 'Süß ist der Schlaf des Arbeiters', und das arbeits- und segensreiche Leben des Verstorbenen getreulich schildernd. Dann sprachen der Obmann des Stadtverordnetenvorstandes, Max Stockmann, der Stadtverordnetenvorsteher Fulda, die Redakteure Dr. Gerard und Becker. Damit schloss die erhebende Totenfeier für den unvergesslichen Mann. Möge er in Frieden ruhen!"       

        
Auszeichnung für den Reserveoberleutnant Jakob Kuhn (1902)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Dezember 1902:            

  
Zum Tod von Leo Regensburger (1903)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Mai 1903: "Mannheim. Leo Regensburger, ein angesehenes Mitglied der hiesigen Gemeinde, wurde letzten Freitag zur letzten Ruhe geleitet. Es sprachen außer dem Stadtrabbiner Dr. Steckelmacher, Dr. J. Moses namens der Lameyloge, Josef Wiesloch, Frankfurt, namens der Frankfurt-Loge, F. Liebhold namens der Heidelberger Friedrich-Loge und Stadtrat Duttenhöfer im Auftrag der freisinnigen Partei."      

    
Suizid des Leichenbegleiters Abraham Hirsch im Friedhof (1903)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Dezember 1903: "Mannheim, 30. November (1903). Während heute Vormittag auf dem israelitischen Friedhof eine Beerdigung vonstatten ging, schlich sich der 60 Jahre alte Leichenbegleiter Abraham Hirsch beiseite und machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende."   

 
Zum Tod von Abraham Heidenheim (1905)    

Mannheim AZJ 03031905.jpg (17811 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1905: "In Mannheim starb nach kurzem Kranksein im vollendeten 74. Lebensjahr Herr Abraham Heidenheim, der nahezu dreißig Jahre Rechner und Sekretär der jüdischen Gemeinde war."   

   
Kommerzienrat Victor Lenel wurde in den badischen Landtag gewählt (1905)   
Anmerkung: Zu Victor Lenel (geb. 1838 in Mannheim, gest. 1917 ebd.) finden sich weitere Informationen im Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Lenel

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1905:  "Mannheim. Kommerzienrat Viktor Lenel ist von den Handelskammern Mannheim und Heidelberg in die I. Kammer des badischen Landtages gewählt worden."    

 
Zum Tod des General-Konsuls a.D. Eduard Traumann (1907)   
Anmerkung: Eduard Traumann wurde am 14. März 1862 durch den badischen Großherzog zum "Konsul Seiner Majestät des Königs Viktor Emanuel II. von Italien" ernannt.
Die Ernennung wurde im Großherzoglich Badischen Regierungsblatt von Baden, 1862 S. 105 bekannt gegeben. Eduard Traumann war Mitinhaber der Rohtabakhandlung Traumann u. Comp. in Mannheim.        

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juli 1907: "Mannheim. Der italienische General-Konsul a.D. Eduard Traumann ist im Alter von 89 Jahren gestorben."       

    
107. Geburtstag von Friedericke Wolff (1908)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1908: "Mannheim, 14. Mai (1908). Im Mannheimer Stift der Altersversorgung der jüdischen Gemeinde feiert man heute den 107. Geburtstag von Friedericke Wolff. Seit sieben Jahren bewohnt sie das Stift. Die Greisin ist am 13. Mai 1801 geboren. Die Anstalt ließ es sich nicht nehmen, den 107. Geburtstag ihrer Insassin durch eine angemessene würdige Feier zu begehen."      

   
Zum Tod von Oberrat und Altstadtrat Max Stockheim (1908)    
Anmerkung: nach der Chronik der Stadt Mannheim für das Jahr 1900 Bd. 1 S. 172 wurde der damalige Vorsitzende des Synagogenrates der Israelitischen Gemeinde in Mannheim durch Entschließung es Großherzogs vom 21. Dezember 1900 zum Oberrat der Israeliten ernannt. Den Zähringer Löwenorden 1. Klasse hatte Max Obmann 1899 für seine Tätigkeit als Obmann des Stadtverordnetenvorstandes (bis 1899) erhalten.      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Dezember 1908:  "Mannheim. 73-jährig verschied Oberrat und Altstadtrat Max Stockheim, Inhaber des Zähringer Löwenordens 1. Klasse und des Roten Adlerordens 4. Klasse. Stockheim war auch Vorsitzender des Synagogenrates der jüdischen Gemeinde und betätigte sich in der Leitung einer Anzahl jüdischer Wohltätigkeitsinstitutionen."   

     
Adolf Bensinger stiftet das Tuberkulose-Museum in Frankenthal - die Witwe von Julius Oberle stiftet für die städtische Kunsthalle (1909)  

Frankenthal FrfIsrFambl 23121909.jpg (65721 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember 1909: "Mannheim. Welch' lebhaftes Interesse gerade unter uns Juden für die Allgemeinheit herrscht, zeigen die fortgesetzten Stiftungen für allgemeine Zwecke. So wurde dieser Tage im benachbarten Frankenthal ein Tuberkulose-Museum eröffnet, das Herr Adolf Bensinger, Mitinhaber der Rheinischen Gummi- und Celluloidfabrik, gestiftet hat, und so verdankte die gleichfalls dieser Tage eröffnete hiesige städtische Kunsthalle ihre Errichtung einem Legate der 1901 verstorbenen Frau Julius Oberle geb. Michaelis von 200.000 Mark."   
 
Mannheimer Friedhof Bensinger 10.jpg (91194 Byte) Links: Grabstein für Adolf Bensinger und weitere Familienmitglieder der Familie Bensinger (Ehefrau, Eltern) im jüdischen Friedhof Mannheim (Foto: Stadtarchiv Mannheim). 
Zur Person (Anmerkung von Paul Theobald): Adolf Jakob Bensinger, der in Frankenthal das Tuberkulose-Museum stiftete, war aus Mannheim und kam am 8. März 1866 zur Welt. Er war Teilhaber der Rheinischen Gummi- und Celluloid-Fabrik, die in Mannheim-Neckarau war, sowie der Fabrik Lenel, Bensinger & Co., die sich ebenfalls in Mannheim befand. Die Eltern von Adolf Bensinger waren Friedrich Julius Bensinger (1841 Bodersweier - 1891) und Bertha geb. Bensheimer. Am 14. März 1899 heiratete er Ida Luise geb. Kahn, die aus einer Frankfurter Bankiersfamilie stammte. Die Familie wohnte in Mannheim am Werderplatz 12. Adolf Bensinger war sehr wohlhabend und setzte sein Vermögen auch für wohltätige Zwecke ein. Deshalb ernannte ihn Großherzog Friedrich von Baden zum Kommerzienrat. Ein schwerer Schicksalsschlag traf ihn, als seine Ehefrau am 16. Mai 1934 starb und auch sein Bruder Dr. h.c. Karl Josef Bensinger vor ihm folgte (gest. April 1936). Adolf Bensinger war sehr herzleidend. Die Begehrlichkeiten der Nationalsozialisten kannten keine Grenzen. Adolf Bensinger wollte unter allen Umständen verhindern, dass sein Vermögen den Nazis in die Hände fiel. Als er feststellen musste, dass er dies nicht erreichen wird, starb er am 28. Juli 1939. Er wurde im jüdischen Friedhof in Mannheim beigesetzt.     
Vgl. Artikel im Mannheimer Morgen vom 28.6.2012;  
Genealogische Informationen: http://www.geni.com/people/Adolf-Bensinger/6000000028161935913 
Zur Rheinischen Gummi- und Celluloid-Fabrik: https://de.wikipedia.org/wiki/Schildkröt   

  
Zum Tod des Dialektdichters Jakob Strauß (1911)     
Anmerkung / Literaturhinweis: Hans-Peter Schwöbel / Siegfried Laux (Hrsg.): Mannem, wann ich dein gedenk. Gedichte und Prosa in Kurpfälzer Mundart und Hochdeutsch von Ludwig Levy, Hermann Waldeck, Jakob Strauß, Ludwig Sinsheimer, Kurt Norbert Berg. Edition Quadrat. 1999². ISBN 3-923003-79-X.      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1911: "Mannheim. Jakob Strauß, der bekannte Mannheimer Dialektdichter, ist - erst 50 Jahre alt - verschieden."    

 
Fabrikant Sally Reiß wird Präsident des Synagogenrates (1911)    
Anmerkung: vgl. unten Bericht zu seinem Tod 1914.      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Juni 1911: "Zum Präsidenten des Synagogenrates in Mannheim wurde Herr Fabrikant Sally Reiß gewählt."         

     
Bankdirektor Arno Kuhn wurde badischer Konsul von Kolumbien (1912)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Februar 1912: "Herr Bankdirektor Arno Kuhn in Mannheim ist zum Konsul der Republik Kolumbien für das Gebiet des Großherzogtums Baden mit dem Amtssitz n Mannheim ernannt worden. Nach erfolgter Zustimmung der Reichsregierung ist ihm jetzt das Exequator der großherzoglich badischen Regierung erteilt worden."       

   
David Meyer-Picard möchte der jüdischen Gemeinde zum Bau eines neuen Krankenhauses ein Grundstück schenken (1912)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. März 1912: "Herr David Meyer-Picard in Mannheim hat sich in hochherziger Weise bereit erklärt, der dortigen jüdischen Gemeinde für die Errichtung eines neuen Krankenhauses das Terrain zu schenken."          

  
25-jähriges Stadtverordneten-Jubiläum von Holzhändler Mayer-Dinkel (1912)    
Anmerkung: es handelt sich um Gustav Mayer-Dinkel (1853-1937), Kaufmann und Stadtverordneter in Mannheim (nationalliberal/DDP).     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. November 1912: "Mannheim. Holzhändler Mayer-Dinkel beging sein 25-jähriges Stadtverordneten-Jubiläum."       

  
Auszeichnung für Bankier Max Goldschmidt (1912)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Dezember 1912: "Mannheim. Max Goldschmidt, Teilhaber der Bankfirma Marx und Goldschmidt, erhielt vom Großherzog von Hessen das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens."       

    
Zum Tod des Vorstandes des Synagogenrates Sally Reiß (1914)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Februar 1914: "Mannheim, 13. Februar (1914). Es war eine Versammlung zahlreicher Trauergäste, die am 11. dieses Monats nachmittags in der Kapelle des israelitischen Friedhofs zusammenkamen, um dem verstorbenen Vorstand des Synagogenrats, Herrn Sally Reiß, die letzte Ehre zu erweisen. Die Trauerfeier wurde durch den Gesang 'Über allen Wipfeln ist Ruh' eingeleitet, worauf Herr Stadtrabbiner Dr. Steckelmacher die zu Herzen gehende Traueransprache hielt. Er zeigte mit seinen Worten, wie der Verstorbene vor allem ein schönes, vorbildliches Familienleben geführt habe, und wie er auch durch seine Klugheit, seinen weit ausschauenden Blick, durch Tüchtigkeit, Fleiß und Betätigung einer lauteren Gesinnung ein hervorragender Förderer seines Geschäftes war. Dann aber habe er seine ganze Kraft, seine selten große Erfahrung und sein tiefes Wissen in den Dienst der Gemeinde gestellt, für die er erst als Mitglied und später, bis zuletzt, als Vorstand des Synagogenrats gewirkt habe. Der Redner rühmte den Verstorbenen als einen Mann voll tapferen Gerechtigkeitssinn, voll Geradheit, Biederkeit und Wahrhaftigkeit und voll inniger Religiosität. Er sei auch ein freigebiger Wohltäter gewesen, der ein warmes Herz hatte für die Armen und Bedrängten. Außer beim Synagogenrat habe er sich mit Wort und Tat bei den verschiedensten humanitären Körperschaften beteiligt, und überall habe seine überlegene Ruhe in allen Lagen segensvoll gewirkt. Sally Reiß habe gelebt und sei gestorben wie die, von denen die Prophetin Deborah gesagt habe: 'Die Freunde Gottes, die werden wir die Sonne sein, die da aufstrahlt in ihrer ganzen Kraft.' Im Namen des Synagogenrats sprach nun Herr Bankier Goldschmidt Worte ehrenden Gedenkens und aufrichtigen Dankes an der Bahre des Entschlafenen. Sein Name werde dauernd mit goldenen Buchstaben in der Geschichte der israelitischen Gemeinde Mannheims stehen. Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer aus Karlsruhe sprach im Auftrag des Oberrats der Israeliten die Anerkennung für die hohen Verdienste aus, die sich der Verstorbene um die israelitische Sache nicht nur in Mannheim, sondern in ganz Baden erworben habe. Für die August-Lamey-Loge, die in dem Toten einen ihrer treuesten und angesehensten Brüder verliere, sprach der Präsident der Loge, Herr Karl Jüdel. Nach ihm ergriff Herr Julius Bensheimer das Wort, um namens des Hilfsvereins deutscher Juden in Berlin den Verstorbenen und seine Verdienste zu ehren. Nachdem das Lied 'Wie sie so sanft ruhn' gesungen war, trug man den Sarg zum Grab, in das er nach einem kurzen Gebet des Stadtrabbiners versenkt wurde."         

 
Auszeichnung für Regine Seelig (1914)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. März 1914: "Aus Karlsruhe wird geschrieben: Der Oberrat hat für das Jahr 1914 folgende Fanny Weil'sche Tugendpreise verliehen: im Betrage von 500 Mark dem Hauptlehrer Jakob Wolfsbruck an der Volksschule in Emmendingen; im Betrage von 300 Mark der Frau Rosa Wachenheimer Witwe in Schmieheim, der Frau Regine Seelig in Mannheim und der Frau Malchen Kälbermann in Großeicholzheim."         

    
Auszeichnung von Kommerzienrat Victor Lenel - Ernennung von Kaufmann Michael Rothschild zum stellv. Handelsrichter (1911)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. April 1911: "Mannheim. Geheimer Kommerzienrat Victor Lenel erhielt das Kommandeurkreuz 2. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen, und Kaufmann Michael Rothschild wurde zum stellvertretenden Handelsrichter ernannt."       

 
Der verstorbene Kaufmann Ernst Hirschborn hat eine große Stiftung hinterlassen (1914)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. April 1914: "Der in Mannheim kürzlich verstorbene Kaufmann Ernst Hirschborn, Teilhaber der bekannten Rohtabakfirma Julius Hirschborn, hat eine Stiftung von 250.000 Mark gemacht, deren Zinsen zur Unterstützung befähigter Kinder unbemittelter Eltern, behufs Besuch höherer Schulen Verwendung finden sollen."          

     
Josef Steinhardt ist vermutlich der jüngste Soldat der deutschen Armee (1914)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September 1914: "Mannheim. Josef Steinhardt, geboren am 10. Juli 1899, Sohn des hiesigen Buchdruckereibesitzers Ferdinand Steinhardt, dürfte der jüngste Soldat der deutschen Armee sein."     

 
Leutnant Hans Loeb ist im Krieg gefallen (1916)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. August 1916: "Mannheim, Hans Loeb, Leutnant der Reserve, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der hessischen Tapferkeitsmedaille, Sohn von Alfred Loeb und Frau geb. Hannover, starb den Heldentod." 

    
Stiftung der Eltern von Dr. Hugo Kauffmann für zionistische Zwecke (1917)     

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. Februar 1917: "Mannheim. Die Eltern des am 10. November 1916 gefallenen Dr. Hugo Kauffmann, errichteten eine Stiftung von 25.000 Mark, die für zionistische Zwecke in Palästina bestimmt ist."  

   
Zum Tod der in Mannheim geborenen Frau von Oberrabbiner Dr. J. Isaacsohn, Tochter von Rabbiner Jakob Ettlinger (1917)        

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1917: 
"Frankfurter Berichte. Frau Oberrabbiner Isaacsohn seligen Andenkens. 
Eine hervorragende Frau, eine Jüdin von altem Schrot, selten in ihrer Seelengröße und ihren Geistesgaben, ist heimgegangen. Frau Oberrabbiner Amalie Isaacsohn ist nicht mehr.  Geboren 1834 zu Mannheim als zweite Tochter des rühmlichst bekannten Altonaer Gaon Rabbi Jokew Ettlinger seligen Andenkens, dessen erstes Rabbinat in Mannheim war, wurde sie 1858 mit dem bekannten Rotterdamer Oberrabbiner Dr. J. Isaacsohn seligen Andenkens vermählt. Ihre Ehe war zunächst sehr glücklich. Doch allzubald, nach sechzehnjähriger Ehe, wurde die Verewigte schwergeprüft: binnen wenigen Tagen wurden von ihren sieben Kindern sechs im Alter von 3 bis 15 Jahren dahingerafft. Elf Jahre darauf starb auch ihr Gatte in ihrem damaligen Domizil Hamburg, wo er als Prediger honoris causa wirkte. 
Alsdann, nach 9 Jahren, übersiedelte die Dahingegangene nach Frankfurt mit ihrem einzigen, von ihr unendlich geliebten Sohne, der nunmehr ihr alleiniger Trost im Leben war. Hier lebte sie still und schlicht mit ihrem Sohne, der sich in grenzenloser Liebe und Bewunderung für seine große Mutter ihr ganz widmete. 
Vor vierzehn Tagen beging sie ihren 83. Geburtstag. 
Klug und von großer geistiger Regsamkeit, zeichnete sich de Verblichene durch eine außerordentliche Charakter und Willensstärke, gepaart mit ungewöhnlich hohem Optimismus und unerschütterlichem Gottvertrauen aus. Selbst die großen Prüfungen, von denen sie getroffen wurden, vermochten sie nicht in ihrem Gottvertrauen zu erschüttern, vielmehr trugen sie zu ihrer Läuterung und Verinnerlichung bei. Ihre Frömmigkeit bestand nicht bloß in peinlicher Beobachtung der rituellen Gebote, sondern in Herzensreinheit und echtjüdischen Tugenden, wie Bescheidenheit, Schlichtheit, Wahrheitsliebe und Wissensdurst.  
Und da sie so war, wurde sie von jedem, der sie kannte, geliebt und hochgeschätzt. Ihre Familie ging an ihr mit besonders inniger Liebe, wie auch ihre Anhänglichkeit an der Familie unermesslich war. Auch besaß die Dahingeschiedene jüdisches Wissen und las die Tora und Tehillim in der Ursprache.  
Eine große Schar von Verehrern gab ihr das letzte Geleite. An ihrer Bahre entwarf ihr Neffe, Rabbiner Dr. Jakob Horowitz in meisterlicher Weise ein lebendiges Bild von dieser bedeutenden Bath Israel. Er gedachte dabei rühmlichst des bewundernswerten Kibbud em und der großen Hingabe des ausgezeichneten Sohnes an seine Mutter. Auch Rabbiner Dr. Nobel hielt darauf eine treffliche Trauerrede.   -n."  

   
Zum Tod von Kommerzienrat Eduard Schweizer (1919)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Februar 1919: "Mannheim. Kommerzienrat Eduard Schweizer, ein bekannter Kunstfreund, verschied im 80. Lebensjahr."     
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Januar 1919:  

     
Direktor Dr. Josef Koburger (Ludwigshafen) wird Professor an der Handelsschule in Mannheim (1920)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Februar 1920: "Direktor Dr. Josef Koburger in Ludwigshafen ist vom badischen Staatsministerium zum Professor an der Handelshochschule in Mannheim  ernannt worden. Herr Dr. Koburger ist eine im jüdischen Leben der Pfalz rühmlichst bekannte Persönlichkeit und nimmt an allen jüdischen Angelegenheiten lebhaftesten Anteil."     

    
Zum Tod von Nikel Mannheimer (1920)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1920: "Mannheim, 10. Oktober (1920). Am Sukkot-Feste ist ein Mann von uns gegangen, dem es nicht lange vergönnt war, die Früchte, gereift an den vergänglichen Sonnenstrahlen dieser Welt, zu genießen. Mit 38 Jahren hat Nikel Mannheimer, von einfachen Verhältnissen durch ernste, ehrliche Arbeit zur achtunggebietenden Höhe emporgeklommen, ein Mensch unter Menschen, eine Pflicht erfüllt, als Sohn und Gatte. Besonders hervorzuheben ist die ganz merkwürdige Art, mit der dieser Mann die religiösen Gebote zur Wohltätigkeit im Verborgenen betätigte. Sowohl die Selbstverständlichkeit, mit der der gab, oft kaum wissend, wem und was er gab, wie die feinfühlige Art, wie er es gab. Wir haben viel verloren. Noch mehr seine Mutter und Gattin. Mag sie der Gedanke trösten, dass die religiösen Gebote, die der Frühvollendete bis zum letzten Atemzuge betätigt hat - ihm ein Keren Kajemet ('einen bestehenden Fonds') für die künftige Welt sichern. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

    
Max Goldschmidt, Vorsitzender des Synagogenrats, tritt von seinem Amt zurück (1923)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1923: "Mannheim, 16. Oktober (1923). Herr Max Goldschmidt, der langjährige Vorsitzende des hiesigen Synagogenrats, ist zum allgemeinen Bedauern infolge berufliche Inanspruchnahme von seinem Amte zurückgetreten. Herr Goldschmidt hat sein Amt in vorbildlich-objektiver Weise verwaltet, und obgleich er einer nichtorthodoxen Familie entstammte und auch persönlich nicht orthodox ist, hat er doch die Interessen des orthodoxen Judentums stets mit Wärme vertreten. Er war, wie er es des öfteren betonte, der Überzeugung, dass die Orthodoxie das Rückgrat des Judentums bilde und dass deshalb ihre Förderung eine unbedingte Pflicht sei. Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass nach dem Tode des Stadtrabbiners Dr. Steckelmacher eine Neuordnung der Rabbinatsverhältnisse erfolgte, dass man dabei dem orthodoxen Rabbiner die Gleichberechtigung gab und ihm die Aufsicht über die rituellen Einrichtungen der Gemeinde übertrug. Die altehrwürdige Klausstiftung hatte sich stets des besonderen Wohlwollens Goldschmidts zu erfreuen. Auch im Oberrat der Israeliten hat Goldschmidt eine sehr ersprießliche Wirksamkeit entfaltet und durch seine Sachkenntnis, seinen Arbeitseifer und seine Objektivität der Landessynagoge große Dienste geleitet. Der Synagogenrat hat der Anerkennung seiner Verdienste dadurch Ausdruck verliehen, dass er ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannte und dabei die Hoffnung aussprach, dass Herr Goldschmidt seine ausgezeichneten Eigenschaften auch fernerhin nach Möglichkeit in den Dienst der Gemeinde stellen werde. Zum Nachfolger wurde Herr Dr. Moses gewählt, der dem Synagogenrat schon lange angehört und dessen bisherige Tätigkeit seine Gewähr dafür bietet, dass er ebenfalls im Sinne seines Vorgängers wirken wird."        

 
Zum Tod von Elise Gutmann (1923)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1923: "Mannheim, 4. Dezember (1923). Am Donnerstag, den 29. November wurde Frau Elise Gutmann zu Grabe getragen. Mit ihrem Hinscheiden betrauert der 'Jüdische Nähzirkel für arme Kinder' eine Frau, deren Wirken unersetzbar ist, deren Ratschläge während der langen Dauer von 17 Jahren segenbringend waren und deren Ansehen dazu beigetragen hat, dass diese schöne und wohltätige Vereinigung ungeschwächt selbst in schwierigsten Zeiten den Zusammenhalt nicht verlor und die Tätigkeit nicht einschränken brauchte. Wer Frau Gutmann bis in die letzten Jahre die Generalversammlungen leiten sah und hörte, war voll der Bewunderung über deren geistige Frische und deren Fähigkeiten, mit warmen und herzlichen Worten in natürlicher Bescheidenheit ihren Willen im Sinne der Wohltätigkeit durchzusetzen. So wird sie den Mitgliedern des Jüdischen Nähzirkels in dauernder Erinnerung bleiben und alle werden bemüht sein, in der Verstorbenen Streben weiter zu handeln und zu wirken im Sinne der Liebe zu den Mitmenschen und der Wohltätigkeit. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."         

      
Schändung des Denkmals für Ludwig Frank (1925)   
Anmerkung: der Artikel spricht zum einen vom Heine-Denkmal. Ein erstes - 1873 vom dänischen Bildhauer Louis Hasselriis geschaffen - wurde von der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sisi) nach 1890 im Achilleion-Palast südlich von Korfu aufgestellt. Kaiser Wilhelm II. ließ es, nachdem er den Palast 1907 erworben hatte, entfernen (dieses Denkmal kam über Hamburg und Altona später nach Toulon). 1911 schuf der Künstler Hugo Lederer ein weiteres Heine-Denkmal, das 1926 im Hamburger Stadtpark feierlich enthüllt wurde. 1933 wurde es von den Nationalsozialisten niedergerissen und 1943 zur Metallgewinnung für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Seit 1982 gibt es ein neues Heine-Denkmal am Rathausmarkt in Hamburg. Am Sockel sind zwei Halbreliefs als Mahnmale angebracht, die die Geschichte des Denkmalsturzes darstellen sowie an die Bücherverbrennung von 1933 erinnern. Das Denkmal für Ludwig Frank wurde 1924 im unteren Luisenpark in Mannheim aufgestellt. 1933 wurde es von den Nationalsozialisten entfernt (siehe unten). 1950 wurde eine neue Skulptur, 'Jüngling mit Stab' aufgestellt, die an Ludwig Frank und de Opfer des Ersten Weltkriegs erinnert.      

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. Juli 1925:  "Geschändete Denkmäler. Heinrich Heine und Ludwig Frank. Von besonderer Seite wird uns geschrieben. In der Rheinland-Nummer gedachten Sie des großen deutschen Dichters Heinrich Heine. Mehr, als Worte es vermocht hätten, bewies das Bild des Loreleyfelsens, wie trotz aller Streitigkeiten um Heine und gegen Heine seine Dichtungen in das Gemüt des deutschen Volkes eingedrungen und zum Teil wahrhafte Volkslieder geworden sind. Auch das Bild Ludwig Franks, des sozial-demokratischen Reichstagsabgeordneten, veröffentlichten Sie, der wenige Tage nach Kriegsausbruch für sein deutsches Vaterland gefallen ist. Das deutsche Volk ist sonst so freigebig mit Denkmälern für Kriegs- und Geistesleben. Wie ehrt es diese beiden Männer?  
Das Schicksal des Heine-Denkmals, das einst in dem Achilleion auf Korfu gestanden hatte und dann nach Hamburg geschafft worden war, weil der Kaiser das Denkmal dieses deutschen Juden nicht sehen wollte, ist ja bekannt. Es steht jetzt im Barthof, einem großen Kaufmannshause in Hamburg, mit Holz umkleidet, um es gegen die Besudelungen nationalistischer Parteihelden zu schützen, die es einmal von oben bis unten mit Teer, ein anderes Mal mit roter Farbe beschmiert hatten. Der 'Fridericus' meldet nun kürzlich, dass das Heine-Denkmal im Hamburger Stadtpark 'eine würdige Stätte' finden soll und trägt bei der Gelegenheit seinen Lesern Verse von Heine vor, die daraufhin ausgewählt sind, um die Leser zu neuen Beschmutzungen anzustacheln, falls es wirklich wieder auf einen öffentlichen Platz gestellt werden sollte. Im Interesse des Denkmals wäre es wohl besser, wenn das Gerücht, dass der ehemalige Verleger der Heineschen Werke, Julius Campe, das Heine-Denkmal in seinen Privatbesitz in Blankenese an der Elbe überführen und es nur noch ernsthaften und anständigen deutschen Besuchern zugänglich machen will, sich bewahrheiten würde. Sonst dürfte es der republikanischen Jugend Hamburgs, die schon bei den früheren Beschmutzungen des Denkmals durch einen Fackelzug Heines Andenken retten wollte, schwer werden, das Denkmal vor neuen Beschädigungen zu bewahren.   
Und wie sieht es mit dem Frank-Denkmal aus? Im September 1924 wurde an einer der schönsten Stellen der Stadt Mannheim ein architektonisch einfaches, würdiges Denkmal für Ludwig Frank von dem Reichsbanner feierlich enthüllt. Schon in den Tagen nach  der Einweihung musste das Reichsbanner einen eigenen Denkmalsschutz stellen, weil man Übergriffe rechtsradikaler Elemente befürchtete, denen die Kundgebung des Reichsbanners gegen den Strich gegangen war. Jetzt ist im Mai dieses Jahres das Denkmal mit roter Kopiertinte besudelt und eine Woche später mit einem 20 Zentimeter hohen Hakenkreuz 'verziert' worden. Zum Glück ist es gelungen, diese Beschmutzungen zu entfernen, sodass das Denkmal mit seiner schönen Inschrift: Einer muss die Fundamente gesehen haben, de Fundamente des neuen Staates', wieder rein und würdig aus dem saftigen Grün entgegenleuchtet. Leider ist es nicht möglich gewesen, die Täter aufzufinden. Aber zweifellos sind sie n der unmündigen Jugend zu suchen, die aufgehetzt ist durch den sinnlosen Groll unbelehrbarer Fanatiker. Gerade die sollten aus der starken aufrechten Persönlichkeit des für sein Vaterland und für seine Idee gefallenen deutschen Juden die Achtung lernen, die die Rechtselemente ja auch für sich in Anspruch nehmen. U.B."        

   
Zum Tod von Marta Kohn-Königshöfer (1931)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1931: "Marta Kohn-Königshöfen - sie ruhe in Frieden. 
Mannheim,
1. April (1931). Im Anzeigenteil des 'Israelit' war in einer der jüngsten Nummern folgende ergreifende Anzeige zu lesen: 'Am 16. Adar entschlief ohne Schmerz und Vorahnung meine liebe Frau Marta Kohn geb. Königshöfer, 12 Tage nach der Geburt unseres Sohnes. An unserem ersten Hochzeitstage trugen wir sie zu Grabe.' Diese schlichte Anzeige, in welcher mit gottergebenem Sinn und Ausdruck von einem erschütternden Schicksalsschlag berichtet wird, der über eine hochangesehene Familie gekommen ist, lässt wohl die ganze Größe und Tiefe des Schmerzes erkennen, in den ein junger Ehegatte, Eltern, Geschichte und Verwandte durch des Himmels unerforschlichen Ratschluss jäh versetzt worden sind, aber nicht den Umfang und die Schwere des Verlustes, die dieser Tod auch für einen weiten Kreis von Freunden und Bekannten, ja für die jüdisch interessierte Allgemeinheit überhaupt, darstellt. Marta Kohn geb. Königshöfer, die ihre edle junge Frauenseele vorzeitig ihrem Schöpfer zurückgeben musste, und gerade zu dem Zeitpunkte, als sich ihr das schöne Glück zu vollenden schien, das sie an der Seite eines wackeren Ehegatten vor Jahresfrist gefunden, war ein Mensch von besonderer Prägung. Ein Enkelspross des weithin bekannten Dr. M. J. Königshöfer s.A. in Fürth, lebte sie nicht allein gemäß den Lehren und Traditionen ihres frommen Elternhauses, sondern erhob dieselben zum bewussten Grundsatz ihres Seins. Das Gewohnheitsmäßige lag ihr überhaupt nicht; ihr Geist rang nach Höherem, nach Durchdringung und Vollendung. Daher ihre Tätigkeit in den Jugendbünden der Agudas Jisroel in ihrer Vaterstadt Fürth und ihre Berufsarbeit in der Kinderpflege- und Erziehung. Sie, der es eine ernste höhere Fügung versagt hat, ihre Mutterliebe und Sorge an das eigene Kind zu wenden, hat schon als Mädchen jung an Jahren, Geschick und Talent bewiesen zur Erziehung und Heranbildung jüdischer Kinder im Heime der Ahawa in Berlin. Ihre Güte, ihr heiter-froher Sinn, ihr wohlwollendes Wesen machten sie zu diesem Berufe besonders geeignet. Eine gute Tochter, eine treue Gattin, eine verständnisvolle Mitarbeiterin an allem Wahren und Guten, war sie auch eine aufopfernde Genossin allen ihren Freunden und Freundinnen, und ewig unvergessen bleibt ihr in diesem Freundeskreise die Offenheit und hingebungsvolle Selbstlosigkeit, mit der sie es verstand, Freundschaft zu pflegen. Mit dem Gefährten ihres frühvollendeten Lebens blickt darum auch die Schar der Freunde schmerzumdüstert nach ihrem frühzeitigen Grabe. Sie alle gedenken der frohen nutzbringenden Stunden, die sie in ihrer Gemeinschaft verbracht und blicken mit wehmutsvoller Innigkeit ihr nach. Beglückend und heiter, wie ihr ganzes Wesen, hat sie Gott von solchen Empfindungen erfüllt, rasch und ahnungslos wie in einem heiteren Traume der Erde entrückt.  Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."            

      
Zum Tod von Baruch Strauß (1931)    
Anmerkung: die Datierungen enthalten einen Fehler: statt 14. und 15. Nissan muss es 14. und 15. Kislew heißen.   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1931: "Mannheim, 7. Dezember (1931). Am Heiligen Schabbat Paraschat Wajeze (= 21. November 1931) sagten die Klausbesucher zueinander: Es ist doch eine besondere Gnade von Gott, wenn ein 88-jähriger, wie Herr Baruch Strauß, mit solcher Kraft, mit solcher Wärme, die Haftara (Lesung des Prophetentextes) sagen kann. Sie rühmten die Energie des jugendlichen Greises, der im Winter wie im Sommer morgens und abends, den Weg zum Gotteshaus fand... Bis zwei Tage nach dem Schabbat (23. November 1931) die Kräfte versagten. Noch einmal konnte er am 14. Nissan (gemeint 14. Kislew = 24. November 1931) zu Mincha gehen, aber schon am 15. Nissan (gemeint 15. Kislew = 25. November) war es nur mehr ein Flüstern, als er die letzte Mincha-Tefilloh verrichtete... Am Erew Schabbat (27. November 1931) geleiteten ihn viele, viele Menschen auf den Friedhof in Frankfurt, an der Seite der Gattin, die ihm nach 53-jähriger Ehe vor einigen Jahren im Tode vorausgegangen war, zu Grabe, wo Herr Rabbiner Dr. Hoffmann das Bild des Greises an den Trauernden vorüberziehen ließ und den Dank sagte an den echten Jehudi alten Schlages, dem wo er immer wirkte, Ehrerbietung zuteil ward bei den Menschen. Fast nur aus sich selbst heraus hatte Baruch Strauß sich jüdisches Wissen angeeignet und es weitergegeben, als er, der aus Hochstadt am Main stammte, in Sprendlingen, in Darmstadt und, von 1867 an, in Gensingen bei Bingen als Lehrer tätig war. Im Jahre 1900 musste er die Auflösung der kleinen Gemeinde erleben; er verlegte seinen Wohnsitz nach Frankfurt, wo er als Haschkomo-Chasen an der Börneschul bald bekannt, beliebt und geehrt wurde, geehrt besonders, als ihm Rabbiner Nobel seligen Andenkens 1918 zum 75. Geburtstage den Chawer-Titel (Ehrenrabbiner) verlieh. Als die Gattin, die mit ihm in vorbildlichster Weise die Kinder zu echten jüdischen Menschen erzogen hatte, ihm entrissen wurde, bereiteten ihm die Kinder in Liebe und Verehrung ein neues Heim, und als er vor wenigen Jahren im Hause des Sohnes und der Schwiegertochter in Mannheim das Heim des Lebensabends fand, da fand er zugleich auch die Klausgemeinde als neue Heimat, und hier wurde er nochmals dem Alter und der Jugend Vorbild des Jehudi, dem keine Stunde zu früh und zu spät, kein Wetter zu stürmisch war, wenn es galt, eine Mizwa (religiöse Weisung) zu erfüllen. Und so war es auch ein Ausdruck größter Verehrung, wenn Herr Rabbiner Dr. Unna im Namen der Mannheimer Freunde Baruch Strauß das Geleite gab zum Grab und ihm dort herzliche Worte des Gedenkens widmete, Worte, wie sie auch während der Trauerwoche im Trauer-Hause von einem der Söhne in kindlicher Liebe, von Freunden des Heimgegangenen in bewegtem Erinnern gesprochen wurden."        

   
Zum Tod von Ida Löffler (1933)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1933: "Mannheim, 5. Januar (1933). Am Rüsttage von Schabbat 2. Tag an Chanukka (= 26. Dezember 1933) zog Frau da Löffler ihrem ewigen Sabbat entgegen. Aufrecht als Mensch und Jüdin, wie wir es verstehen, ging sie durch dieses Leben, aufrecht als Menschen und Juden hat sie ihre Kinder erzogen, an der Seite ihres schon seit langem in die     

   
Das Denkmal für Ludwig Frank wurde von der Stadtverwaltung entfernt (1933)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1933:     
 
Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juli 1933:   

 
90. Geburtstag von Leopold Simon (1934)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1934: "Mannheim, 5. November (1934). Am Schabbat Toledot (3. Kislev = Samstag, 10. November 1934) begeht der älteste Besucher der Klaussynagoge, der Ehrenvorsitzende der Chewrat Kadischa (Wohltätigkeits- und Bestattungsverein) Herr Leopold Simon, in begnadeter Rüstigkeit seinen 90. Geburtstag.   (Alles Gute) bis 120 Jahre."      


Die Korsettfabrik Eugen und Hermann Herbst GmbH wurde "arisiert" (1936)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. März 1936: "Mannheim. Die Korsettfabrik Eugen und Hermann Herbst GmbH., hier, ist in arischen Besitz übergegangen."         

   
Zum Tod von Rechtsanwalt Dr. Max Jeselsohn (1937)   
Anmerkung: Max Jeselsohn (geb. 1871) war verheiratet mit Fanny geb.?, die 1940 nach Gurs deportiert wurde und im 93. Lebensjahr 1968 in Partis starb. Sie wurde am 11. Oktober 1968 im jüdischen Friedhof in Mannheim beigesetzt.   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. März 1937: "Mannheim, 22. Februar (1937). In Mannheim starb Rechtsanwalt Dr. Max Jeselsohn im 66. Lebensjahr. Der Verstorbene war lange Jahre als Rechtsanwalt tätig, der über seine Heimatstadt hinaus bekannt und geschätzt war. Viele Jahre war er Stadtverordneter und Stadtrat in Mannheim. Den Krieg machte er als Reserveoffizier mit und erhielt mehrere hohe Auszeichnungen. Viele Jahre war er Synagogenrat der Jüdischen Gemeinde in Mannheim und Vorsitzender der badischen Synode. Auch im Centralverein nahm er eine führende Stellung ein. Die Großloge Bne Briß betrauert in ihm ihren Vizegroßpräsidenten, der sich stets voll für ihre Ideale einsetzte. (ITA.)."     

 
Zum Tod von Eduard Bauer (1937)    
Anmerkung: Eduard Bauer ist am 25. November 1866 in Michelfeld geboren. Er war seit 10. Juni 1896 (Heidelberg) verheiratet mit Hermine geb. Carlebach. Nach ihrer Heirat lebten die beiden im Kaiserring 48 in Mannheim. Er war Inhaber der Fa. Gebr. Bauer (Druckerei; 1938 von Hubert Burda übernommen, Quelle). Die beiden hatten drei Kinder. Hermine Bauer konnte nach Palästina / Israel emigrieren, wo sie am 17. März 1940 gestorben ist. Auch die drei Kinder konnten mit ihren Familien zwischen 1938 und 1941 nach Palästina emigrieren.  
Quelle: http://www.crt-ii.org/_awards/_apdfs/Bauer_Eduard.pdf 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1937: "Eduard Bauer - er ruhe in Frieden. Mannheim, 5. April (1937).   
Es sind kaum vier Monate vergangen, seit an dieser Stelle Eduard Bauers gedacht wurde. Es war ein froher Anlass. Dem Siebzigjährigen, dessen Rüstigkeit vielerlei Tätigkeiten und Ämtern gewachsen zu sein schien, ohne dass es ihm Beschwerden bereitete, wurden von Freunden und Gefährten der Arbeit im Dienste der Gemeinde, im Dienste der Emunoh (Wahrheit) Glückwünsche dargebracht. Eine ganze Gemeinde, Viele im Lande nahmen damals teil an dem festlichen Tag... Wir glaubten, es beginne für den Mann an der Schweller des Greisenalters ein neues, vielleicht ein gemesseneres, ein friedlich-gütiges, mit Altersweisheit verklärtes Schaffen. Ein Ausruhen, ein Zurückziehen von all den verantwortlichsten Funktionen? - Vielleicht sehnte er sich im Innersten danach. Wir meinten aber, es mache ihm noch immer ein wenig Freude, mit gutem Wort, mit beruhigender Geste und Mahnung dabei zu sein: im Synagogenrat der Gemeinde, in der Verwaltung des Krankenhauses, im Vorstand der Klauskommission, im Vorstand des 'Verein zur Wahrung', in den Gremien der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden, und - das mag vielleicht sein liebstes Tun gewesen sein - im Chor der Klaussynagoge im Dienste des Ewigen.  
Am Schabbat nach Purim sahen wir ihn zum letzten Mal im Gotteshaus. Dann kam ein Kranksein, das uns allen harmlos schien. Aber aus Tagen wurden Wochen und wir waren glücklich, zu hören, dass es gegen Pessach zu besser ging. Und wenn auch der schönste Wunsch, dieses Jahr das Pessachfest in Jeruscholajim zu verbringen, gemeinsam mit Kindern und Freunden, nicht in Erfüllung gehen sollte, wir waren schon froh, als wir ihn, vermeintlicher Genesung entgegensehend, am ersten Tag des Festes außerhalb des Bettes mit 'Gut Jomtow' (guten Feiertag!) begrüßten durften. Er hatte nur einen besonderen Wunsch. Da es ihm unmöglich war, das Zimmer zu verlassen, wollte er im Krankenhaus am Jahrzeittag für seinen seligen Vater Minjan (hier: eine religiöse Feier, zu der mind. zehn Männer zusammenkommen) machen. Dann kam eine ernstere Wendung. Wir sprachen sorgenvoll von ihm. Und eben am Jahrzeitstag für seinen Vater, am Tag, an dem in seinem Krankenzimmer ein kleines Licht brannte, geleitete der schwache Lichtschein ihn in die Ewigkeit. Die Lewajo (Beerdigung), über der noch die Erinnerung an die Festtage des eben zu Ende gegangenen Jom Tow (Feiertag) lag, vernahm keine Rede der Trauer und des Schmerzens. Unzählige, eine ganze Gemeinde, die Vertreter vieler Körperschaften und Vereinigungen, geleiteten in stummer Ehrerbietung einen würdigen, einen guten Jehudi zu Grabe. Nur Herr Rabbiner Dr. Grünewald sprach in wenigen Sätzen den Dank aus im Namen aller, die gekommen waren, um dem Verstorbenen noch einmal stimmen Dank zu zollen für sein Wirken auf vielen verantwortungsvollen Posten. In der Klaussynagoge gehen wir traurig an dem Platze Eduard Bauers vorüber. Wir flüstern wehmutsvoll die Worte: Du bist heimberufen worden. Dein Andenken ist gesegnet.  K.D."        

 
 
Jüdische Familiengeschichte  
Über die Familie Mayer Eppstein (Familie von Dr. Paul Eppstein, 1902-1944)  - Beitrag von Rolf Michael Mayer (2009, E-Mail

Vom Taunus über Frankfurt und Mannheim nach Fußgönheim, Ruchheim und Mutterstadt
HaLevi – Eppstein – Eppler – Mayer. Vier Namen – eine Familie

1335 erteilte Kaiser Ludwig IV. (Ludwig der Bayer) Gottfried von Eppstein die Erlaubnis, im Tal und an seiner Burg Eppinstein im Taunus 10 jüdische Familien anzusiedeln. 1392 zog eine dieser Familien von dort nach Frankfurt am Main. Ihr ursprünglicher Name war HaLevi gewesen, was sie als Angehörige des Stammes der Leviten auswies. 
Wie bei vielen Juden wurde dieser Herkunftsort zum späteren Nachnamen - hier Koppelmann (von) Eppstein. Nathan HaLevi Eppstein war von 1450 - 1470 Oberrabbiner in Frankfurt. Während des Fettmilch-Aufstandes 1612 - 1614 wurden alle Juden aus Frankfurt vertrieben und die inzwischen weit verzweigte Familie Eppstein zerstreute sich in alle Richtungen.
1674 tauchte der Name erstmals in Mannheim auf, als ein Jesaias Eppstein als Mitbegründer der jüdischen Begräbnisbruderschaft genannt wird. Ab 1730 wird ein Jacob Eppstein mehrmals in den Mannheimer Ratsprotokollen erwähnt. 1743 saß er wegen nicht bezahlter Verbindlichkeiten zeitweise im Arrest.
Die drei Kinder seines Sohnes Mayer Löb Eppstein gingen in die Pfalz: Sara als Dienstmagd nach Mutterstadt, ebenso ihr Bruder Joseph, der in der dortigen jüdischen Gemeinde Vorsänger wurde. Er nannte sich später "Eppler" und ist der Ur-Urgroßvater von Heinz Eppler, der mit seinen Eltern vor den Nazis flüchten musste und heute in den USA lebt. 
Heinz Epplers Großvater Isidor starb 1941 im Lager Gurs in den Pyrenäen und dessen zweite Frau Bertha 1944 in Marseille. 
Joseph Eppler starb 1869 in Mutterstadt und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Fußgönheim begraben.
Der dritte, Jacob Mayer Eppstein arbeitete 1806 als Lehrer in Iggelheim und heiratete 1807 in Fußgönheim die Tochter des Händlers Moyse Hirsch. 1808 ging er nach Ruchheim, wo er eine Anstellung als Lehrer der jüdischen Gemeinde gefunden hatte. Hier wurde 1810 der Sohn Jacob geboren, der später ebenfalls Lehrer wurde und im Saarland und Hunsrück tätig war. Aus dieser Linie stammen die Eppsteins, die heute in Israel, USA und anderen Teilen der Welt leben. 
   
Ebenso Dr. Paul Eppstein (vgl. Wikipedia-Artikel zu ihm), der 1902 in Ludwigshafen geboren wurde und von 1928 - 1933 Leiter der Volkshochschule Mannheim war, bis die Nazis ihm die weitere Ausübung dieser Tätigkeit untersagten. Er ging daraufhin nach Berlin in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, von wo er im Januar 1943 mit seiner Frau, Dr. Hedwig Strauss, ins Lager Theresienstadt deportiert wurde. Dort angekommen, wurde er zum "Ältesten der Juden" bestimmt. In dieser Funktion hatte er die Anordnungen der Lagerleitung umzusetzen. Am 27. September 1944 wurde er von der SS verhaftet und erschossen. 
 Rechts: Wiederaufstellung der Büste 
von Paul Eppstein (geboren 1902 
in Ludwigshafen) im Foyer der neuen
 Abendakademie Mannheim am 6. Februar 2013 
(Fotos: erhalten von Rolf Michael Mayer)  
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Verlegung eines "Stolpersteines" für 
Paul Eppstein am 11. September 2009 
in Mannheim  
(Fotos: erhalten von Rolf Michael Mayer) 
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 Der "Stolperstein" für Paul Eppstein wurde vor dem Haus Collinistraße 20 verlegt, wo Paul und Hedwig Eppstein wohnten (1933), bevor sie 
nach Berlin verzogen sind. Zu Paul Eppstein siehe auch ein Artikel von Wolfram Pyta in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 30. August 2012:
 "Ausharren bis zur Vernichtung. Die Selbsttäuschung der 'Reichsvereinigung der Juden in Deutschland' während des Zweiten Weltkrieges" - 
eingestellt als pdf-Datei
(zugleich Vorstellung des Buches von Beate Meyer: Tödliche Gratwanderung. Göttingen 2011). 

Ein weiterer Nachkomme der Ruchheimer Linie war Eugen Eppstein, der als Mitglied der KPD 1924 Reichstagsabgeordneter der Weimarer Republik war und 1943 im KZ Lublin-Majdanek ermordet wurde. Sein Name findet sich auf einer Liste mit 33 Namen bekannter deutscher Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Heinrich Mann oder Kurt Tucholsky, welche die Nationalsozialisten 1933 ausbürgern wollten.
Der offizielle Name der Familie war seit 1807 Mayer, ohne dass der Name Eppstein gänzlich abgelegt wurde und die meisten Familienteile nannten sich später wieder Eppstein.
Nach seiner Tätigkeit als jüdischer Dorfschullehrer von Ruchheim ging Jacob Mayer Eppstein nach Fußgönheim zurück, wo 1814 Jacob Salomon Mayer (der Ur-Urgroßvater des Verfassers) geboren wurde. Sein Vater Jacob Mayer Eppstein starb 1845 in Worms, wo er von einer Pferdekutsche überfahren wurde.
Jacob Salomon Mayer behielt den Namen Mayer bei. Mit seiner Ehefrau Esther Levi aus Altdorf bei Edenkoben hatte er acht Kinder. Sohn Emanuel war mit Susanna Joel verheiratet, deren Familie ebenfalls in Fußgönheim wohnte. Emanuels Tochter Bertha wurde mit ihrem Ehemann Alfred Bernstein ins Lager Gurs deportiert. Bertha starb 1944 in Limoges, ihr Mann im gleichen Jahr im Lager Nexon.
Welche Mitglieder der Familie im ehemaligen "Mayer-Haus" - es war das zweite Haus rechts neben der Kirche – wohnten, ist nicht bekannt. Die Gräber von Emanuel und Susanna Mayer findet man ebenfalls auf dem jüdischen Friedhof in Fußgönheim.
Moses Mayer, ein weiterer Sohn Jacob Salomons, zog nach Oggersheim, wo 1882 Sohn Albert (der Großvater des Verfassers) geboren wurde. Albert war 1914 nach Mannheim verzogen, wo er eine Fischhandlung betrieb. Er war mit einer nichtjüdischen Frau verheiratet, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten regelmäßig von der Gestapo bedrängt wurde, sich von ihrem jüdischen Mann scheiden zu lassen, was sie jedoch strikt ablehnte. Die Ehe mit einer "arischen" Frau hat Albert Mayer letztendlich das Leben gerettet, denn er wurde – wie die meisten Juden aus Mischehen – erst spät, im Frühjahr 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert. Zu dieser Zeit gingen von dort keine Transporte mehr in die Vernichtungslager im Osten. In Theresienstadt traf er seine Schwester Ella wieder, die bereits 1944 deportiert worden war. 
Im Juni 1945 kehrten beide unversehrt nach Deutschland zurück, doch mindestens 18 Mitglieder der Familie Eppstein - Eppler - Mayer verloren im Holocaust ihr Leben."

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Anzeige der Buchhandlung von J. Bensheimer (1865)           

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1865:           

   
Anzeige der Metzgerei J. Guggenheimer (1900)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1900:     

   
Hinweis auf die Eierteigwarenfabrik Hermann Burger und Co. mit Spezial-Koscherware in Mannheim-Friedrichsfeld (1902)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1902:       

    
Anzeige der Wurstfabrik J. Guggenheimer (1905)     

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Mai 1905:    


Geburtsanzeige eines Sohnes von Prof. Karl Darmstädter und Hilde geb. Jakobsohn (1928)        

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1928:      

    
    
Weitere Dokumente  
Karte von Mia Neter an Oberrat J. Hartog (1929)   

(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)    

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Die obige Karte zeigt den Marktplatz in Wertheim mit dem in jüdischem Besitz befindlichen Textilkaufhaus von Menko Held (Marktplatz 8/10, siehe Ausschnitt rechts). Die Karte wurde am 28. April 1929 von Mia Neter (s.u.) geschrieben und zwar an den israelitischen Oberrat J. Hartog in Mannheim. Der erste Satz "der Jomtof (= Feiertag) lässt diesmal zum Schreiben wenig Zeit..." 
J. Hartog (= Julius Hartog) in Mannheim war damals Synagogenrat der jüdischen Gemeinde ebd.  

Mannheim Mia Neter 010.jpg (26490 Byte)Mia Neter (geb. 8. November 1893 in Wertheim - 1976), die Absenderin der Karte, war seit 1926 die Leiterin des "Jüdischen Wohlfahrts- und Jugendamtes der jüdischen Gemeinde Mannheim. Das Foto links zeigt sie 1936 (in der Mitte) im Kreis ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Über die Pessachtage 1929 war Mia Neter offenbar zuhause in Wertheim. 1939 konnte sie nach Palästina emigrieren.    
Quelle: V. Keller: jüd. Leben in Mannheim S. 120-121; ders.: Bilder vom jüd. Leben in Mannheim S. 95 Abb. 247.    

     

  
  
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Julius Bruno aus Mannheim (1827-1886) und Emilie Bruno geb. Hochstädter aus Karlsruhe (1834-1889)    
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

   Grabstein für "Julius Bruno  
Born in Mannheim Sept. 6, 1927 
Died May 14. 1886" und 
"Emilie Bruno née Hochstaedter 
Born at Karlsruhe Nov. 8, 1834. 
Died Nov. 19, 1889".   

   
   
     

     

     

 

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Stand: 05. Juli 2015